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Wie teuer kann eine Neuansaat auf dem Grünland werden?
Jana Harms und Heidi Jänicke – Landesforschungsanstalt MV
Die enormen Regenfälle des vergangenen Sommers führten an vielen Orten unseres Landes
zu mehr oder weniger stark überschwemmten Grünlandflächen. Teilweise standen Wiesen
mehr als 8 Wochen unter Wasser, so dass diese Flächen ohne geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen nicht mehr für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Grassilagen zur Verfügung stehen. Betriebe in denen sich diese Szenarien abspielten, weisen nicht selten flächendeckende Schädigungen auf, so dass nicht nur der Zukauf fehlenden Grundfutters,
sondern auch Aufwendungen für die Neuansaaten die Liquidität negativ beeinflusst. Die Kosten der Grünlanderneuerung sind in ihrer Höhe von vielen Faktoren abhängig, insbesondere
aber von der Gestaltung der Arbeitsgänge „Bodenbearbeitung“ und „Aussaat“. Unternehmen
die überwiegend Niedermoorstandorte bewirtschaften wissen, dass Neuansaaten auf diesen
Flächen nicht einfach und zu dem auch noch sehr teuer sind. Mit welchen Aufwendungen
gerechnet werden könnte, soll im Folgenden beschrieben werden.
Schwer abzuschätzen: Saatgut- und Düngemittelpreise im Frühjahr 2012
Generell sind Neuansaaten darauf ausgerichtet, einen qualitativ und quantitativ wertvolleren
Grasbestand zu etablieren, der diese Eigenschaften über viele Jahre hinweg beibehält. Die
Wahl des Saatgutes stellt aus diesem Grund die wohl wichtigste Entscheidung dar. Die Auswahl ist groß, von Standard- über selbst zusammengestellte Mischungen und so ist die
Preisfindung ebenfalls relativ schwierig. Die in der vorliegenden Kalkulation unterstellten Mischungen (3) enthalten 10 bis 35 % Deutsches Weidelgras, 15 bis 25 % Wiesenlieschgras,
10 % Wiesenrispe, bis zu 30 % Wiesenschwingel und bis zu 10 % Weißklee. Die empfohlene
Aussaatmenge liegt bei 30 kg je ha. Höhere Aussaatstärken bis 35 kg sollten nur dann vorgenommen werden, wenn die Bedingungen ungünstig sind (Zeit, Bodenfeuchtigkeit etc.).
Empfehlenswert ist es, sich auf den Internetseiten der Länder über Gräsermischungen und
Sorten zu informieren, um für den jeweiligen Standort die richtige Auswahl treffen zu können
(www.lfamv.de). Nach Informationen von Saatguthändlern und -verkäufern kosten die oben
genannten Mischungen zwischen 5,00 und 5,50 € je kg, so dass je nach Mischungswahl und
Aussaatstärke Saatgutkosten von 150 bis knapp 193 € je ha zu kalkulieren sind (Tabelle 1).
Bei der Düngung der Neuansaaten gilt: nach Entzug; im Allgemeinen niedriger als in bestehenden Beständen, da der Ertrag zum ersten Aufwuchs nach Neuansaat deutlich geringer
ist. In vielen Versuchen haben sich Startermengen von 100 kg Kalium, 15 kg Phosphor und
30 kg Stickstoff je ha bewährt (Reinnährstoff). Um diese Nährstoffmengen zu realisieren,
wurde ein PK-Dünger mit einem Gehalt von 40 % K2O und 6 bzw. 7 % P2O5 gewählt. Der
Preis für diesen Dünger dürfte nach Einschätzung verschiedener Händler im Frühjahr zwischen 343 und 350 € je t liegen. Der Stickstoffbedarf kann mit 1,1 dt Kalkammonsalpeter
abgedeckt werden. Die Preisschätzungen dieses Düngemittels liegen zwischen 295 € und
308 € je t. Daraus ergeben sich Düngungskosten für die Neuansaat von 119 bis 121 € je ha.
Bei der Wahl des Direktsaatverfahrens ist eine Behandlung der Flächen mit einem glyphosathaltigen Herbizid erforderlich. Auch hier sind die verschiedensten Produkte, von
Roundup, über Roundup Turbo bis Dakar erhältlich. Roundup mit 360 g Wirkstoff und einer
Aufwandmenge von 4 l je ha wurde von verschiedenen Händlern mit einem Preis von 2,50
bis 2,95 € je l angegeben. Roundup Turbo mit 680 g Wirkstoff und einer Aufwandmenge von
2,1 kg je ha kostet ca. 9,85 € je kg. Mit derselben Menge Wirkstoff und einer sehr variieren1
den Aufwandmenge von 1,60 bis 2,65 kg je ha, liegt Dakar mit 8,65 € je kg im Mittelfeld der
drei genannten Herbizide. Aus den genannten Mengen und Preisen ergibt sich für die Herbizidbehandlung eine Schwankungsbreite von 11 bis knapp 21 € je ha. Die Auswahl des Herbizids sollte nach Möglichkeit nicht aus Kostengründen vorgenommen werden, sondern nach
den Erfahrungen der Pflanzenbauer mit den zu bewirtschaftenden (Niedermoor) Flächen.
Welches Mittel zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wann die Flächen befahrbar sind und
ob ausreichend Zeit zwischen Anwendung, Wirkung der Mittel und Aussaattermin vorhanden
ist.
Tabelle 1: Aufwendungen verschiedener Neuansaatverfahren auf dem Grünland
Variante B
Variante A
Kostenpositionen
"Direktsaat"
von
Betriebsmittel [€/ha]
Saatgut
Herbizid
Düngung [€/ha]
bis
von
bis
150
193
150
193
11
21
119
121
Arbeitserledigungskosten [€/ha]
dav. Personalkosten
Variante C
" Herbizid+Scheiben"Pflug+Neuansaat"
egge+Neuansaat"
119
121
von
bis
150
193
11
21
119
121
18
24
29
dav. Maschinenabschreibung
34
45
48
dav . Treibstoffe
30
45
35
dav. Reparaturen
25
34
35
dav. Zinsansatz, Versicherung
12
15
16
Verfahrenskosten gesamt [€/ha]
399
454
432
Arbeitserledigungskosten der Maßnahmen einzeln dargestellt [€/ha]
97
19
Bodenbearbeitung
10
10
Düngung
0
Pflanzenschutz
11
56
78
Aussaat
477
443
498
86
10
11
56
Arbeitserledigungskosten von Neuansaaten
Wesentlich schwieriger als die vorangegangenen Aufwendungen sind die Arbeitserledigungskosten zu kalkulieren. Grund sind die vielfältigen Möglichkeiten zur Gestaltung des
Verfahrens, als auch die Bewertung der einzelnen Arbeiten. Für alle in den Tabellen aufgeführten Tätigkeiten wurde ein Stundenlohn von 14,03 € je AKh unterstellt und besteht aus
dem Bruttolohn und den Lohnnebenkosten (Quelle: Referenzbetriebe der LFA MV). Der Dieselbedarf abzüglich Beihilfe, inklusive Schmierstoffe wurde mit 1,01 € je l bewertet. Die erforderliche Arbeitszeit, anteilige Maschinenabschreibung und Unterhaltung, Versicherung
und Zinsansatz wurden mit Hilfe der Datensammlung des KTBL kalkuliert, da nur wenige
Praxisdaten vorliegen und diese stark vom Betriebstyp und vom Betriebsmanagement beeinflusst werden. Für alle Verfahren wurde eine Hof-Feld-Entfernung von 3 km unterstellt. Es
wurde davon ausgegangen, dass die Neuansaaten partiell und nicht flächendeckend vorgenommen werden. Daraus resultiert die angenommene Bewirtschaftungsfläche von 20 ha, die
mit den betriebsüblichen Traktoren (in der Regel schwere Technik, ab 140 kW Schlepper)
bearbeitet wird.
2
Altbestände erst zerkleinern oder entfernen
Zum Gelingen einer Neuansaat ist die Beseitigung des alten (unter Wasser gestandenen)
Pflanzenbestandes erforderlich. Wenn die Masseauflage nur gering ist und das Mulchen
ausreicht, um das Material ausreichend zu zerkleinern, sind Aufwendungen von 40 € je ha zu
kalkulieren (Tabelle 2). Mit deutlich höheren Kosten muss gerechnet werden, wenn die nicht
verrotteten „Pflanzenmatten“ „zusammengekehrt“ und abgefahren werden müssen. In der
vorliegenden Kalkulation wurde ein Reinigungsschnitt (mähen, schwaden, häckseln und abfahren) unterstellt, der ca. 80 € je ha kostet.
Tabelle 2: Arbeitserledigungskosten für das Mulchen bzw. den Reinigungsschnitt
Arbeiten/Maschinensysteme
Arbeitszeit- Abschrei- Reparabedarf
bung
turen
[AKh/ha]
[€/ha]
[€/ha]
Dieselbedarf
[l/ha]
Versicherung Kosten
und
des
Zinsansatz Verfahrens
[€/ha]
[€/ha]
Mulchen
6 m Arbeitsbreite, 120 KW
0,48
13,6
8,91
8,29
2,81
40
80
Reinigungsschnitt
Mähen mit Rotationsmähwerk
0,26
3,76
3,53
3,05
3,66
Schwaden mit Kreiselschwader
Feldhäcksler+Doppelzug
0,33
0,57
2,85
21,00
3,99
7,78
2,97
6,11
0,71
4,44
Die Vorbereitung des Bodens auf die Neuansaat richtet sich nach den Erfahrungen des Betriebes, nach dem Gelände und der Bodenfeuchte im Frühjahr. Grundsätzlich ist bei der
Neuansaat von Niedermoorgrünland eine nicht wendende Bodenbearbeitung zu wählen, um
die Struktur des Bodens und den Wasserhaushalt zu schützen.
Bei der Direktsaat ist ein Abtöten der Altnarbe wegen des Unkrautdrucks erforderlich. Die
einmalige Herbizidbehandlung der gesamten Fläche wurde mit Arbeitserledigungskosten von
11 € je ha kalkuliert. Neigt der Boden zur Auflockerung muss vor der Aussaat gewalzt werden (nicht in die Kalkulation einbezogen). Für die Düngung wurde mit Arbeitserledigungskosten von 10 € je ha gerechnet, wobei der Transport und Umschlag des Düngers vom Feldrand aus erfolgt. Für das Drillen mit einer Direktsämaschine sind 78 € je ha erforderlich. Unverzichtbar bei allen Verfahren ist das Walzen in Schrittgeschwindigkeit nach der Aussaat
mit einer schweren Wiesenwalze (19 € je ha). Insgesamt sind bei der Direktsaat je nach
Saatgut-, Herbizid- und Düngemittelpreisen mit Aufwendungen von 399 bis 454 € je ha zu
kalkulieren.
Ist das Grünland uneben und die Bedingungen für das Gelingen der Direktsaat nicht gegeben, sollte vor der Aussaat eine tiefere Bodenbearbeitung erfolgen. Dies kann sowohl mit
dem Wiesenpflug als auch der Scheibenegge oder einer Fräse vorgenommen werden. Die
Kalkulation der Arbeitserledigungskosten für das Verfahren „Pflug + Neuansaat““ ergaben
Aufwendungen von 163 € je ha. Dabei ist die Bodenbearbeitung mit 97 € je ha am aufwendigsten. Das Aussäen wurde mit einer herkömmlichen Drillkombination, wie sie auch im
Ackerbau eingesetzt wird, kalkuliert. Die Arbeitserledigungskosten für diesen Arbeitsgang
betragen ca. 56 € je ha. Letztendlich ist dieses wendende Verfahren im Vergleich zur Direktsaat mit 432 bis 477 € je ha doch deutlich teurer.
3
In einer dritten Variante (Herbizid + Scheibenegge + Ansaat) wurde davon ausgegangen,
dass der Unkrautdruck als so hoch eingestuft wird, dass eine Narbenabtötung vor der wendenden Bodenbearbeitung empfehlenswert ist. Somit fallen Pflanzenschutzmittelkosten (17
bis 21 € je ha) und die Aufwendungen der Arbeitserledigung für die Herbizidspritzung (11 €
je ha) an. Für die wendende Bodenbearbeitung wurde in diesem Verfahren der Einsatz der
Scheibenegge (hier zweimal, erst eine flachere, danach eine tiefere) gewählt. Die Arbeitserledigungskosten für diese Bodenbearbeitung liegen bei 86 € je ha. Das Walzen nach der
Aussaat ist im Komplex Bodenbearbeitung einbezogen worden. Unter Umständen reicht das
zweimalige Scheiben aber nicht aus, so dass sich die Kosten um 25 bis 42 € je ha und Vorgang (je nach Tiefe) noch erhöhen können. Für das Drillen wurden die gleichen Aufwendungen wie beim Verfahren „Pflug“ unterstellt. Durch den zusätzlichen Herbizideinsatz ist diese
Grünlanderneuerungsmaßnahme das teuerste Verfahren, denn hier muss mit Aufwendungen
zwischen 443 und 498 € je ha gerechnet werden.
FAZIT
Die Sommerniederschläge des vergangenen Jahres hinterlassen Engpässe in der Liquidität
der geschädigten Betriebe. Nicht nur, dass das Futter für die Tierbestände fehlt und unter
Umständen teuer zugekauft werden muss. Auch die Wiederherstellung eines leistungsfähigen Grünlandbestandes ist mit hohen monetären und Arbeitskräfte bindenden Aufwendungen verbunden. Vernachlässigt man die Abschreibung, Versicherung und den Zinsansatz für
die Maschinen (da sie auch ohne die Neuansaaten anfallen), muss der Landwirt je nach Verfahren mit Kosten zwischen 353 und 434 € je ha rechnen. Muss der alte Pflanzenbestand
vorher gemulcht werden, kommen noch einmal 24 € je ha und bei einem Reinigungsschnitt
sogar 44 € je ha hinzu. Dabei sind die tatsächlichen Aufwendungen von Betrieb zu Betrieb
sehr unterschiedlich und hängen von vielen Einflussfaktoren, wie dem weiteren Witterungsverlauf, der Preisentwicklung der Betriebsmittel, vom vorhandenen Maschinenbestand (Spezialsämaschine) und letztendlich auch von den Stundenlöhnen der Arbeitskräfte ab. Welches
Verfahren Anwendung findet, muss vor Ort entschieden werden. Entscheidend für den Erfolg
der Neuansaaten sind nicht nur die Bedingungen unter denen diese erfolgt, sondern die
nachfolgende Führung des Bestandes.
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