close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Hedgefonds heben nicht wie erwartet ab

EinbettenHerunterladen
Hedgefonds
l
Hedgefonds heben
nicht wie erwartet ab
Ein Aufblühen des deutschen Hedgefonds-Markts wurde erwartet, nachdem die Lockerung der
aufsichtsrechtlichen Beschränkungen im vergangenen Jahr deutschen Investoren den Kauf
von Anteilen an inländischen und Offshore-Fonds ermöglichte. Doch es blieb aus, und die
ersten 12 Monate erwiesen sich eher als Rohrkrepierer. Von Hann Ho
or mehr als einem Jahr haben die
deutschen Aufsichtsbehörden eine
Gesetzesreform eingeführt, die
inländischen Investoren den Einstieg in
den Hedgefonds-Markt ermöglicht.
Doch der vielfach prophezeite Big
Bang blieb aus, und der deutsche
Hedgefonds-Markt startete mehr als
verhalten. Investoren zögerten, ihr Geld
in Hedgefonds anzulegen, wobei ein
Betrug in Höhe von €600 Millionen,
der Anfang des Jahres Schlagzeilen
machte, sicher nicht zur Stärkung des
Vertrauens beitrug. Derweil beklagen
V
2003 sollten die Branche durch die
erstmalige Zulassung von Single-StrategyFonds und Dachfonds mit deutschem
Domizil und eine vernünftigere
Gestaltung der steuerlichen Behandlung
der Investoren und Hedgefonds-Manager
in Schwung bringen. Fonds werden jetzt
nur noch als transparent oder
intransparent ausgewiesen. Das
Investmentsteuergesetz sieht außerdem
die steuerliche Gleichbehandlung inund ausländischer Fonds vor; bei
transparenten Fonds sind die Erträge aus
Derivaten zudem jetzt steuerfrei.
,,Wir wollen den Fonds bis Ende des Jahres
registrieren lassen,”
Edda Schröder, Schroders Investment Management
Hedgefonds-Manager die übertrieben
strengen Vorschriften der deutschen
Aufsichtsbehörde, die fast alle Fonds
davon abgehalten haben, sich in
Deutschland niederzulassen.
Bis Anfang letzten Jahres hatten
deutsche Investoren mehr oder weniger
keinen Zugang zu Hedgefonds.
Hedgefonds-Manager durften nicht
„ o n s h o re“ arbeiten, und während
inländische Investoren den OffshoreMarkt über Privatplatzierungen nutzen
konnten, wurden die Käufer durch
eine überhöhte Kapitalertragssteuer
geknechtet. Für ausländische Fonds
gab es die Einstufungen weiß
(steuertransparent), grau (zu einem
höheren Satz besteuert) oder schwarz
(unterliegt einer Kapitalertragsteuer von
90%). In der Praxis wurden die meisten
Fonds als schwarz eingestuft.
Das mit Wirkung zum Januar 2004
ergänzte Investmentgesetz und
Investmentsteuergesetz vom Dezember
16
DEUTSCHES RISK SOMMER 2005 ● WWW.RISK.NET
Wichtig ist, dass das Gesetz bezüglich
der Beteiligung institutioneller Investoren
rechtliche Klarheit schafft. Jetzt können
Versicherungsgesellschaften bis zu
5% ihrer Anlagebeschränkungen
unterworfenen Einlagen (klassifiziert als
Reserveguthaben und andere gebundene
Vermögenswerte) Hedgefonds zuteilen.
Das ist immerhin ein Cash-Pool von
schätzungsweise €50 Milliarden. Diese
beschränkten Einlagen machen insgesamt
95% des Gesamtvermögens der
Versicherungsgesellschaften aus. Die
Anlage der verbleibenden 5% ist gemäß
‘Öffnungsklausel’ nicht beschränkt.
In einem Bericht vom Februar
diesen
Jahres
schätzte
das
Beratungsunternehmen Mercer Oliver
Wyman, bisher seien nur etwa
0,2% dieses Pools beschränkter
Vermögenswerte in Hedgefonds
investiert. Diese Zahl bleibt deutlich
hinter den zugelassenen 5% zurück.
Niedrig ist sie auch im Vergleich mit
Hedgefonds
l
den 2%–3%, die schweizerische
Versicherungsgesellschaften seit den
Investmentreformen in der Schweiz Mitte
der 90er Jahre zugeteilt haben. Der
deutsche Hedgefonds-Absatz erreichte
2004 insgesamt nur €1,3 Milliarden und
hat damit die von einigen Analysten
direkt nach Inkrafttreten des Gesetzes
abgegebenen Schätzungen von €10
Milliarden um einiges verfehlt.
Teils erklärt sich der Mangel an
Investments auch durch die strengen
Auflagen der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
für das Risikomanagement. Demnach
müssen Versicherungsgesellschaften in
der Lage sein, den Einfluss von
Hedgefonds-Käufen auf ihr Portfolio zu
messen und Leute beschäftigen, die
entsprechende
Erfahrung
mit
Hedgefonds-Investments haben.
Da die Investmentbestimmungen für
Versicherungsgesellschaften aber erst im
September 2004 durch die BaFin geklärt
wurden, hatten die Firmen bisher auch
nur wenig Zeit, mit großen Volumen in
den Hedgefonds-Markt einzusteigen,
sagen Analysten.
Erheblich gravierender ist der Mangel
an Hedgefonds-Managern, die sich in
Deutschland niedergelassen haben. Laut
Mercer Oliver Wyman sind nur eine
Handvoll Dachfonds onshore, die 2004
nur 3% des gesamten HedgefondsAbsatzes erwirtschafteten. Etwa 33% des
Absatzes gingen an Single-StrategyFunds mit Domizil in Deutschland,
während der Rest – beachtliche 64% – in
Offshore-Hedgefonds angelegt wurde.
Wegen der strengen Kriterien, an die
der transparente Steuerstatus gebunden
ist,
und
der
drakonischen
Einschränkungen und Auflagen für
Fonds, halten sich Hedgefonds-Manager
von diesem Markt fern. Dachfonds
dürfen beispielsweise keine Fremdmittel aufnehmen und nicht auf
Kreditfazilitäten zugreifen, erläutert
Christian Edelmann, Berater und CoAutor der Studie von Mercer Oliver
Wyman. Manager beklagen auch, wie
lange es dauert, die Genehmigung für
einen Fonds zu erhalten. Bis zu sechs
Monate können vergehen, bis man von
der BaFin grünes Licht zur Einführung
eines Fonds in Deutschland erhält,
während die Entscheidung in Luxemburg
normalerweise innerhalb von zwei
Monaten erfolgt.
Um den transparenten Steuerstatus
zu erhalten, müssen Fondsmanager
sowohl die Investments als auch alle
durch sie erzielten Gewinne/Verluste
vollständig offenlegen. So wird der
Aktiengewinn ermittelt, auf dessen
18
Grundlage der für die Steuerbefreiung
relevante Kapitalgewinn bestimmt wird.
Ein geprüfter IAS-Bericht erfüllt diese
Auflagen beispielsweise nicht, so
Mercer Oliver Wyman. Nur wenige
Unternehmen sind bereit, diese
Transparenzanforderungen zu erfüllen.
Folglich entsprechen bisher nur 350
Fonds den Transparenz-Auflagen, und
die basieren fast alle auf Managed
Accounts.
Bei Investoren in Fonds, die diese
Auflagen nicht erfüllen – und folglich
als intransparent klassifiziert werden –
werden unabhängig von Änderungen
des Inventarwerts alle Ausschüttungen
besteuert,
sowie
70%
der
Wertsteigerung des Aktienkurses und
6% des letzten Rücknahmepreises im
Kalenderjahr. Folglich sind nur in
transparenten Fonds platzierte
Investments steuerlich effizient.
Dass
Schroders
Investment
Management die Einführung ihres
Dachfonds SAIF Blue Sea absagte,
weil die von der Investmentreform vorgegebenen stringenten
Anforderungen an die steuerliche
Transparenz nicht zu erfüllen waren,
unterstreicht diese Schwierigkeiten. Da
Kopien der Offshore-Reports nicht
zugelassen sind, sollte Schroder
insbesondere
auch
separate
Steuerberichte in Deutschland erstellen.
Die Firma will trotzdem in
Deutschland an den Start gehen. „Wir
wollen den Fonds bis Ende des Jahres
registrieren lassen,“ sagt Edda Schröder,
Geschäftsführerin des Unternehmens in
Frankfurt. „Wir prüfen zur Zeit, wie wir
die Restriktionen der BaFin erfüllen
können.“
Doch der viel beachtete Skandal des
Frankfurter Fonds Phönix Kapitaldienst
könnte sich negativ auf das InvestorenSentiment auswirken. Die Wertpapierhandelsbank mit Schwerpunkt auf shortselling Options, meldete im März
Insolvenz an, nachdem Anlegergelder in
Höhe von €600 Millionen verschwunden
waren. Die Firma wird jetzt von der
BaFin untersucht, und einige Analysten
vermuten, dass Investoren infolge dieses
Skandals Hedgefonds mit noch größerer
Vorsicht begegnen werden.
Allerdings sagen andere, Phoenix mit
seinem
Schneeballsystem
für
uninformierte Kleinanleger sei ein
Einzelfall gewesen, von dem aller
Wahrscheinlichkeit
nach
keine
Auswirkungen auf den breiteren
Hedgefonds-Markt zu erwarten sind.
Aufschlüsselung der ausstehenden institutionellen Nachfrage
in Deutschland, 2004 ggü. 2007
2.4
2004
2007
1.2
3.3
4.9
0
Pensionskassen
Versicherungen
Andere institutionelle Anleger
4.8
5
6.7
10
€ Milliarden
15
20
Source: ABV, BaFin, GDV, Mercer Oliver Wyman analysis
Starkes Kaufinteresse für Retail-Zertifikate
In regulierte Fonds wurden 2004 insgesamt €1,3 Milliarden investiert, doch hinzu kommen die Verkäufe am
Markt für Hedgefonds-Zertifikate in Höhe von mehr als €3 Milliarden. Der deutsche Zertifikatmarkt ist der
weltweit größte und besteht seit dem Jahr 2000, als die jüngsten aufsichtsrechtlichen Reformen noch nicht in
Kraft getreten waren.
Zertifikate bieten Investoren alternativen Zugang zu privatplatzierten Investitionen in Hedgefonds. Diese
Strukturen replizieren bestehende Fonds, typischerweise Hegdefonds-Indizes oder Dachfonds, und umgehen die
deutschen Vorschriften zur Steuertransparenz. Das liegt daran, dass die Gewinne aus Anlagen in Zertifikate
unbesteuert bleiben, wenn sie länger als sechs Monate gehalten werden.
Einschließlich der Verkäufe von Hedgefonds-Zertifikaten beläuft sich der Gesamtumsatz für 2004 auf respektable €4 Milliarden. ■
DEUTSCHES RISK SOMMER 2005 ● WWW.RISK.NET
„Phönix hat schon Gelder akquiriert, als
die Entwicklungen in der Welt der
Hedgefonds noch kein Thema waren“,
sagt Achim Pütz, Vorsitzender des
Branchenverbands Bundesverband
Alternative Investments und Partner der
Anwaltskanzlei SJ Berwin in München.
Pütz ergänzt, der deutsche
Hedgefonds-Markt stehe erst am Anfang
und es sei unrealistisch gewesen, im
ersten Jahr hohes Wachstum zu
erwarten. „Was die Gesamtleistung
deutscher Hedgefonds betrifft, sollte
keiner erwarten, dass der Markt
explodiert, bloß weil ein neues Gesetz
für diesen Markt in Kraft tritt. Es war
immer klar, dass das Zeit brauchen
würde,“ sagt er. „Die meisten
deutschen institutionellen Investoren
wissen nicht genug über die
Funktionsweise von Hedgefonds und die
ihnen zugrundeliegenden Strategien.
Auch das spricht gegen einen
Schnellstart.“
Anke Hallmann, Sprecherin bei
Hedgefonds im Verlauf des nächsten
Jahres ausbauen werden. Wenn die
Investoren mit der verfügbaren
Produktpalette zufriedener und
vertrauter sind, werden die geschätzten
€ 50 Milliarden in Versicherungsvermögen zu einer Haupttriebkraft des
Markts werden, fügt er hinzu.
„Deutschland ist ein großer Markt – die
Nachfrage ist groß. Hedgefonds liefern
gute Diversifikationsinstrumente, die
Versicherungsgesellschaften speziell
nach dem Schaden durch den
schwachen Aktienmarkt gut gebrauchen
können. Ich erwarte generell, dass 20%
aller in Investmentfonds angelegten
Vermögenswerte in Form von Absolute
Return Strategien getätigt werden, bei
denen es sich nicht unbedingt um reine
Hedgefonds-Strategien handeln muss,
wie bei traditionellen Fonds, die Derivate
einsetzen,“ sagt Pütz.
Würden sich die Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen
stärker engagieren, wären voraussichtlich
„Keiner sollte erwarten, dass der Markt
explodiert, bloß weil ein neues Gesetz für diesen
Markt in Kraft tritt.“
Achim Pütz, Bundesverband Alternative Investments
DWS Investments, bestätigt, die
zurückhaltende Nachfrage sei durch die
deutsche Investmentkultur erheblich
mitbestimmt. „Deutsche Investoren sind
generell recht risikoscheu und begegnen
der Hedgefonds-Branche skeptisch. Die
Medienberichte waren zurückhaltend
und verwiesen auf die LTCM-Krise,“ sagt
sie. DWS, Teil der Funds Management
Group der Deutschen Bank, hat bisher
einen Dachfonds und zwei SingleHedgefonds aufgelegt.
Zwar sind die Versicherungsgesellschaften bisher kaum in den Markt
eingetreten, doch zeigen sich viele
Versicherungskunden, die Pütz berät,
von Hedgefonds begeistert, sagt er. Er
erwartet, dass die Versicherungsgesellschaften ihr Engagement in
auch mehr Hedgefonds-Manager bereit,
in den sauren Apfel zu beißen und die
stringenten Auflagen zu erfüllen, um
diesen großen potentiellen Cash-Pool
auszuschöpfen. „In der traditionellen
Fondsbranche werden die Standards für
die steuerliche Transparenz schon seit
Jahren umgesetzt und bilden keine
unüberwindliche Hürde,“ sagt Pütz. „Eine
andere steuerliche Behandlung wäre zwar
sehr wünschenswert, ist aber schwer
umsetzbar, da die Lobby für traditionelle
Fonds in Deutschland sehr stark ist, und
dies ist ihr bevorzugtes System.“
Mercer Oliver Wyman geht davon aus,
dass die Versicherungsgesellschaften
2006 aggressiver in den Markt eintreten
werden. Außerdem wird erwartet, dass
die deutschen Pensionskassen mit Aktiva
in Höhe von €160 Milliarden ihre
Zuteilung 2005 von 1,6% auf 2,5%
erhöhen. Mercer sieht mögliche
Zuteilungen der Pensionskassen an
Hedgefonds in Höhe von bis zu €20
Milliarden. „Wir sind recht optimistisch,“
sagt Edelmann. „Die Nachfrage liegt
derzeit bei €15 Milliarden [ einschließlich
vor 2004 zertifizierter und privat
platzierter Investments], und wir erwarten
eine Verdopplung in den nächsten drei
Jahren, wobei der Zuwachs bei den
Versicherungsgesellschaften am größten
sein wird. Was die Produkte betrifft,
erwarten wir, dass etwa 70% der
institutionellen Investments in Dachfonds
fließen werden und der Rest in Single
Hedge Funds und strukturierte
Produkte,“ fügt er hinzu.. ■
WWW.RISK.NET ● SOMMER 2005 DEUTSCHES RISK
19
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
1 762 KB
Tags
1/--Seiten
melden