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Gesundheit fördern – aber wie? Impulse für die - LSB NRW

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Gesundheit fördern – aber wie?
Impulse für die Vereinspraxis
in der Prävention und Rehabilitation
Dokumentation
zur Jahrestagung
17. November 2007 ™ Blumenhof, Gruga-Park, Essen
1
Inhaltsverzeichnis
Tagungsprogramm
S. 3
Vorträge
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an
den Sport - heute und morgen,
S. 5
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an
den Sport - heute und morgen,
S. 25
Prof. Dr. Herbert Löllgen
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
S. 41
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation:
die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2 (Talkrunde)
S. 49
Verleihung der Zertifikate für die ersten mach2-Vereine in NRW
S. 56
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports – Was gehört dazu?
S. 58
Prof. Dr. Edgar Beckers
Der Übungsleiter als Gesundheitsförderer – Trainer, Animateur,
Berater oder ...?
Ute Ahn
2
S. 70
Programm
Gesundheit fördern – aber wie? Auf den ersten Blick ist diese Frage schnell beantwortet. In gutem Glauben, das Richtige zu tun, sind gute Ratschläge bei der Hand.
Schließlich können sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen begründet werden. Zumindest fast immer. Beschäftigt man sich aber intensiver mit einer Frage zum Beispiel
dem Zusammenhang von Gesundheit, Bewegung und Ernährung können Zweifel aufkommen. Auch in der Wissenschaft gibt es viele ungeklärte Fragen und keine endgültig gesicherten Erkenntnisse. Für die Praxis der Gesundheitsförderung kann die Wissenschaft also nicht das einzige Standbein sein.
Das zweite Standbein sind die Erfahrungen und Beobachtungen, die direkt in den Praxisangeboten von Kursleiter/innen gemacht werden. Sie belegen immer wieder, wie
schwer es ist, Menschen auf dem Weg zu einer gesundheitsbewussten Lebensführung
zu unterstützen. Wie ein gesunder Alltag aussehen soll, wissen viele Zeitgenossen.
Das kann man überall nachlesen. Fundiert oder weniger seriös. Sie wissen auch, was
sie tun oder lassen sollten. Aber sie verändern ihr Gesundheitsverhalten dennoch häufig nur unter großen Anstrengungen oder geben auf. Die Berichte über missglückte
Versuche sind häufiger zu hören als über Erfolge. Die Bemühungen der Übungsleiter/innen stoßen also schnell an Grenzen.
Warum eigentlich? Die Antwort auf diese Frage braucht gar nicht mehr ausgesprochen
zu werden: Gewohnheiten! Gewohnheiten sind schwer zu verändern. Was sagen Gesundheitspsychologen und Gesundheitspädagogen dazu? Welche Auswirkungen hat
das auf die Rolle und die Aufgaben der Übungsleiter/in? Und nicht zuletzt: welche
Rahmenbedingungen schafft die Gesundheits- und Sozialpolitik für Gesundheitsförderung in der Prävention und Rehabilitation mit den Mitteln des Sports?
Auf diese Fragen soll die Jahrestagung aktuelle Antworten geben. Antworten, die Impulse zur Selbstreflexion der Übungsleiter/in und Anregungen zur Weiterqualifizierung
geben sollen. Schließlich ist nichts so wichtig wie Antworten auf die Frage: Welche
Rolle nehme ich als Übungsleiter/in ein? Welche Aufgaben soll und kann ich erfüllen?
3
Samstag, 17. November 2007
ab 8:45
09:30
Stehcafé
Einführung in die Tagung
Prof. Dr. Herbert Löllgen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft
für Rehabilitationssport im LSB NRW
09:45
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an
den Sport - heute und morgen
Dr. Uwe Prümel-Philippsen, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.
Prof. Dr. Herbert Löllgen
10:45
Bewegungspause
11:00
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Prof. Dr. Toni Faltermaier, Institut für Psychologie, Universität Flensburg
12:00
Mittagspause
Führung durch die Kur vor Ort (für Interessenten)
13:30
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation:
die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Talkrunde mit
Dr. Michael Matlik, Fachbereich ‚Sport und Gesundheit’ im LSB NRW
Werner Stürmann, Abteilungsleiter im Sportministerium des Landes NRW
Manfred Pawlita, Sportkoordinator der Gmünder ErsatzKasse GEK
Hendrike Frei, Vorsitzende des Arbeitskreises Prävention der
Ärztekammer Westfalen-Lippe
14:15
Verleihung der Zertifikate für die ersten mach2-Vereine in NRW
14:30
Bewegungspause
14:45
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports –
Was gehört dazu?
Prof. Dr. Edgar Beckers, Lehrstuhl Sportpädagogik, Ruhr-Universität Bochum
15:45
Kaffee-Pause
16:15
Der Übungsleiter als Gesundheitsförderer – Trainer, Animateur,
Berater oder ...?
Ute Ahn, Lehrkraft des LandesSportBundes NRW
17:00
Zusammenfassung und Abschluss
Prof. Dr. Herbert Löllgen
Änderungen vorbehalten.
4
Hinweise
Die Tagungsgebühr beträgt 15,-- € pro Person.
Die Anmeldung ist erst gültig nach Entrichtung der Tagungsgebühr. Bei Überweisung
geben Sie bitte folgende Informationen an:
™ Verwendungszweck: Jahrestagung Gesundheit 2007
™ HPL 7.811
™ Namen der angemeldeten Person(en)
Die Tagungsgebühr ist zu überweisen an
LandesSportBund NRW
Konto Nr. 711 596 0003, Volksbank Rhein-Ruhr eG, BLZ 350 603 86.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Es entscheidet die Reihenfolge des Posteingangs der
Anmeldung. Anmeldeschluss ist der 31. Oktober 2007 (Poststempel).
Auskunft und Anmeldung
LandesSportBund Nordrhein-Westfalen e.V.
Friedrich-Alfred-Straße 25 y 47055 Duisburg
Nadine Hoffmann
Telefon: (0203) 7381-934 y Telefax: (0203) 7381-3934
E-Mail: nadine.hoffmann@lsb-nrw.de
Tagungsort
BLUMENHOF im Gruga-Park, Lührmannstraße 70 - 45131 Essen
™ Anreise per PKW: Eine Anfahrtsskizze finden Sie unter www.blumenhofessen.de. Folgen Sie der Ausschilderung Blumenhof – Kur vor Ort; nutzen Sie bevorzugt die Parkplätze P1a und P7.
™ Anreise mit ÖPNV: Essen HBF mit der Linie U11 Richtung Messe; Haltestelle
Messe Ost Gruga-Halle; von dort 1 min Fußweg.
Das Qualitätsmanagement im gesundheitsorientierten Sport in NRW wird unterstützt durch:
Die Jahrestagung ist eine Maßnahme im Rahmen des Handlungsprogramms 2015
„Sport und Gesundheit“ für das Landes Nordrhein-Westfalen
5
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Gesundheit braucht Bewegung
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation
an den Sport – heute und morgen
Konsequenzen und Herausforderungen
für die Sportvereine
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Prof. Dr. Herbert Löllgen
6
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Der Sport und seine
Bedeutung für Prävention
und Gesundheitsförderung
aus gesundheitspolitischer
Sicht
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Bundesvereinigung Prävention und
Gesundheitsförderung e.V.
PP, 17.11.2007
„Gesund bleiben“ - zwei
Perspektiven...
Die Bürger: „Lebensqualität
bewahren/steigern!“
Die Sozialversicherung: „Das
Eintreten des
Sozialversicherungsfalles
vermeiden!“
PP, 17.11.2007
7
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Die Herausforderungen für
die Gesundheitspolitik:
1. der Wandel im Krankheitspanorama
2. der demographische Wandel
3. die Kosten
PP, 17.11.2007
Der Wandel im
Krankheitspanorama...
1. Infektions- und chronische Krankheiten (1900-2000)
2. Todesursachen (2006)
3. Ausgewählte Diagnosen BKK (2007)
4. Anzahl Erkrankungen Kreislaufsystem (2000, 2020 und 2050)
PP, 17.11.2007
8
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Infektions- und chronische Krankheiten
1900-2000 (USA)
Weltweite Pandemie:
„Spanische Grippe“
Infektions- und chronische Krankheiten in den USA, 1900-2000; Quelle: Dever GEA.Community Health Analysis 1991
Todesursachen 2006, Deutschland
358.953
Krankheiten des Kreislaufsystems
211.523
B sartige Neubildungen
Myokardinfarkt
64.796
(43,7%)
(25,7%)
(7,9%)
Krankheiten des Atmungssystems 54.888 (6,7%)
Krankheiten des Verdauungssystems 42.973 (5,2%)
Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte
32.212 (3,9%)
andere Folgen u§erer Ursachen
Todesfälle insgesamt: 821 627 (100%)
Quelle Statistisches Bundesamt 2007
9
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Ausgewählte Diagnosen nach dem ICD 10
BBK Pflicht- und Familienversicherte im 1. Quartal 2007
Zur Anzeige wird der QuickTime™
Dekompressor „TIFF (Unkomprimiert)“
benötigt.
Anzahl von Erkrankungen des Kreislaufsystems 2000, 2020 und 2050
2000
2020
2050
3.243.334
4.341.784
(+33,9%)
5.427.581
(+67,3%)
3.942,8
5.423,4
(+37,6%)
7.894,7
(+100,2%)
274.195
393.875
(+43,6%)
547.921
(+99,8%)
333,3
492,0
(+47,6%)
797,0
(+139,1%)
162.269
226.939
(+39,9%)
300.861
(+85,4%)
197,3
283,5
(+43,7%)
437,6
(+121,8%)
Erkrankungszahl
Insgesamt
Jährliche stationäre Behandlungsfälle ( =
15 % aller stationären Beh-Fälle!)
Jährliche stationäre Behandlungsfälle pro
100.000 Einwohner
Herzinfarkt
Jährliche Neuerkrankungen
Jährliche Neuerkrankungen pro 100.000
Einwohner
Schlaganfall
Jährliche Neuerkrankungen
Jährliche Neuerkrankungen pro 100.000
Einwohner
Quelle: vgl. Berechnungen von Beske F et al. 2007
10
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Der demographische
Wandel...
1. Geschätzte Bevölkerung im Alter
von 80+
2. Vorausberechnung: Anzahl und
Anteil 80-Jähriger und Älterer
PP, 17.11.2007
Geschätzte Bevölkerung im Alter von
80+
M io.
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
2000
2005
2010
2015
2020
2025
2030
2035
2040
2045
Schätzwerte auf der Grundlage der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des
Statistischen Bundesamtes
11
2050
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Vorausberechnete Veränderungen in Anzahl und Anteil 80jähriger und älterer Menschen sowie im Umfang der
Gesamtbevölkerung (Statistisches Bundesamt, 2006)
Jahr
Gesamtbevölkerung
(in Mio.)
Anzahl 80-Jähriger u. Älterer
(in Mio.)
in Prozent
2010
81,9
4,3
5,3 %
2020
80,1
5,9
7,4 %
2030
77,2
6,3
8,2 %
2040
73,4
8,0
10,9 %
2050
68,7
10,0
14.6 %
(Variante: Untergrenze der „mittleren Bevölkerung)
RG, 09.10.07
Die Kosten...
1. Die Krankheitskosten (2004)
2. Ausgaben GKV (2005)
3. Die Kosten von Erkrankungen des
Kreislaufsystems (2000, 2020 und
2050)
4. Ausgaben für Gesundheitsförderung (2005)
PP, 17.11.2007
12
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Die Krankheitskosten im Jahr 2004
(in Prozent)
Krankheiten des Kreislaufsystems
4 Krankheitsklassen =
51,5 % der Kosten!
Krankheiten des
Verdauungssystems
15,6%
25,3%
Krankheiten des Muskel-SkelettSystems
psychische und
Verhaltensst rungen
14,8%
Neubildungen
Insgesamt
224,9 Mrd. €
Endokrine, Ern hrungs- und
Stoffwechselkrankheiten
4,9%
5,2%
Krankheiten des Atmungssystems
10,9%
5,3%
7,9%
10,1%
Verletzungen und Vergiftungen
Sonstige
Quelle Statistisches Bundesamt 2007
Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung für
Gesundheit in 2005 nach Leistungsbereichen
Insgesamt: 135,9 Mrd. €
2,7%0,1%
2,4%
5,9%
6,2%
€rztliche Leistungen
31,6%
Waren
Pflegerische/therapeutisc
Leistungen
Unterkunft/Verpflegung
Verwaltungsleistungen
19,6%
Pr vention/Gesundheitss
Investitionen
31,5%
Transporte
Quelle Statistisches Bundesamt 2007
13
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Kosten von Erkrankungen des Kreislaufsystems 2000, 2020 und 2050
2000
2020
2050
33.265
42.894
(+28,9%)
52.174
(+56,8%)
406
536
(+32,0%)
759
(+87,0%)
1.294
1.665
(+28,7%)
1.860
(+43,8%)
16
21
(+31,8%)
27
(+71,4%)
2.458
3.366
(+37,0%)
5.179
(+110,7%)
30
42
(+40,2%)
75
(+151,2%)
Kosten
Insgesamt
Jährliche Krankheitskosten in Mio. €
( = 15,6 % aller Krankheitskosten!)
Kosten pro Einwohner in €
Herzinfarkt
Jährliche Krankheitskosten in Mio. €
Kosten pro Einwohner in €
Schlaganfall
Jährliche Krankheitskosten in Mio. €
Kosten pro Einwohner in €
Quelle: vgl. Berechnungen von Beske F et al. 2007
Ausgaben für Gesundheitheitsförderung im
Jahr 2005 nach Ausgabenträger (in Mio.)
769
910
…ffentliche Haushalte
Gesetzliche Krankenversicherung
9
Unfallversicherung
Insgesamt
4,7 Mrd. €
690
Private Krankenversicherung
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber
23
2236
33
Rentenversicherung
private Haushalte und private
Organisationen o.E.
Quelle Statistisches Bundesamt 2007
14
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Die Bedeutung von
„Gesundheitsförderung und
Prävention“...
Nur „vierte Säule“ des
Gesundheitswesens - oder
nicht doch besser sein
„Fundament“?
PP, 17.11.2007
Wichtige
Definitionen...
1.
2.
3.
4.
Primärprävention
Sekundärprävention
Tertiärprävention
Gesundheitsförderung
PP, 17.11.2007
15
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Themenfelder und
Querschnittsthemen...
1.
2.
3.
4.
5.
Bewegung
Stress/Entspannung
Ernährung
Sucht
Übertragbare
Krankheiten
6. Psych. Gesundheit
• Soziale Benachteiligung
• Gender-Frage
• Zielorientierung
• Qualitätssicherung
• Wirksamkeit
PP, 17.11.2007
Gesetzliche Regelungen (1)...
(Sozialgesetzbuch V)
§ 20 Prävention und Selbsthilfe
§ 21 Verhütung von Zahnerkrankungen
(Gruppenprophylaxe)
§ 22 Verhütung von Zahnerkrankungen
(Individualprophylaxe)
§ 23 Med. Vorsorgeleistungen
§ 24 Med. Vorsorge für Mütter u. Väter
PP, 17.11.2007
16
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
(Sozialgesetzbuch V)
C
Kr hec
k
eb
sf -up
rü
he 35
rk
.
Gesetzliche Regelungen (2)...
§ 25 Gesundheitsuntersuchungen
§ 26 Kinderuntersuchung
§ 43 Ergänzende Leistungen zur
Rehabilitation
§ 65b Förderung von Einrichtungen zur
Verbraucher- und Patientenberatung
§ 70 Qualität, Humanität u. Wirtschaftlich-keit
PP, 17.11.2007
Der „Leitfaden Prävention“ der
GKV zur Umsetzung des § 20
SGB V
PP, 17.11.2007
17
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Das Präventionsgesetz (1)...
•
•
•
•
SGB V: Gesetzl. Krankenversicherung
SGB VI: Gesetzl. Rentenversicherung
SGB VII: Gesetzl. Unfallversicherung
SGB IX: Rehabilitation und Teilhabe
behinderter Menschen
• SGB XI: Soziale Pflegeversicherung...
...und was ist mit der Prävention
?
PP, 17.11.2007
Das Präventionsgesetz (2)...
Regelungsbedarf (bis 2005, aber auch in 2007):
-
Zielorientierung und Qualitätssicherung
Aufwertung des „Settings-Ansatzes“
Entsprechende Bindung der Geldströme
Einbindung aller SV-Träger und der PKV
Einbindung von Ländern und Kommunen
Ermöglichung von „Zugewinnen“
Definitionen und Verantwortlichkeiten
PP, 17.11.2007
18
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Das Präventionsgesetz (3)...
Neue Eckpunkte (September 2007):
- SPD: Primärpräventionsgesetz; Stiftung
- CDU/CSU: Verzahnung aller Präventionsbereiche; Nationaler Rat für Prävention
- Länder: Verzahnung aller Präventionsbereiche einschl. med. Leistungen hierzu;
keine neuen Gremien; Finanz-mittel auf
Länderebene bündeln und regional
verwenden
PP, 17.11.2007
Das Präventionsgesetz (4)...
Die mögliche Rolle des Sports:
- wie bisher Angebote gemäß individu-ellem
und Settings-Ansatz (§ 20 SGB V)
- der Sportverein selbst als „Setting“: der
Verein als „gesunder/gesundheitsfördernder Lebensort“
- Qualitätssicherung und Wirksamkeitsnachweise vorantreiben
PP, 17.11.2007
19
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Der „Nationale Aktionsplan“
von BMG und BMELV...
„Gesunde Ernährung und Bewegung Schlüssel für mehr Lebensqualität.
Eckpunkte des Bundesministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des
Bundesministeriums für Gesundheit zur Prävention von
Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und
damit zusammenhängenden Krankheiten“
PP, 17.11.2007
Ausklang: „Warum nicht zurück zu
den Ursprüngen“?
Der griechische Arzt Galenos von Pergamon (129-216 n. Chr.)
empfahl zur Gewährleistung einer gesunden Lebensweise die
Balance der „sechs nicht natürlichen Dinge“:
- Licht und Luft
- Speise und Trank
- Arbeit und Ruhe
- Schlafen und Wachen
- Absonderungen und Ausscheidungen
- Anregung des Gemüts
PP, 17.11.2007
20
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
www.bvpraevention.de
www.forumpraevention.de
ür
f
k
an
D
en e
l
e
i
V
Ihr mkeit!
a
s
k
r
me
f
u
A
Zusatzfolien
21
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Die 10 häufigsten Kategorien von Behinderung als Prozentsatz der Gesamt-DALYs für
beide Geschlechter in Deutschland
Rang
Männlich
Behinderungs-Kategorien
1
Weiblich
Prozentsatz
der GesamtDALYs (%)
Neuropsychiatrische
Erkrankungen
24.3
Behinderungs-Kategorien
Neuropsychiatrische Erkrankungen
Prozentsatz
der GesamtDALYs (%)
28.1
2
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
20.8
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
18.8
3
Krebs
17.7
Krebs
17.0
4
Krankheiten des
Verdauungssystems
6.1
Sinnesorganerkrankungen
5.5
5
Unbeabsichtigte Ereignisse
5.6
Muskel-Skelett-Erkrankungen
5.5
6
Atemwegserkrankungen
5.6
Atemwegserkrankungen
5.2
7
Sinnesorganerkrankungen
4.5
Krankheiten des Verdauungssystems
5.0
8
Muskel-Skelett-Erkrankungen
3.3
Unfallverletzungen
3.0
9
Vorsätzliche Verletzungen
2.9
Diabetes mellitus
2.0
10
Diabetes mellitus
1.9
Infektiöse und parasitäre Krankheiten
1.6
Quelle: WHO 2003
Zehn ausgewählte wichtigste Risikofaktoren als Ursache der
Krankheitslast, gemessen in DALYs in entwickelten Ländern
Risikofaktoren
Total DALYs (%)
Tabak
12.2
Bluthochdruck
10.9
Alkohol
9.2
Cholesterin
7.6
Übergewicht
7.4
Geringer Verzehr an Obst und Gesmüse
3.9
Bewegungsmangel
3.3
Drogen
1.8
Unsicherer Sex
0.8
Eisenmangel
0.7
Quelle: WHO 2002
22
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Bevölkerung und Altenquotient
(Statistisches Bundesamt, 2006)
Insges
0 - 20
20 - 60
60 und
2010
Bev
81 887
am t
18,3
61,1
20,5
l ter
2020
2050
lker un g i n M i ll i o n e n
80 057
68 743
Altersst r uk t ur
16,9
59,9
23,2
in %
15,1
51,7
33,2
Alt e n qu o t ie n t i n %
Au f 100 2 0 - bi s u n ter 6 5 J hrige k o m men
Unte r 20 - J h rige
65 - J hrige und €ltere
30 ,0
33,6
28,1
38,7
29,2
64,3
(Variante: Untergrenze der „mittleren Bevölkerung;
Altenquotient mit Altersgrenze 65 Jahre)
RG, 09.10.07
Gesamt-Ausgaben für Gesundheit in 2005 nach
Leistungsbereichen
Insgesamt: 239,4 Mrd. €
(10,7 % des Bruttoinlandsprodukt)
4%
€rztliche Leistungen
4% 2%
5%
Waren
27%
Pflegerische/therapeutische Leistun
7%
Unterkunft/Verpflegung
Verwaltungsleistungen
Pr vention/Gesundheitsschutz
24%
Investitionen
27%
Transporte
Quelle Statistisches Bundesamt 2007
23
Dr. Uwe Prümel-Philippsen
Anforderungen der Prävention und Rehabilitation an den Sport - heute und morgen
Definitionen
Prävention
Gesundheitsförderung
Verhinderung der Entstehung von Krankheiten bzw.
Verzögerung ihrer Entwicklung
Primärprävention
Beeinflussung von Exposition und Disposition von
Individuen oder Gruppen vor dem Auftreten einer
erkennbaren Gesundheitsförderung
Senkung der Inzidenzrate
Sekundärprävention
Aktivitäten zur Entdeckung von Krankheitsfrühstadien
(Vorsorge, Früherkennung)
Möglichkeit der Frühbehandlung
Tertiärprävention
Behandlung manifester Krankheiten und
Rehabilitation
Verhinderung der Krankheitsprogression
RG, 09.10.07
Vermeidung von Funktionsverlusten
Definitionen
Prävention
Ziel: allen Menschen ein höheres Maß an
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu
ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer
Gesundheit zu befähigen
Gesundheitsförderung
Zusammenführen von zwei Ansätzen:
ƒ
Stärkung von persönlicher und sozialer
ƒ
Gesundheitskompetenz (engl. empowerment)
systematische Politik, die auf die Verbesserung
von Gesundheitsdeterminanten und den Abbau
von gesundheitlicher Ungleichheit abzielt
24
LAR-Jahrestagung
Essen, 17.11.07
Prävention und Rehabilitation im und durch Sport
Die Rolle der Vereine
• Neue medizinische Erkenntnisse
• Selbstverständnis und Strategien für den Verein
Herausforderungen für den Verein
Unterstützung durch den LSB
• Angebote und Qualitätsanforderungen für den
Verein
25
Weitere Aspekte :
• Netzwerkarbeit: SSB – KSB
Herausforderung und Unterstützung
• Öffentlichkeitsarbeit
Herausforderung und Unterstützung
• Wettbewerbssituation
Herausforderung und Unterstützung
Neue medizinische Erkenntnisse
zur Reha
• Gesicherte Untersuchungsbefunde (Evidenz)
• Tumorleiden: Prävention bei Brust- und
Darmkrebs durch Sport
• Reha bei Prostata-Carcinom
• Reha bei „Fatigue“-Symptom
(„Erschöpfung“)
26
Neue Erkenntnisse
• Diabetes , Metabolisches Syndrom:
Bewegung ist (fast) alles
KHK : Neue Therapieformen, neue RehaAbläufe ??
Primärprävention : gesicherte Wirkung bei
Frauen, Älteren
Sekundärprävention : Ohne Bewegung
läuft nichts !
27
Definition der Fitness
• Fitness ist Teil der Gesundheit,
• Gesundheit: die Summe aus subjektivem
Wohlbefinden und Freisein von
Krankheiten
• Gesundheit und Fitness beruhen auf
•
Anlage/Erbfaktoren,
•
Umwelt und Umfeld
•
gesundheitsbewußter Lebensführung
Fitness
Die objektive Belastbarkeit, mit der ein Mensch
in die Lage versetzt wird, im eigenen Leben
und im sozialen Umfeld körperlich und seelisch
den Anforderungen des täglichen Lebens
angemessen nachkommen zu können.
28
Primärprävention und körperliche
Bewegung: Eine Übersicht
2003
Gesamtmortalität in Abhängigkeit von der
Gehstrecke bei Älteren ( > 65 J.) (Hakim, 1998)
29
Zurück zum Alter: Zielgruppe der Zukunft ? !!
Körperliche Aktivität und Alter
Die BewegungsPyramide
Fernsehen,
PCArbeit
Lesen
2-3 x pro Woche
Freizeitaktivität
Golf, Kegeln,
Gartenarbeit
> Stretching und >
Krafttraining
3 – 5 x pro Woche
Ausdauer-Aktivitäten Sport
Laufen,
zur Erholung
Radfahren
Tennis
Schwimmen
Volleyball,
Basketball
Täglich
Zusätzlich freiwillig Treppen steigen
Treppen statt Aufzug oder Rolltreppe
Auto weiter weg vom Kaufhaus-Eingang parken
Plane die wöchentlichen Aktivitäten :
>> Mehr Bewegung, weniger Sitzen <<
30
Körperliche Aktivität im Alter
Neuere Befunde (I) :
• Mehrere kleinere Trainingseinheiten am Tage
summieren sich zu einem Gesamteffekt (z.B. 6 x 6
Etagen steigen)
• Auch „einfache“ Belastungen sind
trainingswirksam:
• Gartenarbeit, schnelles Spazierengehen,
• Treppensteigen, manuelle Hausarbeit etc.
• „Walking“ und „Nordic Walking“
Epidemiologie : Eigene Ergebnisse
• Bei allen Studien mit regelmässiger körperlicher Aktivität
und unterschiedlicher Intensität (drei Untergruppen)
• >>> Frauen: RR: 0.653 (.56 ; .75,95%KI)
• Abnahme der Mortalität um 35 %,
• >>> Männer : RR : 0.748 (.692 - .809 KI)
• Abnahme um 25 %.
31
Zum Verein
Verein : Selbstverständnis und Strategie
• Dienstleister, Kundenorientierung
• Darstellung des gesundheitsorientierten
Sports, Sport pro Gesundheit, körperliche
Aktivität und Bewegung als Einstieg (bes. bei
Älteren), aber :
Selbstbewußtsein !
Swat-Analyse, Marketing ? Lokale Umfeldanalyse
(Alter, Bedürfnisse)
32
Unterstützung durch LSB
Flyer und Infobroschüren
Vereins-Informationssystem (VIBBS),
Internetauftritt (wir-im-sport.de),
Hinweis :
z.Zt. 2700 Sport pro Gesundheit
12000 Reha- Angebote in 20 Indikationen
Entwicklung in NRW 2000 - 2007
Herzsportgruppen
Diabetessportgruppen
Krebsnachsorge-Gruppen
33
Anforderungen an den Verein
Angebotspalette, Reha Phase II ?
z.B. flexible Zeiten, Zusatzangebote, Nachweis
der Wirksamkeit Qualitätsnachweis,
Kooperation mit Ärzten und
Krankenhäusern, DOSB empfohlene Untersucher
(ww. dgsp.de) , (www.dosb.de)
Zielgruppen :
Perspektiven und Zielgruppen:
Jahre 2000 > 2050
• Bevölkerung: 82 > 68 M.
-16.4 %
• Bevölkerung > 65 J.: 13>22M.
+ 67,2 %
> 80 J.:
3 > 10 M +222.6 %
Bevölkerung: 20 -64 J. 51 > 35 M. - 30.7%
34
Perspektiven und Zielgruppen
Jahre 2000 > 2050
•
•
•
•
•
•
•
Diabetes m. 3.8 > 4.9 M.
Demenz:
0.9 > 2.1 M
Herzinfarkt: 0.3 > 0.5 M
Schlaganfall: 0.1 > 0.3 M
Krebs
0.4 > 0.6 M
Pneumonie 1.0 > 2.9 M.
Lungengruppen ?
+ 54.8 %*
+ 198.5%*
+ 139 %*
+ 121.8%*
+ 70.4%*
+ 235 %*
• * % : Bezogen auf 100.000 Einwohner
Perspektiven Jahre 2000 > 2050
•
•
•
•
•
Pflegebedürftige
Leistungsausgaben in Mrd:
Pflegepersonal
Pflegbedürftige in Heimen*
pro 1000 Einwohner:
• (*absolut :1.56 Mill. bzw. 22.8 Mill.)
35
+ 118 %
+ 134 % (38)
+ 237,4 %
+150 %
+ 200 %
Angebote und Qualität
• Praxishilfen, Sport pro Gesundheit,
qualifizierte Untersuchung (Sport pro)
Qualifizierte Übungsleiter
• Projekte :Mach2, schwer mobil, Sport nach
Prostatakarzinom
• Qualitätsmanagement (Neustrukturierung,
Dezentralisierung)
Netzwerkarbeit
• Vernetzung der Vereine untereinander,
• Kooperation mit Ärzten, Kindergarten (!),
Schulen, Betrieben, Altenheime
• (Eckpunkte des Präventionsgesetzes!!)
• Kooperation mit Sportärztebünden,
Ärztekammern, KV, Apothekenverband,
Selbsthilfegruppen,
Brustzentren
• Kommunale Gesundheitskonferenzen
36
Öffentlichkeitsarbeit: Herausforderung und
Unterstützung
• Verein : Darstellung der Leistungen,
Professionalisierung der Werbung,
• Teilnahme an ÜDIS
• Öffentlichkeitskampagne : ÜDIS
• Angebotsverzeichnisse, Datenbank im
Internet, Flyer, Plakate, Positionspapier
der Rolle der Vereine
Der Verein im Wettbewerb
• Darstellung der Stärken, Analyse der (eigenen )
Schwächen,
• Einforderung von Standards bei Mitbewerbern
• Vereinsunterstützende Strukturen,
Zusammenarbeit aller Sportverbände
• Qualitätssiegel
• Finanzierungsmodelle
• Positionspapier : Stärkung der Vereine in der
Wettbewerbssituation im
gesundheitsorientierten Sport
37
Positionspapier
• Kontrolle der Qualität, Sanktionen bei
Verstößen
• Kontrolle der vereins- und steuerrechtl.
Gesetze
• Einforderung der Qualität von externen
Anbietern
In Planung
Der Sportverein – ein gesundheitsfördernder
Lebensort
38
Fazit
• Vereine basieren auf Ehrenamt und bezahlten
Mitarbeitern,
• Demokratische Willensbildung, Mitarbeit im Verein,
• Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung,
solidarische Mitfinanzierung (z.B. Sport bei
übergewichtigen Kindern, Kindergarten,
herzkranke Kinder)
Körperliche Aktivität : Kommentare
• Man muss 1.5 Jahre seines Lebens regelmässig
joggen,
(Jacoby,DB:NEJM,315:399,1987)
• um 2 Jahre länger zu leben
• Körperliche Aktivität verlängert also das Leben
• auch Wein (2 Gläser) wirkt präventiv, ergo :
• Optimal ist : Joggen von Kneipe zu Kneipe
• Bewegung im Alter: Turne bis zur Urne oder
• Trabe bis zum Grabe (G.Uhlenbruck)
39
40
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
LSB-Jahrestagung, Essen 2007
Gesundheit fördern – aber wie?
Warum fällt es so schwer, das
Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der
Gesundheitspsychologie
Toni Faltermaier
Universität Flensburg
Institut für Psychologie
Gesundheitspsychologie und Gesundheitsbildung
Typische Fälle für Gesundheitsverhalten
•
•
•
•
Sportlich aktiv im Jugendalter, dann nach Eintritt in Beruf und Familie durch
stärkere zeitliche Anforderungen wird der Sport relativ abrupt aufgegeben,
seither sehr bewegungsarme Lebensweise, allmählich Zunahme des
Gewichts, mit 50 deutlich übergewichtig
Nie sportlich aktiv gewesen, nach einem Herzinfarkt lernt er/sie in RehaKlinik leichte Formen der Bewegung kennen (Nordic Walking), die unter
Anleitung auch gemacht werden; nach der Rückkehr aus Klinik nach Hause
schlafen die Aktivitäten aber wieder ein;
Sportlich aktiv in Kindheit und Jugendalter, kontinuierlich sportliche
Aktivitäten und vielfältige Bewegung im Alltag, Lust auf Bewegung, im
Laufe des Erwachsenenalters werden Aktivitäten in Form, Intensität und
Dauer angepasst
Sportlich aktiv im Jugendalter, nach längerer Pause durch hohe berufliche
Beanspruchungen erfolgt ein Wiedereinstieg mit 45; zuerst leichtes
Jogging, dann zunehmend mehr Leistungsansprüche und längere
Strecken, hoher Ehrgeiz bis hin zu Marathonlauf
41
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Körperlicher Aktivität und körperliche
Gesundheit
• Körperliche Fitness (Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit) und
regelmäßige körperliche Aktivität verringern das Risiko, frühzeitig zu
sterben
• Regelmäßige körperliche Aktivität verringert das Risiko, eine
koronare Herzerkrankung zu entwickeln
• Körperliches Training verringert das Risiko, an Diabetes II zu
erkranken
• Körperliche Aktivität hat einen positiven Einfluss auf die
Knochenentwicklung und Knochendichte, schützt vor dem Abbau
von Knochenmasse (damit vor Osteoporose) und beugt
Rückenleiden vor
• Körperliches Training verbessert die Lungenfunktionen
• Sport und körperliche Aktivität stärken das Immunsystem und
schützen damit vor Infektionserkrankungen
körperlicher Aktivität und psychische
Gesundheit
• Sport und körperliche Aktivität steigern das psychische
Wohlbefinden
• Sport und körperliche Aktivität verbessern die Stimmung und
können damit das Risiko von Depressionen verringern
• Körperliche Aktivität verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit, vor
allem auch bei älteren Menschen
42
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Psychosoziale Ätiologie von Krankheit
soziale Stressoren:
Arbeitsbelastungen
Lebensereignisse
Risikoverhalten:
Rauchen
Alkoholkonsum
Bewegungsmangel
Fahrverhalten
Soziale Unterstützung:
soziales Netzwerk
d
Soziale Bindungen
Coping:
emotionsorientiert
problemorientiert
Krankheit
Herzinfarkt
Krebs
Unfälle
Infektionen
Psychophysiologische
Mechanismen:
kardiovaskulär
Muskul. Spannungen
Immunreaktionen
Individuelle Dispositionen
Typ-A-Muster (Ärger, Aggressivität, AHA)
Depressivität
Salutogenese und Gesundheitsressourcen
Ressourcen
personal-psychisch
Gefühl der
Kohärenz
Gefühl der
• Verstehbarkeit
körperlich
sozial-interpersonal
Stressoren
Spannungs-zustand
„comprehensibility“
• Bewältigbarkeit
Bewältigungsverhalten
„manageability“
materiell
• Sinnhaftigkeit
„meaningfulness“
-
+
soziokulturell
Gesundheitskontinuum
Gesundheit
43
Krankheit
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Das Kohärenzgefühl
Das Gefühl der Kohärenz (sense of coherence) ist eine
komplexe, umfassende und relativ stabile Lebens-orientierung,
die entscheidend ist für einen erfolgreichen Umgang mit
Belastungen und Risiken und die dadurch Gesundheit positiv
beeinflusst.
Bestimmungsmomente
ƒƒ Eine
EineÜberzeugung,
Überzeugung,dass
dassdie
dieeigene
eigeneLebenswelt
Lebensweltim
imWesentlichen
Wesentlichen
verstehbar
und
erklärbar
ist
(sense
of
comprehensibility).
verstehbar und erklärbar ist (sense of comprehensibility).
ƒƒ Eine
EineZuversicht,
Zuversicht,dass
dassdie
dieim
imLeben
Lebenauf
aufeinen
einenzukommenden
zukommenden
Anforderungen
und
Ereignisse
im
Prinzip
Anforderungen und Ereignisse im Prinzipzu
zubewältigen
bewältigensind
sind(sense
(senseofof
managebility).
managebility).
ƒƒ Einem
EinemGefühl,
Gefühl,dass
dassdie
dieAnforderungen
Anforderungenim
imLeben
Lebensinnvolle
sinnvolle
Herausforderungen
Herausforderungensind
sindund
undes
eswert
wertsind,
sind,sich
sichdafür
dafürzu
zuengagieren
engagieren
(sense
of
meaningfulness)
(sense of meaningfulness)
Was bedeutet Gesundheitsverhalten?
• Risikoverhalten: erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung
Beispiele: Bewegungsmangel, riskante Sportarten, Rauchen,
übermäßiger Alkoholkonsum, Stress
• Gesundheitsverhalten: erhöht die Wahrscheinlichkeit, gesund zu
bleiben
Beispiele: Bewegung und Sport, gesunde Ernährung, regelmäßige
Vorsorgeuntersuchungen
• Gesunder Lebensstil: kombiniert verschiedene Aspekte der
Lebensweise, die gesund erhaltend wirken
Beispiele: gesunde Ernährung + Bewegung + Erholung und
Entspannung + angemessener Umgang mit Stress + positive
soziale Beziehungen + positive Emotionen +
44
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Gesundheitsverhalten 1
Aber: Was ist genau ein gesundheitlich positiv wirksames
Verhalten?
Æ Schwierigkeiten und Abstufungen am Beispiel von Sport und
Bewegung:
• Aktiver Alltag (z.B. Treppensteigen, Bewegung im Beruf,
Gartenarbeit)
• Gezielte Bewegungsaktivitäten für Gesundheit
• Gezielte Aktivitäten zur Steigerung der Fitness
• Leistungssport
Æ
Gesundheitsgewinne
Æ
Gesundheitsrisiken
Gesundheitsverhalten 2
Differenzierungen: Art und Ausmaß körperlicher Aktivität
• Dauer (Minuten)
• Frequenz (Häufigkeit pro Woche)
• Intensität (Energieverbrauch)
• Art der Bewegung (Walken, Joggen, Schwimmen, Fußball,
Treppensteigen, Wandern, Gymnastik, Reiten)
• Kontinuität im Lebenslauf
Aber: Ist es gesundheitlich ausreichend, Gesundheitsverhalten nur
in einem Bereich zu zeigen?
45
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Modelle und Bedingungen des
Gesundheitsverhaltens
• Gesellschaftlich-normative Lebensweise
• Soziodemographische Unterschiede:
– Männliches Geschlecht (+)
– Status/Bildung/Einkommen (+)
– Alter (-)
• Risikowahrnehmung (aber: optimistischer Fehlschluss, Illusion der
Unverwundbarkeit)
• Kontrollüberzeugung (internal – external)
• Wahrgenommener Nutzen
• Wahrgenommene Barrieren und Kosten
• Selbstwirksamkeitsüberzeugung (Kompetenzerwartung)
• Soziale Normen
• Intention
• Handlungsplanung und -kontrolle
Bedingungen einer gesunden Lebensweise
• Intrinsische Motivation: Freude an Sport und Bewegung
• Soziale Unterstützung durch Freunde/Peer, durch Partner/Familie
• Positive Gesundheitsmotive
• Gesundheitsbewusstsein/Gesundheitsvorstellungen
• Körperbewusstsein
• Kohärenzgefühl
• Lebenskonzept
46
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Praxis
der Gesundheitsförderung? Teil 1
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
Wenig
Wenig ist
ist besser
besser als
als gar
gar nichts
nichts
Menschen
leben
nicht
nur
Menschen leben nicht nurfür
fürihre
ihreGesundheit
Gesundheit
Menschen
Menschen dort
dort abholen,
abholen, wo
wo sie
sie stehen
stehen
Differenzielle
Differenzielle Ansätze:
Ansätze: Männer
Männer vs.
vs. Frauen,
Frauen, sozialer
sozialer
Status,
Alter,
Lebensphasen,
Sport-erfahrene
Status, Alter, Lebensphasen, Sport-erfahrenevs.
vs.
Sportunerfahrene,
Sportunerfahrene, etc.
etc.
Menschen
Menschen an
an den
den Zielvorgaben
Zielvorgaben beteiligen,
beteiligen, sie
sie zu
zu
Stärkung
Stärkungihrer
ihrerGesundheit
Gesundheit befähigen
befähigen
auf
auf Leistungsmotive
Leistungsmotive achten
achten
Hohe
normative
Vorgaben
Hohe normative Vorgaben vermeiden,
vermeiden, ExpertenExpertenwissen
an
subjektive
Bedingungen
wissen an subjektive Bedingungen und
und objektive
objektive
Möglichkeiten
anpassen
Möglichkeiten anpassen
Es
Es gibt
gibt nicht
nicht nur
nur einen
einenWeg
Wegzur
zurGesundheit,
Gesundheit,sondern
sondern
viele
viele
Was bedeutet diese Erkenntnisse für die Praxis
der Gesundheitsförderung? Teil 2
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
ƒƒ
Gesundheitsverhalten
Gesundheitsverhalten in
in den
den Alltag
Alltag integrieren
integrieren
positive
Gewohnheiten
langfristig
positive Gewohnheiten langfristig aufbauen
aufbauen
Positive
Positive Erlebnisse
Erlebnisseund
undGefühle
Gefühle erzeugen
erzeugen (Genuss,
(Genuss,
Spaß,
Spaß, Erfolge,
Erfolge, etc.)
etc.)
Sport
Sport und
und Bewegung
Bewegung in
in Relation
Relation zu
zu anderen
anderen
Gesundheitsverhalten
betrachten,
Gesundheitsverhalten betrachten,
Individuell
Individuell angepassten
angepassten und
und gesundheitlich
gesundheitlich breite
breite
Lebensweise
anstreben
Lebensweise anstreben
Soziale
Soziale Motive
Motive und
und Unterstützungen
Unterstützungen nutzen
nutzen
Sensible
Phasen
im
Lebenslauf
nutzen:
Sensible Phasen im Lebenslauf nutzen: Über-gänge,
Über-gänge,
Einschnitte,
Körperereignisse,
Krankheit
Einschnitte, Körperereignisse, Krankheit
Menschen
Menschen motivieren,
motivieren, ohne
ohne sie
sie erziehen
erziehen zu
zu wollen
wollen
47
Prof. Dr. Toni Faltermaier
Warum fällt es so schwer, das Gesundheitsverhalten zu verändern?
Erkenntnisse der Gesundheitspsychologie
Prinzipien einer professionellen
Gesundheitsförderung
ƒƒ Professionelle
ProfessionelleHaltung:
Haltung:Partizipation
Partizipationund
undEmpowerment
Empowerment
ƒƒ Ansatz
Ansatzan
anVerhältnissen
Verhältnissenund
undan
ansubjektiven
subjektivenBedingungen
Bedingungen
ƒƒ Ansatz
Ansatzan
ander
derkörperlichen,
körperlichen,sozialen
sozialenund
undpsychischen
psychischenEbene
Ebene
ƒƒ Reduktion
Reduktionvon
vonRisiken
Risikenund
undStärkung
Stärkungvon
vonRessourcen
Ressourcen
ƒƒ Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderungals
alsQuerschnittsaufgabe
Querschnittsaufgabe
ƒƒ Bezug
Bezugauf
aufspezifische
spezifischeZielgruppen
Zielgruppenund
undderen
derensubjektive
subjektiveund
und
soziale
Voraussetzungen
soziale Voraussetzungen
ƒƒ Ansatz
AnsatzininSettings:
Settings:Betrieb,
Betrieb,Schule,
Schule,Familie,
Familie,Kommune,
Kommune,Kita
Kita
16
48
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation:
die Öffentlichkeitskampagne
„Überwinde deinen inneren Schweinehund“
und die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
Ärztekammern Nordrhein
und Westfalen-Lippe
Sportärztebünde
Nordrhein und Westfalen-Lippe
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Düsseldorf
49
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Hagen
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Hagen
50
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Düsseldorf HBF
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Wuppertal-Oberbarmen
51
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Wuppertal-Elberfeld
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Sprockhövel
52
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Öffentlichkeitskampagne
Überwinde deinen inneren Schweinehund
Duisburg - Wedau
Die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
Mach2-Roadshow in Essen
53
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
Mach2-Roadshow in Essen
Die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
Mach2-Roadshow in Gelsenkirchen
54
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
mach2 Aquafitness-Kurs
Die Initiative
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
mach2-Outdoor-Herz-Kreislauf-Kurs
55
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Ersten – die Vorreiter – die Models of …
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
in Bielefeld bei der freien Turn- und Sportvereinigung Ost
e.V.
Profil: Herz-Kreislauf
Übungsleiter: Thomas Fischer
1. Kursstart im April 2007 mit 14 Teilnehmern
Folgekurs im Januar 2008 geplant
Die Ersten – die Vorreiter – die Models of …
„mach2. Besser essen. Mehr bewegen“
In Duisburg beim FC Rumeln Duisburg 1955 e.V.
Profil: Herz-Kreislauf Herz-Kreislauf (Outdoor)
Übungsleiterin: Marlis Hollingshausen
1. Kursstart im April 2007 mit 8 Teilnehmern
Folgekurs im seit Anfang Oktober mit 13 Teilnehmern
56
Talkrunde
Gesundheitsförderung braucht Kommunikation: die Kampagne ÜdiS und die Initiative mach2
Die Ersten – die Vorreiter – die Models of …
HSG Hillmicke e.V.
Übungsleiterin Sabine Jonak
57
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln
des Sports –
Was gehört dazu?
1. Zur Gesundheit befähigen
2. mit den Mitteln des Sports
3. Was gehört dazu (bzw. Wo liegen die
Schwierigkeiten)?
58
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
1. Zur Gesundheit befähigen
Suche nach Informationen über Gesundheit:
-> Abwesenheit von Krankheit (Normen!)
-> unverbindliche Zugabe: Wohlbefinden
-> „Volkstümliche Wissenschaft“
Lässt rat- und hilflos:
-> Treib Sport und du bleibst/wirst gesund!
War das schon immer so?
HIPPOKRATES
(geb. um 460 v. Chr.)
Es gibt viele Ursachen und Formen von Krankheiten,
ebenso viele Arten der Heilung
Heilung erfolgt durch Stärkung der inneren Natur
Drei Pfeiler der Medizin:
1. Physiologie = Lehre vom gesunden Menschen
2. Pathologie
= Lehre vom Kranken
3. Therapie
= Lehre von den Heilmöglichkeiten
„Es gibt keine Krankheiten, sondern nur kranke
Menschen“
59
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Paracelsus
(1493 – 1541)
• Medizin als „Lebenskunde“,
Arzt ist „Ratgeber für Lebensweise“;
• Der Mensch ist der physischen,
materiellen Welt ausgesetzt.
• Krankheiten im „lebendigen
Zusammenhang der Wirklichkeit“
betrachten.
60
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Heinrich Schipperges: Struktur eines integrierten Gesundheitssystems1
VORSORGESYSTEME
NACHSORGESYSTEME
Gesundheitsbildung
Prophylaxe
Kur
Selbsthilfe
Rehabilitation
Prävention
THERAPIESYSTEME
Krankenhaus
Gesundheitsdienst
Allgemeinspraxis
1
Schipperges, H. (1982 ): Der Arzt von morgen. Von der Heiltechnik zur Heilkunde. Berlin, 172
Und heute?
„Gesundheit zeigt sich in der Fähigkeit, mit seinen
Einschränkungen umgehen zu können“!
Prof. Dr. Herbert Löllgen
61
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Fazit: Wandel in der Auffassung von Gesundheit
Nicht nur Krankheitsvermeidung bzw. –bewältigung!
Stattdessen Hinwendung zum Subjekt und seiner
individuellen Lebenswelt (Setting)
Ziel ist die „Befähigung zu einer sinnvollen, individuell
angemessenen Lebensgestaltung“
-> Gesundheit (auch) als pädagogische Aufgabe!
Neue Ansätze:
A. Saluto-Genese (Aaron Antonovsky 1923-1994)
-> Umkehrung der med. Fragestellung. Jetzt:
Was erhält Menschen (trotzdem) gesund?
-> Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
-> Entwicklung eines „Kohärenzgefühl“ (SOC)
(Sinnhaftigkeit)
-> generalisierte Widerstandsressourcen zur
Bewältigung von „Stressoren“
62
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
B. „Gesundheitsbildung durch Wahrnehmungsentwicklung und Bewegungserfahrung“ (GeWeBe)
-> Gesundheit als Bildungsprozess
-> Bezug auf die individuelle Lebenswelt
-> Bewegung – Medium der leiblichen Erfahrung
-> Körper als „Nahtstelle“ zwischen Ich und Welt
-> Aufbrechen von Wahrnehmungs- und
Verhaltsmustern
63
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Gesundheitserziehung = Aufklärung über „richtiges“ Verhalten
Biologische
Funktionsfähigkeit
⇒ biologischer
Sinn
Sozio-kulturelle
Leistungsfähigkeit
⇒ sozio-kultureller
Sinn
Individuelle
Gestaltungsfähigkeit
⇒ individueller
Sinn
Lebensq.
Gesundheit
Gesundheitsbildung
Zwischenfazit:
-> Differenzierung ermöglicht Ausrichtung auf
spezifische Aspekte von „Gesundheit“
-> Gesundheit erweist sich in der Auseinandersetzung mit konkreten Phänomenen des Alltags
(Lebensweltbezug).
64
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
2.
Zur Gesundheit befähigen
mit den Mitteln des Sports
- das leistet nicht „der“ Sport
- erfordert Differenzierungen!
Sport und Gesundheit –
Mögliche Beiträge des Sports zur …
(b)
Verbesserung und
Erhaltung der physischen,
psychischen und
sozialen Leistungsfähigkeit
(sportbezogene Angebote,
allg. Breitensport)
(c)
Entwicklung
einer individuellen
Gestaltungsfähigkeit
(themenorientierte
Bewegungsprogramme)
(a)
Erhaltung
der biologischen
Funktionsfähigkeit
(Sport zur
Krankheitsbewältigung
bzw. –vermeidung)
65
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Sport und Gesundheit –
Mögliche Beiträge des Sports zur …
(b)
Verbesserung und
Erhaltung der physischen,
psychischen und
sozialen Leistungsfähigkeit
(sportbezogene Angebote,
allg. Breitensport)
(c)
Entwicklung
einer individuellen
Gestaltungsfähigkeit
(themenorientierte
Bewegungsprogramme)
(a)
Erhaltung
der biologischen
Funktionsfähigkeit
(Sport zur
Krankheitsbewältigung
bzw. –vermeidung)
FAZIT
Man kann nicht „zur Gesundheit“ befähigen, denn
Gesundheit ist nicht das Ziel, sondern ein Mittel zum
Leben!
„Gesundheit zeigt sich in der Fähigkeit, mit seinen
Einschränkungen umgehen zu können“!
= Themen, die individuellen Anlass bieten
Beispiele: Altern, Stress, Ernährung, Haltung …
Gilt aber auch z.B. für Reha-Programme:
Beispiel Herzgruppen (kardiale Nachsorge)
66
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Besonderer Stellenwert des Sports
in der Gesundheitsförderung!
Mittel: Lernen am eigenen Leibe – leibliche
Erfahrung!
Weg: „Muster des Verhaltens“ erkennen und
verändern
Ziel: Wollen – Können – Sollen in Einklang bringen!
3. Und wo liegen die Schwierigkeiten?
Hoher Anspruch?
-> JA
67
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Hoher Anspruch gilt für
Rahmenbedingungen: -> Finanzierung
Teilnehmer: -> Muster des Verhaltens ändern!
Übungsleiter: -> Kompetenzen
Bestimmt durch die Aufgabe: Hilfestellungen bieten
bei dem Versuch der Neuorientierung!
(„Trainer, Animateur, Berater …“ Vortrag Ute Ahn)
68
Prof. Dr. Edgar Beckers
Zur Gesundheit befähigen mit den Mitteln des Sports - Was gehört dazu?
Gesundheitsförderung durch Sport
69
Der Übungsleiter
als Gesundheitsförderer –
Trainer, Animateur, Berater oder …?
Impressionen
70
Impressionen
Impressionen
71
Impressionen
Impressionen
72
Impressionen
Der Trainer
Ziel
Wettkampferfolg in einer Sportart
Auftrag
Verbesserung der körperlichen und
psychischen Leistungsfähigkeit
Wettkampfbetreuung
Bewertung
Am messbaren Erfolg
Methode
Systematische Trainingsgestaltung
Sportmotorische Ausbildung
Mittelpunkt
Sportliche Leistung
73
Fragen, die sich der Trainer stellt
•
Wie sieht der optimale Trainingsprozess für den
Sportler aus?
• Welche Potentiale des Sportlers können noch
ausgeschöpft werden?
• Wie kann die Wettkampfleistung gesteigert werden?
• Wie kann der Sportler mental vorbereitet werden?
• Wann soll der Sportler seinen Leistungshöhepunkt
erreichen?
• Welche neuen sportwissenschaftlichen Erkenntnisse
erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit?
•
usw.
Der Animateur
Ziel
Lebensfreude/Spass vermitteln
Auftrag
„gute Laune verbreiten“
Motivieren und Aktivieren
Bewertung
Begeisterung und Rückmeldungen der
Teilnehmer
Spielen aus Spaß, Hier und Jetzt
Impulse setzen
Methode
Mittelpunkt
Situative Stimmung
74
Fragen, die sich der Animateur stellt
•
Womit lassen sich die Teilnehmer fesseln?
• Worauf lassen sie sich ein und machen aktiv mit?
• Welche running gags zünden? Welche sind zurzeit
in aller Munde?
• Wie kann ich einen Spannungsbogen aus Gags
aufbauen?
• Wie komme ich „rüber“?
• Was sagen mir die Reaktionen der Teilnehmer?
•
usw.
Der Berater
Ziel
Förderung der Selbstwirksamkeit der Person
Auftrag
Individuelle Ressourcen nutzen und neue
Erfahrungen ermöglichen
Bewertung
An der Neuausrichtung der Person
im Alltag
Ausrichtung an den Erfahrungen der
einzelnen Person
Methode
Mittelpunkt
Person
75
Fragen, die sich der Berater stellt
• Wie kann ich der Person dabei unterstützen, ihre
Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren?
• Wie kann ich sie dahin führen, Dinge zu verändern
und selbst neue Wege zu finden?
• Wie kann ich sie dahin führen, sich mit ihren
Grenzen auseinander zu setzen?
• Wie muss ich mich verhalten, um die Person ihre
eigenen Entscheidungen treffen zu lassen?
• Wie kann ich meine persönlichen Fähigkeiten der
Gesprächsführung und Beratung erweitern?
• usw.
Der ideale Gesundheitsförderer
... erfüllt mehrere Funktionen
Experte
Berater
Interessenvertreter
Organisationsentwickler
76
Der ideale Gesundheitsförderer
Tätigkeiten
Qualifikationen
Experte
Forschen, Publizieren,
Fachberatung
Wissenschaftliches Arbeiten
Interessenvertreter
Information und Aufklärung, Überzeugen,Präsentieren,
Darstellen, Interessen wirksam
Öffentlichkeitsarbeit,
vertreten
Bewusstseinsbildung
Berater
Fortbildungen leiten,
Gesundheitsberatung,
Service
Kooperieren,
Verhandeln,Infra-strukturen
schaffen
Organisationsentwickler
Spezielle Kenntnisse,
Vermittlungsfähigkeiten,
psychologische Kompetenz
Soziale Kompetenz,
Organisationskompetenz,
Initiative
Der Übungsleiter, ein Gesundheitsförderer
15%
15%
70%
Berater
Interessenvertreter
77
Organisationsentwickler
Ziele der Gesundheitsförderung durch Sport
Der Teilnehmer/die Teilnehmerin
• nimmt regelmäßig am Sport- und Bewegungsangebot
in der Gruppe teil und erlebt das als sinnvoll
• erlebt die Wirkung von Bewegung und Sport auf die
persönliche Gesundheit
• kann sich mit seinen/ihren Vorstellungen, Wünschen
und Lebensbezügen in das Angebot einbringen
• lernt Ansätze zur persönlichen Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen und einer gesundheitsbewussteren Lebensführung kennen.
Ziele des Rehabilitationssports
Der Teilnehmer / die Teilnehmer/in erlebt Bewegung und
Sport
• als sinnvollen Beitrag zum Erhalt, zur Verbesserung
und zur Erweiterung der erzielten Rehabilitationsergebnisse (in der Phase I und ggf. II)
• als Mittel der persönlichen Krankheitsbewältigung und
lernt Möglichkeiten einer krankheitsangepassten
Lebensführung kennen.
• als Form der gesellschaftlichen Teilhabe und schöpft
daraus das Selbstbewusstsein für die weitergehende
Integration in gesellschaftliche Bezüge.
78
Perspektive
Das neue Bildungsverständnis des LandesSportBundes NRW
bereitet die Übungsleiter/innen auf die veränderten
Anforderungen vor.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
79
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Kunst und Fotos
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