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25 % Remontierung – wie geht das? - Koesling Anderson

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MANAGEMENT
S E R I E
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verlängern
Heinrich Weinberg: „Die Genetik ist die wichtigste Grundlage für langlebige Tiere.“
25 % Remontierung –
wie geht das?
Die Abgangsraten
sind in vielen
Betrieben zu hoch.
Drei Betriebsleiter
schildern, wie sie ihre
Remontierungsrate
gedrückt haben.
I
n vielen Betrieben ist die Abgangsrate bei Kühen zu hoch. Im bundesweiten Schnitt lag die Rate bei MLP-Kühen im Jahr 2004 bei 36,1 %, wobei die
ostdeutschen Bundesländer an der Spitze
R 8 top agrar 3/2005
liegen. In einigen Betrieben liegen die Raten über 40 %. Hier reicht die eigene
Nachzucht nicht aus, die Herde zu remontieren.
Die Folge sind hohe Kosten für die
Bestandsergänzung. Sie ist nach den
Kraftfutterkosten in vielen Betrieben der
größte Kostenblock. Das bestätigt auch
der kürzlich erschienene Rinderreport
2003/2004 für Baden-Württemberg, in
dem die Bestandsergänzung 33 % der variablen Kosten ausmacht.
„In der Senkung der Remontierungskosten sehe ich deshalb auch noch
deutliche Einsparpotenziale“, erklärt
Dr. Bernd Heidemann von der Unternehmensberatung Koesling Anderson in
Dahlenwarsleben. „Wer in Zukunft noch
5 Cent pro kg Milch Gewinn machen will,
muss die Kosten für die Remontierung
auf 4 Cent senken“, so sein Standpunkt.
Das geht allerdings nur, wenn die Abgangsrate unter 30 % gedrückt werden
kann (Übersicht Seite 11). Eine NettoRemontierungsrate von etwa 25 % sollte
angestrebt werden, da erst dann Bestandsergänzungskosten von 3,9 Ct/kg
Milch realistisch sind.
Hauptproblem:
Fruchtbarkeit
Die meisten Kühe scheiden aufgrund
von Mastitis, Fruchtbarkeitsstörungen,
Klauenproblemen und Stoffwechselerkrankungen frühzeitig aus.
Berater Frank Rixen aus Groß Lüsewitz sieht in der schlechten Fruchtbarkeit
der Kühe vor allem nach der 1. und 2.
Kalbung die Hauptursache für die hohen
R I N D
„Alte Kühe bringen alte Töchter“
Wir erreichen hauptsächlich durch
gute Genetik eine geringe Remontierungsrate“, meinen die Milcherzeuger
Heinrich und Gerhard Weinberg aus
Neerlage im Emsland. Die Rate liegt seit
Jahren bei 22 bis 23 %. „Im Schnitt werden unsere Kühe 5,8 Jahre alt“, erklärt
Heinrich Weinberg. Aktuell erreichen
neun Tiere des Bestandes eine Lebensleistung von über 50 000 kg, zwei davon
liegen über 100 000 kg.
Im Betrieb Weinberg sind folgende
Faktoren entscheidend:
■ Auswahl der Bullen nach Sicherheit und Blutlinien: Die Betriebsleiter
schwören auf die Bullen aus dem ALLProgramm (Arbeitsgemeinschaft Lebenslinien): „Hier haben wir die Gewähr,
dass Lebensleistung und Gesundheit im
Zuchtziel oberste Priorität haben und
dass wir neutral über die Eigenschaften
der Bullen informiert werden“, erklärt
Heinrich Weinberg. Zwischenzeitlich
wurden zwar auch Indexbullen eingesetzt: „Aber damit haben wir keinen Leistungsfortschritt erzielt. Deshalb sind wir
wieder davon abgekommen“, meint er.
Bevor sich die Betriebsleiter für einen
Bullen entscheiden, muss die Bullenmutter ihre Leistungsfähigkeit in mind. drei
Laktationen gezeigt haben. Vor allem an
die Relativzuchtwerte für Milch, Nutzungsdauer und Zellzahl werden hohe
Anforderungen gestellt.
■ Langlebiger Kuhstamm: Im Be-
trieb stehen derzeit drei Generationen
des E-Kuhstamms, die auf Edelmut zurückgehen. „Töchter alter Kühe werden
auch wieder recht alt“, so die Überzeugung der beiden Betriebsleiter.
Durch die Langlebigkeit ihrer Tiere
können sie jährlich 10 bis 12 Färsen über
die Auktion verkaufen. „Bei der Selektion achten wir vor allem auf die Melkbarkeit und die Abstammung der Tiere“,
erklärt Gerhard Weinberg. Für den eigenen Bestand werden außerdem Färsen
bevorzugt, die noch Entwicklungspotenzial haben. Abfallende Becken, ein starkes Zentralband und feste Fesseln seien,
so die Betriebsleiter, ebenso eine Garantie für langlebige Kühe.
Wenn eine Kuh dennoch frühzeitig
abgeht, sind meist Probleme mit der
Fruchtbarkeit der Grund: „Das ist aber
sehr selten“, meinen beide.
Betriebsspiegel
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Kuhzahl: 40 (sbt. HF)
Milchleistung: 10 000 kg,
4,1% Fett, 3,5 % Eiweiß;
Remontierungsrate: 22 %
Erstkalbealter: 26 Monate
ZKZ: 396 Tage
freiwillige Wartezeit: 42 Tage
Besamungsindex (Kühe): 1,8
Zellzahl: 200 000
Aktuelle Bullen: Erdall, Fieldhouse, Dante, Trailor, Perfekt
■ Genaue Beobachtung der Herde:
Durch intensive Beobachtung der Tiere
und verschiedene Kontrollpunkte im Betrieb werden Probleme in der Herde meist
sehr früh erkannt und schnell behoben.
Der wichtigste Kontrollpunkt ist die
Brunstbeobachtung, die viermal täglich
durchgeführt wird. Damit ist auch die gute
Fruchtbarkeitslage der Herde zu erklären:
Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit
beträgt 396 Tage, der Besamungsindex
liegt bei 1,8, obwohl die Kühe schon nach
42 Tagen wieder besamt werden.
Ein wesentlicher Kontrollpunkt ist
auch die wöchentliche Auswertung der
Molkerei über Milchleistung, Fett, Eiweiß und Harnstoffgehalt. „Damit können wir die Ration überprüfen und werden schnell auf Schieflagen aufmerksam,“ erklärt Heinrich Weinberg.
Nützlich ist für die Landwirte bei dieser Auswertung auch, dass die Lebensleistung des jeweiligen Tieres gleich mit
aufgelistet wird: „Damit haben wir einen
wichtigen Anhaltspunkt für die Beurteilung der Genetik und der Wirtschaftlichkeit der Kuh“, ergänzt er.
Zur Kontrolle der Ration wird zusätzlich einmal wöchentlich die Kotkonsistenz
der Tiere überprüft. „Dadurch sind bei uns
Stoffwechselprobleme sehr selten“, erklärt
Gerhard Weinberg. Der Anteil an Nachgeburtsverhaltung liegt bei ca. 7 Prozent,
Labmagenverlagerung ist ein Einzelfall.
Auch Mastitis spielt praktisch keine Rolle.
Die einzigen Maßnahmen zur Gesundheitsprophylaxe sind: ein Klauenschnitt
zweimal im Jahr bei allen Tieren und die
Verabreichung eines Energietrunks bei
frisch abgekalbten Kühen.
-sl-
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R9
MANAGEMENT
mangelhafte Strategie der Fruchtbarkeitsüberwachung
■ Therapien werden zu spät eingeleitet
und Behandlungen oft vorzeitig abgebrochen
■ keine systematische Melkhygiene und
Eutergesundheitskontrolle
■ vernachlässigte Klauenpflege
■ mangelhafter Liegeboxenkomfort
und Hygiene
■ voreilige Selektion von Tieren.
Arbeitsroutine eingebaut werden, am
wichtigsten.
Viel entscheidender sind jedoch die
Gemeinsamkeiten der Betriebe: Alle drei
Betriebsleiter haben viel Geduld mit ihren Tieren und treffen keine voreiligen
Entscheidungen. Jedes Tier bekommt in
der Regel eine zweite Chance, vor allem
wenn es schon viel Milch gegeben hat und
hochwertige Genetik dahinter steht.
Erstaunlich ist, dass in allen Betrieben
kaum Prophylaxe-Maßnahmen durchgeführt werden. Vielmehr wird die mehrmals tägliche Beobachtung der Herden
als wichtigste Prophylaxe angesehen.
Vor allem die Kontrolle der Transitkühe
und die Brunstbeobachtung wird von den
Betrieben sehr ernst genommen. Dazu
gehen sie bis zu viermal in den Stall. Kein
Betriebsleiter setzt besondere Futterzu-
Was tun erfolgreiche
Praktiker?
Wie kann man die Remontierungsrate drücken? Auf was kommt es an? Diese Fragen stellten wir drei Betrieben mit
unterschiedlicher Herdengröße, aber
durchweg hohem Leistungsniveau.
Jeder Betrieb setzt andere Schwerpunkte: Im Betrieb von Heinrich und
Gerhard Weinberg in Neerlage wird die
Genetik als Hauptgrund für die Langlebigkeit und Robustheit der Tiere verantwortlich gemacht. Ulrich Schumacher
von der GbR Berger-Schumacher in Bielefeld sieht eher im Kuhkomfort und in
der gezielten Fütterung die entscheidenden Reserven, um seine 160 Kühe lange
gesund zu erhalten. Für Dirk Huhne vom
Milchhof Parchim in Mecklenburg-Vorpommern sind einfache aber konsequente Management-Maßnahmen, die in die
Fotos: S. Lehnert, Weidemann
Remontierungsraten in vielen Betrieben.
„Doch der Lösung dieses Kernproblems
gehen viele Betriebe aus dem Weg, da ja
meist genug eigene Nachzucht zur Verfügung steht, die eine kranke, aber dennoch gute Kuh schnell ersetzen kann. So
sind die hohen Remontierungsraten oft
hausgemacht“, so seine Erfahrung.
Viel zu oft verlassen junge Kühe, die
ihr Leistungspotenzial noch gar nicht
ausgeschöpft haben, den Betrieb. Eine
Leistungsselektion sei dann oft gar nicht
möglich.
Niedrige Remontierungsraten sind daher vor allem ein Indiz für eine gute Gesundheits- und Fruchtbarkeitslage im Bestand und für die Managementqualitäten
des Betriebsleiters: „Erfolgreiche Betriebe
haben vor allem ein sehr kompetentes Gesundheits- und Fruchtbarkeitsmanagement, sie sind straff organisiert und haben
motivierte Mitarbeiter “, erklärt Frank Rixen.
Vergleicht man das Herdenmanagement von Betrieben mit niedrigen und hohen Remontierungsraten miteinander, fallen Beratern folgende Schwachstellen auf:
■ eine unzureichende Vorsorge gegen
Milchfieber
■ die energetische Überversorgung der
Kuh im letzten Laktationsdrittel
■ keine systematische Herden- und
Brunstbeobachtung
■ fehlende Geburtsüberwachung und
R I N D
Schumacher aus Bielefeld-Sennestadt
oft von Kunden, die nach ihrem Einkauf im Hofladen einen Blick in den
Stall werfen. Aber die Kühe der Berger-Schumacher GbR (Bioland seit
1995) sehen nicht nur toll aus, sondern
Betriebsspiegel
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Kuhzahl: 160
Milchleistung: 8 400 kg, 4,2 % Fett,
3,28 % Eiweiß
Remontierungsrate: 24,7 %
Erstkalbealter: 26,5 Monate
ZKZ: 408 Tage
freiwillige Wartezeit: 40 Tage
Besamungsindex (Kühe): 2,1
Zellzahl: 200 000
Aktuelle Bullen: Ramos, Erdall,
Lucko, Perfekt, Lee, Gibor
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sind auch in der Lebensleistung top: „Im
Schnitt sind sie 5,2 Jahre alt. Unser ältestes Tier, eine Travis-Tochter, ist jetzt
14 Jahre alt und hat 106 000 kg Lebensleistung in der 11. Laktation erreicht“, erklärt Schumacher. So ist auch die Remontierungsrate im Schnitt der letzten
sechs Jahre mit 24,7 % niedrig. Die Bestandsergänzung erfolgt über die eigene
Nachzucht, pro Jahr können einige Rinder ab Hof vermarktet werden.
Für die Betriebsleiter zählt vor allem:
■ Kuhkomfort: „Wenn sich die Tiere
wohl fühlen, bleiben sie gesund und leben länger. Das ist eigentlich ganz einfach. Deshalb hat die stete Verbesserung
der Haltungsbedingungen für uns Priorität“, erklärt Ulrich Schumacher. Bei einem neuen Stall könnte man zwar noch
einiges besser machen, so z. B. die Maße
der Liegeboxen: „Aber aus dem alten
Stall haben wir das beste gemacht.“
Im Laufstall werden den Tieren Tiefboxen mit Stroheinstreu geboten: „Dicke
Abgangsrate Bestandsergänzungskosten Schlachterlös Bestandsergänzungskosten
(%)
(Ct/kg Milch, brutto)
(Ct/kg Milch)
(Ct/kg Milch, netto)
55
8,6
2,4
6,2
45
7,0
2,0
5,0
35
5,5
1,5
4,0
25
3,9
1,1
1,6
15
2,3
0,7
1,6
Quelle: Koesling Anderson
sätze ein oder führt aufwändige Behandlungen durch. Das Herdenmanagement
ist einfach, systematisch und straff organisiert.
Die Betriebsleiter kennen ihre Kühe
ganz genau. Sogar Dirk Huhne, Leiter des
Milchhofs Gut Parchim mit 720 Kühen,
kennt die Abstammung und Geschichte
der meisten Kühe bis
ins Detail: „Auch bei
einem Betrieb in unserer
Größenordnung
muss der Betriebsleiter
jeden Tag zwischen
den Kühen sein“, erklärt er. Deshalb steht
auch bei ihm die Einzelkuh im VorderKuh Otte (im Bild
links) ist bereits 14 Jahre alt und hat eine
Lebensleistung von
106 000 kg in der
11. Laktation.
„Kuhkomfort und Fütterung
sind entscheidend“
Mensch, was habt Ihr für tolle
Kühe!“ Diesen Satz hört Dr. Ulrich
Übersicht: Kosten für die Bestandsergänzung
Dr. Ulrich
Schumacher,
Betriebsleiter
der BergerSchumacher
GbR.
Gelenke gibt es daher so gut wie nie“, erklärt Schumacher. Zweimal pro Woche
wird Stroh nachgestreut, an den restlichen Tagen wird Algenmehl in die Boxen gegeben, um Feuchtigkeit zu binden.
„Die Kühe fressen das Mehl aber auch
ganz gerne“, hat der Betriebsleiter festgestellt. Zu einem wesentlichen Baustein
des Kuhkomforts zählt auch ein Außenlaufhof und der Weidegang im Sommer.
■ Eine bedarfsgerechte Fütterung ist
für den Biobetrieb ein Muss, um langlebige, leistungsfähige Tiere zu bekommen. „Die Fütterung muss an das Leistungsniveau in jedem Laktationsabschnitt angepasst werden, um die Tiere in
guter Kondition zu halten“, meint er.
Deshalb hat der Betrieb die Herde
auch in zwei Leistungsgruppen eingeteilt:
Die Hochlaktierenden (> 35 kg Tagesproduktion) bekommen eine aufgewertete
TMR aus 2/3 Grassilage, 1/3 Maissilage,
Leistungsfutter
sowie
Ausgleichskraftfutter bestehend aus Roggen, Triticale, Lupine und Ölkuchen, Trockenschnitzel und Sojapülpe. Die 2. Leistungsgruppe (ø 23 kg Tagesmilchleistung) erhält statt 9 kg (max.) Kraftfutter 3,7 kg.
„Wichtig ist, dass die Tiere in der Spätlaktation nicht verfetten, sonst gibt es
Probleme bei der Abkalbung“, weiß Mitarbeiter Joachim Rehling. Auch die Trockensteher hat er in zwei Gruppen eingeteilt, um sie gezielt füttern zu können. Ab
dem 21. Tag vor der Kalbung werden die
Tiere mit der Ration der Hochleistungsgruppe angefüttert. Allerdings wird hier
ein phosphorreiches Mineralfutter eingesetzt, um Milchfieber vorzubeugen.
Im Biobetrieb spielt die Qualität des
grund. Mit Hilfe eines Herdenmanagementprogrammes werden Einzeltierdaten
erfasst und täglich kontrolliert.
Früher selektieren
Die Gesundheitsprophylaxe und das
Management der Herde im Betrieb insgesamt zu verbessern, ist nur eine Sache
um die Remontierungsrate zu senken.
Mindestens genauso wichtig ist, für
Betriebe mit hohen Remontierungsraten, die Selektionsstrategie grundsätzlich
neu zu überdenken, meint Frank Rixen.
Vor der Belegung sollte entschieden
werden, wie die Nachzucht genutzt werden
soll. Dabei gibt es folgende Varianten:
■ Remontierung des Bestandes
■ Aufstockung
■ Verkauf von Zuchtvieh
Grundfutters die entscheidende Rolle,
da Zukauffuttermittel nur in begrenztem Maße eingesetzt werden dürfen
und oft auch nicht in Bioqualität verfügbar sind. In der Berger-Schumacher
GbR ist die Grundfutterleistung mit im
Schnitt 4 500 kg Milch beachtlich. Hier
spielt nicht zuletzt auch die Genetik mit
rein: „Im Biobetrieb brauche ich ausgeglichene und robuste Kühe, die mit
schwankenden Grundfutterqualitäten
klar kommen“, so Schumacher. Deshalb ist auch Hünderser Genetik als Basis entscheidend.
■ Konsequenz im Herdenmanagement: „Durch vorbeugende Routinemaßnahmen lassen sich akute Probleme in der Herde vermeiden“, ist Schumacher überzeugt. Damit meint er zum
Beispiel die Routineuntersuchung aller
Tiere, die bis zum 60. Tag nach der Kalbung noch keine Brunst gezeigt haben.
Auch die bakterielle Untersuchung der
Milch aller Tiere bis zu zweimal jährlich
ist wesentlich, um stets einen Überblick
über die Eutergesundheit der Herde zu
bekommen. Die viermal tägliche
Brunsterkennung sowie der jährliche
Klauenpflegeschnitt zählen für die Berger-Schumacher GbR zu einer konsequenten Herdenführung.
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R 11
MANAGEMENT
■ Verkauf von Mastvieh
Vielen Betriebsleitern falle es schwer,
sich von den eigenen Färsen zu trennen,
so Rixen. Werden die Färsen aber nachgeschoben und dafür Problemkühe aus
dem Bestand genommen, steigt die Remontierung. Daher sollte der Nutzen des
Tieres schon bei der Auswahl des Bullen
festgelegt werden. „Damit setzt man sich
selbst unter Druck. Wenn die eigene
Nachzucht knapp ist, ist die Versuchung
der vorzeitigen Remontierung geringer.“
Die Anpaarung mit einer Mastrasse
kommt immer dann in Frage, wenn die
Leistungsdaten der Muttertiere keine zukunftsträchtigen Nachkommen erwarten
„Gute Kühe bekommen eine
zweite Chance“
lassen. Der Verkauf von Zuchtvieh
unterliegt Marktschwankungen. Dieser
Markt wird kleiner, wenn es gelingt, die
Remontierung grundsätzlich zu senken.
„Wer erstmal anfängt, sich über die
Nutzung seiner Nachzucht Gedanken zu
machen, ist bereits auf dem richtigen
Weg“, so Frank Rixen.
S. Lehnert
Betriebsspiegel
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E
tierenden Gruppen untergebracht: Fünf
hochlaktierende Gruppen und zwei Färine Kuh mit 100 000 kg Lebenssengruppen. Eine Trockenstehergruppe
leistung gibt es im Milchhof Parchim
steht im Boxenlaufstall auf Spalten, eine
GbR in Parchim in Mecklenburg-Vorzweite auf Stroh und die Transitgruppe im
pommern zwar (noch) nicht. Dafür
Offenstall ebenfalls auf Stroh.
aber viele Kühe mit 30 000 bis 35 000 kg
Auch die Abkalbung findet in der
Lebensleistung.
Gruppe auf Tiefstreu statt: „Hier haben die
„Die Färsenaufzucht kostet viel
Tiere viel Komfort und Platz“. Die ersten
Geld, deshalb kann ein Tier nur durch
zwei bis drei Tage nach der Kalbung vereine lange Nutzungsdauer ökonomisch
sein“, so die Überzeugung von Betriebsbringen die Tiere ebenfalls auf Stroh.
Allerdings sind sie dann in
einem Anbindestall mit
Rohrmelkanlage untergebracht, damit sie leichter
gemolken werden können. Den Zeitpunkt für
den Gruppenwechsel entscheidet Huhne am Einzeltier. Dabei wird er vom
Herdenmanagement-Programm DP 5 unterstützt.
Die Gruppen bleiben aber
nach Möglichkeit zusammen. Einzeltiere werden
selten allein versetzt.
Die einzelnen Stallbereiche sind arbeitswirtschaftlich sehr günstig angelegt: Einfache ArbeitsDirk Huhne (links), Betriebsleiter der Milchhof Parachsen und gute Überchim GbR und sein Berater Frank Rixen.
sicht. Zentral im Betrieb
liegen der Transitbereich
leiter Dirk Huhne. Deshalb zählen für
und die Abkalbegruppe, um eine ständige
ihn vor allem die Kosten für die BeBeobachtung zu gewährleisten. Besonders
standsergänzung, die aktuell bei ca.
wichtig für Huhne ist, dass in einem Lohn3 Ct/kg Milch liegen. Bisher konnten imarbeitsbetrieb jeder Arbeitnehmer seinen
mer einige Färsen verkauft werden.
festen Zuständigkeitsbereich hat und für
Dirk Huhne macht folgende Faktogute Arbeit auch gelobt wird.
■ Den Tieren eine 2. und 3. Chance
ren für seine geringe Remontierung
einräumen: Huhne hat die Erfahrung
verantwortlich:
gemacht, dass Tiere oft auch nach einer
■ Optimale Haltung und Herdenmanagement: Für Dirk Huhne sind die
verpassten Laktation wieder fit werden.
Haltungsbedingungen der entscheidenDeshalb räumt er ihnen stets eine 2. oder
de Faktor, um so lange wie möglich ge3. Chance ein, vor allem, wenn gute Gesunde, leistungsbereite Tiere zu halten.
netik dahinter steht. Entscheidend ist für
Die zehn Mitarbeiter sorgen auf jeder
ihn, welche Milchleistung das Tier vor
„Station“ für optimalen Komfort der
der Erkrankung gegeben hat. „Je mehr
Tiere: In hellen und luftigen Laufställen
Kosten das Tier bereits verursacht hat,
mit Hochboxen sind sieben von acht lakum so mehr Mühe geben wir uns damit.“
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Kuhzahl: 720 (sbt. HF)
Milchleistung: 9 100 kg, 4,2 % Fett,
3,53 % Eiweiß;
Remontierungsrate: 24,8 %
Erstkalbealter: 26 Monate
ZKZ: 410 Tage
freiwillige Wartezeit: 42 Tage
Besamungsindex (Kühe): 2,0
Zellzahl: 207 000
Aktuelle Bullen: Lucente, Merchant,
Principal, December, Emerson
Pro Woche gehen etwa drei Tiere zum
Schlachter: „Abgangsgrund ist meist eine
Kombination aus Euterproblemen und
schlechter Fruchtbarkeit“, erklärt Huhne. Die Tiere gehen in einer guten Konstitution zum Schlachter. So liegen die
durchschnittlichen Erlöse im zweiten
Halbjahr 2004 über 550 E pro Schlachtkuh. Sobald das Tier zwei hartnäckige gesundheitliche Probleme hat und die Behandlung nicht anschlägt, ist es nicht
mehr wirtschaftlich und muss weg.
■ Sofort auf Probleme reagieren:
Hauptabgangsgründe im Betrieb sind
Euter- sowie Fruchtbarkeitsstörungen:
„Abgänge aufgrund von Klauenproblemen sind aus meiner Sicht vermeidbar.
Bei den anderen Problemen wird es da
schon schwieriger“, meint Huhne. Routinemäßig werden die Klauen zum Trockenstellen geschnitten, eine Nachkontrolle erfolgt nach dem Kalben. Einzelne Kühe werden bis zu fünfmal in der
Laktation behandelt.
Sobald eine Kuh beim Gang in den
Melkstand lahmt, wird sie sofort in den
Klauenstand getrieben. Der Stand ist direkt zwischen Stall und Warteraum zum
Melkstand installiert, sodass er jederzeit
und über kurzem Wege nutzbar ist.
Auch bei Euterproblemen wird
schnell mit bewährten Antibiotika behandelt: „Wir können es uns nicht leisten, viel auszuprobieren“, so Huhne.
Trotzdem wird vor allem bei guten Kühen konsequent und auch mehrmals behandelt, bis sich ein Erfolg einstellt. Einmal im Jahr wird ein Resistenztest
durchgeführt, um zu sehen, welche Eutererreger im Bestand sind. Das ist aber
die einzige Routineuntersuchung. -sl-
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