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Beton fließt wie Honig

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LANDKREIS COBURG
Mittwoch, 22. Juni 2011
COL1
Lauterüberleiter: Ein Besuch im dunklen Bauch des Unter-Tage-Bauwerks
3 Fragen an
„Wir können
den Endtermin
einhalten“
Antje Hennig,
Ehrenamtlicher
Seniorenbesuchsdienst
Beuerfeld – Bis August 2012 werden
die Arbeiten am Lauterüberleiter andauern. Der 1945 Meter lange, relativ
schmale Tunnel soll dazu dienen, im
Hochwasserfall Wasser aus der Lauter
in den Goldbergsee abzuleiten.
„Der Vereinsamung
entgegenwirken“
Die ehrenamtlichen Helfer des Seniorenbesuchsdienstes unterstützen ältere Menschen in deren eigener Wohnung. So erhalten sie die
Verbindung zur Außenwelt.
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Herr Ficht, Sie scheinen mit dem
Vorankommen ganz zufrieden?
Nachdem gut 60 Prozent der Maßnahme abgeschlossen sind, sind wir
mit dem Gesamtablauf sehr zufrieden. Wir liegen im Zeitplan und haben die üblichen Anlaufschwierigkeiten überstanden, sodass wir den
Endtermin einhalten können. Am
wichtigsten für uns ist jedoch, dass
sich bislang keine schweren Unfälle
ereignet haben. Weil das Gefährdungspotenzial der Betonarbeiten
im Vergleich zum Vortrieb wesentlich geringer ist, bin ich guter Dinge,
dass das so bleibt.
Was ist die Aufgabe des Ehrenamtlichen Seniorenbesuchsdienstes?
Ältere Menschen möchten in
ihren eigenen vier Wänden so
lange wie möglich eigenständig leben. In vielen Fällen leben sie
alleine und wünschen sich Kontakt zur Außenwelt. Die ehrenamtlichen Helfer des Seniorenbesuchsdienstes besuchen regelmäßig ältere Menschen zu Hause und unterstützen sie. Der Besuchsdienst
möchte Vereinsamung entgegenwirken, soziale Kontakte ermöglichen, die Verbindung zur Außenwelt erhalten, zum Beispiel durch
Gespräche, Vorlesen, gemeinsame
Spaziergänge oder Begleitung zu
Veranstaltungen.
Auf dem Schalwagen, dessen Außenwände den Beton bis zum Erhärten an die Tunnelwand pressen, müssen immer wieder Reinigungsarbeiten vorgenommen
werden.
Fotos: Frank Wunderatsch
Wie viele Arbeiter sind hier beschäftigt und woher kommen sie?
Insgesamt sind derzeit rund 30 Leute
im Einsatz, davon 15 Mann Eigenpersonal. Der Rest besteht aus Nachunternehmern aus der Region bzw.
ist türkischer Herkunft. Unser Personal kommt zum Großteil aus Thüringen und der Oberpfalz.
Wie wird das organisiert?
Der/die zu besuchende Senior/in
und der Ehrenamtliche werden
von der Kontaktstelle Ehrenamt
der Stadt Coburg zusammengeführt, begleitet und es wird versucht, wohnortnah zu vermitteln.
Gegenseitiges Kennenlernen und
Einverständnis zwischen dem älteren Menschen und dem Ehrenamtlichen sind dann Grundlage
und Voraussetzung für ein positives Gelingen des Kontaktes. Dieses
Angebot ist kostenlos, erstreckt
sich aber nicht auf die Übernahme
von Hausarbeit oder Pflege.
Beton fließt wie Honig
von dort durch Einfüllstutzen in den
Raum zwischen Schalwagen und
Tunnelwand gedrückt wird. Durch
Bullaugen kann man seine Reise beobachten, gerade wabert er am Boden entlang. Bis er an der Decke angekommen ist, werden noch vier bis
fünf Stunden vergehen.
„Das
Betonieren
ist
nicht
schlimm, das ist ja eigentlich Entspannung“, sagt einer, der hier heute
von sechs bis sechs die Tagschicht
macht. Wobei es nun viel wärmer ist
als auf dem Anfahrtsweg, im Beton
können sich teilweise Temperaturen
von 30 Grad entwickeln. Viel anstrengender sei es, meint Jürgen Neumann aus Berlin, den Schalwagen
weiter zu befördern.
Für Tunnelbauer ist die
Röhre von Beuerfeld nach
Oberlauter eine echte
Herausforderung. Das liegt
vor allem am geringen
Durchmesser, der die
Arbeiten sehr erschwert.
Von Daniela Greschke
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Seite 15
An wen kann man sich wenden, um dieses Angebot in
Anspruch zu nehmen?
Sowohl die Senioren der Stadt Coburg, die sich einen Besuch wünschen, als auch diejenigen Interessierten, die dieses Engagement im
ehrenamtlichen Seniorenbesuchsdienst ausüben möchten, können
sich an die Kontaktstelle Ehrenamt
der Stadt Coburg, Oberer Bürglaß 4
in Coburg wenden und Informationen zur Arbeit des ehrenamtlichen Seniorenbesuchsdienstes erhalten. Ansprechpartner ist Antje
Hennig, Telefon 89-2575, E-Mail:
Antje.Hennig@coburg.de.
Die Fragen stellte
Wolfgang Desombre
Meldung
Erlebnisnacht in
Kemenaten und Kirche
Straufhain – Die Erlebnisnacht im
Zweiländermuseum Rodachtal für
Kinder von sieben bis elf Jahren
findet nun doch, wie ursprünglich
geplant, am kommenden Freitag
und Samstag, 24. und 25. Juni,
statt. Das Motto: „Eine Erkundungsreise in den Kemenaten und
der Wehrkirche“. Die Museumsmitarbeiter kehren mit den Kindern in eine Zeit zurück, in der es
nicht selbstverständlich war, in
kuschelweichen Federbetten zu
schlafen. Außerdem gibt es Geschichten rund um den Pfarrberg.
Unkostenbeitrag: zehn Euro. Mitzubringen sind Isomatte, Schlafsack, Jogginganzug, Wechselschuhe und Dinge des täglichen Bedarfs. Anmeldung: Gästeinformation Straufhain, Tel. 036875-657921, Fax 036875-6579-10, E-Mail
gaesteinfo@gemeinde-straufhain.de.
So erreichen Sie uns
Redaktion Landkreis Coburg:
Telefon:
09561/850-128
Telefax:
09561/850-294
Mail:
coburg-land@np-coburg.de
Oberlauter/Beuerfeld – Das Bobcat
saust den Berg hinunter und taucht
ein in den Tunnelschlund. Die Luft
hat hier nur 15 Grad; das Auto fährt,
dass alle Pfützen spritzen. Auch von
der Decke tropft noch was, dazu verdichtet sich die Dunkelheit allmählich. Die Fahrt führt in den Lauterüberleiter von Beuerfeld in Richtung
Lautertaler Einlaufseite. Dort wird
Projektleiter Andreas Ficht zeigen,
was gerade im Tunnelbauch passiert.
Waren die Vortriebsarbeiten ohne
Zweifel am gefährlichsten, kommt
jetzt „das Schwierigste, die Innenschale, denn da hinterlasse ich das
fertige Bauwerk“. Und das soll schön
aussehen, diesen Anspruch hat er.
Der Überleiter ist sein fünfter Tunnel
und auch sein schwierigster, den er
„eine
echte
Herausforderung“
nennt.
Das liegt vor allem am geringen
Tunneldurchmesser, der viele Arbeiten extrem erschwert. So kann man
ihn nur einseitig befahren, nur ein
Betonmischer kommt jeweils zum
Einsatz. Erst wenn der seine Ladung
losgeworden ist und wieder raus ist
aus dem Tunnel, kann sich der
nächste auf den Weg machen. Hier
ist Fingerspitzengefühl wichtig im
Umgang mit der großen Unbekannten, von der Andres Ficht gerade
schwärmt: „Wunderbar fließfähig
und nicht entmischend, so wie Honig“ müsse er sein, der Beton, der eigentliche Hauptakteur im Lauterüberleiter.
Richtig ducken
Die Lauter und das Einlaufbauwerk: Nur Hochwasser gelangen später in
den Tunnel.
Eine Schutznische wird mit Spritzbeton aus dem „Spritzbüffel“ verfüllt.
Lieferantenkunst
Nicht nur weit fließen soll er, sondern sich noch leicht verdichten und
dabei außerdem schnell härten. Kies,
Sand, Zement, Wasser und ein paar
chemische Zusätze gilt es deshalb
täglich ins richtige Verhältnis zu
bringen. Das wäre nicht möglich
„ohne die Kunst der Betonlieferanten aus Untersiemau“, mit denen
man im Vorfeld monatelang getestet
habe. Was sich gelohnt hat, „das
klappt hier sehr gut“.
Doch jetzt heißt es starten für den
Beton, der nun aus dem Mischfahrzeug in die Betonpumpe läuft und
Blick von der Beuerfelder Seite des Tunnels in den Schalwagen, der von
Oberlauter vorrückt.
Auch das Agieren auf dem Schalwagen erweist sich als ein echter Balanceakt: Extrem geducktes Laufen,
an vielen Stellen fast schon Krabbeln, dabei ein ständiges Abschätzen, ob denn der Kopf auch tief genug gesenkt ist. Öfter als erwartet ist
er es nicht, wie man am Widerstand
erkennen kann und am Geräusch,
das Helm und Eisenteil beim Zusammenprall erzeugen. Diejenigen, die
hier agieren, sind gewandt darin.
Nach täglich zehn bis elf Stunden an
fünf Tagen in der Woche weiß man,
wie man sich wo ducken muss.
Anstrengend ist das trotzdem und
vieles reine Handarbeit, was, wie
Ficht sagt „auch die Leute wundert,
die hier manchmal zum Schauen
kommen“. So werden große Eisenteile geschleppt, Holzstücke machen
ihren Weg im Arm und müssen dann
am Schalwagen eingepasst werden,
um dort die Seiten abzudichten.
„Das ist das reinste Puzzlespiel“, sagt
der Bauleiter.
Die Arbeit ist aus Platzgründen
entzerrt: „Wir betonieren tagsüber,
nachts kommt der Eisenflechter“, erklärt Andreas Ficht. Fünf Blöcke, je
zwölf Meter lang, schafft seine Truppe in der Woche. Er wandert nun zügig die Röhre entlang und führt
durch fertig betonierte Innenhaut.
Wobei er in den Unregelmäßigkeiten
„lesen“ kann. Nach der Einarbeitungsphase „sind wir jetzt richtig
schön drin“, ist der Bauleiter zufrieden. Von 163 Tunnelblöcken sind 34
fertig.
Beim Auftauchen empfängt grelles
Tageslicht, die Geräusche aber sind
nicht so konzentriert. Und im Büro
warten die Heilige Barbara und Tigerkatze „Kalotta“, wie sie die Sekretärin
getauft hat. „Ich nenn´ sie Biskit“,
sagt Andreas Ficht, bevor es für ihn
wieder an den Schreibtisch geht.
Wie ist das mit dem Leben auf
Montage: Wie sieht es aus und wie
gut gewöhnt man sich daran?
Interview
Andreas Ficht,
Projektleiter der Firma Alfred Kunz
Untertagebau, München
Das Leben auf Montage ist alles andere als familienfreundlich und
durchaus
gewöhnungsbedürftig.
Aufgrund der meist kurzen Bauzeiten
ist es schwierig, Privatleben aufzubauen. Andererseits lernt man regelmäßig neue Regionen und Menschen kennen. Weil große Bauvorhaben wie Tunnelbaustellen Spuren
hinterlassen, ist man immer wieder
mit Sorgen der Anwohner konfrontiert und muss versuchen, die Arbeiten für sie so erträglich wie möglich
zu gestalten. Oft entwickelt sich hieraus aber auch ein Miteinander und
man gewinnt neue Kontakte. Ebenso
entwickelt man ein ganz anderes
Verhältnis zu Kollegen, die eine Art
Ersatzfamilie darstellen.
Anfangs gab es einige Vorurteile
bei den Lautertalern. Wie empfinden Sie das heute?
Großprojekte wie die Lauterüberleitung sorgen naturgemäß auch immer für Bedenken bei den Anliegern.
Unser Auftraggeber, die Bauüberwachung und natürlich auch wir als
Baufirma werden damit oft konfrontiert. Ich denke, dass die vergangenen Veranstaltungen wie die Durchschlagfeier, diverse Tunnelbesichtigungen sowie viele persönliche Gespräche mit den Anliegern einige
Vorurteile beiseite räumen konnten.
Meine persönliche Erfahrung hat gezeigt, dass es sehr wichtig ist, alle Beteiligten mit ins Boot zu nehmen.
Warum sind die Tunnelmaße hier
so anspruchsvoll?
Unser Tunnel hat eine Fahrbahnbreite von drei Metern und einen Querschnitt von 16 Quadratmetern, die
Eisenbahntunnel, die derzeit rund
um Coburg gebaut werden, haben
eine Breite von zehn Metern und 160
Quadratmeter Querschnittsfläche.
Wir haben fast ausschließlich Spezialgeräte im Einsatz, die für diese kleinen Querschnitte geeignet sind. Aufgrund der Enge ist alles ein wenig
schwieriger, langsamer und gefährlicher.
Das Gespräch führte
Daniela Greschke
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Seele and Geist
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