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AUSBILDEN, ABER WIE? - DPSG

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AUSBILDEN, ABER WIE?
LEITFADEN FÜR STAVOS ZUM EINSTIEG UND ZUR
PRAXISBEGLEITUNG NACH DEM
GESAMTVERBANDLICHEN AUSBILDUNGSKONZEPT
IMPRESSUM
TITEL
„Ausbilden, aber wie? – Leitfaden für Stavos zum Einstieg und zur Praxisbegleitung nach dem
gesamtverbandlichen Ausbildungskonzept“
HERAUSGEBERIN
Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg
ANSCHRIFT
Antoniusstr. 3
Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart
73249 Wernau
AUFLAGE
150 Exemplare
AUTOREN
Sonja Schaffer
Daniela Lindfeld
Bine Kraus
Thomas Wölfle
Lar s Hittinger
Klaus Hunke
Dennis Müller
Nicole Fleig
Dominic Minnich
Thorsten Meier-Bartlog
LAYOUT
Nicole Fleig
Daniela Lindfeld
Andreas Menge
KORREKTUR
Christiane König
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zum Stavo-Leitfaden.......................................................................5
1.
Das gesamtverbandliche Ausbildungskonzept in Kurzform.................. 8
Der Woodbadge-Einstieg: ....................................................................... 8
Die Praxisbegleitung: .............................................................................. 9
Die Modulausbildung:.............................................................................. 9
Der Woodbadgekurs mit abschließender Reflexion:............................ 10
Welche Aufgaben kommen auf den StaVo zu? ..................................... 12
Welche Teile der Ausbildung sollen auf Stammesebene stattfinden?. 12
1.1.1. Der Einstieg .....................................................................................13
1.1.2. Die Praxisbegleitung..........................................................................17
2.
UNTERSTÜTZUNGSFORMEN .............................................................. 19
3.
METHODEN UND ARBEITSHILFEN ...................................................... 22
Infos und Methoden für die Gruppe ..................................................... 22
3.1.1. Gruppenphasen ................................................................................22
3.1.2. „Gruppenkultur“................................................................................27
3.1.3. Elemente eines Gruppenstundenablaufs ..............................................28
Elternarbeit............................................................................................ 37
3.1.4. Mögliche Probleme............................................................................37
3.1.5. Information und Betreuung................................................................38
3.1.6. Mitarbeit der Eltern ...........................................................................40
Partizipation von Kindern und Jugendlichen........................................ 41
Konfliktanalyse und Umgang mit Konflikten........................................ 45
Was ein Neuleiter für den Start sonst noch wissen sollte ................... 50
4.
KONKRETE ZEITPLÄNE FÜR VERANSTALTUNGEN IN DER EINSTIEGSPHASE .. 51
Zeitplan für 4 Abendveranstaltungen 19.00 – 22.00 h ........................ 51
Zeitplan für eine Wochenendveranstaltung ......................................... 52
Weitere Möglichkeit .............................................................................. 53
Seite 3 von 62
Vorteile der einzelnen Angebote........................................................... 53
4.1.1. Was spricht für Abendveranstaltungen ................................................53
4.1.2. Was spricht für eine Wochenendveranstaltung: ....................................53
5.
TIPPS
53
Mögliche Tipps für den Neuleiter .......................................................... 54
Mögliche Tipps für dich als Stavo ......................................................... 55
6.
FAZIT/SCHLUSSWORTE .................................................................. 56
Anhang
Auszüge aus dem Ausbildungskonzept
Literaturverzeichnis
Ansprechpartner der Bezirke
Seite 4 von 62
Einleitung zum Stavo-Leitfaden
Liebe Stammesvorstände
Im
Februar
2004
wurden
die
ersten
Teile
des
gesamtverbandlichen
Ausbildungskonzeptes der DPSG (im folgenden Text „gvAK“ genannt) von der
Bundesleitung verabschiedet. Dies hat die Folge, dass auf allen Ebenen der
DPSG Veränderungen in Bezug auf die Ausbildung eintreten.
Die Diözesanversammlung Rottenburg-Stuttgart hat uns, die Arbeitsgruppe
(AG) Ausbildung beauftragt, die Stämme und Bezirke bei der Umsetzung ihres
Teils der Ausbildung zu unterstützen. Wir wollen den Stämmen und Bezirken bei
der Umsetzung behilflich sein und wir unterstützen euch wo immer es
gewünscht wird. Zu unserer Arbeitsgruppe gehören Stammesvorstände,
Mitglieder von Bezirksleitungen, Mitglieder der Diözesanleitung und des
Diözesanvorstandes, die Bildungsreferentin der DPSG-Diözesanstelle, freie
Mitarbeiter, die ein besonderes Interesse am Thema Ausbildung haben und eine
Person der Modulteamer.
Als eine Form der Unterstützung haben wir uns entschieden, den StavoLeitfaden
zu
schreiben,
der
Euch
als
Arbeitsgrundlage
für
die
Neuleiterausbildung zur Verfügung stehen soll.
In Kapitel 1 geben wir eine grobe Übersicht darüber, welche Teile das
gesamtverbandliche Ausbildungskonzept umfasst. Was dies nun für die Stämme
bedeutet, und welche Teile des gvAK in die Hände der Stämme gelegt wird,
beschreiben wir in Kapitel 2. Falls ihr in Kapitel 2 einen Schrecken bekommen
habt, bieten wir Euch in Kapitel 3 mehrere Möglichkeiten, wo ihr Unterstützung
und Rat bekommen könnt. Damit ihr jedoch nicht nur auf fremde Hilfe
angewiesen seid, versuchen wir Euch in Kapitel 4 mit konkreten Methoden und
Seite 5 von 62
Arbeitshilfen für die zu vermittelnden Inhalte unter die Arme zu greifen. Darin
sind
die wichtigsten
Inhalte ausgearbeitet, die nach
dem gvAK
zur
Einstiegsphase (besonders Schritt 2) gehören. Beispiele, wie diese Inhalte nun
auch gesammelt vermittelt werden können, bietet das Kapitel 5 mit konkreten
Zeitplänen für Veranstaltungen zum Einstieg. Mit unserem letzten Kapitel 6
bieten wir Tipps an, die vielen von Euch vielleicht bekannt sind. Deshalb stellt
dies nur eine Hilfestellung für den Alltag dar – wie übrigens das ganze Heft.
In der Anlage findet Ihr die für Euch wichtigen Seiten des gvAK, die die
Grundlagen dieser Ausführungen sind und die Literaturliste der von uns
verwendeten
Bücher
und
Schriften.
Außerdem
haben
wir
dort
die
Ansprechpartner der verschiedenen Bezirke aufgelistet.
Wir haben diesen Leitfaden für euch Stammesvorstände geschrieben, die ihr
ganz unterschiedliche Wissensstände habt, je nachdem, wie lange ihr schon
Stavo seid und wie viel Erfahrung ihr habt oder auch wie ihr selbst in Eurer
Pfadfinderlaufbahn ausgebildet wurdet.
Da wir ausreichende Informationen für alle Stavos bieten wollen, ist diese
Arbeitshilfe doch ziemlich umfangreich geworden. Es ist uns wichtig, dass Ihr
das Stavo-Heft als Hilfestellung und Arbeitsgrundlage seht. Jeder von Euch soll
es in dem Maße nutzen, wie es notwendig und leistbar ist.
Ihr braucht bestimmt nicht das ganze Heft zu lesen. Schaut Euch die Kapitel an,
die für Euch interessant sind, und wählt Euch die Inhalte bzw. Informationen
aus, die Ihr benötigt.
Eure Neuleiter so auszubilden, dass sie dem Leitersein gewachsen sind und es
ihnen Spaß macht, ist eine wichtige und zugleich schwierige Aufgabe. Vieles,
was nach dem gvAK verlangt wird, wird bereits getan, sonst hätten wir heute
nicht schon kompetente und gute Leiter. Mit der Entwicklung des gvAK ist die
Ausbildung formuliert und gegliedert worden. Dadurch kommt zwar auf die
Stämme und auf die Stavos viel Arbeit und Veränderung zu, jedoch ist es
sinnvoll und notwendig hier anzupacken.
Seite 6 von 62
Wir hoffen, dass dieses Stavo-Heft euch dazu motiviert und ihr Lust darauf
bekommt,
mit
Euren
neuen
Leitern
zu
arbeiten,
euch
mit
Ihnen
auseinanderzusetzen und das Wissen und die Erfahrung, die Ihr habt
weiterzugeben. Denn davon lebt die Pfadfinderei.
Viel
Spaß
beim
Schmökern
wünscht
euch
Eure
AG
Ausbildung
des
Diözesanverbandes Rottenburg-Stuttgart:
Sonja Schaffer
Daniela Lindfeld
Bine Kraus
Thomas Wölfle
Lars Hittinger
Klaus Hunke
Dennis Müller
Nicole Fleig
Dominic Minnich
Thorsten Meier-Bartlog
Wernau, den 13.10.2004
Hinsichtlich der Lesefreundlichkeit verwenden wir durchgehend die männliche
Form. Gemeint sind damit gleichberechtigt Frauen und Männer.
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 Das gesamtverbandliche Ausbildungskonzept in Kurzform
Innerhalb der DPSG gab es schon immer gute Ausbildungsangebote und viele
ehrenamtliche Mitglieder, die sich dafür in etlichen Stämmen und Bezirken
eingesetzt haben. Diese Grundlagenkurse z.B. waren aber nicht untereinander
abgestimmt und nicht flächendeckend koordiniert. Dadurch entstanden Lücken
in der Ausbildung und unterschiedliche Wissensstände bei den Leitern.
Dieses Problem wurde 1999 auf der Bundesversammlung erkannt und
diskutiert. Daraufhin wurde im Jahr 2000 eine Ausbildungsgruppe auf
Bundesebene eingerichtet, deren Aufgabe es war, die regional
unterschiedlichen Ausbildungskonzepte zusammen zu tragen und daraus ein
einheitliches, gesamtverbandliches Ausbildungskonzept zu erarbeiten. Dieses
wurde dann auf der Bundesversammlung 2003 als „Neue Woodbadge Ausbildung“ vorgestellt, mit Zustimmung votiert und im Februar 2004 von der
Bundesleitung verabschiedet. Sie gliedert sich in drei Ausbildungsphasen, die
wir hier kurz aufzählen und beschreiben:
1. Die Einstiegsphase als neuer Leiter, bestehend aus Woodbadge-Einstieg
(siehe Punkt 1.1.) und Praxisbegleitung (siehe Punkt 1.2)
2. Die Modulausbildung (drei Module in mehrere Bausteine unterteilt)
3. Der Woodbadgekurs mit abschließender Reflexion
DER WOODBADGE-EINSTIEG:
Der Woodbadge-Einstieg gliedert sich in 2 Schritte:
Schritt 1: Der erste Schritt trägt den Titel „Grundlagen des Leiterseins,
Motivation & Ausbildung in der DPSG“ und ist mit etwa 2 Stunden im Konzept
vorgesehen.
Hier trifft sich der Neuleiter zuerst mit dem Stammesvorstand, um in einem
Gespräch grundlegende Fragen des „Leiter - Seins“ zu klären. Dabei geht es z.
Seite 8 von 62
B. um folgende Leitfragen: Warum soll bzw. warum will er Leitung
wahrnehmen? Welche Motivation bringt er mit? Ist es eine bewusste
Entscheidung zum Leiter-Sein?
Bereits hier ist eine entsprechende Unterstützung im Sinne von
Entscheidungsfindung und Orientierung notwendig.
Schritt 2: Der zweite Schritt mit dem Titel „Gestaltung und Organisation von
Gruppenstunden“ hat einen Umfang von mindestens zehn Stunden, z.B. verteilt
auf ein Wochenende.
Inhaltlich geht es dabei um die Vermittlung von Gruppenstundenabläufen,
Gruppenkultur, Gruppenphasen, Motivation, Elternarbeit und Spiele. (s. Kapitel
4.1 Infos und Methoden).
Wenn der Neuleiter eingearbeitet ist und sich sicher fühlt, wird er vom
Stammesvorstand zum Leiter berufen.
DIE PRAXISBEGLEITUNG:
Während der Einstiegsphase bis zum Abschluss der Modulausbildung, sollen
erfahrene Leiter, Stammesvorstände und Mitarbeiter der Bezirke, den gesamten
Ausbildungsprozess des Neuleiters praxisnah begleiten und ihn bei der Lösung
von Problemen beraten und unterstützen.
DIE MODULAUSBILDUNG:
Drei Ausbildungsteile (genannt: Module) wurden in die Zuständigkeit der
Stämme und Bezirke übertragen. Diese sind:
Modul 1: „Leiter/In als Person“, gliedert sich in drei Bausteine:
a) Pfadfinderische Identität und persönlicher Stil
b) Teamarbeit
c) Spirituelle Kompetenzen
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Modul 2: „Gruppe, Kinder, Jugendliche“, gliedert sich ebenfalls in drei
Bausteine:
a) Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen/ Pädagogik der DPSG
b) Mädchen und Jungen
c) Pfadfinderische Methodik
Modul 3: „Sachthemen“ gliedert sich in 5 Bausteine:
a) Geschichte und Hintergründe,
b) Erste Hilfe,
c) Haftung und Versicherung,
d) Planung und Durchführung von Maßnahmen,
e) Pfadfindertechniken
Nachdem ein Leiter diese „Ausbildungsteile“ mit 54 Pflichtstunden absolviert hat
und diese in einem Nachweisheft abgezeichnet sind, kann er den
Woodbadgekurs besuchen. Zusätzlich hat er mit diesen erfüllten Pflichtstunden
auch Anspruch auf die Jugendleiterkarte (Juleica), die in der Bundesrepublik
immer mehr an Bedeutung gewinnt.
DER WOODBADGEKURS MIT ABSCHLIEßENDER REFLEXION:
Auf die Grundlagenausbildung in den Stämmen und Bezirken folgt nun der 9tägige Kurs (früher waren es zwei Woodbadgekurse, WBK - Teil I und WBK- Teil
II), zu dem ein Nachbereitungswochenende gehört. Mit der anschließenden
Abschlussarbeit bzw. dem Abschlussgespräch ist die Woodbadgeausbildung
beendet und der Leiter wird mit den Woodbadgeabzeichen (Halstuch und 2
Klötzchen) und der Urkunde zum „Woodbadgeträger“ ernannt. Nach dem neuen
Konzept ist diese Ausbildung innerhalb von 2 Jahren möglich. Aber auch nach
Abschluss der Woodbadgeausbildung sollte der Leiter stets bestrebt sein, sich
weiterzubilden.
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Insgesamt wird diese hohe, fachliche Ausbildung gesellschaftlich aufgewertet
und kann auch zukünftig bei Bewerbungen in Beruf und Studium verwendet
werden. So bekommt man endlich als ehrenamtlich Tätiger, für sein
Engagement einen gesellschaftlichen und privaten Vorteil zurück.
(siehe Anhang)
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DIE BEDEUTUNG FÜR DIE STÄMME
Die Woodbadge-Ausbildung sieht ausdrücklich vor, dass der angehende Leiter
sowohl die ersten Schritte seiner Ausbildung im Stamm geht, als auch im
weiteren Verlauf im Stamm begleitet wird. Die Stämme tragen somit eine
Mitverantwortung für die qualifizierte Ausbildung ihrer Leiter!
WELCHE AUFGABEN KOMMEN AUF DEN STAVO ZU?
Die Verantwortung für die Ausbildung trägt der StaVo – wie er aber mit dieser
Verantwortung in seinem Stamm umgeht, und welche Bereiche er delegiert,
bleibt ihm bzw. der Stammesleiterrunde überlassen. Konkret bedeutet dies für
den StaVo innerhalb der Woodbadge-Ausbildung:
 Die Aufklärung sämtlicher Mitglieder der Leiterrunde über den Ablauf und
die Angebote innerhalb der gesamtverbandlichen Woodbadge-Ausbildung
 Die Motivation zur vollständigen Teilnahme
 Verantwortung für die qualifizierte Ausbildung der Leiterrunde
 Verantwortung für die Umsetzung des Einstiegs und der Praxisbegleitung bei
Beginn der Leitertätigkeit
WELCHE TEILE DER AUSBILDUNG SOLLEN AUF STAMMESEBENE
STATTFINDEN?
Folgende Teile des gvAK fallen in die Verantwortung der Stämme und sollen
auch im Stamm umgesetzt werden, um dem Leiter eine möglichst realitäts- und
stammeskulturnahe Einführung zu Beginn seiner Leitungskarriere mit auf den
Weg zu geben:
 Der Einstieg – die ersten 2 Schritte:
o Schritt 1:
Grundlagen des Leiterseins, Motivations- und Erwartungsklärung,
Ausbildung in der DPSG.
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o Schritt 2:
Gestaltung und Organisation von Gruppenstunden.
 Die Praxisbegleitung
 Die Berufung
Für Ablauf und Inhalte dieser Schritte vermitteln wir in diesem Heft die
Vorgaben von Seiten des gvAK; für die letztendliche Umsetzung besteht
natürlich die Freiheit, dies im Sinne des Stammes und der Leiter umzusetzen.
Die Inhalte und die zeitlichen Vorgaben sind jedoch verbindlich, um eine zügige
und qualifizierte Ausbildung zu gewährleisten.
 DER EINSTIEG
Den Startschuss der Woodbadge-Ausbildung gibt der Woodbadge-Einstieg mit
den ersten beiden Schritten, deren Inhalte anhand der folgenden Hilfsfragen
verdeutlicht werden sollen, da die Ausgestaltung des Einstiegs ja sehr
individuell verschieden sein kann.
Schritt 1:
„Grundlagen des Leiterseins, Motivations- und Erwartungsklärung,
Ausbildung in der DPSG“ (Umfang: 2 Stunden):
Dieser Teil, der z.B. im Rahmen eines konzentrierten Gesprächs mit StaVo oder
einem erfahrenen Leiter oder Ex-Leiter vermittelt werden kann, soll für beide
Seiten vor allem die folgende Frage beantworten:
„Leitung – Was heißt das!?“
Die Motivation:
 Warum will ich Leiter werden? Wo liegt meine Motivation?
 Wo liegen die Reize, die auch mal eine Frustphase überwinden helfen?
 Wie kann ich von der Leitertätigkeit profitieren?
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Die Erwartungen:
 Was wird von mir als Leiter erwartet?
 Was gehe ich für Verpflichtungen ein?
 Was erwarte ich als Leiter?
Erwartungsschaubild:
 Welche Erwartungen habe ich?
o
An die Gruppe
o
An die Leiterrunde
o
An den StaVo
o
An den Bezirk
 Welche Erwartungen werden an mich gestellt?
o
Von der Gruppe
o
Von der Leiterrunde
o
Vom Stavo
o
Vom Bezirk
Die kritischen Gedanken:
 Welche Befürchtungen/Ängste sind mit der Aufgabe für mich verbunden?
 Was wünsche ich mir an Unterstützung? Und von wem?
Schritt 2:
„Gestaltung und Organisation von Gruppenstunden“ (Umfang: ca. 10
Stunden):
Der zweite Schritt hat schon eher einen Schulungscharakter als das einführende
Gespräch. Es geht hier um die konkrete Vermittlung an Basiswissen für den
Alltag als Leiter in der Gruppenrealität.
Und dies sind die Inhalte in kurzen Stichworten … zu den wichtigsten Punkten
gibt’s Vertiefendes in Kapitel 4 dieses Hefts:
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 Die Gruppenstunde als Teil des pfadfinderischen Lebens
Ins Bewusstsein rufen, welchen Stellenwert die Gruppenstundenarbeit
zusammen mit Lagern, Fahrten und dem Stammesleben in der
Pfadfinderpädagogik einnimmt und das diese, wie jedes andere Projekt,
geplant, durchgeführt und nachbereitet gehören.
 Grundzüge der Pfadfinder- und der jeweiligen Stufenpädagogik
Wie laufen Gruppenstunden in der Regel ab?
Aus welchen Elementen sind pfadfinderische Gruppenstunden der
Altersstufe aufgebaut und welche Bedeutung haben sie?
o Motivation/Impuls
o Animation
o Inhalt
o Reflexion
(Siehe dazu Kapitel 4.1.3. Elemente des Gruppenstundenablaufs)
 Welche Methoden sind für die derzeitige Gruppenarbeit relevant?
o Alters- und situationsgemäße Umsetzung der
Gruppenstundenelemente:
Spiele, Lieder, Texte, Reflexionsmethoden, religiöse Elemente
o Art der Partizipation:
Entscheidungsfindung, Mitgestaltung, Verantwortungsdelegation
(siehe dazu Kapitel 4.3. Partizipation von Kindern und
Jugendlichen)
o Regeln innerhalb der Gruppe:
Verhaltenskodex, Gesprächsregeln
 Wie verhält sich die Gruppe?
Was prägt die momentane Gruppenkultur und mit welchen Ritualen kann
man sie beeinflussen? (siehe dazu Kapitel 4.1.2. „Gruppenkultur“)
 Wo steht die Gruppe?
In welcher Phase der Gruppendynamik befindet sich die Gruppe gerade und
was bedeutet dies für den Gruppenalltag und die Kultur? (siehe dazu Kapitel
4.1.1. Gruppenphasen)
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 Wie verhält man sich in schwierigen Situationen?
Hilfestellung zum Umgang mit Entscheidungen, Konflikten, Streit,
Hänseleien, gegenüber Eltern, bei Unfällen? (siehe dazu Kapitel 4.4.
Konfliktanalyse im Umgang mit Konflikten)
 Was gibt es an Hilfsmitteln für die Gruppenstundengestaltung?
Bücher und Internet-Quellen zu Pfadfinder- und Stufenpädagogik,
Methoden, Spielesammlungen, Ideenspeicher, Liederbücher,
Projektvorschläge, Bastelanleitungen, etc.
 Wo gibt es lokale Unterstützung für die Gruppenarbeit?
Fahrzeuge, Räume, Wiesen, Materialien, Experten zu Spezialthemen, etc.
= Das alles kann anhand früherer, womöglich von den Leitern selbst
durchlebten, Gruppensituationen aufgezeigt werden, bzw. mit Hilfe
exemplarischer Gruppenstunden erklärt werden.
Wie soll nun der Einstieg (Schritt 1 + Schritt 2) aussehen?
Grundsätzlich sind viele Formen des Einstiegs möglich, z.B.:
o Reihe von 3 Abendveranstaltungen
o Einsteigerteil auf einem Leiterwochenende
o 3 ausgiebige Sonntagsbrunches
d.h. es ist Gestaltungsfreiheit zur Berücksichtigung der jeweiligen
Stammessituation gewünscht, solange die Inhalte zeitnah zu Beginn der
Leitertätigkeit vermittelt werden.
(Für exemplarische Ablaufvorschläge siehe Kapitel 5)
Der Einstieg kann auch durch ehemalige Leiter oder Mitarbeiter vermittelt
werden, d.h. diese Aufgabe muss nicht vom Stavo übernommen werden!
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DIE PRAXISBEGLEITUNG
Was ist Sinn und Zweck der Praxisbegleitung?
 Die Praxisbegleitung versteht sich als Prozessbegleitung, d.h. die
Woodbadge-Ausbildung des Leiters soll von Anfang bis Ende durch den
Stamm begleitet und unterstützt werden
 Gruppensituationen (insbesondere Schwierigkeiten) können mit Hilfe
erfahrener Leiter reflektiert, diskutiert und optimiert werden. Der neue Leiter
soll Unterstützung und Rat erfahren.
 Die Praxisbegleitung soll für neue Leiter eine Hilfestellung und Entlastung
sein und sie so vor Überforderung und Frustration schützen
 Idee ist der direkte Transfer des im Laufe der Woodbadge-Ausbildung
gelernten in die Gruppen- und Stammesrealität.
Kernfrage: „Wie kann ich das Gelernte mit meiner Gruppe umsetzen?“
 Die Praxisbegleitung bietet Raum und Zeit für die Fremd- und
Selbstreflexion.
Kernfrage: “Wie wirke ich als Leiter und wie fühle ich mich dabei ?“
Wie kann die Praxisbegleitung konkret aussehen?
 Begleitung der Einsteiger durch den StaVo und/oder erfahrene Leiter, d.h.
diese ist eine Art Patenschaftsmodell, dass dem neuen Leiter eine
Bezugsperson zur Seite stellt, die für alle Sorgen und Nöte mit Rat und Tat
zur Seite steht.
 Diese Paten können auch ehemalige Leiter oder Mitarbeiter, die nicht
unmittelbar Teil der Leiterrunde sein müssen, jedoch noch nah genug am
Stammesgeschehen sein sollen, um konkrete Ratschläge und Hilfen für
akute Situationen geben zu können.
Mögliche Formen könnten sein:
o gemeinsame Treffen aller Leitungseinsteiger
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o Einzelgespräche
Wichtig ist, dass dies (zumindest im ersten Jahr bis nach der Modulausbildung)
in regelmäßigen Abständen und in zwangloser Atmosphäre (z.B. beim Getränk
oder Spaziergang) geschieht.
Mögliche Themen der Gespräche:
o Reflexion der letzten Gruppenstunden und/oder konkreter Situationen
o Gemeinsame Suche nach Lösungen für akute Probleme mit der Gruppe
oder in der Leiterrunde
o Hilfestellung bei der Vorbereitung aufwändiger Projekte
o Persönliches Feedback des Paten
o Gemeinsame Ideenfindung für die nächsten Wochen
o Hilfestellung bei Problemkindern
Die Rolle der Paten:
 Der Pate begleitet die jungen Leiter während ihrer kompletten Ausbildung
 Sie sind vertrauensvolle Ansprechpartner und Ratgeber für alle Fragen rund
um Pfadfinderei und Leitertätigkeit. Auch für persönliche Probleme mit dem
Leiterdasein!
 Sie sollen Unterstützung bei konkreten Problemen im Gruppenalltag, mit
Tipps aus dem eigenen Erfahrungsschatz und Hilfe bei der Findung von
Lösungsmöglichkeiten, bieten
 Wichtig ist auch ihre Funktion als Motivator für die vollständige Teilnahme
an der Woodbadge-Ausbildung, auch wenn der junge Leiter meint, schon
gut mit dem Gruppenalltag zurechtzukommen. Das Weitertragen der
persönlichen Erfahrungen mit der Woodbadge-Ausbildung ist die beste
Werbung für das neue gvAK!
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 Unterstützungsformen
„Unterstützung – von wem bekomme ich sie und wie kann sie aussehen?“
Selbst im besten Stamm kommt es ab und zu mal zu Schwierigkeiten, Probleme
können auftauchen. Es ist wichtig, ein Auge auf solche Situationen zu halten,
diese aufzuspüren, um sich dann die eventuelle Unterstützung zu holen.
Auch ihr als Stavos stellt vielleicht fest, dass ihr an einen Punkt kommt, an dem
ihr nicht weiter wisst, ihr habt einfach das Bedürfnis, andere außerhalb des
eigenen Stammes zu fragen, euch untereinander auszutauschen oder euch
einfach mal Unterstützung und Rat zu holen.
So vielfältig wie Probleme oder Schwierigkeiten sein können, so vielfältig sind
auch eure Möglichkeiten, euch Unterstützung und Rat zu holen.
In diesem Kapitel wollen wir euch eine Reihe von Möglichkeiten aufzählen, die
ihr in diesen Situationen nutzen könnt.
 Zunächst einmal gibt es in jedem Eurer Bezirke einen Ansprechpartner
für das Thema Ausbildung: das sind in den meisten Fällen die
Bezirksausbildungsreferenten. Sie arbeiten mit dem Bezirksvorstand (Bevo)
und der Bezirksleitung zusammen und sind, falls im Bezirk vorhanden,
Mitglied der AG Ausbildung auf Bezirksebene.
Da sie sich im Bezirk auskennen und vielleicht auch den ein oder anderen
Stamm besser kennen, ist die Kontaktaufnahme zu ihnen am
naheliegendsten.
Diese Ansprechpartner sind umfassend über das neue Ausbildungskonzept
informiert und haben in den meisten Fällen auch Kontakt zur AG Ausbildung
der Diözesanebene. Sollten sie Euch bei bestimmten Problemen nicht
weiterhelfen können, so wissen sie dann, an wen ihr Euch wenden könnt.
Seite 19 von 62
Im Anhang dieses Leitfadens findet Ihr eine Liste mit allen Ansprechpartnern
für das Thema Ausbildung in den Bezirken.
 Des weiteren habt Ihr auch immer die Möglichkeit, euch Hilfe und
Unterstützung bei der Umsetzung des Konzeptes bei eurem jeweiligen
Bezirksvorstand zu holen.
Da der Bevo die letzte Verantwortung für die Ausbildung in seinem Bezirk
trägt, ist es auch seine Aufgabe, euch in dieser Zeit mit Rat zur Seite zu
stehen.
Scheut euch nicht, diese Ebene anzusprechen – denkt immer daran, Ihr seid
sicher nicht die einzigsten, die vielleicht ein paar Startschwierigkeiten haben.
 Eine gute Gelegenheit zum Austausch mit anderen Stämmen, zur
gemeinsamen Darstellung der Schwierigkeiten und der Suche nach
geeigneten Lösungswegen bieten die StavoKos
(Stammesvorständekonferenzen), die in unterschiedlicher Form und
Häufigkeit in den Bezirken angeboten werden. Dort könnt ihr in
ungezwungenem Rahmen mit anderen StaVos über Umsetzungsformen,
Startschwierigkeiten und andere Probleme diskutieren, euch aber auch
gegenseitig motivieren und anspornen.
 Solltet ihr eure Fragen nicht auf Stammes- und Bezirksebene klären können,
so könnt ihr euch auch gerne jederzeit (also zu jeder Öffnungszeit)
telefonisch oder per Mail an die Diözesanstelle in Wernau wenden.
Die Bildungsreferentin kann euch sicher bei allen Fragen zum
Ausbildungskonzept (Umsetzung, Präsentation, Zeitplan, Methoden,
Arbeitsmaterial/ Literatur, weitere Infos...) weiterhelfen. Sie ist außerdem
Mitglied der AG Ausbildung auf Diözesanebene und kann gegebenenfalls
eure Fragen zur weiteren Klärung mit in die AG nehmen.
Seite 20 von 62
 Ihr könnt außerdem immer Kontakt zur AG Ausbildung der Diözese, die
auch diese Arbeitshilfe zusammengestellt hat, aufnehmen. Ihr erreicht diese
unter der Mailadresse: ausbildung@dpsg-rottenburg.de.
Falls Ihr z.B. eine Arbeitseinheit zum Thema Ausbildung bei der nächsten
StaVoKo oder Bezirksversammlung plant, könnt Ihr gerne die AG anfragen,
ob ein Vertreter Euch dabei unterstützt.
 Das Konzept und diese Heft als Datei zum Runterladen, die Vorstellung der
AG Ausbildung, sämtliche Kontaktadressen, die aktuelle Jahresplanung mit
allen Veranstaltungen und viele weitere Infos findet Ihr auf der Homepage
des DPSG-Diözesanverbandes unter www.dpsg-rottenburg.de.
Auf der Seite www.woodbadgeausbildung.de der Bundesebene gibt es
neben dem Konzept noch verschiedene Logos und die neusten Infos zum
Konzept zum Herunterladen.
 Weiterhin gibt die AG Ausbildung regelmäßig in der DPSGDiözesanzeitung ZOPS eine dauerhafte Rubrik zum Thema Ausbildung
raus, aus der ihr neue Infos, Tipps und Tricks, Berichte oder vielleicht auch
mal ein paar Methoden entnehmen könnt.
 Ansonsten solltet ihr Augen und Ohren offen halten, da es in Zukunft sicher
die eine oder andere Veranstaltung zu diesem Konzept geben wird. Zum
Beispiel findet einmal jährlich eine Ausbildungskonferenz für alle an der
Ausbildung Beteiligten mit einem Studienteil statt. Weiterhin wird die
Umsetzung auf Stammesebene auch Thema beim jährlich stattfindenden
Vorständeseminar sein.
Einzelne Themen, die z.B. inhaltliche Teile der Module sind, findet ihr
sicherlich auch bei diversen Angeboten der Diözesan- und Bundesebene,
aber auch bei Veranstaltungen von Bund, RdP, Euren Jugendreferaten, des
Stadtjugend- oder Kreisjugendrings.
 Im Anhang findet ihr außerdem noch eine ausführliche Literaturliste, in
der Ihr vielleicht das passende Buch zum Thema findet.
Seite 21 von 62
 Methoden und Arbeitshilfen
Dieses Kapitel soll euch helfen, das neue Ausbildungskonzept in eurem Stamm
umzusetzen.
Dabei handelt es sich natürlich nur um Vorschläge, die beliebig abänderbar
sind.
Sicher habt ihr auch noch ein paar tolle Ideen, wie man neue Leiter und
Leiterinnen in ihre Aufgaben einführen kann. Im 1. Teil werden immer zuerst
kurze Infoblocks, um die (manchmal etwas theoretischen) Inhalte zu erläutern,
angeführt, die mit entsprechenden Methoden und Beispielen den Neu-Leiter
verdeutlicht werden können.
INFOS UND METHODEN FÜR DIE GRUPPE
 GRUPPENPHASEN
In jeder Gruppe zeichnen sich unterschiedliche Stufen der Entwicklung ab.
Dabei ist es jedoch so, dass nicht jede Gruppe jede Stufe durchläuft.
Diese Entwicklungsprozesse sind im sogenannten Fünf-Phasen-Modell
zusammengefasst.
1. Phase: „Wo bin ich hier gelandet?“ (Orientierung)
Die Gruppe ist neu zusammengekommen (z.B. neue Wölflingsgruppe) oder ein
neues Mitglied kommt zur Gruppe (z.B. durch Stufenwechsel).
Jeder hat das Bedürfnis, akzeptiert zu werden und einen Platz in der Gruppe zu
finden.
Die Leitung sollte nun klare Strukturen vorgeben und jeden mit seinen
Unsicherheiten ernst nehmen. Oft ist es auch gut, diese Anfangsschwierigkeiten
direkt anzusprechen und Gelegenheit zu geben, Kontakte zu knüpfen (z.B.
durch lockere Kennlernspiele).
Seite 22 von 62
2. Phase: „Wo ist denn hier mein Platz?“ (Positions- und
Rollenklärung)
Nachdem man sich in der neuen Gruppe ein bisschen beschnuppert hat, bilden
sich in der Regel je nach Sympathie kleinere Grüppchen. Dabei werden die
anderen beobachtet und u.U. auch ausgetestet. Die Leitung ist dabei nicht
herausgenommen.
Als Leitung sollte man darauf achten, dass die Inhalte der Gruppenstunde nicht
eintönig bleiben, sondern verschiedene Dinge abwechselnd gemacht werden, so
dass für jeden mal was dabei ist. (Bsp.: in der einen Gruppenstunde wird
Fußball gespielt, in der nächsten Gruppenstunde gebastelt).
3. Phase: „...Klaro, ich gehör hier dazu!“ (Vertrautheit und Intimität)
Die Gruppe schließt sich enger zusammen und ein starkes Wir-Gefühl wird
entwickelt. Einzelne fühlen sich angenommen und beginnen, mehr zu riskieren.
Jetzt kann die Leitung – je nach Altersstufe mehr oder weniger – sich etwas
zurücknehmen. Die Gruppe soll nun selbst Verantwortung für die Inhalte ihrer
Gruppenstunde übernehmen.
4. Phase: „...Moment mal, ich bin auch wer!“ (Differenzierung)
Die Gruppe kennt sich inzwischen so gut, dass die Stärken der Einzelnen zum
Vorschein kommen. Dementsprechend wird auch die Führung innerhalb der
Gruppe im Wechsel je nach Situation von verschiedenen Gruppenmitgliedern
wahrgenommen. Die Gruppe orientiert sich nun auch stärker nach außen.
Die Leitung sollte in dieser Phase die Gruppe unterstützen und bei
Auseinandersetzungen klären.
5. Phase: „...Mensch, jetzt müssen wir uns trennen!“ (Ablösung)
Durch den Stufenwechsel ändern sich unsere Gruppenzusammensetzungen. Es
kommt wieder Bewegung in die Gruppe.
Die Leitung sollte hier dafür sorgen, dass der Abschiedsschmerz nicht zu groß
wird und so den Rest der Gruppe für längere Zeit lähmt.
Seite 23 von 62
Abbildung der Gruppenphasen
„Wo bin ich hier
gelandet?“
1. Phase - Orientierung
„Wo ist denn hier
mein Platz?“
2. Phase – Positions- und Rollenklärung
„...Klaro, ich
gehör hier dazu!“
1. Phase – Vertrautheit und Intimität
„...Moment mal, ich
bin auch wer!“
4. Phase - Differenzierung
5. Phase - Ablösung
„... Mensch, jetzt
müssen wir uns
trennen“
Seite 24 von 62
Methoden:
Gruppenphasen analysieren
Ziel:
Erkennen, in welcher Phase der Gruppenentwicklung meine
Gruppe
steckt
Zeit:
0,5 h
Material:
Stifte, Papier
Voraussetzung:
Der Neuleiter hat schon in einer Gruppe als Leitung
geschnuppert oder ist selbst Gruppenmitglied gewesen
Nach der Vorstellung der Gruppenphasen erfolgt eine Einschätzung, in welcher
Phase die eigene Gruppe denn stecken könnte. Notiert werden soll dabei,
welche Phase wohl die treffendste ist, was dafür und was aber auch dagegen
spricht, bzw. welche Auffälligkeiten noch ergänzt werden müssen.
Die Geschichte einer Gruppe
Ziel:
Einteilung und Kennenlernen der einzelnen Gruppenphasen
Zeit:
0,5 – 1 h
Material:
Text, Stifte, Papier
Folgende Geschichte soll gemeinsam mit dem Neuleiter in verschiedene Phasen
eines Gruppenprozesses eingeteilt werden.
„Ruth (11 Jahre) hat in der Schule ein Plakat gesehen, auf dem neue Mitglieder
für die Jungpfadfindergruppe in ihrem Ort gesucht werden. Sie findet es
interessant, was die Jupfis so in ihren Gruppenstunden machen, und beschließt
einfach mal vorbeizuschauen.
Als sie das 1. Mal in die Gruppe kommt, ist sie ziemlich aufgeregt. Die Jupfis
scheinen ein munteres Völkchen zu sein. Einige kennen sich wohl schon sehr
gut.
Seite 25 von 62
Da drüben in der Ecke tuscheln ein paar Mädchen miteinander und einige Jungs
versuchen, sich gegenseitig Kopfnüsse zu geben. Etwas schüchtern steht Ruth
an der Tür. Doch da ist doch die Katrin aus ihrer Parallelklasse! Ruth ist froh,
dass sie doch jemanden kennt. Sie winkt Katrin zu und die kommt auch gleich
her. „Mensch, Ruth, klasse, dass du da bist! Willst du bei uns mitmachen?
Komm ich stell dich mal den anderen vor!“...
Die Gruppenstunde vergeht wie im Flug. Auch die Leiter, Birgit und Thomas,
sind sehr nett. Auch wenn es manchmal chaotisch zugeht, hat es Ruth sehr gut
bei den Jupfis gefallen und sie wird nächste Woche wieder mit dabei sein.
So nach und nach lernt sie die anderen immer besser kennen. Ihre beste
Freundin ist nun Eva. Mit ihr kann man herrlich lachen und kichern! Die anderen
sind Ruth manchmal doch etwas zu laut – vor allem die Jungs. Aber inzwischen
kann sie sich ziemlich gut behaupten.
Das Pfingstlager steht vor der Tür. Ruth ist inzwischen schon seit 3 Monaten bei
den Jupfis. Das diesjährige Motto ist „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“.
In der Gruppe wird überlegt, was man auf dem Pfingstlager dazu machen kann.
Dabei kommen die besten Ideen von Gabriel und von Ruth. Ruth ist stolz, dass
ihre Vorschläge den anderen so gut gefallen.
Das Pfingstlager war klasse. Und mit den anderen aus ihrer Gruppe hatte Ruth
eine Menge Spaß. Leider wird sich die Gruppe jetzt etwas verändern, da einige
demnächst in die Pfadfinderstufe wechseln. Ruth sieht dem Stufenwechsel mit
gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits ist sie traurig, dass sie manche Leute
nicht mehr so oft sehen wird, andererseits ist sie auch gespannt, ob jemand
Neues kommt. Hauptsache, Eva wechselt nicht.“
Nach der Einteilung wird nun überlegt, was die einzelnen Gruppenphasen
kennzeichnet. Anschließend kann den neuen Leitern das Fünf-Phasen-Modell
vorgestellt werden.
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 „GRUPPENKULTUR“
Jede Gruppe hat ihre eigenen Rituale, Normen und Ticks. Angefangen mit
einem Anfangskreis zum Gruppenstundenbeginn über den Umgang miteinander
bis zur Abschlussrunde.
Jeder Gruppenleiter und jede Gruppenleiterin sollte es ermöglichen, dass ihre
Gruppe eigene stufenabhängige Stilelemente entwickelt – dabei ist jedoch nicht
unbedingt das Freitagabendbier in der Roverrunde gemeint .
Mögliche pfadfinderische Stilelemente sind:
 Anfangs- und Schlusskreis
 feste Gesprächsregeln
 Mitbestimmung der Gruppenmitglieder
 gemeinsames Essen
 Gruppennamen
 Gruppenabzeichen
 Reflexionen
 gemeinsam gestalteter Raum etc.
Es gibt natürlich auch gruppenspezifische Ticks, die ebenfalls zum
Gruppenleben beitragen, z.B. exzessives Mate-Tee-Schlürfen, keine
Gruppenstunde ohne Singspiel...
Manchmal entwickeln sich in einer Gruppe auch sogenannte Normen, also
bestimmte Bräuche und Sitten innerhalb der Gruppe, die für jeden verbindlich
sind.
Beispiele:
 Es gibt eine feste Sitzverteilung.
 Über die ... denken „wir“ so.
 Bestimmte Themen sind tabu.
 Wir müssen nett zueinander sein!
 ...
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Normen können positiv oder negativ sein, je nachdem, ob sie die Einzelnen
einengen oder ob sie sich entfalten können. Deshalb soll darauf eingewirkt
werden, dass sich Normen positiv entwickeln:
 bewusste Entscheidung für positive Normen (z.B. bestimmte
Umgangsregeln)
 Reflexion der bewusst und unbewusst entstandenen Normen und ihre
Wirkung auf die Einzelnen anregen.
Verstößt ein Gruppenmitglied gegen Normen in der Gruppe, so kann die
Bestrafung teilweise ziemlich hart ausfallen: er wird wie Luft behandelt, isoliert,
belächelt, abgewertet. Als Leiter sollte man evtl. Verunsicherungen ansprechen
und gegenseitige Akzeptanz fördern.
 ELEMENTE EINES GRUPPENSTUNDENABLAUFS
Die Gruppenstunde ist der regelmäßige Treffpunkt, die Zeit, die die Kinder und
Jugendlichen miteinander verbringen – von Lagern, Fahrten und
Veranstaltungen einmal abgesehen.
In der Gruppenstunde wird gespielt, gesungen, getanzt, geredet, gestritten,
gelacht, gearbeitet, gebaut und gebalgt. Hier werden Ideen entwickelt und
umgesetzt, pfadfinderische Werte vermittelt, hier wird Gemeinschaft erlebt und
Spaß gehabt.
Wichtig ist auch, dass Gruppenstunden regelmäßig, am besten wöchentlich,
stattfinden. Dadurch ist für Kinder eine höhere Verbindlichkeit gegeben als bei
unregelmäßigen Treffen. Außerdem kann jemand auch eher eine
Gruppenstunde verpassen, ohne dass zu viel Zeit bis zur nächsten vergeht, und
vor allem Kinder bleiben eher bei der Stange.
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Es gibt einige pfadfinderische Elemente, an denen man sich als Gruppenleiter
bei der Gruppenstundenplanung entlang hangeln kann. Diese Elemente müssen
jedoch nicht alle bei jedem Treffen vorkommen.
a) Anfangskreis (Impuls)
Die Gruppenstunde beginnt mit einem Anfangskreis oder einem Impuls.
Das hat mehrere Vorteile:
 ein klarer Startpunkt ist gegeben: „Jetzt fängt die Gruppenstunde
an!“
 alle Gruppenmitglieder sind beieinander und auf eine Sache
konzentriert
Im Anfangskreis kann gesungen, eine Geschichte erzählt oder etwas
gespielt werden. Es ist ebenfalls möglich, beim Anfangskreis auch schon
auf das heutige Thema der Gruppenstunde einzustimmen.
b) Spiele
Spielen macht Spaß – vor allem in den Kinderstufen hört man häufig:
„Kommt, lasst uns doch was spielen!“
Spiele sind wichtig und sollten natürlich der Altersstufe entsprechend
angepasst sein. Durch Spiele werden Kontaktaufnahme und Integration
in der Gruppe erleichtert und Konflikte bewältigt. Auch Kreativität und
Phantasie kommen beim Spielen nicht zu kurz.
An was muss man vorher denken – die Spielvorbereitung:
 Sind momentan Partnerspiele, Mannschaftsspiele oder Spiele für alle
zusammen angebracht?
Bei neuen Mitgliedern sollte man überwiegend Spiele für
alle zusammen vorschlagen, um das Kennen lernen zu
erleichtern.
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 Wird mit dem Spiel ein bestimmtes Ziel für die Gruppe angestrebt
oder ist es reine Unterhaltung?
Die Gruppe ist ziemlich aufgedreht und der
Bewegungsdrang ist groß, so können Actionspiele Abhilfe
schaffen und die Konzentration der Gruppe wieder
erhöhen.
 Soll ein bestimmtes Thema behandelt werden oder ist der Spielinhalt
egal?
Wird das Thema „Ausländische Kinder“ behandelt, so
können Rollenspiele oder typische Spiele aus anderen
Ländern hilfreich sein.
Leiter tragen die Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder. Daher
sollte das Spiel genau auf seine Gefahren hin durchdacht werden
(Material, Unfallgefahr, Gelände, Grad der Verantwortlichkeit der Kinder).
c) Animation und Motivation
Die Gruppenleitung muss nicht immer den „Leithammel“ spielen. Als
„Animateur“ (bitte nicht gleichsetzen mit den Animateuren vom Robinson
Club etc.) ist sie weniger für die Leitung zuständig als dafür, den
Gruppenmitgliedern Anregungen und Impulse zu geben, ihnen
Gestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu eröffnen und ihnen zu
helfen, ihre Interessen und Bedürfnisse zu erkennen und die
selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Sie ist also Berater und Begleiter der
Gruppe.
Dabei ist wichtig, dass die Leitung selbst mitten in der Gruppe steht. U.
U. muss ein Leiter eine ganze Menge Anstrengungen unternehmen, um
die Gruppenmitglieder zu eigener Aktivität und Initiative zu verführen.
Durch Animation wird Einzelnen die Motivation gegeben, zu handeln.
Animation spricht alle Sinne an und kann Stimmungen puschen oder
auch dämpfen!
Kurz: Animation motiviert!
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Animation bedeutet...
beleben
beseelen
begeistern
aktivieren
ANIMATION
ermutigen
aufwecken
befähigen
Impulse
setzen
...nicht: anmachen, mitreißen, manipulieren.
Beispiele:
Animation durch ...
 Texte
 Bilder
 Musik
 Atmosphäre zum Ideen spinnen
 die eigene Person
d) Reflexion
Die Reflexion ist ein Rückblick auf das, was passiert ist. Dies zeigt sich
auf unterschiedlichen Ebenen:
 ICH-Ebene:
Wie habe ich mich verhalten? Kam ich mit meinen
Bedürfnissen/Wünschen/ Interessen an?
 WIR-Ebene:
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Wie habe ich die Gruppe wahrgenommen? Zogen wir alle an einem
Strang? Wurde jeder berücksichtigt?
 THEMA-Ebene:
Wurde unser Ziel erreicht? Wie war unsere Vorgehensweise? Hatten
wir die richtigen Materialien und Methoden?
Ziele der Reflexion sind:
 Erfahrungen bewusst verarbeiten
 neue Perspektiven sehen
 eigenes Verhalten kritisch betrachten
 Transfer des Gelernten in den Alltag
 andere besser kennen lernen
 bessere Beziehungen zu anderen herstellen durch größere Klarheit
 Erfahrungen in Gruppen sammeln
 Aktion und Reflexion gehören zusammen
Reflexionsregeln:
Eine Reflexion ist kein gewöhnliches Gespräch. Hier sollten besondere
Regeln beachtet werden, damit auch jeder und jede seine bzw. ihre
Meinung sagen kann.
 Reflexion ist keine Diskussion.
 Sprich für dich selbst.
 Pausen sind keine peinlichen Pannen.
 Akzeptiere Gefühle und Eindrücke anderer.
 Sprich, wie es dir in den Sinn kommt, nicht wie es klingen könnte.
 Bewerte die Beiträge anderer nicht.
 Sprich mit ICH und nicht mit MAN oder WIR.
 Versuche, dich präzise auszudrücken.
 Bringe positive und negative Gefühle zum Ausdruck.
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 Wenn Beziehungskonflikte auftreten, ist danach Gelegenheit, sie zu
bearbeiten.
 Versuche, anderen gegenüber direkt und konkret zu sagen, wie du sie
empfunden hast, wie sie auf dich wirkten.
 Niemand wird gezwungen, etwas zu sagen.
Reflexionsmethoden:
Blitzlicht
Zu einer festgelegten Frage z.B. zur Befindlichkeit äußert sich jeder kurz und
knapp. Man kann dabei auch einen Gegenstand weiterreichen.
Barometer
Auf einem aufgezeichneten Barometer kann jeder vermerken, wie es ihm geht
und dazu etwas sagen.
Standbild
In einem Ende des Raumes befindet sich die „Negativ-Ecke“, in der anderen die
„Positiv-Ecke“. Zu unterschiedlichen Fragen können sich die Gruppenmitglieder
platzieren. Nachfragen seitens der Leitung ist erlaubt.
Highlights und Stolpersteine
Jeder sagt welches sein Highlight und sein Stolperstein war.
Plakatreflexion
Im Raum hängen oder liegen unterschiedliche Plakate zu unterschiedlichen
Themen z.B. Gruppe, Inhalt, Organisation etc. Die Gruppenmitglieder sollen
kurz und prägnant eine Stellungnahme dazu auf das Plakat schreiben.
Anschließend können in der Gesamtgruppe Rückfragen gestellt werden.
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Sektreflexion
Jeder bekommt ein Glas Sekt (wahlweise auch etwas Antialkoholisches). Nun
kann er sich dazu äußern, ob er etwas positiv fand („Ich stoße an auf ...“) oder
eben negativ („Ich schlucke meinen Ärger runter über ...“).
Statuen
Jeder nimmt eine Position ein, die seine Stimmung ausdrückt, und erklärt diese
den anderen.
e) Projektmethode – Der Weg von der Idee zur Aktion
„Das Projekt ist die Handlungsform, in der sich Gruppen der Deutschen
Pfadfinderschaft St. Georg intensiv und planvoll mit einer Sache, einem
Thema, einer Situation oder einem Problem auseinandersetzen. Das
Projekt wird von allen in der Gruppe getragen und lebt davon, dass die
Gruppenmitglieder ihre Interessen klären sowie Ziele und Regeln für ihr
Handeln vereinbaren. Eindrucksvolles Tun und aufmerksame Reflexion
bestimmen das Gruppengeschehen und eröffnen neue Orientierung für
den Einzelnen und für die Gruppe.“ (Aus der Ordnung unseres
Verbandes)
Folgende Kriterien machen deutlich, warum die Projektmethode einen
solchen Stellenwert in der Pfadfinderarbeit hat:
 Die Gruppe soll selbständig ihre Ideen entwickeln und sie
eigenständig in die Tat umsetzen.
 „Thema“ soll sein, was die Kinder und Jugendlichen interessiert und
bewegt.
 Es wird nicht nur geredet, sondern auch gehandelt.
 Das Handeln sollte Veränderungen herbeiführen. Dabei gilt: Auch
kleine Schritte können bewegen.
 Das Ergebnis ist nicht zufällig, sondern Ende eines geplanten,
zielgerichteten Vorgehens, was nicht heißt, dass sich die Richtung auf
dem Weg nicht auch verändern dürfte.
Seite 34 von 62
 Jeder Einzelne sowie die ganze Gruppe sollten sich gleichermaßen im
Projekt wiederfinden.
Abbildung Seite 28: Die Projektmethode (aus Drumherum & Mittendrin die Grundlagen der Wölflingsstufe, S. 78-79)
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f) Abschlusskreis oder Expuls
Am Ende einer Gruppenstunde sollte wiederum ein gemeinsames
Element stehen. Dies kann ein Spiel, ein Lied oder ein Text sein. Am
besten eignet sich das Pfadilied „Kriecht aus eurem Schneckenhaus“ oder
für solche, die es melodramatischer wollen, „Nehmt Abschied, Brüder“
oder das besondere „Gruppenlied“ (siehe Gruppenkultur).
ELTERNARBEIT
Jugendliche kommen in der Regel aus eigenem Antrieb in eine neugegründete
Gruppe. Bei Kindern ist das anders: Sie werden sehr häufig von ihren Eltern in
die Gruppe geschickt. Das bedeutet, dass man bei jüngeren Gruppen mit einem
lebhaften Interesse der Eltern am Gruppengeschehen rechnen kann bzw. muss.
Bei den Eltern von älteren Jugendlichen kann es sogar vorkommen, dass diese
überhaupt nichts von der Teilnahme ihres Sohnes oder ihrer Tochter an einer
Jugendgruppe wissen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Kinder und Jugendlichen
im Stamm angemeldet sind. Dafür hat der jeweilige Leiter bzw. die Leiterin zu
sorgen, um Probleme bzgl. der Aufsichtspflicht zu vermeiden.
 MÖGLICHE PROBLEME
Das Informationsbedürfnis der Eltern sollten wir als Leiter verstehen und
akzeptieren, auch wenn das manchmal etwas belastend ist (z.B. ruft eine
besorgte Mutter zehnmal vor dem Lager an, um nochmals etwas
nachzufragen). Es spricht einfach dafür, dass den betreffenden Eltern nicht
gleichgültig ist, was mit ihren Kindern geschieht.
Neuleiter muss man dennoch vorwarnen, dass ein zu engagiertes Elternteil
nicht die Geschehnisse der Gruppe selbst in die Hand nimmt. Je jünger nämlich
ein Leiter ist, desto schwerer fällt es in der Regel den Eltern, ihn als
gleichwertigen Gesprächspartner zu sehen. Eine aktive Beteiligung der Eltern
am Gruppengeschehen, die in vielen Dingen ja auch hilfreich sein kann (z.B. bei
Fahrdiensten), ist immer ein bisschen ein Spiel mit dem Feuer.
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Tipp deshalb: Immer höflich, aber bestimmt sein!
 INFORMATION UND BETREUUNG
Auf jeden Fall ist es notwendig, die Eltern zu „betreuen“, d.h. hin und wieder
über das Gruppengeschehen zu informieren.
Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Kinder und Jugendlichen ihren
Eltern das erzählen, was die eigentlichen Gruppeninhalte widerspiegelt.
Damit ein Leitungsteam seiner Informationspflicht nachkommt, gibt es mehrere
Möglichkeiten:
Seite 38 von 62
a) Elternrundbriefe
Hierbei wird von der Gruppenleitung von Zeit zu Zeit ein Infobrief
verschickt oder verteilt, in dem die Berichte der Gruppenmitglieder z.B.
über wichtige Aktionen oder interessante Ereignisse zusammengefasst,
sowie kurze Meldungen und Infos enthalten sind. Vielleicht macht ihr das
ja im Stamm sogar in Form einer eigenen Stammeszeitung.
Es ist nicht notwendig, solche Elternrundbriefe in regelmäßigen
Abständen zu verschicken, da wohl nicht jede Woche ein besonderes
Ereignis ansteht, oder?
b) Elternabend
Es empfiehlt sich, einmal im Jahr einen Elternabend abzuhalten. Dabei
kann die Gruppenleitung besser mit den Eltern in Kontakt kommen als
über die schriftliche Form. Ob ein Elternabend für den ganzen Stamm,
für eine Stufe oder für eine Gruppe organisiert wird, hängt jeweils von
den Traditionen in eurem Stamm ab.
Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten des Ablaufs je nachdem,
was ihr mit dem Elternabend bezweckt:
 Elternabend mit Informations- und Unterhaltungsprogramm (z.B.
Jahresbericht, Diashow vom letzten Lager, Programmpunkte der
einzelnen Gruppen etc.)
 Elternabend mit aktiver Beteiligung
Tipp: Da auch viele Erwachsene Scheu davor haben, vor einer
größeren unbekannten Runde zu sprechen, kann man auch
Kleingruppen mit einer klar umrissenen Aufgabenstellung (z.B.
„Fragen zum Sommerlager“) zusammenstellen. Achtet darauf, dass
Familien nicht unbedingt in einer Gruppe zusammensitzen, sonst sind
manche Dinge schon festgelegt!
 Informationsabend für eine besondere Aktion (z.B. Rumänienfahrt der
Pfadistufe, 2-Tages-Hajk der Jupfis, Teilnahme am Bezirkslager) usw.
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Auf folgende Dinge sollte man immer achten:
 ansprechende Einladung mit Orts- und Zeitangaben und dem Zweck
(evtl. Programm) des Treffens einige Wochen vor dem Termin
verteilen
 gemütliche Atmosphäre z.B. durch Kuchen, Getränke, Knabbereien,
Sitzgruppen statt Stuhlreihen, ein bisschen Dekoration etc. schaffen
 die Leiterrunde bzw. das Leitungsteam vorstellen
 Terminkollisionen vermeiden (z.B. keinen Elternabend während eines
Fußball-EM-Spiels ansetzen ...)
 die Gruppe miteinbeziehen
 Rückantwortzettel beifügen
 gut vorbereiten und gut absprechen (es ist peinlich, wenn man über
eine Aktion informieren will und dann die wichtigsten Eckdaten nicht
zur Hand sind)
c) Elterninfobrief
Ein solcher Informationsbrief ist immer notwendig, wenn es sich um
außergewöhnliche oder längere Aktionen handelt wie z.B. ein Stadtspiel,
eine Gruppenstunde im Freibad oder ein Hajkwochenende.
In diesem Brief müssen alle wichtigen Infos bzgl. der Aktion (Wo? Wann?
Was? Kosten? Was muss man mitbringen?) stehen, die Adresse und
Telefonnummer eines Verantwortlichen für Rückfragen und ein
Einwilligungsabschnitt, dass die Eltern für ihr Kind die Erlaubnis für die
Aktion geben. Dieser Abschnitt muss natürlich bei den Leitern abgegeben
werden. Damit ist man auch rechtlich auf der sicheren Seite.
 MITARBEIT DER ELTERN
Viele Eltern sind gerne bereit, die Gruppe bei dem einen oder anderen
Vorhaben zu unterstützen.
Man sollte jedoch dafür sorgen, dass sich Kinder und Jugendliche durch die
Anwesenheit ihrer Eltern z.B. auf dem Stammeslager nicht eingeschränkt
Seite 40 von 62
fühlen. Viele Kinder verhalten sich völlig anders vor ihren Eltern als in der
Jugendgruppe. Dieser Situation kann man als Leitungsteam entgegenwirken,
indem man z.B. einen bestimmten Besuchertag einrichtet und sonstige Besuche
während des Lagers untersagt.
Ein lockerer Kontakt jedoch kann für beide Seiten nützlich sein. Möglichkeiten
gibt es z.B. bei Renovierungen, bei Fahr- und Transportdiensten oder bei der
Vorbereitung und Abwicklung eines Lagers.
Auch sollte man die Eltern ermuntern, sich über die Elterngremien, die es ja bei
uns in der DPSG gibt, zu engagieren. Das wären
 die Elternversammlungen, die sich jeweils aus den Eltern der einzelnen
Gruppen zusammensetzen (also z.B. eine Wölflingsmeute IElternversammlung, eine Wölflingsmeute II-Elternversammlung, eine
Jupfitrupp-Elternversammlung und eine Pfaditrupp-Elternversammlung –
Rover sind dabei ausgenommen)
 der Elternbeirat, der aus jeweils 2 gewählten Vertretern pro
Elternversammlung und einem Mitglied des Stammesvorstands als Berater
besteht
 der gewählte Elternbeiratsvorsitzende, der die Eltern in der Stammesleitung
vertritt
PARTIZIPATION VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
Als Kinder- und Jugendverband ist Mitbestimmung bei uns ein wichtiges Thema.
Hier geht es um die Frage, wie man Kinder und Jugendliche effektiv an der
Gestaltung der Gruppenstunde oder am Lagerprogramm beteiligen kann. Wir
als Leiter haben also die Aufgabe, herauszufinden, was unsere
Gruppenmitglieder wollen, was sie können und wozu sie Lust haben. D.h. wir
müssen eine Atmosphäre schaffen, in der es Kindern und Jugendlichen möglich
Seite 41 von 62
ist, sich zu allen Dingen eine Meinung zu bilden und diese auch zu äußern
(siehe Animation).
Gemeint ist u.a., dass das Leitungsteam keine fertigen Ablaufkonzepte
präsentiert, sondern auch darauf eingeht, was von den Gruppenmitgliedern
eingebracht wird. Es muss darauf achten, dass auch stillere Kinder zum Zuge
kommen. Gleichzeitig soll es Hilfestellung geben, dass das Programm der
Gruppe nicht im Chaos endet.
Unsere Gruppenmitglieder sollten lernen, einander zuzuhören und
Gesprächsregeln für die Gruppe aufzustellen.
Dabei sieht es, was die Anforderung an das Leitungsteam angeht, natürlich in
einer Wölflingsmeute ganz anders aus als in einer Roverrunde.
Methoden
Kleingruppe – Großgruppe
Indem man die Großgruppe z.B. bei der Ideenfindung für ein neues
Projekt in Kleingruppen aufteilt, bietet man auch stilleren Kindern die
Möglichkeit, ihre Vorschläge einzubringen.
Redestein
Damit die Gruppenmitglieder einander zuhören und nicht alle gleichzeitig
reden, benutzt man den sogenannten „Redestein“ (das kann natürlich
auch ein ganz anderer beliebiger Gegenstand sein). Wer den Redestein
in der Hand hält, darf sich äußern, der Rest ist still. Der Stein wird nun
von Hand zu Hand gegeben, so dass jeder die Möglichkeit hat, seine
Meinung zu sagen.
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Gesprächsregeln
Die Gruppe einigt sich auf gemeinsame Gesprächsregeln (--> lässt sich
hervorragend auch auf Verhaltensregeln in der Gruppe erweitern...).
Das könnte z.B. sein: „Wir lassen einander ausreden!“ oder „Wir hören
einander aufmerksam zu!“
Es sollten nur nicht zu viele Regeln werden; 4 – 5 Regeln reichen
normalerweise aus. Die gesammelten Regeln können dann z.B. auf
einem großen Plakat im Gruppenraum aufgehängt werden.
Abstimmungsmöglichkeiten
a) Punkte kleben
Wenn verschiedene Vorschläge im Raum stehen, bekommt jedes
Gruppenmitglied 3 Klebepunkte (gibt es im Bastel- oder
Schreibwarengeschäft). Nun kann es die Punkte auf die
Vorschläge verteilen. Es ist möglich, jeweils einen Punkt auf 3
verschiedene Themen zu kleben oder alle Punkte auf einen
Vorschlag zu verwenden.
Somit kann man feststellen, welche Ideen auf jeden Fall
herausfallen.
b) Rundengespräch
Jedes Gruppenmitglied überlegt sich einen Vorschlag. Nach einer
angegebenen Zeit setzen sich alle paarweise zusammen und
einigen sich jeweils auf eine Idee. Jedes Paar sucht sich danach
ein „Partnerpaar“, mit dem es sich dann ebenfalls auf einen
Vorschlag einigen muss. Damit vermeidet man, dass 100 Ideen im
Raum stehen, wovon der Großteil nicht überzeugt ist.
Seitenwechsel
Falls zwei verschiedene Ideen im Raum stehen, an denen sich die
Gruppe spaltet, kann man die Entscheidung für eine Idee
vorwärtsbringen, indem jede Gruppe das Positive am gegnerischen
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Vorschlag überlegen und darstellen muss. Dadurch werden die Fronten
wieder etwas aufgelockert und eine Entscheidung und Abstimmung wird
möglicher.
Ab und zu kann es ganz schön zäh werden und anstrengend sein, seine
Gruppenmitglieder zu motivieren und zu warten, bis sie alles geregelt
bekommen, was man selbst viel schneller organisieren könnte. Aber es ist
wichtig, daran zu denken, dass Kinder und Jugendliche letzten Endes am besten
durch „Learning by doing“ lernen und nicht nur durch Zuschauen und
Nachmachen.
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KONFLIKTANALYSE UND UMGANG MIT KONFLIKTEN
Konflikte werden von uns oft als etwas Negatives und Störendes empfunden.
Aber wo gibt es keine Konflikte? Wenn Menschen aufeinander treffen, dann gibt
es unterschiedliche Meinungen und darum auch mehr oder weniger schwere
Streitigkeiten. Konflikte sind also normal. Schwierig wird es nur, wenn Konflikte
nicht ausgetragen werden oder eine Form annehmen, die das ganze
Gruppenleben auf den Kopf stellt. Wie kann man also richtig streiten, damit am
Ende etwas Positives daraus entsteht?
Dabei hilft es, manche Dinge zu analysieren.
Anfangen kann man am besten mit sich selbst: Welcher Konflikttyp bin ich
eigentlich? Dabei gibt es mehrere Kategorien:
 der Konfliktscheue, der jedem Konflikt aus dem Weg geht
 der Konfliktfähige, der aus Meinungsverschiedenheiten etwas lernt und eine
positive Veränderung daraus zieht
 der Streitlustige, der keiner Konfrontation aus dem Weg geht und dabei
seine Meinung so gut es geht durchsetzt
Natürlich ist es unser Wunsch und Ziel, uns und unsere Gruppenmitglieder zu
den Konfliktfähigen zu zählen.
Man teilt Konflikte in fünf verschiedene Typen ein:
 Sachverhaltskonflikte
Hier geht es um die Sachebene, also z.B. dass ein Gruppenmitglied etwas
falsch verstanden hat und deshalb sauer mit der Gruppe ist.
Diese Konflikte sind recht einfach zu lösen, indem man sich ggf.
entschuldigt und die Situation aufklärt, indem man sie direkt anspricht
und erläutert, was schief gelaufen ist und wie in Zukunft mit solchen
Situationen umgegangen wird.
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 Interessenskonflikte
Hier geht’s um die Interessen, die hinter den Handlungen und dem
Verhalten Einzelner stecken, z.B. die Jungs wollen Fußball spielen und
die Mädchen lieber was basteln.
Um diesen Konflikt zu beheben, kann man Lösungen anregen, die den
Bedürfnissen aller Beteiligten entgegenkommen, z.B. im obigen Fall
etwas ganz anderes machen z.B. auf den Spielplatz gehen oder singen
oder Eis essen oder was kochen oder...
Eine andere Lösungsmöglichkeit wäre eine Festlegung, wann alle Fußball
spielen und wann alle basteln, so dass jeder einmal nachgeben muss.
 Beziehungskonflikte
Hier geht es um Beziehungen Einzelner zueinander. Oft ist diese Art von
Konflikten die eigentliche Ursache für Streitigkeiten z.B. Jungs und
Mädchen finden sich gegenseitig doof und wollen nichts miteinander zu
tun haben oder zwei Kinder giften sich in jeder Gruppenstunde an und
beschimpfen sich mit den übelsten Ausdrücken.
Hier muss die Kommunikation verbessert werden, indem man
gemeinsame Regeln aufstellt oder evtl. beim Konflikt mit den Jungs und
Mädchen in Kleingruppen die Parteien zwingt, miteinander zu arbeiten.
Eine Abhilfe kann sein, die Gefühle offen anzusprechen und so etwaige
Missverständnisse zu klären.
 Wertekonflikte
Hier geht es um unterschiedliche Grundvorstellungen, auf denen sich
unterschiedliche Handlungen und Einstellungen begründen, z.B. finden
es zwei Mädchen doof, dass die Jungs nach jeder Roverrunde ein Bier
aufmachen.
Das Leitungsteam sollte einen Raum schaffen, um über dieses Problem
zu sprechen, und evtl. gemeinsam mit der Gruppe nach übergeordneten
Zielen suchen, die alle teilen (z.B. gemeinsam etwas zusammen zu
unternehmen).
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 Strukturkonflikte
Hier geht es um die eher äußeren Bedingungen, die zu Schwierigkeiten
führen, z.B. soll der Pfaditrupp in ihrer Gruppenstunde die Stammeszelte
putzen. Keiner hat Lust, aber es ist wichtig, dass es gemacht wird, und
jeder blökt den anderen an.
Um diese Konfliktsituation zu entschärfen, ist es wichtig, dass z.B. die
Einzelnen sich über die Situation Luft machen dürfen und ihnen ein
Mitspracherecht bei einer ähnlichen neuen Situation eingeräumt wird.
In welcher Form eine Konfliktanalyse durchgeführt wird, hängt von der Struktur
des Konfliktes und von der Bereitschaft der Beteiligten, sich darauf einzulassen,
ab. Am besten ist es, wenn alle Konfliktparteien bei einer solchen Analyse dabei
sind.
Um den Konflikt zu analysieren, betrachtet man 3 Aspekte einer
Konfliktsituation:
WER?
Welche Personen / Gruppen sind an dem Konflikt
beteiligt?
WAS?
WARUM?
Was tun die einzelnen Beteiligten?
Welche Beweggründe haben die einzelnen Personen, so zu
handeln? Was wollen sie erreichen?
Konfliktanalyse schön und gut, wie aber nun mit Konflikten umgehen? Es gibt
viele Möglichkeiten von der Konsensstrategie, bei dem sich beide Parteien auf
eine für alle Seiten positive Problemlösung einigen, bis hin zur
„Vernichtungsstrategie“, wobei eine Partei aus der Gruppe dauerhaft verjagt
wird.
Natürlich ist eine Konfliktlösung aufgrund von einer gemeinsamen Lösung die
wünschenswerteste.
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Haben sich zwei Parteien zerstritten, kann versucht werden, auf folgende Art
und Weise zu einer Einigung zu kommen:
 genaue Bestimmung des Problems (beide Seiten werden danach befragt)
 Sammeln und Vorschlagen von verschiedenen Lösungsmöglichkeiten
 Prüfen der vorgeschlagenen Alternativen (Was kann sich jeder Beteiligte
vorstellen?)
 Festlegen auf eine Alternative
 Planung und Ausführung
Um das klarzumachen, hier ein konkretes Beispiel:
Jan ist beim Malen das Wasserglas umgefallen. David lacht ihn aus. Daraufhin
wirft Jan Davids Wasserfarbenkasten auf den Boden. Nach der Gruppenstunde
streiten sich beide heftig vor dem Pfadiheim. In der nächsten Gruppenstunde
sprechen beide kein Wort mehr miteinander. Die ganze Gruppe leidet unter
dem Schweigen der beiden Streithähne, so dass die Gruppenleiter den
Entschluss fassen, Jan und David an einen Tisch zu holen und den Streit zu
beseitigen.
Genaue Bestimmung des Problems:
Jan hat sich furchtbar geärgert, dass David ihn ausgelacht hat – vor allem vor
den anderen.
David ist sauer, weil Jan seinen Farbkasten auf den Boden geworfen hat.
Sammeln und Vorschlagen von Lösungsmöglichkeiten:
Jan möchte, dass David sich vor allen bei ihm entschuldigt.
David möchte, dass Jan sich ebenfalls bei ihm entschuldigt und seinen kaputten
Wasserkasten ersetzt.
Prüfen der vorgeschlagenen Alternativen:
Jan würde sich bei David entschuldigen, aber nur die kaputtgegangenen
einzelnen Farbtöpfe des Farbkastens ersetzen.
David würde sich bei Jan entschuldigen, jedoch nicht vor allen anderen.
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Festlegen auf eine Alternative:
Beide sind mit der vorgeschlagenen Lösung einverstanden.
Planung und Ausführung:
Beide entschuldigen sich sofort bei einander und Jan verspricht, bis zur
nächsten Gruppenstunde die kaputten Farben zu ersetzen.
Bei Problemen in der Gruppe führt der erste Weg oft zu anderen
Gruppenleitern, von denen man sich einen Rat erhofft. Dies nennt man in der
Fachsprache „Kollegiale Beratung“.
Diese ist in den Grundzügen ähnlich wie die oben erklärte
Konfliktlösungsstrategie.
Der Betroffene schildert das Problem möglichst genau und anschaulich. Die
anderen stellen Rückfragen und schlagen alternative Lösungsmöglichkeiten vor.
Anschließend werden diese Ideen nach Durchführbarkeit vom Ratsuchenden
bewertet und eine Vorgehensweise festgelegt. Wichtig ist dabei, dass nachher
auch im Team Rückmeldung gegeben wird, was und ob etwas funktioniert hat.
Als Stavos solltet ihr einem Neuleiter deutlich machen, dass er nicht allein bei
Problemen dasteht, sondern dass ihr und auch die Leiterrunde immer ein
offenes Ohr für schwierige Situationen habt. Vielleicht gibt es bei euch in der
Leiterrunde auch schon eine feste Einheit, in der aktuelle Probleme
angesprochen werden. Denn auch erfahrene Leiter brauchen manchmal einen
Rat.
Bei ganz verfahrenen Situationen könnt ihr euch auch Tipps und Hilfe von
außen holen z.B. bei den Bezirksstufenreferenten oder auch auf Diözesanebene
bei den Stufen-Ak’s oder den Moderatoren der AG Gut Pfad.
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WAS EIN NEULEITER FÜR DEN START SONST NOCH WISSEN SOLLTE
Hier ist eine kleine Liste von Dingen, die ihr als Stavos euren Neulingen im
Stamm nicht vorenthalten solltet.
 sämtliche Termine, die im Stamm wichtig sind, z.B. Leiterrunden,
Stammeslager, Weihnachtsmarkt, Stammesversammlung etc.
 Adresse und Telefonnummer des Hausmeisters
 Ansprechpartner von der Gemeinde für das Pfadiheim
 Ansprechpartner von der Gemeinde für DPSG und / oder Jugendvertreter im
Gemeinderat
 zuständiges Pfarramt mit Adresse und Telefonnummer
 andere Stufenleiter im eigenen Stamm, in den Nachbarstämmen, im Bezirk
etc.
 Bezirksstufenreferenten, Diözesanstufenreferenten
 zuständiges Jugendreferat
 Kreisbildstelle
 Läden und Firmen, bei denen man Prozente bekommt
 Stammeskassierer und wie man seine Auslagen erstattet bekommt
 Materialwart
 Beratungsstellen für Fachfragen z.B. Ökologie (z.B. BUND), Sexualität, Erste
Hilfe, Begegnungen mit Ausländern etc.
 Stammesbibliothek
 Stammesspiele
 Kopiermöglichkeiten
 usw.
Sicher gibt es bei dir im Stamm noch weitere oder andere Infos, die wichtig
sind. Diese Liste darf gerne entsprechend verändert werden.
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 Konkrete Zeitpläne für Veranstaltungen in der
Einstiegsphase
In den vorangegangenen Abschnitten ging es darum, welche Methoden und
Inhalte ihr an die Neuleiter weitergeben sollt. Nun erhaltet ihr Vorschläge, wie
so ein Angebot mit konkreter Zeiteinteilung aussehen kann. Wie schon
angedeutet, dies sollen nur Vorschläge sein. Ihr könnt eure Zeiteinteilung – je
nach Gegebenheiten im Stamm und der angewendeten Methode – natürlich
anders einteilen. Vielleicht nützen unsere Vorschläge als Grundlage, um den
Einstieg in Deinem Stamm zu entwerfen. Insgesamt sind 12 h für den Einstieg
vorgesehen.
ZEITPLAN FÜR 4 ABENDVERANSTALTUNGEN 19.00 – 22.00 H
Zeit
Inhalt
Abend
 Grundlagen des Leiterseins
 Motivation und Begeisterung
 Übersicht über und Bewusstsein für Ausbildung
 Organisatorisches: Welche Gruppe, welche Stufe soll
geleitet werden, vorstellen der Gruppenräume, Material,
Schlüsselübergabe, Auslagenerstattung
2. Abend
 Elemente eines Gruppenstundenablaufs – siehe 4.1.3.
Anfangskreis, Impuls, Spiele, Animation und Motivation,
Reflexion, Projektmethode, Abschlusskreis, Expuls
 Lokale Unterstützungsmöglichkeiten siehe 4.5.
3. Abend
 Gruppenphasen – siehe 4.1.1.
 Gruppenkultur – siehe 4.1.2.
 Konflikte – siehe 4.4.
4. Abend
 Partizipation von Kindern und Jugendlichen – siehe 4.3.
 Elternarbeit – siehe 4.2.
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ZEITPLAN FÜR EINE WOCHENENDVERANSTALTUNG
Tag
Uhrzeit
Inhalt
Freitag
18.00 h
Ankommen, Abendessen, Zimmer einrichten
19.30 h –
Arbeitseinheit:
21.30 h
 Grundlagen des Leiterseins
 Motivation und Begeisterung
 Übersicht über und Bewusstsein für Ausbildung
Samstag
8.00 h
Wecken, Frühstück
9.30 h –
Arbeitseinheit:
12.00 h
 Elemente eines Gruppenstundenablaufs – siehe 4.1.3.
Anfangskreis, Impuls, Spiele, Animation und
Motivation, Reflexion, Projektmethode, Abschlusskreis,
Expuls
13.00 h –
Mittagessen, Mittagspause
14.30 h
14.30 h –
Arbeitseinheit:
16.00 h
 Gruppenphasen – siehe 4.1.1.
 Gruppenkultur – siehe 4.1.2.
16.00 h –
Kaffeepause
16.30 h
16.30 h –
Arbeitseinheit:
18.30 h
 Partizipation von Kindern und Jugendlichen – siehe 4.3.
19.00 h
Abendessen, evtl. Gottesdienst oder Spirituelles Element
20.30 h
Spielabend, Kennen lernen von Spielen für jede
oder später Altersgruppe
Sonntag
8.00 h
Wecken, Frühstück
9.30 h –
Arbeitseinheit:
12.30 h
 Konflikte – siehe 4.4.
 Elternarbeit – siehe 4.2.
 Lokale Unterstützungsmöglichkeiten siehe 4.5.
12.30 h
Mittagessen, Reflexion, Aufräumen, Abreise
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WEITERE MÖGLICHKEIT
Ihr könnt den Einstieg auch jeweils 1 – 1,5 h vor oder nach der Leiterrunde
ansetzen. Evtl. könnt ihr diese Gruppe auch nutzen, um das Gelernte gleich
auszuprobieren. Konkret könnte das so aussehen: ihr besprecht die Elemente
des Gruppenstundenablaufs, der Neuleiter kann in der Leiterrunde Elemente
ausprobieren, wie z. B. Impuls, Reflexion usw..
VORTEILE DER EINZELNEN ANGEBOTE
 WAS SPRICHT FÜR ABENDVERANSTALTUNGEN
 Kleinerer organisatorischer Aufwand, wie z. B. Häusersuche, Kochteam,
Einkauf.
 Terminsuche ist vermutlich einfacher.
 Gelerntes kann evtl. zwischenzeitlich praktisch umgesetzt werden.
 WAS SPRICHT FÜR EINE WOCHENENDVERANSTALTUNG:
 Empfiehlt sich, wenn es mehrere Neuleiter gibt, bzw. wenn andere Leiter
des Stammes teilnehmen wollen.
 Gemeinsames Erlebnis, ein erstes Kennen lernen kann stattfinden.
 Bietet sich an, wenn ihr den Einstieg mit einem anderen Stamm gemeinsam
anbietet.
 Tipps
 Viele Dinge die man lernt, vergisst man ganz schnell wieder. Ein paar Zeilen
sind schnell geschrieben und ermöglichen es dem Neuleiter später
nachzublättern. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, ihr könnt auch
im Bezirk oder der Diözese nachfragen, ob evtl. schon Handouts zu
einzelnen Themen vorhanden sind.
 Auch Leiter die schon länger im Stamm mitarbeiten haben evtl. Interesse.
 Es können mehrere Leiter am Wochenende/Abendveranstaltung teilnehmen,
so kann die methodische, inhaltlich und auch organisatorische Arbeit unter
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mehreren Personen aufgeteilt werden. Ebenso können Neuleiter andere
Leiter des Stammes kennen lernen.
 Denkt an Organisatorisches, wie z. B.
 Räume oder Haus reservieren,
 Zuschüsse beantragen,
 Vergesst nicht für das leibliche Wohl zu sorgen.
 Je nach Person des Neuleiters fallen einzelne Punkte kürzer oder länger aus,
hier gilt „Look at the Neuleiter“.
 Plant mit möglichst wenig Aufwand. Wichtig ist, dass ihr das Angebot
dauerhaft anbieten könnt.
MÖGLICHE TIPPS FÜR DEN NEULEITER
Dies ist eine Liste ganz einfacher aber aus unserer Sicht wichtiger Tipps, die du
an deine Neuleiter weitergeben kannst. Sicher gibt es in eurem Stamm noch
Punkte zum ergänzen.
1. Komme nie zu spät in die Gruppenstunde
2. Setze Grenzen
3. Alle Gruppenkinder oder Jugendliche sollen in die Gruppenstunde/in den
Gruppenalltag einbezogen sein
4. Setze dir mit deiner Gruppe Ziele
5. Ignoriere Auffälligkeiten oder Probleme nicht, sondern spreche sie an bzw.
führe bei Bedarf Einzelgespräche
6. Du bist nicht allein, du hast ein Leitungsteam, eine Leiterrunde, einen Stavo,
Bezirksstufenleiter o. ä., die Dir bei Problemen sicher einen Rat geben
können, oder auch zur Seite stehen.
7. Nicht jedes Kind oder Jugendlicher ist in der Lage, sich im Gruppenalltag
zurechtzufinden. Es gibt Situationen die sprengen die Möglichkeiten im
Gruppenleben. Hole dir hier Rat, wie du mit diesen Situationen umgehen
kannst
8. Die Gruppenstunde soll allen Spaß machen – auch dir.
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MÖGLICHE TIPPS FÜR DICH ALS STAVO
Vielleicht helfen dir unsere gesammelten Tipps bei der Umsetzung des neuen
Ausbildungskonzeptes in deinem Stamm.
1. Du bist nicht allein. Die Umsetzung des neuen gesamtverbandlichen
Ausbildungskonzeptes muss nicht nur auf deinen Schultern liegen. Beziehe
die anderen Leiter mit ein und verteilt Aufgaben
2. Tausche dich aus mit Gleichgesinnten. Zum Beispiel auf der Stavo-Konferenz
in deinem Bezirk. Hier gibt es sicher die Möglichkeit zum Austausch und
vielleicht sogar die Möglichkeit eine Kooperation mit Deinem Nachbarstamm
zu schließen. Evtl. könnt ihr ein gemeinsames Einstiegs-Wochenende
veranstalten
3. Eine weitere Stütze könnten Ehemalige sein. Frag doch einfach mal nach, ob
da nicht jemand Lust hat, den Einstieg mitzuplanen
4. Versuche das neue Konzept mit möglichst wenig Aufwand umzusetzen.
Wichtig ist, dass dies dauerhaft angeboten werden soll
5. Akzeptiere wenn Schwierigkeiten auftreten. Wichtig ist, dass diese
wahrgenommen werden und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht
wird
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 Fazit/Schlussworte
Wir hoffen, euch in den Stämmen mit diesem Leitfaden eine Hilfestellung
gegeben zu haben, mit der ihr sowohl theoretische Hintergründe erfahren als
auch praktische Anregungen und Tipps für eure Arbeit vor Ort gewinnen
konntet.
Sicher wird nicht jeder von euch alle Kapitel gebrauchen können, dennoch
findet ihr hoffentlich die für euch interessanten und relevanten Themen in
diesem Heft.
Wir freuen uns jederzeit über Rückmeldungen, egal ob Lob, Kritik, Anregungen
oder Tipps von eurer Seite.
Wir wünschen euch nun viel Spaß und Erfolg bei der Neuleiterausbildung in den
Stämmen. Seid mutig, neugierig, offen, probiert verschiedene Sachen aus und
findet euren Weg im Umgang mit dem neuen Ausbildungskonzept.
Ein Dank geht an dieser Stelle noch an alle, die uns bei der Erstellung dieser
Arbeitshilfe unterstützt haben.
Eure AG Ausbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart
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Anhang
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Literaturliste
BUNDESLEITUNG DER DPSG (Hrsg.): Drumherum & Mittendrin – Die Grundlagen der
Wölflingsstufe; Georgs-Verlag Neuss 1996
BUNDESLEITUNG DER DPSG (Hrsg.): Gesamtverbandliches Ausbildungskonzept;
mediapex Düsseldorf 2003
BUNDESLEITUNG DER DPSG (Hrsg.): Handbuch für Stammesvorstände; Georgs-Verlag
Neuss 1997
BUNDESLEITUNG DER DPSG (Hrsg.): Rover-Leitungshandbuch; Georgs-Verlag Neuss
2002
BUNDESLEITUNG DER DPSG (Hrsg.): Ordnung, Satzung und Geschichte des
Verbandes; Georgs-Verlag Neuss
BERNER, WINFRIED: Jugendgruppen organisieren – Ein Handbuch für Gruppenleiter
und Mitglieder; Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1983
KJG ROTTENBURG-STUTTGART (Hrsg.): Kursknacker – Handbuch für die Kursarbeit;
Wernau 2002
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Ansprechpartner der Bezirke
Stand: 01.06.2006
Ansprechpartner für das Thema Ausbildung in den Bezirken:
Stand September 2004
BEZIRK
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Bezirk Hohenlohe
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Sonstige Adressen, Telefonnummern und aktuelle Infos bekommt Ihr jederzeit in der
DPSG Diözesanstelle, Antoniustr.3, 72349 Wernau, 07153.3001.154.
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