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110109 Baptist - Teil 7 T wie Trennung von Kirche und Staat

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09.01.2011
B.A.P.T.I.S.T - T wie Trennung von Kirche und Staat
Leben in zwei Welten
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Letzten September habe ich eine Predigtreihe unter dem Motto „7 gute Gründe BAPTIST zu
sein“ gestartet - manche erinnern sich vielleicht noch dunkel? Eine Reihe darüber, was uns als
Baptisten eigentlich ausmacht… Durch die bewegende Ausstellung „The Forgiveness Project“
im Nov und die Advents- und Weihnachtszeit kam ich bisher nicht dazu, den letzten Teil
hinzuzufügen, das will ich nun heute tun.
„7 gute Gründe BAPTIST zu sein“ - Es gibt sicher noch mehr Gründe, aber ich habe diese 7
Gründe ausgesucht, die sich an den 7 Buchstaben des Wortes Baptist orientieren. Viele dieser
Gründe gelten nicht nur für unsere Gemeinde und unseren Bund, und ich will diese Reihe auch
nicht so verstanden wissen, dass wir uns als etwas besserer oder exklusiveres fühlen.
Wir sind auch als Baptisten keineswegs unfehlbar und haben auch unsere Macken, aber es gibt
gute Gründe, sich gerade dafür zu entscheiden, Baptist zu sein und gerade ich als
Wahlbaptist, kann sagen, bin gerne Baptist. Ich hoffe, das sind wir alle, Wahlbaptisten, ich bin
nicht in einer baptistischen Familie groß geworden, aber ich hoffe, auch diejenigen, die in einer
baptistischen Familie ausgewachsen sind, haben sich aus freien Stücken dazu entschieden,
sich taufen zu lassen und hier in dieser Gemeinde Mitglied zu werden, falls sie es sind…
Als Wiederholung und Auffrischung:
„B wie… Bibel“ die Bibel als zuverlässiges Fundament für unseren Glauben – daran
orientieren wir unser Leben
„A wie… Autonomie der Ortsgemeinde“ – Selbständig als Ortsgemeinde hier in SZ, aber
verbunden in unserem Gemeindebund und mit anderen Christen in D und weltweit.
„P wie… Priestertum aller Glaubenden“ – jeder Glaubende ist Priester, das heißt, er kann in
direktem Kontakt mit Gott treten und ist Gottes Mitarbeiter, im Prinzip gibt es keine Aufgabe, die
nur ein Pastor machen dürfen, anders als in der ev. und kath. Kirche!
Wobei Baptistengemeinden trotzdem einen Pastor haben, um in Lehre und Seelsorge
jemanden zu haben, der fundiert ausgebildet ist und vieles übernimmt und Zeit für Dinge hat,
die für Ehrenamtliche eben nicht zu schultern wären…
„T wie.. Taufe“ – Wir taufen einen Menschen, wenn er glaubt, dass Jesus auch für ihn
gestorben ist und seinem Leben eine gute Richtung geben will – Taufe, geht daher „I“ voraus:
„I wie… Individuelle Glaubensentscheidung“
Dafür gibt es kein besonderes Lebensalter oder ein besonderes Muster – Menschen hören
Gottes Einladung sehr unterschiedlich und treffen dann eine Entscheidung für ihn.
„S wie… soziale Gerechtigkeit“ – der Einsatz auch gegen die Not der Menschen – zur
Mission kommt die Diakone dazu, beides gehört ganz eng zusammen. Das sehen wir bei
Jesus, der Menschen geheilt hat, ihre Not gesehen hat (Diakonie) und ihnen das Evangelium
erklärt hat, das ewige Leben geschenkt (Mission).
Die Predigten der Reihe sind auch auf unserer Homepage nachzulesen! – die von heute
kommt auch dazu.
Heute also: T wie „Trennung von Staat und Kirche“,
oder wie ich es genannt habe, das „Leben in zwei Welten“.
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B.A.P.T.I.S.T - T wie Trennung von Kirche und Staat
Leben in zwei Welten
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Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Kirche und Staat – warum stehen wir für eine
Trennung, anders als die katholische oder evangelische Kirche, die sehr eng mit dem Staat
verquickt ist, der Staat die theologische Ausbildung finanziert und die Kirchensteuer für die
Kirchen einzieht?
Das Verhältnis zwischen Kirche / Religion und Staat ist ein sehr brisantes Thema:
Der Anschlag auf die koptische Kirche in Alexandria in Ägypten vom 31.12. mit mind. 22
Todesopfern und die Anschläge auf in Christen in Zentralnigeria und im Süden der Philippinen
mit mind. 38 Toten als Beispiele aus den letzten Wochen.
Und drei Meldungen aus dieser Woche – der Präsident der Vereinigung Protestantischer
Kirchen in der Türkei, Pastor Behnan Kontugan wurde unter Polizeischutz gestellt, wegen eines
Drohenden Anschlags. Im Kosovo wurde ein einheimischer Christ nach dem Besuch eines
evangelischen Gottesdienstes überfallen und zusammengeschlagen…
Im Iran wurden 25 Christen, darunter Leiter missionarisch aktiver Christen verhaftet.
Das ist nicht neu, da passiert schon lange viel im Verborgenen gegen Christen, aber so
sichtbar und von der Öffentlichkeit wahrgenommen, das ist wirklich neu… daher ein gutes
Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen
…
Zu diesem Thema möchte ich wieder mal einen kurzen Sinkflug über 2000 Jahre
Kirchengeschichte machen:
Warum ist mir das Geschichtliche wichtig? Mir war das lange egal: Ich lebe doch in der
Gegenwart – ja, richtig, aber wir sollten lernen aus den Fehlern der Vergangenheit!
Darum heute ein Stückweit Kirchengeschichte, ich hoffe ihr seid bereit mitzugehen, auch wenn
die Predigt damit heute etwas theoretischer wird.
Ich mache vier Stationen, die vier Positionen beschreiben:
1. Der Staat herrscht über die Kirche
2. Die Kirche herrscht über den Staat
3. Christen gehen dem Staat aus dem Weg
4. Christen durchdringen den Staat und die Politik
1. Der Staat herrscht über die Kirche bzw. die Christen
In den ersten drei Jahrhunderten der Kirchengeschichte waren die Christen im römischen Reich
eine Minderheit.
Mitunter wurden sie brutal verfolgt und unterdrückt, weil sie sich nicht der herrschenden
Ideologie anschließen wollten.
Opfer für den Kaiser lehnten die ersten Christen als Gotteslästerung ab. Eine Anpassung an
den Zeitgeist war ihnen aus Glaubensgründen unmöglich. Demgegenüber
forderte der römische Staat die Unterwerfung unter den obersten Souverän, den Cäsar. Damit
war der Konflikt vorprogrammiert.
Dieses Verhältnis ist keine geschichtliche Anekdote, sondern war Realität und ist auch heute
Realität in vielen Ländern der Erde.
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Man schätzt, dass etwa 5-10% der Christen um ihres Glaubens willen verfolgt werden oder
erhebliche Nachteile in ihrer jeweiligen Gesellschaft in Kauf nehmen müssen – und das ist eine
ganze Menge.
In der Regel sind es totalitäre Staaten, die Religion und Glauben als Konkurrenz ansehen und
ihre Ausbreitung und Entfaltung verhindern. Der Staat tritt in der Regel selber mit einem
religiösen Anspruch auf, versteht sich als letzte Instanz, die alle Antworten auf die Fragen der
Menschheit hat. Heute sind 80% aller religiös Verfolgten auf der Welt Christen.
Besonders das 20. Jahrhundert brachte zwei Ideologien hervor, in denen der Staat sich quasi
religiöse Vollmachten anmaßte, die die Situation der Christen schlagartig verschlechterte: der
Faschismus und der Kommunismus. In beiden Systemen wurden die Kirchen systematisch
bedrängt, mitunter bis zur offenen Verfolgung. Die Kirchen hatten in einem solchen System
kaum Möglichkeiten der politischen Einflussnahme. Ihr Einfluss ist nicht gewollt und wird
deshalb zurückgedrängt.
Ein Zustand, den es aktuell heute eben auch gibt, aber nicht bei uns in Deutschland –
Zurück in die Kirchengeschichte – was folgte auf diese erste Phase der Herrschaft des
Staates über die Kirche?
Genau das Gegenteil: Im vierten Jahrhundert wurde das Christentum zur Staatsreligion – die
verfolgte Kirche entwickelte sich zur verfolgenden Kirche –
2. Die Kirche herrscht über den Staat
Für uns heute eine sehr exotische Vorstellung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat.
Wir leben in einer demokratischen Verfassung mit religiöser Neutralität. Aber über viele
Jahrhunderte gab es diese Form.
Damals stand die Kirche, konkret in der Form der römischen Kirche, über dem Staat und
bestimmt seine Politik. (Hier symbolisch ein Bild vom Petersdom in Rom) - Die biblischen
Prinzipien des Zusammenlebens sollten auch für den weltlichen Staat gelten. Der Papst, als
Repräsentant der
Kirche, fungierte auch als entscheidender „Strippenzieher“ der säkularen Macht. Der geistliche
Herrscher stand über dem
weltlichen Herrscher, das „Reich Gottes“ dominiert das „Reich der Welt“. In der Geschichte hat
es eine solche Konstellation seit dem 4./5. Jahrhundert n. Chr. immer wieder gegeben.
Dabei gab es natürlich immer wieder Konflikte, denn die Könige und Kaiser wollten sich
keineswegs immer von der Kirche reinreden lassen.
Der weltliche Herrscher rangen mit dem jeweiligen Papst darum, wer mächtiger war und wer
das eigentliche sagen hatte. Die Spannung zwischen Krone und Alter.
Auch in der Täuferbewegung gab es von dieser Form eine Variante und das ist für uns
interessant zu wissen:
Das sog. „Täuferreich von Münster“, eine radikale Form der an sich friedlichen Täufer, verstand
sich als Ausdruck des „neuen Jerusalems“ und wollte das Reich Gottes schon hier auf der Erde
errichten. Eine Schwärmerei, die sich auch in vielen Ideologien der Neuzeit widerspiegelt.
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Biblische Aussagen, die sich auf die zukünftige Königsherrschaft Jesu beziehen, werden ohne
Skrupel schon auf das Hier und Jetzt bezogen und damit indirekt eine „Theokratie“
(Gottesherrschaft) proklamiert, die doch eigentlich nur für das Volks Israel galt.
Die Innerweltlichkeit des Glaubens verdrängt dabei die Jenseitigkeit. Das Wohl des Menschen
verdrängt das Heil für die Seele, die Vorläufigkeit der Welt gerät aus dem Blickwinkel.
Die Gefahr besteht darin, dass ein rein diesseitiges
Engagement der Christen dazu führt, dass der eigentliche Auftrag der Kirche, die Verkündigung
des Evangeliums von der erlösenden Gnade Gottes, in den Hintergrund gedrängt wird. Der
Glaube verkümmert zum Weltverbesserungssystem und die eigentliche überweltliche,
überirdische Botschaft des Evangeliums wird verdunkelt.
Diese Vorstellung zu kennen, finde ich wichtig, denn das ist ganz und gar nicht unser
Verständnis vom Verhältnis zwischen Staat und Kirche.
Die nächste Sichtweise ist in der Geschichte der Christenheit ebenfalls häufig anzutreffen.
Mann kann sie gut verstehen, wenn man sie Reaktion versteht:
3. Christen gehen auf Distanz zum Staat
Politik gilt als „weltliches Geschäft“. Und von der Welt soll man sich bekanntlich fernhalten. Eine
Einmischung in die Politik gilt als ungeistlich oder wird höchstens auf das Gebet für die
Regierenden reduziert.
Als Beispiel seien die Täufer der Reformationszeit erwähnt. Sie hatten die verhängnisvolle
Verquickung von Staat und Kirche der etablierten Kirchen zum eigenen Nachteil kennen gelernt
und lehnte daraufhin jede Form des politischen Handelns der Kirche radikal ab. Die Gemeinde
habe nichts mit dem Staat zu tun, beides dürfe nicht miteinander vermischt werden.
Auch im Pietismus und der Erweckungsbewegung des 19.Jhr geht die Tendenz in diese
Richtung und ist bis heute in viele Gemeinden unterschiedlichster Konfessionen anzutreffen.
Manchmal auch gepaart mit einem Stück Resignation: „Wir können sowieso nichts ändern, die
Welt ist wie sie ist. Deshalb
nützt öffentliches Engagement nichts.“
Als Symbol hab ich hier passend zum Tauwetter einen Schneemann, der sagt „ist mir egal“ – Er
steht für die Vorstellung zu meinen ich wäre wie ein Schneemann, der nichts am Tauwetter
ändern kann Diese radikale Verneinung des politischen Engagements des Christen hat ebenso radikale
Schwächen. Denn durch eine einseitige Betonung der Jenseitigkeit des Glaubens wird die
christliche Botschaft bedeutungslos für die praktischen Bezüge des irdischen Lebens.
Da Christen keinen Einfluss auf das politische Geschehen nehmen, ist außerdem die Gefahr
groß, dass nichtchristliche oder antichristliche Denkweisen eine gesellschaftlich beherrschende
Position einnehmen. In Anlehnung an ein Bild Jesu in der Bergpredigt gesprochen entziehen
hier die Christen der Suppe das Salz.
Statt sich der Ungerechtigkeit in die Speichen zu werfen und es aufzuhalten, zieht man sich
zurück in die warmen Stuben der individuellen Frömmigkeit. Man ist Salz im Salztrog. Mit
öffentlicher Verantwortung hat das nichts zu tun.
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Noch schlimmer ist es, wenn sich die Distanz zu Gleichgültigkeit und Ignoranz entwickelt. Wenn
es gar nicht mehr interessiert, was die Themen und wer die Verantwortlichen in der Politik sind.
Auch hier ist die Gefahr groß, dass christliche Werte in der Gesellschaft an den Rand gedrängt
werden, weil die Stimme der Christen nicht zu hören ist.
Was also ist ein gutes Verhältnis zwischen Staat und Kirche?
Eine vierte Position:
4. Christen mischen sich ein in den Staat und die Politik
Festhalten möchte ich dabei zunächst: Glaube und Politik sind zwei getrennte Dinge. Beim
Glauben geht es um das ewige Heil, bei der Politik um das irdische Wohl. Gott ist das Letzte,
der Staat ist immer das Vorletzte. Die Erlösung des Menschen durch Jesus Christus ist die
zentrale Mitte aller Geschichte, nicht irgendwelche weltpolitischen Ereignisse.
Die Regeln und Werte die gelten sind nicht immer dieselben, das hat Christa Soremba im
Eingangsteil an einem schönen Beispiel erzählt und letzten Sonntag haben wir einen
Blumenstrauß mit Werten und Ideen für das Leben als Bürger in Gottes Reich gesehen Die Trennung von Kirche und Staat, das hat schon der Kirchenvater Augustin gefordert und
Martin Luther in seiner Zwei-Reiche-Lehre beschrieben, das ist auch ein wichtiges Gut in
unseren Baptistischen Tradition:
Trennung ja, aber wir leben in beiden Wirklichkeiten!
Das Reich Gottes ist natürlich ein jenseitiges Reich, nicht
von dieser Welt. Aber es bricht sich auch schon im Diesseits Bahn.
Das Heil ist das eigentliche Ziel Gottes mit der Welt, was aber das Wohl der Erde nicht
vollständig ausschließt. Der Glaube ist keine abgehobene rein geistliche Größe, sondern eine
irdisch fassbare Wirklichkeit.
Gott kam bewusst in Jesus Christus in die Welt und wurde Mensch, obwohl er ganz Gott war.
Und Christus verkündigte das Reich Gottes, brachte den Menschen Vergebung und Heil, aber
er brachte auch Heilung und kümmerte sich um die konkrete Not der Menschen seiner Zeit, er
speiste die Armen, er zahlte Steuern, wies politische Machthaber in ihre Schranken, vertrieb die
Wechsler aus dem Tempel – wenn das keine politischen Handlungen waren, was sonst?
Wir werden bei unserer Bekehrung nicht entrückt, sondern belieben hier, um unseren Glauben
in der Welt sichtbar zu leben. Christen sind zwar nicht „von“ der Welt, aber sie sind immer noch
(hoffentlich) „in“ der Welt – ob sie das wollen oder nicht.
Genau deshalb sagt Jesus Christus in der Bergpredigt zu seinen Jüngern: „Lasset Euer Licht
leuchten vor den Menschen“ (Mt 5,16).
Genau deshalb heißt die Aufforderung Jeremias an seine bedrängten Leidensgenossen in
Babel: „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer 29,7). Wenn Gott diese Welt nicht egal ist, wie viel mehr
darf sie Christen nicht egal sein. Es geht um eine Durchdringung der Gesellschaft mit den
Werten des Evangeliums, ein sich einmischen…
Warum stehen wir als Baptisten für eine Trennung von Kirche und Staat ein – weil wir für
Religionsfreiheit stehen! Der Staat darf dem Bürger nicht vorschreiben, was er zu glauben hat
und nicht zu glauben hat!
Trennung von Kirche und Staat – Was heißt das konkret:
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Thema Staat:
aus Überzeugung machen wir uns nicht vom Staat abhängig, wir dürften als K.d.ö.R. als Bund
auch Kirchensteuer verlangen, aber wir finanzieren uns durch freiwillige Spenden, um uns
dabei nicht in die Abhängigkeit vom Staat zu begeben, wo es nicht nötig ist… und doch fügen
wir uns ein in unseren Staat, sehen uns bewusst auch als Bürger in unserem Ort in unserem
Land.
In Römer 13, dem Abschnitt über das Leben in der Gesellschaft, direkt nach dem, was wir am
letzten Sonntag bearbeitet haben, schreibt Paulus:
„Jeder soll sich der Regierung des Staates, in dem er lebt, unterordnen. Denn alle staatliche
Autorität kommt von Gott, und jede Regierung ist von Gott eingesetzt. Dem Staat den
Gehorsam zu verweigern heißt also, sich der von Gott eingesetzten Ordnung zu widersetzen.“
Dieser Abschnitt soll nicht dahin führen still zuzuschauen, alles über sich ergehen zu lassen,
was passiert. Im Gegenteil, der Vers setzt eine aktive Position gegenüber dem Staat voraus!
Paulus fordert auf, auch aktiv mitzugestalten – für uns heute: Im Rahmen der rechtlichen,
demokratischen Möglichkeiten, die wir hier in D haben.
So ähnlich schreibt Paulus auch an Titus:
„Erinnere die Gläubigen daran, sich der Regierung und den Behörden unterzuordnen, ´ihren
Befehlen` Folge zu leisten und jederzeit bereit zu sein, Gutes zu tun.
Sie sollen über niemand schlecht reden und keinen Streit suchen, sondern friedfertig sein und
allen Menschen mit aufrichtiger Freundlichkeit begegnen.“ (Titus 3,1-2)
Erst wenn der Staat bewusst gegen Gottes Gebote handelt, heißt es auch für mich als
einzelnen Christen dann: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29)
Uns sollte nicht egal sein, was um uns herum geschieht, wir sollen öffentliche Verantwortung
übernehmen, z.B. durch das Engagement in Schulen und Vereinen, durch Einflussnahme auf
Politiker als Volksvertreter, durch Leserbriefe an Zeitungen, Rückmeldungen an
Fernsehsender, aber auch durch den Einsatz für die freiheitlichen Grundrechte einer
Gesellschaft…
Es ist gut, wenn wir mitdenken und gerade bei ethischen Themen, wo viel
Orientierungslosigkeit herrscht, da wird wieder auf die Kirchen gehört, wenn sie denn etwas
sagen.
Die PiD und die Debatte über aktive Sterbehilfe, die in unserem Land im Gange sind als zwei
Beispiele – sehen wir das Leben als Geschenk Gottes mit dem wir verantwortlich umgehen
oder etwas, über das wir verfügen, so wie es gerade in die Gesellschaft passt?
Das sind Themen, bei denen man auch die Kirchen hören sollte und das geschieht am besten
im Miteinander der Kirchen – darum ist es auch gut, wenn wir uns engagieren beim Thema
Ökumene: Als Christen miteinander den Glauben teilen und gemeinsam christliche Werte
vertreten.
Und wie ist das mit den anderen Religionen in D?
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Ich glaube, als Christen in D müssen wir keine Angst vor dem Islam haben. Genauso, wie wir
uns wünschen, dass das Christentum in Ländern mit muslimischen Wurzeln anerkannt wird, bin
ich auch bereit Islamischen Glauben hier zu akzeptieren. Als Baptisten stehen wir für
Religionsfreiheit!
das sollte kein einseitiges Thema sein und wir sind in D schon viel weiter mit der Integration
und Stellung von Muslimen, als beispielsweise die Türkei mit der Stellung von Christen, es
muss in beiden Richtungen vorwärts gehen und ich freue mich, dass Politiker auf Bundesebene
dieses Thema erkannt haben und hier aktiv werden, gerade für Religionsfreiheit für Christen in
anderen Ländern…
Aber im Sinne der Jahreslosung 2011 nicht nur darauf pochen, dass der andere gefälligst
etwas tut, sondern auch bereit sein, etwas einzustecken und das Böse mit Gutem zu
überwinden! – Wie es hier das Bild vom Blumenwerfer darstellt - D.h. sich nicht einschüchtern
lassen, sondern sich aktiv mit Gutes tun engagieren.
Ich bin für den Dialog, das gegenseitige Kennenlernen von gemeinsamen Vorstellungen und
auch Unterscheiden – im Mai soll es eine Begegnung zw. Christen und Muslimen hier in SZ
geben. Ich bin nicht für eine Religionsvermischung und schon gar kein Zusammenwachsen,
indem man die Unterschiede einebnen – Nach der Bibel geht kein Weg an Jesus als Erlöser
vorbei! Aber kennen lernen, ins Gespräch kommen, wissen, wo die Probleme und Spannungen
liegen… positive Signale setzen…
Jesus hat nicht versprochen immer mit allen Menschen in Frieden leben, nein, er hat v.a. von
Ablehnung und Verfolgung gesprochen – es ist Utopie zu meinen, wir könnten überall Frieden
schaffen, paradiesische Zustände wird erst Gott einmal im Himmel schaffen – dennoch sollte
das unser Ziel sein, Friedensstifter zu sein, auch dann wenn wir dabei realistischer Weise
dieses Ziel im Diesseits wohl nie erreichen werden.
Ich selbst bin aufgewachsene in einer Frömmigkeitsrichtung, die sich eher in der dritten
Sichtweise wiederfindet, die einen gewissen Abstand zur Politik kennzeichnet.
Ich bin dabei hier immer mehr einen anderen Blick zu bekommen, im Sinne der letzten Position.
Ich hab z.B. seit ein paar Monaten angefangen, Briefe zu schreiben an die Botschaften von
Ländern in denen Christen um ihres Glaubens verhaftet werden oder sogar mit dem Tod
bedroht werden. Die Zeitschrift idea ruft dazu auf, es gibt jeweils einen „Gefangenen des
Monat“ und einen Musterbrief an die Botschaft, den man an Vorlage nehmen kann…
Das kann für Dich vielleicht auch ganz anders aussehen.
Ich würde mir wünschen, dass wir das auch als Gemeinde so sehen und unseren Auftrag für
unsere Stadt und unseren Staat sehen. AMEN
Anmerkung: Einige Anregungen und Gedanken zu dieser Predigt habe ich dem 13.Newsletter des Instituts für
Ethik & Werte entnommen.
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