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Eine Revolution wie vor 220 Jahren Grosse Trauer Wir sind - kath.ch

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2
KLARTEXT
HINTERGRUND
D
Amstutz und
Wyss im Finale
L E I TA R T I K E L
N
Eine Revolution wie vor 220 Jahren
achdem Ben Ali in
Tunesien und Mubarak
in Ägypten von der
Bildfläche verschwunden sind
und der libysche Diktator Gaddafi in absehbarer Zeit auf der
Müllhalde der Geschichte enden wird, besteht keine Zweifel:
Was sich in Nordafrika zurzeit
ereignet, ist eine Revolution,
mit der wohl niemand gerechnet
Wir sind dabei
gewesen –
zumindest
am Bildschirm
hat. Eine Revolution, wie sie vor
über 220 Jahren in Frankreich
stattgefunden hat, erklärte ein
Gymnasiast libyscher Herkunft
am Freitagabend in der «Arena»
des Schweizer Fernsehens. Die
Befürchtungen, Europa und die
Schweiz könnten von einer
Flüchtlingswelle aus Nordafrika überschwemmt werden, nehmen sich in Anbetracht der historischen Dimension dieser Ereignisse schon etwas kleinkariert aus.
Ob von hier und heute eine
neue Epoche der Weltgeschichte ausgeht und wir sagen können
wir seien dabei gewesen, bleibt
abzuwarten. Auf jeden Fall können wir sagen, dass wir zumindest am Bildschirm dabei gewesen sind. Der legendäre Satz
«Von hier und heute geht eine
neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr
seid dabei gewesen», stammt
aus Goethes «Kampagne in
Frankreich», in der er seine Erinnerungen an den ersten Koalitionskrieg, an dem er in Begleitung des Herzogs von Weimar-
Sachsen-Eisenach teilgenom- versammlung hatte beziehen
men hatte, festhält. Er soll die- müssen. Bewacht wurde das
sen Ausspruch am Abend nach Schloss von der Schweizergarder Kanonade von Valmy am 20. de, der letzten militärischen
September 1792 im Kreise von Einheit über die der König verOffizieren gemacht haben. Da fügte. Die französischen TrupGoethe seine autobiografischen pen hatten sich zu diesem ZeitErinnerungen erst zwischen punkt bereits auf die Seite der
Revolutionäre ge1819 und 1823 verschlagen. Da sich die
fasst hat, ist anzunehGarde weigerte, ihre
men – ohne dem
Waffen niederzuleDichterfürsten zu nagen, wurde sie von
he zu treten –, dass es
den Angreifern übersich bei diesem lerannt und niedergegendären Satz nicht
metzelt.
Dazu
um ein Zitat, sondern
schreibt Napoleon in
um einen nachträgliseinen «Denkwürchen
historischen
digkeiten von Sankt
Befund handelt. UmHelena»:
Das
so besser, wenn man
Edy Walser
Schloss wurde vom
noch sagen kann,
allerschlimmsten Gesindel geman sei dabei gewesen.
Was sich unmittelbar nach der stürmt … Seither hat keines
Kanonade vom Valmy ereigne- meiner Schlachtfelder je ein
te, hat dann eine neue Epoche Bild mit so vielen Leichen geder Weltgeschichte eingeleitet. boten, wie die Massen der gefalTags darauf wurde nämlich in len Schweizer es darstellten.»
Paris die Republik ausgerufen Als die Nachricht über die Erund der König abgesetzt. Bevor eignisse zwischen dem 15. und
es aber zu diesem epochalen Er- dem 20. August in die Schweiz
eignis kam, war es in Paris zu gelangte, überwog trotz des aneinem Blutbad gekommen, das fänglichen Verständnisses für
als Tuileriensturm nicht nur in die Anliegen der Bevölkerung
die Geschichte der französi- die öffentliche Empörung. Das
schen Revolution eingegangen Regiment hatte beim Tulierienist. Am 10. August stürmten die sturm über 750 Mann verloren.
Der Ruf nach Vergeltung und einem Zusammengehen mit den
Ländern, die mit Frankreich im
Krieg standen, fand jedoch keiEin politisch und
ne Mehrheit. Für die einen war
der «Heldentod» der Schweiund moralisch
zergardisten ein Vorbild, für die
fragwüriger
andern ein sinnloser Opfergang
für
ein Regime, dessen Tage zu
Opfergang
diesem Zeitpunkt gezählt waren. Aus heutiger Sicht war dieser Opfergang nicht nur sinnlos,
sondern politisch und moralisch
Revolutionäre den Tuilerienpa- höchst fragwürdig, verteidigten
last, den die Königsfamilie nach die Schweizer doch ein Regime,
ihrem Fluchtversuch im Juni das die Bevölkerung unter1791 auf Geheiss der National- drückte und sämtliche politi-
Momentaufnahme
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gerichtlich verfolgt.
Grosse Trauer
In Trauergottesdiensten haben die Neuseeländer gestern der Opfer des schweren Erdbebens in Christchurch und Umgebung gedacht. An einer der Feiern nahm auch die neuseeländische Premierministerin Joanne Fagan-Oslawskyj mit ihrem Sohn teil und
bekundete so ihre Anteilnahme am Leid der Familien der 147 Todesopfer des Erdbebens.
(Ky)
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ie Bernerinnen und Berner entscheiden
am 6. März definitiv, mit wem sie den frei
gewordenen Ständeratssitz besetzen. Zur Stichwahl stellen sich zwei Politschwergewichte:
SVP-Nationalrat Adrian Amstutz und SP-Nationalrätin Ursula Wyss. Erwartet wird ein
knapper Entscheid, denn beide haben ihr traditionelles Wählerpotenzial mehrheitlich ausgeschöpft. Entscheidend ist deshalb, wer die Mittewähler auf seine Seite ziehen kann. Diese hatten im ersten Wahlgang im Februar noch für
FDP-Frau Christa Markwalder oder für EVPMann Marc Jost eingelegt. Nach ihrem mässigem Abschneiden treten beide nicht mehr zur
Stichwahl an. Das stürzt die Mittewähler in ein
Dilemma: Vielen ist Amstutz zu rechts, Wyss
aber zu links. Weder die BDP noch die FDP
oder die EVP haben eine Wahlempfehlung abgegeben. Politologe Georg Lutz vermutet darum, dass zahlreiche Mittewähler dem Urnengang fernbleiben.
Lutz ortet «ganz leichte Vorteile» für Amstutz.
Die Stammwähler, die trotz der schwierigen
Entscheidung an die Urne gehen, dürften tendenziell eher für den SVP-Mann einlegen, sagte
der Politologe gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Nach ihrer geräuschvollen Abspaltung von
der SVP kann sich die BDP zwar kaum offen zu
Amstutz bekennen. Aber es wird erwartet, dass
der eine oder andere BDPler über seinen
Schatten springt und Amstutz wählt.
An der FDP-Basis sind die Meinungen geteilt. Liberalere Kräfte dürften eher für Wyss
stimmen, einzig um den für seine EU-kritische
Haltung bekannten Amstutz zu verhindern.
Konservativere Kräfte sehen im SVP-Mann
letztlich wohl das kleinere Übel.
Im Gegensatz zur zersplitterten bürgerlichen
Mitte steht das rot-grüne Lager geschlossen
hinter Wyss. Selbst die Grünliberalen haben
sich ihr jüngst angeschlossen.
Die 38-jährige Ursula Wyss ist schon früh in
die Politik eingestiegen und hat bereits eine beachtliche Karriere hinter sich: Mit 24 wurde sie
ins Kantonsparlament gewählt, zwei Jahre später sass sie bereits im Nationalrat. Im Alter von
33 Jahren wurde die Stadtbernerin Chefin der
SP-Bundeshausfraktion. Die Berufspolitikerin
gilt als einflussreich und gut vernetzt. Bei den
Nationalratswahlen 2007 erzielte Wyss im
Kanton Bern das beste Ergebnis im rot-grünen
Lager. Als steiler Aufsteiger gilt der 57-jährige
Berner Oberländer Adrian Amstutz. Der Unternehmer aus Sigriswil schaffte 2003 den Sprung
in den Nationalrat. Seit 2008 ist er Vizepräsident der SVP Schweiz. Amstutz politisiert im
rechten Flügel der SVP und gilt als Blochers
Mann in Bern. Er sagt von sich, dass er gerne
Klartext rede.
(sda)
Montag, 28. Februar 2011
schen und wirtschaftlichen Reformen blockierte. Während der
Adel und das Königshaus im
Luxus schwelgten, kämpfte eine Mehrheit der Bevölkerung in
den Städten und auf dem Land
ums Überleben. Als man der
Königin Marie Antoinette sagte,
die Leute hätten kein Brot,
meinte sie: «Dann sollen sie
doch Kuchen essen.» Der Ausspruch könnte auch von Gaddafi stammen.
1821 – ungefähr zur gleichen
Zeit, als Goethe in Weimar seine
«Kampagne in Frankreich» verfasste – wurde in Luzern «zu
Ehren der Treue und Tapferkeit
der Schweizer», die beim Tuileriensturm das Leben verloren
hatten, das Löwendenkmal errichtet. Für den amerikanischen
‘Dann
sollen sie
doch
Kuchen essen’
Schriftsteller Mark Twain ist der
in den Felsen gehauene Löwe,
der an den Heldentod der
Schweizer erinnert, das «traurigste und bewegendste Stück
Stein der Welt». Was heute unvorstellbar ist: Das Denkmal,
das an den Opfertod der
Schweizergarde erinnert, wurde
von zwei Ausländern geschaffen: vom dänischen Bildhauer
Thorwaldsen und vom Konstanzer Steinmetz Lukas Ahorn. Der
Gymnasiast libyscher Herkunft
hatte mit seinem Hinweis am
Schweizer Fernsehen, was sich
zurzeit in Libyen ereigne, habe
vor 220 Jahren in Frankreich
stattgefunden, völlig recht!
Forum
Wir sind bestürzt
Am 24. Februar musste die Verwaltungskommission der Katholischen
Landeskirche Graubünden die Demission des allseits sehr geschätzten Generalvikars für den Kanton
Graubünden, Andreas Rellstab, zur
Kenntnis nehmen.
Mit Generalvikar Andreas Rellstab verlieren sowohl die Kirchgemeinden als auch die Landeskirche
einen äusserst kompetenten und
verlässlichen Partner in der Zusammenarbeit. Gerade in einer Zeit, in
der sich vieles im Umbruch befindet, der Personalmangel die Kirchgemeinden zwingt, enger zusammenzuarbeiten, sind wir auf fähige
und konsensfähige Leute angewiesen. Andreas Rellstab hat die Initiative ergriffen und das Projekt der
Seelsorgeräume aufgegleist. Das
Projekt wurde im vergangenen
Herbst an der Versammlung des
Corpus Catholicum vorgestellt.
Zurzeit finden dekanatsweise die
Besuche der Verwaltungskommission bei den Kirchgemeinden statt.
Auch hier wird das Projekt präsentiert. Wie stehen wir als Landeskirche, wie unsere Kirchgemeinden
da, wenn mitten im Aufbau genau
die Person sozusagen zum Rücktritt gezwungen wird, mit der das
Ganze steht und fällt? Immer mehr
Menschen wenden sich von unserer
Kirche ab, weil sie sich in ihr nicht
aufgehoben fühlen. Wer noch bereit
ist mitzudenken und mitzuarbeiten,
wird vom angeblich «weitsichtigen
und denkscharfen» engsten Mitarbeiter des Bischofs als unfähig, unnütz und reformbedürftig bezeichnet. Die Personalpolitik des Bischofs zeigt mit aller Deutlichkeit
auf, dass ihm das Wohlergehen der
Mitglieder der Katholischen Kirche Graubündens gleichgültig ist.
Alle mit ihm geführten Gespräche
haben nichts gefruchtet. Nach wie
vor hält er an seinem äusserst umstrittenen Bischofsvikar Martin
Grichting fest und verheizt angesehene, qualifizierte und breit abgestützt getragene Mitarbeiter wie
Andreas Rellstab und den vorige
Woche zurückgetretenen Regens
Ernst Fuchs. Auch wenn Personalentscheide Sache des Bischofs
sind, bedeutet dies noch lange
nicht, dass die Kantonalkirchen
diese mitzutragen haben und damit
einverstanden sein müssen. Wir
sind zutiefst bestürzt über die Entwicklung in unserem Bistum und
haben grösste Bedenken, was die
Zukunft unter Führung von Bischof
Vitus uns noch bringen wird.
Claudia Kleis, Präsidentin der
Verwaltungskommission der Kath.
Landeskirche Graubünden
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