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DESIGN – WARUM UND WIE - creativespace

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DESIGN – WARUM UND WIE
Ein Leitfaden für Klein- und Mittelbetriebe
Mit Best Practice Beispielen aus der VIENNA DESIGN WEEK
DESIGN – WARUM UND WIE
Ein Leitfaden für Klein- und Mittelbetriebe
Mit Best Practice Beispielen aus der VIENNA DESIGN WEEK
5
I N H A LT S V E R Z E I C H N I S
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort Brigitte Jank
I WARUM EIN „LEITFADEN DESIGN“?
Die VIENNA DESIGN WEEK und ihre Passionswege –
Erfahrungen und Best-Practice-Beispiele Tulga Beyerle & Lilli Hollein
Design kann etwas anderes und viel mehr sein, als wir denken Doris Rothauer
II WARUM DESIGN UND WAS BEWIRKT ES?
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Design setzt bei der Unternehmensidentität und Tradition an
Designer erkennen und nutzen unternehmerische Stärken und Potenziale
Designer eröffnen neue Sichtweisen und Perspektiven
Designer legen Wert auf gegenseitiges Lernen und Win-win-Situationen
Designer wertschätzen Handwerke und tragen zu deren Erhaltung bei
Designer beobachten den Markt und spüren Trends auf
Design bringt neue Kunden und Aufmerksamkeit
Design schafft Individualität und Unterscheidbarkeit
Design ist nachhaltig
Design zahlt sich aus
7
9
10
14
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18
22
26
30
32
36
40
44
48
50
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
53
IV DIE PASSIONSWEGE-PROJEKTE IM ÜBERBLICK
61
7
VO R WO RT
B rigitte J an k, W i r t sc ha f t sk a mme r W i e n
DESIGN ALS BASIS
UNTERNEHMERISCHEN ERFOLGS
„Design ist, zu zeigen was man kann und was
man ist.“ Diese Definition ist im Zuge eines
Design-Workshops der Wirtschaftskammer
Wien formuliert worden. Und sie enthält im
Grunde die Essenz der Bedeutung von Design
für Unternehmen.
Der gezielte Einsatz von Design kann in
Betrieben auf den verschiedensten Ebenen
stattfinden – etwa im Gestalten von Produkten ebenso wie in der Kommunikation mit
Kunden oder im Erkennen unternehmerischer
Stärken. Alle Erhebungen und Studien beweisen, dass Unternehmen, die mit Kreativen
zusammenarbeiten oder im Kreativsektor
tätig sind, mittel- und langfristig erfolgreicher
sind als jene, die darauf verzichten.
Aus diesem Grund unterstützt die
Wirtschaftskammer Wien seit Jahren Initiativen, die den Dialog zwischen traditionellen
Unternehmern und der Kreativwirtschaft
vorantreiben. Die Passionswege, die im Zuge
der Vienna Design Week jeden Herbst in Wien
veranstaltet werden, sind ein höchst erfolgreiches Beispiel dieses Engagements. 28 Unternehmen haben bisher an den Passionswegen
teilgenommen und sind in 41 Projekten eine
Zusammenarbeit mit jungen Kreativen eingegangen. Viele von ihnen haben diese Arbeit
jenseits der Passionswege weitergeführt.
Der vorliegende Leitfaden basiert auf
den Erfahrungen dieser Unternehmen. Er ist
somit Abbild der Praxis und bietet Einblicke
in die nicht immer einfachen Abstimmungsprozesse und soll gleichzeitig Anregung für
all jene sein, die sich dem Thema Design
widmen wollen. —
9
I Warum ein „ L eitfaden D esign “?
I
WARUM EIN
„LEITFADEN DESIGN“?
10
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
T u l ga B e y erl e & L i lli H olle i n
DIE VIENNA DESIGN WEEK UND IHRE
PASSIONSWEGE
ERFAHRUNGEN & BEST-PRACTICE-BEISPIELE
Die VIENNA DESIGN WEEK zeigt mit dem von
der Neigungsgruppe Design (Tulga Beyerle,
Lilli Hollein, Thomas Geissler) konzipierten
Format „Passionswege“ im Jahr 2011 bereits
zum sechsten Mal dieses erfolgreiche Projekt
eines offenen, moderierten Annäherungsprozesses zwischen Unternehmen und Designschaffenden. Die Passionswege verschaffen
dem Festival und seinen Teilnehmern nicht nur
internationale Reputation, sie sind auch jenes
Format innerhalb des Festivals, für das uns
auf Designerseite die meisten Initiativ-Bewerbungen aus dem In- und Ausland erreichen.
Die Resultate dieser Zusammenarbeit, bei
der es um Wissenstransfer, Wertschätzung und
prozesshafte Projektarbeit geht, die befreit ist
von den Zwängen und Abläufen üblicher kommerzieller Arbeitsbeziehungen, zeigen sehr
eindrücklich die Bandbreite an Möglichkeiten.
Ob am Ende dieses Prozesses ein Produkt
steht, das in weiterer Folge eine kommerzielle
Basis für Zusammenarbeit bietet, eine Installation oder eine andere Form von Kommentar:
Für beide Seiten, die an diesem Projekt beteiligt sind, ebenso wie für die Besucherinnen
und Besucher geht es darum, Schwellenängste
und Vorurteile abzubauen und aus der respektvollen Annäherung zu lernen und zu schöpfen.
WARUM WIR DIE PASSIONSWEGE
INS LEBEN GERUFEN HABEN
Wir, die Neigungsgruppe Design, als Kuratoren der Passionswege und Initiatoren der
VIENNA DESIGN WEEK, sind überzeugt, dass
Wien – wie viele andere Städte auch – einen
reichen Schatz birgt, der uns jedoch über
die letzte Jahre und Jahrzehnte zwischen
den Finger zu zerrinnen droht. Der Wert,
den regionale Fertigung, Handwerkskunst
und auch ein gewisser Regionalismus in der
Gestaltung darstellen, ist immer weniger
geschätzt worden bzw. hat sich im Vergleich
zu industriell in Billiglohnländern hergestellten Produkten bei der Preisgestaltung als
nicht wettbewerbsfähig erwiesen.
Oft ist es auch die Atmosphäre jener
Läden und Werkstätten, die man bereits seit
Kindestagen kennt, die man nicht missen
möchte. Mit dem Verschwinden dieser Läden
verschwindet Wissen, für das es aber eine
Passion, eine Leidenschaft gibt.
Genauso gibt es eine internationale – in
unserem Fall vorwiegend europäische – Designerschaft, die sich gerade für diese Produktions- und Arbeitsabläufe interessiert, die
Produkte mit Seele generiert.
11
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
DIE AUSWAHL
Im normalen Leben müssen sich Unternehmen oft auf eigene Faust auf die Suche
machen, um Designer zu finden, mit denen
sie zusammenarbeiten und das Produktportfolio prägen wollen. Bei den Passionswegen wählen die Kuratorinnen sowohl die
Unternehmen als auch die für sie passenden
Designschaffenden aus.
Mitunter ist dies bereits eine der ersten
Hürden, denn es gilt Menschen zu überzeugen, sich auf mehr oder weniger unbekanntes Terrain zu begeben und mit einem Gegenüber zusammenzuarbeiten, das man nicht
selbst gewählt hat – ein Punkt, der Offenheit
und, bis zu einem gewissen Grad, Mut voraussetzt. Bei beiden Gruppen, den Unternehmen und Designern, richten wir Kuratorinnen
für die Zusammenstellung der Zweigespanne
unseren Blick auf bestimmte Aspekte: die
besonderen Fertigungs-Möglichkeiten eines
Unternehmens, das aussterbende Handwerk,
eine besondere Geschichte, ein spezieller
Werkstoff. Idealerweise hat man auch ein
wenig Kenntnis vom Charakter und der Persönlichkeit und den Zielen und Hoffnungen
der verschiedenen Akteure. Im Wesentlichen
folgen wir bei der Bildung der Paare unserem
Wissensschatz und einer Prise Intuition. Wir
trachten danach Menschen zusammenzuführen, die neugierig sind, in die Welt des
anderen einzutauchen.
Je erfolgreicher dieser Austausch ist,
desto zeitintensiver ist er – und hierin liegt
einer der risikoreichsten Punkte für Unternehmen, die sich zur Teilnahme an den Passionswegen entscheiden.
Denn die Zeit, die man investiert, wird
nicht abgegolten, und das kann bei Einzelunternehmen zu einer schwierigen Situation
führen. Gleichzeitig stößt man gerade in
diesen kleinen Strukturen oft auf Menschen,
die bereit wären, ihre besonderen Fähigkeiten
und ihr fachspezifisches Wissen mit einem
ebenso spezifisch ausgebildeten Gegenüber
auf Designer-Seite auszutauschen. Die
Passionswege sind ein zeitlich kompakt
gehaltenes Experiment, das noch dazu im
Wesentlichen im Laufe der meist etwas
ruhigeren Sommermonate abgewickelt wird.
Speziell am Ablauf dieses Projektes ist auch,
dass wir die Paare ohne Briefing und somit
ohne Plan und Ziel auf die Reise schicken.
So wichtig die Definition von Zielen für die
Zusammenarbeit sonst ist: Gerade diese
Freiheit und das Gemeinsam-zu-einemProjekt-Finden und letztlich zu einem von
beiden Seiten anerkannten Resultat, das man
nach außen präsentiert, bergen große Möglichkeiten, unterstützen den Innovationsgeist
und fördern den Dialog.
EINE FRUCHTBARE ALLIANZ
Am Beginn einer Beziehung wird meist viel
gesprochen, man erzählt von sich, vielleicht
auch der Familie, den Vorfahren und Gebräuchen und versucht, die eigenen Vorzüge
subtil ins rechte Licht zu rücken. Man ist
begierig darauf, von seinem Gegenüber
mehr zu erfahren, es auszuloten und dann
im Abgleich mit den eigenen Gefühlen ein
Gespür dafür zu entwickeln, ob diese Liebe
eine Basis und somit eine Zukunft hat. Dann
werden den Worten Taten folgen und oft ist
all das recht produktiv. Hört der Austausch
auf, reißt das Gespräch ab, so kennt man
auch diesen Verlauf – es ist ihm meist kein
Glück beschieden.
Die Passionswege folgen in gewisser
Weise diesen Anbahnungsriten, ohne →
12
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
Romantik, sondern vielmehr mit inhaltlichen
und nachhaltigen Zielen. Die Passionswege
haben eben die Paarbildung als Kern der
Projekte und es sind Allianzen, die von den
Kuratorinnen geschmiedet werden.
Was geplant ist, ist die Entstehung von
etwas Gemeinsamem und Neuem, dessen
Ursprung aus zwei unterschiedlichen Quellen
stammt.
Woran der Erfolg der Passionswege gemessen wird, ist eine Frage des Standpunktes,
aber unter den nunmehr 41 Projekten hat es
erfreulicherweise nie die Rückmeldung „Ich
wünschte, ich hätte NICHT mitgemacht!“
gegeben. Natürlich gab es Gespanne aus
Unternehmen und Designschaffenden, wo
der Funke nicht wirklich übersprang – warum
auch immer. Manche Projekte blieben eine
kurze, erfrischende Abwechslung vom Alltag,
ohne großen Nachhall.
Die Mehrzahl jedoch – und diese bildet
die Basis dieser Publikation – dient als
nachvollziehbarer Beweis, dass die Zusammenarbeit mit Designschaffenden Unternehmen aller Größenordnungen erfolgreicher
macht – und um manche positive Erfahrung
reicher.
ERFOLG HAT VIELE GESICHTER
Die Mehrzahl der Projekte lässt sich unter
folgenden Rubriken einordnen:
—
Unternehmerischer Erfolg in Bezug
auf Umsätze, Serienproduktion
des Produktes oder Folgeaufträge
—
Steigerung des Bekanntheitsgrades,
der Medienpräsenz
—
Möglichkeit, die Fähigkeiten / Produktwelt
des Unternehmens in neuer Form zu
präsentieren
—
Erfolg im Sinne von Neuorientierung,
Horizonterweiterung, Öffnung für
Gegenwarts-Design
—
Entwicklung von Zukunftsperspektiven,
Entdeckung anderer Sichtweisen auf
das eigene Unternehmen
—
Erfolg im Sinne einer produktiven,
fortgesetzten Zusammenarbeit mit
der / dem Designschaffenden
—
Erfolg im Sinne von Eigenmotivierung,
Mitarbeitermotivierung
—
Erschließung neuer Zielgruppen
—
Designhistorischer Wert des Produktes
—
Aktivierung und Attraktivitätssteigerung
des Grätzels / der Einkaufsstraße
—
Gegenseitiges Lernen
—
Spaß am Experiment
Viele dieser Effekte und Ziele sind auch für
Unternehmen in weniger glamouröser Lage
oder ohne das Prädikat „k. u. k. Hoflieferant“
erreichbar. Selbst oder gerade wenn es sich
um ein Allerweltsprodukt handelt, das in
ähnlicher Form überall zu haben ist, kann
man mit Design einen Unterschied machen,
der die Mitbewerber alt aussehen lässt.
Die Passionswege wollen im Wesentlichen
also dazu animieren: Sich als Unternehmen
zu öffnen und sich darüber klar zu werden,
13
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
dass Design im Idealfall nicht einfach eine
zugekaufte Leistung ist, mit der man sich
nicht näher auseinandersetzt. Es geht hier
auch nicht nur um den letzten Schliff in der
Gestaltung, denn Design vermag viel mehr
zu leisten, als bloß Dekor. Es geht vielmehr
darum, sich mit der Wahl der Designerinnen
und Designer auseinanderzusetzen und in
einen intensiven Dialog zu treten. Denn dann
sind Designschaffende ideale Sparringpartner, wenn es um Fragen der Unternehmensidentität, um die Weiterentwicklung, Umorientierung und die Darstellung besonderer
Kompetenzen geht. „Unternehmensberater“
also, nicht im herkömmlichen Sinne, sondern,
wenn man das richtige Gegenüber gefunden hat, als loyale, kreative Partner und
Unterstützer bei der Erreichung gemeinsam
definierter Ziele. —
14
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
D oris Rot h au er
DESIGN KANN ETWAS ANDERES UND
VIEL MEHR SEIN, ALS WIR DENKEN
„Design kann auch eine Idee ausdrücken,
eine Haltung symbolisieren. Es ist nicht einzig
auf die Güte des eigentlichen Produktes
beschränkt.“
Diese Aussage kommt von einem jener
Unternehmer, die an den Passionswegen
im Rahmen der VIENNA DESIGN WEEK
teilgenommen haben, und die wir befragt
haben, ob sich ihr Verständnis darüber,
was Design ist, durch das Projekt verändert
habe und wenn ja, in welche Richtung. Von
den 18 an der Befragung teilgenommenen
Nein
44 %
Unternehmern hat sich bei knapp mehr als
der Hälfte, bei genau 10, das Verständnis von
Design verändert und erweitert. Das Erfahren differenzierter Sichtweisen, die Eröffnung
ganz neuer Wege in der Begegnung mit dem
Kunden, das Umfassende und Vielschichtige
an Design waren einige der genannten neuen
Erfahrungen.
Diese Erfahrungen weiterzugeben, den
Mehrwert durch die Zusammenarbeit mit
Designern aufzuzeigen, ist Ziel und Inhalt
der vorliegenden Publikation. Sie soll Ihre
Ja
56 %
Hat sich Ihr Verständnis darüber, was Design ist,
durch das Passionswege-Projekt verändert?
15
I WA R U M E I N „ L E I T FA D E N D E S I G N “?
Neugierde und Lust wecken, etwaige Vorurteile und Ängste abbauen und Ihnen erste
Tipps und Informationen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Designern in die
Hand geben.
Warum wir gerade die PassionswegeProjekte als Best-Practice-Beispiele genommen haben, trotz ihres experimentellen
Charakters, wo sich das Ergebnis unter rein
kommerziellen Gesichtspunkten nicht immer
verwerten lässt? Weil viele Kleinunternehmen teilgenommen und ihre Erfahrungen
gesammelt haben, die vorher noch nie mit
Designern gearbeitet haben. Unternehmen,
die grundsätzlich nie auf die Idee gekommen
wären oder keine Notwendigkeit gesehen
haben, mit einem Designer zusammenzuarbeiten. Das hat sich durch die Teilnahme am
Passionswege-Projekt bei den meisten geändert, ihnen wurden die Augen geöffnet. Und
selbst bei jenen Unternehmen, die bereits
sehr designorientiert waren, ergaben sich
zuweilen völlig neue Perspektiven, vor allem
dort, wo die Designer branchenfremd waren.
Genau das wollen wir Ihnen aufzeigen, weitergeben, vermitteln.
Als Basis für diesen Leitfaden haben wir
eine Online-Befragung unter allen bisherigen 28 Passionswege-Unternehmen durchgeführt, rund zwei Drittel davon, genau 18,
haben sich daran beteiligt. Die Auswertung
dieser Rückmeldungen haben wir in Form
von Diagrammen in die Publikation eingebaut. Darüber hinaus haben wir eine Anzahl
von Unternehmern persönlich interviewt.
Deren Zitate stellen wir Ihnen zur Verfügung,
als authentische Belege unserer Annahmen
und Tipps.
Wir hoffen, Sie damit zu inspirieren und
für die auf so vielfältige Weise bereichernde
Zusammenarbeit mit Designern gewinnen zu
können. —
17
I I Warum D esign und was bewirkt es ?
II
WARUM DESIGN
UND WAS BEWIRKT ES?
18
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
1
DESIGN SETZT BEI DER
UNTERNEHMENSIDENTITÄT
UND TRADITION AN
Designer setzen sich mit der Identität eines
Unternehmens auseinander, mit seinen
Werten und Haltungen, machen sie darstellbar und sichtbar. Sie verleihen ihr sozusagen
eine Persönlichkeit. Hand in Hand damit
setzen sie sich auch mit der Geschichte und
Tradition des Unternehmens auseinander und
verbinden im besten Falle die Tradition mit
etwas Neuem, Zeitgemäßen, mit Innovation.
So stärkt Design eine Marke.
TIPP
Seien Sie als Unternehmer persönlich der
Ansprechpartner für Designer. Geben Sie
ihnen Einblick in Ihr Unternehmen, seien
Sie offen und bereit für eine intensive
Auseinandersetzung.
Gar nicht
6%
Ein wenig
17 %
Sehr
78 %
Wie wichtig schätzen Sie Ihre persönliche Einbindung in das
Passionswege-Projekt als Inhaber/Geschäf tsführer ein?
19
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Ich habe sehr
wohl meine
Vorstellungen
kundgetan, und
auf die sind die
beiden Designer
auch eingegangen.
Obwohl sie neue
Wege gegangen
sind, haben sie
das Traditionelle
mit hinüber
genommen.“
Fransen gestern, heute und morgen thematisiert
die Installation „Fringerie“ von dottings
industrial design im Hotel König von Ungarn
Dietmar Sulzberger,
Chronometrie Sulzberger
„mischer’traxler haben sehr darauf geachtet,
dass ihr Projekt zum Geschäf t passt, zur
Tradition, sich integriert. Zwar modern,
aber passend, nichts
Extremes. Es ist mein
Vorhaben, das Unternehmen zu modernisieren. Und dabei
haben mich die beiden
unterstützt.“
Franz Fischmeister, Rozet &
Fischmeister Kammerjuweliere
20
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Man kann sich als Unternehmen über
die Kunden kennenlernen, vor allem
aber auch über Designer,
denn sie gehen an die
Wurzeln einer Identität.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
Im Bild das Passionswege-Projekt
von Maxim Velcovský
21
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Es war für mich sehr
überraschend, wie
schnell Jessica Hansson
die Wäschef lottPhilosophie erkannt
und in ein Projekt
umgesetzt hat. Sie hat
es genau auf den Punkt
gebracht, worum es in unserem Geschäf t geht. Sie hat unsere und ihre
eigene Persönlichkeit dargestellt und beschrieben, das Reduzierte,
Einfache, die klaren Linien, aber mit sehr viel Phantasie.“
Beatrix Stekl, Wäscheflott
Ausschließlich mit
einem Produkt
11 %
Mit Teilbereichen
des Unternehmens
22 %
Mit dem gesamten
Unternehmen
(Identität, Geschichte,
Strategie etc.)
67 %
Wie intensiv hat sich der Designer des Passionswege-Projektes
mit Ihrem Unternehmen auseinandergesetzt?
22
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
2
DESIGNER ERKENNEN UND NUTZEN
UNTERNEHMERISCHE STÄRKEN
UND POTENZIALE
Designer denken ganzheitlich und strategisch.
Sie bleiben nicht an der Oberfläche, sondern
tauchen in die Tiefe. Sie hinterfragen, beobachten, entdecken, analysieren, experimentieren, kombinieren. Sie setzen sich mit dem
Unternehmen ebenso wie mit dem Umfeld
auseinander. Sie sind neugierig und stellen
gerne Fragen. Sie wollen verstehen, woher
etwas kommt und wohin es geht. Sie denken
in die Zukunft, das heißt, sie versuchen sich
heute auf Bedingungen einzustellen, die in
Zukunft kommen können, um mit den Stärken
eines Unternehmens neue Chancen wahrzunehmen.
17 %
28 %
61 %
TIPP
Nutzen Sie das strategische Potenzial von
Designern, indem sie die Zusammenarbeit
als einen gemeinsamen, in die Zukunf t
gerichteten Entwicklungsprozess wahrnehmen, der Ihnen neue Chancen am
Markt eröffnet.
Designer verstehen nichts von Wirtschaft
Designer setzen sich nicht mit dem
Profil eines Unternehmens auseinander
Designer erkennen unternehmerische Stärken
Designer machen Werte und Haltungen
in einem Unternehmen sichtbar
94 %
39 %
Designer sind gute Berater, wenn
es um die Planung der Zukunft geht
Welcher der folgenden Aussagen
stimmen Sie zu?
23
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
Max Lamb während
seines Werkstattbesuches
bei Lobmeyr
„Die Tradition ist gut und wichtig, aber das Wichtigste dabei ist nach vorne zu
schauen, was kommt, in welche Richtung gehen wir, wie schaut die Zukunf t aus.
Und die Zukunf t sind sicher unter anderem junge Designer.“
Wolfgang Köchert, A. E. Köchert Juweliere
24
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Das Projekt von
Walter Thaler
hat unsere Kernphilosophie vertief t
und ihr gleichzeitig
eine neue Seite
gegeben, sodass sie
für unsere Kunden
breiter verstehbar
wurde. Er hat uns
neue Beispiele in
die Hand gegeben.
Wir müssen nicht
immer über Schuhe
reden, wir können
stattdessen jetzt
auch über einen Duf t reden.
Und wir muten uns seit diesem
Projekt auch Dinge zu, die
nicht unbedingt mit Schuhen
zu tun haben, etwa das Kochen,
wo wir immer wieder sehr
erfolgreich das Haus in ein
Restaurant verwandeln.“
Markus Scheer, Rudolf Scheer & Söhne
Maßschuhmacher
25
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Was Jessica Hansson unserem
Unternehmen nachhaltig übermittelt
hat, ist, unsere
Kernkompetenz
zu erkennen und
zu komprimieren
und uns neue
Wege zu eröffnen, was wir
mit einem guten
Design noch
alles machen
können.“
Beatrix Stekl, Wäscheflott
„Designer sind ja sehr feinfühlige Menschen, die Veränderungen spüren,
viel mehr als ich, der täglich im Geschäf t steht. Sie geben neue Ziele vor,
und das ist ganz wichtig.“
Dietmar Sulzberger, Chronometrie Sulzberger
26
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
3
DESIGNER ERÖFFNEN NEUE
SICHTWEISEN UND PERSPEKTIVEN
Um kreativ zu sein, bedarf es eines Abgehens
von gewohnten Pfaden, eines Hinaus- und
Querdenkens. Es ist eine Kernkompetenz
von Designern, sich einer Aufgabe aus
ganz unterschiedlichen, auch ungewöhnlichen Blickwinkeln zu nähern, das Denken
aufzumachen, um so auf neue Ideen und
Lösungen zu kommen. Dabei hilft gerade
der unvoreingenommene und oftmals auch
branchenfremde Blick eines Außenstehenden.
Das bringt Bewegung ins Unternehmen und
eröffnet neue Perspektiven am Markt.
Und selbst Stammkunden schätzen einen
„frischen Wind“.
TIPP
Seien Sie offen und zugänglich für
neue Ideen, lassen Sie sich auf Gedankenexperimente ein, auch wenn sie auf
den ersten Blick nicht gleich umsetzbar
erscheinen.
Nein
39 %
Ja
61 %
Hat Ihnen das Passionswege-Projekt neue Sichtweisen
auf Ihre Kunden gebracht?
27
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Als betriebsfremde Personen bringen Designer ganz andere Ideen
und Gedanken herein, als man selber hat, ein neues Licht auf
die Dinge. Mein Tipp: Immer alles anschauen,
anhören, nie von vornherein ,Nein‘ sagen.“
Thomas Petz, Petz Hornmanufaktur
Im Bild mit Designer Adam Wehsely-Swiczinsky
und dessen Hornbrillen
„Unsere Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Designern ist, dass
gerade Quereinsteiger, die nicht
aus der Schmuckbranche kommen,
sehr interessante neue Aspekte
einbringen. Und nicht das schon
etwas betriebsblinde Denken
des Unternehmers haben.“
Wolfgang Köchert, A. E. Köchert Juweliere
„Es macht immer
Spaß, mit jungen
Designern zu arbeiten, da kommt
ein frischer Wind in die Werkstätte, neue Ideen, die ich bis zu
diesem Zeitpunkt gar nicht angedacht hätte.“
Herbert Weinberger, Meisterkürschner Weinberger
Tina Lehners Pelz-Kuscheltier im Rahmen der Passionswege
28
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Wir waren am Anfang sehr vorsichtig, bis uns dann eines Tages einer
unserer Stammkunden, als wir gerade eine schräge Installation einer
Berliner Keramikerin im Geschäf t hatten, gesagt hat: ,Geh, ihr werd’t’s
doch nicht aufwachen‘. Das fand ich wunderbar, das hat uns gezeigt
und bewiesen, dass man dem Kunden, auch dem konservativsten
Kunden, nicht progressiv genug sein kann. Gerade unsere Stammkunden
erwarten sich von uns Erneuerungsprozesse.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
„Das Spannende ist, wenn jemand von
außen in ein Thema eintaucht, mit einem
anderen Blickwinkel, dann reibt es – und
nur so kann Neues entstehen. Dazu bedarf es allerdings
der Willigkeit des
Unternehmers,
sich darauf
einzulassen, das
ist eines der
wichtigsten Dinge
an einer Kooperation mit einem
Designer.“
Markus Scheer,
Rudolf Scheer & Söhne
Maßschuhmacher
Im Bild Walter Thaler
beim Fußbad mit einer
Kundin im Rahmen seines
Passionswege-Projektes
„wear senses“
29
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Die Zusammenarbeit mit Designern kann nur eine Bereicherung
sein. Gerade für Unternehmen, die viele Jahre an einem
Standort sind oder immer nur mit einem Produkt arbeiten und
dadurch mit der
Zeit betriebsblind
werden. Da ist es
besonders wichtig,
sich auf neue
Dinge einzulassen.“
Wolfgang Rauber, wildwuchs –
der Blumenladen im 2ten
Im Bild Nährbodenmischungen und seed
bombs, verpackt als
Fastfood im Blumenladen,
von breadedEscalope
Nein
39 %
Ja
61 %
Hat Sie das Passionswege-Projekt angeregt, über gesellschaf tliche
Veränderungen und Ihre Reaktion als Unternehmen darauf nachzudenken?
30
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
4
DESIGNER LEGEN WERT
AUF GEGENSEITIGES LERNEN UND
WIN-WIN-SITUATIONEN
Ein erfolgreiches Designprojekt braucht eine
partnerschaftliche Beziehung auf gleicher
Augenhöhe, geprägt von gegenseitigem
Verständnis, Vertrauen und Wertschätzung.
Designer agieren immer im Interesse des
Unternehmens. Sie wollen grundsätzlich
weder ihren Willen aufzwingen noch eine Idee
um jeden Preis durchbringen, sondern eine
Zusammenarbeit erreichen, von der beide
Seiten lernen und profitieren können.
TIPP
Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit
muss es auch auf der menschlichen Ebene
einen guten Draht geben. Nehmen Sie
sich dafür Zeit!
Franz Fischmeister im angeregten Gespräch mit mischer´traxler
31
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Im Nachhinein betrachtet war
das Passionswege-Projekt mit
Walter Thaler eine unglaubliche
Paarung, die jetzt, drei Jahre
später, noch immer enorm
nachhallt. Zum einen werden
wir immer wieder auf das
Projekt angesprochen. Zum
anderen ist Walter Thaler seit
damals unser Auslagendekorateur, sodass wir mit ihm einzelne
Teile der damaligen Installation nochmals
im großen Stile neu aufrollen können.“
Markus Scheer, Rudolf Scheer & Söhne Maßschuhmacher
Im Bild mit Walter Thaler
„Was ich an Tina
Lehner besonders geschätzt
habe, war ihre
Unkompliziertheit und
ihre Wertschätzung. Es war so,
als wäre sie immer
schon da gewesen. Unsere Zusammenarbeit hat mich als
Mensch und als Fachmann weitergebracht.“
Herbert Weinberger, Meisterkürschner Weinberger
„Ich habe aus der
Zusammenarbeit nur
gelernt und mich
bestätigt gefühlt,
dass man allem
gegenüber offen
sein muss. Dass das
ein Weg ist, den
ich sicherlich nicht
verlassen werde.“
Wolfgang Rauber, wildwuchs –
der Blumenladen im 2ten
32
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
5
DESIGNER WERTSCHÄTZEN
HANDWERKE UND TRAGEN ZU
DEREN ERHALTUNG BEI
Designer erforschen gerne ungewöhnliche
Materialien ebenso wie Verarbeitungstechniken, um auf immer wieder neue Umsetzungsmöglichkeiten für ihre Ideen zu kommen.
Daher gilt ihr besonderes Augenmerk unterschiedlichsten Handwerken. Sie wertschätzen
handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten
in einem hohen Maße, erproben sie oft selber,
bringen sie an die Oberfläche und erkennen
Entwicklungspotenziale. Daher liegen in der
Zusammenarbeit mit Designern die Chance
und das Potenzial, vom Aussterben bedrohte
Handwerke zu erhalten.
83 %
TIPP
Die Wertschätzung von Designern
gegenüber dem in Ihrem Unternehmen
vorhandenen Know-how kann auch die
Motivation und Kreativität Ihrer Mitarbeiter nachhaltig fördern und stärken.
Sichtbarmachung der Produktionsweisen
Gestaltung von Abläufen und Dienstleistungen
(service design)
44 %
Einsatz ökologisch verwertbarer Materialien
(sustainable design)
22 %
0%
Design für unterrepräsentierte Zielgruppen wie etwa
Kinder oder Senioren (social design)
Für welche der folgenden Themen hat das
Passionswege-Projekt Ihr Interesse geweckt?
33
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Was ich gut
fand, war, dass
sich Adam
Swiczinsky mit
dem Material
beschäf tigt
und vertraut
gemacht hat.
Er wollte seine
Ideen selber
umsetzen können und hat auch ein Stück Material zu sich
in die Werkstatt mitgenommen, hat probiert, was möglich
ist und was nicht.“
Thomas Petz, Petz Hornmanufaktur
Im Bild die digitalen Uhren aus Horn „Watussi“, Design Adam Swiczinsky,
produziert von Petz Hornmanufaktur
„Im Handwerk sind
Designs möglich,
die sonst nicht
möglich wären.
Es gibt bestimmte
Techniken,
die Neues
ermöglichen.“
Franz Fischmeister, Rozet &
Fischmeister Kammerjuweliere
34
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Eines der ersten Designprojekte, mit denen wir gestartet
haben, war die Zusammenarbeit mit Ted Mühling, der drei Wochen
lang in der Werkstätte verbracht hat und sich ganz liebevoll
und intensiv mit den Mitarbeitern und ihren Fertigkeiten beschäftigt hat, die dadurch nicht nur Wertschätzung erfahren haben,
sondern auch was sie können, was aus ihrer Technik noch alles
rausgeholt werden kann. Das hat sie enorm motiviert.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
Aus Lederresten
hergestellte
Spielzeugtiere des
Designers Adrien
Rovero für die
Ledermanufaktur
Posenanski
35
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Das Kreative in unserem Handwerk zu
zeigen, die Stiche, die Nähte, das war
Jessica Hansson
sehr wichtig.“
Beatrix Stekl, Wäscheflott
„Tina Lehner hatte zwar keine Fachkenntnisse, wollte
aber unbedingt wissen, wie man das Projekt handwerklich so umsetzen kann, dass es auch dem Auge
des Kürschnermeisters Stand hält. Sie hat sich in
das Handwerk des Kürschners eingelebt. Aber nicht nur
bei der Tina, auch bei anderen Designern habe ich
die Erfahrung gemacht, dass sie wissen wollten, wie gefertigt wird und wie man mit den Maschinen umgeht.“
Herbert Weinberger, Meisterkürschner Weinberger
36
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
6
DESIGNER BEOBACHTEN DEN
MARKT UND SPÜREN TRENDS AUF
Designer denken kundenorientiert. Sie wollen
mit ihrer Gestaltung Emotionen wecken,
glücklich machen. Das kann durch einen
funktionellen, aber auch konzeptionellen
Zugang zu einer Gestaltungsaufgabe erfolgen. Man denkt sich in den Kunden hinein,
verfolgt seinen Weg, erforscht, was hinter
Bedürfnissen und Kaufentscheidungen steckt.
Gute Designer beobachten aber auch die
Konkurrenz, erkennen Trends und spüren
Entwicklungen auf.
TIPP
Informieren Sie sich bei Designern über
aktuelle Marktentwicklungen und Trends
und überlegen Sie gemeinsam, was davon
für Ihr Unternehmen interessant sein
könnte.
Nein
28 %
Ja
72 %
Sind Designer Ihrer Erfahrung nach gute
Marktbeobachter bzw. Trendforscher?
37
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Nicolas Le
Moigne beispielsweise hat
mit der Eitelkeit
der Menschen
gespielt, mit
einem Augenzwinkern den Luxus ironisiert, indem er mit
der Idee des Vervielfältigen eines Steines, eines
Funkelns gearbeitet und gleichzeitig hochwertige
Schmuckstücke
hergestellt hat. Das
war ein sehr konzeptueller Zugang,
zu hinterfragen,
warum sich Menschen schmücken.
Der Kunde stellt
sich diese Frage ja
auch, was Schmuck
eigentlich für ihn
bedeutet, und
bestimmt durch die
Auswahl des Schmuckstückes, welche Art von
Schmuckträger er ist.“
Wolfgang Köchert, A. E. Köchert Juweliere
„Designer
beobachten
alles, auch
die Gegenseite.
Warum macht
der eine ein
besseres Geschäf t und
der andere ein
schlechteres?“
Dietmar Sulzberger,
Chronometrie Sulzberger
38
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Designer versetzen sich in
die Rolle der
Kunden, spüren ihre Bedürfnisse auf
und erkennen
Trends. Max
Lamb beispielsweise hat ganz analytisch unseren
Produktionsprozess in drei verschiedene Stufen
zerlegt, und damit das Bedürfnis der Menschen
von heute thematisiert, hinter die Kulissen
zu blicken, die wahre Identität und Authentizität
von Produkten zu sehen.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
39
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Zum Beispiel das Weiterverfolgen des Duftes.
Das ist eine wirkliche Herausforderung.
Wir haben angefangen, auf chemischem Weg
Extrakte aus unseren Materialien zu gewinnen
und diese in Düf te zu verwandeln. Was bedeutet ein gutes Leder für den Fuß, was bedeutet
ein guter Duf t für die Haut.“
Markus Scheer, Rudolf Scheer & Söhne Maßschuhmacher
83 %
6%
Gar nicht
6%
Hat verunsichert
Hat Spaß gemacht
50 %
Hat Wertschätzung gebracht
61 %
Hat die Motivation gefördert
67 %
Hat die Kreativität gefördert
22 %
33 %
Hat die Kultur verändert
Hat unsere Kernkompetenzen hervorgehoben
Hat einen neuen Blick auf das eigene
Unternehmen ermöglicht
72 %
50 %
Hat Ideen für die Zukunft gebracht
In welcher Form hat sich das Passionswege-Projekt
auf Ihr Unternehmen und die Arbeitskultur ausgewirkt?
40
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
7
DESIGN BRINGT NEUE KUNDEN
UND AUFMERKSAMKEIT
Die visuelle Kommunikationsfähigkeit von
Designern unterstützt bei der Kommunikation
mit dem Kunden. Design schafft Aufmerksamkeit und Positionierung. Es reduziert
komplexe Inhalte und Themen auf eine verständliche Sprache, signalisiert Bewegung
und Entwicklung, baut Hemmschwellen ab
und eröffnet so neue Märkte und Kundenschichten.
TIPP
Seien Sie mutig und konsequent, wenn
Sie sich zur Positionierung durch Design
entscheiden. Die Kunden werden das zu
schätzen wissen.
Nein
28 %
Ja
72 %
Konnten Sie durch das Passionswege-Projekt
neue Kunden gewinnen /ansprechen?
41
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Es haben mich
sehr viele Leute
auf das Passionswege-Projekt
angesprochen,
nachgefragt.
Viele wurden
dadurch überhaupt erst auf
mich aufmerksam. Es hat mich
auf jeden Fall
einen Schritt
weiter gebracht.“
Thomas Petz,
Petz Hornmanufaktur
„Wenn sich
etwas tut,
kommen auch
neue Kunden,
die uns bisher noch nicht gekannt haben. Man muss
offen sein, wenn man etwas bewegen will.“
Herbert Weinberger, Meisterkürschner Weinberger
„Es sind viele Leute
in unser Geschäf t
gekommen, die
sonst nie kommen
würden. Das Projekt hat eine gewisse Angstschwelle genommen,
in ein Traditionsgeschäf t hineinzugehen.“
Franz Fischmeister, Rozet & Fischmeister Kammerjuweliere
42
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Man erobert sich durch Design auch nach und nach neue Kundenschichten.
Wir hatten früher ein sehr traditionelles Publikum, designaffinen
Menschen mit einem hohen ästhetischen Anspruch waren wir zu konservativ.
Diese Käuferschicht haben wir nun durch Projekte wie die Passionswege
und andere Kooperationen mit Designern dazugewonnen, und fühlen uns mit
dieser Gruppe mittlerweile sehr wohl.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
Der Designer Nicolas
Le Moigne erklärt
einer PassionswegeBesucherin den
Spiegeleffekt seines
Schmuckstückes
für A. E. Köchert
Juweliere
Nein
11 %
National
56 %
International
33 %
Hat Ihnen das Passionswege-Projekt
mediale Aufmerksamkeit gebracht?
43
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
Der Ansturm auf
die Eröffnungsveranstaltung
des FastfoodProjektes von
breadedEscalope
bei Wildwuchs –
der Blumenladen
im 2ten
„Wir haben in den letzten Jahren durch Projekte wie die Passionswege und
die Zusammenarbeit mit jungen Designern festgestellt, dass neue Kunden
gekommen sind. Es ist wichtig, eine gute Durchmischung zu haben. Junge
Designer sind Türöffner für junge Kunden, die sonst nicht kommen würden.“
Wolfgang Köchert, A. E. Köchert Juweliere
Nein
28 %
Ja
72 %
Konnten Sie diese mediale Aufmerksamkeit
nachhaltig nutzen?
44
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
8
DESIGN SCHAFFT INDIVIDUALITÄT
UND UNTERSCHEIDBARKEIT
Von der Schriftgestaltung über die Produktform bis zum gesamten Markenauftritt
unterscheidet Design das Unternehmen von
der Konkurrenz. Hinzu kommt, dass man
derzeit wieder einen eindeutigen Gegentrend
zu Globalisierung und Massenkonsum beobachten kann. Dem Wunsch des Kunden nach
Individualität, Authentizität, Einmaligkeit,
Unterscheidbarkeit kann durch die Zusammenarbeit mit Designern klar entsprochen
werden.
TIPP
Sie müssen kein großes Unternehmen
sein, um sich durch Design differenzieren
zu können. Gerade in der Verbindung von
Nischenprodukten, Spezialisierungen und
Handwerksberufen mit Design liegt ein
großes Potenzial – dem Kunden zu sagen, dass er hier etwas bekommt, was es
anderswo nicht gibt.
Nein
6%
Ja
94 %
Können Designer die Kernwerte des Unternehmens
nach außen hin sichtbar machen und kommunizieren?
45
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Wenn ich
unsere handwerklichen
Fähigkeiten mit
einem guten
Design verbinde,
erhalte ich ein
Alleinstellungsmerkmal. Und
genau darum geht es ja, dass ich als Unternehmer etwas
produzierte, wo ich keine Konkurrenz habe, wo ich nicht
über den Preis kämpfen muss.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
Im Bild die Installation aus Luster- und Trinkglasteilen nach dem Prinzip
des Schattentheaters von Maxim Velcovský
46
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Man muss
heutzutage
besonders
sein, sich
abheben. Und dafür muss man auch
investieren. Nur so hat man einen
Vorteil gegenüber den anderen.“
Franz Fischmeister, Rozet & Fischmeister Kammerjuweliere
Im Bild ein Teil der Passionswege-Installation
von mischer´traxler, ein Collier, das auf den großen
Abend hin gezüchtet wird
47
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Es ist ja eine furchtbare Vereinfachung eingetreten, eine Uniformierung. Der Designer füllt
hier eine große
Lücke, indem
er wieder mehr
Individualität
einbringt.“
Dietmar Sulzberger,
Chronometrie Sulzberger
Im Bild die Gestaltung
seines Geschäftes von
Vandasye während der
Vienna Design Week
Walter Thalers Gestaltung für Rudolf Scheer & Söhne
Maßschuhmacher, die sich bis in die Auslage zieht
48
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
9
DESIGN IST NACHHALTIG
Die Zusammenarbeit mit Designern ist ein
Entwicklungsprozess, der dann nachhaltige
Wirkung erzeugt, wenn man ihn auch als
solchen wahrnimmt. Erst im Laufe einer
Zusammenarbeit zeigen sich Kernthemen
und Potenziale, die es wert sind, vertieft zu
werden. Die Nachhaltigkeit zeigt sich auf
Dauer in der Frequenz und Zufriedenheit der
Kunden. Aber auch bei Ihnen als Unternehmer
wird eine erfolgreiche Zusammenarbeit eine
Veränderung hervorrufen: Freude, Sicherheit,
Mut und Lust an der Weiterentwicklung.
TIPP
Die Zusammenarbeit mit Designern kann
auch eine geschäf tsbegleitende, beratende Tätigkeit sein, wo man in regelmäßigen Abständen gemeinsam die Richtung
des Unternehmens überprüf t.
„Das Wichtigste gegenüber dem Kunden ist die Botschaf t:
Da tut sich was, das Unternehmen lebt. Es gibt ihm die
Möglichkeit, regelmäßig vorbeizuschauen und immer
wieder etwas Neues
zu entdecken. Der
Kontakt zum Kunden
nimmt damit zu.“
Leonid Rath, J. & L. Lobmeyr
Im Bild Maxim Velcovský mit
Nicole Aebischer vor seiner
Passionswege-Installation
49
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
„Wir arbeiten auch
weiterhin laufend
zusammen, das hat
sich so entwickelt. Es
gibt Dinge, die man
nicht selber machen
kann, wie etwa die
Gestaltung der Homepage, das habe ich
den beiden Designern
komplett überlassen.“
Wolfgang Rauber, wildwuchs –
der Blumenladen im 2ten
„So ein
Projekt
wirkt wie ein homöopathisches Mittel,
man muss es nur erkennen.“
Dietmar Sulzberger, Chronometrie Sulzberger
Im Bild im Gespräch mit Wolfgang Köchert im Rahmen
der Passionswege-Eröffnung
„Das Geschäft war vorher ganz anders, eine verstaubte Dekoration. Wir haben
ganz radikal alles rausgeschmissen, den Boden neu gemacht, die Farben
und Präsentationsformen verändert. Das wird bei unseren Kunden enorm gut
angenommen, auch bei den Stammkunden, die den frischen Wind schätzen.“
Beatrix Stekl, Wäscheflott
Die Designer von breadedEscalope
in Aktion bei Wildwuchs –
der Blumenladen im 2ten
„Es war ein Anzünder, der viele Dinge
in klarere Horizonte gerückt hat.
Was vorher unklar war, ist durch dieses
Projekt klarer geworden. Davon zehren
wir, von diesem Trichter, wo einiges
reingelaufen und unten als dicker Saf t
rausgef lossen ist. Das ist es, was wir
heute bearbeiten. Unsere Kernthemen
sind so tief angekratzt worden,
dass es schade gewesen wäre, das
nicht weiter zu verfolgen.“
Markus Scheer, Rudolf Scheer & Söhne Maßschuhmacher
50
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
10
DESIGN ZAHLT SICH AUS
Zusammenfassend lässt sich sagen: Design
zahlt sich aus. Es stärkt nicht nur die Marke,
eröffnet neue Perspektiven, erschließt neue
Kunden, schafft Aufmerksamkeit und unterscheidet von der Konkurrenz, es lohnt sich
auch finanziell. Der Mehrwert macht die
Mehrinvestition auf jeden Fall bezahlt, auch
wenn er nicht immer messbar ist.
„Man kann
nur gewinnen, nicht verlieren.“
Herbert Weinberger, Kürschnermeister Weinberger
TIPP
Klären Sie die Konditionen zu Beginn der
Zusammenarbeit. Diesbezügliche Tipps zu
Briefing, Vertragsgestaltung, finanziellen
Konditionen und Werknutzungsrechten
finden Sie weiter unten.
51
I I WA R U M D E S I G N U N D W A S B E W I R K T E S ?
Mark Braun im Interview mit ausländischen Journalisten
vor seiner Installation für Lobmeyr
„Ich habe mitunter
sehr hochpreisige
Produkte, und da
spielt Design eine
ganz wesentliche
Rolle. Da macht es
keinen Unterschied,
ob es einen Euro
mehr kostet, da geht
es darum, dass die
Qualität und das
Design stimmen und
gefallen müssen.“
„Es ist immer wieder ein Fehler
zu glauben, Design ist umsonst
oder ein Luxus, den man nicht
braucht. Ein Design muss
natürlich verdient werden.
Aber eine geniale Idee, die viel
kostet, ist letztlich nicht teuer,
wenn das Resultat stimmt.“
„Das Projekt
war für mich
zu einem Zeitpunkt, wo alles
zum Stillstand
gekommen ist,
rettend. Diesen
Wert kann man
nicht messen,
das muss man
fühlen und
erkennen.“
Dietmar Sulzberger,
Chronometrie Sulzberger
Wolfgang Köchert, A. E. Köchert Juweliere
Thomas Petz, Petz Hornmanufaktur
Innen- und Außenwirkung der Installation von mischer´traxler
bei Rozet & Fischmeister Kammerjuweliere
53
I I I W ie findet man D esignschaffende und wie arbeitet man zusammen ?
III
WIE FINDET MAN
DESIGNSCHAFFENDE UND
WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
54
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE
UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
DESIGNSCHAFFENDE UND IHRE
ARBEIT KENNENLERNEN
—
Sie betrachten die gestellte Aufgabe
immer in ihrer gesamten Komplexität.
Wenn Sie eine Zusammenarbeit mit einem
Designer andenken, macht es Sinn, sich
zunächst ein Bild davon zu machen, wie
unterschiedlich Design sein kann und welche
Art von Design Sie am ehesten anspricht.
Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt.
Schauen Sie sich Ihre Konkurrenz an. Fragen
Sie befreundete Unternehmer, deren Auftritt
Ihnen zusagt. Sammeln Sie Abbildungen von
Arbeiten, die Ihnen gefallen. Hier können
Magazine und Fachbücher, in denen Designprodukte und Gestaltungsarbeiten abgebildet
und erklärt werden, eine hilfreiche Quelle
sein. Nutzen Sie Plattformen und Interessensvertretungen, die Designstudios und
ihre Arbeiten vorstellen. Einige davon sind im
Anhang aufgelistet. Auch Ausstellungen und
Messen sind Möglichkeiten, sich einen Überblick zu verschaffen.
—
Designer sind von ihrem Arbeitsverständnis her gewohnt interdisziplinär
zu arbeiten.
—
Sie sind es gewohnt im Team zu arbeiten
und mit verschiedenen Fachleuten zu
kommunizieren.
—
Designer arbeiten zunehmend auch
als strategische Berater.
—
Eine Designintervention wird meist
erst nach einem gewissen Zeitraum
einen Effekt zeigen.
Grundsätzlich gilt:
—
Designer verstehen wirtschaftliche
Zusammenhänge.
—
Sie sind keine Künstler, sondern Dienstleister.
Nicht jeder Designer ist für jede Aufgabenstellung geeignet. Designer durchlaufen eine
lange Ausbildung und positionieren sich im
Laufe ihrer Karriere mit unterschiedlichen
Schwerpunkten. Auf diese Positionierung
sollten Sie achten. Grundsätzlich kann man
unterscheiden zwischen:
—
Grafikdesign (gesamter visueller Auftritt
eines Unternehmens wie Schrift, Logo,
Geschäftsdrucksorten, Werbemittel,
Verpackung etc.)
55
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
—
Webdesign (Gestaltung von Website und
Newsletter)
—
Produktdesign (Gestaltung von Konsumgütern)
—
Möbeldesign (Gestaltung von seriell
erzeugten Möbeln und Lampen)
—
Industriedesign (Gestaltung von industriell erzeugten, komplexen technischen
Produkten)
Viele Designstudios bieten mehrere dieser
Leistungen in ihren Portfolios an. Außerdem
arbeiten Designer sehr vernetzt und schließen sich für Projekte und Aufträge temporär
zusammen.
In der Regel haben Designstudios eine
gute Website, auf der man sich informieren
und einen Einblick in ihr Leistungsspektrum
verschaffen kann. Wenn Sie eine engere
Auswahl getroffen haben, können Sie mehrere
Studios zu einem informellen Gespräch
bitten oder sie in ihren Studios besuchen, um
einen persönlichen Eindruck voneinander zu
gewinnen.
SICH AUF EINEN PROZESS EINLASSEN
Wie bereits in dieser Publikation ausgeführt, ist Design immer ein Prozess. Nur
im Verlauf des gemeinsamen Nachdenkens
und Erarbeitens ermöglichen Sie sich selbst
und dem Designstudio eine erfolgreiche
und befriedigende Zusammenarbeit. Eine
wesentliche Voraussetzung dafür ist Offenheit
und die Bereitschaft, Ihr Wissen über Ihr
Unternehmen zu teilen. Es braucht einen
offenen Dialog, um ein Erfolg versprechendes
→
56
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
Ergebnis zu erzielen. Nur in dieser intensiven
und offenen Auseinandersetzung bekommen
Sie ein befriedigendes Ergebnis.
Integrieren Sie Designer bereits am
Beginn eines Entwicklungsprozesses,
nicht erst in der Umsetzungsphase. Denn
Design ist keine reine Behübschung. Jede
Gestaltung entsteht aus einer tief gehenden
Beschäftigung mit dem Unternehmen und
muss immer mit der Philosophie, der Positionierung und dem speziellen Know-how des
Unternehmens übereinstimmen. Sie muss
aus dem Unternehmen heraus entstehen,
sie muss authentisch sein. Sie können sich
darauf verlassen, dass ein professionelles
Designstudio loyal zu seinem Auftraggeber
ist, diesen Prozess ernst nimmt und sich
selbstverständlich an eine Vereinbarung zur
Verschwiegenheit halten wird.
EIN BRIEFING ERSTELLEN
Ein Briefing ist das Hilfsmittel für eine erfolgreiche Navigation durch das Projekt. Es gibt
dem Designer notwendige Informationen, an
Hand derer sich die Zusammenarbeit immer
wieder überprüfen lässt. Daher sollten Sie
sich Zeit nehmen, dieses Briefing schriftlich
zu erstellen, damit man sich darauf beziehen
kann. Letztlich ist es auch für Sie als Auftraggeber eine Möglichkeit, die erbrachten
Leistungen zu überprüfen. Eine Checkliste,
welche Punkte ein Briefing beinhalten sollte,
finden Sie auf Seite 59.
Gehen Sie das Briefing gemeinsam mit
dem Designer durch. Er kann Ihnen bei der
richtigen Einschätzung des Zeitplanes, aber
zumeist auch der Kosten behilflich sein. Ein
Kostenrahmen ist eine alltägliche und von den
Designern durchaus erwartete Situation.
Für jede Budgetgröße bieten sich Möglichkeiten an.
Abschließend: Das Briefing ist keine
starre Vorgabe, sondern beschreibt einen
Möglichkeitsraum. Neuland zu betreten und
damit Innovation zu ermöglichen, ist Teil des
Weges. Fordern Sie vom Designstudio eine
intensive Auseinandersetzung mit Ihrem
Unternehmen, aber öffnen Sie dabei den
Raum für neue Antworten auf Ihre Fragen.
HONORARE UND ZAHLUNGSKONDITIONEN VERHANDELN
In dem Moment, wo Sie ein Designstudio
konkret beauftragen, ist auch das Honorar
für die Erbringung der Leistung fällig, selbst
wenn das Projekt nicht umgesetzt wird. In so
einem Falle werden zumindest jene Konzeptleistungen fällig, die bis zu dem Zeitpunkt, wo
das Projekt verworfen wird, erbracht wurden.
Auch erste Präsentationen – sofern klar als
solche definiert – sind nicht gratis.
Zu bezahlende Leistungen und Zahlungskonditionen können auch gemeinsam mit den
Projektphasen definiert werden. Durch eine
eindeutige Definition, welcher Schritt was
kostet, haben Sie auch die Möglichkeit, jederzeit aus dem Projekt auszusteigen, wenn es
nicht in die richtige Richtung geht.
URHEBERRECHTE
Ein Design ist ein Werk, das durch das Urheberrecht geschützt ist – und zwar auch dann,
wenn kein Copyrightvermerk ausdrücklich
darauf hindeutet. Damit fällt dem Designer als
57
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
Urheber das Recht zu, das Design (und damit
das Werk) zu verwerten, also beispielsweise
das Produkt mit dem Design in Serie zu vervielfältigen oder das Logo auf einer Website
zur Verfügung zu stellen. Außerdem hat der
Urheber sogenannte Urheberpersönlichkeitsrechte, wie den Anspruch auf Namensnennung
und darauf, dass sein Werk nicht entstellt wird.
Will man als Auftraggeber das Design
nutzen, so können die Rechte zur Verwertung umfassend übertragen werden oder es
kann eine eingeschränkte, genau definierte
Nutzung festgelegt werden. Diese Einschränkung kann zeitlich oder geografisch sein oder
sich auf ein Medium, beispielsweise eine reine
Internetnutzung, beschränken. Weiters sollte
auch geklärt werden, ob die Rechte exklusiv
übertragen werden oder ob das Design (in
Abwandlungen) vom Designer auch an andere
verkauft werden darf.
Wird die Zustimmung des Designers
zur Verwertung nicht eingeholt, so stehen
diesem verschiedene Rechtsmittel zu, wie
etwa weitere Nutzungen zu unterbinden und
Schadenersatz zu fordern.
Spätere Zustimmungen für Nutzungen,
die über den ursprünglichen Vertrag hinausgehen, sind möglich, können aber nicht
erzwungen werden. Wenn die Zustimmung
eingeräumt wird, wird diese üblicherweise von
neuen Entgeltforderungen abhängig gemacht,
wobei die Höhe der zusätzlichen Zahlungen
nicht selten zu Differenzen führt.
Des Weiteren ist es grundsätzlich nur
dem Urheber vorbehalten, ein Design zu
verändern oder zu bearbeiten. Wenn also etwa
aufgrund eines veränderten Zeitgeschmacks
das „veraltete“ Design adaptiert werden soll,
ist auch dafür die Zustimmung des Urhebers
notwendig. Auch hier können spätere Konflikte
vermieden werden, wenn der Nutzer sich das
Bearbeitungsrecht gleich übertragen lässt. →
58
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
Aus Sicht des Nutzers macht es außerdem Sinn zu vereinbaren, dass die Rechte
am Design auch an beliebige Dritte weiterveräußert werden können. Das Gesetz sieht
hier in manchen Fällen allerdings Einschränkungen vor.
Obwohl Urheberrechtsverträge formfrei
geschlossen werden können, so wird doch zur
Verhinderung von Konflikten nachdrücklich
empfohlen, diese Vereinbarung schriftlich
festzuhalten, insbesondere wenn eine längere
Nutzung beabsichtigt ist oder zumindest nicht
gänzlich ausgeschlossen ist. —
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
—
Magazine zum Thema Wohnen
und Lifestyle
Ambiente, AD, H.O.M.E.,
Schöner Wohnen, Elle Deco, Wallpaper
—
Fachorientierte Magazine
designreport, Blueprint, Die Form, Frame
—
Design-Plattformen
www.creativespace.at
www.designaustria.at
www.viennadesignweek.at
—
Informationen zum Urheberrecht
www. wko.at/e-commerce,
Copyright im World Wide Web
—
Förder- und Unternehmensberatung
WIFI-Wien
+43 (0)1/476 77 DW 5355
unternehmensberatung@wifiwien.at
www.wifiwien.at/ub
59
III WIE FINDET MAN DESIGNSCHAFFENDE UND WIE ARBEITET MAN ZUSAMMEN?
CHECKLISTE
Was sollte ein Brief ing enthalten:
AUSGANGSPUNKT
Beschreibung des Unternehmens, der Firmengeschichte
Positionierung am Markt
Kernkompetenzen und Stärken
Konkurrenzbeschreibung, Hauptkonkurrenten
Informationen zum derzeitigen Produkt- und Service-Angebot
ZIELE DER ZUSAMMENARBEIT
Stärkere Sichtbarkeit
Neue Zielgruppen
vorhandene Zielgruppe besser erreichen
Umsatzsteigerung
Imageänderung bzw. -verbesserung
Neue Märkte
Verbesserung der bestehenden Produkte
etc.
ZEITPLAN
Wann beginnt die Zusammenarbeit?
Wann soll sie abgeschlossen sein?
Was sind die einzelnen Phasen und Meilensteine?
Erstpräsentation
Vorentscheidung
Überarbeitung
Finale Präsentation
Entscheidung
Produktion
PROJEKTKOSTEN
Kostenrahmen
ANSPREC HPAR TNER
Ansprechpartner im Unternehmen
Ansprechpartner beim Designer
Was ist mit wem abzustimmen?
61
I V D ie Passionswege - P rojekte im Ü berblick
IV
DIE PASSIONSWEGE-PROJEKTE
IM ÜBERBLICK
62
I V D I E PA S S I O N S W E G E - P R OJ E K T E I M Ü B E R B L I C K
DIE PASSIONSWEGE-PROJEKTE
IM ÜBERBLICK
A.E.KÖCHERT JUWELIERE
mi t Ni c o la s Le M oign e (C H), 2010
Für Nicolas Le Moigne repräsentieren die
Schmuckstücke von Köchert das ultimative
Verlangen nach Prestige und Luxus. Mit Hilfe
von Spiegeln thematisierte er eine pointierte
Vervielfältigung des Kostbaren und trieb den
Luxuseffekt ironisch ins Dekadente: Nämlich
mehr als das zu bekommen, für das man
bezahlt hat.
mi t S u s an ne Lippits c h (A T), 2008
Die Verpackungsdesignerin Susanne Lippitsch zelebrierte in ihrem Projekt den spannenden Moment des Auspackens in Form
eines Armbandes aus kleiner werdenden
Halbkugeln, die, ineinander geschachtelt,
jeweils die Nächstkleinere und zuletzt eine
Perle zum Vorschein brachten. Der Schmuck
wurde zur Verpackung, die Verpackung zum
Schmuck.
mi t R o b e r t Rü f (A T ), 2007
Für sein Projekt blätterte der Industriedesigner Robert Rüf durch 200 Jahre Archiv des
Hauses Köchert und blieb bei einem Diadem
hängen, fasziniert von dessen konstruktiven
Details, die Art und Weise der Verkettung der
einzelnen Schmuckelemente. Rüf ersetzte
diese durch standardisierte, aus Blech
geschnittene Glieder. So entstand eine neue
Serie rationell und gleichzeitig elegant komponierter Colliers.
BACKHAUSEN
mi t KIM & H EEP ( K R / D E) , 2 0 1 0
Dem Designduo KIM & HEEP (Mia Kim und
Nikolas Heep) hat es bei seinem ersten
Besuch bei Backhausen vor allem die Waldviertler Produktionsstätte angetan: Tausende
Fäden werden gewickelt, farblich arrangiert,
einzeln angesteuert und verwoben. „Returnity“ heißt außerdem der Cradle-to-cradleZyklus dieses Unternehmens, das nachhaltig
Stoffe produziert. Die für den Wiener Schauraum entwickelte Installation symbolisierte
diesen Prozess.
CONFISERIE ALTMANN & KÜHNE
mi t Me gumi It o ( A T) , 2 0 0 8
Megumi Ito, bekannt für ihre feinen Lampenkreationen, unterzog den ursprünglich
von Josef Hoffmann gestalteten Laden
63
I V D I E PA S S I O N S W E G E - P R OJ E K T E I M Ü B E R B L I C K
einer Flurbereinigung und übertrug die
Verpackungstradition von Altmann & Kühne
auf Textil. Ihre handgefertigten kleinen Kosmetiktäschchen, beim Kauf zunächst mit
Konfekt gefüllt, konnten nach Verzehr der
Köstlichkeiten zum ständigen Begleiter in der
Handtasche umgenutzt werden.
CHRONOMETRIE SULZBERGER
mi t Van d a s y e (A T ), 2010
Mit einem neuen Gestaltungskonzept, einer
besonderen Form des Concept Stores, belebten Georg Schnitzer und Peter Umgeher das
kleine Hernalser Uhrengeschäft von Dietmar
Sulzberger, der sich mit seinen hochwertigen
und hochpreisigen Uhren in der Hernalser
Hauptstraße inmitten von Call Shops zuweilen
etwas abseits fühlte.
DEMEL K. U. K. HOFZUCKERBÄCKER
mi t S eb a s tian Men s c h h or n (AT), 2007
Seine Affinität zum Rokoko-Salon von Demel
und den elaborierten Zuckerwerken setzte
Sebastian Menschhorn in eine Schaufensterinszenierung um, die mit der festlichen
Überhöhung von Objekten spielte. Zu sehen
war eine Serie von Porzellantieren mit
antiken orientalischen Blumenmotiven,
angefertigt für Nymphenburg, die auf von
Demel delikat gefertigten Zuckerwolken
schwebten.
mi t Ro b er t S t adl er (A T /F), 2006
Eine ungewöhnliche Hängelampe über
minimalistischen Porzellanskulpturen in
Perückenform verlieh der in appetitlicher
→
64
I V D I E PA S S I O N S W E G E - P R OJ E K T E I M Ü B E R B L I C K
und meisterschaftlicher Manier gestalteten
Inszenierung im Schaufenster des Hofzuckerbäckers Demel eine neue Perspektive.
DEPARTURE – DIE KREATIVAGENTUR
DER STADT WIEN
Qualität beherrscht, an. Nach seinen Musterblättern färbten sie den sonst unsichtbar
bleibenden Leim, der die einzelnen Einlegeteile zusammenhält, ein und machten ihn zu
einem wesentlichen Gestaltungselement.
HAUSHALTSWAREN SIEGFRIED REITER
mi t P at r i c k R ampel otto (A T), 2007
Ein Stuhl ohne Sitzfläche, ein Luster aus
Pokalen und ein Schachbrett waren die symbolischen Elemente einer höchst poetischen
Installation von Patrick Rampelotto in den
Büroräumlichkeiten der Förderinstitution für
die Kreativwirtschaft.
ERWIN PERZYS ORIGINAL WIENER
SCHNEEKUGELN
mi t Ba r t osz Muc ha ( PL ) , 2008
Der Fülle des Geschäftssortiments an Haushaltswaren setzte Bartosz Mucha ein – wie
auch der Name seines Labels lautet – „poor
design“ entgegen, das auf nomadische
Schlichtheit und damit soziale Einfachstlösungen für weniger Bemittelte verwies. Ausgehend von einer einfachen Wäscheklammer
aus Holz, entwickelte er für das Geschäft von
Siegfried Reiter ein Set an Utensilien für den
Alltag des urbanen Nomaden.
mi t J u li a L an ds iedel (A T ), 2010
Mit einem spielerischen und humorvollen
Blick beschäftigte sich Julia Landsiedel mit
dem Schöpfer der beliebten Schneekugeln
ebenso wie mit barocken Wunderkammern,
Konservierungsfragen und in Kugelform
gefassten Sehnsüchten und Irritationen.
FRIEDRICH OTTO SCHMIDT
ATELIER FÜR ANTIKE WOHNUNGSEINRICHTUNGEN
mi t b k m d es ign workin g group (AT),
20 0 7
Das Designerkollektiv bmk setzte für sein
Projekt bei der hohen Kunst der Marketerie,
der feinen Einlegearbeit in Holz, wie sie
das Atelier von F. O. Schmidt in höchster
HOTEL KÖNIG VON UNGARN
mi t dot t i ngs i ndus tria l d e sign ( A T) ,
2007
Die „altösterreichische Gastlichkeit“, die in
diesem Hotel traditionell gepflegt wird und
laut Erzählungen auch die Geister längst
verschiedener Persönlichkeiten einschließt,
war Thema des Projektes der beiden Designerinnen Sofia Podreka und Katrin Radanitsch.
Im zentralen Innenhof wurde mit sogenannten
„Besatzartikeln“ oder Posamenten, zu denen
Fransen, Borten, Kordeln, Quasten und
Zierknöpfe gehören, gehängt, geschnürt und
geschnitten.
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JENNER & ZOPF INSTRUMENTENBAU
mi t S t ef f e n Keh rl e (D E ), 2008
Eine Tandem-Gitarre, die man zu zweit
spielen kann und muss, war das Ergebnis der
Zusammenarbeit von Steffen Kehrle und der
Meisterwerkstätte für Streich- und Saiteninstrumente, inspiriert vom Handwerk des
Instrumentenbaus ebenso wie dem gemeinschaftlichen Musizieren. Als Draufgabe wurde
dann auch noch eine wesentlich schwieriger
zu spielende Tandem-Ukulele produziert.
LEDERMANUFAKTUR POSENANSKI
mi t A d r i e n Rov ero (C H), 2009
Aus Lederresten hergestellte und durch
schlichtes Falten und Zusammenheften
entstandene Spielzeugtiere ermöglichten
das taktile Erfahren unterschiedlicher
Oberflächen von Leder und symbolisierten
gleichzeitig die Rückkehr, Tierisches wieder
zu Tieren zu machen. Eine Idee, die auch das
Nobelhaus Hermès überzeugend fand, das
nun mit dem Designer an einer Weiterführung
der Serie arbeitet.
J. & L. LOBMEYR
mi t M ar k B r au n (D E ), 2010
Eigens entworfene, archetypische Wasserkaraffen wurden mittels Kupferradgravur mit
den Umrissen österreichischer Seen, Flüsse
und Gletscher versehen – für Mark Braun
Symbole des essenziellen Reichtums im
Alltag. Sie stellen zudem bekannte Erholungsorte dar, die auf den sozialen Status der Reisenden schließen lassen. Für die Präsentation
→
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waren die Karaffen mit dem Originalwasser
der dargestellten Quellen befüllt.
LORENZI FEINSTE STAHLWAREN &
SCHLEIFEREI – SEIT 1835
mi t M a x L amb (G B ), 2009
mi t Da ni e l Pos t a ( CZ) , 2010
Max Lamb näherte sich für seine Zusammenarbeit mit Lobmeyr dem Unternehmen wie dem
Thema Glasveredelung ganzheitlich und machte
die Produktionsprozesse des Glasschliffs, der
Gravur und des Glasblasens sichtbar. Damit
wurden der Wert des Handwerks und der Wert
der einzelnen Arbeitsschritte nachvollziehbar.
mi t M a x i m Vel cov s ký /Qu bus De si gn
( CZ ), 2 0 0 8
Im Zuge der Besichtigung des Unternehmens entdeckte Maxim Velcovský hunderte
Schachteln voller Luster-Glasteile. Fasziniert
vom perfekten handwerklichen Detail dieser
Stücke, schuf er aus ihnen eine dreidimensionale Installation, die nach dem Prinzip des
Schattentheaters die Silhouetten von internationalen Städten erzeugte, in denen Lobmeyr
bereits große Luster realisiert hat.
mi t f o r u s e / N U ME N (A T ), 2007
Das Designkollektiv (Sven Jonke, Christoph
Katzler, Nikola Radelijkovic) präsentierte
würfelförmige Lichtobjekte aus Spion-Spiegelglas. Der entstandene, sich bis ins Unendliche reproduzierende Raster bildete einen
interessanten Kontrast zum benachbarten
Glas- und Lusterprogramm im Schauraum
des Geschäftes von Lobmeyr.
mi t M a r t i n o G amper (I T /G B)
und Ki m T ien (A T ), 2006
Fasziniert von der Anmutung rohen Materials, wie sie es in der Luster-Werkstätte
fanden – Reifen, Ketten, Haken und anderes –
kombinierten Gamper und Tien diese Fundstücke mit Leder und Kristallen zu einer Serie
außergewöhnlicher Lusterunikate.
Beeindruckt von der bemerkenswerten
Geschichte und Handwerkstradition der
Familie Lorenzi, die durch weite Teile Europas
und vor allem Italiens verstreut ist, forschte
Daniel Posta mit Juniorchef Andreas Lorenzi
nach den Lieblings- und Meisterstücken der
jeweiligen Clanchefs. In seiner Installation
zeichnete er mit den Ergebnissen eine Familienaufstellung der besonderen Art nach.
MEISTERKÜRSCHNER WEINBERGER
mi t T i na L e hne r ( A T) , 2 0 0 9
Ein Kuscheltier, von Tina Lehner in einem
Spielwarengeschäft gekauft, in seine Einzelteile
zerlegt, in größerem Maßstab aus einem alten
Persianer neu zugeschnitten und flächig wieder
zusammengenäht, zierte die Auslage des Meisterkürschners als eine atmosphärisch stimmige Installation. Die Designerin gab damit dem
Tier eine zweite Chance, geliebt zu werden.
NABER KAFFEE
mi t Gre gor Ei c hinge r ( A T) , 2 0 0 8
Aus der Überzeugung heraus, dass Kaffee
aus unterschiedlichen Tassen unterschiedlich
schmeckt, realisierte Architekt Gregor Eichinger eine Installation aus Tassen unterschiedlichster Provenienz. Gleichzeitig thematisierte
er den Netzwerkgedanken des Cafés und gründete den Cup-Club. Um Mitglied des Clubs zu
werden, mussten sich Besucher ihre Lieblingsoder Stammtasse von zu Hause mitbringen.
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NEUE WIENER WERKSTÄTTEN
mi t W h i t e E l eph an t (A T ), 2010
Das Grazer Team (Tobias Kestel & Florian
Puschmann) baute auf Momentaufnahmen des Entstehungsprozesses sowie das
normalerweise verborgene Innenleben von
Polstermöbeln auf. So etwa widmeten sie das
Holz-Skelett eines solchen Möbels um und
präsentierten die Polsterungen an anderer
ungewöhnlicher Stelle, adelten einen tropfenden Lackiertisch und bauten eine Zeitkapsel in ein Möbel ein.
PETZ HORNMANUFAKTUR
mi t A d am Weh s el y - S w iczinsky (AT),
20 0 9
Ein ebenmäßiger, schlichter Armreif aus
Horn, einem vorindustriellen, hochwertigen
Naturprodukt, entpuppte sich als Digitaluhr
mit durchschimmernder Anzeige; eine zur
Gänze aus Horn bestehende Brille ermöglichte eine neue Erfahrung des partiell
transparenten Materials. Adam Swiczinsky
konfrontierte so Industriedesign mit Handwerkstradition.
RIESS EMAIL
mi t Po lk a (A T ), 2007
Wie viele Henkel braucht ein Topf? Was
macht ein Objekt zu einem funktionierenden
Gebrauchs-Objekt? Aus den Standardelementen traditioneller Emailkochtöpfe, neu
zusammengesetzt und multipliziert, schufen
Marie Rahm und Monica Singer sogenannte
„Mutanten“. Ihr experimenteller Zugang →
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zur Formfindung spielte mit Fragen nach
dem Sinn und den Gewohnheiten scheinbar
banaler Alltagsgegenstände. Präsentiert
wurde das Projekt im Geschäft von Mühlbauer
Hutmanufaktur.
ROZET & FISCHMEISTER
KAMMERJUWELIERE
mi t m i s c h er’tr ax l er (A T ), 2009
Die Produktdesigner Katharina Mischer und
Thomas Traxler machten aus der Auseinandersetzung mit dem für sie neuen Terrain des
hochwertigen Schmucks eine wissenschaftliche Versuchsanordnung, um aufzuzeigen,
was das – durchaus auch alchimistische –
Schmuckhandwerk ausmacht: Man konnte
Schmuck wachsen lassen, unter der Lupe
bewundern und in einem Tauchbad Ornamente erscheinen lassen.
RUDOLF SCHEER & SÖHNE,
MASSSCHUHMACHER
SONG
mi t EOOS (AT), 2 0 0 8
Erneuerbare Energien sind das Thema der
globalen Nachhaltigkeitsdebatte. EOOS
entwarf für die Passionswege ein Algenkraftwerk als „Home Edition“, ein rund
12 Meter langes Glashaus, das vor dem
High-End-Modegeschäft in der Praterstraße
installiert wurde. Dahinter stand die Idee von
„Sustainable Luxury“, worin sich Reichsein
und ökologisches Denken verbinden zu einem
nachhaltigen Konsumieren.
WÄSCHEFLOTT
mi t Je ssi ca H a n sso n ( SE) , 2010
In der kleinen Auslage der Hemden-Maßschneiderei sowie in den Vitrinen, Nischen
und Schubladen im Innenraum realisierte
Jessica Hansson ein experimentelles Szenario in Guckkastenmanier: Zeichnungen aus
Strichen bzw. Nähten, vom Zwei- ins Dreidimensionale wechselnd. Formen und Figuren
aus dem Schneiderhandwerk, Hemdkrägen –
überkreuzend und Märchen erzählend.
mi t Wa lt e r T h al er (I T ), 2009
Walter Thaler war bei seinem ersten Besuch
in der Werkstatt von Scheer überwältigt von
dessen Kosmos: vom Geruch nach Leder und
Leim, dem Hämmern der Schuhmacher, dem
gelassenen Umgang mit dem Faktor Zeit,
den Lagerräumen für Leder und Holzleisten.
In einem leer stehenden Raum neben dem
Geschäft machte er all diese Sinneseindrücke
und Elemente auf eine neue, ungewöhnliche
und hochästhetische Art und Weise für die
Besucher erfahrbar.
mi t da nklha mpel d e sign ( A T) , 2 0 0 7
Das Designerinnen-Duo danklhampel (Katharina Dankl und Lisa Elena Hampel) wählte
für sein Projekt bei Wäscheflott einen aus
der Ethnografie entlehnten experimentellen
Zugang. Sie ließen vier „Lieblingshemden“
von vier Personen in Auftrag geben, die bisher
noch nie daran dachten, sich ein Maßhemd
fertigen zu lassen. Zusammen mit einer
Fotodokumentation waren die Hemden Teil
einer Installation, die sich mit Kundenschichten und Konsumformen rund um Masse und
Maßanfertigung auseinandersetzte.
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WIENER PORZELLANMANUFAKTUR
AUGARTEN
mi t M are i Wol l ers berger (AT), 2009
Marei Wollersberger thematisierte auf
humorvolle Weise mit einem auf Forschung
basierenden Zugang die Zukunft in der Einzelanfertigung, die nicht nur ästhetischen
und funktionalen, sondern auch individuellen
sozialen und psychologischen Bedürfnissen
entgegenkommen sollte: etwa Kaffeetassen
für Misanthropen und Menschenscheue oder
ein Service für Schüchterne.
mi t M arc o D es s í (I T ), 200 8
In drei unterschiedlichen Projekten setzte
sich Marco Dessí auf experimentelle Weise
mit dem Produktionsprozess bei der Porzellanherstellung auseinander: von schrägen
Gussformen über Abfallformen als Design
bis hin zu Tellern als Beleuchtungskörper.
Zudem thematisiert er den Logo-Kult
unserer Zeit mit einer neuen Serie von
Vasen, die das Bindenschild der Manufaktur
überdimensional groß am Vasenbauch präsentierten.
WIENER SILBERSCHMIEDE
mi t N i c o le A ebis c h er (C H), 2008
Eine ganze Tischplatte aus Silber, von einem
eleganten Holzgestell getragen, symbolisierte in dem Projekt von Nicole Aebischer
die Tradition der gehobenen Tischkultur, wie
sie die Wiener Silberschmiede verkörpert.
Mit einer Reihe von ungewöhnlichen produktionstechnischen Details – die Tischplatte
konnte etwa zum Tablett umgenutzt werden –
lotete sie die Anwendung von Silber im
Möbelbereich aus. →
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WILDWUCHS – DER BLUMENLADEN
IM 2TEN
mi t b re ad edE s cal ope (A T ), 2009
Eine kritische Betrachtung unseres Konsumverhaltens wurde in ein amüsantes Rollenspiel verpackt: Fastfood im Blumenladen. Was
allerdings tatsächlich in den Burger-Boxen
verkauft wurde, war Saatgut in liebevoll selektierten Nährbodenmischungen – Slow Food
im wahrsten Sinne des Wortes.
WILHELM JUNGMANN & NEFFE
mi t L u c i e K ol d ov á (C Z ), 20 09
Für die erste Adresse feinster Stoffe und
Tuche entwarf Lucie Koldová einen Thron aus
erlesenen Materialien, der die Tradition und
Aura des Unternehmens symbolisierte und
sich trotz seiner modernen Formensprache
perfekt in das ehrwürdige Geschäft einfügte.
diesem Falle die Lederluftmatratze, ein Wasserball aus Leder sowie Klappliegestühle mit
Lederpolsterung zu edlen Interieurs, die sommerliches Urlaubsgefühl in den Innenraum
transferierten. Die Klappstühle wurden nach
dem Passionswege-Projekt unter dem Namen
Lester in die Kollektion aufgenommen.
mi t Re i nha rd Pl a nk ( I T) , 2006
Reinhard Planks Hüte und Kappen bestechen
Kunden in aller Welt durch ihre Präzision in
der Fertigung und dem Gespür für ausgezeichnetes Design ebenso wie die Möbelstücke aus den Wittmann Werkstätten. Eine
bunte, phantasievolle Installation aus Hüten
und Palmen breitete sich im Showroom
zwischen den Möbelstücken gleich einem
Urwald aus.
WOKA LAMPS VIENNA
mi t Sa usa ge fe nce Gro up ( HU ) , 2 0 0 9
WITTMANN MÖBELWERKSTÄTTEN
mi t S u s an ne Ph il ipps on (DE), 2008
Handwerk zur Kunst zu erheben war
Susanne Philippsons Idee hinter ihrer
schwebenden Tagesliege aus weißem Leder,
präsentiert in einer Sound-Installation, die
das Klangbild der Wittmann-Werkstätte
erfahrbar machte.
mi t s o d a d e s ign ers (A T ), 2007
Nada Nasrallah und Christian Horner produzierten für ihre Intervention in den Wittmann
Schauräumen eine Strandszene aus hochwertigem Leder. Wo sonst Leinen und Gummi
für das Leichte und Mobile sorgen, wurden in
Eine anspruchsvolle WOKA-Leuchte will
unterhalten und wertgeschätzt werden, so
lautete die Interpretation der WOKA-Philosophie durch die Designer der Sausagefence
Group. Statt Sand rieselte in einem an eine
Sanduhr angelehnten Lichtobjekt scheinbar
flüssig gewordenes Licht nach unten, bis
die Lampe umgedreht wurde. Andere Designikonen wollten angebetet werden, um zu
leuchten.
XAL-XENON ARCHITECTURAL LIGHTING
mi t L ucy D (AT) , 2 0 0 7
Im Showroom von XAL-Xenon, einem leeren
weißen Raum in der Tradition eines „white
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cube“, installierte das Designerduo Barbara
Ambrosz und Karin Stiglmaier eine Architektur in der Architektur, bestehend aus aufgemalten Linien, Flächen und Konturen am
Boden. Dieses setting definierte den Rahmen
für ihre neuen Möbelkreationen sowie Porzellan und wurde unterstützt von der professionellen Lichtregie des Hauses.
mi t D eja n a K abil j o (A T ), 2006
Auch hier ging es um die Schaffung einer
spannungsvollen Atmosphäre, die Sehnsüchte, Begierde und Leidenschaft zum Thema
hatte. Emotional aufgeladene Objekte der
Designerin, präsentiert in Hollywood-Manier,
standen in starkem Kontrast zur kühlen
Architektur und Beleuchtungstechnik des
Showrooms. —
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IMPRESSUM
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Medieninhaber und Herausgeber
Wirtschaftskammer Wien
Abteilung Wirtschaftspolitik
Stubenring 8-10 | 1010 Wien
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Tulga Beyerle, Lilli Hollein, Doris Rothauer
Christian Handig (Urheberrechte)
Lektorat
Andrea Janauschek-Raftl
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Alle außer S. 45: kollektiv fischka / fischka.com
S. 45: Katharina Gossow
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Die Ausführungen beziehen sich auf den
Stand September 2011.
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Seele and Geist
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