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A wie Asterix Comics

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A
wie Asterix Comics
Asterix (im Original: Astérix le Gaulois) ist der Titel der von Autor René
Goscinny und Zeichner Albert Uderzo geschaffenen erfolgreichsten
französischen Comicserie. Erfunden wurde Asterix speziell für
die erstmals 1959 erschienene französische Jugendzeitschrift
„Pilote“. Die Abenteuer des Titelhelden wurden in bislang 33
Alben mit zumeist 44 Seiten präsentiert, von denen einige auch
verfilmt wurden. In Deutschland erschien 1968 mit Asterix
der Gallier das erste Album. Die weltweite Auflage liegt bei
knapp 200 Millionen verkauften Exemplaren, davon 67 Millionen
in Deutschland. Sprachwitz, Ironie, rasanter Erzählstil und
historische Detailkenntnisse zeichnen diese Comics aus und
sprechen eien breite Leserschaft durch alle Altersgruppen und sozialen
Schichten an.
Die Geschichten spielen um das Jahr 50 v. Chr. in Gallien (Frankreich). Die
Protagonisten leben in einem kleinen fiktiven Küstendorf in Aremorica (heute
Bretagne), im Nordwesten Galliens, in der Nähe von Condate (Rennes).
Asterix und die übrigen Dorfbewohner haben aufgrund eines Zaubertrankes,
der vom Druiden Miraculix gebraut wird, übermenschliche Kräfte, und halten
mit dessen Hilfe die römische Armee auf Distanz, die von den vier
befestigten Lagern Kleinbonum, Babaorum, Aquarium und Laudanum aus das
Dorf bedroht. In den Geschichten ist das Dorf daher der einzige Ort in
Gallien, der im Jahre 50 v. Chr. nicht von den Römern unter Julius Caesar
erobert und besetzt werden konnte.
Asterix, von Beruf Krieger, zeichnet sich durch besondere Pfiffigkeit aus.
Er stellt durch seine geringe Größe und schmächtige Gestalt einen Gegenpol
zu den in der Comicwelt sonst
üblichen
Heldendarstellungen
dar. Im Kontrast dazu agiert der
riesengroße und wohlbeleibte,
aber sensible und einfältige
Obelix als ständiger Begleiter.
Seit dem Band „Tour de
France“
werden
die
beiden
auf
vielen
Abenteuern von Obelix'
kleinem
Hund
Idefix
begleitet,
der
ein
verspieltes Element in die
Zweierbeziehung
bringt.
Gelegentlich
werden sie auch von
anderen Dorfbewohnern, so
dem Häuptling Majestix,
dem Druiden Miraculix oder
dem Barden Troubadix
begleitet.
Die diversen Geschichten spielen - seit den 1970er Jahren in stetigem Wechsel entweder in der unmittelbaren Umgebung des Gallierdorfes oder auf Reisen, oft
in andere Länder. Die im Dorf angesiedelten Abenteuer drehen sich häufig um
die (glücklosen) Versuche der römischen Armee, es mit einer neuen Taktik
anzugreifen, es zu schwächen, den Druiden am Brauen des Zaubertranks zu
hindern oder den Zaubertrank für eigene Zwecke zu nutzen. Ein beliebtes
Handlungsmotiv in den „Dorf-Geschichten“ ist ferner das des (gelegentlich mit
den Römern kollaborierenden) Fremden im Dorf, der die Bewohner
gegeneinander aufbringt. In den anderen Geschichten verschlägt es Asterix und
Obelix in alle Teile der antiken Welt (und darüber hinaus), oft im Auftrag von
Majestix oder Miraculix, um z.B. anderen von den Römern unterdrückten Völkern
beizustehen.
Die Asterix-Geschichten schildern die Welt zur Zeit des Imperium Romanum mit
erstaunlicher Genauigkeit, die aber immer wieder humorvoll durch
Anachronismen gebrochen wird. Daneben leben die Geschichten von der
satirischen Überzeichnung üblicher Klischees, insbesondere im Zusammenhang
mit den Geschlechterrollen, dem Generationenkonflikt und dem Konflikt
zwischen Land- und Stadtbevölkerung. Geschäftsgebaren, das Verhalten der
Amtsinhaber und militärischer Stumpfsinn werden ebenso karikiert. Durch die
oft anachronistische Projektion der Probleme unserer Zeit in das antike Gallien
ergeben sich besondere Möglichkeiten, diese in liebenswürdiger Weise
anzuprangern.
Eine wesentliche Rolle spielen Anachronismen auch bei den Zusammentreffen von
Asterix und Obelix
mit
Vertretern
anderer
Völker,
deren
heutige
spezifische
Eigenarten
und
jeweilige Kulturen
aus
französischer
Sicht - zugleich
mit den in dieser
Sicht enthaltenen
Klischees – parodiert
werden. So pflegen
die
Briten
jeden
einzelnen Grashalm
auf ihrem „englischen“
Rasen und trinken
pünktlich um 5 Uhr
ihre Tasse heißes
Wasser
mit Milch
(Teeblätter
werden erst durch
Asterix als Kulturbringer eingeführt). Die Goten (als Abbild der Deutschen),
deren Sprechblasentexte in Frakturschrift gehalten sind, erscheinen als
grausame Militaristen mit preußischer Pickelhaube, die Normannen als furchtlose
Krieger, die Calvados aus Schädeln trinken und alle Speisen „à la crème“
zubereiten. Bei den Helvetiern als Vorfahren der Schweizer treffen die Gallier
auf penibel genaue Uhren, Bankschließfächer und Käsefondue. Die Römer
schließlich teilen sich in einer Vielzahl von lateinischen Zitaten mit, die den
französischen Schülern allgemein bekannt waren, so dass sie in der
französischen Ausgabe noch nicht einmal übersetzt wurden.
Charakteristisch für das internationale Figurenpersonal der Serie sind die
Endungen der Namen, die jeweils streng die Nationalität anzeigen, so -ix für alle
Gallier (abgeleitet von Vercingetorix, dessen Endung -rix im Keltischen „König“
bedeutet) und -ax für Briten, -ik für Goten, -af für Normannen, -is für Ägypter,
-us für Römer und -os für Griechen. Die Namen der gallischen Frauen enden
sowohl im französischen Original als auch in der deutschen Übersetzung
meistens auf „-ine“, in anderen Übersetzungen aber auch anders.
T wie Tagebuch der Anne Frank
A n n e Fr a n k w u r d e a m 1 2. Ju ni 1 9 2 9 als zw e i t e To c h t e r vo n Ott o Fr a n k
un d E dit h Fr a n k in Fr a n k f u r t a m M a i n ge b o r e n . Di e Fa m i l i e lebt e in ein e r
as si m i l i e r t e n G e m e i n s c h a f t vo n Ju d e n un d a n d e r e n
B ü r g e r n un d di e Ki n d e r w u c h s e n mit kat h o l i s c h e n ,
pr ot e s t a n t i s c h e n un d jüdi s c h e n Fr e u n d e n a uf. E dit h
w a r der gl ä u b i g e r e Elt e r n t e i l, w ä h r e n d Ott o, der im
Er st e n W e l t k r i e g als Offi zi e r akti v w a r un d nu n als
U nt e r n e h m e r ar b e i t e t e , sic h m e h r u m die Bild u n g
sei n e r bei d e n Tö c h t e r kü m m e r t e . A n n e galt als
viel s e i t i g int er e s s i e r t un d leb h a f t , ab e r au c h oft
extr o v e r t i e r t un d im p u l s i v un d fühlt e sic h ge g e n ü b e r
ihr e r Sc h w e s t e r M a r g o t be n a c h t e i l i g t. B e v o r die
jud e n f e i n d l i c h e
P oliti k der N a ti o n a l s o z i a l i s t e n
ihr
jun g e s Le b e n in U n r u h e br a c h t e un d sc hli e ß l i c h völli g zer s t ö r t e , lebt e sie
un b e s c h w e r t mit ihr e r Fa m i l i e un d ihr e n Fr e u n d e n in Fr a n k f u r t . N a c h der
M a c h t e r g r e i f u n g Hitl e r s 1 9 3 3 sollt e sic h da s Le b e n der Fa m i l i e jed o c h
gr u n d l e g e n d än d e r n . Ott o Fr a n k , der st et s ein e n sic h e r e n Blic k für die
Zu k u n f t hatt e, sa h gr o ß e Pr o b l e m e auf sei n e Fa m i li e zu k o m m e n . Er zo g
in die Ni e d e r l a n d e , u m die G e s c h ä f t e zu
arr a n g i e r e n un d alle s für die A n k u n f t sei n e r
Fa m i l i e vor z u b e r e i t e n . Bis zu Ihr e m elft e n
Le b e n s j a h r w ä c h s t sie
dor t
sic h e r
un d
un b e s c h w e r t
auf. A b
de m
Ja h r e
1940
br e c h e n mit de m A n g r if f
der D e u t s c h e n auf die Ni e d e r l a n d e sc h w e r e Zeit e n für die Fa m i li e Fr a n k
an. D u r c h die za hl r e i c h e n G e s e t z e wir d da s Le b e n für die jüdi s c h e n
B ü r g e r i n n e n un d B ü r g e r zu n e h m e n d er s c h w e r t . Di e Elt e r n Ott o Fr a n k
leit et e di e Fir m a Opekta, die da s G eli e r m i t t e l P e k t i n pr o d u z i e r t e . 1 9 3 8
gr ü n d e t e er zu s a m m e n mit de m Flei s c h e r H e r m a n n va n P el s, der mit
sei n e r eb e n f a l l s jüdi s c h e n Fa m i l i e au s O s n a b r ü c k gefl o h e n w a r, ein e
zw e i t e Fir m a na m e n s Pectacon, die G e w ü r z e ver k a u f t e . Sc h n e l l w u r d e
de u t li c h , da s s de n Ju d e n in de n Ni e d e r l a n d e n da s glei c h e Sc h i c k s a l
be v o r s t a n d wi e in de n an d e r e n be s e t z t e n G e b i e t e n . Im m e r ne u e
Ju d e n g e s e t z e na h m e n ihn e n zu n e h m e n d ihr e R e c h t e . Si e w u r d e n vo m
ge s e l l s c h a f t l i c h e n
Le b e n
un d
alle n
öff e n t li c h e n
Ei nr i c h t u n g e n
au s g e s c h l o s s e n . Mit ihr e n jüdi s c h e n Mit s c h ü l e r n m u s s t e sie nu n ein e
be s o n d e r e Sc h u l e , da s Ly z e u m , be s u c h e n , w o d u r c h sie vo n viel e n
Fr e u n d e n get r e n n t w u r d e . Als sie dur c h die V e r p f li c h t u n g , de n
Ju d e n s t e r n tra g e n zu m ü s s e n , ge b r a n d m a r k t w u r d e n , soli d a r i s i e r t e n sic h
viel e Ni e d e r l ä n d e r mit ihn e n . U m sei n e Fir m e n vor de n str e n g e n
K o n t r o l l e n der Wi r t s c h a f t s p r ü f u n g zu sc h ü t z e n , üb e r g a b Ott o Fr a n k di e
Leit u n g pr o for m a an sei n e aris c h e n Mit a r b e i t e r Jo h a n n e s Kl ei m a n n un d
Vict o r K u g l e r .
A m 6. Juli ver s t e c k t sic h die F a m i li e Fr a n k in ein e m Hi n t e r h a u s in
A m s t e r d a m . D u r c h di e B e s e t z u n g w a r es ihn e n un m ö g l i c h ge w o r d e n ,
da s s La n d zu verl a s s e n . D a s H a u s lie gt an der Pri n s e n g r a c h t 263, de m
G e s c h ä f t s h a u s , in w el c h e m A n n e s V at e r ar b e i t e t . Di e La g e der Fa m i l i e
Fr a n k spit z t e sic h zu, als M a r g o t a m 5. Juli 1 9 4 2 ein e n A uf r u f vo n der
Zentralstelle für jüdische Auswanderung er hi e lt, der die D e p o r t a t i o n in
ein Ar b e i t s l a g e r an o r d n e t e . Ihr V at e r hatt e jed o c h für ein e n sol c h e n
N ot f a l l ber e i t s vor g e s o r g t un d im Hi n t e r h a u s sei n e r Fir m a ein V er s t e c k
ein g e r i c h t e t . Zur Tar n u n g
hatt e n
sie ihr e bis h e r i g e
Wohnu n g
un o r d e n t l i c h zur ü c k g e l a s s e n un d ein e n Zett e l hint e r l e g t , u m ein e
plöt zl i c h e Fl u c h t in die S c h w e i z vor z u t ä u s c h e n . D a s Achterhuis w a r ein
dr ei s t ö c k i g e r R a u m an der R ü c k s e i t e de s Opekta-G e b ä u d e s . Di e Tür
zu m Hi nt e r h a u s , da s üb e r ei n e n G a n g mit de n B ür o -R ä u m e n ver b u n d e n
w a r, w u r d e mit ein e m B ü c h e r r e g a l ver d e c k t . Ott o Fr a n k hatt e sei n e
S e k r e t ä r i n Mi e p Gi e s zu v o r u m Hilf e ge b e t e n . O b w o h l sie w u s s t e , da s s
ihr die To d e s s t r a f e dr o h t e , w e n n die ver s t e c k t e n Ju d e n ent d e c k t w ü r d e n ,
sa g t e sie oh n e Zö g e r n zu un d üb e r n a h m die sc h w i e r i g e V e r a n t w o r t u n g .
Zu s a m m e n mit ihr e m M a n n Ja n Gi e s, Ott o s Mit a r b e i t e r n K u g l e r un d
Kl ei m a n n so w i e B e p V o s k u i j l half sie de n B e w o h n e r n de s Hi n t e r h a u s e s .
D o r t su c h t e im Juli 1 9 4 2 au c h Ott o s G e s c h ä f t s p a r t n e r H e r m a n n va n P el s
mit sei n e r Fr a u A u g u s t e un d de m 1 6- jähri g e n S o h n P et e r U n t e r s c h l u p f .
A m 1 6. N o v e m b e r ka m sc hli e ß l i c h no c h Mi e p s Za h n a r z t Frit z Pf ef f e r , der
mit der Fa m i l i e Fr a n k bef r e u n d e t w a r, hin z u . Mi e p Gi e s be s o r g t e nic h t
nur Le b e n s m i t t e l , so n d e r n inf or m i e r t e die Ju d e n au c h üb e r da s akt u e l l e
Kri e g s g e s c h e h e n . Di e anf ä n g l i c h e H of f n u n g der
V er s t e c k t e n , na c h ein pa a r W o c h e n od e r M o n a t e n
wi e d e r frei zu sei n, er w i e s sic h als ver g e b l i c h . Sie
lebt e n et w a s län g e r als zw e i Ja h r e im Hi n t e r h a u s .
W ä h r e n d die s e r Zeit ko n n t e n sie nic h t na c h dr a u ß e n
un d durf t e n kei n e A uf m e r k s a m k e i t err e g e n (z.B. dur c h laut e G e r ä u s c h e),
w a s ihr Le b e n star k ei n s c h r ä n k t e . Di e an g e s p a n n t e At m o s p h ä r e im
Hi nt e r h a u s , w o di e V er s t e c k t e n in st ä n d i g e r A n g s t un d U n g e w i s s h e i t
lebt e n , führ t e im m e r wi e d e r zu U n r u h e un d S p a n n u n g e n z wi s c h e n de n
Ju d e n .
U m sic h di e Zeit zu vert r e i b e n un d ihr e G e f ü h l e be s s e r ver a r b e i t e n zu
kö n n e n , sc h r i e b sie ihr Ta g e b u c h . Sie vert r a u t e ihr e r im a g i n ä r e n
Fr e u n d i n Kitt y di e G e d a n k e n ein e s her a n w a c h s e n d e n M ä d c h e n s an,
sc hil d e r t e da s sc h w i e r i g e Le b e n im Hi nt e r h a u s un d äu ß e r t e sic h sp ä t e r
au c h zu ab s t r a k t e r e n Th e m e n wi e G o t t od e r zur politi s c h e n La g e . D a sie
sel b s t viel e B ü c h e r ko n s u m i e r t e
w u c h s e n ihr e sc h r ift s t e l l e r i s c h e
Fä h i g k e i t e n un d ihr S el b s t b e w u s s t s e i n als A ut o r i n. "Kitt y" wir d für sie
ein e Art Fr e u n d i n , der sie off e n au c h se h r priv a t e Di n g e er z ä h l t. Ihr e
hei m l i c h e Li e b e zu P et e r va n P el s ge h ö r t viell ei c h t zu de n be w e g e n d s t e n
A b s c h n i t t e n de s B u c h e s . A u c h die B e z i e h u n g zu de n Elt e r n wir d
the m a t i s i e r t. Di e B e s c h ä f t i g u n g mit de m Ta g e b u c h wir d im m e r int e n s i v e r .
Im M a i 1 9 4 4 be g i n n t sie mit der R ei n s c h r i f t ihr e s Ta g e b u c h e s , u m es
na c h E n d e de s Kri e g e s ver ö f f e n t l i c h e n zu kö n n e n . A n n e Fr a n k s
A uf z e i c h n u n g e n w e r d e n im Hi nt e r h a u s dur c h Mit a r b e i t e r der dort
an s ä s s i g e n Fir m a gef u n d e n . Ott o Fr a n k , A n n e s V at e r der als ein z i g e r die
D e p o r t a t i o n üb e r l e b t hat, pu b l i zi e r t sie im Ja h r e 1 9 4 7.
D a s "Ta g e b u c h der A n n e Fr a n k " en d e t mit de m letzt e n Eint r a g a m 1.
A u g u s t 1 9 4 4. A m 4. A u g u s t hält a m frü h e n V o r m i t t a g ein Fa h r z e u g der
G e s t a p o vor de m H a u s . All e ac h t V e r s t e c k t e n w e r d e n ver h a f t e t , au c h die
bei d e n H el f e r Vi kt o r K u g l e r un d Jo h a n n e s Klei m a n n . Es gilt als
ge si c h e r t , da s s da s V er s t e c k ver r a t e n w u r d e , nur der Tät e r ist no c h
im m e r nic h t sic h e r ide n t i fi z i e r t. Di e V er s t e c k t e n w u r d e n zu n ä c h s t bei der
G e s t a p o ver h ö r t un d üb e r N a c h t fest g e h a l t e n . Z w e i Ta g e sp ä t e r ka m e n
die Ju d e n ins D u r c h g a n g s l a g e r K Z W e s t e r b o r k . A m 3. S e p t e m b e r 1 9 4 4
fuhr der let zt e Zu g na c h A u s c h w i t z , w o er dr ei Ta g e sp ä t e r an k a m . A n
der R a m p e sa h e n sic h di e M ä n n e r un d Fr a u e n zu m letzt e n M a l. A n n e
w a r dr ei M o n a t e vor der A n k u n f t in A u s c h w i t z 1 5 Ja h r e alt ge w o r d e n un d
ent g i n g da m i t de m dir e k t e n To d, da Kin d e r unt e r 1 5 Ja h r e n sof o r t zur
V e r g a s u n g ge s c h i c k t w u r d e n . Ta g s ü b e r m u s s t e sie har t e Ar b e i t
ver ri c h t e n un d na c h t s in üb e r f ü l lt e n B ar a c k e n frier e n . Di e an d e r e n
H äf tli n g e be s c h r e i b e n sie als st ar k od e r intr o v e r t i e r t . Ihr e S e h n s u c h t un d
ihr Le b e n s w i l l e er w i e s e n sic h als trei b e n d e Kr af t. D a die Alliie r t e n im m e r
nä h e r rüc k t e n , ent s c h l o s s e n sic h die N a ti o n a l s o z i a l i s t e n , A u s c h w i t z
all m ä h l i c h zu rä u m e n . M e h r als 8.000 Fr a u e n , dar u n t e r 1.30 8 Jü di n n e n ,
w u r d e n au s g e w ä h l t un d a m 28. O k t o b e r ins K Z B er g e n- B el s e n
de p o r t i e r t. D o r t br a c h t e m a n A n n e un d M a r g o t so w i e die an d e r e n
G e f a n g e n e n in Zeltl a g e r n unt e r . Im M ä r z 1 9 4 5 br eit e t e sic h ein e Ty p h u s E pi d e m i e im La g e r au s, di e (ges c h ä t z t) 1 7.00 0 G e f a n g e n e töt e t e un d der
au c h A n n e un d M a r g o t zu m O p f e r fiel e n. W e n i g e W o c h e n sp ä t e r , a m 1 5.
A p ril 1 9 4 5, bef r e i t e n briti s c h e Tr u p p e n da s La g e r .
Heutige Spuren
D a s Le b e n un d di e Sc h r i f t e n vo n A n n e Fr a n k w u r d e n in za h l r e i c h e n
Büc h e r n,
Fil m e n
un d
an d e r e n
Werke n
do k u m e n t i e r t un d ge w ü r d i g t .
A m 3. M a i 1 9 5 7 erri c h t e t e ein e Gr u p p e u m Ott o
Fr a n k die A n n e Fr a n k Fo u n d a t i o n , u m da s
H a u s in der Pri n s e n g r a c h t 263 vor de m V e r f a ll
zu rett e n un d es der Öff e n t l i c h k e i t zu g ä n g l i c h
zu m a c h e n . Al s pri m ä r e s Ziel der Stift u n g
na n n t e Ott o Fr a n k de n K o n t a k t un d die
K o m m u n i k a t i o n zw i s c h e n jun g e n M e n s c h e n mit ver s c h i e d e n e n K ult u r e n ,
R eli g i o n e n
od e r et h n i s c h e n
Hi nt e r g r ü n d e n ,
u m Int ol e r a n z
od e r
ras si s t i s c h e r Di s k r i m i n i e r u n g ent g e g e n z u w i r k e n . D a s M u s e u m un d
D o k u m e n t a t i o n s z e n t r u m im A n n e- Fr a n k- H a u s w u r d e n a m 3. M a i 1 9 6 0
er öf f n e t .
1 9 6 3 gr ü n d e t e Ott o Fr a n k mit sei n e r z w e i t e n E h e f r a u in B a s e l de n A n n e
Fr a n k Fo n d s als W o h l t ä t i g k e i t s s t i f t u n g . Er ver m a c h t e da s C o p y r i g h t a m
Ta g e b u c h de m Fo n d mit der A ufl a g e , da s s die er st e n 80.00 0 S c h w e i z e r
Fr a n k e n der jährli c h e n Ei n n a h m e n sei n e n Er b e n zu k o m m e n un d da s
restli c h e G e l d für Pr oj e k t e ein g e s e t z t w e r d e n , die die V er w a l t u n g als
w ü r d i g an s i e h t . D e r Fo n d s fin a n z i e r t die m e d i z i n i s c h e B e h a n d l u n g der
G e r e c h t e n unt e r de n V öl k e r n un d kü m m e r t sic h u m die Er zi e h u n g der
Ju g e n d ge g e n R a s s i s m u s
Im Ju n i 1 9 9 9 ver ö f f e n t l i c h t e da s M a g a z i n TI M E ein e S o n d e r a u s g a b e mit
de m Tit el TIME 100: Heroes & Icons of the 20th Century. In der List e der
hu n d e r t einfl u s s r e i c h s t e n P oliti k e r , K ü n s t l e r , Erfi n d e r , Wi s s e n s c h a f t l e r
un d Iko n e n er s c h e i n t au c h der N a m e A n n e Fr a n k .
„Di e m o r d e n d e n N a z i s un d ihr e sc h w e i g e n d e n H elf e r ko n n t e n A n n e ihr
Le b e n ne h m e n – ihr e Sti m m e jed o c h nic h t. [...] A n A n n e s Gl a u b e n an
sic h sel b s t sc h e i t e r t e der N a z i t e r r o r . Er sollt e sie töt e n, m a c h t e sie ab e r
nic h t m u n d t o t .“ D a s Tagebuch der Anne Frank gilt he u t e als
einzigartiges menschliches Dokument au s der Zeit de s H ol o c a u s t un d
die A ut o r i n als Symbolfigur aller unschuldig Verfolgten.
B wie Brockhaus
Fri e d r i c h Ar n o l d Br o c k h a u s w u r d e a m 4. M a i 1 7 7 2 in D o r t m u n d ge b o r e n , st u d i e r t e
zu n ä c h s t an der U ni v e r s i t ä t Lei p z i g un d w e c h s e l t e na c h ne u n j ä h r i g e r Täti g k e i t als
Tu c h h ä n d l e r in A m s t e r d a m 1 8 0 5 mit der Gr ü n d u n g de s F. A. Br o c k h a u s - V e rl a g s ins
B u c h g e s c h ä f t üb e r. Hie r ers c h i e n e n u. a. die M e m o i r e n C a s a n o v a s , Jo h a n n P et e r
Ec k e r m a n n s G e s p r ä c h e mit G o e t h e un d phil o s o p h i s c h e
Sc h r i f t e n Art h u r Sc h o p e n h a u e r s . Z w i s c h e n 1 7 9 6 un d
1 8 0 8 ga b Br o c k h a u s sei n C o n v e r s a t i o n s- Le x i k o n her a u s ,
da s er au s de m vo n ih m auf g e k a u f t e n se c h s b ä n d i g e n
„C o n v e r s a t i o n s l e x i k o n mit vor z ü g l i c h e r R ü c k s i c h t auf di e
ge g e n w ä r t i g e n Zeit e n“ (1796- 1 8 0 8) R. G. Lö b e l s un d C.
W. Fr a n k e s ent w i c k e l t e . D a s Le x i k o n sollt e de m
Bild u n g s b ü r g e r de n „Ein g a n g in ge bil d e t e Zir k e l” (Löb el)
er m ö g l i c h e n . 1 8 0 9 un d 1 8 1 1 erg ä n z t e er es dur c h z w e i
B ä n d e . 1 8 1 0 ke h r t e Br o c k h a u s na c h D e u t s c h l a n d zur ü c k
un d lie ß sic h in Alt e n b u r g nie d e r. 1 8 1 2 be g a n n er da n n
sel b s t mit der H e r a u s g a b e
ein e r z w e it e n A ufl a g e un d
legt e de n Gr u n d s t o c k für de n
he u t e
in der 21. A ufl a g e
ers c h e i n e n d e n
Brockhaus..
Sc h l i e ß l i c h w u r d e da s K o n v e r s a t i o n s l e x i k o n unt e r der
B e z e i c h n u n g „De r Gr o ß e Br o c k h a u s “ be k a n n t . 1 8 1 7
verl a g e r t e Br o c k h a u s sei n e n V e rl a g na c h Lei p z i g . Die
ze h n b ä n d i g e fünft e A ufl a g e de s Gr o ß e n Br o c k h a u s (18 1 9/20) ent h i e l t ers t m a l s
Arti k e l, die vo n im Im p r e s s u m nic h t ge n a n n t e n Fa c h g e l e h r t e n ge s c h r i e b e n w o r d e n
w a r e n . Br o c k h a u s st ar b a m 20. A u g u s t 1 8 2 3 in Lei p z i g .
In der V o r r e d e der Redaktion und Verlagshandlung zu m 1 5. B a n d der 1 1 . A ufl a g e
de s Brockhaus vo n 1 8 6 8 wir d die Ziel s e t z u n g de s W e r k e s be s c h r i e b e n :
„Das Conversations-Lexikon [hat] die Flüssigmachung und Popularisierung
der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht für
die geschäftliche Praxis, sondern für die Befriedigung und Förderung der
allgemeinen Bildung zur Aufgabe. [...] Denn jene allgemeine Bildung ist nichts
Geringeres als die humane Bildung, welche das Individuum innerhalb des
Culturlebens seiner Zeit erlangt, die für ihren Ausgangspunkt die
Berufsbildung voraussetzt und, wie den intellectuellen so den moralischen
Menschen umfassend, als der Quellpunkt socialer und nationaler Kraft und
Entwicklung betrachtet werden muß.[...] Den Kreis der Ideen und Thatsachen,
wie er sich für den einzelnen unabsehbar in Geist, Geschichte und Natur
auseinanderlegt, in begrenztem Rahmen, gleichsam als Mikrokosmos, zur
Anschauung zu bringen, nicht zur Lösung eines wissenschaftlichen Problems
oder zur Uebung einer Kunstfertigkeit, sondern um den Menschen als solchen
mit der Welt, die über seinen alltäglichen Horizont hinausliegt, bekannt zu
machen, indem ihm die Einsicht in den Begriff und den organischen
Zusammenhang der Dinge, sowie die Uebersicht über das Ganze, wenn nicht
erschlossen, so doch erleichtert wird.“
Die 20. A ufl a g e de s Brockhaus u m f a s s t ru n d 260.0 0 0
Stic h w ö r t e r auf 1 7.0 0 0 S eit e n , die dur c h circ a 35.00 0
A b b il d u n g e n , K ar t e n un d Ta b e l l e n erg ä n z t w e r d e n . A uf der
Fr a n k f u r t e r B u c h m e s s e im O k t o b e r 200 5 ers c h i e n e n die
ers t e n se c h s B ä n d e der 21. A ufl a g e . Di e s e A ufl a g e u m f a s s t
zu n ä c h s t 30 B ä n d e mit ru n d 300.00 0 Stic h w ö r t e r n . Bis E n d e
200 6 lag e n alle 30 B ä n d e vor.
N e b e n de m "gro ß e n " Br o c k h a u s gibt es in H a r d c o v e r au c h
ver s c h i e d e n u m f a n g r e i c h e , ver s c h i e d e n alt e "klei n e r e "
A u s g a b e n , die m ei s t e n s auf de m D at e n- un d
W i s s e n s b e s t a n d der H a u p t a u s g a b e ba s i e r e n .
D e r Brockhaus w a r als U ni v e r s a l e n z y k l o p ä d i e V or b i l d für
viel e w eit e r e W e r k e , z. B. da s nie d e r l ä n d i s c h e Gr o ß l e x i k o n Winkler Prins
Geïllustreerde Encyclopaedie, da s 43-bä n d i g e Entsiklopedicheskii Slovar, da s
vier b ä n d i g e sc h w e d i s c h e Svenskt Konversations-Lexicon un d die 1 3- bä n d i g e
a m e r i k a n i s c h e E n c y c l o p e d i a A m e r i c a n a . Di e ber e i t s ab 1 7 6 8 vo n A d a m un d C h a r l e s
Bl a c k in E di n b u r g h , S c h o t t l a n d , verl e g t e E n c y c l o p æ d i a Brit a n n i c a w a r da g e g e n ein
Pr o d u k t der sc h o t t i s c h e n A uf k l ä r u n g .
C wie Comics
Comics erscheinen in gedruckter Form als Hefte oder Bände, in Magazinen,
Zeitungen (oft in separaten Rubriken) und auch in Büchern. Der Begriff Comics
leitet sich zwar von den ursprünglich komischen Inhalten ab, heute umfasst das
Genre aber auch Abenteuer-, Kriminal-, historische und Sciencefictionstoffe.
Anfänge der Comics
Die Geschichte des Mediums steht mit der Entwicklung der Drucktechnik, der
Cartoonkunst und der Karikatur in Verbindung. In England verwendete bereits
Francis
Barlow
um
1682
auf
seinen
Propagandablättern „The Horrid Hellish Popish
Plot“ häufig Spruchbänder – als Vorläufer der
heutigen Sprechblasen. 1732 wurden soziale
Ungerechtigkeiten und Laster satirisch in „A Harlot’s Progress“ von William
Hogarth kommentiert, das aus mehreren zusammengehörenden, kunstvollen
Radierungen bestand, die nacheinander wie eine Geschichte gelesen und studiert
werden konnten.
1827 begann Rodolphe Töpffer, ein Lehrer aus Genf, inspiriert durch Hogarths
Drucke, seine eigenen Romane in Bildern zu schreiben und zu zeichnen.
Der bedeutendste Erbe Töpffers war Wilhelm Busch („Max und Moritz“). Wie
viele andere europäische Künstler arbeitete er für die neuen humoristischen
Zeitschriften der damaligen Zeit. Die Texte, die oft in Versform abgefasst
waren, waren maschinengeschrieben und standen unter den Zeichnungen. Sein
kühner, bewegter Stil und seine visuellen Metaphern wurden oft imitiert.
Die ersten Comics wurden in amerikanischen Zeitungen
und Zeitschriften als so genannte Comicstrips oder
Gratisbeilagen täglich oder öffentlich. Als erster
Comicstrip gilt „The Yellow Kid“ von
Richard Felton Outcault, der 1893
startete.
Das
Amerika
der
Jahrhundertwende bot das geeignete
Umfeld für die Entwicklung der Comics zu
einem kommerziellen und künstlerischen
Phänomen. Die ständig wachsende Bevölkerung suchte
preiswerte Unterhaltung und neue identitätsstiftende Legenden
oder benutzte Comics als Englischkurs für Erwachsene und Kinder. Die
bekanntesten Comics dieser Zeit sind „Little Nemo“ (1905) von W. McCay und
Lionel Feiningers „Kinder-Kids“ (1906). In der Folgezeit tauchten auch die ersten
„Popeye“-, „Tarzan“- und „Mickey Mouse“ (1930) Geschichten auf und neben den
Strips in den Zeitungen etablierten sich nach und nach auch Comichefte und
Bücher.
In Europa beginnt vor allem in Frankreich und Belgien
eine rege Comic-Produktion, vor allem in den
Kinderbeilagen der Zeitungen und in speziellen
Jugendmagazinen, etwa von Pfadfinderverbänden oder
den Jugendorganisationen der Kirchen. Georges Remi
veröffentlicht unter dem Pseudonym Hergé die
„Abenteuer von Tim und Struppi“ und wird zum Vater der
Stilrichtung der „klaren Linie“ (Ligne claire). In
Deutschland begeistern die Bildergeschichten von "Hanni,
Fritz und Putzi" (Fritz Lattke, Thüringer Allgemeine Zeitung 1933, ab 1934 in
Buchform) und von „Vater und Sohn“ (von Erich Ohser, E.O. Plauen) die
Zeitungsleser. Die erste deutschsprachige „Micky Mouse“ Zeitung wird im
Januar 1937 vom Bollmann-Verlag, Zürich herausgegeben. Bis 1945 erscheinen in
unregelmässigen Abständen 18 Hefte. Im besetzten Europa sind mit
Kriegseintritt der USA keine US-amerikanischen Comics mehr zu kaufen.
Als „Superman“ 1938 als einziger Überlebender der Explosion seines
Heimatplaneten Krypton auf der Erde landete, hatte es
zuvor nur kaum kostümierte Helden gegeben. Superman
führte die Heft-Reihe Action Comics zum Erfolg und half
dabei, dass sich das „Comic Book“ neben den Tageszeitung
als Medium für Comics durchsetzen konnte und diese bald
kaum noch Zeitungsstrips abdruckten. Gleichzeitig führte
der Erfolg der Reihe dazu, dass der Verlag „Detectiv
Comics“ (DC), der die Rechte der Serie für 130 Dollar von
den Erfindern gekauft hatte, weitere Zeichner und
Autoren engagierte und damit die Autorenschaft der Geschichten zunehmend an
Bedeutung verlor. Insbesondere Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg
führte zu einem Bedarf an moralisch einwandfreien Helden, die sich für die
gerechte Sache aufzuopfern bereit waren. Neben einer Reihe von patriotisch
gesinnten Superhelden wurden besonders Flieger-Serien populär. Daneben
entstanden während des 2. Weltkrieges auch die ersten humorvollen
Geschichten über die Ente „Donald Duck“, die stets bei der Bewältigung des
Alltagslebens ins Chaos stürzt.
Seit 1945
Nach dem Ende des Krieges kamen die „Superhelden” allmählich aus der Mode
und andere Comicthemen traten an ihre Stelle: lustige Tiergeschichten, die auf
Zeichentrickfilmen basierten, und umgearbeitete Fassungen von Filmen und
literarischen
Klassikern,
Western,
Dschungelabenteuern,
Kriminalund
Liebesgeschichten, des Weiteren Kriegsund Horrorerzählungen sowie die zwischen
satirischer
Qualität
und
bodenloser
Albernheit changierenden Strips der später
auch in Deutschland erhältlichen Zeitschrift
„Mad“.
In
den
fünfziger
Jahren
wurden
SerienAbenteuerstreifen gekürzt oder ganz gestrichen,
komische
Streifen
zu
gezeichneten Witzen für
einen Tag umgewandelt, was
zu
einem neuen Comic- Boom
führte. Charles Schultz’ „Peanuts“ entstanden in dieser Zeit. Obwohl Anzahl und
Qualität zurückgingen, können auch heutige Serien wie Bill Wattersons „Calvin
and Hobbes“ immer noch breite Leserschaften begeistern.
Nach jener Phase der Zensur in den fünfziger Jahren (vor allem in den USA), in
der viele Verleger ihre Arbeit einstellen mussten, kam es in den sechziger
Jahren zu einer Renaissance der Superheldencomics. In den Marvel-Comics
erfanden der Texter Stan Lee und die
Zeichner Jack Kirby und Steve Ditko
ein
ganzes miteinander verbundenes
Universum von tragischen Helden
wie „The Fantastic Four“ und
„Spider-Man“, denen ihre Kräfte
nur Schwierigkeiten bereiteten. In
Europa
erfreuten
sich
neben
übersetzten amerikanischen Heften
auch eigene Produktionen immer größerer Beliebtheit. In Deutschland gelang es
Rolf Kauka, „Fix und Foxi“ zum ernst zu nehmenden Konkurrenten für Disneys
Branchenführer „Mickey Mouse“ werden zu lassen. Französische und belgische
Hefte wie „Asterix“ von Goscinny und Uderzo, „Lucky Luke“ von Morris oder
Spirou und Fantasio von André Franquin erfreuen sich mit ihrem zum Teil
anspruchsvollen Witz seit den sechziger Jahren auch in Deutschland großer
Beliebtheit bei Kindern und Erwachsenen.
In der BRD entstanden in den 1950er- und 1960er-Jahren die Anlehnung an USamerikanische Vorbilder Heldencomics für Kinder und Jugendliche wie „Sigurd,
der ritterliche Held“, „Falk, Ritter ohne Fehl und Tadel“, „Nick, der
Weltraumfahrer“ und „Tibor, Sohn des Dschungels“ (alle von Hansrudi Wäscher),
die trotz einer zeichnerisch eher zweifelhaften Qualität und des zunehmenden
Widerstands von Pädagogen massenhaft gelesen wurden.
Seit den späten 1980ern blüht jedoch auch in Deutschland eine Kultur des
anarchischen Comics, wie sie u. a. Brösel („Werner“), Gerhard Seyfried („Flucht
aus Berlin“), Walter Moers („Kleines Arschloch“), Ralf
König
(„Der
bewegte
Mann“)
zelebrieren. Ein- bis zweimal jährlich
finden in Großstädten wie München
Comictage statt. Die wichtigste und
größte Veranstaltung in Deutschland
ist der zweijährlich stattfindende Comic-Salon in Erlangen.
Gleichzeitig werden Mangas aus Japan ein großer Erfolg. Während es sie in
anderen europäischen Ländern (vor allem in Frankreich und in Italien) bereits
seit den 80er-Jahren gibt, wird der deutschsprachige Markt erst Ende der
1990er Jahre durch Serien wie „Sailor Moon“ und „Dragonball“ endgültig für
japanische Comics erschlossen.
D wie
Am Anfang war das Wort – doch wie wird es geschrieben?
Im au s g e h e n d e n 1 9. Ja h r h u n d e r t w a r da s hie r z u l a n d e kei n e leic h t zu be a n t w o r t e n d e Fr a g e . Bis in
die s e Zeit w a r die de u t s c h e R e c h t s c h r e i b u n g oh n e ve r b i n d l i c h e R e g e l u n g ge w a c h s e n .
Je d e r Ve rl a g hatt e sei n e H a u s o r t h o g r a f i e . Nic h t ein m a l an de n Sc h u l e n w u r d e da s
Sc h r e i b e n
na c h ein h e i tli c h e n
Reg el n
gel e h r t. Di e s e m
Zu s t a n d
w ollt e Ko n r a d
D u d e n- Dir e k t o r de s Kö n i g li c h e n Gy m n a s i u m s zu H e r s f e l d- mit sei n e m 1 8 8 0 im
Lei p z i g e r (heut e M a n n h e i m e r) Ve rl a g Bib li o g r a p h i s c h e s In stit u t ve r ö f f e n t li c h t e n
„Voll s t ä n d i g e n Ort h o g r a p h i s c h e n W ö r t e r b u c h de r de u t s c h e n Sp r a c h e ” ab h e l f e n .
Als Gr u n d l a g e w ä h l t e er die pr e u ß i s c h e un d die ba y e r i s c h e Sc h u l r e c h t s c h r e i b u n g .
Di e
pr e u ß i s c h e
Sc h u l o r t h o g r a f i e
hatt e
Bis m a r c k
zw a r
bei
„ge st e i g e r t e r
Or d n u n g s s t r a f e ” ver b o t e n . D o c h Ko n r a d D u d e n set z t e sic h du r c h un d le gt e mit sei n e m „Ur d u d e n ” de n
Gr u n d s t e i n für ein e ein h e i t li c h e de u t s c h e R e c h t s c h r e i b u n g . Mit de m „Ur d u d e n ” vo n 1 8 8 0 – 27 000
W ö r t e r auf 1 8 7 Seit e n für ein e M a r k – be g a n n die erf ol g r e i c h e M a r k e n g e s c h i c h t e vo n D u d e n .
D e r so g e n a n n t e „Ur d u d e n ” vo n 1 8 8 0 fa n d ra s c h ein e un g e h e u r e Ve r b r e i t u n g , nic h t nur, w eil da s Bu c h
für nu r ein e M a r k zu ka u f e n w a r, so n d e r n vor alle m , w eil es sic h an de r Pr a x i s der Sc h r e i b e n d e n
orie n t i e r t e . Als üb e r s i c h t l i c h e s W ö r t e r v e r z e i c h n i s bot es all de n e n Hilf e, die – wi e Ko n r a d D u d e n im
Vo r w o r t sc h r e i b t – „oh n e de n lan g s a m e r n un d sc h w i e r i g e r n W e g der An w e n d u n g allg e m e i n e r R e g e l n
auf ein z e l n e Fäll e zu be tr e t e n , mitt e n in der Ar b e i t de s Sc h r e i b e n s , Ko r r i g i e r e n s od e r Se t z e n s sc h n e l l
un d zu v e r l ä s s i g üb e r ein be s ti m m t e s
W o r t, de s s e n Sc h r e i b u n g
ihn e n im Au g e n b l i c k un si c h e r ist,
Au f s c h l u ß ha b e n w o ll e n …”.
D a r a n ha t sic h au c h 1 2 6 Ja h r e sp ä t e r nic h t s ge ä n d e r t , w e n n g l e i c h der D u d e n vo n he u t e de n et w a
fü nff a c h e n Be s t a n d an Stic h w ö r t e r n au f w e i s t.
1 9 0 1 die n t e die 6. Au fl a g e de s W ö r t e r b u c h s vo n Ko n r a d D u d e n , da s da m a l s ber e i t s ein Be s t s e l l e r
w a r, als Ar b e i t s g r u n d l a g e
markiert
de n
Be g i n n
ein e r
de r na c h
Be r li n
ein h e i t li c h e n
ein b e r u f e n e n
a m tli c h e n
II. Ort h o g r a p h i s c h e n
Rec ht s c h r ei b r e g e l u n g
Ko n f e r e n z .
für ga n z
Di e s e
Deuts c hl a n d.
Hist o r i s c h e s Ku ri o s u m a m R a n d e : Kai s e r Wil h e l m II. be st a n d dar a u f , da s s bei der Eli m i n i e r u n g de s
Bu c h s t a b e n s h au s W ö r t e r n wie N o t h un d Th o r allei n de r Th r o n un a n g e t a s t e t blie b – un d da s gilt –
trot z R e c h t s c h r e i b r e f o r m vo n 1 9 9 6 – be k a n n t l i c h bis he u t e .
U m die Er g e b n i s s e die s e r Ko n f e r e n z zü g i g in da s „Voll s t ä n d i g e W ö r t e r b u c h ”
ein a r b e i t e n
zu kö n n e n , stellt e da s Bib li o g r a p h i s c h e
In stit u t K o n r a d
Dude n
eini g e Mit a r b e i t e r zu r Se it e. D a s w a r die G e b u r t s s t u n d e der D u d e n r e d a k t i o n ,
die
19 1 1,
na c h
de m
W ö r t e r b u c h s üb e r n a h m .
To d
Ko n r a d
Dud e n s,
die
Fo r t e n t w i c k l u n g
sei n e s
D a s R e c h t s c h r e i b w ö r t e r b u c h de s Pr a k ti k e r s Ko n r a d D u d e n ve r b r e i t e t sic h sc h n e l l an de n Sc h u l e n .
D o c h nic h t nur da s: Au c h die Se t z e r , Dr u c k e r un d Ko r r e k t o r e n
ric h t e n sic h sc h o n bal d in alle n
ort h o g r a f i s c h e n Fr a g e n na c h de m D u d e n . Sc h li e ß l i c h sc h a f f t der „Ur d u d e n ” da s, w a s alle sta a t li c h e n
Ko n f e r e n z e n
bis da h i n
ver g e b l i c h
ve r s u c h t
ha b e n :
Er füh r t die Ein h e i t s s c h r e i b u n g
zu n ä c h s t
in
D e u t s c h l a n d un d in de r Fol g e im ge s a m t e n de u t s c h e n Sp r a c h r a u m her b e i.
H e u t e ist de r D u d e n da s G e b r a u c h s w ö r t e r b u c h sc h l e c h t h i n . Au s der orth o g r a f i s c h e n W ö r t e r li s t e vo n
1 8 8 0 w u r d e ein N a c h s c h l a g e w e r k , da s alle spr a c h l i c h e n Fr a g e n sc h n e l l un d ko m p e t e n t be a n t w o r t e t .
Di e 24. Au fl a g e
Bei s p i e l e n ,
de s R e c h t s c h r e i b k l a s s i k e r s
Be d e u t u n g s e r k l ä r u n g e n
un d
ve r z e i c h n e t
An g a b e n
zu
1 3 0 000 Stic h w ö r t e r
Worttre n n u n g,
mit üb e r 500 000
Au s s p r a c h e ,
Gr a m m a t i k ,
Stile b e n e n un d Ety m o l o g i e . D a m i t ist de r akt u e l l e D u d e n de r u m f a n g r e i c h s t e seit 1 2 6 Ja h r e n .
F wie Flugblatt/Flugschrift
Das Medium "Flugblatt" ist seit 1488 nachweisbar. Während man allerdings heute beim Begriff
"Flugblatt" immer an politische Flugblätter denkt, meint man, wenn man von Flugblättern im
ausgehenden 15. Jahrhundert spricht, etwas völlig anderes, nämlich kommerzielle Einblattdrucke.
Diese kommerziellen Flugblätter waren die "Bild-Zeitung" des Spätmittelalters: eine Handelsware,
hergestellt zum Geldverdienen, angeboten von Marktschreiern und fahrenden Händlern auf
Jahrmärkten und vor Kirchentüren, aber auch im traditionellen Buchhandel, im Großhandel und auf
Messen wurden sie vertrieben. Kostenlos waren sie jedoch nicht - ein krasser Gegensatz zum heute
bekannten Protest-Flugblatt. Die Autoren blieben zumeist anonym. Das Flugblatt war das erste
Massenkommunikationsmittel. Große Illustrationen nahmen häufig ein Drittel der Blattgröße ein,
produziert mit Hilfe der Holzschnitt-Technik. Wer Flugblätter besaß, hängte sie stolz zuhause an
Wänden, Kisten und Schränken auf. Die Illustrationen waren zur Übermittlung der Botschaft des
Flugblattes in dieser Zeit sehr wichtig, da nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung alphabetisiert war.
Außerdem sollten sie zum Kauf anreizen. Sehr beliebt waren Abbildungen von fremden, wilden Tieren;
unbekannten Gegenständen, Ländern oder Kreaturen und Monstrositäten. Drei Themenbereiche
dominierten bei den Flugblättern: Sensationen und Wunder; katechistische Unterweisungen und
Läuterungen, Seelentrost und Erbauung und schließlich politische und militärische Nachrichten und
Informationen. Außerdem diente es oft zum Aufruf, zu einer Stellungnahme oder zu Warnungen. Sie
wurden produziert um Geld zu verdienen. Mit politischer Agitation hatten sie selten etwas zu tun. Dies
änderte sich erst ab der Reformationszeit, circa 1517.
Flugschriften grenzen sich formal von den Flugblättern dadurch ab, dass sie mehr als eine Seite
haben - sie sind also, technisch gesehen, Vorläufer der Tageszeitung, des modernen Romanhefts
oder der Gebrauchsanweisung. Flugschriften dienten der Publikation von Nachrichten und richteten
sich damit an Menschen, die eher an "wirklichen" Informationen interessiert waren als an der
Sensationspresse. Wenn man sagt, das Flugblatt sei vor der Reformation so etwas wie die "BildZeitung" mit nur einem Artikel gewesen, dann war die Flugschrift in etwa die "Frankfurter Rundschau"
des späten Mittelalters. Sie gehen den Tageszeitungen voraus. Sie dienten zur aktuellen Information,
schon damals oft in reißerischer Aufmachung, wurden zur politischen Propaganda, zur religiösen
Ermahnung oder Polemik benutzt (etwa in der Zeit der Reformation). Sie veröffentlichten damals
schon kontroverse Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen und versuchten, das Meinungsbild zu
beeinflussen.
Ab der Reformationszeit wurde das Flugblatt politischer. Es diente als Mittel der
Auseinandersetzung im Glaubenskrieg, im Dreißigjähriger Krieg wie auch im Bauernkrieg. Das
traditionelle, primär sensationsheischende Flugblatt gab es parallel weiter, es verlor aber stetig an
Bedeutung. Auch die politischen Flugblätter der Reformationszeit waren nicht kostenlos, denn dafür
waren Papier und Druck allein schon zu teuer. Die Bevölkerung wollte vermehrt und genauer über die
politische Situation im Land informiert sein und werden. Nachgewiesen wurden für das 17./18.
Jahrhundert mehr als 7.000 deutschsprachige politische Flugschriften und Flugblätter. Die politischen
Hauptthemen waren nun die Auswirkungen der Französischen Revolution, die Weberaufstände und
die Befreiungskriege. Im Juli 1834 wurde der Hessische Landbote, den Georg Büchner verfasst hatte,
in Druck gelegt. Es handelt sich um eine Flugschrift, die unter der Parole „Friede den Hütten! Krieg
den Palästen!“ die hessische Landbevölkerung zur Revolution gegen die Unterdrückung aufrief. Die
Schrift zeichnet sich durch die Verwendung von Statistiken aus, die der Landbevölkerung vor Augen
führte, dass sie mit ihrer Steuerlast den überzogenen Hof finanzierten.
Besondere Bedeutung als Mittel des politischen Widerstandes erlangten die Flugblätter im
Deutschland der vierziger Jahre durch die Geschwister Scholl und die Mitglieder der
Widerstandsgruppe Weiße Rose und anderen Widerstandsgruppen. Vom Sommer 1942 bis zu ihrer
Verhaftung durch das deutsche Nazi-Regime im Frühjahr 1943 erstellte und verbreitete die Weiße
Rose 6 Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror aufriefen.
In der Kriegspropaganda des gesamten 20. Jahrhunderts bildeten Flugblätter in Gestalt von
Flugblattbomben einen wichtigen Teil der psychologischen Kriegsführung.
Heute wird das Flugblatt zumeist nicht an eine bestimmte Gruppe, Zielgruppe, verteilt, sondern an
„alle“. Meistens wird es zu Werbezwecken verteilt („Flyer“). Aber es wird auch von politischen
Gruppen, Behörden oder Vereinen verbreitet. Es übermittelt Mitteilungen und Informationen.
Zwei berühmte Beispiele für Flugblätter:
Der Hessische Landbote 1834
(...)
Hütten! Krieg den Palästen!
Im Jahr 1834 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern
und Handwerker am 5ten Tage, und die Fürsten und Vornehmen am 6ten gemacht, und als hätte der
Herr zu diesen gesagt: Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht, und hätte die Bauern und
Bürger zum Gewürm gezählt. Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in
schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne
Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug,
der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt
das Korn und läßt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren
seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische
des Vornehmen.
Im Großherzogtum Hessen sind 718,373 Einwohner, die geben an den Staat jährlich an 6,363,364
Gulden, als
1) Direkte Steuern 2,128,131 fl.
2) Indirekte Steuern 2,478,264 "
3) Domänen 1,547,394 "
4) Regalien 46,938 "
5) Geldstrafen 98,511 "
6) Verschiedene Quellen 64,198 "
_____________
6,363,363 fl.
Dies Geld ist der Blutzehnte, der von dem Leib des Volkes genommen wird. An 700,000 Menschen
schwitzen, stöhnen und hungern dafür. Im Namen des Staates wird es erpreßt, die Presser berufen
sich auf die Regierung und die Regierung sagt, das sei nötig die Ordnung im Staat zu erhalten. Was
ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es
sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muß, so sagt man, sie
bilden einen Staat. Der Staat also sind Alle ; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das
Wohl Aller gesichert wird, und die aus dem <Willen> Aller hervorgehen sollen. - Seht nun, was man in
dem Großherzogtum aus dem Staat gemacht hat; seht was es heißt: die Ordnung im Staate erhalten!
700,000 Menschen bezahlen dafür 6 Millionen, d.h. sie werden zu Ackergäulen und Pflugstieren
gemacht, damit sie in Ordnung leben. In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.
Wer sind denn die, welche diese Ordnung gemacht haben, und die wachen, diese Ordnung zu
erhalten? Das ist die Großherzogliche Regierung. (…) Die Regierung wird gebildet von dem
Großherzog und seinen obersten Beamten. Die andern Beamten sind Männer, die von der Regierung
berufen werden, um jene Ordnung in Kraft zu erhalten. Ihre Anzahl ist Legion: Staatsräte und
Regierungsräte, Landräte und Kreisräte, Geistliche Räte und Schulräte, Finanzräte und Forsträte
u.s.w. mit allem ihrem Heer von Sekretären u.s.w. Das Volk ist ihre Herde, sie sind seine Hirten,
Melker und Schinder; sie haben die Häute der Bauern an, der Raub der Armen ist in ihrem Hause; die
Tränen der Witwen und Waisen sind das Schmalz auf ihren Gesichtern; sie herrschen frei und
ermahnen das Volk zur Knechtschaft. Ihnen gebt ihr 6,000,000 fl. Abgaben; sie haben dafür die Mühe,
euch zu regieren; d.h. sich von euch füttern zu lassen und euch eure Menschen- und Bürgerrechte zu
rauben. Sehet, was die Ernte eures Schweißes ist.(…)
Sechstes Flugblatt der Weißen Rose. Nach einem Entwurf von Kurt Huber mit Korrekturen von Hans
Scholl und Alexander Schmorell, Februar 1943.
Kommilitoninnen! Kommilitonen!
Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad.
Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinnund verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!
Es gärt im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen
anvertrauen? Wollen wir den niedrigsten Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest unserer
deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der
deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volke erduldet hat. Im
Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das
kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen.
In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ,
SA und SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu
revolutionieren, zu narkotisieren versucht. "Weltanschauliche Schulung" hieß die verächtliche
Methode, das aufkeimende Selbstdenken und Selbstwerten in einem Nebel leerer Phrasen zu
ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und zugleich bornierter nicht gedacht werden kann,
zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensburgen zu gottlosen, schamlosen und gewissenlosen
Ausbeutern und Mordbuben heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. Wir Arbeiter des Geistes,
wären gerade recht, dieser neuen Herrenschicht den Knüppel zu machen. Frontkämpfer werden von
Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schulbuben gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen
Späßen den Studentinnen an die Ehre. (...)
Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen
man uns politisch weiter mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS-Unter- und -Oberführer
und Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drehmittel
kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes
einzelnen von uns um unsere.Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen
Verantwortung bewußten Staatswesen.
Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen
deutschen Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten
vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt,
das haben sie in zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen
Substanz im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten Deutschen hat das furchtbare
Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz
Europa angerichtet haben und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet,
wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger
zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet. Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das
deutsche Volk! Von uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, so 1943 die
Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes. Beresina und Stalingrad
flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad beschwören uns!
"Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!"
Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im
neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.
G wie Gebrüder Grimm
Jacob Grimm w u r d e a m 4. Ja n u a r 1 7 8 5 in H a n a u ge b o r e n ,
Wilhelm Grimm ka m a m 24. F e b r u a r 1 7 8 6 in H a n a u zur W e l t.
Be i d e Br ü d e r ab s o l v i e r t e n
ein
St u d i u m
de r
Rec hts w i s s e n s c h a f t e n
an
der
Univ e r sität
Marb ur g.
Ja c o b Gri m m w a r in ers t e r
Lini e
liter a t u r w i s s e n s c h a f t l i c h
inte r e s s i e r t un d wi d m e t e sic h
der ge r m a n i s c h e n Sp r a c hun d
Alt e r t u m s k u n d e ,
Wil h e l m
Gri m m
bef a s s t e
sic h ha u p t s ä c h l i c h mit T e x t- un d Lite r a t u r k r i t i k. Si e be k l e i d e t e n
zu n ä c h s t Ä m t e r im dipl o m a t i s c h e n un d Bi bli o t h e k s d i e n s t in
Ka s s e l , be v o r sie u m da s Ja h r 1 8 3 0 na c h G ö tti n g e n ka m e n , w o
Wil h e l m Gri m m wi e d e r u m als Bi bli o t h e k a r täti g w a r, w ä h r e n d
sei n
Br u d e r
Ja c o b
als
Pr o f e s s o r
de u t s c h e
Alt e r t u m s w i s s e n s c h a f t leh rt e . Als Mit g li e d e r der G ö t ti n g e r
Sie b e n , ein e r Gr u p p e lib e r a l e r G ö t ti n g e r Pr o f e s s o r e n , die
ge g e n die Au f h e b u n g de r Ve r f a s s u n g vo n
1 8 3 3 pr o t e s t i e r t e n , w u r d e n bei d e 1 8 3 7
ihre r Ä m t e r ent h o b e n un d ke h r t e n na c h
K a s s e l zur ü c k . 1 8 4 1 fol g t e n sie ein e r
Ei nl a d u n g
de s
pr e u ß i s c h e n
Kö n i g s
Fri e d r i c h W il h e l m IV. un d lie ß e n sic h in
B e rli n nie d e r , w o sie Le h r a u f t r ä g e an der
U n i v e r s i t ä t w a h r n a h m e n un d bis zu m To d e
W il h e l m s
in
ein e r
H a u sun d
Ar b e i t s g e m e i n s c h a f t leb t e n . Wil h e l m Gri m m sta r b a m 1 6.
D e z e m b e r 1 8 5 9 in B e rli n, Ja c o b Gri m m sta r b in B e rli n a m 20.
Se p t e m b e r 1 8 6 3.
Jacob Grimms be d e u t e n d s t e s wi s s e n s c h a f t l i c h e s W e r k ist die
Deutsche Grammatik (18 1 9- 1 8 3 7), die die Gr u n d l a g e der
de u t s c h e n Phil o l o g i e bild e t un d Ja c o b Gri m m s R u h m als
be d e u t e n d s t e n Sp r a c h w i s s e n s c h a f t l e r sei n e r Z eit be g r ü n d e t e .
In ihr e r z w e i t e n Au fl a g e (1822) ent h ä l t die auf ver g l e i c h e n d e r
Be t r a c h t u n g
be r u h e n d e
Deuts c h e
Gr a m m a t i k
sei n e
Er k e n n t n i s s e zur La u t v e r s c h i e b u n g , an h a n d de r e r sic h die
En t w i c k l u n g ge r m a n i s c h e r Sp r a c h e n na c h v o l l z i e h e n läs s t. Z u
sei n e n w e it e r e n W e r k e n zä h l e n Ü b e r de n altd e u t s c h e n
Meister g e s a n g
(181 1), D e u t s c h e M y t h o l o g i e (1835) un d
G e s c h i c h t e de r de u t s c h e n Sp r a c h e (1848). Wilhelm Grimm
bef a s s t e sic h in eini g e n sei n e r W e r k e kriti s c h mit de r de u t s c h e n
Lite r a t u r de s Mitt e l a l t e r s un d mit vol k s k u n d l i c h e n Th e m e n ;
hie r z u zä h l e n sei n e Sc h r i f t e n Alt d ä n i s c h e
Held e n lie d e r,
Ba ll a d e n un d M ä r c h e n (181 1), Di e de u t s c h e H e l d e n s a g e
(1829), R u o l a n d e s liet (1838, R o l a n d s l i e d) un d Alt d e u t s c h e
G e s p r ä c h e (185 1).
Be r e i t s in frü h e n Ja h r e n be g a n n e n die G e b r ü d e r Gri m m
ge m e i n s a m Sagen und Märchen zu sa m m e l n , die sie in z w e i
Bä n d e n
als
Kinder- und Hausmärchen (181 2- 1 8 1 5)
ver ö f f e n t l i c h t e n . In der sie b t e n Au fl a g e ers c h i e n die s e
M ä r c h e n s a m m l u n g in er w e i t e r t e r F o r m als 21 1 M ä r c h e n
umfass e n d e
Au s g a b e
letz t e r (1857). D a s letzt e gr o ß e
Sa m m e l w e r k der Br ü d e r ers c h i e n mit de n D e u t s c h e n Sa g e n
(18 1 6- 1 8 1 8).
Ja c o b
un d
Wil h e l m
Gri m m arb e i t e t e n
hä u fi g zu s a m m e n , so
au c h
an ihr e m
umfass e n d e n
Werk
Deutsches
Wörterbuch, da s sie
1838
be g a n n e n
un d de s s e n ers t e dr ei
Bä n d e
z wi s c h e n
1854
un d
1862
ers c h i e n e n .
Di e
ers t e
voll s t ä n d i g e
Aus g a b e,
zu n ä c h s t
unt e r
der
Obhut
der
Deuts c h e n
Ko m m i s s i o n
de r
Be rli n e r
Ak a d e m i e
der
Wi s s e n s c h a f t e n un d sp ä t e r vo n ein e r Ze n t r a l r e d a k t i o n in B e rli n
betr e u t , ers c h i e n mit 32 B ä n d e n im Ja h r 1 9 6 1 . Ei n e
üb e r a r b e i t e t e Au s g a b e mit 33 B ä n d e n ers c h i e n sc h li e ß l i c h
1 9 8 4.
I wie In 80 Tagen um die Welt
In 80 Tagen um die Welt (Originaltitel Le tour du monde en quatre-vingts
jours) ist ein Roman von Jules Verne, der 1873 veröffentlicht und 1875 in
deutscher Übersetzung herausgegeben wurde.
Der reiche englische Gentleman Phileas Fogg, geradezu
Exzentriker in Sachen Pünktlichkeit und täglichen
Gewohnheiten und zudem ein leidenschaftlicher Whist Spieler, wettet mit anderen Mitgliedern des Reformclubs,
dass es ihm gelänge, in 80 Tagen um die Welt zu reisen.
Noch am selben Abend bricht er mit seinem Diener
Passepartout auf. Über Frankreich gelangen sie mit einer
Montgolfiere nach Spanien, von dort nach Marseille und
mit einem regulären Dampfer nach Ägypten.
Etwa zur gleichen Zeit wurde ein Einbruch in die
Bank of England verübt und der etwas übereifrige
Geheimagent Mister Fix glaubt in Suez anhand der
telegrafisch übermittelten Personenbeschreibung
und der äußeren Umstände des auf schnelles
Fortkommen dringenden Fogg,
diesen als Räuber zu erkennen.
Zum Schein freundet er sich mit Herr und Diener an. Von
Bombay soll es mit dem Zug nach Kalkutta gehen, doch muss
die Reise aufgrund unfertiger Schienenstränge mit einem
Elefanten fortgesetzt werden. Der englische General Sir
Francis Cromartry begleitet sie. Im Dschungel retten sie
gemeinsam eine jungen Witwe namens Aouda, die leben d
mit ihrem toten Gatten von einer religiösen Sekte verbrannt
werden sollte. Von Kalkutta geht die Reise nach Hongkong,
da jedoch der Verwandte zu dem man Aouda bringen wollte, unauffindbar ist,
ist Fogg Gentleman genug, sie nach Europa einzuladen. Fix, der von den
Routeplänen wusste, ist inzwischen auch nach
Hongkong gereist. Er wartet auf einen
telegrafischen Haftbefehl, um Fogg auf
britischem Boden dingfest machen zu können.
Aus diesem Grund betäubt er Passepartout, der seinem Herrn nun nicht mehr die
vorgezogene Abfahrt des Dampfers nach Yokohama mitteilen kann. Der Diener
selbst wird allerdings von der Hafenbehörde in der Annahme, er sei lediglich
betrunken, dank der bei ihm gefundenen Tickets nach Japan eingeschifft.
Fogg mietet ein Schiff nach Shanghai und nimmt Fix mit. Mit Glück erreichen
sie einen Frachter nach Yokohama. Dort hatte Passepartout inzwischen einen
Job in einem Zirkus angenommen und just diesen Zirkus besuchen Aouda und
Fogg, der Diener schließt sich ihnen wieder an und
gemeinsam fahren sie nach San Francisco. Nicht nur
mit einem Colonel Proktor, der sich beleidigend über
Aouda äußert, haben die Protagonisten Probleme, sie
müssen sich zudem mit einer Büffelherde, einer
baufälligen Brücke und Mormonen, die Passepartout
verehelichen möchten herumschlagen. Schließlich
wird auch noch der Zug nach New York von Sioux überfallen, Passepartout
verschleppt, befreit und man gelangt mit Hilfe einer Draisine zum nächsten
Bahnhof. Doch in New York ist das Schiff nach Liverpool bereits abgefahren.
Fogg mietet einen Raddampfer und als diesem das Heizmaterial ausgeht, kauft
er das gesamte Schiff und lässt auch die Aufbauten verfeuern. Bei der Ankunft
in England in Liverpool nimmt Fix, der die gesamte Zeit über zähneknirschend
mitgereist war, Fogg fest. Dessen Unschuld stellt sich alsbald heraus, doch die
Zeit von 80 Tagen scheint abgelaufen, als er schließlich in London eintrifft.
Fogg und Aouda wollen heiraten und deshalb geht Passepartout zu Reverend
Wilson, einem Priester. Dort erfährt er, dass es nicht Sonntag, sondern erst
Samstag ist. Durch die Überschreitung der Datumsgrenze hat man einen ganzen
Tag gewonnen. Fogg eilt zum Club und gelangt drei Sekunden vor dem Ablauf
der Zeit in den Saal des Klubs und gewinnt somit die Wette. Am nächsten Tag
heiraten Aouda und Fogg.
Der Roman beruht auf der Weltreise des Amerikaners George Francis Train, der
1870 jene Reise unternahm
und
bis
zu
seinem
Lebensende noch drei
weitere Male um die Erde
reiste, 1892 sogar in 60
Tagen. Über die Änderung
seines Namens zu Phileas
Fogg zeigte er sich erbost.
Die
Weltreise
des
Engländers soll auch die
Größe
des
britischen
Imperiums
im
19.
Jahrhunderts zeigen. Bei der Reise durchquert Fogg die bekanntesten und
größten britischen Kolonien von Ägypten, Indien, Hong Kong und Teile der
USA und zeigt damit die gewaltige Ausdehnung des britischen Reichs, „an
empire, where the sun never set!“
J wie Jakob der Lügner
In dem Roman „Jakob der Lügner“ schildert Jurek
Becker das Leben des Juden Jakob Heym in den
letzten zwei Wochen vor der Räumung eines
polnischen Ghettos, in dem er lebt. Durch Zufall erfährt
dieser im Polizeirevier der Deutschen durch ein Radio,
dass die Russen bereits vor Bezanika sind, einer Stadt,
die nicht allzu weit von dem Ghetto entfernt liegt. Am
nächsten Tag will sein Arbeitskumpane Mischa bei den
Deutschen Kartoffeln klauen, weil er so hungrig ist. Da
die Chancen, dass er dabei nicht erwischt wird,
praktisch gleich null stehen, versucht Jakob ihn davon
abzuhalten, indem er ihm vom Heranrücken der Russen
erzählt. Mischa schenkt ihm aber keinen Glauben und
ist entschlossen sich die Kartoffeln zu holen. Im letzten
Moment raunt Jakob ihm zu, er selbst habe ein Radio
(was natürlich nicht stimmt). Nun schenkt Mischa ihm
glauben. Obwohl Jakob mit dieser Notlüge wahrscheinlich das Leben seines
Freundes gerettet hat, geht er dadurch auch ein großes Risiko ein, denn im
Ghetto war es den Juden streng verboten ein Radio zu besitzen.. Nun hat der
„Lügner“ natürlich Angst, dass, wenn Mischa die „frohe Botschaft“ weiter
verbreitet, die Deutschen Wind davon kriegen.
Und Mischa kann die Neuigkeit tatsächlich nicht für sich behalten. Denn er
besucht in seiner Euphorie gleich noch seine Freundin Rosa, und macht ihr
einen Antrag. Um ihre skeptischen Eltern zu
überzeugen, die durch die aussichtslose
Lage im Ghetto in eine gewisse Lethargie
gefallen sind, erzählt er ihnen, dass Jakob
ein Radio besitzt und die Russen nicht allzu
weit entfernt sind. Eigentlich hat Jakob vor,
seinen Freund Mischa bereits am nächsten
Tag über seine Lüge aufzuklären. Er
entscheidet sich jedoch dagegen, als er
erkennt, dass seine kleine Lüge, die sich schnell weiterverbreitet hat, den
Menschen im Ghetto wenigsten ein kleine Funken Hoffnung bringt, für den es
sich zu Leben lohnt. Und die Lüge um das Radio bringt ihm nicht nur Nachteile.
Plötzlich ist er sehr beliebt im Ghetto und hat so ab jetzt immer einen kräftigen
Kumpanen bei der Arbeit zur Seite stehen. Doch es wird immer schwerer für
Jakob, die Lüge am Leben zu halten, denn er muss immer neue Informationen
über der Vorstoß der Russen erfinden, um ihnen nicht die lebensnotwendige
Hoffnung zu nehmen. Außerdem fangen sie an, beflügelt durch die Hoffnung
auf eine Veränderung der Verhältnisse, bereits an die Zukunft zu denken.
Allerdings gibt es längst zwei Parteien im Ghetto. Die einen begeistern sich um
jede noch so kleine Meldung die Jakob weitergibt, die anderen sehen in Jakobs
vermeintlichen Radiobesitz nur eine Gefahrenquelle. Um an weitere, „echte“
Information zu gelangen klaut Jakob eine Zeitung aus der Toilette, die nur den
deutschen Wachsoldaten vorbehalten ist. Erwischt werden bedeutete den
sicheren Tod und Jakob entkommt nur durch ein heldenhaftes
Ablenkungsmanöver seines Freundes Kowalskis. Doch der Informationsgehalt
jener Zeitung ist sehr mager, weswegen er beschließt sein Radio „sterben“ zu
lassen; er behauptet seine Radio sei plötzlich kaputt gegangen. Während der
Arbeit am Verladebahnhof am nächsten Tag hört Herschel Schtamm Stimmen
aus einem Waggon, in dem offenbar
Menschen in ein Vernichtungslager
transportiert werden. Der sonst so
ängstliche Schtamm geht zum Waggon
und spricht den Todeskandidaten
Hoffnung
auf
eine
vermeintlich
bevorstehende Befreiung zu. Dabei
wird er von einem Posten erschossen.
Jakob fühlt sich für Schtamms Tod
verantwortlich, da er ihn mit seiner
„Radiolüge“ zum Heldentum verleitet
hat. Als Jakob nach Ha use kommt,
erwischt er Lina, seine kleine Pflegetochter, die er verbotenerweise versteckt,
weil sie ihre Eltern verloren hat, wie sie sein Zimmer nach dem Radio
durchsucht. Jakob wird klar, dass er weitere Lügen erfinden muss, wenn selbst
Kinder von der Hoffnung auf seine Nachrichten leben und verzagte Leute wie
Herschel Schtamm ihr Leben riskieren. Außerdem gerät er zusätzlich unter
Druck, als Kowalski mit einem Rundfunkmechaniker ankommt, der das Radio
reparieren will. Da ein nicht vorhandenes Radio bekanntlich auch nicht repa
riert werden kann, gibt Jakob kurzerhand bekannt, das Radio sei wieder in
Ordnung. Doch die Lüge um das Radio beginnt immer mehr auf Jakob zu
lasten. Als Kowalski sich aufhängt, nachdem Jakob ihm in einer schwachen
Minute die Radiolüge gebeichtet hat, da erkennt Jakob zum wiederholten Mal,
wie viel von seinem Bestehen oder Versagen abhängt. Und der Glaube Schuld
an Kowalskis Tod zu tragen, hält ihn dazu an weitere Lügen zu erfinden und so
Hoffnung zu spenden. Als die Bewohner einiger Straßen im Ghetto bereits in
Vernichtungslager deportiert werden, spitzt sich die Lage zu und das tragische
Ende deutet sich an. Doch der Autor hat es nicht bei einem Ende belassen…
Zwei Endversionen
1. Hier verstärkt sich das Misstrauen gegen Jakobs Berichterstattung weiter.
Auch Jakobs Angst und Hoffnungslosigkeit steigt weiter; er glaubt kaum noch
an eine Rettung durch die Russen. Bald darauf unternimmt er einen
Fluchtversuch aus dem Ghetto. Der Erzähler legt sich nicht darauf fest, ob er
das aus Angst vor der Wissbegierde seiner eigenen Leute tut oder weil er seine
Hoffnung aufgegeben hat oder jedoch um neue Informationen zu besorgen. In
jedem Fall scheitert die Flucht, und Jakob wird erschossen. Seine Leiche wird
von den Ghetto-Bewohnern am Tag ihrer Rettung gefunden. Sie sind ganz
ratlos, warum er floh, wo doch die Rettung so nah war.
2. Hier wird die Deportation aller Bewohner des Ghettos beschrieben. Jakob
lernt in der Enge des Zuges, in dem die Juden in die KZs transportiert werden,
den anfangs erwähnten Ich-Erzähler kennen, und erzählt ihm auch wenige Tage
später seine Geschichte.
K wie Kästner Erich
Geboren am 23. Februar 1899 in Dresden, als Sohn eines Sattlermeisters, besuchte Erich
Kästner erst die Bürgerschule, bevor er 1913 eine Ausbildung zum Volksschullehrer
begann, die er 1918 abschloss. Viele Details aus dieser Schulzeit
finden sich in dem Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ wieder. Seine
Kindheit
beschrieb
Kästner
in
dem
1957
erschienenen
autobiographischen Buch „Als ich ein kleiner Junge war“, dort
kommentiert er den Beginn des Ersten Weltkriegs mit den Worten
„Der Weltkrieg hatte begonnen, und meine Kindheit war zu Ende“.
1917 wurde er zum Militärdienst einberufen und absolvierte seine
Ausbildung in einer Einjährig-Freiwilligen-Kompanie der schweren
Artillerie. Die Brutalität der Ausbildung prägte Kästner nachhaltig und
machte ihn zum Antimilitaristen. Nach dem Krieg arbeitete er als
Bankbeamter und Redakteur der „Neuen Leipziger Zeitschrift“, parallel
begann Erich Kästner im Jahr 1919 ein Studium der Germanistik,
Philosophie, Theaterwissenschaften und Geschichte in Leipzig, Rostock und Berlin.
Kästner promovierte 1925 zum Thema „Friedrich der Große und die deutsche Literatur“.
Kästners „Berliner Jahre“ von 1927 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 gelten als
seine produktivste Zeit. In wenigen Jahren stieg er zu einer der wichtigsten
intellektuellen Figuren Berlins auf. Er publizierte seine Gedichte, Glossen, Reportagen und
Rezensionen in verschiedenen Zeitungen Berlins. Regelmäßig schrieb er als freier
Mitarbeiter für verschiedene Tageszeitungen. 1928 veröffentlichte Kästner sein erstes
Buch Herz auf Taille, eine Sammlung von Gedichten aus der Leipziger Zeit. Bis 1933
folgten drei weitere Gedichtbände. Mit seiner Gebrauchslyrik avancierte Kästner zur
wichtigsten Stimme der „Neuen Sachlichkeit“. Seine Erfahrungen mit unmenschlichen
militärischen Gebräuchen, ließen ihn früh zum überzeugten Pazifisten werden und seine
Erfahrungen mit dem wilhelminischen Staatsapparat machten ihn zum Republikaner.
Durch seine alltagsgeprägte Sprache schaffte er es, ganze Volksschichten, die bis dahin
wenig mit Dichtung anfangen konnten, für seine Verse zu begeistern.
Im Herbst 1928 erschien mit Emil und die Detektive Kästners
erstes
und
bis
heute
berühmtestes
Kinderbuch.
Das
Detektivgeschichte wurde allein in Deutschland über zwei
Millionen Mal verkauft und bis heute in 59 Sprachen übersetzt.
Für die Kinderliteratur der damaligen Zeit mit ihren klassischen
Märchenwelten äußerst ungewöhnlich war, dass der Roman in der
Gegenwart der Großstadt Berlin spielte. Mit Pünktchen und
Anton (1931) sowie dem Fliegenden
Klassenzimmer (1933) schrieb Kästner in
den folgenden
Jahren zwei weitere
gegenwartsbezogene
Kinderbücher.
Gerhard Lamprechts Verfilmung von Emil
und die Detektive wurde 1931 ein großer Erfolg. In der Folge
arbeitete er als Drehbuchautor für die Studios in Babelsberg.
Als Kästners einziger Roman von literarischer Bedeutung gilt das 1931 veröffentlichte
Werk Fabian – Die Geschichte eines Moralisten. Der in fast filmischer Technik
geschriebene Roman – schnelle Schnitte und Montagen sind wichtige Stilmittel – spielt im
Berlin der frühen 1930er Jahre. Am Beispiel des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian
beschreibt Kästner darin das Tempo und den Trubel der Zeit wie auch den Niedergang
der Weimarer Republik. Er unternahm damit den Versuch "mit allen Mitteln", d. h. durch
die Schilderung der Skala sittlicher Abartigkeiten, "in letzter Minute Gehör und Besinnung
zu erzwingen." So konnte es nicht verwundern, dass Erich Kästner 1933 mit einem
Publikationsverbot belegt wurde, und seine Bücher verbrannt wurden. Im Gegensatz zu
fast allen seinen regimekritischen Kollegen emigrierte Kästner nach der NSMachtergreifung am 30. Januar 1933 nicht. Kästner begründete diesen Schritt u.a. damit,
dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein wolle:
Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn's sein muss, in Deutschland verdorrt.
Bis zu seinem 1943 erfolgten Schreibverbot, veröffentlichte Erich Kästner ausschließlich
im Ausland.1942 schrieb er das Drehbuch zum UFA-Jubiläumsfilm Münchhausen, seine
Werk wurde allerdings durch ein Pseudonym verschleiert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das
Feuilleton der „Neuen Zeitung“ leitete und die Kinder- und Jugendzeitschrift „Pinguin“
herausgab. Gleichzeitig widmete sich Kästner in München
verstärkt dem literarischen Kabarett. So arbeitete er für „Die
Schaubude“ (1945–1948) sowie „Die kleine Freiheit“ (ab 1951)
und für den Hörfunk. 1949 veröffentlichte er seinen Roman Das
doppelte Lottchen. Der Inhalt des Romans war für damalige
Verhältnisse ziemlich radikal: Erich Kästner war der erste Autor
der Nachkriegszeit, der sich an das Thema Scheidung in einem
Kinderbuch wagte. Dies war auch der Grund, weswegen das
Buch heftig diskutiert wurde. Das doppelte Lottchen wurde
durch die Verfilmung ein großer Erfolg und erhielt als erster
Film den Bundesfilmpreis.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit
entstanden
zahlreiche
Lieder,
Hörspiele, Reden und Aufsätze, die sich mit dem
Nationalsozialismus, dem Krieg und der Realität im zerstörten
Deutschland auseinandersetzten, u.a. das Marschlied 1945,
das Deutsche Ringelspiel und Komödie Schule der
Diktatoren. Auch in seiner Kinderbuch Die Konferenz der
Tiere versuchte Kästner mit dem autoritären Regime
abzurechnen sowie seine friedenspolitischen Bemühungen
deutlich zu machen. Eine eindringliche Erinnerung an den
Krieg lieferte er 1961 ab, als er seine Tagebücher aus dieser
Zeit unter dem Titel Nota bene 45-ein Tagebuch
veröffentlichte. 1957 erscheinen Kästners Erinnerungen unter
dem Titel Als ich ein kleiner Junge war, im gleichen Jahr
erhielt er den Georg-Büchner-Preis.
Kästners Optimismus der unmittelbaren Nachkriegszeit wich
umso mehr der Resignation, wie die Westdeutschen mit
Währungsreform
und
Wirtschaftswunder
versuchten,
zur
Tagesordnung überzugehen. Hinzu kamen die bald erstarkenden
Stimmen für eine Remilitarisierung. Seinem Anti-Militarismus
blieb Kästner treu – er trat bei Ostermärschen als Redner auf und
wandte sich später auch entschieden gegen den Vietnamkrieg. Er veröffentlichte jedoch
immer weniger, wozu auch sein zunehmender Alkoholismus beitrug. Kästner fand keinen
Anschluss an die Nachkriegsliteratur und wurde in den 1950er und 1960er Jahren
überwiegend als Kinderbuchautor wahrgenommen und gewürdigt. Die Wiederentdeckung
seines literarischen Werks aus der Zeit der Weimarer Republik begann erst ab den
1970er Jahren. Erich Kästner verstarb am 29.7.1974 in München.
K wie Kinder von Bullerbü
Meine persönliche Lieblingsgeschichte
-Inga und ich gehen einkaufen-
D e r La d e n , in de m wir Zu c k e r un d K af f e e un d all so et w a s ein k a u f e n , ist
na h bei der S c h u l e in St o r b ü . W e n n M a m a irg e n d et w a s br a u c h t , brin g e
ich es ihr na c h S c h u l s c h l u s s mit. A b e r ein e s Ta g e s in de n O st e r f e r i e n
br a u c h t e M a m a ei ni g e S a c h e n , un d da sa g t e sie zu mir:
„Lis a es hilft nic h t s, du m u s s t zu m La d e n lauf e n un d et w a s für mi c h
ein k a u f e n .“
Es w a r her rli c h e s W e t t e r , un d ich fan d es gr o ß a r t i g , ein k a u f e n zu ge h e n .
D e s h a l b sa g t e ich:
„A u ja! W a s soll ich de n n ei n k a u f e n ?“
M a m a sa g t e, es sei sic h e r da s be s t e , w e n n wir
all e s auf s c h r i e b e n . A b e r wir fan d e n kei n e n
Bl ei s t if t, un d da sa g t e ich:
„Ac h, ich m e r k e mir da s do c h au c h so!“
U n d da n n be g a n n M a m a alle s, w a s ich
ein k a u f e n
sollt e, auf z u z ä h l e n : z w e i h u n d e r t
Gr a m m H ef e, ein e n Ri n g Br a t w u r s t vo n d er
be s t e n , ei n P a k t Ing w e r , ein P ä c k c h e n
N ä h n a d e l n , ei n e D o s e A n s c h o v i s , hu n d e r t
Gr a m m sü ß e M a n d e l n un d ei n e Fla s c h e Es si g .
„Ja, ja! D a s m e r k ich mir sc h o n“,
sa g t e ich.
In die s e m A u g e n b l i c k ka m Ing a in
un s e r e
Küch e
gel a u f e n
un d
fra g t e , ob ich mit ihr zu m La d e n
ge h e n w oll e, u m ein z u k a u f e n .
„H a h a“, sa g t e ich, „ich w ollt e ger a d e zu dir un d dic h da s s e l b e fra g e n .“
Ing a hatt e ihr e ne u e rot e M ü t z e auf de m K o p f un d ein e n K o r b üb e r de m
Ar m . U n d da set z t e ich m e i n e ne u e gr ü n e M ü t z e auf un d na h m au c h
ein e n K o r b üb e r de n Ar m . Ing a sollt e S eif e ka u f e n , ein P a k e t
K n ä c k e b r o t , ein Pf u n d K aff e e , zwi e Pf u n d W ü r f e l z u c k e r un d z w e i M e t e r
G u m m i b a n d . U n d da n n sollt e sie no c h ein e n Ri n g Br a t w u r s t vo n der
be s t e n bri n g e n , ge n a u wi e ich. Ing a hatt e au c h nic h t auf g e s c h r i e b e n ,
w a s sie ei n k a u f e n sollt e. B e v o r wir los g i n g e n , lief e n wir zu Gr o ß v a t e r
hin a u f , u m zu hör e n ob er au c h no c h et w a s au s de m La d e n ha b e n
w ollt e. U n d da bat ich un s Gr o ß v a t e r , im K a n d i s z u c k e r un d ein e Fla s c h e
K a m p f e r l i n i m e n t mit z u b r i n g e n . G e r a d e als wir vor de m Za u n sta n d e n ,
ka m Ol e s M u t t e r au s de m H a u s un d rief:
„W o l lt e ihr zu m La d e n ?“
„Ja“, sa g t e n wir.
„O h Ki n d e r , sei d nett, bri n g t mir ein pa a r S a c h e n mit“, sa g t e sie. D a s
w ollt e n wir ger n, sa g t e n wir. Si e bat un s, ihr ein e R oll e w ei ß e s N ä h g a r n ,
N u m m e r 40, un d ei n P ä c k c h e n V a n ill e z u c k e r mit z u b r i n g e n .
„U n d, w a r t e t, w a s w ollt e ich de n n no c h ha b e n ?“ sa g t e sie un d sa h
na c h d e n k l i c h au s.
„Ei n e n Ri n g Br a t w u r s t vo n der be s t e n“, sc hl u g ich vor.
„Ja, ge n a u da s w a r es!“ sa g t e Ol e s M u t t e r . „Wi e ha s t du da s ger a t e n ?“
U n d da n n gin g e n Ing a un d ich los. Wir w a r e n ja ein w e n i g be s o r g t , ob wir
da s alle s be h a l t e n w ü r d e n , un d de s h a l b zä hl t e n wir un s anf a n g s im m e r
wi e d e r auf, w a s wir mit b r i n g e n sollt e n. A b e r lan g s a m w u r d e es un s üb e r .
Wi r gin g e n H a n d in H a n d , wir sc h w e n k t e n un s e r e K ör b e , die S o n n e
sc hi e n , un d es duft e t e her rli c h au s de n B ä u m e n . Wir sa g e n so laut wir
ko n n t e n .
„Ei n e n Ri n g Br a t w u r s t vo n der be s t e n“, sa n g e n
sc h ö n .
wir. E s kla n g ric hti g
S o gi n g da s: Zu e r s t sa n g ich „Ein e n Ri n g Br a t w u r s t“ in ein e r lan g s a m e n ,
sc h ö n e n M e l o d i e ,
un d da n n sti m m t e
Ing a so m u n t e r
wi e m ö g l i c h mit
„vo n der be s t e n ,
vo n der be s t e n“
ein.
Manc h m a l
sa n g e n
wir es
au c h so , da s s
wir
na c h
der
M e l o d i e m a r s c h i e r e n ko n n t e n . A b e r zul e t z t ent s c h i e d e n wir un s do c h für
eie n M e l o d i e , di e dur c h un d dur c h tra u r i g w a r, tra u r i g ab e r w u n d e r s c h ö n
vo n A nf a n g bis zu m E n d e . Si e w a r so, da s s m a n bei n a h e dar ü b e r hätt e
w ei n e n kö n n e n .
„O h, wi e ist da s do c h tra u r i g mit der Br a t w u r s t“, sa g t e Ing a, als wir
en d l i c h an k a m e n .
Im La d e n w a r e n se h r viel e Le u t e , un d wir m u s s t e n lan g e w a r t e n , bis wir
an der R ei h e w a r e n . Ei g e n t l i c h hätt e n wir na o c h län g e r w a r t e n dür f e n ,
de n n Er w a c h s e n e n de n k e n im m e r , da s s Ki n d e r in de n G e s c h ä f t e n e w i g
w a r t e n kö n n e n . Di e Er w a c h s e n e n dr ä n g e n sic h im m e r vor. A b e r
sc hli e ß l i c h ka m O n k e l E m i l sel b s t na c h vor n in sei n e n La d e n . Ihn ke n n e n
wir. Er fra g t e un s, wi e es in B ull e r b ü gin g e un d ob wir viel e Ei er zu
O st e r n ge g e s s e n hätt e n un d ob wir nu n nic h t en d li c h bal d heir a t e n
w ollt e n .
„D a s w ollt e n wir ga n z be s t i m m t nic h t“, sa g t e ich .
„U n d w a s w ü n s c h e n di e D a m e n he u t e ein z u k a u f e n ? “ fra g t e O n k e l E m il.
Er spri c h t im m e r so ge s c h w o l l e n , ab e r ich m a g ihn trot z d e m . Er hat
ein e n Bl ei s t ift hint e r m O h r un d ein rot e s
B ä r t c h e n . Er sc h e n k t un s zu e r s t sa u e r e
B o n b o n s , die er in ein e r gr o ß e n D o s e hat.
Zu e r s t zä h lt e Ing a, w a s sie für ihr e M u t t e r un d
für
ihr e n Gr o ß v a t e r ein k a u f e n sollt e. D a n n da c h t e n
Ing a un d ich ga n z un h e i m l i c h na c h , u m au c h ja
nic h t s zu ver g e s s e n . U n d O n k e l E m il w o g ab
un d pa c k t e ein, w a s Ing a her u n t e r g e l e i e r t hatt e. N u n w a r ich dr a n mit
A uf z ä h l e n , w a s ich für M a m a un d Ol e s M u t t e r mit b r i n g e n sollt e. U n d
Ing a un d ich da c h t e n wi e d e r ga n z un h e i m l i c h na c h , u m au c h ja nic h t s zu
ver g e s s e n . D a n n sc h e n k t e un s O n k e l E m i l sa u r e B o n b o n s , un d wir
gin g e n . Gl ei c h hint e r der Sc h u l e traf e n wir ein e n Ju n g e n , de n wir
ke n n e n . Er sa h, da s s wir ne u e M ü t z e n auf h a t t e n . N a c h d e m wir ein e
W e i l e ge g a n g e n w a r e n un d ger a d e an die G a b e l u n g ka m e n , w o der W e g
na c h B ull e r b ü ab z w i e g t , sa g t e ich:
„In g a ka n n s t du dic h eri n n e r n , ob ich H ef e ge k a u f t ha b e ?“
D a r a n ko n n t e sic h Ing a üb e r h a u p t nic h t eri n n e r n . Wir fin g e n als o an, alle
P a k e t e in m e i n e m K or b zu dr ü c k e n . A b e r da w a r nic h t s, w a s sic h wi e
H ef e anf ü h l t e . Wi r m u s s t e n zu La d e n zur ü c k g e h e n . O n k e l E m il lac h t e
üb e r un s, ga b un s di e H e f e un d sc h e n k t e un s no c h ein pa a r sa u r e
B o n b o n s . D a n n gin g e n wir. G e r a d e w a r e n wir wi e d e r an der
W e g g a b e l u n g an g e k o m m e n , da sc h r i e Ing a:
„O h! Gr o ß v a t e r s K a m p e r l i n i m e n t!“
„D a s dar f do c h nic h t w a h r sei n!“
Wi r m u s s t e n zu m La d e n zur ü c k g e h e n . Oj e wi e hat O n k e l E m i l üb e r un s
gel a c h t! Er ga b un s da s K m p f e r l i n i m e n t un d no c h eini g e sa u r e B o n b o n s
da z u . Al s wir di e s m a l di e W e g g a b e l u n g err ei c h t e n , sa h Ing a so
er s c h r o c k e n au s, da s s sie mir ric hti g leid tat.
„Lis a“, sa g t e sie, „ich gl a u b e , ich ha b kei n e n Zu c k e r ge k a u f t!“
„In g a“, sa g t e ich, „jet zt sa g nur nic h t, da s s du kei n e n Zu c k e r ge k a u f t
ha s t. D e n k do c h m a l na c h – du ha s t do c h w o h l zu c k e r ge k a u f t ?“
Wi r dr ü c k t e n un d tast e t e n an de n P a k e t e n in Ing a s K o r b her u m , ab e r es
ga b nic h t s, w a s sic h wi e Zu c k e r anf ü h l t e . O n k e l E m il fiel bei n a h e u m , als
er un s sa h. A b e r wir be k a m e n Zu c k e r un d – no c h m e h r sa u r e B o n b o n s .
„Es ist w o h l be s s e r , w e n n ich vor si c h t s h a l b e r no c h ein e ne u e B ü c h s e
B o n b o n s vo m La g e r her e i n h o l e“, sa g t e O n k e l E m i l. „Mir sc h e i n t , m e i n
V o r r a t hier ge h t lan g s a m zu E n d e .“
„N ei n, da s ist nic h t nöti g, nu n ko m m e n wir be s t i m m t nic h t m e h r wi e d e r“,
sa g t e Ing a.
K u r z be v o r wir zur W e g g a b e l u n g ka m e n w a r e n , sa g t e ich zu Ing a: „In g a,
jetzt re n n e n wir ga n z sc h n e l l vor b e i. D a s ist die ein z i g e M ö g l i c h k e i t .
S o n s t fällt un s nur wi e d e r et w a s ein, w a s wir ver g e s s e n ha b e n .“ U n d wir
ra n n t e n an der W e g g a b e l u n g vor b e i. „D a s ist ja gut g e g a n g e n “, sa g t e
Ing a. E n d l i c h w a r e n wir auf de m H ei m w e g . E s w a r ein her rli c h e r Ta g,
ein e r vo n di e s e n er st e n Ta g e n , an de n e n es w a r m ist. Wir gin g e n wi e d e r
H a n d in H a n d un d sc h w e n k t e n un s e r e K ö r b e , ab e r nic h t se h r wild, so n s t
w ä r e n ja die P a k e t e her a u s g e f a l l e n . Di e S o n n e sc hi e n , un d der W a l d
roc h gut.
„Ich gla u b e , wir sin g e n wi e d e r ein bis s c h e n “, sa g t e Ing a. U n d da s tat e n
wir. Wi r legt e n los mit „Ei n e n Ri n g Br a t w u r s t vo n der be s t e n“. E s hört e
sic h ge n a u s o w u n d e r v o l l an wi e vor h e r , un d Ing a sa g t e , die s e s Lie d
m ü s s t e n wir in der S c h u l e ienf ü h r e n un d bei der A b s c h l u s s p r ü f u n g
sin g e n . Wi r sa n g e n un d sa n g e n un d sa n g e n , w ä h r e n d wir die H ü g e l
na c h B ull e r b ü hin a u f s t a p f t e n . U n d da n n –
ger a d e als ich „Ei n e n Ri n g Br a t w u r s t“
be s o n d e r s
sc h ö n her a u s s c h m e t t e r t e –
pa c k t e Ing a mi c h a m Ar m . Sie sa h völli g
ver s t ö r t au s. „Lis a“, sa g t e sie, „Wir ha b e n
ja gar kei n e Br a t w u r s t ge k a u f t!“ Wir set z t e n un s a m W e g r a n d nie d e r un d
sa g t e n ei n e lan g e Zeit gar nic h t s. D a n n sa g t e Ing a, sie w ü n s c h t e , es
w ä r e nie m a l s je m a n d e m ei n g e f a l l e n , so et w a s wi e Br a t w u r s t zu m a c h e n .
W a r u m kö n n e n nic h t ei nf a c h Le b e r w u r s t es s e n ?“ fra g t e sie. „Wir hätt e n
ich t an de r W E g g a b e l u n g vor b e i r e n n e n dür f e n“, sa g t e ich. Wir m u s s t e n
zur ü c k g e h n , ja, da half alle s nic h t s. A c h, w a r da s blö d! Wir sa n g e n nic h t
m e h r . Ing a m e i n t e , di e s e s Li e d vo n der Br a t w u r s t pa s s e do c h nic h t für
die A b s c h u s s pr üf u n g . „N ei n, nic h t zur A b s c h l u s s p r ü f u n g “, sa g t e , „un d
au c h so n s t zu nic h t s. S o ei n dä m l i c h e s Lie d!“
Als O n k e l E m i l un s sa h, griff er sic h an die Stir n. D a n n ra n n t e er in
La g e r , u m ein e ne u e D o s e sa u r e B o n b o n s zu hol e n . A b e r wir sa g t e n :
„N ei n, da n k e , wir m ö c h t e n kei e n sa u r e n B o n b o n s m e h r .“ „S o s o“, sa g t e
O n k e l E m i l, „un d w a s w ollt ihr da n n ha b e n ?“. „Dr ei Ri n g e Br a t w u r s t vo n
der be s t e n“, sa g t e n wir. „W e n n Br a t w u r s t üb e r a h u p t gut sei n ka n n“,
m u r m e l t e Ing a.
Wi r w a n k t e n hei m w ä r t s . A b e r als wir zu W e g g a b e l u n g ka m e n , sa h sic h
Ing a u m un d sa g t e: „W a h r h a f t i g , da ko m m t Jo h a n n vo n der M ü h l e mit
sei n e m sc h k k i g e n alt e n G a u l an g e f a h r e n .“ Jo h a n n ist der M ü ll e r vo n der
M ü h l e , di e ei n St ü c k hi nt e r B ull e r b ü lie gt. „D ü r f e n wir Mitf a h r e n ?“ sc h r i e n
wir, als Jo h a n un s ei n g e h o l t ahtt e. „klar dür ft ihr“, sa g t e Jo h a n n . Wir
spr a n g e n hi nt e r Jo h a n auf de n W a g e n un d fuh r e n bis B ull e r b ü mit.
Ei n m a l fin g ich an, ei ni g e Tö n e vo n „Ein e n Ri n g Br at w u r s t vo n der
be s t e n“ zu su m m e n , ab e r da sa g t e Ing a: „W e n n du no c h ein e n To n vo n
die s e m Li e d sin g s t, da n n sc h u b s ich dic h vo m W a g e n!“ Als ich zu M a m a
in di e K ü c h e ka m , sa g t e sie: „D a s hat ab e r lan g e ge d a u e r t .“ „Ist da s ein
W u n d e r ?“, sa g t e ich. „ W e n n m a n so viel Br a t w u r s t ka u f e n m u s s!“ Als
M a m a alle P a k e t e au s de m K or b ge h o l t hatt e, sa g t e sie: „Ich ha b e do c h
ein e tüc h t i g e To c h t e r – sie ver g i s s t ab e r au c h nic h t s!“
L wie Lindgren Astrid
Glückliche Kindheit
A uf de m H o f N ä s a m R a n d der klei n e n St a d t Vi m m e r b y im
sü d s c h w e d i s c h e n S m a l a n d , Sc h w e d e n , w u r d e A st ri d
Lin d g r e n als A st ri d A n n a E m i li a Eri c s s o n a m 1 4.
N o v e m b e r 1 9 0 7 ge b o r e n . Ihr e dr ei G e s c h w i s t e r un d
sie w u c h s e n in lie b e v o l l e r G e b o r g e n h e i t auf. Zu m S pi e l e n mit de n an d e r e n Kin d e r n
de s D o rf e s sta n d e n ihn e n Wi e s e n , W ä l d e r , H ai n e , H e u b ö d e n un d Sc h e u n e n zur
V e rf ü g u n g . In ihre n "Bull e r b ü "- B ü c h e r n hat As t ri d Lin d g r e n viel e Erl e b n i s s e un d die
frei h e i t li c h e At m o s p h ä r e die s e r Ja h r e fest g e h a l t e n . Sie gla u b t e , da s s in der Ki n d h e i t
di e W e i c h e n für da s w eit e r e Le b e n ein e s M e n s c h e n ge s t e llt w e r d e n .
Unruhige Jugend
D a s ne u e Fr a u e n b i l d der 20 e r Ja h r e err ei c h t e au c h da s sc h w e d i s c h e Vi m m e r b y As t ri d Eri c s s o n sc h n i t t sic h die H a r r e, w a s sc h o n ge n ü g t e u m in Vi m m e r b y A uf s e h e n
zu err e g e n . Ihr Tal e n t zu m Sc h r e i b e n w a r frü h zu erk e n n e n . Si e be g a n n als
V ol o n t ä r i n bei der Lo k a l z e i t u n g un d w a r da m i t ein e der ers t e n Fr a u e n in die s e m
B e r u f . Ihr e Aff ä r e mit ein e m ält er e n M a n n führt e da z u, da s s sie mit 1 7 Ja h r e n un d
nic h t ab g e s c h l o s s e n e r A u s b i l d u n g un v e r h e i r a t e t sc h w a n g e r w u r d e .
Schwere Jahre
Zu die s e r Zeit galt ein un e h e l i c h e s Kin d no c h als Sk a n d a l . U m de m zu ent g e h e n
verli e ß A st ri d Eri c s s o n Vi m m e r b y un d be g a n n 1 9 2 6 in St o c k h o l m ein e A u s b i l d u n g als
S e k r e t ä r i n . W i e viel e Sc h w e d i n n e n in äh n li c h e r Sit u a t i o n br a c h t e sie in K o p e n h a g e n
ihre n S o h n Lar s zur W e l t. Lar s ver b r a c h t e sei n e ers t e n drei Le b e n s j a h r e bei
Pfl e g e e l t e r n . Für A st ri d Eri c s s o n w a r die s e Zeit vo n gr o ß e r Ar m u t un d Ein s a m k e i t
ge p r ä g t .
Astrid Ericsson wird Astrid Lindgren
1 9 2 8 w u r d e sie S e k r e t ä r i n im K ö n i g li c h e n A ut o m o b i l c l u b . D o r t lern t e sie ihr e n
sp ä t e r e n M a n n St u r e Lin d g r e n ke n n e n . 1 9 3 1 heir a t e t e n A st ri d Eri c s s o n un d St u r e
Li n d g r e n . Ihr e ge m e i n s a m e To c h t e r K ari n w u r d e 1 9 3 4 ge b o r e n . Im sel b e n Ja h r
ers c h i e n e n in sc h w e d i s c h e n Zeit s c h r i f t e n erst m a l s M ä r c h e n vo n A st ri d Lin d g r e n .
1 9 4 4 trat sie mit ihre m ers t e n B u c h , de m Bri e f r o m a n „Britt- M a r i lätt e r sitt hjärt a“ (BrittM a ri erl ei c h t e r t ihr H e r z), an die Öff e n t li c h k e i t . Mit die s e m R o m a n , der in ein e m
W e t t b e w e r b vo n R a b é n & Sj ö g r e n , Sc h w e d e n s grö ß t e m Kin d e r- un d
Ju g e n d b u c h v e r l a g , de n z w e it e n Pr ei s ge w a n n , be g a n n Lin d g r e n s au ß e r g e w ö h n l i c h e
liter a r i s c h e La u f b a h n .
"Pippi Langstrumpf"
A st ri d Lin d g r e n s w o h l ber ü h m t e s t e un d an a r c h i s t i s c h s t e Fig u r "Pip pi
La n g s t r u m p f " ent s t a n d 1 9 4 4 - als G e b u r t s t a g s g e s c h e n k für ihre To c h t e r
K ari n. A st ri d Lin d g r e n hatt e zu n ä c h s t gro ß e Sc h w i e r i g k e i t e n da s
M a n u s k r i p t bei ein e m V e rl a g unt e r z u b r i n g e n . N a c h M e i n u n g der Kriti k e r
w a r ihr e Fa n t a s i e gei s t e s k r a n k un d der Einfl u s s der "Pip p i- Fig u r" auf
Kin d e r sc h ä d l i c h , w e n n nic h t gar gef ä h r li c h . A u c h m e h r e r e de u t s c h e
V e rl a g e leh n t e n da s M a n u s k r i p t ab. 1 9 4 9 ler nt e der V e rl e g e r Fri e d r i c h
O e t i n g e r die A ut o r i n bei ein e m B e s u c h in Sc h w e d e n ke n n e n : Er ver ö f f e n t l i c h t e "Pip p i
La n g s t r u m p f " in de u t s c h e r Ü b e r s e t z u n g un d w u r d e zu As t ri d Lin d g r e n s V erl e g e r .
Pi p p i La n g s t r u m p f stür m t e mit der Er s t v e r ö f f e n t l i c h u n g die H e r z e n der Le s e r . Im
H e r b s t 1 9 4 9 ers c h i e n da s erst e B u c h mit de m sel b s t b e w u s s t e n , un a n g e p a s s t e n
M ä d c h e n au c h in D e u t s c h l a n d un d bild e t e de n A nf a n g de s Kin d e r b u c h p r o g r a m m s
de s Fri e d r i c h- O e t i n g e r -V erl a g s .
Das literarische Werk
Ihr e Le b e n s e r f a h r u n g e n - die glü c k l i c h e Kin d h e i t , die eig e n e
A uf m ü p f i g k e i t un d ihre frü h e M u t t e r s c h a f t - lie ß As t ri d Lin d g r e n in
ihre Ki n d e r b ü c h e r einfli e ß e n . "Die Kinder aus der Krachmacherstraße" un d "Die
Kinder aus Bullerbü" be s c h w ö r e n die Idyll e der Kin d h e i t . In As t ri d Lin d g r e n s
Li e b l i n g s b u c h "Michel aus Lönneberga" find e n sic h G e s c h i c h t e n , die Lin d g r e n s
V at e r sei n e n Kin d e r n erz ä h l t hatt e. A st ri d Lin d g r e n s st är k s t e Fig u r e n sin d ihre
reb e lli s c h e n M ä d c h e n : "Pippi Langstrumpf" un d die 1 9 8 1
ers c h i e n e n e "Ronja Räubertochter". Ein s a m k e i t ,
Is ol a t i o n , To d un d A b s c h i e d ste h e n mit im Ze n t r u m vo n
"Brüder Löwenherz", "Mio mein Mio" un d "Karlsson
vom Dach" . All e W e r k e Lin d g r e n s ha b e n ein e s
ge m e i n s a m : da s un e i n g e s c h r ä n k t e E n g a g e m e n t für die
frei e E nt f a l t u n g un d die eig e n e W e l t der Kin d e r .
Ihr e au ß e r o r d e n t l i c h erf ol g r e i c h e n Kin d e r- un d
Ju g e n d b ü c h e r w u r d e n in m e h r als 60 S p r a c h e n üb e r s e t z t .
V o n 1 9 4 6 bis 1 9 7 0 ar b e i t e t e Lin d g r e n als Le k t o r i n im V e rl a g R a b é n & Sj ö g r e n .
As t ri d Li n d g r e n hatt e nic h t nur auf die sk a n d i n a v i s c h e Kin d e r l it e r a t u r gr o ß e n un d
prä g e n d e n Einfl u s s . Sie dis
tan z i e r t e sic h vo n de m rest ri k t i v e n , m o r a l i s i e r e n d e n To n, der u m 1 9 5 0 für
Ki n d e r b ü c h e r ke n n z e i c h n e n d w a r, un d sc hil d e r t e statt d e s s e n die kin d li c h e
Le b e n s w e l t mit viel Einf ü h l u n g s v e r m ö g e n au s der P e r s p e k t i v e de s Kin d e s . D a b e i
sp a r t e sie au c h sc h w i e r i g e Th e m e n wie tra gi s c h e Er ei g n i s s e , G e w a l t , Sc h m e r z un d
To d kei n e s w e g s au s. Mit ihr e n sc h ö p f e r i s c hph a n t a s i e v o l l e n un d de n n o c h se h r
realit ä t s n a h e n B ü c h e r n er m u t i g t e sie ihre
kin dli c h e n Le s e r stet s, sic h in ihre r
Le b e n s w e l t sel b s t b e w u s s t zu be h a u p t e n .
Stilisti s c h un d the m a t i s c h sin d Lin d g r e n s
B ü c h e r unt e r s c h i e d l i c h ; ge m e i n s a m ist viel e n ihre r W e r k e , da s s sie
El e m e n t e au s ihre r eig e n e n Kin d h e i t auf de m La n d ent h a l t e n .
K e n n z e i c h n e n d für ihr G e s a m t w e r k ist au c h , da s s sie Allt a g s s i t u a t i o n e n sp a n n e n d
un d leb e n s e c h t auf b e r e i t e t un d oft m a l s ph a n t a s t i s c h e Ele m e n t e ver a r b e i t e t .
Politisches Engagement
A b de n 70 e r Ja h r e n mi s c h t e sic h As t ri d Lin d g r e n off e n s i v in ver s c h i e d e n e politi s c h e
Di s k u s s i o n e n ein. In de n 80 er n en g a g i e r t e sie sic h ge g e n die N ut z u n g der At o m k r a f t .
Si e erh o b ihre Sti m m e ge g e n M a s s e n t i e r h a l t u n g un d für ein e R ef o r m der
La n d w i r t s c h a f t . D u r c h ihre Mit h ilf e trat 1 9 8 8 in Sc h w e d e n ein ver b e s s e r t e s
Ti e r s c h u t z g e s e t z Kr af t. Zeitl e b e n s set z t e sie sic h aktiv für M e n s c h e n r e c h t e ,
ins b e s o n d e r e au c h für die R e c h t e der Ki n d e r ein. 1 9 7 8 hielt sie zur V erl e i h u n g de s
Fri e d e n s p r e i s e s de s D e u t s c h e n B u c h h a n d e l s ein e viel b e a c h t e t e R e d e („Niemals
Gewalt!“) in der Fr a n k f u r t e r P a u l s k i r c h e , in der sie ins b e s o n d e r e zur ge w a l t f r e i e n
Erz i e h u n g vo n Kin d e r n auff o r d e r t . Ihr 90. G e b u r t s t a g w u r d e in S c h w e d e n wie ein
N at i o n a l f e i e r t a g be g a n g e n .
Eine lebensfrohe alte Dame
Bi s ins ho h e Alt e r klett e r t e A st ri d Lin d g r e n auf B ä u m e - se h r zu m V e r g n ü g e n der
Fot o g r a f e n - spi elt e mit ihre n Ur e n k e l n , reist e, ga b
Int e r v i e w s un d ant w o r t e t e ihr e n Fa n s au s alle r W e l t. Mit
viel e n Pr ei s e n de k o r i e r t w u r d e A st ri d Lin d g r e n 1 9 9 9 zur
beli e b t e s t e n Sc h w e d i n de s Ja h r h u n d e r t s ge w ä h l t . Ihr
90. G e b u r t s t a g a m 1 4. N o v e m b e r 1 9 9 7 w u r d e in
S c h w e d e n wie ein N at i o n a l f e i e r t a g be g a n g e n : Ü b e r a l l
im La n d ga b es V e r a n s t a l t u n g e n , Le s u n g e n un d Fe s t e . Im Kr ei s ihr e r Fa m i li e st ar b
As t ri d Li n d g r e n a m 28. Ja n u a r 200 2 im Alt e r vo n 94 Ja h r e n in ihr e r W o h n u n g in
St o c k h o l m .
M wie Märchen
Es war einmal…
Märch e n
(mitt e l h o c h d e u t s c h
Maere = "Ku n d e ,
B er i c h t")si n d
Er z ä h l u n g e n
mit
ph a n t a s t i s c hwund e r b a r e n
El e m e n t e n
oh n e
rau m z e i t l i c h e
Fe s t l e g u n g , zu der e n P e r s o n a l Za u b e r e r , H e x e n , Fe e n ,
G n o m e , G ei s t e r , Z w e r g e , Ri e s e n , Dr a c h e n , re d e n d e
Ti e r e,
ein g r e i f e n d e
N at u r g e w a l t e n ,
ver w u n s c h e n e
M e n s c h e n etc. ge h ö r e n . Zu m e i s t wir d auf Fig u r e n e b e n e
ein
typi si e r e n d e r
Ka m p f
vo n
Gut
ge g e n
Böse
au s g e t r a g e n , w o b e i a m trö s tli c h e n E n d e zu m e i s t da s
G u t e sie g t. D a b e i sin d die Ü b e r g ä n g e zu an d e r e n
Er z ä h l f o r m e n wi e Le g e n d e , Sc h w a n k , S a g e , Fa b e l,
N o v e l l e us w . oft m a l s flie ß e n d . Volksmärchen w u r d e n
zu n ä c h s t üb e r teil w e i s e gr o ß e Zeit r ä u m e hin w e g m ü n d l i c h üb e r li e f e r t ,
w e s w e g e n sie in za h l r e i c h e n V ar i a n t e n auf z u t a u c h e n pfle g e n un d läs s t
sic h kei n be s t i m m t e r Ur h e b e r fest s t e ll e n . Irg e n d w a n n
w u r d e n sie da n n „ge s a m m e l t “ un d sc h r if tli c h fest g e h a l t e n ,
viel e vo n de n Br ü d e r n Gri m m in ihr e n Ki n d e r- un d
H a u s m ä r c h e n (2 B d e., 1 8 1 2 un d 1 8 1 5). Nic h t selt e n
ent h a l t e n
sie
an o n y m i s i e r t e
Sage n st off e .
Vi el e
V ol k s m ä r c h e n
bei n h a l t e n
au c h
ein e
er zi e h e r i s c h e
B ot s c h a f t , wi e z.B. "Sei flei ßi g" (Fr a u H oll e ) od e r "Sei ehrli c h" (D e r
Fr o s c h k ö n i g ).
Ei n e S o n d e r f o r m de s M ä r c h e n s ist da s so ge n a n n t e Kunstmärchen,
da s vor all e m in der R o m a n t i k beli e b t w a r. B ei de n so g. K u n s t m ä r c h e n
ha n d e l t es sic h ind e s u m be w u s s t e Sc h ö p f u n g e n vo n Dic h t e r n un d
Sc h r i f t s t e l l e r n . Bis w e i l e n gr eif e n sie M o t i v e der V ol k s m ä r c h e n t r a d i t i o n
auf, m e i s t w e r d e n ab e r ne u a r t i g e fant a s t i s c h e W u n d e r g e s c h i c h t e n
erf u n d e n , die mit de m V ol k s m ä r c h e n ab e r de n n o c h dur c h de n A s p e k t
de s W u n d e r b a r e n od e r U n w i r k l i c h e n ver b u n d e n blei b e n . B e d e u t e n d e
K u n s t m ä r c h e n verf a s s t e n u. a. Jo h a n n W o l f g a n g G o e t h e , Lu d w i g Tie c k,
E d u a r d M ö r i k e , H a n s C h r i s t i a n A n d e r s e n un d H u g o vo n H o f m a n n s t h a l .
D a r ü b e r hi n a u s hat sic h in der M ä r c h e n f o r s c h u n g der en g e B e g r if f de s
Za u b e r m ä r c h e n s
et a b l i e r t,
der
aller d i n g s
klar
G a t t u n g s g r e n z e n im pl i zi e r t, di e kei n e s w e g s vor h a n d e n sin d.
umris s e n e
Berühmte Autoren und Herausgeber von Märchen:
H e r a u s g e b e r der ber ü h m t e n de u t s c h e n S a m m l u n g Kinder- und
Hausmärchen,
vol k s t ü m l i c h
„Grimms
Märchen“ ge n a n n t , w a r e n Jacob Ludwig
Carl Grimm un d sei n run d ei n Ja h r jün g e r e r
Br u d e r Wilhelm Karl Grimm. A nf a n g de s
1 9. Ja h r h u n d e r t s be g a n n e n
Ja c o b un d
Wil h e l m
Gri m m
in K a s s e l
in ihr e m
bür g e r l i c h e n U m f e l d m ü n d l i c h üb e r li e f e r t e
M ä r c h e n zu sa m m e l n un d zu be a r b e i t e n ;
die s e B e a r b e i t u n g e n er k e n n t m a n dur c h
ein e n V e r g l e i c h et w a be s t i m m t e r M ä r c h e n in
der er st e n A u s g a b e vo n 1 8 1 2 un d in der
let zt e n
Aus g a b e
1 8 5 7.
Di e S a m m l u n g
umfas st e
240 so ge n a n n t e
V ol k s m ä r c h e n – ein vo n Ja c o b Gri m m ge p r ä g t e r
B e g r i f f, der die ent h a l t e n e n Te x t e als Sc h ö p f u n g
ei n e r an o n y m e n „V ol k s s e e l e ” au s w e i s e n sollt e un d
der da m i t im G e g e n s a t z zur ver s t ä r k t in der
Ro m a n tik
pr o p a g i e r t e n
Gattu n g
de s
Kunst m ä r c h e n s
als Pr o d u k t
ein e r ko n k r e t e n
Di c h t e r p e r s ö n l i c h k e i t sta n d . R u n d 40 Mit a r b e i t e r
tru g e n die m ü n d l i c h üb e r li e f e r t e n Te x t e der Kin d e run d H a u s m ä r c h e n zu s a m m e n , 30 sc h r if tli c h e Q u e l l e n er g ä n z t e n die
S a m m l u n g . D a b e i st a n d der Gr u n d s a t z ein e r m ö g l i c h s t geri n g e n
N a c h b e a r b e i t u n g („alle s dur c h de n M u n d de s V ol k e s”) im V or d e r g r u n d .
A m 20. D e z e m b e r 1 8 1 2 ga b e n die G e b r ü d e r Gri m m de n er st e n B a n d
„Ki n d e r- un d H a u s m ä r c h e n “ her a u s , in de m sie die ge s a m m e l t e n
M ä r c h e n ver ö f f e n t l i c h t e n , 1 8 1 4 folgt e der z w e i t e. Ein e dritt e A u s g a b e
er s c h i e n sc h o n 1 8 3 7; die letzt e vo n ihn e n bet r e u t e A u s g a b e erf ol g t e
1 8 5 7.
Di e Te x t e w u r d e n ab e r vo n A u s g a b e zu A u s g a b e au s g e s c h m ü c k t ,
teil w e i s e ver n i e d l i c h t ; E s galt au c h , die M ä r c h e n kin d g e r e c h t zu
be a r b e i t e n . U m de m her k ö m m l i c h e n G e s c h m a c k de s vor w i e g e n d
bür g e r l i c h e n P u b l i k u m s ent g e g e n z u k o m m e n , w u r d e n be s t i m m t e Di n g e
ge ä n d e r t . A u s der M u t t e r in H ä n s e l un d Gr e t e l w u r d e ein e Sti ef m u t t e r ,
de n n ihr V er h a l t e n , di e Ki n d e r zu ver s t o ß e n , w a r mit de m da m a l i g e n
M u t t e r b i l d de s B ü r g e r t u m s nic h t zu ver e i n b a r e n . Zu de n be k a n n t e s t e n
M ä r c h e n der S a m m l u n g ge h ö r e n Fr a u H oll e, R u m p e l s t i l z c h e n , H ä n s e l
un d Gr e t e l, D o r n r ö s c h e n un d Sc h n e e w i t t c h e n .
Hans Christian Andersen w u r d e a m 2. A pr il 1 8 0 5 als S o h n ein e s
Sc h u h m a c h e r s in O d e n s e ge b o r e n . V o r der Ar m u t sei n e r Kin d h e i t flo h er
mit 1 4 Ja h r e n na c h K o p e n h a g e n . D o r t ar b e i t e t e er ein e Zeit lan g für de n
Leit e r de s K ö n i g l i c h e n Th e a t e r s Jo n a s C olli n, der au c h G el d für sei n e
Sc h u l b i l d u n g zur V e r f ü g u n g st ellt e. S eit 1 8 2 2 pu b li z i e r t e A n d e r s e n
G e d i c h t e , Er z ä h l u n g e n un d Th e a t e r s t ü c k e . Er st e n Erf o l g er zi el t e er 1 8 2 9
mit ei n e r ph a n t a s t i s c h e n Er z ä h l u n g , die ga n z de m V or b il d E. T. A.
H of f m a n n ver p f li c h t e t w a r. A n d e r s e n s R o m a n d e b ü t „I m p r o v i s a t o r e n “
(1835) w u r d e vo n der Kriti k äu ß e r s t po siti v auf g e n o m m e n un d br a c h t e
ih m 1 8 3 8 ei n st a a t li c h e s Di c h t e r g e h a l t . Zur W e l t lit e r a t u r ge h ö r e n sei n e
üb e r 1 5 0 M ä r c h e n , in de n e n er Sc h r if t- un d Allt a g s s p r a c h e ge s c h i c k t
mit e i n a n d e r ver k n ü p f t e , u m die ge h e i m e n Ä n g s t e un d S e h n s ü c h t e sei n e r
Fi g u r e n zu be s p i e g e l n . Di e M ä r c h e n er s c h i e n e n zwi s c h e n 1 8 3 5 un d
1 8 4 8. Zu de n be k a n n t e s t e n ge h ö r e n „D a s hä ß li c h e E ntl e i n“, „D e s
K ai s e r s ne u e Kl ei d e r“, „Di e S c h n e e k ö n i g i n “, „Di e Pri n z e s s i n auf der
Er b s e“ un d „Di e klei n e M e e r j u n g f r a u “. A n d e r s e n s G e s c h i c h t e n w u r d e n in
m e h r als 80 S p r a c h e n üb e r s e t z t un d die n t e n als Th e a t e r- , B all e t t- un d
Fil m v o r l a g e n .
E wie Ende Michael
Michael Ende wurde am 12. November 1929 in Garmisch als Sohn des
surrealistischen Malers Edgar Ende und dessen Ehefrau Luise
Bartholomä geboren und verbrachte die ersten Jahre seines
Lebens in München. Edgar Ende und seine Bilderwelt prägen
den Sohn von frühester Kindheit an: Die künstlerische Welt,
die ihn umgibt, stellt für den Heranwachsenden eine stärkere
Wirklichkeit dar als die äußere Realität. Eine Haltung, die sich
später in seinem eigenen künstlerischen Werk widerspiegeln
wird.
Ab 1940 besuchte Ende das Maximiliansgymnasium in
München. Als er wenige Wochen vor Kriegsende zur
„Heimatverteidigung“ herangezogen werden sollte, desertierte
Ende und schloss sich der Organisation „Freiheitsaktion
Bayern“ an. Erst 1948 konnte Ende seine Schulzeit an der Waldorfschule in Stuttgart
erfolgreich absolvieren. Nach erfolgreichem Abschluss agierte Ende bis 1953 an
verschiedenen Theatern.
Während dieser Zeit verfasste Ende für verschiedene
politische Kabaretts die Texte und war als Filmkritiker beim
Bayrischen Rundfunk tätig. Mit eigenen, meist dramatischen,
Theaterstücken war Ende jedoch erfolglos. Danach widmete
er sich vor allem dem Schreiben von Kinderbüchern.
Nachdem zwölf Verlage sein Manuskript „Jim Knopf und
Lukas der Lokomotivführer“ abgelehnt hatten, erschien
dieses Kinderbuch 1960 im Thienemann Verlag und war
seitdem ein großer Erfolg.
Da verschiedene Kritiker Ende, gerade seines Jim Knopfs wegen, „Weltflucht“
vorwarfen und ihn als „Schreiberling für Kinder“ abtaten, ging er 1970 zusammen mit
seiner ersten Frau Ingeborg Hoffmann nach Italien und ließ sich südlich von Rom
nieder. Dort entstand 1973 sein märchenhafter Roman Momo. Zu diesem Roman
entstand ebenfalls eine Oper sowie ein Theaterstück. Im Alter von nahezu 66 Jahren
starb der Schriftsteller Michel Ende am 28. August 1995 in Filderstadt-Bonlanden in
der Nähe von Stuttgart an Magenkrebs.
Heute zählt er zu den beliebtesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren des
20. Jahrhunderts. Seine Bekanntheit verdankt er vor allem dem großen Erfolg seiner
Kinderbücher und ihren Helden, die mit ihrem einnehmenden Charakter zur
Identifikation einladen und den Leser in fremde Welten voller visionärer Symbolkraft
entführen. Mit Jim Knopf, Momo, Die unendliche Geschichte und Der
Wunschpunsch hat er sich in die Herzen junger und jung gebliebener Leser
hineingeschrieben.
Seine Werke wurden in über 45 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von
20 Millionen erreicht. Die Verfilmungen seiner beiden erfolgreichsten Bücher
„Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ trugen ebenfalls zu seiner Bekanntheit bei.
N wie Niemand darf dich hören
- Jugendroman von Robin Klein-
Frances wohnt bei ihrer Tante, die nicht sehr reich ist, und deshalb muss sie fast jedes
Jahr mit ihrer Tante umziehen. Doch seit dem Umzug in die neue Wohnung benimmt sich
ihre Tante immer komischer: sie geht öfters aus, lernt aus einer Mappe, lässt Frances
nicht mehr in den Waschsalon.
Aber am letzten Schultag erklärt Tante Loris Frances alles: sie werden in ein neues
Haus ziehen weil sie heute heiraten wird. Das ist schwer für Frances denn in dieser
Schule hatte sie endlich eine gute Freundin gefunden. Tante Loris erklärt Frances, dass
sie die ganze Zeit die Lehre des Tempels gelernt hat, bei dem sie jetzt auch
aufgenommen worden war. Die Hochzeit wird eine Endtäuschung für Frances, denn bei
der Hochzeit im Tempel dürfen keine Kinder dabei sein. Spät am Abend sieht sie dann
zum ersten Mal ihren neuen Onkel, der ihr von Anfang an unsympatisch und autoritär
erscheint.
Am Morgen wacht sie in ihrem neuen Zimmer auf, dass ihr überhaupt nicht gefällt denn
es kommt nur durch ein ganz kleines Fenster Licht und die anderen sind mit schweren
Vorhängen zu. Am Frühstückstisch lernt Frances gleich ihre neuen Schwestern Claire,
Helen und Rosgrana und neue Regel kennen.
Denn das oberste Gebot des Tempels ist Ruhe und die Familie hält sich sehr daran.
Frances fallen die neuen Regeln sehr schwer, weil sie das zuvor nicht gewohnt war. Denn
ruhig am Tisch zu sitzen, nichts zu sagen und immer aufzuessen ist nicht leicht. Danach
wird ihr das ganz Haus gezeigt und ihre neue Aufgabe ist es sich um die Essensvorräte
der Familie zu kümmern. Dabei fällt ihr auf das manche Lebensmittel bereits über 20
Jahre alt sind. Frances muss sich nun an viele neue Sachen gewöhnen, denn an jedem
Abend müssen die Tyrell Mädchen lernen weil so wie Frances von ihrer Tante erfährt
gehen die Tyrell Mädchen nicht zur Schule und sie machen an jedem Abend um halb
zwölf einen Dauerlauf um den Häuserblock um Frischluft zu schnappen. Frances kann
das alles nicht verstehen doch nach einem klärenden Gespräch mit ihrer Tante Loris
wird Frances klar, dass nur die die zum Tempel gehören den Krieg von dem ihre Tante
gesprochen hat überleben werden. Frances beschließt nun all ihre Arbeiten ordentlich,
schnell und gut zu erfüllen weil sie möchte bald das haus verlassen und zu ihrer Freundin
Kerry zurück zu gehen um sie auch zum Tempel ein zu führen. Weil Frances ihre
Arbeiten gut gemacht hat, beschließt der Tempelrat, dass Frances auf eine
Zusammenkunft mit in den Tempel darf. Helen erzählte Frances dass sie einmal lange
Locken hatte aber sie musste sich die Haare lang wachsen lassen und sie glatt kämmen.
Weil Frances kleine Locken hast beschließt sie sich ihre Haare abschneiden zu lassen;
doch dass hat Folgen: Mr. Tyrell wird sauer und lässt Frances nicht mit in den Tempel
und sie bekommt kein Abendessen. Helen hat Mitleid mit Frances und bringt ihr heimlich
das Essen. Frances macht an diesem zwei Entdeckungen: sie findet in Helens Zimmer
einen Papiervogel hinter einem Vorhang und sie entdeckt ein kleines Fenster hinter dem
Nähschrank von Rosgrana wo sie eine Katze entdeckt die sie jetzt öfters füttert. Als
Frances ihre Nachspeise einen Brotpudding fiel ihr die Füllung eines Zahns heraus.
Frances traute sich mit ihren Kurzen Haaren nicht mehr zu den anderen aber sie freute
sich auch ein wenig weil siedachte ihre Tante wurde sie zu ihrem alten Zahnarzt
schicken und dann könnte sie Kerry besuchen. Doch es Kommt alles ganz anders: sie
gehen zu einem anderen Arzt.
Für Frances wir ihre neue Familie zum Alptraum sie fühlt sich immer mehr allein und als
ihre Schwester Claire auch noch Krank wird verdächtig Claire sofort Frances, weil sie
so laut und unfreundlich war. Frances denkt aber ganz anders und wird sehr traurig.
Ihre einzige Freundin ist nur noch die Katze, die sie nachts heimlich ins Haus lässt
obwohl ihr es Helen verboten hatte. Als sie eines Abends Milch von der Küche holte
schrie Claire so laut, dass das ganze Haus wach wurde. Frances sah nur noch wie ihr
Onkel die Katze zum haus hinaus trug und die Katze war tot. Frances findet ihre neue
Familie jedoch immer komischer und sie Kommt immer mehr zu dem Entschluss, dass
diese Religion nicht die richtige sein kann und sie begreift dass eine Religion die nur auf
die Angst der Menschen aufgebaut ist nicht die richtige sein kann. Daraufhin benimmt
sie sich noch unhöflicher und wird dadurch noch mehr unter Druck gesetzt. Der Tempel
beschließt, dass Frances in den Tempel muss bis sie sich wieder zum Tempel zurück
bekennt. Doch Frances will nicht in den Tempel und sie will auch nicht an all diese
Sachen Glauben. Francis, die die Freiheiten des Lebens gekannt hat, kann sich nur
schwer einordnen. Sie versucht es zwar aus Dankbarkeit ihrer Tante gegenüber immer
wieder, aber auch aus Angst vor den Folgen des Ungehorsams.
Frances will ausbrechen; sie versucht jemanden anzurufen, und wirft einen Brief über
den hohen Wellblechzaun. Doch niemand meldet sich. Nach wachsender Isolation in der
Familie und weiteren verzweifelten Fluchtversuchen gelingt ihr schließlich zusammen
mit Helen, die als einzige in der Familie tief in ihrem Inneren auch an der Sekte und
deren Ideologie zweifelt, die Flucht….Es bleibt jedoch offen was mit den Mitglieder der
Sekte und den beiden Geflohnen geschieht.
O wie Oliver Twist
Oliver Twist ist Titel und Hauptfigur eines Gesellschaftsromans (Erstveröffentlichung
1837) von Charles Dickens.
Der Roman erzählt die Geschichte des Findelkindes und
Waisenjungen Oliver Twist, der im Armenhaus aufwächst,
ohne etwas über seine Herkunft zu wissen. Hunger, schwere
Arbeit und Prügel füllen den kläglichen Tageslauf der kleinen
Opfer menschlicher Habsucht und Herzlosigkeit aus.
Durch die katastrophalen Zustände im Hause gezwungen, um
mehr Nahrung zu bitten, wird er wochenlang in den
Kohlenkeller gesperrt. Es wird ausgeschrieben, dass die
Kirche denjenigen entlohne, der sich seiner annehmen würde.
Dies führt ihn zum ansässigen Sargtischler, der einer
ehrlichen Arbeit nachgeht und den Jungen allmählich auf
seine Art lieb gewinnt. Der Nebenlehrling Noah Claypole
beleidigt Olivers Mutter, und Oliver prügelt sich mit Ihm und
wird bestraft, er flieht anschließend nach London.
Dort gerät er in die Fänge des jüdischen Hehlers Fagin, der ihn vor dem sicheren Tod auf der
Straße bewahrt, indem er ihn verköstigt und gleichzeitig mit dem Diebeshandwerk vertraut
machen möchte. Dessen Schützlinge bilden eine Diebesbande, deren Anführer Fagin ist und
die hauptsächlich aus Straßenjungen besteht. Der äußerst brutale Eigenbrötler Bill Sikes und
die ihm nahestehende Diebesgesellin Nancy, die auf eine eigenartige Weise mit Sikes
verbunden ist, treten ebenfalls zu dieser Zeit in Olivers Leben. In solcher Gesellschaft lebend
und lernend wird Oliver eines Tages auf eine Diebestour mitgenommen, die fatale Folgen für
ihn hat. Nachdem das Opfer Mr. Brownlow bemerkt, dass er bestohlen wurde, wird Oliver
fälschlicherweise für den Dieb gehalten.
Der zu dieser Zeit kranke Oliver wird schließlich von einem Zeugen entlastet, ganz zum
Wohlgefallen des mitleidigen Mr. Brownlow, welcher den kleinen Pechvogel unter seine
Fittiche nimmt und gesund pflegen lässt. Zu dieser Zeit realisiert Mr. Brownlow, dass ihm der
Zufall niemand geringeren als den unbekannten Sohn seiner Nichte Betty in seine Arme
getrieben hat, der verloren geglaubt war. Dies allein aufgrund der Ähnlichkeit zu seiner
Mutter, von der als einziges Zeugnis noch ein Bild zurückgeblieben ist. Oliver erlebt dankbar
das erste Mal in seinem Leben die Güte und Liebe einer mütterlichen Sorge durch die
Haushälterin Mr. Brownlows, welche sich aufopfernd um ihn kümmert und ihn gesunden
lässt. Die gute Zeit ist jedoch nur von kurzer Dauer und endet, als Mr. Brownlow Oliver auf
eine Besorgung losschickt, welche er so schnell wie möglich zu erledigen gelobt. Er verirrt
sich jedoch dabei, wird durch Nancy geschickt entführt und schließlich gezwungen, zu Fagin
und seiner Diebesbande zurückzukehren. Mr. Brownlow bleibt gekränkt im Glauben zurück,
Oliver hätte sich mit dem mitgegebenen Geld für die Besorgungen aus dem Staub gemacht.
Fagin versucht anschließend, Oliver zum Dieb zu schulen. Über eine sehr lange Zeit fristet
Oliver sein Dasein in der Diebeshütte, ohne je eine Gelegenheit zur Flucht zu haben.
Schließlich wird er für einen Einbruch im Hause der Maylies eingeplant. Fagin übergibt
Oliver zu diesem Zwecke Sikes, welcher ihn für den Einbruch verwenden soll. Der Einbruch
geht jedoch schief. Beim Versuch ins Haus einzudringen, wird Oliver angeschossen und
schwer verletzt vom flüchtenden Sikes zurückgelassen.
Oliver kann sich jedoch am nächsten Tag an die Tür des Anwesens schleppen, wo er
zusammenbricht und von den Bewohnern des Hauses wiederum gesund gepflegt wird.
Hierbei lernt er die Maylies kennen, die ihn genauso
gütig und aufopfernd annehmen wie ehemals Mr.
Brownlow. Oliver verlebt in dem Hause die schönste Zeit
seines Lebens und ist jederzeit aufmerksam für dessen
Bewohner zur Stelle - egal wie unwichtig die Aufgaben
auch sein mögen, welche es zu erledigen gibt. Als er mit
dem Arzt der Familie zu Mr. Brownlows Haus fährt, um
seine erlebte Geschichte zu beweisen und um den
schlechten Ruf, den er bei Mr. Brownlow hat, endlich zu beseitigen, findet er das Haus leer
und zum Verkauf vor.
Die Liebe, die er im Hause Maylie erfährt, hält allerdings an.
Währenddessen versucht Fagin zusammen mit Monks (zu diesem Zeitpunkt eine düstere
undurchsichtige Gestalt) fieberhaft herauszufinden, wo Oliver sich aufhält. Als ihnen dies
nach einiger Zeit gelingt, schmieden sie einen Plan, wie sie Oliver aus dem Weg räumen
könnten, ohne selbst damit in Verbindung zu kommen. Nancy erfährt jedoch von diesem
finsteren Plan und bringt sich in Lebensgefahr, als sie Rose Maylie aufsucht und warnen will,
was Oliver zustoßen soll. Daraufhin schmieden die Maylies mit dem zurückgekehrten Mr.
Brownlow einen Plan wie sie Oliver schützen können. Nancy weigert sich ihre Genossen zu
verraten - teils weil sie Sikes trotz allem liebt, teils aber auch, weil Fagin auch als Dieb
erzogen wurde und daher für sein Handeln entschuldbar ist.
Sie werden Monks habhaft, der - was Oliver zu diesem Zeitpunkt nicht weiß - der Halbbruder
Olivers ist und sich zum Lebensziel gesetzt hat, dessen Leben zur Hölle zu machen und an das
Erbe seines Vaters zu gelangen. Als Fagin erfährt, dass Nancy die Bande hintergangen hat,
berichtet er Sikes davon, ohne zu ahnen, dass dieser Nancy kurzerhand umbringt - Sikes
erhält einen seelischen Schock. Er kann zwar anfangs flüchten, wird in London anschließend
gestellt, und begeht durch Erhängen Selbstmord. Fagin erwartet schließlich das gleiche
Schicksal am Galgen durch das geschickte Aufdecken der ganzen Umstände und Diebereien
durch Mr. Brownlow.
Monks wird freigelassen, unter der Bedingung, dass er Olivers Abstammung beglaubigt und
ihn nie wieder belästigen wird. In einem fernen Land stirbt Monks schließlich, weil er sich
wieder einer Diebesbande anschließt und gefangen genommen wird. Schließlich wird Oliver
Mr. Brownlow und seiner Haushälterin Mrs. Bedwin gegeben und lebt dort weiter.
Charles Dickens benutzt die Form des Romans, um die gesellschaftlichen Missstände seiner
Zeit zu thematisieren. Zu Beginn des 19 Jahrhunderts in England wird das Leben geprägt von
einer strengen Klassengesellschaft, der zunehmenden Industrialisierung, schwerer harter
Arbeit in den Fabriken, denen auch die Kinder ausgesetzt sind, sowie großer Armut und
sozialem Elend. Die wird vor allem durch die Beschreibung der Kinder im Armenhaus sowie
in der Ausbeutung durch Kriminelle deutlich dargestellt. Der Waisenknabe Oliver wird
körperlich und seelisch misshandelt und erfährt nur von wenigen reichen Menschen Güte und
Barmherzigkeit. Die Armen und Kranken sind nichts mehr als Aussätzige in einer Welt der
Stärkeren und gesellschaftlich Höhergestellten. Kinderarbeit, Ungerechtigkeit, Hunger und
Tod sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Schilderungen der Brutalitäten
gegenüber den Armen und Schwachen sind - aus heutiger Sicht - oft so absurd, dass man sie
kaum glauben mag. Nach Erscheinen des Romans wurde zum ersten Mal das Armengesetz
diskutiert.
P wie Poesie
Aus meinem eigenen Poesiealbum
Als Freunde lernten wir uns kennen,
und Sorgen,
als Freunde werden wir uns trennen,
Lächeln borgen,
als Freunde auseinander gehn,
bringt dir Glück,
als Freunde uns bald wieder seh'n!
zurück!
Bedrücken dich Kummer
Kann ich dir mein
Es macht dich froh und
Gib es mir irgendwann
Die Liebe fragt die Freundschaft: Wofür bist du eigentlich da?
Es gibt auf der Welt einen einzigen Weg,
Die Freundschaft antwortet der Liebe: Ich trockne die Tränen,
welchen niemand gehen kann außer dir.
die du angerichtet hast!
Wohin er
führt, frage nicht!
Drei Englein sollen dich begleiten,
Echte Freunde zu haben
bedeutet viel im Leben
in deiner ganzen Lebenszeit.
doch muss man die
Freundschaft pflegen!
Und die Englein sollen
heißen:
Drum will ich dir endlich mal sagen,
Gesundheit, Glück, Zufriedenheit!
haben!
wie schön es ist,dich zu
Du sagst, ich soll dir schreiben ins Büchlein ein Gedicht.
immer Lustig immer froh
Verzeih, das ist unmöglich, denn dichten kann ich nicht.
die Maus im Haferstroh.
Sei
wie
Lass Dir niemals rauben,
Wenn die Flüsse aufwärts fließen,
Heute sind wir noch jung an Jahren,
Hoffnung, Lieb und Glauben, und die Hasen Jäger schießen,
doch die Zeit eilt wie der Wind.
welche Dir im Leben,
und die Mäuse Katzen fressen,
Ob
wir wohl mit weißen Haaren
Mut und Stärke geben.
dann erst will ich dich vergessen.
noch wie heute Freunde sind?
Wenn du einst in späten Jahren Wenn sich die Sprüche
widersprechen,
Hab` Sonne im Herzen,
dieses Album nimmst zur Hand,
Ists eine Tugend und kein
Verbrechen.
ob`s stürmt oder schneit,
denk daran wie froh wir waren
Du lernst nur wieder von Blatt zu
Blatt,
ob der Himmel voll Wolken,
als man Kinder uns genannt.
das jedes Ding zwei Seiten hat.
die Erde voll Streit.
So viele Dornen wie ein Rosenstock,
Wer sich über alles freut
Unsre Zeit vergeht geschwind,
so viele Haare wie ein Ziegenbock,
Hat nicht Zeit zum Klagen.
nimm die Stunden wie sie sind,
so viele Haare wie ein Pudelhund,
tausend Freuden hat die Welt
sind sie bös, lass sie vorüber,
so viele Jahre bleib gesund!
nicht nur tausend Plagen.
sind sie gut, dann freu dich drüber.
Hoffnung ist wie Zucker im Tee,
Ins Album schreib ich gern
hinein,
Auch wenn sie klein ist,
denn ich will nicht vergessen
sein.
versüsst sie alles.
Doch leiber will ich im Herz
stehen,
weil’s Album könnt verloren gehen.
Q wie Quellenverzeichnis des Lese ABCs
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A wie Asterix-Comics: http://de.wikipedia.org/wiki/Asterix
A wie Andorra: eigenes Referat aus der 9. Klasse
B wie Brockhaus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Brockhaus_Enzyklop%C3%A4die
C wie Comics: http://de.wikipedia.org/wiki/Comic_in_Europa,
http://de.wikipedia.org/wiki/Comic_in_Nordamerika
D wie Duden: http://www.duden.de/ueber_duden/
E wie Ende Michael: http://www.michaelende.de/
F wie Flugblätter/Flugschriften: http://de.wikipedia.org/wiki/Flugblatt,
http://de.wikipedia.org/wiki/Flugschrift
H wie Harry Potter: www.harrypotter-xperts.de
G wie Gebrüder Grimm: http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder_Grimm
I wie In 80 Tagen um die Welt:
http://de.wikipedia.org/wiki/In_80_Tagen_um_die_Welt
J wie Jakob der Lügner: eigenes Referat aus der 10. Klasse
K wie (Die) Kinder aus Bullerbü: „Die Kinder aus Bullerbü“ von Astrid
Lindgren
K wie Kästner Erich: http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_K%C3%A4stner,
http://www.kaestner-im-netz.de/
L wie Lindgren Astrid: http://www.astridlindgren.de/
M wie Märchen: http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rchen,
N wie Niemand darf dich hören: eigenes Referat aus der 7. Klasse
O wie Oliver Twist: http://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Twist
P wie Poesie: eigenes Poesiealbum
P wie Pink Army Journal: Pink Army Journal 1/2007
Q wie Quellenverzeichnis
R wie Ronja Räubertochter:
http://www.efraimstochter.de/ronja_raeubertochter/ronja_raeubertochter.shtml,
http://de.wikipedia.org/wiki/Ronja_R%C3%A4ubertochter,
S wie Sprichwörter:
http://de.wikiquote.org/wiki/Deutsche_Sprichw%C3%B6rter
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S wie Sage: „Sagen, Legenden und Geschichten aus der Fränkischen Schweiz“
von Heinz Büttner
T wie Tagebuch der Anne Frank: http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank,
http://www.annefrank.de/
U wie (Die) Unendliche Geschichte: Klappentext des Buches „Die Unendliche
Geschichte“ von Michael Ende
V wie Vanderbeke Birgit: http://www.kat.ch/bm/solo3.htm,
http://de.wikipedia.org/wiki/Birgit_Vanderbeke
W wie Wort des Jahres: http://de.wikipedia.org/wiki/Wort_des_Jahres,
http://www.gfds.de/index.php?id=11
X – Das große Unbekannte: meiner eigenen Kreativität entsprungen
Y : in diesem Lese ABC leider nicht vorhanden
Z wie Zeitschriften und Zeitungen: diverse Zeitungen und Zeitschriften
R wie Ronja Räubertochter
In der Nacht, als Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge, ja, es
war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald
hausten, erschrocken in ihre Höhlen und Schlupfwinkel verkrochen. Nur die
wilden Druden liebten Gewitter mehr als jedes andere Wetter und flogen mit
Geheul und Gekreisch um die Räuberburg auf dem Mattisberg. Es gewitterte so
sehr, dass die Mattisburg hoch oben auf dem Mattisberg mitten durchbrach.
Ronjas Kinderleben begann großartig.
Borka, das war der Erzfeind der Mattissippe, so
wie Borkas Vater und Großvater die Erzfeinde von
Mattis' Vater und Großvater gewesen waren. Ja,
seit Menschengedenken hatten sich die Borkasippe
und die Mattissippe in den Haaren gelegen. Räuber
waren sie allesamt seit Urzeiten gewesen und der
Schrecken aller ehrbaren Leute, die mit Pferd und
Wagen voller Lasten durch die tiefen Wälder
ziehen mussten, wo die Räuber hausten.
Von all dem wusste Ronja nichts, dazu war sie noch
zu klein. Sie ahnte nicht, dass ihr Vater ein gefürchteter Räuberhauptmann war.
Für sie war er nur der bärtige, gutmütige Mattis, der lachte und sang und schrie
und sie mit Brei fütterte. Ihn hatte sie lieb.
Als Ronja älter wurde und die Erlaubnis bekam, frei im Wald herumzustreifen,
sagte ihr Vater: "Hüte dich vor den Wilddruden und den Graugnomen und den
Borkaräubern."
Aber nichts wurde, wie sich Räuber Mattis das gedacht hatte. Ronja freundete
sich mit Birk, Borkas Sohn, an. Sie wurden die besten Freunde und kämpften
zusammen für Frieden und Gerechtigkeit.
In ein e r stür m i s c h e n G e w i t t e r n a c h t brin g t Lo v i s ihre m M a n n , de m R ä u b e r h a u p t m a n n
M a t t i s, ein e To c h t e r zur W e l t. Zu r glei c h e n Zeit sp a lt e t ein Blit z die R ä u b e r b u r g in
z w e i H äl ft e n . D a z w i s c h e n klafft nu n ein gef ä h r li c h e r H öll e n s c h l u n d im B e r g. R o n j a
w ä c h s t im M a t t i s w a l d als To c h t e r de s R ä u b e r h a u p t m a n n s M a t t i s auf. La n g e Zeit ist
sie da s ein z i g e Kin d w eit un d breit. Als jed o c h im B o r k a w a l d di e
La n d s k n e c h t e einf a ll e n , zie h e n es die B o r k a r ä u b e r vor, sic h im
ab g e s p a l t e n e n Teil der M a t ti s b u r g ein z u n i s t e n , die vo n nu n an
Bork af e s t e
hei ß e n
soll.
Ers t mit z w ö l f Ja h r e ent d e c k t R o n j a , die R ä u b e r s t o c h t e r , da ß der z w e i t e,
ver m e i n t l i c h un z u g ä n g l i c h e Fel s e n b u r g t e i l vo n der fein d li c h e n Sip p e de s
Räu b e r k o n k u r r e n t e n
Bork a
be s e t z t
word e n
ist. Z w i s c h e n
de n
R ä u b e r h ä u p t l i n g e n un d ihre n B a n d e n bric h t der alt e Str e it wie d e r auf.
R o n j a ler nt inz w i s c h e n B or k a s S o h n Bir k ke n n e n , der in der glei c h e n
N a c h t wi e sie sel b s t ge b o r e n w u r d e . A uf ihr e n ab e n t e u e r l i c h e n
Str e if z ü g e n dur c h die ur w ü c h s i g e n W ä l d e r , die vo n allerl e i
be d r o h l i c h e n
un d bet u li c h e n
Fa b e l w e s e n
be v ö l k e r t sin d, be s t e h e n
bei d e
ge m e i n s a m e G e f a h r e n . Ein m a l rett e t sie Bir k in der gef ä h r l i c h e n H öll e n s c h l u c h t da s
Le b e n , ei n an d e r m a l rett et er R o n j a kn a p p vor de m St u r z in ein e n W a s s e r f a l l. Mit der
Zeit w e r d e n R o n j a un d Bir k jed o c h - hint e r de m R ü c k e n der bei d e n zer s t rit t e n e n
R ä u b e r h a u p t m ä n n e r - dic k e Fr e u n d e . Di e ge s c h w i s t e r l i c h e Kin d e r f r e u n d s c h a f t blü h t
bal d auf zur ers t e n Lie b e . D o c h die bei d e n m ü s s e n ihre auf k e i m e n d e n G e f ü h l e
ver h e i m l i c h e n . Als der K o n f li k t z wi s c h e n de n bei d e n Sip p e n es k a l i e r t , zie h e n R o n j a
un d Bir k ge m e i n s a m in ein e H ö h l e im W a l d . In ein e r B ä r e n h ö h l e ric ht e n sie sic h
hä u s l i c h ein un d ern ä h r e n sic h vo n La c h s f a n g un d vo n St ut e n m i l c h .
D o c h der dic k s c h ä d e l i g e R ä u b e r v a t e r R o n j a s ka n n de n V erl u s t der
To c h t e r nic h t ertr a g e n un d holt die V e r s t o ß e n e wi e d e r hei m in die
M a t t i s b u r g . D u r c h ihr e H a r t n ä c k i g k e i t sc h a f f e n es die S pr ö ß l i n g e
sc hli e ß l i c h so g a r , ihr e V ät e r zu ver s ö h n e n , die sic h nu n mit ver e i n t e n
Kr ä f t e n ge g e n die fein d li c h e n La n d s k n e c h t e be h a u p t e n kö n n e n . Di e vo n
ihre n Ki n d e r n zur R ai s o n ge b r a c h t e n Elt e r n erla u b e n in Zu k u n f t de n
ge m e i n s a m e n S o m m e r a u f e n t h a l t de s N a c h w u c h s e s in der B ä r e n h ö h l e .
Ei n e s jed o c h ist ge w i ß : R ä u b e r w oll e n die bei d e n nic h t w e r d e n .
D a s B u c h „Ro n j a R ä u b e r t o c h t e r“ vo n A st ri d Lin d g r e n
ers c h e i n t 1 9 8 1 un d ist der ein z i g e R o m a n vo n Lin d g r e n ,
der volls t ä n d i g in ein e r fiktiv e n W e l t spi elt. D a s ga n z e
B u c h dre h t sic h au c h u m ein e n K o n f li k t z wi s c h e n Elt e r n
un d Kin d e r n . M a t t i s will, da s s R o n j a au c h R ä u b e r i n wir d,
ab e r R o n j a hält vo m R ä u b e r h a n d w e r k se h r w e n i g un d
ent s c h e i d e t sic h letz t e n d l i c h ge g e n die s e B e r u f s w a h l . M e h r f a c h st e h t die Lie b e
z wi s c h e n To c h t e r un d V at e r auf M e s s e r s Sc h n e i d e .
B ei ihr e m Plä d o y e r ge g e n G e w a l t üb e r z e u g e n die Ki n d e r a m E n d e ihre V ät e r, sie
ne h m e n ihre Zu k u n f t in die eig e n e H a n d . Hi e r sc hi m m e r t die Ü b e rz e u g u n g der
Li n d g r e n dur c h , da ß die Er w a c h s e n e n , w e n n sie sic h üb e r h a u p t än d e r n w oll e n , vo n
de n Ki n d e r n ler n e n kö n n e n , ja m ü s s e n . Ein w u n d e r s c h ö n e s B u c h üb e r Fr e u n d s c h a f t ,
Tol e r a n z un d Sic h- V e rt r a g e n . Es zei g t wie wic h t i g es ist, da s s Kin d e r ihr e eig e n e n
Erf a h r u n g e n m a c h e n , u m zu sel b s t b e w u s s t e n Ju g e n d l i c h e n mit eig e n e r M ei n u n g
her a n z u w a c h s e n un d die Fä h i g k e i t zu ent w i c k e l n z wi s c h e n ric hti g un d fals c h , m u t i g
un d leic h t s i n n i g zu unt e r s c h e i d e n .
S wie Sprichwörter
Aller Anfang ist schwer.
Aller guten Dinge sind drei.
Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Reisende soll man nicht aufhalten.
Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Betrunkene und Kinder sagen die Wahrheit.
Knapp daneben ist auch vorbei.
Ein voller Bauch studiert nicht gern.
Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Sport ist Mord.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.
Rache ist süß.
Alte Liebe rostet nicht.
Liebe macht blind.
Andre Mütter haben auch schöne Töchter.
Auch Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Gleich und gleich gesellt sich gern
Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen!
Bellende Hunde beißen nicht!
Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Eile mit Weile.
Säge nicht an dem Ast, auf dem du sitzt.
Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.
Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.
Kindermund tut Wahrheit kund.
Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
Irren ist menschlich.
Keine Kette ist stärker als ihr schwächstes Glied.
Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.
Lügen haben kurze Beine.
Eine Hand wäscht die andere.
Probieren geht über studieren
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben.
Neid ist die ehrlichste Form der Anerkennung.
Carpe diem!
Ohne Fleiß kein Preis!
Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.
Ein jeder ist seines Glückes Schmied.
Was dich nicht umbringt, macht dich stark.
Harte Schale und weicher Kern.
Einmal ist keinmal.
Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder große Sorgen.
Wer wagt, gewinnt.
Man muss die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hat.
Wie du mir, so ich dir. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wie der Vater, so der Sohn.
Ende gut, alles gut.
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung.
Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss seh'n was übrig bleibt.
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Betrunkene und Kinder schützt der liebe Gott.
Einbildung ist auch 'ne Bildung.
Der erste Eindruck zählt.
Den letzten beißen die Hunde!
Wer zuletzt lacht, lacht am besten.
Der Esel nennt sich immer zuerst.
Doppelt genäht hält besser. Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Gegensätze ziehen sich an.
Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu.
Geteilte Freude ist doppelte Freude. Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Stille Wasser sind tief.
Scherben bringen Glück.
Kleinvieh macht auch Mist.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.
Müßiggang ist aller Laster Anfang.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.
Pech im Spiel, Glück in der Liebe. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Hinterher ist man immer klüger.
Hunde, die bellen, beißen nicht.
Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Wenn es am besten schmeckt, soll man aufhören.
Übung macht den Meister.
Jeder Topf hat einen Deckel.
Ein Lächeln ist die schönste Sprache der Welt.
Kleine Sünden bestraft Gott sofort.
Ordnung ist das halbe Leben. Was sich liebt, das neckt sich. Schlaf ist die beste Medizin.
Lachen ist die beste Medizin.
Langes Fädchen, faules Mädchen.
Was nicht passt, wird passend gemacht.
Viele Köche verderben den Brei.
U wie Unendliche Geschichte
- Roman von Michael Ende –
Der kleine Bastian wird regelmäßig von seinen Klassenkameraden schikaniert.
Auf der Flucht vor ihnen rettet er sich eines
Tages in ein Antiquariat, wo er einem alten
Buchhändler begegnet, der ihn vor einem
geheimnisvollen Buch mit dem seltsamen Titel
„Die Unendliche Geschichte“ warnt. Bastian
kann nicht widerstehen und vertieft sich in das
spannende Buch. Als er von dem kauzigen
Buchhändler dabei überrascht wird, läuft er
mit dem Buch davon, immer weiter, bis auf den
Dachboden seiner Schule. Dort kann er
ungestört in seinem Buch schmökern. Das Buch
handelt von Atréju, der das Leben der
Kindlichen Kaiserin Phantasiens, und somit auch
Phantasien retten will. Denn das Nichts lässt
Phantasien und auch die Seiten in Bastians
Buch langsam verschwinden. Bastian bemerkt,
dass er sich trotz seiner Bemühungen der Geschichte nicht mehr entziehen kann.
Zwischen dem Gerümpel vergisst er, dass er Hunger hat, dass es kalt und
ungemütlich ist, denn er ist selbst schon mitten drin in der unendlichen
Geschichte:
Er kommt nach Phantasien ins Land der Kindlichen Kaiserin. Von ihr enthält er ein
Medaillon als Zeichen seiner unbeschränkten Macht. Die Inschrift „Tu was du
willst“ deutet er zunächst als „ Tu was dir beliebt“. Damit gerät er immer tiefer
in einen Strudel ungezügelter, vergessen-machender Phantasie. Bis er erkennt,
dass dieses Motto auch bedeuten kann „Tu, wozu es dich innerlich drängt, was
dein eigentlicher Wille ist“.
Ohne seinen Freund Atreju hätte er nie
wieder herausgefunden aus diesem Land
ohne Grenzen und hätte niemals
Phantasien und seine Kaiserin retten
können. Es gibt nur wenige Menschen,
die nach Phantasien kommen und wieder
zurückkehren, so wie Bastian….
V wie Vanderbeke Birgit
Birgit Vanderbeke wurde am 8. August 1956 in Dahme (Brandenburg/DDR) geboren. Die Familie
übersiedelte 1961 in die Bundesrepublik Deutschland. Birgit
Vanderbeke studierte Jura und Romanistik in Frankfurt am Main, wo
sie anschließend kurzzeitig als Sekretärin im Institut für
Sozialforschung arbeitete. 1992/93 lebte sie als freie Schriftstellerin
in Berlin, Seit 1993 lebt sie als freie Autorin in ihrer neuen
Wahlheimat in Südfrankreich. Mit einem Teil ihrer ersten Erzählung
"Das Muschelessen" gewann sie 1990 den Ingeborg-Bachmann-Preis in
Klagenfurt.
Alberta empfängt einen Liebhaber
Alberta ist so unberechenbar wie jemand nur sein kann, der im Mai
seinen Wintermantel anzieht. Alberta raucht, liebt Frankreich,
schreibt, übersetzt und hat viel Geschmack. Nadan dagegen ist
Nichtraucher, hasst Paris, geht zum Krafttraining und trägt gebügelte
Schlafanzüge. So wohldurchdacht ist der Astrophysiker, dass er ein
großes Haus mit drei Kinderzimmern baut, bevor Alberta - die Frau, die
er so wenig loswerden kann wie ein Bauer eine Heuschreckenplage - sich
überhaupt entschieden hat, mit ihm zusammenzuleben. Dabei liebt sie
ihn, und er sie, sogar "von Anfang an und bis zum jüngsten Tag". Aber
das Wasser ist zu tief zwischen diesen beiden, tragisch - doch Birgit
Vanderbekes Prosa ist komisch, ja übermütig. Es ist ein wahres
Vergnügen, ihren Gedankenreisen zu folgen, so treffend beschreibt sie die verschiedenen
Welten der Männer und Frauen.
Ausschnitt aus „Alberta empfängt einen Liebhaber“:
„(…) Schweigen kann sehr verschieden sein, und wir haben seit unserem Erstschweigen auf der
umgefallenen Fichte viele Folgeschweigen ausprobiert, mit- und gegeneinander, erschöpfte,
explosive; manche Schweigen pochen an die Stirn und lassen Nadans Augen verschwimmen;
Blödigkeitsschweigen gibt es und endlose Telefonschweigen, von denen einem die Seele gerinnt;
aber dieses Urschweigen mit dem Milchmond auf der umgefallenen Fichte war anders als all die
späteren Sorten, die wir ungefär so gelernt und uns übersetzt und benutzt haben wie eine
Taubstummensprache. In jeder danebengegangen Geschichte gibt es ein Schweige-Glossar, und
wenn eine Geschichte so wie unsere danebengeht, bis zum Jüngsten Tag, ist das SchweigeGlossar riesig, geradezu enzyklopädisch, aber das Urschweigen gehörte noch nicht in dieses
Schweige-Glossar hinein; es war ganz ohne Bedeutung, nur klumpg, und ich brauchte dringend
eine Zauberformel, um elegant aus der Sache herauszufinden, aber mir fiel lange keine ein, weil
das Leben angehalten hatte. (…)“
W wie Wort des Jahres
Die „Wörter des Jahres“ werden seit 1972 regelmäßig von der
„Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) in Wiesbaden als
sprachlicher Jahresrückblick herausgegeben und seit 1978 in der
Zeitschrift „Der Sprachdienst“ publiziert. Ausgewählt werden
solche Wörter, Ausdrücke und Phrasen, die die öffentliche
Diskussion des betreffenden Jahres besonders bestimmt haben,
die für wichtige Themen oder Ereignisse stehen oder sonst als
charakteristisch für das vergangene Jahr erscheinen. Die
Worthäufigkeit spielt für die Entscheidung keine Rolle. Auch ist
mit der Auswahl keine Wertung bzw. Empfehlung verbunden. Die
Auswahl der Schlagwörter erfolgt stets im Dezember durch eine
Fachjury. Diese besteht aus dem Hauptvorstand sowie den
wissenschaftlichen Mitarbeitern der GfdS.
Die „Wörter des Jahres stehen oft im Zusammenhang mit
wichtigen politischen Ereignissen, wie z.B. die Wörter des Jahres
1989 („Reisefreiheit“) und 1990 („Die neuen Bundesländer“), die
aufgrund der Deutschen Wiedervereinigung ausgewählt wurden
oder das Wort des Jahres 2005 („Bundeskanzlerin“), das auf
Angela Merkel und ihre Stellung als erste deutsche
Bundeskanzlerin hinweisen sollte. Aber auch gesellschaftlich
wichtige Ereignisse wie die Fußball-WM 2006 in Deutschland
(„Fanmeile“, 2006 ), die Verbreitung der Krankheit AIDS (1987)
oder die Katastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl (1986)
werden durch des Wort des Jahres thematisiert.
Neben dem „Wort des Jahres“ wird auch jedes Jahr das so
genannte „Unwort des Jahres“ gewählt. Dieses wird jährlich von
der Jury der „Aktion Unwort des Jahres“ an der Universität
Frankfurt am Main bestimmt; hierzu kann aber jeder Vorschläge
einreichen. Geeignet sind Begriffe „aus der aktuellen öffentlichen
Kommunikation“, die nach Ansicht der Juroren „sachlich grob
unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde
verletzen“. Viele der gewählten „Unworte“ standen unter massiver
Kritik. „Entlassungsproduktivität“ und „sozialverträgliches
Frühableben“ wurde nach Aussage der Kritiker nahezu nicht
benutzt, „Humankapital“ und „Ich-AG“ bewusst falsch
verstanden. Zusätzlich wurde von der Jury „Menschenmaterial“
als Unwort des 20. Jahrhunderts gewählt.
X – Das große Unbekannte
Schon die Anordnung im Alphabet als 24. und somit
beinahe letzten Buchstaben soll wohl schon anzeigen,
dass der Buchstabe X in der deutschen Sprache nicht
sonderlich oft gebraucht wird. Denn der Buchstabe X
hat nur eine durchschnittliche Häufigkeit von 0,03 % in
deutschen Texten.
Doch was wäre die Sprache ohne das X.
Mit X werden häufig mysteriöse, geheimnisvolle oder
unerforschte Dinge bezeichnet, wie z.B. „X-Ray“ für
Röntgenstrahlung. Diesen „Mystery“ Faktor des X nutzen
auch Film und Fernsehindustrie, für sich, um ihre Action-
oder Krimi – Serien/ - Filme noch spannender und
interessanter klingen zu lassen (z.B. „X-Faktor – Das
Unfassbare“, „X-Men“, „Triple XXX“….). Auch viele
Märchen- und Phantasiewesen, wie die Hexe oder die
Nixe tragen ein
X
im Namen. In diesem
Anwendungsbereich erreicht das
Popularität.
X
wohl seine größte
Aber auch sonst ist der Buchsstabe
einsetzbar:
X
vielseitig
So steht das X z.B. auch auf allen Euro Scheinen mit
deutscher Herkunft.
In der Biologie/Genetik unterscheidet man mit X und Y
die Geschlechtschromosomen der Lebewesen, wobei hier
dem
X-Chromosom
die weitaus stärkere und wichtigere
Stellung zu kommt, da das X-Chromosom aufgrund seiner
genetischen Informationen überlebenswichtig ist.
Die größte und wichtigste Rolle spielt das X
wahrscheinlich in der Mathematik. Traditionell ist es hier
die „ewige Unbekannte“, die es zu berechnen gilt. Mir
persönlich wäre es hier jedoch oft lieber gewesen, wenn
das X in manchen Rechenaufgaben mal weniger mysteriös
und unbekannt gewesen wäre.
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Seele and Geist
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