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Aus dem Inhalt Wie flexibel ist die FLEX? - BPV

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Oktober 2008
Mitteilungen des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes
Wie flexibel ist die FLEX?
A
m Tag der Einschulung ziehen die
Schulanfänger stolz mit ihren Zuckertüten an der Seite ihrer Eltern und
Großeltern nach Hause. Sie haben soeben ein
ganz großes Erlebnis gehabt, auf das die meisten Kinder schon voll Ungeduld gewartet
haben: Sie haben ihre Lehrerin kennen gelernt,
haben auf ihrem Platz in dem Zimmer gesessen, wo sie das Lesen, Schreiben und Rechnen
lernen werden und haben in der Schulmappe
auf dem Rücken ihre ersten Schulbücher. Nun
sind sie endlich groß und gehen zur Schule.
Der Eifer und die Begeisterung etwas Neues
zu lernen sind groß. Wie lange wohl? Und
auch bei allen?
Jahrzehntelang legte man fest, dass alle Kinder vom Tag der Einschulung an denselben
Unterrichtsstoff in gleichem Umfang und
gleichem Tempo vermittelt bekamen. Wer
nicht hinterher kam blieb nach einigen Förderversuchen sitzen und wer den Lernstoff
schneller bewältigte, langweilte sich eben ein
bisschen im Unterricht.
Quelle: Lehmann
Nun hat man seit einigen Jahren das Konzept
der Flexiblen Eingangsstufe (FLEX) in Brandenburg erprobt und an vielen Grundschulen
umgesetzt. Alle Kinder werden gemeinsam
eingeschult. Darunter eine „bunte Mischung“
von Lernvoraussetzungen. So können z. B.
einige Kinder schon etwas oder richtig lesen,
kennen die Zahlen bis 10 oder 20, rechnen
vielleicht schon recht sicher in diesem Zahlenraum oder andere warten ohne besondere
Vorkenntnisse auf das, was die Lehrerin ihnen
im Unterricht vermitteln wird.
Das sollte man wissen
Es gibt aber auch Schüler mit Lernstörungen
oder Lernbehinderungen in diesen Klassen, die
vor einigen Jahren noch mit Beginn der ersten
Klasse zur Förderschule gegangen wären.
Sozial gesehen ein Vorteil. Brandenburgs
Schulsystem ist also in diesem Bereich auf der
Höhe der Zeit! – Könnte man meinen.
Aus den Kreisen
– Märkisch-Oderland
– Elbe-Elster
Was folgt diesem Tag der Einschulung? Wird
jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten
und Möglichkeiten gefördert wie es im Schulgesetz steht?
Aus dem Inhalt
Wie flexibel ist die FLEX?
Wichtige Verbesserungen zum
neuen Schuljahr
Pensionärslawine bedroht den
Staatshaushalt
VORLAUT – Oktober 2008
Die Schüler dieser FLEX-Klassen lernen in der
meisten Wochenstundenzahl im jahrgangsübergreifendem Unterricht gemeinsam mit und
von den Kindern, die bereits ein Jahr die
Schule besuchten. In den zur Verfügung ste-
henden Teilungsstunden wird der Unterrichtsstoff altersgerecht vermittelt und als Grundlage für die Freiarbeit in der Altersmischung
erarbeitet.
Im jahrgangsübergreifenden Unterricht bearbeiten sie dann gleiche Themen auf unterschiedlichem Niveau und können sich dabei
gegenseitig helfen. So werden soziale Kompetenzen gefördert und das eigene Selbstwertgefühl gefestigt. Kinder mit Lern- oder Verhaltensstörungen werden von Sonderpädagogen
parallel zum Unterricht betreut und individuell gefördert.
Für jedes Kind gibt es einen Förderplan. Mit
den Eltern wird der Lernstand des Kindes mindestens zwei Mal im Jahr besprochen. Jedes
Kind wird nach dem ersten Schulhalbjahr
eingeschätzt, ob es nach einem Schuljahr den
Unterrichtsstoff der Klasse zwei erlernt, ob es
noch Zeit braucht den Stoff der Klasse eins zu
festigen oder ob es vielleicht sogar schon
Lesen Sie weiter auf Seite 2.
I
KOLUMNE
den es sehen und hierin einen Schwerpunkt
unserer Arbeit legen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die ersten Wochen
des neuen Schuljahres liegen nun
hinter uns. Auch
die Kommunalwahlen gehören
der Vergangenheit
an. In einem Jahr
trifft dies auch auf
die Landtagswahl
und die Bundestagswahl zu.
Mit den Kommunalwahlen sind die Weichen
für die Bildungspolitik der Kommunen, hier
hauptsächlich als Träger, und für den Elementar- und Primarbereich für die inhaltlichen
und personellen Entscheidungen neu gestellt
oder bestätigt worden.
Die Verantwortungen und die Lasten wachsen.
Der Verband Bildung und Erziehung fordert
ein verpflichtendes Vorschuljahr und dies
kostenfrei für alle Kinder.
Es kann heute von keiner Kommune mehr
abgestritten werden, dass die Bildungs- und
Erziehungsarbeit in die Kitas gehört. Reichen
dafür die knappen Ressourcen aus? Wir wer-
Fortsetzung von Seite 1:
nach einem Jahr in die Klasse drei gehen kann,
weil es in dieser Phase schneller lernte als
andere Kinder aus dieser Gruppe. Ein Konzept,
dass auf die differenzierten Bedürfnisse der
Schulanfänger zugeschnitten ist.
Doch wer sich in dem Metier Schule etwas
auskennt, weiß, dass für dieses Konzept
Voraussetzungen vorhanden sein müssen,
damit die Absichten in die Praxis sinnvoll
umgesetzt werden können. Diese Voraussetzungen beinhalten eine personelle Ausstattung mit vorbereiteten Lehrern für den Unterricht in der Jahrgangsmischung, zusätzlichen
Lehrern für die Altersdifferenzierung, ausgebildeten Fachkräften für die Kinder, die trotz
verschiedenster Einschränkungen beim Lernen
die Regelschule besuchen.
Das Konzept der FLEX soll allen Kindern, die
eingeschult werden gerecht werden und sie
dort abholen, wo sie entwicklungsmäßig zu
diesem Zeitpunkt stehen. Dass das kein Sparmodell sein kann ist wohl jedem klar. Lesen
Als im Land Brandenburg vor ca. zehn Jahren
begonnen wurde dieses FLEX-Konzept zu
erproben, sah der Start für die beteiligten
Schulen noch akzeptabel aus. Die personelle
Ausstattung war vertretbar, doch auch schon
II
Was die Landtagswahlen betrifft, so müssen
bereits jetzt klare Vorstellungen zur Bildungspolitik und -landschaft formuliert werden. In
Gesprächen mit den Politikern sind wir als
Wählerinnen und Wähler aufgefordert, unsere
Positionen zur Bildungspolitik aber auch
Beschäftigungspolitik in der Programmatik
von Parteien auf den Prüfstand zu stellen.
Ziehen wir die Ergebnisse des kürzlich erschienenen Bildungsmonitorings hinzu, müssen die
künftig in der Legislative wirkenden Politiker
die Haushalte für die Bildung insgesamt besser ausstatten.
Viele Lehrkräfte verzichten freiwillig (2293
Lehrkräfte im Schulamtsbereich Cottbus und
1703 im Schulamtsbereich Frankfurt/Oder
sowie weitere 1124 Lehrkräfte in den anderen
Schulämtern*) oder per Sozialtarifvertrag
(über 5000 Lehrkräfte) auf Anteile von Arbeit.
Ein enormes Potenzial, was den Schülerinnen
und Schülern nicht zur Verfügung steht.
Wann begreift die Politik, dass Bildungsausgaben Investitionen sind, wozu hingegen
asphaltierte Straßen gerechnet werden?
rung und Schulabbruch könnten problemlos
organisiert und finanziert werden. Nach mindestens zehn Jahren würden diese Gelder
wieder in Form von Steuern durch höherwertige Arbeit von den heutigen Schülerinnen
und Schülern in die Kassen zurückfließen.
Schon heute entgehen dem Staat durch diese
Politik jährlich 16 Milliarden Euro an Steuergeldern. Nimmt nur jedes Bundesland eine
Milliarde davon und investiert in Bildungsprogramme, so hätten wir den Schweinezyklus,
wie ihn Ludwig Eckinger immer wieder
bezeichnet, durchbrochen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es gibt aber auch Erfreuliches zu vermelden.
Der BPV wird von Kolleginnen und Kollegen
als Gewerkschaft vermehrt gewählt. Dies ist
ein Zeichen für die Arbeit des Verbandes vor
Ort.
Ich wünsche Ihnen und uns weiterhin eine
gute und erfolgreiche Arbeit!
Ihr Jörg Bölke
* Quelle: Drucksache 4/6622 vom Landtag
Brandenburg auf die kleine Anfrage 2485 zu
Ver- und Umsetzungen zum Schuljahr
2008/2009
Individuelle Förderung und Forderung, Integration, Maßnahmen gegen Schulverweige-
zu diesem Zeitpunkt wiesen die Kollegen und
Kolleginnen darauf hin, dass es zur optimalen
Betreuung der Kinder notwendig wäre, diese
personelle Ausstattung auszubauen und mit
mehr Fachkräften aus dem sonderpädagogischen Bereich gezielter zu verstärken. Die
Informationen wurden damals in verschiedensten Beratungen und Tagungen zu diesem
Thema dankend zur Kenntnis genommen.
Die Realität entwickelte sich aber anders. Der
Plan des MBJS war es, diese Unterrichtsform
flächendeckend in allen Grundschulen des
Landes Brandenburg einzuführen. Parallel zu
dieser Ankündigung reduzierte man die Stunden für den altersdifferenzierten Teilungsunterricht von zehn auf acht, um in der nächsten
Verordnung die Zuteilung auf „fünf bis acht
Stunden“ und aktuell nur noch fünf Stunden
zu reduzieren.
Darüber hinaus bedeutet das für die meisten
Schulen, in denen nach diesem Konzept gearbeitet wird, dass Sonderpädagogen nur stundenweise und oft mit anderen Ausbildungsschwerpunkten zur Verfügung stehen, um die
Schüler mit Lernbehinderungen zu unterstützen.
Beantragte Förderverfahren werden nur teilweise anerkannt, sodass für die Lehrerinnen,
die in den FLEX-Klassen sehr engagiert unter-
richten, im Laufe der Zeit häufig aus der Lust
an dieser Unterrichtsform großer Frust entsteht. Sie haben die tägliche Aufgabe und
auch die Absicht alle ihnen anvertrauten Kinder auf einen für sie guten Weg zu bringen
und stoßen hier an Grenzen, die ihnen die
Kräfte unnötiger Weise rauben.
Oberste Hürde dieser Probleme ist die finanzielle Ausstattung des Ressorts Bildung im Land
Brandenburg. Kein Bundesland gibt so wenig
Geld für Bildung aus und ist auch noch stolz
darauf die Bildung im Land kaputt zu sparen.
Von einer flächendeckenden Einführung des
Modells FLEX in allen brandenburgischen
Grundschulen ist schon lange keine Rede
mehr. Stattdessen gibt es schon eine Schule in
Cottbus, die sich aufgrund der Einsparungen
von diesem Konzept trennt. Andere Schulen
entscheiden sich von vornherein dagegen, da
ihnen klar ist, dass so Bildung nicht funktionieren kann.
Die Anzahl der Schüler in den FLEX-Klassen
steigt in einigen Regionen auf 28 Schülerinnen und Schüler und mehr, was die oben
beschriebene Differenzierung nicht nur
erschwert, sondern fast unmöglich macht. Die
personelle Situation sieht dann so aus, dass
die Sonderpädagogen an diesen Schulen nur
noch als Notpflaster oder Krisenberater für
den Lehrer fungieren können.
VORLAUT – Oktober 2008
Was will das Land Brandenburg hier eigentlich
erreichen? Soll das FLEX-Konzept für die Kinder eine Chance sein, den Start in die Schule
individuell besser zu schaffen oder soll es nur
ein moderner Deckmantel sein für ein hilfloses
Ministerium? Dann ist es aber aufgrund der
Einsparungen nur noch ein Mäntelchen!
Unsere Aufgabe muss es sein, diesen Kurs der
Landesregierung – und hier möchte ich ausdrücklich die gesamte Landesregierung in die
Pflicht nehmen – zu stoppen.
Diese vom Landtag abgenickten Einsparungen,
gepaart mit ständig neuen Forderungen und
Konzepten, die weder durchdacht noch finanziert werden, gehen auf Kosten des Bildungsniveaus und unserer Kräfte. Im Zuge der Vorbereitungen der nächsten Landtagswahlen
müssen wir die Frage stärker stellen: Was soll
mit der Bildung im Land Brandenburg werden?
Am Beispiel des FLEX-Konzeptes wird deutlich, wie eigentlich gute Ansätze an den Entscheidungen der Politiker fern der Praxis zu
sterben drohen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie
deshalb, stellen Sie ihren Landtagsabgeordneten entsprechende Fragen, damit sie sich
nicht hinter den Floskeln auf den Plakaten
verstecken können.
Das sollte man wissen!
Quelle: Lehmann
Erfahrene FLEX-Kollegen im Schulamtsbereich
Cottbus haben sich getroffen, um über die
aktuelle Situation ihre Erfahrungen auszutauschen und ihre Bedenken dem Schulamt mitzuteilen. Hoffen wir, dass diese Fragen und
Sorgen aus der Praxis Gehör finden und nicht
nur „verwaltet“ werden.
Ich bitte Sie ausdrücklich um Ihre Meinungen
zu diesem Thema, denn wir wollen diesem
Problem mehr Gehör in den entsprechenden
einige Erklärungen, die bei der Beantwortung
der obigen Fragen ein Hilfe sein können:
Von Hartmut Stäker, Vizepräsident des BPV
A
ls im Februar 2007 die Verhandlungen
mit der Landesregierung Brandenburg
über die Sonderzahlung, dem so
genannten Weihnachtsgeld, bevorstanden
wurde in Lehrerzimmern, Beamtenstuben, auf
der Straße und auch in Politikerkreisen hart
diskutiert: Was sollte den heimischen Beamten zustehen? Wie kann man trotzdem Haushaltsmittel sparen?
Als im August 2008 die Bildzeitung (übrigens
mit falschem Zahlenmaterial) behauptete, ein
Pensionär würde mehr als vier mal soviel
Netto-Altersruhegeld bekommen, wie ein im
selben Beruf arbeitender Angestellter, hieß die
Biertischparole „Weg mit den Beamten! Nur
so kann der Staat sparen.“ Was ist dran an
dieser Behauptung?
Um hier eine fundierte Antwort zu erhalten,
ist es notwendig zu wissen, wie ein öffentlicher Haushalt sparen kann und wie weit das
Land Brandenburg dabei ist. Denn in den Zeitungen stehen immer nur die Verlautbarungen
von Finanzminister Speer. Und der hat natürlich immer zu wenig Geld und damit ein
dringendes Bedürfnis zu sparen. Hier nun
VORLAUT – Oktober 2008
Ein Unternehmen, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, geht mit dem Abschluss eines
Vertrages Verpflichtungen, meist Zahlungsverpflichtungen ein. Insbesondere Arbeitsund Dienstverträge beinhalten für den Arbeitgeber umfassende Verpflichtungen. So hat ein
Arbeitgeber gegenüber seinem Arbeitnehmer
eine Beschäftigungspflicht und eine Lohnzahlungspflicht. Das heißt der Arbeitgeber muss
dem Arbeitnehmer im Sinne des abgeschlossenen Arbeitsvertrages eine Beschäftigung
verschaffen. Kann er dies nicht, ist er trotzdem zur Lohnzahlung entsprechend dem vereinbarten Arbeitumfang verpflichtet. Viele
Arbeitgeber versuchen daher Beschäftigungsengpässe über die Möglichkeit der Führung
von Arbeitszeitkonten auszugleichen. Dazu
jedoch muss sich der Arbeitnehmer bereit
erklären. Private Unternehmen bauen daher in
den Arbeitsverträgen bereits den Passus des
Arbeitszeitkontos mit ein.
Hinzu kommt, dass laut deutschem Arbeitsrecht ein unbefristet abgeschlossener Arbeitsvertrag, der die höchstens 6-monatige Probezeit bereits durchlaufen hat, sehr schwer zu
kündigen ist. Kann man dem Arbeitnehmer
keine wiederholten Fehler oder Mängel nach-
Gremien verschaffen und dazu brauchen wir
vielfältige Informationen aus allen Teilen des
Landes. Schicken Sie eine E-Mail an bpv.
ca@t-online.de oder ein Fax an
0331/6001388.
Es geht hier um unsere Arbeitsbedingungen.
Es betrifft uns alle.
Ihre Christina Adler
weisen, muss aber trotzdem Personal abbauen,
so unterliegen die dann betriebsbedingten
Kündigungen laut Kündigungsschutzgesetz
der Sozialauswahl. Diese hat meist zur Folge,
dass die Beschäftigten mit der geringsten
Betriebszugehörigkeit gehen müssen. Das sind
aber auch meist die mit dem größten Elan, der
besten Gesundheit, den neuesten Ideen usw.
Demzufolge vermeidet ein Unternehmer eine
unbefristete Einstellung, solange er es rechtlich kann. Deshalb haben viele junge Beschäftigte, egal ob Lehrer, Ingeneure, Facharbeiter
oder Ungelernte so häufig nur befristete
Arbeitsverträge. Auch das MBJS nutzt diese
Praxis. Denn erst, wenn der langjährige Bedarf
eines jungen Kollegen als gesichert gilt, ich
denke da z.B. an Lateinlehrer, wird der Vertrag
entfristet und der Kollege bei gesundheitlicher
Eignung verbeamtet. Denn mit der Verbeamtung spart der Arbeitgeber, das Land Brandenburg, im Moment die für den jungen Kollegen
notwendigen Sozialversicherungsbeiträge.
Noch besser kann ein Unternehmen jedoch
sparen, wenn es gar nicht erst eigenes Personal einstellt. Wenn es keine Arbeits- und
Dienstverträge abschließt, sondern sich das
Personal leiht oder mit der Erstellung der Leistung bzw. des Produktes ein anderes Unternehmen beauftragt. Während private Unternehmen gern Leiharbeiter beschäftigen, die
III
deswegen schlechter bezahlt werden als ihre
angestellten Kollegen, nutzt der öffentliche
Sektor die Vergabe an externe Unternehmen.
Da werden die Schulen und Universitäten
eben nicht mehr vom eigenen Reinigungspersonal gesäubert, sondern ein Gebäudereinigungsunternehmen beauftragt. Da werden
Wohnheime nicht mehr vom eigenen Hausmeisterpersonal betreut, sondern von einem
privaten selbstständigen Hausmeisterservice.
Da arbeiten in Kindergärten nicht mehr städtische Kindergärtnerinnen. Selbstständige
Kindergartenbetreiber halten die Existenz des
Kindergartens aufrecht. So entstand in Brandenburg auch kürzlich aus den Straßen- und
Autobahnmeistereien der Landesbetrieb Straßenwesen. Oder in der Forstverwaltung ist ein
ähnlicher Coup geplant, der die betroffenen
Beschäftigten stark beunruhigt. Auch wir Lehrer sollten hier hellhörig werden. Ich sehe im
Ausbau der Privatschulen eine ähnliche Entwicklung und vermute auch von Seiten des
MBJS eine gewisse Absicht dahinter. Denn der
öffentliche Arbeitgeber hat mindestens drei
Vorteile durch diese Nutzung des so genannten Outsourcings:
A Er wird nicht mehr benötigte Arbeitnehmer
schneller los.
B Er hat über diese Arbeitnehmer keine Tarifhoheit und damit geht er jedem Tarifkonflikt und dem damit verbundenen Negativ­
image aus dem Weg.
C Wenn die Arbeitnehmer wegen des fehlenden Bedarfs gekündigt und dadurch
arbeitslos werden, ist der öffentliche Haushalt nicht derjenige der die Kündigung
ausspricht, sondern der ausgegliederte
Betrieb. Die mit der Kündigung verbundene
öffentliche Schuldzuweisung wird dadurch
häufig umgangen.
Aus den Kreisen
Kreisverband Märkisch-­Oderland
Termin vormerken
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
traditionell fand am 3. September 2008 der
Bowling-Abend des BPV-MOL im RacketCenter Strausberg statt. Zum ersten Mal
musste der im vergangenen Jahr vergebene
Wanderpokal für Männer und Frauen verteidigt werden. Die Sieger des Jahres 2007, Frau
Würzburg und Herr Behlau, erkämpften sich
souverän diesen Pokal erneut. Auch an dieser
Stelle gratulieren wir beiden zu ihrem sportlichen Erfolg.
Da die Mitgliederversammlung im Dezember
2007 zum Jahresausklang sehr begrüßt wurde,
möchte ich Sie informieren, dass die 2. Mitgliederversammlung 2008 (Weihnachtsfeier)am Mittwoch, dem 10. Dezember
2008 um 17.00 Uhr in der Gaststätte „Das
gefleckte Schwein“, Eggersdorf, Bötzseestraße 61 stattfindet.
IV
Wie weit ist nun das Land Brandenburg
beim Sparen?
In den Jahren 2004 bis 2006 wurden durch
den Abschluss von Sozialtarifverträgen jährlich 50 Millionen Euro je von den Beamten
und von den Angestellten eingespart. Hinzu
kommen 227 Millionen Euro Personalkosten
durch die oben beschriebenen Maßnahmen.
Also wurden insgesamt 527 Millionen Euro
zu Lasten der im Landesdienst bzw. der im
Auftrag des Landes Beschäftigten gespart.
Somit konnte der Personalkostenanteil in
den letzten 5 Jahren von 25 % auf 20 % der
gesamten Haushaltssumme reduziert werden. Im Vergleich dazu liegt der Personalkostenanteil in Nordrhein-Westfalen bei 40 %.
Das Land Brandenburg ist also auf dem
besten Weg, die billigsten Landesbediensteten zu haben.
Die Folgen liegen auf der Hand:
n Die jungen Absolventen für Tätigkeiten im
öffentlichen Dienst werden sich überwiegend in den Bundesländern bewerben, die
bessere Verdienst- und Beschäftigungsbedingungen bieten.
n Der Altersdurchschnitt der Landesbediensteten wird drastisch steigen. Dadurch werden in etwa 10 Jahren so viele Bedienstete
in den Ruhestand gehen, dass sie nicht
ohne Probleme durch junge ersetzt werden
können.
n Das Engagement der bereits im Landesdienst Beschäftigten wird sich nach und
nach an die schlechten Verdienst- und
Arbeitsbedingungen anpassen.
n In Angriff genommene Reformprozesse
werden dadurch gebremst oder gar
gestoppt.
Im Lehrersektor spüren wir bereits die ersten
Auswirkungen. Da das Durchschnittsalter der
brandenburger Lehrerschaft bereits die 48
Jahre überschritten hat, wird ab dem Schuljahr 2011/12 mit einem Lehrermangel gerechnet. Spätestens ab dem Schuljahr 2013/14 gilt
dieser als sicher. Deshalb wurden Anträge auf
Altersteilzeit im reinen Blockmodell, die laut
Altersteilzeitgesetz noch möglich gewesen
wären, aber erst nach dem 01.08.2013 (in den
Schulämtern Cottbus und Frankfurt nach dem
01.08.2015) enden, nicht mehr genehmigt.
Grundlage dieser Entscheidungen ist das
Rundschreiben 2/06 und die Vereinbarung
vom Januar 2008 zwischen den Gewerkschaften und Verbänden und dem MBJS. Erst
der aktuelle Personalüberhang, der durch
Stellenstreichungen künstlich erzeugt wurde,
zwang zu Jahresbeginn das MBJS Altersteilzeit weiterhin, aber in modifizierter Form, zu
ermöglichen.
Eine Lösung der aufgezählten Probleme ist
jedenfalls nicht in Sicht. Dass jedoch die
Schmerzgrenze der Einsparungen bei den Landesbediensteten erreicht ist, haben die
Demonstrationen und Proteste im Rahmen der
beabsichtigten Streichung der Sonderzahlung
(Weihnachtsgeld) für die Beamten im Herbst
und Winter 2006/2007gezeigt. Auch die harten Verhandlungen zum Sozialtarifvertrag der
Lehrer oder zur Vereinbarung „Teilzeit schützt
vor Versetzung“ für die Schulamtsbezirke
Cottbus und Frankfurt im letzten Winter und
Frühjahr, haben der Landesregierung gezeigt,
dass wir als BPV im DBB und in den Lehrerverbänden eine starke Gemeinschaft sind.
Helfen Sie also mit, die angehenden Probleme
endlich zu lösen! Seien Sie dabei!
Tagesordnung:
n Bericht des Kreisvorsitzenden
n Bericht des Kassenwarts
n Vorhaben 2009
n Diskussion
Im Anschluss lassen wir das Jahr 2008 im
gemütlichen Ambiente Revue passieren. Dazu
wird Ihnen ab ca. 18.00 Uhr ein Warm-/Kaltbuffett bereitgestellt (Die Mitglieder des BPV
tragen nur die Kosten der Getränke.).
Um der Gaststätte Planungssicherheit zu
geben und die Anzahl der Teilnehmer für das
Buffett angeben zu können, bitte ich Sie, mir
bis zum 8.November 2008 Ihre Teilnahme
unter:
Gunter Gerth, Tel.: (03341) 473508 oder
E-Mail: Gunter.Gerth@t-online.de zu bestätigen.
Gunter Gerth
Kreisvorsitzender MOL
(Quelle: privat)
VORLAUT – Oktober 2008
Kreisverband Elbe-Elster
Rentner im Altkreis Finsterwalde haben noch keinen Rost ­angesetzt
G
anz unbekannt dürfte der Spruch nicht
sein: „Rentner haben niemals Zeit“!
Manchmal gilt er aber nicht. Nämlich
dann, wenn ansprechende Freizeitgestaltung
und natürlich gemeinsamer „Erinnerungstratsch“ angesagt sind. Anlass dazu gab das
Abschlusskonzert der diesjährigen Spreewaldkonzerte am 07.09. in Lübbenau. Mit dem
Ticket hatten wir uns Erholung auf dem leise
dahin gleitenden Spreewaldkahn, einen hervorragenden Konzertgenuss mit dem SaxofonQuartett „Meier´s Clan“ an verschiedenen
Stellen der Fließe, einen sehr delikaten Gaumenschmaus und zum Abschluss eine Lichtund Feuershow eingekauft. Es war für alle
Teilnehmer ein in Erinnerung bleibendes Erlebnis. Schon werden die Pläne für das nächste
Jahr geschmiedet. Schade nur, dass manche
Pädagogen glauben, der BPV hätte nach dem
Arbeitszeitalter nichts mehr zu bieten und
ihm die Freundschaft kündigen.
Ihre fröhliche Rentnerin
Brigitta Jäpel
(Quelle: privat)
Wichtige Verbesserungen zum neuen Schuljahr
P
otsdam – Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und Bildungsexpertin
Klara Geywitz begrüßt die von Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) vorgestellten
Änderungen zum Schuljahr 2008/09. Zugleich
forderte sie das Wissenschaftsministerium
auf, „endlich die Voraussetzungen für eine
Ausbildung von Berufsschullehrern in Brandenburg zu schaffen.“ Ein weiterer Ausbau der
Ganztagsangebote sei notwendig. Geywitz:
„Es ist gut, dass die CDU das inzwischen voll
unterstützt“.
Der Bereich der beruflichen Ausbildung war
dafür ausschlaggebend, dass Brandenburg
beim jüngsten bundesweiten Bildungsvergleich nur Platz 14 belegte. Etwa ein Viertel
der Berufsschüler haben keinen Abschluss.
Geywitz: „Die personelle Ausstattung der
Berufsschulen muss sich deutlich verbessern.
Die Lehrerkollegien haben meist ein sehr
hohes Durchschnittsalter. Es besteht schon
jetzt Lehrermangel. Deshalb haben wir schon
mehrfach gefordert, dass jetzt in Brandenburg
mit der Ausbildung von Berufsschullehrern
begonnen wird. Wir brauchen neue, gute Lehrer, denn eine gute berufliche Ausbildung
steht und fällt mit guten Berufsschullehrern.“
Insgesamt habe sich die Bildungslandschaft in
Brandenburg in den vergangenen Jahren
jedoch „deutlich verbessert“, so Geywitz.
Bereichen verbessern konnte. Die Veränderungen zum neuen Schuljahr würden dabei
helfen. Zentrales Problem bleibe jedoch der
regionale Lehrerüberhang, „der zu persönlich
schwierigen Situationen führen kann.“ Sie
fordert die Schulämter auf, „die individuelle
Situation der Lehrer mit größter Sensibilität
zu behandeln.“ Dennoch seien vereinzelte
angeordnete Umsetzungen nicht zu vermeiden.
Als positive Änderungen im neuen Schuljahr
erachtet Geywitz die Absenkung der Gewichtung der Vergleichsarbeit in Mathe und
Deutsch in der 6. Klasse. Geywitz: „Bisher
waren das 40 Prozent in der Gesamtnote. Das
war einfach zu viel. Mit den jetzt vorgesehenen 20 Prozent ist eine gute Lösung gefunden. Diese Leistungskontrolle ist im Interesse
der Kinder notwendig.“ Die CDU wollte
ursprünglich die härteste Methode der
Zugangskontrolle zum Gymnasium: Eine Aufnahmeprüfung.
Positiv würde sich im neuen Schuljahr auch
die verbilligte oder kostenfreie Schülerbeförderung auswirken. Für Familien in finanziell
schwierigen Situationen werde der neue
Schulsozialfonds „unbürokratisch helfen, wo
Hilfe konkret notwendig ist“.
Ich brauch das nicht!
Frei und glücklich – ein
Leben ohne Abhängigkeiten
Z
usammen mit der der fotocommunity
und unter der Schirmherrschaft von
Frau Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, veranstaltet
die HALBE-Rahmen GmbH einen SchülerFotowettbewerb für das Schuljahr
2008/2009 zum Thema „Ich brauch das
nicht!“ – Selbstbestimmt leben ohne Drogen.
Vom 5. Schuljahr bis einschließlich der gymnasialen Oberstufe werden
Schüler dazu aufgerufen Fotografien zu
erstellen, die Alternativen zu den
diversen Rauschmitteln – Alkohol, Zigaretten, Partydrogen,
Cannabis, exzessiven
PC- und TV-Konsum
u. Ä. kreativ visualisieren.
Näheres zum Wettbewerb finden Sie auf
unserer Homepage www.paedagogenverband.de bzw. unter der Website www.
schueler-fotowettbewerb.de
Quelle: Presseinformation SPD 64/2008
Das stelle auch der Bildungsvergleich dar,
wonach sich Brandenburg in fast allen
VORLAUT – Oktober 2008
V
Pensionärslawine bedroht die Staatshaushalte
von Hartmut Stäker, Vizepräsident des BPV
L
aut Versorgungsbericht der Bundesregierung wächst die Zahl der Pensionsbezieher von 929.000 im Jahr 2005 auf 1,6
Millionen im Jahr 2050, wobei bereits 2040
der Höchststand erreicht wird. Laut Aussagen
der Statistiker sind vor allem die personalstarken Bundesländer und dabei die Lehrer für
Gegenüber dem Bund und den Gemeinden
haben heute schon die Länder die meisten
Pensionslasten zu tragen. Bis 2020 wird deren
Anteil an den Pensionen von heute ca. 65%
auf über 75% steigen. Im Zeitraum von 2005
bis 2050 werden sich daher die Ausgaben von
17,9 Milliarden Euro auf 107 Milliarden Euro
diesen Zuwachs verantwortlich. Etwa 40 Prozent der Pädagogen gehen zwischen 2005 und
2015 in den Ruhestand.
allein für die Pensionen der Landesbeamten
versechsfachen. Kein Wunder also, dass viele
Länder diese Ausgabenlawine jetzt abbremsen
möchten. Gedankenäußerungen von Brandenburgischen Landtagsabgeordneten im Zusammenhang mit dem gerichtlich strittigen Status
des Teilzeitbeamten, die Gelegenheit zu nutzen, um die Verbeamtung wieder aufzuheben,
sind unter diesen Gesichtspunkten zu bewerten.
Ebenso spielt man bereits mit dem Gedanken,
die Beamtenversorgung ähnlich wie die
gesetzliche Rentenversicherung zu verändern:
Heraufsetzung des Pensionsalters auf 67 Jahre
und Reduzierung der Altersbezüge durch Einführung eines Nachhaltigkeitsfaktors. Auch
die berücksichtigten Ausbildungszeiten sollen
gekürzt werden. Auch das derzeit gültige Versorgungsniveau steht im Zielsektor der Finanzminister und Kämmerer: Nach 40 Dienstjahren
erreicht ein Beamter heute 71,75 % seiner
zuletzt erreichten Bezüge. Ein Rentner kommt
nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler auf ein Bruttorentenniveau von 43 %.
Der reine Bruttovergleich jedoch hinkt: Während die Pension des Beamten voll versteuert
wird, unterliegt bei der Rente nur der so
genannte Ertragsanteil der Steuer. Außerdem
beträgt die durchschnittliche Monatsrente
etwa 1000 Euro während die monatliche Pension häufig 2000 Euro überschreitet. Dass die
Nettopensionen meist trotzdem höher sind als
die Nettorenten, liegt aber daran, dass die
meisten Beamten aufgrund ihres Bildungsniveaus häufig zu den „Besserverdienenden“
gehören, also auch als Rentenempfänger ein
relativ hohes Altersruhegeld bekommen würden. Eine entsprechende Vergleichsrechnung
hat mir jedoch noch kein Statistiker präsentiert.
Quelle: iwd vom 26. April 2007
Frauenmangel und neue Unterschicht junger Männer im Osten
gefunden und kommentiert von Hartmut Stäker, Vizepräsident des BPV
B
erlin (dpa) – Die starke Abwanderung
von Frauen hat in Ostdeutschland einer
Studie zufolge zu einer neuen Unterschicht schlecht gebildeter junger Männer
geführt. Seit dem Fall der Mauer haben mehr
als 1,5 Millionen Menschen die neuen Bundesländer verlassen.
Darunter sind besonders viele junge Frauen,
wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und
Entwicklung mitteilte. Dadurch gibt es in einigen Regionen einen Männerüberschuss von
25 %. Das Problem: Während vor allem gut
ausgebildete Frauen zwischen 18 bis 29 Jahren ihre ostdeutsche Heimat verlassen, bleiben viele Männer mit schlechter Ausbildung
und ohne Job zurück.
VI
„Dieser Frauenmangel ist europaweit einzigartig“, sagte der Mitautor der Studie Not am
Mann des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz.
„Selbst Polarkreisregionen im Norden Schwedens und Finnlands reichen an die ostdeutschen Werte nicht heran.“ Nur den Männern
auf einigen einsamen griechischen Inseln
ginge es noch schlechter.
Als Ursache sehen die Forscher die eklatanten
Bildungsunterschiede zwischen den Jungen
und Mädchen im Osten an. Während fast 60
% aller Gymnasiasten junge Frauen sind,
schafften in den vergangenen Jahren fast 50
000 Jungen weniger als Mädchen auch nur
den Hauptschulabschluss. Am schlechtesten
sieht es im brandenburgischen Elbe-Elster
aus: Dort sind den Angaben
zufolge 70 % der Schulabgänger, die seit 1995 keinen oder höchstens einen
Hauptschulabschluss
erreichten, männlich.
„Zusammen mit einer
hohen Arbeitslosigkeit
und den schlechteren
Chancen auf einen Ausbildungsplatz führt dieses Bildungsgefälle dazu, dass viele
junge Frauen ihr Glück in
Westdeutschland versuchen“,
sagte der Leiter der Studie,
Steffen Kröhnert. „Hinzu
VORLAUT – Oktober 2008
kommt, dass die Frauen sich einen Partner mit
ähnlichem Bildungsniveau suchen - und diesen nicht in Ostdeutschland finden.“ Frei nach
dem Motto „weiblich, ledig, jung sucht ...“
machen sich die Frauen daher auf, im Westen
nicht nur einen Job, sondern auch einen Mann
zu finden.
Zurück bleiben junge Männer, die von der
Gesellschaft ausgeschlossen sind: Immerhin
20 % der Männer im Osten haben laut Studie
eine schlechte Ausbildung, keinen Job und
keine Partnerin. „Das ist so ziemlich das
Dümmste, was einem passieren kann“, befindet Forscher Klingholz.
Für die Studie stützten sich die Forscher auf
Statistiken der Arbeitsämter, weitere Studien
zur Bevölkerungsentwicklung sowie auf eigene
Umfragen.
Kommentar: Nun müsste eigentlich wieder
die obligatorische Frage kommen: „Wer ist
schuld daran?“. Dann melden sich wieder die
In Brandenburg nichts Neues
Schulen schließen, Lehrer werden zur Verschiebemasse und Schüler
zu Tagesreisenden
Von Hartmut Stäker, Vizepräsident des BPV
„I
m Westen nichts Neues“ heißt der Titel
eines schockierenden Antikriegsromans. „In Brandenburg nichts Neues“
heißt mein Artikel über den Konkurrenzkampf
benachbarter Oberschulen um die Schüler der
zukünftigen 7. Klassen und die Verhöhnung
dieses Überlebenskampfes durch die „Qualitätssicherer“ aus der Landesregierung und
dem Landtag.
Doch der Reihe nach:
Sie erinnern sich gewiss: Vor einiger Zeit habe
ich im Vorlaut darüber berichtet, wie der BPV
die verantwortlichen Landtagsabgeordneten
wachrütteln wollte und so die Errichtung einzügiger Oberschulen auf dem Lande ermöglichen wollte. Zum 01.08.2007 trat nun das
neue Schulgesetz in Kraft. Doch einzügige
Oberschulen sind auch nach diesem Gesetz
nicht möglich. Will also ein Ort seine untergehende Schule retten, muss es sich außerhalb
dieses Gesetzes stellen. Es muss eine private
Schule gründen bzw. gründen lassen. Die
Stadt Baruth (Landkreis Teltow-Fläming) ist
diesen Weg gegangen. In Dorberlug-Kirchhain
(Landkreis Elbe-Elster) ist ein staatliches Gymnasium geschlossen und ein kirchliches eröffnet worden. Sollte in meiner Heimatstadt
Dahme die staatliche Oberschule untergehen,
so wird dort eine private errichtet werden. Das
jedenfalls versprach am 4.März der Amtsdirektor auf einer öffentlichen Diskussion an der
auch Bildungsminister Rupprecht teilnahm.
Dies sind nur drei Beispiele für einen Entwicklungstrend, der von den Bildungspolitikern der
CDU und SPD anscheinend unterstützt wird.
Was das mit Chancengleichheit für Bildung zu
tun hat, die von der Unesco für Deutschland
angemahnt wurde, noch mit Qualitätssicherung, die sich die Regierungskoalition auf die
Fahnen geschrieben hat, ist mir schleierhaft.
Dass das MBJS private Schulen jedenfalls
weniger kontrollieren und beeinflussen kann
als staatliche Schulen, liegt auf der Hand.
VORLAUT – Oktober 2008
Doch bevor eine staatliche Schule untergeht
und durch eine private vielleicht ersetzt wird,
führt der Schulträger mit Schülern und Lehrern einen erbitterten Kampf um seine Schule.
Die Golßener Oberschule (Landkreis DahmeSpreewald) warb um Schüler, indem sie ein
„Begrüßungsgeschenk“ im Wert von 120 Euro
versprach. Jeder Siebtklässler, der sich an
dieser Schule anmeldet, sollte Schulutensilien
in diesem Wertumfang erhalten. Genützt hat
es den Golßenern nichts. Im Sommer 2006
gingen dort alle Lichter aus. Auch in Drebkau
(Landkreis Spree-Neiße) versuchte man Schüler für die siebenten Klassen mit einem finan-
Wo der Unterrichtsbetrieb
im Bereich des Schulamtes
Cottbus im Jahr 2007
­eingestellt wurde
n Cottbus: Oberschule Kahren
n Landkreis Elbe-Elster: Oberschulen
Finsterwalde und Plessa, Gymnasien
Doberlug-Kirchhain und Bad Liebenwerda
n Landkreis Spree-Neiße: Oberschulen
Forst und Drebkau, Gymnasium Peitz
n Oberspreewald-Lausitzkreis: Gymnasium Großräschen und Oberschule
Schwarzheide
ziellen „Bonus“ einzukaufen. 250 Euro für
Fahrtkosten und Schulbücher verbargen sich
dahinter. Genutzt hat es der Drebkauer Schule
nichts. Am 11. Juli 2007 war nach 213 Jahren
in der Schiebell-Oberschule der allerletzte
Schultag.
selbsternannten „Weisen“ aus Politik, Medien
und von Stammtischen mit der Aussage:
„Natürlich die Lehrer - die haben nicht genug
durchgegriffen und dafür gesorgt, dass auch
die Jungen die besseren Abschlüsse schaffen
und damit bessere Zukunftsperspektiven
haben.“ Oder besteht Hoffnung, dass es diesmal anders kommt?
Quelle: www.gmx.de vom 31.05.07
Schwerpunkt Gesundheit. Ein pädagogisches
Konzept „Miteinander
reden“ wurde erarbeitet. Auch die guten
Abschlüsse der Schüler
wurden von allen Seiten
gelobt. Ob Justizministerin Beate Blechinger
(CDU), SPD-Fraktionschef Günther Baaske, CDU-„Bildungsexperte“
Ingo Senftleben oder Martina Gregor (SPD),
die honorigen Persönlichkeiten aus der Regierung und der Regierungskoalition bescheinigten der Schule gute und sehr gute Arbeit.
Doch darauf kommt es ja nicht mehr an. Es
zählen nur Schüleranmeldungen: 40 Stück
oder 30 Stück, wenn die Schule in einem
Grundzentrum liegt. Und dann greift man
eben auch zu finanziellen Anreizen.
Selbst Ortrands Bürgermeister Ingo Senftleben (CDU), der gleichzeitig auch Vorsitzender
des Bildungsausschusses des Landtages und
selbst ernannter „Bildungsexperte“ ist, versuchte die Schülerzahl dadurch aufzupolieren,
in dem er Eltern aus Ruhland (OberspreewaldLausitzkreis) die Übernahme ihres Fahrtkosten-Anteils für den Schulbus und den Kauf
von Schulbüchern anbot. Ob dieser Anreiz nun
dazu führte, dass die Ortrander Oberschule
letzes Jahr die Anmeldezahlen erfüllte, ist
nicht mehr nachvollziehbar. Sollte dies jedoch
der Fall sein, ist es der größte Hohn für den
Bildungsausschuss des Landtags, der das Konzept des BPV zur einzügigen Oberschule deshalb nicht befürwortete, weil dadurch die
Qualität der Schulbildung nicht gesichert sei.
Hoch lebe also die „Qualitätssicherung“ der
brandenburger Schulen nach den Vorstellungen der regierenden CDU- und SPD„Bildungsexperten“.
(Quelle: Lausitzer Rundschau vom 12.05.2007,
Seite 3 und vom 11.06.2007, Seite 3)
Obwohl Schüler und Lehrer alles zur Rettung
dieser kleinen familiären Bildungseinrichtung
unternommen haben: Die Schule gab sich den
VII
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eine Reise tut …
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Kirgisienerinnerungen von
Kay Bräunig
A
ls Lehrer arbeitet man in der Regel an
einer Schule. Nun ist aber Schule nicht
gleich Schule und die Schulsysteme
sind in den verschiedenen Ländern oft grundverschieden. Wer könnte das besser verstehen
als ein Mensch, der im deutschen Schulsystem
gearbeitet hat. Besitzt doch Deutschland
soviel verschiedene Schularten und Systeme,
wie es Bundesländer hat, die vielen Privatanbieter nicht mitgerechnet. Auch Kirgisien hat
ein sehr eigenwilliges Schulsystem, das für
jeden aber weit übersichtlicher gestaltet ist
als das deutsche, da es hier wesentlich weniger Schulen gibt. Nicht, weil dieses Land prozentual weniger Schüler hat, sondern weil
auch hier, wie wohl überall auf der Welt,
zuerst am Kultursektor, zu der die Schulbildung gezählt wird, gespart wird. In diesem
Punkt sind sich Deutschland und Kirgisien
gleich. Man spart an der Bildung und wundert
und beschwert sich dann einige Jahre später,
dass man nicht mehr, nicht oder immer noch
nicht in den einzelnen Branchen der Forschung führend ist. Das Eine bedingt das
Andere. Einige Beispiele sollen das belegen.
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Die Wochenstundenzahlen der Gymnasiallehrer sind in den letzten zehn Jahren von 20-22
vorlaut
Impressu
Mitteilungen des
Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes
Homepage: www.paedagogenverband.de
Stunden auf 23-25 gestiegen, in Sachsen
sogar auf 27. Mit der zugehörigen Vorbereitungszeit kommen die Lehrer somit auf eine
Wochenarbeitszeit von über 50 Stunden. Die
Lehrerkollegien daheim sind meist hoffnungslos überaltert. Es werden aber keine Neulehrer
eingestellt, da diesen mehr Gehalt gezahlt
werden müsste. Von einer Verbeamtung ganz
zu schweigen. Trotzdem ist unser Reisender
hier auf Verhältnisse gestoßen, die das deutsche Schulwesen geradezu paradiesisch
erscheinen lassen. Das gilt für Lehrer und
Schüler.
In Kirgisien gibt es Grundschulen, die bis zur
neunten Klasse führen, Gymnasien, die von
der ersten bis zur elften Klasse führen und
einige wenige Spezialschulen, die fest in der
Hand von Amerikanern und Türken sind und
sich selbst über Elternbeiträge finanzieren.
Somit kosten sie den Staat kein Geld und
werden wohlwollend geduldet. Als weiterfüh-
rende Einrichtungen gibt es staatliche Fachschulen und staatliche und private Universitäten. Letztere jedoch nur in Bischkek, Osch
und Karakol.
Unser Reisender nun war an einem Gymnasium am Rande des Bischkeker Zentrums als
Lehrer für Deutsch eingesetzt. Es handelte
sich um eine Schule mit erweitertem Deutschunterricht, die von ihm und anderen Kollegen
zu einem sprachlichen Prüfungszentrum Kirgistans ausgebaut werden sollte. Die Schule
hatte sich aus Prestigegründen den werbeträchtigen Namen Goethes verleihen lassen
und machte auf dem Papier einen ganz soliden Eindruck. Unser Reisender war voll positiver Erwartungen auf Schule, Schüler und
Kollegen. Und dann kam der Tag, an dem
unser Freund das erste Mal zu seinem zukünftigen Arbeitsplatz ging. Der erste Eindruck war
ernüchternd.
Oktober 2008
Herausgeber:
Brandenburgischer Pädagogen-Verband e. V.
Präsident:
Jörg Bölke
Im Wiesengrund 16 · 14797 Kloster Lehnin
Telefon 03382 741957 · Telefax 01805 06033443516
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Telefon 0531 2507743, E-Mail catharina.vater@arcor.de
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Redaktionsschluss
für November: 20. Oktober 2008
ISSN
1860-8132
VIII
Lesen Sie in der nächsten Vorlaut:
Erste Eindrücke von der neuen Schule.
VORLAUT – Oktober 2008
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Seele and Geist
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