close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Ein Ton wie Samt - Kongress am Park - Augsburg

EinbettenHerunterladen
Feuilleton regional
36
NUMMER 296
In die Stille
lauschen
Feuilleton kompakt
HEIILIG KREUZ IN AUGSBURG
Jukevox singen
Weihnachtslieder
Die Domsingknaben
im Goldenen Saal
Schon seit Längerem tritt das
A-cappella-Ensemble Jukevox einen Tag vor Heilig Abend in katholisch Heilig Kreuz in Augsburg
auf. Um 19 Uhr findet am 23. Dezember das kurze, stimmungsvolle
Weihnachtssingen statt. Die Musiker haben vor, ihrem Publikum
den Vorweihnachtsstress zu nehmen
und es in Feststimmung zu versetzen. Wie immer werden Jukevox
von allem ein bisschen servieren
und sowohl traditionelle Adventsund Weihnachtslieder im klassischen Satz als auch augenzwinkernden Weihnachtspop. Von „alpenländisch“ bis amerikanisch, von
klassisch bis jazzig-poppig, von
besinnlich bis groovig – für jeden
soll etwas dabei sein. Der Eintritt
ist wie immer frei. (AZ)
VON MANFRED ENGELHARDT
PARKTHEATER
Gerd Anthoff liest Thomas
Weihnachtsgeschichte
Der Schauspieler Gerd Anthoff liest
am heutigen Montag um 19.30
Uhr im Parktheater in Göggingen
Ludwig Thomas Weihnachtsgeschichte „Heilige Nacht“. Begleitet
wird er dabei von den Eschenloher
Sängern. Bayerisch und besinnlich
geht es bei beiden zu. GrimmePreisträger Anthoff, bekannt aus Serien wie „Der Bulle von Tölz“
oder „Unter Verdacht“, taucht feinfühlig und pointiert in Thomas
Nacherzählung ein. Der altbayerischen Mundart wird er genauso
gerecht wie der Versform. Die bayerische Version der Weihnachtslegende verlegt die Handlung nach
Bayern und zwar in das Kriegsjahr
1916. (AZ)
LEOPOLD-MOZART-ZENTRUM
Kammermusik beim
Studentenkonzert
Die Violinisten Nathalie Schmalhofer und Ne-Lee Young (beide aus
der Klasse Linus Roth) treten begleitet von Sooyoung Lee (Klavier)
am heutigen Montag um 19.30 Uhr
im Konzertsaal des Leopold-Mozart-Zentrums (Maximilianstraße
59 in Augsburg) auf. Auf ihrem
Programm stehen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig
van Beethoven, Claude Debussy
und Pablo de Sarasate (AZ)
Als Vollblut-Jazzmusiker erlebte auch das Publikum in der Stadthalle Gersthofen den Saxofonisten Max Greger senior.
Foto: Eric Zwang-Eriksson
Ein Ton wie Samt
Jazz Stürmischer Applaus für den 87-jährigen Max Greger sen. in der Stadthalle Gersthofen
VON ERIC ZWANG-ERIKSSON
Hatte das Programm auch einiges
jenseits des betagten Herren zu bieten, waren viele Zuschauer doch nur
wegen ihm gekommen. Denn als
Max Greger Senior nach 30 Minuten
„Vorprogramm“ endlich die Bühne
betrat, setzte ein nicht enden wollender Applaus ein. Er war der unangefochtene Star der Swinging
Christmas, die am Samstag die Herzen der Besucher in der Stadthalle
Gersthofen wärmte.
Konzipiert von Max Greger junior, der auch für sämtliche Arrangements verantwortlich zeichnete,
hatte das weihnachtliche Konzert
ein facettenreiches Programm zu
bieten. Allein die beiden Vokalisten,
die zunächst das Konzert gestalteten, sorgten für spannende Abwechslung und setzten jeweils eigene Akzente.
Fürs klassische Weihnachts-Repertoire in swingender Attitüde
sorgte die aus New York stammende
Eva Leticia Padilla, die mit ihrer
markanten, leicht rauen Stimme
durch das „Winter Wonderland“
führte und dem Rentier Rudolph zu
tänzelndem Leben verhalf. Ihre
Vorfahren aus Mexico und Puerto
Rico brachen sich im „Besame Mucho“ eindrucksvoll Bahn.
Vokalist Tony Bulluck, der zugleich die elektrische Gitarre mit erdigem Ton bediente, brachte mit
„Driving Home For Christmas“ von
Chris Rea und einer satten Bluesnummer einen populären Strang abseits des Swing in die Darbietung.
Ausdrucksstark
und formvollendet
So gut die beiden Vokalisten auch
agierten, gehörte der Abend doch
ganz dem Senior. Und der blies sogleich ein „Petite Fleur“, das so
manchem
Geschwindigkeits-berauschten Newcomer die Leviten
gelesen hätte. Was für ein samtener
Ton, welch eine emotionale Kraft
immer noch in diesem Mann, die-
sem Urviech der deutschen Jazzszene steckt.
Sanft wie ein Windhauch ließ der
Träger des Bundesverdienstkreuzes
1. Klasse und des Bayerischen Verdienstordens die Ballade „Stardust“
ertönen und interpretierte das anschließende Medley deutscher
Weihnachtslieder ausdrucksstark
und formvollendet.
Mit der „Sentimental Journey“
begab sich Max Greger senior
schließlich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit: „Der Krieg war
vorbei und wir konnten endlich das
spielen, was wir immer spielen wollten“, erklärte der 87-Jährige. Und
das hatte er getan, damals nach
Kriegsende in den amerikanischen
Offizierskasinos, und hatte so den
Beginn seiner langen Karriere markiert.
Sein Sohn zeigte sich eher zurückhaltend, spielte dienlich begleitend und stellt in nur wenigen Soli
sein Können unter Beweis. Ebenso
die Rhythmusgruppe, die mit Mini
Schulz am Kontrabass und Obi Jenne am Schlagzeug hervorragend besetzt war. Letzterer durfte zu „Jingle Bells“ ein Solo aufs Parkett legen, dass alle Glocken läuteten, worauf hin Greger senior nur kopfschüttelnd meinte: „Ich weiß nicht,
warum ein Mensch sich freiwillig so
anstrengt.“
Max Greger senior ist immer
noch ein Schelm, der gerne lacht,
besonders über sich selbst. Seinem
Stil ist er seit fast 70 Jahren treu, er
verzichtete auch während des Konzertes in der Stadthalle Gersthofen
auf große musikalische Gesten und
zog die Kraft aus dem warmen Ton
seines Instrumentes und einer fast
poetischen Phrasierung.
Dass er aber auch anders kann,
bewies der rüstige Herr im als Zugabe von allen Beteiligten dargebotenen Rock’n’Roll-Medley. Das drei
Generationen umfassende Publikum
dankte dem deutschen Jazz-Heroen
mit lang anhaltendem Applaus und
Begeisterungs-Bekundungen.
Der Sänger, der mit Rollen spielt Opulenz, fast Kitsch
Hip-Hop Alligatoah bereitet in der ausverkauften Kantine puren Spaß
VON ERIC ZWANG-ERIKSSON
Letztes Jahr war der Rapper Alligatoah noch mit der Band Trailerpark
unterwegs, nun startete der Berliner
im Alleingang durch und füllte die
Kantine für sein 90-minütiges HipHop-Feuerwerk bis an ihre Grenzen. So allein war er dann doch
nicht. Schließlich hatte der im Tropen-Outfit agierende Alligatoah neben einem Stuhl, den er seinen Fans
genüsslich vorenthielt („Ihr würdet
auch gerne sitzen, ich weiß, haha!“),
noch den eigenen Butler mit auf der
Bühne. Der heißt im wahren Leben
Stefan Schwensow, dürfte aber den
meisten unter seinem Künstlernamen BattleBoi Basti bekannt sein.
Alligatoah ist eine Kunstfigur,
nicht nur Künstlername. Bereits für
die ersten Internet-Videos, durch
die der mittlerweile 24-Jährige zu
Ruhm und Ehren kam, hatte der in
Langen (Niedersachsen) geborene
Lukas Strobel, so Alligatoahs bürgerlicher Name, die beiden Alter
Egos Kaliba 69 und DJ Deagle erschaffen. Mittlerweile streift er sich
für seine Auftritte nur noch die Rolle Alligatoah über.
Was Alligatoah ausmacht, ist sein
sympathisches Naturell. Mit seiner
dekadenten Art erinnert er an Falco,
mit seiner Coolness an Frank Zappa,
mit seinen humorvollen Texten an
einen Comedian; das alles geeint
durch Ironie, die auch vor dem
Künstler nicht haltmacht.
Musikalisch zeigte sich der WahlBerliner nicht minder vielseitig. Oft
MONTAG, 23. DEZEMBER 2013
die Rockmusik zitierend, bestanden
die vorproduzierten Tracks aus eingängigen Melodien und mitreißenden Beats. Dass Alligatoah selbst zur
E-Gitarre griff und in der Mitte seines Konzertes gar ein akustisches
Set mit akustischer Gitarre zum
Besten gab, wies auf Strobels hohe
Musikalität hin.
Es war ein Konzert voller Spaß.
Perfekte Unterstützung erhielt Alli-
gatoah durch die ausgeklügelte
Light-Show. Sein junges Publikum
war völlig aus dem Häuschen und
sang ausnahmslos die kompletten
Texte der Songs mit.
Wer keine Karte mehr ergattern
konnte, sei getröstet. Aufgrund der
ausufernden Nachfrage hat die Kantine am 29. Januar im Kongress am
Park ein zusätzliches Konzert mit
Alligatoah anberaumt.
Mit einem Staubsauger kämpft der Hip-Hopper Alligatoah unter anderem in der ausverkauften Kantine.
Foto: Eric Zwang-Eriksson
Tanz Staatsballett Belarus in der Kongresshalle
VON AGNES MAYER
Ein Glitzern, soweit das Auge
reicht. Bei der Aufführung des Bolschoi Staatsballetts Belarus/Minsk
von Tschaikowskys „Nussknacker“
trafen goldfarbene Pailletten auf
funkelnde Kristalldiademe und
schimmernde Satinstoffe. Opulente
Kostüme und eine in den Kitsch abdriftende Weihnachtskulisse lenkte
oftmals vom eigentlichen Können
der Tänzer ab. Unter der künstlerischen Leitung von Juri Trojan bot
die Kompanie am Mittwochabend
im Kongress am Park eine überladene Inszenierung dar, die trotzdem
vor allem Kinderaugen zum Staunen
brachte.
Die üppige Besetzung – darunter
zahlreiche Preisträger internationaler Ballettwettbewerbe – traf an diesem Abend auf nur spärlich besetzte
Zuschauerreihen. Nur etwa ein
Drittel der Plätze im Publikum war
verkauft. Entsprechend zaghaft fiel
bis auf ein paar vereinzelte Bravorufe der Applaus aus.
Das Märchen vom Nussknacker
erzählt die Geschichte eines Weihnachtsfestes, das eine unerwartete,
fantastische Wendung nimmt. Der
Patenonkel Drosselmeier schenkt
den Kindern auf der Feier einen hölzernen Nussknacker. Doch keinem
gefällt die komische Figur, nur Marie ist fasziniert und schließt sie sofort in ihr Herz – zum Spott der anderen. Als das Fest zu Ende ist, gehen alle Kinder zu Bett. Doch Marie
kann nicht einschlafen. Sie schleicht
sich zurück in den Festsaal. Dort
verwandelt sich der Nussknacker
plötzlich in einen schönen Prinzen.
Zusammen mit dem Patenonkel
Drosselmeier entführt er Marie in
eine Märchenwelt voller tanzender
Schneeflocken, Zinnsoldaten und
Kerzenleuchter.
Choreografin Alexandra Tichomirowa legte hohen Wert auf die
Ästhetik der goldenen Epoche des
Balletts, entsprechend klassisch
kommt das Stück daher. Moderne
Einflüsse erkennt man höchstens bei
der Schlacht der Mäuse mit den
Pfefferkuchen-Soldaten. Doch dem
Bolschoi Ballett ist es auch besonders wichtig, das russische Erbe aufrechtzuerhalten und nicht durch
fremde Eingriffe zu verunstalten.
Herausragender
Spitzentanz
Unter den Hauptdarstellern sticht
besonders Ljudmila Chitrowa als
Marie heraus. Sie versprüht Frische,
ihre Gestik und Mimik wirkt natürlich – ein Kontrast zum aufgesetzten, oftmals starren Lächeln ihrer
Mittänzerinnen. Beim „Tanz der
Zuckerfee“, dessen Melodie bekannt ist aus mehreren Werbespots,
hat sie die Bühne für sich alleine.
Die Zuschauer haben erstmals die
Möglichkeit, sich voll auf sie zu
konzentrieren, ohne dass ihre Augen
auf die anderen Tänzer der Kompanie abschweifen. Und Chitrowa
nutzt ihren Moment: Mit Leichtigkeit nutzt sie den Raum für sich und
ihren herausragenden Spitzentanz.
Selten war das Adventskonzert der
Domsingknaben so nah am weihnachtlichen Geschehen – zwei Tage
vor Heiligabend. Rein musikalisch
sind die drei Konzerte im Goldenen
Saal des Rathauses jedoch immer
nahe an der wunderschönen Botschaft. Reinhard Kammler hatte
sein Ensemble, das in sakralen Räumen ebenso wie im Konzertsaal und
auf der Opernbühne gerühmt wird,
auf subtilen, farbigen Klang eingestimmt. Im 25. Benefizkonzert zugunsten des Rathauses freute sich
der „Verein zur historischen Wiederherstellung des Goldenen Saals“
über die – in jeder Hinsicht kostbare
– Zuwendung der Domsingknaben.
Das sorgfältig austarierte Programm durchzog ein weites Feld:
von der Strenge klösterlicher Vertiefung bis zum Liedschatz älplerischer Frömmigkeit. So war der erste
Teil den respondierenden Gesängen
meditativer Gregorianik gewidmet.
Im Raum verteilt, ließ der Chor das
„Veni, redemptor gentium“ aus
dem 4. Jahrhundert, das vom Wunder der jungfräulichen Geburt des
Erlösers berichtet, mit einstimmiger
schlanker Intensität und expressiver
Piano-Forte-Dynamik in die gespannte Erwartung strömen. Heinrich Fincks vierstimmige Renaissance-Version des „Veni“ und Michael Praetorius’ „Nun komm der
Heiden Heiland“, eine achtstimmige Kostbarkeit, sowie weitere polyphone Meisterwerke waren plastisch und bewegt realisiert.
Der wunderbare Kern
der alten Lieder
Im eher volkstümlichen, nichtsdestotrotz musikalisch anspruchsvollen
Teil der Adventslieder, Marienlobpreisungen und Hirtenszenen (u.a.
„Maria durch den Dornwald ging“
bis „Die Nacht ist verschwunden“)
wurde der Ton der adventlichen Erwartung freudig-fröhlicher. Die
Sätze von Franz Beyer, Arthur
Piechler, Karl Norbert Schmid oder
auch Max Eham berührten durch
das feine harmonische und gestische
Raffinement ihrer behutsam modernisierten Anpassung, mit eindrucksvoll eingewobenen stillen Momenten. Sie verdeckten nie den wunderbaren Kern der alten Lieder.
Auch hier sorgte Kammler in der
variierten Aufstellung der Stimmblöcke im Raum für eindrucksvoll
„stereophonisch“ belebende Wirkungen. Mit roten Westen und Jankern, die zum Schluss den klassischen Domsingknaben-Pullover ablösten, wurde auch optisch der süddeutsch-österreichische Programmteil der innig-frommen Jodler und
Naturstimmungen abgehoben. Wie
der Augsburger Edelchor die Linien
ineinander flocht, den Klang aufbaute, den Nachhall als Lauschen in
die Stille zelebrierte, dies holte
Kammler mit großer Akkuratesse
heraus. Beseelt wurde das Publikum
mit dem ätherisch verklingenden
„Andachtsjodler“ in den Christkindlesmarkt zwei Stockwerke tiefer entlassen.
Domsingknaben auf CD
● Aktuell haben die Augsburger
Domsingknaben ihrem reichen
CD-Katalog eine neue Aufnahme hinzugefügt. Die schönsten Lieder aus
dem neuen „Gotteslob“ bietet 25
Beispiele traditioneller, teils nicht
so bekannter Kirchenlieder – geschmeidig, farbig, mit schlichter
Noblesse gesungen. Viele Gesänge
sind stimmig gesetzt von Karl Erhard und Claudia Waßner, der Domorganistin. (WeltbildMusic).
● Auch auf der vorher erschienen
Berliner Renommier-CD der Domsingknaben der Deutschen Grammophon „Frohe Weihnachten!“ brilliert der Chor mit Juwelen seines Repertoires, im Verein auch mit den
Weltstars Anna Prohaska (Sopran),
Daniel Hope (Violine) und Albrecht
Mayer (Oboe). (DG 477 9847). (me)
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
21
Dateigröße
210 KB
Tags
1/--Seiten
melden