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Die Welt, wie sie uns gefällt - Joachim Cäsar-Preller

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Wiesbaden
Montag, 19. Januar 2009
Seite
r
WTloka05
16
Die Welt, wie sie uns gefällt
Närrischer Nachwuchs überzeugt mit 19 Nummern bei „Kids in der Bütt“
WIESBADEN. Weit über 150
Kinder im Alter von vier bis 16
Jahren sorgen am Sonntag bei
„Kids in der Bütt“ für zweieinhalb Stunden Kurzweil.
Von
Ingrid Nicolai
Wildkatzen und Küken, Eisbären und Schildkröten … in
der voll besetzten Christian-Bücher-Halle geht es tierisch ab.
Der närrische Nachwuchs demonstriert, dass man sich auch
im Jubiläumsjahr der Dacho um
die Wiesbadener Fastnacht keine Sorgen zu machen braucht.
Eigentlich müsste „Kids in der
Bütt“ ja „Kids auf der Bühne“
heißen, denn einen Büttenvortrag wagen die wenigsten, dafür
brillieren sie mit tänzerischer
Vielfalt. Hochachtung gebührt
jenen, die sich solo auf die Bühne wagen wie etwa Vivian Ly
vom Karneval-Club Rheingauviertel oder Rebecca Lindner,
die ein rhythmussicheres Tanzmariechen gibt.
Im Gardetanz zeigen Jenny
Solarz und Michelle Zobus von
den Lustigen Löfflern ihr Können. In der gleichen Disziplin
wagen sich auch Maria
Longobardi, die eingangs ihren
Vortrag über junge Aktive hielt,
und Florian Bauer von den
Wiesbadener Funken auf die
Bühne. Sie ernten reichlich Beifall, was vielleicht noch mehr
Jungs Mut macht, den fast ausschließlich weiblichen Nachwuchs der Dacho zu unterstützen. Dass die närrische Frauenpower schon mit vier Jahren als
Girl-Power daherkommt, zeigen die Minis und Stoppels von
der Närrischen Garde mit ihrem Propeller-Tanz. Schon
richtig erwachsen wirken dagegen die 14 Mädels vom CV
Bierstadt mit ihrem HighSchool-Musical.
Bunt und modern präsentieren sich „The Little Dancers“
vom WCV und die flottesten
Schildkröten aller Zeiten sind
die „Turtles“ vom SKV Narrhalla, die bei ihrem Gardetanz
durch Temperament und Akrobatik glänzen. Keinen klassischen Gardetanz, sondern temporeichen Jazztanz bieten die
Mini Barracudas vom Carneval- und Brauchtumsverein
Nordenstadt, die reichlich Applaus bekommen, und denen
man den Spaß am Tanz so richtig ansieht.
Wer auf Rock steht, der hat
seine Freude an den Jungs und
Mädchen von der Fidelen Elf,
die gefährlich geschminkt und
in Lederkluft die Bühne in einen „Highway to hell“ verwandeln, bevor die Eisbärchen von
der Spielvereinigung Amöneburg zu Pipi Langstrumpf tanzen, und es einem so richtig
warm ums Herz wird. Pipi
Langstrumpf ist auch Thema
der Küken vom TCV Die Gockel. „Ich mach’ mir die Welt,
wie sie mir gefällt.“ In der fünften Jahreszeit dürfen das auch
Erwachsene.
Für weitere kunterbunte
Farbtupfer an diesem närrischen Nachmittag sorgen die
Smarties von den Marktplatzbuben mit ihrem Piraten-Showtanz, die Tanzpärchen vom CV
Narrenlust Waldstraße, die
Wild Cats von den CarnevalFreunden Bierstadt sowie die
Little und Crazy Dolls von den
Fidelen Narren mit ihrer Polka.
Rundum gelungen ist die Premiere der zwölfjährigen Janina
Zell (KCR) als Sitzungspräsidentin, die souverän und natürlich fast durch das komplette
Programm führt, sowie fehlerfrei und pointiert ihren Vortrag
„Wenn ich Prinzessin wär’“
hält.
Glücklicherweise
ist
Janina keine Prinzessin, sondern ein kleiner Bühnen-Profi,
der die Wiesbadener Fastnacht
hoffentlich noch lange bereichern wird.
Das Kinderprinzenpaar Julius
I. und Sara I. haben als Gäste
die „Volcanos“ aus Hochheim
mitgebracht, die in der „Unendlichen Geschichte“ den Kampf
gegen das Nichts aufnehmen –
das an diesem Nachmittag
wirklich keine Chance hat.
Lediglich der Sieger des Kostümwettbewerbs weiß nichts
mit seinem Preis anzufangen:
Das Baby im Clowns-Strampler
gewinnt eine Carrera-Bahn.
Aber es ist ja Fastnacht…
Jenny Solarz und Michelle Zobus von den Lustigen Löfflern der ESWE brillieren bei der Dacho-Kindersitzung mit ihrer Tanzeinlage.
Foto: RMB/Heiko Kubenka
Kolping-Familie glänzt
Die Närrische Gala im Roncalli-Haus lässt wieder keine Wünsche offen
Von
Ingeborg Toth
Dacho-Fastnachtszopf kommt wieder bestens an
Um für den Fastnachtszug zu sammeln, hatte die Dacho wieder
einen Fastnachtszopf feilgeboten. Auch Gerlinde Müller (links)
kaufte sich ein Stück. Darüber freuten sich (von links) Fastnachtsprinz Joachim I., Karstadt-Filialgeschäftsführer Eckhard Schroe-
der, Fastnachtsprinzessin Birgit I., Oberbürgermeister Helmut
Müller, Bäcker Hans-Hermann Schröer (hinten), das Kinderprinzenpaar Julius I. und Sara I., sowie die Dacho-„Zopfanscheiderinnen“ Karin Mühling und Ursula Jantz. Foto: RMB/Heiko Kubenka
Franzosen-Kellner Pierre begeistert
Nordenstadter Fremdensitzung überzeugt Auditorium / „Barracudas“ machen die Eltern stolz
Von
Rajko Dikmann
NORDENSTADT. „Impotent ist, wer will und nicht
kann. Frigide, wer kann und
nicht will“, kommentierte Sitzungspräsident Guntram Eisenmann den Auftritt des Duos
„Amor und Eros“ auf der Fremdensitzung des Carneval- und
Brauchtumsvereins Nordenstadt (CBVN), um anzufügen:
„Und senil ist, wer will, aber
nicht weiß was.“ Johlend
stimmten hunderte Narrenkehlen dem Sitzungspräsidenten in der Nordenstadter Taunushalle zu, um gemeinsam in
die Nacht zu schunkeln.
Dabei verriet das Märchenprinzenpaar in der Begrüßungsrede, dass die vierstündige Sitzung eigentlich von einer
Märchenerzählerin gehalten
werden sollte. „Da Frau Ypsilanti aber keine Zeit hat, machen wir was anderes“, spielte
der Prinz auf die Wahlversprechen der ehemaligen hessischen SPD-Spitzenkandidatin
an und gab die Politikerin zum
karnevalistischen
Abschuss
frei. Büttenredner Eisi schlug
in breitem Hessisch vor: „Ypsilanti kann jetzt ein Leben lang
hinner de Bersche als Ebbelwoikönigin herrsche.“
Rick Mayfield als der singende Kellner Pierre aus Paris war
zum ersten Mal in Nordenstadt
und bediente das Publikum mit
Partyhits wie „Hey Baby“ oder
„Oh Happy Day“. Und während Pierres Version von Del
Shannons „Run Away“ die hinteren Reihen noch ein wenig
im Regen stehen ließ, brachte
der Umschwung auf deutsche
Schlagerhits den gesamten
Saal zu Klatschhöchstleistungen, die im dreifach donnernden Helau für den französischen Gast gipfelten.
Zur Darbietung des Travestiekünstlers Thomas Rau, alias
Olga Orange, schunkelten die
Reihen von Beginn an mit. Ob
die Stimmung Olgas Auftritt
oder seiner Drohung, wer nicht
Die „Little Barracudas“ sorgten mit ihrer Tanzdarbietung für große Begeisterung bei der CBVN-Fremdensitzung in der Taunushalle.
Foto: wita/Paul Müller
©.
schunkelt, müsse mit ihm ins
Bett, geschuldet war, blieb ungeklärt. Frenetischer Jubel und
stehend dargebrachte Ovationen trösteten ihn über die
Nacht alleine hinweg.
Weitere Abwechslung fand
das Programm in den Auftritten des Tanzsportclubs Nordenstadt. So zeigten die Mädchen der „Mini Barracudas“
und der „Little Barracudas“ ihre tänzerischen Qualitäten und
ließen stolze Elternherzen höher schlagen, während ein
Tanzpaar aus Königswinter im
Gardetanz-Solo für staunende
Gesichter sorgte.
Zum Abschluss feierte die
Halle begeistert den Auftritt
der „Räubers“, Wiesbadens
erster und einziger Guggemusik. Getreu ihrem Motto „nicht
gut, aber laut“ sorgten sie für
ein würdiges Ende der Sitzung.
Womöglich fuhren die Narren
mit dem Gedanken an den Auftritt der drei Tenöre aus Mainz
mit ihrem Chianti-Lied nach
Hause, in dem es heißt: „Ja, der
Chianti-Wein, der lädt uns alle
ein. Drum lasst uns glücklich
sein und uns des Lebens freuen.“
Und gemäß der Aussage des
Sitzungspräsidenten dürften
alle Karnevalisten sicher zu
Hause angekommen sein.
Schließlich riet er zu Beginn
der Veranstaltung, im Zweifel
das Auto stehen zu lassen und
ein Wiesbadener Taxi zu nehmen: „Zwar fahren nur noch
zwei Deutsche Taxi und kennen den Weg, aber der Rest
fährt mit Navi.“
Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG 2003-2006 / Erstellt von VRM am 21.01.2009
WIESBADEN. Die Tradition
macht‘s: In 150 Jahren Wiesbadener Fassenacht war die Kolping-Familie 124 Mal dabei.
Das sind, wie der katholische
Dekan Johannes zu Eltz ausrechnete: „Elf mal elf, plus eins,
zwei, drei.“
Großer Auftrieb bei den Narren in Wiesbadens Mitte, die
den schönen Saal des RoncalliHauses am Samstagabend karnevalistisch noch weiter herausputzten. Nicht zuletzt mit
Prominenz wie Stadtverordnetenvorsteherin
Angelika
Thiels. Die „Erste Bürgerin“
der Stadt bekam als Schirmfrau das passende Utensil, weil
sie die Schirmherrschaft über
die Kampagne übernommen
hat. Es sei ihr eine besondere
Ehre, sagte die Rheinländerin.
Sie befand, die Kolpingfamilie
sei ihrer Zeit voraus: „Eine
evangelische Schirmfrau, die
auch noch Pfarrerstochter ist“
– das sei gelebte Ökumene. Die
schönste aller Narrenkappen
hatte Oberbürgermeister Helmut Müller auf. Er ist, wie sich
herausstellte, auch noch Kolpingbruder.
Auch Stefan Fink, Erster unter Gleichen auf dem Narrenthron der Kolpingfamilie, ist
stets für närrische Schmankerl
gut. Als Karnevalist eilt ihm der
Ruf voraus, alljährlich auf unvergleichliche Art in die Rollen
populärer Gestalten zu schlüpfen. War er im vergangenen
Jahr ein eleganter Johannes
Heesters, so hat er sich diesmal
in Heino (auf fiktiver Abschiedstournee) verwandelt:
Jeder kennt ihn, keiner bekennt sich so recht zu ihm.
„Aber wenn seine Lieder erklingen, singt jeder mit.“ Mit
dem Hit „Karamba, Karacho,
ein Whisky… “ sorgte er gleich
zu Beginn der Büttenrede für
Stimmung. Diesen Heino muss
man lieben.
Bunt ging es bei den Narren
zu, die als Kolpingfamilie 1875
gegründet wurden und 1885
als Geburtsjahr der KolpingFastnacht nennen. Mitten in
der Zeit der karnevalistischen
Hochblüte in Wiesbaden wurde sie zusammen mit einem
Dutzend weiterer närrischer
Gesellschaften gegründet –
von denen die meisten nicht
überlebten. Die Besonderheit
der Kolping-Fassenacht heute:
Sie bietet allen Lokalpatrioten
ein Super-Programm, das ohne
Importe aus Mainz auskommt.
Wenn „Singende Kellermeister
aus Mainz-Kastel“ auf famose
Art unterhalten, könnte man
einfach auch den Namen der
Nachbarstadt wegstreichen.
Die ein oder andere Figur aus
der Meenzer Fassenacht wird
übernommen. Kolpingbruder
Alexander van‘t Padje macht
aus dem Protokoller eine ganz
eigene Figur. Er ist bei aller
Ernsthaftigkeit ein so komisches Talent, dass er nur den
Namen „Ypsilanti“ erwähnen
muss und der ganze Saal stöhnt
wie gequält auf.
Aus der Kolping-Familie
Winkel wurden erstmals Hermann Becker und Lothar Meckel importiert, die sich als
Engländer „unn en Franzos“
ein köstliches Zwiegespräch
lieferten – nach bester Fassenachts-Art. Günter Raupach
war eine fabelhafte „Miss Hessen 2008“. Mit Helmut Fritz
betrat ein Energieberater die
Bütt, der sich selbst auf den
Arm nehmen kann.
Süß die kleinen Pandas des
Turnvereins Waldstraße, von
Sarah Weinerth trainiert. Oder
die Eisbärchen der Spielvereinigung Amöneburg, die Katja
Mühling unter ihren Fittichen
hat. Auch das Showballett der
Fidelen Elf, für das Daniela
Hengstermann die Choreografie schreibt, lassen hoffen, dass
es mit dem Narrentreiben in
der Stadt auch noch 150 Jahre
weitergeht. Passend zum diesjährigen Motto der KolpingFamilie: „Der Wiesbadener
Fassenacht stets hold – Kolpings Wagen rollt und rollt...“
Als singender Weinbergsarbeiter mit Witz trat Schorsch Eger auf. Er fragte nach dem Unterschied
zwischen Mainz 05 und einem Azubi: „Der Lehrling kann Meister werden.“
Foto: wita/Paul Müller
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