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FORSCHEN WIE DIE ARCHÄOLOGEN - Ernst Klett Verlag

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FORSCHEN WIE DIE ARCHÄOLOGEN
Wie Archäologen mit einem Fund umgehen
Um Genaueres über das Leben der Menschen vor
mehreren hundert oder tausend Jahren zu erfahren, sind wir auf die Erkenntnisse von Archäologen angewiesen. Ihr Beruf ist das Ausgraben,
Auswerten und Bewahren geschichtlicher Funde.
Welche Arbeitsschritte gehören im Einzelnen zur
Archäologie? Mit welchen Methoden werten die
Wissenschaftler ihre Funde aus? Hier könnt ihr
selbst ausprobieren, wie man als Archäologin
oder Archäologe mit Funden umgeht.
Bei der Auflistung der verschiedenen Arbeitsschritte ist uns einiges durcheinander geraten.
2 Wenn Archäologen einen Fund aus der Erde
holen, müssen sie sehr vorsichtig sein, damit nichts
zerbricht. Jedes Stück wird mit einer Nummer versehen und sicher verpackt.
3 Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind,
kann der Fund ausgestellt werden, z. B. in einem Museum. Dazu wird er mit Erläuterungen versehen. Weil
es aber so viele Funde gibt, werden die meisten in den
Depots (Aufbewahrungsräumen) von Museen und
Forschungseinrichtungen gelagert.
4 Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden
versuchen die Forscher herauszufinden, wie alt der
Fund ist, wie und wo er hergestellt wurde, wozu er gedient und wer ihn benutzt hat. Manche Antwort ergibt
sich dadurch, dass man den neuen Fund mit älteren
vergleicht. Zum Schluss werden alle Forschungsergebnisse zusammengefasst.
5 Funde können – wie „Ötzi“ – zufällig entdeckt
werden. Oft geschieht das bei Bauarbeiten, etwa wenn
die Baugrube für ein Haus ausgeschachtet wird. Man
kann auch gezielt nach Funden suchen. Wälle oder
Terrassen deuten darauf hin, dass an diesem Ort früher
Menschen gelebt haben. Mithilfe von Luftaufnahmen
lassen sich alte Grundrisse auf einer Wiese oder einem
Feld erkennen – sogar unter der Oberfläche. Suchgeräte zeigen Metallgegenstände im Boden an.
9 Ausgrabung eines römischen Kastells am Limes,
erbaut um 100 n. Chr. bei Hanau (Hessen), Foto 2001
7 Zunächst müssen die Fundstücke gereinigt werden. Dann versuchen die Archäologen, den Gegenstand so wieder zusammenzusetzen, wie er im Original gewesen ist. Fehlende Teile kann man ergänzen.
Haben Forscher nur wenige Bruchstücke gefunden,
können sie in einer Zeichnung oder einem Modell zeigen, wie der Gegenstand vermutlich ausgesehen hat.
6 Ein Fund kann ganz unterschiedliche Größen
haben – vom Geldstück bis zum Haus. Immer ist es
wichtig, alle Teile so freizulegen, dass ihre ursprüngliche Lage erhalten bleibt. Deshalb schaufeln Archäologen nicht einfach drauflos, sondern arbeiten sehr vorsichtig. Sie tragen den Boden Schicht für Schicht ab,
benutzen sehr feine Werkzeuge wie Pinsel und sieben
die Erde, um auch Kleinigkeiten zu finden.
8 Haben die Forscher den Fund erst einmal aus der
Erde herausgeholt, kann keiner mehr erkennen, wo
genau die einzelnen Teile gelegen haben. Deswegen
müssen die Archäologen durch Messungen, Fotos und
Zeichnungen genau festhalten, wo was gefunden wurde.
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Probeseite aus:
Geschichte und Geschehen, Band 1, ISBN 3-12-411050-1
www.klett-verlag.de
W E R K S TAT T
Archäologische Forschungsmethoden
Vergleich von Technik, Stil und Lage
Anhand von Material und Form können Wissenschaftler Fundgegenstände zeitlich einordnen. Eisenwerkzeuge z. B. gibt es erst seit ca. 750 v. Chr. Gefäße
weisen Verzierungen auf, die für eine Zeit und bestimmte Orte oder Gruppen von Menschen typisch
sind. Auch aus der Lage von Gegenständen können
Forscher auf ihr Alter schließen. Oft werden Gegenstände in verschiedenen Schichten übereinander gefunden. Normalerweise sind die tiefer liegenden
Schichten immer älter als die höheren.
Naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden
Mit physikalischen und chemischen Methoden wie
Radiokarbonanalyse, Thermoluminiszenzdatierung,
Fluortest oder Pollenanalyse kann man das Alter verschiedener Materialien bestimmen, z. B. von Knochen, Pflanzenresten, Leder oder Keramik.
Dendrochronologie (Altersbestimmung von Hölzern)
Wenn Bäume zwischen Frühjahr und Spätsommer
wachsen, entstehen die so genannten Jahresringe. Ihre
Breite hängt davon ab, wie viel der Baum innerhalb des Jahres gewachsen ist. Trockene
Sommer ergeben schmale, feuchte Sommer breite Jahresringe. Die Reihenfolge
schmalerer und breiterer Jahresringe
ist bei allen Bäumen einer Gegend
gleich, weil sie alle dem gleichen Wetter ausgesetzt sind. Wenn man eine
lange Reihe immer älterer Bäume
und Hölzer miteinander vergleicht,
bekommt man einen lückenlosen
„Baumringkalender“. Jedes neu gefundene Holz, z. B. Pfähle eines alten Hauses,
kann mithilfe dieses Kalenders zeitlich eingeordnet werden; denn man kann herausbekommen, wann der Baum gefällt wurde.
10 Luftbildarchäologie
Durch Luftaufnahmen kann
man Reste von Bauten erkennen, auch wenn sie
unter der Erdoberfläche liegen. Über Gruben oder Gräben ist der Bewuchs (Wiese,
Getreide) höher, denn der
tiefere Boden bietet den
Pflanzen mehr Nährstoffe;
bei Mauerresten ist es umgekehrt. Links seht ihr die
Luftaufnahme eines römischen Gutshofes in Hessen.
Fragen und Anregungen
1 Bringt die archäologischen Arbeitsschritte (D2–8)
in die richtige Reihenfolge und ordnet die Überschriften zu: Restaurierung und Rekonstruktion,
Dokumentation, Freilegung, Wissenschaftliche
Bearbeitung und Befund, Präsentation, Bergung.
2 Bildet Gruppen von ca. fünf Personen. Jede Gruppe vergräbt für eine andere in der Sprunggrube
des Sportplatzes oder an einem anderen geeigneten Ort einen Fund (z. B. Scherben eines Blumentopfes). Der Fund kann auch unvollständig sein.
Die „Forschergruppe“ hat die Aufgabe, den Fund
nach den einzelnen Schritten (D2–8) zu sichern.
3 Versucht, auf der Luftaufnahme Haupt- und Nebengebäude sowie Mauerreste zu unterscheiden
(Q10). Fertigt eine Nachzeichnung an und beschriftet sie.
4 Überlegt, welche Untersuchungsmethoden sich
eignen, um Näheres über Kleidung und Ausrüstung von „Ötzi“ herauszufinden. Begründet
auch, welche Methoden weniger ergiebig sind.
5 Schaut im Internet nach, wie Wissenschaftler
„Ötzis“ Alter bestimmt haben. Fragt einen Chemieoder Physiklehrer wie diese Methode funktioniert.
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Probeseite aus:
Geschichte und Geschehen, Band 1, ISBN 3-12-411050-1
www.klett-verlag.de
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