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Focus 35 - Wie viel Feinanpassung ist bei heutigen - Phonak

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News / Ideas / High Technology / Acoustics
Wie viel Feinanpassung ist
bei heutigen Hörg e r ä t e anpassungen in der Pra x is
notwendig?
Martin Lützen
Dipl.-Ing. (FH)
Phonak AG, Schweiz
Übersicht
Anpassformeln gelten seit einigen Jahrzehnten
als die sinnvollste Startbasis einer Hörgeräteeinstellung. Nach dieser Ersteinstellung erfolgt
oft der Wunsch einer Nachkorrektur seitens der
Schwerhörenden. Daher ist für die Hörgeräteindustrie die Analyse der durch den Audiologen
vorgenommenen Hörgeräteparametereinstellung von großem Interesse. In dieser Studie
wurden verschiedene Aspekte des Phonak Hörgerätes «Savia» untersucht. Die Untersuchungsgrundlagen dieser Arbeit waren subjektive
Klangeindrücke einer Feldstudie und objektive
Hörgeräteanpassdateien einer weiteren Studie,
einer Datensammlung sog. Export-Anpassdateien. Primäres Ziel war die Analyse der
Abweichung von der Ersteinstellung (ExportAnpassdateien). Außerdem wurden diese Ergebnisse mit den Kundenaussagen aus der Feldstudie verglichen.
Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass die
Phonak Anpassformel «Adaptive Phonak
Digital» die Erwartungen des Kunden exakt
getroffen hat und somit im Mittel nahezu keine
Feinanpassung nötig war. Subjektive Kundenaussagen zeigten eine hohe Übereinstimmung
mit den objektiven Daten der Export-Anpassdateien.
35
Einführung
Der entscheidende Faktor für den Kauf eines
bestimmten Hörsystems ist – neben der persönlichen Beratung und Betreuung und der Qualität der Hörsystemkomponenten – die Genauigkeit der Vorberechnung oder Anpassformel. Um
die Vielzahl der Anpassparameter in ihre – audiologisch betrachtet – optimale Ausgangsposition zu bringen, bedienen sich Hörgerätehersteller bekannter Vorberechnungen oder
entwickeln eigene Strategien. Trifft die Vorberechnung die Erwartungen des Schwerhörenden, so dass keine oder nur geringe Veränderungen der Einstellung für Klang, Lautstärke
und Sprachverstehen notwendig sind, ist eine
ideale Basis für die weitere Anpassung und
Beratung gegeben. Andernfalls ist eine Nachkorrektur oder Feinanpassung notwendig.
In den letzten Jahrzehnten wurden Vorberechnungen von verschiedenen Autoren auf der
Grundlage der Hörschwelle entwickelt. Die
Unterschiedlichkeit zwischen den Formeln liegt
in der Annahme unterschiedlicher Modelle und
Erfahrungswerte sowie in den Innovationen der
Hörgerätetechnik begründet. Moderne Anpassformeln wie «Desired Sensation Level input/
output» (DSL[i/o]) oder «National Acoustics Laboratories Non-Linear Version 1» (NAL-NL1)
haben aufgrund ihrer nichtlinearen Eigenschaften klassische Anpassformeln wie «NAL», die
«Berger-Methode» oder «Prescription Of Gain
and Output» (POGO) abgelöst. Anpassformeln
stellen keine absolute Einstellung des Hörgerätes dar. Sie sind als Vorschläge zu betrachten,
deren Anpassziel die theoretisch ideale Einstellung in Bezug auf den Hörverlust darstellt.
Gründe hierfür sind vielfältig. Es ist festzustellen, dass der Schwerhörende, gerade im Falle
einer Erstversorgung, häufig die vorgeschlagenen Hörgeräteeinstellungen nicht oder erst
nach einer entsprechenden Gewöhnungsphase
akzeptieren kann (Cox et al., 1996; Munro und
Lutman, 2004). Die vier häufigsten Gründe
hierfür wurden in einer Studie von Brooks
(1985) dargestellt:
1. Das nicht rechtzeitige Erkennen einer
Schwerhörigkeit (verlängert den Gewöhnungsprozess).
2. Die Bewältigung von störenden Umgebungsgeräuschen bei der Detektion von
Nutzsignalen seitens des Schwerhörenden.
3. Ein fortgeschrittenes Alter und gesundheitliche Probleme.
4. Die Einstellung des Schwerhörenden, dass
der vorliegende Hörverlust noch nicht
schwerwiegend sei und dass ein Hörsystem
aus diesem Grunde noch keinen Nutzen
bringe.
Ein weiterer Faktor, der für die Zufriedenheit
des Kunden bestimmend ist, ist die Wahl
der Anpassmethode. Hinzu kommen große Abweichungen der Anpassformeln untereinander.
So unterscheidet sich z. B. die Berger-Berechnung von der NAL-Formel im Mittel um etwa
15 dB (Kießling et al., 1997).
Erst eine anschließende Feinanpassung der vorberechneten Anpassziele kann zu einer Zufriedenheit des Hörgeschädigten führen. In der
Praxis werden dazu die gewünschten Klangbedürfnisse des Schwerhörenden ermittelt (z. B.
über Befragungen oder Lautheitsskalierungen)
und entsprechend geändert.
Trotz vieler Innovationen und wachsender
Erkenntnis über die Verarbeitung von Schall
im menschlichen Hörorgan führen Hörgeräteanpassungen «im ersten Anlauf» nicht immer
zu zufrieden stellenden Ergebnissen. Es zeigt
sich, dass die vorberechneten Zielverstärkungen
häufig nicht den gewünschten Lautheits- und
Klangeindruck der Schwerhörenden treffen. Die
3
News / Ideas / High Technology / Acoustics
Methode
Hintergrund/Anpassformel
Komplexe Hörgerätetechnologien erfordern
eine hohe Leistungsfähigkeit der Anpassformeln. Diese Studie analysiert, wie viel Feinanpassungsaufwand bei Verwendung der Phonak
Anpassformel «Adaptive Phonak Digital», im
Phonak Hörgerät «Savia» implementiert, in der
Praxis notwendig ist. Die digitalisierten Datensätze von «Savia» erlauben eine Konvertierung
in andere Datenformate und sind somit gut
geeignet zur Analyse größerer Ensembles.
«Adaptive Phonak Digital» beinhaltet
Vorberechnungen für alle Arten eines
Hörverlustes. In der internen Auswahl stehen
Berechungen der Zielverstärkung für die
folgenden Hörverlusttypen zur Verfügung:
Im Folgenden wurden zwei Datensätze analysiert. Eine von Dezember 2004 bis Januar 2005
laufende Feldstudie liefert subjektive Daten aus
Fragebögen. Sie wurde durchgeführt, um die
Leistungsfähigkeit von «Savia» unter echten
Tragebedingungen zu ermitteln und um eventuelle Schwachpunkte vor der Markteinführung
zu verbessern. Insgesamt nahmen 180 Schwerhörende aus Dänemark, Deutschland, Neuseeland, Österreich, der Schweiz und den USA teil.
Die Feldstudie beinhaltet einen ersten Anpasstermin, ein bis zwei Folgesitzungen und eine
anschließende Fragebogenbeantwortung.
Diese Klangeindrücke wurden mit einer zweiten
Untersuchung verglichen, einer Datensammlung aus Export-Anpassdateien. Über ein
Konvertierungsprogramm konnten aus den
Export-Anpassdateien die Abweichungen zur
Standardeinstellung der Parameter berechnet
werden. Die insgesamt 116 Export-Anpassdateien (203 angepasste Hörgeräte) stammen aus
fünf verschiedenen Ländern (Deutschland,
England, Österreich, Schweiz, USA). Sie stellen
Anpassungen ab mindestens dem dritten Anpasstermin (zweiten Folgetermin) dar. Es kann
keine Aussage darüber gemacht werden, welche Anpassungen bereits abgeschlossen sind.
Die ersten Anpassdaten wurden während einer
Validierungsphase des Produktes gesammelt.
Diese Anpassungen wurden mit der «iPFG»
Version 1.0a durchgeführt.
4
• Standard-Hörverluste
• Hörverluste mit Hochtonsteilabfall («Phonak
Digital Ski-Slope»)
• Tiefton-Hörverluste
• Hochgradige Hörverluste
Das Ziel von «Adaptive Phonak Digital» ist die
Wiederherstellung der Lautheit. Der Zusammenhang zwischen der Steigung der Lautheitsfunktion und dem Hörverlust wird in der
Literatur häufig beschrieben (Moore, 2003).
Basis der Vorberechnung bei «Adaptive Phonak
Digital» sind Untersuchungen der Lautheitsfunktion bei Schwerhörenden und Normalhörenden. Entsprechend dem unterschiedlichen
Lautheitsanstieg werden die Kompressionsschwellen für die Schwerhörenden berechnet.
Bei der Berechnung der Zielverstärkung wird
nach der Eingabe des Audiogramms intern mit
den entsprechenden skalierten Standarddaten
gearbeitet.
Generell gewichtet «Adaptive Phonak Digital»
jedes Kundenaudiogramm enstprechend den
Anteilen der vier Hörverlusttypen. So findet die
Vorberechnung eines beispielsweise per Definition «reinen» Hörverlustes mit Hochtonsteilabfall nur durch die Hörverlustkategorie «Hörverluste mit Hochtonsteilabfall» statt. Handelt es
sich jedoch um einen hochgradigen Hörverlust
mit Hochtonsteilabfall, so wird die Vorberechnung zusätzlich mit einer prozentual anteiligen
Gewichtung aus der Kategorie «Hochgradige
Hörverluste» berechnet.
Das Hörgerät arbeitet auf Grundlage der Vorberechnung «Adaptive Phonak Digital» in 20
Bändern mit dem Verstärkermodell «BPP»
(Bionic Perception Processing). «BPP» analysiert
die akustischen und psychoakustischen Eigenschaften des registrierten Schalls in 20 kritischen Bändern, um die jeweiligen Komponenten zu identifizieren, die zur Klarheit beitragen.
Die Verstärkungen können eingangsseitig bei
40 dB, 60 dB und 80 dB geregelt werden.
Insgesamt stehen sieben Hörprogramme zur
Verfügung, wobei die sich nach bestimmten
Umschaltkriterien automatisch regelnde «AutoPilot» Programmautomatik zwischen den
Programmen «Ruhige Umgebung» (1. Basisprogramm), «Verstehen im Störgeräusch»
(2. Basisprogramm), «Komfort im Störgeräusch»
(3. Basisprogramm) und dem Musikprogramm
«Musik» (4. Basisprogramm) wechselt.
Die Form und die Position der Pinna begünstigen ein frequenzabhängiges Richtungshören. Je
höher eine Frequenz ist, desto stärker wird sie
gedämpft, wenn sie aus rückwärtiger Richtung
kommt. Signale von vorne werden nahezu ohne
Dämpfungseinflüsse übertragen. Das Gehirn
nutzt diese Merkmale, um eine Hinten-VorneLokalisation durchführen zu können. Das implementierte «Real Ear Sound» bildet diese Eigenschaft nach, um die durch das Hörsystem
gestörte Pinnafunktion wieder herzustellen. In
Studien konnte bereits gezeigt werden, dass
dadurch eine deutliche Verringerung von
Vorne-Hinten-Verwechselungen erzielt wird
(Tchorz, 2005).
Die Mikrofoneinstellung «dSurroundZoom»
(digitales Surround Zoom) erstreckt sich über
20 Bänder, in denen die Richtcharakteristik
individuell adaptiert wird.
zwischen Direktschall und Reflexionsschall ab
ca. 100 ms (Echo). Der «EchoBlock» bestimmt
die Nachhallzeit durch eine Analyse des Eingangssignals und der Verfolgung von sich wiederholenden Mustern.
Resultate der Export-Anpassungsdateien
Über 96% aller Anpassungen wurden mit
der Anpassformel «Adaptive Phonak Digital»
durchgeführt, 2% mit der manuell wählbaren
«Phonak Digital Ski-Slope». Ein kleiner Teil
verwendete «DSL[i/o]» (< 1%) oder «NAL-NL1»
(< 1%).
Im Folgenden werden diejenigen Hörgeräteanpassungen analysiert, welche mit «Adaptive
Phonak Digital» vorberechnet wurden.
Als der wichtigste Parameter zur Beurteilung
einer Anpassformel wird i. A. die Abweichung
gegenüber der vorgeschlagenen Verstärkung
angesehen.
Abbildung 1
Mittlere Verstärkungsfeinanpassung über die Frequenzen im 1. Basisprogramm
(203 Hörgeräteanpassungen)
20
15
10
5
Die «Windgeräusch-Unterdrückung» reduziert
Windgeräusche. Ab einer Windgeschwindigkeit
von ca. 2,5 m/s entstehen im Bereich der Pinna
Turbulenzen, die einen störenden Effekt auf
das Hören und Verstehen haben können. Einen
ebenfalls störenden Einfluss auf das Sprachverstehen verursachen Laufzeitdifferenzen
0
–5
–10
–15
–20
100
1000
10000
Frequenz (Hz)
5
Bei den untersuchten Hörgeräteanpassungen
wurde eine mittlere Verstärkungsfeinanpassung
zwischen 0 dB und 2 dB im Sprachbereich
durchgeführt (beispielhaft am 1. Basisprogramm dargestellt), Abb. 1. Die Vorberechnung
«Adaptive Phonak Digital» hat sehr exakt den
gewünschten Lautheits- und Klangeindruck der
Schwerhörenden getroffen.
Abbildung 2
Verlauf der MPO-Feinanpassungskorrektur über die Frequenzen im 1. Basisprogramm
20
15
10
5
0
Die Standardabweichung (3-7 dB) verdeutlicht,
dass Feinanpassungen kundenspezifisch in
unterschiedlichen Richtungen durchgeführt
wurden.
–5
–10
–15
–20
100
1000
10000
Frequenz (Hz)
Abbildung 3
Verlauf der Korrektur des Kniepunktstellers über die Frequenzen im 1. Basisprogramm
20
Geringe Abweichungen zur Vorberechnung verdeutlichen auch die Feinanpassungskorrekturen
des maximalen Ausgangsschalldruckpegels
(MPO) und des Kniepunktstellers (beispielhaft
am 1. Basisprogramm dargestellt). Die gemittelten Korrekturen für den MPO belaufen sich
auf weniger als 1 dB (Abb. 2). Die Standardabweichung deutet auf kundenspezifische
Feinanpassungen hin (2-7 dB Standardabweichung).
15
Die Feinanpassung des Kniepunktstellers beträgt 1-2 dB (Abb. 3), die Standardabweichung
ist im Vergleich zur Verstärkungsfeinanpassung
und der MPO Korrektur geringer (2-5 dB Standardabweichung).
10
5
0
–5
–10
–15
–20
100
1000
Frequenz (Hz)
6
10000
Ein Drittel aller Probanden nutzte die vorgeschlagene Programmautomatik «AutoPilot»,
fast zwei Drittel zog eine zusätzliche manuelle
Auswahl drei weiterer Hörprogramme vor
(«AutoPilot + manuelle Hörprogramme 1-3»).
4% der Probanden benötigte ein manuelles
Anwählen von zwei weiteren Hörprogrammen
(«AutoPilot + manuelle Hörprogramme 1-5»),
s. auch Abb. 4. Die am häufigsten genutzten
Zusatzprogramme sind in Tabelle 1 dargestellt.
Das «Verstehen im Störgeräusch»-Hörprogramm ist somit das am häufigsten genutzte,
manuell anwählbare Zusatzprogramm.
Bei der Betrachtung der Mikrofoneinstellung der
ersten drei Basisprogramme zeigten sich
wenige Abweichungen zur Standardeinstellung.
Die Standardmikrofoneinstellung «Real Ear
Sound» für das 1. und 3. Basisprogramm der
HdO-Hörgeräte wurde vollkommen akzeptiert.
Im 2. Basisprogramm wurde vereinzelt von der
Standardeinstellung «dSurroundZoom» abgewichen, Abb. 5. 2% wählten anstatt der Standardeinstellung die Mikrofoneinstellung «Real Ear
Sound», 1% wünschte eine feste Richtwirkung.
Abbildung 4
Verteilung der Hörprogramme
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Tabelle 1
Nutzung (in %) von Zusatz-Hörprogrammen
Zusatz-Hörprogramm
Nutzung [%]
Verstehen im Störgeräusch
27
Ruhige Umgebung
24
Musik
17
FM+M
8
FM
7
Stumm
4
Custom (Ruhige Umgebung)
3
Abbildung 5
Custom (Verstehen im Störgeräusch)
3
Verteilung der Mikrofoneinstellung im 2. Basisprogramm
Halliger Raum
3
Akustisches Telefon
2
T-Spule
1
Andere
1
Der Grad des Parameters «Hochauflösende Störgeräusch-Unterdrückung» wurde in den ersten
drei Basisprogrammen unterschiedlich verändert: Im 1. Basisprogramm (mögliche Einstellungen: Standardeinstellung «aus» oder «leicht»)
wurden 8% der Hörgeräte in der Störgeräuschunterdrückung «leicht» betrieben. Für das 2.
Basisprogramm (mögliche Einstellungen: «aus»,
Standardeinstellung «leicht» oder «mittel»)
wünschten 25% aller Hörgeräteträger anstatt
«leicht» die Einstellung «mittel». In keiner
Anpassung im 2. Basisprogramm wurde die
Störgeräusch-Unterdrückung deaktiviert. Im
3. Basisprogramm (mögliche Einstellungen:
«aus», «leicht», Standardeinstellung «mittel» oder
AutoPilot (Standardeinstellung)
AutoPilot + manuelle Basisprogramme 1–3
AutoPilot + manuelle Basisprogramme 1–5
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Real Ear Sound
dSurroundZoom (Standardeinstellung)
Feste Richtwirkung
7
Abbildung 6
Verteilung der verschiedenen Einstellungen am «Okklusions-Manager»
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Der «Okklusions-Manager» wurde in 33%
aller Hörgeräteanpassungen eingeschaltet
und auf unterschiedliche Wirkstufen eingestellt
(Abb. 6).
Aus (Standardeinstellung)
Stufe -1
Stufe -2
Stufe -3
Abbildung 7
Verteilung des Parameters «Akklimatisierung/Lautstärke»
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
Erstanwender (0–6 Monate Hörerfahrung)
Anwenderstufe 2, Standardeinstellung
(6 Monate bis 3 Jahre Hörerfahrung)
Anwenderstufe 3 (3-6 Jahre Hörerfahrung)
Langzeitanwender (mehr als 6 Jahre Hörerfahrung)
8
«stark») wurde die Standardeinstellung «mittel»
bei 94% der Probanden belassen (weitere 4,5%
wählten «stark», 1,5% «leicht»).
Der aktiv genutzte Parameter «Akklimatisierung/Lautstärke» verdeutlicht, dass die Theorie
der unterschiedlichen Verstärkungsstrategien
in der Praxis Anwendung findet und sich somit
bestätigt. In 38% der Anpassungen wurde die
Standardeinstellung «Anwenderstufe 2»
(6 Monate bis 3 Jahre Hörerfahrung) gewählt.
Die übrigen Verteilungen sind in Abbildung
7 dargestellt. Wird eine Hörerfahrungszeit
angewählt, so ändert sich automatisch die
Verstärkungsstrategie, d. h. der Parameter
«Akklimatisierung/Lautstärke» wird automatisch
mit verändert. Der umgekehrte Weg ist nicht
möglich.
Der «EchoBlock» und die «Windgeräusch-Unterdrückung» werden in dem 2. und 3. Basisprogramm angeboten. In der Standardeinstellung
sind diese Parameter ausgeschaltet. Um die
Benutzeroberfläche übersichtlich zu gestalten,
wurde diese Funktion in ein dahinter liegendes
Auswahlfenster versetzt. Der «EchoBlock»
wurde in 12% (1. Basisprogramm) und 11% (2.
Basisprogramm) der Anpassungen eingesetzt.
Eine ähnliche Häufigkeit der Aktivierung ist
bei dem Parameter «Windgeräusch-Unterdrückung» zu erkennen: 9% nutzten diese
Funktion im 2. Basisprogramm und 1% im
3. Programm.
Resultate der Feldstudie
Abbildung 8
Kundenbeurteilung der Verstärkungseinstellung mit «Adaptive Phonak Digital»
Subjektive Fragebogenergebnisse zeigen sehr
starke Übereinstimmungen zu den Aussagen
der Export-Anpassdateien. Der Großteil der
Kunden (ca. 66%) bestätigte die vorgeschlagene Verstärkungseinstellung (Abb. 8).
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Die Beurteilung der Klangeinstellung durch
«Adaptive Phonak Digital» wurde auf den
Aspekt «zu schrill», d. h. hellen Klanganteile
untersucht (Abb. 9). Hintergrund ist, dass es
Schwerhörenden, gerade bei dem typischen
Hörkurvenverlauf der Presbyakusis (höherer
Hörverlust im Hochtonbereich) schwerer fällt,
Verstärkungen im hochfrequenten Bereich zu
akzeptieren. Gleichzeitig benötigen sie aber
eine entsprechende Verstärkung hochfrequenter Klanganteile um ein gutes Sprachverstehen
zu erreichen. Die Ergebnisse zeigen, dass bei
87% der Befragten die Akzeptanz vollständig
gegeben war.
Dieselbe Befragung wurde für die Klangqualität
im Tieftonbereich durchgeführt («zu dumpf»),
Abb. 10. Insgesamt befürworteten 95% der
Kunden die Klangqualität von «Savia» im Tieftonbereich.
Die Gesamtbewertung der Klangqualität von
«Savia» zeigt Abbildung 11. Sie verdeutlicht,
dass ca. 98% der Befragten die Klangqualität
von «Savia» als positiv einschätzen. Abbildung
12 zeigt, dass die subjektive Einschätzung
eines guten Sprachverstehens durch «Savia»
bei der Mehrzahl der Personen erreicht wurde.
Dies widerspiegelt ebenfalls die Antworten auf
die Frage der Natürlichkeit im Klangbild von
«Savia». Nur 12% der Kunden empfanden die
Klangqualität als unnatürlich, 88% beurteilten
die Klangqualität als natürlich.
viel zu leise etwas zu leise
ok
etwas zu laut
viel zu laut
Abbildung 9
Wie oft wurde das «Savia» Klangbild als «zu schrill» wahrgenommen?
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
überhaupt nicht
etwas
sehr
9
Schlussfolgerung
Abbildung 10
Wie oft wurde das «Savia» Klangbild als «zu dumpf» wahrgenommen?
überhaupt nicht
etwas
sehr
Abbildung 11
Gesamtbewertung der Klangqualität von «Savia»
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
sehr schlecht
schlecht
ok
gut
sehr gut
Im Vergleich zu subjektiven Kundenaussagen ist
eine hohe Übereinstimmung mit den Ergebnissen aus den Export-Anpassdateien zu erkennen.
Die Kunden bewerteten die Anpassleistung von
«Phonak Adaptive Digital» überwiegend positiv.
Abbildung 12
Subjektiv beurteiltes Sprachverstehen des Kunden mit «Savia»
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
sehr schlecht
10
schlecht
ok
Die Vorberechnung der Phonak Anpassformel
«Adaptive Phonak Digital» trifft im Mittel sehr
exakt die Erwartungen des Kunden. Notwendige Korrekturen am Verstärkungs-, MPO- oder
Kniepunktsteller übersteigen nicht mehr als
2 dB. Die Standardabweichungen der Feinkorrekturen an diesen Stellern (bis 7 dB) deuten
auf kundenspezifische Feinanpassungsarbeit
hin. Die Export-Anpassdaten zeigen, dass die
Phonak Standard-Mikrofoneinstellung der ersten drei Basisprogramme (Mikrofoneinstellung
«Real Ear Sound» und «dSurroundZoom») auf
große Akzeptanz stieß. Das vielseitige Angebot
der verschiedenen Hörprogramme wurde aktiv
genutzt. Dies gilt auch für die bekannten
Parameter «Okklusions-Manager» oder die
grundlegende Verstärkungsstrategiewahl
«Akklimatisierung/Lautstärke». Der Parameter
«Hochauflösende Störgeräusch-Unterdrückung»
wurde in den meisten Anpassungen in den
programmabhängigen Standardeinstellungen
belassen. Vereinzelt wurde auf die unterschiedlichen Abstufungen der «Hochauflösende Störgeräusch-Unterdrückung» zurückgegriffen.
Die Nutzung neuer Features «EchoBlock» oder
«Windgeräusch-Unterdrückung» verdeutlichen,
dass der Markt ein Interesse an Lösungen für
diese Art von Hörsituationen hat.
gut
sehr gut
Literatur
Brooks, D. N. (1985). Factors relating to the
under-use of postaural hearing aids. British
Journal of Audiology, 19(3):211–217.
Cox, R. M., G. C. Alexander, I. M. Taylor und
G. A. Gray (1996). Benefit acclimatization in
elderly hearing aid user. Journal of the
American Academy of Audiology, 78(6):428–
441.
Kießling, J., B. Kollmeier und G. Diller (1997).
Versorgung und Rehabilitaion mit Hörgeräten
(1. Auflage). Georg Thieme Verlag Stuttgart,
New York.
Moore, B. C. J. (2003). An Introduction to the
Psychology of Hearing (5. Auflage). Academic
Press.
Munro, K. J. und M. E. Lutman (2004). Self-reported outcome in new hearing aid users over
a 24-week postfitting period. International
Journal of Audiology, 43(10):555–562.
Martin Lützen
Dipl.-Ing. (FH)
Phonak AG, Schweiz
Dipl.-Ing. (FH) Martin Lützen ist gelernter
Hörgeräte-Akustiker. Neben seinem Studium
zum Dipl.-Ing. (FH) «Hörtechnik und Audiologie» in Oldenburg (Deutschland) arbeitete er
in verschiedenen Institutionen. Seit Juli 2005
ist er als Entwicklungsingenieur bei Phonak
AG, Schweiz tätig.
Tchorz, J. (2005). Background Story Savia Real
Ear Sound (Phonak AG Headquarters, Stäfa,
Schweiz).
11
12 12
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Gesundheitswesen
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