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Einführung, Bulthaupt: Wie ein Dicker Buddha thront - Absolut Brot

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Einführung, Bulthaupt: Wie ein Dicker Buddha thront er auf seiner Matratze. Dieter Weller
wiegt stolze 200kg; unter seinem Gewicht zerbarsten Stühle und Bett – auch seine Gelenke
tragen die körperliche Last nicht mehr. Doch abspecken gelingt dem Schwergewicht
einfach nicht; am normalen Leben kann er so kaum noch teilnehmen. Geblieben ist ihm
ein einziger treuer Gefährte – sein Hund: Kö(!)ssie.
Bulthaupt: Herr Weller, wie oft gehen sie denn mit der Kessie Gassi, am Tach?
Dieter: Also, im Durchschnitt immer drei mol am Dach, früh, mittachs und dann abnd
noch-e-mol. Circa immer ne halbe Stunde.
Bulthaupt (aus dem Fenster lehnend): Also, sie geht, Sie fahren?
Dieter: Ha, ich fahr; denn anners gets ja net.
Bulthaupt: Laufen geht gar nicht?
Dieter: Ne, also 's is ... sehr schwer. In der Wohnung auf de Doilette und so des mach ich
scho weng, aber die Schmerzen! Ich ka net länger wie e Minut, Stehen get net, weil der...
die vierten und fünften Lendenwirbel so stark abgenutzt, dass des durch die Last des von
vorne noch runterzieht. Scho starke Schmerzen.
Bulthaupt: Das kommt alles durch das Gewicht, durch die 200...
Dieter (unterbrechend): Ha! Im Großen und Ganzen. Und dann nämlich, ich hab früher
Gewichthebn gemacht und do war a scho Überbelastungen, war ja ziemlich viel beim
Training. Dann ho ich ofn Bau gearbeit – ich ho Maurer gelernt (eingeworfenes,
verständnisvolles „Hm“ von Bulthaupt). Ne, dann ham de Leitern nimmer gehalten, dann
hab ich ene Kelle gegen de andere getauscht, da ho ich dann Beikoch gelernt; des war
natürlich a wieder es Richtsche, ne? Appetit is immer dagewehn, aber es is ebn - huh – wie
gesacht es liescht a e bissl mit in der Familie...
Bulthaupt (den Redeschwall von Dieter unterbindend):
Wie sieht denn so ne A... so ne Mahlzeit heute bei Ihnen aus?
Dieter: Na, heute isses wenscher wie früher, huh, heute isses wenn ich frühstück - zum
Beispiel - ma e halbe Semmel mit entweder mit e bissl Käs oder weng Wurscht dazu.
Bulthaupt (überrascht): Das wars?
Dieter (legère): Ha! Zum Frühstück. Und mittachs da mach ich mer mol e Soljanka, ne
Suppe oder ich mach mer en Eintopf, ne.
Bulthaupt: Da gibt's dann nen Teller oder gibt's gleich den ganzen Topf?
Dieter: Ne, des is dann, des reicht dann für drei, vier Dach, wenn ich koch. Des is wirklich
so!
Bulthaupt: E-e- e kann man sich gar nicht vorstellen! Wenn man Sie so sieht.
Dieter: Ne, kammer sich wirklich net vorstellen, aber früher wars ebn so, ich ho dann, äh,
bis achtzen ho ich trainiert und dann ho ich geheirat. Und dann ho ich aufgehärt. Und hab
aber vergessen, aufhärn mitn Essen.
Bulthaupt: Ach so...
Dieter: Des hats dann langsam a angesammelt, so, bi dann mit hunnertzwansch,
hunnertdreissch Kilo noch Rad gefahren – durch de ehemalsche DDR – mitn Hund – da
hat ichn annern Hund.
Bulthaupt: Aber-aber damals ham Se auch noch mehr gegessen, oder?
Dieter: Na klar!
Bulthaupt: Und wie sah denn da ne typische Mahlzeit aus? (man muss hier einfügen, dass
Dieter noch mehrmals mit „Na klar“ bestätigt, während Bulthaupt seine Frage stellt)
Dieter: Ah, naja, also ich a zum Frühstück zwe Bemmen, normal Wurscht dazu, nochmal ne
Bockwurscht, zwehe. Und dann hammer a immer so Blödsinn gemacht, wies so is, so
Wetten: Fümundreissch Bockwürscht off-e-mol. Des war a schomal drinne.
Bulthaupt (non chalante): Ging schon...
Dieter: Ja, ja, also Schnitzel ess ich a gerne, ma, ich ho se meistens dann so...
Bulthaupt (ins Wort fallend): Wieviel?
Dieter: Naja, dreie, viere, so a Steak...
Bulthaupt: Und is man dann satt oder war das de Vorspeise?
Dieter: Ne, is mer, is mer satt, dann, da is mer scho satt. Naja, und dann kimmts ja noch
dazu, wenn ich Dachs über gearbeit ho, hab ich ja net allzu viel gegessen, dachsüber, aber
wemmer abnds zur Ruhe gekomme is, ne?
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Und wemmer da son guten Appetit hat wie isch, na dann is des da net so, huh! Huh!
Aber was solls! Jetz isses so, dass ich wirklich wenisch ess.
Bulthaupt: Ja. Wie hat die Frau damals reagiert, als Sie weniger gearbeitet, sie mehr gekocht
und Sie mehr gegessen haben? (mit einigen Dieter-Einwürfen „Naja des“, „des is“ und
„Naja, da, wo ich verheirat war“)
Dieter: Naja do, die ho ich ja drei Jahr dorhamm gelassen, wegn denn Kinnern, ho ich ja
zwe Kinner, seit einm Jahr (tiefes Luftholen) und, wo ich se damals beim Fremdgeh
erwischt ho, ho ich gefracht: „Warum?“ Ne, und da hatse ebn gesacht: „Du bist mer zu dick
im Bett!“ Ne, nisch war, stell der mol vor du gesst früh zur Tü... naus zur Tür früh, dir
fahrn se de Ba weg, ich komm ins Krankenhaus, sach ich: „Nee, ich ho dich mit zwe Ba
geheirat!“ Da was mer net, wo die Liebe hifällt. Aber da muss mer sich halt dann trenne,
wenns a schwer fällt...
Bulthaupt: Aber die Alternative war für Sie nicht, dass Sie gesacht ham: „Nö, da werd ich
vielleicht mal e bissl dünner?“
Dieter: Neja schon, aber des is immer so e Effekt, des get immer rauf und runter. Ich hab –
zum Beispiel – es letzte mol, wo ich zur Kur war in Saalfeld, da ho ich in drei Wochen zwölf
Kilo abgenomme. Spitze!! Laufen konnt ich nich, aber schwimmen! Des is ja nu so: Der
Wal fühlt sich immer im Wasser wohl. Naja, da bi ich früh ne annerthalbe Stunde und
abnd noch ne annerthalbe Stunde – war einwandfrei – die Gelenke sei entlastet... lief! Nu,
und jetz siehts so aus, des ich dadurch des ich mei Auto kaputt is, was ich – ich ho en alten
Bus, der is zwanzisch Jahr alt – ka ich nirgendswo hi. Des Ding hier, was ich ho, des is von
der AOK – drei Kilometer hi, drei Kilometer zurück und dann kannstes wieder nahänge –
dann dauerts drei Stunden bis des wieder voll is.
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Ne?
Bulthaupt: Das heißt, Sie sagen auch, Sie können sich das garnicht leisten? Sie können sichs
nicht leisten mit allem, was Sie so...
Dieter: Ne, von dem Geld, was ich jetz ho net. Ich krie ja a – zum Beispiel – ka Rente.
Bulthaupt: Warum nich?
Dieter: Weil ich hab, äh, ich war selbstständig, ne, und da ho ich vier Monate net, äh, dieses
SV, also was mer früher hatten, den Beitrach bezahlt für Krankenkasse und alles.
Und, ich wollts nachzahlen und da ham se net mietgemacht.
Bulthaupt: Hm hm.
Dieter: Und dadurch, des is e rententeschnisches Problem, sagn se, nu, krie ich jetz
Grundsicherung.
Bulthaupt: Wie hoch is des?
Dieter: Des sei, äh, sechshunnertdreiunneunzig Euro und davon muss ich alles bestreiten:
Miete, Strom, is alles miet drinne.
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Nu, des is halt net ganz so einfach.
Bulthaupt: Wie leben Sie davon, wie können Se einkaufen?
Dieter: Nu, ich geh in de Dafel („die Tafel“). Da isses immer günstisch und da gets scho.
Bulthaupt: Was kriegen Sie da in der Tafel? Is ne Organisation, die sich um Bedürftige
kümmert...
Dieter: Ha, des is die, die kostet zwe Euro und dann gibs dann immer Gemüsezeich und die
moch isch scho, weil ich ja noch Diabedes dazu gekrischt hab...kann maln Schluck trinken,
des is weng...
Bulthaupt (teilnahmslos): Jaja...
(Dieter trinkt)
Bulthaupt: Nachdem Ihre erste Frau dann irgendwann mal gesagt hat: „Also, mein Lieber,
du wirst mir jetzt doch e bissl zu kräftig, ich gehe jetzt mal!“ Äh, warn Sie erstmal ne Zeit
lang alleine?
Dieter: Ha! Und da ha ich ane kennen gelernt, die hat...
Bulthaupt (unterbrechend): Ab-ab aber was dazwischen, is da noch mehr geworden? Sind Sie
da noch mehr geworden („Na, ich hab“-Einwurf von Dieter) oder sind Sie vor Kummer
weniger geworden?
Dieter: Ne, eigentlich net.
Bulthaupt: Ne?
Dieter: Ich hab so oder so gegessen, ob ich Kummer hatt oder ob mirs gut ging – es hat halt
geschmeckt. De Oma hat immer gesacht: „Essen und Trinken erhält Leib und Seele!“ Der
Leib war net schlecht und de Seele is a noch recht gut.
Bulthaupt (grenzdebiles Lachen)
(Applaus im Hintergrund vom ebenso debilen/senilen Publikum)
Bulthaupt: Sie ham dann jemand kennen gelernt?
Dieter: Ha, nuja...
Bulthaupt: Da warn Sie ja schon ein stattlicher Kerl!
Dieter: Ja, da war ich schon, da hatt ich schon so um die zwehunnert Kilo. Und da, die hatte
vier Kinner – und isch bi sehr kinnerfreundlisch, ne – und dann is die mit nach Plaue
gezogn. Und des hat aber a net so gepasst. Die hat gerne weng härtere Sachen getrunken,
und des war net mei Fall.
Bulthaupt: Ach so.
Dieter: Ne, und da ho ich dann a, da war ich dann nochmal in Österreich zur Kur hier bei
der Frau Kunz – hieß die - die war mal, äh, äh (Dieter fügt hier die entsprechende,
international gültige Geste bei), wie sacht mer so... Langstreckenläuferin, die hat,
Olympiasieger war die mal. Aber is scho a Jahre her. War sehr nett. Ho ich a e paar Kilo
abgenommen, aber die warn dann wieder drauf.
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Dann bi ich ins Krankenhaus noch gewesen, hier, in Plauen, da hat der Professor
Fleischer – wohlmerklich fürn Chirurgen der rischtsche Name.
Bulthaupt: Fleischer, guter Name.
Dieter: Fleischer, is net schlecht, aber er hats schö gemacht. Da hatter dann hier so quer
rüber alles aufgeschnitten und acht Kilo hamse weggeschnitten, die so die Fettschürze.
Naja...
Bulthaupt: Und nun sind die acht Kilo wieder da, oder?
Dieter: Ich hott dann schon e bissl... ich hatt vorher schonmal runterge... ich war mal auf
hunnerachtundvierzisch Kilo, nachdem se mir des so, die acht Kilo runtergeschnitten
hatten; des hat sich alles wieder agesammelt.
Bulthaupt: Aber, wenn ich das jetzt so höre sagen Sie, machen Sie eigentlich den ganzen Tag
nix anderes als drei mal...
Dieter: Najaaa....
Bulthaupt: ...mit der Kessie Spazieren fahren?
Dieter: Ha! Ne, ich mach a Komputter (Computer) und dann Musik, ne?
Bulthaupt: Aber wie sieht Ihr Alltag so aus, ich mein, so furchtbar viel bewegen können Sie
sich daheim auch nicht.
Dieter: Ne, ne, ja des mitter Bewegung is garnischt. Es is ja a - zum Beispiel – mitm Baden,
des is genau desselbe, die Wanne... nassen Schwamm nei und ich setz mich drauf - is die
Wanne voll.
Bulthaupt: Ja.
Dieter: Ne?
(Gelächter im Hintergrund)
Dieter: Aber ich pass ja scho garnet mehr nei und da neisteign is a nix, da musst dich immer
drüberbeugn und duschn und so.
Bulthaupt: Wie gethn des, wenn man da, wenn ma da mal auf die Toilette muss? Ich mein,
hält det Ding? (im Tonfall eines ausgewachsenen Ausfallspinsels)
Dieter: Des, des, des hält scho, bloß die Deckel net.
Bulthaupt (kurzes, aufhellendes Gegluckse): Also, die Deckel immer hochmachen?
Dieter: Ne, die Brille, die Brille man ich direkt, des is schon, das is schon öfters kaputt
gegangen. Ne?
Bulthaupt: Und sonst ham Sie ganz normales Mobiliar, also ein Bett...
Dieter: Ha! Ne, des Bett hab ich jetz gekrischt von der, von der Sozialhilfe.
Die AOK hats net, ich hatte, äh, e Schwerlastbett beantracht gehabt.
Bulthaupt: Schwerlastbett, das gibt's?
Dieter: Schwer-last-bett, ha, des is so e Krankenhausbett sozusagn. Und des hamse
abgelehnt, weil ich noch, äh, wie sach ich, spontan mobil bi! Mit dem Ding.
Bulthaupt: Mit dem Ding...
Dieter: Ha! Wenn ich jetzt n ganzen Dach im Bett liegn dät, hätt ich so e Ding gekrischt.
Bulthaupt: Hm.
Dieter: So, dann wollt ich ne Waage ham, damit ich abnemme ka, ich brauch aber ane, die
über zwehunnert get und die gibs im Handel net, ne. Hamse abgelehnt, weil ich ken
Dialyse-Patient bi, ich, wenn ich mich rischtisch erinner, sin die Dialyse-Patienten eigntlich
Patienten, die ziemlich schlank sin durch die Krankheit, ne? Also, was braung die dann e
Zwehunnert-Kilo-Waache, frach ich mich dann.
Bulthaupt: Wie reagieren Leute, wenn Sie rausgehen?
Dieter: Nu, des is unterschiedlich: Manche gucken... was isch ja net leiden ka, is des, wenn
mir aner neis Gesicht guckt und isch sach: „Guddn Dach!“, und der guckt weg und grüßt
net, des ärgert mich, ne? Ich mein, wenn mich jemand aguckt, dann sach ich: „Ok, sei
'grüßt!“, ne? Wenner mich net grüßen will, dann soller mich doch a gar net agucken!
Bulthaupt: Wärn Sie lieber dünn?
Dieter: Hä?
Bulthaupt: Wärn Sie lieber dünn?
Dieter: Nö, also dünn net, aber hunnert Kilo wenscher wärn scho net schlecht.
(Gelächter auf beiden Seiten)
Dieter: Nu, ich mein, des däte de Gelenke scho weng entlasten, aber des...
Bulthaupt: Haben Sie da die Hoffnung aufgegeben, das zu schaffen?
Dieter: De-äh, des is ne finanzielle Sache! Ich sach ja, des dreht sich um e Fahrzeuch, dass
ich jeden Dach fahrn ka. Aber, des Fahrzeuch kostet, dann kostet der Benzin und des Ding,
was ich jetz ho, des dät auf hunnert Kilometer, ne, in der Stadt vierunzwanzisch Liter
schlucken.
Bulthaupt: Hmh.
Dieter: Nu, des is fei weng viel! Ne?
Bulthaupt: Seit wann sind Sie nich mehr berufstätig?
Dieter: Seit siebnunneunzisch, wo ich selbstständisch, da bi ich eigeschlafen und na ne
Baam gefahrn.
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Aber, da sah der Bio-Airbag gut aus, als... des war alles rischtisch, wie sacht mer?
Blau und lila und gelb, aber es hat ebn geholfen, 's is nix kaputt gange.
Bulthaupt: Nee, Sie-Sie machen da jetzt Witze drüber, aber ist Ihr-Ihr-Ihr-Ihr
Körpergewicht auchn Problem, dass Sie keine Arbeit haben? Ist das jetzt ein Grund dafür?
Dieter: Ja, des is klar, ich mein, wenn ich net mehr laafen und steh ka, dann ka ich a net
arbeiten. Ich mein, gut, ne sitzende Tätischkeit, die wär scho net schlecht, vielleicht e weng
Heimarbeit. Aber, Kugelschreiber zammstecken und sotn, des is für mei Gehirn e bissl – uhu! Ich waß net!
Bulthaupt: Hätt-hätten Sie Interesse an einer neuen Lebensgefährtin, an einer neuen Frau
in Ihrem Leben?
Dieter: Des hätt ich scho, aber des muss dann scho passen. Da ham se mich ja jetz, wo ich
vor – des war im Mai – ham se mal im Fernsehen gezeicht, ne, warn se bei mir, ham mich
intervüwt und da gins ebn dadrum, dass sich eventuell e Sponsor findet für des BadUmbaue, weil ja die AOK... Die sagn, ich solln Pflegeantrach stellen, wenn ich den
Pflegeantrach hab, dann kann ich Antrach für des Bad-Umbaue stellen und dann nemme
se den Pflege-de-de des Pflegeding wieder weg – is doch geistlos! Jedenfalls, ähm...
Bulthaupt: Hab ich jetz au ni begriffen! Aber gut....
Dieter: Ne? Net? Dann nomma!
Bulthaupt (entsetzt): Ne, ne, ne! Bloß nich! (Debiles Lachen)
Dieter: 'S is ganz einfach! Ne, aber fürn normalen Menschen isses wirklich unter aller Not is
des, kammer garnet versteh.
Bulthaupt: De Frau!
Dieter: De Frau...
Bulthaupt: Wie müsstn die sein?
Dieter: Ha, also... sagn mer so meine Größe.
Bulthaupt: Ich weiß jetzt nicht Ihre Größe, Sie sitzen...
Dieter: Nu, sagn mer mal ens-zweunsechzsch, ens-fümunsechzsch, ja gut, die gehe dann
meistens noch in sotte Stöckelschuhe, dann biste widder...
Aber des is net des Wichtigste; es Wichtigste is, dasse net so dick is wie isch.
Bulthaupt: Das mögen Se nich?
Dieter: Ne, des is wie mitte Königskinder: Sie konnten zusammen nich finden.
Bulthaupt: Ja.
Dieter: Ne? Also, musse siebzisch Kilo ham, net soviel reden, aber a geistisch weng rege, ne?
Bulthaupt: Ja.
Dieter: Ich sach e mal: Hinner nem starken Mann steht ne starke Frau.
Bulthaupt: Würden Sie gerne mit sich ins Bett gehen?
Dieter: Nee, auf gar kanen Fall, weil ich net homosexuell bi.
(Dieter feiert seinen intellektuellen Triumph mit der entsprechenden Fingerzeig-Pose;
Dieter:1 – Bulthaupt:20)
Bulthaupt (lachend): Ach so, woar... also von der Leibeshülle...
Dieter: Nee, ich würde, würd ich a net, ich muss a ehrlich sagn, ich hatt mal früher en
Spiegel im Dings, der war von obn bis unten und immer, wenn ich dann da nackt vorbei
gegangen bin, hab ich gesacht: „Ey, wer bistn du?“ Es is schrecklich, wemmer des sieht, es
is unästhetisch und ich ka ner jeden sagn, der dick is und zu mir sacht, er fühlt sich wohl,
also, überdemensional dick – ich mein, wenn nu, manche Fraen sagn, ich hab hier was,
und dann sins bloß so paar sotte kleene Schwellen... - aber wemmer rischtisch drauf hat
und, und mer sacht, mer fühlt sich ... wohl, dann isses meiner Ansicht nach gelogn!
Bulthaupt: Hm.
Dieter: Bi ich beim Sitzen ka ich Bäume ausreißen, aber wenn ich aufsteh, dann denk ich, da
bi ich hunnertzwanzisch... Kammer nix machen!
Bulthaupt: Kessie is so...
Dieter (zu Kessie bückend): De Kessie is mei bestes Stück, ne?
Bulthaupt: ...gute, treue Freundin.
Dieter: Ja, des is...
Bulthaupt: Sie machen alles zusammen.
Dieter: Wenn die net wär, wär ich scho längst, äh, da dät ich mich eigentlich... ich komm ja
sonst net naus!
Bulthaupt: Des Schöne is – und da sind wir natürlich auch ganz neugierig drauf – sie hams
vor der Sendung gemacht, ich hoffe es klappt jetzt.
Dieter: Ha! Ich denke scho...
Bulthaupt: Wenn Sie musizieren, dann singt die Kessie mit.
Dieter: Äh, also...
Bulthaupt: Jetzt lescht Sie sich hin. Mal gucken, ob sie jetzt Lust hat.
Dieter: Kessie, schau mal was der Papa hat!
Bulthaupt: Hm, Leckerli gibt's, dann geht's vielleicht, he?
Dieter: Nu, Komm her! (Pfiff) Na, komm hoch! So, und jetzt sitz!
Bulthaupt: Ne ganz Schlanke is die Kessie auch nich, ne?
Dieter: Nee, des...
Bulthaupt: Nuja, gut.
Dieter: Wie der Herr, so's Gescherr!
(Dieter greift zur Mundi)
Dieter: Also, horch!
(Spielt einige Töne)
Dieter: Hallo?
(Nun beginnt das gepeinigte Jaulen der Kessie, zur Mundi-Musi von Dieter, beendet wird
das ganze mit der typischen Metaller-Gestik des gespreizten Zeigefingers und des kleinen
Fingers)
(Applaus)
Bulthaupt: Das ist doch zirkusreif mit euch beiden!
Dieter: U-hu! Bitte?
Bulthaupt: Das ist zirkusreif, ich glaube damit solltet ihr unbedingt auftreten.
Dieter: Nu, hätt ich nischt dergegn.
Bulthaupt: Aber, ähm, wenn wir schon bei der Musik sind, also ne, nich nur, nich nur die
kleine Katzenmusik, sondern Hundemusik machen Sie auch richtig auf der Klampfe.
Dieter: Kemmer a mol!
Bulthaupt: Da können wir jetzt auch mal reinhören... Weil Singen geht auch im Sitzen.
Dieter: Ha! Auf alle Fälle. Woll mer mal sehen.
Bulthaupt: Aber vielleicht jetzt keins mit 25 Strophen?
Dieter: Ne, ich mach bloß ene Strophe!
Bulthaupt: Vorsicht, dass wir nicht ans Mikrofon kommen!
Dieter: Nu, des hammer hier unten, irgendwo...
Bulthaupt: Alles klar, clever.
Dieter: Hamse mich schon drauf hingewiesen, de Kollegn hier!
(Dieter fängt an zu singen: Donovan - „Catch the Wind“)
Dieter: In the chilly hours and minutes,
Of uncertainty, I want to be,
In the warm hold of your loving mind.
To feel you all around me,
And to take your hand, along the sand,
Ah, but I may as well try and catch the wind.
(Applaus nach Beenden des Pfeif-Solos)
Bulthaupt: Aber da singt sie dann aber nicht mit!
Dieter: Wenn ich de Mundi dabei spiel, dann... da macht se dann a mit. Ich hatte, ich hatte,
äh, früher Collies gehabt...
Bulthaupt: Ja.
Dieter: ...und die Colly-Hündin, die hat in der Dur mitgebellt, also rischtisch wirklich mit,
von d-g-d und auf a-Dur, des war Klasse.
Bulthaupt: Des schafft die Kessie noch nich, ne?
Dieter: Nu, des schafft se och, aber mit der Mundi.
Bulthaupt: Ach so.
Dieter: Wenn ich jetz, wenn ich – zum Beispiel – Gitarre und Mundi mitn Ständer spiel,
dann macht se dann a in der Dur mit.
Bulthaupt: Also ich mein, also, eine künstlerische Karriere steht euch bevor.
Dieter: Ha, des wär net schlecht, wenn e paar Kröten reikomme... ES MUSS JA NET SO
VIEL SEI!
Bulthaupt: Das wünschen wer Ihnen, Sie sind ein netter Kerl und wenn Sie auch noch ein
bissl was verlieren, dann ham Sie auch was davon.
Dieter: Ha!
Bulthaupt: Das wünschen wir Ihnen auch! Danke, dass Sie „Unter Uns“ sind!
(verabschiedender Applaus)
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