close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

... und wie man sie reinwäscht - Iusletter

EinbettenHerunterladen
SCHWEIZ
19. Juli 2012 DIE ZEIT No 30
11
250 000 000 C
... und wie man sie reinwäscht
A
ls Erstes schnappte man drei Männer
und eine Frau im Alter zwischen 40
und 63, die rein äußerlich ein braves
Büroleben geführt hatten. Doch die
italienischen Behörden zogen gleich
alle Register: Es waren die Antimafia- und Antiterror-Kommandos der Carabinieri ROS, welche
am Morgen des 31. Mai die Verhaftungen durchführten und ein Dutzend Häuser in der Toskana
und im Großraum Rom durchsuchten. Dem »Raggruppamento Operativo Speciale« untersteht auch
die polizeiliche Fahndung in diesem Fall.
Denn es geht nicht nur um eine viertel Milliarde Euro, die verschwunden ist, es geht auch um
Schwarzgeld und Geldwäscherei, es geht um 500
betrogene Italiener, und nach Andeutungen, welche die Carabinieri in der Presse gern streuen,
hängt über dem Ganzen der Schatten der Camorra. Zwei Akteure in diesem Fall sind verwandt mit
legendären Capi der Unterwelt von Neapel.
Mit dem Briefpapier einer Schweizer Gesellschaft namens Rothsinvest, so die Staatsanwaltschaft Florenz, gaukelten die Verhafteten ihren
Opfern vor, ihre Ersparnisse perfekt anzulegen:
erstens in der Schweiz, zweitens bei angesehenen
Bankhäusern wie Rothschild und Falcon, drittens
mit einer sicheren Rendite um 10 Prozent – und
viertens anonym, ohne Einblick für die Steuerbehörden. »Die sammelten das Geld buchstäblich
in Kuverts ein«, erzählt ein Insider, »auch hunderttausend Euro aufs Mal.« Die Geschädigten waren
Menschen aus dem Mittelstand, so wie der Rentner aus Grosseto, der jetzt 80 000 Euro vermisst.
Wie der Schuhfabrikant aus Fucecchio. Oder wie
die Gynäkologin in Rom, die laut einem Ermittler
erklärte: »Ich habe ein Kontokorrent bei der Bank
Monte dei Paschi, und ich habe flüssige Mittel,
weil bei mir einiges schwarz anfällt.« Im Gegenzug
erhielten sie Zertifikate mit sauberen Unterschriften und einem wuchtigen Briefkopf: RothsInvest
Asset Management, Zug, Svizzera.
Der Fall erzählt vieles über Italien, er erzählt
aber auch viel über die Schweiz. Als Hauptverdächtigen benannten die Carabinieri einen gewissen Robert Da Ponte, 63 Jahre alt, zuletzt wohnhaft im Badeort Roccamare. Von einer fantastischen Villa aus soll er die Geldsammler angeleitet
haben, um dann, Mitte Mai, plötzlich unterzutauchen; vergangene Woche verhaftete ihn die Polizei
in München. Seit sechs Jahren führte ihn die Zuger
Rothsinvest als Spitzenmann, erst als Verwaltungsratsdelegierten, dann als Direktor, wobei sich Da
Ponte auf dem Handelsamt mal als britischer und
mal als amerikanischer Staatsbürger auswies.
Die Schweiz als sicherer Hafen der anderen
Art: Man kennt das. In ganz Europa verkaufen
Anlagebetrüger grandiose Geldchancen mit Alpen-Bildern und weißem Kreuz auf den Prospekten. Kurios an der Toskana-Affäre ist höchstens,
dass sich hier eine Gruppe die Mühe machte, eine
reale Gesellschaft zu benutzen. Rothsinvest wurde
von ein paar Italienern buchstäblich gekapert – so
die Darstellung ihres Verwaltungsrates. Tatsächlich
bestand die Firma schon seit Dezember 2002, UnANZEIGE
P
gP
welcome to switzerland̕s finest club festival
12. J
– 12. A g
.
j
2012 S . M
. h
ternehmenszweck: Vermögensberatung. Sie war gegründet worden von Nathan Rothschild, einem
Anwalt aus Zürich, mit dessen klangvollem Namen die Geldanwerber in Italien dann eifrig hausierten, und Manuel Brandenberg, einem Anwalt
aus Zug. Seinetwegen fanden die jüngsten Aktionen der Carabinieri auch in der Schweiz rasch Beachtung, denn mit Brandenberg, 40, fand sich
plötzlich ein aufstrebender SVP-Politiker in der
Affäre: Kantonsrat in Zug, Stadtparlamentarier,
Kampagnenchef, Kantonsparteipräsident und ausgerechnet der Delegierte der Volkspartei in der
Arbeitsgruppe zur Ausschaffungsinitiative – wie
sehr sich solche Funktionen mit einer Gesellschaft
wie Rothsinvest vereinbaren lassen, wird die Parteipolitiker wohl noch etwas beschäftigen. Zumal
sich hinter Robert Da Pontes Toskana-Fiktion eine
Geldwaschmaschine größeren Stils auftut.
Rothschild und Brandenberg zogen in ersten Stellungnahmen eine scharfe Linie: Es gab
und gibt eine seriöse Vermögensverwaltungsfirma in Zug, mit zufriedenen Kunden – und es
gab Robert Da Ponte, der in Norditalien mit
Rothsinvest-Signeten ein Theater aufzog. »Das
Unternehmen wurde missbraucht«, sagte Brandenberg in einem ersten Statement. Dass ein
Direktor hinter dem Rücken der Gesellschaft
solch eine kriminelle Aktivität entwickle – dies
habe der Verwaltungsrat nicht ahnen können.
Die Protokolle der italienischen Staatsanwälte
– vieles davon liegt der ZEIT vor – bestätigen
dieses Bild: In den Aussagen der Verdächtigten
bleiben Rothschild und Brandenberg bloß
Randfiguren, vereinzelt spürt man sogar erhebliche Verachtung gegenüber den Schweizern.
Das degradiert Rothsinvest zu einer jener
Briefkastenfirmen, wo der Verwaltungsrat keine Ahnung hat, was er da verwaltet. Nicht unbedingt ein Fall für hiesige Kriminalermittler,
aber vielleicht Stoff für Zivilklagen wegen
Nachlässigkeit. Eine große Kanzlei in Mailand,
La Scala, kündigt denn auch an, dass sie Schadenersatzforderungen gegen Rothsinvest in der
Schweiz einreichen will: »Das ist sogar mein
Hauptanliegen«, sagt Rechtsanwalt Paolo Bruno; er vertritt unter anderem ein Rentnerpaar,
das all seine Pensionsgelder verloren hat.
Doch hinter dem Betrug an den Sparern
öffnet sich eine zweite Ebene. Robert Da Pontes Kartenhaus stürzte ein, als die Schweizer
Behörden die Konten einer ganz anderen Zuger Firma sperrten. Die TMS Group, so der
Name, betreibt laut Registereintrag »Handel
mit Öl, Gold, weiteren Edelmetallen und Zement, im Weiteren mit Nahrungsmitteln wie
Hummer«, und sie hatte dieselben Koordinaten wie Rothsinvest: Poststraße 9, Zug. Es ist
die Adresse von Manuel Brandenbergs Büro.
Foto [M]: Internet
Alles redet von Steuerbetrug und Daten-CDs. Der Fall Rothsinvest zeigt: Auf dem Finanzplatz Schweiz ist noch mehr faul
Spanien, Schweiz, Italien, USA:
Netzwerker Robert Da Ponte
Krebs und gegen Beschwerden der Wechseljahre,
und sie ist an der Nachwuchsbörse Nasdaq kotiert.
Als Rothsinvest einsteigt, wird die Aktie mit 1,25
Dollar bewertet, danach geht es stetig abwärts. Bis
Ende 2011 verliert der »Penny Stock« drei Viertel
seines Wertes. Im Januar 2012 beantragt die Gesellschaft, von der Nasdaq gestrichen zu werden. Im
Februar meldet sie, man könne keinen Jahresbericht
veröffentlichen. Im März entlässt sie alles Personal.
Auf der anderen Seite gönnte das Unternehmen,
das 265 000 Dollar umsetzt, seinen Direktoren
letztes Jahr 1,3 Millionen Dollar an Honoraren.
War Bionovo bloß eine missglückte Anlage?
Pech? Oder öffnet sich hier ein weiterer Seitenarm
in den Finanzkanälen des Robert Da Ponte? Dass
über seine Firma Gelder versteckt wurden, weist
der Gründer von Bionovo weit von sich: »Wir betreiben ernsthafte Wissenschaft«, sagt Isaac Cohen,
»und ich bin immer noch überzeugt, dass wir ein
gutes Produkt entwickeln könnten.« Bei einem Besuch in Zürich 2010 habe er Robert Da Ponte für
seine Forschungen begeistern können. Aber eine
VON RALPH PÖHNER
detaillierte Erklärung für die Motive der Investoren
aus der Schweiz hat er nicht. »Vielleicht Gier?«,
fragt Cohen. Und so bleibt bloß die Feststellung,
dass hier eine Innerschweizer Vermögensverwaltungsfirma, die zuvor nie als Biotech-Investor von
sich reden machte, in Kalifornien zum Hauptaktionär eines kühnen Medizin-Labors aufstieg.
Was Realwirtschaft ist und was Fiktion, was
brave Vermögensverwaltung ist und wo ein Geldabgreifer-Geflecht beginnt, was Einzelfall, was Zufall: Es bleibt zu untersuchen. Betont sei, dass die
Unschuldsvermutung gilt, gerade für die Schweizer
Beteiligten. Die Bundesanwaltschaft startete eine
Strafuntersuchung, aber stellte schon am ersten Tag
klar, dass man »nicht gegen die Verwaltungsräte der
Rothsinvest Asset Management« ermittle. Die Aufsichtsbehörde Finma hatte Rothsinvest niemals auf
der schwarzen Liste, welche vor zweifelhaften Finanzfirmen warnt. Die Zuger Staatsanwaltschaft
hat kein Verfahren eingeleitet.
Der Fall erzählt viel über Italien. Er erzählt aber
auch allerhand über die Schweiz.
CH
IM SOMMER
8. August – 15. September 2012
Die Spanier ermitteln, die Schweizer
blockieren, die Italiener schlagen zu
Am 12. April, kurz vor Mittag, sperrte das Fedpol alle Konten der TMS, unter anderem bei
zwei Banken in Genf. Die Aktion geschah auf
Bitte der spanischen Zollbehörden, die einem
internationalen Geldwäschereifall nachspürten:
Bei Immobiliengeschäften zwischen der Provinz Valencia und der Toskana sollen Schwarzgelder in großem Stil verschoben worden sein.
Die Blockade in der Schweiz löste Panikwellen aus, welche die Carabinieri 500 Kilometer weiter südlich fast live verfolgen konnten:
Sie hörten die Rothsinvest-Makler seit Wochen
ab. Robert Da Ponte telefonierte in den folgenden Stunden mit seinen Vertrauten – um mitzuteilen, dass er nicht mehr zahlen könne. Die
Schweizer, so seine Erklärung, hätten die Gelder von »Rothsinvest Capital« gesperrt.
Offenbar hatten die Spanier en passant die
doppelte Buchhaltung unterm Markendach
von Rothsinvest zerstört. Aus den TMS-Konten bezahlte Da Ponte wohl die Honorare der
Vermittler, und es gibt Hinweise, dass er von
hier auch beruhigende Zinsszahlungen an seine
»Anleger« überwies. Nur Tage nach der Blockade tauchten jedenfalls die ersten Italiener in
Zug auf, im Gepäck irgendwelche RothsinvestZertifikate, und fragten bang nach ihrem Geld.
Der Schneeball war zerplatzt.
Manuel Brandenberg hatte zu dem Zeitpunkt bereits reagiert. Gleich nach dem spanisch-helvetischen Einsatz trat er aus dem
TMS-Verwaltungsrat und warf die Firma an
der Poststrasse hinaus. Das Spiel wiederholte
sich nach der Verhaftungsaktion der Carabinieri: Der Rothsinvest-Verwaltungsrat strich seinen Direktor Robert Da Ponte flugs aus allen
Funktionen, und er verlegte die Adresse von
Zug an die Eisengasse in Zürich. Dort, in einem Zweckbau aus den Siebzigern, führt heute
eine Klingel zu Rothsinvest. An einem Briefkasten nebendran steht: DA PONTE.
Weshalb er auch in einem spanischen Geldwäscherei-Verfahren auftaucht, will Brandenberg nicht kommentieren – zu TMS könne er
sich »aus Gründen des Anwaltgeheimnisses«
nicht äußern. Der Rothsinvest-Verwaltungsrat
gibt keine Stellungnahmen mehr ab. Offen
bleiben damit auch Fragen zu einem anderen
rätselhaften Geschäft. Im Februar 2011 übernimmt Rothsinvest für gut 5 Millionen Dollar
Aktien einer Firma namens Bionovo Inc. in
Emeryville bei San Francisco. Bionovo forscht
laut eigenen Angaben an Medikamenten gegen
Maurizio Pollini (Foto: Mathias Bothor/DG)
Hélène Grimaud (Foto: Mat Hennek/DG)
Mariss Jansons (Foto: Astrid Ackermann)
Baiba Skride (Foto: Marco Borggreve)
Valery Gergiev (Foto: Alberto Venzago)
Musikalisches Gipfeltreffen: Erleben Sie die weltberühmten Orchester, die legendären Dirigenten
und die virtuosen Solisten bei LUCERNE FESTIVAL im Sommer.
Auszug aus dem Programm
Sinfoniekonzert 1
Sinfoniekonzert 11
Sinfoniekonzert 19
Donnerstag, 9. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Sonntag, 26. August | 11.00 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Dienstag, 4. September | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Mahler Chamber Orchestra | Chor des Bayerischen Rundfunks | Schwedischer Rundfunkchor | Daniel Harding Dirigent | Mari Eriksmoen
Sopran | Bernarda Fink Alt | Andrew Staples und
Andrew Kennedy Tenor | Franz-Josef Selig Bass
Werke von Schubert und Schumann
The Cleveland Orchestra |
Franz Welser-Möst Dirigent
Smetana «Má Vlast»
City of Birmingham Symphony Orchestra |
Andris Nelsons Dirigent | Baiba Skride Violine
Gubaidulina Violinkonzert Nr. 1 «Offertorium» |
Schostakowitsch Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 60
«Leningrader»
Sinfoniekonzert 6
Montag, 20. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Luzerner Sinfonieorchester | James Gaffigan |
Hélène Grimaud | Hans Christoph Begemann
Wolfgang Rihm «Nähe fern 1-4»
Johannes Brahms Konzert für Klavier und
Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15
Sinfoniekonzert 8
Donnerstag, 23. August 2012 | 19.30 | KKL Luzern, Konzertsaal
Orchestre des Champs-Elysées | Collegium
Vocale Gent | Philippe Herreweghe Dirigent |
Solisten
Werke von Brahms und Bruckner
Sinfoniekonzert 9
Freitag, 24. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
London Symphony Orchestra |
Valery Gergiev Dirigent
Prokofjew «Cinderella»
Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets unter
www.lucernefestival.ch
Pollini Perspectives 4
Donnerstag, 30. August | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Maurizio und Daniele Pollini Klavier | Klangforum
Wien | Neue Vocalsolisten Stuttgart |
Tito Ceccherini Dirigent
Werke von Sciarrino (Uraufführung) und Beethoven
Young | Familienoper
Sinfoniekonzert 22
Freitag, 7. September | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Orchestra |
Pierre Boulez Dirigent | Deborah Polaski Sopran |
Produktionsteam IRCAM
Werke von Manoury, Harvey und Schönberg
Sonntag, 2. September | 14.00 Uhr | KKL Luzern, Luzerner Saal
LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Ensemble |
Knaben und Mädchen der Luzerner Kantorei |
Clement Power Dirigent | Solisten
de Falla «Meister Pedros Puppenspiel»
Sinfoniekonzert 24
Sinfoniekonzert 17
Sinfoniekonzert 26
Sonntag, 2. September | 18.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Mittwoch, 12. September | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Königliches Concertgebouworchester |
CBSO Chorus | Mariss Jansons Dirigent |
Sergej Leiferkus Sprecher
Werke von Schönberg, Strawinsky, Barber
und Varèse
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und
Freiburg | EuropaChorAkademie | Sylvain
Cambreling Dirigent | Franz Grundheber Moses |
Andreas Conrad Aron
Schönberg «Moses und Aron»
(Konzertante Aufführung)
Sonntag, 9. September | 19.30 Uhr | KKL Luzern, Konzertsaal
Münchner Philharmoniker | Lorin Maazel Dirigent
Mahler Sinfonie Nr. 9 D-Dur
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
4
Dateigröße
248 KB
Tags
1/--Seiten
melden