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?Wie ist Wien? Sommerschreiben in Deiner Stadt

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blatt
?Wie
ist
Wien?
Sommerschreiben
in
Deiner
Stadt
Redaktion:
Alisa Feldhofer, 15
Denise Ocampo, 18
Lena Wiesbauer, 26
Lea Schnell, 20
Chefredaktion: Julia Kaiser
Assistenz: Bianca Leutgab
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Sommerschreiben
in
Deiner
Stadt
Coffee to stay
Kaffeehauskultur in Wien - nicht nur für alte Leute
Denise Ocampo, 18
Der Duft von frisch gemahlem Kaffee lässt viele
die Augen schließen und
lächeln.
Obwohl
man
jetzt fast überall einen
Kaffee
im
Pappbecher
mitnehmen kann, genießen
Einheimische
wie
Touristen das Flair und
den Kaffeegenuss in einem traditionellen Wiener
Kaffeehaus.
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ist
Wien?
Sommerschreiben
Im Café Raimund arrangiert eine Dame mit
Hochsteckfrisur
und
weißer
Schürze
die
Zeitungen neben der Theke und begrüßt jeden,
der herein kommt. Ihren Namen kennt kaum
jemand, aber das macht nichts, denn sie ist das
Herzstück in diesem Café und weiß einfach alles
darüber. Strahlend erzählt sie, dass sie hier seit
25 Jahren als Kellnerin arbeitet.
Das „Raimund“ ist über 100 Jahre alt und wurde
nach den „Raimund Volksstücken“ von Nestroy
benannt. Für die Mittvierzigerin ist es ganz klar,
dass zu Wien die Kaffeehauskultur einfach dazu
gehört und schon immer ein Teil von der Stadt
war. Es liegt gegenüber dem Volkstheater und
neben dem Justizpalast, was über die Jahre
Kundschaft aus allen Gesellschaftsschichten in
das Café gebracht hat. Theaterpublikum und
Schauspieler wie
Anwälte und ihre
Klienten
genießen
hier
eine Tasse des
heißen
schwarzen
Getränks.
Viele traditionelle
Kaffeehäuser
haben
geschlossen,
aber
das
„Raimund“
existiert
noch
und trägt zum
Charme
der
Stadt bei. Das
allererste
Café
eröffnete hier sogar schon 1685, und das
Getränk wie auch das Lokal war bei den Bürgern
sofort sehr beliebt.
Die blonde Dame mit den grün geschminkten
Augen sorgt sich um ihre Gäste und will, dass
sie sich hier geborgen und wohl fühlen. Sie lässt
sich von modernen, hippen Kaffeehäusern nicht
aus der Ruhe bringen. Auch die Schüler
schätzen das ruhige Ambiente und kommen hier
gerne hin um zu lesen oder lernen. Es gibt keine
Musik, und die grüne Tapete mit den goldenen
Verzierungen lässt einen denken, man säße in
einem Salon in einem Palast. Das dunkle Holz
wirkt neben den Rosen und den schweren
weinroten Vorhängen sehr edel. In der
Nachkriegszeit gründete Hans Weigl hier den
Wiener Literatenkreis woran heute eine Tafel vor
dem Café erinnert.
Hinter der Glastheke mit Tortenstücken steht
eine massive, polierte, silberne Kaffeemaschine.
Die Kellnerin erzählt lächelnd, wie manche
Touristen
sich
sogar
die
verschiedenen
Kaffeespezialitäten und die Beschreibung dazu
notieren. Es kommen auch viele Stammkunden,
die hier ihren Kaffee genießen und Zeitung
lesen. Freundlich begrüßt die Kellnerin einen
Herren, der sich gerade setzt und einen Melange
in
Deiner
Stadt
und ein Croissant mit extra Butter bestellt.
Etwas weiter im Zentrum liegt das Café
Hawelka, das wahrscheinlich letzte echte,
originale Wiener Kaffeehaus. Der Hausherr
persönlich hat wie jeden Vormittag das Café
aufgemacht, jetzt sitzt er neben der Theke.
Günther Hawelka hat es von seinen Eltern
Leopold und Josepha übernommen. Sein Vater
feiert bald seinen hundertsten Geburtstag. Das
Haus existierte schon zu Zeiten der Monarchie,
damals war es die Bar „Je t’aime“. In der
Zwischenkriegszeit gehörte es Ludwig Karl und
hieß auch so. Im Besitz der Familie Hawelka ist
es seit 1939.
Günther Hawelka zeigt auf die wunderschönen
Holzverzierungen im Inneren des Cafés. Alles ist
noch im originalen Jugendstil, und wenn man
das Café betritt, könnte man denken, man hätte
eine Zeitreise gemacht. Obwohl sein Vater
immer zur Renovierung gedrängt wurde, tat er
es nie, weil das Geschäft gut lief. „Deshalb
könnte man es als das älteste Café im Original
bezeichnen, weil wir nie renoviert haben.“,
lächelt Günther Hawelka. Auch heute wäre es
schade, die historische Tapete, rot gepolsterten
Stühle und Marmortische zu ersetzen.
Früher kamen viele Autoren und Künstler in das
Kaffeehaus, von Franz Kafka bis Oskar Werner
und Helmut Qualtinger. Nicht nur das Aussehen
des Cafés macht es so besonders, sondern auch
der ausgezeichnete Kaffee und die böhmische
Spezialität, Buchteln. Diese werden erst um 22
Uhr frisch gemacht und mit Vanillesauce
serviert, Einheimische und Touristen stehen
gleichermaßen Schlange danach. Die Melange
bekommt man auf einem kleinen silbernen
Tablett mit einem Glas Wasser und zwei Stück
Zucker in einer kleinen Glasschale serviert. Der
Ober mit schwarzer Fliege ist freundlich und
kümmert sich um jeden einzelnen Gast.
Auch Günther Hawelka sieht große Vorteile, die
ein altes Wiener Kaffeehaus den neuen Cafés
gegenüber zu bieten hat. Hier findet man
Tradition und Muße. „Ein Kaffeehaus ist ein Ort
der Begegnung und kein Durchlauflokal.“
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Der Friedhof der Erkannten
Eine letzte Ruhestätte der besonderen Art
Lena Wiesbauer, 26
Mit 17 hat sein Großvater
eine Schuhschachtel aus
dem
Wasser
gefischt.
"Darin lag ein totes Baby", erzählt Josef Fuchs,
ein Mann um die 40 mit
grauem Haar, Schnauzbart und Brille. "Der Großvater brachte es hierher."
Hierher, auf den Friedhof
der Namenlosen.
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Sommerschreiben
Die Ruhestätte am Alberner Hafen liegt wie ein
geheimer Garten im Augebiet des 11. Bezirks. Angeschwemmte Wasserleichen – Selbstmörder, Unfallopfer, ungewünschte Kinder – sind hier
begraben. Josef Fuchs, der Wärter des Friedhofs, kennt ihre Schicksale. Schon sein Großvater und Vater pflegten diese Ruhestätte. "Der
Großvater wusste viele Geschichten. Für uns Kinder konnten die gar nicht makaber genug sein."
Warum der Großvater für den Friedhof zuständig
wurde, hat auch einen makaberen Grund: Der alte Wärter, Stefan Molner, wurde eines Nachts zu
einer Leiche gerufen. Ein junger Mann hatte sich
an einem Baum erhängt. Als er und seine Männer den Körper vom Ast schnitten, erkannte Molner im tanzenden Licht der Fackeln seinen Sohn.
Am nächsten Tag übernahm der Großvater, ebenfalls ein Josef Fuchs, die Verwaltung des Friedhofs.
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Deiner
Stadt
Spenden erhalten wird. Er ist nicht gesegnet –
die Kirche war dagegen.
Die Auferstehungskapelle jedoch, ein ovales Gebäude, von Stiegen umarmt, ist geweiht. In der
Sakristei öffnet Josef Fuchs die Lade eines Tisches. Er nimmt Protokolle heraus. "Gegenstand: Leiche eines Gehängten, Todesursache:
Selbstmord wegen Arbeitslosigkeit ..." Die Aufzeichnungen wurden mit Verlustanzeigen der Polizei verglichen und die Toten identifiziert. Daher
ist der "Friedhof der Namenlosen" eigentlich ein
"Friedhof der Erkannten."
Von der Kapelle führt ein Pfad zum Friedhof.
Fuchs erzählt: "Die Gräber sind fast so wie damals. Hügel mit Sträuchern. Eine Frau betreut
von sich aus ein Grab. Sie wollte es zuerst mit
Holz einfassen und bepflanzen. „Das hat wie ein
Gemüsebeet ausgeschaut." Auf Bitten von Herrn
Fuchs, gestaltete die Frau das Grab um und benannte es sogar. "Felix" steht auf einer kleinen
Tafel, die unter dem Gebüsch fast verschwindet.
Über die Erdhügel, wie über die Geschichten der
Toten, ist Gras gewachsen. Efeu, Klee, ein paar
Blumen. Gusseisenkreuze mit silbernen Jesusfiguren – von aufgelassenen Gräbern des Zentralfriedhofs – haben die einst so schlichten
Birkenkreuze ersetzt.
Auf Schildern steht: namenlos, unbekannt,
männlich, weiblich. Ein paar Namen tauchen
auf. Wilhelm Töhn, ertrunken durch fremde
Hand am 1. Juni 1904 im 11. Lebensjahr. Johann Nowosel, gest. 7.6.1932, Fahrradunglück.
Ein Mann, vom Lkw überfahren und einfach in
die Donau geworfen. Sepperl, das tote Baby,
das im Nachhinein so getauft wurde. Sein Kreuz
ist geschmückt mit Stofftieren, Anhängern, Maschen und Glaskugeln.
Im 18. Jahrhundert wurden aus der Donau gefischte Leichen gleich am Fundort begraben. Ein
Holzkreuz, ein Gebet, das war alles. Bald jedoch
schuf man den traurigen Seelen einen würdigen
Ort. Der erste "Friedhof der Namenlosen" entstand. 1840 wurden bereits 478 Tote gezählt. Wegen Überschwemmungen legte man 1900 am
anderen Ufer der Donau eine neue Begräbnisstätte an. 102 Gräber befinden sich auf dem zweiten "Friedhof der Namenlosen", der durch
Am Friedhof rechts steht ein kleines Haus. Drinnen ist es kühl, es riecht nach altem Holz und
Stein. Josef Fuchs, hauptberuflich bei der Fernwärme angestellt, zeigt auf ein Loch am Boden
in der Wand: "Da ist das Wasser beim Waschen
der Körper abgelaufen. Nach der Obduktion war
die Bestattung. Einmal wurde ein Kindersarg gestohlen und die Täter ließen 500 Schilling da. Er
wurde eh nicht mehr gebraucht."
Nach der Vergrößerung des Hafens 1940 verschwand der Wasserstrudel, der die Leichen ans
Ufer gespült hatte.
Touristen, Geisterbeschwörer, aber auch hilfsbereite Wiener und Nachkommen der Toten besuchen
den
Friedhof.
Jährlich,
rund
um
Allerseelen, wird beim Gastwirt in der Nähe ein
Floß gebaut, ins Wasser gesetzt und zum
Schwarzen Meer geschickt. Im Gedenken an all
die verlorenen Seelen in den Fluten der Donau.
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Sichtbar und selbstbewusst!
Zu Besuch in der Rosa Lila Villa
Alisa Feldhofer, 15
Das rosa Haus mit lila
Fensterrahmen und der
großen Aufschrift „Lesben- und Schwulenhaus“
ist nicht zu übersehen. Eine
Regenbogenfahne,
Symbol der Homosexuellen, flattert im Wind über
der Tür. Die Rosa Lila Villa, ist das auffälligste
Zentrum
für
Lesben,
Schwule und Transgender in Wien.
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Der Rosa Tip ist die Schwulenberatung. Wer
erstmal nicht persönlich vorbeikommen will,
kann über Telefon oder E-Mail Kontakt
aufnehmen. Christine, Mitte zwanzig, ihr Alter
ist schwer zu schätzen, doch sie wirkt erfahren,
mit kurzen dunklen Haaren, erzählte vom Lila
Tip, der Lesbenberatung: „Wir bieten an, dass
Jugendliche zu uns kommen und mit uns über
ihre Probleme reden. Dabei können sie
vollkommen anonym bleiben.
Das größte Problem für sie ist meistens das
Coming-Out. Seiner Umwelt mitzuteilen, dass
man homosexuell ist, fällt vielen schwerer. Vor
allem ihren Eltern gegenüber wissen sie nicht,
wie sie sich äußern sollen. Aber auch sich selber
zu sagen, dass man das selbe Geschlecht liebt,
kann zu einem Problem werden. Wir helfen so
gut es geht und bestärken sie darin, so zu sein,
wie sie sind.“
in
Deiner
Stadt
Die Rosa Lila Villa gibt es seit 28 Jahren, und
früher war sie ein Abbruchhaus. Doch 1982
wurde sie von Lesben und Schwulen besetzt und
„Erstes Lesben- und Schwulenhaus“ genannt.
Nach langen Verhandlungen übertrug die Stadt
dem Verein Rosa Lila Tip das Haus für 30 Jahre.
Das Gebäude wurde generalsaniert, und außer
dem Rosa Lila Tip und einem Café als
Kommunikationsort
wurden
auch
WGs
gegründet. Erst im Jahre 1988 entstand das
Café-Restaurant Willendorf wie es heute ist. Mit
seiner Küche hat es sich einen guten Ruf
erkocht, es wird gesundes Essen geboten und
sie ändern für ihre Stammkunden fast täglich
etwas auf der Speisekarte.
Die Beratung ist in einem kleinen Raum, mit
gemütlichen Sesseln und einem Sofa. Eine Wand
ist vollkommen von Regalen bedeckt - die
Leihbücherei des Lila Tips. „Bestärkung können
sich Jugendliche auch in Zeitschriften holen. Es
gibt auch viele Foren, die das Thema
Homosexualität bearbeiten, oder mit Freunden
reden. Oft kommen auch Freunde mit zu der
Beratung.“
Das Café Willendorf, oder umgangsprachlich
auch „die Villa“, entstand 1988 und ist der
Nachfolger des „Warmes Nest“ als Treffpunkt für
Homosexuelle und Transgender. „Es gab immer
Vorurteile. Viele dachten das sei ein Bordell oder
etwas Ähnliches. Woher dieses Gerücht kam, ist
mir
völlig
unbekannt.“,
sagt
Andreas,
Geschäftsführer des Willendorf Cafés lachend. Er
hat kurze braune Haare und ein Lächeln im
Gesicht. Die Gäste des Lokals sind stark
gemischt.
Es
kommen
Jugendliche
und
Erwachsene um Kontakte zu knüpfen oder
einfach nur zum Essen. Egal wer hinein kommt,
keiner wird dumm angeschaut.
Es finden auch immer wieder Events in dem
Café und der Rosa Lila Villa statt. Für seine
Hochzeit (oder auch eingetragene Partnerschaft)
kann man die Räumlichkeiten mieten.Immer
wieder fahren Touristen vorbei und machen
Fotos oder deuten begeistert auf das bunte
Haus. In die Rosa Lila Villa kann jeder jederzeit
hinkommen und sich Informationen holen.
Rosa Lila Villa
Linke Wienzeile 102
1060 Wien
www.villa.at/rosatip
schwulenberatung@villa.at
01/585 43 43
www.villa.at@lilatip
lesbenberatung@villa.at
01/586 81 50
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in
Deiner
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Was Hänschen gelernt, lernt Hans immer mehr
Ein Besuch bei der Marmeladenfirma Staud
Lena Wiesbauer, 26
„Ich bin kein Marmeladenesser. Aber Marmeladen
machen – das kann ich!“
Hans Staud, Gründer der
Staud’s
GmbH,
führt
durch den Betrieb in Ottakring, in dem die köstlichsten Fruchtaufstriche
produziert werden.
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Sommerschreiben
Der Firmenchef ist mit seinem Haarnetz quasi unter die Haube gekommen. Beschwingt und in flottem Wienerisch erklärt der „Marmeladenmacher“
seine Firmenphilosophie: „Auf Qualität kommt
es an. Bitte keine chemischen Bomben! Ich will
wissen, von wem was kommt. Es wächst nichts
im Supermarkt. Da steckt Arbeit dahinter!“ Marillenduft steigt in die Nase. In einem großen, rechteckigen Becken rührt eine Frau in weiß
Marmelade um und prüft sie auf Schalenreste. Jede Marmelade hat ihr eigenes Rezept, wird soweit erhitzt, dass 80% der Vitamine erhalten
bleiben und bei -26 bis -28 Grad „in einen Schlaf
versetzt, bei dem sich nichts mehr ändert“, sagt
Hans Staud vergnügt.
Geboren wurde der Unternehmer am 22. August
1948 in Wien. Die Eltern, Johann und Johanna,
führten einen Gemüse- und Obstgroßhandel. So
trug die Erziehung – im wahrsten Sinne des Wortes – schon sehr bald Früchte. Nach der Schule
studierte Staud Wirtschaft und beschloss, noch
vor Abschluss des Studiums, einen Betrieb aufzubauen. Es ging ins Eingelegte und Eingekochte.
Der innovative Firmengründer konzentrierte sich
auf Marmeladen und Gemüsevariationen.
„Von meinen Eltern habe ich gelernt, worauf es
beim Arbeiten ankommt. Ehrlichkeit, Konsequenz und Fleiß.“ Und das Wichtigste ist, dass
man kommuniziert.“
Darum
hat Hans
Staud, in
dessen Betrieb etwa
30 Angestellte
6
verschiedener Nationen
arbeiten,
Serbisch,
Kroatisch
und Bulgarisch
gelernt.
6
Fremdsprachen
beherrscht
Staud
–
Englisch,
Französisch
und
Ottakringerisch
inklusive.
„Warum sollen nur die eine neue Sprache lernen, die zu uns kommen? Wir können ihnen ja
entgegen gehen! Wenn ich weiß, wie einer redet, dann verstehen wir uns in jeder Hinsicht.“
Am Fließband stehen eine kleine Asiatin mit Brille, eine große schlanke afrikanische Schönheit
und ein Mann aus Osteuropa, der körperlich et-
in
Deiner
Stadt
was eingeschränkt zu sein scheint. „Der hat
einen Schlaganfall gehabt, der arme Kerl. Ich
hab ihn aber nicht gekündigt, sondern seine
Stunden gekürzt und unterstützt, damit er zur
Therapie gehen kann. Jetzt arbeitet er noch lieber als vorher.“ Die drei am Fließband
schmücken 8-eckige Konfitürengläser mit nostalgischen Aufklebern. Die Marke „Staud’s“ reprä-
sentiert
scheinbar
jahrhunderte
langes
Bestehen. Doch Hans Staud ist ein kluger Geschäftsmann; hat er es doch geschafft, eine Marke so wirken zu lassen, als hätte sie ewiges
Bestehen.
Tatsächlich feiert „Staud’s“ nächstes Jahr (obwohl 1883 Stauds Urgroßeltern schon einen
Obst- und Gemüsehandel gegründet hatten)
erst den 40. Geburtstag. Und in diesen 40 Jahren geschah einiges: 95 Marmeladen, Exporte in
16 verschiedene Länder – in Japan lieben sie
Heidelbeere – und Lieferungen in Hotels in New
York bis zur Gastronomie von Hongkong. Erdbeere mit grünem Pfeffer, Holunder-PflaumenApfel, Kiwi-Stachelbeere, Tropic oder einfach
Himbeere, Brombeere, Weichsel. Reine Frucht,
leichte Diät oder Limitiert. Die Auswahl ist groß.
Manchmal haben die Marmeladen, pardon Konfitüren andere Beschriftungen: Für Deutschland
zum Beispiel muss statt Marille schon Aprikose,
für England statt Powidl doch Plumbutter draufstehen.
Am Yppenplatz, Ecke Brunnengasse/Schellhammergasse ist der kleine Laden, in dem „Staud’s
Konfitüren & Konserven“ verkauft werden. Mutter Johanna Staud bedient gern im Geschäft und
ist die jüngste Angestellte – wurde sie doch erst
vor ein paar Jahren vom Betrieb angemeldet.
Hans Staud öffnet ein Marmeladeglas. „Klack“
macht es leise. „Meinen Job habe ich mir selbst
beigebracht. Ich habe überlegt: Was kann ich?
Und auf das habe ich mich konzentriert. Was ich
nicht kann, sollen andere machen. Ich muss wissen, wer ich bin und der Konsument muss wissen, was er isst.“
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Die wichtigste Notfallmedizin
Blutspenden sollte auch unter 18 ein Thema sein
Alisa Feldhofer, 15
Ein Sturz von der Leiter
oder angefahren am Zebrastreifen; schnell ist
ein Unfall passiert. Dann
kann es nötig sein, dass
der Verletzte schnell eine
Bluttransfusion
bekommt. Es kann jeden
treffen, und so sollte sich
jeder dafür verantwortlich fühlen.
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Wien?
Sommerschreiben
Die Blutspendezentrale in Wien ist hell und
freundlich eingerichtet. Durch eine große Türe
kommt man in den Empfangsbereich, wo Tische
mit Blickschutz stehen wo jeder Spender einen
Fragebogen zum Ausfüllen bekommt. Durch eine
weitere Türe kommt man in den Raum, wo das
Blut abgenommen wird. Das Personal, sehr viele
davon freiwillige Mitarbeiter, ist freundlich und
hilfsbereit. Sie beraten einen bei Fragen und
Problemen. Doch auch die Spender lächeln.
in
Deiner
Stadt
Sommerferien sind viele im Urlaub, gehen lieber
Schwimmen als Spenden. Da kann es besonders
knapp werden“, sagt Dr. Winter. Deshalb sollte
man genauso seine Mitschüler, Arbeitskollegen
oder Freude darüber informieren, wie wichtig
das Blutspenden ist.
Um herauszufinden, ob man als Spender
geeignet ist, füllt man einen Fragenbogen mit
45 Fragen aus. Einige davon überraschen, wie:
„Haben Sie sich in den letzten 4 Monaten
tätowieren oder außerhalb einer medizinischen
Einrichtung ein Body-Piercing stechen lassen?“
Dann wird man nämlich nicht zugelassen, weil
dadurch eine erhöhte Infektionsgefahr durch
HIV oder Hepatitis C besteht.
Wenn man schwanger ist oder stillt, darf kein
Blut gespendet werden. Wenn man in einem
Virusinfektionsgebiet war oder einfach keine
guten Blutwerte hat. Es gibt viele Faktoren,
welche bestimmen, ob man Blut spenden darf.
Der Vorgang des Blutspendens, dauert übrigens
nur
10
Minuten.
Und:
Blutgruppe
und
Rhesusfaktor
werden
nebenbei
kostenlos
bestimmt, sowie das Blut auf Krankheiten
untersucht.
Eine
Aktion
des
Roten
Kreuzes
heißt
„Youngblood“ und richtet sich an junge Leute,
um sie zum Blutspenden zu motivieren. Der
Besuch mit einer Klasse ist möglich. Die Schüler
lernen, wie das Blut aufgebaut ist, dass beim
Blut die roten Blutkörperchen vom Plasma
getrennt werden und beide Komponenten
einzeln verwendet werden, so dass es sogar für
zwei verschiedene Empfänger genutzt werden
kann.
„Blut spenden darf man erst mit 18 Jahren“,
erklärt
Dr.
Maya
Winter,
stellvertretende
medizinische Leiterin, eine Frau Mitte 40 mit
schulterlangen blonden Haaren und einem
freundlichen Lächeln. Das Mindestalter wird
durch ein Gesetz bestimmt, da man reif genug
sein muss. Doch es gibt noch andere
Möglichkeiten zu helfen, auch wenn man noch
nicht achtzehn Jahre alt ist. Es können
Broschüren ausgeteilt werden oder es wird mit
der Verwandtschaft über das Thema gesprochen.
Blut ist das wichtigste aller Notfallmedikamente:
Jährlich
werden
in
Wien
etwa
180.000
Blutkonserven benötigt. Da sich die roten
Blutkörperchen nur 42 Tage halten, werden
jederzeit Spender gesucht. Junge Leute sollten
genauso
kommen
wie
ältere.
„In
den
Nachdem die roten Blutkörperchen untersucht
worden sind, wird dieser Teil des Blutes bei
genau 4 Grad Celsius gelagert, ununterbrochen,
da er sonst unbrauchbar werden würde. Das
Blutplasma, das sich schockgefroren bis zu zwei
Jahre hält, wird nach der Untersuchung oft zu
lebensrettenden Arzneimitteln verarbeitet. Und
der
Empfänger,
vielleicht
ein
schwer
verwundeter Mensch oder jemand, dem eine
Operation bevorsteht, kann sich sicher sein,
dass er das richtige Blut bekommt.
Damit das so bleibt, geht bitte Blut spenden!
Blutspendezentrale
Wiedner Hauptstr. 32
1041 Wien
Mo, Di. Fr:08:00 - 17:30 Uhr
Mi und Do: 08:00 - 20:00 Uhr
Tel: 0800/190 190
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Deiner
Stadt
Endlich Sommerferien!
Betonoase für alle
Denise Ocampo, 18
Mittagszeit im Museumsquartier,
die
Sonne
strahlt auf den Platz und
die Bäume und Gebäude
spenden kühlen Schatten. Hauptsächlich Touristen sind hier und machen
Verschnaufpause.
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Eine Japanische Frau mit einem quengeligen
Mädchen sucht schon nach der nächsten
Sehenswürdigkeit auf dem Stadtplan, während
ihr Ehemann jedes Detail des Hofs fotografiert.
Es gibt aber auch Einheimische die den großen
Platz genießen.
in
Deiner
Stadt
Das beliebteste Lokal ist das „MQ Daily“.
Zwei sommerlich gekleidete Mädchen mit einer
Schale Kirschen aus dem Supermarkt lieben
Zwei Mädchen mit einem Eis und fünf großen
Einkaufssackerln sitzen auf einer Bank und
erklären, wie praktisch es hier ist, da man seine
Füße erholen und gleich die neuen Sachen
begutachten
kann,
die
man
auf
der
Mariahilferstraße gekauft hat. Eine andere
Junendliche mit Spaghetti-Shirt und kurzer Hose
wohnt nur ein paar Straßenbahnstationen
entfernt und kommt gerne her um zu lesen.
„Manchmal lege ich mich auch einfach in die
Sonne mit meiner Musik. Hier habe ich Zeit für
mich!“
Ein junger Mann mit zersaustem braunem Haar
und Notizblock nutzt den Ort um zu lernen.
„Hier kann man sitzen ohne gestört zu werden
und muss sich auch nicht gleich etwas zu
trinken bestellen. Nur mit dem Akku vom Laptop
muss man sparsam umgehen“, sagt er grinsend.
Das Museumsquartier ist vom Straßenlärm
abgeschirmt, und nur das Gemurmel von den
Leuten ist zu hören. „Draußen ist es total
hektisch“, erzählt eine alte Dame mit einem
blumenverzierten Sonnenhut. Sie gehe zwar
schon gerne in Kaffeehäuser, aber hier gibt oft
eine kühle Brise. Mitten in der Stadt so eine
kleine steinerne Oase zu haben ist für viele
Berufstätige sehr angenehm. Eine Kellnerin
erzählt, dass sie hier gerne ihre Pausen macht
und eine Zigarette raucht. Die zierliche Frau
mag einfach die Atmosphäre.
An netten Cafés und Restaurants mangelt es
hier auch nicht. Egal ob man einen kleinen
Imbiss, einen Kaffee oder einen Cocktail will, die
kleinen, doch modernen Läden laden dazu ein.
diesen „chilligen“ Ort. Man kann hier einfach
sitzen und plaudern. Wenn man den Tag alleine
verbringen will, dann ist es ideal hier. Man hat
seine Privatsphäre und trotzdem hat man
Menschen um sich herum die etwas Ähnliches
tun. Wer hier nicht nur sitzen will, kann auch in
eines der Museen gehen. Ein Amerikanisches
Ehepaar ist von der Jugendstil-Ausstellung im
Leopold Museum ganz begeistert und macht
sich auf den Weg ins Café auf einen kühlen
Milchshake.
Am
Abend
gibt
es
die
unterschiedlichsten
und
auch
preiswerten
Theatervorstellungen im Dschungel Wien.
Der Kontrast der neuen und alten Architektur
macht das Museumsquartier für ein breites
Publikum interessant. Die „Enzis“ sind hier auch
was
Besonderes
und
sehr
beliebt.
Die
Styroporliegen sehen aus wie eckige Bananen
und haben jeden Sommer eine andere Farbe.
Zum Herumliegen sind sie einfach ideal und am
Nachmittag ist es oft schwer einen zu
bekommen. Die Japanische Frau hat ein freies
Enzi erblickt und zieht ihre Tochter dorthin.
Endlich ausruhen!
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Seele and Geist
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