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3. Wie werden wir bauen? 3.1 Entwicklung der Dorfgestaltung Das

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KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
3. Wie werden wir bauen?
3.1 Entwicklung der Dorfgestaltung
Das große Ziel, den unverwechselbaren ländlichen Charakter in
Sachsen mit seinen Eigenheiten zu
erhalten und weiter zu entwickeln,
basiert auf grundlegenden Erkenntnissen.
Ein Angleichen der Gebäude an die
Stadt ist genauso wenig Ziel, wie
museales Festhalten an nicht mehr
funktionierenden Strukturen.
Unsere Vorfahren haben unseren
Lebensraum so gestaltet, wie wir ihn
heute vorfinden. Das geschah in der
Regel nicht bewusst gestaltend,
sondern basierte eher auf praktischen
Erwägungen.
Die Dörfer wurden in Wassernähe,
möglichst kompakt, der gegenseitigen
Unterstützung in unsicheren Zeiten
wegen errichtet. Man baute so, wie
man es aus der alten Heimat her
kannte, mit Baustoffen, die vor Ort
leicht zu gewinnen waren. Die Größe
der Höfe entsprach der Ertragslage
aus den Grundstücken.
Jahrhundertlange Erfahrungen haben
ihren Eingang in die Traditionen
(mitunter im Aberglauben) gefunden,
woran strikt festgehalten wurde. Das
feudale Gesellschaftssystem wollte
keine Veränderungen. Aus
Kostengründen und der „Tradition“
folgende wurden die Häuser fast in
gleicher Weise repariert (Dächer,
Verputz etc.) bzw. ganze Gebäude bei
Erwerb instandgesetzt oder nach
Brand und Kriegszerstörung wieder
rekonstruiert. Neue Gebäude wurden
in alter Tradition nur mit geringen
Veränderungen, die aus Wohlstand
(Größe, solide Ausführung, Schmuckformen) oder äußeren Einflüssen wie
Bau- bzw. Brandschutzordnungen
(Erdgeschoss massiv, harte
Bedachung) resultierten, errichtet.
Großrückertswalde
Gedenktafel für
Pestopfer 1583
Dresden-Kaditz
„Kirche und Ruine
des Pfarrhauses“
Sepiazeichnung
von G.Bauer, um
1800
Erich Gerlach
„Tauwetter bei
Bärenstein“ 1939
Umgebindehäuser
in Hainewalde/OL
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KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Das Bild unserer Dörfer war historisch
lange Zeit nicht gefährdet. Kriege und
Epidemien haben allerdings ganze
Dörfer verschwinden lassen.
Mit der Gründerzeit und der Industrialisierung hat sich das Bild erheblich
schneller gewandelt. Einerseits gab es
Landflucht, anderseits stiegen Konzentration und Wohlstand (Kartoffelbauern) bei den Begüterten, die ihre
Höfe mit den neuen Baumethoden
erweiterten. Auch die Gasthöfe
wurden teilweise mit riesigen Sälen
ausgestattet.
Öderkarte 1580 mit
verschwundenen
Dörfern
Die Funktionsabläufe im Bauernhof
und damit auch die grundlegenden
Strukturen blieben jedoch gleich.
Die Traditionen und die traditionelle
Ausbildung für ländliches Bauen
verhinderten - anders als in der Stadt
oder in eingemeindeten Dörfern - allzu
große Brüche in der ländlichen
Baustruktur.
Musterblatt
Gutshof
Selbst in den Dörfern, die der
Industrialisierung bzw. dem Manufakturwesen (Lausitz) unterworfen
waren, konnten viele Traditionen an
den Wohnhäusern (2 Geschosse,
Material, Geometrie) bewahrt werden.
Die Fabriken, die in der Regel alte
Mühlen als Ursprungspunkt hatten,
stellten allerdings meist einen Bruch
gegenüber den dörflichen Baustrukturen dar.
Der einkehrende Wohlstand in
Industriedörfern und das Streben nach
städtischen Verhältnissen, hat einige
Dörfer mit dem Funktionswandel im
architektonischen Gesamtbild sehr
stark verändert.
lange Zeit
unveränderte
Dorfstruktur
ehemalige Mühle
als Industriestandort
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KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Gleichzeitig mit der Veränderung der
Dorfgestalt durch die Industrialisierung
wurde jedoch der Verlust von Zeugen
nationaler Baukultur bedauert und der
Denkmalschutz entstand.
Dies betraf zunächst die großen
Zeugnisse wie Kirchen, Burgen,
Schlösser und einzelne wenige
ländliche Bauten wie Pfarrhäuser und
Kirchen, später auch einfachere
typische Gebäude.
Es gab in den 30er Jahren des 20.
Jahrhunderts bereits dorfplanerische
Ansätze.
Systematische
Erfassung von
Kulturdenkmälern
1904
Mit Ende des 2. Weltkrieges, mit den
Umsiedlern und mit der Bodenreform
setzte eine neue Entwicklung ein.
Gutshöfe und Schlösser wurden
enteignet, Umsiedlern zur Verfügung
gestellt oder auch komplett abgerissen. Scheunen und Ställe der
größeren Güter mussten zu Wohnzwecken umgebaut werden.
Dörfern wurde in Fällen des Abrisses
die gewachsene Mitte genommen und
das Bauen glich in dieser Notzeit eher
einem Improvisieren.
„Die Landbaufibel“
1940
Zwar gab es Institute für die ländliche
Neuordnung, die die Neubauernhöfe
in traditionellem Fachwerkstil als
Musterbogen in billiger Lehmbauweise
propagierten und Dorferweiterungen
planten. Dies war allerdings eher die
Ausnahme in der Umsetzung.
Straupitz
Modernisierter
Gutshof 1985
Die DDR mit Zwangskollektivierung
und propagierter Annäherung von
Stadt und Land hat daraufhin bewusst
den Bruch mit dieser Tradition gesucht
und den Funktionswandel von der
bäuerlichen Einzelwirtschaft zur
industriellen Großproduktion weitestgehend vollzogen.
Jungrinderaufzuchtanlage für
4480 Tiere 1974
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KAPITEL 2
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KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
War die Großproduktion in gewisser
Hinsicht eine Fortsetzung der großbäuerlichen Produktion (vorher in
Sachsen weniger typisch), so konnten
aus praktischen und vor allem ideologischen Gründen diese Anlagen nicht
erweitert und genutzt werden. Der
Zeitgeist und die damalige Architekturauffassung, dass automatisch aus
einer guten Funktion auch gute
Architektur entsteht, haben die Dörfer
stark verändert. Die großen Produktionsanlagen aus Beton einerseits, die
3- bis 4-geschossigen Wohnblocks
(der Stadt nachgebaut) andererseits,
wie auch die typisierten und dann
doch mit allerlei Tand (Schmuck ohne
Wert) individualisierten Einfamilienhäuser (EW 65) veränderten das Bild.
Die alten Gebäude, insbesondere
große, verfielen, da sie nicht genutzt
wurden.
3.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Typisierter Wohnhausbau
Mehrgeschossiger
Wohnungsbau auf
dem Land
Erst in den 70er Jahren, wo sich das
Problem auch unübersehbar in
Entvölkerung und Veränderung
ausdrückte, versuchte man gegenzusteuern. Die Dorferneuerungsprogramme scheiterten letztendlich an
der Mangelwirtschaft.
Die heutigen Probleme mit den
dörflichen Strukturen liegen im
Funktionswandel begründet. Nur sehr
wenig Arbeitskräfte sind mit der
Landwirtschaft und den angekoppelten
Erwerbszweigen verbunden.
Ein Teil der Bevölkerung wandert in
die Stadt aus, es gibt aber auch den
„Städter“, der insbesondere in der
Nähe der Ballungszentren die
ländliche Idylle sucht. Dieser bringt
jedoch oft seine Vorstellung vom
freistehenden Einfamilienhaus mit. Es
gibt aber auch einige, die den Traum
vom Bauernhof auf dem Lande (noch
in erreichbarer Nähe zur Stadt)
umsetzen.
16
Rekonstruiertes
Umgebindehaus
Vorstadtfertighäuser
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TEICHNIKEN
Das Bauen von morgen lässt sich nur
in Szenarien mutmaßen. Der Wandel
wird fortschreiten. Die Themen
Energie und Verkehr werden dabei in
den Mittelpunkt rücken. Umweltverträgliches Bauen müssen wir dann
i.S. einer Gesamtbilanz begreifen und
zwar von der Herstellung der
Baustoffe einschl. Transporte, über
das Energiesparportal bis hin zur
Entsorgung. Es gibt bereits eine
Hinwendung zu Baustoffen, die zur
Herstellung weniger Energie
benötigen (z.B. Holz) und gleichzeitig
gut dämmen. Alternative Energien wie
Sonne, Erdwärme, Wind und
Wasserkraft (alte Wassermühlen)
werden zur Normalität.
3.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Umgestaltete
Ortschaft ohne
Reiz
Wird der Bevölkerungsrückgang im
ländlichen Raum noch beschleunigt
durch die nicht zu leistenden
Arbeitswege? Können sich bestimmte
Pendlerfamilien das Leben auf den
abgelegenen Dörfern auf Dauer nicht
mehr leisten? Wie gehen die immer
älter werdenden Menschen mit ihrem
Wohneigentum um? Wird Rückbau
sowie Konzentration auf Reparatur
und Instandhaltung einzelner
Gebäude zukünftig in den Mittelpunkt
rücken? Wie entwickelt sich die
Baufinanzierung bei Überangeboten
an Wohnraum?
Liebevoll saniertes
Dorf
Liebevoll gepflegte
Fachwerkhäuser
an der Badischen
Weinstraße
Tatsache bleibt: die Menschen siedeln
in Regionen, in denen sie sich wohl
fühlen, umgeben von intakter Umwelt,
einer guten Infrastruktur und sozialem
Umfeld sowie vertretbaren
Arbeitswegen.
Landschaft zum
Wohlfühlen
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KAPITEL 2
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KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
3.1 Entwicklung Dorfgestaltung
3.1.1 Begriffe Bedeutung - Bewertung
Zentrale Begriffe zum Bauen sind in
der Umgangssprache nicht immer
einheitlich gebraucht, so dass sie an
dieser Stelle erläutert werden sollen.
Instandhaltung ist die einfachste und
sinnvollste Form des Erhaltes von
Altbausubstanz, darunter sind solche
Arbeiten wie Erneuerung von
Anstrichen, Wartung und Pflege von
Heizungs- und anderen technischen
Anlagen, das regelmäßige Reinigen
der Dachrinnen und die Überprüfung
auf eventuellen Schaden zu verstehen. Dies dient der Verminderung
von Verschleiß und der Verhinderung
von Schäden. Nur durch regelmäßige
Instandhaltung kann die normale
Lebensdauer von Gebäuden erreicht
werden.
Instandhaltung
Reparatur
Fensterflügel
Reparatur bedeutet die Beseitigung
von kleinen Schäden, die eventuell
aus Sturm oder Hagelschlag, Frost
oder anderen Einwirkungen herrühren.
Dies dient der Verhinderung von
Folgeschäden, welche die Lebensdauer verkürzen würden. In der Regel
wird gleiches Material verwendet.
Instandsetzung wird als Reparatur im
größeren Umfang an ganzen
Bauteilen verstanden, wenn Schäden
oder Verschleiß (Bauteile haben nur
begrenzte Lebensdauer) einen
Austausch notwendig machen
(Dachinstandsetzung, Putzinstandsetzung etc.). Gegebenenfalls wird
anderes Material verwendet.
Die Lebensdauer dieser erneuerten
Bauteile beginnt von Neuem, und
damit wird auch die Gesamtlebensdauer des Gebäudes verlängert.
Instandsetzung
neues Material
Instandsetzung
altes Material
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KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
Sanierung ist für die meisten Leute
eine Art Oberbegriff für Baumaßnahmen an alten Gebäuden, wobei offen
bleibt, was erreicht werden soll. Es
gibt auch Sanierungsgebiete, wo
Abbruch und Neubauten notwendiger
Bestandteil sind.
Rekonstruktion meint im ursprünglichen Sinn die Wiederherstellung
(Kopie) der alten Konstruktionen, die
entweder schadhaft sind oder durch
vorherige Eingriffe vernichtet wurden
(z.B. Fachwerkrekonstruktion von
Wänden, die schon vorher durch
Mauern ersetzt wurden). Die Lebensdauer beginnt neu. Gleiches Material
wird verwendet.
Umgangssprachlich wird darunter eher
eine Modernisierung in der alten Optik
verstanden.
Rekonstruktion
von Fachwerk
Erhöhung der
Wärmedämmung
als
Modernisierung
Modernisierung ist eine
Instandsetzung mit dem Ziel, das
Gebäude auf den heutigen Standard
(vergleichbarer Stand von Neubauten)
zu bringen. Es werden andere
Materialien bzw. andere Baukonstruktionen verwendet (bzw. dazugefügt)
sowie noch intakte Bauteile teilweise
entfernt, weil sie nicht den
Anforderungen entsprechen. Die
Lebensdauer beginnt neu, allerdings
auf anderem Niveau.
Beispiele sind unter anderem der
Einbau von Heizungen, Bädern und
Maßnahmen zur Erhöhung der
Wärmedämmung, wie Ersatz von
Einfachfenster durch Isolierglasfenster
oder zusätzlicher Wärmedämmung an
Dach und Fassade.
Gebäudeensemble
Altkötzschenbroda
59
vor der Sanierung
Gebäudeensemble
Altkötzschenbroda
59
nach der
Sanierung
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KAPITEL 4
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UNSERE GESCHICHTE
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Denkmalschutz ist gesellschaftliches
und gesetzlich verankertes Ziel und
wird von der Denkmalbehörde definiert
Denkmale werden in so genannten
Denkmallisten erfasst. Sie erhalten
damit einen besonderen Status.
Denkmäler sind in der Regel aufgrund
ihres Alters, ihrer kulturhistorischen
Bedeutung oder seltener ihrer Bauweise besonders wertvolle Gebäude
oder Freianlagen. Es können aber
auch einfache in der Typik landschaftsprägende Anlagen sein.
Alle baulichen Veränderungen (auch
innen) sind mit der Unteren Denkmalbehörde abzustimmen, auch von einer
Baugenehmigung freie bauliche Veränderungen bedürfen der denkmalrechtlichen Genehmigung (formlos).
Die Denkmalbehörde entscheidet
nach pflichtgemäßen Ermessen. Die
Entscheidung ist ein Abwägen zwischen den Grundsätzen der Denkmalpflege, der Bedeutung des Objektes
gepaart mit Fachwissen und den
Interessen der Nutzer.
Oberster Grundsatz sind der Erhalt
und die Bewahrung von Originalsubstanz für die nachfolgenden
Generationen. Alter und Ästhetik
spielen eine nachrangige Rolle.
Daraus ergeben sich die Anforderungen für die praktische Umsetzung.
Nur ein original erhaltenes Fenster
z.B. ist denkmalpflegerisch wertvoll.
Leider sind diese Bauteile meist
beschädigt und genügen nicht den
heutigen Anforderungen (Dichtheit,
Pflegeleichtigkeit etc.), müssten somit
eigentlich ersetzt werden. Eine originalgetreue, vom Tischler handgefertigte Kopie ist deutlich weniger wertvoll. Ein modifizierter, den heutigen
Normen angepasster Nachbau
(Sprossenfenster mit Isolierglas) ist
denkmalpflegerisch ebenso wenig von
Interesse.
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
Kennzeichnung ist
leider nicht mehr
Pflicht
Denkmalschutzrechtliche
Genehmigung
Originalfenster
neu eingebaut
Modernes
Isofenster, nicht
denkmalgerecht
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KAPITEL 2
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KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Zeitgemäßer Denkmalschutz bedeutet
auch, dass der Schutz des Gebäudes
mit einer Nutzung verbunden wird.
Dazu bedarf es zeitgemäßer Anpassungen (z.B. Wärmedämmung).
Gemäß der derzeitigen Denkmalauffassung sollten Zutaten und Ergänzungen eher ablesbar mit modernen
Mitteln erfolgen. Das würde aber zum
genannten Beispiel bedeuten, ein
sprossenloses Normalfenster einzubauen, wenn nicht dabei der Gesamteindruck und der Wert des äußeren
Erscheinungsbildes leiden würde. Das
führt zu Kompromissen (Isolierglasfenster mit schmalen Profilen und
Sprossen, ohne Kippfunktion, der
ursprünglichen Optik angelehnt).
Grundsätzlich stehen das ganze
Grundstück mit Gebäude innen und
außen und das bauliche Umfeld mit
Einfriedung etc. unter Denkmalschutz.
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
Haus mit
sprossenlosen
Fenstern als
negatives Beispiel
denkmalgerechtes
Fenster
Zeichnung Fenster
mit Details
21
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
Jedes Gebäude besitzt darüber hinaus
einen Umgebungsschutz, um zu
verhindern, dass die Nachbarbebauung die Außenwirkung des
Bauwerks negativ beeinträchtigt.
Ersatzbauten werden dann errichtet,
wenn ein Erhalt aufgrund der Bauschäden, der Größe, der Nutzung etc.
nicht zumutbar ist. Sie können als
Kopie oder eigenständiger Entwurf
errichtet werden.
positives Beispiel
für Denkmalschutz
Kopien: Hier ist es wie mit einem Bild:
Eine gute Kopie ist besser als ein
schlechtes Original. Denkmalpflegerisch sind Kopien nur in besonderen
Ausnahmefällen, i.S. eines städtebaulichen Denkmalschutzes, erwünscht.
Da es in der Praxis, aufgrund von
Bauvorschriften und dem gewünschten Komfort, nie zu 1:1-Kopien kommt,
sind die meisten Kopien weniger
gelungene Adaptionen, z.B. sind
genagelte Bretter an einer Fassade
noch kein Fachwerk.
Das Einbeziehen vorhandener, noch
verwendbarer Gebäudeteile darf ablesbar sein.
Kopie
Auszugshaus
Familieninitiative
Neubauten als Ersatz oder auf
eigenständigem Standort wurden von
unseren Vorfahren nach zeitgenössischen Gesichtspunkten errichtet. Es
gab allerdings bis zur Gründerzeit
(unbewusst) durch Material, Tradition,
Gemeinwesen und Obrigkeit
bestimmte Spielregeln, die dafür
sorgten, dass kein Neubau aus dem
Rahmen fiel. Heute, in einer Zeit der
nahezu unbegrenzten technischen
Möglichkeiten eines globalisierten
Marktes, gepaart mit völlig anderen
Nutzerwünschen, fällt es schwer,
einen Ersatz für diese Spielregeln zu
finden.
Ersatzneubau
Altkötzschenbroda
Ersatzneubau
Mühle Mohorn
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KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Die Bauvorschriften von heute waren
nie umfangreicher, lassen jedoch
Gestaltungsfreiräume für Architekten
und Bauherren offen. Zu guten
architektonischen Lösungen gehören
daher immer Ausbildung und Talent
der Bauschaffenden und ein guter
Architekt dazu.
3.1
3.1.1
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Begriffe - Bedeutung
Links – Sanierung
als freie
Interpretation
„Man kann fast alles bauen,
nur gut muss es sein.“
Was aber ist gute Architektur?
Rechts –
Ersatzneubau
• Die Beurteilung, ob gut oder
schlecht, obliegt den nächsten
Generationen, die zu aktuellen
Moden keinen Bezug mehr haben.
• Zu jeder Architektur gehört die
städtebauliche Einordnung (oder
besser Unterordnung).
• Mode ändert sich, aber Häuser
bleiben stehen. Dennoch hat jede
Zeit ihre eigene Sprache.
• Verschiedene Materialien altern in
Würde (Holz, Naturstein, Ziegel),
andere werden nur unansehnlicher
(Metalle, Kunststoff, Glas, Farbe) Nachhaltigkeit ist gefragt.
• Was gut funktioniert überdauert und
lässt sich späteren Nutzungen
anpassen.
Ein Ersatzneubau
unter Verwendung
von historischen
Bauteilen ist zwar
architektonisch
umstritten und
auch kein
Denkmal, stellt in
vielen Fällen
städtebaulich eine
verträgliche
Lösung dar.
Einfamilienhäuser
mit unterschiedl.
Details in der
Fassadengestaltung wie
Holzverschalung,
Farbgebung.
Nachfolgende Kriterien können aus
der Umgebungsbebauung für einen
Neubau herangezogen werden.
1. Größe (Geschossigkeit, Höhe)
2. Proportionen, Gliederung
(Maßverhältnisse, Dachneigung,
Abstände, Zonierung)
3. Materialien
4. Details (Dachüberstände, Spalier,
Fensterläden etc.)
5. Farben
Damit sich Neubauten harmonisch in
die Umgebung einfügen, sollten mind.
drei Kriterien übernommen werden.
Selbst moderne
Giebelverglasungen
lassen sich
geschickt einfügen
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KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.2
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Altbausanierung
3.1 Entwicklung Dorfgestaltung
3.1.2 Rechtliche Würdigung der
Altbausanierung
Eine kritische Auseinandersetzung mit
der derzeitigen Rechtspraxis der
Sanierung, die wenig Sympathie für
Altbauten erzeugt, wird zu einem
sicheren Umgang mit Handwerkern
und Behörden führen. Bei gewisser
Kompromissbereitschaft sind bei einer
Altbausanierung deutlich Kosten zu
sparen. Was eigentlich jeder weiß,
aber in dem Moment, in dem viel Geld
investiert regelmäßig vergessen wird,
ist die Tatsache, dass ein Altbau ein
Altbau ist und bleibt.
Willy Becker
„Kammhäuser“
Solange die Häuser von den Bauern
selbst errichtet wurden, oder die Lohnkosten gering waren, haben Risse,
Farbabplatzungen, Putz- und Feuchteschäden, Holzschädlinge u.s.w. in den
Augen des Besitzers die Ursache in
der Natur der Dinge gehabt. Wer
sicherer sein wollte, musste z.B.
Eichenholz oder bessere Steine
nehmen. Das war allgemein bekannt
und natürlich mit höheren Kosten verbunden. Diese Kosten jedoch waren
früher für die meisten aufzubringen,
mehr noch, landläufig galt dieser
„Luxus“ als Verschwendung und nicht
notwendig. Der Stand der Technik war
nicht auf heutigem Niveau, die
Ansprüche waren jedoch durchaus
differenziert.
Es gab früher einen allgemein
akzeptierten Unterschied in der
Qualität der Gebäude. Vergleichen wir
das einfache Häusleranwesen, den
Vollbauernhof, den Gutshof, das
Schloss oder die Kirche miteinander,
so wird neben der Ausstattung und
Größe, auch z.B. ein Unterschied im
Wandaufbau und der Solidität und
Dauerhaftigkeit deutlich.
Tilo Kempe
„Bauernhaus“
Emil Götting
„Dippoldiswalder
Schloss“ 1936
Gerhard Zönnchen
„Dippoldiswalde,
Nikolaikirche“
1982
24
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.2
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Altbausanierung
Vergleichen wir das einfache Häusleranwesen, den Vollbauernhof, den
Gutshof, das Schloss oder die Kirche
miteinander, so wird neben der
Ausstattung und Größe, auch z.B. ein
Unterschied im Wandaufbau und der
Solidität und Dauerhaftigkeit deutlich.
Heute gibt es nach wie vor kleine und
große Häuser mit hoher oder geringer
Ausstattung, aber alle haben die
Normen an die Baukonstruktion zu
erfüllen. Selbst bei der Lebensdauer von
Baustoffen werden immer weniger
Kompromisse akzeptiert. Mit anderen
Worten: früher hat auf dem Land kaum
jemand eine Feuchtsperre in die
Erdgeschosswände gebaut, obwohl dies
bekannt war. Die dazu notwendigen
Schieferplatten waren nicht schwerer zu
beschaffen als Sandsteingewände. Auf
der anderen Seite kam auch niemand
auf die Idee, einen Stall zur Wohnung
umzubauen, was heute im Sinne der
Umnutzung gern gemacht wird. Dächer
wurden nie ausgebaut.
Das Hauptproblem besteht darin, dass
die so genannten allgemeinen anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.)
von Neubauanforderungen ausgehen
und in der Rechtspraxis auf den Altbau
übertragen werden. Bei Altbauten ist
z.B. das Knarren der Holzdielen normal,
lässt sich durch Nachnageln mindern,
für einen Neubau jedoch nicht.
Denkmal, wie
„selbstverständlich“ nach
neuesten
Anforderungen
Noch problematischer ist die Betrachtung beim Wärmeschutz, der ist in der
ENEV auch für Altbauten Pflicht. Hier
geht es nicht nur um Komfort, sondern
gesamtgesellschaftlich um die
Reduzierung des CO2-Ausstoßes.
EnEV ist auch für
Altbauten
einzuhalten.
Ausnahmen
müssen beantragt
werden, was in der
Regel auch
genehmigt wird
25
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.1
3.1.2
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Altbausanierung
Die Herausforderung liegt zwischen
Bewahren und Neubau.
Bauen im Bestand geht nicht ohne
Kompromisse und dessen sollte sich
jeder Bauherr und Baumeister
bewusst sein.
Was versteht man unter den allgemein
anerkannten Regeln der (Bau-)
Technik beim Altbau?
Das technisch Machbare?
Das Bisherige?
Das Bezahlbare?
Das Vernünftige?
Im Streitfall wird leider sehr oft das
technisch Machbare zur allgemein
anerkannten Regel der Technik.
So wird auf Veröffentlichungen von
Lobbyverbänden hingewiesen und es
werden z.B. bei unseren Dielen
wesentlich dickere Holzstärken und
ein schwimmender (2 Schichten, die
durch Schalldämmmatten voneinander
getrennt sind) Aufbau verlangt. Mit
anderen Worten, den alten Bauweisen
wird zunehmend durch rechtliche
Vorschriften die Daseinsberechtigung
abgesprochen.
Das heißt, bei einer Sanierung reicht
es nicht mehr, den alten Zustand,
sondern den technisch möglichen
Stand herzustellen.
Neben sinnvollen Maßnahmen, wie
Verringerung der Umweltbelastungen
(Wärmeschutz), werden gleichzeitig
Anforderungen eines Neubaus auf den
derzeit neusten Stand gebracht.
Viele Regelwerke
sind beim Bauen
zu beachten – oft
ist das Sache von
einzelnen
Fachdisziplinen
Fast alle DINNormen gelten als
allgemein
anerkannte Regeln
der Technik
Hinzu kommt die Haftungsfrage für
beteiligte Architekten und Planer.
Dachdeckerregeln
als Veröffentlichung des
Fachverbundes
der Dachdecker
26
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Ein eventueller Mangel bei der Planung
und Ausführung definiert sich jedoch
noch nicht am Schaden, sondern am
Nichteinhalten der allgemein anerkannten Regeln der (Bau-)Technik
(a.a.R.d.T.), die in einer nicht systematisierten Menge an Vorschriften,
Normen, Herstellerrichtlinien, Veröffentlichungen usw. dargestellt werden und
einer stetigen Veränderung unterliegen.
3.1
3.1.2
Entwicklung der
Dorfgestaltung
Altbausanierung
Tabelle mit Dielenstärken
In der gängigen Praxis wird bei Vorliegen eines Mangels keine Rücksicht auf
Kosten oder Verhältnismäßigkeit
genommen. Das kann dazu führen, dass
das Bauen immer teurer wird und Planer
sich auf sichere Positionen zurückziehen. Von zentraler Bedeutung im
rechtlichem Sinne ist die Hinweispflicht
des Planers an der Bauherren. D.h. bei
Abweichen von den Vorschriften muss
der Verweis auf mögliche Auswirkungen
erfolgen.
Informationsdienst
Holz nach den
heutigen Gesichtspunkten.
Die meisten Altbauten haben bei
90 cm Balkenabstand nur 24 mm
starke Dielen.
2 Beispiele für
schwimmenden
Aufbau
Ist dieser Aufwand
a.a.R.d.T. bei
Altbauten
anzuwenden?
Ein guter Architekt zeichnet sich durch
eine umfassende Beratung aus. Es ist
jedoch nicht möglich alle Unwägbarkeiten des Bauens dem Bauherren etwa
wie bei Arzneimitteln in Form eines
Beipackzettels vorzulegen.
Ausdrücklich sei vermerkt, dass hier der
„Pfusch am Bau“, welcher leider durch
Unkenntnis, Mängel in der Aus- und
Weiterbildung und Kostendruck ein
Problem bleibt und in vorheriger Betrachtung nicht gemeint ist.
Auch die
Benützung der
Gebäude muss
richtig erfolgen,
sonst gibt es
Schäden.
zunehmendes
Problemfeld
Schimmel
Wer ist daran
Schuld, der Planer
oder der Nutzer?
27
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
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HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.2
3.2.1
Gestaltung der Baukörper
Einordnung auf dem
Grundstück
3.2 Gestaltung der Baukörper
3.2.1 Einordnung auf dem Grundstück
Die Bildung von
Hofformen ist vor
allem innerhalb
historisch
gewachsener
Dorfsituationen zu
empfehlen.
Sie vermitteln den
Eindruck des als
selbstverständlich
Empfundenen.
Hofform:
In formaler Anlehnung an traditionelle
Siedlungsformen kann auch die
Gruppierung von neuen, modernen
Einzelhäusern in Hofform aus
funktioneller und gestalterischer Sicht
gelingen. Hauptgebäude werden um
ca. 90 Grad zueinander verdreht und
mit Nebengebäuden (z.B. Garagen)
ergänzt.
Reihung:
Die gleichmäßige Reihung gleich
ausgerichteter Hauptbaukörper,
ergänzt von um 90 Grad verdrehten
Nebengebäuden führt ebenfalls zu
Hofsituationen.
Reihungen können
sich deutlich von
der historischen
Ortslage absetzen.
Sie vermitteln das
Bild des
selbstbewusst
Geplanten.
Bei der Neuanlage von Hausgruppen
bzw. ganzen Einfamilienhausstandorten ist auf ein ähnliches Erscheinungsbild der Gebäude und deren
Einordnung in das Gelände zu achten.
Folgende Punkte sind dabei
insbesondere zu berücksichtigen:
-
Drei „Neubauten“
im Dresdner
Umland nehmen
die klassische
Scheunengestalt
auf, sind ähnlich
proportioniert,
einfach gereiht
und beherbergen
doch moderne
Wohn- und BüroFunktionen.
Individualität wird
durch Detailgestaltung
i ht
Grundstücks- und Gebäudebreite
Gebäudeabstände
Gebäudelänge und Grundstückstiefe
Geschossigkeit, Trauf- und
Firsthöhe
Dachneigung
Materialien der Oberflächen.
Die starke
Hanglage wird zum
gestalterischen
Höhepunkt:
Die Natursteinmauer schneidet
den Hauptbaukörper und setzt
sich als wesentliches gestalterisches Element
im Gebäudeinneren fort.
28
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.2
3.2.2
Gestaltung der Baukörper
Fassade - Symmetrie
3.2 Gestaltung der Baukörper
3.2.2 Fassade - Symmetrie
Die Fassade ist das Gesicht des
Hauses. Es versteht sich daher, dass
Fassadengestaltung eng mit dem
Begriff der „Symmetrie“ verbunden ist.
„Symmetrie“, die spiegelbildliche
Gleichheit zweier Hälften, ist in der
Natur, denkt man z.B. an das menschliche Gesicht, wie in der Kunst, im
Kunsthandwerk und in der Architektur
eines der häufigsten und ältesten
Ordnungsprinzipien. Symmetrisch
angeordnete Formen wirken übersichtlich. Symmetrieachsen ziehen unser
Augenmerk zuerst auf sich und lassen
die Gesamtform zum Zeichen werden.
Streng symmetrische Fassaden
wirken statisch stabil.
Je nachdem, ob Länge, Breite oder
Höhe dominieren, wirkt ein Baukörper
gedrungen, gelagert und erdverbunden oder aufstrebend.
Eine traditionelle
Giebelform setzt
sich zusammen
aus Dreieck –
Dachgeschoss
und Rechteck –
Erd-/Obergeschoss, die auf
einem Sockel
ruhen.
Giebel und
Traufseite
(Längsseite) sind
symmetrisch
Verschiebungen
von Giebeldreiecken, z.B. durch
Anbauten an Erdund Obergeschoss
stören die Symmetrie und erzeugen
„Kipp-Effekte“.
Zweigeschossige
Giebel mit Satteldach haben eine
vertikale, aufstrebende Wirkung.
Traufseiten wirken
eingeschossig
gedrungen aber
auch bei zweigeschossigen Baukörpern horizontalgestreckt.
Bei zweigeschossigen Baukörpern mit
Dachgeschoss ist die geschossweise
Gliederung traditionell durch die Bauweise, durch einen geschossweisen
Wechsel von Material und Konstruktion, ablesbar. So setzt sich z.B. das
verputzte Erdgeschoss aus Natursteinmauerwerk deutlich von der Holzverschalung des Obergeschosses ab.
Bei Fachwerkkonstruktionen ist die
geschossweise Gliederung konstruktionsbedingt ablesbar.
Die halbseitige
Sanierung eines
historischen
Fachwerkhauses
macht deutlich,
dass mit der
durchgängigen
Verkleidung der
Fassade neben der
Ablesbarkeit des
Konstruktionsprinzips auch das
Schmückende und
Maßstabsgebende
verschwunden ist.
29
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.2
3.2.3
Gestaltung der Baukörper
Fassade
Wand / Öffnungen
3.2 Gestaltung der Baukörper
3.2.3 Fassade - Wand / Öffnungen
Wand dominiert
gegenüber
Öffnungen Ausdruck des
Wehrhaften,
Abweisenden,
Stabilen, Ewigen
Bauweisen und -technologien
bestimmen die Verhältnisse von Wand
zu Öffnungen in der Fassade. Auf
klimatische Verhältnisse musste das
traditionelle Haus durch die
angemessene Wahl der Bauweise
sowie durch eine ausgeklügelte
Funktionsanordnung reagieren (z.B.
Wohnkammern über dem Stall). Die
Größe der Öffnungen wurde auf das
funktionell notwendige Minimum
beschränkt.
Öffnungen
dominieren
gegenüber Wand Ausdruck des
Verletzbaren,
Einladenden,
Instabilen,
Provisorischen
Heutige Technologien, wie z.B.
Stahlbetonbauweisen, ermöglichen in
Verbindung mit vermeintlich unbegrenzter Verfügbarkeit von Energie
und Heizmöglichkeiten die „Auflösung“
der Wand über das funktionell notwendige Maß hinaus. Unabhängig
vom bautechnischen und energetischen Sinn oder Unsinn bleibt die
erzielte gestalterische Wirkung
beständig und muss auch bei
modernen Bauweisen Berücksichtigung finden. Optische Instabilität sollte
nur bei zwingenden funktionellen
Notwendigkeiten in Kauf genommen
werden.
Öffnungen und
Wand in einem
traditionellen,
ausgewogenen
Verhältnis
Ähnliche Öffnungsgrößen und ein
ausgewogenes Verhältnis von Öffnung
zu Wand werden erreicht, wenn
Öffnungen im Erdgeschoss gleich
oder geringfügig kleiner als im
Obergeschoss sind und wenn die
geschlossene Wandfläche deutlich
größer als die Summe der Fensterflächen ist.
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
30
Große Öffnungen
im Erdgeschoss
und kleine im
Obergeschoss
konstruieren über
der Wand an der
Gebäudeecke ein
auf der Spitze
stehendes Dreieck
und damit
Instabilität.
Die umgekehrte
Anordnung, große
Öffnungen im
Obergeschoss und
kleine in einem
dadurch massiv
wirkenden
Erdgeschoss
konstruieren ein
auf einer Basis
stehendes,
stabiles Dreieck.
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.2 Gestaltung der Baukörper
3.2.4 Fassade - Giebelgestaltung
3.2
3.2.4
Gestaltung der Baukörper
Fassade
Giebelgestaltung
Historische Giebel
Symmetrische
Giebelteilung
im Giebeldreieck
und Obergeschoss
Mit den Feuerverordnungen des
19. Jahrhunderts wurden die Giebel
auch in den Obergeschossen massiv
ausgeführt.
Giebeldreieck und
Obergeschoss
etwas
unsymmetrisch
Im Erdgeschoss und Obergeschoss
wurden die Fensteröffnungen zweioder dreiachsig angeordnet.
Im Dachgeschoss sind zwei oder drei
Fenster vorzufinden, die wesentlich
kleiner als die Öffnungen der anderen
Geschosse sind jedoch die gleichen
Proportionen (Verhältnis von Breite zu
Höhe) aufweisen. Teilweise wurde die
Proportion der Öffnungen im Dachgeschoss durch einen halbkreisförmigen
Bogen ergänzt.
Altkötzschenbroda
Die Giebelverglasung belichtet
das gesamte Dachgeschoss, dadurch
keine Störung der
Dachflächen;
Streng symmetrisch wird die
historische Giebelverbretterung
nachempfunden Umnutzung in
Tautewalde / OL
Historische Giebel sind meist streng
symmetrisch. In einigen Gegenden
Sachsens, z.B. im Elbtal, können die
Dachgeschosse zur Traufgasse (enge
Reihen zwischen angrenzenden
Gebäuden, deren Dächer sich nahezu
berühren), meist nach Westen hin,
einen Überstand aufweisen. Dies führt
zu einer geringfügigen Abweichung
von der Symmetrie zwischen Obergeschoss und Giebeldreieck.
Bei Umnutzungen und Neubauten im
ländlichen Raum sollten für die Giebelgestaltung folgende Gestaltungsprinzipien gelten:
- Anpassung von Dachneigung, Traufhöhe, Firsthöhe an die der historischen Bausubstanz
- Symmetrie über alle Geschosse, in
Ausnahmefällen geringfügiges
Abweichen zwischen Giebeldreieck
und Obergeschoss, wenn dies in der
Nachbarschaft historisch nachweisbar ist
- Öffnungsfläche meist geringer als
Wandfläche
Die Giebelgestaltung nimmt die
Symmetrie der
historischen
Gebäude auf.
Die geschossweise Gliederung
der Fassade
erfolgt durch einen
plastischen Mauervorsprung im
1. Obergeschoss
Die Abweichung
von der Symmetrie
zwischen Giebeldreieck und Obergeschoss wird
durch die
Verschalung überspielt, welche die
Fensterbreite des
Obergeschosses
aufnimmt.
Altkötzschenbroda
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
31
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.1
3.3.1.1
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
-
1 Satteldach
2 Walmdach
3 Krüppelwaldach
4 Mansarddach
5 Pultdach
seine Form und Neigung,
das Verhältnis seiner Höhe zur
Höhe der anderen Geschosse,
die Richtung des Firstes im Vergleich zu den Nachbargebäuden,
seine Aufbauten und Details,
das Material und die Farbe seiner
Dachdeckung
Dachräume
wurden lediglich
zu Lager-, jedoch
nicht zu Wohnzwecken genutzt.
Aufbauten und
Öffnungen dienten
meist nur der
Lüftung und nicht
der Belichtung.
Langgestreckte Satteldächer sind für
die historischen Bauweisen in allen
Regionen Sachsens prägend.
Dachüberstände sind am Ortgang
(seitlicher Abschluss der Dachfläche
am senkrecht stehenden Giebel) fast
nicht, an der Traufe (Tropfkante am
Dach) meist nur gering vorhanden.
Dachformen sind
konstruktiv und
gestalterisch einfach zu halten. Das
hilft auch Kosten
zu begrenzen, d.h.
- aufwendige
Dachformen nur
bei besonderen
Bauaufgaben
einsetzen
- Dachneigungen
bei einem Dach
gleich halten
Typische Gestaltungsmerkmale sind:
-
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Dachformen
Das Dach, die Bekrönung des Hauses
und zugleich wichtigster Witterungsschutz bestimmt den Charakter des
gesamten Gebäudes durch:
-
3.3
3.3.1
Symmetrie, d.h. gleiche Traufhöhen, gleiche Dachneigungen
Dachneigungen zwischen 45°
und 60°
Dachüberstand an der Traufe
maximal 50 cm
Dachüberstand am Ortgang
maximal 30 cm
Dachformen sollten so einfach als
möglich gehalten werden. Aufbauten
(Gauben) und Anbauten (Querdächer)
sind auf das funktionell notwendige
Maß zu beschränken und sollten sich
in Maßstab, Neigung, Form, Konstruktion und Material am Hauptdach
orientieren.
Hauptdach und
Dächer von
Anbauten oder
Querhäusern in
Dachneigung,
Ortgang- und
Traufdetails gleich
ausbilden
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
32
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.1
3.3.1.2
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.1
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Dachkonstruktionen
(A)
Einfaches Sparrendach mit Kehlbalken, Ableitung
der Dachlast in der
Sparrenebene,
Deckenbalken auf
Zug beansprucht,
Dachneigungen
von ca. 30 bis 60º
Die Bautradition der Dachkonstruktionen in Mitteleuropa basieren auf zwei
Grundformen aus dem germanischen
Sparrendach und dem römischen
Pfettendach (Pfette ist ein parallel zum
First verlaufender Holzbalken, auf dem
die Sparren des Dachstuhls aufliegen). Da bei Dachkonstruktionen im
Laufe der Jahrzehnte oder
Jahrhunderte häufig leichtfertig
einzelne Holzteile herausgenommen
und keine oder ungenügende
konstruktive Ersatzmaßnahmen
durchgeführt wurden, sind Dachstühle
zunächst auf ihr ursprüngliches
statisches System und anschließend
auf Mängel in diesem zu untersuchen.
(C)
Pfettendach mit
Mittelpfetten und
stehendem Stuhl,
Lastableitung über
Stützen und Aussenwände, Dachneigungen bis
etwa 35º, bei steileren Dächern mit
Neigungen von
etwa 25 bis 45º
empfehlen sich
abgestrebte
Pfettendächer
Im statisch-konstruktiven Aufbau sind
dabei grob zu unterscheiden:
Sparrendächer, bei denen die Sparren
zur Dachkonstruktion zählen. Zu
diesen gehören:
- einfaches Sparrendach (A),
- Sparrendach mit Hahnenbalken
oder Kehlbalken,
- einfach stehender Kehlbalkendachstuhl ,
- doppelt stehender Kehlbalkendachstuhl und
- doppelt liegender Kehlbalkendachstuhl (B).
Dächer mit Dachstuhl, bei denen die
Sparren zur Dachhaut zählen. Zu
diesen gehören:
- einfach stehender Pfettendachstuhl,
- doppelt stehender Pfettendachstuhl (C),
- liegender Kehlbalkendachstuhl,
- einfaches Hängewerk,
- doppeltes Hängewerk,
- einfaches Sprengewerk und
- doppeltes Sprengewerk.
(B)
Sparrendach mit
liegendem Stuhl.
Lastableitung über
Außenwände
Vorteile:
Der Dachraum
wird stützenfrei
überspannt, die
Dachlasten werden
auf die
Außenwände
abgetragen
(C)
Pfettendach mit
Mittelpfetten und
stehendem Stuhl,
Lastableitung über
Stützen und
Außenwände,
statisch einfacher
Aufbau aus unabhängigen Tragwerkselementen,
kann bei beliebigen Dachformen
eingesetzt werden
Rau-Braune, „Der Altbau“, Verlagsanstalt
Alexander Koch
33
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.1
3.3.1.3
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.1
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Ortssilhouette und
Dachlandschaft
Das „alte“ Dorf duckt sich in die Landschaft. Zum Landschaftsraum hin lässt
es nur große, ruhige, meist ziegelrote
oder verschieferte Dachflächen sehen.
Die Grünflächen scheinen übergangslos in die Dörfer zu fließen.
Aus der Entfernung sehen wir einen
Ort oder ein Gehöft als Ganzes.
Die Farben der Architektur verschwimmen zu großen Flächen mit wenigen
Farbtönen. Hauptsächlich handelt es
sich dabei um Dachlandschaften,
deren Flächen je nach Stellung zum
Licht differenzierte Lichtwerte aufweisen.
Oberlausitz
Die ausgeprägten Winkel und Kanten
der Dächer heben sich deutlich von
den weichen Umrissen der Landschaft
ab.
Dies gilt auch für die Farbigkeit. Die
Wand- und Dachflächen stechen
relativ hart und auffällig von der meist
feingestuften Umgebungsfarbigkeit ab.
Lommatzscher
Pflege
Von Wiesenhängen umgeben tritt uns
heute Dach- zu Naturlandschaft
zunehmend im Rot-Grün-Kontrast
entgegen. Eingestreut sind noch
einige Inseln mit der Farbigkeit der
ehemals dominierenden Schieferdeckung.
Die Tendenz zu roten Deckungen wird
in absehbarer Zeit zu einer neuen
“Einheitlichkeit“ führen.
Sächsische
Schweiz
Wie zahlreiche
andere sächsische
Waldhufendörfer
duckt sich auch
Cunnersdorf in der
Sächsischen
Schweiz entlang
des Dorfbaches in
die Berge und
Hügel der Sächsischen Schweiz.
Sächsisches Land-Bilderbuch
34
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.1
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
3.3
Bauteilgestaltung
3.3.1 Dachgestaltung
3.3.1.4 Ortssilhouette und
Farbigkeit
Tondachziegel altern würdevoll. Ihre
Patina schwärzt das Naturrot des
gebrannten Lehms. Unzählige feine
Farbnuancen fließen zur ruhigen
Einheitlichkeit der Dachflächen
zusammen. Licht- und Schattenspiele
auf den bewegten Oberflächen
erzeugen Lebendigkeit, die besonders
bei den handgestrichenen Biberschwanzziegeln zur Geltung kommt.
Die durch die grobe Struktur und den
Schattenwurf aufgeregt wirkenden
Dachflächen werden durch die
unterschiedlich gestalteten und
mehrfach umgedeckten ockerbraunen
Falzziegel noch lebendiger.
Würdevoll gealterte Tondachziegel
Alt und Neu
nebeneinander lebendige Dachlandschaften
Gefärbte und oberflächenbeschichtete
Betondachsteine zeigen einheitliche
Farben in jedem Stein und auf den
gesamten Dachflächen.
Reflektierende Dachsteinglasuren sind
im ländlichen Raum die Ausnahme.
Die Farbpalette sollte sich an der
Tradition orientieren – erdige:
- Rot
- Rotbraun
- Braun bis Ocker
sowie an Schiefer erinnerndes
Grau bis Schwarz.
Einheitliche Farbe
in jedem Dachstein
Eine höchste Steigerung der Homogenität der Farbe zeigen die blechgedeckten, farbbeschichteten,
leuchtend roten Dächer. Sie wirken
„überschminkt“ und damit wie Fremdlinge in der dörflichen Landschaft.
Fremd in der Dachlandschaft des
Dorfes wirkende
Blechdeckung.
Sächsisches Land-Farbenbuch
35
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.1
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
3.3
Bauteilgestaltung
3.3.1 Dachgestaltung
3.3.1.5 Traufe und Ortgang
Dachüberstände sind in den sächsischen Regionen knapp gehalten als:
- Traufe mit sichtbarem Sparrenüberstand ohne weitere Verkleidungen beim Pfettendach
- Traufe mit glattem oder profiliertem Traufbrett beim Sparrendach
Regenrinnen sind meist als vorgehangene Rinne oder Liegerinne
ausgebildet.
Zwischensparrendämmung mit
Festverglasung
und Sonnenschutz
Bei Sanierungen sollte der Dachüberstand an Traufe und Ortgang nicht
oder nur wenig gegenüber dem
ursprünglichen Zustand verändert
werden. Dies kann problematisch
werden, da Sanierungen in den
meisten Fällen den Ausbau des
Dachraumes zu vollwertigen Wohnräumen zum Ziel haben, d.h. der
Dachraum muss gedämmt werden.
Grundsätzlich sind dabei zwei Arten
des Einbringens der Dämmebene zu
unterscheiden:
- die Zwischensparrendämmung
- die Aufdachdämmung
Bei der Zwischensparrendämmung
werden der Dämmstoff, die
Dampfbremse sowie die Winddichtung
zwischen bzw. in die Sparrenebene
gebracht. Die Sparren sind „eingepackt“ und nicht mehr sichtbar.
Bei der Aufdachdämmung wird der
gesamte Aufbau der Dachdämmung
und Dichtung auf eine Schalung auf
die Sparren gebracht. Die Sparren
sind nach unten sichtbar. Dies ist bei
alten Dachstühlen vorteilhaft, da alle
Holzbauteile weiterhin luftumspült
sind, bedeutet jedoch auch, dass für
Traufe und Ortgang neue Detaillösungen gefunden werden müssen.
Dämmung im
Trempelbereich
unter Dachgaube
Aufsparrendämmung
First = obere,
meist waagerechte
Kante der
Dachfläche
Ortgang =
Abschluss der
Dachkanten des
geneigten Daches
an der Giebelseite
Traufe = untere,
waagerechte
Begrenzung der
Dachfläche
36
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.1
3.3.1.6
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.1
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Gestaltungsprinzipien:
- Symmetrie
- regelmäßige
rhythmische
Reihung
- maßstäbliche
Unterordnung
- First- und Traufe
nicht schneiden
- Abstand zum
Ortgang halten
- Anordnung in
die untere Hälfte
des Hauptdaches
Bauteilgestaltung
Dachgestaltung
Dachaufbauten
Gauben stellten als Lüftungselemente
weder eine optische noch eine bautechnische „Störung“ des Hauptdaches dar.
Mit der Funktionsänderung des
Daches vom Wetterschutz zum Wohnraum nahmen aufgrund der notwendigen Belichtung die Dimensionen von
Aufbauten zu und dominierten die
Dach-„Landschaft“.
Sattelgaupe /
Walmgaupe:
- Dachneigung
wie Hauptdach
- Fenster im
Hochrechteckformat
- Giebel- und
Wandfläche wie
Gebäudeaußenwand
- Dachflächen wie
Hauptdach bei
Sattel- und
Walmdächern
Ob bei Neubauten oder beim Einfügen
in den Bestand - die Hauptaufgabe
des Daches bleibt der Wetterschutz.
Deshalb sollten Aufbauten nur bei
zwingenden funktionellen Notwendigkeiten erfolgen.
Einschnitte sind prinzipiell, vor allem
jedoch im Bestand, zu vermeiden.
Alle Baudetails müssen vor allem im
Hinblick auf die Wasserableitung
korrekt ausgeführt sein.
Schleppgaupe:
- Fenster liegendes oder stehendes Rechteckformat
- liegendes Format so knapp
als möglich
- Dachneigung
größer 3°
- Wandflächen
wie Fassade bei
steilgeneigten
Satteldächern
Bei Altbaudächern ist der vorhandene
Dachstuhl auf Schädlingsbefall und
Feuchte- und sonstige Schäden zu
prüfen.
Neue Gauben müssen auf das
statische Prinzip des Dachstuhles
abgestimmt sein. Ein Gutachten eines
Statikers ist erforderlich.
Ochsenauge /
Fischmaulgaupe:
- geschwungene
Schleppgaupe
- homogener Übergang der Dachdeckung ohne
Blechkehle bei
weicher Dachdeckung (Reet)
und kleinformatiger, schuppiger
Deckung (Biberschwanz, Schindel, Schiefer)
Sächsisches Land-Bilderbuch
37
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.2
3.3.2.1
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.2
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Fenster
Fensteröffnungen in historischen Fassaden liegen meist geschossweise
axial übereinander.
Die vertikalen Fensterachsen sind in
regelmäßigen Abständen angeordnet.
Die Fensteröffnungen stehen in einem
untergeordneten Verhältnis zur
Wandfläche. Die Größen und/oder
Proportionen (Verhältnis - Breite :
Höhe) sind weitestgehend gleich.
Fensterbreiten (a), Fensterabstände
(b) und Abstand der Fenster zur Fassadenkante (c) sind differenziert. Die
Abstände sollten wie folgt differieren:
c größer a größer bzw. kleiner b.
Skizzen zur Ermittlung der Proportionsgleichheit von
Fensteröffnungen
und Wandflächen
Die Proportionsgleichheit ist leicht
durch paralleles Verschieben der
Diagonalen durch Fensteröffnungen
oder Wandflächen ermittelbar.
Besondere Ausgewogenheit ist durch
Proportionsgleichheit von offenen
(Fenster, Türen etc.) und geschlossenen (Wand-) Fassadenteilen
erreichbar.
Fenstergewände
aus Stein wurden
häufig farbig gefasst. Diese Rahmungen – Fensterfaschen – sollten
auch Fenster
zieren, die nur
eingeputzt waren.
Fensteröffnungen sind gestalterisch
und/oder konstruktiv gefasst durch
Fenstergewände (z.B. Sandstein,
Porphyr, Granit),
Fachwerkkonstruktionen und von der
Fassade deutlich abgesetzten farbigen
Fassungen.
Die Breite von Fensterfaschen sollten
sich an den konstruktiv notwendigen
Maßen historischer Steingewände
orientieren und ca. 15 – 20 cm
betragen.
Beispiel für farbliche Absetzung
eines Fenstergewändes gegenüber der Fassade
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
38
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.2
3.3.2.2
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.2
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Putze
In den Abbildungen sind Fassadenputztechniken, die Handwerklichkeit
und Plastizität der Oberflächen natülich verbinden dargestellt.
Verwendete Sandarten und Zuschläge
an Kies, Bims, Schlacken u.s.w.
haben auf die Putzarten ebenso
großen Einfluss wie das verwendete
Handwerkszeug.
Handwerkliche
Bearbeitung und
Farbe verleihen
dem Putz Leben
und Charakter.
Der Fassadenputz hat die Aufgabe,
das Mauerwerk gegen Witterungseinflüsse zu schützen und gleichzeitig
dem Haus ein schmückendes Kleid zu
geben.
Altdeutscher Putz
(links)
Unterschiedlicher Lichteinfall je nach
Ausrichtung der Wandfläche und nach
Tages- und Jahreszeit macht die
Spuren des Handwerkers, die Spuren
von Kelle, Bürste oder Pinsel mit dem
Spiel von Licht und Schatten erlebbar.
Kalkschlämme
(rechts)
Jeder Mensch hat seine Handschrift.
So hat auch jeder Putzer einen
anderen Rhythmus in der Putztechnik.
Die besten Wirkungen werden (bei
den meisten Putzarten) erzielt, wenn
die ganze Fassade von „einer Hand“
geputzt wird.
Kreisförmiger
Nagelstrich (links)
Die Lebendigkeit der Oberfläche sowie
der Verzicht auf Putzschienen und
gebrochene Kanten werden als
Qualität und nicht als Mangel verstanden und unterstreichen den Charakter
des Hauses. Farbwirkungen
verändern sich gleichfalls.
Quetschputz
(rechts)
Kreisförmiger
Fächerschlag
(links)
Unregelmäßiger
Kellenstrich
(rechts)
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
39
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.2
3.3.2.3
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.2
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Klinkermauerwerk
Klinker als echtes
Sichtmauerwerk
wurden zwischen
1870 und 1930
häufig bei Industriebauten sowie
öffentlichen Gebäude wie Bahnhöfen, Postgebäuden und Schulen
eingesetzt.
Die Herkunft der Ziegel unterscheidet
sich nach ihrer Farbe, da sich die
jeweiligen Brennöfen in der Nähe der
Gruben befanden.
Heute bieten die Hersteller ein breites
Sortiment an Farbigkeiten und Beschaffenheiten regional unabhängig
an.
Klinker wurden früher sehr verschieden angewendet:
1. als statisches Element – echtes
Klinkermauerwerk,
zur Ausbildung von Bögen, Gewänden, Mauerkanten in Natursteinmauern,
2. als Verblendmauerwerk
- zum Schutz der tragenden
Wand vor Witterungseinflüssen
- aus gestalterischen, modischen bzw. Sparsamkeitsgründen,
3. als Schmuckelement (Traufgesimse, Ortgänge, Fenster- und
Türgewände) an sonst glatt
verputzten Fassaden
4. als freistehende, selbsttragende
Formsteine, z. B. für Zäune oder
Brüstungen.
Die Farbigkeit der
Klinker rührt aus
der Farbigkeit
ihres Grundstoffes
–
Rottöne = Lehme
Gelbtöne = Tone
Links: „Flaschentone“ bei Großräschen mit bräunlicher Brennfarbe.
Je größer ihr
Eisengehalt desto
mehr verändert
sich die Farbe zum
Rötlichen.
Die eisenarmen
Tone des Pleißegebietes bei
Leipzig brennen
bis ins Gelbliche.
Während bei 1. Farbdifferenzierungen
eine untergeordnete Rolle spielen,
wird bei 2. und 3. der Farbkontrast
zwischen gelben und roten Klinkern
bzw. Klinkerfarbton und sandfarbenem
Putzfarbton bewusst provoziert.
Heutiges vielfarbiges Sortiment
eines Anbieters
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
40
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.3
3.3.2
3.3.2.4
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.3
3.3.2
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Bauteilgestaltung
Fassadengestaltung
Schieferverkleidungen
Schieferverkleidete Fassaden, meist
ausschließlich am Obergeschoss und
am Giebel, finden wir in der Lausitz,
im Erzgebirge ebenso wie im Rochlitzer Land.
In der Nähe von Rochlitz, im Umfeld
der Schieferbrüche in Methau, Kralapp
und Penna führte man schon früh
Schieferverkleidungen aus. In der
Oberlausitz sind dagegen erst ab Mitte
des 19. Jahrhunderts, nach dem Bau
der Eisenbahnlinien, Schieferverkleidungen zu finden.
Aus Gründen des Wetterschutzes
vorerst an den Wetterseiten eingesetzt, entwickelten sich bald kunstvolle
Verlegarten und Muster. Nicht selten
lieferten die Schieferbrüche Muster für
die Schablonenschiefer. Die damaligen dick gebrochenen Schiefer hatten
eine feine, schuppige und sehr lebendige Oberfläche, teilweise silbriggrau
glänzend (Schiefer aus Methau),
schwarz bis lichtgrau mit rostroten
Schlieren, die aus Spuren von Eisen
ausbluteten, in der blau-grauen Schieferfarbe Thüringens oder graugrün
glitzernd aus Böhmen. Regelmäßig
verlegten Flächen verlieh dies eine
feine Farbigkeit, die durch Muster aus
dem bewussten Wechsel von hellen
und dunklen Steinen oder durch
Schmuckelemente wie „Sonnen“,
„Halbsonnen“, waagerechten oder
schrägen Bändern ästhetisch noch
gesteigert wurde.
Mit dem Versiegen der hiesigen Vorkommen werden Schiefer etwa aus
Spanien und Portugal oder aus Übersee importiert. Regionaltypische
Farbigkeiten und Oberflächen weichen
auch bei Natursteinen industriellen
Produkten.
„Halbsonne“ in der
Oberlausitz
Schmuckbänder
aus hellen Steinen
in Walddorf / OL.
Neue Techniken
erlauben eine sehr
dünne Spaltung
des Materials. Die
Oberflächen sind
in Struktur und
Farbigkeit sehr
homogen - eine
Schablone gleicht
der anderen – so
dass diese Schieferflächen kaum
noch von Kunstschiefer zu
unterscheiden
i d
Scheune in Penna
bei Rochlitz
Rechts historische
Fassadenverkleidu
ng mit dem am Ort
gewonnenen, grob
gespaltenen
Pennaer Schiefer
Links das erste Sanierungsergebnis
mit Naturschiefer
unbekannter bzw.
internationaler
Herkunft
Sächsisches Land-Bilderbuch
Sächsisches Land-Farbenbuch
41
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.4
3.4.1
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.4
3.4.1
Farbgestaltung
Farbe - Baukörpergliederung
Farbgestaltung
Farbe - Baukörpergliederung
Ländliche Gebäude sind in der Mehrzahl zweigeschossig, von einem
steilen Dach überdeckt. Mit einfachen
Hell-Dunkel-Unterschieden werden
Erd- und Obergeschoss differenziert.
Dies ist in der traditionell verschiedenartigen Bauweise der Geschosse
begründet.:
Erdgeschoss
Mit einfacher Helligkeitszonierung
kann man nicht
nur funktionelle,
konstruktive
Sachverhalte
unterstreichen,
- massiv, oft
Bruchstein, verputzt
sondern auch
einen tektonischen
Ausdruck für das
von unten
(schwer) nach
oben (leicht) Gebaute hervorrufen.
Obergeschoss - Holzständer
- Verkleidung
Diesen Bauweisen würde analog einer
Hell-Dunkel-Differenzierung von Obergeschoss und Erdgeschoss
Obergeschoss - hell – leicht
Erdgeschoss
- dunkel – schwer
entsprechen.
Häufig wird dies jedoch umgekehrt
ausgeführt und endet in einem
spannungsvollen (optisch instabilen)
Zustand: oben – schwer / unten –
leicht.
Tragen und Lasten
sind farblich
ausgewogen
bearbeitet.
Große Kontraste
zwischen Farbe
und „Nicht“-Farbe
erzeugen instabil
erscheinende
Situationen.
Sächsisches Land-Farbenbuch
42
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.4
3.4.1
Farbgestaltung
Farbe – Baukörpergliederung
Das Erdgeschoss ist meist in einem
kräftigen Ton vom Obergeschoss
abgesetzt. Dieser kräftige, z. B. RotTon, wird um die Ecke auf dem Giebel
fortgeführt.
Dieser Farbton rahmt die Giebelfläche,
die unifarben etwas heller und
leuchtender gefasst werden kann.
Ein Farbwechsel sollte nie direkt auf
oder in einer Ecke vorgenommen
werden. Die unterschiedlich behandelten Wandflächen würden sich
verselbständigen, der Körper oder der
Raum seine Geschlossenheit
verlieren. Die Grenze zwischen den
Farben wirken dann unklar und handwerklich unsauber.
Fachwerk als
tragendes, statisches Element und
Ausfachung als
flächenfüllendes,
raumbegrenzendes Element – in
Holz und Putz
sind farblich klar
unterschieden.
Was kann also die farbliche Fassung
der Fassade bewirken:
Farbe gliedert:
- Farbe und Gebäudestruktur
- Bauliche Nachbarschaft
- Baukörper
Gestalt, Größe
Form, Differenzierung
Öffnungsstruktur
- Fassade
Sockelzone
Eingangszone
Geschosszonen
Giebel- und Traufseiten
Dachzone
Die Farbfassung
von Längs- und
Giebelseite sollte
„übereck“ vermittelnd fortgeführt
werden.
Sächsisches Land-Farbenbuch
43
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.4
3.4.2
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.4
3.4.2
Farbgestaltung
Farbe - Fachwerk
Farbgestaltung
Farbe - Fachwerk
Ausfachungen sollten nicht dunkler
bzw. farbaktiver als die tragende Konstruktion gefasst werden.
Ist das Fachwerk heller als die Ausfachung, tritt es optisch zurück und
führt zu „unstatischen“ Wirkungen.
Naturbelassene
Hölzer einer neuen
Fachwerkkonstruktion rahmen
fast goldgelb den
Anstrich der orange-ockerfarbenen
Ausfachungen.
Dass das Fachwerk heller als die
bzw. Ton in Ton
mit den anschließenden Wandflächen gehalten
wird, ist sicher
ebenso selten, wie
der lebendige
lasierte Wandanstrich im orangegelben TerracottaTon, sicher eine
mediterrane Anregung und eine
Bereicherung der
Farbpalette ländlicher Baukultur im
Dresdner Raum.
Links:
Dunkle
Ausfachung –
„unstatische“
Wirkung
Fachwerkkonstruktionen sollten daher,
wie traditionell überliefert, dunkler
bzw. farbaktiver als die Ausfachungen
sein, um die tragende, „statische“
Wirkung der Konstruktion noch stärker
hervorzuheben.
Rechts:
Helle Ausfachung
betont tragende
Wirkung des dunkleren Fachwerks
Allerdings kann ein kräftiger grafischer
Hell-Dunkel-Kontrast die Farbabstimmung überspielen.
Eine feine Farbabstimmung ist daher
notwendig. Die Mitwirkung eines
Fachmanns, eines Architekten oder
Restauratoren wird empfohlen.
Feine Farbabstimmung in Rotbraun
und Ocker.
Die Fenster in
Grün-Grau kontrastieren im so genannten Komplementärkontrast
Sächsisches Land-Farbenbuch
44
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.4
3.4.3
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.4
3.4.3
Farbgestaltung
Farbfassung - Beispiel
Farbgestaltung
Farbfassung - Beispiel
Leulitzer Mühle
Fachwerk freigelegt, die Bearbeitungsspuren deuten auf die frühere
Putzschicht,
Ausfachung, Putz
nur kellengeglättet, nicht verrieben, zweifacher
Begleitstrich
ein Beispiel, das Aspekte der Innenraumgestaltung historischer Gebäude
wie
Funktionalität / Gebrauch /
Lebendigkeit
Befund / Dokumentation /
Konzeption
Materialechtheit / Dekoration /
Handwerk
in eindrucksvoller Weise mit der
Sanierung, Umnutzung, Fassadenund Freianlagengestaltung verbindet.
Türzarge / Türblatt
deckender matter
Anstrich
Türfüllung hell
abgesetzt
Illusionistische
Rahmung mit
Licht- und
Schattenlinie
Wickeltechnik –
Abwickeln eines
Lappens auf
dunklem Grund
Durchblicke eröffnen eine farblich fein
abgestimmte Raumfolge. Sockel in
unterschiedlichen Höhen und unterschiedlicher Gestaltung sowie Friese,
welche die Wand nach unten knapp
über dem Fußboden abschließen,
zieren die Räume.
Neben Schablonentechniken wurden
Begleitstriche frei von Hand gezogen.
Farbigkeit und Form gehen dabei
immer auf die Raumfunktion ein. Zum
Beispiel schmückt der klassizistisch
wirkende Mäanderfries die Bibliothek.
Die Farbfassung
der Innenräume in
Entwürfen auf
Papier vorweggenommen. Farbpalette und Geometrie gründen
sich auf Befunde,
die teilweise aus
anderen Objekten
übernommen
wurden.
Innen wurde auf altem bestehenden
Putz Leimfarbe (geleimte Kreide) und
auf frischen Putz Kalkfarbe (Sumpfkalk in 2 bis 4 Anstrichen) aufgetragen.
Farbigkeit des
Innenraumes
Sächsisches Land-Farbenbuch
45
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.4
3.4.4
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Farbgestaltung
Farbordnungen
3.4
3.4.4
Farbgestaltung
Farbordnungen
Farbtonkreis von
JOHANN WOLFGANG v. GOETHE
(1749-1832
Aus den Urfarben
Gelb und Blau
(Cyanblau) bilden
sich weitere
grundlegende
Qualitäten: Orange
(Orangerot), Rot
(Purpur), Violett
(Violettblau) und
Grün
Als praktische Orientierungshilfe im
Umgang mit Farben werden so genannte „Farbkollektionen“, von Farbherstellern und Farbdesignern angeboten. Dazu dienen hauptsächlich
Farbkarten, Muster in verschiedenen
Größen sowie Farbenfächer, die sich
besonders vor Ort leichter handhaben
lassen.
RAL-DesignSystem:
Farbtonkreis mit
39 Farbtönen, der
im Gelb-RotBereich etwas
dichter besetzt ist,
1688 Nuancen sind
in farbtongleichen
Ebenen untergebracht und nach
Buntton, Helligkeit
und Chroma
(Buntheit) geordnet (H-L-C)
Diese beziehen sich auf sogenannte
Farbsysteme, welche den Farbenraum
meist durch Farbatlanten mit systematisch geordneten Mustern veranschaulichen.
Drei der gegenwärtig gebräuchlichsten
Farbsysteme bzw. -atlanten sind:
- NCS (Natural Color System)
- RAL-Design-System
- Caparol 3D-System.
Diese Farbsysteme sind nach
bestimmten Ordnungskriterien aufgebaut. Die einfachste und bekannteste
Ordnung ist der Farbtonkreis, der
darauf basiert, dass sich die Variablen
der Farbtöne zu einer geschlossenen
zyklischen Reihe ordnen lassen.
Er sollte in der Regel eine gleichabständige Farbtondifferenzierung mit
innerer Symmetrie bilden.
Oberflächenfarben (Körperfarben)
werden im sogenannten „Vollfarbenkreis“ dargestellt.
Am Gebräuchlichsten ist gegenwärtig
die Ordnung nach dem Bunttonwinkel
hab. Dadurch wird eine Einordnung der
Farbtöne in Polarkoordinaten mit dem
Winkel 0° bis 360° möglich. Die Anzahl der Farbtöne richtet sich jeweils
nach der Gebrauchsabsicht.
NCS (Natural Color
System):
Raumraster,
welches sich auf
die idealen Farbempfindungen Rot,
Gelb, Grün, Blau
bezieht
Vier Sektoren mit
je 10 Farbtönen zu
einem Kreis mit
insgesamt 40
Farbtönen
3D System:
Farbtonkreis mit
46, nach ihrer
Verwendbarkeit für
Architektur ausgewählten Tönen,
ungleichmäßige
Anordnung der
Töne mit Häufungen im Gelb- und
Rotbereich, zu den
Ausgangsfarbtönen gehören 46
Farbfamilien
Sächsisches Land-Farbenbuch
46
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.5
3.5.1
Aktuelle Entwicklungen
Umnutzung zu Wohnzwecken
Sanierung und
Umnutzung
in Bärnsdorf
(Radeburg)
Feststellungen:
- Wohnhaus mit
kleinteiliger
Raumstruktur,
niedrige
Deckenhöhen
- Stall Bruchsteinmauerwerk,
durchfeuchtet
- darüber Scheune, Fachwerk,
teilweise ersetzt
durch Mauerwerk, großzügige Raumstruktur
Fazit:
Die Großzügigkeit
und der Bauzustand der Scheune
und des Stalls sind
für die Wohnvorstellungen des
Bauherren mehr
geeignet als das
Wohnhaus.
3.5
Aktuelle Entwicklungen
3.5.1 Umnutzung zu
Wohnzwecken
Wohngebäude werden oft zusammen
mit Nebengebäuden veräußert.
Bevor der Umbau beginnen kann,
sollten die Bedürfnisse des Bauherren den Möglichkeiten, welche die
Bausubstanz bietet, gegenübergestellt werden.
Folgende Vorgehensweise wird
hierbei empfohlen:
Konsultation eines Architekten
Bestandsaufnahme (Aufmaß,
Feststellung von Feuchte- und
Holzschäden)
Mit diesen Untersuchungsergebnissen lässt sich der zu erwartende
Aufwand in Abhängigkeit von den
gewünschten Gebäude- und Raumfunktionen abschätzen.
Realisierung:
- um großzügige
Raumqualitäten
zu erzielen:
Umnutzung der
Scheune und
des Stalls zum
Einfamilienhaus
- Verzicht auf
Mauerwerkstrockenlegung
im ehemaligen
Stall, Nutzung
als Wohndiele
mit Küche, Fußbodenheizung
(Solarthermie)
sorgt für behaglich- trockenes
Raumklima,
- Wohn- und
Schlafräume
sowie Kinderzimmer im „immertrockenen“
Obergeschoss
47
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.5
3.5.2
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.5
3.5.2
Aktuelle Entwicklungen
Wiedernutzung und
Umnutzung
Aktuelle Entwicklungen
Wiedernutzung und
Umnutzung
Der abgebildete denkmalgeschützte
Hof erhebt sich neben Kirche, Friedhof
und Dorfteich in Bärnsdorf von Natursteinmauer und Holzlattenzaun eingefriedet. Bruchsteinwände und Holzbauteile waren stark geschädigt. Die
äußere Gestalt wurde authentisch
wiederhergestellt und mit zeitgemäßen
Details ergänzt.
Fachwerkhaus
Sanierung und Umnutzung
Umbauter Raum
750 cbm
Nettonutzfläche
305 qm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
330 €/cbm
Kgr. 200 – 700
350 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
780 €/qm
Kgr. 200 – 700
860 €/qm
Gesamtkosten
260.000 €
Scheune
Sanierung und Umnutzung
Umbauter Raum
1.260 cbm
Nettonutzfläche
320 qm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
265 €/cbm
Kgr. 200 - 700
290 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
1.025 €/qm
Kgr. 200 – 700
1.130 €/qm
Gesamtkosten
360.000 €
Wohnstallhaus Sanierung/
Wiedererrichtung, Umnutzung
Umbauter Raum
745 cbm
Nettonutzfläche
275 qm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
108 €/cbm
Kgr. 200 – 700
118 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
450 €/qm
Kgr. 200 – 700
480 €/qm
Gesamtkosten
133.000 €
Abkürzung: qm = Quadratmeter, cbm = Kubikmeter
DIN 276 – Kostenschätzung
Förderung ALE
Denkmalabschreibung
48
Denkmalgeschützter
Dreiseithof
in Bärnsdorf
(Radeburg)
Nutzungen:
ehemals:
EG: Küche, Stall
OG: Wohnen
DG: Stauraum
heute:
Ferienwohnungen
EG: Wohnräume
OG: Schlafräume
DG: Schlafräume
Nutzungen:
ehemals:
EG: Garage, Stall
DG: Stauraum
heute:
Einfamilienhaus
EG: Wohnen,
Küche, Heizung,
Hauswirtschaft
DG: Kinderzimmer,
Schlafräume; Bad,
Arbeitszimmer
Nutzungen:
ehemals:
EG: Küche, Stall
OG: Wohnen
DG: Stauraum
heute:
Einfamilienhaus
EG: Wohnküche,
Hobby
OG: Schlafen, Bad
DG: Wohnen
Quelle:
ATELIER 2
ARCHITEKTEN
Radebeul
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.5
3.5.3
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
3.5
3.5.3
Aktuelle Entwicklungen
Funktionswandel
Fachwerkhaus
Nutzungen:
ehemals:
EG: Schmiede
OG: Wohnen
DG: Stauraum
heute:
EG: Versammlungsund Schulungsraum
OG: Vereinsraum
Erweiterung
Feuerwehrgerätehaus, Umkleide,
Dusche, WC
Aktuelle Entwicklungen
Funktionswandel
Umnutzung, Sanierung und Erweiterung einer Schmiede in Reichenbach/OL, OT Meuselwitz zum Feuerwehrhaus, Neugestaltung der
Freianlagen und des Straßenraumes
Die Schmiede, ein Fachwerkhaus mit
massiven Bruchsteinwänden im Erdgeschoss, war an sämtlichen Holzbauteilen stark geschädigt und teilweise
zusammengebrochen, beeinträchtigte
das Dorfbild erheblich und sollte mehrfach abgebrochen werden. Es wies
jedoch kaum störende, unmaßstäbliche bauliche Eingriffe jüngeren
Datums auf.
Als die Feuerwehr ein neues Domizil
suchte, griff der Ortschaftsrat den
Vorschlag der Dorfplanerin auf und
beschloss, das Gebäude zu diesem
Zweck zu sanieren und zu erweitern.
Ansicht sanierte
Altsubstanz mit
neuem Anbau
Ehem. Schmiede Fachwerkhaus
Sanierung und Umnutzung
Umbauter Raum
660 cbm
Nettonutzfläche
93 qm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
250 €/cbm
Kgr. 200 – 700
300 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
1.785 €/qm
Kgr. 200 – 700
2.100 €/qm
Gesamtkosten
196.000 €
Erweiterung Feuerwehrgerätehaus
Umbauter Raum
540 cbm
Nettonutzfläche
113 qm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
155 €/cbm
Kgr. 200 - 700
185 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
745 €/qm
Kgr. 200 – 700
870 €/qm
Gesamtkosten
98.500 €
Abkürzung: qm = Quadratmeter, cbm = Kubikmeter
49
Straßenansicht
Altsubstanz
Quelle:
ATELIER 2
ARCHITEKTEN
Radebeul
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5
3.5
3.5.4
UNSERE GESCHICHTE
WIE WERDEN WIR BAUEN ?
HISTORISCHE TECHNIKEN
NEUE TECHNIKEN
Aktuelle Entwicklungen
Neubau
Ehemaliger „Schmiedehof“
Wohn- und Gewerbehof
3.5
3.5.4
Aktuelle Entwicklungen
Neubau
Nutzungen:
Haupthaus (links)
EG: Gastronomie,
Handel
OG+DG: Büro
Die historische Parzellierung, die
Grundflächen, Baulinien zum Anger,
Trauf- und Firsthöhen und Dachneigungen wurden vom ursprünglichen
Bestand übernommen und an die
Nachbarbebauung angepasst.
Von den historischen Bestandteilen
des Hofes (Haupthaus, Auszugshaus,
Scheune) wurden Maßstab, Proportionen, städtebauliche Kompositionen
und ausgewählte Details übernommen, mit der Architektursprache der
heutigen Zeit übersetzt und mit
Nutzungsanforderungen an Wohnungen, Büro und Gewerbe abgestimmt.
Die Rohbaukonstruktion resultiert aus
den Nutzungsanforderungen und
besteht im Wesentlichen aus Beton,
mit dem die erforderlichen Freiflächen
für die Läden realisiert wurden. Die
Fassaden bieten eine Vielfalt aus
Glasflächen, Holzverkleidungen und
farbig gestalteten Putzoberflächen.
Die Dacheindeckung orientiert sich am
historischen Vorbild. Die Bodenbeläge
im Hof bestehen aus Aufpflasterungen
und gebrauchten Natursteinplatten.
Die gesamte Hofanlage wird mit einer
Gasheizung zentral von der „Scheune“
aus beheizt.
Nutzungen:
„Auszugs-Haus“
(rechts)
EG: Handel
OG: Büro
DG: Wohnen
Nutzungen:
Zwischenbau
EG: Gewerbe
OG: Wohnen
Umbauter Raum
3.670 cbm
Nettonutzfläche
1.098 cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / umbauter Raum
Kgr. 300 + 400
350 €/cbm
Kgr. 200 – 700
425 €/cbm
Kosten (inkl. 19% MwSt.) / Nettonutzfläche
Kgr. 300 + 400
1.170 €/qm
Kgr. 200 – 700
1.410 €/qm
Gesamtkosten
1.565.000 €
Abkürzung: qm = Quadratmeter, cbm = Kubikmeter
50
Nutzungen:
„Scheune“
EG: Künstleratelier
OG+DG: Wohnen
Quelle:
ATELIER 2
ARCHITEKTEN
Radebeul
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Seele and Geist
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