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Kleider machen Leute – früher wie heute - Neunkirchen, Nahe

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SEITE H4
N AC H R I C H T E N
NR. 145
Projekt „Stadtmitte am
Fluss“ wird vorgestellt
Saarbrücken. Am Sonntag, 26.
Juni, bietet der Verein Geographie ohne Grenzen einen
Rundgang durch das Projektgebiet „Stadtmitte am Fluss“
in Saarbrücken an. Treffpunkt
zur Tour, die in Zusammenarbeit mit der Stadt organisiert
wird, ist um 14.30 Uhr an der
Berliner Promenade 15/16 (Infobüro Stadtmitte).
red
Wanderung auf den
Spuren der Schmuggler
Namborn. Die Wandergruppe
der Bergfreunde Saar ist am
Sonntag, 26. Juni, auf dem Premiumweg Schmuggler-Pfad
um Namborn-Hofeld über eine Distanz von rund 13 Kilometer unterwegs. Treffpunkt
ist um 9 Uhr in Neunkirchen,
Mantes-la-Ville-Platz,
oder
um 9.30 Uhr am Schützenhaus
in Hofeld in der Furschweilerstraße.
red
¼ Info: Tel.: (0 68 97) 8 79 80.
Vom Saarufer bis zum
Schwarzenbergturm
Saarbrücken. Der Verein Geographie ohne Grenzen veranstaltet am Sonntag, 26. Juni,
eine Stadtwanderung der besonderen Art: Vom niedrigsten
Punkt Saarbrückens, dem Ufer
der Saar, geht es quer durch die
St. Johanner Altstadt und das
Nauwieser Viertel über den
Rotenbühl bis hinauf zum
Schwarzenbergturm.
Treffpunkt für die rund vierstündige Tour ist um 10 Uhr an der
Schiffsanlegestelle am Staatstheater. Der Teilnahmebeitrag
beträgt acht Euro.
red
Im Museum für Mode und Tracht in Nohfelden ist die Entwicklung der Bekleidungsstile gut nachvollziehbar
Im Saarland gibt es mehr als 100
Museen, in denen die Besucher
den Lebenswegen und den Arbeitswelten der Vorfahren begegnen können. In einer Serie
stellen wir Museen vor und suchen Antworten auf die Frage:
Wie war das anno dazumal?
Von SZ-Mitarbeiter
Dieter Gräbner
Nohfelden. Wie kleidete man
sich früher? Was trug die Bäuerin oder die vermögende Bürgersfrau, wenn sie heiratete?
Gab es eine saarländische
Tracht? „Eine typisch saarländische Tracht gab es nicht“, sagt
Heidi Meier, die Leiterin des
Museums für Mode und Tracht
in Nohfelden bei unserem
Rundgang. Wir schlendern vorbei an Glasvitrinen, hinter denen die Kleiderpuppen gekleidet sind wie vor über 150 Jahren, aber auch wie in den fünf-
Heimatmuseen im Saarland
ziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts. Ich sehe Festtags-, Alltags- und Arbeitskleidung, Uniformen aus dem späten 19. Jahrhundert, FesttagsAnzüge der Bergleute, lange
Kleider begüterter Bürgerfrauen, dazu Hüte, Mützen und Helme, Handschuhe und Schirme.
Das Sprichwort ,,Kleider machen Leute“ galt damals wie
heute. So findet man im Museum die Fotos von den feinen
Herren im Frack mit ihren weiß
gekleideten Damen, die Festtagsuniformen und Trachten
der Bergleute, die Brautkleider
von Frauen aus gutbetuchten
Bürgerfamilien von vor über
100 Jahren, aber auch die Kleider der Kinder. Heidi Meier
sagt: „Alle kleinen Kinder trugen Kleidchen, egal ob Mädchen oder Jungen, bis sie sauber
waren. Wenn die Jungen keine
Windeln mehr brauchten, bekamen sie ihre ersten Hosen, die
bis über das Knie reichten. Alle
Kleinkinder trugen Schürzen.
Wenn die Jungen in die Schule
kamen, mussten sie keine
Schürzen mehr tragen. Nur die
Mädchen trugen Schulschürzen.“ Vor uns steht eine Kleiderpuppe ganz in Schwarz: langes schwarzes Kleid, schwarze
Schürze, schwarze Haube. Die
Museumschefin erklärt: „Es gab
allgemeine Moden, nach denen
man sich kleidete. Und natürlich hing das auch davon ab, ob
die betreffenden Personen Bauern waren oder Besitzbürger
oder sogar von Adel. Die Frauen
der Landbevölkerung trugen bis
1850 Hemd, Mieder, Rock,
Schürze, Schultertuch. Nach
1850 trugen die einfachen Bürgersfrauen dunkelfarbige Kleider in Dunkelblau, Dunkelbraun oder Dunkelgrün. Sie heirateten in Schwarz. Das hatte
praktische, vor allem aber auch
finanzielle Gründe. Da eine verheiratete Frau nach der Kleiderordnung des 19. Jahrhunderts keine weißen Kleider
mehr tragen durfte, sparte ein
schwarzes Brautkleid, das sie
auch nach der Hochzeit tragen
konnte, natürlich Geld. Nur
Frauen aus den besseren Kreisen heirateten in Weiß. Alle
Frauen trugen Hauben. Die reicheren Bürgerfrauen und die
Frauen aus Adelsfamilien trugen weiße Hauben, die das Haar
bedeckten.“
Rosel Böhmer, die mit Heidi
Meier zusammen das Museum
leitet und für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist,
erklärt: „Es war wichtig, ,,dass
die Haare unter die Haube kamen. Davon stammt auch das
Sprichwort, dass man unter die
Haube kommt, ab. Wenn eine
verheiratete Frau früher unter
der Haube die Haare offen ge-
Merzig. Ziel einer rund fünfstündigen Radwanderung des
Saarländischen Turnerbundes
am Sonntag, 3. Juli, ist der alte
Grenzweg zwischen den Merziger Stadtteilen Büdingen
und Wellingen und dem französischen
Launstroff.
26
Skulpturen, die Steine an der
Grenze, säumen den Weg.
Start ist um 11.15 Uhr am
Bahnhof Besseringen.
red
¼ Info: Tel.: (0 68 98) 7.63 70.
PRODUKTION DIESER SEITE:
WULF WEIN
MARTIN LINDEMANN
tragen hätte, hätte man ihr vorwerfen können, dass sie Männer verführen wollte.“
Wir kommen vorbei an vier
Vitrinen, in denen gezeigt wird,
was man früher untendrunter
trug. Irgendwie ähnelt sich dass
weiße Leinen-Unterzeug, das
damals Männer und Frauen trugen. Es sind sackähnlich geschnittene, mindestens knielange Hemden, die die Männer
sich zwischen den Beinen zusammenknoteten und die Arbeitshosen drüberzogen. Später
gab es – auch für die heranwachsenden Jungen – Unterhemd und Unterhose in einem.
Das nannte man eine „Leib- und
Seelebuchs“. Heute würde kein
Dreikäsehoch so was anziehen.
Heidi Meier schließt eine Glas-
Kontakt: Museum für
Mode und Tracht, Altes
Amtshaus – An der Burg,
66625 Nohfelden, Tel.:
(0 68 52) 80 91 54.
Öffnungszeiten:
mittwochs bis freitags sowie
sonn- und feiertags von
14 bis 17 Uhr; Gruppenführungen für Vereine,
Familien und Schulklassen nach Vereinbarung.
Eintrittspreise: Erwachsene zwei Euro, Kinder
unter zwölf Jahren frei,
Schüler, Azubis, Studenten ein Euro, Gruppen ab
zehn Personen ein Euro
pro Person.
gräb
Erlebnisvielfalt auf
dem Schluchtenpfad
Radtour zu den
Steinen an der Grenze
So war’s früher! Museumsleiterin Heidi Meier präsentiert Unterwäsche aus dem 19. Jahrhundert.
AUF E IN E N BLIC K
...............................
¼ Info: Tel.: (06 81) 30 14 02 89.
Losheim. Die Tourist-Info Losheim am See organisiert am
Samstag, 2. Juli, eine geführte
Wanderung über den 10,5 Kilometer langen Schluchtenpfad. Der Premiumweg bietet
eine hohe Erlebnisvielfalt in
beeindruckender Landschaft.
Start ist um 11 Uhr an der Tourist-Info am See. Die Teilnahme kostet 2,50 Euro.
red
Zurück!
Kleider machen Leute – früher wie heute
Rammenfels und
Odilienkapelle locken
¼ Infos und Anmeldung unter
Tel.: (0 68 72) 9 01 81 00.
S A / S O, 2 5 . / 2 6 . J U N I 2 0 1 1
Quelle: Saarbrücker Zeitung, 25.06.2011
.................................................................................................................
Losheim. Die Tourist-Information Losheim am See lädt am
Sonntag, 26. Juni, zu einer geführten Wanderung über den
16,5 Kilometer langen Lücknerweg ein. Die Tour bietet
schöne Passagen wie den Urwald beim Geisweiler Weiher
sowie sagenhafte Punkte wie
den Rammenfels oder die Odilienkapelle. Die Teilnehmer
treffen sich um 11 Uhr an der
Tourist-Info am Stausee. Die
Gebühr beträgt 2,50 Euro. red
HEIMAT
Mode mal so, mal so: Die Frau von Welt trug vor gut 60 Jahren in der
Nacht ein Babydoll. Die saarländischen Bergleute zogen einst an
Festtagen eine schmucke Uniform an. FOTOS: D. GRÄBNER
www.
museum-nohfel den. de
tür auf und zeigt ein fast knielanges weißes Männerunterhemd mit einer Klappe über
dem Allerwertesten, die man
aufknöpfen konnte, wenn man
zur Toilette ging, die damals ein
Plumpsklo war. Lang, lang ist’s
her.
Und dann gibt es noch die
Sonderausstellung mit dem
flotten Titel „Bettgeflüster –
Mode für die Nacht“, die bis Oktober gezeigt wird. Wie es bei
uns vor 100 Jahren anfing mit
dem Bettgeflüster, wird dort dokumentiert, nämlich in langen
weiten Leinengewändern, die
Arme und Beine bedeckten. Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts
wurden die Sitten lockerer, und
die Damen-Nachthemden hatten sogar ein Dekolleté. In den
fünfziger Jahren waren die legendären Babydoll-Hemdchen
der Hit. Und die Herren gingen
in Shorts zu Bett.
Unser Rundgang ist beendet,
wir gehen zurück ins kleine Büro. Heidi Meier erzählt, dass das
Museum 2005 eröffnet wurde,
dass der Saarländische Volkstanz- und Trachtenverband der
Träger ist und dass einige Ausstellungsstücke Leihgaben der
Stiftung Saarländischer Kulturbesitz sind. Sie erwähnt allerdings nicht, dass sie als Leiterin
für die Präsentation und Organisation des Museums mit dem
Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.
Das Museum für Mode und
Tracht in Nohfelden wurde vom
Saarländischen Museumsverband und der Tourismuszentrale Saar zum Museum des Monats Juli gewählt. Zu Recht, wie
ich finde.
Im Monat Juli
wird den Besuchern
besonders viel geboten
Nohfelden. Im Juli bietet das
Mode- und Trachtenmuseum in
Nohfelden seinen Besuchern
als ,,Museum des Monats“ besondere Aktionen und erweiterte Öffnungszeiten.
Am Sonntag, 3. Juli, gibt es eine offizielle Eröffnungsveranstaltung im „Museum des Monats“ mit Volkstanz auf der
Burg Nohfelden ab 14 Uhr.
Gruppen des saarländischen
Volkstanz- und Trachtenverbandes stellen sich dabei vor.
Das Museum ist an diesem Tag
von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Gleiches gilt für Sonntag, 10. Juli.
Beim Mittelaltermarkt rund
um die Burg am Samstag, 16.,
und Sonntag, 17. Juli, öffnet das
Mode- und Trachtenmuseum
seine Pforten für Interessierte
ebenfalls von 14 bis 18 Uhr.
Einen Tag des Museums und
der Senioren auf der Burg Nohfelden gibt es am Sonntag, 24.
Juli. Ab 14 Uhr zeigen Seniorentanzgruppen ihr Können. Das
Museum ist wiederum von 14
bis 18 Uhr geöffnet. Das trifft
auch für den letzten Sonntag im
Monat, 31. Juli, zu.
red/gräb
¼ Neben den bereits genannten
Öffnungszeiten ist das Museum
mittwochs, donnerstags und
freitags jeweils von 14 bis 17
Uhr für Besucher zugänglich.
Zu sehen ist natürlich auch die
Sonderschau „Bettgeflüster“, in
der die Entwicklung der Nachtwäsche für Frauen und Männer
von 1850 bis heute gezeigt wird.
Zurück!
Mettlijer Mooken und Keischénger Krawwéllcher
R
ainer Freyer aus Riegelsberg gibt die Frage einer
älteren Dame aus Mettlach an uns weiter, die wissen
wollte, woher der Neckname
„Krawillcher“ für die Einwohner
von Keuchingen kommt. Sie zitierte den Neckvers: „Merzjer
Mooken sitzen im Loch, Keuchinger Krawillcher finnen se
doch.“ (Merziger Kröten sitzen
im Loch, Keuchinger „Krawillchen“ finden sie doch.) Antwort:
Ist es möglich, dass hier Merzig
mit Mettlach verwechselt wurde? Im Buch „Necknamen und
Schimpfnamen saarländischer
Orte“ von Edith Braun und Evelyn Treib sind die Einwohner
von Merzig die „Mierzijer
Powweischësser“ (Merziger
Pflasterscheißer), denn in der
Stadt Merzig sind, anders als in
den umliegenden Dörfern, die
Straßen mit „Powwei“ (Pflastersteinen) gepflastert. Die Mettla-
cher sind die „Mettlijer Mooken“ oder „Muuken“ (Mettlacher Kröten), die in den feuchten Saarwiesen, dem „Mookeloch“ (Krötenloch), wohnen. Das
hochgelegene Keuchingen und
das im Tal gelegene Mettlach
sind Nachbargemeinden. In dem
Buch heißt es, zu den ständigen
Streitigkeiten zwischen beiden
Orten sei es gekommen, weil
Keuchingen zur Diözese Metz,
Mettlach hingegen zu Kurtrier
gehört habe. Deswegen hätten
die Mettlacher die „Keischénger“ als „Krawwéllcher“ (Krawallmacher) beschimpft.
Kürzlich schrieb ich, dass laut
Pfälzischem Wörterbuch
„peddse“ (petzen) auch bedeuten kann: „den Schluck mit zusammengekniffenen Lippen
prüfen, genießerisch trinken“.
Christel Keller aus Saarbrücken
fiel eine lautliche Ähnlichkeit
der Mundartwörter „peddse“
Unsere Mundart
Edith Braun
und „piddsche“ (Alkohol trinken) auf. Sie fragt, ob sie miteinander verwandt seien. Antwort:
Das ist eher unwahrscheinlich.
Das Rheinische Wörterbuch gibt
keine Herkunft von „piddsche“
an, während das Pfälzische Wörterbuch „pitschen“ (trinken) auf
polnisch „pic´“ (trinken) zurückführt. Im Grimmschen „Wörterbuch der deutschen Sprache“
finden wir für „pitschen“ sowohl
„1) zwicken, kneipen“ als auch
„2) kneipen, zechen“, wobei für
„2) kneipen, zechen“ ein schlesisches Wörterbuch als Quelle ge-
nannt wird. Das könnte eine Bestätigung für die polnische Herkunft des Wortes sein. Die Herkunft von „petzen“ oder auch
„pfetzen“ (zwicken, kneifen) ist,
wie meine Wörterbücher schreiben, unklar.
Als Synonym für „ääner
piddsche“ (einen trinken) nennt
Christel Keller „ääner dsische“
(einen zischen). Übrigens: Im
Schriftdeutschen ist das Verb
„pitschen“ unbekannt, „zischen“
hingegen gibt es seit dem 16.
Jahrhundert als lautmalendes
Wort. Der Universal-Duden
kennt „einen zischen“ als „salopp; ein alkoholisches Getränk,
bes. ein Bier, trinken“.
Natürlich gibt es in den saarländischen Mundarten auch
noch andere Synomyme für
„piddsche“ und „dsische“. Wenn
es sich ums Biertrinken handelt,
dann geht man in Saarbrücken
„ääner tuudele“, in Quierschied
geht man „ääner bärschde“ (einen bürsten) oder „ääner bischele“ (einen bügeln). Wenn
sich jemand betrinkt, dann „duud er sisch abbénne“ (tut er sich
abbinden). Wenn ein Saarlouiser
erzählt, dass ihm eine Dame zugeprostet hat, sagt er: „Se hat
mét meich geträänkét“ (Sie hat
mir zugetrunken).
Eine neue Redensart erfuhr
ich von F. Peter Wilhelm aus St.
Ingbert: „Pass uff, däär reisd der
de Aarsch ab!“ (Pass auf, der
reißt dir den Arsch ab!) Ein älterer Passant wollte ihn mit diesen Worten darauf aufmerksam
machen, dass ein großer Wagen
sein Auto zu rammen drohte.
Diese Redensart scheint noch
keinen Einzug in deutsche Wörterbücher gefunden zu haben.
¼ Hinweis: Fragen und/oder
Tipps können Sie per E-Mail an
heimat@sz-sb.de schicken.
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