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10 Effektivität internationaler Regeln Fragestellung: • Einschränkung

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10
Effektivität internationaler Regeln
Fragestellung:
• Einschränkung auf die Wirkung der Ratifikation: Wie groß ist die kausale
Wirkung der Ratifikation internationaler Verträge auf die im Vertrag
spezifizierten Zielvariablen?
• Wirksamkeit der Verträge auch ohne Ratifikation denkbar, jedoch hier
nicht behandelt
• Interessant auch Wirksamkeit anderer Maßnahmen, z.B. IWF- oder
Weltbank-Programme
Analogie zum Problem der Evaluation: Feststellung eines Treatment Effect
Y
R
D
Ergebnisvariable
Dummyvariable für Ratifikation oder Nichtratifikation eines gegebenen
Landes (R=1 bei Ratifikation, R=0 bei Nichtratifikation)
Dummyvariable für die Länder, die (tatsächlich) ratifiziert haben
Ein häufig geschätzter Effekt ist der Average Treatment Effect on the Treated
(ATT):
ATT = E (Y | R = 1, D = 1) − E (Y | R = 0, D = 1)
Welches ist die Wirkung von R in der Gruppe der Länder, die tatsächlich
ratifiziert haben?
Der zweite Term ist ein Kontrafaktum: da dieses hypothetische Ergebnis in den
Daten nicht zu beobachten ist, muss es geschätzt werden
10. Effektivität internationaler Regeln
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Auf die Frage der Ratifikation angewendete Schätzverfahren
1. Kontrollgruppenansatz: Schätzung von E (Y | R = 0, D = 1) mit Hilfe von
Daten über Staaten, die nicht ratifizieren oder mit Hilfe zeitlicher
Variation
(a) unkonditionaler Mittelwertvergleich
(b) Vorher-Nachher-Vergleich
(c) Differenz-von-Differenzen
(d) konditionaler Mittelwert- oder Vorher-Nachher-Vergleich,
konditionale Differenz-von-Differenzen (Regressionsmodell)
(e) Instrumentvariablen
(f) Andere Schätzverfahren der Evaluationsforschung auf die Frage der
Ratifikation nicht angewendet
Verfahren werden meistens mit Daten durchgeführt, die auf der Ebene der
Länder gemessen werden
Es kann auch sinnvoll sein, Daten zu verwenden, die auf tieferer Ebene
(z.B. Ebene des Haushalts) gemessen werden
2. Modellsimulation des kontrafaktischen Ergebnisses
Verfahren wird insbesondere zur empirischen Überprüfung von
Klimakonventionen verwendet
Finus und Tjøtta JPublEc 2003
Böhringer und Vogt EJPE 2004
10. Effektivität internationaler Regeln
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10.1 Schätzung durch Regression (1d) mit Länderdaten
Häufigstes Verfahren
Beispiel: Neumayer JConfRes 2005
Anwendungsfall: Ratifikation von Menschenrechtskonventionen
• Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR,
1966)
• Fakultativprotokoll zum IPBPR (1966)
• Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder
erniedrigende Behandlung oder Strafe (1984)
• Artikel 21/22 dieses Übereinkommens
• regionale Abkommen (hier nicht aufgeführt)
Abhängige Variable:
• Purdue Political Terror Scales basierend auf Berichten von Amnesty
International (Skala von 1 bis 5, 1 = bestes Rating, 5 = schlechtestes
Rating)
• andere Indikatoren benutzt für Sensitivitätsanalyse
Schätzansatz: Panelregression
• lineares Modell mit fixen Effekten: yit = αyit −1 + δRit + xit′β + fi + ηt + εit
• geordnetes Probit Modell ohne fixe Effekte
Erklärende Variablen:
• Ratifikation der oben aufgeführten Abkommen (jeweils separate
Schätzung)
• INGO: Zahl der internationalen Nichtregierungsorganisationen, die im
Land tätig sind
• Democracy (Polity IV-Index, Skala von 0 bis 20, 0 = Autokratie)
• External conflict, internal conflict: Zahl der Konflikte nach Datenbasis
von Gleditsch et al. (2002)
Dimension des Datensatzes: 1980-2001, Industrie- und Entwicklungsländer
10. Effektivität internationaler Regeln
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Regressionsergebnisse von Neumayer (2005)
10. Effektivität internationaler Regeln
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Folgerung: Einfluss der Ratifikation zu qualifizieren
politische Institutionen des Landes haben erhebliche Auswirkungen
• bei autokratischen Regierungen kein Effekt oder negativer Effekt der
Ratifikation
• positive Wirkung bei Demokratie (Kontrolle der Vertragseinhaltung durch
Wähler)
• positive Wirkung bei Teilnahme an internationalen
Nichtregierungsorganisationen (Kontrolle durch Interessengruppen)
Probleme:
• Ratifikation kann selbst durch Institutionen hervorgerufen sein, die
(Beispiel: Diktaturen versuchen, durch Ratifikation von ihrer
Nichteinhaltung der Menschenrechte abzulenken)
Lösung: gemeinsame Schätzung von Ratifikation und Wirksamkeit
• Wenn das Argument des "policy lock-in" gültig ist (siehe Abschnitt 9),
wird die Ratifikation erst nach einiger Zeit (nach einem
Regierungswechsel) zur effektiven Beschränkung
• Ungenauigkeiten in der Messung der relevanten Variablen (ungenaue
Indikatoren; Indikatoren stimmen nicht mit Vertragsinhalten überein)
10. Effektivität internationaler Regeln
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10.2 Schätzung mit Instrumentvariablen (1e) auf Basis von Länderdaten
Beispiel: Flanagan, Labor Standards and International Competitive Advantage,
Ms., 2003
Anwendungsfall: Ratifikation von ILO-Konventionen
• Kernarbeitsstandards
• alle Konventionen
Abhängige Variablen:
• Zahl der Ratifikationen in diesen beiden Gruppen von Standards
• Arbeitsbedingungen, approximiert durch Kinderarbeit im Alter 10-14
(Anteil in der Altersgruppe), bürgerliche Freiheiten (Freedom House;
1 = sehr hoch, 7 = sehr niedrig), Lebenserwartung (Jahre)
Schätzansatz
Querschnittsbetrachtung zu zwei Zeitpunkten (1980 und 1990)
Schätzung eines Zweigleichungssystems
Ri = α 0 + α1 yi + xi′ξ + ui1
yi = β0 + β1Ri + zi′ζ + ui 2
Zur Identifikation Ausschlussrestriktionen erforderlich
Erklärende Variablen
in x: TRADE ([Exporte+Importe]/BIP), Religion, Rechtstradition
in z: OPEN (Dummyvariable für offene Volkswirtschaften), GDP
10. Effektivität internationaler Regeln
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Ergebnisse von Flanagan (2003)
10. Effektivität internationaler Regeln
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Ergebnisse:
• Länder mit höheren Arbeitsstandards (wie von Flanagan gemessen)
ratifizieren mehr ILO-Konventionen (gilt für beide Arten von
Konventionen)
• Dagegen zeigt sich ein uneinheitlicher und zumeist insignifikanter Effekt
der Ratifikationen auf die Arbeitsstandards
Probleme:
• reine Querschnittsschätzung, daher wird länderspezifische Heterogenität
vernachlässigt
• grobe Erfassung der Vertragsinhalte (z.B. wirken nicht alle
Kernarbeitsstandards auf die Kinderarbeit)
• zur Identifikation des Modells werden völlig willkürliche
Ausschlussrestriktionen benutzt
10. Effektivität internationaler Regeln
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10.3 Schätzung mit dem Differenz-von-Differenzen-Verfahren auf Basis von
Individualdaten
Boockmann ZEW DP 2004
Anwendungsfall: ILO-Konvention 138 gegen Kinderarbeit
• ratifizierende Staaten verpflichten sich zur rechtlichen Durchsetzung eines
Mindestalters für die Beschäftigung, das nicht unter 15 Jahren liegt. In
Entwicklungsländern kann das Mindestalter bei 14 Jahren liegen.
• Andere Bestimmungen für risikoreiche Arbeiten und für leichte und
Teilzeit-Tätigkeiten
Abhängige Variable:
• Teilnahme an der Schulbildung im Alter von 13 oder 14 Jahren
Schätzansatz:
• Schätzung auf der Basis von Individualdaten aus 17 Ländern des
südlichen Afrika (n = 2000-8000 Kinder pro Land)
• Differenz-von-Differenzen
Erste Differenz: von Konvention 138 geschützte Kinder (13 Jahre) und
ungeschützte Kinder (14 Jahre)
Zweite Differenz: Ratifikation oder Nichtratifikation durch das jeweilige
Land
School
attendance
DD effect
Age
protected by
Convention
not
protected
10. Effektivität internationaler Regeln
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Unabhängige Variablen
• Geschlecht; Vermögen des Haushalts; Zahl der Kinder im Haushalt;
Ausbildung des Haushaltsvorstands; Stadt/Land; etc.
Ergebnisse von Boockmann (2004)
Table 3: Differences in Differences: 17 African countries
Treatment: Aged 13
(obs.)
Control 1: Aged 14
(obs.)
Ratifiers
Non-Ratifiers
Difference
0.569
(6484)
0.562
(5086)
0.605
(10799)
0.597
(9858)
-0.035
DD, no covariates
(p-value, linear)
[p-value, probit]
DD, with covariates
(p-value, linear)
[p-value, probit]
Treatment: Aged 13
(obs.)
Control 2: Aged
14/15 (obs.)
-0.036
0.000
(0.989)
[0.997]
0.011
(0.490)
[0.703]
0.579
(6484)
0.486
(4730)
0.604
(10799)
0.505
(9047)
-0.025
-0.019
-0.006
(0.674)
[0.645]
-0.021
(0.177)
[0.168]
DD, no covariates
(p-value, linear)
[p-value, probit]
DD, with covariates
(p-value, linear)
[p-value, probit]
Weighted data using survey weighting factors and ensuring equal weights across
countries. P-values are based on robust standard errors from OLS or probit.
10. Effektivität internationaler Regeln
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Andere Ergebnisse: Veränderung über die Zeit
Steigt die Schulbeteiligung nach Ratifikation bei den von C138 geschützten
Kindern im Vergleich zu den ungeschätzten Kindern?
Zusammenfassung
• Ratifikation von Konvention Nr. 138 hat keinen Einfluss auf die
Schulbeteiligung
• Interpretation nicht ganz klar: allgemeine Wirkungslosigkeit von
gesetzlichen Standards gegen Kinderarbeit oder Wirkungslosigkeit von
internationalen Verträgen?
Probleme
• Endogenität der Ratifikation (wenn Länder ratifizieren, um von ihrer
hohen Kinderarbeit abzulenken, wird der Effekt der Ratifikation
unterschätzt)
• Indikator entspricht nicht direkt den in der Konvention vorgegebenen
Zielgrößen
• Relativ geringe Zahl der Länder (Sensitivität?)
10. Effektivität internationaler Regeln
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