close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Glaube ist wie „das Salz in der Suppe“ - Eichstätt

EinbettenHerunterladen
4
THEMA
DER
WOCHE
Nr. 1 · 5. Januar 2014
Glaube ist wie „das Salz in der Suppe“
„Was trägt durchs Leben?“ fragte das Referat Seniorenpastoral – und bekam Antwort
er, wenn nicht die ältere Generation, kann den Jüngeren
Bausteine des Glaubens weitergeben, die sich im Leben in guten
wie in schweren Zeiten bewährt
haben?“– so lautete die Ausgangsfrage für die Aktion „Was trägt“, zu
der das Referat Seniorenpastoral
der Diözese Eichstätt zum „Jahr
des Glaubens“ einlud. Jeder, ganz
gleich ob hochbetagt oder noch
in der Mitte des Lebens, war eingeladen, zu erzählen von seinem
persönlichen Lebens- und Glaubensweg, von einschneidenden Erlebnissen oder hilfreichen Erfahrungen. Knapp 20 Beiträge
gingen bis kurz vor Ende des vergangenen Jahres bei Altenseelsorgereferent Michael Schmidpeter
ein – kurze Episoden und ausführliche Aufzeichnungen, Gedichte oder Gebete.
W
UND STRAFEND?
Bei Inge Mark aus Neumarkt
rannte Michael Schmidpeter offene
Türen ein: „Ich hatte gerade daran
gedacht, mein Leben ein bisschen
aufzuschreiben“, erzählt die 69Jährige, die fünf Kinder großgezogen hat. In ihrem Beitrag
begründet sie, warum sie Farbe
bekennt: „Eine alte Tante, eine sehr
gläubige Frau (sie ist mit 94 Jahren
verstorben), sagte einmal zu mir:
‘Ihr müsst Euch einmal den Vorwurf machen, dass ihr unseren
Glauben nicht weitergegeben habt!’.
Im Hinblick auf die Zahl der
fehlenden Kirchenbesucher (Kinder,
Jugendliche, aber auch junge
Erwachsene), müsste ich ihr fast
Recht geben.“ Fest im Glauben
verwurzelt, blickt Mark durchaus
Fotos: privat
STRENG
Ein Bild aus
Kindertagen: Es zeigt
Angelika Lehmkul im
Alter von etwa drei
Jahren mit andächtig
gefalteten Händen vor
einem Birkenkreuz.
Heute ist sie Religionslehrerin. Das Bild
rechts zeigt sie mit
Mesner Theo Dümler
aus Dettenheim.
kritisch auf ihre Kindheitserfahrungen zurück: „Mit der Einschulung begann auch unser täglicher Kirchgang bevor wir zum
Unterricht gingen. Gott sei Dank
waren Kirche und Schule nicht all-
ZUM THEMA
Beiträge erscheinen bald gedruckt
M
it seinem Kollegen Christoph
Braun aus der Diözese
Regensburg, wo die Aktion „Was
trägt“ ebenfalls lief, möchte der
Eichstätter Altenseelsorgereferent
Michael Schmidpeter gemeinsam
ein Büchlein mit den gesammelten
Beiträgen herausgeben. Es soll
spätestens zum Katholikentag in
Regensburg bereitliegen, kündigt
Schmidpeter an. Bereits erschienen
ist ein 130 Seiten starkes Buch
der Altenseelsorge im Bistum
Augsburg, die das Projekt ebenfalls
angeboten und intensiv begleitet
hatte. Schmidpeter, der auch für
die Landvolkbewegung im Bistum
Eichstätt zuständig ist, blieb dafür
weniger Zeit. Mit der Resonanz ist
er dennoch zufrieden, zeige sie
doch klar, „dass ein Bedürfnis da
ist, sich mitzuteilen“, den Jüngeren
etwas mit auf den Weg zu geben.
„Man muss die Leute bewundern,
dies so frank und frei in Schriftform gebracht zu haben und mit
ihrem Namen dafür zu stehen“,
lobt er: „Das erfordert Mut.“
Zugleich rufe die gelungene
Aktion „nach anderen Formen, wie
man das Bedürfnis, zu erzählen,
aufgreift“, regt der AltenseelsorgeReferent die Leiter von Seniorenkreisen an, den mündlichen Aus-
tausch über Lebens- und Glaubensweg zu fördern. „Viele machen das
ja bereits“, fügt er hinzu.
Die Lektüre der eingegangenen
Beiträge hat Schmidpeter vor Augen
geführt, welchen Wandlungen der
Glaube im Laufe eines Lebens
unterliege, wie er durch Zufälle
und menschliche Begegnungen
geformt und stets im Fluss sei. „Was
mich trägt, bleibt ein Stück weit
ein Geschenk“, lautet sein Fazit.
„Wenn ich am Schluss sagen kann:
Es war nicht leicht, und ich bin
durch manches Raster gefallen,
und doch habe ich gespürt: Ich bin
getragen durch den Glauben“. gg
zu weit weg von zu Hause, so
dass wir nach dem Gottesdienst
(vor allem nachdem wir in der
dritten Klasse kommuniziert hatten)
auch noch frühstücken konnten
und Schulzeug und Pausebrot mitnehmen konnten. Die Texte beim
Gottesdienst wurden damals noch
in der lateinischen Sprache vorgetragen, manchmal war es auch
eine stille Heilige Messe, so dass
man von dem Geschehen am Altar
wenig oder gar nichts verstand. Der
Priester zelebrierte außerdem mit
dem Rücken zum Volk, sodass wir
Kinder uns oft mit Blättern im
Gebetbuch und Austausch oder
Betrachten von Heiligenbildern beschäftigten. Schwätzen und Unruhe
waren bei den Müttern verpönt,
sie waren meist in den hinteren
Bänken und hatten ein besonderes
Auge auf ihre Sprösslinge“. Die
Erstkommunion 1953 „war für mich
eines der erinnerungswürdigsten
Erlebnisse überhaupt“, erzählt Mark.
„Es gab zwar keine außerschulische
Vorbereitung, aber der Religionsunterricht vertiefte das Geheimnis
von Jesus so einprägsam, dass mir
die Person Jesus heute noch mehr
zusagt als Gott Vater oder der
Heilige Geist. Gott Vater wurde uns
immer als streng und strafend
vermittelt, einer der alles weiß und
sieht, wenn man etwas falsch
macht, der Heilige Geist hatte ‘nur’
etwas mit Firmung zu tun.“
Aus dem Mädchen Inge mit
seiner kindlichen Vorstellung vom
Glauben wurde eine Frau, die in
vielfältiger Weise ehrenamtlich in
ihrer Pfarrei (mit ihrer Heirat 1965
war sie nach Seligenporten gezogen) Verantwortung übernahm:
in Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung, im Frauenkreis oder
als Lektorin. Sie begleitete Firmgruppen, organisierte den Weltgebetstag der Frauen oder den
Weltmissionssonntag mit. Auch im
Krankenbesuchsdienst ist sie aktiv.
Gerne blickt sie zurück auf ihre Zeit
in der Christlichen Arbeiterjugend:
„Als Mitglied der CAJ schmetterten wir in der Jugend viele rhythmische Texte, die mir aber auch
heute noch gefallen“. Entscheidende Bedeutung für die religiöse
Entwicklung junger Menschen von
heute misst sie dem Ministrantendienst bei: „Diese erste Berührung
mit dem Geschehen am Altar kann
Foto: F. X. Meyer
die Kinder und Jugendlichen zeitlebens in ihrem Glauben prägen,
wenn sie ihren Einsatz ernstnehmen
und andächtig verfolgen. Das
Sternsingen stärkt ihr Sozialverhalten.“ Marks Schlussappell an
nachfolgende Generationen: „Es
lohnt sich immer sich für die ‘Sache
Jesu’ zu begeistern, ein Leben ohne
Glaube ist wie eine Suppe ohne Salz.“
Religionslehrerin
Angelika
Lehmkul aus Treuchtlingen hat die
Frage „Was trägt?“ nicht nur sich
selbst gestellt, sondern auch die
Gelegenheit genutzt, nach einer
Abendmesse den Mesner der
Scheunenkirche St. Gunthildis in
Dettenheim, Theo Dümler, zu
fragen und seine Erfahrungen in
seinem Namen aufzuschreiben.
Dümler, der im Januar sein 25-
von, als er von daheim abreiste, um
in Bayern eine Lehre zu beginnen:
„Am 30. Juli 1954 fuhr ich mit dem
Zug von Germersheim nach Sulzbach-Rosenberg/Opf. Am Tag zuvor rief mich noch unser
damaliger Kaplan Abel zu sich, um
mir paar Worte mit auf den Weg zu
geben, Worte die mich mein ganzes
Leben begleiten! Kaplan Abel sagte:
‘Theo, dort oben ist einer, mit dem
kannst Du zu jeder Zeit reden, dem
darfst Du alles sagen, zu dem darfst
du sogar Du sagen, mit dem darfst
Du sogar pfälzisch redde Er wird
Dich nicht allein lassen!’ Und der
liebe Gott hat mich durch mein
ganzes Leben immer begleitet!“.
Angelika Lehmkul ist mit ihren
54 Jahren noch ein gutes Stück
jünger als Theo Dümler, doch auch
sie ist sich längst gewiss: „Auf dem
mitunter doch streckenweise dunklen
Lebensweg ist der Glaube ein unverzichtbares Licht“. Drei Quellen,
aus der sich ihr persönlicher Glaube
speist, nennt die Religionslehrerin
in ihrem eigenen Beitrag: Zuallererst das Urvertrauen, das sie im
Elternhaus erfuhr, und das Glück,
gelingende menschliche Beziehungen zu erfahren. Dann den Aufenthalt in der Natur, die Kraftquelle sei und Staunen lehre. Und
nicht zuletzt biblische Erzählungen,
die sie ermutigten, ihr Vertrauen
auf Gott zu setzen.
BETEN
Lektorendienst leistet Inge Mark
regelmäßig in der Neumarkter Hofkirche. Auch in anderen Bereichen
engagiert sie sich seit Jahrzehnten
in der Kirche.
jähriges Mesnerjubiläum begehen
kann, erzählte dabei von manch
verzwickter Situation, in der er
bemerkte: „Da sieht man, dass das
Beten doch was hilft“. Er erinnerte
sich aber auch an Zeiten, in denen
es um die Ökumene im Diasporaort
Dettenheim noch schlecht stand.
Etwa, als ein Kaplan sich trotz
Parkplatz-Knappheit weigerte, vor
der evangelischen Kirche sein Auto
abzustellen, weil die den Herrgott
„herausgeschmissen“ hätten. Für
Dümler unverständlich, denn „ich
habe es noch erlebt, dass es hier
in Dettenheim alte evangelische
Bauersleute gab, die sich am Abend
zum gemeinsamen Gebet im Herrgottswinkel auf den Gebetsschemel
knieten“. Aber auch Heiteres erzählt Dümler, der aus der Diözese
Speyer stammt. Zum Beispiel da-
DER
MIT DEN
FÜßEN
Wie man seinen Glauben in freier
Natur bekennen kann, davon erzählt Josef Bosch (88) aus Wemding: „Mit den Füßen beten empfiehlt sich bei verschiedenen
Anlässen und Gelegenheiten. Für
mich waren die alljährliche Prozession der Pfarrei Gosheim zur
Wallfahrtskirche Maria Brünnlein in
Wemding an Maria Heimsuchung,
ferner die Flurumgänge an den
Bitttagen zu den Nachbarpfarreien
St. Vitus/Huisheim und St. Dionys/
Fünfstetten sowie die Pestprozession
der Stadt Wemding zu St. Sebastian
nach Oettingen im 20-jährigen
Rhythmus solche festeingeprägten
Möglichkeiten. Wenn man an die
Kraft des gemeinsamen Gebets
glaubt, geht von diesen Prozessionen
ein großer Segen aus“. Voller
Dankbarkeit berichtet der Senior,
der sich viele Jahre im Krankenpflegeverein engagierte, von 65
gemeinsamen Jahren mit seiner
Frau. Dabei hatte der Start ins
Eheleben 1948 so bescheiden begonnen: Die Hochzeitsreise ging
mit dem Omnibus nach Altötting.
Gabi Gess
5
WOCHE
ZUM BEISPIEL
Glaube und Gefühl
M
arietta Grabinger (68) erinnert sich noch gut an ein
Erlebnis ihrer Kindheit: „Einmal
zog ein schweres Gewitter auf,
die Schwester ging mit uns
Kindern in die Kapelle und wir
beteten, dass es sich bald wieder
verziehen sollte. Es ist nichts
passiert. Wir waren froh darüber
und auch da war es ganz selbstverständlich, dass wir Gott dafür
Auch Anna Mühlbauer, die
am zweiten Weihnachtsfeiertag
ihren 83. Geburtstag feiern konnte,
singt gerne in der Kirche oder in
ihrer Wohngruppe. Früher, als
sie noch daheim bei den Angehörigen lebte, „habe ich neun
Jahre die Schule geputzt“, erzählt
sie. „Es waren viele Klassenzimmer, und in jedem Zimmer
hing ein Kreuz. Letztes Jahr habe
Im Gespräch:
Marietta Grabinger,
Helga Ableitner und
Anna Mühlbauer (v. l.),
die im Lauterhofnener
Karlshof leben,
mit Schwester
Bernadette Gevich.
dankten“. Im Kinderheim bei den
Mallersdorfer Schwestern ist sie
aufgewachsen. Heute lebt sie im
Karlshof bei Lauterhofen, einer
Einrichtung von Regens Wagner.
Auf Anregung von Schwester
M. Bernadette Gevich, die für die
religiöse Begleitung der Menschen mit Behinderung zuständig ist, hat sie mit einigen
Mitbewohnerinnen für die Aktion
„Was trägt“ ihren Lebens- und
Glaubensweg erzählt. Schwester
Bernadette, die die Berichte
aufgezeichnet hat, ist beeindruckt
davon, wie ehrlich, unvoreingenommen und gefühlvoll sich
Menschen mit Behinderung auf
ihre Mitmenschen und auch auf
Gott einlassen, „da konnte ich
für mich persönlich viel lernen“.
LIEBLINGSLIEDER
Marietta Grabinger hat im
Karlshof viele Jahre im Kirchenchor gesungen. „Das hat mir viel
Freude gemacht. Schön waren
Lieder wie zum Beispiel ‘Stern,
auf den ich schaue’ oder ‘Morgenstern der finstern Nacht’.
Auch die ‘Schubertmesse’ habe
ich gerne gesungen. Leider macht
meine Stimme nicht mehr mit,
und weil ich nicht mehr singen
kann, spiele ich oft auf dem Keyboard die Lieder, die ich gerne
mag: ‘Wenn ich ein Glöcklein
wär’ oder ‘Maria zu lieben’.
ich mir auch ein Kreuz selbst gestaltet, das hängt jetzt in meinem
Zimmer, darauf bin ich auch stolz“.
In ihren vier Wänden bewahrt
sie auch geweihtes Wasser aus
Lourdes auf. „Wenn ich abends
ins Bett gehe, nehme ich immer
Weihwasser, das ist mir wichtig.“
Ebenso erging es Mina Kraus
(65) von Kindesbeinen an. „Es
hat einfach dazugehört, dass
man, wenn man aus dem Haus
ging, sich mit Weihwasser ein
Kreuz auf die Stirne zeichnet“.
Die Stöckelsbergerin kann sich
auch noch gut an ihre Firmung
durch Bischof Josef Schröffer
erinnern, das Firmbildchen bewahrt sie noch heute auf.
Helga Ableitner, Jahrgang
1940, kam als 14-Jährige nach
Lauterhofen. „Gerne erinnere
ich mich an meine Firmung. Da
hat meine Mutter noch gelebt.
Sie kam zu meiner Firmung
zu Besuch. Wir wurden in der
Pfarrkirche in Lauterhofen
gefirmt. Im Karlshof bekamen
wir dann ein festliches Essen.“
Dass in ihrer Wohngruppe die
kirchlichen Feste im Jahreskreis
gemeinsam vorbereitet und
gefeiert werden, bereichert ihr
Leben bis heute. „Gerne bete
ich das Vater unser“, berichtet
sie, „vor allem am Abend
oder auch nachts, wenn ich
mal nicht schlafen kann“. vb/gg
Foto: vb
THEMA
Nr. 1 · 5. Januar 2014
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
1
Dateigröße
309 KB
Tags
1/--Seiten
melden