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Antisemitismus in der Kirche – wie kam es dazu? Schleswig

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Antisemitismus in der Kirche – wie kam es dazu?
Schleswig-holsteinische Theologen in der Zeit des NS
von Hanna Lehming
"Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen!"
Dietrich Bonhoeffer, 1935
"Die Kirche war stumm, wo sie hätte schreien müssen, weil das Blut der Unschuldigen zum
Himmel schrie ... Die Kirche bekennt, die willkürliche Anwendung brutaler Gewalt, das
leibliche und seelische Leiden unzähliger Unschuldiger, Unterdrückung, Haß und Mord
gesehen zu haben, ohne ihre Stimme für sie zu erheben, ohne Wege gefunden zu haben, ihnen
zu Hilfe zu eilen. Sie ist schuldig geworden am Leben der Schwächsten und wehrlosesten
Brüder Jesu Christi."
Dietrich Bonhoeffer1
1. Einleitung: Warum Halfmann?
Franz Tügel, Landesbischof von Hamburg seit 1934, schreibt an die Reichsschrifttumskammer im Jahre 1941: “Ich war seit meiner Jugend Antisemit und schärfster Gegner des
Marxismus, der Demokratie und der Freimaurerei! Mein politischer Standpunkt war zu allen
Lebzeiten der gleiche: national, sozial, antisemitisch und christlich im Sinne des deutschen
Reformators Martin Luther.”2
Tügel war Nationalsozialist, Mitglied der NSDAP seit 1931. Ich denke aber, daß der
“politische Standpunkt”, den er hier beschreibt, kein extremer war. Vielmehr gehe ich davon
aus, daß er mit den genannten vier Vokabeln: 'national, sozial, antisemitisch und christlich im
Sinne Luthers' den Standort weiter Kreise in der schleswig-holsteinischen und in der
hamburgischen Kirche jener Zeit benennt. Einiges fällt an dieser Aufzählung auf:
1. Die Reihenfolge: Zuerst "national" und zuletzt "christlich". In Kreisen der Bekennendenn
Kirche galt eher die umgekehrte Reihenfolge.
2. Das Attribut “antisemitisch” steht ganz selbstverständlich in dieser Aufzählung. Man rühmt
sich dieser Eigenschaft eher, als daß man sie als ehrenrührig betrachten würde.
3. Die Bezeichnung “christlich” kann nicht alleine stehen. Es muß dazu gesagt werden: “im
Sinne Luthers”.
1
Dietrich Bonhoeffer, Ethik, hrsg. v. Eberhard Bethge, München 1949, S. 49f.
zit. nach: Annette Göhres u.a. (Hrsg.), Als Jesus "arisch" wurde. Kirche, Christen, Juden in Nordelbien 19331945, Bremen 2003, S. 79.
2
1
Man muß wohl davon ausgehen, daß die vier genannten Attribute sich für Tügel und viele
andere Kirchenleute seiner Zeit nicht widersprechen – z. B. anti-semitisch und christlich oder
national und sozial - sondern daß sie eine in sich schlüssige politische Haltung bezeichnen.
Bei meiner Behandlung des Themas „Antisemitismus in der Kirche – wie kam es dazu?“
möchte ich mich aber ausdrücklich nicht auf einen erklärten nationalsozialistischen
Theologen beziehen, sondern auf einen, der sozusagen der besseren Seite des deutschen
Protestantismus im NS angehörte, der Bekennenden Kirche (im Folgenden: BK).
Ich werde der Frage des Antisemitismus in der Kirche und in der Theologie exemplarisch am
Beispiel der Schrift “Die Kirche und der Jude”, geschrieben im Jahre 1936 von Wilhelm
Halfmann nachgehen.3 Wilhelm Halfmann, geboren 1896 in Wittenberg und führendes
Mitglied der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein, kann wohl eher zu den wenigen
moderaten, aufrechten, ehrlich frommen und theologisch durchdachten Persönlichkeiten der
schleswig-holsteinischen Kirche im NS gerechnet werden. Nun weiß ich nicht, wieviel Sie
von der Ausstellung bereits gesehen haben und ob Sie über Vorwissen zur Kirchengeschichte
des Dritten Reichs verfügen. Sicherheitshalber möchte ich einige Entwicklungen vorab kurz
skizzieren, die zum Verständnis der Situation der evangelische Kirche im NS wesentlich sind:
2. Der Kirchenkampf 1933-36 in Grundzügen
Bereits im Jahre 1932 kam es – durch die NSDAP veranlaßt – zur Gründung der
Glaubensbewegung Deutsche Christen. Sie wollte die Ziele der Partei innerhalb der
evangelischen Kirche durchsetzen. Die Deutschen Christen (im Folgenden: DC) forderten
bereits im April 1933 die Einführung des Arierparagraphen in der Kirche und den Ausschluß
von getauften Juden aus der evangelischen Kirche. Bei den Kirchenwahlen im Juli 1933
erhielten die DC 70% der abgegebenen Stimmen und wurden damit zur führenden Kraft im
deutschen Protestantismus.
Im Gegenzug gegen die DC begründeten die Pfarrer Martin Niemöller und Dietrich
Bonhoeffer im September 1933 den Pfarrernotbund, dem sich bis Januar 1934 etwa 7.000
Pastoren anschlossen. Aus ihm ging 1934 die sog. Bekennende Kirche (im Folgenden: BK)
hervor, der auch Pastor Wilhelm Halfmann angehörte.4 Der Historiker Klauspeter Reumann
stellt die Situation bis 1936 in Schleswig-Holstein folgendermaßen dar: „Der Kirchenkampf
in Schleswig-Holstein (zwischen Kirche und NS-Staat, HL) hatte 1936 schon seine erste und
schärfste Phase überwunden, in der 1933/34 die nationalsozialistischen Deutschen Christen
(DC) die kirchenleitenden Ämter an sich gerissen hatten, vom Amt des Landesbischofs über
das des Präsidenten des Landeskirchenamtes bis zu den 22 Propstenämtern im ganzen Land.
Diejenigen, die diese Politisierung der Kirche nicht mitvollziehen mochten und sie als
bekenntniswidrig kritisierten, waren aus der Leitung der Kirche verdrängt worden. Als
Bekenntnisgemeinschaft entzogen etwa 1/3 der schleswig-holsteinischen Geistlichen dem
3
Wilhelm Halfmann, Die Kirche und der Jude, Amt für Volksmission, Heft 11, Breklum 1937. (Die Zahlen in
Klammern verweisen im Folgenden auf Seiten in diesem Heft.)
4
Bei ihrer 1. Synode in Barmen (Mai 1934) formulierte die BK auch ein eigenes Bekenntnis, die sog. Barmer
Theologische Erklärung.
2
neuen Landesbischof ihr Vertrauen und geistlichen Gehorsam. Auf zwei Bekenntnissynoden
im Sommer 1935 und 1936 gaben sie sich im Landesbruderrat eine eigene geistliche
Leitung.“5
Das war faktisch und erklärtermaßen eine Kirchenspaltung, gegen die der NS-Staat ab 1935
eingriff. Dabei ging es ihm wohl kaum um Fürsorge für eine zerstrittene Kirche, sondern um
Gleichschaltung der Unangepaßten.6
Noch eine dritte Gruppierung sei kurz erwähnt, die sog. Deutschkirche. Nach Auffassung
ihrer Anhänger "war das Christentum eine „arische“ Religion, entstanden im Kampf gegen
das Judentum". Sie forderten die Abschaffung des Alten Testaments, das Ausscheiden aller
jüdischen Elemente aus dem Christentum, die Wiederherstellung des deutschen
Heilandsbildes und die Aufnahme der deutschen Märchen und Sagen als deutsche Form der
Offenbarung.7 Die Deutschkirche hatte wenige Anhänger, doch relativ große Wirkung.
Wir kommen zurück zu Wilhelm Halfmann. Er gehörte – wie oben erwähnt – der BK an,
jener Richtung in der deutschen evangelischen Kirche, die durchaus nicht einfach mit dem NS
konform gehen wollte, sondern ihn aus christlich-kirchlicher Sicht sogar kritisierte. Den
Anstoß, sich zur “Judenfrage” zu äußern, erhielt Halfmann offenbar schon im Herbst 1935
durch die Nürnberger Rassegesetze (September 1935), die die Juden ihrer staatsbürgerlichen
Rechte beraubten. Außerdem wußte er, daß gerade unter den BK-Gemeindegliedern die
Meinung verbreitet war, die Kirche hätte schon allzu lange zur Judenfrage geschwiegen.8
Halfmann erarbeitete daraufhin eine grundsätzliche Schrift unter dem Thema “Die Kirche und
der Jude”, in der er seine Haltung ausdrücklich religiös begründet.
3. Zitate
Ich zitiere zunächst einige Passagen aus dieser Schrift. Halfmann schreibt:
- “Es ist ein furchtbares Verhängnis, daß aus dem berechtigten Kampf gegen das Judentum –
wir unterstreichen noch einmal: aus dem b e r e c h t i g t e n Kampf gegen das Judentum – ein
Kampf gegen Christus geworden ist” (3).
- “Wenn die Kirche das Alte Testament christlich auslegt – und anders als christlich kann sie
es ja nicht auslegen - ... dann ist das immer zugleich ein Schlag ins Gesicht des Judentums.
Das empfinden die Juden auch sehr wohl, und darum gilt ihre ganze Feindschaft der
christlichen Kirche...” (8).
- “Immer ist der Jude geleitet durch die geheime oder offene Gegnerschaft gegen Christus...”
(8).
- “Fortwährend hat die Judenfrage die Kirche und die christlichen Staaten beschäftigt. Es ist
gar nichts Neues, wenn in unserer Zeit wieder Judengesetze gegeben werden” (wie z. B. unter
Kaiser Justinian im 6. Jhd., Anm. HL) (11).
5
Klauspeter Reumann, Halfmanns Schrift "Die Kirche und der Jude" von 1936, in: Verein für SchleswigHolsteinische Geschichte (Hg.): 100 Jahre Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte (Schriften des
Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Reihe II, Band 48), Neumünster 1996, S. 36f.
6
Die beabsichtigte „Befriedung“ der Landeskirche gelang allerdings nicht, woraufhin Hitler einen verschärften
Kurs einschlug: Er kündigte für 1937 Kirchenwahlen an (vgl.: Reumann, aaO., S. 37).
7
vgl. zum ganzen Absatz: Göhres, aaO., S. 29f.
8
vgl.: Reumann, aaO., S. 38
3
- “...Tatsache ist, daß die Juden (in der Geschichte, Anm. HL) das Christentum schädigten, wo
sie nur konnten, und Tatsache ist, daß sie durch ihren Wucher das Volk bis auf's Blut
aussogen” (12).
Und schließlich in aller Deutlichkeit:
- “Die Kirche hat nicht die Aufgabe, in die Judengesetzgebung des Dritten Reiches
einzugreifen. Vielmehr werden wir von der Kirche her aus der bald zweitausenjährigen
Erfahrung mit den Juden sagen müssen: der Staat hat recht. Er macht einen Versuch zum
Schutze des deutschen Volkes, wie er von hundert Vorgängern in der ganzen Christenheit
gemacht worden ist, und zwar mit Billigung der christlichen Kirche. Man braucht nur Luthers
Schriften zur Judenfrage zu lesen, um zu finden, daß das, was heute geschieht, ein mildes
Verfahren gegenüber dem ist, was Luther und viele andere gute Christen für nötig gehalten
haben” (13f.).
4. Warum ist ein Christ und BK-Mann antisemitisch?
Wie kommt es, daß Halfmann die Verfolgung der Juden im NS (bis 1936, also insbesondere
die Nürnberger Gesetze) verteidigt, ja, gut heißt, statt sich gegen sie auszusprechen?
Nicht zufällig knüpft er in seinen Ausführungen an eine lange christliche und staatliche
Tradition an und beruft sich auf diese. Sie reicht vom Neuen Testament über die
Kirchenväter, die Politik des römischen Staates unter Kaiser Justinian, staatliche und
Kirchenpolitik im Mittelalter bis zu Martin Luther und den „Judengesetzen“ des NS-Staates.
Wir müssen uns Halfmanns theologische Argumentation genauer anschauen, denn sie liegt
auf der Linie einer fast zweitausend-jährigen kirchlichen Theologie, die in ihren
theologischen Grundaussagen z. T. bis heute an den Universitäten gelehrt wird und die auch
unter heutigen Christen noch sehr verbreitet ist. In gewisser Weise bildet sie nach wie vor die
Basis unseres christlichen Selbstverständnisses.
Der Umschlagpunkt von diesem christlichen Selbstverständnis zu einer Vorurteilshaltung
gegenüber dem Judentum und weiter zur Judenfeindschaft ist so heikel, der Übergang so
unmerklich, daß die theologische Herleitung sehr aufmerksam nachvollzogen werden muß.
5. Halfmanns theologische Argumentation
1) Theologische Prämissen
Der erste Abschnitt der Schrift „Die Kirche und der Jude“ ist überschrieben: ‚Das Alte
Testament in der Kirche‘ (4). Als Voraussetzung alles weiteren hält Halfmann zuerst fest, daß
das Alte Testament nur in der Kirche richtig gelesen, d. h. richtig aufgefaßt werden könne.
„Alle anderen Ausdeutungen, die nicht aus dem Raum der Kirche stammen, sind
sinnentstellend, unverständig, zuweilen böswillig“ (4). In diesem Buch gehe es nämlich um
eine Gottesoffenbarung. Daß diese Offenbarung dem Volk Israel widerfährt, versteht
Halfmann exemplarisch. Wir sollen aus dieser Schrift lernen, wie Gott „aus einem
Nomadenvolk ein Staatsvolk macht“... und ...“wie die Volksgemeinschaft ... eine gottgesetzte
Pflicht und Aufgabe ist“ (5).
4
Zwei Besonderheiten zeichnen das Alte Testament laut Halfmann aus: zum ersten „das
Gesetz“. Es ist für ihn „unverbrüchlich“ und „heilig“. Zum zweiten „die Verheißungen“ (5).
Sie weisen – besonders in den Prophetenworten - auf das Ziel, den Abschluß und die
Erfüllung des Alten Testaments hin, auf Jesus Christus. Er ist „der Schlüssel zum Verständnis
des Alten Testaments“. Aber „die Juden haben Jesus gegriffen!“ (7) und getötet. Dadurch, so
schreibt Halfmann, ist „eine endgültige Entscheidung gefallen zwischen ... Juden und
Christen“ (7).
Bis hierher argumentiert Halfmann theologisch. Natürlich wäre ihm bereits hier an manchen
Stellen zu widersprechen. So ist z. B. der uralte Vorwurf an „die Juden“, sie hätten Jesus
Christus getötet, und dessen Übertragung durch fast zwei Jahrtausende hindurch auf alle
nachfolgenden Generationen des jüdischen Volkes, historisch natürlich unsinnig. Er blendet
außerdem völlig aus, daß Jesus ja selbst Jude war, sowie seine Jünger, die Menschen unter
dem Kreuz, seine gesamte Anhängerschaft bis auf einzelne Ausnahmen. Theologisch wäre auf
jeden Fall an das Gebet des Gekreuzigten für alle an seiner Tötung Beteiligten zu erinnern:
„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34).
Aber bis hierher ist es wenigstens noch möglich, sich mit Halfmanns Argumentation
argumentativ auseinandersetzen.
2) Irrationalismen
Seine weitere Ausführungen verlassen aber den Boden der Theologie völlig, ja, sie sind
überhaupt nur noch schwer rational zugänglich – und das ist typisch für antisemitische
Argumentation. Sie ist irrational, vernünftiger Argumentation nicht zugänglich. Worin
bestehen diese Irrationalismen und wie kommt es zu ihnen? Hören wir, wie Halfmann
argumentiert:
Er fragt zunächst, ob Christen überhaupt nachempfinden könnten, was sie den Juden angetan
hätten dadurch, daß sie sie ihrer heiligen Traditionen beraubt haben. Und Halfmann antwortet:
„...wenn einem Volk das Heiligste, was es besitzt, seine Gottesgeschichte, genommen wird,
dann entsteht ein abgrundtiefer Haß. Und so besteht auch ein abgrundtiefer Haß bis auf den
heutigen Tag zwischen dem Juden ... und dem Christen.“ „Darum gilt ihre ganze Feindschaft
(die der Juden!, Anm. HL) der christlichen Kirche...“ (8).
Man muß m. E. die Psychologie zu Hilfe nehmen, um diese Äußerungen Halfmanns
einigermaßen zu verstehen. Denn immerhin ist es im christlichen Abendland ja faktisch etwa
tausend Jahre lang so gewesen, daß die Juden den Haß der Christen zu spüren bekamen und
nicht etwa die Christen den Haß der Juden. Wie hätte dies auch sein können, waren doch die
Juden immer eine allenfalls geduldete Minderheit in den christlichen Ländern? Psychologisch
würde man von einer Projektion sprechen. D. h.: Alles Negative, was Christen Juden
gegenüber empfinden - Neid, Konkurrenz, Haß, Gefühle von Feindschaft - das projizieren sie
auf diese.
Ich möchte Ihnen aus der Schrift Halfmanns noch weiter vorführen, zu welchen irrationalen
Anschuldigungen gegen die Juden diese Angst geführt hat und immer noch führt.
Im nächsten Absatz, überschrieben „Die Kirche und der Jude“ (8), führt Halfmann dann
nämlich etliche 'Belege’ aus der Geschichte für die angebliche Feindschaft der Juden gegen
das Christentum an. Die Beispiele werden immer abstruser, reichen vom Fluch der Synagoge
5
gegen die sog. „minim“ aus dem 1./2. Jahrhundert bis zur angeblich antichristlichen Rolle der
Juden in den Feldzügen Napoleons. Jedes einzelne Beispiel, das er nennt, wäre eine kritische
historische Betrachtung wert. Für Halfmann beweisen sie durchgängig nur eins: Immer waren
die Juden „im Hintergrund tätig ... als Zersetzungsstoff für die christlichen Völker, bewußt
oder unbewußt geleitet durch ihre antichristliche Entscheidung“ (13).
Wir sind damit mitten in der Begrifflichkeit des modernen Antisemitismus, der den Juden u.
a. „Weltverschwörung“ und „Zersetzung von Volk und Staat“ vorwirft.
Exkurs: Antisemitismus – Antijudaismus
Oft ist zu hören, beide Begriffe müßten ganz klar unterschieden werden: Antijudaismus sei
religiös begründete Judenfeindschaft, während Antisemitismus rassisch begründete
Judenfeindschaft meine. Ich halte die scharfe Abgrenzung der Begriffe gegeneinander für
nicht gerechtfertigt. Denn die antisemitischen Bilder und Stereotypen der Neuzeit knüpfen
nahtlos an Kirchenväter und Mittelalter an, ja, sie sind sozusagen die säkulare Form des
religiösen Antijudaismus. Die gängigen Stereotypen des Antisemitismus bezeichnen Juden als
sittenlos, entartet, minderwertig, beschuldigen sie der Überfremdung des nationalen Erbes,
der völkischen Unzuverlässigkeit, der Weltverschwörung, der Zersetzung alles Nationalen
und alles Christlichen, als “Internationalisten”, Wucherer und Ausbeuter. Alle diese
Stereotype wurden bereits in der Zeit der Kirchenväter ausgebildet.
6. Wie kommt es, daß ein kluger, aufrichtiger Theologe sich so den Irrationalismen des
Antisemitismus anschließt, daß er schließlich sogar die Nürnberger Gesetze und andere
Auswüchse der staatlichen Judenverfolgung rechtfertigt? Zitat Halfmann: „D e r S t a a t h a t
r e c h t . Er macht einen Versuch zum Schutze des deutschen Volkes...“ (13).9
Mir scheint, paradoxerweise ist es gerade die Tatsache, daß Halfmann sich als Christ versteht,
die ihn so anti-jüdisch besessen macht. Er besteht ja darauf, daß das Judentum wesentlich
religiös zu verstehen sei.10 So verstanden ist das Judentum aber für Halfmann nichts anderes
als der Widerspruch zum Christentums, ja, sein ärgster Feind. „Das Judentum ist nicht allein
als Blut und Rasse zu begreifen, nein, sein innerstes Wesen ist die antichristliche
Entscheidung“ (S. 8).
Halfmann kann Juden daher nur unter einem einzigen Gesichtspunkt wahrnehmen: als Feinde
des Christentums. Anders kann und will er sie nicht begreifen – mit allen Konsequenzen, die
dieses Verständnis dann hat.
„Wir Christen können das Rätsel des jüdischen Volkes nur so verstehen, daß wir es – mit
Furcht und Zittern – ansehen als das Volk, das einst auerwählt war, nun aber verworfen ist...“
(9). Halfmann zeigt sogar Gefühl, wenn er schreibt: „...es gibt keine Leidensgeschichte, die
furchtbarer ist als die des jüdischen Volkes“ (10). Aber dieses Mitleid führt ihn nicht zur
Menschlichkeit. Vielmehr rechtfertigt er im gleichen Atemzug alle, die dem jüdischen Volk in
Staat und Kirche durch Jahrhunderte hindurch diese Leidensgeschichte zugefügt haben, denn
9
gesperrter Druck von Halfmann!
Damit macht er sich beim nationalsozialistischen Staat natürlich unbeliebt. Seine Schrift wurde darum bald
verboten (vgl.: Reumann, aaO., S. 36).
10
6
sie haben damit ja gleichsam das Urteil Gottes über die Juden bestätigt und in die Tat
umgesetzt. Denn „dies Volk s o l l leben, gehalten durch die Kraft seines Fluchs, aufbewahrt
für ein Ziel, das wir nicht kennen“ (10).
Darum dürfen Christen nicht nur, sondern sollen sogar den Juden das Leben so schwer wie
möglich machen. Die Juden haben in christlichen Augen nämlich nur eine negative
Existenzberechtigung: Sie verkörpern in ihren Menschen den Fluch Gottes, seine Strafe, sein
Gericht. Sogar der führende Theologe der Bekennenden Kirche, der Schweizer Karl Barth, hat
dies im Prinzip so gesehen. In einem Brief an seinen Schüler Friedrich-Wilhelm Marquardt
gestand er 1967 sogar ein, daß er "in der persönlichen Begegnung mit dem lebendigen Juden
(auch Judenchristen!) ... immer so etwas wie eine völlig irrationale Aversion
herunterzuschlucken" gehabt habe.11 Ganz unverblümt und keineswegs beschämt wie Karl
Barth äußerten etliche andere Theologen ihre Judenfeindschaft. Die Ausstellung zeigt manche
Beispiele.
Einigermaßen erschüttert muß man erkennen: Die Theologie hat den Christen das
menschliche Mitgefühl aberzogen und ausgetrieben. Sie waren kaum in der Lage, Juden vor
allem als Menschen wahrnehmen, die ihre Familie lieben, die Arbeit, Anerkennung, Freunde,
ein Zuhause, Freiheit und Schutz brauchen wie andere Menschen auch. Die Theologie hatte
ihnen eingepflanzt, Juden nur als verfluchte Wesen zu begreifen, die es eigentlich nach
Christus gar nicht mehr geben dürfte – es sei denn dafür, um der Menschheit zu zeigen, wie
schlecht es denen geht, die sich nicht zu Jesus als dem Christus bekennen.
Die Position Halfmanns, die ich versucht habe, Ihnen aus seiner Schrift „Die Kirche und der
Jude“ vorzuführen, ist wahrlich keine außergewöhnliche, extreme Position. Halfmann gibt
vielmehr ziemlich genau die theologischen Prämissen wider, die in der Kirche durch etwa
fünfzehn Jahrhunderte hindurch galten und unter vielen Christen auf der Welt nach wie vor
gelten. Dabei rede ich jetzt sozusagen von einem ‚mainstream‘ der Theologie. Einzelne
Theologen oder Päpste setzten unterschiedliche Akzente. So waren es in der Zeit der
Kreuzzüge besonders die Päpste, die sich gegen allzu wütende Exzesse der Christen gegen die
jüdischen Gemeinden aussprachen. Warum, das beschreibt Halfmann in seiner Schrift ganz
richtig: „Die Juden sollten gegen Ausschreitungen geschützt sein. Sie dürften nicht
ausgerottet werden, weil die Weissagungen der Schrift von ihrer endlichen Bekehrung sich
erfüllen müßten“ (12). Selbst der Schutz der Juden gründet auf der Negation alles Jüdischen.
Die Juden sollten am Leben gelassen werden in der Hoffnung darauf, daß sie irgendwann
keine Juden mehr sein würden, sondern Christen.
7. Das ‚Darmstädter Wort’ des Bruderrats von 1948
Aber ich fürchte, ich muß Sie noch mehr erschrecken. Halfmanns theologische Positionen
sind nicht etwa unter dem Druck oder Eindruck des Antisemitismus im NS entstanden. Er
nimmt nur auf, was die traditionelle Theologie vorgibt. Und die Evangelische Kirche in
Deutschland blieb auch nach 1945 zunächst ungebrochen auf der Linien dieser Theologie.
11
Karl Barth, Brief an Friedrich-Wilhelm Marquardt, 5. September 1967, in: Karl Barth, Briefe 1961-1968, S.
420f.
7
So verabschiedete z. B. der Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland am 8. April
1948 in Darmstadt ein “Wort zur Judenfrage”. Es sollte ein Wort der Schuldanerkennung der
Kirche sein. In bester Absicht formulierten die Theologen - gerade einmal drei Jahre nach den
millionenfachen Morden an den europäischen Juden - Sätze wie diese: “Indem Israel den
Messias kreuzigte, hat es seine Erwählung und Bestimmung verworfen.” ... ”Israel unter dem
Gericht ist die unaufhörliche Bestätigung der Wahrheit, Wirklichkeit des göttlichen Wortes
und die stete Warnung Gottes an seine Gemeinde. Daß Gott nicht mit sich spotten läßt, ist die
stumme Predigt des jüdischen Schicksals, uns zur Warnung, den Juden zur Mahnung, ob sie
sich nicht bekehren möchten...”.12
Es muß einen grausen, lesen sich doch solche Sätze wie eine auch noch nachträgliche
kirchliche Rechtfertigung des Mordens in Auschwitz: Das jüdische Schicksal sei eine
"Warnung Gottes", erklären diese Christen. M.a.W.: Gott hat die Juden – Alte, Männer,
Frauen, Kinder, ja Babys nach Auschwitz und Maydanek und Treblinka geschickt, hat dafür
gesorgt, daß Menschen ihre Arbeit, ihr Zuhause, ihre Würde, ihre Kinder, ihre Eltern, Brüder
und Schwestern, ihr Leben verloren? In meinen Augen sind solche Sätze reine Blasphemie,
Gotteslästerung der schlimmsten Art.
Wie kommt es, daß Menschen, Christen mit besten Absichten solche unfaßbaren Sätze
formulieren? Ich habe nur eine Antwort: Ihre Theologie hat diese Kirchenleute kalt und
unempfindsam gemacht gegen das Leiden von Menschen, das sie unmittelbar erlebten. Die
Juden waren für sie vor allem Feinde Gottes, die angeblich alles Christliche hassen. Sie haben
überhaupt nur eine Existenzrechtfertigung, nämlich die, sich doch eines Tages zu Christus zu
bekehren. Und ihre zweite Existenzberechtigung ist die, den Christen durch ihr entsetzliches
Schicksal eine stete Mahnung zu sein, etwa nach dem Motto: So ergeht es dem, der nicht an
Christus glaubt! Es ist also demzufolge durchaus im Sinne der Kirche, wenn es den Juden
schlecht ergeht.
Nachdem aber so ein theologisches Konstrukt von “den" Juden erstmal tief in Theologen- und
Christenherzen eingepflanzt ist, können sie mit den tatsächlich leidenden Menschen kaum
mehr Mitleid empfinden. Die Theologie hat sie gleichsam resistent gemacht gegen
menschliche Gefühle, gegen ihre eigene Überheblichkeit und Gotteslästerung. Diese
Entdeckung ist so furchtbar und geht so tief, daß die Kirche eigentlich alles tun müßte, um an
ihrer eigenen Theologie und ihren unmenschlichen Folgen zu arbeiten. Und dies nicht nur um
der Juden willen, sondern um ihrer selbst willen. Denn eine Theologie, die solche Folgen hat,
kann nicht menschlich sein, auch nicht gegen Sie und mich.
8. Warum Antisemitismus?
Zuletzt noch einmal die Frage: Warum hat eigentlich die große Mehrheit der Christen, warum
haben die Theologen aller Jahrhunderte solche Angst vor den Juden, daß sie diese Feindschaft
nötig haben? Warum haben Menschen den Antisemitismus überhaupt nötig?
12
Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Wort zur Judenfrage vom 8. April 1948, in: Die Kirchen
und das Judentum. Dokumente von 1945-1985, hrsg. v. Rolf Rendtorff und Hans Hermann Henrix,
Paderborn/München 1988, S. 542.
8
Zu dieser Frage kann ich hier natürlich allenfalls einige thesenartige Sätze anbieten. Das
Forschungsthema Antisemitismus beschäftigt Institute und füllt ganze Büchereien.
Nur ein Hinweis: Akuter Antisemitismus – ob religiös oder rassisch begründet – war und ist
vor allem eine Reaktion auf Verunsicherung. Diese Verunsicherung hatte und hat meistens
mit den Juden wenig zu tun. Aber die Menschheit und besonders die Christenheit hat sie nun
mal zu dem „Sündenbock“ schlechthin, dem Projektionsobjekt überhaupt gemacht. Der
Vorgang, alles, was ein Volk, eine Gesellschaft, aber auch Individuen verunsichert, was ihnen
Angst macht, als aggressive Beschuldigung auf die Juden zu projizieren, ist so alt, so
eintrainiert, so geübt, daß er zu einem festen Bestandteil der abendländischen Kultur
geworden ist. Der Historiker Christoph Münz spricht von einer „tief verinnerlichten und
christlich geprägten Tiefengrammatik des Denkens“13, der israelische Historiker Yehuda
Bauer von einem ‚kulturellen Code’.
Natürlich hat – um mit der Kirchengeschichte anzufangen – das Judentum die Kirche immer
irritiert und verunsichert, mal mehr, mal weniger. Christentum und Judentum haben ja in den
ersten Jahrhunderten n. Chr. die Gestalt ihrer Religion in echter Konkurrenz zueinander
entwickelt. Im Kern ging es um die Frage: Wer ist die rechtmäßige Erbin des Tempels und der
Schrift? Das Christentum war nicht zuletzt deshalb siegreich, weil es ab 325 n. Chr.
(Konstantinische Wende) mit Mitteln staatlicher Macht zur Staatsreligion erklärt wurde.
Historisch hatte es „gewonnen“, aber das Judentum blieb dennoch bestehen und entwickelte
seine Religion auch in Abgrenzung zum Christentum. Für das Bewußtsein der
abendländischen Christenheit war dies schwer zu verkraften. Volk und Religion bzw. Glaube
bildeten für sie eine Einheit, wie Kirche und Krone. Das Judentum störte diese Einheit, es
verunsicherte sie. Juden konnten daher keine Mitglieder der christlich verstandenen
Menschheit sein.
Gesetze gegen die Juden, zeitweilige Ausschreitungen, Pogrome und Diskriminierungen
gegen Juden sorgten dafür, daß das christliche Bewußtsein einigermaßen intakt blieb. Denn
diesem Bewußtsein zufolge gehörten die Juden eben nicht zur menschlichen Gemeinschaft.
Darum mußten sie dies auch immer wieder am eigenen Leibe erfahren.
Mit Beginn der Neuzeit haben natürlich viele Juden ihre Hoffnung auf Vernunft und
bürgerliche Gleichberechtigung gesetzt. Die Parolen der Französischen Revolution „Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit“ hörten manche Juden wahrscheinlich mit größerer Sympathie als
die meisten Christen und schon gar die Kirche, die sich durch die neue Weltanschauung
bedroht fühlte.
Prompt kam es zu antijüdischen Ressentiments. Als Befürworter der Aufklärung wurden die
Juden in Personalunion mit dem Freimaurerbund der Illuminaten für den Ausbruch der
Revolution verantwortlich gemacht.14 Die Revolution brachte nicht vorhergesehene hohe
13
Christoph Münz, Im Schatten der Erleuchtung. Die Juden im Zeitalter der Aufklärung, in: Hanna Lehming u.a.
(Hrsg.), Aus der Geschichte lernen? Chancen der Aufklärung nach Auschwitz, Bad Segeberg 1997, S. 37.
14
vgl. zum Folgenden die hervorragende Darstellung von Göran Larsson, Fakten oder Fälschung? Die
Protokolle der Weisen von Zion, AMI-Center Jerusalem 1995.
9
Steuerbelastungen und eine Geldentwertung mit sich, immer eine Situation enormer
Verunsicherung. Auch deren Folgen wurden den jüdischen "Wucherern" angelastet.
Dass die Juden auch für den Ausbruch der Russischen Revolution verantwortlich gemacht
wurden, lag an der Propaganda der Russisch-Orthodoxen Kirche, die in den Juden Feinde des
Christentums und des Zaren zu erkennen glaubte. Als Folge dieser Kampagne kam es in den
Jahren 1881-82 sowie 1905 in Rußland zu schrecklichen Pogromen gegen Juden.
Die Aufklärung selbst, auch Moderne genannt, brachte ein völlig verändertes neues Welt- und
Menschenbild. Religion und Stand sollten plötzlich nicht mehr den Platz eines Menschen in
der Gesellschaft bestimmen. Es sollte keine Stände, Ränge, Unterschiede mehr geben,
sondern bürgerliche Gleichberechtigung für alle, obwohl sie doch von der christlichen
Mehrheitsgesellschaft nicht als gleich angesehen wurden? Juden, jahrhundertelang als Feinde
der menschlichen Gemeinschaft angesehen, sollten dieselben Chancen und Rechte haben wie
Christen?
Was ab 1854 im Herzogtum Schleswig und ab 1863 im Herzogtum Holstein galt, nämlich die
bürgerliche Gleichberechtigung der Juden, das war im Bewußtsein der christlichen Umwelt
auch 1933 noch lange nicht angekommen. Die Furcht vor dem neuen Zeitalter der Moderne
richtete sich wiederum auf die Juden. Als die eigentlichen Günstlinge der Aufklärung
betrachtet wurden sie für alles, was den Menschen daran unheimlich war, verantwortlich
gemacht: die Macht des Geldes, die Erklärung der Religion zur Privatsache, Armut und
sozialen Kämpfe zwischen Arbeiterschaft und Kapital, Wirtschaftkrisen, Verfall der Sitten,
Krieg und Niederlage. Die Beunruhigung durch die Moderne, deren Funktionieren so
unverständlich und ungreifbar war, wurde im Antisemitismus greifbar – im wahrsten Sinn des
Wortes. Das uralte kirchliche Dogma von den Juden als den Urfeinden der (christlichen)
Menschheit kehrt wieder in der antisemitischen Wahnvorstellung von einer jüdischen
Weltverschwörung.
Wie eng antisemitische Wellen mit wirtschaftlichen, politischen und geistigen Krisen
verbunden sind, kann man besonders an der Entstehung und immer neuen Aktualisierung
eines der zählebigsten antisemitischen Pamphlete ablesen, den sog. ‚Protokoll der Weisen von
Zion’. Bereits wenige Jahre nach seinem Auftauchen 1864 in Brüssel als Fälschung entlarvt,
wird der infame judenfeindliche Text seither weltweit immer wieder verbreitet – und zwar als
angebliches historisches Dokument. Zur Zeit erreicht diese Hetzschrift besonders in der
arabischen Welt enorm hohe Auflagen.
9. Ausblick
Vielleicht muß man angesichts des hier Dargestellten endlich erkennen und anerkennen,
welcher Segen darin liegt, daß sich heute im Westen wenigstens eine gewisse Freiheit im
Denken und Glauben durchgesetzt hat. Der Umgang damit ist immer noch schwierig. Aber
wir können doch nicht mehr umhin, anzuerkennen, daß schon bei uns in Deuschland, aber erst
recht in der sehr klein und eng aneinander gerückten Welt die unterschiedlichsten Religionen,
10
Kulturen und Weltanschauungen nebeneinander und - wenn es gut geht - miteinander leben.
Selbstverständlich ist unsere Kultur hierzulande nach wie vor christlich geprägt. Das ist gut
so. Wenn wir konstruktiv damit umgehen wollen, dann sollen wir die besten und stärksten
Seiten des christlichen Glaubens leben und gestalten - ganz im Sinne des Paulus-Wortes: „Ein
jeglicher sei in seiner Meinung gewiss“ (Röm 14,5b).
Machen wir uns aber auch klar, daß das Christliche nie in einer Art „Reinkultur“ dagewesen
ist, sondern von allem Anfang an "Jüdisches" in sich getragen hat. Diesem Erbe zu allererst
verdankt das "christliche Abendland" seine Humanität.
Darum zum Abschluß noch ein kleines Zitat aus der Schrift von Wilhelm Halfmann, das
humoristisch klingen mag, im Blick auf unser Thema aber einen bemerkenswerten Ernst hat:
„Gerechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben – das ist die Lehre
des Alten Testaments, und man kann wohl behaupten: in diesem Sinn hat das deutsche Volk
nicht zu viel, sondern zu wenig Altes Testament gehabt“ (5).
Leicht gekürzt abgedruckt in: Buss, Hansjörg u.a. (Hrsg), „Eine Chronik gemischter
Gefühle“. Bilanz der Wanderausstellung, Bremen 2005.
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Seele and Geist
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