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Fingergerichte und Fingerfood: Wie Sie schwierige und - stil.de

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Fingergerichte 2011
F 37/1
DARUM GEHT ES: Fastfood, Snacks und Steh-Buffets erfreuen sich großer Beliebtheit, stellen den Gast jedoch immer wieder vor neue Herausforderungen: Wohin mit der Serviette bei einem Steh-Empfang? Ist ein Sandwich
immer ein Fingergericht? Wohin mit dem abgeknabberten Fleischspieß? Lesen Sie
in diesem Beitrag, worin der Unterschied zwischen den klassischen Fingergerichten
und dem modernen Fingerfood besteht und wie Sie diese Speisen stilvoll mit den
Fingern verzehren.
Tipps & Trends
Fingergerichte und Fingerfood:
Wie Sie schwierige und kreativ
angerichtete Speisen stilvoll verzehren
Suchwortverzeichnis
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Snack-Kultur: Immer und überall? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Die klassischen Fingergerichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Snacks, Fingerfood und „To go“-Produkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
1. Appetithäppchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2. Der kleine Imbiss im Schnellrestaurant . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3. Das Fingerfood-Buffet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
4. „Snacks to go“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
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Ihre Expertinnen:
Agnes Anna Jarosch und Karin H. Schleines
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Agnes Jarosch ist Chefredakteurin von „Der große
Knigge“, Leiterin des „Deutschen Knigge-Rats“
und zertifizierter Coach. Dieser Beitrag entstand
in Zusammenarbeit mit Karin H. Schleines. Die
selbstständige Unternehmensberaterin mit jahrelanger Berufserfahrung im Bankensektor offeriert
unter anderem Seminare zum Thema BusinessEtikette.
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Fingergerichte 2011
Snack-Kultur: Immer und überall?
mein erlebnis
e „Leider zu knusprig“
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t
r Eine berühmte Schokoladenmarke wirbt zurzeit für
a ihre Schokoladensorte „Knusperflakes“ auf großflächigen Plakaten in deutschen Großstädten. Der Werbetext:
„Für den Verzehr in Kirchen,
Opern und Bibliotheken
leider zu knusprig“
Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich diese Werbung sehe. Gleichzeitig frage ich mich: Warum gibt es
ein generelles Verzehrverbot in Theaterhäusern und
Opern, jedoch nicht im Kino?
Wenn ich an mein letztes Kinoerlebnis denke, wünschte ich mir, das Knusperverbot würde auch in dunklen
Kinosälen gelten – zumindest dann, wenn die Werbung
vorbei ist und der Hauptfilm beginnt.
Kommerzielle Interessen
Dass die Snack-(Un-)Kultur im Kino gefördert wird, hat
kommerzielle Interessen: In den Multiplex-Kinozentren
lag der Durchschnittsverzehr pro Besucher im Jahr 2009
bei 3,13 €. Jens Heinze, Operating Director bei „UCI Kinowelt“, sagt dazu: „Unser Ziel ist ganz klar: das Produktangebot so zu gestalten, dass wir Besucher zu einem Kauf
bewegen, die bisher nicht zugegriffen haben. Darüber hinaus sollen diejenigen, die bereits etwas kaufen, noch zu einem weiteren Artikel greifen.“
Ein Ende der Popcorn- und Nacho-Knusper-Attacken im
Kino ist also nicht abzusehen. Da bleibt nur der Appell an
die Höflichkeit, möglichst leise zu knuspern oder die Popcorntüte bei Beginn des Hauptfilms beiseitezulegen.
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Vom Kino mal abgesehen: Wie der zeitgemäße und stilvolle Verzehr von
 klassischen Fingergerichten sowie
 Snacks, Fingerfood und „To go“-Produkten
gelingen kann, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
Die klassischen Fingergerichte
Eine Aussage höre ich immer wieder in meinen Seminaren: „Was Fingergerichte sind? Aber das ist doch ganz
einfach: Alles was fliegen kann, darf im Restaurant aus
der Hand gegessen werden.“
Auf die Nachfrage, woher die zitierende Person diese
Weisheit habe, folgt in der Regel die Auskunft: „Keine
Ahnung. Das hab ich mal gehört.“ Oder allenfalls: „Ich
glaube, das hat meine Oma immer gesagt.“ Ganz gleich
ob „mal gehört“ oder von der Großmama übernommen:
Diese Aussage ist nicht richtig. Längst nicht alles „Flügelgetier“ zählt zu den offiziellen Fingergerichten.
Wenn man versuchen will, eine Pauschalangabe mit Blick
auf eine Gattung zu finden, müsste es eher heißen: „Alles
was im Wasser lebt und zu den Schalen- und Krustentieren
gehört, darf aus der Hand gegessen werden.“ Das stimmt
zumindest – ist aber noch keine umfassende Definition.
Der Unterschied zwischen „Fingergericht“
und „Fingerfood“?
Diese Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch
oft synonym verwendet. In der Gastronomie hingegen
sind es zwei Paar Schuhe. Dort fällt unter den Begriff
„Fingergericht“ eine Speise, zu der automatisch eine Fingerschale – auch Fingerbowle genannt – serviert beziehungsweise nachgereicht wird.
Mit oder ohne
Fingerschale
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„Fingerfood“ hingegen sind kleine Snacks, die zwar aus
der Hand gegessen werden, nicht aber unbedingt eine Fingerschale erfordern. Eine (Papier-)Serviette reicht dazu in
der Regel aus und ersetzt manchmal – z. B. unterwegs –
sogar den Teller.
Dies sind die klassischen Fingergerichte
Wie isst
man was?
Wie Sie diese Speisen stilvoll verzehren, lesen Sie in Ihrem Grundwerk in
den Beiträgen zum
Thema „Tischsitten“
(T 46 bis T 49).
Zu den grundsätzlich mit einer Fingerschale servierten
Gerichten zählen:
1. alle Schalen- und Krustentiere wie Scampi, Garnelen,
Krebse – sofern sie nicht ausgelöst serviert werden –
und Muscheln (ausgenommen im überbackenen Zustand) inklusive der „Edelmuschel“ Auster
2. Artischocken
3. Spareribs
4. Wachteln
extra
w Froschschenkel – in Deutschland verboten
i
s Froschschenkel zählen – rein theoretisch – ebenfalls zu
s
e den Fingergerichten. Sie werden aber in Deutschland
n schon seit Langem nicht mehr angeboten. Der Verzehr
ist aus Artenschutzgründen bei uns verboten. Sollten in
anderen Ländern, beispielsweise in Luxemburg,
Froschschenkel serviert werden, sind sie weiterhin ein
Fingergericht. Vorausgesetzt, die Zubereitungsart lässt
das zu, was zum Beispiel bei überbackenen Froschschenkeln nicht der Fall ist.
Fingerschale oder Saunatuch
Die Fingerschale, die auf einem Unterteller und mit einer
Extraserviette zu jedem klassischen Fingergericht serviert
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wird, ist mit lauwarmem Zitronenwasser gefüllt. Dieses
Wasser ist besonders gut geeignet, um die Hände bei Bedarf vor, während und nach dem Essen zu reinigen.
Manchmal wird als Ersatz für die Fingerschale ein sogenanntes heißes Saunatuch auf einem kleinen Tablett oder
einem Unterteller gereicht. Besonders in Restaurants mit
ausländischen Spezialitäten werden diese kleinen, feuchten Frotteetücher oft verwendet, um die Hände zu reinigen.
Spargel ist kein Fingergericht mehr
Auch wenn es hin und wieder noch zu sehen ist: Spargel
auf die alte Art mithilfe der Gabel und der Finger der anderen Hand zu essen, ist out. Schon seit Langem darf Spargel,
wie andere Gerichte auch, die früher nicht geschnitten
werden sollten, mit Messer und Gabel verzehrt werden.
Spargel darf
man schneiden
Und wo bleibt der Hähnchenschenkel?
Haben Sie in der Aufzählung vielleicht den „Bollen“ – wie
ein Hähnchenschenkel in manchen Regionen Deutschlands genannt wird – vermisst? Viele Menschen glauben,
er sei ein typisches Fingergericht. Das stimmt aber nicht –
zumindest nicht uneingeschränkt.
Ob in einer gutbürgerlichen Gaststätte, in der Mittelklasse-Gastronomie oder im Edelrestaurant: Von Ihnen als
Gast wird erwartet, dass Sie Hähnchenschenkeln mit Messer und Gabel fachgerecht zu Leibe rücken können.
Eine Möglichkeit zum Fingersäubern nach dem Essen ist
nicht vorgesehen. Daran ändert auch eine eventuell aufgesteckte kleine weiße Papiermanschette nichts (die es übrigens in guten Restaurants sowieso nicht gibt).
In Biergärten und auf Volksfesten
Lediglich im Bierzelt oder Biergarten, auf Volksfesten
und in typischen Hähnchenbratereien ist es kein Fauxpas,
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einen Hähnchenschenkel aus der Hand zu essen. Dort erhalten Sie in der Regel auch kleine Zitrus- oder Erfrischungstücher, mit denen Sie anschließend die Hände reinigen können.
Übrigens: Wie Sie zu Hause einen „Flattermann“ verspeisen, bleibt natürlich Ihnen überlassen.
Im Biergarten und auf dem Volksfest darf man Hähnchenschenkel aus
der Hand essen – aber bitte nicht auf die Neandertaler-Art!
Kennen Sie dieses Gerücht?
Immer wieder höre ich dieses Gerücht: Lammkotelett,
Gänse-, Enten- und andere Keulen können im Sterne-Restaurant einfach in die Hand genommen und abgeknabbert
werden. Es ist nicht verboten, seine Privatmeinung drucken zu lassen. Wenn ein Gastronom meint, in seinem Restaurant sei das in Ordnung – bitte sehr: Er ist dort der
Hausherr.
Das zu verallgemeinern ist aber nicht nur äußerst unklug,
sondern kann unangenehme – oder gar dramatische – Folgen haben, wie das nächste Beispiel zeigt. Der Grund: Die
Privatmeinung deckt sich keineswegs mit den offiziellen
Tischsitten.
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Achtung, Testessen!
Vor einem „Testessen“ (anlässlich eines Auswahlverfahrens zur Besetzung einer gehobenen Management-Position) ist eine Bewerberin der festen Ansicht: Sämtliche Geflügelknochen dürfen abgeknabbert werden. Also nimmt
sie bei dem Essen mit dem Personalleiter die Gänsekeule
in die Hand und nagt sie ab.
Das – böse – Ergebnis: Sie bekommt den Job nicht, weil
der Personalchef ihr Benehmen unmöglich findet. Er hat
Bedenken, dass sie dem Umgang mit anspruchsvollen
Kunden nicht gewachsen ist.
Durchgefallen!
Die Tischsitten zu
missachten, kann
unangenehme
Folgen haben.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Klar ist: Für Fingergerichte gilt wie ganz allgemein für
moderne Umgangsformen, dass die Situation oft über die
angemessene Form entscheidet.
beispiel: Zwei befreundete Paare gehen zusammen zu ihrem „Stamm-Griechen“ um die Ecke essen. Sie sind sich
einig: Lammkotelett schmeckt am besten, wenn zum
Schluss der Knochen abgeknabbert wird.
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Werden sie unangenehme Konsequenzen zu befürchten
haben? Sicher nicht. Würden sie das gleiche Verhalten bei
einem Geschäftsessen an den Tag legen, sähe das schon
anders aus. Vorgesetzte oder Geschäftsgäste wären mit Sicherheit zumindest irritiert, wenn nicht gar verärgert. Und
bei einem offiziellen eleganten Bankett die LammkotelettKnochen abzunagen, wäre ohne Zweifel unpassend.
Überlegen Sie deshalb gut: Wann kann ich es mir ohne
Fettnäpfchen-Gefahr leisten, Speisen zu Fingergerichten
umzufunktionieren, die offiziell keine sind?
Snacks, Fingerfood und
„To go“-Produkte
Alle Speisen, die nicht zu den klassischen Fingergerichten
gehören und dennoch mit den Fingern gegessen werden,
bezeichnet man als „Fingerfood“.
Voll im Trend
In den Industrienationen sind die Menschen, die noch nie
im Leben Fingerfood gegessen haben, eine kleine Minderheit. Quer durch alle Gesellschaftsschichten geben sich
die meisten hin und wieder diesem schnellen und unkomplizierten Genuss hin – sei es, weil
 sie den Geschmack von Burger, Pommes und Pizza
so sehr lieben,
 es sich auf Reisen nicht immer vermeiden lässt,
 es günstig, zeitsparend und praktisch ist oder
 die Kinder in die Lokale drängen, in denen sie ohne
Besteck essen dürfen.
Ernährungswissenschaftler begründen diese Entwicklung
mit der zunehmenden Bedeutung des Tastsinns: Um der
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Überflutung durch audiovisuelle Reize entgegenzuwirken,
werde der Tastsinn wieder vermehrt genutzt, da er das Geschmackserlebnis verstärkt. Das Essen mit den Fingern ist
ein Trend, dem beispielsweise viele Hotels gerecht werden, indem sie neben den klassischen Bankett- und Buffetessen auch Fingerfood- oder Stehbuffets organisieren.
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Nutzung des Tastsinns beim Essen
Kritiker und „Slow-Food“-Anhänger sagen der „To go“Kultur jedoch den Kampf an: Zum Essen will ich „einen
Tisch, einen Stuhl und meine Ruhe“, schreibt eine Leserin
in einem Internetforum. „Ich mag keine Bistro-Tische,
keine großen Buffets, keine zeitgleiche Show-Belustigung,
die dazu führt, dass ich mich weder auf die Künstler noch
auf den Wein konzentrieren kann. (…) Da habe ich kaum
noch Wertschätzung für das Essen übrig. Ich kann das
nicht genießen. (…)“
Schnell – aber mit Stil
Den weltweiten Trend zu Fingerfood werden Sie und ich
kaum aufhalten können. Doch wir können ihm mit Stil begegnen, indem wir trendige und klassische Snacks auf
vorbildliche Art und Weise verzehren.
Kaum einer dürfte immer Zeit, Geld und Lust haben, sich
mittags und abends ausschließlich von lukullischen Dreigängemenüs in stilvollem Ambiente zu ernähren. Doch
auch wenn es schnell gehen muss, sollten nicht alle Tischmanieren außer Kraft gesetzt sein.
Beim Fingerfood sind zu unterscheiden:
1. Appetithäppchen, die zum Beispiel bei Stehempfängen gereicht werden.
2. Der kleine Imbiss im Schnellrestaurant, bei dem Sie
mit den Fingern essen oder lediglich einen kleinen
Holzspieß zur Hilfe nehmen.
3. Das Fingerfood-Buffet, das immer häufiger das klassische Drei- oder Viergängebuffet ersetzt.
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4. „Snacks to go“, wie Sie sie beim Bäcker, an Straßenständen und auf Jahrmärkten kaufen können (z. B. Crêpes, Reibekuchen, Fischbrötchen, Bratwurst).
1. Appetithäppchen
Kleine Appetithappen werden in der Regel als AmuseGueule („Gruß der Küche“) vor einem mehrgängigen
Menü serviert oder auf (Steh-)Empfängen von Tabletts
gereicht. Dazu gehören zum Beispiel:
 Kanapees
 Mini-Quiches
 Fleisch-, Fisch- oder Gemüsebällchen
 kleine Frühlingsrollen
 belegte Kräcker
 gefüllte Blätterteighäppchen
 Mini-Pizzen
 Gemüsestangen oder (Maxi-)Chips, die in Saucen gedippt werden, und anderes, was im Mini-Format angeboten wird.
Treffen Sie „Servietten-Vorsorge“
Mundgerechte
Größe
Zu allen solchen Snacks werden in der Regel (Papier-)
Servietten angeboten. Die kleinen Happen sollten eine
mundgerechte Größe haben, sodass sie mit wenigen Bissen verzehrt sind.
Diese optimale Zubereitung ist allerdings nicht immer zu
finden. beispiel: zu groß geratene Kanapees. Vermutlich
kennen Sie die Schwierigkeiten, die dann beim Verzehr
auftreten. Durch das notwendig werdende Abbeißen quellen Mayonnaise, Remoulade, Sahne-Meerrettich und/oder
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Dekoration an allen Seiten heraus. Die Finger sind beschmiert und Klecker-Alarm wird ausgelöst.
Sehen Sie so etwas kommen, decken Sie sich am besten
mit mehreren Papierservietten ein. Liegen diese „Helferlein“ stapelweise herum – was beispielsweise bei Buffets
meistens der Fall ist –, begehen Sie keinen Stilbruch,
wenn Sie mehrere Servietten nehmen.
Wohin mit dem Spieß?
Diese Frage stellt sich oft, wenn hand- und mundgerechte
Snacks am Spieß angeboten werden. Es ist zwar – eigentlich! – Sache der Gastgeber beziehungsweise der ServiceKräfte, den Gästen dieses Dilemma zu ersparen.
Leider wird darauf viel zu selten geachtet. Natürlich kann
niemand von Ihnen als Gast verlangen, dass Sie mit abgenagten Spießen in der Hand herumstehen oder diese gar
diskret in der (Jacken-)Tasche verschwinden lassen.
Funktionieren Sie aber bitte nicht etwa bereitstehende
Aschenbecher, leere (Kaffee-)Tassen und Gläser oder gar
Blumenvasen zu Spieß-Abfallbehältern um. Auch das Ablegen auf Platten, auf denen sich noch Häppchen befinden, ist nicht stilvoll, weil unappetitlich.
So retten Sie die Situation
Die „eleganteste“ Lösung, wenn dieser Organisationspunkt vom Gastgeber vernachlässigt wurde: Bitten Sie
eine Service-Kraft (oder im Privathaushalt direkt die
Gastgeberin oder eine andere zuständige Person), Ihnen
eine Ablagemöglichkeit zu bringen. Bei perfektem Service stehen Teller, Schälchen oder Tabletts dafür bereit.
Dort deponieren Sie bitte die Spießchen.
Die Notlösung: Legen Sie den Spieß auf einer sauberen
Papierserviette ab.
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extra
t von Karin H. Schleines
i
p So brillieren Sie als Gastgeber
p
Als Gastgeber sorgen Sie vor, indem Sie ansehnliche
Tischabfallbehälter bereitstellen, in denen Spieße und
dreckige Servietten sofort entsorgt werden können.
Oder: Sie servieren das Fingerfood auf kleinen Porzellanschälchen oder sogenannten Amuse-Gueule-Löffeln, sodass eine Ablagemöglichkeit für kleine Spieße
und Besteckteile gegeben ist.
2. Der kleine Imbiss im Schnellrestaurant
Wer im Fastfood-Restaurant um Besteck bittet, um Pommes oder einen Burger zu essen, wird Belustigung bis
Spott ernten. Dass dort – außer Salat – alles mit den Fingern gegessen wird, ist selbstverständlich. Das „Höchste“
an Besteck-Kultur: ein Holzspieß zu den Pommes. Aber
auch das ist kein Muss.
experten
t
i Wie isst man stilvoll einen Burger?
p Zur Recherche für diesen Beitrag habe ich mich in ein
p hoch frequentiertes Fastfood-Restaurant einer bekannten
Burger-Kette begeben. Ich kaufe „Menü Nummer 3“ zur
Tarnung und setze mich an einen freien Tisch. Die Atmosphäre ist hektisch und unpersönlich, sodass den Anwesenden entgeht, dass sie von mir bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden:
 Es sind meistens Teenager, die gleich mehrere Pommes auf einmal gierig herunterschlingen, den Mund
dabei weit aufreißen und beim Kauen nicht wieder
schließen.
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 Die Erwachsenen hingegen hinterlassen ein Schlachtfeld: Ihre Tabletts mit den Essensresten bleiben zurück, während sie mit einem Blick auf die Uhr fluchtartig den Tisch verlassen.
 Bei einigen Gästen artet die Mahlzeit in ein Fressgelage aus: drei Burger auf einmal, wobei diese vorher
noch auseinandergenommen und die Gurken herausgepult werden.
 Ein Lichtblick: Vier Teenager sitzen mit ihren Menüs
ganz zivilisiert am Tisch. Ihre aufrechte Körperhaltung fällt auf. Sie essen langsam, kauen genüsslich
und benutzen hin und wieder ihre Serviette. Abschließend entsorgen sie ihren Müll fachmännisch.
 Und auch ein älterer Herr brilliert durch seine Tischmanieren. Burger und Pommes werden ausgepackt,
und die kleine Papierserviette wird in den Schoß gelegt, bevor das Mahl beginnt. Es geht auch mit Niveau.
Snack-Kultur im Schnellrestaurant:
Die 6 wichtigsten Tipps
1. Je nach Fastfood-Restaurant dürfen (oder müssen) Sie
ohne Besteck auskommen. Dann ist es besonders wichtig, sich vorher und hinterher die Hände zu waschen.
2. Die Serviette spielt eine Hauptrolle, wenn Messer und
Gabel fehlen: lieber einmal zu viel statt einmal zu wenig benutzen.
3. Betrachten Sie auch den Schnellimbiss als Mahlzeit:
Bleiben Sie kultiviert, setzen Sie sich hin, und essen Sie
in Ruhe.
4. Passen Sie sich dem Umfeld an: Wenn Ihnen im Schnellrestaurant die Serviette herunterfällt, sollten Sie sich
selbst eine neue besorgen.
5. Räumen Sie Ihr Tablett selbst ab, und hinterlassen Sie
den Tisch, wie Sie ihn selbst gerne vorfinden würden,
nämlich ordentlich, sauber und ohne Essensreste.
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Weitere Fingerfood-Gerichte
Viele Fingerfood-Gerichte sind aus anderen Ländern zu
uns nach Deutschland gekommen: Speisen aus der TexMex-Küche (wie Maiskolben, Tacos und Nachos), aus den
USA (Burger, Chicken-Wings) oder aus Asien (Krupuk –
Krabben-Chips, Sushi) erfreuen sich großer Beliebtheit.
übrigens: Der Döner wurde in Berlin erfunden
Der Döner ist übrigens kein traditionelles türkisches
Gericht. Das mit Salat und Fleisch gefüllte Fladenbrot
„zum Mitnehmen“ wurde zwar von einem Türken erfunden – allerdings in Berlin.
Da diese Gerichte erst seit Kurzem auf deutschen Speisekarten zu finden sind, gibt es häufig keine klaren Regeln,
wie sie zu essen sind. Oft herrscht Unsicherheit. Als Leser
von „Der große Knigge“ sind Sie im Vorteil: Wie Sie diese Speisen essen, lesen Sie in Ihrem Grundwerk in den
Beiträgen T 46 bis T 49.
3. Das Fingerfood-Buffet
Fingerfood-Buffets werden bei vielen geschäftlichen Anlässen immer häufiger gewählt. Bei Gastgebern ist diese
Verpflegungsform hauptsächlich aus zwei Gründen beliebt:
Vorteile: Kosten und
Flexibilität
Zum einen werden die Gäste nicht an ihre Stühle „gefesselt“, wie es bei einem starren Menü der Fall wäre. Die
Möglichkeiten zum Beziehungsaufbau und zur Kontaktpflege sind flexibel.
Zum anderen sind Fingerfood-Buffets kostengünstiger als
klassische Buffets: Pro Person müssen bei einem kurzen
Umtrunk nur drei bis fünf, bei einer längeren Veranstaltung acht bis zwölf Häppchen pro Person veranschlagt
werden, bei einem Buffet ist es etwa ein halbes Kilo Speisen pro Gast.
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Imbiss- und Stehbuffets
Entscheidet der Gastgeber sich für ein Imbiss- oder Stehbuffet, geht es relativ locker zu. Nicht die Nahrungsaufnahme, sondern die Kontaktpflege steht dabei im Vordergrund. Oft wird es gewählt, wenn Budget, Zeit und Platz
knapp bemessen sind und die Gästeanzahl groß ist.
Wenn Sie sich als Gastgeber für diese Buffetform entscheiden, haben Sie die Wahl, ob Sie
 eine Kombination aus Stehtischen und Sitzplätzen
bieten,
 ein kaltes, warmes oder kalt-warmes Buffet anbieten,
 ein Gabel-Imbiss-Buffet anbieten, bei dem Ihre Gäste
mit nur einem Besteckteil (in der Regel der Gabel) auskommen,
 ein Fingerfood-Buffet anbieten, bei dem die Gäste
kein Besteck benötigen.
Vor allem wenn ältere Menschen unter den Gästen sind,
sollten Sie eine Kombination aus Steh- und Sitzplätzen
wählen. Letztere können Sie für die älteren Gäste reservieren.
Das Gabel-Imbiss-Buffet
Bewährt hat sich in der Praxis ein Gabel-Imbiss-Buffet.
Auch wenn der Platz zum Essen knapp bemessen ist, hat
der Gast immer eine Hand frei, mit der er beispielsweise
zum Getränk greifen kann. Möglich ist auch, vorher eine
warme Suppe anzubieten, die ja ebenfalls nur mit einem
Besteckteil – dem Suppenlöffel – gegessen wird.
Essen mit nur
einem Besteckteil
Der Nachteil eines solchen Buffets: In großen Runden, bei
denen sich jeder Gast selbst um sein Essen und seinen
Platz kümmert, geht es oft quirlig und unruhig zu. Der
Vorteil: Der Organisationsaufwand ist für Sie als Gastgeber relativ gering, die Gäste können sich frei bewegen und
miteinander plaudern, wie es ihnen beliebt.
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Neue Buffetformen – neue Herausforderungen
für den Gast
Als Gast sind Sie bei Snack-, Imbiss- und Stehbuffets besonders gefordert. Sie müssen nicht nur in Eigenregie das
Essen auswählen, sondern es auch transportieren und sich
ein Getränk sowie einen Stehplatz organisieren. Sie müssen teilweise auf die Sicherheit der klassischen Tischsitten
verzichten und sich kreative Lösungen einfallen lassen.
extra
t von Karin H. Schleines
i
p Fingerfood-Trend „Verrines“
p
Ein neuer Trend aus Frankreich sind Mini-Speisen, die
in kleinen Glasschälchen (Espressotassen-Größe) angerichtet werden: „Verrines“. Durch diese Darreichungsform kann das Fingerfood-Buffet um Süppchen, Salate
und Cremes erweitert werden. Diese Minispeisen werden mit einer kleinen Gabel oder einem kleinen Löffel
verzehrt. Das Glasschälchen können Sie bei einem
Stehempfang in der Hand halten und nach Verzehr der
Mini-Speise auf einem der Stehtische abstellen.
Der Vorteil der Verrines ist, dass die Finger sauber bleiben und das Snack-Buffet um flüssige und cremige
Speisen bereichert werden kann.
Stehimbiss und Snackbuffet: 6 typische
Fettnäpfchen und wie Sie sie umgehen
1. Wohin mit der Serviette?
Wenn Sie das Essen im Stehen einnehmen, können Sie die
Serviette nicht – wie nach klassischen Tischsitten üblich –
in den Schoß legen. Diese Möglichkeiten haben Sie:
Ist genügend Platz am Stehtisch, legen Sie die Serviette
links neben den Teller. Benutzen Sie sie in derselben Häu70
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figkeit, in der Sie sie auch an einer gedeckten Tafel gebrauchen würden.
Gibt es keinen Platz am Stehtisch? Müssen Sie Ihren Teller in der Hand halten? Klemmen Sie die Serviette zwischen Hand und Teller. Falls Sie sonst keine Hand frei haben: Legen Sie ein Besteckteil auf dem Teller ab, um
zwischendurch die Serviette zu benutzen.
Nicht besonders stilvoll ist es, auf die Serviette zu verzichten, sie an der Kleidung festzuklemmen, in die oberste Tasche des Sakkos zu stecken oder um den Hals zu binden.
2. Was tun, wenn sogar die Plätze an den Stehtischen
zu knapp bemessen sind?
Keine Scheu: Bei Stehimbissen, -buffets und -empfängen
geht es locker zu, Sie dürfen sich auch zu einer fremden
Gruppe zum Essen dazustellen. Fragen Sie einfach höflich: „Darf ich mich zu Ihnen stellen?“
Ist der Andrang so groß, dass es nirgendwo mehr eine Lücke gibt, halten Sie den Teller in einer Hand und essen mit
der anderen (gegebenenfalls mit nur einem Besteckteil
beim Gabel-Imbiss-Buffet). Zumindest Ihr Glas sollten
Sie auf einem der Stehtische abstellen können.
Respektieren Sie Distanzzonen, eine kurze Frage ist höflich: „Stört es Sie, wenn ich mein Glas hier abstelle?“
Gibt es zu wenig Stehtische, ist Rücksicht gefragt: Geben
Sie Ihren Platz frei, wenn Sie mit dem Essen fertig sind
und andere noch nicht.
3. Was tun, wenn Zangen und Löffel am Buffet fehlen?
Eine typische Falle: Es sind nicht genügend Zangen, Löffel etc. eingedeckt, um sich an den Snacks am Buffet zu
bedienen. Mit den Fingern zuzulangen, würde zu weit gehen. Fehlen Vorlegelöffel oder -zangen, bitten Sie am besten die Service-Kraft darum.
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4. Wo lassen Sie die Teller stehen?
Wenn die Feier gut organisiert ist, können Sie das Geschirr am Tisch stehen lassen. Der Service wird die leeren
Teller zügig abräumen. Beim Gabel-Imbiss-Buffet haben
es Service-Kräfte schwer, weil die Bestecksprache fehlt.
extra
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i Bestecksprache
p Treue „Der Große Knigge“-Leserinnen und -Leser wisp
sen, was es mit der Bestecksprache auf sich hat: Legen
Sie Ihr Besteck gekreuzt ab, weiß die Bedienung, dass
Sie noch weiteressen möchten. Legen Sie Messer und
Gabel parallel auf „20-nach-4-Uhr-Position“ ab, bedeutet dies, dass abgeräumt werden darf.
Wenn die Bestecksprache fehlt
Wird jedoch nur mit der Gabel gegessen, kann die Service-Kraft nicht hellsehen, ob Sie noch weiteressen
möchten oder nicht. Daher dürfen Sie gern verbal nachhelfen: „Ich bin fertig, bitte nehmen Sie meinen Teller
auch mit.“
5. Müssen Sie sich auch bei einem Stehbuffet immer
einen neuen Teller nehmen?
Es kommt auf die Speisen an: Möchten Sie lediglich ein
zweites Kanapee essen, ist es sicherlich kein Fauxpas,
wenn Sie es auf denselben Teller legen.
Sobald Sie jedoch (z. B. beim Gabel-Imbiss-Buffet) cremige Speisen, Salate mit Saucen etc. verzehren, wird es
unhygienisch. Generell gelten die klassischen Tischsitten:
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Fingergerichte 2011
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Verwenden Sie auch beim Stehbuffet für jeden Gang einen neuen Teller.
6. Dürfen Sie die Mini-Pizza in die Hand nehmen?
Manchmal werden Gabel-Imbiss- und Fingerfood-Buffets
kombiniert. Dann stellt sich die Frage: Darf man beispielsweise Mini-Pizzen, gefüllte Spinattaschen oder Würstchen
im Schlafrock aus der Hand essen?
Auf die Machbarkeit kommt es an. Meistens können Sie
solche kleinen Snacks im Stehen mit Messer und Gabel
oder nur mit der Gabel nicht besonders gut bewältigen.
Wenn der Snack weder vor Fett noch vor Sauce trieft, dürfen Sie ihn in die Hand nehmen. Säubern Sie sich anschließend die Hände mit der Serviette.
Häufig gehen die Service-Kräfte auch immer wieder mit
neuen Tabletts herum und reichen diverse mundgerechte
Häppchen, Amuse-Gueules und Dips. In die Dips können
Sie das Fingerfood mit den Fingern eintauchen.
Solche Gemüse- oder Obstspieße und -häppchen können
Sie getrost mit den Fingern essen.
Große saftige Obststücke sollten Sie in Gesellschaft besser nicht wie Fingerfood bewältigen.
4. Snacks to go
Unterwegs, auf Reisen und auf Jahrmärkten oder Volksfesten haben Snacks wie Bratwürstchen, Softeis belegte
Brötchen und Sandwiches Tradition:
1. Die Bratwurst-Falle
Bratwürste sind oft zu lang und neigen zum Tropfen. So
beugen Sie vor. Nehmen Sie „to go“ nicht wörtlich: Essen
Sie im Stehen, nicht im Gehen, am besten an einem Tisch.
Halten Sie die Wurst beim Abbeißen über den Tisch. So
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bleibt Ihre Kleidung sauber, selbst wenn etwas herunterfällt. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, verzichten Sie auf Senf oder Ketchup. Wenn’s doch passiert ist:
auf zur nächsten Toilette, wo Sie die Flecken mit lauwarmem Wasser so gut wie möglich entfernen.
2. Die Softeis-Falle
In Ruhe genießen
Häufig schmilzt das Eis schneller in der Hand und in der
Sonne, als einem lieb ist. Auch hier gilt: Essen Sie besser
im Stehen als im Gehen. Gönnen Sie sich für den Genuss
etwas Ruhe; machen Sie eine Pause, und beobachten Sie
das bunte Treiben. Die Zunge sollte beim eiskalten Genuss übrigens nicht zu sehen sein. Statt einfach mit der
Zunge zu schlecken, greifen Sie am besten zu einem kleinen Eislöffelchen. So minimieren Sie die Kleckergefahr;
außerdem wirkt es nie besonders fein, wenn jemand sein
Inneres nach außen kehrt.
experten
t Wer erfand das Speiseeis?
i
p Bereits vor rund 4.000 Jahren war etwas Ähnliches wie
p Speiseeis bekannt. Die Chinesen mischten Milch mit
Früchten und Schnee und erhielten so eine gekühlte Süßspeise. Die Griechen machten es ähnlich: Sie holten
Schnee vom Olymp (höchster Berg Griechenlands) und
vermengten ihn mit Honig, Gewürzen, Fruchtsaft oder
Wein. Somit kann man sie als Erfinder des Sorbets bezeichnen.
Durch Weltreisende wie den Entdecker Marco Polo (1254
bis 1324) kam das Eis-Rezept nach Mitteleuropa, die Florentinerin Katharina von Medici (1519 bis 1589, ab 1547
Königin von Frankreich) führte die Leckerei im 16. Jahrhundert bei der Pariser Oberschicht ein. Mitte des 17.
Jahrhunderts eröffnete der Sizilianer Francesco Procopio
di Cultelli in Paris das erste Eiscafé und ermöglichte so
auch der normalen Bevölkerung den Eisgenuss.
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Das Eis musste jedoch sofort gegessen werden, denn es
gab noch keine geeigneten Möglichkeiten zur dauerhaften Kühlung. Das änderte sich mit der Erfindung der
Kältemaschine 1869, die der Speiseeis-Industrie zum
Durchbruch verhalf. Ab den 1920er Jahren wurde Speiseeis auch in Deutschland immer beliebter. Nach und
nach öffneten immer mehr Eisdielen, die hauptsächlich
von Italienern geführt und betrieben wurden.
Margaret Thatcher: Mit-Erfinderin des Softeises
Das Softeis wurde sogar noch später, erst Mitte des 20.
Jahrhunderts, in Großbritannien erfunden. Im Entwicklungs-Team, das aus Chemikern und Lebensmitteltechnikern bestand, war unter anderem Margaret Thatcher. Bevor sie ihre politische Karriere begann, arbeitete sie als
Chemikerin und leistete so ihren Beitrag zur Erfindung
dieser Eisvariante.
3. Die Sandwich-Falle
Damit Sandwiches und belegte Brötchen bzw. Brote „unfallfrei“ verzehrt werden können, sollte das Verhältnis von
Belag zu Brot stimmen. Ist der Belag (Remoulade, Gemüse, Wurst oder Käse) zu üppig, quillt er beim Zubeißen
heraus. Wenn das passiert, werden die Finger schmutzig,
und es ist in der Regel zu spät, um nach weiteren Servietten zu greifen. Sorgen Sie am besten vor, bevor Sie den
ersten Bissen wagen.
Darf man alle Brote mit den Fingern essen?
1. Auf das Brot kommt es an
In den meisten Fällen dürfen Brot und Sandwiches mit
den Fingern gegessen werden. Es kommt auf mehrere
Punkte an, etwa auf das Brot an sich. Baguette-, Knäckeund auch einige Graubrote lassen sich nicht gut schneiden, sondern besser aus der Hand essen.
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2. Auf die Lokalität kommt es an
Eine „Stulle“ oder das „Butterbrot für unterwegs“ ist dafür gedacht, mit den Fingern gegessen zu werden. Wer
zum Beispiel auf der Parkbank seine Mittagspause verbringt, benötigt selbstverständlich kein Besteck, um ein
Sandwich zu essen. Auch in Fastfood-Restaurants sind
Messer und Gabel unüblich.
3. Auf die Servierart kommt es an
Ein Sandwich ist also unterwegs und im Fastfood-Restaurant ein Fingergericht. Wird das frisch zubereitete, üppig
belegte Clubsandwich, garniert mit einem Salatbouquet
und Pommes frites, im gediegenen Hotelrestaurant serviert, wird es selbstverständlich mit Besteck gegessen.
Das gilt ebenfalls, wenn zum Beispiel ein festes Brot
(Schwarz- oder Vollkornbrot etc.) kunstvoll und reichhaltig mit Salat, Tomaten- und Gurkenscheiben, Käse und/
oder Wurst garniert ist. Auch in solchen Fällen ist es empfehlenswert, das Brot auf dem Teller zu belassen und mit
Messer und Gabel zu essen.
fazit: Entscheiden Sie also situationsabhängig, welche
die beste Alternative ist. Berücksichtigen Sie dabei auch
die Machbarkeit, das Pannenrisiko und die Lokalität.
extra
w Das Sandwich – eine adelige Erfindung
i
s des 18. Jahrhunderts
s
e Das Sandwich ist übrigens keine moderne Erfindung:
n Der schnelle Snack für zwischendurch ist benannt noch
John Montague, Earl of Sandwich (1718 bis 1792). Er
erfand ihn bereits im 18. Jahrhundert, weil er weder
sein Kartenspiel fürs Essen unterbrechen noch die Karten beflecken wollte. Die nach ihm benannten „Klappstullen“ wurden weltberühmt und erfreuen sich noch
heute großer Beliebtheit.
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