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Dissertationsprojekt „Wie werden Schulklassen - Historicum.net

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Felicitas Klingler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte, Prof. Michael Sauer
Dissertationsprojekt „Wie werden Schulklassen Vorstellungen vom Mittelalter
im Museum vermittelt?“
1. Fragestellung
Das vorliegende Forschungsvorhaben ist eines von zwei Dissertationsprojekten, das im Rahmen
des Forschungsprojekts "Mit der Schule im Museum – Eine empirische Untersuchung"
durchgeführt wird. Während im Dissertationsprojekt "Wie und was lernen Schüler/innen im
Museum" (Projektmitarbeiterin Hannah Röttele) Interaktionsprozesse und deren Ergebnisse im
Mittelpunkt stehen, widmet sich das vorliegende Forschungsvorhaben der Angebotsentwicklung
und -durchführung in Museen. Es fragt danach, welche Vorstellungen vom Leben im Mittelalter
wie an Schulklassen in Museen vermittelt werden.
Unter dem Stichwort „Leben im Mittelalter“ werden sämtliche Angebote gefasst, die das menschliche
Dasein und Wirken im Mittelalter thematisieren. Die Auswahl dieses inhaltlichen Fokus erfolgt
aufgrund der Tatsache, dass er sich sowohl in den Lehrplänen der Grundschulen als auch der
Sekundarstufe I verankert lässt und deshalb von einer Vielzahl an Schulklassen gebucht wird. Damit
kann eine große Bandbreite museumspädagogischer Angebote erfasst werden.
Schulklassen stellen das größte Klientel museumspädagogischer Angebote dar.1 Folglich bestehen
seitens der Museen neben bildungspolitischen Prämissen auch ökonomische Interessen, den
Bedürfnissen und Ansprüchen von Schule entgegen zu kommen. Schulklassen sind jedoch für
Museen eine besondere Herausforderung. Diese erschöpft sich nicht darin, mit einer großen
Gruppe von Kinder und Jugendlichen zu arbeiten, die als „Schüler/innen“ - und nicht aus eigener
Motivation - ins Museum kommen. Vielmehr werden mit dem Museumsbesuch die besonderen
Bildungsansprüche der Schule ins Museum hineingetragen: „Die Zusammenarbeit von Schule und
Museum ist durch eine besondere Schwierigkeit gekennzeichnet. Nicht alles, was ein Museum
anbieten kann, ist für schulische Curricula relevant. Und nicht alles, was Schulen leisten müssen, kann
in Museen erarbeitet werden. Museumspädagogik verlangt folglich eine Konzentration von
1
Vgl. Statistische Gesamterhebung an Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2007, Berlin,
2008, S. 53f
1
Felicitas Klingler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte, Prof. Michael Sauer
Vermittlungsinhalten und eine unumgängliche Bildung von curricularen Schnittmengen.“2 Wie diese
Schnittmengen aussehen und wie Museen diese umsetzen, steht im Mittelpunkt der vorliegenden
Arbeit.
2. Forschungsstand
Der Forschungsstand zum Thema „Schule und (historischem) Museum“ lässt sich grob in zwei
Richtungen einteilen. Zahlreiche empirische Untersuchungen und Publikationen beschäftigen sich
einerseits mit dem Thema „Kooperation zwischen Schule und Museum“ und nehmen
unterschiedliche Perspektiven (Schüler/innen, Lehrende und Museumspädagog/innen) in den Blick.
Diese Untersuchungen münden
in die Erarbeitung von Vorschlägen für eine verbesserte
Zusammenarbeit von Schule und Museum sowie der Präsentation und Bewertung einzelner
Projekte.3
Andererseits beschäftigen sich empirische Untersuchungen und Publikationen mit dem Lernen von
Schüler/innen im Museum hinsichtlich eines schulischen Mehrwertes.4 Dies hat den Hintergrund,
dass in der Geschichtsdidaktik das Museum als außerschulischer Lernort betrachtet wird, dessen
Potenziale vor allem in der historischen Anschaulichkeit, Faszination, Authentizität und Ästhetik der
2
Klaus-Peter Busse, Museumspädagogik an der Schnittstelle von Museum und Schule: Aktuelle Paradigmen
der Museumspädagogik, in: Ernst Wagner/Monika Dreykorn (Hrsg.), Museum - Schule - Bildung. Aktuelle
Diskurse - innovative Modelle - erprobte Methoden, München 2007, S. 25–28, hier S. 26
3
Vgl. z.B.Silke Traub, Das Museum als Lernort für Schulklassen: Eine Bestandsaufnahme aus der Sicht von
Museen und Schulen mit praxiserprobten Beispielen erfolgreicher Zusammenarbeit, Hamburg, 2003; Gisela
Staupe (Hrsg.), Das Museum als Lern- und Erfahrungsraum: Grundlagen und Praxisbeispiele, Wien, 2012;
Carola Marx, Der perfekte Rahmen? Kooperationen mit System: Zur Zusammenarbeit von Schulen und
Museen, in: Museumskunde 74 (2009) 2, S. 35–44; Barbara Christoph (Hrsg.), Museum und Schule erfolgreiche Partner?: Vorträge einer Tagung des Bezirks Oberfranken und der Hanns-Seidel-Stiftung ;
[Tagung in Kloster Banz vom 28. bis 30. Oktober 2009, Bayreuth, 2010; Victoria Bishop Kenzia, Visitor
Experience and Learing: The cas of the Jewish Museum Berlin, in: Jan Hodel/Béatrice Ziegler (Hrsg.),
Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik 09. Beiträge zur Tagung "Geschichtsdidaktik Empirisch 09" [vom 3.
und 4. September 2009 in Basel], Bern 2011, 1. Aufl., S. 51–61; Berit Pleitner, Historisches Lernen im
Museum, in: Jan Hodel/Béatrice Ziegler (Hrsg.), Forschungswerkstatt Geschichtsdidaktik 09. Beiträge zur
Tagung "Geschichtsdidaktik Empirisch 09" [vom 3. und 4. September 2009 in Basel], Bern 2011, 1. Aufl.;
Staupe
4
Vgl. z.B.Alexandra Marx/Michael Sauer, Lerneffekte von Gedenkstättenbesuchen im Kontext des
Geschichtsunterrichts: Eine quantitative Studie am Beispiel der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und
Moringen, in: Bert Pampel (Hrsg.), Erschrecken - Mitgefühl - Distanz. Empirische Befunde über Schülerinnen
und Schüler in Gedenkstätten und zeitgeschichtlichen Ausstellungen, Leipzig 2011, 1. Aufl., S. 115–145;
Sandra Dannemann, Aktivblätter auf dem Prüfstand: Eine Evaluationsstudie zu einem
museumspädagogischen Vermittlungsangebot für Schulen, Saarbrücken, 2010; Wolfgang Hasberg,
Vermittlung geschichtskultureller Kompetenzen in historischen Ausstellungen, in: Susanne Popp/Bernd
Schönemann (Hrsg.), Historische Kompetenzen und Museen, Idstein 2009, S. 211–236;
2
Felicitas Klingler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte, Prof. Michael Sauer
Exponate liegen.5 Das Museum wird als geeignete Ergänzung zum schulischen Lernen
wahrgenommen: „Die Ausstellungsräumlichkeiten, die Originalobjekte, die Authentizität der
historischen Zeugnisse, die Methoden der Museumsarbeit ermöglichen das Lernen vor Ort und
können im Idealfall eine Ergänzung zum Lernen in der Schule sein.“6 In geschichtsdidaktischer
Literatur zum Lernen von Schüler/innen im Museum werden in diesem Zusammenhang auch die
Vermittlung und der Erwerb historischer Kompetenzen diskutiert und evaluiert.7
Die museumspädagogische Angebotsplanung und -umsetzung für Schüler/innen wurde in der
Geschichtsdidaktik mit Ausnahme einer Publikation von Bettina Alavi8 zur Vermittlung historischer
Kompetenzen kaum thematisiert. Ein Forschungslücke besteht also darin, dass keine Aussagen
darüber getroffen werden können, wie bestimmte Formate, Methoden und Medien in Museen
eingesetzt werden, um Geschichte an Schüler/innen zu vermitteln und auf welche Geschichtsbilder
dabei abgezielt wird. Das vorliegende Dissertationsprojekt bearbeitet diese Forschungslücke und
versucht die Trennlinie der Vermittlung von Geschichte im Museum und Schule neu zu bestimmen. Es
trägt dazu bei, Potenziale museumspädagogischer Arbeit sichtbar und für eine Zusammenarbeit
zwischen Geschichtsdidaktik und Museumspädagogik fruchtbar zu machen.
3. Umsetzung
Das Forschungsvorhaben wird im Rahmen der Grounded Theory als Forschungsstrategie verfolgt, d.h.
die Forschung erfolgt induktiv und theoriegenerierend. Für die Bearbeitung der Forschungsfrage
5
Vgl. Michael Sauer, Historisches Lernen in Ausstellungen: Kompetenzen im Umgang mit Geschichte als Ziel
und Voraussetzung, in: Susanne Popp/Bernd Schönemann (Hrsg.), Historische Kompetenzen und Museen,
Idstein 2009, S. 81–93, hier S. 85;
6
Brigitte Vogel, Arbeitsfelder und Planungskriterien für Museumsangebote, in: Ernst Wagner/Monika
Dreykorn (Hrsg.), Museum - Schule - Bildung. Aktuelle Diskurse - innovative Modelle - erprobte Methoden,
München 2007, S. 53–58, hier S. 53
7
Vgl. z.B.Bettina Alavi, Kompetenzen historischen Denkens im Museum: Ein geschichtsdidaktischer Blick auf
die Museumspädagogik, dargestellt am Beispiel der Rulaman-Ausstellung im Kurpfälzischen Museum in
Heidelberg, in: Susanne Popp/Bernd Schönemann (Hrsg.), Historische Kompetenzen und Museen, Idstein
2009, S. 237–250; Barbara Kolb/Karl Borromäus Murr, Über den Erwerb historischer Kompetenzen im
Museum -: - Überlegungen aus der Planungspraxis des Bayerischen Textil- und Industriemuseums in
Augsburg, in: Susanne Popp/Bernd Schönemann (Hrsg.), Historische Kompetenzen und Museen, Idstein
2009, S. 141–164; Andreas Körber, Historisches Denken zwischen Museum und Schule, in: Barbara Christoph
(Hrsg.), Museum und Schule - erfolgreiche Partner? Vorträge einer Tagung des Bezirks Oberfranken und der
Hanns-Seidel-Stiftung ; [Tagung in Kloster Banz vom 28. bis 30. Oktober 2009, Bayreuth 2010, S. 23–46;
Alfons Kenkmann, Kompetenzförderung im Museum?: Interview mit dem Professor für Geschichtsdidaktik
an der Universität Leipzig, in: Gisela Staupe (Hrsg.), Das Museum als Lern- und Erfahrungsraum. Grundlagen
und Praxisbeispiele, Wien 2012, S. 111–117
8
Alavi
3
Felicitas Klingler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte, Prof. Michael Sauer
werden zwei verschiedene Erhebungsphasen mit verschiedenen Methoden eingesetzt:
1. Erhebungsphase
Mithilfe einer Internetrecherche werden museumspädagogische Angebote deutschlandweit erfasst
und die Angebotsbeschreibungen im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Dabei
werden museumspädagogische Formate (Raum, Methode, Medien), Inhalte und Lernziele
herausgearbeitet. Anhand dieser Erhebung können Aussagen über Tendenzen und Trends der
musealen Vermittlungspraxis in Deutschland gemacht werden.
2. Erhebungsphase
Auf Grundlage der Ergebnisse der Internetrecherche werden unterschiedliche Angebotsformate
ausgewählt und in einem nächsten Schritt qualitativ näher untersucht. Dies wird anhand von
Experteninterviews mit den Mitarbeiter/innen der Museumspädagogik sowie Videoaufzeichnungen
von der Arbeit mit Schüler/innen im Museum umgesetzt. Pro Museum soll jeweils ein
Experteninterview
mit
Museumspädagogen/in
einer/m
geführt
sowie
für
die
Angebotsentwicklung
Videoaufzeichnungen
der
verantwortlicher/n
Durchführung
von
zwei
Schulklassenangeboten angefertigt werden. Anschließend werden die Mitarbeiter/innen, die mit den
Schüler/innen arbeiten, über ihre Arbeit interviewt. Anhand des empirischen Materials wird
exemplarisch herausgearbeitet, welche didaktischen Überlegungen und Konzepte hinter den
Angeboten stecken und wie sich diese in der Praxis umsetzen lassen.
4
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