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Brüder wie Tag und Nacht - Ndr

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Das Feature
Brüder wie Tag und Nacht
Hans, Hermann und der Krieg
Feature von Justina Schreiber
--------------------------------------------------------------------------------------------------Sonntag, 12.10.2014, 11.05 – 12.00 Uhr
Produktion: NDR 2014
Mitwirkende:
Marlen Diekhoff
Heiko Raulin
Felix Knopp
Jürgen Uter
Sascha Icks
Technische Realisation:
Elke Kellermann und Wolfgang Dirks
Regie:
Andrea Getto
Redaktion:
Christiane Glas
Zur Verfügung gestellt vom NDR. Dieses Manuskript ist
urheberrechtlich geschützt und darf nur für private Zwecke
des Empfängers benutzt werden. Jede andere Verwendung
(z.B. Mitteilung, Vortrag oder Aufführung in der Öffentlichkeit,
Vervielfältigung, Bearbeitung, Übersetzung) ist nur mit
Zustimmung des Autors zulässig. Die Verwendung für
Rundfunkzwecke bedarf der Genehmigung des NDR.
1
Erzählerin:
Über große Männer und zu große Mäntel.
MUSIK
Sprecher 1 (Hans Voss):
Der Soldatenmantel umwallte und umwogte mich,
und ich versuchte, ihn mit dem übergeschnallten
Koppel zu bändigen. Sein unnachgiebiger Stoff
hinderte mich bei jedem Schritt, ich stieß mit den
viel zu großen Schuhen dagegen, wenn ich ihn
trug. Ich trug ihn auch nicht im eigentlichen Sinne,
sondern ich bewegte ihn mit mir fort.
O-TON (Daniel Schreiber):
„Als ich ein kleiner Junge war, war Hans Voss
immer sowas wie ein Held. Es gab ein Foto, das
stand auf dem Schreibtisch meiner Mutter, das ihn
mit einer wallenden Künstlermähne zeigte, ein sehr
energischer Gesichtsausdruck, also ein wilder
junger Mann, der auf jeden Fall, so wie er aussah,
immer im Recht war.“
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Mein Vater war eben – er betrachtete sich
zumindest als Künstler.“
O-TON (Daniel Schreiber):
„Dann war natürlich auch zu merken, dass meine
Mutter ihn sehr verehrte, dass sein Verschwinden
1945 ein tiefes Trauma hinterlassen hat, - ein
schwerer Schmerz, der immer noch spürbar war, das vielleicht ein bisschen dazu beigetragen hat,
dass er auch höher angesetzt wurde als es
vielleicht der Realität entsprochen hat.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Der Mantel umgab mich, umhüllte mich und lastete
auf mir, nahm mir meine persönliche
Bewegungsfreiheit.
O-TON (Daniel Schreiber):
„Dieser.. dieser Hans Voss war im Grunde ne
isolierte Gestalt ohne familiären Kontext, ich weiß
gar nichts über den Bruder, also es wurde über
diesen Bruder nicht gesprochen.“
2
Sprecher 3:
Personalfragebogen für die Anlegung der SAPersonalakte. Name:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Voss.
Sprecher 3:
Vornamen, alle:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Hermann Friedrich …. Maria.
Sprecher 3:
Derzeitiger Beruf:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Rechtsanwalt und Notar.
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Da war kaum Kommunikation. Sie wurde zwar
aufrechterhalten, ich durfte öfter in die Villa draußen
nach Woltersdorf fahren, und war da bei den
Kindern und Kindeskindern von meinem Onkel ein
gern gesehener Kindergast.“ (Stimme oben)
O-TON (Jörn Voss):
„(Er war ein relativ großer Mann und sehr
beeindruckend, also er wusste mit Personal
umzugehen, Hermann war so, der beherrschte den
Raum einfach, ja, ja, das war so ne Type, die
Respekt einflößte.“
Sprecher 3:
Personenbeschreibung. Größe:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
1 Meter 83.
ATMO UHR TICKEN
O-TON (Eckhart Holl)
„(Also, wir alle verehrten unseren Großvater. – (Ute
Werner) Er war auf jeden Fall eine Persönlichkeit,
für uns Kinder sowieso. – (Eckhart Holl) Unbedingt
korrekt, legte unheimlichen Wert auf Haltung, ich
hab also so manchen Schlag ins Kreuz bekommen,
weil ich krumm ging schon als Pimpf, und auf der
anderen Seite unheimlich lieb. - (Ute) Er war immer
liebevoll, streng, aber liebevoll. – (Eckhart) Und treu
sorgend, das gilt nicht nur für die Oma Lore, seine
3
Frau, seine zweite Frau, sondern also auch für
seine Kinder und Enkel.“
O-TON (Mechthild Schreiber):
Aber ich kann mich nicht erinnern, dass Hans und
Hermann jemals irgendwas zusammen
unternommen haben, dass sie sich gegenseitig
besucht haben, also da herrschte keine große
Liebe.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Und plötzlich wusste ich es. Der Mantel, das war
der Krieg.
Erzählerin/Sprecher:
Brüder wie Tag und Nacht – Hans, Hermann
und der Krieg. Ein Feature von Justina Schreiber.
Sprecher 1 (Hans Voss):
Sah Helden sterben,
Helden erstehn,
Sah stolzer Sippen
Aufstieg und Sturz.
Sah Welten wanken,
Wetter schlagen,
Sah fallende Frucht
Und frische Saat.
Erzählerin:
Erster Gesang: Grabenkämpfe. Zunächst tritt die
Figur des gestrengen, ein wenig dünkelhaften
Rechtsanwalts und Notars Doktor Hermann Voss
bruchstückhaft aus der Vergangenheit hervor.
Sprecher 3:
Ich erhebe Klage gegen Doktor Hermann Voss auf
Grund des Gesetzes zur Befreiung von
Nationalsozialismus und Militarismus vom 5. März
1946 mit dem Antrage, den Betroffenen Dr. Voss,
Hermann in die Gruppe I der Hauptschuldigen
einzureihen.
4
O-TON (Helmut Holl):
„Wir wissen das alles nicht so genau, weil wir das
Gefühl hatten, wenn unsere Eltern, also meine
Mutter oder mein Großvater über die Dinge
sprechen wollten, dann hätten sie es auch getan.
Und wir wussten natürlich, es gab ganz viel dunkle
Geschichten und wir kannten auch das Leid meiner
Mutter, ne, nachdem mein Vater gefallen war, dass
die wahrscheinlich an die Vergangenheit gar nicht
erinnert werden wollte und deswegen haben wir
auch – das gilt für alle meine Geschwister –
verhältnismäßig wenig Fragen gestellt. Aber nicht
nur in meiner Familie, das war in meiner ganzen
Generation so, ne.“
O-TON:
„(Ute) Wir durften, wenn er mittags mal im Garten
lag und die Augen zumachte, dann durften wir uns
nicht rühren, da muss alles still sein. – (Eckhart)
Wenn wir spazieren gingen oder im Garten
arbeiteten, dann machte er mit mir Bruchrechnen,
das hab ich gar nicht so geschätzt, aber er wollte
na ja aus jeder Situation irgendwas Neues… - (Jörn
Voss) Wenn wir zum Beispiel durch die Stadt
Frankfurt liefen, dass er auf irgendwelche
lateinischen Inschriften an Häusern hinwies und ich
musste das vorlesen und übersetzen und ich
konnte es meistens nicht.“
Sprecher 3:
Protokoll der öffentlichen Sitzung der
Spruchkammer Gerolzhofen am 22.8.1947. Zur
mündlichen Verhandlung in dem Verfahren gegen
Doktor Hermann Voss, Volkach am Main, erschien
bei Aufruf der Sache der Betroffene persönlich. (…)
Er erklärte: Schon vor 1933 sei er mit führenden
Größen der NSDAP wie Göring, Goebbels,
Himmler, Ribbentrop durch eine seiner Klientinnen,
eine Frau Dirksen…
ERZÄHLERIN:
Viktoria von Dirksen, Adolf Hitlers größte
Sponsorin. Hermann Voss gehörte nämlich dem
exklusiven Deutschen Herrenklub an. Und der
bahnte mit Frau von Dirksens finanzieller Hilfe
5
Kontakte zwischen der traditionellen Elite und den
Nationalsozialisten an.
Sprecher 3:
…mit führenden Größen der NSDAP durch eine
Frau Dirksen in Berührung gekommen. Goebbels
forderte ihn zum Parteieintritt auf und schlug ihm
vor, Parteijurist für Norddeutschland zu werden, das
Gleiche, was Hans Frank für Süddeutschland war;
er habe es jedoch abgelehnt.
O-TON (Jörn Voss):
„Und er hatte etwas, was mich immer faszinierte, es
gab immer eine Obstschale da, wo immer Trauben
waren und so und er trank jeden Abend eine
Flasche Wein. - (Ute) Wir durften keine faulen Äpfel
in den See werfen, wir durften auf der Straße kein
Eis essen, das gehört sich alles nicht. Dann gab
es verschiedene Wörter, die durften wir nicht
brauchen, zum Beispiel das Wort „schwitzen“ oder
„Ich bin satt“, das durften wir alles nie sagen. Und
das ist so komisch, ich hab erst vor zwei, drei
Jahren das erste Mal auf der Straße ein Eis
gegessen (lacht).“
ERZÄHLERIN:
Einmal ging auch der Dichter Hans Voss still durch
den Garten seines Bruders, damals in Woltersdorf
bei Berlin.
O-TON (Eckhard Holl):
„Wir bewunderten den, als wir hörten, dass der also
eine Übersetzung der Edda angefangen hatte. Da
kann dir sicher meine Schwester Ute mehr
erzählen. - (Ute Werner) Ich weiß nur, dass er das
ganze Gegenteil von meinem Großvater war. -
Sprecher 1 (Hans Voss):
Drei und dreißig Jahre
lag er auf dem Ofen in dem Hause.
O-TON (Ute):
„Ich kenn den ganz still und ruhig, wie der so
durch den Garten ging, mit seiner Haarmähne und
so, und dann so versponnen. …“
6
Sprecher 1 (Hans Voss):
Regte nimmer seine Hände,
Hände schwer zu Werkes Mühe,
O-TON (Helmut Holl):
„Ja, was heißt schief gelaufen bei Hans. Man kann
natürlich sagen, ihm war Geld nicht wichtig, aber er
hat wahrscheinlich, mei… Ich hab ihn immer so als
Träumer empfunden, als jemand, der in einer
anderen Welt lebte und vielleicht die großen Helden
sah.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Regte nimmer seine Füsse,
Füsse schwer zu Weges Mühe;
O-TON (Mechthild Schreiber): „Er war ein völlig unpraktischer Mensch, dem die
Bodenhaftung fehlte, meine ich heute, der in seinen
geistigen Welten schwebte, bei den Griechen und
den Germanen und den Russen, russischen
Helden.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Drückt den Ofen all die Jahre,
Winters, Sommers, Tag und Nächte.
O-TON (Ute Werner):
„Ich fand immer, dass der Hans sehr still war. Naja,
nun hat seine Frau ja auch immer geredet und alles
klar gestellt und so, Eva.“
O-TON (Helmut Holl):
„Und Eva, die natürlich immer in schwierigen
finanziellen Situationen war,…“
Sprecherin 1 (Eva Voss):
„Sie wissen, dass unsere pekuniäre Lage nie
berückend war und während des „Tausendjährigen
Reiches“ gestaltete sie sich keineswegs besser…“
O-TON (Helmut Holl):
„…und die auch wohl in vielen Jahren, also noch in
der Vorkriegszeit erlebt hat, wie erfolgreich ihr
Schwager Herrmann Voss war, ja, und auch diesen
7
sehr herrisch auftretenden Menschen, der da (sich)
auch seiner Attraktivität bewusst war…“
Sprecherin 1 (Eva Voss):
„… obgleich Hans sicherlich ein Künstler
germanischer Dichtung war, galt er bei den
Kompetenten nicht viel – man roch die religiöse
Haltung und da Hans weder Kompromisse machte
noch katzbuckelte, so ging es eben nur so
irgendwie.“
O-TON (Helmut Holl):
„Hat mir mal erzählt: ja, stell dir mal vor: Während
meiner Hochzeitsfeier mit Hans Voss hat doch
tatsächlich der Herrmann versucht, mich zu
verführen, mich anzumachen. Und mir ist heute
noch nicht klar, ob sie das aus Empörung, was ich
mal unterstelle, erzählt hatte oder ob sie damit
zeigen wollte, dass sie für Hermann auch attraktiv
war, ne.“
ERZÄHLERIN:
Zweiter Gesang. Kriegsspiele. Wie der
Rechtsanwalt Doktor Hermann Voss offenbar
Einiges links liegen lässt und der Dichter Hans
Voss mit zweierlei Maß misst.
O-TON:
„Ehm, sein Sohn Gerd, der war höhere SA… also
bekleidete einen höheren Rang in der SA und der
schenkte ihm zu irgendeinem Geburtstag einen
Rang, das konnte man, bekam also als Dr.
Hermann Voss, auf einmal war er - ich weiß nicht Standartenführer oder so was, das ging, man
konnte sich also mit diesen Rängen Freunde
erwerben. Und als solcher wurde ihm dann
irgendwie… es gab ja diese Kriegswinterhilfe, es
wurden also Abzeichen verkauft, meinetwegen die
verschiedensten Waffengattungen: Infanterie und
Luftwaffe und Marine, so als kleines Spielzeug.
Oder es wurden Schiffe der verschiedensten Art: UBoote und U-Bootjäger und Panzerkreuzer und so
weiter. Und dann weiß ich nur, dass er mir diese
kompletten Sätze, die er also hätte verkaufen
8
sollen, zum Spielen schenkte und das Geld aus
seiner eigenen Tasche in diese Sammelbüchsen
steckte. Denn der stellte sich nicht auf die Ecke und
klapperte mit der Büchse, wie das sonst üblich war.
Also er nahm die ganze Sache auf die leichte
Schulter.“
Sprecher 3:
Werdegang in der Partei: Eintritt:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
23. März 1933.
Sprecher 3:
Werdegang in der SA: Eintritt in die SA:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Am 3. Juli 1933.
Sprecher 3:
Beförderungen:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Am 23. September 1933 zum Obertruppführer und
Rechtsberater. Am 20.04.1934 zum Sturmführer.
ERZÄHLERIN:
War Hermann Voss ein Nazi?
Sprecher 3:
Göring, der in einer Zivilsache zu ihm kam, - es
handelte sich um den Kauf eines Tizianbildes –
habe er so ablehnend behandelt, dass dieser voller
Entrüstung sein Büro verließ. Im April 1933 sei er
nach Rücksprache mit Dingeldey, dem Führer der
Volkspartei, der NSDAP beigetreten, in dem
Glauben, den Kurs der Partei beeinflussen zu
können.
O-TON (Helmut Holl):
„Wobei … wahrscheinlich war das ein ganz
reaktionärer Mensch, war in der Kaiserzeit
aufgewachsen, ne, ich glaube nicht, dass er ein
großer Kämpfer für die Weimarer Verfassung war,
zumal als Mitglied der deutschen Volkspartei, das
waren keine Republikaner, das muss man einfach
mal sehen, ne. Und deswegen war es auch für die
9
nicht so ein schwieriger Weg, bei der sich
auflösenden deutschen Volkspartei in die NSDAP
zu gehen, weil sie glaubten eher schon an so ein
Führerprinzip, sie waren keine wirklichen
parlamentarischen Demokraten.“
MUSIKAKZENT
Sprecher 1 (Hans Voss):
Auf denn! Hinein in die Schlacht!
Den Feind mit mächtig gestoßener Lanze
oder hoch herniedersausendem Schwert
zu bezwingen…
O-TON (Daniel Schreiber):
„Also, jetzt sagen wir… kolportiert worden in der
Familie ist natürlich, ehm, dass man im Widerstand
war.“
ERZÄHLERIN:
War der Dichter Hans Voss ein antifaschistischer
Kämpfer?
Sprecher 3:
Völkischer Beobachter vom 1. Juni 1935. Die
Gebietsdienststelle Berlin der NS-Kulturgemeinde
veranstaltete in Verbindung mit dem Amt für
Sportwerbung im Rahmen der
Reichssportwerbewoche am Mittwoch in der
Philharmonie unter dem Leitspruch „Von Olympia
zu Olympia“ eine kultische Feierstunde: „Hellenen,
Germanen und wir“. Zusammenstellung und
verbindender Text von Maria von Faber du Faur,
Günther Gablenz und … Hans Voss.
O-TON (Daniel Schreiber):
„Ähm, also im… äh… schweigenden Widerstand.
Meine Mutter berichtet gerne davon, dass sie
darunter gelitten hat, im BDM keine höhere Position
einnehmen zu dürfen oder sie durfte vielleicht nicht
mal in den BDM. Und es wurde auch immer erzählt,
die Eltern hätten wohl Angst, dass sie über die
antinazistische Gesinnung plaudern würde, was
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sicher der Realität entsprochen hätte, weil sie gerne
plaudert. (lacht)“
O-TON : (Mechthild Schreiber)
„Denn sie hatten einfach Angst, dass ich mich in
der Schule verplappere. Darüber wurde überhaupt
nicht gesprochen. Außerdem waren sie - sie waren
zwar gegen Hitler – aber sie waren apolitisch. Sie
waren keine politisch aktiven Menschen, in dem
Rahmen natürlich auch keine Widerstandskämpfer
in dem Sinne. – (Daniel Schreiber) Und es wurde
auch dieses Bohème-Image gepflegt, das heißt,
man hat sozusagen mit den Intellektuellen hier den
Schulterschluss gesucht und auf keinen Fall mit der
politischen Elite.“
Sprecher 3:
Anruf und Mahnung sind die Worte von Hans Voss
„An die deutschen Stämme“: Anders geartet sind
Friesen, Franken, Bayern, Märker und Pommern,
doch gleich wert der gemeinsamen Mutter
Deutschland. (…) Der deutschen Jugend ist zur
Aufgabe gemacht, den Geist Siegfrieds wach zu
erhalten in der Welt.
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Meine Eltern waren eigentlich Pazifisten, meine
Mutter aus religiösen, sozialen Gründen, ohne da
sehr politisch zu sein und mein Vater konnte keine
Flugzeuge sehen, war absolut gegen den Nazikrieg
und die Nazirüstung und Hitler, aber die Helden, die
griechischen Helden, Achill, der durfte töten.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Den Fuß an Feindes Fuß gepresst,
Den Schild an Feindes Schild
Und Helm an Helm,
Brust fest an Brust, ihn niederwerfend.
Schön ist‘s im Kampf ums Vaterland
Als Held in vorderster Reihe zu fallen.
Drum, ihr Jungen, ihr Jünglinge vor!
In die Phalanx, voran!
11
O-TON: (Ute Werner):
„Wir wohnten in Geisenheim. Und eines
Nachmittags hält vor unserem Haus ein toller
Sportwagen, zwei junge Männer mit solchen
Automützchen – es war ein Cabriolet natürlich -,
ach Gott, kommen die zu uns? Na, ja, und dann, ja,
sie wollten ihre Schwester besuchen, das war ja
dann unsere Mutter… und ich war total erschüttert,
zwei so schicke tolle Männer kommen uns
besuchen… mit dem Auto! Damals hatte lang nicht
jeder ein Auto, ne. Ach so, wer war das? Das waren
die Brüder meiner Mutter, Gerd und Hans Voss, da
lebte der Gerd noch.“
Sprecher 3:
Kinder:
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Vera, geboren in Kiel am 08.03.1904. Hilde,
verehelichte Holl, geboren in Itzehoe am
01.08.1905. Hans, geboren in Itzehoe am
30.10.1906.
ERZÄHLERIN:
Hans, benannt nach dem Bruder.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Sowie….
Sprecher 3:
Gerd Voss, geboren am 27.09.1907 zu Itzehoe in
Holstein, gestorben 01. Juli 1934 in BerlinLichterfelde, Sohn des Rechtsanwaltes Doktor
Hermann Voss.
O-TON (Jörn Voss):
„Das war der Lieblingssohn, der Gerd, ich weiß
nicht, wie ich darauf komme, aber ich hab immer…
ob ich das von meiner Mutter weiß oder von
meinem Vater, ich weiß es nicht, der sah vielleicht
auch besser aus, weiß ich nicht.“
ERZÄHLERIN:
Gerd Voss, der Adjutant des „SA-Rabauken“ Karl
Ernst, war der nationalsozialistische
12
Agitator unter den Assistenten der juristischen
Fakultät an der Berliner Universität.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Von einer Beteiligung meines Sohnes an der
Röhm-Revolte habe ich erst nach seiner
Erschießung gehört.
O-TON (Ute Werner):
„Hier bei Doktor Voss 905, Erkner 905.“
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Mein Sohn wohnte nicht mit mir und hat mir nie
etwas von politischer Tätigkeit erzählt.
O-TON (Eckhart Holl):
„Man hatte seinen Sohn Dr. jur. Voss, und zwar
Gerd Voss, mit auf die Liste gesetzt, die die
Schergen des Dritten Reiches umlegten.“
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Ich habe schon zu Lebzeiten meines Sohnes
gehört, dass er sich mit „Doktor“ anreden ließ. Ich
habe ihn darüber zur Rede gestellt und ihn darauf
aufmerksam gemacht, dass dies lächerlich sei.
O-TON (Jörn Voss):
„In der Familie wurde das erzählt, dass der
bisexuell war, dass der sehr charmant war,
Freundinnen hatte, Freunde hatte und der war…
immer, als er Schüler noch war, hat er sich schon
als Studenten ausgegeben. Als er Student war, hat
er sich schon als Referendar ausgegeben. Und es
war auch so, dass mein Onkel Gerd oft große
Empfänge gegeben hat in der Wohnung von seinen
Eltern, er hat die Wohnung als seine ausgegeben,
also Goebbels war auf jeden Fall da, aber auch
Schriftsteller wie Hauptmann und ganz viel
Prominenz kam da …“
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Ich erfuhr erst am 1. Juli 1934 vormittags aus der
Zeitung über Sonderbestrebungen von Röhm, Ernst
13
und Genossen. Ich versuchte dann, meinen Sohn in
der Wohnung zu erreichen, und erfuhr dort, dass er
am Sonnabend in der Gruppe verhaftet worden
wäre.
Sprecher 3:
Als Grund, dass eine Verwechslung mit seinem
Sohn vorgelegen habe, gibt der Betroffene an, dass
nach der Ermordung seines Sohnes überall
Verwunderung geherrscht habe, dass er (der
Betroffene) noch am Leben sei.
O-TON (Helmut Holl):
„Ich persönlich glaube nicht, dass Vater und Sohn
da verwechselt wurden, es ist richtig, dass er Ärger
mit Göring hatte wegen dieses Tizian-Gemäldes,
das stimmt schon. Aber ich glaube, dass sein Sohn
erschossen wurde, weil er der Rechtsbeistand
Gregor Strassers war und dessen Akten nicht
rausgeben wollte. Eine Verwechslung sehe ich
nicht ganz. Aber richtig ist, dass die
Röhm-Geschichte von Göring und anderen
ausgenutzt wurde, um auch eigene, persönliche
Dinge so nebenbei zu regeln. Und Hitler hat
nachher die Gesamtverantwortung im Reichstag
übernommen auch für diese Morde, die auch von
Göring so ausgingen, weil er nicht in der
Öffentlichkeit zugeben wollte, dass er nicht mehr
Herr des gesamten Geschehens war. Da hat er
lieber gesagt, ich nehme die gesamte
Verantwortung. - (Eckhart Holl) Denn die murksten
sich ja selbst miteinander und gegenseitig ab.“
O-TON (Adolf Hitler):
(APPLAUS) „Um 1 Uhr nachts erhielt ich die letzten
Alarmdepeschen. Um 2 Uhr morgens flog ich nach
München. Ministerpräsident Göring hatte
unterdessen schon vorher von mir den Auftrag
bekommen, im Falle der Aktion seinerseits sofort
die analogen Maßnahmen in Berlin und Preußen zu
treffen. Er hat mit eiserner Faust (Beifall) den
Angriff auf den nationalsozialistischen Staat
niedergeschlagen, ehe er zur Entwicklung kam
(Beifall).“
14
O-TON (Ute Werner):
„Muss ganz schlimm für ihn gewesen sein, das
glaub ich ganz bestimmt, denn er war sehr stolz auf
den Sohn besonders, weil der nun auch ein Jurist
war (seufzt). Ich denke, das hat ihm… Deswegen
kann ich mir gar nicht vorstellen, dass er noch
irgendwas für Hitler oder die Nazis überhaupt getan
hat. Ja, aber wahrscheinlich hätte er dann wieder
keine Klienten mehr kriegen können, er musste ja
auch weiterleben. So hab ich mir das mal zurecht
gelegt. Aber es ist alles so ein bisschen
undurchsichtig.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Weh dir, Wittich,
Wielands Sohn,
All meines Unheils
Ursacher bist du,
Seit dem argen Ermenrich
Du den Eidschwur getan,
Die Recken verraten
Dem ränkevollen König,
Meine Kampfgesellen.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
An den Obersten S.A.Führer. Personalamt. S.A.
Sondergericht der Obersten S.A. Führung München
Barerstraße 7-11. (…) Betreff: Weitere
Zugehörigkeit zur SA. Auf den Vorschlag vom 24.
Oktober 1934 erwidere ich, dass ich den
dringenden Wunsch habe, in der S.A. tätig zu sein,
weil die S.A. nach meiner Überzeugung eine der
wichtigsten Einrichtungen des Reichs ist. Wenn
mein Sohn sich an irgendwelchen Putschplänen
beteiligt hat, dann kann ich mir das nur damit
erklären, dass er geisteskrank war. (Ich bin
überzeugt), dass ich der S.A. als erfahrener Jurist
(ich habe seit 30 Jahren eine umfangreiche
Rechtsanwaltspraxis) und als früherer Offizier (ich
15
habe während des Krieges vier Jahre an der Front
zuerst ein Infanterie-Kompagnie, dann ein aktives
Infanterie-Bataillon anerkannt gut geführt) gute
Dienste leisten kann. Ich habe mir nicht das
Geringste zuschulden kommen lassen. Heil Hitler!
Voss, Rechtsanwalt.
O-TON: (Helmut Holl):
„Natürlich wir Nachgeborenen sagen ganz klar: wer
1933 noch verschlafen war und nicht erkannt hatte,
was die Nazis bringen würden, der musste
spätestens in der Röhmgeschichte wach werden.
Das hat es noch nie gegeben, (...) selbst im
Absolutismus nicht, dass innerhalb von zwei Tagen
über hundert Menschen hingerichtet werden ohne
ein Gerichtsverfahren, nur auf Befehl des Führers.“
O-TON (Adolf Hitler):
„Meutereien bricht man nach dem ewig gleichen
eisernen Gesetz. Wenn mir jemand den Vorwurf
hinhält, weshalb wir nicht die ordentlichen Gerichte
zur Aburteilung hingezogen hätten, dann kann ich
nur sagen: In dieser Stunde war ich verantwortlich
für das Schicksal der deutschen Nation und damit
des deutschen Volkes oberster Richter. (Hochrufe,
Heilrufe)“
O-TON (Helmut Holl):
„Und da muss doch erst recht ein Jurist im Grunde
genommen verzweifeln, dass so etwas geschieht
und wenn das noch der eigene Sohn ist, der dabei
umkommt. Das ist für mich die schwierigste Frage,
da habe ich wirklich jahrelang darüber nachgedacht
und gerätselt.“
Sprecher 3:
Er habe damals seinen Austritt aus der Partei und
SA in Erwägung gezogen; nach reiflicher
Überlegung und auf Anraten seiner jüdischen
Klienten habe er jedoch von einem Austritt
abgesehen, da er nur als Parteigenosse und SAMitglied in der Lage war, diesen zu helfen. Der
Betroffene gab an, dass er in etwa 150 Fällen
aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus
geleistet habe.
16
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Wir lebten dann in dieser Geschichtenwelt, wo
meine Mutter dann ein bisschen abseits stand,
obwohl sie ja auch alles unterstützt hat. Aber wir
beide, wir zogen dann wirklich in die Gegend und
ich kann mich an Spaziergänge erinnern, wo er mir
dann Heldengeschichten erzählte, fernab von den
Problemen des Nazireichs.“
ERZÄHLERIN:
Dritter Gesang: Ablenkungsmanöver. Von der
Macht und Erotik des Wortes, dargelegt am Beispiel
des Dichters Hans Voss. Und auch für den Bruder
Doktor Hermann Voss will niemand die Hand ins
Feuer legen.
Sprecher 1 (Hans Voss):
Letzte Griffe nach Karabiner und Mützchen, dann in
Sprüngen die Treppe hinunter – auf den Platz! Alle
Blicke sind auf mich geworfen. Da fährt mir‘s durch
alle Glieder: „Nun habe ich ihn vergessen!“ Vor
Schrecken halb betäubt, trete ich zum Leutnant:
„Verzeihung, Herr Leutnant, ich habe meinen
Ranzen vergessen!“ O Gott, was hatte ich da
gesagt!
O-TON: (Daniel Schreiber):
„Und ähm, ich hab selber auch mal was gelesen,
was bei Oma als Manuskript rumlag: „Die
Soldatengeschichten“ aus dem ersten Weltkrieg,
die auch belegen, dass er Pazifist gewesen ist, also
was auch zu dem Bild passte, das auch von ihm
übermittelt worden ist. Und die sind auch recht
lustig, also er beschreibt da, wie er an so einer
Kanone stand und sich nicht auskannte damit und
es wurden ihm immer irgendwelche Koordinaten
durchgegeben und er musste dieses Gerät dann
einstellen, bis dann plötzlich die Mündung dieser
Kanone direkt auf ihn selber gerichtet war und dann
evident war, er kannte sich nicht aus.“
17
Sprecher 2 (Hans Voss):
Ich hatte die ganze Stimmung, die ganze
Atmosphäre der Kasernenhofstimmung verdorben.
Ich brachte mit dem „Ranzen“ eine RomantikerStimmung auf, eine Taugenichts-, eine EichendorffStimmung.
O-TON (Daniel Schreiber):
„Ich landete dann auch im Gefängnis“, so ist die
Geschichte, und da erinnere ich mich auch dran,
wie er dann berichtet davon, wie er die
Mitgefangenen in seinen Bann zog und dann so als
Art Christusgestalt sich da gerierte. Und es passte
natürlich in das Bild eines Genies, das eben auch
hohe Achtung und Verehrung erfährt.“
Sprecher 3:
Reichsschrifttumskammer, BerlinCharlottenburg 2, Hardenbergstraße 6.
6. Oktober 41. An die Schiller-Stiftung in der
Reichsschrifttumskammer, Weimar. Der
Schriftsteller und Dichter Hans Voss hat endlich
eine Halbtagsstellung in der Registratur der AEG
gefunden, hat jedoch aus den letzten Monaten sehr
drückende Schulden in Höhe von Reichsmark 200.Voss ist mit wichtigen Beiträgen in der neuen
Anthologie von Wilhelm von Scholz „Das deutsche
Gedicht“ vertreten. Es wird gebeten, Voss möglichst
mit Reichsmark 200.- unterstützen zu wollen.
ERZÄHLERIN:
Hier nun kommt endlich des Dichters Gattin zu
Wort, die Kunstgewerblerin Eva Voss. Sie verdiente
als technische Zeichnerin den Lebensunterhalt der
Familie und erschuf das Bildnis des Ehemanns als
verkannter Künstler.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Wohl möchte ich, dass der Nachwelt sein Bild in
etwa überliefert wird, denn seine Persönlichkeit
hatte etwas Überzeitliches, das wert ist,
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festgehalten zu werden, und vielleicht gelingt es,
wenn man kein Lebensbild im üblichen Sinne von
ihm niederschreibt, sondern Blitzlichter, Eindrücke,
die in ihrer Vielgestalt einen Einblick in sein
zwiespältiges Wesen geben.
Sprecher 1 (Hans Voss):
01. Dezember 1941. An die Reichsschrifttumskammer. Ich bin sehr froh, Ihnen einige Erfolge, die
ich in allerletzter Zeit gehabt habe, mitteilen zu
können. Der Rembrandt Verlag, Berlin, hat die
letzten paar tausend Exemplare der 2. Auflage
meiner „Edda“ neu gebunden, und das Buch wird
viel gekauft. Außerdem sind noch fünf Gedichte von
mir in einer geplanten Anthologie „Italien im
deutschen Gedicht“ aufgenommen worden. Ich
führe diesen meinen literarischen Erfolg nicht
zuletzt auf die Unterredung mit Ihnen, sehr geehrter
Herr Hooffacker, zurück. Noch einmal danke ich
Ihnen für die große Teilnahme, die Sie meiner
Arbeit zuteilwerden ließen! Es grüßt Sie mit Heil
Hitler Ihr sehr ergebener Hans Voss.
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Vom rein Ästhetischen war für meinen Vater Hitler
eine üble Person, das Geschreie und seine
Physiognomie und ja, er war eigentlich für sie ein
Proletarier.“
Sprecherin 1 (Eva Voss):
…Und da Hans weder Kompromisse machte noch
katzbuckelte…,
Sprecher 1 (Hans Voss):
Es grüßt Sie mit Heil Hitler Ihr sehr ergebener Hans
Voss.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
… ging es eben nur so irgendwie. Er war geliebt
und gehasst. Seine geistig-seelische Erkenntnis
19
stand in hartem Widerstreit mit dem Leben, unter
dem er durch eine unglückliche Veranlagung von
Kindheit an litt.
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Ja, ich hab meinen Vater Hans Voss, als sehr
unausgeglichenen Menschen in Erinnerung. Er
konnte sehr sehr lieb und zärtlich sein, hat mir sehr
viel Aufmerksamkeit gewidmet, aber dann war er
auch unberechenbar, launisch und das machte mir
Angst.
O-TON (Justina Schreiber)
„Im Nachlass meines Großvaters, des Dichters
Hans Voss, der 1945 auf Nimmerwiedersehen
verschwand, befindet sich ein kleiner roter
Taschenkalender. Er betrifft das Kriegsjahr 1942.
Der Kalender ist das Dokument einer heißen
Liebesgeschichte: makaria en synousia steht da
immer wieder in altgriechischen Lettern,
Glückseligkeit in der Vereinigung, heißt das
übersetzt. Hier: 17. Januar, Gwen – so heißt die
Geliebte – Blumen, Kaffee, dreierlei Kuchen,
Fleischauflauf, Fruchtsalat, hemeros kai synousia,
also Liebesverlangen und Vereinigung, Gwen weint
vor Glück (Blättern)“
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Ich wusste ja, dass er diese Geliebte hatte, aber
das nochmal so konkret zu lesen, was er gegessen
hat und womit sie ihn beglückt hat und dass sie
zusammen geschlafen haben, das war für mich
schon erschütternd. Das ging dann auch … ehm…
schon ein bisschen ans Eingemachte.“
O-TON (Justina Schreiber):
Am 28. März schreibt er: Gwen, 6 Uhr und dann
„Lübeck zerstört“ mit Ausrufezeichen. (Blättern) 30.
Mai die Vernichtung Kölns, Zahnarzttermin
(Blättern, Räuspern). Dann eine Fahrt nach Bayern,
„schöne Fahrt, morgens die Sonne plötzlich durch
die Wolken“, Gwen ist auch dabei. „Die Abende mit
Gwen und allen Musen, Eros, Dionysos, Bett und
immer Wein, welche Wonne!“
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O-TON (Ute Werner):
„Was? Das hätte ich gar nicht gedacht! Ich dachte,
der wär so ein Einzelgänger. Aber das ist Künstler,
Künstler sind ja oft so. Und Eva hat das mit
Fassung getragen? … aber so Männer!“
O-TON (Justina Schreiber):
„Er bereitet einen Vortrag über Südbayern
vor. Am 5 Juni hält er ihn: „Vortrag Südbayern“,
darunter steht abgeholt oder Abfahrt Figulla.“
O-TON (Mechthild Schreiber):
„Frau Figulla war eine sehr liebe jüdische Freundin
meiner Eltern, die mir vor allen Dingen deshalb so
in Erinnerung ist, weil sie es geschafft hat,
Theresienstadt zu überleben. Ich weiß nicht, ob sie
bei uns zu dieser Zeit war – meine Eltern hatten ja
öfter Juden bei sich, auch mal für eine Nacht oder
zwei Nächte. Ich nehme an, dass das „abgeholt“
sich darauf bezieht, dass er erfahren hat, dass sie
ins KZ abgeholt worden ist. Denn seine
Eintragungen sind ja sehr spärlich, was politische
Ereignisse angeht, aber das war dann doch ein
sehr eindrückliches Ereignis, das er für
festhaltenswert hielt.“
ERZÄHLERIN:
Vor den Techtelmechteln, die der Rechtsanwalt
Doktor Hermann Voss unterhält, verschließe ich
hier jetzt gnädig die Augen. Schließlich steht er – im
Gegensatz zum Bruder – einem anständigen
bürgerlichen Haushalt vor. Da wären: Die eigene
Mutter bis zu ihrem Tod im Jahr 1936, seine zweite
Ehefrau Lore, die psychisch kranke Tochter Vera
sowie Tochter Hilde, eine Kriegerwitwe samt ihren
sechs unmündigen Kindern“. Ein Held im Korb.
Sprecher 3:
Die von der Kammer vernommene Ehefrau des
Betroffenen (Eleonore Voss, geborene Trümmer)
bekundete glaubwürdig, dass sich in der Wohnung
und im Büro des Betroffenen kein Hitlerbild oder ein
sonstiges nationalsozialistisches Emblem befunden
hat und der Betroffene das Parteiabzeichen oder
die SA-Nadel nur anlegte, wenn er bei einer der
21
Partei ergebenen Dienststelle für einen Klienten zu
tun hatte.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Von 1934 bis 1938 hielt ich Ernst Moses Feist als
Vorstandsmitglied und seinen Bruder Oskar als
Aufsichtsratsmitglied in der badischen
Tabakmanufaktur Roth-Händle A. G. Lahr in Baden.
Den scharfen Widerstand des Ministerpräsidenten
und Wirtschaftsministers Köhler konnte ich nur
dadurch überwinden, dass ich ihn wiederholt in SA
Uniform in Karlsruhe aufsuchte.
O-TON (Helmut Holl):
„Die Spruchkammerakte war… die Geschichte war
sehr gut vorbereitet. Man muss sich das mal klar
machen, da hat jemand – glaub ich – zwei Jahre im
Internierungslager (gesessen), wusste dass ein
Verfahren auf ihn zukommt. Die Leute haben Tag
und Nacht gegrübelt: Wie komm ich da wieder raus,
wer kann mir helfen? Und dann hat mein Großvater
natürlich alle jüdischen Mandanten, die er hatte, die
er tatsächlich hatte, aufgeführt und auch dargelegt,
wie er denen geholfen hat. Und die Geschichte,
dass er verwechselt wurde mit seinem Sohn bei der
Röhmgeschichte, das hat ihm sicher bei seiner
Verteidigung sehr geholfen, dass er eigentlich ein
Gegner des Systems war und sogar Göring ihn
sogar eigentlich töten wollte. Ich meine, da muss
dann ein Vorsitzender einer Spruchkammer schon
was gegenhalten.“
ERZÄHLERIN:
Intermezzo und Grundton. Das Klagelied der Enkel.
O-TON (Daniel Schreiber):
„Also weil sein Werk auch verklärt wurde von
meiner Oma und von meiner Mutter, als großartiger
Griechenkenner war er bekannt, als großartiger
Kenner nordischer Sagen, als rundum gebildeter
und humanistischer Mensch und als großer
Künstler und Dichter. Diese Überhöhung dieser
Person, dieser Künstlerpersönlichkeit, dieses
Genius, der eben alles weiß und alles besser macht
22
und besser kann, der Wunsch so zu sein, der ist
auch in mir angelegt, angelegt worden. Mmh, also
es gab bei mir eigentlich immer diesen Widerstreit,
einerseits zu wünschen oder doch auch sogar fast
anzunehmen, so zu sein, aber in der Realität zu
merken, dass das eigentlich wenig Bestand hat.
Und in frühen Jahren war das eine sehr
schmerzhafte Erfahrung. Das hat sich so ein
bisschen ausgemittelt mit dem Alter. Also, die
Selbsteinschätzung ist niedriger und somit
realistischer geworden und hat sich dann eigentlich
so meiner Rolle in der Welt angenähert.“
O-TON (Helmut Holl):
O-TON (Eckhart Holl):
ERZÄHLERIN:
„Also man muss sehen, dass ich ja ohne Vater
aufgewachsen und überhaupt in meiner ganzen
Kindheit und auch noch in der vorpubertären Zeit
nie in der Familie mit einem Mann zu tun hatte, ne.
Da war also mein Großvater das große Vorbild und
ich hab zum Beispiel nur deswegen promovieren
wollen, weil mein Großvater das auch hatte, weil ich
wohl auch irgendwo spürte, dass die Erwartung da
war oder dass ich ihm was beweisen wollte, ne.
Wobei ich geb auch zu, er es mir nicht ganz leicht
gemacht hat, weil er hatte natürlich die Vorstellung,
dass jemand der Jura studierte und ein Anwalt
werden will, genauso herrisch und nach außen
imponierend auftreten müsste wie er selbst und er
hat mir – und das hat mich Jahre lang beschäftigt –
gesagt: Helmut, du wirst es mal beruflich sehr
schwer haben, so klein und unscheinbar wie du
bist, ne.“
„Als Erster-Weltkriegs-Offizier bekam er dann ein
Regiment, und zwar waren das nicht die WlassowTruppen, sondern er hatte ein richtiges Regiment
Kosaken in Russland, 43, 44.“
Ach, Kindermund. Die Mär von Opas Kosakenheer
und die mögliche „Wahrheit“. Wobei hervorzuheben
ist, dass die familiären Überlieferungen
grundsätzlich nur aus Anekdoten bestehen.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Durch meine Bekämpfung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hatte ich mir viele
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„alte Kämpfer“, besonders unter den Berliner
Rechtsanwälten, zu Feinden gemacht.
Sprecher 3:
Anfang 1943 sei Hermann Voss,…
Sprecher 2 (Hermann Voss):
…mit der fadenscheinigen Begründung...
Sprecher 3:
…weil er in einer Strafsache an einen
ausländischen Juden geschrieben hatte, aus dem
Rechtswahrerbund ausgeschlossen worden. Er
habe hiergegen Berufung eingelegt und sich zum
Transportcorps Speer gemeldet, wodurch er eine
Aussetzung des Verfahrens erreichte.
O-TON (Ute Werner):
„Er musste nämlich irgendwie machen, dass er
wegkam von Berlin. Wie weit das nun stimmt, weiß
ich nicht genau. Jedenfalls war er dann da auch in
Kiew, glaube ich. Ja, Kiew. Also er musste dann für
den Nachschub sorgen oder sowas. Du musst nicht
vergessen, dass ich ja ein kleines Mädchen war.“
Sprecher 3:
Beim Transportcorps Speer habe er vor allem
eine juristische Tätigkeit ausgeübt, da er mit etwa
22 Behörden über die Anlage und den Aufbau einer
Siedlung in der Oberlausitz, die für die aus
Russland zurückkehrenden Deutschen angelegt
wurde, zu verhandeln hatte.
O-TON (Mechthild Schreiber):
„43 ging ich da in Wien in die Schule und in
der Schule schwirrte dann auch das Gerücht rum:
Berlin sei bombardiert worden und ich kam nach
Hause, wir saßen - glaube ich- beim Essen und da
klingelt es und da steht eine verrußte schwarze
Frau stinkend nach Rauch vor der Tür mit ganz
rotgeränderten Augen, die sich dann als meine
Mutter erwies. Das Haus war ausgebombt in der
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Nacht, es war ein großes Chaos in Berlin, ganze
Tiergartenviertel war zerstört, aber seltsamerweise
fuhren noch die Züge nach Wien. War zwar 12
Stunden, wie sie sagt, unterwegs, aber immerhin
das hatte geklappt. Und ich seh uns noch in Papis
Zimmer stehen umarmt, wir umarmten uns und
mein Vater, den das natürlich sehr erschüttert hatte,
fand wieder Trost in der Literatur und zitierte dann
Schiller „und er zählt die Häupter seiner Lieben,
eins, zwei, drei – und sieh ihm fehlt kein teures
Haupt!“ Und da weinten und lachten wir eben, ja,
das war eine schöne Situation. (Stimme zittert)“
ERZÄHLERIN:
Abgesänge. Hier im von der tüchtigen Gattin selbst
errichteten Behelfsheim des Dichters in Schöneiche
bei Berlin. Und dort vor der Spruchkammer im
unterfränkischen Gerolzhofen. Wie das Schicksal
eben so spielt.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Sonst pflegte über allen Unternehmungen von Hans
ein gütiger Stern zu walten, so dass ich noch immer
nicht begreifen kann, dass alles so unglückselig
ablief. Noch kurze Zeit vor dem Ende bekam Hans,
wie alle, die Einberufung zum „Volkssturm“. Er
geriet an einen – im preußischen Heer seltenen
Ausnahme-Korvettenkapitän, der seine „Dänischen
Heldensagen“ kannte. Und Hans schilderte, wie er
lediglich mit einer Unterhose bekleidet, in einer
Haltung, halb gesellschaftlich, halb „Hände an die
Hosennaht“ vor dem Offizier stehend, sich eine
Stunde über Hölderlin unterhalten habe. Das
Ergebnis – natürlich Befreiung vom Volkssturm.
O-TON (Jörn Voss):
„Da gab es immer nur so Familiengeschichten, die
etwa so liefen, dass das ein Literat war, der
russische Literatur über alles liebte und als die
Russen dann kamen, ihnen begeistert entgegenlief
und auf russisch sie begrüßte und die Folge war,
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dass die Russen ihn kassiert haben und
mitgenommen haben auf dem Weg nach Sibirien
und er dann gestorben ist, wobei ich glaub, die
Saga ging sogar so, dass er mit wehenden Fahnen
ihnen entgegenlief und die haben die
Maschinenpistolen gezogen und haben ihn
erschossen.“
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Dann kamen die letzten Monate, wo man nicht
mehr aus den Kleidern kam und fast nur noch im
Keller saß. Zum Schluss kam noch die
Angstpsychose vor den Russen: alles flüchtete. Wir
blieben natürlich.
Sprecher 1 (Hans Voss):
Wolga, Wolga, Mutter Wolga,
Ziehst den Weg durchs weite Russland!
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Am 22. April - ich war gerade fertig mit einer weißen
Fahne aus Handtuch und Besenstil – gingen Hans
und ich, um die Gartentür zu öffnen, als die ersten
zwei Russen zu Fuß vorbeikamen – wir müssen sie
wohl so angestrahlt haben, dass sie freundlich
grüßend weitergingen.
O-TON (Eckhart Holl):
„Er war ja Kommunist, so sagte man, jedenfalls ein
Freund mehr der Russen als der Nazis. Ja, das ist
das, was ich mit ihm verbinde.“
Sprecher 1 (Hans Voss):
Wolga, Wolga, Mutter Wolga,
Ziehst vorüber Muroms Wäldern!
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Unser Ort wurde kampflos besetzt. Hans und ich
sanken uns weinend vor Freude in die Arme.
Die folgenden acht Tage waren uns wie ein Fest
und ich bin froh, dass Hans sie genossen hat.
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Sprecher 1 (Hans Voss):
Kleine Schifflein, rote Schifflein,
Trägst du leicht auf deinen Schultern.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Obwohl überall um uns Angst vor den Russen war,
auch viele Vergewaltigungen vorkamen, war Hans
in Hochstimmung. Er versicherte neue
Schaffenskraft zu spüren, war heiter, geduldig,
gütig wie nie zuvor in seinem Leben.
Sprecher 1 (Hans Voss):
In den Schifflein, kleinen roten,
Sitzen Schiffer, schnelle Rudrer.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
Durch die Panik der Umwelt waren uns einige
Lebensmittel und Alkohol zugefallen und Hans
genoss dies in heller Freude.
Sprecher 1 (Hans Voss):
Tragen alle schwarze Mützen,
Zobelmützen auf dem Ohre.
Sprecherin 1 (Eva Voss):
In unser kleines Haus flüchteten andauernd die
verängstigten Frauen der Umgebung und Hans
schenkte dann Wein aus, las etwas vor oder
brachte ein gutes Gespräch auf und war in seinem
Element.
O-TON (Herr Gloeden):
„Übrigens das Buch von Ihrem Groß…, von Ihrem
Vater ha ick och noch hier, dieset Müron, irgendwat
mit Russland, der war doch so ein Russlandfan. –
Ja. Genau, Ilja von Murom. – Und stimmt det
wirklich.. er hat hier am Gartenzaun gestanden, als
die Gefangenen hier aus Berlin langgezogen sind
und dann hat man ihn mitjenommen und dann is er
verschollen? – Sehen Sie so entstehen Legenden.
Nein, in Fichtenau ist er mitgenommen worden,
(Ach so!) als er beim Bäcker anstand, um sich ein
Brot zu kaufen. – Also wenn man Brot kooft, muss
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man aufpassen, dass man nich nach Sibirien
kommt. – So ist es. – Ja.“
Sprecher 3:
Die Auswertung der beim DRK-Suchdienst
München vorliegenden Daten aus den Archiven der
ehemaligen Sowjetunion und der Nachforschungen
in unserer Zentralen Namenskartei ergab folgendes
Ergebnis zum Schicksal von Hans Voss: Hans
Manfred Voss, geboren am 19.04.1888 in Barmen,
wohnhaft in Schöneiche bei Berlin, Schriftsteller,
wurde am 11. Mai 1945 in Schöneiche als aktiver
Anhänger des Hitlerregimes festgenommen. Am 12.
Juni 1945 erfolgte eine Verlegung vom NKWDSpeziallager Ketschendorf-Fürstenwalde in das
NKWD-Speziallager Posen. Dort ist er am 13. Juli
1945 verstorben. Die Anschuldigungen, die zur
Festnahme führten, können vielfach nicht mit
heutigen rechtsstaatlichen Maßstäben gemessen
werden, viele Verhaftungen erfolgten aufgrund von
Denunziationen und Willkürakten.
Sprecher 2 (Hermann Voss):
Neben dem Verlust meines Sohnes Gerd Voss mag
ich nur widerstrebend andere Nachteile im Sinne
des Artikels 13 aufführen: Durch den Krieg habe ich
den Bruder…,
Sprecher 2 (Hermann Voss):
…den Schwiegersohn, eine Schwägerin und einen
Enkel verloren.
ERZÄHLERIN:
Und einen Enkel? Ertrank der kleine Dirk, der
Sohn von Hermann Voss´ Sohn Hans, nicht im Mai
1943 im Potsdamer Jungfernsee, als die Mutter
unaufmerksam war?
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O-TON (Helmut Holl):
„Na ja, er war sein eigener Verteidiger natürlich in
dem Spruchkammerverfahren und er war damals
fast 70 Jahre alt und stand vor den Trümmern
seines Lebens und hatte die Aufgabe, sich selbst,
seine Frau, aber auch seine Tochter, die als
Kriegerwitwe mit sechs Kinder da stand, auch für
die nächsten Jahre noch zu ernähren. (Ute) Er gab
uns ein großes Sicherheitsgefühl. Und das ist ja
nun schon was, er hat uns beschützt. – (Helmut)
Und da hat er wohl alle Möglichkeiten, die ihm zur
Verfügung standen auch als Anwalt, als Verteidiger
in eigener Sache, ausgenutzt, um aus der
Geschichte wieder rauszukommen, juristisch
gesehen ist das ganz spannend zu lesen, hat mir
schon imponiert.“
Sprecher 3:
Nachdem der Betroffene sich nicht nur passiv
verhalten, sondern auch nach Maß seiner Kräfte
aktiven und passiven Widerstand geleistet und
erhebliche Nachteile physischer und materieller Art
erlitten hat, sah die Kammer die Voraussetzungen
des Artikel 13 voll und ganz erfüllt an und reihte den
Betroffenen einstimmig in die Gruppe V der
Entlasteten ein.
ERZÄHLERIN:
Hermann Voss führte bis zu seinem Tod im Januar
1957 in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei;
seine Kompagnons waren Bernhard Danckelmann,
den er im Moosburger Internierungslager
kennengelernt hatte, und sein bester Kamerad aus
dem ersten Weltkrieg, sein Sozius in den Berliner
Jahren Hans Fritz von Zwehl: Männerbündnisse,
die die Zeitläufe überdauerten. Hans Voss
hinterließ eine große Kiste voller Kunstpostkarten
und Notizen. Er plante, das zerstörte alte Europa in
einem Opus magnum wiederaufleben zu lassen.
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ERZÄHLERIN:
Manches sagt´ ich;
Mehr noch wollt´ ich,
Lieh mir zur Rede
Raum das Geschick:
Die Wunden schwellen,
Die Stimme schwindet;
Erfüllt wird alles –
Nun will ich enden.
O-TON (Helmut Holl):
„Ich habe nur einmal, als er nicht verstehen konnte,
dass ein Sextaner keine lateinischen Inschriften auf
öffentlichen Gebäuden in Frankfurt übersetzen
konnte, aus meiner Wut heraus gesagt: „Ihr mit
eurer humanistischen Bildung, ihr seid im Jahre
1933 damit auch nicht weitergekommen.“ Und das
ist das einzige Mal, dass ich gesehen habe, dass
mein Großvater zusammenzuckte und gar nichts
mehr sagte und der hat mich auch nie mehr nach
lateinischen Inschriften gefragt. Ich gebe aber auch
zu, dass ich sofort als Elf- oder Zwölf-Jähriger
gemerkt habe, dass ich ihn da tief getroffen habe
und heute schäme ich mich fast für diese direkte
Aussage. Heute weiß ich, dass wir als
Nachgeborene uns der großen Wertungen
enthalten sollten, ne.“
Sprecherin
Brüder wie Tag und Nacht.
Hans, Hermann und der Krieg.
Ein Feature von Justina Schreiber.
Es sprachen:
Marlen Diekhoff
Sascha Icks
Felix Knopp
Heiko Raulin
30
Jürgen Uter
Technische Realisation:
Elke Kellermann, Sabine Kaufmann und Wolfgang
Dirks
Elke Kellermann und Wolfgang Dirks
Regie: Andrea Getto
Redaktion: Christiane Glas
Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks
2014.
31
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Seele and Geist
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