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Baskets saugen alles auf wie ein Schwamm - Nord-West-Cross

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Sport
SEITE 18
SONNABEND, 12. APRIL 2014
WILHELMSHAVENER ZEITUNG
+ + + Zwei Momentaufnahmen: Nicht alles im grünen Bereich + + +
„Ja, wo laufen Sie denn“, fragte in den 70er-Jahren
Loriot in seinem Rennbahn-Sketch. In Wilhelmshaven ließe sich derzeit sagen: Beim Basketball. Die
Sportart boomt, die Jade Baskets werden in der kommenden Saison in allen Altersklassen vertreten sein.
Auf der Gegenseite hat die LG Wilhelmshaven große
Probleme, im Mittelstrecken-Bereich genügend
Nachwuchs zu finden. Zwei Momentaufnahmen mit
Schnittstellen, aber auch genug Fragezeichen. Denn
warum Basketball derzeit so populär ist, dafür findet
Baskets saugen alles
auf wie ein Schwamm
BASKETBALL
Jan Hetmeier: „Einzelkämpfer erreichen nichts“
VON CARSTEN CONRADS
WILHELMSHAVEN – Der Erfolg
eines Vereins, einer Sportart
oder einer Mannschaft ist unabdingbar mit den handelnden Personen verknüpft. Als
Jan Hetmeier im Jahr 2010 auf
das Basketball-Angebot des
WSSV aufmerksam wurde,
war die Sportart ein zartes
Pflänzchen, heute – knapp
vier Jahre später – steht am
Sportforum ein stattlicher
Baum.
„Schwer zu sagen, welchen
Auslöser dieser Boom hatte“,
sagt der 43-jährige DiplomPsychologe. „Ich meine mal
abgesehen davon, dass Basketball natürlich der beste
Sport auf der Welt ist. Nein, im
Ernst: Wir können uns über
mangelnden Zulauf wirklich
nicht beklagen und saugen
wie ein Schwamm alles auf.
Wir wissen aber
auch, dass dieser
Strom irgendwann
abreißt, dann wird
die Sache interessant.“
Das
Erfolgsgeheimnis der Jade Baskets ist eigentlich
gar keines, wie Hetmeier ausführt. „Alleine kannst du gar
nichts reißen. Du kannst zwar
viele Ideen haben, aber als
Einzelkämpfer kommst du
nicht weit. Du brauchst ein
starkes Team von Verrückten,
die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren und
nicht fragen, was sie dafür bekommen. Wir haben in den
letzten Jahren viele Strukturen
geschaffen und viele Positionen sehr gut besetzt. In einigen Bereichen stehen wir aber
noch am Anfang.“
Flaggschiff der Baskets –
mit entsprechender medialer
Präsenz – ist die erste Männermannschaft, die seit ihrer
Gründung im Jahr 2011 im Eiltempo von der Kreisliga über
die Bezirksklasse bis hinauf in
die Spitzengruppe der Bezirksliga marschiert ist. Am
letzten Spieltag sicherten sich
die Jadestädter (wie berichtet)
sogar das Aufstiegsrecht zur
Bezirksoberliga. „Ob wir tatsächlich erneut aufsteigen,
hängt aber noch von ein paar
Faktoren ab“, erklärt Hetmeier.
Aktuell dürfen die noch vor
den Baskets platzierten Teams
des Oldenburger TB IV und V
nicht in die Bezirksoberliga
aufsteigen, da dort die „Dritte“ des OTB aktiv ist. Hetmeier: „Ab der Bezirksoberliga
dürfen Vereine nur noch mit
einer Mannschaft in der Liga
spielen. Sollte der OTB III in
die Oberliga aufsteigen, würde die „Vierte“ nachrücken.
Bleibt die „Dritte“ aber in der
Bezirksoberliga, wären wir am
Zug. Die sportliche Entscheidung fällt Anfang Mai."
Die Baskets wären aber
nicht die Baskets, wenn sie
sich nicht schon im Vorfeld
mit dem Thema Bezirksoberliga beschäftigt hätten. „Auf den ersten
Blick ist das natürlich eine SuperChance, unsere Erfolgsgeschichte weiter
fortzusetzen“,
sagt
Hetmeier.
„Ganz so einfach
machen wir uns die
Sache aber nicht.“
Stärkere Gegner und
deutlich weitere Fahrten hätten einen nicht unerheblichen Mehraufwand zur Folge.
Außerdem werden einige
Leistungsträger – darunter
auch Topscorer Sebastian
Held – das Team berufs- oder
studienbedingt
verlassen.
Neuzugänge von gleicher oder
gar besserer Qualität sind,
wenn überhaupt, nur schwer
zu bekommen. Hetmeier:
„Wir stehen nicht unter Druck
und werden uns die Sache in
Ruhe überlegen. Unser mittelfristiges Ziel ist die Oberliga –
und was das betrifft, sind wir
auf einem guten Weg.“
Bis dahin haben Hetmeier
& Co. aber noch jede Menge
Arbeit zu erledigen: Ganz
oben auf der Agenda des Baskets-Chefs liegt die Verpflichtung eines Koordinators für
den ehrenamtlichen Bereich.
„Teamplayer gesucht – Engagier dich, heißt ein Projekt des
Deutschen Basketball-Bundes, das ehrenamtliche Strukturen in den Vereinen nachhaltig fördern soll“, erklärt
Hetmeier. „Daran nehmen
auch wir teil und erhoffen uns
davon wichtige Erkenntnisse.“
Sportliches Nahziel der Jadestädter ist der weitere Ausbau der Jugendarbeit. In der
kommenden Jahren werden
die Baskets erstmals in allen
Altersklassen vertreten sein.
Zuwachs gibt es vor allem bei den Mädchen durch
die
Schaffung eines
neuen
U 16Teams.
Die
Kehrseite
der Medaille. Langsam
aber sicher
stoßen die
WSSV-Basketballer
mit ihren
inzwischen
rund
120
Mitgliedern
an
die
Grenzen
ihrer Kapazität – nicht
nur personell, sondern auch
räumlich.
„Hallenzeiten sind
sicherlich immer
ein Problem“, sagt Hetmeier. „Vielleicht wirkt sich ja
die neue Halle des NGW positiv für uns aus.“
Spieler, Trainer, Abteilungsleiter – die Jade Baskets
ohne Jan Hetmeier? Momentan nur schwer vorstellbar.
„Mein Traum ist es, irgendwann entbehrlich zu sein“,
sagt der 43-Jährige. „Bis es soweit ist, werden wir unsere
Ziele aber weiterhin engagiert
verfolgen.“
auch Ex-Zweitliga-Spieler Jan Hetmeier von den Jade
Baskets nicht nur logische Erklärungen. Ein starkes
Team drumherum gehört wohl dazu, Trends spielen
eine Rolle und natürlich der nötige Zugriff auf den
Nachwuchs über die Schulen.
Wilhelmshaven hat die
Mittelstreckler verloren
LEICHTATHLETIK
LGW-Trainer Andreas Fieger sucht Nachwuchs
VON MARTIN MÜNZBERGER
WILHELMSHAVEN – Kennt noch
jemand Manfred Eichler? Mit
22 Jahren rannte der Mittelstreckler des TSV Germania
am 28. Juli 1962 in Hamburg
in 1:52:00 Minuten über 800
Meter ins Ziel. Knapp 52 Jahre
später wird diese Zeit in der
Bestenliste der LeichtathletikGemeinschaft Wilhelmshaven
(LGW) immer noch als Stadtrekord geführt.
Ein Einzelfall? Leider nicht.
Bei den Männern stammt die
1500 m-Bestzeit aus
dem Jahre 1958
(Herbert
Metz/
WSC
Frisia), bei
den Frauen
ist die Bestenliste etwas aktueller. Hier fallen im Laufbereich nur
die Bestzeiten von Elisabeth Breit
über 800 m
(1984) und
1500
m
(1981) etwas
aus
dem Rahmen.
Auch
beim Nachwuchs
ist
das Bild in
vielen Mittelstreckenbereichen
ähnlich.
Würde man Namen wie Uwe Wegner,
Lars Gronewold, Georg Diettrich oder Uwe Heidner aus
den Listen streichen, es täte
sich bedenklicher „Weißraum“ im Best of-Bereich der
Mittelstrecke auf.
Ketzerisch aber wohl hart
an der Realität beurteilt Friedhelm Henze, lange Vorsitzender des Kreis-LeichtathletikVerbandes
Wilhelmshaven,
die Situation. „Die LGW existiert im Mittel- und Langstre-
ckenbereich nicht mehr. Da
gibt es den 13-jährigen Robin
Helling – und das war’s. Danach kommt Ulla Papa, Jahrgang 1952.“
Eine Misere in diesem Bereich? LGW-Trainer Andreas
Fieger, seit fast exakt auf den
tag genau einem Jahr in Wilhelmshaven im Amt, will davon im ersten Augenblick
nichts wissen. Je länger der
Ex-Heidmühler aber über die
„Randsportart Leichtathletik“,
demografischen Wandel, die
Anforderungen der Ganztagsschule und das gegenüber früher breitere Alternativ-Sportangebot nachdenkt, desto
mehr kommt Fieger zu einem
anderen Schluss. „Vermutlich
haben wir letztlich doch eine
Misere.“
Ist die Argumentation aber
schlüssig? Weniger Kinder,
größere schulische Anforderungen, breiteres
Sportangebot, größere Probleme?
Bei den Triathleten des TSR
Olympia ist eine
gegenläufige
Entwicklung zu
beobachten. In
den letzten acht
Jahren wurde die
Mitgliederzahl
der
Sparte von 50 auf 150 gesteigert; rund 25 Kinder im Alter
von 5 bis 17 Jahren sind im
Duathlon (Laufen, Radfahren)
aktiv. Viermal in der Woche
gibt es Trainingsangebote in
den Bereichen Laufen, Radfahren und Schwimmen. Dabei sind aus Aktiven mittlerweile auch Trainer geworden
(Lena Baller, Jens Zählke).
Abteilungsleiter Detlef Otten freut sich, dass Duathlon/
Triathlon in der Wahrnehmung der Menschen schon
länger eine „coole Sportart“
ist, sieht aber noch einen wesentlicheren Grund für den
Erfolg der TSR-Sparte trotz
des hohen Trainingsaufwandes. „Wenn man nicht in die
Schulen geht, hat man keine
Chance.“
Ein Türöffner zum Nachwuchs, den die Triathleten
seit acht Jahren nutzen. Da
fand an der Grundschule Altengroden in Zusammenarbeit mit dem Verein der erste Sporttag statt. Dem folgte
jahrelang die „Asics-Schülertour“, die in der Folge von
jährlichen Duathlon-Veranstaltungen in den (Grund)Schulen abgelöst wurde.
Ein Weg, auf dem auch Robin Helling den Weg zum Duathlon und später zur LGW
fand. Ein Weg auch, den LGWTrainer Klaus Dröge immer
wieder bestreitet, um in „seinem“ Bereich, dem der
Sprinttalente irgendwo zwischen Jelle Enxing und Till
Helbig, weiter Erfolg zu haben.
Andreas Fieger ist da augenblicklich in einer deutlich
schwierigeren Position. Der
Nachfolger des im Mai 2012
verstorbenen Hein Arians, der in guten Zeiten mehr als ein
Dutzend Kinder
durch
den
Stadtpark begleitete, muss
derzeit ein bisschen schauen,
was
„übrig“
bleibt vom Laufkuchen zwischen
nicht „schwimmfähigen“ Triathleten und zu langsamen Sprintern. Fünf bis
acht Kinder gehören zum
„harten Kern“ seiner Trainingsgruppe.
Vielfach hätten Talente
schon „fünf andere Hobbys“,
stellt Fieger fest ohne sich zu
beklagen. „Mir war klar, dass
es schwierig wird. Und es wird
noch schwerer, wenn wir im
Winter nicht ausreichend Hallenzeiten bekommen. Denn
da werden die Meister gemacht.“
Wilhelmshaven und seine
Mittelstreckler – da droht
LGW-Trainer Andreas Fieger
im Übrigen schon Gefahr im
eigenen Haus. Ehefrau Birgitta Fieger, überzeugte Sprinterin, findet: „Die Langstrecke
ist ein notwendiges Übel. Alles über 400 Meter muss gefahren werden.“
MITGLIEDERZAHLEN IN DEN LETZTEN JAHREN MEHR ALS VERDOPPELT
LEICHTATHLETIK-GEMEINSCHAFT WURDE 1971 GEGRÜNDET
Im Jahr 2005 ruft der
WSSV die ersten beiden
Basketballgruppen für Kinder von 12 bis 16 Jahren
ins Leben. Trainer ist Daniel Schönbohm. Basketball gehörte damals noch
zur Abteilung „Fitness &
Freizeit“.
Die LG Wilhelmshaven
wurde 1971 gegründet.
Männer der ersten Stunde
waren Emil Heydt, Helmut
Röschmann, Heinz Poick
und Klaus Dröge. Die Beteiligten kommen aus fünf
Wilhelmshavener Vereinen: VfL, WTB, TSR
Olympia, WSSV, STV Voslapp. Derzeit hat die LGW
rund 100 Mitglieder.
David Wimmer übernimmt
2007 die Regie und baut
die Sparte weiter aus. Ein
Jahr später spielen bereits mehr als 50 Mitglieder Basketball im WSSV.
Offizielles Mitglied im
Deutschen BasketballBund (DBB) werden die Jadestädter im Jahr 2009.
Scheele übernehmen die
Koordination der Sparte
im Jahr 2010 und gründen
eine Herrenmannschaft,
die 2011 erstmals in der
Kreisliga an den Start
geht und auf Anhieb in die
Bezirksklasse aufsteigt.
Jan Hetmeier, Baskets-Abteilungsleiter.
WZ-FOTO: GA-JÜ
Gleichzeitig schickt der Verein erstmals drei Jugendmannschaften in den Spielbetrieb auf Bezirksebene.
Jan Hetmeier und Martin
Die Jade Baskets werden
2012 als eigenständige
Abteilung aus der Taufe
gehoben – mit eigenem
Logo und eigener Facebookseite.
2013: „Durchmarsch“ der
Männer in die Bezirksliga.
Außerdem knacken die
Baskets die Marke von
100 Mitgliedern.
Zum 25-jährigen Bestehen
konnte die LGW 1996
eine beeindruckende Bilanz präsentieren: 21
Deutsche-, 15 deutsche
Vize-, 14 Norddeutsche-,
238 Landes und 999 Bezirksmeistertitel.
Seit einem Jahr fungiert
der ehemalige Heidmühler
Andreas Fieger als Trainer
im Mittel- und Langstreckenlauf. Trainiert wird
dienstags und donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr
an der Freiligrathstraße.
Andreas Fieger, Trainer bei
der LGW.
FOTO: PRIVAT
Im Jahr 1991 wurde der
Leichtathletik-Förderverein
ins Leben gerufen. Vorsitzender ist derzeit Thomas
Tappe. 42 Förderer gibt es
im Augenblick.
Dreimal in der Woche
kümmern sich Klaus Dröge und Heinrich Mielke um
die Mehrkämpfer. Trainiert
wird montags und dienstags ab 16.45 Uhr und
freitags an 15.15 Uhr an
der Freiligrathstraße. Ein
Lauftreff von Claudia und
Olaf Bleek startet sonntags um 10 Uhr beim
Bootshaus am Stadtpark.
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