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Wie rentabel ist der Öko-Landbau in Thüringen?
Dr. Dietmar Bachmann
(Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft Jena-Zwätzen)
Eingereicht zur Veröffentlichung in Bauernzeitung
Nach den agrarpolitischen Zielen der Bundesregierung soll der Anteil der ökologisch erzeugten
Produkte deutlich ausgedehnt werden. Aber auch bei dieser Bewirtschaftungsform gelten die
Grundsätze der Marktwirtschaft und der Ökonomie. Nachfolgend wird die wirtschaftliche
Situation der Thüringer Öko-Betriebe genauer analysiert. In den Vorjahren war es aufgrund
einer mangelhaften Datenbasis noch nicht möglich, repräsentative Aussagen zu treffen.
Auf der Grundlage der Jahresabschlüsse 1999/2000 erfolgte erstmals eine gesonderte Auswertung von 13 Betrieben, welche insgesamt ca. 10 000 ha LF bzw. 58 % der Fläche des ÖkoLandbaues bewirtschaften. Zum Vergleich dienen die Thüringer Ergebnisse der Test- und
Auflagenbuchführung von ca. 400 000 ha LF, welche zum überwiegenden Teil (98 %) nach
konventionellen Grundsätzen bewirtschaftet werden.
Die einzelnen Öko-Betriebe unterscheiden sich relativ stark in ihrer Größe und Produktionsstruktur. Vier Betriebe hatten die Rechtsform einer juristischen Person, des Weiteren handelte
es sich um sechs Einzelunternehmen im Haupterwerb und drei Personengesellschaften.
Im Durchschnitt wirtschafteten die Öko-Betriebe auf grünlandreicheren Standorten. Ihr Grünlandanteil (51 % der LF) lag weit über dem in der konventionellen Landwirtschaft (20 % der
LF). In verstärktem Maße wurden Mutterkühe gehalten und nur in Ausnahmefällen spielte die
Schweineproduktion eine Rolle. Der Milchkuhbesatz war in beiden Bewirtschaftungsformen
ähnlich hoch. Der Viehbesatz insgesamt lag in den Öko-Betrieben mit 66 VE/100 ha LF sogar
über dem Mittelwert der konventionellen Betriebe (61 VE/100 ha LF).
In den ökologisch wirtschaftenden Betrieben waren im Durchschnitt 2,0 AK/100 ha LF beschäftigt, während dieser Wert im Landesmittel bei 2,2 AK lag. Bestimmte Verfahren (z. B.
mechanische Unkrautbekämpfung) sind zwar arbeitsaufwendiger als in der allgemeinen Praxis,
der Anteil arbeitsextensiver Zweige (z. B. Grünlandbewirtschaftung mit Mutterkühen oder
Schafen) ist in den Öko-Betrieben aber sehr hoch. Gleichzeitig ist die gestiegene Arbeitsproduktivität ein Ausdruck für Fortschritte in der Rationalisierung. Die Arbeitskräfte sind in den
Öko-Betrieben etwa in gleicher Höhe entlohnt worden wie im Landesmittel. Je Arbeitskraft
betrug der Lohnaufwand einschl. Sozialabgaben rund 41 TDM.
Durch Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel blieben die
naturalen Erträge niedrig. Je Hektar wurden nur 32 dt Getreide geerntet, das war etwa die Hälfte
des Thüringer Durchschnittsertrages. Die Verkaufserlöse von 42 DM/dt Öko-Getreide lagen
aber fast doppelt so hoch wie die für konventionell erzeugte Ware. Die Erlöse je ha Getreidefläche waren also in beiden Bewirtschaftungsformen ähnlich.
Für den Zukauf von Dünger und Pflanzenschutzmitteln tätigten die Betriebe des Öko-Landbaus
nur Aufwendungen von 41 DM/ha LF, da lediglich bestimmte Mittel eingesetzt werden dürfen.
In der Thüringer Landwirtschaft sind hingegen hierfür 271 DM/ha LF ausgegeben worden.
Der Aufwand für Kraftstoffe lag in vergleichbar strukturierten Betrieben ähnlich hoch, wobei
grünlandreiche Unternehmen ohnehin weniger Dieselkraftstoff verbrauchen als Ackerbauern.
Ökologisch wirtschaftende Betriebe erhielten mehr staatliche Fördermittel. So sind z. B. im
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Rahmen des Agrarumweltprogramms KULAP durchschnittlich 229 DM/ha LF gezahlt worden,
während das im Landesmittel lediglich 64 DM/ha LF waren. Der Anteil aller Zulagen und
Zuschüsse am Unternehmensertrag lag bei 30,6 % (Thüringen gesamt: 22,4 %).
Der niedrigere Unternehmensertrag der Öko-Betriebe je ha war auch verbunden mit einem
geringeren Unternehmensaufwand je ha LF.
Tabelle: Ergebnisse der Betriebe 1999/2000
natürliche Personen1)
Thüringen
gesamt
1)
davon
Öko
juristische Personen
Thüringen
gesamt
davon
Öko
Unternehmensertrag
DM/ha LF
2 781
2 681
3 946
3 383
• pflanzliche Erzeugnisse
DM/ha LF
992
709
917
320
• tierische Erzeugnisse
DM/ha LF
700
751
1 483
1 416
Zulagen und Zuschüsse
DM/ha LF
830
1 084
815
935
Unternehmensaufwand
DM/ha LF
2 230
2 140
3 959
3 363
Eigenkapitalveränderung
DM/ha LF
195
262
-13
43
Ordentliches Ergebnis +
Personalaufwand
DM/ha LF
675
833
1 009
854
Ordentliches Ergebnis +
Personalaufwand
TDM/AK
52,5
51,0
41,1
40,9
Einzelunternehmen (Haupterwerbsbetriebe) und Personengesellschaften
Die ökonomischen Ergebnisse der Betriebe des ökologischen Landbaus bewegten sich im
Auswertungszeitraum auf einem vergleichbaren Niveau wie in den entsprechenden Rechtsformen in Thüringen gesamt. So betrug z. B. das Ordentliche Ergebnis einschließlich Personalaufwand im Mittel aller Öko-Betriebe 43 209 DM/AK, während die Thüringer Landwirte
insgesamt 43 760 DM/AK erwirtschafteten. Die Differenziertheit zwischen den einzelnen
Unternehmen war allerdings beachtlich, was auf den entscheidenden Einfluss des Managements
hindeutet.
Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche wird sich in Abhängigkeit von der Nachfrage
am Markt entwickeln.
Neben einer Anregung der Nachfrage sollten durch Fördermaßnahmen vorrangig die Vermarktungsbedingungen verbessert werden.
Jena, 2001-06-20
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Gesundheitswesen
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