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Kommen und Gehen Wie die Zeit vergeht - Schillerpromenade

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PROMENADENMiSCHUNG
Ausgabe #07
#05 Dez.
April/Mai
2012/Jan.
20132013
Die Schillerkiezzeitung
Kommen
Wie die Zeit
und
vergeht
Gehen
Brennpunkt Schillerkiez
— im Schillerkiez.
— Mittelpunkt Schillerkiez
Jung Hin
gewesen
und
LEBENDIGE VERGANGENHEIT
Hecho em Kiez:
Historisches und Anekdoten vom Wartheplatz
Ein Dokumentationsprojekt von Kindern
— Seite 2 & 4
im Schillerkiez und Belén, Kolumbien
— Seite 6
Auf ein Bier bei Engel
„Die 20 Jahre mach ich voll“
Woche des Besuchs:
— Seite 7
Zusammenkommen und Vielfalt feiern
— Seite 7
PROMENADENMiSCHUNG
#07 Ausgabe #05
Jung geblieben
Weg
Alt. ich???
Rache für Dortmunt:
Ab wann ist man Seniorin?
Naziaktivitäten im Schillerkiez
— Seiten 5
— Seite 2
Jugendzentrum für Ältere
„Das Niveau ist tief “:
Das Em-Der in der Allerstraße
Ein Interview über Vorurteile, Moschee-Besucher
— Seite 5
und Debatten über den Islam
— Seite 5
April/Mai
20132013
Dez.
2012/Jan.
Die Schillerkiezzeitung
Editorial & Schwerpunktthema: Wie die Zeit vergeht
Liebe Bewohnerinnen
und Bewohner
des Schillerkiezes,
diese Ausgabe beschäftigt sich mit dem Thema, wie die Zeit vergeht. Im Schillerkiez. Wie
es früher war, wie es heute ist. Manches war
besser, vieles ist auch heute gut. Wir wollten
wissen: Was hat sich verändert? Wie ist es, hier
als alter Mensch zu leben? Wo gehen alte Menschen hin? Denn sonderlich seniorengerecht
erscheint uns der Kiez nicht – die Wege sind
mit Rollator oder Rollstuhl schwer zu passieren, fast alle Häuser ohne Aufzug, spezielle
Angebote oder Treffpunkte selten. Ein paar haben wir dann doch noch gefunden.
Wie es früher an der Warthestraße zuging, welche Läden es gab, und wie man sich die Zeit
vertrieb, ist auf dieser Seite zu lesen. Auf Seite 3
werden, neben dem Infobrief des Quartiersmanagements, die neuen vom Quartiersrat
beschlossenen Projekte für den Kiez vorgestellt. Ein Anwohner, der sein ganzes Leben
im Schillerkiez verbrachte, teilt seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf Seite 4.
Ab wann man sich eigentlich als SeniorIn fühlen kann oder muss, ist auf Seite 5 nachzulesen,
neben einem Portrait des interkulturellen Seniorenzentrums Em-Der in der Allerstraße. Auf
Seite 6 gibt es wieder einige Aufrufe zum Mitmachen, eine Nachbarschafts-Theatergruppe
lädt zur Aufführung des Stücks „Geschlossene
Gesellschaft“ von Sartre ein und die Karl-Weise-Schule zum Tag der offenen Tür. Daneben
macht sich eine Anwohnerin und Quartiersrätin Gedanken über die Anonymität unseres
Lebens und wie es ist, unter diesen Gegebenheiten zu altern. Auf Seite 7 gibt es das Portrait
einer der typischen Eckkneipen, die insbesondere für ältere AnwohnerInnen ein wichtiger
Anlaufpunkt sind.
Und auf der letzten Seite gibt es, passend zum
lang ersehnten Sonnenschein, ein Frühlingsrezept. Jetzt, wo es endlich wärmer wird, lohnt
es sich auch, wieder rauszugehen – der Veranstaltungskalender gibt dafür Tipps.
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. —
Wir freuen uns über Infos, Anregungen
und Ideen an prom.red@gmail.com.
Gerne können Sie diese auf der offenen
Redaktionssitzung am 09.05.2013 um 18 Uhr
im Mahlower Klause in der Weisestraße 63
direkt mit uns diskutieren.
PROMENADENMiSCHUNG — Die Schillerkiezzeitung
Infobrief & Neue Projekte
Ausgabe #07 — April/Mai 2013
„Sieben Kneipen gab es hier“
Regio Star, QR-Sondersitzung und ein neuer Bürgerverein
Das Bier für 25 Pfennige, Pils für 30 Pfennige
Infobrief des QM im April
von Marieke Piepenburg — Im Warthe-Mahl, dem Nachbarschaftstreff und Nachbarschaftscafé der Warthestraße, hören wir Geschichten von damals und heute.
vom QM-Team — Bis 1000 Euro für viele weitere Projektideen zu vergeben.
D
A
er Winter hatte die Schillerpromenade dank der Nord-Atlantik
Oszillation zwar fest im Griff,
die Osterfeiertage waren dementsprechend kalt, aber wir
freuen uns ja schon über etwas mehr Sonne als
bisher. Und der Osterhase hatte diesmal auch
einige Eier im QM-Büro für die Mädels aus der
Schilleria versteckt, wir hoffen, sie haben gut
geschmeckt!
ch, das waren noch Zeiten. In der Warthestraße war
richtig was los. Jede der Erdgeschosswohnungen hatte einen Laden, mit der Straßenbahn konnte man bis
direkt an die Warthestraße fahren. Dort, wo nun Star
Döner seinen mit Luftballons geschmückten Stand
hat, war auch früher schon ein Imbiss, vorher ein Blumenladen.
Im Seifenladen Helmke oder der Bäckerei Kraus kaufte man ein,
Zahnarzt Dr. Kant zog so manchen Zahn, und beim Juwelierladen
drückte man sich die Nase am Schaufenster platt.
Im Warthe-Mahl, dem Nachbarschaftstreff und Nachbarschaftscafé
der Warthestraße, hören wir Geschichten von damals und heute. Wie
es den Menschen erging nach dem Krieg, wie sie das Leben wieder
genießen lernten, wo sie ihre Kohlen holten, Wäsche wuschen, Kuchen backten.
Das Projekt „Historische Warthestraße“, zu dem sich eine Handvoll
interessierter Nachbarn zusammengeschlossen hat, ist auf der Suche
nach Bildern und Geschichten, nach Vergangenem.
Das Wetter ist recht gut geraten.
Der Kirchturm träumt vom lieben Gott.
Die Stadt riecht ganz und gar nach Braten
und auch ein bisschen nach Kompott.
Am Sonntag darf man lange schlafen.
Die Gassen sind so gut wie leer.
Zwei alte Tanten, die sich trafen,
bestreiten rüstig den Verkehr.
Sie führen wieder mal die alten
Gespräche, denn das hält gesund.
Die Fenster gähnen sanft und halten
sich die Gardinen vor den Mund.
(Erich Kästner)
Ideen, Beschlüsse, offene Mittel
Das Warthe-Mahl: Nachbarschaftstreff in der Warthestraße
Kuriose Fakten über die Warthestraße, diesen Ort, den wir heute in
seiner Vielfalt zu kennen glaubten, kommen zu Tage. Doch wo war
der Kuhstall nun nochmal? Welcher Hauseingang war es, wo Herr
Palumski mit viel „palums“ die Milch mit einer Blechschüssel in die
Kannen schöpfte? Und wie viele Kneipen gab es wirklich? Von vier ist
die Rede, nein sieben! Dank des ansässigen SC Tasmania waren diese
auch immer gut gefüllt.
Ab und zu huscht ein dunkler Schatten über sein Gesicht. Eine Erinnerung an den Krieg kommt hoch, an die Angst im Luftschutzkeller
unten im Haus, an Sirenengeheule, flackerndes Licht – doch dann
folgt sogleich wieder eine Anekdote. Das berühmte Foto mit Kindern an der Luftbrücke, die auf die Rosinenbomber warten – einer
der Herren, der uns im Warthe-Mahl von seinen Erlebnissen erzählt,
erkennt sich darauf wieder – „allerdings nur von hinten“.
Und wer hätte gedacht, dass auch Weltmeister in der Warthestraße
lebten? Ob im Frisörwesen oder als Boxer, die Straße beherbergte
Prominenz allerhöchsten Grades. Stehrennfahrer oder Berühmtheiten wie „Wüste“ Hoffmann, ein Profi im Fliegerrennen, waren Gäste
in den Kneipen. Musiker zogen durch die Straßen, das Geld wurde in
Zeitungspapier verpackt zu ihnen hinunter geworfen.
Wiedersehen wollen sich die beiden noch einmal. Gemeinsam die
Straße entlang schlendern und die Erinnerungen schweifen lassen.
Wir freuen uns über so viele neue Geschichten, die die Warthestraße
der 40er, 50er und 60er Jahre wieder zum Leben erweckt.
—
Das Projekt „Historische Warthestraße“
sucht weiter Bilder & Geschichten! Waren
auch Sie bei Dr. Kant, dem Zahnarzt?
Haben auch Sie heiße Würstchen im
heutigen Warthe-Mahl gegessen?
Berichten Sie uns von Ihrer Warthestraße,
wir freuen uns über noch mehr Fotos
und Geschichten, die uns so einen
lebendigen Eindruck davon geben, wie
es hier früher einmal war.
Das QM-Team und der Quartiersrat waren im
letzten Monat neben der Feier natürlich auch
fleißig, um neue Ideen und Projekte für den
Kiez voranzubringen. Der QR hat sich auf einer
KONTAKT: Eva Eichert
Tel. 030 / 28 70 35 49
eichert@projektagentur-berlin.de
oder direkt im
WARTHE-MAHL
Warthestraße 46, 12051 Berlin
Das Warthe-Mahl wird mit
Mitteln aus dem Programm
Soziale Stadt gefördert.
Masterplan Tempelhofer Freiheit
Deniz Güngör, Beate Storni, Senator Michael Müller und Gunnar Zerowsky (v.l.n.r.)
bei der Übergabe des Regio Star Award der EU Komission
zum neuen Handlungskonzept mit den Akteuren aus dem Kiez statt. Zum zweiten Workshop
am 9.4. waren alle AnwohnerInnen herzlich
eingeladen, sich zu beteiligen.
Im QF2 stehen noch Mittel in Höhe von 12.000
Euro für Projekte zur Verfügung, über die neuen Projektideen wird auf dem Quartiersrat am
Sondersitzung mit dem aktuellen Stand zum
Bürgerzentrum beschäftigt, auch ein neuer
Bürgerverein (Kiez aktiv e.V. iG) ist gegründet
worden.
Auf der regulären QR-Sitzung im Yo!22 wurden
neue Projekte im Quartiersfonds 2 beschlossen. Zudem fand der erste von zwei Workshops
Der Schillerkiez grenzt unmittelbar an den
ehemaligen Flughafen, jegliche Veränderungen und Planungen hier haben natürlich auch
große Auswirkungen auf unseren Kiez. Aktuell
wurde im März der Masterplan zur Umgestaltung und Bebauung des Tempelhofer Feldes
auf einer Standortkonferenz vorgestellt. Eine
Zusammenfassung der aktuellen Planungen
und Diskussion zum Masterplan findet sich
unter www.tempelhoferfreiheit.de
—
Wir wünschen allen einen hoffentlich endlich
anhaltenden Frühlingsanfang und verbleiben
mit besten Grüßen von der Schillerpromenade!
MEHR INFOS & AKTUELLES
auf schillerpromenade-quartier.de
Neue Projekte für den Kiez!
Jugendliche stehen diesmal im Mittelpunkt
vom QM-Team — Zu Beginn des
Jahres wurden Ideen für neue Projekte gesammelt. Neben einigen
Ideen vom QM-Team gab es auch
welche von Anwohnern und Akteuren aus dem Kiez.
I
nsgesamt sind vom Quartiersrat
bisher 6 Projekte in Höhe von
114.000 EUR bewilligt worden,
im Folgenden wollen wir sie hier kurz
vorstellen:
Die Karlsgartenschule und zwei Kitas werden 3 Jahre lang monatlich
Waldtage durchführen und mit ihren
SchülerInnen auf Entdeckungstour
durch die Berliner Wälder gehen.
Projektmittel: 36.000 EUR
Laufzeit: 2013-2015
Träger: Schreberjugend Deutschland
Die Karlsgartenschule baut zusammen mit ihren SchülerInnen zwei
Räume zu Freizeiträumen für die
Nutzung in Freistunden um. Die Kinder planen die Räume mit professioneller Hilfe und bauen sie auch selber um.
Projektmittel 38.000 EUR
Laufzeit: 2013-2014
Träger: Das Vergabeverfahren läuft
Filmische
Kiezdokumentation
Woche des Besuchs
Die Woche des Besuchs ist mittlerweile schon vielen ein Begriff, sie hat bereits zweimal stattgefunden. Nun soll
sie in den nächsten drei Jahren langfristig gesichert werden und von den
Einrichtungen und Beratungsstellen
im Kiez selbst organisiert werden.
Projektmittel: 17.000 EUR
Laufzeit: 2013-2015
Träger: Das Vergabeverfahren läuft
Schule im Wald
Freizeiträume selber Bauen
2
Das QM-Team und die Projektagentur freuen
sich sehr darüber, dass es wieder ein Kiezläuferprojekt für die Schillerpromenade gibt. Ab
April werden wieder regelmäßig KiezläuferInnen unterwegs sein, wilde Müllhalden melden,
einen Blick auf die Spielplätze haben und Infos
zu den Projekten und Aktionen sowie die Promenadenmischung im Kiez verteilen.
Anfang März fand der 5. Berliner Quartiersrätekongress im Abgeordnetenhaus statt. Anlass
war unter anderem der Regio Star Award der
EU-Kommission, den Berlin mit dem Quartiersmanagementverfahren gewonnen hat.
Da nur Dank aller QM-Teams und vor allem
der Beteiligung der AnwohnerInnen der Erfolg
des QM-Verfahrens sichergestellt ist, wurde
auf dem Kongress den VertreterInnen aus jedem QM-Gebiet eine Urkunde überreicht und
ein Foto mit dem Stadtentwicklungssenator
Müller von der feierlichen Übergabe gemacht.
Wir hoffen, dass sich auch in den nächsten
Jahren weiterhin viele AnwohnerInnen und
Akteure aktiv in die Verbesserung des Schillerkiezes einbringen und gemeinsam gute Ideen
für den Kiez entwickeln.
Woran erinnern Sie sich?
Einer der Herren, der uns im Warthe-Mahl von seinen Erlebnissen erzählt, erkennt sich auf dem berühmten Foto
mit den Kindern an der Luftbrücke – „allerdings nur von hinten“. (Foto: ©Landesbildstelle Berlin)
Kiezläufer
Gewinner!
„Das waren damals aber auch die Zeiten“
Die TeilnehmerInnen dieses Projekts waren im Museum Neukölln
und sprachen auch mit einigen AnwohnerInnen. Eines Nachmittags
kommt ein Mann ins Warthe-Mahl. 29 Jahre lang wohnte er schräg
gegenüber mit seiner Mutter und drei Geschwistern. Die Häuser hatte die Wohnungsbaugesellschaft Eintracht 1940 vorrangig für Angestellte der Eisenbahn errichtet. Er kann sich noch gut erinnern, wie
er als Kind immer „rollen gehen“ musste. Der Duft von Kernseife
steigt ihm in die Nase, wenn er daran denkt, wie er die Wäsche über
die kalten Holzrollen gemangelt hat – „das hat gepoltert“.
Zu uns gesellt sich ein weiterer Herr. Gut fünfzehn Jahre älter, erinnert er sich an viele Namen und Orte, die der andere als Kind nicht
so bewusst wahrgenommen hatte. Aber manche Erinnerungen verbinden eben auch über den Altersunterschied hinweg. Die beiden
kommen ins Gespräch, und plötzlich geht es los: Vom Tante-EmmaLaden in der Hausnummer 29 erzählen sie und dem Schuhmacher
Franz rechts daneben, der immer Latein sprach, wenn er etwas getrunken hatte. Die beiden lachen viel, immer mehr Namen fallen. Sie
zeigen Fotos, rufen sich Bilder und Geschichten ins Gedächtnis.
„Das waren damals aber auch die Zeiten“, sagt der eine und zitiert:
25. April befunden. Die Sitzung ist wie immer
öffentlich, Gäste sind herzlich willkommen.
Für kleinere Projekte bis 1000 Euro besteht laufend die Möglichkeit, Projektideen beim QM
einzureichen, die Vergabejury tagt monatlich.
Neben diesen langfristig angelegten
Projekten gibt es auch in diesem Jahr
kleinere Projekte. Der Quartiersrat
hat einen deutlichen Schwerpunkt
auf Angebote für Jugendliche gelegt,
die einen hohen Anteil der Einwohner im Kiez ausmachen. Zum Beispiel
soll es ein Hip-Hop-Festival geben:
Anschließend an das Projekt „Hecho
em Kiez“ von 2012 sollen Kinder und
Jugendliche die Möglichkeit bekommen, den Schillerkiez auf ihre Art
zu entdecken und selber darüber zu
berichten. In zehn selbstgedrehten
Filmen werden die Kinder die Möglichkeit haben, sich und ihren Kiez
vorzustellen. Zum Abschluss sollen
die Filme auch in einem örtlichen
Kino gezeigt werden.
—
Wie immer stehen für kleine
Projekte bis 1000 EUR noch Mittel
zur Verfügung, über die monatlich in
der Vergabejury entschieden wird.
Hip Hop Festival im Yo!22
Der Jugendclub Yo!22 und das Mädchencafe Schilleria werden über zwei
Monate Workshops und Exkursionen
zu den Themen Rap/MC/DJ, Breakdance und B-Boy sowie Graffitti anbieten und ein großes Abschlussfest
mit Rapbattle, Graffitti Contest und
Tanzperformances durchführen.
Projektmittel: 10.000 EUR
Laufzeit: April-Dezember 2013
Träger: gemeinnützige Gesellschaft
für sozialkulturelle Arbeit mbh
Projektmittel: 10.000 EUR
Laufzeit: April-Dezember 2013
Träger: Das Vergabeverfahren läuft
Projektideen können bis zum
15. des jeweiligen Monats im
QM-Büro eingereicht werden.
Eine ausführliche Beschreibung
der Projekte und Termine finden Sie auf unserer Internetseite
schillerpromenade-quartier.de
3
Die Woche des Besuchs (oben), Hecho em Kiez (unten)
Schwerpunktthema: Wie die Zeit vergeht
PROMENADENMiSCHUNG — Die Schillerkiezzeitung
„Der Wartheplatz war damals rot“
Ein Jugendzentrum, nur ohne Kicker und für Ältere
Lebendige Vergangenheit
Zu Besuch beim interkulturellen Seniorenzentrum Em-Der
Manchmal kommt man gar nicht
erst nach Hause, sondern geht von
dort, wo das Feiern endet, direkt zur
Arbeit.
Auf der ganzen Straße wird gefeiert.
In jedem Hof werden Feste veranstaltet. Musik wird gespielt. Und nicht
nur durch andere. Er selbst spielt das
Akkordeon und begleitet mit seiner
Band Hoffeste, Feiern in Kneipen,
Hochzeiten. Lärm spielt in dieser
Zeit keine große Rolle. Selbst das Proben zu Hause scheint niemanden zu
stören. Mit Schlagzeug und allem
Drum und Dran.
Zurück in die Gegenwart
Mittlerweile ist es stiller geworden
in dieser Straße. Es wohnt niemand
mehr aus seinen jungen Jahren in
der Nachbarschaft. Die Feste finden
auch nicht mehr statt. Selten hat
man Zugang zu den Innenhöfen der
Nachbarhäuser.
Aber es verändert sich wieder langsam. Der nachbarschaftliche Kontakt
nimmt zu. Und wer weiß, vielleicht
überrascht die Bewohnerschaft eines Hauses demnächst und lädt zum
gemeinsamen Feiern ein.
—
Hochtzeitszug auf der Sonnenallee
von Michael Zambrano — Eine Reise in die Vergangenheit: Kindheitsund Jugenderinnerungen eines älteren Nachbarn der Warthestraße.
D
iese Erzählung beginnt vor genau
achtzig Jahren, als
der dreijährige A.S.
(anonym) mit seinen Eltern aus dem
SO36-Kiez in die Warthestraße zieht.
In diesem frühen Kindesalter mag
er es sicherlich noch nicht spüren,
aber er wird das grausamste Kapitel
der Geschichte dieses Landes miterleben. Seine Lebenserfahrung stellt
nicht nur einen unvergleichbaren
historischen Schatz für unseren Kiez
dar, sondern sie ist auch eines der
immer seltener anzutreffenden lebenden Zeugnisse einer Zeit, die niemals vergessen werden darf.
Doch für ein Kleinkind liegen Politik
und große gesellschaftliche Ereignisse nicht im Fokus der Wahrnehmung.
Eher sind es die Spiele auf dem Platz
direkt vor dem Haus. Ein Spielplatz,
der damals, genauso wie heute, in
lauen Sommernächten vom Lachen
und Schreien der Kinder erfüllt ist.
Die unterbrochene Schulzeit
Im Verlauf der Jahre bilden sich Kinderfreundschaften, die bis ins späte
Jugendalter halten sollten. Aber auch
Feindschaften. Denn, auch wenn nur
eine Straße voneinander entfernt,
scheinen die BewohnerInnen rund
um den Wartheplatz sich von jenen
des sogenannten Blocks, zwischen
Oder- und Netzerstraße, deutlich zu
unterscheiden. Die einen sind in größerem Maße Arbeiterfamilien, während die anderen zur bürgerlichen
Mittelschicht gehören. Piloten, Angestellte, Lehrer. Diese gesellschaftliche Trennung überträgt sich auch auf
die Kinder. Es bilden sich Gruppen,
die sich gegenseitig bekämpfen. Ein
über die Jahre andauernder Kampf,
bei dem die „Proletarier-Clique“ –
wie A.S. seine Freundesgruppe nennt
– immer wieder über die der bürgerlichen Kinder siegt.
Aber nicht nur das Leben auf dem
Platz und der Straße prägen diese
Zeit. Denn wie bei jedem Kind findet rund um den sechsten Geburtstag auch der besondere Schritt der
Einschulung statt. Ein Ereignis, das
in Verbindung mit der Zuckertüte,
bei den Kindern von früher und von
heute – wie auf dem Titelblatt zu sehen – Freude hervorruft.
Doch anders als bei den meisten
Schulbiographien, verläuft diese
sehr „bewegt“: Aufgrund des Todes
seines Vaters und der Arbeitstätigkeit
seiner Mutter, muss A.S. kurz darauf
die Schule in Berlin verlassen und zu
seiner Großmutter in den Spreewald
ziehen, wo er die ersten beiden Jahre
seiner Schullaufbahn verbringt.
Zurück in Berlin wechselt er nach
zwei Jahren die Schule, bis er nach
weiteren zwei Jahren die Stadt wieder verlassen muss. Dieses Mal aber
mit vielen anderen Berliner SchülerInnen im Rahmen der sogenannten
Kinderlandverschickung. Der aus
diesem Land in die Welt getragene
Krieg kehrt nun mit voller Wucht
zurück, sodass ein sicherer Schulbesuch nicht mehr möglich ist.
Die Schule wird an die Ostsee verlagert. In einer zweitägigen Fahrt geht
es von Lehnitz aus durch den Finowkanal bis zur Oder und dann bis nach
Stettin. Von dort bis zum Kriegshafen
in Swinemünde und dann mit der Eisenbahn nach Zinnowitz. A.S. ist nun
12 Jahre alt.
Der Widerstand
Nach etwa anderthalb Jahren wird
der Schulbetrieb vollkommen eingestellt. Es kommt die Zeit der Gebirgsjäger-Ausbildung auf dem Glatzer
Schneeberg in Schlesien. Eine sechswöchige Pflichtausbildung, der er
sich nicht entziehen kann. Nun folgt
eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker, die aber nicht abgeschlossen wird. Seine zukünftigen beruflichen Stationen werden Schriftmaler,
Arbeit am Siebdruck, Ausbildung
zum Drucker und schließlich Umschulung zum Dekordrucker sein.
Aber noch vor dieser langen beruflichen Laufbahn beginnt sein öffentlicher Auftritt mit Schrift und
Farbe. Unter dem Deckmantel eines
Schwimmvereins, der „Schwimmschar 61“, wird er Mitglied einer antifaschistischen Jugendgruppe, die aktiven sichtbaren Widerstand ausübt.
„Man musste nicht zwangsläufig in
die Hitlerjugend eintreten.“ Es ging
auch anders.
Schwerpunktthema: Wie die Zeit vergeht
Ausgabe #07 — April/Mai 2013
Nachts ziehen sie mit Farbeimer und
Rollpinsel durch die Straßen und beschriften die Wände. „Tot den Nazis.“
„Einer hält Wache, die anderen malen.“ Im Notfall rennen alle davon.
Die Gefahr, der sie sich dabei aussetzen, ist ihnen nicht vollkommen
bewusst. Zum Teil ist es in diesem
Alter, 15 bis 16 Jahre, ein Abenteuer.
Ein gefährliches, aber auch wichtiges
Abenteuer.
Diese politische Einstellung hat viel
mit seiner Familie zu tun. Seine Eltern, genauso wie die seiner Freunde,
sind ArbeiterInnen und die meisten
von ihnen politisch links eingestellt.
„Der Wartheplatz war damals rot.“
4
Es geht also um Besuche bei anderen interkulturellen Einrichtungen. Ob denn wohl
deutsche Institutionen ebenso offen für deren
Belange seien? „Ich sag mal ganz offen und
ehrlich: nein. Da sind immer noch Berührungsängste.“ Das „Branding“, wie er es nennt,
die festgefahrenen Sichtweisen seien aber auf
beiden Seiten vorhanden. „Mein Job ist es
wirklich, denen die ganze Zeit zu vermitteln:
Leute, wir müssen wegkommen von diesem
Gedanken, dass wir die Ausländer sind, die
hier nicht willkommen sind.“
O
ffenheit und Toleranz? Leichter
gesagt, als getan. Da leben Menschen einer Generation schon
seit Jahrzehnten zusammen, im
selben Kiez, in derselben Straße,
im selben Haus und haben es doch nie hinbekommen, sich zu finden und aufeinander zuzugehen. Mit „50 Jahre Scheinehe“ hatte das
Ballhaus Naunynstraße im letzten Jahr sein
Theater-Festival zum 50-jährigen Jubiläum
des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei betitelt. Böse, aber leider
zutreffend. Denn was sich aus den Erfahrungen von Dogan Özdincer, dem Leiter des interkulturellen Seniorenzentrums Em-Der in
der Allerstraße, heraushören lässt, ist es mit
Offenheit und Toleranz, gerade unter den älteren Semestern, nicht weit her. Die Vorurteile
bei deutschen Senioren sind immer noch groß
und die erste Generation der Einwanderer
fühlt sich nach wie vor als „Gastarbeiter“, die
hier nicht willkommen sind.
Em-Der, das sind zwei türkische Abkürzungen,
die für Emekli Derneği stehen. Emekli heißt
Rentner und Derneği Verein. Das interkulturelle Seniorenzentrum ist täglich zwischen
12 und 17 Uhr geöffnet und bietet, neben einem offenen Treffpunkt, verschiedene Aktivitäten und Informationsveranstaltungen für
ältere Menschen an. Es werden Stadtrundfahrten und Besuche bei anderen Einrichtungen organisiert oder Beratungsangebote zum
Thema Gesundheit wie Diabetes im Alter oder
Prostata bei älteren Männern initiiert.
„Ein Jugendzentrum, nur ohne Kicker und für
Ältere“, erklärt Dogan Özdincer, der die Einrichtung leitet. „Uns geht es darum, dass wir
nicht diese Trennung von Mann und Frau haben. Dass unsere erste Generation nicht in den
Alle Nationalitäten unter einen Hut
Die erste und dritte Generation auf einem Bild:
Salman Celiker (links) neben Dogan Özdincer, dem Leiter des Zentrums
Özdincer. Mit dem sich Öffnen sei das bei der
ersten Generation allerdings nicht immer so
einfach, räumt er ein und verdreht ein bisschen die Augen. „Bringen wir es mal auf den
Punkt: die Herrschaften sind über 65, über 70,
über 75 und da fällt es ihnen schon schwer,
aus ihrem Alltagstrott herauszukommen.“ Die
Herausforderung sie zu motivieren und anzutreiben, fällt – neben den anderen Aufgaben
wie Buchhaltung, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit – in seinen Tätigkeitsbereich. Und
wenn es ihm schließlich gelingt, sie zu einem
Besuch einer anderen Einrichtung zu bewegen, geht es dort auch sofort los: „Mensch
wie war’s für euch die ersten Tage, die ersten
Wochen? Könnt ihr euch noch daran erinnern,
als ihr hier herüber kamt?“
türkischen Cafés ihre Zeit verschwendet, sondern in unseren Einrichtungen Aktivitäten und
Infoveranstaltungen mitbekommt.“
„Wie war’s für euch die ersten Wochen?“
Das Zentrum wurde vor über 20 Jahren von
Dogans Vater, Erdogan Özdincer, ins Leben
gerufen. Der war damals als Dolmetscher für
den Deutschen Gewerkschaftsbund tätig und
wollte für die erste Generation der Einwanderer eine Anlaufstelle schaffen, bei der sie sich
Hilfe und Rat holen konnten. Seit 2006 befindet sich Em-Der in der Trägerschaft der navitas gGmbH. Mit der neuen Trägerschaft wolle
man vor allem eine bessere Vernetzungsarbeit
leisten und sich weiter öffnen, meint Dogan
Ganz so düster sind die Aussichten dann allerdings doch nicht, denn es gibt immer positive
Ausreißer, die über den Schatten der Voreingenommenheit springen. Die älteren Damen von
der Seniorenverwaltung Neukölln würden sich
wirklich viel Mühe geben, ihr Interesse an der
Kultur gehe über türkische Gemüsestände und
Döner essen hinaus.
Bei den so genannten Heimatgesprächen
der Einwanderer der ersten Generation seien
wiederum die Vergleiche spannend: Wie wäre
es jetzt, wenn sie in der Türkei geblieben wären? Und meistens folge dann die Erkenntnis:
Uns geht es hier doch sehr gut. „Eigentlich
sagt man ja, dass man als Rentner wieder
zurück in seine Heimat geht. Aber das macht
ja niemand.“
Integration, das ist zum Glück inzwischen
Konsens, muss von beiden Seiten kommen.
Bei Em-Der jedenfalls bemüht man sich redlich, für alle Senioren – welchen kulturellen
Hintergrund sie auch immer mitbringen mögen – offen zu sein. „Wir wollen Deutsche,
Araber, Jugoslawen, Polen. Wir haben auch
deutsche Mitglieder hier und ich freue mich jedes Mal, wenn wir neue Deutsche dazugewinnen.“ Es gebe zwar einen türkischen Schwerpunkt, was die Kultur betreffe, aber es sei eben
kein türkisches Zentrum. „Es geht hier wirklich darum, dass wir alle Nationalitäten unter
einen Hut bringen können.“ —
Alt. Ich???
Hamstern und Musizieren
In diesen Jahren und nach dem
Ende dieser fürchterlichen Kriegszeit herrscht eine große Knappheit
an Lebensmitteln. Aber je ärmer die
Lebensumstände, desto reicher der
nachbarschaftliche Zusammenhalt.
Zumindest zwischen jenen, die hier
noch leben dürfen.
Einige haben Bekanntschaften in
den Vereinigten Staaten und erhalten
ab und an sogenannte Care-Pakete.
Diese werden jedes Mal mit den
NachbarInnen geteilt.
Nach dem Krieg verwandelt sich
auch der Platz in eine kleine Gartenkolonie, in der Gemüse für den eigenen Verzehr angepflanzt wird. Man
lebt in einer Art solidarischer Tauschwirtschaft.
Aber die in der unmittelbaren Umgebung vorhanden Lebensmittel
reichen nicht aus. Aus diesem Grund
zieht auch A.S., wie so viele andere,
in überfüllten Zügen und mit dem
Fahrrad durch das Land, um zu
hamstern. Hamstern, das Tauschen
von beispielsweise Schmuck gegen
Lebensmittel bei Bauern, ist streng
verboten. Aber kein Verbot kann die
Gier nach Nahrungsmitteln stoppen.
Diese Zeit dauert einige Jahre an, bis
sich mit der Währungsreform im Jahr
1948 die Regale wieder mit Lebensmitteln füllen. Nun geht wieder jeder
für sich einkaufen und fast simultan
scheint auch der Zusammenhalt zu
schwinden.
Aber auch große Erleichterung ist
hiermit verbunden. Das Leben des
mittlerweile rund zwanzigjährigen
A.S. füllt sich mit Festen und Musik.
von Max Büch — „Uns geht es darum, dass
unsere erste Generation nicht in den türkischen Cafés ihre Zeit verschwendet. Aber
wir sind auch kein türkisches Zentrum. Wir
wollen alle Nationalitäten unter einen Hut
bringen.“
Ab wann ist man Seniorin?
von Christiane Quack — Reflexionen einer Schillerkiezbewohnerin,
die im Rahmen ihrer Wohnungssuche unerwartet mit der Zuschreibung „Seniorin“ konfrontiert wird.
V
or etwa 2 Jahren war ich auf
Wohnungssuche. Die Wohnung sollte hell und sonnig
sein, einen Balkon haben und wegen Helligkeit und Aussicht in einer
oberen Etage liegen. Nicht zuletzt
sollte sie über einen Aufzug erreichbar sein. Ein Haus mit Aufzug
ist im nördlichen Neukölln nicht so
leicht zu finden.
Das Seniorenwohnhaus
Geburtstagsfeier mit Akkordeon und lautem Gesang (oben)
A.S. mit seiner Mutter, um 1935 (unten)
In der Rollbergstraße gab es ein
interessantes Angebot. 55qm, mit
Balkon, Badewanne, Aufzug und 5.
Etage in einem Seniorenhaus.
Ein Seniorenwohnhaus??? Das vom
Vermieter geforderte Alter hatte ich
zwar längst erreicht, aber schon
eine Seniorin, also alt? Ich bin nicht
mehr jung, auch schon im Ruhestand. Realistisch betrachtet bin
ich in der letzten Lebenshälfte, und
es gibt keinen Grund, mich wegen
dieses „Senioren-“ so anzustellen.
Altern, ein „fortschreitender, nicht
umkehrbarer, biologischer Prozess,
der mit dem Tod endet“ kommt
auf jeden zu, der nicht jung stirbt.
Bisher hatte ich mich damit nicht
wirklich auseinander gesetzt.
Nun, die Lage der Wohnung war
prima. Fußläufig war alles zu erreichen, was für mich zur Lebensqualität gehört: Bibliothek, Kino, Theater, Cafés, Restaurants, Geschäfte
aller Art. Preis, Grundriss und Größe entsprachen meinen Vorstellungen. Ich vereinbarte einen Besichtigungstermin.
Die Vorstellungen der
ArchitektInnen
Die Wohnung machte einen ansprechenden Eindruck, erfüllte viele meiner Wünsche. Beim genaueren Hinsehen kamen mir aber doch
einige Fragen.
Bei der Planung von Küche und
Schlafzimmer hatte man sich wenig bis keine Gedanken über Lebensqualität im Alter gemacht.
Die Küche hatte einen guten
Grundriss und war mit einer zweizeiligen Einbauküche, die zur
Wohnung gehörte und drin bleiben sollte, möbliert. Es gab viele
Schränke, aber Platz für Spülmaschine, Waschmaschine und KühlGefrier-Kombination fehlten. An
einen Backofen in angenehmer
Höhe oder einen Essplatz war nicht
zu denken. Also, weder zeitgemäß
noch, gerade für ältere Menschen,
besonders praktisch. Das Schlafzimmer war so geschnitten, dass wohl
nur ein Einzelbett (100 x 200 cm)
vorgesehen war. Ein größeres Bett
müsste mit einer Seite an der Wand
stehen, für alte Menschen nicht
sehr geeignet. Sexualität im Alter
war bei der Planung offenbar noch
kein Thema.
Welche Vorstellung hatte der Erbauer, Eigentümer des Hauses von
den Wohnwünschen und Wohnbedürfnissen der Zielgruppe?
Der Komplex wurde in den 1970er
bis 1980er Jahren gebaut. Also in
einer Zeit, in der sich das Bild von
aktiven Alten, mit Vorstellungen
und Ansprüchen an Lebensqualität
und Lebensgestaltung schon entwickelt hatte.
Einen Preis für gelungene, auf die
Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtete Planung konnte ich nicht
vergeben.
Hierin
zeigt sich
Altersschwäche:
a) Die Haare werden grau.
a) Unter den Haaren bleibt es bunt.
b) Es will alles nicht mehr so...
b) Man will auch Vieles nicht mehr
so...
c) Wenn man nicht zu genau
hinsieht, gibt es nichts Neues mehr
unter der Sonne: zum Beispiel
Seuchen, Krisen und Konflikte,
Wahlen, Hochzeiten
und Weltuntergänge...
d) Die Sinne werden trüb, das
Urteil mild. (Und wenn man
ehrlich ist: Das ist manchmal
vielleicht gar nicht so schlecht -dass man nicht mehr meint,
man müsste gleich mit jedem
vor die Tür gehen, der anderer
Meinung ist als man selbst.)
Die Entscheidung
Nun, nach längeren Überlegungen
und Gesprächen mit Freunden
und nach Einrichtungsplanungen
kam ich zu dem Schluss, dass mich
der Begriff „Seniorenhaus“ nicht
abschrecken sollte. Ich wollte die
Wohnung.
—
Aber: Sie war weg!
5
Hierin
zeigt sich
Alters Schwäche:
e) Das Ende naht...
c) Wenn man genauer hinsieht,
gibt es doch manchmal Neues:
zum Beispiel Ostern im Schnee.
d) Der Geist bleibt klar, der Verstand scharf. (Und wenn ich so alt
wie Methusalem werde: Wenn uns
einer sagt -- ausgerechnet uns!! --,
wir müssten Opfer bringen, damit
es „dem Land”, „der Wirtschaft”,
„künftigen Generationen” oder
ähnlich gespenstischen Wesen
besser gehe -- dann ist das Dreck
und bleibt Dreck.)
e) ... und wenn es kommt?
Dann kommt es eben!
Ey Alter,
ganz schön schwach von dir...
— von Philipp Lorenz
Schwerpunktthema: Wie die Zeit vergeht & Aufrufe
PROMENADENMiSCHUNG — Die Schillerkiezzeitung
Solidarität statt Anonymität
Ideenaufruf für Angebote an ältere Menschen
von Michael Zambrano — Die Anonymität unseres Lebens im
Kiez. Und was es bedeutet, unter dieser Gegebenheit zu altern.
Zusammenfassung eines Gesprächs mit Beate Storni, Bewohnerin des Schillerkiezes und Anwohnervertreterin im
Quartiersrat.
W
ie konnte es dazu kommen? Eine Frau
wohnt ihr ganzes Leben in diesem
Kiez. Kindheit, Jugend, Alter. Und doch
schafft es eine Hausverwaltung mit dem
Argument, dass sie in einem Altersheim
besser aufgehoben sei, diese aus ihrer
Wohnung zu verdrängen.
Niemand ist mehr da, der ihr helfen könnte, sich dagegen zu
wehren. Oder besser gesagt, niemand, der ihr beistehen könnte, erfährt davon. Schließlich stirbt sie kurz nach ihrem Umzug. Wahrscheinlich vor Kummer und Einsamkeit.
Ein Dorf mitten in der Stadt
Damals wäre so etwas nicht möglich gewesen. In diesem Viertel
kannte man sich. Man wusste über das Leben der NachbarInnen
Bescheid. Man sorgte füreinander. So zumindest die Vorstellung,
die nach dem Gespräch in der Erinnerung hängen bleibt.
Ganze Familien wohnten in derselben Nachbarschaft. Die Kinder, sobald sie erwachsen wurden, zogen zwar aus dem Elternhaus aus. Häufig fanden sie aber eine Wohnung gleich nebenan. Ein Leben wie auf dem Dorf, aber mitten in der Stadt.
Dies hatte natürlich auch seine Kehrseiten. Für Jugendliche war es bestimmt nicht immer angenehm, wenn sie beim
Nach-Hause-Kommen feststellen mussten, dass die Eltern bereits darüber informiert waren, was ihre Kinder den Tag über
getrieben hatten. Aber wenn jemand in Not war, konnte auch
Unterstützung angeboten werden. Und dies ist im Alter besonders wichtig.
Es fehlt ein Begegnungsort
Bis vor einigen Jahren gab es im Schillerkiez einen Ort, an dem
sich ältere Menschen treffen konnten. Ein Café, in dem man
etwas trinken oder essen, sich aber auch ohne Konsumzwang
aufhalten konnte, wenn man in Gesellschaft sein wollte. Heute
gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Nicht im nördlichen Teil
des Kiezes. Das wichtige Angebot des Warthe-Mahls ist in der
Nähe der Schillerpromenade nicht vorhanden. Und dorthin zu
laufen, kann einen sehr langen und durchaus anstrengenden
Weg bedeuten.
Während des Bestehens des Café Weise wurden hier wichtige soziale Kontakte geknüpft und gepflegt. Dies ist nun nicht
mehr möglich.
Kiezdinge für Alle:
Auf ein Bier bei Engel
„Die 20 Jahre mach ich auf jeden Fall voll“
Zugleich sollen bereits vorhandene Angebote deutlicher sichtbar gemacht werden.
Die Fördermittel des Programms „Soziale Stadt“ können und
sollen hierfür in Anspruch genommen werden. Bei der Formulierung von Projektideen kann auch gerne das QM Team helfen.
—
QM-BürO
Schillerpromenade 10, 12049 Berlin, Tel. 030 / 6211602
info@quartiersmanagement.de
Wo ist die Solidarität geblieben?
Ist es der Rhythmus unserer Zeit, der uns dazu führt, uns immer schneller, unreflektierter und dabei auseinander zu bewegen? Ist es utopisch, dass eine Hausverwaltung nicht nur profitorientiert handelt, sondern sich als Teil einer Gemeinschaft
versteht und das Gemeinwohl im Blick behält?
Sicherlich gibt es etliche Beispiele von nachbarschaftlichem
Zusammenhalt und HauseigentümerInnen, die sich für ihre
MieterInnen einsetzen. Aber leider hat man nicht das Gefühl,
dass dies die gängige Praxis ist. Unabhängig davon, ob es früher besser oder schlimmer war: Es scheint in der Gegenwart an
spürbarer Solidarität zu fehlen.
Engelbert Zickmund hinter seinem Tresen in den 90ern
Ute (links) arbeitet seit 18 Jahren für Engel:
vor seinem Laden heute (oben)
von Max Büch — „Dart-Verein ist nicht gleich Dart-Verein“ und
was man von fast 20 Jahren Kneipenbetrieb alles lernen kann.
D
Der Kiez braucht Ideen
In unserem Stadtteil sprudelt die Kreativität. Jeden Tag entstehen neue interessante Dinge, wichtige Projekte und Initiativen.
Der Kiez braucht Ihre Unterstützung bei der Schaffung von
neuen Angeboten, die auch ältere Mensch mit einbeziehen.
Geschlossene Gesellschaft
Erstauftritt der Nachbarschafts-
Kinder und Jugendliche
filmen den Kiez
Theatergruppe Theater AG am Tower
JedeR ist herzlich eingeladen mitzumachen!
I
n Jean-Paul Sartres Stück „Geschlossene Gesellschaft“ finden
sich zwei Frauen und ein Mann
in der Hölle wieder. Joseph, Inès und
Estelle kennen sich nicht und wissen
nicht, warum sie sich dort befinden
und auf was man sie warten lässt.
Die drei können den Raum nicht verlassen und sind bedingungslos aufeinander angewiesen. Bald erkennen sie, dass diese bedingungslose
Verbindung ihre persönliche Freiheit
einschränkt und ihnen immer wieder ihre eigenen Fehler und Sünden
vor Augen bringt. Sie erkennen: „Die
Hölle, das sind die anderen.“
Wie abhängig sind wir von anderen
Menschen? Inwiefern ist das Dasein des Mitmenschen eine Bedrohung der eigenen Selbstverwirklichung? Kann man einem Menschen
wirklich nahe sein? Auf diese Fragen versucht Sartre in seinem 1944
uraufgeführten Stück eine Antwort
zu geben.
Die Nachbarschafts-Theatergruppe
„Theater-AG“ nimmt sich des Textes
an und lädt zur Erstaufführung des
Stückes in den Theatersaal des Interkulturellen Kinder- und Elternzentrums „Am Tower“ ein. Freut euch auf
einen interessanten Abend, der viele Fragen aufwerfen wird und euch
die eigenen, zwischenmenschlichen
Beziehungen in einem anderen Licht
zeigen könnte! —
Geschlossene Gesellschaft
von Jean-Paul Sartre
Gespielt von der „Theater-AG“
6. Mai, 20 Uhr
„Am Tower“, Oderstraße 174
Dauer: 1 Stunde
Eintritt: frei
festlichen Premiere-Veranstaltung
vorgestellt wird.
Wenn ihr Interesse habt, könnt ihr
euch im QM melden, um Näheres zu
erfahren.
Viel Spaß beim Filmen!
—
QM-Büro
Schillerpromenade 10,
12049 Berlin
Tel. 030 / 6211602
info@quartiersmanagement.de
Das Projekt wird mit
Mitteln aus dem Programm
Soziale Stadt gefördert.
Urban Gardening in Neukölln
Kültürlerarası bahçeler Warthestrasse!
Die Karl-Weise-Schule lädt ein
m Donnerstag, den 23. Mai,
von 9 Uhr bis 12.30 Uhr lädt
die Karl-Weise-Schule alle
künftigen SchulanfängerInnen, ihre
Eltern und ihre KitaerzieherInnen
recht herzlich zum Tag der offenen
Tür ein. Wir freuen uns darauf, Sie
bei uns begrüßen zu dürfen.
Alle jahrgangsübergreifenden Klassen öffnen ihre Türen zum Hereinschnuppern, und in Karlchens Hofcafé wird ein Imbiss angeboten.
A
b Mai könnt ihr unter
professioneller Anleitung eure eigenen Filme über euren Kiez
drehen! Es sind keine
Vorkenntnisse nötig. Nur Lust und
Laune!
In Gruppen von bis zu vier Personen
könnt ihr das Filmemachen ausprobieren: Ihr werdet lernen, wie man
ein Drehbuch schreibt, welche Arten
von Aufnahmen man mit der Kamera machen kann, wie man den Ton
mischt und letztendlich auch den
Film schneidet. Natürlich werdet ihr
das alles selbst machen.
Euer Ergebnis wird ein Kurzfilm
sein, der am Ende gemeinsam mit
allen entstandenen Filmen in einer
MitstreiterInnen gesucht!
Tag der offenen Tür
A
Schwerpunktthema: Wie die Zeit vergeht
Ausgabe #07 — April/Mai 2013
Ab 13 Uhr steht die Schulleiterin interessierten Eltern für deren Fragen
zur Verfügung. —
TAG DER OFFENEN TÜR
23. Mai 2013
9 bis 12.30 Uhr
Karl-Weise-Schule
Weisestraße 20
6
N
ach einer Infoveranstaltung von „Stadt
macht satt“ im Warthe-Mahl am vergangenen Freitag, hat
sich eine Gruppe von Nachbarn
zusammengefunden, die gerne
gemeinsam Ideen zum vertikalen
Nutzpflanzenanbau in der Warthestrasse umsetzen will. Weitere Treffen,
um vorhandenes Material zu sichten
und Pflanztaschen zu erstellen, sind
bereits angesetzt.
Wer Lust hat mitzumachen, meldet
sich entweder direkt im WartheMahl oder via E-Mail bei Marieke.
Macht mit! Auf das Salat, Tomaten,
Bohnen in unserer Strasse wachsen!
—
WARTHE-MAHL
Warthestraße 46
oder via E-Mail an Marieke
marieke.piepenburg@gmail.com
er ist schon tot. Und der da auch. Das kannst du nehmen.“ Engelbert Zickmund, 57, kurz „Engel“ und von
seiner Angestellten Ute liebevoll „Engelchen“ genannt,
sitzt im hinteren Raum seiner Kneipe und durchforstet für seinen Gast den Inhalt eines Schuhkartons. Er sucht nach Bildern,
die man bedenkenlos veröffentlichen kann, auf denen also niemand zu sehen ist, der womöglich später „rumzicken“ könnte.
Der Karton: Ein Fundus alter Fotos aus knapp zwei Jahrzehnten
Kneipengeschichte: vergilbte Polaroids, auf denen Männer mit
Schnauzer und Vokuhila am Tresen sitzen, Bilder von ausgelassenen Trinkgelagen, von Dart-Königen mit besonders verrückter Wurftechnik und vielen immer wiederkehrenden Gesichtern
wie das der „Eierfrau“, die den Eierladen in der Selchower Straße
betreibt. Gesichter, die im Zeitraffer des Schuhkartons schnell
mal eben ein paar Jahre reifen und Gesichter, deren Blicke mittlerweile dauerhaft erloschen sind.
Die Mahlower Klause ist eine klassische Neuköllner Eckkneipe:
Holzvertäfelung an der Wand, preiswerte Getränke im Sortiment
und ein Stammpublikum an Tischen und Tresen, das jeden Neuankömmling entweder mit Namen grüßt oder mit skeptischen
Blicken mustert. „Bei Engel“, wie die Klause bei der eingefleischten Kundschaft genannt wird, ist eine jener Neuköllner Eckkneipen, die sich im Lauf der Jahre derart ins Straßenbild eingepasst
haben, dass man sie kaum wahrnimmt. Man kann zigmal an
ihnen vorbeigelaufen sein, ohne je wirklich bewusst von ihnen
Notiz zu nehmen. Aber bei der kleinsten Veränderung, wenn ein
Rollladen mal verschlossen bleibt, die Auslage umgestellt wird,
macht sich dann beim Passanten plötzlich ein leichtes und unerklärliches Unbehagen breit. Weil er ganz genau weiß, dass sich
da etwas verändert hat und es doch beim besten Willen nicht
näher benennen kann.
Bei Engel ändert sich nichts. Zumindest eher selten. Wenn die
Nebenkosten steigen, müsse er hin und wieder in den „sauren
Apfel“ beißen und die Preise anziehen – das Bier kostet zwei
Euro. Das würden die 70 Prozent Stammgäste dann aber auch
verstehen. Und das Bier hat sich geändert. Eines Tages hätten
Gäste von einer anderen Kneipe zu ihm „rübergewechselt“. Die
waren Kindl-Trinker. Die anderen Gäste wären mit der Zeit auch
umgeschwenkt und so habe sich das Schultheiss „selbst rauskatapultiert“. Die einzige wirklich große Veränderung ist allerdings
das Rauchverbot gewesen. Seither darf zwar noch geraucht werden – ein großes Schild am Eingang weist darauf hin – aber es
darf dazu kein Essen mehr serviert werden. „Durchs Essen fallen
jeden Tag 1.000 bis 1.500 Euro Umsatz weg.“ Ansonsten ist alles beim Alten. Und selbst wenn er wollte: „Ich kann mich auch
nicht mit allem, was ich hier ändern will, durchsetzen.“ So ist
das wohl mit der Stammkundschaft.
„Ich habe noch nie so einen schlechten März gehabt.“
19 Jahre ist es her, dass Engel den Laden an der Ecke Weisestraße
übernommen hat. Zuvor hatte er als „Büffetier“ im Mariendorfer Käfer gearbeitet, bis eines Tages seine Chefin dicht machen
wollte. Die Besitzerin des Ladens wollte seine Chefin allerdings
nur aus dem Vertrag entlassen, wenn sie ihn als Nachfolger nehmen würde. „Ganz kurios war das, wie ein Märchen“ erinnert
sich Engel. Vom Mariendorfer ging es weiter zum Neuköllner
Käfer am S-Bahnhof Hermannstraße – heute „Umsteiger“ genannt – bis dort die Deutsche Bahn das Grundstück verkaufte.
Horrende Mietpreissteigerungen gab es auch damals schon:
Über Nacht sollten es nicht mehr 6.000, sondern 7.500 Mark
Miete im Monat sein. Da ist er ausgestiegen und hat die Mahlower Klause bei ihm um die Ecke gefunden.
1994 war das. Die Gäste hat er vom Vorgänger übernommen und
den Billard-Verein gleich mit dazu. „Vor 20 Jahren war ja Billard
Gäste von damals und eine Dart-Wurftechnik der besonderen Art (links)
noch in. Dann ging es mehr auf Dart zu.“, entsinnt sich Engel,
sieht seinem Gegenüber konspirativ in die Augen und fügt wissend hinzu: „Aber Dart-Verein ist nicht gleich Dart-Verein.“ Und
im gesenkten Tonfall: „A- und B-Liga kannst du vergessen. Die
sind nur hinter ihren Punkten her. So ab C-Liga, das sind Kneipen-Ligen, die trinken auch was. Da macht das auch mehr Spaß.
Nicht dass sie besoffen sind, aber die trinken.“
Dass man für den dauerhaften Fortbestand einer Kneipe durchaus rechnen können sollte, lässt Engel nicht gerade unter den
Tisch fallen. Und dass er ein gewissenhafter Geschäftsmann ist,
ebenso wenig. Mit dem Vermieter habe er zwar Glück gehabt,
aber allein die Nebenkosten für die Heizung seien exorbitant gestiegen. Für einen Liter Öl hat er 1994 noch 38 Pfennige gezahlt,
mittlerweile sind es 89 Cent. Fast das Fünffache. Er habe jede
Abrechnung der letzten 19 Jahre sofort parat und könne genau
vergleichen, wie sich der Umsatz über die Jahre entwickelt hat.
Der Umsatz sei relativ konstant, aber der März, vielleicht lag es
am Wetter, war miserabel. „Ich habe noch nie so einen schlechten März gehabt.“ Dafür sei der Januar gut gelaufen.
Doch was neben der finanziellen Sorgfaltspflicht, den eigentlichen Kern einer Kneipe – das Inventar: die Stammkundschaft –
über die Jahre am Leben erhält, das sind nicht Rechnungen und
Bilanzen, es ist das Herzblut des Wirtes. Und wie viel davon in
diesem Laden steckt, wird weniger an der Einrichtung, sondern
an der Beziehung zu seinen Gästen deutlich. An den Gesichtern
auf den Fotos im Schuhkarton, von denen Engel noch jeden
Namen kennt, eine kleine Anekdote erzählt wie von der Hochzeitsfeier, für die er als Extrawunsch diese eigenwilligen blauen
Lack-Hussen für die Stühle anfertigen musste.
Seit 19 Jahren macht Engel jeden Tag eine Schicht im Laden. Einmal im Jahr macht er für drei Wochen Urlaub in Thailand und
7
letztes Jahr war er einmal für zwei Tage krank. Sonst nicht. Seine
Angestellte Ute ist seit 18 Jahren mit dabei. „Wenn du so was hier
20 Jahre hast, hat sich die Struktur der Gäste schon dreimal gewandelt. Vollkommen andere Leute.“ Manche sind im Lauf der
Zeit umgezogen und so mancher ist eben auch verstorben. „Da
musste dich erst mal dran gewöhnen.“ Auf der einen oder anderen
Beerdigung sei er schon gewesen, aber zu jeder gehe er auch nicht.
„Man hat ja auch nicht zu allen Gästen die gleiche Beziehung.“
„15 Jahre musste schaffen, den wollte ich überholen.“
Eine ältere Dame aber ist seit Anfang an dabei. Sie ist mittlerweile 92 Jahre alt, kommt drei- bis viermal pro Woche, trinkt
gepflegt ihren Kirsch und ihr Bier und raucht dazu ein paar
Zigaretten. Und wenn im Winter das Eis und der Schnee die Bürgersteige nur schwer passierbar machen – und nur dann, denn
sie ist noch sehr fit – ruft sie kurz an und wird abgeholt.
„Wir betreuen hier eher den alten Teil der Kiezbewohner“, meint
Engel, wobei sich auch immer wieder so junge „Leutchen“ in
seinen Laden verirren würden. Die Eckkneipen würden eben
immer weniger im Kiez und einige Gäste habe er durch Schließungen von anderen „übernommen“. Angst vor Verdrängung
habe er zwar keine, aber anfangen kann er mit den neuen Szeneläden auch nicht wirklich was. „Meine Vorgänger hatten meinen
Laden neun Monate, der davor nur acht. Der Längste hatte die
Kneipe 15 Jahre. Da hab ich mir gesagt: 15 Jahre musste schaffen, ich wollte den unbedingt überholen.“ Man darf sich für die
Vielfalt im Kiez wünschen, dass es noch viele weitere werden.
„Die 20 Jahre mach ich auf jeden Fall voll, das ist nächstes Jahr
am 14. Januar. Fünf sechs Jahre werde ich schon noch machen.
Wenn es funktioniert.“
—
Kiezrezepte — Geschmäcker mit Geschichte
PROMENADENMiSCHUNG — Die Schillerkiezzeitung
Rezept für den
Frühlingseinstieg
Veranstaltungen
Marinierter Fisch
mit Ofenkartoffeln und Bohnensalat
RegelmäSSig
APRIL
Montag, 16-18 Uhr
RENTENBERATUNG im Haus des
älteren Bürgers, Werbellinstr. 42
19.04., 20.30 Uhr
SKYKPTN’S 28
Jazzkonzert im Sowieso,
Weisestr. 24
Montag, ab 20 Uhr
JAZZ- & JAMSESSION
im Café Engels, Herrfurthstr. 21
19.04., 20.30 Uhr
„IN DEN SCHLUCHTEN DES ALLTAGS”
Gedankentheater im Froschkönig,
Weisestr. 17
Dienstag, 14-16 Uhr
SPIELE-NACHMITTAG
im Warthe-Mahl, Warthestr. 46
23.04., 17 Uhr
Stadtwerkstatt: städtebauliches
Entwicklungskonzept für die angrenzenden Gebiete zur Tempelhofer Freiheit
Alte Zollgarage, Columbiadamm 2-6
Dienstag, 18.30-20.30 Uhr
KOSTENLOSE MIETERBERATUNG
im QM-Büro, Schillerpromenade 10
von Misja Goossens — Ein sehr einfaches, aber
so geschmackvolles Gericht, das ich mein
Leben lang mit diesem herrlichen Tag am
Strand verbinden werde.
D
ie
letzten
Sonnenstrahlen
wärmten unsere Gesichter.
Auf meinen Lippen schmeckte ich das Meereswasser. Die
Haare voller Salz und Sand zusammengeklebt, sahen wir zersaust aus. Wir
fühlten uns tiefenentspannt glücklich. Nach
einem ganzen herrlichen Tag in dieser verlassenen Bucht auf der Insel Chios, in Griechenland, hatten wir vom bloßen Nichtstun richtig
Hunger bekommen. Unser Freund Tanasi hatte
ein leckeres Abendessen am Strand versprochen, und so kam es auch.
Auf den kleinen Grill legten wir die frischen
Fische, die wir vorher mit der selbst gemachten Marinade aus Olivenöl, Knoblauch und
frisch gepresstem Zitronensaft bestrichen hatten. Dazu aßen wir den grünen Bohnensalat
und die Kartoffeln. Ein sehr einfaches aber so
geschmackvolles Gericht, das ich mein Leben
lang mit diesem herrlichen Tag am Strand verbinden werde.
So geht die Marinade
Zitronensaft, Knoblauch Zehen, Olivenöl, Pfeffer und Salz in ein Gefäß geben und mit dem
Pürierstab zu einer glatten, cremigen Marinade
mixen.
—
1. Mittwoch im Monat, ab 10 Uhr
MUSLIMISCHES FRAUENFRÜHSTÜCK
im Warthe-Mahl, Warthestr. 46
02.05., 20.30 Uhr
KEVIN BENTS
Singer/Songwriter im Froschkönig,
Weisestr. 17
MAI
Mittwoch, ab 10 Uhr
COMPUTER-/INTERNETKURS
für Senioren
im Warthe-Mahl, Warthestr. 46
So geht der Fisch
Fisch mit einem Teil der Marinade bestreichen.
Auf dem Grill in Aluminiumfolie verpackt, nicht
direkt in die Flammen, oder in der Pfanne am
Anfang auf hohem Feuer, nach ca. 1 Minute auf
mittlere Stufe. Regelmäßig wenden. Wenn fertig, dann auf den Teller, den Rest der frischen
Marinade reichlich über den Fisch kippen (und
ggfs. auch über die Kartoffeln). Das schmeckt
hervorragend.
06.05., 20 Uhr
LEERLAUF auf dem Tempelhofer Feld,
Treffpunkt: Haupteingang
am Columbiadamm
Mittwoch, ab 18 Uhr
TREFFEN der 100% Tempelhofer Feld
Initiative im Café Engels, Herrfurthstr. 21
Mittwoch, ab 18.30 Uhr
STRICK-ART-PROJEKT
bei Dolle Wolle, Warthestr. 15
So geht der Salat
20.05., 18 Uhr
Informationsveranstaltung
zum neuen Mietspiegel
Mit Rechtsanwalt Max Althoff
im QM-Büro
Donnerstag, 9.30-11.30 Uhr
KOSTENLOSE MIETERBERATUNG
im Warthe-Mahl, Warthestr. 46
2. Donnerstag im Monat, 18 Uhr
ZEIT ZUM TRÄUMEN
45 Minuten Orgelmusik in der
Genezareth-Kirche, Herrfurthplatz 14
—
JUNI
02.06., 16 Uhr
RUSSISCHE VOLKSMUSIK
Konzert des Frauen-Ensembles
Perepjolotschki
Genezareth-Kirche, Herrfurthplatz 14
Donnerstag und Freitag, ab 20 Uhr
VOKÜ im Stadtteilladen Lunte,
Weisestr. 53
2. Freitag im Monat, ab 19 Uhr
LESUNG im Warthe-Mahl, Warthestr. 46
Samstag, 10-16 Uhr
WOCHENMARKT am Herrfurthplatz
—
06.05., 20 Uhr
DIE GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT
Erster Auftritt der „Theater AG“
Am Tower, Oderstr. 174
09.05, 18 Uhr
OFFENE REDAKTIONSSITZUNG
der Promenadenmischung
Mittwoch, 20.30 Uhr
STUMMFILM mit Live-Begleitung
im Froschkönig, Weisestr. 17
Grüne Bohnen waschen, in kochendes Wasser
geben und ca. 12 Minuten köcheln lassen. Sie
sollten am Ende bissfest sein. Währenddessen
die Zwiebel in Ringe schneiden und diese in
eine Schüssel mit bereits gekochtem, noch heißem, Wasser legen. Schüssel abdecken. Nach
ca. 10 Min. das Wasser abgießen. So werden
die Zwiebelringe süßlicher und bekommen
Zutaten
eine intensive lila Farbe, die gut zum Grün der
Fischfilet, z.B. Seelachs, Seehecht oder Dorsch – Bohnen passt. Dann die Ringe mit hellem oder
am liebsten frisch vom Fischhändler, nicht tief- dunklem Balsamico übergießen und zusammen mit den Bohnen in einer Schüssel vermigekühlt (ca. 100-150 Gramm pro Person)
schen. Etwas Öl, Salz und Pfeffer hinzufügen.
Kartoffeln (ca. 2 pro Person)
Grüne dicke Bohnen (die langen flachen)
So gehen die Kartoffeln
Rote Zwiebel (1 Stück)
Frischer Rosmarinzweig
Statt die Kartoffeln am Lagerfeuer zu braten,
kann man die auch im Ofen rösten. Die KartofFür die Marinade
feln in längliche Stückchen schneiden, mit Öl
übergießen und mit Rosmarin, Pfeffer und Salz
Frische Zitrone (2 Stück)
würzen. Oder brate dir deine Kartoffeln, wie du
Frischen Knoblauch (2 Zehen)
es am liebsten hast!
Olivenöl (ca. 10 Esslöffel)
Pfeffer, Salz
03.06., 21 Uhr
LEERLAUF auf dem Tempelhofer Feld,
Treffpunkt: Haupteingang
am Columbiadamm
—
Wenn Sie weitere Veranstaltungen in unserem Kiez
teilen möchten, können Sie diese auf unserem
Kiezportal schillerpromenade-quartier.de im
Veranstaltungskalender eintragen oder uns eine
E-Mail an prom.red@gmail.com schreiben.
Auf der Facebook-Seite des QM Schillerpromenade werden wir in Kürze über
unseren Nachkochversuch berichten.
Mitmischen
Impressum
Die nächste Augabe erscheint am 12. Juni 2013. Kritik, Rückmeldungen
und Lob zur aktuellen Ausgabe bitte an prom.red@gmail.com schicken.
Wir laden Sie und euch herzlich zur nächsten Redaktionssitzung,
am 09. Mai, um 18 Uhr in der Mahlower Klause in der Weisestraße 63 ein.
Neuigkeiten von uns zwischen den Ausgaben gibt es auf
schillerpromenade-quartier.de und facebook.com/qm.schillerpromenade
—
Dienstag, 20 Uhr
SWING
im Café Engels, Herrfurthstr. 21
Herausgeber: Quartiersmanagement Schillerpromenade
Schillerpromenade 10, 12049 Berlin, schillerpromenade-quartier.de
Gestaltung: katrinfriedmann.com
Redaktion: Max Büch, Agnes Ludwig, Marlies Ludwig (Lektorat), Michael Zambrano
TEXTE, Fotos & Bilder: Sarah Bidoli, Misja Goossens, Petra Lafrenz, Philipp
Lorenz, Marieke Piepenburg, Christiane Quack, Achim Schindler, Tanja Schnitzler
Vertrieb: Mit freundlicher Unterstützung vom Warthe-Mahl
DRUCK: Henke Pressedruck GmbH & Co. KG / Auflage: 9 000
Berlin, April 2013
Wir freuen uns auf Ihre und eure Kommentare!
Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln der
Europäischen Union und dem Land Berlin
im Rahmen des Programms „Zukunftsinitiative
Stadtteil“ Teilprogramm „Soziale Stadt“
8
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Seele and Geist
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