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Flexible Beschäftigung – für Unternehmen unverzichtbar
Flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit und befristete Beschäftigung stehen häufig in der
Kritik und werden als „prekäre“ Beschäftigung an den Pranger gestellt. So sind in den aktuellen
Koalitionsgesprächen u. a. der Wegfall der im Gesetz so genannten „sachgrundlosen“ Befristung
und eine stärkere Regulierung der Zeitarbeit in der Diskussion. Vor dem Hintergrund dieser Diskussion hat der DIHK im Rahmen seiner Herbst-Konjunkturumfrage die Unternehmen auch danach gefragt, welche Bedeutung diese Beschäftigungsformen für die Unternehmen mit Blick auf
betriebliche Flexibilität und Einstellungsbereitschaft haben. Es zeigt sich, dass in allen Branchen
flexible Beschäftigungsformen eine erhebliche Rolle spielen, wenn auch in den jeweiligen Branchen unterschiedliche Instrumente eingesetzt werden: So kommt beispielsweise der Zeitarbeit
gerade in den Industriebetrieben hohe Bedeutung zu, während Minijobs besonders in Handel
und Dienstleistung für nötige Flexibilität sorgen. Vor dem Hintergrund des nach wie vor vergleichsweise starren Kündigungsschutzes in Deutschland erfüllen diese Beschäftigungsformen
damit eine wichtige Anpassungsfunktion.
Befristete Beschäftigung erleichtert Einstellung

Befristete Beschäftigung spielt in vielen Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Neueinstellung von Mitarbeitern: Für 43 Prozent aller Betriebe hat diese Beschäftigungsform eine
sehr hohe oder hohe Bedeutung, in der Industrie sind es mit 54 Prozent sogar mehr als die
Hälfte.

Befristung hat auch einen wichtigen Flexibilitätscharakter für die Unternehmen. Gerade mit
Blick auf den für reguläre Beschäftigungsverhältnisse nach wie vor starren Kündigungsschutz in Deutschland kommt der Befristung eine wichtige Rolle zu. Bei unsicherer wirtschaftlicher Entwicklung und damit unsicherer Auftragslage stellen Unternehmen zunächst
eher befristet ein, weil sie nicht wissen, ob bzw. wie lange sie die entsprechenden Mitarbeiter beschäftigen können. 38 Prozent der Unternehmen beurteilen die Bedeutung der Befristung mit Blick auf ihre betriebliche Flexibilität als sehr hoch oder hoch. Der Anteil der Beschäftigten, die im Anschluss an eine Befristung übernommen worden sind, hat sich in den
letzten Jahren erhöht – er liegt laut IAB-Daten mittlerweile bei fast 60 Prozent und damit
um gut 20 Prozentpunkte höher als 2005. Die Befristung erleichtert vor allem den Einstieg in
den Arbeitsmarkt für Berufsanfänger.

Befristung ist grundsätzlich für alle Branchen ein Instrument für Flexibilität und dient als
Einstellungsanreiz. Andere Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit, Minijobs oder Teilzeit, haben zwar in einzelnen Branchen eine größere Bedeutung, aber branchenübergreifend wird
die Möglichkeit zur Befristung von den Unternehmen als das wichtigste Instrument gesehen.

Befristete Beschäftigung hat für kleine Unternehmen (bis 20 Mitarbeiter) eine etwas geringere Bedeutung hinsichtlich der Flexibilität als für den Durchschnitt der Betriebe. Dieser geringere Anteil von 27 Prozent ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass der umfassende Kündigungsschutz erst in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten gilt. In KMU mit 20 bis 200
Mitarbeitern hat die befristete Beschäftigung bereits für 42 Prozent eine sehr hohe oder hohe Bedeutung. Bei Betriebsgrößen zwischen 200 und 500 Mitarbeitern ist es mit 53 Prozent
mehr als jedes zweite Unternehmen – nur jedes zehnte sieht hier keine Bedeutung. Das
heißt, gerade für den Mittelstand spielt die Möglichkeit zur Befristung eine wesentliche Rolle.
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
Eine Einschränkung der Möglichkeiten zur befristeten Beschäftigung und insbesondere ein
potenzieller Wegfall der im Gesetz so genannten „sachgrundlosen“ Befristung – wie ihn die
SPD vorschlägt - hätte deutlich negative Effekte auf die Bereitschaft der Betriebe zur Einstellung – gerade in wirtschaftlich unsicheren Phasen. Die Alternative zur befristeten Beschäftigung für potenzielle Arbeitnehmer wäre vielfach nicht eine unbefristete Tätigkeit,
sondern die Arbeitslosigkeit. Leidtragende wären insbesondere die Schwächeren am Arbeitsmarkt, die sich zunächst im Rahmen einer befristeten Beschäftigung beweisen und
wertvolle Berufserfahrung sammeln können. Hinzu kommt, dass Unternehmen die „sachgrundlose“ Befristung nutzen, weil diese weniger Rechtsunsicherheiten – gerade für KMU –
mit sich bringt. Fiele diese weg, würde gerade für KMU der administrative Aufwand steigen,
um die gesetzlich definierte sachliche Rechtfertigung verbindlich zu klären – ggf. durch Dritte, was zusätzliche Kosten bedeuten würde.

Grundsätzlich suggeriert der im Gesetz verwendete Begriff der „sachgrundlosen“ Befristung,
dass es keine sachliche Rechtfertigung für die befristete Einstellung gäbe und diese quasi
willkürlich erfolge. Das geht allerdings an der betrieblichen Realität vorbei, denn z. B. Unsicherheiten bzgl. der kommenden Wirtschafts- und Auftragsentwicklung begründen durchaus
die gerechtfertigte Notwendigkeit einer zeitlich befristeten Einstellung neuer Mitarbeiter,
die jedoch nicht unter die derzeit gesetzlich definierten „sachlichen Gründe“ fällt. Vor diesem Hintergrund ist es auch schwer nachvollziehbar, dass eine gesetzliche Ungleichbehandlung bzgl. der Befristung mit Sachgrund zwischen Staat und privaten Unternehmen existiert.
So gibt es zwar für den öffentlichen Bereich einen Sachgrund, der an den verfügbaren Haushaltsmitteln anknüpft. Im privatwirtschaftlichen Bereich existiert kein entsprechender Sachgrund, der die Finanzsituation des Betriebes berücksichtigt. Auch unter diesem Aspekt ist
hier deshalb die so genannte „sachgrundlose“ Befristung wichtig, die in den Betrieben eben
nicht ohne Grund erfolgt.
Anteil der Unternehmen, für die folgende Beschäftigungsformen eine sehr hohe oder hohe
Bedeutung für die Einstellungsbereitschaft haben (in Prozent)
Zeitarbeit – wichtiges Flexibilitätsventil in der Industrie

In der Zeitarbeit sind insgesamt nur rd. zwei Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Dennoch erfüllt die Zeitarbeit eine wichtige Flexibilitätsfunktion – Unternehmen nutzen sie, um
z. B. auf schwankende Aufträge oder kurzfristigen Ausfall von Stammkräften zu reagieren.
Jedes fünfte Unternehmen sieht somit in der Zeitarbeit eine sehr hohe oder hohe Bedeutung
für die betriebliche Flexibilität. Der Blick in die Branchen zeigt gerade bei der Zeitarbeit er2
hebliche Differenzen. So hat in der Industrie die Zeitarbeit eine deutlich stärkere Bedeutung
– hier sind es mit 40 Prozent doppelt so viele. Seit der Finanzkrise erfolgt die Auftragserteilung kurzfristiger und schwankt auch stärker.

Eine Einschränkung der betrieblichen Flexibilität durch zusätzliche Regulierungen in der
Zeitarbeit, die Gegenstand der aktuellen Koalitionsverhandlungen sind, hätte gerade in der
Industrie negative Folgen und würde wichtige Beschäftigungsperspektiven aufs Spiel setzen.
Auch Ausweichreaktionen und nicht zuletzt Verlagerungen von Teilen der Produktion ins
Ausland sind als Folgen denkbar. Auch stehen solche Forderungen nach mehr Regulierung im
Widerspruch zu den industriepolitischen Bekenntnissen der Parteien.

Zeitarbeit bietet die Möglichkeit zum Einstieg in Arbeit – gerade für Geringqualifizierte
und/oder Langzeitarbeitslose. Rund zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer waren vor dieser Beschäftigung ohne Job. Fast jeder dritte Zeitarbeiter hat keine abgeschlossene Berufsausbildung – unter allen Beschäftigten liegt dieser Anteil nur bei 13 Prozent. In der Industrie sehen somit 38 Prozent der Unternehmen das Instrument der Zeitarbeit nicht nur als wichtige
Flexibilitätsmöglichkeit, sondern auch als bedeutsam für ihre Bereitschaft, neue Mitarbeiter
einzustellen (Summe aus sehr hoher und hoher Bedeutung). Eine Einschränkung der Zeitarbeit würde sich vor diesem Hintergrund als beschäftigungspolitisch kontraproduktiv erweisen.

Im Raum steht zudem die Forderung, die Dauer von Zeitarbeitseinsätzen eng zu begrenzen.
Knapp die Hälfte der Zeitarbeitsverhältnisse endet zwar nach weniger als drei Monaten,
dennoch wäre eine solche Begrenzung kontraproduktiv. Betriebe müssten nach Ablauf dieser
Frist neue Zeitarbeiter einstellen und ggf. anlernen. Auch die Beschäftigten selbst würden
schlechter gestellt – sie müssten z. B. auf Branchenzuschläge verzichten, die mit der Beschäftigungsdauer ansteigen. Auch die Chancen auf eine Übernahme im Entleihbetrieb würden verringert.
Anteil der Unternehmen, für die folgende Beschäftigungsformen eine sehr hohe oder hohe
Bedeutung für die betriebliche Flexibilität haben (in Prozent)
November 2013
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Seele and Geist
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