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1 Peter Schyga: Wie anpassungsfähig ist die - KLIOpes

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1
Peter Schyga: Wie anpassungsfähig ist die kapitalistische Wirtschaftsweise?
Der neue „ökologische Realismus“ der GRÜNEN benötigt – soll er nicht in Beliebigkeiten
ökologischer Marktwirtschafterei versinken – einen theoretischen Zugang zur Realität
kapitalistischer Wachstumsökonomie.
Impulsreferat
auf
der
Tagung
Transnationale
Gerechtigkeit
im
Zeitalter
der
Ressourcenkonflikte der Evangelischen Akademie Loccum vom 17. bis 19. November 2006
THEMA: Ressourcenverknappung und Wachstumszwang:
Eine grundsätzliche Frage, früher hätte man gesagt Systemfrage, wird durch den vorgegeben Titel
des Vortrags aufgeworfen, ohne sie allerdings damit spezifizieren zu können, eine Frage, die in
wenigen Sätzen nicht zu beantworten ist. Es werden deshalb nur einige wenige theoriegeleitete
Überlegungen angestellt werden können. Wenn diese helfen könnten, die Komplexität des
ökologischen Problems der Gegenwart überhaupt nur präziser zu erfassen um zu begreifen, mit
welch umfassenden Umwälzungen wir es in Zukunft zu tun haben werden – wenn wir unseren
Planeten für die Spezies Mensch lebenswert erhalten wollen.
Ich werde mich deshalb auf das Themenelement Zwang zum Wachstum konzentrieren. Dem Begriff
Zwang wohnt etwas Gewaltsames, von außerhalb des eigenen Willens Gefordertes inne. Er kann
aber auch als etwas Natürliches, Selbstverständliches angesehen werden, wie etwa der Zwang jeder
Kreatur, sich reproduzieren zu müssen, essen, trinken, fortpflanzen: Also ein Zwang der eine
Selbstverständlichkeit ist, überhaupt nicht in Frage gestellt werden kann, dem eine
(Quasi)Naturgesetzlichkeit innewohnt. Die Frage lautet also: Ist das Selbstverständliche, die
Reproduktion, an die Bedingung des Wachstums zwingend gekoppelt? Und da sich diese Frage
nicht anthropologisch oder biologisch stellt, sondern sich auf eine gesellschaftliche Organisation in
einem bestimmten, historisch einmaligen, Raum bezieht, in dem die globale Menschheit nun mal
zur Zeit existieren will und muss, reden wir konkret von unserer herrschenden kapitalistischen
Wirtschaftsweise. Die Frage nach der Anpassungsfähigkeit – an wen oder was – wird darin
tendenziell eingeschlossen. Eine Wirtschaftsweise ist keine abstrakte Vorstellung, sondern
bezeichnet die historisch spezifische Art und Weise wie Menschen ihre Reproduktion. Die
Bedingungen ihres Funktionierens werden einerseits von der Natur vorgegeben. Gleichzeitig
verändert der Mensch mit seinen Eingriffen in die Natur diese permanent. Verstehen Gesellschaften
nicht, dass und wie diese Eingriffe seine Produktionsbedingungen verändern, kann es zu
schwerwiegenden Störungen bis zur Vernichtung der Reproduktionsbedingungen führen. Das ist
allgemeine historische Erfahrung und hat mit Kapitalismus noch gar nichts zu tun.1
Der
Begriff
Wachstum
benennt
das
entscheidende
Paradigma
in
der
herrschenden
Wirtschaftstheorie, ist Leitmotiv jedweder bekannten Wirtschaftspolitik – ob im Keynesianismus,
2
pur oder weichgespült, im Neoliberalismus des jüngst verstorbenen Milton Friedman unter dem
Motto „freier Markt für freie Bürger“, oder in den ehemaligen realsozialistisch-staatsautoritären
Produktions- und Konsumlenkungspolitiken. Auch Kritiker der kapitalistischen Produktionsweise
haben sich nicht entscheidend von dem Wachstumsparadigma gelöst.2 Gleichwohl ist es sinnvoll,
sich auf die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx und - wie ich meine - für das Zeitalter
der Weltgesellschaft besonders Rosa Luxemburgs zu stützen.3 Denn in deren Analysen wird Natur
nicht von vorneherein in Geld und Preise transformiert, wie es in der herrschenden ökonomischen
Theorie seit Adam Smith üblich ist. Zu einer Zeit, da in der Wissenschaft von der politischen
Ökologie noch um theoretische Einsicht und Erkenntnis gerungen wurde, hatte Hans Immler das
herrschende ökonomische Denken im Anschluss an Adam Smith wohl richtig zusammengefasst:
„Von dem Augenblick an, bei dem das Ziel der Produktion die Vermehrung des abstrakten Werts
wird, geraten Natur und Wert in einen fundamentalen Widerspruch: Derselbe Produktionsprozess
versteht sich einerseits als abstrakter Wertvermehrungsprozess von der Natur losgelöst und
unabhängig, ist aber andererseits als konkreter Arbeits- und Naturumformungsprozess doch wieder
an physische Bedingungen gebunden. Als Verwertungsprozess von eingesetztem Kapital versucht
er die Natur zu überwinden, als konkreter Produktionsprozess ist er auf die Kräfte der Natur
angewiesen.“4 Dieser Falle entkommen Marx und Luxemburg tendenziell, indem sie versuchen die
stofflich-energetische Substanz von Natur in eine Werttheorie einzubinden. Gewiss nicht
hinreichend und konsequent, aber doch so elementar, dass sich für theoretische Überlegungen zu
einer politischen Ökologie des Kapitalismus entscheidende Anknüpfungspunkte bieten.5
Nebenbei sei darauf hingewiesen: So zentral das Wort Wachstum in unser aller Leben eindringt,
einen Versuch, den Begriff zu definieren, macht die Theorie von der Ökonomie gar nicht erst.6 Ein
höchst erstaunlicher Befund bezüglich des Selbstverständnisses einer wissenschaftlichen Disziplin,
die für sich in Anspruch nimmt mit naturwissenschaftlicher Präzision, die wirtschaftlichen
Handlungen einer Gesellschaft analysieren zu können. Wachstum wird vorausgesetzt und nur die
Parameter von notwendigen und hinreichenden Bedingungen seines SEINS - der Umgang mit dem
Begriff hat schon Heideggersche Dimension - werden in den diversen Wachstumstheorien
diskutiert. Dieser Begriff, besser unsere Vorstellungswelt, dass das Fundament unserer
gesellschaftlichen und individuellen Reproduktion auf wirtschaftlichem Wachstum beruhe,
durchdringt uns so sehr, dass auch erklärte Wachstumskritiker seit dem Club of Rome davon nicht
loskommen, ihn verzieren mit Adjektiven wie qualitativ versus quantitativ, sustainable,
naturverträglich, gesund etc. oder etwa nachhaltig. Wir gehen mit dem Begriff Wachstum so
selbstverständlich um, oder können uns nicht von ihm lösen, als sei es wie ein Naturphänomen nach
der Art Newtonscher Axiome vorhanden immerdar, beobachtbar, technisch reproduzierbar doch
nicht zu beweisen.
3
Dass das nicht ganz richtig sein kann, vermitteln uns Wirtschaftshistoriker, wenn sie vom
historischen Übergang der statischen Wirtschaft zur dynamischen Wirtschaft reden. Die
Wahrscheinlichkeit, dass Wachstum, wie es gegenwärtig verstanden wird, ein Naturgesetz ist, das
für immer und ewig galt und gilt, wird durch diese Beobachtung schon einmal eingeschränkt.
Bemerkenswert an dieser historiographischen Unterscheidung ist, dass der Übergang von statisch zu
dynamisch mit der industriellen Revolution und der Durchsetzung der kapitalistischen
Produktionsweise gesetzt wird, gewiss mit vollem Recht. Unsere bekannten, hier nicht zu
wiederholenden Statistiken, die Wachstum seit der industriellen Revolution indizieren Produktionsausstoß,
Bevölkerungsentwicklung,
Naturverbrauch,
Löhne,
Profite
auch
das
Lebensalter etc - es mit vorangegangenen Epochen menschlicher Geschichte vergleichen, lassen
durchaus den Schluss zu, dass sich etwa ab 1750-80 tatsächlich Entscheidendes an der
Wirtschaftsweise der Menschen geändert hat. Ich halte es nicht für übertrieben, diesen Einschnitt
mit dem Bild der „zweiten prometheischen Revolution“ zu versehen, wie es der Ökonom
Georgescu-Roegen tat. Er wollte der Industriellen Revolution mit diesem Bild eine Qualität wie der
„ersten prometheischen“ - er meint nicht die Entdeckung des Feuers, sondern die neolithische
Revolution - beimessen, sie dadurch herausheben aus anderen gesellschaftlichen Umbrüchen und
Produktivitätssprüngen, die es im Menschenzeitalter gegeben hat. Das eigentlich Bemerkenswerte
an seinem Gedanken ist: Dieser Begriff bezeichnet einen zweiten qualitativen Wandel im Umgang
des Menschen mit den Naturelementen in seiner Geschichte.7 Die Industrielle Revolution wird also
nicht als ein weiterer, wenn auch gewaltiger Produktivitätsfortschritt begriffen sondern als Sprung
ins fossile Zeitalter, ins Zeitalter der Ausbeutung und Nutzung von in der Erde geronnene
Sonnenenergie. Eine neue Qualität im Umgang mit natürlichen Ressourcen ist so entstanden.
Beschäftigen wir uns also mit diesem Wandel und damit den entscheidenden Merkmalen dieser seit
gut 200 Jahren existierenden Produktionsweise, einer Produktionsweise, deren globaler
Ausdehnung erst seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion keine politischen Schranken mehr
gesetzt zu sein scheinen.8 Was ist das entscheidende Merkmal der kapitalistischen
Produktionsweise, das im Zusammenhang des Tagungsthemas interessieren muss? Die
Akkumulation des Kapitals bedeutet beschleunigte exponentielle Naturvernutzung. Dieser Begriff
meint zweierlei: Naturverbrauch und Naturbelastung. Die Tatsache, dass die beschleunigte
Naturvernutzung lange Zeit mehr oder minder gelassen hingenommen werden konnte, liegt daran,
dass sie wie alle Werte in Preise und Waren, in Abstraktionen, verwandelt wird, in das
gesellschaftliche (Kapital)Verhältnis, das die stofflich-materielle-energetische also die naturförmige
Existenz von Produktion ausblendet. Natur kommt nur in der ökonomischen Kategorie eines Gutes
vor, deren Knappheit wie jedes marktförmige Gut nur relativ ist, weil sie durch Arbeit und Kapital
substituierbar sei. Dies Substitutionsparadigma von Robert Solow ist für die Ressourcenökonomie
4
der Gegenwart ehernes Gesetz, ein Grundsatz, an dem sich auch die Umweltökonomie weitgehend
orientiert.9
Diese innere Gesetzmäßigkeit der kapitalistischer Warenproduktion, der Zwang, den die
Wissenschaft von der Ökonomie zum Axiom erhebt, ist gebunden einzig an die historische Form
der kapitalistischen Warenproduktion. Innerhalb dieser ist das Gesetz zur Akkumulation tatsächlich
Zwang. Ein Zwang, der durch das Privateigentum an der Natur und den Produktionsmitteln initiiert
ist. Dies Eigentum steht in beständiger Konkurrenz zu anderen Eigentümern. Es kann nur existieren,
wenn es die Produktivität bei der Ausbeutung von Arbeitskraft und Natur gegenüber den
Eigentümerkonkurrenten erhöht. Weder Privateigentum noch kapitalistische Warenproduktion sind
ein jedoch ein gesellschaftliches Naturgesetz.
Das Kapital ist ein historisch gesellschaftliches Verhältnis, das die Form der Organisation seiner
Reproduktion in Warenform bezeichnet. Das historische Charakteristikum dieses Prozesses im
Verhältnis zur Natur hat Karl Marx in den Grundrissen angedeutet: „Nicht die Einheit der lebenden
und tätigen Menschen mit den natürlichen, unorganischen Bedingungen ihres Stoffwechsels mit der
Natur, und daher ihre Aneignung der Natur, bedarf der Erklärung oder ist Resultat eines
historischen Prozesses, sondern die Trennung, wie sie vollständig erst gesetzt ist im Verhältnis von
Lohnarbeit und Kapital“.10 Auf die erhebliche erkenntnistheoretische Dimension dieser Einsicht
kann hier nicht eingegangen werden, auch wenn die ständige Entfernung des Menschen von der
Natur - auch innerhalb der Produktion - den Grad der Entfremdung von ihr in einer Art
beschleunigt, die uns unser Tun in und mit ihr immer unbegriffener werden lässt.11
Etwas später fährt Marx fort: „Nur soweit der Mensch sich von vornherein als Eigentümer zur
Natur, der ersten Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände, verhält, sie als ihm gehörig
behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, als auch von Reichtum“.12 Er sagte dies
zum Gothaer Parteitag der deutschen Sozialdemokratie 1875, zu einer Zeit, als die kapitalistische
Produktionsweise sich erst in Kernländern der industriellen Revolution durchzusetzen begann,
bäuerliche und handwerkliche Produktion auch hier - weltweit sowieso - noch bestimmende
Grundlage von Reproduktion waren. Er warnte seine Genossen von der Sozialdemokratie, nur in
der Arbeit Quelle gesellschaftlichen Reichtums zu sehen. Vergebens, wie wir wissen. Knapp
dreißig Jahre später, zum Ende des Imperialen Zeitalters (Eric Hobsbawm) ergänzte ihn Rosa
Luxemburg, entgegen der Orthodoxie in der nachmarxschen Theoriebildung neben den
gesellschaftlichen Schranken - damit ist das Privateigentum an den Produktionsmitteln gemeint auf die Grenzen der stofflichen Bedingungen von Akkumulation hinweisend: „Die unaufhörliche
Steigerung der Produktivität der Arbeit andererseits, als die wichtigste Methode zur Steigerung der
Mehrwertrate, schließt die schrankenlose Nutzbarmachung aller von der Natur und der Erde zur
Verfügung gestellten Stoffe und Bedingungen ein und ist an eine solche gebunden. Das Kapital
verträgt in dieser Hinsicht seinem Wesen und seiner Daseinsweise nach keine Einschränkung...Die
5
Frage nach den sachlichen Elementen der Kapitalakkumulation, weit entfernt, durch die sachliche
Gestalt des kapitalistisch produzierten Mehrwerts bereits gelöst zu sein, verwandelt sich vielmehr in
eine ganz andere Frage: zur produktiven Verwendung des realisierten Mehrwerts ist es erforderlich,
dass das Kapital fortschreitend immer mehr den gesamten Erdball zu Verfügung hat, um in seinen
Produktionsmitteln quantitativ und qualitativ unumschränkte Auswahl zu haben.“13 Indem die
globale Kapitalverwertung ihre Grenzen in den sachlich-materiellen Bestandteilen dieses Prozesses
finde, werde er durch Schranken, die ihm die natürlichen Bedingungen menschlicher Reproduktion
auferlegen, begrenzt. Das Bestreben des Kapitals, diese Schranken auszuweiten oder aufzuheben,
d.h. auch Natur künstlich-technisch reproduzierbar zu machen, liege im Charakter seiner
Verwertungsbedingungen.
Das ist eigentlich eine schlichte Einsicht: ein gesellschaftliches Verhältnis, das sich nur in Geldund Warenform ausdrückt, bedarf seiner stofflich-energetischen, d. h. der Natur entnommenen
vergegenständlichten Form. Da Wachstum kapitalstisch-gesetzmäßig gegen unendlich gehen muss,
Natur, weder ihre Ausbeutbarkeit noch ihre Belastbarkeit, aber eben nicht unendlich ist, gibt es eine
von der Natur gesetzte Grenze von Wachstum. Sich der Illusion hinzugeben, der Markt könne diese
Grenze regulieren, sprich das Kapital würde gegen seine eigene Gesetzmäßigkeit verstoßen, ist oft
in Naivität ignorant, meist grobdogmatisch und interessengeleitet hoch ideologisch. Es gibt kein
einziges historisches Beispiel, in dem in den langen sozialen und politischen Auseinandersetzungen
um Umwelt jemals der „Markt“ irgendetwas freiwillig getan hätte. Wie sollte er auch, er ist kein
Akteur sondern ein Tauschort – mehr nicht. Dass in ihn alle möglichen Geheimnisse hineingetaucht
werden, geschieht wohl deshalb, damit die ökonomische Wissenschaft etwas zum Forschen hat.
Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Akkumulation ist Existenzbedingung des Kapitalismus.
Akkumulierte Vernutzung von Natur deshalb auch. Sie wirkt, wie die Geschichte des Kapitalismus
schon mehrfach bewiesen hat und täglich dort beweist, wo sie den Menschen nicht nur
perspektivisch sondern aktuell ihre Reproduktionsgrundlage entzieht, katastrophisch.14
Wir haben die historische Erfahrung gemacht: Das kapitalistische Akkumulationsregime konnte
durch politischen Kampf sozialer Bewegungen in seiner Ausbeutungsgewalt gegenüber den
Menschen gezähmt werden; nicht überall, nicht immer dauerhaft. Seine Ausbeutungsgewalt
gegenüber der Natur konnte hier und da lokal oder regional gezähmt werden - durch politische
Intervention.15 Dies auch deshalb, weil sich soziale und ökologische Probleme oft wie
selbstverständlich verschränken. Soziale Kämpfe gegen Arbeitszeitverkürzungen, Sozialstandard in
der Produktion, Wohn- und Hygienestandards in den Wohngebieten und –umgebungen der
ProduzentInnen fielen und fallen oft zusammen. Ich kenne kein Beispiel, wo die Zähmung der
Ausbeutung von Arbeitskraft und Natur freiwillig oder vom Markt diktiert geschehen sein soll - und
ich halte mich für einigermaßen informiert. Ohne politische Intervention in einer Dimension, die
heute noch nicht vorstellbar ist, weil der Mensch gegen sich selber, gegen seine „Trennung
6
zwischen diesen unorganischen Bedingungen des menschlichen Daseins und diesem tätigen
Dasein“,
tätig
werden
müsste,
wird
eine
wirksame
Anpassung
des
kapitalistischen
Akkumulationsregimes an die Bedingungen des Überlebens auf dem Planeten Erde nicht möglich
sein: Nur dann ist das keine Anpassung mehr, sondern eine politisch-soziale-ökologische
Revolution von der Qualität der zweiten prometheischen und der naturwissenschaftlichen der
Neuzeit zusammen. Diese Feststellung beinhaltet ja keinen Verzicht auf ökoreformerische Politik,
im Gegenteil: Sie appelliert an wesentlich energischere Anstrengungen. Doch nur wenn sich diese
Politik ihrer Systemgrenzen bewusst wird, kann sie über das Stadium permanenter Sisyphosarbeit
hinauskommen. In diesem Prozess müssen verstärkt Anstrengungen unternommen werden, die
ökologische Debatte durch innovatives theoretisches Denken zu fundieren. Dieser Beitrag soll dazu
ermuntern.
1
Jared Diamond hat das zuletzt an einigen Beispielen aus der Geschichte gezeigt. Auch wenn seine Schilderungen
gesellschaftspolitische Analysen weitgehend vermissen lassen, das „Warum“ im Untertitel seiner Studie also nicht
hinreichend erfassen, so lernt man/frau doch kennen, welche Mechanismen Gesellschaften sehenden Auges in
ökologische und damit existenzielle Katastrophen treiben können. Jared Diamand, 2005: Kollaps. Warum
Gesellschaften überleben oder untergehen, Frankfurt / Main.
2
Vgl dazu: Peter Schyga: Grenzen des Wachstums. Artikel in: Wolfgang Fritz Haug (Hg.): Historisch-kritisches
Wörterbuch des Marxismus, Hamburg/Berlin 2001.
3
Vgl. Peter Schyga, 1993: Kapitalismus und Dritte Welt: Zur Aktualität der Akkumulationstheorie Rosa Luxemburgs.
Diskussionsbeiträge (Nr. 17) des Instituts für Politische Wissenschaft der Universität Hannover, Frankfurt / Main.
4
Hans Immler, 1985: Natur in der ökonomischen Theorie Teil 1 Vorklassik-Klassik-Marx u. Teil 2 PhysiokratieHerrschaft der Natur, Opladen, S. 169. Vgl. zudem: ders. 1990; Vom Wert der Natur Teil 3 Zur ökologischen Reform
von Wirtschaft und Gesellschaft, Opladen
5
Vgl. Peter Schyga 1997: Entropie. Artikel in: Wolfgang Fritz Haug (Hg.):Historisch-kritisches Wörterbuch des
Marxismus, Hamburg/Berlin.
6
Im altehrwürdigen Dr. Gablers Wirschaftslexikon etwa findet sich kein Eintrag zu diesem Stichwort, eine Suche in
Standardwerken zur Makroökonomik wird erfolglos bleiben.
7
Vgl. Nicholas Georgescu-Roegen, 1971: The Entropy Law and the Economic Process, Harvard University Press,
Cambridge / Mass., London
8
Vgl. Peter Schyga: Unterbrechung und Entfaltung. Globalisierung und Nationalstaat – historische Verlaufsformen,
gesellschaftliche und staatliche Organisation, in: Kommune 5/2005, 23. Jahrgang, S. 62-66
9
Robert Solow 1979, Die Ökonomie der Ressourcen oder die Ressourcen der Ökonomie, in: Horst Siebert (Hg.)
Umwelt und wirtschaftliche Entwicklung, Darmstadt
10
MEW 42, Berlin, 1976, S. 397
11
Nur ein Gedanke sei kurz erwähnt: Die Entwicklung von Industriegesellschaften zu so genannten
Dienstleistungsgesellschaften beschreibt ja auch die Tatsache, dass die Beziehung des Menschen zur Natur in der
Arbeit, also im Akt der Naturumformung, zunehmend distanzierter wird. Damit scheint sich in der Wahrnehmung des
Individuums der Charakter von menschlicher Arbeit als Stoffwechselprozess - auch sinnlich wahrnehmbarer - mit der
Natur zu verflüchtigen.
12
MEW 19, Berlin, 1978, S. 15
13
Rosa Luxemburg: Die Akkumulation des Kapitals in: Werke Band 5, Ökonomische Schriften, Berlin 19853, S. 306,
Original Berlin 1913 (Hv., P.S.).
14
Vgl. Peter Schyga, 1994: Besiegte Natur - Ökologische Deformation beim Prozess nachholender Entwicklung.
Ägypten im 19. Jahrhundert, Diss. Hannover.
15
Vgl. Peter Schyga: Natur in der politischen Ökonomie. Über die Notwendigkeit einer entropiekonformen politischen
Regulierung, in: Kommune 3/2006, 24. Jahrgang, S. 78-82
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