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Handout: 8.11.06 Emotionsdifferenzierung: Wie entwickeln sich

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Handout: 8.11.06
Emotionsdifferenzierung: Wie entwickeln sich Emotionsausdruck und
emotionales Erleben?
Referentinnen: Frauke Beck, Hannah Schmidt, Birte Schmiedecke
Hintergründe:
Grundemotionen: Universale Gefühle, die dem Überleben dienen
-Beispiele: Freude, Ärger, Furcht, Traurigkeit, Interesse Überraschung, Ekel
Komplexe Emotionen: Selbstbezogene Emotionen, die bei Verletzung oder Steigerung des Selbstwertgefühls
auftreten
-Beispiele Scham, Verlegenheit, Schuld, Neid, Stolz
Differenzierung emotionaler Ausdruckszeichen:
- Ausgangspunkt: Emotionen als Zeichen, um interpsychische Regulation durch Bezugsperson
auszulösen ( angeboren: schreien und lächeln )
- Präadaptives Fähigkeitspotenzial der Bezugsperson ( „intuitive elterliche Didaktik“: Eltern
interpretieren Zeichen des Kindes richtig und reagieren wirkungsvoll und konsistent darauf)
- Positiver Rückkopplungsprozess zwischen Säugling und Bezugsperson: Ausdruckszeichen werden
zunehmend gerichteter
- Vorschulalter: Gebrauch konventionalisierter Ausdruckszeichen (z. B. Schmollmund): gezielte
Beeinflussung der Bezugsperson zu motivdienlichem Handeln
- Lernen von Darbietungsregeln ( normative Verhaltensregeln )
Entwicklung der emotionalen Eindrucksfähigkeit:
- Säuglinge lassen sich von negativen Gefühlen anstecken und reagieren mit Distress ( emotionale
Ansteckung)
- 6.-9. Monat: Gedankenlesen
- Ab 9. Monat: Gefühlsanlässe und soziale Bezugnahme
- Kleinkindalter: Empathie
Studie 1: Kindliche Wahrnehmung Dynamisch Affektiven Ausdrucks
Nelson H. Soken und Anne D. Pick
Theoretischer Hintergrund
Frage: Sind die Grenzen, die z.B. die Ausdrücke fröhlich, interessiert, ärgerlich und traurig voneinander trennen,
für Erwachsene wie für Säuglinge (7 Monate) gleich gut zu unterscheiden?
Können Säuglinge bei Gesichtsausdrücken überhaupt weiter als „positiv/ negativ“ differenzieren?
Es soll hier die Fähigkeit der Unterscheidung dynamischer Gesichtsausdrücke untersucht werden.
Methode
Versuchspersonen: Gesunde Säuglinge im Alter von 7 Monaten
UV: Videoaufnahmen von Gesichtsausdrücken und Tonbandaufnahmen von (nicht-) korrespondierenden Lauten
AV: Blickdauer des Säuglings auf den jeweiligen Bildschirm
Verwendung der Gesichtsausdrücke fröhlich, ärgerlich, traurig und interessiert; wurden in Paaren in jeder
möglichen Kombination auf Bildschirmen (als Video) präsentiert. 1 Kombination = 1 Versuchsbedingung.
Neben dynamischen Reizen (Video) zusätzliche Präsentation von auditiven, zu einem Bild passenden, Signalen.
Von Walker 1982 herausgefunden: Säuglinge richten das Augenmerk bevorzugt auf das Bild, welches mit dem
Ton korrespondiert (sind folglich fähig zur Differenzierung – Erkennen Gesichtsausdrücke visuell und auditiv
und unterscheiden sie)
Ergebnisse
Säuglinge blickten in 4 von 6 Bedingungen durchschnittlich länger auf solche Bilder, die mit dem
Hintergrundgeräusch übereinstimmten
Sie erkannten bzw. unterschieden also den präsentierten Gefühlsausdruck sowohl visuell als auch auditiv
In den beiden anderen Bedingungen (fröhlich- traurig; interessant-traurig) sahen sich die Kinder verhältnismäßig
länger die fröhlichen und interessierten Ausdrücke an
Idee: Säuglinge hören und sehen den Ausdruck von Freude und Interesse bis zu ihrem 7. Lebensmonat häufiger
als den des Ärgers und der Trauer
Daher gilt ihre Aufmerksamkeit in dieser Studie verstärkt solchen Ausdrücken
Der Bekanntheitsgrad von Ausdrücken scheint bei Kindern zum Erlernen der Differenzierung zwischen
emotionalen dynamischen Gesichtsausdrücken beizutragen
Fazit:
Frage : Unterscheiden Säuglinge differenziert zwischen bestimmten Gesichtsausdrücken oder gelingt ihnen bloß
eine positiv-negativ Unterscheidung?
Antwort: Sie unterscheiden zwischen einzelnen spezifischen Gesichtsausdrücken wie z.B. fröhlich- interessiert
oder ärgerlich-traurig und nicht ausschließlich zwischen positiv/negativ
Modell: Von interpsychischer zu intrapsychischer Regulation (Holodynski)
Phase 1: Bezugsperson reguliert das Erregungsniveau des Neugeborenen (ungerichteter Appell des
Säuglings, ungerichtete Handlung der Bezugsperson)
Phase 2: Durch geschaffene Kontingenzen werden sowohl Appelle des Säuglings als auch Handlungen
der Bezugsperson zunehmend gerichteter: Säugling übernimmt Regulationsanteile in der
interpsychischen Regulation
Phase 3: Kleinkind hat gleichwertigen Anteil an der interpsychischen Regulation
Phase 4: Vorschulkind reguliert sich selbst unter Anleitung der Bezugsperson
Phase 5: Schulkind reguliert sich selbst unter eigener Anleitung
Studie 2: Miniaturisierung in der Entwicklung der emotionalen Selbstregulierung
Manfred Holodynski, Bielefeld 2004
Miniaturisierungseffekt: Verringerung der Intensität des emotionalen Ausdrucks
►Hypothese 1:
Durch eine stärkere Emotionsinduktion wird ein intensiveres Gefühl und ein intensiverer Emotionsausdruck
ausgelöst als durch eine schwächere Emotionszuführung.
►Hypothese 2
Bei konstanter Zuführung von Freude oder Enttäuschung für 6-, 7-, und 8-Jährige Vpn in Einzelsituationen sollte
die Intensität ihres Emotionsausdrucks mit zunehmendem Alter abnehmen.
►Hypothese 3
Wenn die Gefühlsintensität über die Altersspanne stabil bleibt, sollte auch die Ausdrucksintensität stabil bleiben.
►Hypothese 4
Der Emotionsausdruck von 6-Jährigen sollte in Einzelsituationen genauso intensiv sein wie in interpersonalen
Situationen, weil bei ihnen die Internalisierung noch nicht begonnen hat.
►Hypothese 5
Bei 8-Jährigen sollte in Einzelsituationen bereits ein Miniaturisierungseffekt gegenüber vergleichbaren
interpersonalen Situationen zu erkennen sein.
►Hypothese 6
Die Miniaturisierung von Emotionsausdrücken in Einzelsituationen hängt zusammen mit der konzeptuellen
Fähigkeit, explizit zwischen dem Fühlen und dem Ausdrücken von Emotionen zu unterscheiden.
=> alle Annahmen bestätigt!
UV:
Alter (6, 7 oder 8 Jahre)
Kontext (Einzelsituation oder interpersonale Situation)
Emotionsqualität (schwache Freude, starke Freude, Enttäuschung)
AV:
Empfundene Qualität der induzierten Emotion
Empfundene Intensität der induzierten Emotion
Qualität des Ausdrucks
Intensität des Ausdrucks
Bonbonautomat; Interviews um konzeptuelles Denken zu testen
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