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Klettergeschichte der Battertfelsen

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Klettergeschichte der Battertfelsen
Die touristische Erschließung der Battertfelsen
In den 1830er Jahren - im Weltbad Baden-Baden trafen sich romantische Dichter wie Tieck, Kerner, Lenau, Schwab und Uhland wurde die romantische Felsenwelt des Battert durch Wege erschlossen. Bis dahin war diese Gegend eine undurchdringliche Wildnis.
1839 hat der großherzogliche Kammerherr und Forstmeister Alexander Graf Broussel die Weganlage mit ihren Felsentreppen
erschaffen, der Fels mit Inschrift erinnert an diese Zeit. Bis heute sind die Felsentreppen, wenn auch nicht mehr in gutem Zustand,
erhalten. Eine Wanderung durch die Battertfelsen ist nach wie vor ein eindrucksvolles Erlebnis.
Etwa 1885 begann die klettersportliche Erschließung durch Wilhelm Paulcke, damals Schüler am Gymnasium Hohenbaden in
Baden-Baden. Später war W. Paulcke von 1906 bis 1935 Professor für Geologie und Mineralogie an der Technischen Hochschule
Karlsruhe. Prof. Dr. Wilhelm Paulcke wurde auch als Geologe, Skipionier und Lawinenforscher bekannt und beschäftigte sich
hauptsächlich mit Schneeforschungen im Hochschul- und Naturlaboratorium sowie an der Hornisgrinde und in den Alpen. Er war
Initiator des Hochschulsports und der Hochschulsportanlage in Karlsruhe.
Fast alle bedeutenderen Felsen wurden von Paulcke und seinen Schulkameraden wie Fritz Müller und D. Hermann und in der
Studentenzeit mit seinen Gefährten Lohmüller, Mönnichs, Ehlert, Karl Müller, Oskar Schuster, Dr. R. Scholl, Höpfner und L.
Courvoißier, bestiegen.
Viele Türme und Massive wurden nach bekannten Dolomitengipfeln benannt und so sollte verdeutlicht werden, „dass diese
Kletterfahrten Übung für höhere Ziele waren“. Diese Tradition hat lange angehalten und so ist auch zu erklären, dass einige
hervorragende Alpinisten und Bergführer am Battert „groß“ geworden sind.
1890 Erstbegehung von Disgrazia Südwestwand (IV-), W. Paulcke und Delagokamin von Höpfner
1890 Erstbegehung von Disgrazia Nordwand (V-), W. Paulcke
1900 Erstbegehung von Lohmüllerkamin, Kuhkamin und Marterkamin
1905 Bockgrat, Bock, Saarbrücken, allein
1913 Ettlinger Riss (V+), Sackmann im Alleingang
1913 Alte Frühstückswand (IV+), Beier und Odenwald im Abstieg
1918 Blockgrat (IV+), Otto Rinkel
1922 Alte Falkenwand (V+), Georg Finkbeiner, Otto Rinkel, Urban Schurhammer
1924 Cima della Madonna Ottowand (V), Otto Forkert im Alleingang
1926 Falkenwand, Hallweg (IV), Ludwig Hall im Alleingang
1927 Offenburger Weg (IV+), Ludwig Hall und Roman Jörger
Walter Stößer aus Pforzheim tauchte 1925 am Battert auf und gründete mit Ludwig Hall, Schütt, Kast, Seybold und Fred
Gaiser die Klettergilde Battert. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang die Broschüre von Friedrich Kluge und Manfred Baßler, Ein
Dreigestirn der „Klettergilde Battert“.
1927 Offenburger Weg (IV+), L. Hall und R. Jörger
1929 Erstbegehungen von Walter Stößer: Alter Pforzheimer Weg (IV+), Neue Pforzheimer Weg (VI), Wespenkante (V-)
1933 Schleierwand (VII-), W. Stößer
1935 Gaiseriss (VI+), Fred Gaiser, Viktor Skrabell, Ludwig Kimmes
1938 Alter Brigantenweg an der Badener Wand (VI+), Walter Endress
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begann mit Kurt Jägel, Martin Schließler und Karl Gottmann eine neue Epoche.
1942 Falkenwand, Dampfnudelweg (VI+), G. Popp
1945 Neue Falkenwand (VI+), Martin Schließler
1947 Raucherwandl (VI+), Martin Schließler
1949 Pfingstkante (VII-), Kurt Jägel
1950 Schreckkante (VI+/A0), Karl Gottmann
1953 Falkenwand Gottmannsausstieg (VI+), Karl Gottmann
1955 Gammelkante (VI+), Kurt Jägel und Martin Schließler
Alpine Touren von 1928 bis 1953
Tannheimer Berge: Gehren Spitze, Battertriss (VI+), W. Stösser und L. Hall, F. Schütt, 1928
Wetterstein: Partenkirchner Dreitorspitze Nordkante VI-: L. Hall, F. Schütt. W. Stößer, 1928
Berner Alpen: Bietschhorn, SO Grat (IV-V), F. Kast und W. Stößer, 9.-11. August 1932
Berner Alpen: Tödlicher Absturz von Walter Stößer und Theo Seybold am 1. August 1935, beim Erstbegehungsversuch der
Morgenhorn Nordwand
Bergell: Cengalopfeiler (VI-), Fred Gaiser und Bertl Lehmann, 15. Juli 1934
Montblancgruppe: Gesamtüberschreitung Petit Dru, Grand Dru, Pointe Petigaz, Pointe Crouz, Aig. Verte, Alfred Gaiser und Bertl
Lehmann, 16.-18. September 1935
Wilder Kaiser: Als 14jähriger klettert Martin Schließler die Totekirchl Westwand, 1943
Wilder Kaiser: 2.Begehung der Fleischbank SO-Verschneidung, Kurt Jägel und Martin Schließler, 1944
Wetterstein: Hochwanner Nordwand Winterbesteigung, Martin Schließler und Karl Sohler, 1945
Wetterstein: Oberreintaldom (Teufelsturm) Nordwand (VI+/A0), Martin Schließler und Werner Fischer, 1947
Montblancgruppe: Aiguille Blanche de Peuterey, Nordwand, Martin Schließler u. Hermann Buhl, 10. August 1949
Dolomiten: 4. Begehung der Torre Trieste Südwand Carlesso, Kurt Jägel und Martin Schließler, 1953
Wetterstein: 4. Begehung der Riffelkopf Südwand, Kurt Jägel und Martin Schließler
Touren im Alleingang zu klettern, hatte am Battert schon immer Tradition. Denn viele der Erstbegehungen waren wenn auch
mit Seil gesichert, quasi Solobesteigungen. Die kühnste Erstbesteigung war 1905 sicherlich der Bockgrat und zugleich die
mutigste Route der damaligen Zeit. In den 40er Jahren wurden weitere Alleingänge von F. Gaiser, K. Gottmann, K. Jägel, F.
Kast, G. Möbs, M. Schließler und W. Stößer unternommen.
Bemerkenswerte Alleingänge
1905 Bockgrat (IV+) von Bock und zugleich die erste Begehung, die zweite Begehung erfolgte erst 1925
1913 Ettlinger Riss (V+) von Sackmann
1926 Falkenwand, Hallweg (IV+) von Ludwig Hall
1935 Stegerkante (V+) am Bismarckmassiv von Paul Steger
1971 Freundschaft (VI-) von Bernd Kullmann
1973 Raucherwandl (VI+) und Neue Falkenwand (VII), beide von Bernd Kullmann
1973 Pfingstkante (VI+) von Gerold Thomas (Gaggenau)
1981 Falkenkante (VII), Fledermauspfeiler (VI+), Bismark Westwand (VI+), alle von Bernd Kullmann
2009 Neue Falkenwand (VII), zweite Alleinbegehung von Arno Lindner am 28.09.
Martin Schließler schreibt in seinem Buch, Beruf: Abenteurer „An einem Tag bin ich einmal sechsunddreißig Seillängen fünften
und sechsten Grades allein gegangen. Wir sind später nie mehr besser geklettert“ (Anm. M. Schließler trainierte so im Sommer 1946,
um sich auf die Erstbegehung der Teufelsturm Nordwand vorzubereiten, die er dann 1947 mit Werner Fischer kletterte).
In den Jahren 1960 bis etwa 1970 gab es keine nennenswerten Neutouren. Die lohnendste war 1969, die Kühnkante mit VI+ an
der Disgrazi von Reinhard Karl und Dr. Hermann Kühn. 1971 kletterte Norbert Sialkowski, von Beruf Konditormeister, seine
Tortenverschneidung, Abflugkante und das Direkte Egonswandl, alles Touren bis zum VI. Grad und mit sehr wenig Zwischenhaken.
Wie der Klemmkeil zum Battert kam
Anfang der 70er brachte Reinhard Karl aus England eine neue Art von Sicherungsmittel mit, es waren Schraubenmuttern in
verschiedenen Größen, mit eingefädelter Reepschnur. Erst danach wurde dieses Sicherungsmittel in Form der heutigen Klemmkeile
optimiert. 1972 wurde ein Klemmkeil erstmals bei einer Erstbegehung am Battert verwendet. B. Kullmann und Gerold Thomas
kletterten die HGB-Verschneidung, im Ausstiegsriss wurde ein selbstgebauter Sechskantalu-Klemmkeil gelegt. Schließler/Laub holten
sich die zweite Begehung und Laub legte Knotenschlingen. Hier sei auch erwähnt, dass die Chouinard Equipment USA ihre
Hakenproduktion 1972 einstellte und die ersten Stoppers in den Größen 1-7 sowie
Hexentrics 1-10 verkaufte.
1974 kletterte Ekkehard Herbst Routen wie Alkoholkante, Fledermauspfeiler und Zentralpfeiler, alles Routen bis zum oberen VI.
Grad, die auch heute noch beliebt sind. Im Zentralpfeiler setzte E. Herbst erstmals am Battert einen Salewa Sticht Bohrhaken. Dieser
wurde dann ein Jahr später von B. Kullmann wieder entfernt, denn er kletterte diese Stelle frei und fand „diesen Haken als unnötig“.
Im Frühjahr 1978 kletterte Bernd Kullmann im Nachstieg erstmals die Neue Falkenwand, Falkenkante, Zentralpfeiler und
Dülferriss frei, nun stand dem VII. Grad nichts mehr im Wege. Erst wieder ab 1981 setzten Kletterer wie Harald Greib, Michael
Hummel, Ralf Kaiser, Bernd Kullmann und Markus Uhl durch Touren im VII. und VIII. Grad neue Massstäbe.
1964 Tod von Toni Kinshofer am 24. Oktober am Bockgrat
1969 Disgrazia Kühnkante (VI+), Dr. Hermann Kühn und Reinhard Karl
1978 Predigstuhl Weißer Fleck (VI+), Bernd Kullmann
1978 Bismarck Ostwand, Deliriummsweg (VI+), Rolf Gundermann
1978 Beckerturm, Kubitänerkante (VII), Michael Hummel
1980 Siebeschläfer (VII), Michael Hummel
1981 Falkenwand “Tokai Itho” (VII+), Harald Greib
1981 Alarmstufe Rot (VIII), Michael Hummel
1982 Wolpertinger (VIII) Michael Hummel
1984 Feedback (IX-) , Michael Hummel
1985 Racofix (VIII-), Michael Hummel, Klappstuhl am Paradies (IX-) erster freie Begehung M. Hummel
1989 Der Boulderblock „The Block“ (X-/X), von Wolfgang Widder (1995 wiederholt von Alex Wenner)
Literaturverzeichnis
Der Battert bei Baden-Baden, Kletterführer von Urban Schurhammer 1926
Beruf: Abenteurer, Martin Schließler, BLV, 1972
The 1972 Chouinard Catalog
Battert-Kletterführer, Ekkehard Herbst, 1975
Bergwacht-Kletterführer Battertfelsen Baden-Baden, Rolf Gundermann, 1988
Kletterführer Nord Spezial, Christian Fütterer, 2001
Reinhard Karl, Ein Leben ohne Wenn und Aber, von Tom Dauer, AS Verlag 2002
Schwarzwald Band Nord, Panico Alpinverlag, 2013
Schwarzwald Rock 2.0, 43 Klettergebiet im Schwarzwald, 2013
Ein Dreigestirn der „Klettergilde Battert“, Friedrich Kluge und Manfred Baßler, DAV Sektion Freiburg 2014
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