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August 2014(PDF, 641 KB) - Stadtbus Winterthur

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Aussteigen nur an Haltestellen erlaubt: Die Sicherheit
steht im Vordergrund
Fahrgastinformation von Stadtbus Winterthur
August 2014
Wie entsteht ein neuer Fahrplan?
Steckt der Bus im Stau fest, dürfen die Fahrgäste aus Sicherheitsgründen trotzdem nur an der Haltestelle aussteigen.
Die zunehmende Verkehrsbelas­
tung in Winterthur ist auch für
Stadtbus ein Thema und führt
manchmal zu schlechter Stim­
mung. Zum Beispiel, wenn der
Bus stillsteht, die Fahrgäste
aber trotzdem nicht aussteigen
dürfen.
Winterthurer Pendlerinnen und
Pendler, welche regelmässig die
Linien 2 oder 3 benutzen, kennen die Situation: Der Bus steckt
frühmorgens an der Technikumstrasse oder an der Wülflingerstrasse im Stau. In wenigen Minuten fährt die S-Bahn. Jetzt wäre
man schneller zu Fuss statt im stehenden Bus, der sich keinen Meter mehr bewegt. Doch der Fahrdienstmitarbeitende öffnet die
Türen nicht. Es ist absehbar und
ärgerlich: Man wird den Zug verpassen. «Unser Fahrpersonal wird
bisweilen rüde beschimpft, wenn
es in solchen Situationen die Fahrgäste nicht aussteigen lässt», berichtet Peter Roos, Teamleiter
des Fahrdiensts und Fahrlehrer
bei Stadtbus. Doch die Gründe,
dass die Türen geschlossen bleiben, sind rechtlicher Natur und
im Interesse der Sicherheit aller
Fahrgäste.
Peter Roos erklärt: «Die Haltestellen sind gesichert und baulich
so gestaltet, dass sie genau angefahren werden können. Zwischen
den Haltestellen sind diese Sicherheitsmassnahmen nicht vorhanden. Überholende Automobilisten und Velos rechnen zwischen
den Haltestellen auch nicht mit
aussteigenden Leuten.» Es ist
also schlicht viel zu gefährlich, irgendwo Fahrgäste aussteigen zu
lassen. Mit der Bestimmung soll
auch das Fahrpersonal geschützt
werden, das bei einem Unfall die
Verantwortung mitzutragen hätte.
Türen öffnen immer in aus­
serordentlichen Situationen
Anders präsentiert sich die Situation, wenn eine Strasse gesperrt
ist oder zum Beispiel in ausserordentlichen Situationen mit Gefährdung der Fahrgäste. In solchen Fällen werden sämtliche
Türen auch auf der Strecke geöffnet. Unvorbereitet kommen die
Fahrdienstmitarbeitenden von
Stadtbus Winterthur aber nicht
in solche Situationen. Peter Roos:
«Wir simulieren in der Grundausbildung Störungen, trainieren den
Umgang mit aussergewöhnlichen
Situationen und kennen die geeigneten Massnahmen, um verhältnismässig und doch entschlossen
reagieren zu können.»
Verschiedene Beteiligte sorgen für die Optimierung von Linien, Fahrzeiten und Anschlüssen an weitere Verkehrsnetze.
Stausituationen mit ungeduldigen
Fahrgästen bringen das Fahrpersonal bisweilen in arge Bedrängnis, gerade wenn eine gewisse
Gruppendynamik im Bus entsteht. Die Fahrerinnen und Fahrer
können nur beruhigend einwirken und freundlich darauf hinweisen, dass sie gar nicht öffnen
dürfen. Roos wünscht sich etwas
mehr Verständnis der Fahrgäste
und empfiehlt, wenn möglich immer genügend Zeit einzuberechnen und im Zweifelsfall auch einen früheren Bus zu nehmen.
Stadtbus Winterthur
Postfach 126
CH-8402 Winterthur
www.stadtbus.winterthur.ch
Am Fahrplan von Stadtbus wird
während rund zweier Jahre ge­
plant und gearbeitet, damit bei
dessen Umsetzung die Fahrzeuge
zu den vorgesehenen Zeiten ver­
kehren, und dies abgestimmt auf
andere Verkehrsträger des ÖV.
An der Planung sind diverse In­
teressengruppen beteiligt.
Am 27. Mai 1990 startete der öffentliche Verkehr im Kanton Zürich in eine neue Ära: Damals
nahm der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) offiziell seine Tätigkeit auf, nachdem die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen
geschaffen worden waren. Das
hatte einschneidende Auswirkungen auf alle Unternehmen des ÖV,
so auch auf Stadtbus Winterthur.
«Die Fahrpläne aller marktverantwortlichen Unternehmen, die
im Kanton Zürich für den ÖV zuständig sind, werden heute detail-
liert aufeinander abgestimmt»,
erläutert Tom Keller, Leiter Fahrplanbearbeitung bei Stadtbus.
Auf seinem Bildschirmmonitor
sind wellenförmige Linien zu sehen, die jeden einzelnen Kurs einer Buslinie anzeigen. Für einen
Laien sieht der Plan wie ein kompliziertes Schnittmuster aus.
geseiten). Ein weiteres gewichtiges
Wort mitzureden hat die Regionale Verkehrskonferenz (RVK),
wenn es um allfällige Fahrplananpassungen oder Änderungen
wie zum Beispiel neue Linien
oder verdichtete Fahrpläne geht.
Wünsche und
Bedürfnisse abklären
Bevor der Leiter Fahrplanbearbeitung mit seiner Arbeit beginnt, beschäftigt sich zunächst
Stefan Gerber, Leiter Angebotsplanung, mit dem Fahrplan. Er
bündelt sämtliche Wünsche und
Bedürfnisse von Gemeinden, Interessengruppen oder Einzelpersonen sowie der Politik, die im
neuen Fahrplan zu berücksichtigen wären (s. Beitrag auf den Fol-
Präzisionsarbeit im Fahrplanbüro.
Erst dann erstellen Tom Keller
und sein Team einen provisorischen Fahrplan, der zur Vernehmlassung in den Gemeinden aufgelegt wird. Gleichzeitig tauschen
Editorial
Die meisten von Ihnen kennen das Verkehrsangebot von
Stadtbus sehr gut; wenige wissen jedoch um den grossen Planungsaufwand, der jedes Jahr
zu leisten ist, damit unsere
Busse möglichst regelmäs­sig
und pünktlich verkehren. Diese
Kernaufgabe von Stadtbus ist
äusserst komplex und bestimmt
die ganze Wertschöpfungskette: beispielsweise die Anzahl
der Mitarbeitenden, wie viele
Busse verkehren, die Grösse
des Depots, wo und wie viele
Haltestellen nötig sind – letztlich bestimmt das Fahrplanangebot unser Jahresbudget. 98
Prozent unseres Verkehrsangebots wird vom Zürcher Verkehrsverbund im Rahmen eines
Offertverfahrens bestellt und
für zwei Jahre festgelegt. Da ist
es notwendig, dass die Aufgaben der Angebots- und Fahrplanung fehlerfrei, sorgfältig
und möglichst zuverlässig bearbeitet werden. Auch die beste
Angebotsplanung kann die bestehenden Stauprobleme, den
fehlenden Platz für Busspuren und vieles mehr nur mindern, nicht aber wegzaubern.
Die vorliegende Ausgabe von
Stadtbus Aktuell gibt Ihnen einen Einblick hinter die Kulissen dieser Präzisionsarbeit.
Thomas Nideröst
hen kurz vor Einführung eines
neuen Fahrplans der Leitstelle von
Stadtbus zur Verfügung. Von dort
aus werden die Informationen an
die Busfahrerinnen und -fahrer
übermittelt. Auf einem kleinen
Monitor sieht der Chauffeur zum
Beispiel, wie viele Sekunden ihm
noch bleiben, bevor er losfahren
darf. «Das erfordert ein perfektes
Zusammenspiel aller Beteiligten»,
sagt Tom Keller.
Echtzeitinformationen via Smartphone.
sich während dieser Phase die
Verantwortlichen von Stadtbus
regelmäs­sig und intensiv mit dem
ZVV aus. Denn dieser entscheidet letztlich, was aus seiner Sicht
sinnvoll und finanziell machbar
ist: die Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt ein definitiver Fahrplan erarbeitet werden
kann. Der ganze Prozess dauert
rund zwei Jahre.
Auf die Sekunde genau
Über Monate hinweg erfassen
Tom Keller und seine Mitarbeitenden detailliert sämtliche Kurse
jeder Linie mit den genauen Fahrund Haltezeiten. Damit verknüpft
werden später die Fahrgastinformationen in den Fahrzeugen, an
den Haltestellen und in den Fahrplänen des ZVV. Diese Daten ste-
Wer heute mit Stadtbus unterwegs ist, profitiert von «dynamischen» Fahrplaninformationen.
Zur Verfügung stehen Abfahrtsanzeiger an den Haltestellen, Informationen auf dem Handy und
Bildschirme in den Bussen, die
anzeigen, wann der nächste Bus
kommt oder wie lange die Fahrt
zur nächsten Haltestelle dauert.
An jeder Haltestelle sind auf den
ausgehängten Fahrplänen alle
anstehenden Fahrten mit der geplanten Abfahrtszeit (zum Beispiel
12:22) aufgelistet. An Haltestellen mit Abfahrtsanzeigern und auf
dem Smartphone wird die verbleibende Zeit in Minuten bis zur Abfahrt eingeblendet. Die moderne
Technik erlaubt es, die prognostizierten Abfahrtszeiten zu übermitteln, auch wenn Staus oder
Baustellen die Fahrt beeinflussen.
So erhalten die Fahrgäste jederzeit die gewünschten Informationen. «Dies gehört heute zu unserem Service public», fasst Tom
Keller zusammen.
Rechtzeitig die richtigen Informationen erhalten, ermöglicht die eigene Fahrt zu planen.
Von den Ansprüchen bis zum fertigen Fahrplan
soll. Inputs erhält Gerber auch
vom Fahrpersonal. «So kommt
es zum Beispiel vor, dass uns ein
Buschauffeur auf Unstimmigkeiten im Fahrplan aufmerksam
macht», sagt er. Aufgrund der gesammelten Informationen kann
sich Tom Keller, Leiter Fahrplanbearbeitung, an die Arbeit machen. Sein Team nimmt Verbesserungen am bestehenden Fahrplan
vor und verpasst ihm einen ersten
Feinschliff.
Regionale Verkehrskonferenz
Wichtige Beteiligte bei der Fahrplangestaltung sind die politischen Gemeinden. Die 170 Gemeinden des Kantons Zürich
sind heute in 12 regionalen Verkehrskonferenzen organisiert. An
deren Sitzungen werden die Anliegen der vertretenen Gemeinden
rund um den öffentlichen Verkehr eingebracht und behandelt.
Anliegen wie zusätzliche Kurse
oder bessere Anschlussverbindungen werden angeschaut. Innerhalb des Fahrplanverfahrens
übernehmen die RVK eine wich-
tige Rolle bei der Information
und der Kommunikation über
geplante Fahrplanänderungen.
Austarierter Taktfahrplan
Die Verbindungen im ÖV sind
heute so aufeinander abgestimmt, dass die einzelnen Verkehrsunternehmen Anschlüsse
mit kurzen Wartezeiten gewährleisten können. Bei der Planung
des neuen Fahrplans steht jeweils
die Machbarkeit des gewünschten Angebots im Zentrum. Dieses
wird im Regionalverkehr im Kan-
ton Zürich durch den ZVV gesteuert. Das angestrebte Angebot
bestimmt unter anderem die Anzahl erforderlicher Fahrzeuge, die
benötigte Infrastruktur und den
zusätzlichen Personalbedarf. Der
Zeitpunkt der Realisierung von
Angebotsausbauten ergibt sich in
der Regel aus den vorhandenen Finanzmitteln. Aufgrund eingespielter Mechanismen werden bei der
Ausgestaltung eines neuen Fahrplans in der Regel die bestehenden
Fahrpläne als Basis verwendet.
Eine der wichtigsten – und anspruchsvollsten – Aufgaben ist die Umwandlung von Rahmenbedingungen und Kundenwünschen in ein attraktives Angebot.
Das waren noch Zeiten, als in den
Anfängen des öffentlichen Ver­
kehrs in Winterthur das Rössli­
tram und später das erste Schie­
nen-Tram unterwegs waren.
Damals war die Fahrplangestal­
tung noch ein Kinderspiel.
Heute basieren die Fahrpläne von
ZVV und Stadtbus auf einem fein
austarierten System. Dabei definiert der Zürcher Verkehrsverbund die strategischen Ziele und
trägt die finanzielle Verantwortung. Für die eigentlichen Verkehrsleistungen sind nach wie vor
die im ZVV zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen zuständig, darunter auch Stadtbus
Winterthur.
Im Sinne einer effizienten Zusammenarbeit wurde das Verbundgebiet in acht Regionen mit
acht marktverantwortlichen Verkehrsunternehmen (MVU) aufgeteilt. Diese sorgen dafür, dass der
Betrieb in den Regionen funktioniert, die Fahrpläne aufeinander abgestimmt und die Budgetvorgaben eingehalten werden.
«Diese Organisationsform, welche die strategischen und operativen Aufgaben trennt, hat sich
als wirtschaftlich, effizient und
kundenfreundlich erwiesen»,
sagt Stadtbusdirektor Thomas
Nideröst.
Stimmen aus der Politik
rend der ich das Funktionieren
des Zürcher Verkehrsverbundes
von innen und aus nächster Nähe
kennenlernen durfte. Aktuell ist
mir die regionale Sichtweise sehr
wichtig, denn ich bin gleichzeitig
auch innerhalb der Regionalplanung Winterthur und Umgebung
(RWU) für den öffentlichen Verkehr zuständig.»
Bessere Anschluss­
verbindungen
Damit der Fahrplan funktioniert,
müssen zuvor sämtliche Informationen vorliegen, die den Bedürfnissen der ÖV-Benützer Rechnung
tragen. Deshalb bündelt Stefan
Gerber, Leiter Angebotsplanung
bei Stadtbus, in einem aufwändigen Prozess Wünsche und Bedürfnisse von Einzelpersonen,
Politikern und Interessenvertretungen. «Das kann zum Beispiel
der Wunsch eines Quartiers sein,
dessen Vertreter unter der Woche
bis 22 Uhr einen Halbstundentakt möchten, oder z. B. Kurse,
die zeitlich vorverlegt werden», erklärt Gerber.
Andere Anliegen betreffen zusätzliche Kurse, bessere Anschlussverbindungen oder wie
etwa im ZVV-Fahrplanverfahren 2016/17 längere Betriebszeiten beim Museumsbus, der auch
die Klinik Lindberg bedienen
sollte einem weiteren Ausbau
der Linien nichts mehr im Wege
stehen.»
Katharina Weibel
Dr. Matthias Gfeller
Dr. Matthias Gfeller, Stadtrat
Winterthur (Grüne), Vorsteher
der Technischen Betriebe
«Dank meinen detaillierten
Kenntnissen der Stadt und der Region Winterthur – als Lokalpolitiker seit 1986 – bin ich in der Lage,
die geplanten, notwendigen oder
erzwungenen Veränderungen des
öffentlichen Verkehrs in Stadt
und Region genau zu beurteilen.
Dabei hilft mir auch die Erfahrung als Verkehrsrat in der Zeit
zwischen 2006 bis 2011, wäh-
Stefan Nigg, Mitglied Gemeinderat Wiesendangen (parteilos),
Verkehr und Sicherheit
«In der RVK sitzen die Gemeinden der Region mit ihrem Angebotspartner an einem Tisch.
Anträge aus der Bevölkerung
und der Gemeinde an den ZVV
werden aufgenommen. Dass der
schwer verständliche Busfahrplan von Wiesendangen überarbeitet und angepasst werden
muss, ist jetzt von Stadtbus und
den Postautobetreibern erkannt
worden. Da fordert die Gemeinde
Wiesendangen eine Lösung, mit
einem regelmäs­
sigen Takt. So
Stefan Nigg
Katharina Weibel, Mitglied Gemeinderat Seuzach (FDP), 1. Vizepräsidentin, zuständig für das
Ressort Bau, Planung und Verkehr. Weibel vertritt die FDP zudem im Zürcher Kantonsrat.
«In Verkehrsfragen kann sich die
Gemeinde Seuzach Gehör verschaffen, wenn es um die Tarif­
anpassung beim ZVV geht, wenn
wir mit der Postauto Schweiz AG
um neue Haltestellen diskutieren
oder wenn Stadtbus mit der gut
frequentierten Linie 674 weitere
Bedürfnisse weckt. Der Gemeinderat stellt in allen Fällen einen
Antrag an die RVK und hofft, sowohl bei den anderen Gemeinden
Unterstützung zu finden als auch
Angebote von den Dienstleistern
zu erhalten.»
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