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Die Neckarstadt baut Brücken „wie noch nie“ - Heilbronner Stimme

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HEILBRONN
MITTWOCH 8. Januar 2003
HN1
3
Heilbronn: Freundin verletzt
Messerstecher
setzt sich mit
Schnaps matt
Der Umbau der 51 Jahre alten Otto-Konz-Brücke beginnt noch diesen Monat; die Bauzeit des Acht-Millionen-Euro-Projektes wird ungefähr zwei Jahre betragen. (Foto: Ulrike Kugler)
Dieses Jahr hat das Heilbronner Tiefbauamt vier Brückenbaustellen laufen – Nur der Lohtorsteg hängt noch in der Luft (Teil 1)
Die Neckarstadt baut Brücken „wie noch nie“
Von Kilian Krauth
Wer 1993 den Zustandsbericht
über die Heilbronner Brücken las,
konnte in der Tat Zustände bekommen. Zehn Jahre später hat
die Stadt am Neckar einiges zur Sicherung der teils desolaten Bauwerke getan. 20,7 Millionen Euro
flossen in Neubauten und Sanierungen. Weitere Großprojekte stehen an oder laufen schon.
„So viel wie zurzeit haben wir
noch nie gebaut und geplant“, erklärt Hartmut Sugg. Der Leiter des
Städtischen Tiefbauamts fährt mit
dem Zeigefinger über den Heilbronner Stadtplan. An vier Stellen verweilt er und taucht zusammen mit
seinem Brückenexperten Johann
Engländer tiefer in die Materie ein.
Punkt eins ist gleichzeitig die spektakulärste.
a Noch im Januar wird an der Otto-Konz-Brücke oberhalb der Neckarschleuse zwischen Böckingen
und Theresienwiese mit dem Teilabbruch begonnen. Vom Zustand des
51 Jahre alten und zeitweise bereits
gesperrten Bauwerks zeugten zuletzt herabfallende Betonteile...
„Ottos“ Zustand ist symptomatisch
für Großbrücken der Nachkriegszeit. Beim Wiederaufbau konnte
man die späteren Verkehrsströme
nicht voraussehen. Rechneten die
Neckartalstraße entlasten und darüber hinaus den Hafen mitsamt dem
neuen Gewerbegebiet „Wohlgelegen“ (Ex-Solvay) besser an die B 27
und Autobahn anbinden.
a Im April wird mit dem Bau der
neuen Fügerbrücke begonnen. Sie
führt in Verlängerung der Bruckmann-Brücke über den Neckar und
soll Europaplatz und altes Industriegebiet entlasten sowie den neuen
Technologiepark an die Neckartalstraße anbinden. Dem dieser Tage
an den Neckar gezogenen Unternehmen Siemens hat die Stadtverwaltung versprochen, dass die Brücke Ende 2004 zumindest „befahrbar“ ist. In dem Zwölf-MillionenEuro-Projekt steckt neben dem Ausbau der Fügerstraße auch der komplexe Verkehrsknotenpunkt Kalistraße, über den auch die Hafenstraße angebunden wird.
a Wohl im Herbst begonnen werden könnte mit dem neuen Lohtorsteg, der vom Hotel Burkhardt zur
Hefenweiler-Insel und weiter zum
Hagenbucher führen wird. Der 1,3
Millionen Euro schwere Mosaikstein zum Neckarpark hängt nach
einer längeren Hängepartie im Bauausschuss des Gemeinderates weiterhin in der Luft. Das letzte Wort
wird hier im Frühjahr die städtische
Von der Öffentlichkeit weithin unbemerkt wird am Ende der bisherigen „Sackgasse“ Hafenstraße seit einem Jahr an ei- Sparkommission sprechen.
ner neuen Brücke gebaut. Der Stahl wird bereits montiert. Bald wird der neue Bogen weithin sichtbar sein.
Fortsetzung folgt.
Brückenbauer in den 50ern mit einer Maximalbelastung von 24 Tonnen, sind es heute oft 90 Tonnen.
Über Risse und löchrige Abdichtungen sickert Wasser und Streusalz
ein, lässt den Stahl rosten und
„sprengt“ bei Frost den Beton.
Für acht Millionen Euro wird nun
der Überbau erneuert. Der Verkehr
kann während der Bauzeit weiter
fließen. „Otto“ wird übrigens um
neun Meter breiter, die Brücke bekommt auf der Nordflanke nämlich
zwei weitere Fahrspuren.
a Bereits ein Jahr im Bau ist die
neue Hafenbrücke, die parallel zum
markanten Bogen der Hafenbahnbrücke den Hafen mit der KarlWüst-Brücke verbinden wird. Während die nördliche Zufahrt über die
Albertistraße fast fertig ist, und der
neue Stahlbogen im Februar wie ein
mobiles Sprungbrett über den Neckar geschoben wird, wird anschließend noch ein kleineres Bauwerk
über die Bahn sowie die Hafenstraße
völlig neu ausgebaut. Deshalb ist
diese neue Neckarbrücke auch erst
ab dem Jahr 2004 befahrbar. Das
Gesamtprojekt kostet 20 Millionen
Euro, der Brückenanteil liegt bei
knapp fünf Millionen Euro. Das
neue Bauwerk soll zum einen die
Fusion von TSG-Fußballabteilung und Heilbronner Spvgg wieder auf der Tagesordnung - Landesligist liebäugelt mit dem VfR - Gelder bis Februar/März
TSG soll Farbe bekennen, sonst sieht der OB schwarz
Von Friedhelm Römer
Die Fusion ist tot. Es lebe die Fusion: Was gegen Ende des abgelaufenen Jahres wie ein Schlussstrich
unter den zunächst gescheiterten
Fusions-Bestrebungen der Fußball-Abteilung der TSG Heilbronn
mit der Heilbronner Spielvereinigung aussah, erlebt nun doch
noch eine Verlängerung.
Noch in dieser Woche – geplant
ist der morgige Donnerstag – wollen
sich die Fußball-Funktionäre der
TSG, unter anderem Abteilungsleiter Dieter Dürr und sein Vize Rainer
Siegmann, mit TSG-Chef Kurt Bauer
zusammensetzen. Dabei sollen
nach der Abstimmungs-Niederlage
der Fusions-Befürworter vom November 2002 nun letztmals die
Möglichkeiten einer Fusion mit der
HSV abgeklopft werden. Heilbronns
Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach will dem Gemeinderat
vorschlagen, die Gelder in Höhe
von 1,3 Millionen Mark, die im Hinblick auf die erste geplante Fusion
bis Ende 2002 zurückgestellt wurden, noch bis Februar/März bereitzustellen. Der TSG-Vorsitzende Kurt
Bauer will diesmal jedoch von den
Fußballern mehr hören als nur ein
Bekenntnis für oder gegen einen Zusammenschluss mit der HSV. „Wie
stellt sich die Fußball-Abteilung die
Zukunft vor, falls es nicht zu einer
Fusion kommt“, fragt Bauer. Weiterlaufen wie bisher wird es wohl
nicht. „Diejenigen, die sich sehr
stark engagieren, würden sich zurückziehen“, verrät Jugendleiter
Rainer Siegmann.
Doch mit der Zeit scheinen die
Mitglieder der HSV mit ihrer Geduld
am Ende zu sein, zumal sich für den
Landesligisten eine weitere Option
in Richtung VfR Heilbronn bietet.
„Ich bin mir allmählich nicht mehr
so sicher, ob meine Mitglieder überhaupt noch eine Fusion mit der TSG
wollen“, sagt die HSV-Vorsitzende
Margit Rokitte im Hinblick auf das
zweimalige Scheitern von Abstim-
mungsergebnissen auf TSG-Seite.
„Ich würde sportlich und menschlich eher zum VfR tendieren“,
macht sie aus ihrer persönlichen
Haltung keinen Hehl. Sie fordert
schon bis Ende Januar eine Entscheidung. Schließlich ist es höchste Zeit, um die neue Saison sportlich
und wirtschaftlich zu planen. Unterdessen tritt der VfR-Vorsitzende
Dieter Wolf lediglich als Zuschauer
in Erscheinung. „Ich werde nicht in
die Offensive gehen. Erst einmal
müssen TSG und HSV miteinander
klarkommen“, sagt der 33-Jährige.
Nach Angaben von Wolf betragen
die festen Verbindlichkeiten des
VfR derzeit noch 72 000 Euro für
die Berufsgenossenschaft. Die HSV
weist rund 350 000 Euro Schulden
auf. OB Himmelsbach präferiert
nach wie vor einen Zusammenschluss von TSG und HSV. „Dieser
hat für mich Priorität, da hierfür die
Gelder zur Verfügung gestellt worden sind. Erst wenn diese Fusion
nicht klappt, muss man weitersehen.“ Doch voraussichtlich werden
auch für die zweite Variante Gelder
– allerdings in geringerem Umfang –
von der Stadt an den neuen Verein
fließen. In diesem Fall sieht der OB
allerdings für die TSG-Fußball-Abteilung schwarz: „Dann sehe ich ein
ernstes Problem auf den Fußball in
der TSG zukommen.“
Mit zwei Messerstichen verletzte am Dienstagnachmittag
ein 32-Jähriger seine Freundin
im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung in der Heilbronner Südstraße. Vorausgegangen war ein vermutlich
stundenlanger Streit, der eskalierte. Um was es bei diesem
Streit ging, ist bislang nicht bekannt. Während der 32 Jahre
alte Heilbronner zu Fuß flüchtete, kam seine gleichaltrige
Freundin ins Krankenhaus. Es
bestand keine Lebensgefahr.
Die Heilbronner Polizei fahndete mit mehreren Streifen
nach dem Flüchtigen. Eine
Stunde nach der Tat wurde der
Polizei mitgeteilt, dass in der
Stuttgarter Straße ein Mann
eine Flasche Schnaps gestohlen
habe und nun volltrunken auf
dem Parkplatz eines Lebensmittelgeschäftes liege. Die Beamten stellten rasch fest, dass
es sich um den Gesuchten handelte. Auch er benötigte einen
Notarzt.
Täter und Opfer sind der Polizei bekannt. Es wird nicht
ausgeschlossen,
dass
der
32-jährige
Tatverdächtige
schon zur Tatzeit unter dem
Einfluss von Drogen oder Alkohol gestanden stand. (red)
Heilbronn: Von Vorderrad erfasst
Fußgänger bei
Unfall verletzt
Zu einem Unfall mit einem verletzten Fußgänger kam es am Donnerstag vergangener Woche in Heilbronn
Kreuzung
Liebigstraße/
Besigheimer Straße. Der Fahrer eines Daimler-Chrysler befuhr die
Liebigstraße in Richtung Besigheimer Straße. An der Kreuzung
Liebigstraße/Besigheimer
Straße
musste er verkehrsbedingt halten.
Als er anschließend wieder anfuhr
und nach links in die Besigheimer
Straße abbiegen wollte, übersah er
vermutlich aufgrund Unachtsamkeit und schlechter Sichtverhältnisse den Fußgänger, der die Besigheimer überqueren wollte. Der
20-jährige Fußgänger wurde vom
Vorderrad des Pkws am Fuß erfasst
und leicht verletzt. (red)
Auf der Heilbronner Allee
Unfallflucht in
dichtem Verkehr
Ein Seatfahrer hat auf der Allee in
Heilbronn am vergangenen Samstag einen Unfall verursacht und ist
danach geflüchtet. Nach Angaben
der Polizei streifte der Unbekannte
mit seinem rostroten Seat einen auf
der benachbarten Fahrspur fahrenden Ford Mondeo. Der Unfallverursacher kümmerte sich nicht um
den Schaden und setzte seine Fahrt
fort. Von dem Kennzeichen des
Seat konnten Teile abgelesen werden. Es lautet entweder HN-HJ oder
-JH, von den Ziffern ist nur eine
acht bekannt. Zeugen sollen sich
bei der Polizei unter Telefon
0 71 31 / 104 25 00 melden. (red)
Die Lottobetreiber und Wettbüros in Heilbronn profitieren nicht von der Wirtschaftsflaute
Kreuze machen mit dem Rotstift
Von Stephanie Günzler
Ist auf dem Konto Ebbe, versuchen die Menschen ihr Glück im
Spiel. Eine verbreitete Theorie, die
mit der Wahrheit wenig zu tun
hat. Das mussten etwa die Betreiber der Lotto-Annahmestellen in
Heilbronn im vergangenen Jahr
feststellen. Von der Wirtschaftskrise profitieren sie nicht.
„Ach, ich gewinn’ ja eh nichts“,
das ist der Satz, den Erika Laumen
von ihren Kunden in letzter Zeit immer häufiger zu hören bekommt.
„Die Leute sparen jetzt überall, natürlich auch beim Glücksspiel“, sagt
die Besitzerin des Lottoladens in der
Heilbronner Post-Passage. Jetzt würden eben öfter mal nur zwei Käst-
chen ausgefüllt. Lotto spielen die
Heilbronner aber trotzdem noch.
„Die Menschen suchen immer nach
dem Glück“, analysiert Erika Laumen, seit 22 Jahren im Geschäft.
Im Vergleich zum Rest des Landes
kann das Lotteriegewerbe in Heilbronn allerdings noch von Glück
sagen. Während die Lotto-Umsätze
in Baden-Württemberg im Jahr
2002 um über sechs Prozent zurückgegangen sind, gaben die Heilbronner nur 0,3 Prozent weniger Geld
fürs Kreuzchenmachen aus als im
Jahr zuvor. Paul Herbinger von der
staatlichen Toto-Lotto-Gesellschaft
Baden-Württemberg sieht zwei
Gründe für dieses Phänomen: Erstens gehe es den Menschen in Heilbronn offensichtlich wirtschaftlich
besser als dem baden-württembergischen Durchschnitt. Zweitens habe
es 2002 viele große Gewinne im
Raum Heilbronn gegeben. „Das steigert die Spiellust natürlich“, meint
Herbinger. Trotzdem: „Man spürt,
dass gespart wird“, hat auch Andrea
Laier von der Lotto-Annahmestelle
im Wollhaus bemerkt.
Ähnlich, aber nicht ganz so dramatisch ist es um den Wetteifer der
Menschen bestellt. Bei „Sportwetten Gera“ – seit Dezember 2002 in
Heilbronn mit einem Vermittlungsbüro vertreten – gingen die Einsätze
im vergangenen Jahr bundesweit
um rund fünf Prozent zurück. „Jetzt
werden pro Wette noch fünf bis
zehn Euro gesetzt“, rechnet Holger
Frister, Pressesprecher des Hauptbü-
In finanziell unsicheren Zeiten läuft auch das Geschäft mit den sechs Kreuzchen schlechter. Heilbronner Lotto-Spieler
sind zwar aktiver als der Durchschnittsschwabe, begnügen sich nun aber mit weniger Kästchen. (Foto: Ulrike Kugler)
ros in Gera, vor. Diese Zahlen bestätigt auch Mustafa Doganguzel, Leiter der Filiale in der Heilbronner
Karlstraße. Nach seinem Empfinden
läuft das Wettgeschäft allerdings
ganz gut. „Hier geht es ja auch nicht
um das große Geld“, sagt Doganguzel. „Bei Gera steht eher das Wissen
im Vordergrund und das Angeben
am Stammtisch, wenn man richtig
getippt hat.“ Zwischen 18 und 70
Jahren sind die Kunden von Mustafa Doganguzel alt, und sie können
in fast allen Sportarten Wetten abschließen. Cem Kara (27) zum Beispiel lässt sich das Wetten rund 50
Euro im Monat kosten. Wenn der
Fußballfreak klamm ist, setzt aber
auch er eher weniger Geld.
Magere Zeiten machen die Menschen also nicht risikofreudiger.
„Wenn nichts da ist, kann man
nichts spielen“, fasst Paul Herbinger
die Situation treffend zusammen.
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