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Editorial Wie häufig treten Komplikationen auf? Deutschlands

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seit 1778
Ausgabe 02 | 2014
Deutschlands Experten debattieren in Jena
Themen dieser Ausgabe
Wenn Nachwuchs ausbleibt . . . . . . . . . . . . . 2
Das Kinderwunsch-Team der Frauenklinik am
UKJ berät und therapiert Paare, die ungewollt
kinderlos sind. Das IVF-Labor ermöglicht alle
modernen Verfahren der Reproduktionsmedizin.
Die schmerzarme Operation . . . . . . . . . . . . . 3
Um die Schmerzen nach einer Operation so weit
wie möglich zu reduzieren, kombinieren die Experten der Frauenklinik bei bestimmten Eingriffen die
Narkose mit langwirksamer örtlicher Betäubung.
HIPEC gegen Eierstockkrebs... . . . . . . . . . . . . 4
Elektronische Akte für Kooperationspartner . 4
Mit Hilfe des Einweiser-Portals der Frauenklinik
sind niedergelassene Gynäkologen gut informiert,
was die Behandlung ihrer Patientinnen betrifft.
Wie immer große Resonanz auf Gyn-Onko-Neujahrssymposium
Kontroverse Themen standen im Mittelpunkt
des zehnten Neujahrs-Symposiums der Klinik für
Frauen­heilkunde und Geburtshilfe am UKJ. Unter
dem Motto „Neues zu Mammakarzinom und
gynäko­
logischen Krebserkrankungen“ tauschten
sich im historischen Volksbad annähernd 200
Nieder­gelassene und Klinikärzte aus. Dieser Kongress hat sich zum einem der bedeutenden Frauenkrebs-Kongresse in Deutschland entwickelt.
Ein viel diskutierter Aspekt der Tagung war die
Frage, wie eine Übertherapie vermieden werden
kann, ohne dabei eine Untertherapie zu riskieren.
Über diesen Balanceakt sprach unter anderem Klinikdirektor Prof. Anton Scharl aus Amberg, als er
die in Überarbeitung befindlichen Leitlinien vorstellte. Die aktuelle Diagnostik und Behandlung
des triple-negativen Mammakarzinoms zeigte
Grußworte des Berufsverband-Vorsitzenden von Thüringen Dr. Peter Kentner
Prof. Andreas Schneeweiss von der UniversitätsFrauenklinik Heidelberg anschaulich dar. Dr. Jutta
Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft
gab einen umfassenden Überblick der naturheilkundlichen Therapien und rückte dabei auch die
Selbsttätigkeit der Patientinnen in den Fokus. Den
Menschen zu sehen, betonte auch Prof. Achim
Schneider, der von 1994 bis 2004 in Jena tätig
war. Der bis 2013 an der Berliner Charité wirkende
Gynäkologe stellte zum Abschluss seiner akademischen Karriere die operativen Entwicklungen
und Erfolge beim Zervixkarzinom vor. Intensiv diskutiert wurde über den von Dr. Luca Ansaloni aus
dem italienischen Bergamo präsentierten neuen
Blickwinkel auf die Therapie beim Ovarialkarzinom.
An der weltweit ersten Phase-III Studie zu HIPEC
bei primären Ovarialkarzinom wird das UKJ erstes
deutsches Zentrum (s. S. 4) sein.
Im Vordergrund (v.l.n.r.): Prof. Stickeler, PD Dr. Rack,
Prof. Schneeweiss, Prof. Untch
Wie häufig treten Komplikationen auf?
PD Dr. Marc-Philipp Radosa hat Behandlungsverläufe systematisch analysiert
Über gynäkologisch-laparoskopische Eingriffe wird
gesagt, dass sie mit geringen Komplikationen verbunden sind. Dass diese Einschätzung nicht grundsätzlich zutrifft, betont PD Dr. Marc-Philipp Radosa.
Der Funktionsoberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Jena hat eine große Zahl
an Behandlungsverläufen genau analysiert und die
Häufigkeit von Komplikationen erfasst. Die Ergebnisse präsentiert er in seiner Habilitationsarbeit, die
er jetzt ­vorgelegt und verteidigt hat.
Wann wird überhaupt von einer Komplikation
gesprochen und wie lässt sich diese einstufen?
„Ein standardisiertes System zur Erfassung postoperativ aufgetretener Komplikationen stellt die
so genannte Clavien-Dindo-Klassifizierung dar“,
so PD Dr. Radosa. Jegliche Abweichung vom
idealen Verlauf nach einer Operation, die nicht
als Therapieversagen der Operation ausgelegt
werden kann, wird hier als Komplikation erfasst.
Die Einteilung der Schweregrade erfolgt anhand
der therapeutischen Maßnahmen, die nötig sind,
um die Abweichung zu behandeln. In der viszeralchirurgischen und der urologischen klinischen
Forschung sei diese Klassifizierung zunehmend
verbreitet, so PD Dr. Radosa. „Bei der Auswertung
gynäkologischer chirurgischer Eingriffe wird sie
bislang jedoch selten verwendet.“
Editorial
PD Dr. Marc-Philipp Radosa
Insgesamt 7438 Behandlungsverläufe, bei denen
die postoperativ aufgetretenen Komplikationen
mittels der Clavien-Dindo-Klassifikation erfasst
wurden, hat PD Dr. Radosa analysiert. Eingeflossen
sind Auswertungen, die seit 2009 an der Klinik für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Jena und seit 2011 an der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Universitätsklinikums
Homburg erhoben wurden. Darüber hinaus wurden
zahlreiche Publikationen systematisch ausgewertet.
„Die Auswertung zeigt, dass ein endoskopischer
Zugangsweg nicht a priori mit einer niedrigen
Komplikationsrate assoziiert werden sollte“, so PD
Dr. Radosa. Vielmehr scheint das Auftreten von
Komplikationen in großem Maße von einzelnen
Faktoren beeinflusst zu werden: So zeigt sich,
dass bei Eingriffen mit gehobenem und hohem
Schwierigkeitsgrad signifikant häufiger schwere
Komplikationen auftreten. Mögliche Gründe für
den scheinbaren Anstieg an Komplikationen nach
gynäkologisch-laparoskopischen Eingriffen sieht
PD Dr. Radosa darin, dass sich die endoskopische
Technik in den vergangenen Jahren fortentwickelt
hat und diese auf neue Verfahren mit erhöhtem
Schwierigkeitsgrad ausgeweitet wurde. Neben
dem technischen Schwierigkeitsgrad hat auch die
Erfahrung der behandelnden Einrichtung einen
signifikanten Einfluss auf die Komplikationsrate.
Bei größeren Studien – mit mehr als 500 Behandlungsverläufen – lag die Rate deutlich niedriger.
Die Komplikationsrate der Jenaer Frauenklinik
lag erfreulicherweise deutlich unter der von Vergleichsklinikum. „Insgesamt weist die Auswertung
darauf hin, dass die postoperative Komplikationsrate im Bereich der gynäkologischen Endoskopie deutlich höher liegen könnte, als bislang
­angenommen.“
Prof. Dr. med. Ingo Runnebaum, MBA
Klinikdirektor
Liebe Ärztinnen und Ärzte, liebe Patientinnen,
liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns, Ihnen heute die zweite Ausgabe
unserer „Frauenklinik-Info“ präsentieren zu können.
Als im Herbst die erste Version unserer neu gestalteten Zeitung erschienen ist, haben wir eine Umfrage
unter den Lesern gestartet. Über die vielen Rückmeldungen haben wir uns sehr gefreut. Besonders
darüber, dass Sie, liebe Leser, unsere Artikel als sehr
informativ bewertet haben. So soll es sein! Auch in
Zukunft wollen wir Sie über Neuigkeiten aus der
Gynäkologie in Jena informieren. Ihre Anregungen
sind uns jederzeit willkommen.
Ein herzliches Dankeschön für die wiederholte Auszeichnung in „Guter Rat“ und in der FOCUS-Ärzteliste „Top-Mediziner“! Beide Zeitschriften basieren
ihre Empfehlung auf Umfragen bei Patienten und
Ärzten – aus meiner Sicht eine Empfehlung meines
gesamten Teams.
Ein Thema, mit dem sich viele Frauen an uns wenden, ist der Kinderwunsch. In dieser Ausgabe haben
wir einige Fragen aus unserer Kinderwunsch-Sprechstunde aufgegriffen. Außerdem geben wir Ihnen einen
Einblick in die Arbeit unseres Repro-Teams, das auch
ganz neue Methoden möglich macht.
Innovative Entwicklungen gibt es ebenso bei der Narkose und der Schmerzbehandlung. Zum einen skizzieren wir Fortschritte der Narkosetechnik; zum anderen
stellen wir Ihnen Untersuchungen unserer Klinik vor,
die zeigen, dass Schmerzen nach Operationen deutlich reduziert werden können, wenn Narkose mit einer
örtlichen Betäubung kombiniert wird. Unsere Patientinnen benötigten weniger Schmerzmedikamente,
sie sind im deutschlandweiten Vergleich deutlich
zufriedener – und das ist doch entscheidend. Weitere
Neuigkeiten betreffen eine vielbeachtete Forschung
unseres Hauses zu OP-Komplikationen: Leider gibt
es sie – zum Glück in Jena vergleichsweise seltener.
Zudem berichten wir über HIPEC beim Ovarialkarzinom, einer Erkrankung der wir uns seit Jahren mit
maximalem Engagement widmen.
Wir wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Lesen Sie online!
Auch als PDF-Download
verfügbar. Einfach den
QR-Code scannen und
diese Ausgabe herunterladen.
www.frauenheilkunde.uniklinikum-jena.de/
Abteilung_Allgemeine_Gynaekologie.html
Ausgabe 2 | 2014
Seite 2
seit 1778
Wenn der Nachwuchs nicht kommen will
Im Gespräch mit Oberarzt Dr. Askin Dogan über die KinderwunschSprechstunde am UKJ
Wann sollten Paare zu Ihnen in die
Sprechstunde kommen?
Dr. Dogan: Wenn Paare mit einem Kinderwunsch ohne eine Verhütungsmethode regelmäßig Geschlechtsverkehr haben und innerhalb eines
Jahres keine Schwangerschaft eintritt, sollten sie zu
einem reproduktionsmedizinischen Zentrum gehen.
Ich persönlich empfehle, dass sich Paare bereits
nach einem halben Jahr vorstellen sollten, insbesondere, wenn die Frau über 35 Jahre alt ist.
Sind die meisten Paare, die Sie
betreuen, älter?
Dr. Dogan: Nein, das kann man nicht generell
sagen. Es gibt Paare, die bereits mit Anfang oder
Mitte 20 zu uns kommen. In diesen Fällen ist den
Betroffenen die Diagnose meist bekannt, beispielsweise wissen sie, dass die Eileiter der Frau verschlossen sind oder der Mann keine Spermien hat.
Wer mit Mitte 30 in die Sprechstunde kommt, weiß
oft nicht, warum sich keine Schwangerschaft einstellen will.
Sehen Sie einen Trend, dass Frauen erst
später an eine Schwangerschaft denken?
Dr. Dogan: Das spüren wir ganz deutlich. Immer
mehr Frauen über 35 kommen zu uns, für die das
Thema früher keine Rolle gespielt hat. Sei es, weil
sie sich auf die Karriere konzentriert haben oder der
richtige Partner noch nicht da war. Wir empfehlen,
das erste Kind bis zum 30. Lebensjahr zu bekommen. Männer bleiben länger zeugungsfähig, jedoch
ist die Spermienqualität vom Lebensstil und dem
allgemeinen Gesundheitszustand abhängig.
Was sind die häufigsten Gründe für
eine ungewollte Kinderlosigkeit?
Dr. Dogan: Es gibt viele Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch, die sowohl beim Mann als
auch bei der Frau liegen können. Daher untersuchen wir immer beide Partner. Bei Frauen sind die
häufigsten Gründe Zyklusstörungen, Endometriose oder Eileiterverschluss durch chronische
Infektionen. Bei Männern liegt das Problem meist
darin, dass die Spermien Auffälligkeiten aufweisen und die Anzahl zu gering ist. Am Anfang
unseres gemeinsamen Weges mit dem Paar steht
immer ein ausführliches Beratungsgespräch.
Zunächst helfen wir, die natürlichen Vorgänge
zu unterstützen und machen beispielsweise ein
Zyklusmonitoring, um den optimalen Zeitpunkt
für den Geschlechtsverkehr festzustellen. Längst
nicht bei allen Paaren ist eine künstliche Befruchtung notwendig.
Und wenn es auf natürliche Weise nicht
klappt?
Dr. Dogan: Dann können wir alle modernen Therapien der Kinderwunschbehandlung anbieten.
Uns ist wichtig, dass die Paare stets gut über ihre
Schwangerschaftschancen je nach Therapieoption
aufgeklärt sind. Manchmal sind aber auch Operationen notwenig, um eine Schwangerschaft möglich
zu machen – beispielsweise bei einem Eileiterverschluss oder um eine frühere Sterilisation rückgängig zu machen. Für diese Patientinnen haben wir
einmal wöchentlich eine spezielle Sprechstunde
(Fertilitätschirurgie) eingerichtet.
finanzielle Hilfe von Bund und Ländern beantragen.
Die Paare müssen im Freistaat ihren Hauptwohnsitz
haben und die Klinik muss in Thüringen sein.
Wie viele Paare betreuen Sie pro Jahr?
Eine künstliche Befruchtung kann
belastend sein – psychisch und auch
finanziell.
Dr. Dogan: Wenn wir alle Behandlungsmethoden
zusammenzählen, sind es um die 1000 Paare, die
wir pro Jahr betreuen. Einige nehmen eine Fahrt
von 250 Kilometern auf sich. Speziell Frauen, die
weit entfernt von Jena wohnen, bieten wir eine
Zusammenarbeit mit ihrem niedergelassenen Frauenarzt an. Dieser kann einige der Ultraschalluntersuchungen übernehmen und uns das Ergebnis
zufaxen. Da viele Frauen berufstätig sind, bieten wir
dienstags eine Spätsprechstunde von 16 bis 20 Uhr
an. Darüber hinaus können aber auch ganz individuelle Termine vereinbart werden.
Dr. Dogan: In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Hälfte der Kosten für verheiratete Paare.
Es gibt jedoch Ausnahmen, zum Beispiel, wenn die
Frau über 40 und der Mann über 50 Jahre alt ist oder
wenn eine Sterilisationsoperation durchgeführt
wurde. Wenn die Frauen es benötigen, können sie
für die Zeit der Behandlung krankgeschrieben werden. Zusätzlich können ungewollt kinderlose Paare
in Thüringen für die Erfüllung ihres Kinderwunsches
Kontakt
Kinderwunsch- und Hormonzentrum
Universitätsklinikum Jena
Bachstraße 18 · 07743 Jena
Tel.:
03641 - 9 33 529
E-Mail:Askin.Dogan@med.uni-jena.de
Web:www.frauenklinik-jena.de
Zum Kinderwunsch-Team des UKJ gehören (in der ersten Reihe, von links:) Dr. Helen Gonnert, PD Dr.
Wolfgang Starker, Biologin Dr. Ines Hoppe, Klinikdirektor Prof. Ingo Runnebaum, Dr. Kristin Nicolaus,
Dr. Askin Dogan und (in der zweiten Reihe) Schwester Kathrin, Schwester Sindy, MTA Susanne Lembke,
Psychologin Dr. Christin Hempowicz, Psychologin Dr. Elena Partschefeld und MTA Bianka Ilse.
Neue Methode soll Kommunikation zwischen Mutter und Embryo verbessern
Moderne Verfahren der Reproduktionsmedizin können die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen
Als Dr. Ines Hoppe 1984 anfing, in der Reproduktionsmedizin zu arbeiten, war die künstliche Befruchtung, die In-vitro-Fertilisation (IVF) weltweit gerade
erst seit acht Jahren möglich. Viel hat sich in den
vergangenen drei Jahrzehnten auf diesem Gebiet
getan. „Doch der Transfer des Embryos geschieht
nach wie vor gleich“, so die Biologin, die das
Die Biologin Dr. Ines Hoppe leitet das IVF-Labor an der
Universitätsfrauenklinik Jena.
IVF-Labor an der Klinik für Frauenheilkunde und
Geburtshilfe am UKJ leitet. Erstmals gibt es jetzt
auch hier eine neue Methode, die für eine bessere
Einnistung sorgen soll. „Wir springen nicht auf jeden
Zug auf“, betont Dr. Hoppe. Doch mit diesem neuen
Ansatz erhoffe sie sich, die Schwangerschaftsrate
verbessern zu können. Die befruchtete Eizelle wird
dabei bis zu drei Tage in ein Spezialmedium gegeben.
Diesem Medium sind Wachstumsfaktoren zugesetzt,
die die Rezeptoren im Embryo aktivieren. „Dies soll
sozusagen die Kommunikation zwischen Mutter und
Embryo bei der Einnistung verbessern“, so Hoppe.
Vor allem für Paare, die trotz mehrfacher Behandlung und guter Embryoqualität nicht schwanger
wurden, könnte diese Methode hilfreich sein.
Lange Zeit, so Hoppe, habe man gedacht, dass in
erster Linie die Qualität der Eizellen und Embryonen
für eine Schwangerschaft ausschlaggebend seien.
„Erst später kam dann die Erkenntnis, dass auch die
Qualität der Spermien eine große Rolle spielt.“ Die
diagnostischen Möglichkeiten haben sich auf diesem
Gebiet enorm verbessert. Seit etwa einem Jahr verfügt das Labor der Frauenklinik über ein Verfahren,
um die Spermien auf ihre genetische Intaktheit zu
untersuchen. Aus verschiedenen Gründen kann die
DNA gebrochen sein, das heißt in Fragmenten vorliegen. Je mehr Samenzellen fragmentierte DNA
aufweisen, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit
einer Schwangerschaft. Ganz neu ist zudem eine
Zusammenarbeit mit der Klinik für Urologie von Prof.
Marc-Oliver Grimm. Bei Männern, deren Ejakulat
keine Spermien enthält, kann im Rahmen eines operativen Eingriffs mit Hilfe eines speziellen Mikroskops
gezielt eine geringe Menge Hodengewebe entnommen werden, um daraus Spermien zu gewinnen.
Neben diesen ganz neuen Verfahren nehmen die Kinderwunsch-Experten am UKJ alle
Standardmethoden vor. „Was
uns zudem wirklich herausstellt, ist unsere moderne Kryo­
bank“, so Dr. Hoppe. Spermien
und Einzellen können hier bei Minus 196 Grad
beliebig lange aufbewahrt werden, um zu einem
späteren Zeitpunkt zum Einsatz zu kommen. Die
Kyrobank ist für Krebspatienten relevant, die nach
einer Chemotherapie, die zu Unfruchtbarkeit führen kann, einen Kinderwunsch haben. Mehr als
6000 Proben lagern hier, alle Parameter werden
rund um die Uhr automatisch überwacht. Bisher
war jedoch nur möglich, bereits befruchtete Eizellen einzufrieren. „Dank einer neuen Methode mit
einem sehr schnellen Temperaturabfall, der Vitrifikation, können wir nun auch unbefruchtete Eizellen konservieren“, so Dr. Hoppe.
In-vitro-Fertilisation (IVF)
Bei einer In-vitro-Fertilisation findet die Befruchtung außerhalb
des Körpers statt. Nach einer Hormonbehandlung der Frau werden
Eizellen entnommen, die mit aufbereiteter Spermienflüssigkeit
zusammengebracht werden. Nach einigen Tagen werden bis zu drei
Embryonen mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutterhöhle
übertragen.
Ausgabe 2 | 2014
Seite 3
Sicher und nebenwirkungsarm - moderne Verfahren der Narkose
Der Anästhesist Oberarzt Dr. Dominik Geil erläutert die enormen Fortschritte
Die Entwicklung der Anästhesie – altgriechisch für
„ohne Wahrnehmung“ – hat in den vergangenen
Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Von
der Äthernarkose bis heute wurden Meilensteine
passiert. Nachdem früher die operativen Disziplinen selbst für die Narkose verantwortlich waren,
kümmern sich seit über 50 Jahren speziell ausgebildete Fachärzte um die Narkose, die Anästhesistinnen und Anästhesisten. Damit einhergehend
ist das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen deutlich gesunken.
Neben der Vollnarkose werden zunehmend Regionalanästhesien durchgeführt. Hierbei wird nur
ein Teil des Körpers betäubt, das Bewusstsein
bleibt regelhaft erhalten. Bei großen gynäkologischen Bauchoperationen ist eine Kombination
beider Verfahren möglich, um durch die Regionalanästhesie eine optimale Schmerztherapie und
weitere positive Effekte zu erreichen. Welches
Vorgehen gewählt wird, hängt von vielerlei
Faktoren ab, und wird in einem ausführlichen
Gespräch zwischen Anästhesist und Patientin vor
dem Eingriff besprochen.
Vollnarkose oder Allgemeinanästhesie
Heute wendet der Narkosearzt für die Vollnarkose
eine Kombination von mehreren Medikamenten an, um eine bestmögliche Bewusstseins- und
Schmerzausschaltung zu erreichen. Bei längeren
Eingriffen wird ein Beatmungsschlauch (Tubus) in
die Luftröhre eingeführt, um die Patientin hierüber
künstlich zu beatmen und sie vor dem Übertritt
von Magensäure in die Atemwege zu schützen. Bei
kleineren Eingriffen reicht häufig auch eine sogenannte Kehlkopfmaske aus, die weniger Komplikationsmöglichkeiten aufweist.
Die Anästhesistin Dr. Juliane Heß bei ihrer Arbeit an
einem modernen Narkosegerät.
Teilnarkose oder Regionalanästhesie
Bei der Regionalanästhesie werden einzelne Nerven
oder Nervenstränge mit Lokalbetäubungsmitteln
blockiert, sodass Schmerzreize nicht mehr ins Gehirn
weitergeleitet werden. Bei großen gynäkologischen
Eingriffen, aber auch zur Erleichterung des Geburtsschmerzes wird häufig eine Form der Rückenmarksanästhesie, die sogenannte Periduralanästhesie (PDA)
angewendet. Dabei wird über eine Hohlnadel ein
dünner Katheter in der Nähe des Rückenmarkes platziert. Über diesen Schlauch ist die fortlaufende Gabe
von schmerzstillenden Medikamenten möglich. Die
positive Wirkung dieses Verfahrens ist gut erforscht.
Neben der schnelleren Erholung der Patientinnen
wird vor allem die positive Wirkung auf die Darmtätigkeit und die geringere Rate an postoperativen
Lungenentzündungen geschätzt.
Schmerztherapie
Einen großen Stellenwert in der Betreuung von
operierten Patientinnen nimmt die Schmerz­
­
therapie ein. Diese wird bereits während der Narkose
begonnen und anschließend im Aufwachraum und
auf der Normalstation fortgesetzt. Dabei ergänzen
sich regionalanästhetische und systemischen Verfahren (über die Vene gegebene Medikamente) und
vom Operateur durchgeführte Maßnahmen wie
zum Beispiel die Wundrandinfiltration optimal. Die
Zufriedenheit der Patientinnen mit der Schmerztherapie wird regelmäßig erfasst und mit Hilfe einer
großen Datenbank ausgewertet. Damit lässt sich
die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am
UKJ mit über 100 anderen Stationen deutschlandweit vergleichen und es können Rückschlüsse auf
die eigene Qualität in der Schmerztherapie gezogen
werden. Das sogenannte QUIPS-Projekt (Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie) wurde vor über zehn Jahren in der Jenaer Klinik
für Anästhesiologie und Intensivmedizin begründet
(http://www.quips-projekt.de). Durch Wundrand­
infiltration konnte die Frauenklinik eine sehr deutliche Verbesserung erreichen.
Übelkeit und Erbrechen heute selten
Früher galt nach einer Operation auftretende Übelkeit
und Erbrechen als nicht oder kaum zu verhindernde
Nebenwirkung einer Narkose. Das hat sich zum Glück
vollständig geändert. Durch den Einsatz moderner Narkosemittel und die vorbeugende Gabe von
Medikamenten, die diese für die Patientinnen unangenehmen Nebenwirkungen verhindern, ist die Rate
deutlich gesunken. Sollte es doch zu den genannten
Nebenwirkungen bei einer Narkose kommen, stehen
weitere Möglichkeiten der Therapie bereit.
seit 1778
Impressum
Herausgeber: Universitätsklinikum Jena
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Abt. Allg. Gynäkologie
Bachstraße 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 - 933063
Fax: 03641 - 933064
E-Mail: direktion-gyn@med.uni-jena.de
Redaktion:
Ingo B. Runnebaum
Cornelia Scheungraber
Anett Krahmer
Stefan Dreising
Anke Schleenvoigt
Fotos:
Michael Szabó, Klinisches Medienzentrum
Layout: Medienzentrum des Universitätsklinikums Jena
Erscheinungsweise:
1 Ausgabe / Quartal
Auflage:
15 000 Stück
Druck:
Druckhaus Gera
Kontakt
Dr. Dominik Geil
Klinik für Anästhesiologie u. Intensivmedizin am UKJ
Tel.: 03641 – 9 323121
E-Mail: Dominik.Geil@med.uni-jena.de
Schmerzarme Operation: Kombination von Narkose mit örtlicher Betäubung
Neben der Angst vor der Narkose zählen Schmerzen
nach der Operation zu den größten Sorgen der Patienten vor einem medizinischen Eingriff. „Die Zeit
nach der Operation so schmerzarm wie möglich zu
gestalten, gehört in der Klinik für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe Jena zu einem der wichtigsten
Ziele in der Patientenversorgung“, erläutert Assistenzarzt Jorge Jimenez Cruz. Dafür werden bereits
im Rahmen des Aufnahmegespräches und der
Narkoseaufklärung konkrete Aspekte der postoperativen Schmerzbehandlung besprochen. Als Zentrum für minimal-invasive Chirurgie mit jahrelanger
Expertise in laparoskopischer Chirurgie aller Schwierigkeitsgrade kommen daher – wann immer es die
Erkrankung zulässt – minimal-invasive Techniken
zum Einsatz auch um Schmerzen zu vermeiden.
Da jeder Mensch Schmerzen anders erlebt, erfolgt
die Schmerzversorgung individualisiert, an die
speziellen Bedürfnisse jeder einzelnen Patientin
angepasst. Dies kann nur durch eine optimale,
interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen – Gynäkologen, Anästhesisten, ggf. Schmerztherapeuten, Physiotherapie
und Pflegepersonal – garantiert werden. Dass
Schmerzen als „Nebenwirkung“ eines operativen
Eingriffs entstehen, lässt sich nicht vermeiden.
Durch eine adäquate Schmerzerfassung und ein
strukturiertes und individualisiertes Schmerzmanagement wird versucht, die Schmerzen optimal
zu behandeln beziehungsweise bestmöglich zu
lindern. Gelingt eine ausreichende Behandlung
der postoperativen Schmerzen nicht, so können
kurz- und langfristige Folgen für die Patienten
auftreten – unter anderem die Einschränkung der
Mobilisation, Wundheilungsstörungen oder die
Chronifizierung der Schmerzen.
der Patientinnen, die LA erhielten, gaben zum Zeitpunkt der Befragung an, komplett schmerzfrei zu
sein. Demgegenüber waren lediglich 7 Prozent der
Patienten ohne Ropivacain schmerzfrei.
Örtliche Betäubung vor
der Bauchspiegelung.
Postoperative
Schmerzen vermeiden
ist ein wichtiges Ziel in
der Frauenklinik
Durch die Verletzung des Gewebes im Rahmen der
Operation werden zahlreiche Stoffe freigesetzt, welche unter anderem die sich im Gewebe befindenden
Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) aktivieren. Spezielle Nervenzellen leiten die Schmerzinformation
über das Rückenmark an Gehirnareale weiter, wo
sie dann als Schmerzen wahrgenommen werden.
Orale und intravenöse Schmerzmittel unterdrücken
die Schmerzleitung im Rückenmark und im Bereich
der peripheren Nerven. Da diese Wirkung erst versetzt eintritt, werden solche Schmerzmittel vor
allem nach der Operation angewendet. Auch schon
während der Vollnarkose ist das oben beschriebene
Schmerzleitungssystem aktiv, die Bewusstwerdung
der Schmerzen wird jedoch durch die im Rahmen
der Narkose angewandten Medikamente im Gehirn
unterdrückt, so Cruz. Wenn die Wirkung der Narkose nachlässt, werden die Schmerzen dann wahrgenommen. Medikamente zur örtlichen Betäubung
– Lokalanästhetikum (LA) – blockieren das Schmerzleitungssystem gleich am Entstehungsort, auf der
Ebene der Schmerzrezeptoren.
„Bei uns in der Universitätsfrauenklinik Jena führen
wir eine Kombination der beschriebenen Vorgehensweisen mit dem Ziel durch, eine weitere Reduktion der postoperativen Schmerzen zu erreichen“,
so Cruz. Dabei kooperieren die Mitarbeiter der
Frauenklinik eng mit Prof. Winfried Meißner, Leiter
der Schmerztherapie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Bisher haben mehr als
600 Patientinnen das langwirksame Lokalanästhetikum Ropivacain während der Operation zusätzlich zur Standardnarkosemethode bekommen. Mit
dieser Technik werden Patientinnen behandelt, die
eine Bauchspiegelung, einen Kaiserschnitt oder
eine Brustoperation erhalten. Bei der Bauchspiegelung wird das LA sowohl in der Bauchdecke als
auch im Bauchraum verteilt. „Wir konnten dadurch
eine relevante Reduktion der postoperativen Belastungsschmerzen sowie eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit bei unseren Patientinnen
registrieren“, so Cruz. Der Bedarf an zusätzlicher
Schmerzmedikation im postoperativen Verlauf
konnte um 19 Prozent reduziert werden. 27 Prozent
Bei den Kaiserschnitten werden die Wundränder
mit dem Lokalanästhetikum unterspritzt und eine
kleine Menge im Bauchraum appliziert. Hierdurch
konnte eine Reduktion des maximalen Schmerzes
und der Schmerzen bei Belastung gemessen werden. Außerdem kam es zu einer zehn-prozentigen
Reduktion der schmerzbedingten Einschränkung
der Mobilität. Bei den Brustoperationen wird Ropivacain auf die gesamte Wundfläche, sowohl am
Wundgrund als auch an den Wundrändern verabreicht. Auch hier konnte das Ausmaß der maximalen
Schmerzen signifikant reduziert werden. Weiterhin
sahen wir eine hohe Reduktion des Bedarfs an
potenten Schmerzmitteln (Opioide), was mit einer
niedrigeren Rate an postoperativer Übelkeit verbunden war. „Diese innovative Schmerzbehandlung ist
sehr gut verträglich und nebenwirkungsarm“, erläutert Cruz. Die einzige Einschränkung für die Anwendung sei eine bekannte Unverträglichkeit gegen
örtliche Betäubungsmittel. „Insgesamt bringt uns
die zusätzliche Anwendung örtlicher Betäubungsmittel unserem Ziel, die Behandlung unserer Patienten schmerzarm zu gestalten, ein Stück näher.“
Weitere neue Ansätze zur Reduktion postoperativer
Schmerzen sollen in den nächsten Monaten an der
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Jena
untersucht werden.
Kontakt
Jorge Jimenez Cruz
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
E-Mail: Jorge.Jimenez_Cruz@med.uni-jena.de
Ausgabe 2 | 2014
Seite 4
seit 1778
HIPEC: Erfahrung am Jenaer Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs
Erst die vollständige Tumorentfernung durch das Spezial-Team, dann erwärmte Chemotherapie im Bauchraum
Der Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) hat sich in 70%
der Patientinnen bei der Diagnose schon im Bauchraum oberflächlich ausgebreitet. Er ist die 5. häufigste Krebs-Todesursache bei Frauen in Deutschland.
Symptome sind Unterbauchschmerzen, Zunahme des
Bauchumfangs, Gewichtsverlust, Verstopfung und
andere unspezifische Beschwerden. Eine wirksame
Früherkennung gibt es nicht. An der Jenaer UniFrauenklinik entwickeln die Teams im Labor und im
OP gemeinsam neue Bluttests zur Frühdiagnose und
neue Behandlungen. Seit 3 Jahren setzt die Frauenklinik nach einer sehr aufwändigen operativen
Tumorentfernung eine erwärmte Chemotherapie im
Bauchraum (HIPEC) ein. Absolut entscheidend für
die Heilaussichten ist, dass sämtliche sichtbaren oder
tastbaren Tumoren entfernt werden. Der postoperative Tumorrest ist der wichtigste, beeinflussbare
Prognosefaktor! Das Jenaer Team um Professor Runnebaum hat sich seit Jahren mit neuesten Techniken
auf diese Operation spezialisiert. Etwa 80% der Patientinnen in Jena sind am Ende der Operation für das
bloße Auge tumorfrei, dagegen sind dies deutschlandweit etwa nur 30% (lt. Qualitätssicherung der
AGO in der Deutschen Krebsgesellschaft). Was heißt
das für Deutschland? Die Mehrzahl aller Patientinnen
erhält nicht die operative Tumorentfernung, die technisch möglich und medizinisch notwendig wäre.
Warum ist die operative Tumorentfernung entscheidend? Bleiben geringe Tumormengen zurück,
verschlechtert sich die Aussicht auf Heilung drastisch. Die Ergebnisse in Jena sind eine Teamleistung
nicht nur der Operateure Prof. Runnebaum und Dr.
Diebolder, sondern auch der anderen Partner im
zertifizierten Gynäkologischen Krebs-Zentrum, wie
der Anästhesie/Intensivmedizin, der Internistischen
Onkologie und der Allgemeinchirurgie.
Wie sind die Aussichten bei Standardtherapie?
tastasen bzw. inoperable Leber-MTS, schwere kardiovaskuläre, renale, hämatologische oder hepatische
Funktionseinschränkungen sowie massiver Lymphknotenbefall. Relative KI sind schlechter Ernährungszustand, Darmverschluss, starkes Übergewicht, sowie
Harnstauung durch Tumor.
Vor der Tumorentfernung bei reichlich Aszites.
In 70% nach der Experten-Operation verbleiben
nur unsichtbare Tumorreste im Bauchraum. Drei
Wochen nach der OP folgt eine Kombinationschemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel, z.
B. in der Praxis des Gynäkologen. Das 5-JahresÜberleben nach Komplettentfernung und Chemotherapie bei fortgeschrittener Erkrankung ist
50-60%, jedoch nur 20-30%, wenn der Tumor
nicht komplett entfernt wurde! Die meisten Patienten entwickeln dann ein Rezidiv im Bauchraum
(Wiederauftreten).
Was könnte eine HIPEC zusätzlich zu einer Komplett-OP bringen? Im Test sind Tumorzellen thermoempfindlicher als gesunde Zellen. Zudem erreichen
die Medikamente im Bauchraum an der einzelnen
Tumorzelle eine bis zu 1000fach höhere Konzentration als bei herkömmlicher Chemotherapie. Eine
frühe Elimination kleinster Tumorreste durch die
hyperthermische intraperitoneale Chemotherapie
(HIPEC) könnte einen Überlebensvorteil für die Patienten bringen. Die HIPEC wird im Anschluss an die
operative Tumorentfernung als eine auf etwa 41°
erwärmte Chemotherapie-Lösung (Carboplatin und
Paclitaxel) 90 Minuten in den Bauchraum gegeben.
Für die Perfussion werden Katheter mit Temperatursonden platziert, wodurch das Perfusat zu- und
abfließen kann. Hierzu wird ein Rollerpumpensystem mit Wärmetauscher verwendet, über Sensoren
HIPEC nach der Tumorentfernung
die für die Therapie relevanten Parameter (Temperatur, Fluss, Druck, etc.) überwacht. In der Literatur
finden sich Daten von über 1800 OvarialkarzinomPatienten, die mit unterschiedlichen HIPEC-Ansätzen behandelt wurden. Das Verfahren wird auch bei
anderen Tumoren angewandt (Appendixkarzinom,
Pseudomyxoma peritoneii, Magenkarzinom, Kolonkarzinom). Da HIPEC bisher nicht im randomisierten
Vergleich gegen den Standard geprüft wurde, gilt
das Verfahren in der Gynäkologie als experimentell
und wird nur in Studien oder begründeten Einzelfällen angewandt.
Pro Jahr werden an der Universitätsfrauenklinik Jena
etwa 80 Patientinnen mit Ovarialkarzinom behandelt. Seit Juni 2011 hat die Frauenklinik Erfahrung
mit der HIPEC im Rahmen individueller Heilversuche
(Compassionate use). Wissenschaftlich arbeitet das
Team mit internationalen Gruppen zusammen. In
naher Zukunft soll die Therapie mit HIPEC unter
Studienbedingungen erfolgen.
Einschlusskriterien: primäres oder sekundäres peritoneal metastasiertes Ovarial-, Tuben- und Peritonealkarzinom, Alter bis 70 Jahre, möglichst komplette
makroskopische Resektion guter Allgemeinzustand.
Der Patientenwille nach ausführlicher Aufklärung ist
selbstverständlich entscheidend. Ausschlusskriterien:
Kontraindikationen (KI) für Chemotherapie, Fernme-
Nebenwirkungen der Chemotherapie können bei
intraperitonealer Anwendung vermindert auftreten
(z.B. Haarverlust, Diarrhoe, Knochenmarkdepression, Hämatotoxizität). Insgesamt handelt es sich
um eine belastende Behandlung: Die ausgedehnte
operative Therapie, die Erwärmung des Körpers
und die Reizung des Intraperitonealraums durch
die HIPEC können Komplikationen hervorrufen. So
traten nach der Anwendung z.B. starke Schmerzen,
Infektionen, Verletzungen des Darmes, Verschlechterung der Nierenfunktion oder Entgleisungen des
Elektrolythaushalts auf. Durch die Betreuung in
einem multidisziplinären, HIPEC erfahrenen Team
können diese Komplikationen allerdings verringert
bzw. behandelt werden.
Die Überweisung oder die Selbstvorstellung der
Patientin in der Spezialsprechstunde sind möglich,
um eine individuelle Beratung hinsichtlich der optimalen Behandlung bei Eierstockkrebs zu erhalten.
Universitätsfrauenklinik Jena oder UTC
Bachstraße 18 · 07743 Jena
Ansprechpartner:
Ltd. OA Dr. H. Diebolder, GF OA Dr. M. Rengsberger,
Herr J.-J. Cruz, Prof. Dr. I. Runnebaum
Sprechstunde für Eierstockkrebs:
Mo: Prof. Dr. I. Runnebaum und OA Dr. H. Diebolder
Do: OA Dr. M. Rensgberger
Tel.: 03641 - 933 492 Mo-Fr: 7:30 bis 15:30
Einweiser-Portal für schnellen Informationsfluss
Termine
Frauenklinik arbeitet mit elektronischer Patientenakte
12.04.2014 9:00 Uhr
Endometriose Frühstück - Informationsveranstaltung für Patientinnen und Ärzte
Best Western Hotel, Rudolstädter Straße 82,
07745 Jena
Kurze Zeit nach
ihrem stationären Aufenthalt
in der Jenaer Frauenklinik kommt
die 68-jährige Patientin zu ihrem
niedergelassenen Gynäkologen in die
Praxis. Obwohl der Entlassungsbrief noch
nicht im Postfach liegt, ist der Gynäkologe
schon genau informiert. Dank der elektronischen Patientenakte konnte er bereits während
des Klinikaufenthalts alle a­ktuellen Befunde seiner
Patientin einsehen. Seit zwei Jahren arbeitet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Jena (UKJ) mit dem Online-Portal für
einweisende Ärzte und Kliniken. Zunächst gingen vier
Testpraxen an den Start. Deren Verbesserungsvorschläge wurden umgesetzt, bevor das Portal dann
einer größeren Gruppe präsentiert wurde. Mittlerweile beteiligen sich 14 niedergelassene Ärzte sowie
vier Kliniken daran. Die elektronische Patientenakte
wurde als Pilotprojekt in Kooperation mit der ITAbteilung am Universitätsklinikum entwickelt. Einzige Voraussetzung, das kostenfreie Portal nutzen zu
können, ist ein Internetanschluss.
Jeder interessierte einweisende Arzt erhält mit
Hilfe eines Benutzernamens und eines Passworts
Zugang zum Portal. Damit die Patientendaten ausschließlich von berechtigten Personen eingesehen
werden können, erhält jeder Nutzer außerdem
einen Sicherheitsschlüssel. Dieses so genannte
RSA-Token generiert alle 60 Sekunden ein neues
Passwort und stellt somit eine zweite Sicherheitsstufe dar. Jede Patientin, deren Daten im
Einweiser-Portal sichtbar sind, hat diesem Verfahren im Vorfeld zugestimmt.
Für die einweisenden Ärzte bietet das Portal viele
Vorteile. Der Informationsfluss zwischen Frauenklinik
und Praxis wird schneller und direkter. In der elektronischen Patientenakte findet der Niedergelassene
alles auf einen Blick: Vom Labor-Befund bis zum OPBericht. Er wird tagesaktuell informiert und erspart
sich Wartezeiten auf die postalische Übersendung.
Auch Doppeluntersuchungen lassen sich vermeiden,
wenn alle aktuellen Befunde online erfasst sind. Bei
längeren Aufenthalten in der Jenaer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kann sich der niedergelassene Gynäkologe zudem fortlaufend über den
Zustand seiner Patientin informieren und ist somit
stärker in den klinischen Ablauf involviert.
Wenn Sie sich für das Einweiserportal interessieren, wenden Sie sich bitte an:
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Abt. Allgemeine Gynäkologie | Direktionssekretariat
Bachstrasse 18 · 07743 Jena
Tel.: 03641 - 933 063 Fax: 03641 - 933 064
E-Mail: Direktion-Gyn@med.uni-jena.de
23.06.2014 16:00 Uhr
Informationsveranstaltung im Rahmen der
Welt-Kontinenz-Woche
Tag der offenen Tür des
Beckenbodenzentrums Jena
Hörsaal der Universitätsfrauenklinik, Bachstr. 18
25.10.2014
Thüringer Herbsttagung für Frauen­
ärztinnen, Frauenärzte, Hebammen und
Pflegende
15.11.2014
IMT - Interdisziplinäre Myom-Tagung
Ihre Ansprechpartner an der Klinik f. Frauenheilkunde u. Geburtshilfe
Abteilung Allgemeine Gynäkologie am Universitätsklinikum Jena
Poliklinik / ambulante Sprechstunden:
Montag – Freitag
7:30 – 15:30 Uhr
Tel.: 03641 – 933492
Fax: 03641 – 933351
Interdisziplinäres Brustzentrum Jena
Montag – Freitag
8:00 – 15:30 Uhr
Tel.: 03641 – 933205 oder 933208
Fax: 03641 – 934215
E-Mail: Brustzentrum@med.uni-jena.de
Sekretariat Direktor
Prof. Dr. med. Ingo B. Runnebaum, MBA
Montag – Donnerstag
7:00 – 18:00 Uhr
Freitag 7:00 – 17:00 Uhr
Tel.:
03641 – 933063
Fax: 03641 – 933064
E-Mail: direktion-gyn@med.uni-jena.de
Kontakt für den einweisenden Arzt
Montag – Freitag 8:00 – 18:00 Uhr
Tel.: 03641 – 934214
Fax: 03641 – 933969
In dringenden Notfällen sowie am Wochenende wenden Sie sich bitte an die Station 3:
Tel.: 03641 – 93 30 59
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Seele and Geist
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