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Geborgenheit im Leben wie im Sterben Prof. Dr. Anton Bucher U i

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Geborgenheit
im Leben wie im Sterben
Prof. Dr. Anton Bucher
U i
Universität
ität Salzburg
S l b
• „Geborgenheit“ –
wurde im Jahre 2004
vom Goethe-Institut
zum zweitschönsten
deutschen Wort erkürt
• Nach „Habseligkeit
Habseligkeit“
• Für „Geborgenheit“ gibt
es in anderen Sprachen
kein angemessenes
Äquivalent deutsches
Äquivalent,
Unikat, übrigens auch
„Schadenfreude
Schadenfreude“
• frz.: „securité“
• engl.
l „feeling
f li off security“
it “
• Beide Worte haben nicht
die Wärme von
Geborgenheit
• Geborgenheit
kommt in der
Wissenschaft
kaum vor
vor, auch
nicht in der
Psychologie,
Psychologie
obschon sich alle
Menschen
danach sehnen
• Und
U d andere
d
Lebewesen auch,
an allen
ll
möglichen Orten
Lebensweltlicher Kontext
• „Der „unbehauste
Mensch“ (Holthusen)
Mensch
• „Verlust der
Geborgenheit“ – und
Geborgenheit
der Mitte
• Entfremdung
E tf
d
und
d
Anonymität
• Umso notwendiger:
Geborgenheit
Gliederung
1. Etymologie und
Bilder von
Geborgenheit
2 Empirische Befunde
2.
3. Psychologische
F kt
Faktoren,
die
di
Geborgenheit
b ü ti
begünstigen
4. Geborgenheit Spiritualität
g
im
5. Geborgenheit
Sterben
1. Etymologie
• Im Grimmschen
Wörterbuch: Nur zwei
Zeilen
• Mhd.:
Mhd : „bergan
bergan“:: In
Sicherheit bringen,
retten schützen
retten,
• Doch Geborgenheit
i t mehr
ist
h als
l Si
Sicherheit
h h it
(ahd. „sihhurheit“):
W
Wenn
zu dieser
di
menschliche Wärme
hi
hinzukommt
k
t
• „Geborgenheit“ gilt als schwer definierbar
• Angemessener
A
seien
i vielmehr
i l h Bild
Bilder, d
deren
Macht ohnehin unterschätzt wird (G. Hüther)
Geborgenheitsbilder - persönliche
• Im Bett der Eltern schlafen dürfen, wenn es
blitzte und donnerte
• Samstagnachmittag, wenn das frischgebackene Brot durch das Bauernhaus duftete
• Auf dem Scheunenboden wenn Höhlen
boden,
durch das Heu
gegraben wurden
• In den Kartonhäusern
(der neuen
Waschmaschine)
• In
I der
d Kirche,
Ki h vor
allem in den
M i d ht
Maiandachten:
M
Maria,
i
breit` den Mantel aus
Geborgenheitsbilder - literarische
• Goethe: Faust 1:
Osterspaziergang „Hier
Hier
bin ich Mensch, hier
darf ich
ich‘s
s sein“
sein – im
Studierzimmer
• Stifter: „Hochwald
Hochwald“
• Georg Büchner: „Ein
süßes
üß G
Gefühl
fühl
unendlichen Wohlseins
• Rilke: „Der alles in
seinen Händen hält …“
• Der Kontrast: Der
Dichter der
Ungeborgenheit:
Thomas Bernhard:
„Das Leben ist nichts
als ein Strafvollzug“
Strafvollzug
• „Stilfser Joch“: ein
unwirtlicher
eisbedeckter Berg
2. Geborgenheit: empirisch
• Einer der ganz
wenigen Geborgenheitsforscher: Hans
Mogel
• Seine Grundthese:
Der Mensch: ein
Geborgenheitswesen
• Geborgenheit
evolutionär
verankert:
Schutzbedürfnis
• Geborgenheit im
Tierreich: die
Höhle das Nest
Höhle,
• Auch wir Menschen
sehnen
h
uns nach
h
unserem ‚Nest‘,
‚nisten‘
i t ‘ uns ein,
i am
besten kuschelig
• „Was ist für Sie persönlich Geborgenheit?
• Nennen Sie drei Geborgenheitssituationen
Geborgenheitssituationen“
• Sample: N = 500, von 10 bis 80 Jahre
Geborgenheitsmerkmale
weiblich
männlich
47
50
41
31
31
30
25
14
17
20
9
0
Sicherheit
Wärme
Wohlbefinden
Vertrauen
Liebe
Geborgenheitssituationen
weiblich
44
50
38
35
32
männlich
29 31
25
15
14
us
e"
"Z
uh
a
m
ar
m
un
g
U
Pa
rt
ne
rs
ch
af
t
ili
e
Fa
m
Fr
eu
nd
s
ch
af
t
0
8
Geborgenheitssituationen
weiblich
männlich
50
25
15
13
6
9
3
9
5
9
3
0
Sich
unterhalten
Mutter-Kind
Mein Bett
Kuscheln
Verständnis /
Trost
Geborgenheitsmerkmale im Lebenslauf
• Im höheren Alter
weniger wichtig:
Sicherheit,
Wohlbefinden,
Wohlbefinden
körperliche Liebe
• Sich wohnlich zu
Hause fühlen: Mit
steigendem Alter
wichtiger, ebenfalls
Familie,
Familie
Zufriedenheit, Kirche
• Was weitgehend
g
konstant bleibt:
dazu
• Das Bedürfnis dazuzugehören
• Freundschaft
• Partnerschaft
Effekte von Geborgenheit
• Ermöglicht Entspannungsreaktion
• Weniger Stress bzw.
Cortisol
• Bessere
k di
kardiovaskuläre
k lä W
Werte
t
• Erholung, Rekreation
Gegensätze von Geborgenheit
• Furcht und Angst,
wobei letztere noch
schlimmer, weil kein
Objekt
• Kummer, speziell
Liebeskummer
• Trauer: Ungeborgenh it d
heit
durch
hV
Verlust
l t
Ein Fernziel
• Ein erstrebenswertes,
aber nicht leichtes
Ziel: Geborgenheit in
uns selber
•  Geborgenheit ist
üb ll und
überall
d zu jjeder
d
Zeit
Wege
g zur Geborgenheit
g
nach H. Mogel
g
• Sich kuschelige
Nischen schaffen
• Soziale Beziehungen
pflegen,
fl
speziell
i ll
Freundschaft,
P t
Partnerschaft
h ft
• In sich selber zu
ruhen versuchen
• Anderen Menschen
Geborgenheit
schenken
3. Psychologische Faktoren Geborgenheit
• Wie sehr sich
Menschen geborgen
fühlen können, wird
früh mitentschieden:
Pränatal
• Notwendig für
Geborgenheit:
Basales Vertrauen
(Erikson) bzw. sichere
Bindung (= religio)
• Bindungstheorie,
maßgeblich entwickelt
von John Bowlby
• Seine Beobachtungen
an ‚hospitalisierten‘
p
Kriegskindern
• Kind hat angeborene
Disposition für Bindung
(Darwin, Lorenz)
• Bowlby knüpfte
auch an die
Experimente von
Harry Harlow an:
Kleine
Rhesusaffen
bevorzugen
Mutterattrappe mit
Fell, auch wenn
sie keine Milch
spendet:
Geborgenheit
wichtiger als
Nahrung
• Eine geniale Idee: Marie
Ainsworth qualitativer
Test: „Fremde
Fremde Situation
Situation“.
Wie verhalten sich
Kinder – explorativ – bei
Trennung von
Bezugsperson und bei
anderer Person
Bindungsstile
• Sichere Bindung
g ((Typ
yp
B): Kinder können
Nähe und Distanz der
Bezugspersonen
angemessen
g
regulieren
• Unsicher vermeidend
(Typ A): Kinder spielen
Scheinsouveränität,
gehen keine
Bindungen ein
• Unsicher-ambivalent
(Typ C): Bei Trennung
extrem gestresst, bei
neuer Nähe: oftmals
aggressiv, ungeborgen
• Desorganisierte
Bindung
g ((Typ
yp D):
) Teils
bizarre, bspw.
katatonische
Verhaltensweisen
• Die Auswirkungen unterschiedlicher Bindungsstile
auf die weitere Entwicklung
• Sicher Gebundene (um die 60 %): Als Schüler
sozialer, kreativer, neugieriger, mehr Oxytocin,
autonomer und geborgener
g
g
• Unsicher Gebundene: Mehr Entwicklungsrisiken,
Pathologien
g
• Wie Bindung vertieft werden
kann: Verlässlichkeit in der
Pflege
• Augenkontakt
• Häufiges Getragenwerden:
Kinder sind Traglinge (Jean
Liedoff)
Ergebnisse der Umweltpsychologie
• In welchen Umgebungen fühlen sich Menschen
wohl geborgen?
wohl,
• Vor allem an solchen Orten, wo unsere Vorfahren
sicherer überleben konnten
• Leichte Anhöhen
(Überblick),
Ü
Gebüsche
und Bäume (verstecken),
aber auch Nähe von
Wasser (trinken)
• Besonders sicher: In
Höhlen
• Wüste, sei es Sand,
sei es Eis: Ausgesetztsein
• Ebenfalls in
Asphalt- und
Betonwüsten wo
Betonwüsten,
gewaltige
Menschenaufläufe
möglich sind:
Stress,
Stress
Ungeborgenheit
• Arbeitnehmer, die im
Job in die Ferne
blicken können, sind
glücklicher
• Reha-patienten
erholen sich
schneller, wenn in der
Nähe ehrwürdige
Bäume stehen
• Baum:
B
Symbol
S b ld
des
Lebens
4. Geborgenheit - Spiritualität
• Zusehends mehr Menschen verstehen sich als
spirituell
• Gründe dafür: Plausibilitätskrise der Kirchen,
quantenphysikalische Erkenntnisse etc
etc.
Wer sich verbunden fühlt
fühlt, ist auch geborgen
• n
• Spiritualität als
connectedness
(Verbundenheit),
(Verbundenheit)
speziell mit der Natur
• Verbundenheit mit
der sozialen Mitwelt:
Tat twam asi
• V
Verbundenheit
b d h it mit
it
sich selbst:
A ht
Achtsamkeit,
k it
Meditation
• Verbundenheit mit
einem höheren,
höheren
göttlichen Wesen.
• Es ist zweitrangig
zweitrangig,
wie es heißt,
entscheidend: Es
IST
• Spirituelle
Ressourcen
erleichtern das coping
in kritischen
Situationen
• Vielfach untersucht:
Spiritualität – als
Verbundenheit – in
HIV- und Karzinomerkrankung
• Spirituelle
p
Menschen an der Grenze des
Lebens: Werden fähiger zu Gerotranszendenz
((Tornstamm),
) mehr Integrität
g
i.S. von Erikson,
mehr Geborgenheit, mehr: „Es ist, wie es ist, es
war, wie es war.“
• Eine Kernkomponente von Spiritualität
ist Selbsttranszendenz die Fähigkeit
denz,
Fähigkeit,
vom Ego absehen
und sich ganz etwas
anderem und anderen
öffnen zu können
• Stärkster Schutzfaktor
gegen Depression
• Selbsttranszendenz
gilt auch als
Komponente von
„spiritual
spiritual care“
care
• Pflege als spirituelles
Handeln: Florence
Nightingale (18201910)
• Ziel: Die
G b
Geborgenheit
h it d
des
kranken Menschen
5. Geborgenheit im Sterben
• Der verdrängte und
sterilisierte Tod
• Es gibt nicht nur eine
Kunst des Lebens,
sondern auch des
Sterbens: „Ars
moriendi“
• So der Titel von
Andachtsbüchern im
Spätmittelalter:
Anfechtungen und
Tröstungen auf Bild
Tröstungen,
daneben durch Demut
• Rituale binden ein
und stiften
Geborgenheit
• Sterberituale in
ausgewählten
Religionen
• Judentum:
A
Angehörige
hö i bl
bleiben
ib
beim Sterbenden,
k
kurze
Beichte,
B i ht
Segnen der Kinder
d hH
durch
Handauflegen
d fl
• Islam: Blick nach
Mekka Wiederholen
Mekka,
des Glaubensbekenntnisses Vorlesen
kenntnisses,
aus dem Koran
• Traditionelles
Christentum: Beten,
Beichte ein Kreuz in
Beichte,
die Hände geben,
Sakrament der
Krankensalbung
• Niemand sollte allein
sterben müssen
• Empathische Präsenz
• Die Hand halten und
streicheln
• „Danke“, wenn aus
ganzem Herzen
g
gesagt, ist eines der
beglückendsten
g
Worte
• Vergebung kann so
heilsam sein
• Gestaltung des
Raumes: Kein grelles
Licht, Kerzen,
Duftlampen
• Gemeinsames Beten
kann dermaßen
verbinden
• „Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost
getrost, was kommen mag
mag.
Gott ist mit uns am Abend und am morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag
Tag.“
• Dietrich Bonhoeffer
• Ermordet
E
d t am 9.4.1945
9 4 1945
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