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L wie Lernende Mensch & Tier Auf und davon - unterwegs - Brüggli

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unterwegs1109
Die Mitarbeiter- & Kundenzeitschrift von Brüggli
L wie Lernende
110 neue Lernende haben sich auf den
Ausbildungsweg gemacht.
04
Mensch & Tier
Brüggli ist aufs Pferd gekommen und hat
dabei etwas Schönes gelernt.
08
Auf und davon
Indien, der zweitgrösste Staat der Welt,
fasziniert mit Vielfalt und Weite.
26
Editorial
Inhalt
Unterwegs auf dem
Ausbildungsweg
Vielfalt statt Einfalt
Sage und schreibe 110 Lernende haben
diesen Sommer im Brüggli ihre Berufsausbildung begonnen – eine spannende
Expedition sowohl für die Berufsbildner
als auch die Auszubildenden.
40 neue Seiten von Brüggli. Viele Meinungen, viele Einblicke.
Und noch mehr Geschichten, die das Leben schreibt. Mit der zweiten
Ausgabe unseres Mitarbeiter- und Kundenmagazins in neuer
Aufmachung machen wir weiter, wo wir im Frühjahr begonnen haben.
Denn was «Unterwegs» heisst, kann unmöglich stillstehen.
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Mensch & Tier
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Editorial: Vielfalt statt Einfalt
Neubeginn – oder Start der Expedition Berufsausbildung
Nachgefragt: Wie läuft's im ersten Lehrjahr?
Einstieg in die Berufswelt: Tipps zum Ausbildungsstart
Herdentiere im Rollenspiel
Ein Spiegel meines Denkens und Handelns
Der Start einer Übungsfirma
Psychose: Zwischen Horrortrip und Hochgefühl
Invalidität ist kein Verbrechen
Wenn der Respekt mit Füssen getreten wird
Nachgefragt: Dummheit oder Hilfeschrei?
«Tortour»: Mit schweren Beinen rund um die Schweiz
In der Musikbranche gab es einst eine un- Die Sterne stehen gut. Denn die Reaktionen auf
geschriebene Regel, die besagte: Erfolgreiche das erste neue «Unterwegs» waren durchwegs
positiv. Und fürs jüngsBands haben ihren
te, vorliegende Heft
Erfolg mit dem dritten
Ins «Unterwegs»
sind wir unserem Stil
Album besiegelt. War
die dritte Platte ein
gehören leise, laute, schrille treu geblieben, ohne
uns zu kopieren. Unser
Meilenstein, stand die
und schräge Töne.
Anspruch: Vielfalt statt
Band vor einer erfolgEinfalt. Dazu gehören
reichen Zukunft. War
die dritte Veröffentlichung ein Durchhänger, ging’s leise, laute, schrille und schräge Töne, die Brügglis
spannende Seiten zum Klingen bringen.
danach nur noch bergab.
Mit diesem «Unterwegs» halten Sie, geschätzte
Leserin, geschätzter Leser, die zweite Ausgabe unseres Mitarbeiter- und Kundenmagazins in neuer
Aufmachung in Händen. Wenn die eingangs erwähnte Regel auch für uns gelten soll, haben wir
also noch eine Ausgabe Zeit, um das Schicksal von
«Unterwegs» für alle Ewigkeit (oder zumindest für
die nähere Zukunft) zu besiegeln.
«Unterwegs» sein heisst auch, den Blick für heikle
Themen zu schärfen – zum Beispiel für Sachbeschädigungen und Gewalt. In einer Umfrage kommen Mitarbeitende von Brüggli zu Wort – mit Meinungen, die allen zu denken geben sollten, welche
die Jugend von heute pauschal als oberflächlich
und verantwortungslos abstempeln.
» Michael Haller,
Kommunikationsverantwortlicher
Lesen Sie in diesem «Unterwegs» von Begegnungen mit sanftmütigen Pferden, von der Geburtsstunde einer Praxisfirma und von einer «Expedition» mit 110 jungen Leuten, die das Abenteuer
einer Berufsausbildung erleben. Der Blick reicht in
diesem Heft sogar nach Indien. Und einmal rund
um die Schweiz: Ein Erlebnisbericht nimmt uns mit
auf die «Tortour», ein Non-Stop-Radrennen, das
seinem Namen gerecht wird.
Herbstzauber in Bildern
Auf und davon: Eine Kulturreise nach Indien
Spontanchaotischer Europatrip
Kolumne: Ernte gut, alles gut
Lernende der Logistik säubern Seepark
Freunde im Exil: Die Zuschneiderei
Unser Partner: Die Mosterei Möhl AG
Einmal Autor oder Autorin sein
«Unterwegs» ist ein Gemeinschaftswerk. Es hat
Platz für viele Blickwinkel und Betrachtungsweisen. Wenn Sie etwas dazu beitragen oder sogar
als festes Mitglied die Redaktion verstärken wollen, dann sollten wir uns darüber unterhalten.
«Western Heroes» beleben Heimtiermärkte
Bilderrätsel: Wer findet die fünf Unterschiede?
Jubilarinnen und Jubilare
Impressum
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Auf und davon
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Redaktion:
Satz, Bild:
Titelbild:
Druck, Auflage:
Herausgeber:
Michael Haller, Paul Mattle, Alois Schütz
Daniel Stauffer, Printagentur by Brüggli
Patrick Hafner, Fotostudio
Printagentur by Brüggli, 1500 Ex.
Brüggli, 8590 Romanshorn, www.brueggli.ch
unterwegs 1109 | 3
Lehrbeginn
Lehrbeginn
Ausbildungen
News Berufsbildung
• Für jugendliche und erwachsene Menschen mit einer Behinderung oder in
anderen schwierigen Lebenssituationen
bieten wir in unseren Betrieben Ausbildungsplätze in 10 Berufsfeldern mit über
50 Berufsangeboten und unterschiedlichen Ausbildungsniveaus an.
Praktische Ausbildung PrA:
Die ersten Abschlüsse
Ende Juli haben 327 Jugendliche aus der ganzen
Schweiz eine «Praktische Ausbildung (PrA)» abgeschlossen. Bei Brüggli waren es 10 Lernende,
welche die Praktische Ausbildung abschliessen
konnten.
• Die Ausbildung an jedem Arbeitsplatz ist
auf Fähigkeiten, Eignung und Neigung ausgerichtet. Durch individuelle Förderung
aktivieren wir vorhandene Ressourcen mit
dem Ziel, selbständige, eigenverantwortliche und qualifizierte Fachleute in die
Gesellschaft zu entlassen.
80 INSOS-Institutionen bieten zurzeit dieses neue
Berufsbildungsangebot für junge Menschen mit
Beeinträchtigung an und helfen gemäss INSOS
mit, eine Lücke im Bildungssystem teilweise zu
schliessen. Die PrA kann in 39 verschiedenen
Bereichen absolviert werden und wird mit einem
Ausweis sowie einem Nachweis der erworbenen
Kompetenzen abgeschlossen. Finanziert wird die
Ausbildung im Rahmen der Beruflichen Massnahmen durch die IV.
(Auszug aus dem Unternehmenskonzept)
• UmdiegesetztenZielezuerreichen,werden
ausgewiesene Fachleute und technologisch
angepasste Ausbildungsmittel eingesetzt.
Studie: Wie viel kostet keine Ausbildung?
Für jede Person, die in der Schweiz ohne Ausbildung bleibt, fallen für die öffentliche Hand jährlich
durchschnittlich rund 10 000 Franken Kosten an
– in Form von höheren Sozialausgaben und geringeren Sozialversicherungs- und Steuereinnahmen.
Das Hauptergebnis einer Studie des Büro BASS
im Auftrag von «Travail.Suisse» zeigt: Öffentliche
Investitionen in die Ausbildung von Jugendlichen,
aber auch von Erwachsenen lohnen sich. «Travail.
Suisse» fordert, dass die öffentliche Hand die
Ausbildung stärker als Investition versteht. Weiter soll sie auch Erwachsenen eine Erstausbildung
ermöglichen.
Der Schlussbericht und eine Zusammenfassung der
Studie sind zu finden unter www.buerobass.ch/
aktuell_d.php
» Erich Heule,
Fachperson Berufsbildung
Lernende sind auf einem spannenden Weg, der nicht immer nur geradeaus führt. Bild: Patrick Hafner
Neubeginn – oder Start
der Expedition Berufsausbildung
Im August haben bei Brüggli sage und schreibe 110 neue Lernende ihre persönliche
Expedition «Berufsausbildung» in Angriff genommen. So viel mutige junge Leute!
Das gibt doch Hoffnung und Zuversicht und macht Lust, daran teilzunehmen.
Die «Expeditionsleiter», sprich Berufsbildner, haben eine schöne und dankbare, aber auch aufwendige Aufgabe übernommen. Nun ist Beziehungsund Motivationsarbeit gefragt. Es gilt, die neuen
Expeditionsteilnehmer in das Team aufzunehmen
und einzuführen, ihnen das Ziel aufzuzeigen, die
Etappen sichtbar zu machen, die Ausrüstung und
Mittel und deren Anwendung zu erklären, sie für
die Teilnahme an der Expedition zu begeistern
durch Zumuten und Vertrauen, durch Fehlermachen und Feedbackgeben und durch Akzeptanz.
Gemeinsam unterwegs
Dann folgen die ersten eigenen Schritte, manchmal unsicher, manchmal voreilig und oberflächlich.
Durch enge Begleitung und Führung und immer
wieder im Gespräch miteinander, so finden die
Neulinge allmählich ihren Platz im Team und
können sich im Idealfall schon bald entfalten und
selbständig Aufgaben übernehmen.
4 | unterwegs 1109
Eine Frage der Balance
Andere brauchen mehr Unterstützung und trauen
sich noch nicht so viel zu. Gemeinsam gilt es, das
richtige Tempo zu finden, um die vorgegebenen
Etappen und das angepeilte Ziel auch zu erreichen.
Wenn man es schafft, diese Balance gemeinsam
zu finden, und sich auf
das Ziel fixieren kann,
wird es einfacher, und
alle Teilnehmer können
mehr von der ganzen
Expedition mitnehmen.
So gesehen ist eine
Ausbildung eine ganz spannende «Expedition»,
aber auch eine intensive Auseinandersetzung der
Lernenden mit sich selber und ihrer neuen Rolle,
dem Ausbildungsziel und dem Ausbildungsinhalt.
Nebst der technisch-ausbildnerischen Seite beinhaltet eine Ausbildung auch eine persönlichmenschliche Erfahrung, welche prägend und
hilfreich für den weiteren Weg oder die nächste
Etappe sein kann.
Klar definierter Auftrag
Als Grundlage für diese jährlich wiederkehrenden
Abläufe stehen einerseits unser Ausbildungs- und
Eingliederungsauftrag
und andererseits das
Bekenntnis von Brüggli
zur beruflichen Ausbildung mit der Bildungspolitik und ein ganzer
Haufen Anstrengungen
verschiedenster Akteure in den einzelnen Bereichen und Abteilungen. Dazu sind Weisungen, Prozessabläufe, Zuständigkeiten sowie Ausbildungsunterlagen, Hilfsmittel usw. auf einer Menge von
Dokumenten festgehalten. Dies ist die theoretische Seite – eben die Grundlagen.
«Was bringt Sie weiter?»
Antwort eines Lernenden:
«Ich mich selbst!»
Ziele
• Die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der
Berufsbildung aufmerksam machen.
• DieAttraktivitätderBerufsbildunghervorheben und auf die Vielzahl von Karrierechancen hinweisen.
• IntegrationvonJugendlichenindieBerufsbildung.
• DieBereitschaftderUnternehmenfördern,
Lehrstellen und Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und damit den Bedarf an
qualifizierten Arbeitskräften decken.
Die Geschäftsleitung und die Ausbildungsverantwortlichen von Brüggli dankten kürzlich
allen Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern
mit einem süssen Präsent und dem Berufsbildungspfeil in Form eines Ansteck-Pins für ihre
Ausbildungsarbeit.
Alle Ausbildenden im Brüggli erhielten ein Dankeschön für ihre Arbeit.
Im Bild Karin Berner, Sonja Bütikofer und Arnold Wiesmann von den Technischen Diensten. Bild: Michael Haller
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Lehrbeginn
Nachgefragt
Wie läuft’s im ersten Lehrjahr?
Eine Ausbildung ist ein spannendes Abenteuer.
Wir haben einige Erstjahr-Lernende gefragt, wie’s ihnen ergeht.
Einstieg in die Berufswelt:
Tipps zum Ausbildungsstart
» Notiert / Bilder: Daniel Köppel,
Polygraf Printagentur
Eine erfolgreiche Ausbildung benötigt interessierte Menschen.
Hier einige Tipps, wie Sie die Ausbildung mitsteuern können.
Nicolas Schäfli, Informatik-Praktiker EBA
Gion Jäggi, Büroassistent EBA
Flavien Külling, Restaurationsangestellter PrA
Wir haben eine angenehme Stimmung, man kann
gut arbeiten. Vom Wissen her bin ich weitergekommen, und wichtig scheint mir, dass man viel
Eigeninitiative zeigt. Von den Ausbildnern wird
viel Verständnis entgegengebracht. Die Realität
hier ist nicht weit entfernt vom offenen Markt.
Es ist sehr spannend. Wir arbeiten miteinander
und nicht gegeneinander. Wenn jemand langsamer arbeitet, wird nicht mit dem Finger auf ihn
gezeigt. Meine Bürokollegen helfen mir, wenn nötig, wegen dem Rollstuhl. Mein Wunsch ist es, das
B-Profil zu machen. Ich möchte später einmal eine
gute Arbeitskraft sein, egal auf welchem Niveau.
Ich freue mich, im Brüggli die Lehre machen zu
dürfen. Der Druck ist je nach Jahreszeit unterschiedlich. Wenn im Sommer die Leute draussen
sind, haben wir im Restaurant weniger zu tun. Das
Team ist sehr freundlich und hilfsbereit. Die Infos
der Ausbildner kommen klar rüber. Nach der Ausbildung möchte ich eine Sportschule besuchen.
Natascia Mauro, Restaurationsangestellte PrA
Anita Schmid, Kauffrau Profil B
Patrick Bretscher, Büroassistent EBA
Ich habe es mit allen Mitarbeitern gut. Die Arbeit
gefällt mir, auch wenn es manchmal streng ist. Das
finde ich gut, so lernen wir etwas. Die Ausbildner
unterstützen uns sehr gut, auch moralisch. Sie
merken sofort, wenn mit uns etwas nicht stimmt.
Ich habe ein gutes Gefühl in Bezug auf den Lehrabschluss. Ich werde auf diesem Beruf bleiben!
Ich fühle mich im Betrieb sehr gut. Die Schule ist
sehr streng, und wir haben viele Prüfungen. Ich
habe im Brüggli bereits das Vorlehrjahr absolviert,
und ich kann daher schon vieles erledigen, wie
Telefonate entgegennehmen oder E-Mails schreiben. Ich bin daher hauptsächlich selbständig am
Arbeiten.
Ich machte zuerst die Vorlehre. Jetzt, da ich in der
Lehre bin, merke ich schon, dass ich mehr Verantwortung übernehmen muss. Die «Goldene Regel»
wird sehr gut gelebt, und man kommt einem mit
Respekt entgegen. Mein Ziel ist es, einen guten
Abschluss zu machen und später im kaufmännischen Bereich in höhere Etagen aufzusteigen.
Rahel Frick, Industrienäherin AL
Anita Keller, Industrienäherin AL
Kim Diller, Drucktechnologe EFZ
Wir sind ein perfektes Team. Es gibt Arbeiten, die
wiederholen sich immer wieder und das gefällt
mir. Ich bringe alles unter einen Hut, auch die
Schule ist momentan noch nicht so streng. Ich bin
sehr motiviert, und nach der Lehre möchte ich auch
etwas mit Textilien machen.
Mir läuft's gut. Die Ausbildner informieren sehr
gut. Am morgen steht alles auf einer Tafel geschrieben, so weiss ich, was zu tun ist. Im Moment
nähe ich Barhocker für den Usblick. Die Arbeit ist
abwechslungsreich. Ein gewisser Stress gehört
halt dazu, sonst erreichen wir nichts.
Es geht mir sehr gut, wir haben ein gutes Team,
die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Ich werde
bereits in die Arbeitsabläufe einbezogen und arbeite schon recht selbständig. Die Ausbildner sind
anständig, respektvoll, sie vermitteln mir das Wissen, das ich brauche. Brüggli gefällt mir sehr gut.
6 | unterwegs 1109
Wie die persönliche und berufliche Zukunft sein
wird, hängt jetzt auch von den eigenen Ideen,
Leistungen und Entscheidungen ab. Die Wirtschaft
braucht kreative, engagierte, interessierte junge
Leute, die Spass daran haben, sich einzusetzen.
Aber was heisst das nun genau? Was wird von
einem Lernenden erwartet? Es ist wichtig, möglichst viele der folgenden Sozialkompetenzen mitzubringen, welches Fähigkeiten sind, um mit sich
und seiner Umwelt verantwortungsvoll umgehen
zu können. Sie sind für ein erfolgreiches Gelingen
einer Ausbildung mitverantwortlich:
• Zuverlässigkeit
• Pünktlichkeit
• Lern- und Leistungsbereitschaft
• Ausdauer / Durchhaltevermögen
• Sorgfalt
• Verantwortungsbereitschaft
• Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik
• Teamfähigkeit / Kooperationsbereitschaft
• Höflichkeit / Freundlichkeit
• Konfliktfähigkeit
• Toleranz
• Kreativität
• Flexibilität
@ Lernender: Seien Sie präsent, neugie- Sie ihn, er wird sich darüber freuen. Und wenn es
rig, stellen Sie Fragen – und denken Sie daran: mal nicht so rund läuft? Sprechen Sie Probleme
Es gibt keine dummen oder falschen Fragen. Es an, teilen Sie Ihre Sichtweise und Bedenken mit –
ich bin sicher, Einsicht
ist wichtig, dass Sie
ist der beste Weg zur
Interesse am Neuen
Sprechen Sie Probleme an, Besserung. Seien Sie
zeigen. Setzen Sie sich
gemeinsam mit Ihrem teilen Sie Ihre Sichtweise und kritisch mit den Lernenden aber auch mit
Ausbildner
AusbilBedenken mit.
Ihnen, «beide» werden
dungsziele, teilen Sie
es danken.
ihm Ihre Ideen mit, was
beschäftigt Sie, wo möchten Sie noch mehr wissen? Gutes Zuhören und Nachfragen ist ebenso Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Lebenswichtig wie Notizen anlegen – ein interessierter weg sowohl beruflich, schulisch als auch privat,
Lernender schreibt mit – schreiben Sie sich das interessierte und interessante Menschen um sich
hinter die Ohren, das macht Eindruck und hilft Ge- herum.
lerntes zu verankern. Gehen Sie offen auf andere
zu, seien Sie freundlich zu Ihren Arbeitskollegen,
Sie gehören nun zu einem Team, bekommen Aner» Kerstin Stadler,
kennung, und vielleicht bilden sich sogar FreundLerncoach
schaften. Arbeit bedeutet nicht nur
Arbeit, sondern auch Zugehörigkeit
und Zufriedenheit. Und noch zum
Schluss: Grussworte wie «Guten
Morgen» und «Auf Wiedersehen»
gehören zum Pflichtprogramm, Sie
werden doch auch gerne freundlich
gegrüsst, oder?
Nun wird sich der eine oder andere Lernende fragen, was, wenn ich nicht alle Voraussetzungen @ Ausbildner: Bieten Sie Ihrem
mitbringen kann? Ausbildungsbetriebe sind dazu Lernenden eine qualitativ hochwertige
Ausbildung, die
da, auszubilden. Von
Lernenden erlernen
einem Lernenden wird
Denken Sie daran:
durch die Praxis in
also nichts erwartet,
was nicht zu schaffen
Es gibt keine dummen oder Ihrem Bereich und
durch die Theorie
wäre. Ihr Ausbildungsfalschen Fragen.
in der Berufsschule
betrieb und die Wirtden gewählten Beruf.
schaft brauchen engagierte, lernfreudige junge Leute, die Spass daran Geben Sie Ihr Wissen weiter. Wie geht es dem
Lernenden? Wie läuft es in der Berufsschule? Wo
haben, sich beruflich einzusetzen.
und wann findet der überbetriebliche Kurs statt?
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, sowohl den Fragen, mit denen Sie sich auseinandersetzen und
Lernenden als auch den Ausbildnern ein paar der Lernende dankbar ist, wenn Sie ihn kompetent
auf seinem Ausbildungsweg begleiten. Läuft alles
Tipps mit auf den Weg zu geben:
nach Wunsch, dann teilen Sie ihm das mit, loben
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Mensch & Tier
Mensch & Tier
Herdentiere im Rollenspiel
Pferde sind wie Menschen. Darum kann man
so viel von ihnen lernen. Die Leitenden von Brüggli
hatten unlängst Gelegenheit dazu.
Einen Schritt neben uns klafft der Abgrund. Jemira kümmert das nicht. Sie kennt den Weg. Es hat
etwas Beruhigendes, wie der massige Körper sich
im Takt ihrer Schritte hin- und herbewegt. Ich versuche mich an ihren Rhythmus zu gewöhnen, den
Sitz auszubalancieren, die Zügel mit der nötigen
Entschlossenheit zu halten – und nicht nach unten
zu sehen.
Ein Anfänger auf einer
Vollblut-Araberin, mitten in
der Bündner Wildnis:
Kann das gut gehen?
Führe mich nicht in Versuchung
Unser Begleiter heisst Vertrauen. Mensch und
Pferd sind ein Team, das sich über die Rollenverteilung im Klaren ist. Auch als Anfänger, der zum
ersten Mal auf einer sehr sanftmütigen VollblutAraberin durch Wald und Flur reitet, bin
ich mir dessen bewusst: Ich muss
die Führung übernehmen. Sonst
ist das Pferd verunsichert
oder neigt gar dazu, mit mir
zu machen, was es will.
.
Körpersprache verstehen
Kenner sehen einem Pferd an, wie es sich fühlt:
Weit offene Augen und gespitzte Ohren lassen auf
Neugier schliessen. Aufgeblähte Nüstern, flach
angelegte Lauscher und weit aufgerissene Augen zeugen von Erregung oder Angst. Wedelt es
kräftig mit dem Schweif, drückt das Pferd seinen
Unwillen gegen irgendetwas aus. Gut zu wissen,
denn Jemira wirkt ganz aufgeschlossen, als ich ihr
auf 1700 Meter über Meer, in San Jon oberhalb
von Scuol, das erste Mal begegne.
Gewohnheitstiere?
Vom Pferdetrainer lernen wir im
Übungsparcours, was einen guten Führer ausmacht: Er schlüpft in die Leiterrolle, wie die ranghöchste Stute in der
Herde. Schön, wie das funktioniert. Jemira
hebt ihre feinen Beine über Holzpfähle, die
Ein Ausritt im Engadin ist ein schönes Erlebnis. Bilder Michael Haller
am Boden liegen, windet sich durch einen Sla- Eins ums andere
lomkurs und fügt sich in Reih und Glied anderen Genug des Schöngeistigen. Zurück an den AbPferden und Kursteilnehmern an. Aber machen grund. Ein Bach ist zu hören, irgendwo 20 Meter
wir uns nichts vor: Jeweiter unten. Ob Jemira tut das aus Gemira meine Nervosität
Machen wir uns nichts vor: riechen kann? Sie lässt
wohnheit; sie gibt sich
täglich mit Seminarsich nichts anmerken.
Jemira ist aus
teilnehmern wie uns ab
Ich ziehe kurz am rechGewohnheit brav. Oder?
– Wildwest-Romantik
ten Zügel. Weg vom
für Stadthengste und
Abgrund, einfach weg.
Provinzstuten. Oder haben wir am Ende unsere Jemira wechselt auf die andere Seite des Pfades.
Sache doch gar nicht so schlecht gemacht?
Durchatmen, geniessen.
Achtung und Würde
Das Pferd spiegelt einen selbst wider. Der Blick
in die dunklen, grossen Augen dieses sanften,
stolzen Wesens ist ein Blick in die eigenen Tiefen.
Und die Art und Weise, wie wir dem Tier begegnen, verrät viel über uns. Der schöne Umgang mit
Pferden – mit Tieren generell – findet auf Augenhöhe statt: Ein wunderbares Einvernehmen zwischen zwei Lebewesen, die sich
einig sind. Nichts für Matschbirnen, die
nach Geltung und Macht streben. Das
Tier merkt genau, wer es gut mit ihm
meint. Manchmal sind Pferde eben die
besseren Menschen.
Ich vertraue Dir, Jemira, weil Du mir vertraust.
» Michael Haller,
Kommunikationsverantwortlicher
8 | unterwegs 1109
unterwegs 1109 | 9
Mensch & Tier
Mensch & Tier
Zwei Seelen
wahrzunehmen, seine Grenzen zu entdecken und
Man sagt, in einem Pferd wohnen zwei Seelen. zu respektieren. Sie bringt mich dazu, fair, ruhig,
Das Pferd ordnet sich instinktiv einem stärkeren geduldig und einfühlsam zu sein, Beharrlichkeit
Wesen unter und schliesst sich ihm schutzsu- und Beständigkeit zu entwickeln, Körpersprache
chend an. Es ist ein
richtig zu deuten und
Fluchttier, bei Gefahr
anzuwenden und FühDas Vertrauen gewinnt man rung zu übernehmen.
jederzeit bereit, sich
zu verteidigen oder zu mit fairer Führung, mit Geduld, Werde ich stolz, durch
fliehen.
Gleichzeitig
das Gefühl, alles im
Sanftmut und Toleranz.
ist es ein sensibles,
Griff zu haben, kann
sanftes Wesen, das die
mir Rian mit LeichtigFähigkeit und das Bedürfnis hat, Freundschaften keit offenbaren, dass dem nicht so ist. Sie zwingt
zu schliessen. Das Vertrauen gewinnt man mit mich zur Teamarbeit und zeigt mir deutlich, was es
einer fairen Führung, mit Geduld, Sanftmut und dazu braucht. Sie fordert mich heraus, meine GeToleranz. Das ist das grosse Geheimnis im Verdanken und mein Handeln immer wieder neu zu
halten der Pferde. Und das ist die
überdenken. Das sind alles Fähigkeiten, die
faszinierende Herausforderung
sich im Privat- wie auch im Berufsleben
an mich, die Balance zu finden
gut nutzen lassen.
zwischen Dominanz und Empathie.
Ich geniesse die Zeit mit Rian. Sie ermöglicht mir, den Alltagsstress und meiFürs Leben lernen
ne Probleme innert kürzester Zeit abzuleRian wurde zu meinem prigen und entführt mich zurück in die Natur,
vaten Persönlichkeitstraiin die natürliche Welt des Seins.
ner. Sie zeigte mir auf,
wie wichtig es ist, sich
in sein Gegenüber einzu» Beatrice Tanner,
fühlen, seine Bedürfnisse
Teamleiterin Informatik
Ein Spiegel meines
Denkens und Handelns
Genau dieses Indianerpferd, einen braun-weissen Scheck, hatte ich mir als
Mädchen immer gewünscht. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und so kam es,
dass ich mir einen Kindheitstraum erfüllte.
Von der Pferdehaltung hatte ich meine ganz be- Bis zum Unfall
stimmte Vorstellung: so natürlich wie möglich. Ich fragte viele Pferdebesitzer um Rat und hörte
Mein Pferd musste in einer Herde leben und sich stets dieselben Worte: «Du musst ihm zeigen,
wer der Chef ist», oder
frei bewegen können.
«Lass dir das nicht bieIch wollte keine Methoden und Hilfsmittel Ein Unfall brachte uns an den ten, da musst du durchanwenden, die das
Wendepunkt. Jetzt musste greifen, du kannst nicht
immer nur nett sein.»
Pferd überfordern und
etwas geschehen.
Mein Dilemma: Ich
ihm Schmerzen oder
wollte meinem Pferd
Angst zufügen würden. Zwischen uns sollte eine partnerschaftliche, keinen Schmerz zufügen, wusste aber nicht, wie
harmonische Beziehung herrschen, basierend auf ich meine Führungsrolle trotzdem durchsetzen
konnte. In der traditionellen Reiterszene fand ich
Respekt und Vertrauen.
keine Hilfe. Mit einem Unfall beendeten Rian und
Als frischgebackene Pferdebesitzerin wusste ich ich die erste Etappe unseres gemeinsamen Wenicht viel über die Psyche eines Pferdes. Zudem ges. Jetzt musste etwas geschehen.
war Rian, so heisst mein Pferd, noch sehr jung.
Das war keine gute Basis. Sehr bald kamen die Die Pferdeflüsterin
ersten Probleme auf. Rian war plötzlich nicht Ich merkte, wenn ich mein Pferd behalten wollte,
mehr das brave Pferdchen. Sie zeigte sich immer musste ich mir Hilfe suchen. Und ich hatte Glück,
häufiger respektlos mir gegenüber und traf immer denn ich fand im Rheintal eine Pferdeflüsterin namens Pascal. Das mag mystisch tönen, ist es aber
öfters ihre eigenen Entscheidungen.
ganz und gar nicht. Sie versteht, was es heisst, ein
Pferd zu sein, und weiss, wie die soziale Struktur
in einer Herde funktioniert. Sie kennt die Verhaltensmuster, die ranghohe Pferde auszeichnen,
und benutzt dieselben «psychologischen Spiele»,
die Pferde haben, um die Führungsposition einzunehmen. Die Verständigung erfolgt über die Körpersprache, über feine Körpersignale, welche die
Pferde hervorragend verstehen.
Ein Spiegelbild
Pferde sind sehr sensible Lebewesen, die feinste emotionale Botschaften wahrnehmen. Für das
Pferd ist der Mensch nicht einfach ein Mensch,
es ist vielmehr und zuallererst jene emotionale
Qualität, die dieser durch seinen Habitus, durch
die Gesamtheit seiner Bewegungen und Zeichen
vermittelt. Pferde haben die Fähigkeit, unsere
unbewussten Botschaften wie ein Spiegel zu reflektieren und zu signalisieren, ob wir wirklich das
meinen, was wir sagen oder ob wir unbewusst
eine andere Information transportieren.
Brüggli ist aufs Pferd gekommen
Ausritt mit Rian. Bild: Privatarchiv Beatrice Tanner
mha. Was an einer Fortbildung für die Leitenden
von Brüggli begann, geht dank Beatrice Tanner
weiter. Sie geht mit Kolleginnen und Kollegen
nach der Arbeit regelmässig ausreiten. Die Gruppe
trifft sich ungefähr alle zwei Wochen in Niederbüren. Wenn weitere Personen Interesse haben,
kann sich Beatrice Tanner gut vorstellen, eine
zusätzliche Reitgruppe zu gründen.
Kontakt: Beatrice Tanner, Informatik,
beatrice.tanner@brueggli.ch
unterwegs 1109 | 11
Arbeitsassistenz
Der Start einer Übungsfirma
Mitte August kamen 16 Mitarbeitende mit einem kaufmännischen Berufsziel
unter der Leitung von Markus Kümin zusammen, um das Unmögliche möglich zu
machen: eine neue Firma zu Übungszwecken aus dem Boden zu stampfen.
Neu ist sie nicht, die Idee eine Firma zur Vertiefung ist. Die Teilnehmenden erhalten die Löhne in Form
und Erweiterung der kaufmännischen Kenntnisse eines Einkaufkapitals, welches sie für Produkte
zu gründen. Denn sie dient der Vermittlung von Ar- anderer Übungsfirmen ausgeben können. «Damit
beit, Bildung und Coawird zum einen der
ching. Weltweit gibt es
Rückfluss des Geldes in
Weltweit gibt es ein
aktuell über 4000 dieden Wirtschaftskreisser vernetzten Übungslauf sichergestellt und
Netzwerk von rund 4000
firmen. In der Schweiz
zum anderen der AbÜbungsfirmen.
existieren erst wenige
satz an Waren an den
solcher Unternehmen.
Endverbraucher
beDie LAC trading ist eine der ersten Unternehmen rücksichtigt.» (MAUS, 1997, S.21). Wobei Geld nur
mit dem Partner IV als Kostenträger. Auch hier un- Buchware ist und Waren nur laut Kartei existieren,
terstützt das Brüggli eine innovative Idee.
also nur auf dem Papier. Das Wichtigste ist, dass
Übungsfirmen unter dem Schutz der Simulation
Orientierung an der Wirklichkeit
arbeiten. Das heisst, Sie existieren nicht wirklich.
Wie das Wort verrät, ist eine Übungsfirma eine Wie in jeder Simulation, hat auch hier ein Fehler
Firma mit dem Schwerpunkt auf der Übung. An- keine fatalen Auswirkungen.
sonsten ist sie vergleichbar mit anderen Handelsfirmen im KMU-Bereich. Es herrschen die- 16 Arbeitsplätze an der Alleestrasse
selben Regeln wie in einer normalen Firma. Die Solch eine Firma wollte Markus Kümin, Leiter der
Poststellen, Banken, Grosshandelsunternehmen, Arbeitsassistenz, ins Leben rufen. Dies für PersoProduzenten usw. existieren genauso in dieser Pa- nen, die vor einem etwaigen Lehrbeginn stehen,
rallelwelt. Dies erleichtert den Geschäftsablauf, in für Lehrabgänger oder wiedereinzugliedernde
dem der Kunde ein Teilnehmer dieser Praxisfirma Personen. Sichtbarer Auftakt zu diesem Projekt
Blick in die Büroräume an der Alleestrasse.
Konzentriertes Arbeiten in der neuen Praxisfirma. Bilder: Carol Bader
war im Mai 2009. In den Räumen der Arbeitsassistenz wurden 16 Arbeitsplätze geschaffen. Die
sorgfältig ausgesuchten Mitarbeiter, Teamleiter
und Praktikanten erschienen am 10. August 2009
zu ihrer neuen Arbeit im neuen Büro an der Alleestrasse 25 in Romanshorn.
Damit die Mitarbeiter, welche mit unterschiedli- Ruetsch, dem Kundenbetreuer der CSEE, fand am
chem Wissen starteten, nicht überfordert waren, 22. September 2009 ein wichtiges Audit der LAC
wurden sie sorgfältig an ihre Aufgaben herange- statt. Die Firmengründung wurde untermauert
führt, über die Kategorie der Firmenprodukte so- mit der definitiven Zusage, dass die LAC ab dem
1. Januar 2010 im
wie über das Ziel und
weltweiten Netzwerk
den aussagekräftigen
Eine Übungsfirma existiert der Übungsfirmen mitNamen orientiert. Später kreierten die Mitarnicht wirklich. Fehler haben arbeiten wird. Obwohl
Reto Ruetsch zufrieden
beiter selbst das Logo.
Der Ernst des Lebens keine fatalen Auswirkungen. war über die bereits
geleistete Aufbauarkonnte beginnen: die
Arbeitswelt. Nicht nur der Arbeitsraum war op- beit, gibt es für die LAC trading bis Anfang 2010
tisch in drei Büroinseln aufgeteilt, sondern auch noch viel zu tun.
die anfallenden Firmenaufgaben wurden auf die
Abteilungen Marketing, Materialwirtschaft und Die Mitarbeitenden haben innerhalb von wenigen
Personal & Finanzen verteilt. Zu den Leiterinnen Wochen eine neue Firma aufgebaut, die aber leiManuela Luvoni und Zerrin Kaya kam am 1. Sep- der nur in der Parallelwelt besteht und deren Geld
tember 2009 mit Sabrina Hindermann das zweit- nur Buchwert ist. Wäre dem nicht so, würde man
bald von ihr hören!
letzte fehlende Puzzleteil.
Das letzte fehlende Puzzleteil
Wie alle anderen Übungsfirmen in der Schweiz ist
auch die LAC trading der CSEE (Centrale Suisse
des Entreprises d’Entraînement) unterstellt. Sie
ist Supervisor und Mentor der Firmen. Mit Reto
» Janine Künzle,
Mitarbeiterin LAC trading
LAC trading
LAC trading steht für Lernen, Arbeiten und
Coaching. Alles Tätigkeiten, die in dieser Firma einen ausserordentlich hohen Stellenwert
haben. Die LAC trading ist eine vom Brüggli
und der Arbeitsassistenz absolut unabhängige Firma, die mit ihren modernen Produkten
in den Bereichen Mobilität, Wohlbefinden
und Gesundheit eine grosse Bedürfnispalette
abdecken wird.
unterwegs 1109 | 13
Psychose
Psychose
Kollegen mit ähnlichen Leiden
Es mag seltsam klingen, aber abgesehen von meiner Krankheit lebte ich gerne in der Klinik. Man
kann sich das FP (so heisst die Abteilung) wie eine
Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten vorstellen. Ich fand einige neue Kollegen, mit denen ich
Neun Monate in der Psychiatrie
Meine Nervosität liess nach, und ich beruhigte verbunden bin durch meine Krankheit. Mit einigen
mich wieder. Die Ärzte erklärten mir, dass ich nur habe ich sogar bis heute noch Kontakt. Mit ihnen
verbrachte ich den Alldrei oder vier Tage in
tag, ass mit ihnen und
der Psychiatrie weilen
Als ich beim Psychiater
spielte Billard. Jeden
werde. Ich blieb ganze
Tag spielten wir mit
neun Monate. Diese
ankam, wusste ich nicht
den Kugeln und dem
Zeit war geprägt von
mehr, wo ich wohnte.
Queue, wir veranstalDepressionen
und
teten sogar WettkämpManien, extremen Anspannungen und Konzentrationsstörungen. Die fe, wo ich einmal Zweiter wurde. Wir konnten
Depression hatte Übermacht. Viele Tage lag ich kegeln, Minigolf spielen, im Kraftraum trainieren,
nur herum, lustlos, niedergeschlagen. Doch eines ja, uns wurde selten langweilig.
Tages erlebte ich eine Manie. Dieser Energiereichtum, diese Aufgestelltheit, ja Grössenwahn, fühlt
sich an wie ein unwirklicher Traum, den man nie
wieder loswerden will.
nen Psychiater an. Als ich dort ankam, wusste ich
nicht mehr, wo ich wohnte. Er wies mich auf mein
Einverständnis in die Psychiatrische Klinik Münsterlingen ein.
Eine gesunde Droge: Jogging
Warum brach die Psychose bei mir aus? Die einfache Erklärung wäre die Vererbbarkeit. Doch da
gibt es noch eine andere Komponente: die Drogen.
Es gilt als altbekannt, dass der Wirkstoff von Cannabis, THC, eine Psychose auslösen kann. Und ich
konsumierte regelmässig Cannabis. Vermutlich
war auch eine andere Droge, Ritalin, welches ich
von Kollegen bekam,
Mittäter. So machAuch wenn die Zeit der Psychose ein
te ich im Teenageralter
drei Jahre lang einen
sehr hart war:
Fehler. Im zwanzigsten
Sie machte mich stärker.
Lebensjahr wurde ich
klüger. Seither konsumiere ich nur noch ab und zu etwas Alkohol.
Meine neue Droge heisst Jogging. Ich möchte mal
einen Halbmarathon laufen – das ist mein Ziel.
Alexandra Wohlgensinger (Fotostudio) hat das Thema Psychose kunstvoll interpretiert.
Zwischen Horrortrip und Hochgefühl
Ich war 20 Jahre alt. Eine Ausbildung als Kaufmann im Brüggli
war in Sichtweite, und dank dem IV-Taggeld war ich finanziell
unabhängig. Ich war voller Pläne, und die Welt war in Ordnung.
Bis sie begann, die Psychose.
Meine Mitmenschen, Familie und Arbeitskollegen Wenn der Körper zum Fremden wird
merkten mir nicht an, dass eine kaum auszuhal- Ich kann mich noch gut erinnern: Eines Dienstagtende Anspannung und leichte Depressionen über abends Anfang April nach der Arbeit, ich war almein Verhalten und Empfinden mehr und mehr leine im Haus der Eltern, überwältigte mich eine
Übermacht ergriffen. Zuerst unterdrückte ich die Nervosität und Anspannung. Ich dachte, so fühlt
Anspannung. Meine Arbeitsnachbarin interpre- sich ein Horrortrip an, wenn man auf Drogen ist.
tierte mein Verhalten sogar als energiereich und Ich dachte, mein rechter Arm sei ein Fremdkörvoller Tatendrang. Sie wusste nichts von meinem per. Er zitterte sogar. Ich fühlte mich hilflos und
Leiden. Die Rede ist von der Psychose. Eine Krank- hoffte nur, dass dieser Horrortrip sofort ein Ende
heit, die Menschen zur Verwahrlosung, ja sogar findet. Mein Gehirn spielte mir einen Streich. Ich
brauchte unbedingt
zum Selbstmord treiHilfe, zögerte nicht
ben kann. Und das
Meine neue Droge
lange und rief meitat sie bei mir fast.
14 | unterwegs 1109
Ziel: Weg von den Medikamenten
Aber was hat man gegen die Psychose in der
Hand? Wie kam ich in mein ursprüngliches Leben
zurück? Die Antwort ist: Medikamente und nochmals Medikamente. Ich bekam Clopin und Orfiril. Und wie diese Psychopharmaka halt wirken,
wirken auch ihre Nachteile. Beide Medikamente
machen müde. Und zwar muss ich bis zu 12 Stunden pro Tag schlafen, was einem im Lebensalltag
recht einschränkt. Da liegt es auf der Hand, dass
ich mich nach dem Tag sehne, an dem ich keine
Medikamente mehr nehmen muss. Doch dieser
Tag kommt erst, wenn ich eine Lehre abgeschlossen haben werde. Ich will Logistiker lernen. Und
mein Ziel ist, nach der bestandenen Lehre meine
Medikation auf Null herabzusetzen.
heisst Jogging. Ich möchte mal
einen Halbmarathon laufen.
Auch wenn die Zeit der Psychose sehr hart, unbarmherzig und voller Leiden war: Sie machte
mich stärker. Ich gewann Durchhaltevermögen
und mentale Stärke. Doch durchmachen will ich
die Psychose nie mehr.
» David Tüscher,
Mitarbeiter Qualitätskontrolle
Zum Geleit
Zum Geleit
Invalidität ist kein Verbrechen
Der Druck auf die IV bleibt auch nach dem Ja zur
Zusatzfinanzierung hoch. Im Visier sind die psychisch Kranken.
Wenn jemand im Rollstuhl ist oder einen Arm
verloren hat, ist seine dramatische Situation
auch für Laien nachvollziehbar. Wenn jemand
psychisch krank ist, wird eine objektive
Einschätzung seiner Lage und deren Konsequenzen für eine berufliche Integration
weit schwieriger. Der betroffenen Person
fehlt auf den ersten Blick ja nichts: keine
verdrehten Augen, keine fehlenden Glieder,
keine offensichtlichen Einschränkungen, wie
sie uns in der Werbekampagne für die
IV-Zusatzfinanzierung einmal mehr
präsentiert wurden.
16 | unterwegs 1109
Da neigt der Stammtisch-Polterer gerne dazu, allesamt pauschal als Schmarotzer abzutun. Er denkt
an Vatroslav, der in Kroatien auf Kosten unserer
Sozialwerke in Saus und Braus lebt. Er sieht die
Thai-Schweizerin Nana, die unsere Fürsorge und
Gutachter an der Nase herumführt. Und insgeheim
beneidet er den Wolfgang, der es wegen psychosomatischen Unpässlichkeiten zu einer IV-Rente
gebracht hat, dabei aber noch diverse Restaurants
führen kann. Haarsträubende Betrugsfälle wie
diese, die in den Medien immer wieder publik gemacht werden, schüren Volkes Zorn.
Das Vertrauen in die IV dürfte mit der 6. Revision
weiter auf die Probe gestellt werden. Innerhalb
von sechs Jahren sollen 12 500 IV-Berentete in
den Arbeitsmarkt integriert werden. Renten von
Menschen mit somatoformen Schmerzstörungen,
Fibromyalgien und ähnlichen Problemen sollen gekürzt oder gestrichen werden. Und wenn es nach
den bürgerlichen Parteien geht, werden psychisch
Kranke grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf
eine IV-Rente haben.
Das ist gut, um all den Schmarotzern und Betrügern den Zapfhahn öffentlicher Gelder zuzudrehen.
Vergessen wir aber die vielen rechtschaffenen
Menschen nicht, denen es nicht um den Profit,
sondern um die Würde geht – Menschen, die sich
ihre IV-Rente nicht erschlichen haben, sondern
alles daran setzen, möglichst selbständig am
beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Man trifft sie zum Beispiel im Brüggli. Sie
schrauben Hundeboxen zusammen, verrechnen
Druckaufträge, bedienen Gäste im Restaurant,
putzen Böden und Türen. Sie sind dankbar für eine
Dauerbeschäftigung oder eine Lehrstelle, die sie
dem ersten Arbeitsmarkt näherbringt. Und sie sind
stolz darauf, sich ein Stück Unabhängigkeit wahren zu können.
Schiessen wir all die Betrüger, die unsere Solidarität und Sozialwerke schamlos ausnützen, auf den
Mond. Aber hüten wir uns davor, alle IV-Rentner
in denselben Topf zu werfen – denn dann wird es
einmal mehr genau die Falschen treffen. Politiker,
Gutachter und Beamte stehen vor einer schweren
Aufgabe: Sie müssen in Zukunft noch genauer hinsehen.
» Michael Haller,
Kommunikationsverantwortlicher
unterwegs 1109 | 17
Jugendgewalt
Jugendgewalt
Wenn der Respekt mit Füssen
getreten wird
Überforderte Eltern und Politiker schlagen Alarm, das Entsetzen in der Bevölkerung
nimmt zu – und viele Jugendliche finden‘s cool. Täglich machen die Medien mit Übergriffen auf
Passanten, Vandalismus, Hooliganismus und Bandenkriegen Schlagzeilen. Man könnte meinen,
Gewaltexzesse gehören zur Tagesordnung.
Der Mangel an Wertschätzung, sei es im Job,
im Elternhaus oder in zwischenmenschlichen Beziehungen, macht unsicher, löst Ängste aus und
kann zu Liebesentzugserscheinungen führen. Der
ständige Druck, den hohen Anforderungen der
Gesellschaft gerecht werden zu müssen, kann
Aggressionen auslösen und diese in ungeordnete
Bahnen lenken. Der Alkohol ist da ein willkommener «Retter in der Not» (Herbert Grönemeyer). Gut
drauf sein, die Hemmschwelle auf Null senken –
und ab geht die Post! Jetzt zeigen wir‘s denen,
die uns täglich Stress bereiten und Angst einflössen! Miteinander sind wir stark, alleine sind wir
schwach. In der Gruppe sind alle einer Meinung,
meine eigene Meinung zählt eh nicht, weil ich zu
schwach bin. Eine Meinung zu vertreten, erfordert
Charakter und Persönlichkeit. So ein Stress! Geben wir der Gruppe eine Identität – dann habe ich
auch eine, zwar nicht die eigene, aber meine Kumpels finden‘s cool!
Anerkennung in der Gruppe
Sich als Jugendlicher in Gruppen behaupten zu
müssen, ist nicht einfach und gehört nun mal auch
zur individuellen Entwicklung. Rebellion, das Auflehnen gegen Autoritäten, gibt Selbstvertrauen.
Und wenn das ZusammengehörigkeitsgeDer geringste
fühl mit Zutaten wie
Alkohol und Drogen «gestärkt» wird,
entsteht eine unheilvolle Dynamik.
Nicht selten werden dann Feindbilder gezüchtet, um Schuldige für die
«grausame Welt» zu finden. Auffallend ist, dass sich gewaltbereite
Jugendliche von ihren Gegnern sehr
schnell in die Enge getrieben fühlen;
da kann der geringste Augenkontakt
des «Feindes» genügen, um die
Bombe zum Explodieren zu
bringen.
Täter- und Opfersicht
Der Gewaltakt will Angst
einflössen. Da der Täter
sich selber als Opfer sieht
und somit unter massiven
Angstzuständen und Minderwertigkeitsgefühlen
leidet, möchte er seinem
Opfer Macht und Stärke demonstrieren. Ziel des Angriffs ist es,
das Opfer handlungsunfähig zu machen, halt
eben der Stärkere zu sein. Es mag ihm in diesem
Moment das Gefühl geben, im Leben nicht auf
der Verliererseite zu
stehen. In der HooliAugenkontakt ganszene spricht man
elektronischen Medien wie Handy und Internet
bekanntgegeben und als «Spiel» unter sich betrachtet. In diesem Beispiel können Verlierer für
ein paar Stunden zu Gewinnern werden. Gewalt- tigend und verletzt ihr Selbstwertgefühl, mit dem
übergriffe sind der Beginn selbstzerstörerischer Effekt, dass sie das Vertrauen in andere MenMachtdemonstration und enden meistens in gros- schen verlieren.
ser Depression. Sie sind Ausdruck von Hilflosigkeit, Resignation und Verzweiflung, welche Täter Aufmüpfiges Auftreten gehört zum jungen Menund Mitbeteiligte nicht nur in Verruf, sondern zu- schen und seiner Entwicklung. Er will und muss
sätzlich in ungeahnte Abgrundtiefen bringen und äussere und innere Grenzen spüren und erkennen,
wie weit er gehen darf.
oft vor der Justiz ihr
Da gehören auch ungrosses Finale haben.
Oft fehlt den JugendJeder Gewaltakt ist für die angenehme Erlebnisse
dazu, weil Wachstum
lichen das Mitgefühl
Opfer demütigend.
nicht nur mit der Sonfür ihre Opfer, obwohl
nenseite des Lebens
die gesundheitlichen
Folgen eines Übergriffs verheerend sein können. gefördert wird. Sich mit Menschen auseinanderSo können neben körperlichen Verletzungen auch zusetzen ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens.
psychosomatische Schädigungen wie Schlaflo- Menschsein bedeutet auch Ecken und Kanten zu
sigkeit, Depressionen, Angstattacken, Konzentra- haben, denn jeder hat auf seiner Reise seine eigetionsschwierigkeiten bis hin zu Suizidversuchen ne Aufgabe und seinen eigenen Weg. Auf diesem
auftreten. Jeder Gewaltakt ist für die Opfer demü- Weg gibt es ein Stichwort: Respekt!
» Daniel Köppel,
Polygraf Printagentur
Jugendgewalt
wissenschaftlich betrachtet
Folgende Risikofaktoren für Jugendgewalt sind bekannt:
1. Persönlichkeit und Einstellungen:
Hyperaktivität, Ruhelosigkeit, Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität, hohe Risikobereitschaft, geringe Fähigkeit Belohnungen
aufzuschieben, mangelnde Frustrationstoleranz, gewaltbefürwortende Einstellungen,
gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen,
geringes Scham-/Schuldgefühl gegenüber
Aggressivität
2. Familie: Geringe elterliche emotionale
Wärme, mangelnde elterliche Aufsicht, inkonsistenter und ineffizienter Erziehungsstil, tiefe
Beteiligung der Eltern an kindlichen Aktivitäten, elterliche Gewalt (gegenüber Kind), Streit
zwischen den Elternteilen und Kriminalität der
Eltern
3. Schule/Ausbildung: Schulische Probleme, Schwänzen, geringe schulische Motivation, unklare Regeldurchsetzung im Schulhaus,
negatives Schulhausklima, Chancenungleichheit, Schwierigkeit, einen Ausbildungsplatz
zu finden
4. Gleichaltrige und Lebensstil: Gewaltbefürwortende Normen unter Freunden, Delinquenz in der Clique, actionorientierter Lebensstil, Konsum von aggressionsfördernden
Medieninhalten
5. Nachbarschaft und soziales Umfeld:
Soziale Benachteiligung, geringer Zusammenhalt im Quartier, geringes Engagement für
geteilte Anliegen
nach einem Fussballspiel von der dritten
und entscheidenden Halbzeit.
Der Ort der Austragung wird meistens via
Quelle: Stiftung Kinderschutz Schweiz
des «Feindes» genügt – und
los geht‘s.
18 | unterwegs 1109
unterwegs 1109 | 19
Nachgefragt
Nachgefragt
Dummheit oder Hilfeschrei?
Was geht in einem Menschen vor, der Gewalt anwendet und Sachen beschädigt?
Unsere Mitarbeitenden haben eine klare Meinung dazu.
Nathalie Schmidt, Polygrafen-Lehrtochter
Jessica Gmünder, Polygrafen-Lehrtochter
Burim Pergjegjaj, Logistiker-Lehrling
Viele haben Aggressionen, die sie zu Hause nicht
ausleben können. Sie werden mit ihren Problemen
nicht fertig. Oft steht auch ein Gruppenzwang dahinter. Man will cool sein, um sich vor den Kollegen nicht schämen zu müssen. Vor allem fehlen
diesen Leuten oft die Hobbys. Vandalismus geschieht meistens bei übermässigem Alkohol- und
Drogenkonsum. Sie wollen die Bestätigung, dass
sie im Recht sind, weil sie das Gefühl haben, dass
sie schlecht behandelt werden.
Ich habe selber Jungs gekannt, um die sich die
Eltern zu wenig gekümmert haben und die dann
Beachtung suchten, indem sie zu Hause Sachen
demolierten. Sie sind so plötzlich zum Thema
Nr. 1 geworden. Wenn Jugendliche zu Hause geschlagen werden, leben sie es auf «öffentlichem
Material» aus. Ich stelle fest, dass Stadtkinder
eher mutwillig etwas kaputt machen als Dorfkinder. Im Dorf wächst man miteinander auf, in der
Stadt geht man unter.
Ich kann nicht verstehen, was der Reiz daran sein
soll. Es liegt sicher auch ein wenig an der Erziehung. Beide Elternteile arbeiten meistens. Auch
der Respekt vor den Eltern ist nicht mehr so da.
Früher war das schon anders. Kommt dazu, dass
viele keine Arbeit haben. Der Drogen- und Alkoholkonsum ist auch immer ein grösseres Problem.
Strengere Gesetze würden sicher vieles ändern.
Pablo Stoop, Lernender Vorlehrjahr
Matthias Burkhard, Lernender Vorlehrjahr
Franziska Baumann, Printmedienverarbeiterin
Ich habe Respekt vor öffentlichem Eigentum, deshalb randaliere ich nicht. Ich denke bei den Hooligans ist Hopfen und Malz verloren. Man müsste
deshalb schärfere Gesetze einführen. Vor allem
sollte man die ganze Gruppe bestrafen, nicht die
einzelnen Personen. Gefängnisstrafen hätten da
mehr Wirkung als Geldstrafen.
Die ganze Wut und Energie rauszulassen ist für
manche Leute wie eine Erlösung. Oft haben sie
Probleme zu Hause, wenn sie z.B. schlechte Noten nach Hause bringen oder einfach zu wenig
Aufmerksamkeit bekommen. Sie denken sich vielleicht: Lieber die Wut an einem Gegenstand als
an einem Menschen rauslassen. Gesetze würden
da nichts bringen. Die Bestrafung würde die Leute
noch mehr reizen, so was zu tun.
Ich finde es schade, dass diese Leute kein anderes Hobby haben. Meistens ist bei Sachbeschädigungen Alkohol im Spiel. Und wenn man in einer
Gruppe ist, hat man mehr Mut, so was zu tun, als
wenn man alleine ist. Der Täter ist dann gegenüber seinen Kollegen stolz darauf, was er getan
hat. Aber viele bereuen es im Nachhinein auch.
Michael Iseli, Printmedienverarbeiter
Brüggli schaut
genau hin
Tobias Bärlocher, Praktikant in der Logistik
Karin Xiao, Lernende Vorlehrjahr
Viele Junge haben eine Wut im Bauch, weil sie
sich nicht akzeptiert fühlen. Ich führe dies auf einen Generationenkonflikt zurück. Die Älteren sind
einfach anders erzogen worden als die Jüngeren.
Meine Eltern sind auf dem Bauernhof aufgewachsen, da war alles viel strenger. Entsprechend ist
auch ihr Auftreten anders. Das Hauptproblem
sehe ich aber beim Alkohol- und Drogenkonsum
und dem ganzen Gruppendruck, der damit zusammenhängt. Ich persönlich verstehe diese Leute
nicht.
Menschen, die das machen, wollen ein Zeichen
setzen und zeigen, dass auch sie etwas können.
Vielleicht stecken sie in einer Krise und wissen
nicht, wo sie Hilfe bekommen. Man muss aber
unterscheiden zwischen Personen, die das ernst
meinen, und denen, die es nur aus Spass machen.
Jeder, der kriminell ist, hat in der Kindheit etwas
Negatives erlebt, das ihn geprägt hat. Hinter jeder
Sachbeschädigung steht eine Geschichte.
20 | unterwegs11109
mha. Die Stellungnahmen auf diesen Seiten
zeigen es: Gewalt und Sachbeschädigungen
beschäftigen viele Menschen. Um sich diesem Thema professionell und mit der nötigen
Kontinuität widmen zu können, arbeitet Brüggli mit dem Forensischen Institut Ostschweiz
zusammen. Mit den Spezialisten aus Frauenfeld wurden aktuelle Fälle aus familiären,
schulischen, beruflichen und gesellschaftspolitischen Blickwinkeln thematisiert. Auch
juristische Aspekte und die Zusammenarbeit
verschiedener Fachstellen wurden beleuchtet.
Die Erkenntnisse fliessen kontinuierlich in den
Alltag von Brüggli ein. Zahlreiche Leitende
sind involviert und sensibilisiert. Dies mit dem
Ziel, positive Veränderungen bei gewaltgefährdeten Jugendlichen zu erreichen. Präventiv statt im Nachhinein: Mit diesem Rezept
macht Brüggli gute Erfahrungen.
Für mich ist es nicht schön zu sehen, wie alles
kaputt gemacht wird. Und es kostet dann alles
wieder viel Geld, dies zu reparieren. Anscheinend
muss es Spass machen, etwas zu zerstören. Diese
Menschen zeigen damit, dass sie ernsthafte Probleme haben.
Christoph Walter, Drucktechnologe-Lehrling
Es wird leider immer schlimmer, und die Hemmschwelle sinkt immer mehr. In der Erziehung
werden Grenzen nicht mehr aufgezeigt. Das ist
vor allem auf die Überforderung der Erziehungsberechtigten zurückzuführen. In einer Gruppe stehen alle hinter dir. Wenn dir fünf Kollegen sagen:
Mach das!, dann machst du es. Es ist dann relativ
egal, wenn fremdes Eigentum beschädigt wird.
Mit Sprayereien will man Aufmerksamkeit erwecken, weil es ja auch von vielen als Kunstform
angesehen wird.
» Notiert / Bilder: Daniel Köppel,
Polygraf Printagentur
unterwegs 1109 | 21
Tortour
Mit schweren Beinen den inneren
Schweinehund überwunden
Warum tun die sich das an? Mehr als 1000 Kilometer am Stück,
bei Tag und Nacht, rund um die Schweiz, fünf Pässe, mehr als 15 000 Höhenmeter:
Ja, das Radrennen «Tortour» wurde seinem Namen gerecht.
Freitag, 21.8.2009, 05.15 Uhr
Das Summen meines Handys reisst mich aus einem kurzen und unruhigen Schlaf. Ich bin sofort
hellwach, aufgeregt, tatendurstig. Im Hause regt
sich noch nichts; ich bin der erste, der aufgewacht
ist. Nach einer kurzen Morgentoilette wecke ich
meinen Zimmernachbarn Kurt Fischer, der noch
friedlich unter der Decke schlummert. Doch auch
er ist nach einem kurzen «Guten Morgen» sofort
putzmunter. Nur noch knapp eineinhalb Stunden,
und dann wird unser «Traum» Wirklichkeit ...
Was um alles in der Welt geht hier vor, und vor
allem: Was passiert hier noch?
Die Vorgeschichte
Wir, das sind Kurt Fischer, Nicola Waldvogel und
meine Wenigkeit, haben uns im Januar 2009
für ein tollkühnes Unterfangen angemeldet: die
«Tortour». Was für uns am Anfang auf Papier
übersichtlich und locker machbar schien, entwickelte sich, je mehr wir uns dafür engagierten
Kein Pass zu steil für’s Team Leggero.
und organisierten, zu einem Mammutunterfangen. gentlich alles erledigt, und es konnte beginnen.
So mussten wir mindestens vier Betreuer, einen Doch halt, fast vergessen hätte ich da noch die
Personenwagen und ein Wohnmobil organisieren Vorbereitung der Fahrer. Schliesslich radeln wir
– dies als Mindestanforderung der Organisatoren. um die ganze Schweiz, und bekanntlich geht es
Dann war die Frage nach einem Einheitstenue, da nicht nur bergab. So begannen wir, jeder mehr
vorzugsweise mit einer
oder weniger für sich,
Leggero-Werbung, zu
mit dem Training.
Das Rennen läuft während
beantworten. So machte ich mich zuerst ein- Tag und Nacht – eine Strapaze Das grösste Hindernis
mal auf die Suche nach
ist der innere Schweifür Fahrer und Betreuer.
Gönnern und wurde bei
nehund. Die Überwinder Schweizerischen
dung, regelmässig aufs
Mobiliar, Appenzell, einem befreundeten Archi- Rad steigen zu müssen, um auf den Punkt fit zu
tekten und Bauleiter und schliesslich noch beim sein, ist etwas ganz anderes, als wenn man aus
Leggero-Marketingteam fündig. So haben wir uns reiner Freude Velo fahren kann. Das war für mich
eine schöne Ausstattung angeschafft, angelehnt neu, und so dauerte es dann auch bis in die Soman den Leggero-Vento.
merferien, bis ich richtig ins Training einstieg. Das
hiess: Jeden zweiten Tag mindestens 80 bis 100
Aus unserem Bekannten- und Verwandtenkreis km abspulen – geradeaus, über Pässe, um den Bokonnten wir dann auch die entsprechenden Fahr- densee, ins Rheintal usw. So sammelte ich etwa
zeuge auftreiben, sodass wir im Frühsommer so 2500 km und war eine Woche vor dem Rennen
ziemlich alles beisammen hatten. Jetzt war ei- ziemlich platt. Das heisst, wenn ich vom Rad stieg,
konnte ich kaum noch Treppen steigen. Die Beine
waren im Dauerzustand schwer, und ich zweifelte,
ob ich mich jemals wieder auf mein Rad schwingen könnte. So brach ich zu diesem Zeitpunkt die
Vorbereitung ab und erholte mich die letzte Woche
vor dem Rennen von den Strapazen.
Der Countdown läuft …
Am Donnerstag, 20. August 2009, mussten wir
nach Neuhausen, um unser Team zu melden, die
Fahrzeuge und Velos kontrollieren zu lassen und
ein Fotoshooting zu bestreiten. Am Abend lud der
Veranstalter zu einem letzten Infoabend mit Pastaparty ein. Die Nacht verbrachten wir in Schaffhausen bei unserem Mitstreiter Nicola Waldvogel.
Und so sind wir wieder am Beginn dieser Geschichte.
Freitag, 21. August 2009
Der Startschuss zur ersten Tortour fällt pünktlich
um 7 Uhr. Die erste Etappe von Neuhausen nach
Steckborn fahren wir zu dritt im Team. Es sind
22 | unterwegs 1109
Trotz Strapazen die gute Laune behalten: Kurt Fischer, Rainer Mirsch und Nicola Waldvogel. Bilder: Alois Schütz, Luigi Berini
etwa 35 km. Von da an beginnt das Wechselspiel,
das heisst jeder Fahrer fährt immer eine Etappe, dann gibt es einen Wechsel und der nächste
Fahrer fährt weiter. Eine Etappe in der Mitte des
Rennens und die Schlussetappe fahren die Teams
dann wieder zusammen.
Der Weg führt uns durch das Rheintal in die Alpen
des Bündnerlandes. Über das Engadin und den
Julierpass fahren wir Richtung Andermatt. Über
den Gotthard und den Nufenen gelangen wir ins
Wallis, welches wir der Rhône entlang in Richtung
Genfersee durchqueren. Nach einem Abstecher an
die französische Grenze gelangen wir entlang dem
Neuenbugersee ins Jura. Von hier ist es nur noch
ein Katzensprung über Basel und Zurzach zurück
zum Rheinfall.
Sonntag, 23. August 2009
Um 4.30 Uhr nach 45 Stunden und 32 Minuten
treffen wir völlig erschöpft, aber allesamt gesund
und unfallfrei in der Zielarena in Neuhausen ein.
Unser Begleiterteam und ein paar verwegene Fans
jubeln uns zu, als wir die Bühne hochfahren und
unsere verdiente Tourmedaille abholen. Das Leiden und die Schmerzen sind verflogen, und nach
einer kurzen Feier sind wir dann alle froh, nach
Hause fahren zu können.
Ich danke meinen beiden Mitfahrern Kurt Fischer
und Nicola Waldvogel für die tolle Kameradschaft
vor, während und nach dem Rennen.
Die wahren Helden der Tortour
Ebenfalls herzlich bedanken möchte ich mich bei
unserem Begleiterteam, welches zum Schluss
nicht im Mittelpunkt stand und keine Medaille
erhielt, jedoch riesige Strapazen auf sich nahm
und so unseren Traum, die Tortour mitmachen zu
können, ermöglicht hat.
Teamchef:
1. Fahrer Begleitfahrzeug:
1. Fahrer Wohnmobil:
2. Fahrer Wohnmobil:
Physio und Massage:
» Rainer Mirsch,
Mitglied der Geschäftsleitung, Leiter Finanzen
Neuhausen
Steckborn
Start / Ziel
Ohne Halt rund
um die Schweiz
rmi. Die «Tortour» ist das erste mehrtägige NonStop-Radrennen der Schweiz. Es kombiniert die
besten Ideen aus allen bestehenden Langdistanzrennen. Damit ist das Rennen attraktiv für Leistungssportler, Breitensportler sowie Teamsportler.
Das Rennen läuft während Tag und Nacht – eine
grosse Herausforderung für Fahrer und Betreuer.
Das Rennen startet in Neuhausen am Rheinfall
und führt über rund 1000 km und 15 000 Höhenmeter rund um die Schweiz zurück nach Neuhausen
an Europas grössten Wasserfall.
Luigi Berini
Zvonko Pezelj
Josef Bilgery
Alois Schütz
Domenique Fischer
Eglisau
Laufenburg
Balsthal
Rorschach
Sonceboz
Buchs
Ins
Küblis
Bonaduz
Moudon
Disentis
Airolo
Aigle
Brig
Sion
Julierpass
Zernez
Impressionen
Herbstzauber
Im Herbst ist die Natur besonders schön.
Carol Bader, im 2. Lehrjahr zur Fotofachfrau,
hat genau hingesehen.
24 | unterwegs 1109
unterwegs 1109 | 25
Freizeit ist das halbe Leben
Auf und davon: Eine
Kulturreise nach Indien
Die Frage nach einer möglichen Steigerung des Rubriktitels «Freizeit»
lässt sich rundum positiv beantworten. Ganz einfach:
Freizeit – Ferien – Indien. Diese Steigerungsform erlebte Sabrina Hindermann,
Teamleiterin in der Arbeitsassistenz, im zurückliegenden Jahr.
Kamelführer in der Wüstenregion von Rajasthan.
Überall begegnen
dir Kühe.
Himachal Pradesh
, Exilheimat des
Aus den angepeilten Ferien nach Abschluss ihres
Sozialarbeiterin-Studiums wurde ein zehnmonatiger Break, der sie nach Indien führte und ihr
eine Fülle von Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen bescherte. Es war eine Reise, die sie
ohne nennenswerte Vorbereitung und Routenplanung bestritt – eine abenteuerliche, aufregende
Reise. Sabrina hat nun nach Beendigung ihrer
grossen Reise eine erneute Anstellung im Brüggli
aufgenommen.
Sabrina, warum bist du nach Indien gefahren? Hätte Mallorca nicht gereicht?
Ich wollte nach Abschluss meiner Ausbildung chen, Moscheen, Hochzeiten oder politischen Veretwas völlig Neues und Anderes erleben. Ande- anstaltungen dröhnen durch Lautsprecher Musik,
re Menschen, andere
Gebete oder Reden.
Landschaften, andere
In Indien herrscht un«Ich wollte nach Abschluss unterbrochen emsige
Kulturen kennenlernen,
und so habe ich mich meiner Ausbildung etwas völlig Betriebsamkeit. In den
für Indien entschieden.
Städten ist es wie in
Neues, Anderes erleben.» einem AmeisenhauKannst du uns Indien
fen, und alle scheinen
kurz beschreiben?
unterwegs zu sein. Da sieht man Motorräder, auf
Indische Städte sind unglaublich laut. Hupende denen sechs Personen sitzen und so unterwegs
Motorräder und Autorikschas (dreirädrige Taxis) sind – oder zu fünft auf einem Velo. Indien ist auch
überfüllen die Strassen, und von Tempeln, Kir- ein Land mit unglaublich schönen und vielfältigen
Indien
Start
Quelle: Wikipedia
Ziel
26 | unterwegs 1109
In der Aussensicht gilt Indien als ein Land
grosser Gegensätze. Wie sieht denn die Innenansicht aus?
Diese Gegensätze habe ich täglich erlebt. Als ich
in Indien ankam, war ich empört über den Abfall,
der überall herumliegt, und dass sich weder der In welche Landesteile führte dich die Reise?
Staat noch sonst jemand um dessen Beseitigung Ausgangsort war New Delhi, die indische
kümmert. Auf der anderen Seite kümmert sich Hauptstadt. Mit dem öffentlichen Verkehr (Busse
jede Hausfrau sehr um
und Eisenbahn) habe
Ordnung in ihrem Haus
ich dann einen grossen
«Mitten in engen Altstadt- Teil des Landes beund auf ihrem Vorplatz,
wo sie sauber wischt
gassen stehst du plötzlich reist, vom himalayund alles mit schönen
ischen Norden bis in
einer Kuh gegenüber.»
Blumen dekoriert. So
den heissen Süden
gäbe es viele Beispie(42 Grad Celsius im
le, bei denen arm und reich, schön und hässlich, Sommer). Das war dann immer verbunden mit
lustig und traurig Hand in Hand gegangen sind.
längeren und kürzeren Aufenthalten an den unterschiedlichsten Orten und Plätzen (siehe Fotos
Indien, das ist auch Gastfreundschaft. Sabrina Hindermann hat dies Schritt um Schritt erlebt. Bilder: Privatarchiv Sabrina Hindermann
• 3 287 590 km²
• 1148 Milliarden Einwohner
• Nach China der bevölkerungsreichste Staat
der Welt
• Bevölkerungsdichte: 349 Einwohner / km²
(Schweiz: 180,7)
• Hauptstadt: Neu-Delhi
• Wirtschaftliches Zentrum: Mumbai (Bombay)
• Nach Angaben der Weltbank haben 44% der
Einwohner Indiens weniger als 1 US-Dollar pro
Tag zur Verfügung
• Über 100 verschiedene Sprachen; Amtsspra chen: Hindi und Englisch
• Grosse Religionsvielfalt; in Indien entstanden
die vier Religionen Hinduismus, Buddhismus,
Jainismus und Sikhismus.
Einmal durch Indien: Sabrina Hindermanns Reiseroute.
Landschaften, mit grünen Reisfeldern und Kokospalmen, oder den rauen Ausläufern des Himalayagebirges im Norden, öden Steppen und sogar
Sand-Wüsten und unendlichen Meerlandschaften.
Und fast überall begegnet man Kühen und Hunden, die sich frei bewegen und jedes Stadt- und
Dorfbild beherrschen.
Dalai Lama.
Freizeit ist das halbe Leben
Spontanchaotischer Europatrip
Zuerst sollte es ein Ferienhaus in Frankreich sein. Dann eine Reise
durch Skandinavien. Am Ende beschlossen meine Freundin und ich,
mit dem Zug 10 Tage durch Europa zu reisen.
Im Land der Sikhs (goldener Tempel von Armitsar).
und Routenkarte). Die Reise hat mich nicht nur in
verschiedenste Landschafts- und Klimazonen geführt, sondern auch an Orte voller Geschichte(n)
und Schönheit. Zwischenzeitlich musste ich Indien verlassen, um mein Reisevisum zu verlängern.
Das führte mich nach Sri Lanka. Letztlich habe ich
beinahe vier Monate im Süden von Indien gelebt.
Dort besuchte ich regelmässig ein Ashram (Spirituelle Gemeinschaft) zum Meditieren, Singen und
zum persönlichen Austausch.
Welche positiven Erfahrungen und Erlebnisse nehmen in deiner Erinnerung die ersten Plätze ein?
Die Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen. Viele Leute sind sehr interessiert am
Westen, und daher ist es sehr einfach, mit ihnen
in Kontakt zu kommen. Ich wurde von einigen Familien zu Mahlzeiten und einmal sogar zum mehrtägigen Aufenthalt eingeladen.
Gab es auch schwierige Erfahrungen?
Als Tourist musst du besonders achtsam
sein, damit du nicht über den Tisch gezogen wirst. Da kann es schnell passieren, dass man versucht, dir Waren oder
eine Dienstleistung aufzuschwatzen, die du
nicht brauchst und zudem masslos überteuert
ist.
Hat dich Indien verändert?
Ich glaube, ich kann dem Leben offener und gelassener begegnen.
Warum bist du nicht geblieben?
Es war die richtige Zeit, um in die Schweiz
zurückzukehren!
» Paul Mattle,
Bereichsleiter Agogik, Printagentur
28 | unterwegs 1109
Jodpur, blaue Stadt (die blaue Farbe hält fliegendes Ungeziefer von den Wohnhäusern fern).
Paris
Mit der Metro verfuhren wir uns anfangs ein wenig. Doch das ist zu entschuldigen. Paris ist gross.
Schlimmer war, dass wir am falschen Fusse des
Eiffelturms anstanden und dann bis in den zweiten Stock Treppensteigen mussten. Wir waren fix
und fertig. Und bis ganz nach oben schafften wir
es zeitlich nicht mehr. Ob wir mit der Metro noch
zurück ins Hotel finden würden?
Amsterdam
Da wir nicht im Voraus gebucht hatten, hatten
wir keine Chance, einen direkten Zug von Paris
nach Amsterdam zu erwischen. Der «Thalys» ist
in der Hochsaison überfüllt. So fuhren wir einen
riesen Umweg nach Charleville (Übernachtung
im 2-Sterne-Hotel mit sagenhaften Betten), um
schliesslich am Nationalfeiertag durch Belgien
zu fahren, damit wir vier Stunden in Amsterdam
bleiben konnten, um dann mit dem Nachtzug nach
Prag zu fahren. Doppelmist.
In der Nacht mussten wir uns das Abteil mit nach
Bier und Fussschweiss stinkenden Leuten teilen.
Schräge Typen. Ich hatte die ganze Zugfahrt Angst
davor, ausgeraubt zu werden – konnte also kein
Auge zutun. Morgens um 4 Uhr stiegen die Leute
in Berlin aus. Juhui, ich lebe noch.
Prag
Je weiter wir in den Osten kamen, desto unruhiger
wurde ich. In Tabor machten wir Bekanntschaft
mir der männlichen Bevölkerung, die uns ungern
Steckbrief
• Planung = 2 Wochen
• Geld = 500 Euro in Bar (versteckt im Schuh)
• Unterkunft = 2 von 10 im Voraus gebucht
• Reisen = Interrail, Globalpass 5 für 10 Tage
• Züge = rennen, rennen und nochmals rennen
• Turbulenzen = mindestens 10 pro Tag
• Panorama = unbeschreiblich
• Spassfaktor = 100 %
Endlich Pause. Eine Zugreise durch halb Europa kann ganz anstrengend sein. Bild: Privatarchiv Rahel Schudel
wieder gehen liess. Begründung: Der Sonnenuntergang sei fantastisch. Hmm, lieber doch früher
weg.
Als wir wie die Wahnsinnigen auf den Nachtzug
rannten, dachte niemand daran, nachzuschauen,
in welchem Abteil unsere Betten sein würden.
So irrten wir 15 Minuten durch den Zug, vorbei an
grimmigen Aufpassern, die in weiser Voraussicht
einfach mal jeden als potenziellen Schwarzfahrer
betrachten.
Budapest
Die Missgeschicke nahmen kein Ende, dreimal
verpassten wir den Hop-on-Hop-Bus zur Stadtbesichtigung in Budapest. Natürlich mussten alle
Sehenswürdigkeiten im Schnelllauf fotografiert
werden. Was für ein Stress.
Wien
Mit Stadtplan und Herberge-Verzeichnis mussten
wir uns noch spätabends auf Bettsuche machen.
Gar nicht so einfach, wenn die Hälfte der Telefonzellen kaputt sind. Ein Glück, wir wurden (zwar
nicht ganz billig) fündig. Dann raus zum Prater, um
einen Kindheitstraum zu erfüllen: eine Runde mit
dem Riesenrad.
Einfach losziehen, das Wesentliche immer fest im
Blick behalten. Auch wenn man nicht weiss, was
dabei herauskommt. Auch auf Umwegen gelangt
man ans Ziel. Sie dauern vielleicht etwas länger.
Aber es lohnt sich.
» Rahel Schudel,
Polygrafen-Lehrtochter
unterwegs 1109 | 29
Freunde im Exil
Kolumne
Ernte gut,
alles gut
Herbst, die grosse Ernte steht an, und das
Wild sucht das Weite. Metzgete und Apfelmus sind voll im Trend. Doch mal ehrlich, der
Herbst verspricht nur wenig Gutes. Morgens
stehe ich vor meinem Kleiderschrank und
weiss nicht, was ich anziehen soll. Wenn
ich mich dann nach langem Hin und Her für
Jeans und Longshirt
entscheide, bereue
ich diese Wahl beim
Verlassen
unseres
Hauses schlagartig.
Es regnet. Nach zehn
Minuten bin ich tropfnass. Da Frau leider
keinen Föhn in der
Handtasche hat, darf
sie jetzt den ganzen
Tag mit einer zerstörten Frisur und nassen
Kleidern rumlaufen. Spätestens am Abend,
wenn man gemütlich vor dem heimischen
Fernseher sitzt, gilt es sich mit Taschentüchern einzudecken und sich die Nase wundzuschnäuzen. Was soll daran schön sein?
Trotz allen negativen Seiten des Herbsts findet das Brüggli eine gute daran: Man nehme
eine Eisenstange, stecke sie senkrecht in
einen Sockel, spiesse Schwemmholz daran
auf, behänge es mit Äpfeln – und fertig ist die
Michael Iseli Herbstdekoration.
(Druck Ausrüsterei)Sieht schön aus, aber Äpfel
neigen nun mal dazu, ein Eigenleben zu entSiewie
faulen
munter vor
Für mich ist wickeln.
es nicht Anders
schön gesagt:
zu sehen,
alles
sichwird.
hin. Ganz
Fliegen,
kaputt gemacht
Und zur
es Freude
kostet der
dann
alles die kurz
vor dies
Sendeschluss
nochAnscheinend
einen idealen Platz
wieder viel Geld
zu reparieren.
gefunden
ihre
Eier abzulegen.
muss es Spass
machen,haben,
etwas zu
zerstören.
Diese Wäre
ja auch
wenn solches
Menschen zeigen
abernicht
auchweiter
damit, schlimm,
dass sie ernstnicht
gerade vor unserem allseits beliebten
hafte Probleme
haben.
Restaurant stattfinden würde. Man freut sich
auf ein schmackhaftes Menu und trifft kurz
davor noch auf einen halb lebendigen Apfel.
Bald ist Weihnachten, dann kann man anstatt
Äpfeln Orangen aufhängen. Wie ich gehört
habe, gibt es dann auch keine Fliegen mehr.
» Jessica Gmünder,
Polygrafen-Lehrtochter
30 | unterwegs 1109
Aufräumtrupp in Aktion. Bild: Michel Frischknecht
Scharfe Zacken für exakte Profile und Rohre.
Lernende der Logistik
säubern Seepark
Es gibt nichts Schöneres als in der Znünipause sich auf einer Bank am See zu
lümmeln, den Blick aufs Wasser zu
geniessen, sich die Sonne ins Gesicht
scheinen zu lassen, Kaffee zu trinken
und das Znünibrot genüsslich zu verspeisen. Getrübt wird die perfekte
Pause nur von den vielen weggeworfenen Zigarettenkippen und dem herumliegenden Müll.
Auf diese Misere aufmerksam geworden, kam die
Idee auf, jeweils am
Freitagnachmittag den
Seepark in Romanshorn zu
reinigen. Die Lernenden der Logistik gehen
jedes Mal voller Elan hinter die Säuberung
der Parkanlage. Und das lohnt sich. So haben
die Lehrlinge zum Beispiel innert einer halben
Stunde sage und schreibe 544 Zigarettenkippen gesammelt. Schon gewusst?: Eine Zigarettenkippe verschmutzt 200 Liter Seewasser, was
ungefähr dem Fassungsvermögen einer Badewanne entspricht. So gesehen haben die
Lehrlinge der Logistik durch ihre Aktion
108 800 Liter Wasser geschützt.
» Jonathan Trüeb,
David Grünenfelder,
Praktikanten Logistik
Die Kreissäge ist zum Zuschneiden unerlässlich. Bilder: Rahel Signer
Die Zuschneiderei
Die meisten Abteilungen von Brüggli sind an der Hofstrasse untergebracht.
Aber nicht alle. In der neuen Rubrik «Freunde im Exil» kommen unsere
Kollegen in den Aussenposten zu Wort – diesmal die Zuschneiderei.
Anfangs wurden die Profile und Rohre aus Aluminium, Eisen und Chromstahl noch in der Mechanik
im Brüggli an der Hofstrasse zugeschnitten. Wir
schnitten das Material auf das nötige Längenmass
zu und bereiteten es für die Weiterverarbeitung in
der Mechanik vor, wo zum Beispiel Löcher gebohrt,
Rohre gebogen, Flanschmatten gekrimmt und Gewinde gedreht werden. Wir erledigten unsere
Zuschneide-Arbeiten zumeist an einer Aluminiumkreissäge mit hoher Drehzahl; das Kreissägeblatt
betätigten wir von Hand. Ausserdem arbeiteten
wir mit einer Eisen- und Stahlsäge mit härterem
Sägeblatt und niedrigerer Drehzahl sowie mit einer Bandsäge.
Herstellung der Dog-Boxen nötig ist, haben wir
von der Mechanik zu uns verlagert.
Das in Päcke gebündelte Material kam manchmal
mit dem Sattelschlepper bei uns an, und wir schoben es auf Rollböcken in die Werkstatt, nachdem
es vom Dieselstapler heruntergeladen worden
war. Mit der Ameise (elektrischer Handstapler)
hoben wir das Material auf unsere Lagerregale.
Der zweite Umzug
Unsere Räume wurden schon bald wieder sehr unpraktisch und zu klein. Also zogen wir im Juni 2008
in die Firma Hydrel am See um. Natürlich packte
unser Team bei allen Umzügen mit an; wir würgten
und krampften, ohne dass etwas zu Bruch ging.
Der erste Umzug
Allmählich wurde unser Platz zu knapp und die Arbeitsauslastung grösser. Die Profile und Rohre sind In der Hydrel haben wir genug Platz. Das Materialja meist in schweren, sperrigen Päcken angeliefert lager ist rund acht Meter hoch, unsere Maschinen
worden und hatten eine Länge von 5 bis 6,2 Meter. lassen sich gut platzieren, und die ZusammenarAlso zogen wir im November 2004 um und hatten beit mit der Logistik, die auch in der Hydrel eingein der Firma Romo Bauabdichtungen unser eigenes mietet ist, funktioniert reibungslos – zum Beispiel
bei der Bereitstellung
Aussenlager. Alsbald
Stangenpäcke
bekamen wir eine neue
Die Zuschneiderei bereitet der
zwecks Bearbeitung
automatische AluminiRohre und Profile für die
an unseren Schneideumschneidemaschine
Damit das
dazu, mit der wir vier
Weiterverarbeitung in der maschinen.
von uns zugeschnittene
Profile oder sechs bis
Mechanik und Montage zu. Material sauber und in
acht Stangen-Rohre in
praktischen Einheiten
der Reihe durchlaufen
lassen konnten. Später wurde unsere Ausstattung zur Weiterverarbeitung ins Brüggli (Mechanik
durch eine Gewindeschneidemaschine ergänzt, oder Montage) gelangt, haben wir eine neues
mit der wir zwei M6-Gewinde links und rechts in Behälter- und Palettensystem eingeführt. Zusätzein 3f-Profil drehen konnten. Diese Arbeit, die zur lich erhielten wir eine neue Aluminiumkreissäge
sowie einen älteren Stahlkreissägeautomaten für
kleinere Bündelschnitte.
Das Team setzt sich mittlerweile
nicht mehr ganz aus den Alten zusammen.
Viele Lehrlinge aus der Mechanik und Montage
helfen uns teilzeitig aus. Natürlich haben wir hin
und wieder Differenzen und ein wenig Streit im
Team, aber das legt sich stets wieder, obschon die
«Goldene Regel» (Wir behandeln andere so, wie
wir selbst behandelt werden wollen.) im wörtlichen Sinne nicht immer eingehalten wird.
Besonders erwähnen möchte ich noch unseren
Alex Brander. Er sorgt dauernd für Stimmung und
hat einen eisernen Arbeitswillen. Er ist seit Langem Mitarbeiter von Brüggli und hat meines Wissens noch keinen Tag gefehlt.
» Thomas Grob,
Zuschneider Mechanik
unterwegs 1109 | 31
Dies &Das
Dies &Das
Gesund – und
erst noch gratis
Technische Dienste konzentrieren
sich am Brüggli-Hauptsitz
mha. Im Eingang zur Gastronomie Usblick steht
einmal in der Woche frisches Obst bereit – zum
Beispiel knackige Äpfel, frisch vom Morgentau geküsst. Wer mag, kann kostenlos zugreifen.
kfi/sbu. Der Werkstattbereich der Technischen
Dienste ist bis anhin extern niedergelassen, nämlich an der Hafenstrasse. Per Ende Jahr zieht er
ins Brüggli-Hauptgebäude an die Hofstrasse um.
Dies, um die Betreuung der technischen Anlagen
(Heizung, Lüftung, Klima) optimal wahrnehmen zu
können.
Die Äpfel schmecken super. Und wer noch mehr
gute Gründe braucht:
Soviel Sie mögen, für nur CHF 10.50.
Montag bis Freitag, ab 8 Uhr.
www.usblick.ch
Gut, viel, günstig
mha. In der Brüggli-Gastronomie Usblick gibt’s von
Montag bis Freitag ab 8 Uhr ein Frühstück mit allem, was für einen guten Start in den Tag hilfreich
ist. Für 10.50 Franken kann man so oft zugreifen
wie man mag.
Dachterrasse
über Mittag offen
mha. Im Herbst und Winter ist die Dachterrasse
der Gastronomie Usblick montags bis freitags zu
folgenden Zeiten geöffnet: 9 bis 10.30 Uhr; 12 bis
13 Uhr; 14.30 bis 15.30 Uhr. Wer mag, kann seine
Pause also auch während der kälteren Jahreszeit
über den Dächern Romanshorns geniessen.
• Äpfel regulieren die Verdauung.
• Äpfel stabilisieren die Darmflora und damit das
Immunsystem.
• Äpfel fördern einen guten Schlaf.
• Äpfel verlängern die Konzentrationsfähigkeit.
• Äpfel lösen Harnsäure auf (Rheuma, Gicht).
• Äpfel senken den Cholesterinspiegel.
• Äpfel stärken die Abwehrkräfte.
• Äpfel stärken das Zahnfleisch.
• Und: Äpfel wachsen in der Region.
32 | unterwegs 1109
Im freiwerdenden Raum an der Hafenstrasse
soll ein Verkaufsladen eingerichtet werden, wo
Produkte von Brüggli und auch externe Nischenprodukte angeboten werden.
Gute Gründe fürs
Treppensteigen
mha. Die Lifte im Brüggli sind für gehbehinderte
Kolleginnen und Kollegen unverzichtbar. Damit
sie nicht lange auf den Lift warten müssen, sind
alle, die gut zu Fuss sind, dazu aufgerufen, regelmässig die Treppe zu benutzen. So wird auch den
Putz- und Serviceleuten sowie generell allen, die
sperriges und schweres Material zu befördern haben, die Arbeit leichter gemacht. Treppensteigen
ist gesund, regt Herz und Kreislauf an, fördert die
Muskulatur und steigert die Belastbarkeit.
Alpenblumen und Bergvieh im Treppenhaus
mha. Grad einladend wars nicht,
das Treppenhaus, das den alten
Haupteingang (Hof 5) mit dem
Usblick verbindet. Doch jetzt
wird alles anders: Frisch gestrichene Wände und Naturbilder
vertreiben die Langeweile und
den Mief.
Sonntagsbrunch: Er läuft
und läuft und läuft
mha. Immer am letzten Sonntag im Monat lädt die Brüggli-Gastronomie Usblick zum währschaften Sonntagsbrunch ein. Der letzte Sonntagsbrunch im
2009 findet am 20. Dezember statt – inklusive musikalischer Überraschung.
Wie immer gilt: Eine Platzreservation ist empfehlenswert. Kontakt: Telefon
071 466 94 83, usblick@brueggli.ch
Mit diesem Schritt konzentrieren sich die Technischen Dienste am Brüggli-Hauptsitz. Diese Massnahme kommt besonders auch den Lehrlingen
zugute. Denn sie erlernen ihr Handwerk in einem
modernen technischen Umfeld: in einem der grössten und komplexesten Minergie-P-Gebäude der
Schweiz, wenn nicht sogar Europas. Die Lehrlinge
werden diese Anlagen verstehen und instandhalten lernen. Wer sich damit auskennt, dürfte bei
der Stellensuche einen Vorsprung haben.
Die Bilder zeigen das Alpsteingebiet.
Stockwerk um Stockwerk bringen sie uns eine
zauberhafte Tier- und Pflanzenwelt näher – von den blühenden Wiesen über steinige Alpen und urige Wälder bis hin
zum Gipfel, der stolz die Wolken kitzelt.
Immer am letzten Sonntag im Monat
Warum solche Bilder? Die schönen Aussichten auf der Dachterrasse inspirierten dazu. Schliesslich handelt es sich um die höchstgelegene öffentliche
Aussichtsplattform in Romanshorn. Von hier aus sind die Berge zum Greifen
nah. Ausserdem vermittelt die Dachterrasse mit Ruhezone, Kneippkanal und
Biergarten viel Gemütlichkeit. Und der Aufstieg, wenn er nicht mit
dem Lift erfolgt, kommt einer kleinen Wanderung gleich.
Diese Verschönerung ist erst der Anfang. In
weiteren Schritten soll der gesamte Eingangsbereich im Hof 5
aufgefrischt werden, damit
Aussenstehende besser in
die Gastronomie Usblick finden. Ausserdem wird auch die
Dachterrasse einige dekorative
Ergänzungen erhalten, welche
die Nähe zu den regionalen Bergund Wanderparadiesen unterstreichen sollen.
unterwegs 1109 | 33
Brückenschlag
Dies &Das
Verein Brüggli
erwirbt Bauland
mha. Die Wiese auf der anderen Seite der Hofstrasse, ein Steinwurf vom Brüggli entfernt, ist
neu im Besitz des Vereins Brüggli. Er hat das rund
8000 Quadratmeter grosse Grundstück erworben,
um Platz für neue Projekte zu haben.
Zertifizierte Qualität
mha. Brüggli hat im September das jährliche Überwachungsaudit durch die
SGS (Société Générale de Surveillance SA) wiederum vorbildlich bestanden.
Das Zertifikat ISO 9001:2008 zeichnet die wirtschaftlichen, das Zertifikat
BSV/IV 2000 die sozialen Leistungen aus.
Brüggli wäscht und bügelt
mha. Die moderne Wäscherei der Technischen
Dienste bewährt sich. Mit den beiden IndustrieWaschmaschinen können bis zu 680 kg Wäsche
pro Tag bewältigt werden: Tischtücher, Duvets,
Berufskleider, Putzlappen und mehr. Das entspricht
dem Bedarf eines Altersheims mit über 100 Betten
oder eines Hotels mit 80 Zimmern und Restaurant.
Und wer trocknet und glättet all das Zeugs – zum
Beispiel die vielen Tischtücher und Servietten im
Usblick oder die Handtuchrollen auf den Klos?
Zu diesem Zweck gibt's die neue Muldenmangel,
die jeder unerwünschten Falte zu Leibe rückt und
selbst aus kräftigsten Stoffen den letzten Tropfen
Feuchtigkeit presst.
34 | unterwegs 1109
Ausserdem verfügen die Technischen Dienste über
eine starke Bügelstation. Der Name «Dino Top»
lässt erahnen, dass auch hier in grossen Einheiten
gerechnet wird.
Mit dieser Infrastruktur ist Brüggli auch für externe Aufträge gerüstet. Ausserdem steht das Angebot auch für alle, die im Brüggli arbeiten: Hemden,
Hosen und Bettwäsche, zum Beispiel, können zu
einem fairen Preis den Technischen Diensten anvertraut werden.
Unser Partner:
Die Mosterei Möhl AG
Auf dieser Seite kommt jeweils ein Geschäftspartner von Brüggli
zu Wort – dieses Mal die Mosterei Möhl AG aus Arbon-Stachen, die
unsere Gastronomie Usblick beliefert.
Bitte stellen Sie unseren Lesern die Moste- Wie gefällt Ihnen die Gastronomie Usblick?
Beim letzten Besuch auf der Dachterrasse beim
rei Möhl kurz vor.
Die Mosterei Möhl AG wird in vierter Generation Apéro und bei einem feinen Essen im Restaurant
von den Inhabern Ernst und Markus Möhl geführt haben wir uns spontan entschlossen, für nächstes
und beschäftigt 60 Mitarbeitende. Wir haben uns Jahr den Churfirstensaal für unser JahresendEssen zu reservieren;
auf die Herstellung von
wir werden mit 85
Apfelsäften und Apfelweinen spezialisiert. Tradition und die Verankerung Personen im Usblick zu
Gast sein.
Die Rohstoffe stamin der Region
men aus den Kantonen
sind für uns sehr wichtig.
Wieweit ist für Sie
Thurgau und St.Gallen.
von Bedeutung, dass
Lokal, in Arbon, führen
Brüggli und die Gastronomie Usblick ein Sowir einen Getränkehandel mit Handelsprodukten.
zialunternehmen sind?
Die Saftpressen laufen bei Ihnen derzeit be- Der Oberthurgau darf stolz sein, ein soziales Unstimmt auf Hochtouren. Wie bewerten Sie ternehmen dieser Art zu haben. Im heute immer
härter werdenden Konkurrenzkampf in der Wirtdie diesjährige Obsternte?
Im Oktober pressen wir jeweils die Hälfte der Apfelernte, die zwischen Mitte August und anfangs
November stattfindet. Dieses Jahr haben wir eine
mittlere Ernte. Hagelschäden haben aus Tafelobst
mehr Mostobst gemacht, zum Teil aber auch die
Ernten aus Hochstammbäumen verringert.
schaft wird die Anstellung von Menschen mit
Schwächen immer seltener. Darum sind solche
Unternehmen von grösster Wichtigkeit.
Wollen Sie unseren Lesern noch etwas sagen?
Den Mitarbeitenden im Brüggli und in der Gastronomie Usblick gratulieren wir zu diesem Betrieb.
Den Lesern empfehlen wir einen Besuch im Usblick.
Vielen Dank, Ernst und Markus Möhl, für Ihre Worte und unsere Zusammenarbeit.
Notiert: Michael Haller,
Kommunikationsverantwortlicher
Die Mosterei Möhl ist ein Familienunternehmen. Welchen Stellenwert hat die Tradition
für Sie?
Tradition und die Verankerung in der Region sind
für uns sehr wichtig. Unsere Produkte sind für viele Menschen ein Stück Heimat und Identität. Wir
blicken mit unseren traditionellen Produkten in die
Zukunft und sind stolz darauf, dass wir immer wieder das richtige Gespür für Trends und Bedürfnisse
haben – wie zum Beispiel mit unserem Klassiker
«Arbona», ein Mischgetränk aus Apfelsaft und
Orangenlimonade, das wir jüngst unter dem Namem «Fifty Fifty» neu lanciert haben.
Sie beliefern unsere Gastronomie Usblick.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit mit der Gastronomie Usblick
ist für uns erfreulich. Wir schätzen diesen für unseren Getränke-Service grossen Kunden sehr.
Markus Möhl (links) und Ernst Möhl, Geschäftsführer der Mosterei Möhl AG. Bild: zVg.
unterwegs 1109 | 35
Rätsel
Industriecenter
Wer findet die fünf Unterschiede?
Verlosung unter allen richtigen
Einsendungen:
Gutschein vom
Usblick im Wert
von CHF 50.–
Einsendeschluss: 31. März 2010
Der Gewinner oder die Gewinnerin wird
im April 2010 persönlich benachrichtigt.
«Western Heroes»
beleben Heimtiermärkte
mha. Die Hundeboxen von «4pets», bislang als
«s-line» bekannt, sind neu unter dem Namen
«Western Heroes» im Angebot. Die Boxentypen
heissen Billy the Kid, Jesse James, Jack Dalton,
Buffalo Bill und Rantanplan und sind in rund 1000
Heimtiermärkten von «Fressnapf» in der Schweiz
und in Deutschland erhältlich.
Ihren ersten grossen Auftritt hatten die «Western
Heroes» am Fressnapftag in Aarau, eine Schau
rund ums Haustier mit rund 10 000 Besuchern.
Die «Western Heroes» inszenierten stilgerecht ein
Wildwest-Ambiente – und landeten damit einen
Volltreffer.
Weil das Echo so gut war, gehen die «Western
Heroes» mit ihrer Wildwest-Einrichtung auf Tour.
Sie sind in verschiedenen Filialen von «Fressnapf»
zu Gast. Los geht’s Ende November in Frauenfeld.
Or i g in
al
Zweimal dasselbe Bild – mit fünf kleinen
Unterschieden. Wer findet alle? Kreisen Sie
die entsprechenden Stellen ein und senden
Sie den Talon vollständig ausgefüllt per interner Post an:
• Michael Haller, CC/CD, Printagentur.
Wenn Sie nicht im Brüggli tätig sind, senden Sie
Ihren Talon in einem frankierten Kuvert an:
• Brüggli, Rätsel «Unterwegs», Hofstrasse 3+5,
8590 Romanshorn.
Vorname
ng
hu
Fälsc
Name
Strasse / Nr.
PLZ / Ort
Telefon
Brüggli-MitarbeiterInja
nein
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Keine Barauszahlung des Gewinnes.
36 | unterwegs 1109
Gewinnerin der Verlosung im letzten «Unterwegs»:
Monika Reber, Mitarbeiterin Textil.
Herzlichen Glückwunsch!
unterwegs 1109 | 37
Jubiläen
Alex Brander
Jörg Kuster
hwiler
Marcel Bucher
Alexander Gä
Reinhard Bär
15 Jahre
Valerie Egloff
Esther Hobi
Heinz List
Jubilarinnen und Jubilare
Juli bis Dezember 2009
Teamleiter Mechanik
Mitarbeiter Montage
Mitarbeiter Mechanik
Mitarbeiter Druckerei
Mitarbeiter Mechanik
Centerleiter Qualitätskontrolle
17.7.2009
1.9.2009
31.10.2009
1.11.2009
6.11.2009
1.12.2009
1.9.2009
1.11.2009
Centerleiter Informatik
Mitarbeiterin Textil
Wohnagoge
Mitarbeiterin ASCOL
Mitarbeiterin Qualitätskontrolle
Mitarbeiterin Montage
Mitarbeiterin Textil
Mitarbeiter Montage
1.8.2009
9.8.2009
1.9.2009
15.9.2009
20.9.2009
1.10.2009
1.11.2009
1.12.2009
10 Jahre
Reto Egger
Ruth Niederer
Rolf Bürkler
Susanne Nägele
Sandra Iseli
Agnes Rusterholz
Sabine Marti
Erich Huber
20 Jahre
Heinz List
Marcel Bucher
Reinhard Bär
Alexander Gähwiler
Alex Brander
Jörg Kuster
Mitarbeiterin Technische Dienste
Mitarbeiterin Qualitätskontrolle
Valerie Egloff
Susanne Nägele
Herzlichen Glückwunsch
Die Geschäftsleitung von Brüggli dankt allen Jubilarinnen und Jubilaren für
ihre Treue und ihren Einsatz. Alles Gute für die Zukunft!
Reto Egger
Rolf Bürkler
Sabine Marti
Esther Hobi
Ruth Niederer
Agnes Rusterholz
38 | unterwegs 1109
Sandra Iseli
unterwegs 1109 | 39
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