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Der Gotthard ist ein sagenhafter Berg Wie viel - Schweizer Revue

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DIE ZEITSCHRIFT FÜR AUSLANDSCHWEIZER
OK TOBER 2006 / NR. 5
Der Gotthard ist
ein sagenhafter Berg
Wie viel Patriotismus
braucht die Demokratie?
Tanja Frieden:
Leben für den Fun-Sport
EDITORIAL
I N H A LT
Plädoyer für einen «Patriotismus light»
V
SC HWEIZ ER R EVU E Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: Keystone
haben mit ihrer Heimat nicht selten einen Umgang, der von Unsicherheit geprägt ist und leicht masochistische Züge
trägt. Engländer, Franzosen, Italiener oder gar Amerikaner verhalten sich ganz anders. Sie waren im Gegensatz zu den Schweizern immer stolz auf ihre Heimat. Manchem
Schweizer scheint seine Herkunft oft fast peinlich zu sein.
Ich erinnere mich an Radiosendungen zum 1. August mit Beiträgen von Auslandskorrespondenten, die erkunden mussten, welches Bild die Menschen in den Gastländern
von der Schweiz hatten. Den Schweizern ist es stets wichtig zu wissen, was die anderen
über sie denken. Deshalb wird vor heiklen Abstimmungen auch immer wieder gedroht,
vom Ausgang hänge das Ansehen der Schweiz im Ausland ab. Den Franzosen wäre das
völlig egal, den Engländern auch. Wer ausländische Medien konsumiert, stellt schnell fest,
dass die Schweizer Innenpolitik ausserhalb der Landesgrenzen kaum jemanden interessiert. Vielleicht zu Unrecht...
Gerne wird hier auch übersehen, dass das Image der Schweiz in der ganzen Welt hervorragend ist, dass das Land, in dem angeblich Milch und Honig fliesst, oft gar zu makellos dargestellt wird.
Ist es Unsicherheit, die uns gewisse Realitäten nicht sehen lässt? Warum sind wir häufig geneigt, unser Licht unter den Scheffel zu stellen, obwohl wir keinen Grund dazu haben?
Zum Glück hat sich die Stimmung im Land in den letzten Jahren stark gewandelt.
Wie ich im letzten Editorial geschildert habe, hat das weisse Kreuz im roten Feld in allen
Gesellschaftsschichten längst Kultstatus erworben. Schweizer zu sein ist cool geworden,
vor allem unter den Jungen.
Der Soziologe Kurt Imhof von der Universität Zürich beschäftigt sich seit langem
mit Fragen rund um den Patriotismus – unter besonderer Berücksichtigung der Situation in der Schweiz. Wir haben uns mit ihm über die Definition der Heimatliebe unterhalten, über deren Notwendigkeit und die Gefahren, die fehlgeleiteter Patriotismus
bewirken kann. Imhof erinnert im Gespräch daran, dass der Staat vor allem durch die
68er-Bewegung in Misskredit geraten war. Sie hat das Bild einer
ausbeuterischen Nation gezeichnet und diese als hässliche Fratze
des Kapitalismus und der Bourgeoisie an den Pranger gestellt. Und
noch in den Achtzigerjahren habe die Linke für die Schweizerinnen
und Schweizer den Begriff Heimat nicht dingfest machen können,
da die Schweiz für sie Synonym für unmoralisches und inkorrektes
politisches Handeln war. Vor allem die Intellektuellen standen mit
der Schweiz auf Kriegsfuss. Die Feststellung des Schriftstellers Max
Frisch wurde quasi zur Losung: «Mit der Schweiz verbindet mich
Heinz Eckert
nur noch der Reisepass.» Selbst die FDP, einst zusammen mit der
SP die staatstragende Partei des Landes, politisierte damals mit dem Slogan: «Mehr Freiheit, weniger Staat.» Diese Zeiten sind vorbei. Seit die Welt zum globalen Dorf geworden ist, befinden sich die Nationalstaaten wieder im Aufwind, Heimatgefühle dürfen wieder ausgelebt werden. Imhof plädiert deshalb für einen «Patriotismus light», für einen
Patriotismus ohne religiöse, politische oder ideologische Prägung. Man könne und dürfe
doch stolz sein auf einheimische Errungenschaften und Institutionen, meint Imhof. Und
er erwähnt die SBB, den funktionierenden Service Public, die soliden Sozialversicherungen oder die direkte Demokratie und erklärt sie zu Kunstwerken, an denen Generationen erfolgreich gearbeitet hätten.
So gesehen gibt es wirklich genügend Gründe, auf die Schweiz stolz zu sein.
IELE SCHWEIZERINNEN UND SCHWEIZER
HEINZ ECKERT, CHEFREDAK T OR
5
Briefkasten
5
Gelesen: Der Fall Jeanmaire
7
Gesehen: Small Number, Big Impact
8
Der Gotthard ist ein sagenhafter Berg
11
Abstimmungen
12
Offizielle EDA-Informationen
Tanja Frieden, Snowboard-Olympiasiegerin
Regionalnachrichten
14
Wie viel Patriotismus braucht die
Demokratie?
16
ASO-Informationen
18
Porträt: Tanja Frieden, Olympiasiegerin
19
In Kürze
Titelbild:
Mineure feiern am
6. September 2006 den ersten
Durchschlag für die
neue Oströhre im Gotthard.
Foto: Keystone
I M P R E S S U M : «Schweizer Revue», die Zeitschrift für die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, erscheint im 33. Jahrgang in deutscher, französischer, italienischer, englischer
und spanischer Sprache in 21 regionalen Ausgaben und einer Gesamtauflage von über 390 000 Exemplaren. Regionalnachrichten erscheinen viermal im Jahr.
■ R E DA K T I O N : Heinz Eckert (EC), Chefredaktor; Rolf Ribi (RR), Alain Wey (AW), Gabriela Brodbeck (BDK), Auslandschweizerdienst EDA, CH-3003 Bern, verantwortlich für die «Offiziellen
EDA-Informationen». Aus dem Bundeshaus berichtet René Lenzin (RL). Übersetzung: CLS Communication AG ■ POS T ADRESSE: Herausgeber/Sitz der Redaktion/Inseraten-Administration: Auslandschweizer-Organisation, Alpenstrasse 26, CH-3006 Bern, Tel. +4131356 6110, Fax +4131356 61 01, PC 30-6768-9. Internet: www.revue.ch ■ E - M A I L : revue@aso.ch ■ DRUC K:
Zollikofer AG, CH-9001 St.Gallen. ■ ADRESS ÄNDERUNG: Bitte teilen Sie Ihre neue Adresse Ihrer Botschaft oder Ihrem Konsulat mit und schreiben Sie nicht nach Bern.
Einzelnummer CHF 5.– ■
3
BRIEFKASTEN
In seinem ausgezeichneten
Editorial – dem man nicht
unbedingt voll zuzustimmen
braucht – hat Chefredaktor
Heinz Eckert einen Fehler
begangen. Er bezeichnet «La
Suisse n’existe pas» als Slogan,
mit dem die Schweiz in den
Neunzigerjahren auf sich aufmerksam machte. In Tat und
Wahrheit ist «Suiza no existe»
ein Bild des Waadtländer
Künstlers Ben Vautier, das mit
über 100 anderen Kunstwerken
den Schweizer Pavillon an der
Weltausstellung von Sevilla
von 1992 zierte, der – wie vom
Bundesrat beschlossen – dem
Thema Schweizer Kultur
gewidmet war. Vautier wollte
damit aussagen, dass es keine
schweizerische Kultur per se
gebe, sondern eine Reihe lokaler und regionaler Kulturen in
unserem Land. Der Pavillon
wurde zwar in der Schweiz von
gewissen konservativen Kreisen
heftig kritisiert, doch fand er
internationale Beachtung und
wurde als zukunftsträchtig bezeichnet. Unterschlagen wird
meist die Existenz eines zweiten Bildes von Ben Vautier im
Schweizer Pavillon in Sevilla.
Sein Titel: «Je pense donc je
Suisse»...
geschlichen hat. Gerhard
Richter ist eher einer der sehr
grossen Maler unserer Zeit und
obwohl er in seinen Werken in
der Tat auf die Fotografie zurückgreift, so ist er dennoch
nicht das, was man als «künstlerischen Fotografen» bezeichnen
könnte. Nochmals vielen Dank
für all Ihre Bemühungen für die
Schweizer im Ausland!
MAR TIN BAENNINGER, WES TMOUNT,
QUEBEC, KAN ADA
Lavaux – einfach schön
PHILIPPE LÉVY, EHEM. GENERAL -
Vielen Dank für den ausgezeichneten Artikel in der JuniAusgabe dieses Jahres der
«Schweizer Revue» über das
Lavaux. Ich habe mich sehr
gefreut zu hören, dass das Lavaux in Kürze zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen
wird. Ich habe schon sehr viele
Länder bereist, aber glauben
Sie mir, das Lavaux ist der
schönste Platz auf Erden, dank
der aussergewöhnlichen Landschaft und all den Weinbauern,
die seit Generationen unter
Schwerstarbeit die Weinberge
pflegen. Ein wichtiger Hinweis:
Die Weinberge vom Lavaux
befinden sich «am Fusse der Alpen am Lac Léman» und nicht
«am Genfersee». Jeder Einwohner aus dem Kanton Waadt, der
etwas auf sich hält, würde diese
Region nie anders nennen.
DIREK T OR DER MESSE BASEL
CLEO BOLENS DIBBLE, WAAD TL ÄNDERIN, WOHNHAFT IN WASHING T ON,
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Kleiner Fehler
Zunächst möchte ich Ihnen
meine Glückwünsche zu Ihrem
ausgezeichneten Magazin aussprechen, das ich immer mit
grosser Begeisterung lese. Der
Inhalt ist nicht nur sehr aktuell,
sondern auch sehr interessant,
gut präsentiert und im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen dieser Art intelligent
geschrieben. Bravo. Dennoch
möchte ich Sie auf einen
kleinen Fehler aufmerksam machen, der sich in der AugustAusgabe dieses Jahres ein-
US A
Dankeschön
Wie bereits viele andere vor
mir möchte auch ich Ihnen und
Ihren Mitarbeitern meinen
grössten Dank für die ausgezeichnete «Schweizer Revue»
aussprechen. Ich lese jede Ausgabe von vorne bis hinten durch
und fühle mich sehr mit dem
verbunden, was in der Schweiz
tagtäglich passiert. Somit bleibt
der Schweizer in mir wach und
lebendig! Vielen Dank!
JEANNY KAR TH, SÜDAFRIKA
In den späten Siebzigerjahren hatte ein «Jahrhundertverrat»
die Schweiz aufgewühlt. Der Einsterngeneral Jean-Louis
Jeanmaire, Kommandant der (damaligen) Luftschutztruppen, war im August 1976 in Lausanne auf offener Strasse verhaftet worden. Die Vorwürfe im Haftbefehl: militärischer
Nachrichtendienst und militärische Spionage. Der Brigadier
der Schweizer Armee hatte seit den frühen Sechzigerjahren
militärische Dokumente an sowjetische Militärattachés übergeben. Es war die Zeit des Kalten Krieges, im Volk und in den
Medien sorgte der «Landesverrat» für eine nationale Empörung. In einem streng geheimen Verfahren der Militärjustiz
wurde der Berufsoffizier im Juni 1977 degradiert, aus der
Armee ausgeschlossen und zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er 12 Jahre absitzen musste. Jeanmaire starb
1992 im Alter von fast 82 Jahren.
Der «Fall Jeanmaire» ist bis heute nicht zur Ruhe gekommen. Soeben ist ein Buch erschienen, dass die Hintergründe dieser Affäre,
die Stichhaltigkeit der Anklage, das Verfahren vor Militärgericht
und die Person des Offiziers sorgfältig beurteilt. Der Autor Jürg
Schoch hatte seinerzeit als Journalist im Bundeshaus über die
Staatsaffäre berichtet. Für seine Recherchen sind ihm nun die Jeanmaire-Akten im Bundesarchiv geöffnet worden. – Fast dreissig
Jahre nach dem Gerichtsurteil stellen sich Fragen: Hat Jeanmaire
tatsächlich Landesverrat zu Gunsten der Sowjetunion begangen?
Sind bei seiner Verhaftung und seiner Verurteilung die rechtsstaatlichen Normen eingehalten worden? Warum fiel das Urteil dermassen hart aus?
Im Parlament sprach Bundesrat Kurt Furgler am 7. Oktober 1976
von «geheimsten verratenen Unterlagen» und nannte den angeklagten Offizier noch vor der Gerichtsverhandlung einen «Verräter». Die später bekannt gewordene Anklageschrift listet 35 Verstösse auf. Als «geheim» klassifiziert war nur das Reglement zur
Durchführung der Kriegsmobilmachung, von dem es aber tausende
von Exemplaren gab. Korpskommandant Josef Feldmann stellte später fest, dass Jeanmaire «nie Zugang zu streng geheimen Akten
hatte».
Rechtsstaatliche Grundsätze wurden wiederholt verletzt: Jeanmaire wurde nach seiner Festnahme 107 Tage lang von der Umwelt
abgeschnitten, was der Menschenrechtskonvention widersprach.
Bei seiner Verhaftung lagen keinerlei Beweise vor, wie der Bundesanwalt zugeben musste. Während der Untersuchung rapportierte
der Bundesanwalt regelmässig Bundesrat Furgler, was eine Verletzung der Staatsgewalten war.
Der Ankläger und der Gerichtspräsident besprachen gemeinsam den Prozess, was ein sauberes
Gerichtsverfahren ausschloss. Das Urteil von 18
Jahren Haft lag nur zwei Jahre unter der gesetzlichen Höchststrafe. Der «Verrat am Vaterland»
musste gesühnt werden, so wollten es das Volk,
die meisten Politiker, die Offiziere und die Medien. Das harte Urteil sollte zudem den ausländischen Geheimdiensten zeigen, dass man die eigene Abwehr wieder im Griff hatte. Der Buchautor ist überzeugt, dass der Prozess
gegen den Offizier im damaligen aufgeputschten Klima nicht fair
sein konnte. «Jeanmaire war Täter und Opfer zugleich.» ROLF RIBI
«Vaterlandsverräter»
«Freudentaumel
in Rot-Weiss»
GELESEN
Jürg Schoch: Fall Jeanmaire, Fall Schweiz. Wie Politik und Medien einen «Jahrhundertverräter» fabrizierten. Verlag «hier und jetzt», Baden 2006, Fr. 38.–
5
GESEHEN
7
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Fotos aus dem Buch: Small Number – Big Impact
Small Number – Big Impact
Seit dem frühen 18. Jahrhundert sind mehrere Hunderttausend Schweizer
in die USA ausgewandert. Einige haben nachhaltige Spuren hinterlassen,
wie das Buch «Small Number – Big Impact» von Bruno Abegg und Barbara
Lüthi zeigt. Bilder und Biografien stellen Motive für die Auswanderung,
Reise, Eingliederung und den Einfluss der US-Schweizer dar. Das Buch ist im
NZZ-Buchverlag in Englisch erschienen und kostet 68 Franken.
Louis Chevrolet, Autokonstrukteur
Fritz Zwicky, Wissenschaftler
Elisabeth Kübler-Ross, Sterbeforscherin
Othmar H. Ammann, Brückenbauer
Yule Kilcher, Abenteurer
Marc Forster, Hollywood-Regisseur
Ausgewanderte Schweizer Familie
8
EIN KÖNIGLICHES GEBIRGE
Gotthard – der sagenhafte Berg
Nicht das Matterhorn, nicht die Jungfrau oder der Pilatus –
der Gotthard ist für die Eidgenossen der Berg der Berge.
Hier soll die Schweiz entstanden sein, hier hat sie ihre Jahrhundertwerke gebaut. Von Rolf Ribi
entfernt – die Reuss und der Tessin. Das
Gotthardmassiv ist auch eine Wetterscheide.
Wenn es im Norden regnet, beschert dem Süden meist ein Nordwind ein Bilderbuchwetter. Wenn im Norden der Föhn weht, giesst
es im Tessin oft tagelang.
Die Strasse über den Pass
piz im 13. Jahrhundert geweiht wurde. Das
Altarbild zeigt den Heiligen Gotthard.
«Der Gotthard ist zwar nicht das höchste
Gebirge der Schweiz, und in Savoyen übertrifft ihn der Montblanc an Höhe um vieles;
doch behauptet er den Rang eines königlichen Gebirges über alle andern, weil die
grössten Gebirgsketten bei ihm zusammenlaufen», schrieb Johann Wolfgang von Goethe 1779 in seinen «Briefen
aus der Schweiz». In der Tat
treffen die Berner und Walliser Alpen von Westen, die
Glarner und Bündner Alpen von Osten am Gotthard zusammen. Im Norden und Süden schneiden
die Reuss und der Tessin
tiefe Täler ins Gebirge.
«Königliches Gebirge»
Der Gotthard ist eine euZunächst ist der Gotthard
ropäische Wasserscheide.
ein massives Gebirge zwi- Die legendäre «Gotthardpost»
Von seinen Höhen nehmen
schen dem Reusstal und der von Rudolf Koller, 1870.
vier grosse Flüsse ihren Lauf
Leventina, genauer zwischen Urserental und – der Rhein bis zur Nordsee, die Rhone zum
Bedrettotal. Sein höchster Gipfel Pizzo Ro- Mittelmeer, die Reuss in die Aare und später
tondo erreicht 3192 Meter. Der Name Gottin den Rhein, der Tessin in den Po und dann
hard stammt vom Pass zwischen Hospental
ins Adriatische Meer. Zuoberst auf dem Pass
und Airolo, und dieser trägt den Namen ei- fliessen zwei muntere Bächlein aus kleinen
nes Bischofs, dem die Kapelle auf dem Hos- Bergseen, nur wenige Schritte voneinander
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Fotos: Alptransit/Kunsthaus Zürich/
Sammlung Rhyner, Stadt- und Universitätsbibliothek Bern, Pro Literis, Pressedienst.
Jeder Schüler hört die Sage vom Bau der
Teufelsbrücke, wo die Urner den Teufel
überlistet haben. Viele kennen das Bild
«Gotthardpost» von Rudolf Koller, das im
Zürcher Kunsthaus hängt. Ältere Männer
und Frauen erinnern sich an das militärische
Reduit am Gotthard im Zweiten Weltkrieg.
Manche Eidgenossen sehen die Geburtsstunde des Landes im Freiheitswillen der
Hirten am Gotthard. Und
alle Schweizer sind stolz auf
die Jahrhundertwerke der
Passstrasse, der Eisenbahn
mit ihren Kehrtunnels, der
Autobahn mit dem Strassentunnel und schon bald des
längsten Bahntunnels der
Welt.
Fast vier Jahre dauerten die Bohrungen ...
Bis ins 12. Jahrhundert verhinderte die
Schlucht der Schöllenen den Weg zum Gotthard. Erst nach dem Bau der Teufelsbrücke
um 1220 begann ein Saumverkehr mit Lasttieren bis in die Lombardei. Aber bis ins
Denkmal für verunglückte Mineure in Airolo.
16. Jahrhundert blieb der gefährliche Pfad
vor allem eine lokale Verbindung zwischen
den beiden Tälern. Für den Weg von Flüelen nach Bellinzona brauchten die Säumer
sieben Tage. Im 17. und 18. Jahrhundert gab
es einen Pferdepostdienst zwischen Zürich
und Mailand. Mit dem Ausbau des alten
Saumweges zur Passstrasse um 1830 wurde
der Gotthard zum wichtigsten Verkehrsweg
über die Alpen – zuerst mit Pferdekutschen
und später mit den ersten Automobilen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein
wachsender Reiseverkehr ein. Mit dem Nationalstrassenbau kam die Idee eines Stras-
...bis zum ersten Durchbruch am 6. September 2006.
9
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Fotos: Alptransit/Sammlung Rhyner, Stadt- und Universitätsbibliothek Bern, Pro Literis, Pressedienst.
sentunnels am Gotthard auf. 1980 war der
damals längste Strassentunnel der Welt nach
elfjähriger Bauzeit verwirklicht – 16,9 Kilometer lang in einer einzigen Tunnelröhre mit
einem Sicherheitsstollen. «Der Tunnel ist
kein Korridor für den Schwerverkehr. Unsere Verkehrspolitik sieht heute und morgen
den Güterverkehr auf der Schiene», sagte
Bundesrat Hans Hürlimann bei der Einweihung. Heute wissen wir: Diese Hoffnung hat
Ein Gesamtkunstwerk: die sieben Kehrtunnels der Gotthardbahn.
sich nicht erfüllt, die Flut der Lastwagen
(und Personenwagen) wird immer grösser
und bringt den Menschen an der Gottharddie Gotthardautobahn wieder Schlagzeilen:
dungsmythos eindrücklicher geprägt als der
route mehr Fluch als Segen.
Riesige Felsbrocken lösten sich bei Gurtnel- Dichter Friedrich Schiller in seinem FreiAm 24. Oktober 2001 um 9.44 Uhr wird
len aus dem Berg und stürzten 700 Meter in
heitsdrama «Wilhelm Tell» von 1804. «Der
der Gotthardstrassentunnel zum Inferno:
die Tiefe. Ein deutsches Ehepaar im Auto
Gotthardweg wird zum Schicksalsweg Tells,
Ein nordwärts fahrender Lastwagen voller
wurde tödlich getroffen, viele andere hatten
zum gemeinsamen Schicksalsweg der EidgePneus stösst frontal mit einem südwärts fah- Glück. Bis 125 Tonnen schwere und 50 Kunossen» (Helmut Stalder). Der neue Bundesrenden Sattelschlepper zusammen. Feuer
bikmeter grosse Granitbrocken versperrten
staat von 1848 habe diesen Mythos gern aufbricht aus, ein Dieseltank explodiert, der
Autobahn und Kantonsstrasse. Gegen solche
genommen: «Um den Gotthard herum liess
Rauch raubt Sicht und Atemluft, die Tunnel- Giganten gebe es keinen Schutz, sagten die
sich eine nationale Identität aufbauen», mit
decke stürzt herab. Elf Menschen sterben an
Urner Behörden. Der überhängende Felskopf
Tugenden wie Freiheitsliebe, Wehrhaftigkeit,
Rauchvergiftung. Der Brand
wurde Tage später von Fach- Gottesfurcht und Traditionsverbundenheit.
im Gotthardtunnel wurde
leuten meisterhaft gesprengt.
Ein Jahrhundert lang blieb der Gotthard
zur nationalen Katastrophe,
Dutzende Fernsehkameras
das Symbol für Freiheitswille, Widerstand
ja zum europäischen Ereignis.
verfolgten das Spektakel auf
und Wachsamkeit, ja sogar als die von Gott
Es war das schlimmstmöglider sicheren Talseite.
geschaffene Festung der Schweiz. Dieser
che Szenario. Kritiker verÜberzeugung war der Bundesrat am Vorlangten den raschen Bau eiVaterländischer Mythos
abend des Zweiten Weltkriegs: «Es kommt
ner zweiten Tunnelröhre und
«Der Bau der Teufelsbrücke
nicht von ungefähr, dass die ersten eidgenösendlich die Verlagerung des
in der Schöllenen wurde als
sischen Bünde sich um den Gotthardpass laGüterverkehrs auf die Bahn.
die entscheidende Tat gesegerten. Die Tatsache war providenziell und
Das Bundesamt für Strassen
hen, die am Anfang der Eidwesentlich für den Sinn des eidgenössischen
erklärte, der Tunnel mit sei- Die Schöllenen mit der
genossenschaft stand»,
Staatsgedankens.» Der Gotthard als Symbol
ner Infrastruktur sei sehr si- Teufelsbrücke.
schreibt der Historiker und
der Selbstbehauptung – das galt auch für die
cher. «Kein Mensch hätte im Tunnel sterben
Journalist Helmut Stalder in seinem Buch
Alpenfestung des «Reduit national» von Gemüssen, wenn sich die Betroffenen richtig
«Mythos Gotthard». Der Gotthard als Keimneral Henri Guisan. Am Ende des Krieges
verhalten hätten.» Fünf Jahre später lieferte
zelle der Schweiz – keiner hat diesen Grünstand fest: Der Gotthard und seine Festung
Aufschüttung mit Aushub aus dem Gotthard im Reussdelta vor Flüelen.
Grossbaustelle beim Tunneleingang in Faido.
10
EIN KÖNIGLICHES GEBIRGE
haben den Feind von einem Angriff abgehalten, die Unabhängigkeit hat gesiegt – auch
dank einem gnädigen Schicksal.
Die Bahn durch den Gotthard
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: Alptransit
Gotthard oder Lukmanier – der jahrelange
Streit um den neuen Alpentunnel endete erst
1871 mit der Gründung der Gotthardbahngesellschaft. Treibende Kraft war der Zürcher Politiker und Kaufmann Alfred Escher.
Der Genfer Louis Favre erhielt den Zuschlag
für den Bau des 14,9 Kilometer langen Tunnels, den er für 47,8 Millionen Franken in genau acht Jahren verwirklichen wollte.
Im September 1872 beginnen die Mineure
ihre unglaublich harte Arbeit. Sie stehen
knietief im Wasser, die Luft ist heiss und rauchig, der Aufenthalt im Tunnel höchst gefährlich. Am 28. Februar 1880 treffen die
Bohrstangen aus den beiden Stollen fast
exakt aufeinander – seitlich weichen sie nur
33 Zentimeter ab, in der Höhe fehlen nur
wenige Zentimeter. Der damals längste
Bahntunnel der Welt und die erste wintersichere Verbindung durch die Schweizer
Alpen sind vollendet. Am 1. Juni 1882 nimmt
die Gotthardbahn den Betrieb auf.
Mindestens 200 Mineure, fast alle Italiener, haben ihr Leben verloren. Auf dem
Friedhof von Göschenen ist ihnen ein kleiner Gedenkstein gewidmet, beim Bahnhof
von Airolo steht das von Vincenzo Vela geschaffene Denkmal «Le vittime del lavoro»
für die verunglückten Arbeiter. Louis Favre
erlebte seinen Triumph nicht mehr – ein halbes Jahr vor der Vollendung seines Werks
brach er im Tunnel zusammen. Auch Alfred
Escher war bei den Feiern in Luzern und
Mailand nicht mehr dabei – der Vater der
Gotthardbahn galt als Sündenbock für die
Kostenüberschreitung und trat verbittert zurück.
Nicht nur der Tunnel, die ganze Gotthardbahn ist ein grandioses Gesamtkunstwerk.
Dazu gehören die sieben Kehrtunnels bei
Wassen, im Dazio Grande und in der Biaschina-Schlucht, die elegant hunderte von
Höhenmetern überwinden. «Die Gotthardbahn, das war der helvetische Suezkanal, das
war die technische Bezwingung der Alpen,
das war der Sieg über die Vertikale» (Helmut
Stalder).
Noch ein Jahrhundertwerk
Und wieder entsteht am Gotthard ein Bauwerk des Jahrhunderts: Der 57 Kilometer
lange Basistunnel von Erstfeld nach Bodio
ist ein Tunnel der Superlative, der längste Eisenbahntunnel der Welt. Zwischen der Zentralschweiz und der Südschweiz entsteht die
erste alpenquerende Flachbahn, eine gerade
Verbindung in der Ebene, die kühnste Vision
zur Bezwingung der Alpen. Seit dem Herbst
1993 arbeiten sich mächtige Tunnelbohrmaschinen mit einem Bohrkopf von zehn Meter Durchmesser in den hunderte Millionen
Jahre alten Fels. Noch nie wurde ein Tunnel
so tief in den Berg gebohrt. Gemäss Computermodell werden die Tunnelvortriebe am
Ende mit weniger als zwanzig Zentimeter
Abweichung aufeinander treffen.
Auf einem Kilometer müssen die Züge
höchstens acht Höhenmeter überwinden.
Dank dieser geringen Steigung werden die
Reisezüge mit 250 Kilometern pro Stunde
durch die Alpen brausen. Die Verbindung
Schema des Gotthardbasistunnels mit Nothaltestellen und Lüftung.
von Zürich nach Mailand wird um eine
Stunde auf zwei Stunden 40 Minuten verkürzt. Die Flachbahn ermöglicht längere
Güterzüge mit doppelt so viel Gewicht wie
heute, die bis 160 Stundenkilometer schnell
fahren werden.
Die neue Gotthardstrecke ist Teil der
Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen
(Neat). Der 1992 vom Schweizervolk beschlossene Bau der Neat und das 1998 genehmigte Projekt mit dem Bau der beiden Tunnels am Gotthard und am Lötschberg soll
2016 vollendet sein und wird gegen 18 Milliarden Franken kosten. Schon jetzt lässt sich
sagen: Der Gotthardbasistunnel mit seinen
zwei einspurigen Röhren wird zum Werk des
21. Jahrhunderts.
Und was geschieht nach der Eröffnung der
neuen Flachbahn mit der alten Gotthardbahn, diesem Meisterwerk der Ingenieurkunst? Wenn statt der heute 260 Züge am
Tag nur noch drei Dutzend Lokomotiven die
Kehrtunnels beim Kirchlein von Wassen erklimmen? Dann soll die alte Gotthardstrecke zum Weltkulturerbe der Unesco werden.
LITERATUR. DOKUMENTATION:
Helmut Stalder: «Mythos Gotthard». Orell Füssli Verlag,
Zürich 2003. Fr. 44.80, Euro 29.90; «Der St.Gotthard
und seine Hospize». Schweizerischer Kunstführer.
Bern 1994; www.alptransit.ch (Neat-Basistunnel)
www.gotthard-strassentunnel.ch (Verkehrsinformationen, Besuch Kommandozentrale); www.gotthardtunnel.ch (Informationen zum Bahntunnel und seine
Geschichte); www.gotthard-hospiz.ch (Sehenswürdigkeiten, Hotel, Restaurant)
Mit 57 Kilometern ist der neue Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt.
POLITIK/ABSTIMMUNG
Vorschau auf die Abstimmung
vom 26. November
1. Beitrag an die neuen
Mitgliedstaaten der EU
2. Einheitliche Kinderzulagen
von mindestens 200 Franken
Resultate der Abstimmung
vom 24. September
1. Ja zum neuen Ausländer- und
zum neuen Asylgesetz
2. Nein zur Volksinitiative «Nationalbankgewinne für die AHV»
Im Zusammenhang mit dem zweiten bilateralen Verhandlungspaket haben die Schweiz
und die EU gleich noch zwei weitere Vereinbarungen getroffen: Den Ausbau des freien
Personenverkehrs auf die zehn neuen Mitglieder der Union und einen Beitrag von einer Milliarde Franken an diese zehn Staaten.
Die eigentlichen Verhandlungsdossiers und
die Ausdehnung des Personenverkehrs haben den Referendumstest im vergangenen
Jahr bestanden. Nun muss das Volk auch
noch über den dritten Teil befinden. Die
Schweizerische Volkspartei hat, unterstützt
von Schweizer Demokraten und der Aktion
für eine unabhängige und neutrale Schweiz,
erfolgreich das Referendum gegen diese Kohäsionszahlungen ergriffen.
Bundesrat und Parlament wollen die Unterstützungsbeiträge im Rahmen des Osthilfegesetzes leisten. Es handelt sich nicht um
Zahlungen an den Kohäsionsfonds der EU,
sondern um direkte Beiträge der Schweiz an
bilateral ausgehandelte Projekte in osteuropäischen Staaten. Festgelegt ist nur die Gesamthöhe und die Verteilung an die einzelnen Länder. Insgesamt werden sich die
Zahlungen auf zehn Jahre erstrecken. Zu 60
Prozent müssen die beiden Departemente,
welche die Osthilfe leisten, die zusätzlichen
Ausgaben intern kompensieren. Nicht gekürzt werden darf dabei die Entwicklungshilfe an die Länder der südlichen Hemisphäre. Die restlichen 40 Prozent stammen
aus allgemeinen Bundesmitteln.
Die Schweiz kann ihr Ausländerrecht definitiv modernisieren. Die Stimmberechtigten
haben dem linksgrünen Referendum eine
Abfuhr erteilt und das Gesetzesprojekt von
Bundesrat und Parlament deutlich angenommen. Es schreibt ein duales Zulassungssystem für Ausländer fest: EU-Bürger sind aufgrund der bilateralen Verträge Schweizern
gleichgestellt, von ausserhalb der EU haben
nur noch gut qualifizierte Personen Zugang
zum schweizerischen Arbeitsmarkt. Verbessert werden soll die Integration der in der
Schweiz anwesenden Ausländer.
Parallel zum Ausländergesetz befürwortete das Volk auch eine Verschärfung des
Asylrechts. Obwohl das Referendumskomitee gegen diese Bestimmungen breiter abgestützt war und sich der Abstimmungskampf
fast ausschliesslich auf sie konzentrierte,
erreichten beide Gesetze praktisch die gleiche Zustimmung: 68 Prozent der Stimmenden sagten Ja zum Ausländergesetz, 67,8 Prozent waren es beim Asylgesetz. Alle Kantone
stimmten zu. Über 75 Prozent Ja-Stimmen
erreichten beide Gesetze in den Kantonen
Aargau, Appenzell-Innerrhoden, Glarus,
Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Thurgau
und Zug. In der Westschweiz schlossen
die Gesetze etwas schlechter ab als in
der Deutschschweiz. Nur knapp über 50 Prozent war die Zustimmung in Genf, Jura und
Neuenburg.
Preis für den bilateralen Weg
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
11
Die SVP hat verlangt, dass die Milliarde budgetneutral finanziert wird. Zudem wollte sie
ins Gesetz schreiben, dass die Schweiz keine
ähnlichen Zahlungen leistet, wenn Rumänien, Bulgarien und weitere Staaten der EU
beitreten. Mit beiden Anliegen ist sie im Parlament gescheitert, weshalb sie das Referendum ergriffen hat. Der Nationalrat stimmte
dem Gesetz mit 127 zu 53 Stimmen zu, der
Ständerat mit 37 zu 1.
Für den Bundesrat und die Mehrheit des
Parlaments sind diese Zahlungen der Preis
Fortsetzung auf Seite 15
Nationalbankgewinne nicht für die AHV
Die Volksinitiative der Sozialdemokraten,
welche einen Teil der Nationalbankgewinne
in die Alters- und Hinterbliebenenversicherung leiten wollte, scheiterte am Volks- und
am Ständemehr. 58,3 Prozent der Stimmenden sagten Nein zu diesem Vorschlag. Zustimmung erhielt er nur gerade in den Kantonen Tessin (57,5 Prozent), Basel-Stadt
(53,6) und Genf (51,3). Ganz knapp fiel das
Begehren im Jura durch (49,2 Prozent Ja).
Am klarsten wurde es in Appenzell-Innerrhoden (74,9 Prozent Nein), Zug (66,8),
Glarus (66,5) sowie Appenzell-Ausserrhoden
und Thurgau (je 66,2) verworfen.
RL
Kommentar: Herbe Niederlage
für die Linke
Bis kurz vor der Abstimmung war die
Linke zuversichtlich, eine Mehrheit für
ihre Volksinitiative «Nationalbankgewinne für die AHV» erzielen zu können.
Umso ernüchternder fiel das Ergebnis für
sie aus: Drei von fünf Stimmberechtigten
und 23 von 26 Kantonen lehnten den Vorschlag ab. Eine deutliche Mehrheit sagte
damit Nein zu einem Abenteuer, auf das
sich bisher noch kein Land eingelassen
hat, nämlich die Verknüpfung von Währungs- und Sozialpolitik. So verlockend
der Geldsegen für die AHV gewesen wäre –
das Volk vermochte darin weder eine
nachhaltige Lösung für die Sicherung der
Renten zu sehen, noch wollte es Bund
und Kantonen jährliche Einnahmeausfälle von 1,5 Milliarden bescheren.
Die Abstimmungssieger werden trotz
des klaren Verdikts nicht lange auf ihren
Lorbeeren ausruhen können. In wenigen
Jahren droht der AHV eine Finanzierungslücke. Also gilt es, rasch eine Reform aufzugleisen und dabei einen Mix aus Leistungskorrekturen und Mehreinnahmen zu
finden, der im Volk mehrheitsfähig ist.
Noch deutlicher ist die Niederlage der
Linken bei den Revisionen des Asyl- und
des Ausländergesetzes. Obwohl auch bürgerliche Kreise die Gesetze kritisiert hatten und obwohl die Asylgesuche so gering
sind wie seit Jahren nicht mehr, ist die
Mehrheit überzeugt, dass der Zugang zum
Asylrecht weiterer Verschärfungen bedarf. Dieses Ergebnis kommt insofern
nicht überraschend, als das Volk in sämtlichen Abstimmungen zur Ausländerpolitik der letzten Jahre Bundesrat und
Parlament gefolgt ist.
Mit dem Ja zum Ausländergesetz haben
die Stimmberechtigten die Basis für eine
zeitgemässe Einwanderungs- und Integrationspolitik gelegt. Weniger klar ist,
ob das revidierte Asylgesetz die hohen
Erwartungen der Befürworter zu erfüllen
vermag. Denn auch mit diesen Verschärfungen dürfte es schwierig bleiben, Menschen von der Schweiz fernzuhalten, die
zwar in ihren Ländern nicht verfolgt
werden, aber im reichen Norden auf ein
besseres Leben hoffen.
RENE LENZIN
12
O F F I Z I E L L E E D A - I N F O R M AT I O N E N
Ehegüterrecht
bei Wohnsitz
im Ausland
Das schweizerische Ehegüterrecht regelt, welche Güter
während der Ehe den Ehegatten gehören und wie das Vermögen bei Scheidung oder Tod
aufgeteilt wird. Bei Wohnsitznahme im Ausland kann das
internationale Privatrecht des
Wohnsitzlandes unter Umständen vorsehen, dass der in
der Schweiz gewählte Güterstand nicht gültig ist. Es ist
deshalb empfehlenswert, sich
bei einem Wohnsitzwechsel
ins Ausland über die massgeblichen internationalen Privatrechtsregelungen des Wohnsitzstaates zu informieren.
Das schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) unterscheidet
drei verschiedene Formen des
Güterstandes.
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Illustration: Bartak
Errungenschaftsbeteiligung
Sie wird in den Artikeln 196 bis
220 ZGB geregelt. Sie wird als
«ordentlicher Güterstand» bezeichnet und gilt von Gesetzes
wegen, wenn die Ehegatten keinen Ehevertrag geschlossen haben. Bei der Errungenschaftsbeteiligung haben Frau und
Mann grundsätzlich getrennte
Vermögen. Die Vermögenswerte werden in Eigengut und
Errungenschaft aufgeteilt.
Zum Eigengut gehören
Vermögenswerte, die einem
Ehegatten ausschliesslich zum
persönlichen Gebrauch dienen:
zum Beispiel Kleider, Sportausrüstung oder Vermögenswerte, die ein Ehegatte bereits
bei der Heirat besitzt oder
die er während der Ehe unentgeltlich erwirbt (Schenkung,
Erbschaft). Unter die Errungenschaft fallen Vermögenswerte, die die Ehegatten im
Verlauf ihrer Ehe entgeltlich
erwerben, beispielsweise durch
Arbeit, sowie die Zinsen des
Eigengutes.
Wird der Güterstand durch
Scheidung oder Tod aufgelöst,
wird die Errungenschaft hälftig
der Frau und dem Mann zugeschrieben. Der Anteil, der
dem verstorbenen Ehegatten
gehört, vererbt sich nach den
Bestimmungen des Erbrechts.
Gütergemeinschaft
Gesetzlich in Artikel 221 bis
246 ZGB festgehalten, wird
sie durch Ehevertrag zwischen
den Ehegatten vereinbart. Hier
werden drei Vermögensmassen
unterschieden: das Frauengut,
das Männergut und das Gesamtgut. Das Gesamtgut gehört
beiden Ehegatten ungeteilt.
Was zum Gesamtgut gehört,
wird im Ehevertrag geregelt.
Gütertrennung
Die Gütertrennung wird als
«ausserordentlicher Güterstand» umschrieben und entweder von Gesetzes wegen
oder durch den Richter angeordnet (Artikel 247 bis 251
ZGB). Die Gütertrennung
kann aber auch durch Ehevertrag zwischen den Ehegatten
gewählt werden. Bei der Gütertrennung gibt es kein gemeinsames Vermögen. Beide
Ehegatten verwalten und nutzen ihr Vermögen autonom
und verfügen selbstständig
darüber während der Ehe. Bei
der Auflösung der Ehe hat kein
Ehegatte einen güterrechtli-
chen Anteil am Vermögen des
andern.
Änderung der Güterstände
durch Ehevertrag
Die Ehegatten können durch
einen Ehevertrag die vom
Gesetzgeber vorgegebenen
Regelungen in einem gewissen
Rahmen ihren individuellen
Bedürfnissen anpassen. Wer
einen Ehevertrag schliessen
will, muss urteilsfähig sein. Unmündige oder Entmündigte
brauchen die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters.
Grundsätzlich werden Eheverträge in der Schweiz bei einem
Notar abgeschlossen.
Weitere Informationen zum
schweizerischen Ehegüterrecht
sind in der Broschüre «Eheund Erbrecht, ein Leitfaden
für Braut- und Eheleute» des
Bundesamtes für Justiz enthalten. Sie kann über diese Internetadresse bezogen werden:
www.bundespublikationen.ch
Bei Wohnsitz im Ausland
Komplexer wird die Situation,
sobald Schweizer Ehepaare ihren Wohnsitz von der Schweiz
ins Ausland verlegen. In solchen Fällen wird neben schweizerischem auch ausländisches
Recht tangiert. Viele Brautund Eheleute sind sich nicht
bewusst, dass bei einem Wohnsitzwechsel ins Ausland die
Rechtsbestimmungen des
Wohnsitzstaates angewendet
werden können und der von ihnen gewählte schweizerische
Güterstand keine Geltung hat.
Entsprechende Bestimmungen
darüber, welches Recht nun angewendet wird - das schweizerische oder das ausländische enthält das massgebliche
internationale Privatrecht des
Wohnsitzstaates.
Das internationale Privatrecht regelt, welche Rechtsordnung auf den jeweiligen Sachverhalt angewendet wird. Es
regelt privatrechtliche Rechtsbeziehungen (Personenrecht,
Familienrecht, Erbrecht, Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht
usw.) mit internationalem Charakter. Es beantwortet hauptsächlich folgende Fragen:
Welches nationale Recht ist anwendbar? Welches Gericht ist
zuständig? Unter welchen Bedingungen kann ein Entscheid,
der in einem Staat gefällt wurde, in einem anderen Staat
anerkannt und vollstreckt werden? Im Ausland werden also
diejenigen Normen zur Beurteilung von Sachverhalten angewendet, die die internationalen Privatrechtsregelungen der
betroffenen Staaten vorsehen.
Für unsere Mitbürgerinnen
und Mitbürger im Ausland
wichtig zu wissen: Es gilt grundsätzlich das internationale Privatrecht ihres Wohnsitzlandes.
Dieses bestimmt im Wesentlichen, welches Recht für ihre
güterrechtlichen Verhältnisse
angewendet wird und welche
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
13
Gestaltungsmöglichkeiten bestehen.
Wir empfehlen deshalb im
Ausland lebenden schweizerischen Ehepaaren, sich in ihrem
Wohnsitzstaat über die dort
geltenden Bestimmungen des
internationalen Privatrechts zu
erkundigen. Unter Umständen
kann dieses gewisse Wahlmöglichkeiten bei der Festlegung
der güterrechtlichen Verhältnisse einräumen. Dies würde
bedeuten, dass die schweizerischen Ehepaare mitbestimmen
könnten, welches Recht für
ihre güterrechtlichen Verhältnisse massgeblich ist, ob
schweizerisches oder dasjenige
des Wohnsitzstaates. Auch sollten sich Auslandschweizerinnen und -schweizer erkundigen, was mit dem bisher
gelebten Güterrecht geschieht.
Auskünfte über die zuständigen Rechtsbehörden des
Wohnsitzlandes können die
schweizerischen Vertretungen
im Ausland erteilen. Diese vermitteln auch Adressen von Anwälten und Notaren im Wohnsitzstaat.
Sieht das internationale Privatrecht des Wohnsitzstaates
eine Anwendung des schweizerischen internationalen Privatrechts vor und wollen sich
Auslandschweizerinnen und
-schweizer über die entsprechenden schweizerischen
Bestimmungen informieren,
können sie an folgende Stellen
in der Schweiz gelangen:
■ Rechtsauskunftsstellen der
Kantone
■ kantonale Anwaltsverbände.
Ferner erteilt das schweizerische Institut für Rechtsvergleichung in Lausanne Rechtsauskünfte, allerdings gegen
Gebühr. Die Tarife bewegen
sich je nach Aufwand zwischen
CHF 150 und CHF 450 pro
Stunde. Sollten die Recherchen
einen Aufwand von CHF 500
übersteigen, so wird der Auftraggeberin oder dem Auftrag-
geber ein Kostenvoranschlag
unterbreitet. Auf diese Weise
kann die Kundin oder der
Kunde entscheiden, ob das
Institut die Rechtsabklärungen
vornehmen soll oder nicht.
Adresse:
Schweizerisches Institut für
Rechtsvergleichung,
1015 Lausanne
Tel.: +41 21 692 49 11
Fax: +41 21 692 49 49
E-Mail: Secretariat.isdcdfjp@unil.ch
Internet: www.isdc.ch
Gesunde Umwelt
und Sozialwerke
durch Energiebesteuerung
Ein überparteiliches Initiativkomitee hat die eidgenössische Volksinitiative «Nicht
erneuerbare Energien statt
Arbeit besteuern» lanciert.
Die Volksinitiative bezweckt,
die schweizerische Bundesverfassung (BV) zu ändern. In einem neuen Artikel 131a BV sollen die Grundzüge einer
ökologischen Energiesteuer
festgehalten werden. So soll
der Bund alle obligatorischen
Sozialversicherungen teilweise
oder vollständig mittels Steuern auf nicht erneuerbare
Energien finanzieren. Durch
die Verlagerung der Abgaben
von der Arbeit auf diese Energien soll die Umwelt geschützt
und sollen die Sozialversicherungen in der Schweiz langfristig gesichert und finanziert
werden.
Ferner sieht die Initiative
vor, die Beiträge aller sozialversicherungspflichtigen Prämienzahler schrittweise und möglichst schnell zu reduzieren.
Die Prämien sollen ersetzt
werden, indem nicht erneuerbare Energien besteuert werden. Dies sind Kohle, Erdöl,
VOLKSINITIATIVEN
Seit der letzten Ausgabe sind folgende Volksinitiativen lanciert worden und können unterschrieben werden:
«Für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten; bis 27. Dezember
2007
■ «Gegen masslosen Bau umwelt- und landschaftsbelastender Anlagen»; bis 20. Dezember 2007
■ «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!»; bis 20. Dezember 2007
Unter der Seite www.admin.ch/ch/d/pore/vi/vis_1_3_1_1.html
können Sie die Unterschriftenbogen der hängigen Initiativen herunterladen.
■
URNENGANG
Eidgenössische Volksabstimmung vom 26. November 2006
Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Zusammenarbeit mit den
Staaten Osteuropas (unter Vorbehalt des Zustandekommens des Referendums)
■ Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Familienzulagen (unter
Vorbehalt des Zustandekommens des Referendums)
■
Erdgas sowie Energie von
Wasserkraftwerken.
Nach Auffassung des Initiativkomitees würden sich die
Lohnkosten reduzieren und erhielten die Arbeitnehmer netto
mehr Lohn. Ebenso würde der
Faktor Arbeit für die Wirtschaft günstiger und bestehe
ein Anreiz, neue Arbeitsplätze
zu schaffen. So würde auch der
Konsum angekurbelt.
Die Initiative können Sie
noch bis zum 24. Juli 2007 unterzeichnen.
Adressänderungen:
Bitte nicht nach
Bern melden
Melden Sie Adressänderungen
einzig und allein Ihrer zustänInserat
digen Schweizer Botschaft
oder Ihrem zuständigen
Schweizer Konsulat im Ausland. Nur diese Stellen sind für
die Verwaltung der Adressen
unserer Landsleute im Ausland
und damit für den korrekten
Versand der «Schweizer Revue» zuständig.
Durch Ihre Mithilfe lassen
sich aufwändige Nachforschungen vermeiden, die der Auslandschweizerdienst aufgrund
der zahllosen Rücksendungen
von unzustellbaren Ausgaben
der «Schweizer Revue» durchzuführen hat.
VERANT WOR TLIC H FÜR DIE OFFIZIELLEN EDA-INF ORMATIONSSEITEN:
G ABRIEL A BRODBEC K, AUSL ANDSC HWEIZERDIENS T/EDA
14
PAT R I O T I S M U S U N D D E M O K R AT I E
Ein Plädoyer für den «Patriotismus light»
Das weisse Kreuz auf rotem Grund ist zum modischen Accessoir
geworden, die Schweiz steht quer durch die Bevölkerung wieder
hoch im Kurs: Ein neuer, unpolitischer Patriotismus liegt im
Trend. Kurt Imhof, Soziologe und Patriotismus-Experte, erklärt
warum. Interview Heinz Eckert
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: Keystone
«Schweizer Revue»: Noch vor wenigen
War das ein Kalkül der SVP?
Jahren gehörte es zum guten Ton, die Schweiz
Die SVP hat mit diesem Programm für
zu kritisieren. Was war der Grund für diese
viele ein Vakuum gefüllt, aber ich glaube
negative Einstellung zur Heimat?
nicht, dass es kalkuliert war. Christoph BloKurt Imhof: Mit der Achtundsechzigercher ist sicher ein Patriot, er spielte nichts
Bewegung begann der politische Kampf
vor.
gegen den Staat mit all seinen Ausprägungen.
Bekämpft wurden Auswüchse des Kalten
Der Patriotismus, der heute gepflegt wird, hat
Krieges wie die staatliche Überwachung, die
damit aber nicht mehr viel zu tun.
Bundespolizei, der Ausbau des
Staatsschutzes sowie die Bourgeoisie und das Kapital. Man darf
dabei nicht vergessen, dass die SP
– wie die FDP auch – nach dem
Krieg eine ausgesprochen staatstragende Partei war. Auch dagegen protestierte die Achtundsechziger-Bewegung. Hinzu kam,
dass die Schweiz im Nord-SüdDualismus nicht als Opfer, sondern als Täter betrachtet wurde.
Damals wurde die Revolution ja
vom Süden erwartet. Der linke
Kampf gegen den Staat wurde
dann durch bürgerliche Parteien
fortgesetzt. In den Siebzigerjahren begann die FDP mit dem
Slogan «Weniger Staat, mehr
Freiheit» zu werben. Der Antietazismus hat also eine lange linke
wie rechte Tradition.
Kurt Imhof: «Schweizbild ohne Parteifarben»
Das war lange vor Ronald Reagan und Margaret Thatcher…
Ja, die Schweiz war damals eine Vorkämpferin für den Neo-Liberalismus. Erst Jahre
später kamen Reagan und Thatcher mit dem
gleichen Programm an die Macht. 1983 hat
dann die SVP von der FDP das «Antietazismus-Szepter» übernommen und mit einem
«Landi-Patriotismus» ergänzt. Mit Letzterem hat sie ihre Stimmen gewonnen. In den
Neunzigerjahren wurde der Antietazismus,
verbunden mit Patriotismus und basierend
auf geistiger Landesverteidigung, noch verstärkt und als Mischung zum Erfolgsrezept
der SVP.
Nein. Die SVP hat den Patriotismus ganz
stark politisch gefärbt. Diejenigen, die den
Mythos Schweiz mit Fahnen pflegten, waren
politisch eindeutig festgelegt. Die HolocaustDebatte in den Neunzigerjahren hat das
noch verschärft. Das hat der SVP erneut Gelegenheit gegeben, ihr spezifisches SchweizVerständnis noch zu verstärken.
Von Ihnen stammt der Begriff Patriotismus
light. Was ist das?
Dieser Patriotismus kommt weder von der
rechtskonservativen Seite noch aus der politischen Mitte noch von der Linken. Die
Mitte war aufgrund ihrer globalisierten
Wirtschaftspolitik gar nicht in der Lage, den
Nationalstaat zu pflegen und für die Linke
war es politisch inkorrekt, die Schweiz auch
nur irgendwie gut zu finden. Der neue Patriotismus kommt von den Jungen, die nicht in
den alten politischen Querelen involviert
waren und die Schweiz einfach lieben.
Und seit wann ist diese Art von Patriotismus
festzustellen?
Die Zweifel an der Globalisierung haben
nicht nur der SVP geholfen, sondern auch
den Boden für den neuen Patriotismus vorbereitet. Als dann die Expo.02 die Schweiz
auf eine unbekümmerte Art und Weise gefeiert hat, wirkte sie als Katalisator und verstärkte den Trend zum neuen Patriotismus
noch. Auch die Kulturschaffenden machten
damals mit. So setzte sich ein Schweizbild
durch, das nicht durch Parteifarben getönt war.
Und seither darf man wieder ungestraft mit einem Schweizerkreuz
auf der Brust herumlaufen und
erst noch als modisch gelten?
So ist es. Die Expo machte
das Schweizerkreuz zu einem
modischen Accessoir. Alle, die
die Schweiz politisch vereinnahmt oder aus wirtschaftlichen
Gründen abgelehnt hatten, wurden so durch Jugendliche unterlaufen, die feststellten, dass sie
in einem tollen Land lebten.
Diese Jungen stellten Vergleiche
an und waren plötzlich stolz auf
ihre Heimat.
Taten sich andere Länder ähnlich
schwer mit dem Patriotismus?
Auch italienische Linke hatten
Mühe mit dem Staat, aber so extrem wie in
der Schweiz war es sonst nirgends. Die
Schweiz ist eben eine Willensnation ohne
selbstverständliches, historisch gegebenes
Selbstverständnis, es muss immer wieder erneuert werden.
Wurden denn die Schweizer Tugenden wie
Sauberkeit, Sicherheit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, welche die Jungen heute so preisen,
früher nicht wahrgenommen?
Im Gegenteil. Man hat sie sogar abgelehnt.
Die Linke hat sie als kleinkariert und bourgeois verschrieen, die Mitte meinte, diese
Schweizer Errungenschaften würden zu viel
15
kosten. Für den Patriotismus blieb nur die
SVP übrig.
Braucht eine Demokratie den Patriotismus?
Eine Demokratie braucht den Glauben ans
Gemeinsame, sie braucht Loyalität und Akzeptanz. Warum sollten wir uns sonst einem
demokratischen Entscheid beugen? Deshalb
ist eine Demokratie ohne Patriotismus überhaupt nicht denkbar. Diese Tatsache haben
die Linke und die Mitte während vieler Jahre
erstaunlicherweise übersehen oder vergessen. Und nicht nur das: Die Schweiz wurde
sogar abgelehnt und als Auslaufmodell bezeichnet. Viele meinten, eine globalisierte
Welt brauche keine nationalen Identitäten
mehr.
Welche Rolle spielte die EU-Frage?
Eine entscheidende Rolle. Sie hat die Eliten gespalten. Früher sind Politik und Wirtschaft immer Hand in Hand gegangen. Und
diese Spaltung war nicht gut für das Selbstverständnis des Landes.
Ein grosser Schub Patriotismus kommt nun ja
ausgerechnet von den Secondos. Sollten diese
nicht eher multikulturell sein?
Das ist das Resultat eines gelungenen Integrationsprozesses, der immer zu einer Art
von Überidentifikation führt. Das Gegenteil
davon sind die Banlieus in Frankreich, wo
Sub-Gesellschaften aus nicht integrierten
Einwanderern entstanden sind.
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Liegt der neue Patriotismus weltweit im
Trend?
Ja, der Nationalstaat als primäres Ordnungsmodell der Weltgesellschaft lebt wieder auf und nimmt nicht nur symbolisch an
Bedeutung zu. Die Menschen identifizieren
sich über ihren Nationalstaat. Das ist eine
Reaktion auf die Globalisierung. Gleichzeitig nimmt weltweit auch die Diskussion über
die Demokratie zu.
Wie wichtig ist das Nationalgefühl für die persönliche Identität?
In politischer Hinsicht von entscheidender Bedeutung. In einer Demokratie sind wir
ohne patriotisches Nationalgefühl absolut
regierungs- und regulierungsunfähig. Für die
subjektive Befindlichkeit ist die Bedeutung
des Nationalgefühls unterschiedlich.
Dann beurteilen Sie die gegenwärtige Entwicklung als positiv?
Absolut. Unsere Demokratie ist ohne Souverän mit einem Selbstverständnis als
Schweizer Bürger nicht denkbar.
Sieht das ein Euroturbo auch so?
Die Euroturbos haben das vergessen, weil
sie nur das Primat der Wirtschaft und den
Markt als Regulierungsprinzip vor Augen haben.
Genügt Europa als Identifikation nicht?
Die europäische Identität beruht entweder auf der Abwehr gegen neue Kriege, auf
dem Christentum oder auf der Aufklärung.
Als gemeinsamer Nenner für eine europäische Identität würde sich nur die Aufklärung
eignen.
Patriotismus ist immer auch eine Frage des
Masses. Wie viel davon erträgt es?
Es kommt darauf an, wie der Patriotismus
inhaltlich geladen ist. Der ethnische Patriotismus schliesst andere aus und ist so gefährlich wie der religiös geprägte Patriotismus,
der den Gedanken der Auserwähltheit in sich
birgt. Von diesen beiden gibt es überall zu
viel. Vom offenen republikanischen Patriotismus hingegen, der aufgrund eines Willensaktes von Bürgern eines Staates entstanden
ist, kann es nicht genug geben.
Wird sich der neue Patriotismus politisch auf
die nächsten eidgenössischen Wahlen auswirken?
Ganz sicher. Es kommt nun darauf an, wie
weit die Linke und die politische Mitte in der
Lage ist, Projekte und Visionen für die
Schweiz anzubieten und sich dem eigenen
Land zuzuwenden. Themen könnten Bildung, Familie, Verkehr, Konkordanz und Demokratie sein. Wenn sich SP, FDP und CVP
der Schweiz und ihrer Institutionen annimmt, wird die SVP auf hohem Niveau
stagnieren. Auch die Europapolitik muss auf
der Souveränität basieren. Die Europapolitiker müssen mit dem Ziel antreten,
Europa zu verschweizern. Dann gelingt das
Vorhaben.
KURT IMHOF (49) ist Professor für Publizistikwissenschaft und Soziologie an der Universität Zürich. Er leitet den Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft. Imhof, der vor seiner Hochschulkarriere als
Hochbauzeichner und Bauführer tätig war, ist Autor
zahlreicher Bücher über Medien, Kommunikation und
den sozialen Wandel.
Fortsetzung von Seite 11
für den Bilateralismus. Die Schweiz profitiere von der Öffnung der neuen Märkte in
Mittel- und Osteuropa und müsse daher
auch einen Beitrag an die Entwicklung dieser Region leisten. Sie warnen davor, dass ein
Nein der Schweiz den bilateralen Weg gefährden könnte. Zwar hat Brüssel noch nicht
verlauten lassen, wie die Union auf einen
negativen Volksentscheid reagieren würde.
Aber es ist davon auszugehen, dass weitere
Verhandlungen tatsächlich schwierig würden. In der Schwebe ist derzeit noch die Ratifizierung des Beitritts der Schweiz zum
Schengener Abkommen.
Mindestens 200 Franken pro Kind
«Ein Kind, eine Zulage» - diesen Grundsatz
hat das Parlament im März dieses Jahres verabschiedet. Stimmt Ende November auch
noch das Volk zu, erhält jedes Kind in der
Schweiz mindestens 200 und jeder Jugendliche in Ausbildung mindestens 250 Franken
Zulage pro Monat. Diese Beträge gelten
unabhängig vom Beschäftigungsgrad der
Eltern. Allerdings gibt es eine Ausnahme:
Selbstständig Erwerbende fallen nicht unter
das landesweite Obligatorium.
Heute sind die Zulagen kantonal geregelt.
Für das erste Kind variieren sie von 154 Franken im Kanton Jura bis zu 260 Franken im
Wallis. In 17 Kantonen erhalten Eltern derzeit weniger als 200 Franken für das erste
Kind. Allerdings sind das Mindestansätze.
Etliche Kantone kennen bereits heute höhere
Zulagen ab dem zweiten oder dritten Kind
sowie für Jugendliche in Ausbildung. Zudem
steht es den Arbeitgebern frei, höhere Zulagen auszurichten. So erhalten zum Beispiel
Bundesangestellte monatlich 330 Franken für
das erste Kind.
Die Harmonisierung führt zu jährlichen
Mehrkosten von rund 600 Millionen Franken. Drei Viertel davon hat die Wirtschaft
zu tragen, welche die Zulagen über Arbeitgeberbeiträge finanziert. Deshalb haben der
Gewerbe- und der Arbeitgeberverband das
Referendum ergriffen. Unterstützt werden
sie von der FDP und der SVP. Hingegen setzen sich die Gewerkschaften, die CVP, die
SP und die Grünen für die Vorlage ein. Sie
empfinden die heutigen kantonalen Unterschiede als stossend und betrachten höhere
Kinderzulagen als wichtiges Element der
Familienpolitik. Der Nationalrat hat sich mit
106 zu 85 Stimmen für einheitliche Mindestzulagen ausgesprochen, der Ständerat mit
23 zu 21. (RL)
16
A S O - I N F O R M AT I O N E N
84. Auslandschweizer-Kongress
in Basel
S C HWE IZER REVU E Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: ASO
Der 84. AuslandschweizerKongress vom 18. bis 20. August in Basel war dem Thema
«Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Kultur» gewidmet.
Als Vertreter des Bundesrats
begrüsste Christoph Blocher
die 400 Kongressteilnehmer,
die Gelegenheit bekamen,
Basels Chemiekonzerne und
Museen zu besuchen.
spiele für die fruchtbare
Zusammenarbeit zwischen
Wirtschaft und Kultur. Die
Teilnehmer des Auslandschweizer-Kongresses hatten die Gelegenheit, sich davon ein eigenes
Bild zu machen – dank organisierten Besuchen von Basler
Grosskonzernen wie Novartis,
Roche und Syngenta sowie von
Basler Kulturtempeln, die zum
internationalen Renommee
der Rheinstadt beitragen:
Fondation Beyeler, TinguelyMuseum, Schaulager, Kunstmuseum, Antikenmuseum und
Museum der Kulturen.
schen Partizipation von Auslandschweizerinnen und
Auslandschweizern und sprach
sich entsprechend für eine rasche Einführung dieser Wahlund Abstimmungsvariante aus.
Das E-Voting sollte nach Ansicht des ASR wenn immer
möglich noch vor dem Jahr
2010 Realität werden.
Etwas mehr als ein Jahr vor
den eidgenössischen Parlamentswahlen vom Oktober
2007 hat der ASR ein Wahlmanifest verabschiedet, das auf
fünf Pfeilern basiert: Politik,
Mobilität, Bildung, internationale Präsenz der Schweiz sowie
Pflege der Beziehung zum Heimatland. Im Bereich Politik
wünscht sich der ASR eine
stärkere Beteiligung der Aus-
Bundesrat Christoph Blocher
sprach über die Rolle der
Auslandschweizerrat
Schweizer im Ausland und der
Die rund 100 anwesenden MitAusländer in der Schweiz. Bloglieder des Auslandschweizercher erinnerte an die Aussage
rats (ASR) debattierten am
des Schriftstellers und
Schweizkritikers Max
Frisch, ihn verbinde
mit der Heimat nur
noch der Pass. Mit den
Auslandschweizern sei
das bestimmt anders,
meinte Blocher und informiert dann über das
neue Asylgesetz, über
das am 24. September
abgestimmt wurde.
Im Anschluss an seine
Rede beantwortete
Bundesrat Blocher
Fragen aus dem PubliBundesrat Blocher im politischen Gespräch mit jungen Auslandschweizern.
kum und sprach sich
klar gegen weitere
Schliessungen von Konsulaten
Vortag im Basler Rathaus über
landschweizer an der politiaus. Dann unterhielt sich
aktuelle Themen rund um die
schen Debatte und ermutigt
Blocher ausführlich mit jungen
Fünfte Schweiz, darunter die
jene dazu, für einen Sitz im eidAuslandschweizern über poliEinführung des elektronischen
genössischen Parlament zu
tische Fragen.
Abstimmens und Wählens
kandidieren.
Im Rahmen der Plenarsit(E-Voting). Bundeskanzlerin
Im Bestreben, die mit der
zung vom Samstag sprachen
Annemarie Huber-Hotz präUnterzeichnung der bilateralen
Michael Plüss, Leiter Novartis
sentierte in diesem ZusammenVerträge zwischen der Schweiz
Schweiz, Guido Magnaguagno,
hang den Stand der Entwickund der EU erworbenen
Direktor des Basler Tinguelylung auf Bundesebene. Sie
Rechte wie etwa die PersonenMuseums, sowie Charles-Henri
bestätigt, dass die Pilotversufreizügigkeit zu bewahren,
Favrod, Schriftsteller, Journache erfolgreich verlaufen sind
bekräftigte der ASR seine
list und Gründer des Lausanund dass E-Voting eingeführt
Unterstützung des 1-Milliarner Musée de l’Elysée, zum
werden könnte. Der Auslandden-Kohäsionsbeitrags der
Kongressthema.
schweizerrat erachtet das
Schweiz an die zehn neuen EUBasel und seine Region bilden
E-Voting als wertvolles InstruMitgliedländer und empfahl,
eines der besten Schweizer Beiment zur Förderung der politiam kommenden 26. November
dem Bundesgesetz über die
Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas zuzustimmen.
Der Rat stimmte dem Gesetz
mit grossem Mehr zu.
Eine engagierte Debatte
führte der ASR zum Thema
Solidarität und Asyl im Hinblick auf die Volksabstimmung
vom 24. September über das
neue Ausländergesetz und die
Revision des Asylgesetzes.
Mehrere Ratsmitglieder äusserten ihr Unbehagen in Bezug
auf dieses Dossier und stellten
die humanitäre Tradition der
Schweiz in den Vordergrund
sowie den möglichen Imageschaden, den die Schweiz in der
Welt aufgrund von Gesetzen
erleiden könnte, die von einigen gar als unmenschlich kritisiert werden. Nach lebhafter
Diskussion stimmte der Rat
den beiden Gesetzen mit 38 zu
26 Stimmen zu.
Der 85. Auslandschweizer-Kongress findet vom 17. bis 19. August
2007 in Genf statt. Das Thema ist
die humanitäre Rolle der
Schweiz.
Schweizerschulen
im Ausland
zu Gast in Zürich:
Keyplayer der
Schweizer Qualität
Zürich beherbergte vom
4. bis 6. Juli die Präsidenten
und Leiter der 16 Schweizerschulen im Ausland. Diese
treffen sich einmal jährlich
in der Schweiz zu einem
mehrtägigen Informationsund Erfahrungsaustausch.
Hauptthemen der diesjährigen
Konferenz waren Finanzmanagement, mehrsprachiger Unterricht in einem multikulturellen Umfeld, pädagogisches
Benchmarking, gemeinsamer
Auftritt des Bildungs- und Forschungsplatzes Schweiz im
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
17
Ausland sowie der Austausch
von Best Practices im betriebswirtschaftlichen und pädagogischen Bereich.
Am 4. Juli trafen die Vertreter der Schweizerschulen mit
Repräsentanten aus Politik und
Wirtschaft sowie den Medien
zusammen. Für diesen offiziellen Tag stellte der Kanton
Zürich den Kantonsratssaal
zur Verfügung. Zürich ist
Patronatskanton der Schweizerschulen Madrid, Catania,
Mexiko/Cuernavaca und Accra
(Ghana).
Die Verantwortlichen der
16 vom Bund anerkannten und
geförderten Auslandsschulen
treffen sich jedes Jahr auf
Einladung des Komitees für
Schweizerschulen im Ausland
(KSA) zu einem Seminar mit
folgenden Zielen:
■ Erfahrungs- und Informationsaustausch
■ Standortbestimmung zu relevanten politischen, pädagogischen und betriebswirtschaftlichen Entwicklungen in der
Schweiz
■ Optimierung der Synergien
zwischen den einzelnen Schulen
■ Förderung des einheitlichen
Auftritts der Schulen in der
Schweiz
Die 16 Schweizerschulen im
Ausland mit insgesamt 6500
Schülern sind private Nonprofit-Institutionen, welche eine
Bundesunterstützung erhalten,
um eine hohe pädagogische
Qualität und den Schweizer
Charakter zu wahren. Diese
Schulen tragen wesentlich dazu
bei, dass unser Land positiv
wahrgenommen wird. Sie geniessen einen sehr guten Ruf
und bieten eine pädagogisch
hoch stehende Ausbildung an.
Sie prägen damit das Bild
schweizerischer Qualität entscheidend mit.
Die Schweizerschulen stehen
nicht nur Auslandschweizer
Kindern offen, sondern werden
auch rege von Kindern des
Gastlandes besucht. Dies
schafft Sympathien für unser
Land und lässt langfristig ein
für die Schweiz und die schweizerische Wirtschaft nützliches
Netzwerk an Kontakten entstehen.
Weitere Informationen erteilt:
Komitee für Schweizerschulen
im Ausland (KSA)
Irène Spicher, Geschäftsführerin
Alpenstrasse 26, 3006 Bern
Tel. +41 31 356 61 21
Fax +41 31 356 61 01
www.schweizerschulen.ch
Diesen Winter reise
ich in die Schweiz
Willkommen im Ferienland
Schweiz. Wir laden dich ein,
die spektakulären Bergpanoramen, die märchenhaft verschneiten Wälder und die
einzigartigen Skigebiete der
Schweiz kennen zu lernen.
Der Jugenddienst der ASO
bietet dir vielfältige Möglichkeiten, in der Schweiz einen
Ferien- oder Bildungsaufenthalt zu verbringen. Wir freuen
uns auf deinen Besuch.
Neujahrsskilager in Sedrun
(GR)
27.12.2006–5.1.2007
Der beliebte Skiort in den
Bündner Bergen hat es den
jungen Auslandschweizern angetan. Für alle, die Silvester im
Schnee feiern wollen. Dieses
Lager hat bereits Kultstatus,
wer noch nie dabei war, hat was
verpasst!
Sprachkurs in Bern
8.1.–19.1.2007
Morgens 4 Lektionen Sprachunterricht, gemeinsame Aktivitäten am Nachmittag und eine
aufgeschlossene Gastfamilie.
Wir motivieren dich, eine
Schweizer Landessprache zu
lernen.
Schneesportwoche in Wengen
(BE) 3.3.–10.3.2007
(ab 18 Jahren)
Einige treue Kunden treffen
sich seit Jahren in diesem Lager. Neueinsteiger sind herzlich
willkommen. Eine Woche mit
viel Schneesport in allen Variationen und Kontakten zu Auslandschweizern aus aller Welt.
Ostersportlager in Fiesch (VS)
7.4.–14.4.2007
Das Wallis hat uns auch an
Ostern noch jedes Jahr wunderbare Schneeverhältnisse
geboten. In der Frühlingssonne
nochmals Schneesport treiben
und abends die gemeinsamen
Stunden mit der Gruppe geniessen.
Teilnehmer: 24
Alter: 8–14 Jahre
Lagerkosten: 640.–
Skimiete: 120.–
Snowboardmiete: 125.–
Ostersportlager Fiesch
(Wallis), zusammen mit
dem Jugenddienst der ASO
Samstag, 7. bis Samstag,
14. April 2007
Teilnehmer: 24
Alter: 12–14 Jahre
Lagerkosten: 640.–
Skimiete: 20.–/Tag
Snowboardmiete: 20.–/Tag
Auf Gesuch hin besteht
die Möglichkeit zur Kostenreduktion durch den StiftungsFonds.
Programm
Bildungsangebote
Wir ermöglichen dir einen ganz
individuellen Einblick in die
Schweizer Bildungslandschaft.
Unsere aufgestellten Gastfamilien erwarten dich und du
kannst mit dem Generalabonnement auf eigene Faust die
Schweiz bereisen.
Nähere Informationen zu den
Angeboten findest du im Internet
unter www.aso.ch oder bestelle
den neuen Prospekt bei der
Auslandschweizer-Organisation
Jugenddienst
Alpenstrasse 26, 3006 Bern
Tel: +41 31 356 61 00
E-Mail: youth@aso.ch
Stiftung für junge
Auslandschweizer –
Wintersporterlebnis
für 8- bis 14-Jährige
In unseren Schneesportlagern
sind noch einige wenige
Plätze frei. Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich rasch
anmelden!
Hasliberg (Berner Oberland)
Samstag, 10. bis Samstag,
17. Februar 2007
Ski und Snowboard fahren,
weitere Wintersportarten
wie Schlitteln, Eislaufen oder
ganz einfach eine tolle Zeit
verbringen mit anderen
Auslandschweizer Kindern
aus der ganzen Welt.
Leitung
Erfahrene Lagerleitungsteams
der Stiftung für junge Auslandschweizer.
Treffpunkt
Zürich-Flughafen. Die Reise
bis Zürich-Flughafen und am
letzten Lagertag von dort wieder nach Hause sollte von den
Eltern organisiert und finanziert werden.
Weitere Informationen sowie
ein Anmeldeformular zu diesen
Angeboten findest du unter
www.aso.ch (Rubrik Jugend /
Ferienkolonien für 8- bis
14-Jährige / Winterlager) oder
bei:
Stiftung für junge
Auslandschweizer (SJAS)
Alpenstrasse 26
3006 Bern
Tel. +41 31 356 61 16
Fax +41 31 356 61 01
E-Mail: sjas@aso.ch
18
PORTRÄT
Ein 30-jähriges Energiebündel. Die Snowboarderin Tanja Frieden, Gewinnerin der
Goldmedaille an den Olympischen Spielen in Turin, wird sich bald wieder im Boardercross-Weltcup
mit der Konkurrenz messen. Da der Sport in ihrem Leben einen so wichtigen Platz einnimmt,
beschränken sich ihre sportlichen Aktivitäten natürlich nicht auf das Snowboarden. Auch im
Sommer ist sie auf der Suche nach neuen sportlichen Erfahrungen. Von Alain Wey
SC HWEIZ ER R EVUE Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: Keystone. Übersetzt aus dem Französischen.
Tanja Frieden, Boardercross-Olympiasiegerin 2006
Beachvolleyball, Kitesurfen, Wakeboarden,
Longboarden (Skateboarden), Kajakfahren,
Hochgebirgswanderungen – wenn Tanja
Frieden nicht auf einem Snowboard steht,
nutzt sie ihre überbordende Energie für eine
Vielzahl von Fun-Sportarten. Ihre Philosophie: «Nutze die Elemente so, wie sie dir zur
Verfügung stehen.» Egal, ob sie den Aufstieg
zur Konkordia-Hütte (auf 2850 m, zwischen
Eiger, Mönch, Jungfrau und dem Aletschhorn gelegen) in Begleitung des Schweizer
Fernsehens unternimmt oder ihre Feuerprobe im Kajak auf der Aare besteht, trotz
ihrer Goldmedaille im Boardercross scheut
sich Tanja Frieden nicht vor neuen sportlichen Herausforderungen.
«Mein Lebensstil wird durch den Sport bestimmt», sagt sie. «Ich lebe gerne intensiv,
verfolge verschiedene Wege und setze um,
was mir Freude macht.» Die Lebensweise
von Tanja Frieden hat sich seit ihrer olympischen Krönung nicht geändert, allerdings ist
unsere Goldmedaillengewinnerin seitdem
sehr gefragt. Zudem ist die Bernerin die erste
Olympiasiegerin in einer Sportart, die in Turin erstmals als olympische Disziplin zugelassen wurde. So wie Gian Simmen, der 1998
in der Half-Pipe in Nagano olympisches
Gold errang, dient auch sie nun der Schweizer Jugend als Vorbild für Ausdauer, Mut und
Erfolg.
«Immer ehrlich
und sich selbst
treu bleiben.»
Tanja Frieden behält die Füsse auf
dem Boden und
lässt sich nicht
vom Ruhm blenden. Während sie
durch die ganze
Welt reist und an
grossen Fun-SportVeranstaltungen
teilnimmt, legt sie
noch immer die
gute Laune und
ansteckende Energie an den Tag, für
die sie schon vor den Spielen bekannt war.
Dennoch muss auch sie sich Gedanken über
ihre Zukunft machen und versuchen, aus ihrem Namen Kapital zu schlagen. Nach ihrer
Karriere als Snowboarderin möchte sie als
Mentaltrainerin im Sportbereich arbeiten.
Auf ihrem weiteren Weg werden ihr auf alle
Fälle drei wichtige Erfolgsfaktoren aus dem
Boardercross-Sport zugute kommen: Konzentration, Kaltblütigkeit und Geduld.
Die Snowboard-Weltmeisterschaften 2007
werden im Januar in Arosa (GR) stattfinden.
Tanja Frieden wird natürlich mit von der Partie sein. Die Unterstützung der Schweizer
Fans für ihre Spitzensportler kann einen
Athleten über sich hinauswachsen lassen.
Warum also nicht auch die schöne Thunerin,
die 2004 zwei dritte Plätze in Arosa einheimste? Was auch geschehen mag, der an
römische Wagenrennen erinnernde Boardercross-Wettbewerb dürfte als Folge der olympischen Erfolge der Schweizer Athleten weit
mehr Fans anziehen. In Turin hat diese Disziplin unter den Au- Inserat
gen der Weltöffentlichkeit
ihren
telegenen Reiz unter Beweis gestellt
und den schmalen
Grat zwischen Sieg
und Niederlage ge-
zeigt. Die Rivalin von Tanja Frieden, die
Amerikanerin Lindsey Jacobellis, die kurz vor
dem Ziel stürzte, wird mit Sicherheit nicht
das Gegenteil behaupten.
Und wie kommt die freundliche und
gestenreiche Tanja Frieden mit der mondänen Welt zurecht, die der Erfolg mit sich
bringt? «Ich bin ein Chamäleon: Ich kann
auch an einem Galaabend einen sehr guten
Eindruck hinterlassen.» Mit ihrem Witz und
Humor fand Tanja Frieden schon nach ihrem
Olympiasieg die richtigen Worte: «Man sagt,
die Berner seien langsam, aber ich wollte nur
beweisen, dass sie auch Gas geben können,
wenn es nötig ist.»
TANJA FRIEDEN UNTER DER LUPE
■ Personalien: Tanja Frieden ist am 6. Februar 1976 geboren, hat eine norwegische
Mutter und einen Schweizer Vater. Sie lebt in
Thun, ist 1,73 m gross und wiegt 65 kg. Ihre
Mutter Kari ist eine ehemalige norwegische
Eisschnellläuferin.
■ Beruf: Profi-Snowboarderin im Boardercross und Lehrerin.
■ Hobbys: Kitesurfen (Surfen mit Drachen),
Surfen, Wakeboarden, Velofahren, Beachvolleyball, Longboarden etc.
■ Siege: Olympiasiegerin 2006 im Boardercross. Fünfte an den Weltmeisterschaften
2003. Vize-Europameisterin ISF 2000.
■ Agenda: 14.–16.12.2006: Weltcup in
Bad Gastein (D); 14.–20.1.2007: Weltmeisterschaften in Arosa (CH); 25.–26.1.2007:
Weltcup in Leysin (CH); 3.–4.3.2007:
Weltcup in Big White (CA); 10.–11.3.2007:
Weltcup in Lake Placid (US); 16.–18.3.2007:
Weltcup in Stoneham (CA).
www.tanjafrieden.ch
IN KÜRZE
Goldener Leopard
für Luzernerin
Am 59. Internationalen Filmfestival von Locarno wurde der
Schweizer Film «Das Fräulein»
mit dem Goldenen Leoparden
ausgezeichnet. Die mit 90 000
Franken dotierte höchste Auszeichnung ging damit an den
ersten Spielfilm von Andrea
Staka, einer aus Ex-Jugoslawien
stammenden jungen Luzernerin. Der letzte helvetische
Träger dieses Preises war 1985
Fredi M. Murer mit «Höhenfeuer» gewesen.
Der Papst auf dem
Grossen Sankt Bernhard
Während seiner Ferien im
Aostatal stattete Papst Benedikt XVI. den Mönchen und
ihren berühmten Hunden im
Hospiz auf der schweizerischen
Seite des Grossen Sankt Bernhard einen Überraschungsbesuch ab. Mehr als 200 Touristen fanden sich beim Kloster
ein, um den Papst zu begrüssen.
Weltmeister in der
Alu-Wiederverwertung
S C HWE IZER REVU E Oktober 2006 / Nr. 5
Foto: Keystone. Übersetzt aus dem Französischen.
Weltrekord: Neun von zehn in
der Schweiz verbrauchte Aluminiumdosen werden rezykliert. Mit einem Wiederverwertungsanteil von 88%
übertrifft die Schweiz Finnland
(87%) und die anderen nordischen Länder. Die seit den
80er-Jahren von den Schweizer
Haushaltungen umgesetzte
Mülltrennung hat dazu geführt, dass sechs Kehrichtverbrennungsanlagen eingespart
werden konnten.
Rückkehr von Schweizern
aus dem Libanon
Mehr als 850 Schweizer Staatsangehörige sind dem Krieg im
Libanon mit Hilfe des Eidgenössischen Departements für
auswärtige Angelegenheiten
entflohen, das in dieser Krise
eine sehr aktive Rolle spielte.
Seit dem Ausbruch des Kon-
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flikts hat sich Micheline
Calmy-Rey vehement dafür
eingesetzt, dass die Genfer
Konvention eingehalten wird –
so sehr, dass sie mit ihrer Forderung nach einer «aktiven
Neutralität» den Zorn der
Rechten erregte. Letzter Stein
des Anstosses: Die Chefin
des EDA hat eine Schweizer
Kandidatur für den UnoSicherheitsrat ins Spiel
gebracht… die SVP sah rot.
Der 1. August, von New York
bis Mont-sur-Rolle
Pascal Couchepin befand sich
am 1. August in New York, wo
der Nationalfeiertag von den
Amerika-Schweizern auf Ellis
Island gefeiert wurde – der In-
Weltmeisterschaften
im Orientierungslauf
Der Erfolgshunger von Simone
Niggli-Luder ist unersättlich.
Die Bernerin gewann in Dänemark ihren 11. Weltmeistertitel
im Orientierungslauf. Bei
den Herren errang der Neuenburger Marc Lauenstein die
Silbermedaille.
Die Rolling Stones
in der Schweiz
Marathon-Medaille
Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften im schwedischen Göteborg gewann der
32-jährige Obwaldner Viktor
Röthlin die Silbermedaille im
Marathon. Damit konnte erstmals ein Schweizer Marathonläufer auf diesem Niveau reüssieren.
Der Abschied von Joseph Deiss
sel, die so vielen ihrer eingewanderten Vorfahren als Tor
zur Neuen Welt diente. Christoph Blocher war hingegen in
Mont-sur-Rolle, wo ihm die
Winzer eine spezielle Cuvée
mit Karikaturen auf den
Weinetiketten widmeten, was
den Bundesrat zum Lachen
brachte. Bundespräsident
Moritz Leuenberger war nicht
auf der Rütliwiese anwesend,
wobei die dortige Veranstaltung vor Ausschreitungen von
Rechtsextremen verschont
blieb.
Felsrisse am Eiger
Eine Steilwand am Eiger
im Berner Oberland weist
einen Riss von 250 Meter
Länge auf. Fast zwei Millionen
Kubikmeter Fels drohen vom
Bergmassiv abzubrechen.
Mitte Juli löste sich eine erste
Felspartie (ca. 300 000 Kubikmeter) und zog eine riesige
Staubwolke bis nach Grindelwald hinunter nach sich.
18 km/s relativ dicht an der
Erde vorbeiflog, wurde von
Peter Kocher, dem Verantwortlichen des Observatoriums von
Ependes (FR), aufgenommen.
Man wird bis 2021 warten müssen, um einen weiteren Himmelskörper so nahe am blauen
Planeten vorbeiziehen zu sehen.
Joseph Deiss verabschiedete
sich aus dem Bundesrat und
gab den Stab an Doris
Leuthard weiter. Der 1999 gewählte Freiburger stand zuerst
dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten vor und dann dem
Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement. Seine
Erfolge: Beitritt der Schweiz
zur Uno und die Unterzeichnung der bilateralen Verträge
mit der Europäischen Union.
Asteroid zieht Blicke auf sich
Ein Asteroid mit einem Durchmesser von 800 m, der mit
Auf dem Flugplatz von Dübendorf (ZH) gaben die Rolling
Stones das grösste je in der
Schweiz durchgeführte
Konzert. Das heisst: 70 000
Zuschauer und ein Budget von
zehn Millionen Franken.
Bundesrat Samuel Schmid, ein
Fan der ersten Stunde, hatte
sogar die Gelegenheit, ein paar
Worte mit der Band um Mick
Jagger zu wechseln.
Das Budget der
Eidgenossenschaft
Der Bundesrat hat das Budget
für 2007 und den Finanzplan
für 2008–2010 verabschiedet.
Dank den Sparanstrengungen
weist das Budget einen Überschuss von 918 Millionen Franken auf. Der Regierung zufolge
genügt der Finanzplan den Anforderungen zur Reduzierung
der Staatsverschuldung. Die
bürgerlichen Parteien verlangten jedoch weitere Ausgabenund Schuldensenkungen.
AL AIN WEY
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*Beispiel: Eine Einlage von K 250'000.– ergibt Auszahlungen von K 16'250 pro Jahr.
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