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Das läuft ja wie geschmiert - Liqui Moly

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Technik Nr. 50 | 14. Dezember 2011 automobilrevue
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Das läuft ja wie geschmiert
Noch immer gibt es neben den grossen Ölherstellern eine ganze Reihe
kleiner, aber feiner Schmierstoffproduzenten – wie beispielsweise Liqui Moly.
Made in Germany
Schmieröl ist nicht gleich Schmieröl: Der Automotor ist auf
massgeschneiderten Lebenssaft angewiesen. Fotos: Werk, AR
D
stephan Hauri
as Schmieröl ist und bleibt das Lebenselixier
des Automotors. Im Gleichschritt mit dem
Verbrennungsmotor hat es im vergangenen
Jahrhundert eine lange Entwicklungsgeschichte durchlebt, denn mit der stetig wachsenden Leistungsfähigkeit der Motoren sind
auch die Anforderungen an die eingesetzten Schmierstoffe ständig gestiegen. Würde der Motor mit unbehandeltem Mineralöl
geschmiert, also einer Ansammlung ganz unterschiedlicher
Kohlenwasserstoffverbindungen, wäre ihm wohl nur ein kurzes
Leben gegönnt, denn hohe Temperaturen, grosse Drücke und
metallischer Abrieb würden die Schmiereigenschaften des Öls
in kurzer Zeit stark verschlechtern. So ist es also die Aufgabe der
Schmieröl- und Treibstoffhersteller, für die Triebwerke möglichst optimale Lebenssäfte aufzubereiten.
Unter den Ölproduzenten gibt es Riesen wie BP, Exxon,
Shell oder Total, aber auch Zwerge – wie beispielsweise Liqui
Moly, ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Herstellung
hochwertiger Motoren- und Getriebeöle, Additive und mass­
geschneiderter Produkte für die Wartung und die Pflege von
Automobilen spezialisiert hat.
Hydrocracköle als Basis «Von den mineralischen Ölen
als Basis für die Motorenöle ging die Entwicklung zu den sogenannten PAOs, also Polyalphaolefine, synthetisch hergestellten
Kohlenwasserstoffverbindungen», erklärt Oliver Kuhn, stellvertretender Laborleiter der Liqui-Moly-Schwesterfirma Méguin
Mineralölwerke Saarlouis. «Inzwischen benutzen wir, wie in der
Branche üblich, Hydrocracköle als Ausgangsmaterial. Sie stellen
die Zukunft der Schmierstoffe dar, weil sie fast gleich gute technische Eigenschaften wie die PAOs besitzen, aber mit weniger
Aufwand hergestellt werden.» Grundsätzlich gilt es, die Basisöle
durch Additivierung derart zu verbessern, dass sie ihre Schmierund Reinigungsfunktion im Motor über eine lange Zeit zuverlässig übernehmen können – und zwar sowohl in Hochleistungsmotoren als auch in kurzstreckengepeinigten Brot-und-ButterTriebwerken. Die Abstimmung der Ölrezepturen für die unterschiedlichsten Aggregate erfolgt in den Liqui-Moly-Labors bei
Méguin in Saarlouis und am Hauptsitz in Ulm.
«Eine besondere Herausforderung stellen auch der gesetzlich vorgeschriebene steigende Bioanteil in den Treibstoffen und
die immer niedrigeren Grenzwerte für die Schadstoffemissionen
dar. Speziell die mit Partikelfilter bestückten PersonenwagenDieselmotoren, die vorwiegend im Kurzstreckeneinsatz stehen,
bereiten den Ölherstellern Probleme. Die häufigen Filterreinigungsphasen des Motors haben eine vergleichsweise schnelle
Verdünnung des Schmieröls zur Folge, was kürzere Ölwechselintervalle dringend notwendig macht», hält Kuhn fest. Deshalb
hätten verschiedene Fahrzeughersteller ihre Servicevorschriften
bezüglich Ölwechselintervalle revidieren müssen.
Freigabe-spezifikationen Während sich die Schmierölproduzenten bei der Entwicklung von Motorenölen für die amerikanischen und asiatischen Märkte an allgemeinen, markenübergreifenden Qualitätsvorschriften orientieren können, geht
die Entwicklung in Europa immer mehr in Richtung Markenund Modellspezifikationen. Und wie könnte es anders sein:
­Audi, BMW, Mercedes und Porsche, aber auch die Volumenhersteller haben für ihre unterschiedlichen Benzin- und Diesel­
aggregate die verschiedensten technischen Ansprüche.
Deshalb sind bei der Herstellung dieser Produkte auch
strengste Qualitätskontrollen notwendig. In Saarlouis bei Liqui
Moly beispielsweise wird jedem Tankwagen, der Basisöl anliefert, eine Probe entnommen und sofort kontrolliert. Auch aus
den Mischtanks des Unternehmens ziehen die Techniker kontinuierlich Proben, sodass selbst bei den riesigen Mengen, die dort
aufbereitet werden, stets eine perfekte Durchmischung und
eine exakte Einhaltung der Additivanteile gewährleistet sind.
Zwar passt Liqui Moly im Kreis der Ölhersteller noch immer
in die Klein-aber-fein-Nische, doch hat das baden-württembergisch-saarländische Unternehmen in den vergangenen zehn
Jahren kräftig zugelegt: Allein schon die Liqui Moly GmbH hat
den Umsatz in dieser Zeitspanne auf rund 150 Millionen Euro
verdreifacht; und zusammen mit der im Jahr 2006 zugekauften
Méguin GmbH kommt der Unternehmensverbund auf rund
290 Millionen Euro pro Jahr und durchschnittlichen Wachstumsraten von 15 bis 20 %. Heute zählen Liqui Moly und Méguin
rund 570 Mitarbeiter.
Neues Tanklager Um die Versorgung des Werks Saarlouis
mit Basisöl zu optimieren beziehungsweise die Transportkosten
zu senken und damit den stark steigenden Rohölpreisen entgegenzuwirken, erstellt Liqui Moly derzeit ein neues Tanklager in
der Nachbargemeinde Dillingen, direkt an der Saar. Von dort
kann das «flüssige Gold» dann via Lw-Shuttle schneller und kostengünstiger ins Werk befördert werden. «Künftig werden die
Lastwagen nur noch fünf statt mehrere Hundert Kilometer zurücklegen müssen. Ausserdem können die Schiffe deutlich grös­
sere Mengen Rohstoffe anliefern», erklärt Kuhn.
Produkte von Liqui Moly werden in mehr als 100 Ländern
angeboten; die Vertriebswege sind ganz unterschiedlich – je nach
wirtschaftlichem Umfeld und länderspezifischer Tradition. In
der Schweiz kümmert sich die Rhiag-Gruppe mit 65 Grosshändlern und zwölf Aussendienstmitarbeitern um den Vertrieb der
Produkte. Diese Zusammenarbeit besteht schon seit rund zehn
Jahren. Einen Direktverkauf an Endkunden gibt es nicht.
Neben Ölen und
Additiven stellt
Liqui Moly auch
technische
Fette her. Dazu
ist viel Knowhow notwendig.
Vom Additiv zum Motorenöl: Am
Anfang war Molybdänsulfid
Additivspezialist Der Firmenname Liqui Moly
verweist auf das ursprüngliche Produkt: flüssiges Molybdändisulfid (MoS2). Dieses Additiv auf Basis des hochfesten,
zähen Metalls Molybdän verbessert die Schmierleistung des
Öls und schlägt sich ausserdem schützend auf den metallischen Oberflächen des Motors nieder. Das 1957 von der
Familie Henle gegründete Unternehmen wurde 1998 von
Geschäftsführer Ernst Prost übernommen und 2006 durch
Zukauf um den früheren Hauptlieferanten Méguin erweitert. In der jüngeren Vergangenheit hat der Unternehmensverbund den Schwerpunkt von Additiven zu Motorölen
verlagert. Die Produktion erfolgt ausschliesslich an den
beiden Standorten Ulm und Saarlouis. sha
Ab Sommer 2012
betriebsbereit:
Neues Tank­l ager
mit direktem
Anschluss an
den Wasserweg
Saar.
Oliver Kuhn gewährt in Saarlouis Einblick ins Labor.
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