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Manchmal komme ich mir vor wie ein Pfarrer - Reformierte Medien

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28. Jahrgang
Preis: Fr. 3.60 (inkl. 2,5% MwSt.)
Auflage: 3487 (WEMF)
Wochenzeitung der reformierten Kirchen
Nr. 15/16 I 11. April 2014
Aktualität Faires Essen
und Genuss: Eine Initiative
von Brot für alle 5
Thema Löwe und Auferstehung: Christliche Motive
in der Fantasy-Literatur 6
Feuilleton Grundvertrauen und
Gottvertrauen: Eine Buchrezension
von Matthias Zeindler 13
Scherbenhaufen beim Tagungszentrum Boldern
Der Vorstand des Trägervereins Boldern besteht bis Juni nur noch aus zwei Mitgliedern
An der Versammlung des Trägervereins Boldern am 5. April ist es
zum Eklat gekommen: Bis auf zwei
Mitglieder ist der Vorstand zurückgetreten. Nun soll mit externen Fachleuten die Zukunft des Tagungszentrums skizziert werden.
Matthias Böhni – Offenbar war
der Trägerverein Boldern mit der
Arbeit seines Vorstandes nicht
mehr zufrieden. Jedenfalls folgte
die ausserordentliche Versammlung nicht dem Vorstand, sondern
einer Spurgruppe, die den Beizug unabhängiger Experten zur
Sanierung des Tagungszentrums
vorsieht. Der siebenköpfige Vorstand hatte der Versammlung zwei
Varianten präsentiert: Entweder
die Weiterführung des defizitären
Männedörfler Tagungshotels oder
die Realisierung eines Hotel garni, wobei er die Variante garni
favorisierte.
Der Vorstand sah sich im Dilemma: Er sollte einerseits einen
Auftrag der Vereinsversammlung
von 2013 umsetzen, der «ideelle Kooperationsprojekte» für
Boldern vorsah. Diese würden
jedoch gemäss Vorstand hoch defizitär ausfallen. Andererseits hätte man bei einem Hotel garni gerade diese ideellen Projekte nicht
genügend einbinden können.
Die Vereinsversammlung wollte
von beidem nichts wissen und
nahm den Vorschlag der Spurgruppe mit 46 gegen 11 Stimmen
an, was einem Misstrauensvotum gegen den Vorstand gleichkam. Gemäss Andreas Sarasin,
Kirchenpflegepräsident in Bülach
und Mitglied der Spurgruppe, sollen nun drei externe Fachleute
beigezogen werden: jemand aus
der Hotellerie mit Sanierungserfahrung, eine Finanzfachperson
sowie eine Person mit Strategieund Konzepterfahrung.
Vorstand handlungsunfähig
Am 14. Juni findet die ordentliche
Vereinsversammlung statt, auf der
der Vorstand neu bestellt werden
muss. Bis dahin sind die verblie-
benen Vorstandsmitglieder Thomas Gerber und Hanspeter Ottlik praktisch handlungsunfähig.
«Die Spurgruppe wird bis dann
mögliche Skizzen darstellen aus
der Zusammenarbeit mit den vorgesehenen Fachleuten und wenn
möglich mit den beiden Vorstandsmitgliedern», so Sarasin.
Hintergrund: 2011 hatte die
Zürcher Landeskirche beschlossen, den Trägerverein Boldern
nicht mehr zu unterstützen. Die
Abteilung Bildung wurde geschlossen und in die Landeskirche
integriert. Trägerverein und Vorstand suchen seitdem vergeblich
nach neuen Nutzungen für das
Tagungszentrum.
«Manchmal komme ich mir vor wie ein Pfarrer»
Der höchste Schweizer über Politik, Kirche und schwierige Zeiten als Parlamentarier
Foto: keystone/Peter Schneider
Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP) sieht eine grosse Parallele zwischen Politik und Religion in
ihrer Erklärungsbedürftigkeit – und
spürt diese besonders stark, seit er
mit einer heiklen Entscheidung Aufsehen erregte.
Ruedi Lustenberger fühlt sich zu Unrecht kritisiert nach seinem Stichentscheid zu einer
Motion, welche die Benachteiligung der Schweizer Sicherheitsindustrie beseitigen soll.
Fabian Kramer – Dem «ersten
Bürger» des Landes liegen die
Kirchen am Herzen. Deshalb lud
Ruedi Lustenberger am 7. April
kirchliche Medienvertreter zu
einer Diskussionsrunde ins Bundeshaus ein, wie es bereits seine
Amtsvorgängerin und Parteikollegin Chiara Simoneschi-Cortesi
2009 getan hatte. Was als lockeres
Kennenlernen geplant war, be-
kam durch die Ereignisse der letzten Wochen einen überaus aktuellen Hintergrund.
Anfang März sorgte Lustenberger mit einem Stichentscheid
im Nationalrat dafür, dass die
Schweiz ihre Regeln für Kriegsmaterialexporte lockert. Seither
erhielt er übelste Beschimpfungen per Mail und SMS und musste sogar den Sicherheitsdienst des
Bundeshauses einschalten. Im
Gespräch macht er deutlich, wie
tief ihn diese Zeit gezeichnet hat.
Doch er ist sich bewusst, dass er
mit seinem Votum in Kirchenkreisen auf wenig Verständnis stösst.
Fortsetzung auf Seite 3
2
Meinung
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
Kirche und Politik:
Notwendiger Dialog
Marianne Weymann
Was die Stellungnahme der Kirchen zu politischen Themen angeht, sind die Ansichten geteilt.
Manche Politiker, und das betrifft
vor allem die SVP, sagen, die Kirche
solle sich um das Seelenheil ihrer Mitglieder kümmern und sich
nicht in Dinge einmischen, von
denen sie nichts verstünde. Kirchliche Hilfswerke dagegen oder
auch der SEK betrachten es geradezu als ihre Pflicht, im Namen
von Schöpfung, Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit Partei zu
ergreifen. Beide Haltungen sind
nicht unproblematisch. Zum einen hat die SVP nämlich überhaupt nichts gegen religiös beeinflusste Stellungnahmen, wenn sie
aus der «richtigen» Ecke kommen
– das hat die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» gezeigt. Zum anderen
stimmt eine Mehrheit der Schweizer Reformierten regelmässig gegen die Empfehlungen des SEK
ab, vor allem wenn es um Ausländer geht. Müsste diese Institution
nicht mehr auf die Sorgen der
Menschen hören, die sie zu vertreten beansprucht?
Kein Christentum ohne Ethik
Auf alle Fälle kann niemand behaupten, dass Kirche überhaupt
nichts mit Politik zu tun hat. Denn
politisches Handeln dient dem
www.facebook.com/refpunktch
Zweck, ein möglichst gutes
Zusammenleben der Gesellschaft
zu ermöglichen. Genauso, wie es
die Kirchen in der Nachfolge Jesu
zu fördern versuchen. Das heisst:
Ethik, die Lehre vom guten Leben, ist die notwendige Konsequenz der christlichen Botschaft.
Und Ethik ist die Grundlage jeder Politik, die dem Gemeinwohl
dienen will.
In ethischen Fragen gibt es aber
nun – leider – selten ein klares
Schwarz oder Weiss, Richtig
oder Falsch. Es müssen Güterabwägungen getroffen, Kompromisse ausgehandelt werden zwischen
Wünschbarem und Machbarem,
Bewährtem und Neuem, Heimat
und Fremde. Je nach Prägung
oder Status kann mein Mitmensch
eine andere Entscheidung für
richtig halten als ich.
Wichtiger als Menschenrechte?
Ich zum Beispiel bin entsetzt,
dass der Nationalrat die Bestimmungen für den Waffenexport
gelockert hat. Ich kann nicht
nachvollziehen, warum Waffen
wichtiger sein sollten als Menschenrechte. (Und ich bin auch irgendwie erleichtert, dass der auf
Seite 1 und 3 zu Wort kommende
höchste Schweizer Ruedi Lustenberger nicht für diesen Beschluss
verantwortlich ist, ich finde ihn
nämlich sympathisch.) Aber ich
muss, bis zum Beweis des Gegenteils, auch meinem Gegner zugestehen, dass er oder sie nach
bestem Wissen und Gewissen im
Sinne des Gemeinwohls entscheidet. Nur so kann ein Dialog möglich werden, der vielleicht zu neuen Einsichten führt. Einfacher
geht es nicht.
Kirche und Soziologie
RP – Am Anfang der FacebookDiskussion stand ein Zitat des
Soziologen Heiner Meulemann.
Dieser sagte an einer Tagung der
Evangelischen Kirche in Deutschland: «Die Kernaufgabe der Kirche
ist es, religiöse Sicherheit zu
vermitteln.» Die ref.ch-Redaktion
fragte daraufhin bei Facebook:
Stimmt das? Und falls ja, wie ist
«religiöse Sicherheit» zu vermitteln?
Auszüge aus der Diskussion:
M.S.: Die Hauptaufgabe der Kirche
läge für mich darin, den Menschen
auf ihrem je individuellen Lebensweg zurück zu sich selbst zu helfen.
Das wird dann umso nötiger, wenn
man einmal gemerkt hat, dass
Sicherheit eigentlich nicht existiert.
B.S.: Auf jeden Fall finde ich nicht,
dass die Soziologie der Kirche
sagen soll, was sie tun muss
(obwohl ich ja selber auch Soziologin bin).
M.D.: Kernaufgabe? Die Kirche
vermittelt mir «religiöse Sicherheit»
einfach durch ihr Dasein.
I.P.: In solchen Analysen gibt es
immer diesen unausgesprochenen
Subtext: «Wenn die Kirchenfunktionäre nur ihre eigentliche Aufgabe
erkennen würden, dann würde ihre
Institution gross und stark werden/
bleiben.» Frage: Muss die Kirche
gross und stark sein? Ist ein
Senfkorn nicht vielmehr ziemlich
klein?
Soziologe Meulemann: Die
«KMUV» untersucht die Mitgliedschaftsgründe der evangelischen
Kirchenmitglieder. Drei Gruppen von
Gründen werden zur Bewertung auf
einer Skala von 1 bis 7 vorgelegt.
Persönliche (weil mir der christliche
Glaube etwas bedeutet, weil ich
religiös bin), funktionale (Sorge für
Arme, Kranke und Bedürftige;
Beitrag zum Zusammenhalt der
Gesellschaft) und konventionelle
(Wunsch nach kirchlicher Bestattung, Eltern schon in Kirche). Wer
davon ausgeht, dass die Kirche eine
Heilsanstalt ist, sollte vermuten,
dass die persönlichen Gründe oben
und die konventionellen unten
stehen. Tatsächlich ist es genau
umgekehrt. Das heisst: Heilssuche,
Heilsvergewisserung – oder
warum nicht? – Heilssicherheit
bewegt die Mitglieder am wenigsten,
die Gewährung der «Kasualien» am
Ende und Anfang (Eltern!) des
Lebens am meisten. Mit meinem
Kommentar wollte ich herausstellen,
dass hier selbstgesetzter Anstaltszweck und Bedarf der Mitglieder
nicht im Einklang sind. Dass
die Kirche ihren Mitgliedern bei der
Heilssuche helfen soll, ist wohl
unstrittig. Dass sie auf diese Weise
persönliche – existenzielle – Sicherheit geben kann, sollte man nicht
so leicht wie einige der Kommentare
(Anm. d. Red.: Facebook-Kommentare) von der Hand weisen. Dass
Gewissheit in Glaubensdingen in
dieser Welt nicht zu haben ist, kann
die Ansicht eines Soziologen wie
mir sein – aber nicht von Seelsorgern, die von Amts wegen Gläubige
in ihrem Glauben unterstützen
und bekräftigen müssen. Und eben
deshalb muss die zitierte Rangfolge sie m. E. irritieren. Bieten sie
etwas an, das nicht oder nur
in letzter Linie gewollt wird?
I.P.: Kirchenfunktionäre sind
also zwangsgläubig, weil sonst
ihr Produkt nicht läuft.
B.S.: Das ist ja schrecklich, wie sich
Soziologen die Kirche vorstellen:
Heilsanstalt, Heilssuche, Heilsvergewisserung, Anstaltszweck . . .
I.W.: Ja, die Schwäche der Aussage liegt in der Ekklesiologie,
die hier zugrunde liegende ist eine
katholische Idee von Kirche.
Waren systematische Theologen bei der Auswertung
und bei der Formulierung der
Fragen nicht
beteiligt?
Alle Beiträge sind gekürzt wiedergegeben. Die gesamte Diskussion, inklusive
der Meldung mit dem Zitat von Soziologe Meulemann, finden Sie unter
www.facebook.com/refpunktch (Zugang auch ohne Facebook-Profil möglich).
Achtung: Doppelnummer
Am 17. April erscheint keine Ausgabe unserer Zeitung.
Die nächste Nummer erhalten Sie am 25. April 2014.
Wir wünschen Ihnen ein schönes Osterfest!
Wegen technischer Probleme in der Druckerei konnte die letzte Nummer
der Reformierten Presse nicht pünktlich am Freitag geliefert werden.
Die Redaktion
Wir bitten um Entschuldigung!
Aktualität
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
«Manchmal komme ich mir vor . . .»
Namen
Fotos: iStock/zabelin (l.), /ninjaMonkeyStudio (m.), /Arne Uebel (r.)
Fortsetzung von Seite 1
Das Etikett des «konservativen
Entlebuchers» lässt der Hobbyjäger gerne für sich gelten. Aber er
hat sich auch als lupenreiner
Demokrat erwiesen. So hat er
kürzlich die Initiative «Abtreibung ist Privatsache» nicht unterstützt, obwohl er die Fristenregelung ablehnt. Seine Begründung
Katholisch und konservativ
Da ist sie wieder, die schwierige
Vermittelbarkeit von Politik. Diese sei in keinem anderen Land so
«begründungsbedürftig» wie in
der Schweiz mit ihrer direkten
Demokratie, führt der gläubige
Katholik Lustenberger aus – und
ergänzt, halb scherzhaft: «Es
kommt mir manchmal vor, als ob
ich ein Pfarrer wäre, der jeden
Sonntag predigt. Wir sind beinahe
ständig an Veranstaltungen und
erklären, zwar nicht das Neue
oder Alte Testament, sondern die
Vorgänge in Bern. Man ist nicht
gerade Beichtvater, aber doch Ansprechpartner für die Mitbürgerinnen und Mitbürger.»
lautet, dass sich das Stimmvolk
2002 für die Fristenregelung ausgesprochen habe und es deshalb
demokratiepolitisch fragwürdig
sei, den Volkswillen sozusagen
durch die Hintertür zu umgehen.
Zur Person
Ruedi Lustenberger wurde 1950 in Romoos LU geboren, wo er immer noch
lebt. Er ist gelernter Schreinermeister
und Vater von fünf erwachsenen Kindern. Von 1991 bis 1999 war er Mitglied
des Grossen Rats von Luzern. Seit 1999
gehört er dem Nationalrat an.
liche Engagement. Fast jeden
Sonntag besucht Lustenberger die
Messe, und ein besonderes Anliegen ist ihm die Stärkung des
Bettags, für die sich im vergangenen Jahr eine überwältigende
Mehrheit seiner Ratskollegen mit
einem Aufruf eingesetzt hat. «Das
ist einer der wenigen Anlässe, bei
Ruedi Lustenberger:
«Die echten Grünen gibt es erst, seit die KonserKonservativen nicht mehr richtig konservativ sind.»
Ökologisch und ökumenisch
Ebenso vertritt Lustenberger
als Wertkonservativer überraschend starke ökologische Anliegen, ohne in beidem einen Widerspruch zu erkennen: «Die echten
Grünen gibt es erst, seit die Konservativen nicht mehr richtig
konservativ sind.» Diese Haltung
nährt sich aus seiner Verbundenheit mit der heimatlichen Natur
im Napfgebiet. Wenn er dort frühmorgens unterwegs sei, denke
er bisweilen: «Herrgott, hast du
die Welt schön gemacht» – eine
Empfindung, die andere vielleicht
in Manhattan oder London hätten.
In diesem Punkt ist er nah
bei seiner direkten Vorgängerin
im Nationalratspräsidium, Maya
Graf. Dasselbe gilt für das kirch-
Andreas Liebig wird neuer Münsterorganist in Basel. Der 51-jährige
Deutsche ist Leiter der Orgelklasse
des Tiroler Landeskonservatoriums.
Er folgt auf den jüngst pensionierten
Felix Pachlatko.
Die Reformierte Landeskirche Aargau
meldet, dass Erich Strahm zum 1. Juni
neuer Pfarrer in Kirchberg wird. Bisher war er in Rothrist tätig.
Der US-Schauspieler und Komiker
Omar Regan (40) will eine eigene
Filmindustrie für Muslime gründen.
«Halalywood» soll Unterhaltung produzieren, die den Geboten des Korans
entspricht.
ZH: Aufbruch im Kreis 5
Strittige Themen zwischen Kirchen und Politik: Rüstung, Abtreibung, Migration.
Dabei sieht Lustenbergers Abstimmungsverhalten aus dem Innern des Parlamentsbetriebes ganz
anders aus als von aussen. Er folgte eigentlich nur der Gepflogenheit im National- und Ständerat,
beim Stichentscheid den Beschluss
der vorberatenden Kommission zu
übernehmen. Das ändert nichts an
der ethischen Fragwürdigkeit des
Resultats – aber es nimmt den
Gegnern des Vorsitzenden wohl
das Recht, ihn als «Folterfreund»
zu bezeichnen.
3
denen Politik und Religion zusammen etwas organisieren können, ohne dass es nur ansatzweise
einen Konflikt gibt.»
Dabei erweist sich der gelernte
Schreinermeister als konfessionell ungebundener, als man das
von einem Luzerner CVP-Vertreter erwarten würde. Ehrfürchtig blickt er auf die Gründung
des schweizerischen Bundesstaats 1848 zurück, als man bewusst den Dialog zwischen den
Konfessionen und Regionen gesucht habe – ein Stück weit etwas «Politökumenisches», wie er
es nennt.
Im Sinne der Ökumene antwortete Lustenberger auch, als
ihn kürzlich das katholische
Hilfswerk Fastenopfer um ein Interview bat. Er sagte nur unter
der Bedingung zu, dass der Text
ebenfalls in der Zeitung der reformierten Schwesterorganisation
Brot für alle erscheinen könne.
Denn: «Wir haben ja den gleichen
Chef ganz oben.»
ref.ch – Nach der Absetzung des
langjährigen
Kirchgemeindepräsidenten Helmuth Werner im Juli 2013
haben die Stimmberechtigten der
reformierten Kirchgemeinde des Zürcher Industriequartiers am 6. April
nahezu einstimmig eine neue Kirchenpflege und eine Rechnungsprüfungskommission gewählt. An der
Versammlung habe eine Stimmung
mit «viel Tatkraft, Zuversicht und viel
Applaus» geherrscht, berichtet die
«Neue Zürcher Zeitung». Im Juli 2013
hatte der Kirchenrat gegen den langjährigen Kirchgemeindepräsidenten
Helmuth Werner ein Administrativverfahren eröffnet und Strafanzeige
wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Nötigung erhoben. Sämtliche Mitglieder der Kirchenpflege
wurden ihrer Ämter enthoben.
SEK-Verfassung: Neue Runde
ref.ch – Der Schweizerische Kirchenbund SEK hat am 7. April einen Bericht zur Verfassungsrevision sowie
alle Vernehmlassungsantworten der
reformierten Kantonalkirchen veröffentlicht. Demnach seien die Mitgliedkirchen an einer Stärkung der Beziehungen zwischen den evangelischen
Kirchen interessiert. Zwei Vorschläge
erhielten breite Zustimmung. So soll
die Abgeordnetenversammlung (AV)
durch eine nationale Synode ersetzt
werden, die mehr Delegierte umfasst und eine wichtigere strategische Rolle hat. Ferner soll ein nationaler «Tag der Kirche» eingeführt werden. Weitere, teils strittige Punkte
werden auf der SEK-AV im Juni in
Scuol GR erörtert.
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Aktualität
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
Milieugerechte Umnutzung des Kirchenraums
Foto: Reto Schneider
Erlenbach ZH: Die reformierte Kirche wird zum Ausstellungsraum für moderne Kunst
Die Skulptur «L‘Oiseau-Avion» von Walter Linck (1903–1975) schwebt durch die neugotische Kirche. Leider kann sie sich kaum behaupten,
weil der historistische Kirchenraum keine weiteren optischen Reize erträgt.
Die Milieustudie der reformierten
Landeskirche Zürich hat ergeben,
dass ein grosser Teil der Reformierten in Erlenbach an Kultur, Musik,
Literatur und bildender Kunst interessiert ist. Die reformierte Kirche
reagiert darauf mit dem Projekt «Kulturkirche».
reagieren, haben Pfarrer Andreas
Cabalzar und Ute Hock, Ärztin
und Mitglied der Baukommission, die «Kulturkirche Erlenbach» (KKE) ins Leben gerufen.
Eröffnet wurde das Projekt mit
einer Ausstellung: Plastiken des
1975 verstorbenen Schweizer
Künstlers Walter Linck sowie Fotografien des 1961 geborenen Fotokünstlers Marcel Grubenmann
aus Küsnacht ZH werden noch bis
im Herbst in Kirchenraum, Kirchgemeindehaus, Aufbahrungshalle,
Corina Fistarol – Aus veränderten
Bevölkerungsstrukturen ergeben
sich neue Ansprüche und Erwartungen – auch an die reformierte
Kirche. Um adressatengemäss zu
Friedhof sowie Kirchturm und
Krypta gezeigt.
Spiritualität und Kunst verbinden
«Vertrauter Raum soll neu erlebbar werden», sagt Cabalzar anlässlich der gut besuchten Vernissage am 5. April. Dabei gehe es
um die Auseinandersetzung mit
Tradition und Selbstverständnis,
um veränderte Wahrnehmung
und Anregung zum Diskurs, nicht
nur um ästhetische Präsentation.
«Die Ausstellung soll inspirieren,
neue Blickwinkel eröffnen, Existenz verdichten, transzendieren,
Spiritualität und Kunst miteinander verbinden», so der Erlenbacher Pfarrer.
Eine 14 Meter lange, pinkfarbene Fahne, die auf der Kirchenmauer aufgezogen wurde, weist
auf die Doppelfunktion der Kirche hin, in der während der ganzen Ausstellungszeit das kirchliche Grundangebot mit Gottesdiensten und Kasualien aufrechterhalten wird. «Wir sind Kulturraum, aber wir bleiben ein Ort
des lebendigen Glaubens», erklärt Cabalzar. Geplant ist, dass
von nun an alljährlich während
sieben Monaten zeitgenössische
Kunst ausgestellt wird. Die Brachzeit von vier Monaten im Winter
sei bewusst gewählt, «um die
Spannung auf die Ausstellungszeit zu intensivieren und deren
Wirkung durch den Wechsel in
der Gemeinde zu verstärken».
Die Ausstellungszeit wird von
einem kulturellen Programm flankiert, Gottesdienste und Veranstaltungen sind geplant, in denen,
so Cabalzar, «Kirche und Kunst in
einen Dialog treten».
Details unter: www.kirche-erlenbach.ch
Kirche als Kunstraum – ein Kommentar
Die vom Zürcher Galeristen Mark Müller
kuratierte Ausstellung überzeugt allerdings
nur bedingt. Und das liegt wohl primär am
Anspruch, den historischen Kirchenraum zu
bespielen. Die um 1890 errichtete neugotische Kirche mit ihrem reich geschnitzten,
dominanten, dunklen Gestühl, der trapezförmigen Leistendecke, den reichhaltigen
ornamentalen Malereien und den üppigen
Farbglasfenstern droht die filigranen Plastiken von Walter Linck zu erdrücken. Auch
die gross aufgezogenen Fotografien von
Marcel Grubenmann können sich nicht
behaupten. Dieser Raum erträgt keine zusätzlichen optischen Reize.
Anders in der modernen Aufbahrungshalle,
in der Lincks «Grasharfe» vor den farbigen
Fenstern anmutig wirkt. Im kargen Kirchenturm kommen seine feingliedrigen Eisenskulpturen ebenfalls gut zur Geltung, wohingegen die grossflächigen Bilder von Marcel
Grubenmann mehr Platz bräuchten – auch
auf dem Friedhof, einem sensiblen Raum,
um zeitgenössische Kunst auszustellen. «In
der Trauer gibt es eine Zeit, Masken zu tragen, und eine Zeit, Masken abzulegen»,
kommentiert Andreas Cabalzar die dort präsentierten Bilder. Diese Auslegung macht
auf dem Friedhof mit einem Bild von einer
1.-Mai-Demo und dem Silvesterchlausen in
Urnäsch vielleicht Sinn. Wenn nicht, dann
kann man ja darüber nachdenken. Und zum
Denken anregen soll ja Kunst – sonst ist sie
keine.
Foto: zvg
Kunst und Kirche haben, seit es letztere
gibt, miteinander zu tun. Dass nun die Reformierte Kirche Erlenbach die kulturaffine
Bevölkerung mit bildender Kunst und verschiedenen kulturellen Events in die Kirche einladen möchte, ist naheliegend, muss
aber erst einmal umgesetzt werden. Es
zeugt von Mut und Engagement, dass die
Kirchgemeinde die Kulturkirche ins Leben
gerufen hat.
Corina Fistarol
Vor Glas oder einer weissen Wand wirken Lincks filigranen Skulpturen viel besser.
Aktualität
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
5
Fair und festlich schlemmen
Fotos: Roland Schmid/Basel
Veranstaltung «Gerechtigkeit schmeckt» der ökumenischen Kampagne in Basel
Dank der Arbeit von Spitzenköchin Tanja Grandits . . .
Weder lustfeindlich noch moralinsauer: Spitzenköchin Tanja Grandits
zeigte in der Basler Elisabethenkirche, wie nachhaltig und fair produzierte Nahrung zum Genuss für
Auge und Gaumen wird.
Anna Wegelin – Es herrscht frühlingshaftes Wetter an diesem ersten April in Basel. Über dem
Eingangsportal der Offenen
Kirche Elisabethen hängt ein
Transparent mit der Aufschrift
«Diese Kirche ist auch ein Festzelt». Die Citykirche feiert Ende Monat ihr 20-Jahr-Jubiläum.
Doch heute abend heisst es
zum drittenmal «Gerechtigkeit
schmeckt – Tanja Grandits deckt
das Tischlein».
Der regionale Anlass zur ökumenischen Kampagne von Brot
für alle, Fastenopfer und Partner Sein verbindet die Anleitung
zum gerechten Handeln mit einem
kulinarisch-kulturellen Event an
einem einzigartigen Ort. Puren
Genuss bescheren dabei die Spitzenköchin Tanja Grandits und ihr
Team. Sie bereiten mit regionalen
und saisonalen Zutaten sowie
Gewürzen aus dem Süden ein vegetarisches Drei-Gang-Menu zu.
Für Kopf und Bauch
Der angenehm kühle Innenraum
der Kirche zeigt sich in einem
Anna Wegelin ist Journalistin in Basel.
schlichten, stilvollen Ambiente in
Schwarz und Weiss. In der Raummitte stehen zehn festlich gedeckte Rundtische für 100 angemeldete Gäste. Grandits’ Chef
de service entkorkt Weinflaschen,
die Küchencrew stellt blätterförmige Teller für die Vorspeise
bereit. Und mittendrin packt
die Chefköchin höchstselbst mit
an. Grandits, eine zierliche Frau
mit freundlichen Augen, wirkt auf
Anhieb sympathisch.
«Gerechtigkeit schmeckt» will
Kopf und Bauch zusammenführen. Kann ein feines, originelles
Essen dazu verführen, dass wir
uns der Umwelt und der nächsten Generation zuliebe bewusster
ernähren und kleiden, so wie es
die Kampagne empfiehlt? Der
Ansatz kommt jedenfalls gut an:
Auch diesmal war die Veranstaltung im Nu ausverkauft. Und unter den freiwilligen Kellnern des
Abends ist man sich einig: «Gerechtigkeit schmeckt» ist eine
stimmige Sache.
Zum Beten gehört auch Feiern
«Das Konzept von ‹charity› und
Kirche hat mich sofort überzeugt», meint etwa Frank Lorenz.
Der designierte Co-Leiter der Offenen Kirche bezeichnet den Anlass als «reichhaltige, säkulare
Variante des Abendmahls». Auch
Tom Myhre, Gemeindepfarrer in
Binningen-Bottmingen, ist über-
zeugt: «Es braucht beides, das
Schmackhafte und das Tiefsinnige.» Zum Beten gehöre eben auch
das Feiern.
Die Tische sind besetzt, ein
dezenter Stimmenteppich erfüllt
die Kirche. Das Kinder-Streicherensemble und seine temperamentvolle Dirigentin Dorothee Marini
haben die Stimmprobe beendet.
Die katholische Theologin Monika
Hungerbühler von der Offenen
Kirche und Daniel Frei vom reformierten Pfarramt für weltweite
Kirche begrüssen die Anwesenden. Im Tischgebet fällt der schöne
Satz: «Bevor ich esse, will ich
Mensch sein und innehalten.»
Und dann – endlich – trägt das
Serviceteam die Vorspeise in
einer einstudierten Choreografie
auf: einen Traum in nuancenreichem Grün mit Bärlauch, Ziegenkäse-Küchlein, Pistazien-Couscous und Limettenöl.
Kindererziehung und Kartoffelgratin
Bald entstehen Tischgespräche
über die Sinneserfahrung beim
Essen – es fallen Worte wie «knackig», «spielerisch» und «präzis».
Allmählich weitet sich das Themenspektrum aus: Kartoffelgratin mit oder ohne Speckwürfeli,
pionierhafte Goldschmiedekunst,
Palliative Care, die Pädagogik der
Rudolf-Steiner-Schule, die schlechte Akustik im Kirchenraum oder
der Umgang mit digitalen Medien
in der Kindererziehung.
Zwischen den Menugängen sorgen das junge Streicherensemble
und Susanne Kern an der Orgel
für variantenreiche Hörerlebnisse. Dazu gibt es häppchenweise Nahrung für den Geist. Im
Zentrum steht das Motto der
Kampagne: «Die Saat von heute
ist das Brot von morgen.»
«Alles, was wir essen, kommt
von der Erde», beginnt Jules
Rampini seinen Vortrag. Dabei
zeigt der Theologe und Biobauer
aus der Zentralschweiz, der für
Fastenopfer in Peru war, auf eine
Erdkugel aus Plastik. Wir seien
verpflichtet zu fragen, was wir essen und wie viel wir einkaufen.
Allein in der Schweiz seien 2012
zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Abfall gelandet. «Es
braucht ein Umdenken, wir müssen die Verbindung zum Boden
wieder erkennen», sagt Rampini.
Die letzten Gäste begeben
sich auf den Heimweg, den Geschmack von Safran-Pot-au-feu,
Amaranth-Krokant und ThymianMousse auf der Zunge. Sie haben
heute abend erfahren: Genuss
und Gerechtigkeit Hand in Hand
tun gut.
. . . wird die Basler Elisabethenkirche zum Edelrestaurant.
6
Thema
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
Aslan, Gandalf und Harry Potter –
Auferstehung in der Fantasy-Literatur
Christliche Motive sind in fantastischen Geschichten vom Mittelalter bis in die Postmoderne präsent
Viele Fantasy-Geschichten sind unglaublich erfolgreich. Und sie sind
kein nachreligiöses Phänomen. Vielmehr gehen sie verspielt mit Elementen des Christentums um – etwa mit
der Auferstehung.
Corina Fistarol – Die Auferstehung Jesu ist für den christlichen
Glauben zentral. Trotzdem ist sie
eines der schwer fassbaren christlichen Motive – besonders vor
dem Hintergrund unseres wissenschaftlich-rationalistischen Weltbilds. Aber gerade weil sie irrationale Elemente enthält, passt die
Auferstehung ausgesprochen gut
in die fantastische Literatur. «Das
Fantasy-Genre könnte vielleicht
sogar christliche Motive, die mit
dem rationalen Weltbild kaum zu
vereinbaren sind, ins moderne Alltagsleben übersetzen», erklärt der Berner Religionswissenschaftler Oliver Steffen. «Hier allerdings vom christlichen Kontext
gelöst, mit anderen weltanschaulichen Ideen vermengt und ohne
religiöse Verbindlichkeit.» Es könne allerdings sein, fügt Steffen
ironisch hinzu, dass mit Fantasy
dieselben menschlichen Bedürfnisse bedient werden wie mit der
Religion.
Magische Parallelwelt
Das Spezielle am Fantasy-Genre
ist, dass es eine Welt oder Parallelwelt beschreibt, in der Magie möglich ist. Aber es gibt auch dort
Regeln und Gesetze, Dinge, die
nicht passieren können. Und in
den allermeisten fantastischen
Geschichten ist, wer stirbt, unausweichlich tot. «Tod ist immer die
letzte Grenze, auch in der Welt
der Fantasy», bestätigt Mike Gray.
Der Pfarrer aus Meilen ZH hat
seine Dissertation über religiöse
Identität in Fantasy-Geschichten
geschrieben.
Auferstehung ist auch in der
Fantasy-Literatur ein wichtiges
Motiv. Es handelt sich dabei nicht
um die ebenfalls in fantastischen
Texten vorkommenden Reinkarnationen. Bei diesen lebt eine
Seele in einem anderen Körper
weiter. Bei der Auferstehung geht
es um den ganzen Menschen mit
Leib und Seele.
Die bekannteste Auferstehung
im Fantasy-Genre erfährt wohl
der Löwe Aslan im ersten Buch
der «Chroniken von Narnia» des
irischen Schriftstellers C. S. Lewis.
Der «König von Narnia», opfert
sich, um den Verräter Edmund zu
befreien. Er begibt sich in die
Hände der Hexe, die ihn fesseln,
scheren und töten lässt. Sein Körper verschwindet und kehrt später zurück, um den Kampf gegen
die Hexe zu führen – und zu gewinnen. «Diese Auferstehung ist
genau nach der christlichen Passionsgeschichte strukturiert», sagt
Gray. Aslan wird als Christusfigur
dargestellt; er weiss um seine Auferstehung, aber er leidet auf dem
Weg zum Tod. Ebenso hat auch
Jesus in den Evangelien von seinem Leiden und seiner Auferstehung gewusst.
Sterben, damit das Gute lebt
Auch der jugendliche Hexenmeister Harry Potter erlebt eine Auferstehung. Aber anders als Aslan
weiss er nicht, dass er den Tod
überwinden wird. Was er weiss,
ist, dass er sterben muss, um Lord
Voldemort sterblich zu machen,
denn er trägt einen Teil der Seele Voldemorts in sich. Nur durch
seinen Tod kann das Böse besiegt werden. Er ergibt sich diesem Schicksal und stellt sich dem
dunklen Lord unbewaffnet, überlebt jedoch erneut den Todesfluch,
während Voldemorts Seelenfragment in ihm vernichtet wird.
Die Funktion dieser Auferstehung ortet Mike Gray darin, dass
Harry erst wirklich stark wird,
als er seine eigene Sterblichkeit
und den eigenen Tod akzeptiert.
Diese Kraft lässt ihn auferste-
Sein Autor J. R. R. Tolkien war
hen. «Er wird zur Jesusfigur
mit «Narnia»-Autor C. S. Lewis
mit menschlichen Zügen.» Voldebefreundet.
morts Angst vor dem Sterben
Lewis liess sich sogar von Tolund sein Bestreben, sich unsterbkien vom Atheisten zum Christen
lich zu machen, führen dagegen
bekehren. Später kühlte ihre
schliesslich dazu, dass er stirbt.
Freundschaft allerdings ab – unter
Das sei die Botschaft der «Potter»- Autorin Joanne K.
Rowling, erklärt Gray.
Foto: picture-alliance / Mary Evans Picture Library
Die Presbyterianerin
sei aber durchaus von
einem christliche Weltbild geprägt. Nur sind
die theologischen Elemente bei Harry Potter weniger klassisch
als bei den «Chroniken von Narnia»: «Aslan nimmt die Via dolorosa auf sich, um für
fehlerhafte Menschen
ein Recht auf Leben zu
schaffen», sagt Gray.
Weltweite Bestseller
Beide Werke gehören zu
den am meisten verkauften Büchern weltweit. Die sieben Bände
von Harry Potter wurden in über 70 Sprachen
übersetzt und erreichten bis heute eine Gesamtauflage von über
450 Millionen. Die in
den 50er Jahren veröffentlichten «Chroniken von Narnia» wurden
bisher über 100 Millionen Mal verkauft und
in 47 Sprachen übersetzt. Die fantastischen
Geschichten machen immer wieder deutliche
Anleihen an christlichen
Motiven – in minderem
Masse auch an der griechischen und römischen
Mythologie sowie an
englischen und irischen
Märchen.
Ebenfalls ein Bestseller der Weltliteratur ist
der «Herr der Ringe».
Aslan, der König von Narnia (der Löwe),
opfert sich, um einen Verräter zu befreien.
Thema
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
anderem, weil sich Tolkien negativ über die «Narnia»-Chroniken
äusserte, insbesondere wegen
der vielen allzu populärchristlichen Allegorien.
In Tolkiens Geschichten erscheinen christliche Motive tatsächlich in verhüllterer Form.
Im ersten Band von «Herr der
Ringe» etwa stirbt der Zauberer Gandalf der Graue in den
Und er aufersteht, um die weisse Hexe
(unten im Bild) zu bekämpfen.
Minen von Moria im Kampf gegen einen «Balrog», ein Ungeheuer, damit seine Begleiter entkommen können. Er stürzt sich
in die Tiefe, erhebt sich danach
aber wieder und erscheint als
Gandalf der Weisse, um den Helden Frodo in seinem Kampf gegen den dunklen Feind Sauron
zu unterstützen. Nur so kann der
unheilbringende Ring zerstört
werden. «Wenn jemand
den Tod überwindet
und damit für andere befreiend wirkt,
ist dies ein klares christliches Motiv», erklärt
Oliver Steffen. «Auch
wenn die Auferstehung
in der Fantasy-Literatur eher situativ begrenzt und nicht so
zentral und umfassend
dargestellt wird wie in
den Evangelien.» Überhaupt scheint nur das
Gute auferstehen zu
können. Das könnte
wiederum auf einen
guten Gott verweisen,
der allerdings in keinem der Werke erwähnt wird.
Auch Atheisten
dürfen sterben
Anders als die bekennenden Christen Rowling, Lewis und Tolkien hat der Autor Philip Pullmann, der sich
als «christlichen Atheisten» bezeichnet, kein
duales Weltbild. Seine
antiklerikale Trilogie
«Der goldene Kompass» spielt in einer
strengen Theokratie und
wurde vom Autor bewusst als Antwort auf
die «Chroniken von
Narnia» verfasst. Sterbende in Pullmanns
Geschichte kommen
nicht, wie sie glauben,
in den Himmel, sondern in ein düsteres
Land, in dem sie ihre
eigene Identität immer mehr
verlieren, vergleichbar mit einer
langsam fortschreitenden Alzheimererkrankung, wie Mike Gray
erläutert.
Indem sie durch ein Fenster aus
dieser Schattenwelt kriechen –
der Preis dafür ist, dass sie
den Wächterinnen die wahre Geschichte ihres Lebens erzählen –,
7
den. «Aber die Bibel hat andere
Ansprüche an die Leserschaft»,
sagt Mike Gray. Fantasy-Leserinnen und -Leser wissen, dass die
geschilderten fantastischen Ereignisse eigentlich nicht stattfinden
können. Niemand glaubt wirklich
daran, dass Harry Potter auf einem Besen fliegen und ein Löwe
wie Aslan sprechen kann.
Mike Gray:
«Die Auferstehung von Jesus als reine FantasyFiktion zu verstehen wäre mir für meinen
eigenen Glauben zu karg.»
erreichen sie wieder die materielle Welt. Dann erst können sie
richtig sterben und erneut Teil der
Natur werden. «Bei Pullmann ist
also das gute Ende das Sterben,
das ewige Leben die Hölle», folgert Gray.
Nicht richtig Gestorbene oder
Untote gibt es viele in der Literatur. Man denke nur an Wiedergänger und andere nicht erlöste
Seelen, an Zombies oder Vampire,
die mit Kruzifixen und Weihwasser in Schach gehalten werden
können. Alle diese Geschichten,
seien sie nun im Mittelalter, in der
Neuzeit oder in der Postmoderne
entstanden, wurden in einem vom
Christentum geprägten Kontext
verfasst.
Bibel hat anderen Anspruch
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass biblische
Wundergeschichten wie die der
Auferstehung im Literaturgenre
Fantasy ihren Niederschlag fin-
Tatsächlich können auch Fantasy-Figuren wie Jesus zum ewigen
Leben erweckt werden. Manchmal dient die Auferstehung auch
«nur» dazu, eine Mission zu beenden: Harry ist und bleibt sterblich, Aslan ist und bleibt unsterblich. Insgesamt bleibt Fantasy ein
Spiel, das seine ernsthaften Botschaften auf indirekte Weise vermittelt.
Könnten wir das Evangelium
und die Auferstehung dann auch
als Fantasy-Geschichte lesen?
«Die Auferstehung von Jesus als
reine Fantasy-Fiktion zu verstehen wäre mir für meinen eigenen
Glauben zu karg», sagt Gray.
«Ich will davon ausgehen können, dass Jesu Jünger damals
wirklich ein Wunder erfuhren,
das ihre Botschaft authentisch
inspirierte. Allerdings glaube ich,
dass auch Fantasy-Autoren Bilder der Hoffnung vermitteln
wollen, die auch sie authentisch
inspiriert haben.»
IMPRESSUM – REFORMIERTE PRESSE Postfach, 8026 Zürich, Telefon 044 299 33 21, Fax 044 299 33 93,
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PALETTE / BÜCHER Rita Schwitter, E-Mail: palette@ref.ch, buch@ref.ch KORREKTORAT Ursula Klauser
HERAUSGEBER Reformierte Medien© Volksblatt / Kirchenblatt für die reformierte Schweiz (gegr. 1844);
Der Protestant (gegr. 1897); Evangelischer Pressedienst EPD (gegr. 1927); Reformiertes Forum / Reformierte Presse, 28. Jahrgang ISSN 1420-9934 VERLAG Reformierte Presse GESCHÄFTSLEITUNG Doris Graf
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INSERATE / SEKRETARIAT Susanna Alder, Rita Schwitter, rp-inserate@ref.ch HER­STELLUNG
Schlaefli & Maurer AG, Industriestrasse 12, 3661 Uetendorf-Thun, ABO-BESTELLUNGEN Schlaefli & Maurer AG,
Bettina Berroa, Seestrasse 42, 3700 Spiez, E-Mail: abo.ref-presse@schlaefli.ch, Telefon:
033 828 81 12; ­E inzelnummer Fr. 3.60; Jahresabonnement Fr. 149.–; Halbjahresabonnement Fr. 79.–;
Gruppenabonnement (ab 5 Exemplaren) Fr. 119.–; Studentenabonnement Fr. 119.–
8
Inserate
Wir sind mit 6500 Mitgliedern die grösste Stadtgemeinde
Zürichs und können in unserem schön gelegenen und
gesellschaftlich ausgewogenen Quartier alle Handlungsfelder unseres Reformierte-Kirche-Seins freudig und
umfassend erfüllen. Unsere beiden Pfarrerinnen haben
Höngg nach langjähriger, erfolgreicher Mitarbeit für eine
neue Herausforderung verlassen. Daher suchen wir eine
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
Der Bereich Sozial-Diakonie der
Gesamtkirchlichen Dienste erfüllt
diakonische, seelsorgerische,
beratende und sozialpolitische
Aufgaben. Er unterstützt Kirchgemeinden, kirchliche Bezirke
und Regionen in der Wahrnehmung und Umsetzung ihres
diakonischen Auftrags und arbeitet mit kantonalen und kommunalen Behörden sowie privaten
Institutionen zusammen.
Pfarrerin 50% (ordentliche Stelle)
Wir suchen per 1. September 2014 oder
nach Vereinbarung eine/-n
mit der Option eines Stellenzusatzes
bis zu 30% (Ergänzungspfarrstelle)
bis Sommer 2018
Theologin oder Theologen
als Fachmitarbeitende/-n
im Bereich Sozial-Diakonie 55%
Aufgaben
• Schwerpunktarbeit in den Bereichen
Seniorenarbeit/60plus, Erwachsenenbildung,
Musik und Kultur, Spiritualität, in Zusammenarbeit
mit der Sozialdiakonin und dem Pfarrkollegen
• Gottesdienst, Kasualien und Seelsorge
als Grundauftrag
In der Ergänzungspfarrstelle 30% sind während der
Projektarbeit und ersten Phase des Familien- und
Generationenhauses Sonnegg bisherige Aufgaben der
Pfarrschaft zu übernehmen, nebst Gottesdienste
und Kasualien z. B. die Führung einer Konfirmationsklasse, das Fiire mit de Chliine
Erwartungen
• Ihr Herz schlägt für den einen oder anderen
Schwerpunkt und Sie suchen für diese Zielgruppe
adäquate kirchliche Zugänge
• Sie sind eine teamfähige Person und gewillt,
während der nächsten Jahre beim Entstehen
von neuen Angeboten und der Profilierung
als Familien- und Generationenkirche mitzuarbeiten
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im grossen Team der Mitarbeitenden,
z. B. im Gemeindekonvent bzw. Pfarrkonvent
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Vernetzung (GDV) arbeiten Sie in einem vierköpfigen Team,
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im Kirchengebiet ein und gehen offen auf kirchliche Mitarbeitende wie Partnerorganisationen zu.
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ist das ganze Inserat mit Aufgaben und Anforderungen aufgeschaltet.
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Ihre Bewerbung senden Sie bitte bis 5. Mai 2014 bei uns eintreffend an: Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn,
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oder per E-Mail an doris.marchesoni@refbejuso.ch.
Nähere Auskunft erteilt Ihnen gerne Stephan Schranz,
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Auskünfte
Weitere Informationen finden Sie auf www.refhoengg.ch.
Persönliche Auskünfte erteilen die drei Pfarrer
Matthias Reuter, Markus Fässler oder Martin Günthardt
sowie der Präsident der Kirchenpflege, Jean E. Bollier,
Tel. 079 240 03 47, Mail jean.bollier@zh.ref.ch
Bewerbung
Die schriftliche Bewerbung mit den üblichen Unterlagen
richten Sie bitte bis 15. Mai 2014 an: Jean E. Bollier,
Präsident der Pfarrwahlkommission, Ackersteinstrasse
190, 8049 Zürich.
Wir sehen die Vergiftung von Mensch und Natur
für die Kleider-Produktion.
Und handeln: sehen-und-handeln.ch
Für das Herstellen von Bekleidung werden Menschen und
Boden systematisch ausgebeutet und vergiftet.
Dagegen kämpfen wir. Auch für kommende Generationen.
Feuilleton
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
Theologische Deutungen zu Jesus
Eine Christologie, durch die man viel über sich selbst erfährt
che ich zu zeigen, wie Ohly vorgeht und argumentiert.
Mit Jesus wird ein Mensch in
den Glauben an Gott integriert.
Ohne diese historische Figur wäre Gott unbestimmt, man wüsste
nicht genau, wer Gott ist. Dadurch entsteht ein besonderes Widerlegungsrisiko des christlichen
Glaubens.
Jesus bringt zur Darstellung, was
Menschsein ausmacht, so die Grundaussage des vorliegenden Buches.
Für eine gewinnbringende Lektüre
sind Vorkenntnisse von Vorteil.
Karl Flückiger – Christologie? Ist
das ein Thema, das Predigerinnen
und Prediger noch beschäftigt?
Spricht man nicht mittlerweile
nur von Gott, um nicht Religionstrennendes zu evozieren und
Aversionen gegen etwaige Einzigartigkeit zu vermeiden? Lukas
Ohly weicht nicht aus, er lässt
sich herausfordern und fordert
heraus. Er ist Gemeindepfarrer
und lehrt Systematische Theologie an der Goethe-Universität
in Frankfurt.
Der Band mit gut 200 Seiten
geht von der Annahme aus, dass,
wenn Gott in Jesus Mensch geworden ist, gerade auf diejenigen Züge hinzuweisen sei, die
Jesus mit uns verbinden. Wie
Menschen Begegnungen erleben,
sei ein Hinweis darauf, wie sie
auch Jesus erleben. So könne Jesus
als hermeneutischer Schlüssel für
Begegnungen überhaupt gelten.
In neun Kapiteln öffnet Ohly
mit diesem Schlüssel dogmatische
Themen der Christologie – originell, neuartig, in moderner Sprache. Mit einer Skizze des Kapitels
«Die historische Bedeutung ‹Jesu›
für den Glauben an ‹Gott›» versuKarl Flückiger ist reformierter Pfarrer
und Berater von kirchlichen
Entwicklungsprozessen.
Keine Distanzierung möglich
In der Trinitätsstruktur lässt sich
Jesus am besten darstellen. Zugleich ist diese Struktur in Begegnungen des täglichen Lebens erfahrbar. Der christliche Glaube ist
also kein Glaube an etwas Vergangenes, auch wenn er Informationen über vergangene Ereignisse
erhält.
Christologische Aussagen aufgrund von Geschichten über oder
mit Jesus enthalten zwei weitere
unabhängig von der historischen
kann die theologische Frage nach
Jesus nicht sein, wendet Ohly
ein. Denn wenn Jesus Mensch ist,
kann sich Gott nicht nur an eine
Idee von einem Menschen halten.
Seelsorgerliche Argumente
Wir sehen, wie Ohly vorgeht: Er
stellt eine Frage, schneidet wesentliche knappe Aussagen von
philosophischen und systematischen Vordenkern zusammen und
zieht seine Schlüsse. Diese sind
Vorarbeiten für die nächsten Kapitel: «Der trinitarische Charakter des historischen Jesus» und
«Warum es beim historischen
Jesus um uns geht». Danach fasst
er die Argumentation folgendermassen zusammen: Durch Geschichten oder Bilder begegnet
uns Jesus. Dabei wiederfährt uns
das Unvordenkliche (Gott) durch
«Durch Geschichten oder Bilder begegnet uns
Jesus. Dabei wiederfährt uns das Unvordenkliche
(Gott) durch den objektiven Gehalt (Jesus).»
Elemente: Sie machen eine Aussage über Gott, und zwar so, dass
sie keine Distanzierung erlaubt.
Man kann nicht nicht Stellung
nehmen. Ohly nennt das «logische Evidenz». Historische Gewissheit liegt auf einer anderen
Ebene als solche Evidenz. Bei historischen Zeugnissen haben wir
es mit einer mehr oder weniger
wahrscheinlichen Annahme zu
tun.
Bertrand Russell fragt darum,
ob wir eine wesentliche Eigenschaft brauchen, um uns auf Jesus
beziehen zu können. Oder auf ein
Bündel von verschiedenen Eigenschaften, fragt Searle. Oder reicht
eine ungefähre Ahnung, ohne
festzulegen, welche Eigenschaft
uns wichtig ist, fragt Wittgenstein.
Hier schlägt nun Dalfert vor,
Jesus danach zu bestimmen, wie
Gott ihn meint. Die Frage nach
der Existenz Jesus sei in erster Linie eine theologische und nachrangig eine historische. Aber ganz
den objektiven Gehalt (Jesus).
Dadurch erfahren wir nicht nur
etwas über Gott, sondern auch
über uns, weil Jesus das zur Darstellung bringt, was Menschsein
ausmacht.
Für wen ist das Buch geeignet?
So wie Ohly mit Philosophen jongliert, braucht es für ein verstehendes Lesen das theologische
Grundstudium. Auch eine Lesegruppe von Pfarrerinnen und
Pfarrern wird Doppelgewinn aus
Ohlys Anregungen ziehen, denn
oft sind seine Argumente aus der
Seelsorge genommen oder weisen
darauf hin. Zu empfehlen wäre
auch eine Lektüre mit anschliessender Einladung von Ohly an
das Pfarrkapitel – wie das in
Deutschland geschieht.
Lukas Ohly: Was Jesus mit uns
verbindet. Eine Christologie.
Evangelische Verlagsanstalt,
Leipzig 2013.
212 Seiten, Fr. 38.40.
9
Zwischen Gewalt
und Barmherzigkeit:
«Noah»
Charles Martig – Biblische Stoffe sind
wieder im Trend: Noah, Moses und
Jesus kommen als Helden zurück ins
Mainstream-Kino. Gründe dafür gibt
es viele: Seit dem Ritterschlag der
Fantasy durch Peter Jacksons «Herr
der Ringe»-Trilogie gibt es ein neues
Genre, das dem Bibelfilm zu einer
Renaissance verhilft. Zudem ist die
neue Generation mit der biblischen
Mythologie nicht mehr vertraut und
kann so vollständig unbelastet in
dieses Erzähl-Universum eintauchen.
Nun wird es für Filmproduzenten
wieder lukrativ, biblische Geschichten
zu erzählen. Den Reigen eröffnet
«Noah», das Kinojahr 2014 wird
ausklingen mit «Exodus: Gods and
Kings». In der Noah-Geschichte sind
es die Leerstellen, die sich für das
Kino anbieten: Der Kampf um die
Arche, die Frage des Bösen und die
Auslöschung der Menschheit in einem
Katastrophenszenario, das existenzielle Drama in Noahs Familie. Doch
Darren Arronofski hat einen höheren
Anspruch. Er stellt mit grosser
Insistenz die Frage, ob Gott die Welt
vielleicht lieber ohne Menschen neu
beginnen lassen sollte. Durch die
Erzählung leuchtet eine ökologische
Fundamentalkritik, die sich am Ende
durch einen neuen Bund mit der Natur
aufhebt. Es kostet viel Blut, Schweiss
und Tränen, bis die Helden in diesem
Epos zwischen Gewalt und Barmherzigkeit gewählt haben. «Noah» ist
mehr als nur ein Bibelfilm und mehr
als blosse Fantasy.
Zum «Noah»-Film siehe auch
RP 8/2014 und das Interview mit
Gottfried Locher auf www.ref.ch.
«Noah», USA 2014. Regie: Darren
Arronofski. Besetzung: Russell Crowe,
Jennifer Connelly, Anthony Hopkins,
Emma Watson. Verleih: UPI Switzerland. www.universalpictures.ch.
Charles Martig ist Filmbeauftragter
des Katholischen Mediendienstes.
10
Inserate
Unser vielseitig tätiger Pfarrer geht Ende Jahr in Pension.
Wir suchen daher einen Nachfolger,
eine Nachfolgerin im Vollamt.
Eintritt 1. November 2014 oder nach Vereinbarung
Die Evangelisch-Reformierte Kirche Nidwalden mit über 4000 Mitgliedern ist in drei Gemeindekreise eingeteilt. Der Gemeindekreis Stans,
Ennetmoos und Engelbergertal umfasst rund 1600 Reformierte.
Ihr neuer Arbeitsort liegt zentral, in einer wunderschönen Landschaft
zwischen See und Bergen mit optimaler Infrastruktur in Sachen Bildung,
Kultur, Gesundheit, Wirtschaft und öffentlichem Verkehr.
Sie finden bei uns:
–Eine Gemeinde, die sich auf Sie freut
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Teilzeit-Sekretärin und zwei Sigristinnen
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–Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
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Ihre Tätigkeit:
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Was wir von Ihnen erwarten:
–Sie haben Interesse an der Arbeit mit Menschen jeden Alters
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–Sie sind kontaktfreudig und einfühlsam
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reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
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an Bildungsfragen im kirchlichen Bereich. Sie sind es gewohnt,
Sekretariatsaufgaben sehr selbstständig und zuverlässig auszuführen. Zudem verfügen Sie über gute kaufmännische sowie
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stilsicher im Umgang mit der deutschen Schriftsprache.
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an folgende Adresse senden:
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emanuel.fritschi@emk-schweiz.ch.
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Andreas Benz unter Tel. 079 822 80 00 oder unter
andreas.benz@emk-schweiz.ch.
Website der Fachstelle: www.emk-bildungundberatung.ch
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung bis spätestens 31. Mai 2014 an:
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Leiter der Pfarrwahlkommission, Obere Spichermatt 27, 6370 Stans.
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Pfarrer Rüdiger Oppermann, Tel. 041 610 21 16,
Heinz Lüthi, Leiter Pfarrwahlkommission, Tel. 041 620 57 68
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welche Freude hat an Begegnungen mit Menschen?
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offene und kommunikative Person, welche gewillt ist,
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Präsidium der Bürgergemeinde Solothurn,
Unterer Winkel 1, Postfach 245, 4502 Solothurn.
Feuilleton
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
Kirchen-Zeitreise
Ein Buch für Familie und Unterricht
Von den ersten Christen bis zu den
Berner Reformierten: Das vorliegende Buch bietet Kirchengeschichte
(nicht nur) für Kinder.
Stephanie Gysel – «2000 Jahre
unterwegs» liefert einen Überblick über die Kirchengeschichte
von der ersten Christengemeinde
über das Mittelalter bis zur reformierten Kirche des Kantons Bern.
Jede Seite ist illustriert und mit
einem kurzen handschriftlichen
Text versehen. Am Schluss befindet sich eine fünfseitige, ebenfalls handschriftliche Zeittafel.
Autor und Illustrator in einem ist
der pensionierte Berner Pfarrer
Jürg Häberlin, der das Buch seinen Enkeln gewidmet hat.
Seine Idee, mit Kindern und Erwachsenen vom Jahr 32 nach
Christus in die reformierte Kirche
der Gegenwart zu reisen, überzeugt. Trotz der Fülle des Stoffes
gelingt ihm eine einleuchtende
Auswahl an Themen, die er kindgerecht elementarisiert. Die Rezensentin hat das Buch mit ihrem
bald sechsjährigen Sohn angeschaut. Es war schön zu sehen,
wie er an vielen Stellen hängenblieb, zum Beispiel am Schiffbruch des Paulus, am Leben des
heiligen Franziskus oder an den
Zürcher Heiligen, die ihre Köpfe
zum Grossmünsterhügel tragen.
Dramatisch und spannend
Gerade durch die gelungene Verbindung von Text und Bild wird
für Kinder und Erwachsene sichtbar, wie spannend und auch wie
Stephanie Gysel, Pfarrerin, arbeitet auf
der Fachstelle Religionspädagogik
Vorschulzeit der Evangelisch-reformierten
Landeskirche des Kantons Zürich.
dramatisch Kirchengeschichte sein
kann. An einigen Stellen wurde
weitergeblättert, was gut machbar ist. Später kann man darauf zurückkommen, denn dieses
Buch kann man immer wieder
hervornehmen und anschauen.
Allerdings sollte das generationenübergreifende Betrachten des
Buches im Vordergrund stehen, in
der Familie oder im Unterricht,
denn alleine ist ein jüngeres Kind
leicht überfordert. Zu zweit oder
in einer Schulklasse können die
Themen miteinander entdeckt
und diskutiert werden.
Lydia, erste europäische Getaufte
Frauen kommen nicht viele vor.
Die Rezensentin möchte das dem
Autor aber auf keinen Fall vorwerfen, ist doch im vorgegebenen
Rahmen das Fokussieren auf die
wichtigsten Protagonisten zwingend. Immerhin wird auf die Purpurhändlerin Lydia hingewiesen,
die sich als erste Person auf europäischem Boden taufen lässt.
Das Buch ist an eine Leserschaft gerichtet, die sich für
die reformierte Tradition in der
Schweiz interessiert, vor allem im
Kanton Bern, dessen Synode am
Schluss des Buches dargestellt
wird. Da die Struktur vieler reformierter Kirchen in anderen
Kantonen ähnlich ist, stellt der
Berner Hintergrund kein Problem
dar. Auch ein Zürcher liest das
Buch mit Gewinn.
Die Bilder sind ansprechend
und elementar gezeichnet, der
Text ist ebenfalls klar und verständlich formuliert. Die Sätze
sind kurz und oft mit direkter
Rede gespickt.
Dem Autor gelingt es auf eine
ansprechende Art und Weise, die
Verbindung der ersten Christen
mit der reformierten Tradition
in der Schweiz anschaulich darzustellen, kurzum: Dieses Buch
empfiehlt sich für Familie und
Unterricht.
Jürg Häberlin: 2000 Jahre unterwegs . . . Eine Kirchengeschichte für Klein
und Gross. Berchtold-Haller-Verlag,
Bern 2012. 76 Seiten, Fr. 28.50.
Auf der Suche nach
den Konturen des
Lebens: «Ida»
Ingrid Glatz – Die Novizin Anna malt
mit sicherer Hand die Umrisse des
Gesichts einer Jesusfigur und bringt
sie in den verschneiten Innenhof des
kleinen polnischen Klosters.
Die Konturen ihres eigenen Lebens
scheinen Anna weit verborgener
zu sein. Sie weiss nur, dass sie ihre
Kindheit in den 50er Jahren in einem
polnischen Kloster verbracht hat.
Jetzt möchte die junge Frau ihre
Gelübde ablegen. Doch davor soll sie
auf Anordnung der Oberin ihre einzige
Verwandte Tante Wanda besuchen.
Wanda offenbart ihr ein Geheimnis:
Anna ist Jüdin, und ihr wahrer Name
lautet Ida. Von dieser Nachricht ins
Wanken gebracht, begibt sich Anna/
Ida gemeinsam mit ihrer Tante auf
eine Reise durch Polen, auf der
sie sich mit der tragischen Geschichte
ihrer jüdischen Familie auseinandersetzt. Gleichzeitig beginnt sie, ihr
eigenes Leben, ihre Identität und ihren
Glauben zu hinterfragen. Sie entdeckt
die körperliche Liebe und den Jazz.
Welchen Weg will Ida nun einschlagen? Die Schlussmusik, der Bachchoral «Ich ruf zu dir Herr Jesus Christ»,
gibt die Antwort und schliesst
musikalisch auf berührende Weise
den Kreis zum Anfangsbild des Films.
In wunderbar komponierten Schwarzweissbildern mit starker Symbolik entfaltet der Regisseur Pawel
Pawlikowski eine Geschichte über
Identitätssuche, Glaube und Vergebung in einem osteuropäischen Land
der kommunistischen Nachkriegszeit.
«Ida», Polen / Dänemark 2013. Regie:
Pawel Pawlikowski. Besetzung: Agata
Kulesza, Agata Trzebuchowska,
Joanna Kulig. Verleih: Frenetic Films
AG, 8038 Zürich. www.frenetic.ch
Ingrid Glatz, Pfarrerin ref. Kirchgemeinde
Aarwangen.
11
Charlotte Peter,
Reise- und
Kulturjournalistin
Tagebuch
Disentis hat einen neuen Priester, der
Changeth (Georg) Geevarghese heisst
und aus Kerala in Südindien stammt.
Ob das gut geht? Meine Bündner
Freundin Margrith beruhigt: Georg
ist im Dorf beliebt, spricht gut deutsch,
lernt sogar Romanisch und sieht
blendend aus. Neugierig geworden,
beschliesse ich, den exotischen
Priester zu besuchen, und treffe einen
wahren Bilderbuch-Inder, den man
in Bollywood für eine Prinzenrolle
brauchen könnte.
Doch Pater Georgs Kariere nahm
einen völlig anderen Weg. Er studierte
erst in Trivandrum Philosophie, dann
Theologie und wurde im Dezember
2000 zum Priester geweiht. Es folgten
einige Jahre missionarischer
Tätigkeit, wobei Georg betont, er habe
immer nur Leute getauft, die aus
eigenem Antrieb kamen. Und das hat
seinen Grund: In Indien ist Missionieren verboten oder zumindest nicht
gern gesehen, Missionare tarnen sich
daher öfters als Sozialarbeiter.
Ironie der Geschichte: In Kerala gab
es früher Christen als bei uns, denn
dort soll schon anno 79 der Apostel
Thomas eine Kirche gegründet haben.
Im Jahre 2005 übersiedelte Pater
Georg nach Rom, studierte Moraltheologie und dissertierte über das Thema
«Die Bedeutung der Sexualität im
Leben eines zölibatären Priesters».
Gleichzeitig amtete er mehrmals als
Ferienvertretung in der Schweiz, bis
er von seinem Bischof nach Disentis vermittelt wurde. Dort hat er sich
schnell eingelebt. Er pflegt freundschaftliche Kontakte mit den Klosterbrüdern, kocht gern, verbessert seine
Sprachkenntnisse und bemüht sich
um persönliche Kontakte. Gelegentlich lädt er nach einem Sondergottesdienst zu Grillwürsten und Wein ein.
Predigen macht ihm keinerlei Mühe,
Inder können nun einmal besonders farbenfroh und kenntnisreich von
Gott reden. Sein einziges Problem:
Kinder und Jugendliche haben in
Disentis oft wenig Kontakt zur Kirche,
Religion ist für sie – im Gegensatz zum
Land am heiligen Ganges – nicht
wichtig. So mag sich der christliche
Gott gedacht haben: Schicken wir den
lieben Georg in ein Land, wo der
dringend gebraucht wird. In Indien
gibt’s ohnehin genug Religion.
12
Inserate
UNSERE KIRCHGEMEINDE BAUT AUF DIE JUGEND
Unsere interessierten und engagierten Jugendlichen wünschen
sich mehr Angebote, was von unserer Kirchgemeinde sehr
unterstützt wird. Deshalb brauchen wir Verstärkung in unserem
Jugendarbeiterteam und suchen per sofort
DIE Jugendarbeiterin
DEN Jugendarbeiter
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Ihre Aufgaben
Ihnen bereitet es Freude, Angebote im Rahmen unseres neu erstellten
kirchlichen Kinder- und Jugendkonzeptes zu entwickeln und diese in
unseren Gemeinden aufzubauen. Seien Sie ein Teil unserer vielfältigen
und aktiven Gemeindearbeit zusammen mit dem Team von Pfarrpersonen, der Kirchenpflege und dem ebenso engagierten Jugendarbeiter.
Ihr Profil
Sie sind eine landeskirchlich verwurzelte, offene Person, die gerne Kinder
und Jugendliche in Glaubens- und Lebensfragen begleitet. Sie verstehen
die Anliegen unserer Jugend und gehen zeitgemäss damit um. Es ist Ihnen
ein Anliegen, zusammen mit den Jugendlichen an der Kirche von Morgen
mitzubauen und Neues auszuprobieren. Sie verfügen über eine Ausbildung
und/oder Erfahrung als Jugendarbeiter/-in, Sozialdiakon/-in o. ä. oder machen darin eine berufsbegleitende Ausbildung. Sie sind kreativ und arbeiten
gerne flexibel und selbständig, oft auch an Abenden und Wochenenden.
Interessiert?
Für weitere Auskünfte stehen Ihnen gerne Brigitte Niederberger,
Leiterin Ressort Jugend, Tel. 061 811 26 07, abends, oder
Caroline Mennet, Leiterin Ressort Personal, Tel. 061 831 29 28, zur
Verfügung. Informationen erhalten Sie auch unter www.ref-rheinfelden.ch.
Ihre Bewerbung
Ihre elektronische Bewerbung mit Motivationsschreiben richten
Sie bitte bis Ende Mai 2014 an Caroline Mennet unter:
caroline.mennet@ref-rheinfelden.ch.
Wir freuen uns auf Sie!
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Das Studierendenabo. www.reformierte-presse.ch
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
Die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons
Zürich zählt rund 450 000 Mitglieder in 178 Kirchgemeinden.
Die Gesamtkirchlichen Dienste (GKD) mit ihren 200 Mitarbeitenden unterstützen die Kirchgemeinden, den Kirchenrat
und die kirchlichen Behörden mit einer Vielzahl von Dienstleistungen. Dazu gehören Beratungs- und Bildungsangebote
sowie die Seelsorge für Menschen in besonderen Lebenslagen. Infolge Pensionierung des heutigen Stelleninhabers
suchen wir per 1. Januar 2015 eine dienstleistungsorientierte
Persönlichkeit für die nicht alltägliche, anspruchsvolle
Position der / des
Kirchenratsschreiberin /
Kirchenratsschreiber 100%
Ihre Aufgaben
• Sie tragen die Verantwortung für die operative, personelle
und qualitative Führung der GKD. In dieser anspruchs-
vollen Führungsfunktion sind Sie direkt dem Kirchenratspräsidenten unterstellt.
• Sie sind für die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der
Dienstleistungen verantwortlich und gestalten organi-
satorische Rahmenbedingungen für eine effiziente Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen.
• Sie stellen die Umsetzung der Vorgaben und Aufträge des Kirchenrats sicher.
• Sie sorgen für einen sorgfältigen und wirksamen Ressourceneinsatz.
• Über Ihre internen Aufgaben hinaus pflegen Sie vielfältige
Kontakte mit externen Partnern und Anspruchsgruppen.
Ihr Profil
• Sie verfügen über einen Hochschulabschluss und besitzen fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Sie sind
zudem Mitglied einer evangelisch-reformierten Kirche.
• Ihre mehrjährige Führungserfahrung und Ihre Affinität für politische Zusammenhänge befähigen Sie, sich erfolgreich in einem anspruchsvollen Gefüge von kirchlichen und staatlichen Institutionen zu bewegen.
• Als integrierende Persönlichkeit schaffen Sie eine ver-
trauensvolle Basis und Ihre kommunikativen Kompe-
tenzen befähigen Sie, auch mit komplexen Interessens-
lagen konstruktiv umzugehen.
• Ihr Handeln ist geprägt von einem hohen Dienstleistungsverständnis und menschlicher Qualität.
• Ausgeprägte analytische und methodische Kompetenzen,
Projektleitungserfahrung sowie Kreativität runden Ihr Profil ab.
Unser Angebot
Es erwartet Sie eine äusserst vielfältige und herausfordernde Tätigkeit am Puls des kirchlichen und gesellschaftlichen
Lebens. Sie können dabei auf professionelle und motivierte
Mitarbeitende zählen. Ein attraktiver Arbeitsplatz in der Zürcher
Altstadt wartet auf Sie. Weitere Auskünfte erteilen Ihnen gerne
Michel Müller, Kirchenratspräsident, Tel. 044 258 92 51 oder
Alfred Frühauf, Kirchenratsschreiber, Tel. 044 258 92 69. Besuchen Sie uns auch auf www.zh.ref.ch
Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen senden Sie vorzugsweise elektronisch an die von uns beauftragte
probst+sie gmbh, Caroline Probst, kontakt@probstundsie.ch
oder Niederdorfstrasse 18, 8001 Zürich.
Feuilleton
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
13
Fundamentales Vertrauen
Ein menschliches Phänomen mit theologischen Implikationen
den, Grundlagen, Formen und
Grenzen des Vertrauens besser zu
verstehen. Erste Ergebnisse sind
in zwei Bänden zu den Themen
«Kommunikation des Vertrauens»
und «Gottvertrauen» bereits vorgelegt worden (beide 2012). Das
vorliegende Buch widmet sich einem weiteren Aspekt des Forschungsgebiets: dem «Grundvertrauen».
Zum diesem Thema werden so
unterschiedliche Disziplinen wie
Psychologie, Soziologie, Philosophie und Theologie miteinander
ins Gespräch gebracht.
Matthias Zeindler – Begriffe wie
Urvertrauen oder Grundvertrauen hatten vor einiger Zeit in Theologie und Kirche Konjunktur.
Schon der Psychoanalytiker Erik
H. Erikson hatte 1950 den Begriff
des «basic trust» eingeführt. Danach haben vor allem Wolfhart
Pannenberg und Hans Küng versucht, von der Beobachtung eines
fundamentalen Vertrauens des
Menschen aus eine Brücke zum
religiösen Glauben zu bauen.
Damit schien es möglich, Welt-,
Selbst- und Gottvertrauen zu verbinden und der Moderne die Religion als sinnvolle Lebensmöglichkeit plausibel zu machen.
Um solche Versuche ist es zwar
in der jüngeren Theologie stiller geworden, umso mehr ist dafür in anderen Disziplinen ein
wissenschaftliches Interesse am
Phänomen Vertrauen entstanden. Im Rahmen eines an der
Universität Zürich angesiedelten interdisziplinären Nationalfondsprojekts werden nun die
verschiedenen Forschungszugänge
im gemeinsamen Versuch verbun-
Matthias Zeindler, Leiter Bereich Theologie
der Reformierten Kirchen Bern-JuraSolothurn, ist Titularprofessor für
Systematische Theologie an der
Theologischen Fakultät Bern.
Vertrauen als elterliche Gabe
So schlägt die Psychologin Brigitte Boothe einen Perspektivenwechsel vor, wenn sie bei der Genese von Ur- oder Grundvertrauen
Foto: Fotolia/fotogestoeber
«Vertrauen» ist ein zentraler Begriff
in Psychologie, Soziologie und Theologie. Das vorliegende Buch bringt
die verschiedenen Disziplinen miteinander ins Gespräch.
sche, hermeneutische und empirische Explorationen «ein Untersuchungs- und Reflexionsfeld zu
eröffnen, das zur weiteren Bearbeitung einlädt». Die Vielfalt der
Zugänge macht das Buch für
Theologinnen und Theologen zu
einem reichen Fundus von theoretischen und praktischen Anregungen.
«Grundvertrauen sichert die Wirklichkeit, Vertrauen in Gott eröffnet Möglichkeiten.»
Zur Spezifik des Bandes gehört,
dass er neben Reflexionen aus
den Disziplinen auch Zwischenergebnisse aus einer empirischen
Untersuchung dokumentiert, welche zu zeigen versucht, wie
Grundvertrauen erlebt wird und
wie es psychotherapeutisch entwickelt werden kann.
«Work in progress»
Damit ist bereits gesagt, dass der
Band eine Fülle von spannenden Einsichten bietet, von denen
hier nur ein kleiner Ausschnitt erwähnt werden kann. Das Buch
spiegelt ein «work in progress»,
und entsprechend steht deshalb
auch kein gemeinsamer Begriff
von «Grundvertrauen» am Ende.
Vielmehr geht es darum, durch
Begriffsklärungen sowie histori-
den Blick weniger auf das Kind
als auf die Eltern wendet und
zeigt, dass die Fähigkeit zum
Vertrauen dann entsteht, wenn
Eltern das Kind durch eigene vertrauensvolle Haltungen dazu anleiten. Diese Einsicht ist auch
theologisch interessant: «Urvertrauen ist elterliche Gabe, bevor
es zur kindlichen Aufgabe wird.»
Mit Recht nehmen historische
und begriffliche Differenzierungen der beiden Herausgeber viel
Raum ein. Simon Peng-Keller
weist die Rede vom Grund bei
Augustin und der Mystik nach,
den Gedanken, politischer Zusammenhalt bedürfe des Vertrauens, bei Macchiavelli und Hugo
Grotius oder Vorformen des
Konzepts eines Urvertrauens bei
Pestalozzi. Gegen ein allzu af-
firmatives Verständnis von Grundvertrauen plädiert er dafür, dieses
als «akzeptierte Verletzlichkeit»
zu charakterisieren – auch dies ist
theologisch wieder höchst sinnvoll.
Gegen theologische Kurzschlüsse
Beide Herausgeber verhindern
allzu kurzschlüssige theologische
Verwertungsinteressen, wenn sie
darauf drängen, «Grundvertrauen» und «Gottvertrauen» deutlich voneinander zu unterscheiden. Sie weisen darauf hin, dass
Grundvertrauen sich auch ohne
eine spezifische religiöse Prägung
herausbilden kann, und halten
fest: «Gottvertrauen ist keine religiöse Version des Grundvertrauens und Grundvertrauen keine
verdünnte Vorform des Gottvertrauens.» Der allzu schnellen Verbindung der beiden Begriffe steht
zudem entgegen, dass man am
Ende der Lektüre feststellt, dass
es sowohl unterschiedliche Formen religiösen Vertrauens als
auch verschiedene Gestalten von
Grundvertrauen gibt.
Eine entscheidende Differenz
zwischen beiden Begriffen bringt
schliesslich Ingolf U. Dalferth ins
Spiel. Während «Grundvertrauen» für das stehe, was dem Geordneten gegenüber Einbrüchen
von Ungeordnetem Bestand gibt,
stehe «Gott» für das, was überraschend ins Leben einbricht und
dieses in ein neues Licht stellt –
Grundvertrauen sichert die Wirklichkeit, Vertrauen in Gott eröffnet Möglichkeiten. Statt das
Konzept «Grundvertrauen» in
falsch verstandener Apologetik in
die Theologie «einzugemeinden»,
endet so der Band gerade dank
seinen Unterscheidungen mit kraftvollen theologischen Akzenten.
Ingolf U. Dalferth, Simon Peng-Keller
(Hg.): Grundvertrauen. Hermeneutik
eines Grenzphänomens. Evangelische
Verlagsanstalt, Leipzig 2013.
230 Seiten, Fr. 50.90.
Palette
Radio
Religion
Zwischenhalt
Unterwegs zum Sonntag mit den
Glocken der röm.-kath. Kirche Turbenthal ZH.
Samstag, 12. April
Radio SRF 1, 18.30 Uhr
Perspektiven: «Hochgeehrter,
lieber Herr Professor Freud»
Sigmund Freud, der Begründer der
Psychoanalyse, pflegte eine enge
Freundschaft mit dem Schweizer Pfarrer und Psychoanalytiker
Oskar Pfister. Von 1909 bis zu
Freuds Tod 1939 standen sie ununterbrochen in Briefkontakt. Warum
interessierte sich der atheistische
Jude Freud für den reformierten
Pfarrer? Wie diskutierten sie über
Religion? Diese Fragen beantwortet die Berner Theologieprofessorin Isabelle Noth, die die
Korrespondenz zwischen Freud
und Pfister neu herausgibt.
Sonntag, 13. April
Radio SRF 2 Kultur, 8.30 Uhr
Christkath. Gottesdienst
[Bild] «Sie nahmen Palmzweige,
zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen
des Herrn, der König Israels!» So
hören wir es im Evangelium vom
Palmsonntag (Joh 12,12–19).
Wie steht es mit unserer Nachfolge und unserem Bekenntnis?
Gottesdienst aus der christkatholischen Kirche in Möhlin mit
Pfarrer Edringer.
Sonntag, 13. April
Radio SRF 2 Kultur, 9.30 Uhr
Perspektiven: Der christliche
Soldat – Sich opfern für Gott
und Vaterland?
Während sich die Kirchen Europas
in den beiden Weltkriegen mehrheitlich nationaltreu verhielten
und zu Opferbereitschaft aufriefen, stehen sie heute für Frieden
ein. Trotzdem gibt es immer noch
christliche Soldaten, um die sich
speziell geschulte Seelsorger
kümmern. Mit welchem Selbstverständnis er diese ausbildet, erzählt
der Zürcher Grossmünster-Pfarrer
Christoph Sigrist. Pfarrer Friedhelm Schneider berichtet von seiner jahrzehntelangen Beratungsarbeit für Kriegsdienstverweigerer.
Freitag, 18. April
Radio SRF 2 Kultur, 8.30 Uhr
Radio
Religion
Christkath. Predigt
Karin Schaub, Diakonin, Basel.
Freitag, 18. April
Radio SRF 2 Kultur, 9.30 Uhr.
Ev.-ref. Predigt
Jürg Rother, Pfarrer, Oberägeri ZG.
Freitag, 18. April
Radio SRF 2 Kultur, 9.45 Uhr
Zwischenhalt
Unterwegs zum Sonntag
mit den Glocken der ev.-ref.
Kirche Rüderswil BE.
Samstag, 19. April
Radio SRF 1, 18.30 Uhr
Perspektiven:
Ikonen – Fenster zum Himmel
Auf den ersten Blick wirkt die
Kunst der Ostkirche naiv. Doch
hinter den Ikonenbildern verbirgt
sich ein komplexes theologisches
Konzept. Ikonen gelten als Verbindungen zwischen dem Irdischen
und dem Himmlischen – als Fenster zum Himmel. «Perspektiven»
besucht eine Ikonenmalschule in
Athen und nähert sich der Spiritualität der Kultbilder an.
Sonntag, 20. April
Radio SRF 2 Kultur, 8.30 Uhr
Röm.-kath. Predigt
Thomas Markus Meier,
Theologe, Obergösgen SO.
Sonntag, 20. April
Radio SRF 2 Kultur, 9.30 Uhr
Ev.-ref. Predigt
Ruedi Heinzer, Pfarrer, Spiez BE.
Radio SRF 2 Kultur, 9.45 Uhr
Gesellschaft
Wissen: Madame Blavatsky
[Bild] Helena Petrowna Blavatsky
wollte mit ihrer spirituellen Lehre
die Welträtsel entschleiern. Sie
war Mittelpunkt der 1875 in New
York gegründeten Theosophischen
Gesellschaft und schon zu Lebzeiten ebenso berühmt wie umstritten. Ihre Werke haben dazu
beigetragen, dass Begriffe wie
Karma, Reinkarnation und Nirwana heute zum Allgemeinwissen
gehören. Von ihren Anhängern
wurde Madame Blavatsky als
Hohepriesterin der Theosophie
gefeiert – ihre Kritiker jedoch bezeichneten sie als Hochstaplerin.
Donnerstag, 17. April
SWR2, 8.30 Uhr
Radio
Gesellschaft
Passage: Das Gas, der Freitod
und der Nobelpreis –
Eine Familiengeschichte
Am 2. Mai 1915 erschoss sich die
Chemikerin Clara Immerwahr im
Garten ihres Hauses in Berlin.
Sie wollte damit ein Zeichen des
Protests gegen ihren Mann, den
Chemiker Fritz Haber, setzen. Der
Nobelpreisträger war unter anderem an der Entwicklung von
Giftgas beteiligt, das im Ersten
Weltkrieg zum Einsatz kam. Die
Historikerin Gerit von Leitner hat
den «Fall Clara Immerwahr» recherchiert und dabei vielfältige
Bezüge zur Schweiz entdeckt.
Freitag, 25. April
Radio SRF 2 Kultur, 20 Uhr
Fernsehen
Religion
24h Jerusalem
[Bild] In Jerusalem ist jeder Stein
Geschichte. Die Heilige Stadt ist
die Wiege der drei grossen monotheistischen Religionen, das spirituelle Zentrum für Millionen Menschen. Jerusalem ist hart
umkämpft, die politischen Frontlinien laufen mitten durch die
Stadt. Die Dokumentation erzählt
von einem Tag im Leben dieser
einzigartigen Metropole und gewährt einen Einblick in den Alltag
der Bewohner fernab der gängigen Berichterstattung. Zeitgleich
zur Ausstrahlung können die Zuschauer auch online am Programm teilhaben und sich mit dem
Team von «24h Jerusalem» austauschen.
www.24hjerusalem.tv
Samstag, 12. April
Arte, 6 Uhr
Wort zum Sonntag
Hugo Gehring, kath. Pfarrer.
Samstag, 12. April
SRF 1, 20 Uhr
Katholischer Gottesdienst
Aus der Stiftskirche Maria Geburt
in Klosterneuburg (A).
Sonntag, 13. April
ZDF, 9.30 Uhr
Sternstunde Religion:
Tierisch menschlich!
Spezialsendung zum Verhältnis
zwischen Mensch und Tier.
Sonntag, 13. April
SRF 1, 10 Uhr
Fernsehen
Religion
Schätze der Welt, Erbe
der Menschheit
[Bild] Im Kloster Santa Maria
delle Grazie in Mailand haben Bramante und Leonardo da Vinci ihre
schönsten Werke geschaffen.
Bramantes Architektur von Kuppel,
Kreuzgang und Sakristei ist beeindruckend, und da Vincis weltberühmtes «Abendmahl» schmückt
den Speisesaal der Mönche.
Montag, 14. April
3sat, 12.45 Uhr
Sternstunde Religion: Ev.-ref.
Karfreitagsgottesdienst aus Egg
Im Zentrum des Gottesdienstes am
Karfreitag stehen die verschiedenen Sichtweisen auf das Kreuz.
Pfarrer Matthias Stäubli weist darauf hin, dass bereits in der Bibel
recht unterschiedliche Perspektiven auf das Kreuz nebeneinanderstehen. Welche davon bringt die
Menschen heute weiter? Zwischen diesen Gedanken erklingt
Musik von Mendelssohn und
Bach, musiziert vom Singkreis Egg
unter der Leitung von Ernst
Buscagne.
An der Orgel spielt Ursula Emch.
Freitag, 18. April
SRF 1, 10 Uhr
Wort zum Sonntag
Tania Oldenhage,
reformierte Pfarrerin.
Samstag, 19. April
SRF 1, 20 Uhr
Evangelischer Gottesdienst
Aus der freien evangelischen
Gemeinde in Bonn (D).
Sonntag, 20. April
ZDF, 9.30 Uhr
Sternstunde Religion:
Manfred Lütz – Wo Gott hockt
Gibt es Gott oder macht der Glaube an Gott gar keinen Sinn? Die
Argumente, welche für die Existenz Gottes sprechen, überwiegen. Davon ist der umtriebige Psychotherapeut und Theologe
Manfred Lütz überzeugt. Ob man
glaubt, beeinflusst seiner Ansicht
nach auch entscheidend, wie man
lebt und wie man stirbt. In der
«Sternstunde» unterzieht sich
Manfred Lütz mit seinen Thesen
einem Glaubwürdigkeitstest.
Sonntag, 20. April
SRF 1, 10 Uhr
srf
public domain
arte
public domain
reformierte presse Nr. 15/16 I 11. April 2014
public domain
14
Fernsehen
Gesellschaft
Philosophie heisst
Sterben lernen
Leben und Tod – zwei Konstanten,
die unser Dasein bestimmen. Allgegenwärtig und doch rätselhaft.
Naturwissenschaftlich erklärbar
und doch abstrakt. Zwei tiefgründige Motive, die ihren Ausdruck
von jeher in Kunst und Kultur finden, zu deren Erklärung ganze
Weltanschauungen und Religionen entstanden. Die Dokumentation (D 2012) begibt sich auf einen
Streifzug durch die Betrachtungen
von klassischen und zeitgenössischen Philosophen und Lyrikern,
die sich mit dem Ende des Lebens
beschäftigt haben.
Mittwoch, 16. April
Arte, 2.50 Uhr
Searching for Sugar Man
Der mexikanisch-amerikanische
Sänger Sixto Rodriguez wurde
für seine sozialkritischen Lieder in
Südafrika als Held verehrt – und
wusste nichts davon. Denn die
Musik hatte der Bauarbeiter nach
zwei erfolglosen Platten zu diesem
Zeitpunkt längst aufgegeben. Der
oscarprämierte Dokumentarfilm
erzählt von seiner Wiederentdeckung und porträtiert den Antihelden, der erstaunlich berührende Songs geschrieben hat.
Freitag, 18. April
SRF 1, 22.15 Uhr
Dällebach Kari – Eine wen iig
[Bild] Spielfilm (CH 2011), Regie:
Xavier Koller. Kari Tellenbach wird
mit einer Hasenscharte geboren.
Seine Mutter päppelt ihn liebevoll
auf. Als junger Mann wird Kari
Friseur und erobert mit Witz,
Charme und Feinfühligkeit das
Herz der schönen, reichen Annemarie. Sein Glück scheint perfekt,
doch Annemaries bürgerliche
Eltern haben für ihre Tochter bereits andere Pläne. Xavier Koller
inszeniert Kurt Frühs Klassiker
«Dällebach Kari» mit einem
Schwerpunkt auf der Tragik
der unerfüllten Liebe.
Sonntag, 20. April
SRF 1, 20.05 Uhr
Weitere Radio- und Fernsehtipps
für diesen Zeitraum finden Sie auf
unserer Website www.ref.ch
in der Rubrik «Kulturtipps».
Palette
Nr. 15/16 I 11. April 2014 reformierte presse
15
Medienkritik
SRF 2, Fenster zum Sonntag, 29. März
Bildung
Vortrag
«Wie schön bist du, . . .»
«Wie schön bist du, Liebe voll Lust
. . .», heissen jene sinnlich-lustvollen Worte, die sich im biblischen
Hohenlied (Hld 7,7) entdecken
lassen. Das Religiöse und das Geschlechtliche sind unsere stärksten Lebenskräfte. Jedem Menschen – ob als Single oder in einer
Partnerschaft lebend – ist es als
sexuelles Wesen aufgetragen,
eine Integration des Erotischen
im Leben zu wagen.
Donnerstag, 24. April, 20 Uhr
Lassalle-Haus
Bad Schönbrunn, 6313 Edlibach
Auskunft/Anmeldung:
Tel. 041 757 14 14
www.lassalle-haus.org
Kurs
Goethes Faust neu lesen
[Bild] Lektüre, Film und Diskussion
über Szenen aus Faust I werden
neu gelesen, rezitiert und diskutiert. Es werden keine Vorauskenntnisse des Textes erwartet.
Spielerisches (freiwilliges) Rezitieren einzelner Szenen, kurze Referate, gemeinsames Schauen der
Theateraufführung mit Gustav
Gründgens als Mephisto.
Freitag, 30. Mai, 18.30 Uhr, bis
Sonntag, 1. Juni, 13 Uhr
Via Cordis Haus St. Dorothea
Hubel 2, 6073 Flüeli-Ranft
Auskunft/Anmeldung:
Tel. 041 660 50 45
www.viacordis.ch
Ökumenische Tagung
«Es geschehen keine Wunder,
aber Zeichen»
Demenz ist eine wachsende Herausforderung für die Seelsorge in
Spital, Heim und Klink. Im Startjahr
der «Nationalen Demenzstrategie»
des Bundes bieten die Vereinigungen der evangelischen und katholischen Spital-, Heim- und
Klinikseelsorger/-innen in dieser
Tagung Gelegenheit für Informations- und Erfahrungsaustausch
über die Begleitung von Menschen mit Demenz. Referentinnen:
Dr. med. Gabriela Bieri (Chefärztin
Geriatrischer Dienst Stadt Zürich),
Clownin Aurikla (alias Katharina
Schwitter). Workshops vertiefen
die Thematik.
25./26. August, Infos/Anmeldung
zur Tagung ab Juni unter:
www.spitalseelsorge.ch
Guérin Nicolas/cc by-sa.3.0
Ida Zenna
public domain
Alltag erschwert
Treffpunkt
Lesung
«Agnes»
Peter Stamm liest aus «Agnes»
und unveröffentlichten Texten. In
seinem Werk geht es vielfach um
das Fremdsein im eigenen Leben,
um die Suche nach Nähe und Zugehörigkeit in einer Welt der Instabilität. Es sind Erforschungen über
die Möglichkeit und Unmöglichkeit
von Beziehungen, zwischen Kälte
und Anziehung, Distanz und Nähe.
Dienstag, 15. April, 20.15 Uhr
Schauspielhaus Zürich/Schiffbau
Schiffbaustrasse 4, 8005 Zürich
Auskunft: www.schauspielhaus.ch
Referat
Zmittagslabor:
«Du siehst ja Gespenster!»
Aussergewöhnliche Erfahrungen
– spezielle Begabung oder psychische Störung? Referat mit Prof. Dr.
Wulf Rössler (Fellow am Collegium
Helveticum).
Mittwoch, 23. April, 12.15 Uhr
W.I.R.E.LAB
Bärengasse 22, 8001 Zürich
Auskunft/Anmeldung:
www.collegium.ethz.ch
zmittagslabor@thewire.ch
Frauentreff
«Kleider machen Leute –
auf der Bühne wie im Leben»
Referat mit Jacqueline Kobler,
Kostümbildnerin, Zürich.
Samstag, 26. April, 9 Uhr
Hotel/Restaurant Krone
Marktgasse 49, 8400 Winterthur
Auskunft: www.vefz.ch
theatergottesdienst
«Tanz 15: Moving Metaphors»
[Bild] Inspiration: Kirche und
Theater gehen Hand in Hand. In
Kooperation mit der katholischen
und der reformierten Kirche Luzern.
Sonntag, 27. April, 10 Uhr
Matthäuskirche
Hertensteinstrasse 30, 6004 Luzern
Auskunft:
www.refluzern.ch
Gastvortrag
Elija-Permutationen –
Genderperspektiven
zu 1Kön 17 – 2Kön 2
Gastvortrag mit Prof. Dr. MarieTheres Wacker (Münster).
Montag, 28. April, 18.15 Uhr
Universität Bern, Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4, 3012 Bern
Auskunft: www.theol.unibe.ch
Treffpunkt
Impulsabend
Wechseljahre – Heisse Zeiten
Im Rahmen der Reihe «Gesundheit und Krankheit: Wie bleibe ich
heil?» sind für Frauen drei Impulsabende mit Notburga Fischer
zum Thema Wechseljahre geplant.
29. April / Wabern, 13. Mai / Schliern, 27. Mai / Köniz, jeweils
am Dienstag, 19.30 Uhr
Auskunft/Anmeldung:
www.kirche-wabern.ch
Vorträge + Diskussion
Bescheidenheit und Demut:
neue Führungstugenden?
Oder blosse Staffage?
Entwickelt sich in unserer Gesellschaft eine neue gelebte Führungsphilosophie, oder haben wir
es mit einer geschickten PR-Inszenierung zu tun? Sind Bescheidenheit und Demut überhaupt
taugliche Führungseigenschaften
für den wettbewerbsintensiven
Alltag?
Donnerstag, 15. Mai, 18 Uhr
Hotel Glockenhof, Saal London
Sihlstrasse 33, 8001 Zürich
Auskunft/Anmeldung: 9. Mai
Tel. 043 336 70 42
www.paulus-akademie.ch
Benefizkonzert
Die Motetten von J. S. Bach
[Bild] Mit dem Bach Ensemble,
Zürich, und dem Capriccio Barockorchester. Der Erlös kommt
dem Hilfswerk der Evangelischen
Kirchen Schweiz, Heks, zugute.
Montag, 2. Juni, 19.30 Uhr
Tonhalle, Zürich
Claridenstrasse 7, 8002 Zürich
Auskunft/Vorverkauf:
www.bach-ensemble.ch
Die «Palette»-Redaktion nimmt
gern Hinweise zu Veranstaltungen
entgegen (knapp formuliert, wenn
möglich mit Link).
Termin: spätestens drei Wochen
vor Veranstaltung respektive vor
Anmeldefrist.
Weitere Veranstaltungen finden
Sie unter: www.ref.ch/
hauptseiten/kulturtipps/
veranstaltungen.
Reformierte Presse, «Palette»
Rita Schwitter
Postfach, 8026 Zürich
Telefon 044 299 33 21
Fax
044 299 33 93
E-Mail palette@ref.ch
Behinderung und Glaube sind zurzeit ein gut
funktionierendes Duo, das die Medien gerne
aufgreifen. Die Sendung schafft es glücklicherweise,
bei den Protagonisten nicht nur um diese beiden
Punkte zu kreisen. Der Mensch und seine Bewältigung des Alltags mit erschwerten Bedingungen
stehen im Vordergrund.
So zum Beispiel bei Roman Pulvermüller, der den
grössten Teil seiner Hände bei einem Unfall verlor – dem Netzelektriker flossen 6500 Volt durch den
Körper. Oder Roy Weggenmann, der seit seiner
Geburt zwei komplexe Herz- und dazu einen
Chromosomenfehler hat. Oder Christian Lohr, der
mit einer Contergan-Schädigung zur Welt kam und
ohne Arme und funktionierende Beine auskommen
muss. Er ist Nationalrat (CVP), der einzige im
Rollstuhl, und setzt sich dafür ein, dass alle Menschen gleich behandelt werden, insbesondere
solche mit einer Behinderung: «Sonderregelungen
sind nicht im Sinne von meinem Engagement.
Ich will aber den Rahmen schaffen, dass auch
Menschen mit einem Handicap das Leben in einer
würdigen Qualität bestreiten können», sagt er.
Die Diskussion mit Lohr bewegt sich locker zwischen parlamentarischem Alltag und Glaubensfragen. «Von Gott als gleichwertig angeschaut zu
werden tut extrem gut», sagt er und lässt durchschimmern, dass Menschen mit einem Handicap
ihr Anderssein bei aller Integration doch immer
wieder schmerzlich erleben. Wie es ist, wenn die
Einschränkung erst im späteren Leben eintritt und
man sich völlig neu orientieren muss, wird bei
Pulvermüller sichtbar. Er wurde durch den Unfall
gezwungen, den Beruf zu wechseln.
Die Sendung weckt nie Mitleid, das macht die Porträts stark. Die Porträtierten hadern nicht mit
ihrem Schicksal, verschweigen aber auch nicht
düstere Zeiten. Die Schwierigkeit, das Leben
mit Einschränkung zu akzeptieren, kennt jeder.
Dass das Thema nicht oberflächlich bleibt, ist auch
dem geschickten Schnitt zu verdanken. Die ruhige Kameraführung hilft, dass die Aussagen im
Zentrum stehen. Die kurze Zeit von durchschnittlich gerade mal acht Minuten pro Porträtiertem
reicht allerdings kaum für einen Blick in die Tiefe.
Es stellt sich die Frage, ob die Beschränkung
auf zwei Personen dem Magazin nicht mehr gebracht hätte. Eine Frau unter den Porträtierten
wäre auch von Vorteil gewesen. Die wesentliche
Botschaft wird dennoch klar: Auch ein Leben
mit Behinderung hat Perspektive.
Raphael Kummer
Raphael Kummer ist freier Journalist in Zürich.
16
Wendepunkt
«Ich lasse mich von Madonna,
Grace Jones und Lady Gaga
inspirieren»
Wochenzeitung der reformierten Kirchen
Nr. 15/16 I 11.April 2014 I Freitag vor Palmsonntag
Mit drei Jahren kam ich mit
meinen beiden Brüdern in die
Schweiz. Wir wurden adoptiert.
Ich weiss noch, dass es kalt war
und bald darauf zu schneien anfing. Wir hatten Angst, als wir das
erste Mal Schnee sahen. Seither
war ich nicht mehr in Brasilien.
Ich hatte nie den Wunsch, meine
leiblichen Eltern kennenzulernen.
Ich bin zufrieden, so wie es ist.
Ein Lampenschirm wird Mode
Meine Mutter ist im Vorstand der
reformierten Kirche in Wilchingen. Früher bin ich öfter in den
Gottesdienst gegangen und habe
mich auch konfirmieren lassen.
Ich glaube an Gott. Seit ich in
Stuttgart die Modefachschule besuche und auch dort wohne, gehe
ich nicht mehr so oft in die Kirche. An wichtigen Feiertagen wie
Weihnachten oder Ostern bin ich
jedoch dabei und helfe auch mit.
Es machte mir Spass, die Workshops für die Jugendlichen, die
von der Brot-für-alle-Fastenkampagne angeboten wurden, zu leiAufgezeichnet von Sidonia Hämmig.
ten. In diesen Workshops ging es
um faire Produktion und darum,
aus alten Kleidern neue Mode zu
machen. Ich zeigte den Jugendlichen, wie sie ihre Hosen professionell zerreissen und mit Spitze
und Bordüren aufwerten können.
Auch für meine Kleider benutze
ich alte Materialien: So wurde aus
einem Lampenschirm, der früher
im Wohnzimmer stand, ein mit
schwarzen Federn geschmückter
Hut.
Meine Faszination für das Modedesign begann im Handarbeitsunterricht und beim Nähen eines
weissen Ballkleids für eine Freundin. Meine Mutter besorgte mir
dafür ein Burda-Schnittmuster.
Am liebsten möchte ich mich
selbständig machen. Ich habe ein
eigenes Modelabel, «Wisly», benannt nach meinem Spitznamen.
New York, New York
Meine Mode ist sehr ausgefallen,
avantgardistisch und etwas verrückt. Ich lasse mich von Madonna, Grace Jones und Lady Gaga
inspirieren. Wer meine Kleider
trägt, ist auf der Strasse ein Hingucker, was auch das Ziel ist.
Ich würde nie
etwas designen, was ich
nicht selber
tragen würde. Meine
Herausforderung wird
sein, kommerzielle Mode zu
machen. Im Februar konnte ich an
der New York Fashion Week sechs meiner Kreationen vorstellen. Begleitet wurde
ich vom Kamerateam
des Fernsehsenders Vox
für die Sendung «Mein
Auslandstagebuch». New
York war eine grossartige Erfahrung. Meine
Kleider sind gut angekommen.
Seit der Modewoche
habe ich viele Aufträge erhalten, doch die Schule
geht vor. In einem halben
Jahr mache ich meinen
Abschluss. Meine Eltern
möchten, dass ich mir
einen Job mit einem re-
Foto: RP/Hämmig
Der Modedesigner Wesley Petermann (20)
wurde in Brasilien geboren, wuchs in
Wilchingen SH auf und träumt von New York.
gelmässigen
Einkommen suche. Ich
kann mir gut vorstellen, für ein berühmtes Modehaus
wie Hugo Boss, Armani oder Chanel zu
arbeiten. Mein Traum
ist, vor meinem 30. Lebensjahr in New York
zu wohnen und dort
Filmkostüme für eine
grosse
HollywoodProduktion zu designen.
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Seele and Geist
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