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Eine kurze Geschichte darüber, wie meine Vorstellung vom

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Eine Geschichte darüber, wie meine Vorstellung vom „sauberen Energieträger
Erdgas“ von der Realität eingeholt wurde.
Gerd Landzettel – im August 2014
Ganz am Anfang stand das „Fracking“
Erdgas und Erdgasförderung stellten sich für mich bis Anfang 2011 als
problemlose und vor allem saubere
Form der Energiegewinnung dar.
Diese Vorstellung bekam dann aber
erste Risse, als in den Medien und
vor allem durch die Ausstrahlung
des Filmes „Gasland“ bekannt wurde, dass mit einer anderen Art der
Förderung, dem sog. „Hydraulic
Fracturing“ – kurz: Fracking – Risiken
verbunden sein könnten, die mit
der Einschätzung als saubere Energieform nicht mehr zu vereinbaren
waren. Dieses und Hinweise aus der
Bevölkerung über die immer extensivere Erdgasförderung im Bereich
Völkersen führten dazu, dass ich für
die von mir als Fraktionsvorsitzendem im Gemeinderat Langwedel
vertretene
Wählergruppe
am
09.03.2011 eine Anfrage an den
Bürgermeister gestellt habe, um in
Erfahrung zu bringen, ob auch auf
dem Gebiet des Fleckens Langwedel das Verfahren des Fracking zum
Einsatz käme und welche Stoffe
dabei dem sog. Fracfluid beigemischt würden. Nach mehreren
Monaten wurde die Anfrage im Rat
im Januar 2012 auf der Basis von
Auskünften der RWE-Dea und des
LBEG so beantwortet, dass auch in
Völkersen „bereits mehrere ErdgasBohrungen einer Frac-Behandlung
unterzogen“ worden seien, Gefährdungen wegen der Tiefe der
Bohrungen (4.000 – 5.000 m) hiermit
aber nicht verbunden gewesen
seien. Da ich die Antwort unbefrie-
digend fand, begann ich, mich
intensiver mit der Erdgasförderung
und insbesondere mit dem Fracking
zu befassen.
„Lagerstättenwasser“ – Was ist da
denn drin?
Etwa zur gleichen Zeit drängte sich
dann aber eine andere Problematik immer mehr in den Vordergrund.
Ende 2011 war nämlich bekannt
geworden, dass am 22.08.2011 auf
dem Betriebsgelände des Gasförderplatzes Völkersen Nord Z1 eine
Leckage an der Armatur einer Lagerstättenwasserleitung festgestellt
worden war und infolge davon
dramatisch erhöhte Benzolwerte
auf dem entsprechenden Betriebsgelände festgestellt wurden. Daraufhin gründete sich in Völkersen
die Bürgerinitiative „No Fracking“,
der ich mich Mitte Januar 2012 anschloss. Anlass hierfür war auch,
dass sich zwischenzeitlich, nämlich
Ende 2011/Anfang 2012, die Hinweise immer mehr verdichteten,
dass auch an anderen Stellen des
ca. 22 km langen Leitungsnetzes zur
Beförderung des Lagerstättenwassers Benzol ins Erdreich gelangt war.
Hierbei bestand die später dann
bestätigte Vermutung, dass das
Benzol durch die verwendeten und
im Erdreich verlegten Kunststoffrohre (PE 100) durch Diffusion ins Erdreich gelangt war und den Boden
verseucht hatte. Dieses betraf eine
Strecke von über 8,5 km. Das gesamte Leitungssystem wurde daraufhin stillgelegt, sämtliche Rohre
im Laufe des Jahres 2012 entfernt
1
und entsorgt. Außerdem wurde ab
Mitte 2012 die Sanierung des umgebenden Erdreiches in Angriff genommen, wobei ein endgültiger
Sanierungserfolg auch heute noch
nicht abzusehen ist.
Für die BI war damit die Arbeit aber
nicht beendet. Wir beschäftigten
uns z.B. mit den sich aus der Verseuchung des Bodens ergebenden
Haftungsfragen ebenso wie damit,
was denn nun im Lagerstättenwasser eigentlich enthalten ist und welche Konsequenzen für dessen Behandlung sich daraus ergeben.
Hierbei ergaben sich völlig neue
Fragestellungen z.B. daraus, dass
das Lagerstättenwasser seit über 10
Jahren wieder ins Erdreich verpresst
wurde und zwar im konkreten Fall in
unmittelbarer Nähe zu einem Trinkwasserbrunnen im Wasserschutzgebiet in der Nähe von Verden (Aller).
Außerdem wurde nun erstmals
sozusagen behördlicherseits festgestellt, dass ein Erdbeben vom
22.11.2012 – und wohl auch schon
vorherige Erdstöße - im Raum Völkersen auf die Erdgasförderung zurückzuführen ist. Eine Tatsache, die
von der RWE-Dea bis dato energisch bestritten worden war. Auch
unter diesem Gesichtspunkt, nämlich der Erkenntnis, dass die Erdgasförderung zu erheblichen Veränderungen im Erdreich führt, bekam die
Frage, ob es zu verantworten ist, in
genau diese Erdschichten giftiges
Lagerstättenwasser zu verpressen,
ein besonderes Gewicht.
An erster Stelle stand zu diesem
Zeitpunkt aber die Frage, ob es eigentlich zutraf, dass – wie die RWEDea uns gegenüber immer wieder
behauptet hatte - die im Lagerstättenwasser enthaltenen Giftstoffe
unmittelbar an der Bohrstelle separiert würden, also in dem durch die
Rohre geleiteten und dann in
Scharnhorst verpressten Wasser
nicht mehr enthalten seien. Dieses
galt vor allem für das hochgiftige
und unstreitig im Lagerstättenwasser enthaltene Quecksilber. Ende
2012/Anfang 2013 ist die BI dann in
Besitz eines Stückes des in Völkersen
Nord aus dem Erdreich entfernten
Rohres gelangt und hat dieses
durch das Chemische Laboratorium Dr. Stegemann aus Georgsmarienhütte untersuchen lassen. Ergebnis: Das Rohr, durch das nach
Angaben der RWE-Dea nur Lagerstättenwasser ohne Quecksilber geleitet worden war, enthielt in der
Wandung einen Quecksilberanteil
von 31,8 mg/kg und im Außenbereich der Wandung sogar von 77,6
mg/kg. Die RWE-Dea, damit konfrontiert, bezweifelte am 23.01.2013
schriftlich ohne nähere Ausführungen dieses Ergebnis, modifizierte
ihre bisherige Behauptung aber
dahingehend, dass „Quecksilber in
geringen Konzentrationen innerhalb
der Wandung der Leitungen festgestellt worden“ sei, dass aber im Boden und im Grundwasser in der
Umgebung der PE-Leitungen „in
keiner Probe Quecksilber nachgewiesen“ worden sei.
Was von diesen Angaben der RWEDea zu halten ist, haben wir dann
durch ein Schreiben des LBEG vom
21.03.2013, dem wir ebenfalls unsere Ergebnisse mitgeteilt hatten, erfahren. Danach wurden bei angeordneten Untersuchungen in der
Innenwand des Rohres „Quecksilber-Konzentrationen von 19,2 – 169
mg/kg TM (Leitung 951) bis hin zu
341 - 1169 mg/kg TM (Leitung 955)
gemessen“, mithin weitaus höhere
2
Werte als in dem von uns genutzten
Rohrstück (31,8 bzw. 77,6 mg/kg
TM) und schon gar nicht in „geringen Konzentrationen“. Ebenso wurden zumindest in drei Bodenproben
Konzentrationen von 0,11 bis 0,16
mg/kg TM festgestellt. Zugleich hat
das LBEG mitgeteilt, dass eine Analyse von unterschiedlichen Lagerstättenwassern nach Aufbereitung
Quecksilbergehalte von 55 µg/l
(Völkersen Z2), 2,2 µg/l (Völkersen
Nord Z4) und 19 µg/l (Völkersen
Nord Z1) ergeben habe. Auch
wenn sich die Konzentrationen
temporär verändern können, steht
– auch das durch das LBEG bestätigt – fest, dass das Lagerstättenwasser
mit
entsprechenden
Quecksilberanteilen verpresst wurde und wird. Dieses wird auch
durch eine von der RWE-DEA selbst
in Auftrag gegebene Untersuchung
der
„IGB
Ingenieurgesellschaft
mbH“ aus Januar 2011 bestätigt.
Danach wurden in dem durch die
PE-Leitungen in Völkersen durchgeleiteten und dann in Scharnhorst
verpressten
Lagerstättenwasser
Quecksilberkonzentrationen bis zu
4500 µg/l und als Durchschnittswert
270 µg/l gemessen. Das alles vor
dem Hintergrund, dass bereits
in einem im Februar 2011 – also fast
1 Jahr vor den o.g. bekannt gewordenen Vorfällen –
erstellten
Gutachten des TÜV Nord zu den PE
100–Leitungen in Völkersen festgestellt wurde, dass es „Hinweise auf
die Permeation/Diffusion von BTEX
und Quecksilber durch die PEFeldleitungen in Teilbereichen der
Rohrleitungsanlage“ gibt. Weiter
heißt es in dem Gutachten: „Vor
diesem Hintergrund ist die Besorgnis
schädlicher
Bodenverunreinigungen entsprechend § 9 BBodSchV
gegeben. Die uneingeschränkte
Eignung der PE-Rohrleitungen für
den Transport von Lagerstättenwasser kann daher nicht ohne weiteres
bestätigt werden.“ Gleichwohl leitete das Unternehmen noch über
den Zeitraum von fast einem Jahr
ihr
giftiges
Lagerstättenwasser
durch die ungeeigneten Rohre.
Die Rohre sind zwischenzeitlich aus
dem Verkehr gezogen. Doch nach
wie vor verpresst die RWE-Dea – wie
andere Förderfirmen auch – das
Lagerstättenwasser ungereinigt in
den Boden. Zwar stellte die RWE
DEA das Verpressen im Trinkwasserschutzgebiet Scharnhorst im Juli
2012 ein, nicht aber ohne darauf
hinzuweisen, dass die dafür erteilte
Genehmigung nicht zurückgegeben werde, da auch diese Verpressstelle möglicherweise, z.B. bei
auftretenden Engpässen, wieder
genutzt werden müsse. Gegenwärtig transportiert das Unternehmen
das Lagerstättenwasser aus dem
Feld Völkersen mit Tanklastwagen
kilometerweit durch die Gegend zu
anderen Verpressstellen, so z.B. ins
ca. 30 km entfernte Wittorf bei Rotenburg oder – wie wir erst vor kurzem durch Zufall erfahren haben ins ca. 90 km entfernte Dethlingen
zwischen Soltau und Uelzen. Der
mittelfristige Plan sieht allerdings so
aus, dass eine ausgeförderte Bohrstelle in Völkersen (Nord Z3) dafür
genutzt werden soll, die gesamte in
Niedersachsen anfallende Menge
zu verpressen. Wohl zur Untermauerung dieses Plans gab die RWE-Dea
eine Studie zum nachhaltigen Umgang mit Lagerstättenwasser in Auftrag. Diese liegt seit Herbst 2013 vor.
Und – wen wundert es noch: Der
Öffentlichkeit wurde als Ergebnis
mitgeteilt, dass die Studie zu dem
Schluss gekommen sei, dass das
3
Verpressen des Lagerstättenwassers
„dahin, wo es herkommt“ – also in
ausgeförderte Lagerstätten - die
beste Entsorgungsmethode sei.
Aber: Die Veröffentlichung der vollständigen Studie oder auch nur die
Herausgabe eines Exemplars an die
Bürgerinitiative und selbst an die
Gemeinde Langwedel wurde und
wird nach wie vor von dem Unternehmen unter Hinweis darauf, dass
diese Betriebsgeheimnisse enthalte,
verweigert. Das ist nur schwer
nachvollziehbar. Welcher Art „Betriebsgeheimnisse“ sollen das sein?
Ökonomische Daten oder Fakten
können wohl kaum gemeint sein.
Dann liegt aber die Vermutung nahe, dass die Studie über das LAWA
selbst oder über dessen Behandlung und Entsorgung Tatsachen
enthält, die besser nicht das Licht
der Öffentlichkeit erblicken. Oder
man möchte die in der Studie von
den Autoren zu Grunde gelegte
Arbeitsweisen bzw. Methoden nicht
zur öffentlichen Diskussion stellen.
Wie auch immer. Veröffentlicht
wurde nur eine sog. „Kurzfassung“.
Diese ist jedoch völlig unzureichend. Die einzigen verwertbaren Erkenntnisse ergeben sich daraus, dass der Kurzfassung zu entnehmen ist, dass die Studie ausschließlich von privatwirtschaftlich
orientierten Fachbüros, die teilweise
schon häufiger oder länger für das
Unternehmen gearbeitet haben,
erstellt worden ist. Unabhängige
Stellen, wie z.B. universitäre Einrichtungen, waren nicht beteiligt. Dann
ergibt sich aus der Studie noch als
verwertbare Tatsache, dass im Bereich der Förderbetriebe Niedersachsen jährlich ca. 90.000 m³ LAWA anfallen und diese Menge in
den kommenden beiden Jahren
auf 130.000 m³ pro Jahr ansteigen
wird. Außerdem kann ihr entnommen werden, welche Stoffe das in
Niedersachsen geförderte LAWA
konkret enthält. So fällt an Salz jährlich 9.600 t an, an Schwermetallen
(u.a. Arsen, Blei, Quecksilber)
1,25 t/Jahr, an einkernigen Kohlenwasserstoffen, also u.a. Benzol, 52,2
t/Jahr und an radioaktiven Stoffen
(Radium 226 + 228, Blei 210 u. Polonium
210)
4360
MegaBecquerel/Jahr. Hierbei ist es allerdings so, dass insbesondere die
Schwermetalle und radioaktiven
Stoffe nicht namentlich benannt
werden, sondern lediglich mit ihren
chemischen Bezeichnungen, die
dann von Laien erst mühsam übersetzt werden müssen. Außerdem
werden die einzelnen Metalle etc.
mengenmäßig nicht differenziert.
Das wird seinen Grund haben,
könnte doch aus den Angaben
sonst beispielsweise noch genauer
errechnet werden, wie viel Quecksilber über Jahre hinweg im Wasserschutzgebiet bei Verden verpresst
worden ist.
Im Ganzen gesehen, ist die Kurzfassung als Grundlage für eine Auseinandersetzung über die Entsorgungsproblematik schlicht wertlos:
Die in der Kurzfassung behaupteten
Ergebnisse werden an keiner Stelle
nachvollziehbar belegt bzw. auch
nur ansatzweise durch Zahlen, Daten, Fakten untermauert. Sie können daher überhaupt nicht überprüft werden. Drum herum wird
dem Ganzen ein scheinwissenschaftlicher Anstrich gegeben, indem eine sog. „Bewertungstabelle“
der einzelnen Kriterien zu Grunde
gelegt wird, ohne dass auch nur
4
ansatzweise die Berechtigung der
zu Grunde gelegten Kriterien bzw.
die Vernachlässigung anderer Kriterien und das angewandte Punktesystem auf das konkrete Kriterium
erläutert wird. Diese werden dann
noch einer „Gewichtung“ unterzogen. Aber – wie soll es auch anders
sein – eine spezifizierte Begründung
für die vorgenommene Gewichtung ergibt sich zumindest aus der
Kurzfassung nicht.
Schließlich wird, soweit überhaupt
ersichtlich, ausschließlich von der
gegenwärtigen Situation (nicht
einmal als "Stand der Technik" bezeichnet) ausgegangen. Mögliche
Alternativen bzw. technische Weiterentwicklungen werden in keiner
Weise in die Überlegungen einbezogen - was die dezentrale Aufbereitung angeht, heißt es z.B. lediglich, dass für diese "aufwändige
spezifische Kleinanlagen mit geringer Auslastung geplant" werden
müssten (letztlich ein ökonomisches,
kein fachwissenschaftliches Argument).
Eine Option allerdings schien selbst
den Autoren der Studie zu gewagt.
Die „Einleitung des Lagerstättenwassers ohne weitere Vorbehandlung in die Nordsee über eine Pipeline“ haben sie zwar benannt, aber
ausdrücklich nicht untersucht.
Dass das alles gleichwohl nicht zufrieden stellt, dürfte auf der Hand
liegen. Nachfolgend sind die bei
dem von der RWE-Dea favorisierten
Verfahren des Verpressens von LAWA „dahin wo es herkommt“ zu hinterfragenden Risiken einmal aufgelistet. Hierbei geht es um folgende
Verfahrensabschnitte und Fragestellungen:
•
Lagerung des Lagerstättenwassers an der Bohrstelle bis
zum Abtransport
Neben der Leckage eines Absperrventils bei uns in Völkersen im August 2011 sind noch weitere Vorfälle
direkt an den Bohrstellen dokumentiert. So z.B. an einer Bohrstelle im
Landkreis Celle, wo am 01.03.2012
festgestellt wurde, dass aus einem
Leck an einer Schweißnaht einer
Verbindungsleitung 4 Tage lang
LAWA ausgetreten war. Eine weitere Leckage wurde auf einem anderen Betriebsplatz, aber ebenfalls im
LK Celle am 07.06.2012 festgestellt.
Und am 11.06.2012 traten in der
niedersächsischen
Gemeinde
Osterwald (Grafschaft Bentheim)
infolge einer Leckage 25 m³ LAWA
aus. Schon aus diesen paar Beispielen ergibt sich, dass Sicherheit bei
einer auch nur mehrtägigen Zwischenlagerung des LAWA an der
Bohrstelle nicht gewährleistet werden kann. Es ist daher unerlässlich,
eine oberirdische Lagerung des giftigen LAWA auf ein Minimum zu reduzieren.
•
Beladung des TLW für den
Transport bzw. der Transport
selbst bzw. bei der an der
Verpressstelle zu erfolgende
Entladung
Am 06.06.2013 sind in Hemsbünde
(LK Rotenburg) vor dem Gelände
einer Gasbohrstelle 50 –100 Liter
LAWA aus einem TLW ausgelaufen.
Grund war ein nicht ordnungsgemäß geschlossener Tankdeckel.
Und am 24.05.2013 kam es an der
jetzigen
Verpressstelle
Wittorf
(ebenfalls im LK Rotenburg) beim
Abschlagen eines Schlauches zum
5
LAWA-Austritt. Fehler, die man mit
„menschlichem Versagen“ entschuldigen mag – die aber gleichwohl passieren und das Gesamtrisiko beim LAWA-Transport erhöhen.
Dazu kommt, dass die voll beladenen TLW über öffentliche Straßen
durch vor allem ländliche geprägte
Ortschaften und Wohngegenden
fahren und so eine weiter Risikoquelle infolge von z.B. nicht auszuschließenden Unfällen bilden. Es
muss objektiv untersucht werden,
ob ein solches Risiko wirklich in Kauf
genommen werden muss, oder ob
z.B. die Aufbereitung des LAWA vor
Ort an den Bohrstellen nicht eine
bessere Alternative bietet.
•
Der eigentliche Verpressvorgang durch Grund- und
Trinkwasser
führende
Schichten
Die Förderunternehmen verweisen
gerne darauf, dass das Verpressen
des LAWA durch Grund- und Trinkwasser führende Schichten kein Risiko für diese Schichten berge, weil
die Verrohrung der Bohrstelle absolut sicher sei. Aber auch dazu gibt
es gegenteilige Belege. So kommt
eine Studie der Duke University
(USA) zu dem Ergebnis, dass Verseuchungen in der Umgebung von
Bohrstellen
höchstwahrscheinlich
auf Undichtigkeiten der Verrohrung
bzw. des Ringraumbetons zurückzuführen seien. Auch bei der derzeit
betriebenen Versenkbohrung in
Wittorf im Kreis Rotenburg wurde
2012 schon festgestellt, dass die zur
Absicherung der Rohre eingebrachte Zementierung im Lauf der
Zeit durchlässig geworden war. Ein
derartiges Verpressrisiko kann bei
der immer erforderlichen Durchquerung von Grund- und Trinkwas-
ser führenden Schichten nicht hingenommen werden.
•
Die Zukunft des LAWA in der
ausgeförderten Lagerstätte
Selbst die Autoren der oben genannten Studie weisen an einer
Stelle ungewöhnlich offen auf einen
Nachteil ihres Vorschlages hin. Und
diesen sehen sie darin, dass bei einer Versenkung des LAWA „dorthin
wo es herkommt“ Schadstoffe nicht
getrennt entsorgt werden und die
Eignung jeder Bohrung langfristig
gesichert werden muss. Das stimmt.
Doch will man ersteres wirklich in
Kauf nehmen und kann letzteres
überhaupt sicher erfolgen? So vermochte z.B. der Abteilungsleiter im
LBEG, LtdBergD Klaus Söntgerath,
im Umweltausschuss des LK Rotenburg im Juni 2013 auf die Frage, ob
denn durch die in den letzten Jahren in unserer Region immer häufiger auftretenden Erdbeben - verursacht durch die Erdgasförderung Risse im Gestein entstehen können,
durch das giftiges LAWA ins Trinkwasser gelangen könne, zum ersten
Mal in erstaunlicher Offenheit „ein
gewisses Risiko“ nicht auszuschließen. Wörtlich sagte er: „Ob sich
Wegsamkeiten öffnen, wissen wir
nicht. Wir sind gerade erst dabei,
die Vorgänge zu verstehen, die mit
Erdgasförderung und dadurch ausgelösten Erdbeben zu tun haben“.
Unter den Bedingungen einer derartigen Unkenntnis ausgeförderte
und zudem gefrackte, also geologisch veränderte Lagerstätten zur
endgültigen Lagerung von giftigem, mit Schadstoffen durchsetztem LAWA zu nutzen, ist schlicht
verantwortungslos. Das gilt um so
mehr, als es offenbar noch an fundierten Untersuchungen dazu fehlt
6
(zumindest sind mir trotz entsprechender Recherchen keine bekannt), wie sich das verpresste LAWA unter Druck und Hitze in der Lagerstätte verhält, vor allem dann,
wenn ihm auch noch – womit in
Zukunft zu rechnen ist – die chemischen Stoffe aus dem sog. FracFluid beigemischt sind.
Zusammengefasst ergibt sich aus
alledem:
Solange diese und weitere Fragen
nicht eindeutig und wissenschaftlich unterlegt beantwortet sind, ist
jegliche Form des Verpressens des
giftigen Lagerstättenwassers in unsere Erde zu untersagen.
Und dann bebte die Erde
Ein ganz anderes Risiko der Erdgasförderung offenbarte sich Ende
2012. Am 22.11.2012 kam es nämlich
im
Bereich
des
RWEFördergebietes in Völkersen zum
wiederholten Mal zu einem Erdbeben, dessen Lokalmagnitude nach
Angaben des LBEG mit 2,8 (ML) berechnet wurde.
Nachdem zunächst Unklarheit über
die Ursache herrschte - die RWEDea bestritt sogar umgehend einen
Zusammenhang mit der Erdgasförderung - erklärte der Geophysiker
Nicolai Gestermann von der Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe auf einer öffentlichen
Veranstaltung
bereits
am
06.12.2012, dass das Beben „mit
hoher Wahrscheinlichkeit auf die
Erdgasförderung
zurückzuführen“
sei. Dieses wurde endgültig durch
eine am 24.06.2013 vorgestellte Untersuchung der Bundesanstalt bestätigt. Dem entsprechen im übri-
gen auch Erfahrungen aus dem
niederländischen Groningen, wo es
infolge der Erdgasförderung in den
letzten Jahren zunehmend zu 50 –
80 Erdbeben jährlich mit einem
Wert von bis zu 3,6 auf der Richterskala gekommen ist. Eine Studie
des niederländischen Wirtschaftministeriums kommt dabei zu dem
Schluss, dass zukünftig sogar noch
häufigere und schwerere Erdbeben
bis zu einer Stärke von vier bis fünf
zu erwarten seien (vgl. Zeit online
vom 18.12.2013: Wenn die Erde täglich bebt).
Vor diesem Hintergrund sah sich
nun auch die RWE-Dea genötigt,
sich näher mit den gemeldeten
Schäden zu befassen und beauftragte einen Sachverständigen mit
deren Begutachtung. Allerdings
nicht, wie es eigentlich nahe gelegen hätte, an einen ausgewiesenen Experten für die Begutachtung
von Bergschäden, sondern an einen Sachverständigen für (normale) Bauschäden, der lediglich einen
Sachverständigen für Schall- und
Schwingungstechnik beizog. Deren
Gutachten liegen jetzt vor und was
als erstes auffällt ist, dass große Teile
bis aufs Wort gleiche Formulierungen enthalten und die Ausführungen im Wesentlichen lediglich bei
der Dokumentation der jeweiligen
Gebäudeschäden
individualisiert
sind.
Zum Inhalt selbst beginnen die
Gutachten mit kurzen allgemeinen
Objektfeststellungen
(Einoder
Mehrfamilienhaus; ein- oder mehrgeschossig; Baujahr) und kommen
dann zur Dokumentation der angezeigten Risse. Dieses geschieht in
der Weise, dass Lage und Verlauf,
Länge und Breite der Risse erhoben
7
und
fotografisch
dokumentiert
werden. Die bei Bergschäden von
Fachleuten für unerlässlich gehaltene und in diesem Fall auf Grund
der Datenlage besonders wichtige
Feststellung zum Alter der Risse ist
nicht erfolgt (vgl. Andreas Mollinga,
Bergschadensregulierung, S. 53/54).
Nach diesen „dokumentarischen“
Feststellungen wird im Gutachten
sodann über ganze 2 ½ Seiten zur
Ursache der Rissbildung Stellung
genommen bzw. eine sogenannte
Auswertung vorgenommen. Hierbei
bezieht sich das Gutachten des
Bausachverständigen aber ausschließlich auf ein sog. „Erschütterungstechnisches Gutachten“ bzw.
eine sog.
„Erschütterungstechnische Beurteilung“ des Sachverständigen für Schall- und Schwingungstechnik
Und diese sehen dann so aus, dass
in dem (längeren) „Erschütterungstechnischen Gutachten“ eine allgemeine Auswertung der zum Erdbeben vorhandenen Messergebnisse unter Zugrundelegung von nicht
näher definierten „allgemeinen Erfahrungen“ und der DIN 4150 Teil 3
vorgenommen wird. Hierbei werden die seinerzeit erhobenen bzw.
von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
und der DMT GmbH Essen ausgewerteten Messergebnisse zu Grunde gelegt, ohne diese auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Dazu hätte aber aller Anlass bestanden.
Nicht nur, dass BGR und DMT unterschiedliche Epizentren ermittelt haben – was allein schon darauf hindeuten könnte, dass die Datenerhebung nicht eindeutig ist -. Das
BGR selbst hat in seiner Auswertung
aus Juni 2013 ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass „die abgeschätzte Bodengeschwindigkeit nur
als ein sehr grober Richtwert anzusehen“ ist und dass „sich anhand
der Daten nicht klar entscheiden
(lässt), ob die von dem Erdbeben
erzeugten
Bodenschwinggeschwindigkeiten ausreichend waren, um kleinere Schäden an Gebäuden hervorzurufen“.
Gleichwohl übernehmen die Gutachter diese Auswertungen sozusagen ungeprüft um sie sodann unter Zugrundelegung der DIN 4150
Teil 3 zu verarbeiten. Eine derartig
schematische Herangehensweise
entspricht aber weder den in der
Fachliteratur zu Bergschäden vertretenen Auffassung (vgl. Mollinga,
aaO., S. 59/60) noch der Rechtsprechung zu dieser Frage, wo wiederholt betont wird, dass die DIN
4510 Teil 3 zwar Anhaltswerte gibt,
aber „keine verlässliche Grundlage
für die Annahme erschütterungsbedingter Gebäudeschäden“ enthält, sie deshalb nicht „schematisch
angewandt werden“ dürfen (so z.B.
LG
Saarbrücken,
Urteil
vom
25.11.2011).
Ergebnis: Es hätte aller Anlass bestanden, nicht schematisch die
vom BGR und der DMT GmbH ausgewerteten
Messergebnisse
zu
Grunde zulegen und diese dann
sozusagen in die Vorgaben der DIN
4510 zu „pressen“, sondern viel stärker auf die tatsächlichen Schäden
und das einzelne Objekt bezogene
Feststellungen – z.B. auf die dort
vorhandenen Bodenverhältnisse abzustellen.
Ansatzweise erfolgt eine objektbezogene Betrachtung sodann in der
nachfolgend erstellten „erschütte8
rungstechnischen Beurteilung“. Dieses ergibt sich daraus, dass die
Gutachter zwar davon ausgehen,
dass die zu Grunde gelegten
Schwinggeschwindigkeiten
nach
DIN 4510 Teil 3 bei „normalen“
Wohngebäuden keine Schäden
verursachen können, wohl aber bei
„besonders erschütterungsempfindlichen Gebäuden“. Und so dient
die „erschütterungstechnische Beurteilung“ zur Feststellung, ob es
sich um einen solchen Gebäudetyp
handelt. Diese Feststellung wird allerdings nicht – wie man erwarten
könnte - durch den Bausachverständigen getroffen, sondern wiederum durch den SV für Schall- und
Schwingungstechnik. In dem nur 1
½ Seiten langen Text befasst sich
allerdings nur der letzte Absatz konkret mit der Frage des Gebäudetyps, indem dort zwar behauptet
aber nicht näher begründet wird,
ob es sich um ein solches Gebäude
handelt bzw. nicht handelt. Dieses
wird so vom Bausachverständigen
übernommen mit der weiteren Feststellung, dass es sich im verneinenden Fall bei den Rissen etc. um
„Baumängel
(aus
technischer
Sicht)“ handelt. Auch hier fällt allerdings auf, dass der Bausachverständige die Einordnung der Risse
als „nicht erdbebenbedingt“ bzw.
als Baumängel nicht einmal ansatzweise auf der Grundlage der
festgestellten Schäden herleitet
oder gar nachvollziehbar begründet. Ebenso wenig wird in der „erschütterungstechnischen
Beurteilung“ auch nur ansatzweise ausgeführt oder gar begründet, wie es zu
der jeweiligen Klassifizierung bzw.
Nicht-Klassifizierung als „besonders
erschütterungsempfindliches
Gebäude“ kommt. Vollends unverständlich wird diese Art der Begut-
achtung dann, wenn berücksichtigt
wird, dass der Sachverständige für
Schall- und Schwingungstechnik die
Gebäude vor Ort nicht einmal in
Augenschein genommen hat. Damit erschließt sich nicht einmal, auf
welcher Basis die Klassifizierung vorgenommen wurde.
Zusammenfassend kann das Gutachten nur als ungeeignet bezeichnet werden, da keine nachvollziehbar begründeten objektbezogenen Feststellungen dazu getroffen werden, ob die dokumentierten Gebäudeschäden tatsächlich auf das Erdbeben vom
22.11.2012
zurückzuführen
sind.
Vielmehr werden lediglich aus nicht
hinterfragten Messergebnissen allgemeine Ableitungen vorgenommen und letztlich unbelegte und
damit nicht nachvollziehbare Behauptungen aufgestellt. Mit einer
objektiven Feststellung der Schadensursachen hat das m.E. nichts
zu tun. Angestrebt werden muss
deshalb unbedingt, die Art der Begutachtung durch einen Sachverständigen für Bergschäden überprüfen zu lassen. Dieses könnte z.B.
im Rahmen der Verfahren vor der
vom
niedersächsischen
Wirtschaftsminister neu eingerichteten
und seit dem 01.08.2014 tätigen
Schlichtungsstelle für Bergschäden
in Rotenburg/Wümme geschehen.
Das ist allerdings davon abhängig,
dass zum einen Betroffene die
Schlichtungsstelle überhaupt anrufen, zum anderen davon, dass das
Schlichtungsgremium sich von der
Notwendigkeit einer solchen Verfahrensweise
überzeugen
lässt.
Hierbei kommt naturgemäß den
von den Betroffenen zu benennenden Schlichtern eine besondere
Aufgabe zu.
9
Und jetzt auch noch die „Fackel“
Nach den Erfahrungen mit dem
Lagerstättenwasser bestand die
Befürchtung schon länger: War das
eigentlich alles ungefährlich, was
da immer wieder mal an den Förderstellen aus meterhohen Fackelrohren verbrannte und in die Luft
gepustet wurde? Auch hier waren
die Förderunternehmen schnell mit
beruhigenden Erklärungen zu Hand.
Das, was da verbrannte, sei reines
Erdgas; giftige Substanzen, soweit
überhaupt vorhanden, würden vor
der eigentlichen Verbrennung über
Filter abgeschieden. Also kein
Grund zur Aufregung. Und in Völkersen schon mal gar nicht. Hier kämen nämlich, ohne dass das vorgeschrieben sei, sog. „Enclosed Burner“ zum Einsatz. Das sind umschlossene Gasbrenner, bei denen keine
offene Flamme sichtbar ist, so dass
das Gas hocheffizient und emissionsärmer verbrannt werde. Es könne lediglich für einen begrenzten
Zeitraum vorkommen, dass das Gas
aus technischen Gründen über eine offene Fackel verbrannt werden
müsse. Also doch – auch in Völkersen brennt weiterhin die Fackel.
Und überhaupt: Warum wird der
„Enclosed Burner“ nicht überall und
bei jeder Gasförderung eingesetzt?
Denn eines steht fest: Auch das Abfackeln birgt Risiken, die erst nach
und nach bekannt werden.
So kam es zum Beispiel am 10.12.13
auf der Bohrstelle Goldenstedt Z25
zu einem Vorfall, bei dem beim Abfackeln überschüssiger Erdgasmengen brennende Rückstände von
LAWA und Lösemittel für Schwefel
aus der Fackel ausgetreten und
brennend auf den Boden gelangt
sind. Anfragen an das LBEG haben
ergeben, dass in Goldenstedt die
Gefahr besteht, dass in den Lagerstätten vorkommender gasförmiger
Schwefel bei der Förderung des
Erdgases und des LAWA kondensiert und die Förderrohre zu verengen bzw. zu verstopfen droht. Um
das zu verhindern, wird in die Bohrlöcher ein Schwefellösemittel (in
Goldenstedt:
Spindelöl)
eingebracht, dass dann mit dem Gas
bzw. LAWA wieder ausgefördert
wird. Damit diese Chemikalien - es
handelt sich offenbar nicht nur um
Spindelöl - nicht in die Fackel gelangen, sind diese nach Auskunft
des LBEG mit sogenannten Abscheidern versehen, die sie zurückhalten
sollen.
Die
Fackeln
selbst sind nicht so ausgelegt, dass
derartige Flüssigkeiten damit verbrannt werden können. In Goldenstedt sei es nun allerdings durch
eine - wie das LBEG es nennt - "Prozessstörung zu Flüssigkeitsübertrag in
das Fackelgas" mit den genannten
Folgen gekommen.
Und jetzt der neueste Fall aus
Söhlingen im Kreis Rotenburg
(Wümme): Dort soll es beim Abfackeln auf zwei Bohrstellen am 25.
März 2014 bzw. 01. April 2014 dazu
gekommen sein, dass Salzsäure
vernebelt und auf die umliegende
Landschaft niedergeregnet sei. Der
dort tätige Energieriese „Exxon Mobil“ bestreitet gar nicht, dass bei
Routinearbeiten zur Optimierung
der Förderung Salzsäure eingesetzt
worden sei, behauptet aber, dass
diese und andere Substanzen bei
der Verbrennung in der Fackel
nicht freigesetzt worden seien. Das
sehen die betroffenen Bürger ganz
anders. Sie klagten unmittelbar
nach den Vorfällen über gesund10
heitliche Beschwerden wie Husten,
Augenbrennen,
Kopfschmerzen,
Übelkeit und Schwindelgefühl bis
hin zum Erstickungsanfall. Und auch
die
Staatsanwaltschaft
Verden
nimmt die Vorfälle durchaus ernst
und hat das LBEG beauftragt, entsprechende strafrechtliche Ermittlungen aufzunehmen.
Unabhängig davon sollte dabei
Folgendes nicht aus dem Blickfeld
geraten: Beide Vorfälle machen
erstmals wirklich öffentlich, dass
nicht nur das ausgeförderte Gas
bzw. das mitgeförderte Lagerstättenwasser toxische Stoffe enthalten,
sondern dass zusätzlich „künstlich“
und unabhängig vom „Fracking“
auch schon bei der „normalen“
Gasförderung giftige Substanzen in
die Bohrstellen eingebracht und
zwangsläufig dann auch wieder mit
zurückgefördert werden müssen.
Vorläufiges Fazit
Was habe ich aus alledem gelernt?
Vorrangig, dass es enorm wichtig
ist, dass überall dort, wo Erdgas gefördert wird oder in Zukunft gefördert werden soll, die Bürger sich informieren und zusammentun. Nur so
kann es gelingen, den mächtigen
Erdgaskonzernen auf die Finger zu
gucken und sich ggf. auch zur
Wehr zu setzen, wenn wieder einmal Profitstreben vor Sicherheit gestellt wird. Und nur so kann es gelingen, unsere Politiker in den Ländern
und im Bund für die Probleme und
Risiken der Erdgasförderung zu sensibilisieren und dazu zu bringen,
endlich das veraltete Bergrecht,
aber auch die überholten Strukturen und Auffassungen in den Landesbergämtern den berechtigten
Bedürfnissen der Menschen vor Ort
anzupassen.
Und schließlich: Die Erfahrungen
haben gezeigt, dass schon bei der
„normalen“ Erdgasförderung erhebliche, zum Teil von der Erdgasindustrie nicht ernst genommene
Probleme auftreten. Diese würden
beim Einsatz des „Fracking“ noch
verschärft.
Unter
anderem
dadurch, dass schon zur Durchführung des eigentlichen Bohrvorganges eine nicht unerhebliche Menge
von Chemikalien mit allen Risiken
zum Bohrplatz verbracht, dort gelagert und verarbeitet werden
müssten. Zum anderen würde mit
dem Lagerstättenwasser auch ein
großer Anteil der beim Fracking
eingesetzten Mittel zurückgefördert.
Deren Entsorgung würde, vor allem
dann, wenn sie ganz oder teilweise
mit verpresst werden, zusätzliche
Risiken und Fragen aufwerfen. Außerdem werden beim Einsatz von
Fracking die geologischen Verhältnisse vor Ort künstlich verändert. Die
langfristigen Folgen dieser Veränderungen vor allem dann, wenn
gefrackte Lagerstätten anschließend zur Verpressung des Lagerstättenwassers genutzt werden, sind
nicht abzusehen. Auch vor diesem
Hintergrund ist der Einsatz von Fracking bei jeder Art von Erdgasförderung entschieden abzulehnen.
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Seele and Geist
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