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Internationalisierung – warum und wie? - Gastroinfoportal

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izielles Organ des
www.molkerei-industrie.de
Internationalisierung –
warum und wie?
Ahlemer Fachtagung befasst sich
mit der Internationalisierung der Milchwirtschaft
mi | Events
Internationalisierung –
warum und wie?
Ahlemer Fachtagung befasst sich
mit der Internationalisierung der Milchwirtschaft
Milei-Chef Rüdiger Fricke hat noch Einiges auf Auslandsmärkten vor
D
ie diesjährige Ahlemer Fachtagung bot am ersten Tag, dem
3. Juni, in Hannover einen Rundumschlag ums das komplexe
und heiß diskutierte Thema „Internationa-
Robert Finsterer beschrieb einen integrierten Ansatz zur Entwicklung passender Produkte für Exportmärkte
Ingo Müller, DMK: Nur wer die Chancen
im Export nutzt, wird eine wirtschaftliche Zukunft der Milcherzeugung sicherstellen können
lisierung der Milchwirtschaft“. molkereiindustrie war dabei und berichtet frisch
vom Event.
Für Prof. Hannes Weindlmaier sind
jüngst erfolgte politische Aussagen,
wonach die EU-Milcherzeugung sich am
Eigenverbrauch bemessen müsse und
Export nicht nachhaltig sei, nichts als
„heiße Luft“. Ebenso sei eine freiwillige
Milchquote, wie sie bestimmte Erzeuger-
Die Tagung wurde auch von den Fachstudierenden an der HS Hannover besucht
2013 | moproweb.de
gruppen fordern, weder praktikabel noch
sinnvoll. Weindlmaier wies auf den aktuellen Selbstversorgungsgrad der EU in Höhe
von 111 % bei Milch hin – in Teilbereichen
muss die Milchindustrie enorme Mengen
für den Absatz im Ausland aufbereiten,
wie z. B. in Bayern, wo der Selbstversorgungsgrad bei Käse 330 % beträgt. In
der Gesamtbilanz führt Deutschland 35
% seines Käseverbrauchs aus, 45 % der
Produktion werden exportiert. 46 % der
deutschen Milch gehen in den Export, sie
bilden für die Branche einen Umsatzanteil
von 25 % oder 6,1 Mrd. €.
Nur Commodities?
Angesichts hart umkämpfter und gesättigter Märkte bieten sich vielen Unternehmen allein noch im Export Wachstums- und
insgesamt fast ausschließlich auch höhere Erlöschancen. Wenn unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten heute
100.000 t Käse oder 50.000 t Butter pro
Betriebsstätte hergestellt werden müssen,
um bei den Kosten wettbewerbsfähig zu
bleiben, brauchen solche Milchverarbeiter
entsprechend große Absatzmärkte, erklärte der Ökonom. Weindlmaier wies daneben
darauf hin, dass die deutsche Milchindustrie im Export mehr auf Commodities als
auf höher wertschöpfende Produkte setzt.
Hier seien vor allem Genossenschaften gefordert, mehr für ihre Margen zu tun.
Neben den Erlöschancen bietet der
Export auch die Möglichkeit zur Risikoverteilung. Allerdings müssen für Exportgeschäfte ausreichend finanzielle Ressourcen vorhanden sein. Investitionen in
ausländische Absatzmärkte rentieren sich
langfristig, wie Weindlmaier am Auszah-
Dr. Tim Rau: Wer im Ausland Erfolg haben
will, braucht sprachliche und interkulturelle Kompetenz. Da haben speziell wir in
Deutschland oft noch Nachholbedarf
Prof. Hannes Weindlmaier: Die deutsche
Milchindustrie setzt im Export zu stark
auf Commodities als auf höher wertschöpfende Produkte
lungsniveau von FrieslandCampina und
Arla Foods belegen konnte. Aber der Rückfluss solcher Investitionen dauert auch
viele Jahre.
konsolidiert haben, um auf diese Weise
die Mittel für die internationale Expansion zu gewinnen.
Landwirte sind
gegen Investitionen
Rainer Sievers, bis vor kurzem Chef der
MUH und scheidender Vorsitzender des
Ahlemer Hochschulforums, wies darauf
hin, dass deutsche Landwirte bisher keine Investitionen ihrer Molkereigenossenschaften in ausländische Märkte genehmigt haben. Sievers: „Die Mitglieder
wollten es einfach nicht“. Wenn es keinen
Sinneswandel gebe, werde die deutsche
genossenschaftliche Milchindustrie künftig im Export nur in Nischen erfolgreich
sein können. Ingo Müller, einer der DMKGeschäftsführer und neuer Vorsitzender
des Ahlemer Hochschulforums, ergänzte,
dass FrieslandCampina und Arla Foods
vor ihren beträchtlichen Direktinvestitionen, mit denen sie heute gutes Geld
verdienen, zunächst die Heimatmärkte
Diskutierten ihre Sicht der Internationalisierung: links Rainer
Sievers, stehend Ingo Müller
Nutzen
für heimische Erzeuger
DMK generiert bereits 11 % seines Umsatzes (500 Mio. €) im Drittlandsexport. Für
Müller stehen die Exportchancen weiterhin
sehr gut, denn jährlich werden weltweit 78
Mio. Kinder geboren und in den Schwellenländern etabliert sich ein umfangreicher Mittelstand. Allerdings gebe es auch
Risiken, z. B. über nichttarifäre Handelshemmnisse, finanzielle Unwägbarkeiten
(Zahlungsausfälle) oder den auch in Drittmärkten härter werdenden Wettbewerb.
Wer im Export erfolgreich sein will, der
muss im Umkehrschluss auch seine Kosten
im Griff haben und vor allem für fremde Märkte maßgeschneiderte Produkte
bieten können, sagte Müller. Die Internationalisierung sei indes die einzig mögliche Reaktion auf schrumpfende Heimatmärkte – nur wer die Chancen im Export
Im Vordergund: Tagungsmoderator Prof. Heinrich Wietbrauk,
dahinter die Dekanin Prof. Britta Rademacher
moproweb.de | 2013
mi | Events
nutzt, werde eine wirtschaftliche Zukunft
der Milcherzeugung sicherstellen können,
sagte der Genossenschaftsmanager. Für
die Zeit nach 2015 glaubt Müller an keine
Milchflut in der EU, die Mehrproduktion
müsse jedoch direkt in den Export gehen.
Eine Sache
der Kultur
Mit einer Fülle von Beispielen aus ihrer
praktischer Erfahrung in Auslandsmärkten
und mit ausländischen Geschäftspartnern
bereicherten Dr. Tim Rau (Rau Consultants), Rüdiger Fricke (Milei) und Robert
Finsterer (Strategische Produktentwicklung) die Tagung. Rau räumte dabei mit
einigen Vorurteilen ggü. Auslandstätigkeiten auf. Die richtige Personalwahl für
leitende Auslandsposten führt lt. Boston
Consulting Group zu deutlich besserem
Unternehmenserfolg. Wer Spitzenkräfte
aus dem eigenen Haus entsendet, muss
2013 | moproweb.de
sich auch um deren soziale Einbettung im
Gastland sowie um die Rückintegrierung
bei ihrer Rückkehr kümmern. Um ein Abwandern dieser wichtigen Funktionsträger
zu verhindern („Expat-Falle“), empfiehlt es
sich, engen Kontakt zu halten. Rau bietet
auf rau-consultants.de einen europäischen
Gehaltsspiegel für verschiedene Positionen und Funktionen.
Rüdiger Fricke erzählte von seinen Erfahrungen speziell mit asiatischen Geschäftspartnern. Milei, seit dem letzten
Jahr 100%ige Tochter der japanischen Morinaga (1,4 Mrd. l Milch, 7,7 Mrd. US$ Umsatz, 5.627 Mitarbeiter), will künftig neben
Molke auch mehr Milch verarbeiten und das
B2B Geschäft weiter internationalisieren.
(aktuell bildet Molke 95 % des Rohstoffeingangs, angestrebt werden auf Sicht über
den Neubau 50 %). Basis dafür bildet eine
Kapitalerhöhung der Milei durch Morinaga
um 25,5 Mio. € und ein 10-Mio.-€ Investiti-
onsbudget. Japaner, so Fricke, planen extrem langfristig, die fast 40 Jahre alte Milei
werde dort noch als „in den Kinderschuhen
stehend“ angesehen.
Robert Finsterer, der viele Jahre für Danone und Givaudan Produkte entwickelt
hat, berichtete über das professionelle Herangehen an eine Produktentwicklung für
Auslandsmärkte. Erst seit kurzer Zeit werde dafür von Großunternehmen ein integrierter Ansatz verfolgt, bei dem die F&E
die Projekte führt und direkter Gesprächspartner auch für das Marketing ist. Besonders interessant war in den Ausführungen,
welche entscheidende Rolle die Sensorik
und die Verbraucherforschung in der Produktentwicklung haben muss und welche
Vielzahl an Faktoren zu prüfen sind, um
schlussendlich das passende Produkt für
einen spezifischen Markt bieten zu können.
molkerei-industrie bringt demnächst dazu
einen Gastbeitrag von Robert Finsterer.
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Seele and Geist
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