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(Wie) Intersektionalität verstehen?

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Diversity hat viele Gesichter –
Intersektionalität
Vielfalt an der Hochschule – wo, wie, wohin?
Wo?
Die Hochschule ist widersprüchlich:
Die Wissenschaft ist
- vielfältig (Norm des Pluralismus)
- kritisch
- international in Forschung und Reflektion
Die Universitäten sind
- national orientiert
- hegemonial männlich und homosozial:
das Reich der grauen Anzüge aus der Elite
- körpernormiert
Vielfalt an der Hochschule – wo, wie, wohin?
Wo?
Vorherrschende Einfarbigkeit und Konformitätsdruck
- in der alltäglichen Kommunikation und den Erwartungen
- in der Kooptation
- in den Leitungsgremien
Problem des Andersmachens, der Alterisierung
Diversity wirkt der Alterisierung entgegen
Es ermöglicht Vielfalt des Denkens und Ansätze auch aus
untergeordneten und ausgeschlossenen Sichtweisen.
Michael Meuser: hegemoniale Männlichkeit und homosoziale
Institution
Doppelte Kontrolle hegemonialer Männlichkeit:
- gegenüber Frauen
- gegenüber untergeordneten Männlichkeiten (Migranten,
Arbeitern, Schwulen, emanzipativen Männer)
Professoren sind weiterhin
- 80% männlich
- vor allem aus deutscher Elite und Bürgertum
Ausschluss von Frauen, Arbeiterkindern und Menschen mit
Migrationshintergrund.
Körperliche und sexuelle Normalitätsunterstellung
Vielfalt an der Hochschule - wie?
1.Zwei Wege, über Diversity zu denken:
1.1. Gruppeneigenschaften: kulturalistische Kollektivdefinition
Kollektive Identität: „MigrantInnen“, „Lesben“, „Schwule“
Mosaik der homogenisierten Differenzen oder kollektiven
Gruppenrechte: wichtig sind angenommene gemeinsame
Eigenschaften (Religion, Kultur) und die Unterschiede zu
anderen Gruppen.
Diversity wird durch Anerkennung der kollektiven Eigenschaften
oder Gruppenrechte verwirklicht.
Wie?
1.1. Gruppeneigenschaften:
Mosaik der homogenisierten Differenzen oder kollektiven
Gruppenrechte
Diversity wird durch Anerkennung der kollektiven Eigenschaften
oder Gruppenrechte verwirklicht.
Probleme:
Stereotypisierung am Beispiel türkischer MigrantInnenmilieus
Die Einzelnen können andere Werte haben als sie der
Gesamtgruppe zugeschrieben werden (homosexuelle
MigrantInnen)
Der Zusammenhalt verschwindet vor Gruppenrechten.
Bunt statt grau –
aber weiter in sich homosoziale monochrome Gruppen?
Wo bleiben die Gemeinsamkeiten und die
Wechselwirkungen?
Gemeinsamkeiten und Bewegung in der
Vielfalt
Vielfalt an der Hochschule – wie?
1.2. Diversity als soziale Unterschiede/Konstruktionen, mit denen sich Menschen individuell in
ihrem Lebensentwurf auseinandersetzen
Dieser Ansatz ermöglicht,
- die Unterschiede innerhalb unterschiedlicher
Gruppen wahrzunehmen und auf individuelle
Bedürfnisse und Lebensentwürfe einzugehen:
Differenzierung der Differenzen
Gemeinsamkeiten und Unterschiede anerkennen.
Wie - Beispiele?
Diversity nach Kollektivdefinition: die graue Einfarbigkeit
also die männliche nationale Hegemonie aufbrechen, ohne
letztlich die Homosozialität zu hinterfragen (viele und
kleinere homogene Kästchen)
- Ringvorlesungen mit Vorstellung verschiedener Gruppen
(und ihrer Unterschiede und Gemeinsamkeiten)
- Mentoring für Zielgruppen,
- halal Essen in der Mensa
Diversity nach sozialer Konstruktion:
- gutes Studium mit Kleingruppenbetreuung: Alle „Gleich
willkommen“
- inklusive Tanzprojekte (Behinderte/Nichtbehinderte)
- Tandemprojekte: internationale und deutsche Studierende,
Vielfalt an der Hochschule – wie?
2. Argumente für Diversity
2.1. Potentialediskurs: spezifische Potentiale bestimmter
Gruppen
Bestimmte Lebenserfahrungen vermitteln neue diverse
Zugänge - gegen die vorherrschende graue Einfarbigkeit
Ökonomische Argumentation verbreitet: weibliche
Kompetenz im Management; MigrantInnen ins ethnische
oder internationale Business
Häufige Stereotypisierung und ökonomistische Verengung
2.2. Gleiche Teilhabe und Gerechtigkeitsdiskurs
Grundlegend für Zusammenhalt
Erfordert breite Zugangschancen (z.B. keine
Studiengebühren) und Anerkennung von Vielfalt
Vielfalt an der Hochschule – wie?
3. Kontext der Globalisierung und Flexibilisierung:
Wachsender Bedarf für Hochqualifizierte aus allen Gruppen
Wachsende Ungleichheit und Prekarität
Auch bei Akademikern hoher Anteil nach Abschluss in
flexibler Beschäftigung
Bei internationalen Studierenden und der zweiten Generation
mit ausländischem Pass Barrieren bei Arbeitssuche
Entscheidung für Kinder erschwert:
- bei Frauen Mythos der Mutterschaft/Nichtvereinbarkeit
- bei Männern hegemoniale Männlichkeit als Problem für
Vereinbarkeit
Diversity darf sich nicht auf den neoliberalen Rahmen der
ökonomischen Verwertbarkeit beschränken, sondern muss
sich auf nachhaltige gerechte Sozialmodelle beziehen.
Ansätze zur Ungleichheit:
Intersektionalität
Kimberly Crenshawe: Intersection of social
forces of inequality
?
Klasse,- Geschlecht, Rasse, Migration, Begehren, Behinderung
Unterschiedliche Ungleichheiten wirken auf die Betroffenen ein:
Rassismus und/oder Sexismus
So werden verschiedene Gruppen (z.B. afrodeutsche Frauen)
sichtbar.
Problem der Kollektivzuschreibungen und Fixierung von
Unterschieden – heute Trend zur Differenzierung der
Differenzen
Wechselwirkende Ungleichheiten
Nach den zugrundeliegenden Strukturen der Ungleichheit fragen:
Strukturkategorien wechselwirken miteinander im Kontext
beschleunigter Modernisierung
z.B. Klasse, Geschlecht, Migration
oder Migration und Begehren
Denken in einfachen Gegensätzen überwinden (Mann/Frau –
Deutsche/MigrantInnen)
Fokussieren auf Wechselwirkungen (studierende Väter oder auch
Maschinenbaustudentinnen mit Migrationshintergrund,
Homosexualität und Behinderung usw.)
Wechselwirkende Ungleichheiten und Teilhabe an
Bildung
Bildung ist zugleich Selektionsmechanismus und
Integrationsmechanismus.
Teilhabe an höherer Bildung eröffnet Chancen für
- gute Lohnarbeit
- gesellschaftliche Anerkennung
- individuelle Autonomie
Zugleich sortiert das Bildungssystem aus nach Klasse, Migration
und Geschlecht
Wechselwirkung von Geschlecht und Migration in abgestuften
Formen von Teilhaben und Ausschlüssen
Auswertung des Mikrozensus nach Geschlecht, Migration und
Einbürgerungsstatus (nach Vertovec Superdiversity)
Teilhabe an Bildung
Verteilung der allgemeinbildenden Schulabschlüsse innerhalb
der AusländerInnen, Deutschen mit Migrationshintergrund und
Deutschen nach Geschlecht 2008 (von 18-29 Jahren)
Allgemeinbildender Schulabschluss
Migr.status
Dt. m. MH
Ausl
Herk Geschl in Schule
ABI
FHSR RS/POS HS/VS oh. Abschl
10,40% 15,70% 5,30% 28,30% 34,30%
6,00%
Türk
m
7,00% 17,30% 7,20% 30,30% 33,30%
5,00%
w
8,20% 21,50% 10,70% 35,10% 22,20%
2,30%
Pol
m
10,30% 31,20% 10,10% 30,40% 16,40%
1,70%
w
9,60% 17,40% 7,50% 29,00% 32,70%
3,80%
Ges
m
w
10,20% 22,90% 8,30% 32,70% 22,70%
3,20%
Türk
Pol
Ges
Dt. oh. MH
Ges
100%
100%
100%
100%
n
452
100%
100%
3885
3704
502
522
477
w
5,40% 7,20%
6,30% 9,50%
9,00% 20,90%
3,00% 50,50%
5,00%
4,70%
9,00%
5,00%
24,30%
22,20%
22,40%
17,50%
47,60%
41,50%
35,80%
21,00%
10,50%
15,80%
3,00%
3,00%
100%
100%
100%
100%
832
792
67
200
m
w
5,40% 24,00%
5,10% 31,00%
5,10%
5,00%
20,70% 35,80%
20,50% 28,00%
9,00%
10,40%
100%
100%
2598
m
w
6,70% 26,80%
7,10% 33,10%
7,80%
7,90%
33,50% 22,60%
35,90% 14,00%
2,50%
2,00%
m
w
m
2964
100% 24360
100% 24014
Verteilung von allgemeinbildenden Schulabschlüsse über
Personen mit türkischem Migrationshintergrund (MH) nach
Geschlecht 2008 (im Alter von 18-29 Jahren)
55,0%
Anteil innerhalb der Gruppe (in %)
50,0%
45,0%
40,0%
35,0%
30,0%
25,0%
20,0%
15,0%
10,0%
5,0%
0,0%
in Schule
ABI
FHSR
RS/POS
HS/VS
Allgem einbildender Schulabschluss
Deutsche mit türkischem MH, männlich
Deutsche mit türkischem MH, w eiblich
Ausländer mit türkischer Staatsangehörigkeit, männlich
Ausländer mit türkischer Staatsangehörigkeit, w eiblich
Deutsche ohne MH, männlich (zum Vergleich)
Deutsche ohne MH, w eiblich (zum Vergleich)
oh. Abschl
Verteilung von allgemeinbildenden Schulabschlüsse über
Personen mit polnischem Migrationshintergrund (MH) nach
Geschlecht 2008 (im Alter von 18-29 Jahren)
55,0%
Anteil innerhalb der Gruppe (in %)
50,0%
45,0%
40,0%
35,0%
30,0%
25,0%
20,0%
15,0%
10,0%
5,0%
0,0%
in Schule
ABI
FHSR
RS/POS
HS/VS
Allgem einbildender Schulabschluss
Deutsche mit polnischem MH, männlich
Deutsche mit polnischem MH, w eiblich
Ausländer mit polnischer Staatsangehörigkeit, männlich
Ausländer mit polnischer Staatsangehörigkeit, w eiblich
Deutsche ohne MH, männlich (zum Vergleich)
Deutsche ohne MH, w eiblich (zum Vergleich)
oh. Abschl
Diversity an der Hochschule
Schichtspezifische Angaben fehlen, insbesondere zu
Arbeiterkindern
Studierende mit Migrationshintergrund (2012):
23%
11% ein Elternteil im Ausland geboren
21% aus bildungsferner Schicht (5% bei Studierenden oMh)
77% deutsche Staatsangehörigkeit
4% „Bildungsinländer“
48% Frauenanteil
Behinderte Studierende (2012)
7 % (studienerschwerende Gesundheitsbeeinträchtigung)
Verteilung der Berufstätigen über
ausgewählte Berufsgruppen
nach Geschlecht und Ethnizität/Migrationsstatus (15-64 Jahre)
Berufsgruppe nach ISCO-88 (COM), Auswahl
Migr.status
Dt. m. MH
Herk
Türk
Wiss Techni Büro Dienstl Handw Maschbed Hilfsarb
22,40% 12,20%
6,40% 10,40% 8,40% 7,30% 23,30%
7,70% 20,00% 13,60% 28,40% 4,80%
4,10% 16,90%
18,50% 11,20%
9,30% 11,80% 6,20% 3,60% 32,80%
6,60% 28,60% 13,40% 21,60% 4,40%
4,50% 16,50%
n
Ges
m
w
4,90%
2,50%
9,40% 10,90% 5,80% 4,90% 29,20%
7,70% 22,90% 13,40% 22,90% 4,40%
18,70%
4,30%
12,80%
19,70%
Türk
m
w
m
4,90%
2,10%
w
6,50%
2,60%
2,20% 5,30% 5,20% 8,80% 30,20%
1,30% 10,20% 7,90% 24,90% 9,10%
7,50% 8,10% 1,90% 3,60% 40,90%
7,40% 14,60% 10,00% 24,60% 7,80%
23,50%
7,70%
11,70%
1,50%
17,40%
34,30%
15,60%
28,10%
2117
1089
308
459
m
w
7,50%
3,70%
9,50% 9,00% 5,50% 9,80% 26,20%
9,30% 14,80% 11,90% 25,30% 5,10%
15,70%
4,10%
14,10%
23,50%
7971
m
w
7,40% 17,20% 17,80% 7,80% 5,10% 24,20%
3,60% 13,60% 29,50% 19,10% 19,30% 2,90%
9,90%
2,10%
6,00%
7,40%
Pol
Ges
Dt. oh. MH
Führ.kr
7,60%
2,70%
2,20%
1,90%
1101
764
1521
1361
9718
8215
Pol
Ausl
Geschl
m
w
m
w
5946
96928
85129
Verteilung über ausgewählte
Berufsgruppen nach ISCO-88 (COM)
Personen mit türkischem Migrationshintergrund nach
Geschlecht 2008 (15-64 Jahren)
45,0%
Anteil innerhalb der Gruppe (in %)
40,0%
35,0%
30,0%
25,0%
20,0%
15,0%
10,0%
5,0%
0,0%
Führ.kr
Wiss
Techni
Büro
Dienstl
Handw
Maschbed
Berufsgruppen nach ISCO-88 (COM), Ausw ahl
Deutsche mit türkischem MH, männlich
Deutsche mit türkischem MH, w eiblich
Ausländer mit türkischer Staatsangehörigkeit, männlich
Ausländer mit türkischer Staatsangehörigkeit, w eiblich
Deutsche ohne MH, männlich (zum Vergleich)
Deutsche ohne MH, w eiblich (zum Vergleich)
Hilf sarb
Vielfalt an der Hochschule – wohin?
MigrantInnen erschließen sich zunehmend höhere Bildung
Aber bei ihnen wie auch bei Arbeiterkindern weiter Barrieren
Weiterwirkende geschlechtliche Segregation
Vermittelt durch
1. diskursive Normierungen, die in eigene Lebensentwürfe
übernommen werden (als Mann kein Erzieher/ Lehrer werden...
als Frau keine Ingenieurin)
2. institutionelle Regeln und Normen (z.B. Ausschluss
internationaler Studierender durch Eingangshürden)
Gegenwärtig strategische Phase: breite Öffnung oder Ausschluss
Relevant für Chancen der Gleichheit in Deutschland insgesamt
Vielfalt an der Hochschule – wohin?
Diversity braucht
1. Bewusstseinsveränderungen:
Bei innovativen PionierInnen (Bildungsaufsteigern) schon
vorhanden, sie können andere nachziehen
2. Institutionelle Strategien
• Unterstützung von der Spitze
• Verfahren für Teilhabe und kein Ausspielen der Gruppen
gegeneinander
• Räume für innovative Gruppen schaffen
• Breite Bündnisse für Vielfalt für alle
Danke für Ihr Interesse
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