close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

111 wie etwa der Lindenstraße, aber auch der sogenannten - FSF

EinbettenHerunterladen
tv diskurs 61
Fernsehunterhaltung
Aufsätzen für einen komplexen,
wie etwa der Lindenstraße, aber
integrativen Ansatz, der beide
auch der sogenannten „quality-
Fernsehen ist Unterhaltung
Aspekte zusammenfügt, für ei-
dramasoaps“ – erkennt Müller
schlechthin, und viele haben
nen „pragmatisch-ästhetischen
funktionale Kompensations-
kaum mehr als diese(s). Mit
Unterhaltungsbegriff“ (S. 35 ff.):
strategien des Mediums, um die
seiner anhaltenden Kommerzia-
Unterhaltung sei per se Prozess
realen Veränderungen in der
lisierung, Deregulierung und
und Beziehung zugleich, werde
Gesellschaft symbolisch-ästhe-
Digitalisierung formieren sich,
professionell und institutionell
tisch abzufedern. Der zweite
so die These des Autors (Hoch-
produziert, habe medial-textli-
Fokus richtet sich auf die an-
schullehrer für Film und Fernse-
che Materialität, Form und Qua-
haltende Internationalisierung
hen an der Universität Utrecht),
lität und werde in rezeptiven Si-
der Fernsehprogramme, wie
Medien, Kultur und Freizeit ge-
tuationen vom Publikum aktuali-
sich insbesondere an den viel-
nerell als Unterhaltung, „ent-
siert und erlebt. Keine Dimensi-
fach angepassten, „hybriden“
grenzen“ sich und generieren
on könne ignoriert oder auch
Fernsehshows zeigt.„Fernseh-
eine allgegenwärtige „Unter-
nur relativiert werden, so das re-
unterhaltung nach dem Fern-
haltungsöffentlichkeit“. Gleich-
sümierende Credo.
sehen“ sind die drei letzten
zeitig wird Unterhaltung mehr
Die folgenden elf Texte, die
Texte überschrieben: Zunächst
und mehr geschätzt, habe ihre
zwischen 2001 und 2008 ent-
diskutiert Müller den ebenfalls
„Umwertung“ (S. 17 ff.) in den
standen, mehrheitlich in der
vielfach bemühten Begriff der
öffentlichen Diskursen stattge-
Zeitschrift „Montage/AV“ ver-
Interaktivität, den er schon für
funden. Trotz dieser Dominanz
öffentlicht und für diesen Band –
das Fernsehen reklamiert; so-
haben sich jedoch die einschlä-
Grundlage für die Habilitation
dann zeigt er seine Transforma-
gigen Wissenschaften, die Kom-
an der Universität Hamburg
tionen und auch die der gesam-
munikations- und Kulturwissen-
2008 – überarbeitet worden
ten Unterhaltung infolge von
schaften, lange Zeit wenig um
sind, führen auf besagte Kon-
Digitalisierung und Konvergenz
Unterhaltung, um ihre textlich-
zeption hin bzw. exemplifizieren
in Medienensembles auf, um
medialen Formate und ihre em-
sie auf analytisch-heuristische
schließlich – gewissermaßen
pirischen Dimensionen geküm-
Weise: Im ersten Teil geschieht
als Ausblick – Potenziale des
mert. Erst in den letzten Jahr-
dies in drei Texten am Beispiel
Mediums zu eruieren, die er als
zehnten habe sich jene wissen-
des Massen- wie Medienphäno-
wachsende Partizipation, als
schaftliche Ignoranz reduziert.
mens „Fußball“, den ein riesi-
die Aufhebung der klassischen
Allerdings, so eine weitere The-
ger, global agierender „Medien-
Dichotomie von Produktion und
se des Autors, haben sich dabei
Fußball-Komplex“ (S. 58) so-
Rezeption, erachtet.
zwei ungenügende, polare Posi-
wohl zum breit faszinierenden,
Ohne Frage sind die Essays elo-
tionen herausgeschält, die bei-
aber auch prekären Liveerlebnis
quent und klug geschrieben; sie
de das Phänomen „Unterhal-
im Stadion als auch zum durch-
thematisieren mit kritischem
tung“ unangemessen analy-
gestylten, kalkulierten Medien-
Blick wesentliche Aspekte des
sieren: Die eher medienwissen-
Entertainment vor dem Fernseh-
Mediums, seiner Formierungen
schaftlich-hermeneutische
apparat ausrichtet. Dabei spie-
und Metamorphosen. Strecken-
Position konzentriert sich auf
len vor allem nationalistische
weise wiederholen sich die
mediale Texte und Genres und
Motive und Emotionen, beson-
Argumente oder erweisen sich
untersucht deren unterhaltende
ders zwischen Deutschland und
zeit- und objektabhängig, so-
Qualitäten. Die eher kommuni-
den Niederlanden, eine sympto-
dass nicht alle und alles die ein-
kationswissenschaftlich-empiri-
matische Rolle. Die fünf Texte
gangs formulierte Konzeption
sche Sichtweise befasst sich
des zweiten Teils befassen sich
tragen. Aber sie ermuntern und
ausschließlich mit den Rezep-
mit „Diskursen und Genres der
unterstützen in jedem Fall die
tionsweisen und Wirkungen
Fernsehunterhaltung“: zunächst
weitere theoretisch-analytische
von Fernsehunterhaltung beim
mit der euphorischen Einschät-
Arbeit am und über das Phäno-
Publikum – gemäß der lapidaren
zung des Musikfernsehens MTV
men (Fernseh) Unterhaltung.
Einsicht: Unterhaltung ist das,
als vermeintlich gänzlich andere,
was unterhält. Demgegenüber
das herkömmliche Fernsehen
plädiert der Autor in der gründ-
destruierende Form. Am Bei-
lichen und systematischen Ein-
spiel der „realitätsnäheren“
leitung zu seinen gesammelten
Soaps seit den 1980er-Jahren –
3 | 2012 | 16. Jg.
L I T E R AT U R
Eggo Müller:
Not only Entertainment. Studien zur Pragmatik und Ästhetik der Fernsehunterhaltung.
Köln 2011: Herbert von Halem Verlag.
282 Seiten, 25,00 Euro
Prof. Dr. Hans-Dieter Kübler
111
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
2
Dateigröße
21 KB
Tags
1/--Seiten
melden