close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Die Löwin, die so gut wie nichts scheut - Gabi Fleisch

EinbettenHerunterladen
DONNERSTAG, 26. APRIL 2012
Kultur D5
VORARLBERGER
NACHRICHTEN
Das Stella-Theaterfestival hat in Vorarlberg und Liechtenstein einen wirklich glänzenden Start hingelegt
Die besten Produktionen von österreichischen Kinder- und Jugendtheaterbühnen des vergangenen Jahres waren angesagt
und dieses Versprechen haben die Teilnehmer am Stella-Theaterfestival bislang auch eingelöst. Verweigerung (Theater am
Ortweinplatz, Graz), Sexualisierung der Gesellschaft (Schallundrauchagency, Wien, Bild), Armut und Obdachlosigkeit
(Dschungel, Wien), Übersättigung (Theaterfabrik Weiz) sind
unter anderem die Themen. Das Publikum interessiert sich, die
ersten Aufführungen waren ausverkauft, ab 10 Uhr wird heute
in Bregenz, Dornbirn und Feldkirch gespielt (www.assitej.at),
am Freitagabend steht fest, welche Bühne die Jury absolut
überzeugte.
FOTO: STELLA
Die Löwin, die so gut wie nichts scheut
Zum Dirndl bekennt
sie sich allen Ernstes,
der Witz ist ihr Metier
und ab heute hat Gabi
Fleisch eine Bühnenschwester.
GÖTZIS. (VN-cd) Etwas Wesentliches zuerst: Wer angesichts zweier Schauspielerinnen und des Titels „Duo
3 Schwestern“ für eine neue
Produktion des Vorarlberger
Volkstheaters (sprich: VOVO)
annimmt, dass zwischen
Text- und Bühnenfassung
eine Figur verloren gegangen
ist, der irrt. Das reizvolle Zahlenspiel hat einen einfachen
Hintergrund, Pia Mock (77),
erstmals Partnerin der bekannten Vorarlberger Schauspielerin, Kabarettistin und
Autorin Gabi Fleisch (51),
wohnt in Frastanz mit Blick
auf die Drei Schwestern.
Ein Berg mit zackigem
Felsgipfel war also Inspirationsquelle und das passt irgendwie auch für ein Stück,
in dem die Landschaft eine
durchaus große Rolle spielt
und für eine Autorin, die –
nach eigenen Aussagen – einen Spaziergang in der ÖrflaSchlucht braucht, wenn die
Ideen einmal einfach nicht zu
Papier gebracht werden wollen. Durchlüftet gehe dann
immer alles ruckzuck. Sei es
eine Kabarettnummer oder
einer jener Sätze, mit denen
sie unter dem Kennzeichen
i-Tüpfle die Leser der
Vorarlberger Nachrichten Tag für
Tag
erheitert,
nachdenklich
stimmt oder
beides.
Zurück zum
VOVO:
„Duo
3 Schwestern“
handelt
davon,
dass zwei ehemalige
Volksmusikinterpretinnen Touristen
durchs Land führen.
Was als besonders
schön angepriesen werden soll, hat natürlich
auch Schattenseiten, die
irgendwann nicht mehr
verdrängt werden können.
Adelheid und Irma verschaffen sich Luft. „Die Präsentation der Geranienseite
eines Landes wird zum
Blick hinter die Geranien“, nennt es Fleisch.
Mit ihrer Figur hat es
zudem eine besondere Bewandtnis, vor
Jahren hat sie nämlich der Schwester
den Mann ausgespannt. Zum privaten Grabenkampf,
der endlich aus-
Occupy besetzt
Kunst-Biennale
Die Nymphen sind gelandet
Die internationale Occupy-Bewegung hat die am
Freitag beginnende 7. BerlinBiennale symbolisch besetzt.
Zahlreiche Aktivisten der
Protestgruppe funktionierten
die offizielle Pressekonferenz
der Kunstschau (27. April bis
1. Juli) zu einer Agitationsrunde um. Die vom Bund mit
2,5 Millionen Euro geförderte
Biennale hatte die Bewegung
offiziell zur Teilnahme eingeladen. Veranstalterin Gabriele
Horn verteidigte die Entscheidung. Kurator Artur Zmijewski sicherte den Aktivisten den
geforderten Freiraum zu. „Sie
tun, was sie tun wollen.“
Die Bewegung Occupy Wall
Street war aus Protest gegen
das Vorgehen der Banken in
der Finanzkrise gegründet
worden. Die Biennale gilt als
wichtige Plattform für zeitgenössische Kunst.
BERLIN.
Mit den Sonnenstrahlen kommt die Freudenhauszeit und für Willi
Pramstaller kann das
noch lange so bleiben.
BREGENZ. (VN-cd) Spielende
Kinder, beschützende Engel,
Jesus- und Marienbildnisse
hätte der Wiener Maler Hans
Zatzka alias Zabateri auch im
Repertoire, für sein Freudenhaus fand Willi Pramstaller
(59) die Nymphen passend
und so weiß man, dass Jazz,
außergewöhnliche Volksmusik, kritische Lieder oder anspruchsvolles Kabarett zu erwarten sind, sobald das Zelt
mit den romantisch knapp
bekleideten jungen Damen
an der Frontseite aufgestellt
ist. Gestern war es wieder so
weit, heute Abend öffnet sich
getragen
werden
muss,
kommen Seitenhiebe. Ziel-
scheiben sind neben der
Musikindustrie (Fleisch: „Es
gibt neben guter Volksmusik
ja wirklich grauenhafte Auswüchse“) allerlei Schwächen
der Bewohner Vorarlbergs im
Umgang mit den eigentlich
erwünschten Gästen und
sonstigen Zeitgenossen.
Die Ideenfindung darf
man sich dabei durchaus
klassisch vorstellen. Wer
Gabi Fleisch irgendwo
mit Block und
Stift erwischt,
der kann
davon ausgehen, dass
sie gerade die
Ohren gespitzt
hat und sich
Notizen macht
für die neue Kabarettnummer.
„Bei mir sprudelt es oft nur
so“, bezeichnet sie das Chaos, das dann in Ordnung
und Form gebracht werden
muss. Korrektor des selbstgeschriebenen Programms
war Stefan Vögel. Der
VOVO-Chef und bekannte
Komödienautor hat zudem
ein paar Liedtexte beigesteuert. Für Struktur hat
Gabi Fleisch in der neuen VOVOProduktion „Duo 3 Schwestern“.
FOTO: DIETMAR MATHIS
das Freudenhaus für das Seelax-Festival in Bregenz.
Neugierig machen
Und damit klar ist, dass nicht
nur die allseits beliebten Holstuonar schräge, kritische
Volksmusik machen, wurde
die Unterbiberger Hofmusik
für den Saisonstart engagiert.
Musikkabarett mit Christoph
Weiherer gibt es am Freitag
und samstags zeigt Nanne
Emelie Andersen, wie man
in Dänemark anspruchsvollen Jazz versteht.
Alfred
Dorfer füllt ihm ebenso die
Bude, pardon, das Prachtzelt,
wie die Geschwister Pfister,
Musikkabarett, wie es „Das
wüste Gobi“ präsentiert,
muss in Vorarlberg bzw. im
Grenzraum zur Schweiz und
Deutschland erst noch auf
Anerkennung stoßen. Neu-
Was mich
sehr ärgert?
Jede Art von Ungerechtigkeit und dass
in der Bildungspolitik nichts weitergeht.
GABI FLEISCH
außerdem Regisseur Philippe
Roussel gesorgt, der wunderbar gearbeitet habe, um das
Duo, das sich als gar nicht so
ungleich entpuppte, zusammenzubringen.
Der schönste Moment
Das Mäuschen in der noch
wenig schauspielerfahrenen,
einstigen Musikerin Pia Mock
war bald verschwunden und
neben Gabi Fleisch stand das,
was sie selbst ist, eine Löwin.
Auch was der Sternenkonstellation bei der Geburt entspricht, im Sternzeichen des
Krebses zur Welt gekommen
hat sich der Aszendent, der
Löwe, immer mehr ausgeprägt. Ehrlich wie sie ist, muss
man Gabi Fleisch ja glauben,
dass sie einmal „eine ganz
Scheue“ war, die sich erst
nach und nach zur „Rampensau“ entwickelte. Zum Unverstellten gehört auch, dass sie
zugibt, ab und zu auch privat
gerne ein Dirndl zu tragen.
So bunt wie auf der Bühne
müsse das Kleidungsstück,
das weibliche Formen zur
Geltung bringt und bei dem
ihr sämtliche Klischees, die
ihm anhaften, völlig wurscht
sind, ja nicht gleich sein.
Dass sie das Aufbrezeln dabei nicht allzu wichtig nimmt
und dass sie nicht darauf achtet, bei der starken medialen
Präsenz immer absolut optimal zu erscheinen, das wissen wir. Keine Scheu vor dem
Hässlichen zu haben, gehört
zum Programm. Viel Lob erhält sie dafür vor allem von
weiblichen Leserinnen, die
das Bild der grimassierenden,
wütenden oder einfach einmal total unausgeschlafenen
(Alltags-)Gabi neben dem der
gestylten Powerfrau schätzen.
Die schönsten Bühnenmomente sind, erklärt sie, freilich jene, in denen klar ist,
dass die Gags sitzen, in denen Harmonie zwischen ihr
und dem Publikum herrscht.
Was sie furchtbar stört, wird
sie ebenso gern los, nämlich
generell die Ungerechtigkeit
und konkret die Tatsache,
dass in der Bildungspolitik
nichts weitergeht.
##Christa Dietrich-Rudas##
Die Premiere von „Duo 3
Schwestern“ findet heute, 20 Uhr,
AMBACH in Götzis statt. Zahlreiche
Folgeaufführungen: www.vovo.at
Gut müssen
die Projekte
sein, mir müssen
sie gefallen, das ist
auch das Motto von
Seelax.
WILLI PRAMSTALLER
gier zeigt das Seelax-Publikum aber durchaus.
Bei Pramstaller gilt seit Jahren, dass man sich auf seine
Vorauswahl wie auf sein WeinAngebot verlassen kann. „Gut
müssen die Projekte sein, mir
müssen sie gefallen, das ist
auch das Motto von Seelax“,
macht er klar, dass es hier keine Schwerpunktthemen gibt.
Mit 100.000 Euro unterstützt
das Land die vielen Programme, die er mit dem Unterneh-
Freudenhaus: Es ist wieder da und wenn es nach Pramstaller geht, sollte
es irgendwo von Frühling bis Herbst bleiben können. FOTO: VN/PAULITSCH
men Caravan anbietet. In der
Form eines kompakten Paketes hat sich dabei nicht nur
Seelax längst etabliert, sondern auch die Reihe Schaulust, die im Herbst wieder in
Lustenau stattfindet. Dort
präsentiert Willi Pramstaller
heuer viel Zirkustheater und
hegt als Wunsch die Möglichkeit, dass sein Zelt einmal die
gesamte warme Jahreszeit an
einem Ort bleibt.
##Christa Dietrich-Rudas##
Das Seelax-Festival beginnt
heute, 20.30 Uhr, in Bregenz beim
Festspielhaus mit der Unterbiberger
Hofmusik. Es dauert bis 27. Mai:
www.seelax .at
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
284 KB
Tags
1/--Seiten
melden