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Medienfonds – wie viel verdienen die Initiatoren? - Aktionsbund

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Medienfonds – wie viel
verdienen die Initiatoren?
von Kerstin Kondert
Medienfonds schienen eine feine Sache zu
sein: ein Stück Hollywood-Glamour mit hohen
Steuervorteilen und hohen Erträgen. Inzwischen
wissen wir, dass die Erlösrechnungen in vielen
Prospekten hoffnungslos überzogen waren,
auch das steuerliche Konzept wackelt in zahlreichen Fällen. Was unter dem Strich für die
Anleger herauskommt, ist noch nicht absehbar,
nur dass es überwiegend deutlich weniger sein
dürfte, als prognostiziert wurde.
I. Neuerscheinung: Medienfonds –
Das Anlegerhandbuch
Der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V.
hat aufgrund der vielfachen Nachfrage einige
Experten gebeten, den Medienfonds-Markt
unter wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Aspekten zu beleuchten. Das umfangreiche Werk „Medienfonds - Das Anlegerhandbuch“
ist soeben erschienen und kann sowohl über
den Aktionsbund als auch über
www.amazon.de bezogen werden.
Das „Anlegerhandbuch“ beginnt mit einer Übersicht über die größten Initiatoren, deren Hintergründe und Verflechtungen sowie die von
diesen aufgelegten Fonds. Ein weiterer Beitrag, den ich geschrieben habe, ist insbesondere den Fonds mit sog. „Defeasance-Struktur“
gewidmet, bei denen die Rückflüsse an die
Anleger durch eine Schuldübernahme einer
Großbank gesichert werden. Hier erkläre ich
zunächst die Struktur dieser Fonds und vergleiche verschiedene Fonds hinsichtlich
ihrer prospektierten Wirtschaftlichkeit und
weiterer Prospektaussagen. Der nachstehende Beitrag enthält Auszüge aus diesem Abschnitt. Meine Kollegen aus dem anwaltlichen
Bereich gehen im „Anlegerhandbuch“ ferner auf
die gesellschaftsrechtlichen Grundlagen, die
steuerlichen Problemfelder sowie die Anspruchsgrundlagen der Anleger gegenüber
möglichen Anspruchsgegnern ein. Der letzte
Beitrag erläutert die Handlungsmöglichkeiten,
die Anlegern, die selbst aktiv werden wollen,
auf Fondsebene gegeben sind.
Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e. V.
II. Wie viel verdienen Initiatoren an
den Fonds?
Bei den Recherchen und Untersuchungen
hinsichtlich der Medienfonds ist uns vor
allem eines sehr deutlich geworden: Die Anleger sind, wenn auch von Fonds zu Fonds
in sehr unterschiedlichem Maße, erheblichen
Risiken ausgesetzt. Die Initiatoren verdienen
jedoch ohne nennenswertes Risiko nicht nur
an bei Fondsauflage und -vermarktung entstehenden Gebühren, sondern auch an der
Fondsverwaltung – und zwar unabhängig
davon, ob der Fonds sich für die Anleger
rechnet oder nicht. Ich habe nachstehend
für verschiedene Fonds bzw. Initiatoren gegenübergestellt, in welcher Höhe in der Investitionsphase diese sog. „weichen Kosten“
angesetzt wurden, wie viel die Anleger jeweils an Eigenkapitalvermittlungsprovisionen
bezahlen mussten und was die Fondsverwaltung während der laufenden Fondsbetreuung
Jahr für Jahr noch verdienen will.
2.1 Allgemeine Anmerkungen
Für meine Betrachtungen habe ich die auf der
nächsten Seite aufgeführten Fonds untersucht
und miteinander verglichen.
2.2 Anmerkungen zu den Berechnungen
Die Fondsprospekte unterscheiden sich in ihren
Darstellungen insbesondere bei den Investitionskosten in einigen Aspekten.
So wird teilweise die Eigenkapitalbeschaffungsprovision als Bestandteil der Investitionskosten,
also innerhalb des Investitionsplans, ausgewiesen, während außerhalb des Investitionsplans
noch ein Agio, das ebenfalls für die Eigenkapitalbeschaffung aufgewendet wird, angesetzt wird.
Der Gesamtaufwand beläuft sich dann z. B. auf
105 % des Kommanditkapitals, nicht auf 100 %.
In anderen Fällen wird kein Agio berechnet, sondern die Eigenkapitalbeschaffungsprovision in
einer Summe innerhalb des Investitionsplans kal-
Kerstin Kondert
Dipl.-Betriebsökonomin (BI),
geschäftsführende Gesellschafterin
der Kondert & Mainka GmbH
Ausbildung:
Studium Englisch
und Geografie, Ausbildung zur
Köchin, berufsbegleitendes
Studium BWL und Ausbildung
zur Mediatorin
Berufliches:
Seit 1988 in der Immobilienbranche tätig, Schwerpunkte zunächst
Konzeption, Finanzierung und Prospektierung geschlossener Immobilienfonds, Entwicklung von Sanierungskonzepten für Not leidende Fonds,
Handelsrichterin am Landgericht
Berlin, Referentin, diverse Fachveröffentlichungen.
Kontakt:
Kondert & Mainka GmbH
Knesebeckstr. 83
10623 Berlin
Tel.: 0 30/88 71 51-0
Fax: 0 30/88 71 51-10
E-Mail:
kondert@kondert-mainka.de
www.kondert-mainka.de
kuliert. In diesen Fällen entspricht der angegebene Gesamtaufwand daher dem Kommanditkapital und enthält die Eigenkapitalvermittlungsprovision vollständig. Aus diesem Grund habe
ich als Bezugsgröße in meinen Vergleichsrechnungen grundsätzlich den Gesamtaufwand einschließlich Agio (Brutto-Gesamtaufwand) in Ansatz gebracht.
Sofern als Bezugsgröße nicht der Gesamtaufwand, sondern das von den Anlegern in bar zu
erbringende Kapital anzusetzen ist, habe ich jeweils das Barkapital zuzüglich Agio zugrunde gelegt, um die Zahlen vergleichbar zu machen.
Auch die Begriffe „Herstellungskosten“ und „Produktionskosten“ werden in den Prospekten unterschiedlich verwendet. In unseren Übersichten
haben wir unter dem Begriff „Herstellungskosten“
(abgekürzt „HK“ ) alle Positionen zusammengefasst, die mit der Filmherstellung direkt in Verbindung stehen. Außerhalb der Herstellungskosten,
also in den sonstigen Kosten, haben wir die Gebühren für Eigenkapitalbeschaffung, Haftungs­
übernahme, Geschäftsführung, Steuerberatung
usw., also die sog. „Weichkosten“, zusammengefasst. Die dort enthaltenen Kosten fließen im Wesentlichen den Initiatoren und mit diesen verbundenen Unternehmen zu.
Fondsname
Fondsname Langfassung
Jahr der
Prospektherausgabe
Initiator
Schuldübernahme
durch
Refinanzierung
durch
Laufzeit
Mediastream I
Mediastream Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2000
Ideenkapital
Sparkasse Köln
UNLS
MP Film Management
UNLS Productions GmbH & Co. KG
2000
LHI
Nord LB
Academy I
MHF Erste Academy Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2001
Commerzbank
Commerzbank AG
Linovo
LINOVO Productions
GmbH & Co. KG
2001
LHI
HeLaBa Dublin
Mat I KG
Mat Movies & Television Productions
GmbH & Co. Project I KG (126)
2001
Alcas/KGAL
Dresdner Bank
9,0 Jahre
Mat II KG
Mat Movies & Television Productions
GmbH & Co. Project II KG (134)
2001
Alcas/KGAL
Dresdner Bank
8,0 Jahre
Mediastream II
Mediastream Zweite Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2001
Ideenkapital
Sparkasse Köln
Academy II
MHF Zweite Academy Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2002
Commerzbank
Commerzbank AG
Mat IV KG
Mat Movies & Television Productions
GmbH & Co. Project IV KG (139)
2002
Alcas/KGAL
Hamburgische LB
Hamburgische LB
10,0 Jahre
Mediastream III
Mediastream Dritte Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2002
Ideenkapital
Sparkasse Köln
Stadtsparkasse
Köln
10,0 Jahre
VIP 3
Film & Entertainment VIP
Medienfonds 3 GmbH & Co. KG
2002
VIP
Dresdner Bank
Kaledo I
Kaledo Productions GmbH & Co. KG
2003
LHI
Nord LB, HVB
Nord LB
13,0 Jahre
Mediastream IV
Mediastream Vierte Film
GmbH & Co. Beteiligungs KG
2003
Ideenkapital
Sparkasse Köln
Stadtsparkasse
Köln
10,0 Jahre
MMDP 1 KG
MMDP Munich Movie
Development & Production
GmbH & Co. Project 1 KG (152)
2003
Alcas/KGAL
HSH Nordbank
HSH Nordbank
16,5 Jahre
Montranus I
MONTRANUS Beteiligungs
GmbH & Co. Verwaltungs KG (143)
2003
Hannover
Leasing
HeLaBa Dublin
HeLaBa Dublin
10,0 Jahre
Kaledo II
KALEDO Zweite Productions
GmbH & Co. KG
2004
LHI
Nord LB
Nord LB
17,0 Jahre
Montranus II
Montranus Zweite Beteiligungs
GmbH & Co. Verwaltungs KG (158)
2004
Hannover
Leasing
HeLaBa Dublin
HeLaBa Dublin
10,0 Jahre
Montranus III
Montranus Dritte Beteiligungs
GmbH & Co. Verwaltungs KG (166)
2004
Hannover
Leasing
HeLaBa Dublin
HeLaBa Dublin
10,0 Jahre
VIP 4
Film & Entertainment VIP
Medienfonds 4 GmbH & Co. KG
2004
VIP
Bayerische HVB
HVB
10,0 Jahre
Kaledo III
Kaledo Dritte Productions
GmbH & Co. KG
2005
LHI
Dresdner Bank
DSL Bank
13,0 Jahre
8,3 Jahre
Nord LB
19,0 Jahre
6,0 Jahre
HeLaBa Dublin
Stadtsparkasse
Köln
20,0 Jahre
9,0 Jahre
7,0 Jahre
9,0 Jahre
Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e. V.
2.3 Anteil der Herstellungskosten
Die VIP-Gruppe verdient mit einem Weichkostenanteil von 16,95 % des Gesamtaufwandes (inkl. Agio) von allen Initiatoren am
meisten, während die LHI mit einem durchschnittlichen Weichkostenanteil von 8,36 %
eher bescheiden zu nennen ist.
Wie hoch ist der Prozentsatz der Anlegergelder, der nicht für die eigentliche Produktion
verwendet wird, sondern dazu dient, dass in
erster Linie die Initiatoren verdienen? Ich habe
bei den 20 von mir untersuchten Fonds diese
Zahlen zusammengestellt und je Initiator die
Durchschnittswerte ermittelt:
,()
#OMMERZBANK
!LCAS+'!,
(ANNOVER
,EASING
6)0
)DEENKAPITAL
!NTEILôDERô(ERSTELLUNGSKOSTENôAMô'!ôINKLô!GIO
!NTEILôDERôSONSTô+OSTENôAMô'!ôINKLô!GIO
2.4 Anteil der Eigenkapitalvermittlungsprovision
Fonds von den Anlegern zu zahlen sind, im
Vergleich zueinander ausfallen. Ich habe daher aus allen Investitionsplänen alle Kosten
zusammengestellt, die für die Eigenkapitalbeschaffung aufgewendet werden sollen. Für die
einzelnen Fonds ergibt sich folgendes Bild:
Aufgrund der unterschiedlichen Darstellungen
in den Prospekten (vgl. Erläuterungen oben)
ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie
hoch die Gebühren, die für die Platzierung der
%+6ERMITTLUNGôBEZôAUFô'!ôINKLô!GIO
Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e. V.
+ALEDOô)))
5.,3
--$0ôô+'
+ALEDOô))
-ONTRANUSô)))
-ONTRANUSô))
+ALEDOô)
-ATô)6ô+'
-ONTRANUSô)
-EDIASTREAMô))
!CADEMYô))
,INOVO
-ATô)ô+'
-ATô))ô+'
-EDIASTREAMô)))
!CADEMYô)
6)0ô
-EDIASTREAMô)6
-EDIASTREAMô)
6)0ô
10
Diesen Reigen führt der VIP 3 mit stattlichen
13,24 % des Gesamtaufwandes zzgl. Agio an,
der Kaledo III von der LHI bildet mit 4,8 % das
Schlusslicht.
Da die Refinanzierung jedoch praktisch mit
dem Fondsanteil verkauft wird, wird der Vergleich der Eigenkapitalvermittlungsprovisionen
aus unserer Sicht fairer, wenn sie nicht auf
das – in einigen Fällen refinanzierte – Kommanditkapital bezogen wird, sondern lediglich
auf die in bar von den Anlegern zu erbringenden Zahlungen. Hieraus wird auch deutlich, dass ein ganz erheblicher Teil der Anlegergelder nicht in die Filme, sondern in den
Vertrieb der Fonds fließt:
%+"ESCHAFFUNGôINôôDESô"ARKAPITALSôINKLô!GIO
Die den Initiatoren durchschnittlich zufließenden Eigenkapitalvermittlungsprovisionen in
den von uns untersuchten Fonds im Vergleich:
Der Vergleich verdeutlicht, zu welch unter-
--$0ôô+'
!CADEMYô))
+ALEDOô)
+ALEDOô))
-ATô))ô+'
-ATô)ô+'
+ALEDOô)))
!CADEMYô)
5.,3
-ONTRANUSô)))
-ONTRANUSô))
-ONTRANUSô)
,INOVO
-ATô)6ô+'
-EDIASTREAMô)
6)0ô
-EDIASTREAMô))
-EDIASTREAMô)6
-EDIASTREAMô)))
6)0ô
schiedlichen Provisionssätzen sich Medienfonds vertreiben lassen.
%+"ESCHAFFUNGôINôôDESô"ARKAPITALSôINKLô!GIOôDURCHSCHNITTLICH
#OMMERZBANK
)DEENKAPITAL
6)0
(ANNOVER
,EASING
,()
!LCAS+'!,
Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e. V.
11
Im Übrigen haben Ideenkapital, LHI und
KGAL/Alcas (diese nur in den zuletzt aufgelegten Fonds) die Prospektklarheit dadurch
verbessert, dass sie kein Agio außerhalb des
Investitionsplans aufweisen, sondern die Eigenkapitalvermittlungsprovision in voller Höhe
als Bestandteil des Investitionsplans berücksichtigen und damit auch allen Berechnungen
als Bezugsgröße das Eigenkapital einschließlich Vertriebsgebühr zugrunde legen. In den
übrigen Fällen steht das Agio außerhalb des
Investitionsplans. Alle im Prospekt enthaltenen
Angaben zur Wirtschaftlichkeit lassen das
Agio in diesen Fällen unberücksichtigt, sodass
die tatsächlichen Werte grundsätzlich ungünstiger ausfallen als prospektiert.
2.5 Laufende Ausgaben
Der Fondsinitiator verdient aber nicht nur an
der Konzeption des Fonds, sondern auch an
dessen laufender Verwaltung. Die laufenden
Kosten schmälern den Ertrag, der bei den Anlegern ankommt. Auch hier beteiligt sich die
VIP-Gruppe stärker an den Erträgen des
Fonds als andere Initiatoren:
,AUFENDEô!USGABENôINôôDESô'!ôINKLô!GIO
Mit laufenden Kosten von 8,8 % bzw. 7,4 %
des Bruttogesamtaufwandes pro Jahr par­
tizipiert die VIP-Gruppe erheblich an den
Erträgen der Fonds. Der danach teuerste Initiator, die Commerzbank AG, liegt bereits
deutlich unter 5 % und hat vom Academy I
zum Academy II die Gebühren nochmals
deutlich gesenkt.
Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e. V.
-ONTRANUSô)
-EDIASTREAMô)))
+ALEDOô)))
-EDIASTREAMô)
-EDIASTREAMô))
-ONTRANUSô)))
-ONTRANUSô))
5.,3
-ATô)ô+'
!CADEMYô)
--$0ôô+'
+ALEDOô))
-EDIASTREAMô)6
,INOVO
-ATô))ô+'
-ATô)6ô+'
+ALEDOô)
!CADEMYô))
6)0ô
6)0ô
Weitere Informationen zu den Initiatoren und
zu den Prospektaussagen im Vergleich finden Sie in unserem „Anlegerhandbuch“.
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