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Dieser Blick ins Leere, die Fahrt ins Nichts wie mit einer Fähre, nur

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Dieser Blick ins Leere,
die Fahrt ins Nichts wie mit einer Fähre,
nur ich und mein Kind
auf der Flucht vor der Welt
Angst, Hass und Gewalt,
wie komm ich hier raus.
Ich habe nichts:
Kein Leben, kein Haus,
nur diese ständige Angst vor dem Tode.
Warum gibt es keine Methode
Zu entrinnen vor diesem Schicksal
Vor diesem Leben?1
1
Aus Arbeitsblatt zur Ausstellung „Labyrinth Fluchtweg“
Florian G., 10. Klasse der Theodor-Storm-Schule
Foto: Leona Goldstein, aus „Dicplaced. Flüchtlinge an Europas Außengrenzen“
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
3
2
2.1
2.2
2.3
2.4
Migrationssozialarbeit- kurz und bündig
Personelle Ausstattung
Arbeitskreise, in denen wir vertreten sind
Veranstaltungskalender/ Aktivitäten
Beratungszahlen
5
6
7
8
3
3.1
3.2
3.3
Berichte aus der Arbeit
Bleiberechtsregelung in Schleswig-Holstein
Die Interkulturelle Woche „Teil haben – Teil werden“
Aktiv in der Sprachpartnerschaft
9
10
11
4
Ausblick
12
5
5.1
5.2
Anhang
Netzwerkkarte
Presseartikel
14
2
1.
Einleitung
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe FreundInnen und UnterstützerInnen unserer Arbeit,
auch in diesem Jahr möchten wir unsere gute Zusammenarbeit unterstreichen,
indem wir für die Jahresberichte der Migrationssozialberatungsstellen, der
MigrationsErstberatung und des Jugendmigrationsdienstes der beiden kirchlichen
Träger im Kreis Stormarn eine gemeinsame Einleitung verfassen.
In der Beratung Mitte/Südstormarn war die Arbeit geprägt von personellen sowie
standortbezogenen Veränderungen. Die seit Januar 2008 in Ahrensburg verortete
Migrationssozialberatung des Kirchenkreises Stormarn ist bereits gut mit den lokalen
Einrichtungen und Initiativen vernetzt und wird von den Ratsuchenden als neue
Anlaufstelle gut angenommen. Als Nachfolgerin der langjährigen Mitarbeiterin
Chrisoula Grekopoulou hat sich Ula Tesdorpf bestens eingearbeitet.
Trotz der Veränderungen konnte die, in den letzten Jahren gewachsene verlässliche
und vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden Träger, weiterentwickelt werden.
Dies zeigt sich auch in dem im Juni 2008 mit der ARGE Bad Oldesloe
abgeschlossenen Kooperationsvertrag, in dem von allen Seiten die Notwendigkeit
der konstruktiven Zusammenarbeit bekräftigt wurde, um den Integrationsprozess von
MigrantInnen erfolgreich zu begleiten.
Erstmals in diesem Jahr musste auch die Migrationssozialberatung quartalsweise
einen Erhebungsbogen an das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein
schicken, um den Nachweis zu erbringen, dass gemäß der Richtlinien des
Rahmenkonzeptes gearbeitet und die geforderte KlientInnenzahl in der Beratung
erreicht wurde. Diese Erhebungsbogen sind bei unseren Beratungsstellen umstritten,
da sie unseres Erachtens unsere Arbeit nicht umfassend abbilden. Die Schwerpunkte
liegen auf der Initiierung und Begleitung des Integrationsprozesses von dauerhaft
hier lebenden MigrantInnen, auf der Ermittlung, wie oft und mit welchem Erfolg
Sprachkurse vermittelt werden und ob die Betreffenden in eine Unabhängigkeit von
öffentlichen Mitteln geführt werden konnten. Dies ist unbestritten ein wichtiger Punkt
auf dem Weg zur Integration. Aber es gehört bei weitem mehr dazu und es erfordert
eine – in dem Erhebungsbogen nicht berücksichtigte - zeitaufwändige Arbeit, die
Ratsuchenden in den vielfältigen Problemlagen zu beraten und zu unterstützen.
Hinzu kommt die immer noch große Gruppe der Bleiberechtsungesicherten, denen
Fördermaßnahmen und Integrationshilfen nicht zustehen und die von unseren
Beratungsstellen gemäß der Landesrichtlinien allenfalls eine kurzfristige
Krisenintervention erfahren sollen. Gleichzeitig wird diesen Menschen aber durch die
gesetzliche Bleiberechtsregelung eine Aufenthaltserlaubnis in Aussicht gestellt, wenn
sie bestimmte Integrationsleistungen wie Spracherwerb und Erwerbstätigkeit
nachweisen können. Eine umfassende Beratung kann in diesen Fällen zu einem
dauerhaften Bleiberecht führen. Für unsere Mitarbeiterinnen in den Beratungsstellen
ist es oftmals schwierig, diesen Spagat zwischen Erfüllung der vom Land
aufgestellten Richtlinien und dem tatsächlichen Beratungsbedarf zu meistern.
Gerade als kirchliche Einrichtung sehen wir es als unsere Aufgabe, Menschen am
Rande unserer Gesellschaft
unabhängig von deren Aufenthaltsstatus 3
beizustehen und ihnen – wenn möglich – zu besseren Lebensbedingungen zu
verhelfen.
Auch im vergangenen Jahr war es unser Anliegen, neben der Einzelfallberatung in
verschiedenen Veranstaltungen auf die Situation von MigrantInnen und Flüchtlinge
aufmerksam zu machen. Ein gutes Forum dafür ist jedes Jahr die „Interkulturelle
Woche“. Wie bereits in den letzten Jahren haben wir unsere Programme aufeinander
abgestimmt und einen gemeinsamen Flyer erstellt. Neben kulturellen
Veranstaltungen wie Filmvorführungen, Büchertischen, Konzerten und Festen,
Sport- und Informationsveranstaltungen war es besonders die Erlebnisausstellung
„Labyrinth Fluchtweg“ die in beiden Kirchenkreisen für Aufsehen und viel Resonanz
sowohl bei der Zielgruppe (vorwiegend Schulklassen) als auch in der öffentlichen
Berichterstattung gefunden hat. Wir sind einmal mehr darin bestärkt worden, wie
wichtig es ist, nicht nur Flüchtlingen und MigrantInnen in ihren komplexen
Problemlagen durch unsere Beratungsstellen beizustehen, sondern durch solche
Veranstaltungen Anstöße zu einer Öffnung unserer Gesellschaft für die besondere
Situation der mit uns lebenden Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu
geben.
Auch im kommenden Jahr werden wir unsere Zusammenarbeit fortsetzen, in dem
Bemühen, neu zugewanderten MitbürgerInnen die Integration in unsere Gesellschaft
zu ermöglichen und zu erleichtern, aber ausdrückliche auch Anlaufstelle zu sein für
Menschen, die in Ermangelung von Papieren oder des „richtigen“ Aufenthaltsstatus
von allen Fördermaßnahmen ausgeschlossen sind, denen die Teilhabe an
Angeboten unserer Gesellschaft verwehrt wird, wenn nicht sogar mit Abschiebung
bedroht oder des Landes verwiesen werden. Als kirchliche Einrichtung sind wir
angesichts immer enger werdender Handlungsrichtlinien seitens des Landes in
diesem – aus unserer Sicht urchristlichen - Bemühen mehr denn je auf die
Unterstützung unserer Träger angewiesen.
Gisela Nuguid
Chrisoula Grekopoulou /Simona Franke
Ula Tesdorpf
Susanna Brauer
Barbara Schleth
Kirstin Schwarz-Klatt
Christine Schoeneich
Monika Marklein
Ev.Luth. Kirchenkreis Stormarn
Diakonisches Werk
der Kirchenkreise Plön und
Segeberg gGmbH
4
2.
Migrationssozialarbeit
kurz vorgestellt
2.1
Personelle Ausstattung
Migrationssozialberatung (MSB)
Kirstin Schwarz-Klatt
Monika Marklein
2 hauptamtliche
Mitarbeiterinnen mit 1 ½
Stellenanteilen
Migrationsberatung für erwachsene
MigrantInnen (MBE)
Christine Schoeneich
1 hauptamtliche Mitarbeiterin
mit ½ Stellenanteil
Jugendmigrationsdienst (JMD)
Leitung, Koordination Projekte
Barbara Schleth
1 hauptamtliche Mitarbeiterin
mit 1/1 Stellenanteil
9 Honorarkräfte
3 Stundenkräfte über BQS
1 Praktikantin
Ca. 70 Ehrenamtliche
2.2
Arbeitskreise, in denen wir vertreten sind
•
•
•
•
•
•
•
Frauennetzwerk Bad Oldesloe
Koordinierungsgruppe Migrationssozialarbeit Kreis Stormarn
Migrationssozialarbeit Kreis Stormarn
Fachausschuss und Arbeitskreis Migration Landesverband
Diakonisches Werk Rendsburg
Kooperations- und InterventionsKonzept gegen häusliche Gewalt an
Frauen Runder Tisch ST(KIK)
Kompetenzagentur Stormarn Jugendaufbauwerk / WAK
Jugendarbeit in Bad Oldesloe
5
2.3
Veranstaltungskalender / Aktivitäten
Thema
Anzahl
1.Sprachförderung/ Bildung
• Außerschulische Sprachförderung in
Zusammenarbeit mit der Schule am
Masurenweg, Stadtschule, Moschee
• Ferienkurse VHS, Stadtjugendpflege,
weitere Schulen, Moschee
• Gewaltpräventionsseminare in
Zusammenarbeit mit Stadtjugendpflege
und Kreisjugendring
2. Sprachpartner/In gesucht
• Vermittlung
• 4 themenbezogene Foren zum Austausch
der PartnerInnen,
• 2 Fortbildungsseminare
• Stadtrallye (Sommerfest)
• NEU! Internationale Stammtischrunde ab
4.12.08
10 Kurse mit 85 Schülerinnen
3 Kurse mit 24 Schülerinnen
TSS Realschule Seminare im
Rahmen der Ganztagsschule
Weiterführung des Projektes in
Kooperation mit der
Volkshochschule
29 Sprachtandems mit 64
Personen
Stammtisch Organisation durch
2 Sprachpartnerinnen
3. Frauenkurse mit Kinderbetreuung
• 4 Kurse a 20 Unterrichtsstunden
• (niedrigschwelliger Arbeitsansatz)
• bezuschusst vom Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge BAMF,
Teilnehmerinnenbeiträge
4 Kurse mit 47 Frauen
Durchführung von 3 Kursen in
Bad Oldesloe in Kooperation
mit der Stadtschule und
Stoppelhopser e.V.,
Moscheeverein u. Studienkreis.
1 Kurs wurde in Kooperation
mit dem Bildungswerk in Bad
Segeberg durchgeführt.
4. Kinderbetreuung
• für die TeilnehmerInnen der
Integrationskurse
Dieses Projekt wurde bis
Sommer 2008 durchgeführt,
Mo – Fr 8.30 – 12.30 Uhr.
In Kooperation mit VHS, BQS,
ARGE und Freundeskreis der
Asylbewerber e.V. und wird
nun als Angebot der VHS
weitergeführt
5. Förderfonds
• Sozialfond des Kirchenkreises Stormarn
u. des Diakonischen Werkes der
Kirchenkreise
Plön und Segeberg
gGmbH
6
4 Familien/ Einzelpersonen mit
einer Fördersumme von
1.119,83 €
•
•
Sprachkursförderfond
Für nichtberechtigte Teilnehmerinnen am 4 Personen mit einer
Fördersumme von 750 €
Integrationskurs, die die Kursgebühr
nicht voll zahlen können, werde gefördert:
z.B. 25 € Eigenbeitrag + 75 € Förderfond =
100 UE (1 Kursmodul)
Einzelfallhilfen
6 Personen mit 346,60 €
6. Interkulturelle Woche in Bad Oldesloe
29.09.08 – 2.10.08
• 29.09.08 Auftaktveranstaltung
Interkulturelle Woche
Schirmfrau: Kreispräsidentin
Christa Zeuke
Kooperationspartner: Ev. –
Luth. Kirchengemeinde,
Kindergärten,TSS, SC Union,
Flüchtlingsrat e.V. SH, OHO
Kino, VHS, FIT e.V., TürkischIslamischer Moscheeverein
•
Ausstellung „ Labyrinth Fluchtweg“
•
Büchertische zum Thema in Bücherei u.
Buchhandlungen
•
Poesie und Musik mit Leman Stehn
•
Film „ Auf der anderen Seite“
•
02.10.08 „Fluchtziel Europa“ Vortrag von Ausstellung: Ca 200
Stefan Schmidt, ehemaliger Kapitän der BesucherInnen, andere
Veranstaltungen ca.90
Cap Anamur
Koordinierung, Spenden,
Öffentlichkeitsarbeit der
Veranstaltungsreihe durch
Migrationssozialarbeit
Personen
•
Weitere Veranstaltungen: Lesung,
Fußballspiel, Nachbarschaftsfest
7. Veranstaltungen
veranstaltet mit dem
Frauennetzwerk Bad Oldesloe
ca. 100 Besucherinnen u.
Kinder aus vielen Nationen
•
Internationales Frauenfest 8. März
•
Der besondere Film zur Interkulturellen
Begegnung: 4 Filme in Zusammenarbeit
mit OHO- Kino und der Vhs
„Takva-Gottesfurcht“
„Hotel very welcome“
„Drachenläufer“
„Caramel“
•
Teilnahme Stormarner Kindertage
28.09.08
Unser Motto „ Miteinander - Hand in Hand!“
7
321 BesucherInnen. Der
„Drachenläufer“ war mit 146
BesucherInnen ausverkauft
und wurde in der Matinee am
Sonntag und zu einem anderen
Termin wiederholt. Ansonsten
durchschnittliche Besucherzahl
50 Personen
Kreatives Angebot für Kinder
auf der Abschlussveranstaltung
Marktplatz Bad Oldesloe unter
Mitwirkung vieler Verbände,
Institutionen.
2.4
Beratungszahlen
Gesamt
442
Männer
191
Frauen
251
Beratung bei Krisen
179
Beratung zur Integrationsförderung
263
Zuwander/innen m. ungesicherten Aufenthalt
40
Altzuwander/innen m. gesichertem Aufenthalt
129
Neuzuwander/innen m. gesichertem Aufenthalt
188
0
50
100
8
150
200
250
300
350
400
450
500
Aserbaidshan (21 = 4,8% )
Irak (23 = 5,2% )
Türkei (57 = 12,9% )
Iran (18 = 4,1% )
Afghanistan (16 = 3,6% )
Armenien (15 = 3,4% )
Ukraine (7 = 1,6% )
Kosovo (13 = 2,9% )
Sri Lanka (10 = 2,3% )
Togo (7 = 1,6% )
Syrien (8 = 1,8% )
Pakistan (4 = 0,9% )
China (4 = 0,9% )
Libanon (3 = 0,7% )
Kolumbien (2 = 0,5% )
Ghana (2 = 0,5% )
Kasachstan (94 = 21,3% )
Russ.Förderation (133 = 30,1% )
8
Jemen (1 = 0,2% )
Litauen (1 = 0,2% )
Rumänien (1 = 0,2% )
Serbien (1 = 0,2% )
Liberia (1 = 0,2% )
3.
3.1
Berichte aus der Arbeit
Bleiberechtsregelung in Schleswig-Holstein
Kirstin Schwarz-Klatt, Migrationssozialberaterin
Mit der Bleiberechtsregelung der Innenministerkonferenz im November 2006 und der
Gesetzlichen Altfallregelung im Juli 2007 wurde für viele langjährig Geduldete die
Möglichkeit geschaffen, ein Aufenthaltsrecht für Deutschland zu erhalten. Von den
Verantwortlichen in der Politik war zu hören, dass damit nun endgültig das Problem
der Kettenduldungen gelöst sei. Doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild der
Situation von langjährig geduldeten Menschen. Mehr als die Hälfte der betroffenen
Menschen haben bislang keine Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Bundesweit hatten bis Ende 2008 ca.1/3 der betroffenen Menschen ihr
Aufenthaltsrecht nach der Bleiberechtsregelung lediglich auf Probe erhalten.
In Schleswig-Holstein haben ca. 60 Prozent der AntragstellerInnen bisher eine
Aufenthaltserlaubnis auf dieser gesetzlichen Grundlage erhalten. Zum 31.12.2009
müssen sie zur Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nachweisen, dass der
Lebensunterhalt
durch
Erwerbstätigkeit
gesichert
ist.
Dahin
sehen
Migrationsberatungsstellen und Flüchtlingsorganisationen aufgrund der aktuellen
wirtschaftlichen Rezession mit Sorge. Nachdem vielen der Betroffenen der Zugang
zum Arbeitsmarkt durch die bestehende Gesetzeslage jahrelang versperrt war,
finden sie in der beschriebenen Frist oft nur in prekären Beschäftigungsverhältnissen
zu Niedriglohnbedingungen Arbeit.
In der Migrationssozialberatung Nordstormarn wurden in 2008 12 KlientInnen mit 9
Familienangehörigen zum Bleiberecht beraten und unterstützt.
• 2 KlientInnen mit 4 Familienangehörigen erhielten eine Aufenthaltserlaubnis
• 6 AntragstellerInnen konnten die Voraussetzungen nicht erfüllen
• 4 (mit 5 Familienangehörigen) wurde eine Aufenthaltserlaubnis auf Probe
ausgestellt.
In der Beratungspraxis steht damit die intensive Begleitung, Zusammenarbeit mit den
ArbeitsvermittlerInnen der Arge im Vordergrund, um den Aufenthalt zu sichern und
zu verfestigen.
Beispiel aus der Beratungspraxis
Das Ehepaar K. mit zwei Kindern flüchtete im August 2000 aus dem
Kosovo in die Bundesrepublik Deutschland. Nach einem langen Asylverfahren endete dies trotz
Traumatisierung des Herrn K. mit einem negativen Bescheid im März 2006. Die Familie, inzwischen
mit 3 Kindern, erhielt Duldungen, die immer wieder in Abständen von ein oder 2 Monaten verlängert
wurden.
Aufgrund der Bleiberechtsregelung konnte der Familie im Dezember 2007 erstmalig eine
Aufenthaltserlaubnis auf Probe, befristet zum 31.12.2009 erteilt werden.
Herr K. hatte bereits im Oktober 2007 eine Arbeit in Vollzeitbeschäftigung als Produktionshelfer bei
einer Druckerei gefunden und zwischenzeitlich die Probezeit bestanden. Frau K. ist geringfügig
beschäftigt als Reinigungskraft und nimmt seit Oktober 2008 zur Verbesserung ihrer schriftlichen
Deutschkenntnisse an einem Integrationskurs teil. Grund zum Aufatmen gab es für die Familie
dennoch nur kurz, denn trotz der Erwerbstätigkeit reicht das Einkommen nicht für den Lebensunterhalt
aus, ergänzend werden Leistungen nach dem SGB II bezogen. Für die Verlängerung der
Aufenthaltserlaubnis muss die Familie jedoch nachweisen, dass sie überwiegend erwerbstätig ist und
langfristig ohne Sozialleistungen auskommen wird.
Zum Ende des Jahres 2008 hat Herr K. seinen Arbeitsplatz verloren, da die Firma aufgrund der
zurückgehenden Auftragszahlen Mitarbeiter/innen gekündigt hatte. Eine Verlängerung der
Aufenthaltserlaubnis ist zum Ende des Jahres, dass mit Zuversicht begann, nun wieder gefährdet.
9
3.2
Die Interkulturelle Woche „Teil Haben
– Teil werden“
Monika Marklein, Migrationssozialberaterin
Im Jahr 1975 wurde der Tag des ausländischen
Mitbürgers ins Leben gerufen. Daraus entwickelte sich die bundesweite
Interkulturelle Woche. Sie ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der
Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie und
wird getragen und unterstützt von den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden,
Kommunen,
Ausländerbeiräten
und
Integrationsbeauftragten,
Migrantenorganisationen und vielen Initiativgruppen.
Die Woche kann anregen, sich mit den Fragen der Chancengleichheit und
Partizipation von MigrantInnen und Flüchtlingen auseinander zu setzen, aber auch
durch Begegnung und Kontakte im persönlichen Bereich ein besseres gegenseitiges
Verständnis zu entwickeln.
2005 wurde unter der Leitung der Migrationssozialarbeit des Diakonischen Werkes
die Interkulturelle Woche in Bad Oldesloe zum ersten Mal durchgeführt. Sie hat sich
seit dem zu einem festen Angebot etabliert.
Im vergangenen Jahr stand die Woche unter dem Motto: Teilhaben – Teilwerden
und dauerte vom 28.09. – 04.10. 2008. Mit vielen Institutionen, Vereinen und der Ev.
Luth. Kirchengemeinde wurde unter unserer Koordinierung wieder eine Vielzahl von
Veranstaltungen auch in Bad Oldesloe angeboten. Es gab Lesungen, musikalische
Darbietungen, einen Film und ein Fußballspiel einer internationalen Stadtauswahl.
Im Mittelpunkt stand jedoch die Ausstellung „Labyrinth Fluchtweg“, die auf dem Platz
vor der Peter-Paul-Kirche aufgebaut war. Hier konnten Interessierte in einem LKWAuflieger den Weg eines Flüchtlings von seinem ersten Fluchtgedanken bis zur
Ankunft im Asyl-Land mitgehen und erfahren, warum Menschen aus ihrer Heimat
flüchten und welche Strapazen und Ängste sie ausstehen müssen, bis sie
ankommen und dann doch nicht wissen, was dort mit ihnen geschieht und ob sie
bleiben dürfen.
Großes Interesse an dieser Ausstellung erfuhren wir von den Schulen, die sich mit
ca. 200 Schüler und Schülerinnen, zusammen mit ihren Lehrern, auf das Thema
vorbereitet hatten. Zu der Ausstellung gab es eine Begleitung: Im Vorraum der PeterPaul-Kirche konnte man vor oder nach dem Weg durch das Labyrinth an Stationen
zu verschiedenen Aspekten arbeiten, z.B. „Warum würdest du deine Heimat
verlassen? Worauf könntest du am Ehesten verzichten?“ Die Ergebnisse zeigten,
dass sich viele Jugendliche von dem Thema berühren ließen und nachdenklich
reagierten. Eine immer wieder kehrende Aussage war, dass alle Menschen ein Recht
auf Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit haben sollten und dass man allen mit
Respekt begegnen muss. Bei 113 von ca. 200 jugendlichen BesucherInnen der
Ausstellung waren Armut, Hunger und wirtschaftliche Probleme mögliche
Fluchtgründe. Sehr erstaunt reagierten sie, als sie erfuhren, dass diese Gründe für
MigratInnen keine Asylanerkennung in Deutschland zur Folge haben.
Die Interkulturelle Woche ist, unserer Meinung nach, ein wichtiger Termin im
Jahresablauf, um der Gesellschaft ein Forum zu bieten, über das Zusammenleben
mit anderen Kulturen nachzudenken und die Herausforderungen von Flucht und
Migration positiv anzunehmen.
10
3.3
Aktiv in der Sprachpartnerschaft
Fortbildungsseminare für ehrenamtlich Engagierte
Christine Schöneich, MigrationsErstberatung
In dem Projekt „SprachpartnerIn gesucht“ treffen sich
64
Personen
in
29
Sprachpartnerschaften
ehrenamtlich ca. 2 Stunden wöchentlich privat in
Begleitung durch die Migrationssozialarbeit.
Einige Sprachpartner lernen konsequent anhand von
Lehrbüchern oder arbeiten die Hausaufgaben des
Integrationskurses durch, andere treffen sich zum Kaffeetrinken, unterhalten sich und
gewinnen so Sicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache.
Das Anwenden der Sprache und der Austausch über kulturelle, gesellschaftliche und
persönliche Erfahrungen bereichert beide Partner und trägt so zu mehr Verständnis
und Toleranz bei.
Fragen und Probleme zu Themen wie Grenzziehung,
unverständliches Verhalten eines Partners wurden oft in den
stattfindenden Austauschforen angesprochen. Da die Fragen aber
nicht umfassend geklärt werden konnten, wurde vom Team ein
entworfen, was zur Stärkung der Ehrenamtlichen beitragen sollte.
Lehrmaterialien,
4 mal jährlich
in dem Rahmen
Seminarkonzept
Im Jahr 2008 fanden 2 Fortbildungstage statt, bei denen die Themen
•
•
•
•
Möglichkeit und Grenzen in der Sprachpartnerschaft
Hilfsangebote für MigrantInnen
Interkulturelle Sensibilisierung
Lehrmittel und –materialien
vermittelt und lebhaft behandelt wurden.
Das Klären der Möglichkeit und Grenzen einer Sprachpartnerschaft war für die
Seminarteilnehmer entlastend. Der Austausch über eigene Erfahrungen mit der
Schwierigkeit, Grenzen in der Partnerschaft zu setzen, war sehr hilfreich.
Die Information über die verschiedenen Angebote der Fachdienste, wie
Migrationssozialberatung, ASD oder Schuldnerberatung wurde von vielen
TeilnehmerInnen als Erleichterung wahrgenommen.
Die Übung zur interkulturellen Sensibilisierung versetzte die TeilnehmerInnen in
unterschiedliche alltägliche Situationen eines Migranten und ließ das Leben in einer
fremden Umgebung erlebbar werden.
Das Vorstellen von möglichen Lehrmitteln und Materialien, die bei uns im Büro zum
Gebrauch ausgeliehen werden können, motivierte die SprachpartnerInnen für den
weiteren Kontakt.
11
„Wie ein Einheimischer
soll dir der Fremde gelten.“
Mose 19,34
4.
Ausblick
Barbara Schleth, Leiterin der Migrationssozialarbeit Nordstormarn
Nationaler Integrationsplan
Die Umsetzung des Nationalen Integrationsplanes in den Kommunen und
Gemeinden wird uns auch 2009 beschäftigen. Noch sind die Absichtserklärungen
von Kirche, Kreis- bzw. Städtetag nicht in praktisches Handeln umgesetzt worden.
Integration ist ein beidseitiger Prozess: Migranten und Migrantinnen auf der einen
Seite und die aufnehmenden Gesellschaft auf der anderen und stehen in
Wechselwirkung zueinander. Besonders in den kirchlichen Gremien und der
Koordinierungsrunde mit VertreterInnen der kreisweiten Migrationssozialarbeit und
der Städte und Gemeinden werden wir weiterhin Strategien entwickeln müssen, wie
die interkulturelle Sensibilisierung der Einheimischen gestärkt und die Migranten und
Migrantinnen motiviert werden können, an der Weiterentwicklung unserer
Gesellschaft aktiv mitzuwirken. Dazu gehört auch unsere Unterstützung, das
kommunale Wahlrecht für MigrantInnen, die schon länger in Deutschland leben, zu
ermöglichen.
Projektarbeit 2009
Nachdem im letzten Jahr der Versuch gescheitert ist, das Projekt
Sprachpartnerschaft durch EU Mittel zu fördern und es aus Zeitgründen eher am
Rande neben unserer Beratungsarbeit mitlief, haben wir als Team beschlossen, der
Weiterentwicklung des Projektes wieder unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen,
zumal wir auch 2009 erneut durch eine Spende darin unterstützt werden. Wir freuen
uns über das Engagement der Ehrenamtlichen wie auch über die Umsetzung ihrer
Ideen (z.B. Angebot eines Internationalen Stammtisches, die Planung einer
Stadtrallye )
Fusion der Kirchenkreise
In diesem Jahr werden nun auch die Kirchenkreise Plön und Segeberg fusionieren.
Es wird spannend, wie das Zusammenwachsen der unterschiedlichen
Entwicklungen, Schwerpunkte und Erfahrungen in den Gemeinden praktisch
gelingen kann. Wir sind alle gefordert daran mit zu wirken. Mein Ziel ist es,
Integrationsarbeit als diakonisches Arbeitsfeld im ganzen Kirchenkreis erfahrbar zu
machen. Standorte sind jetzt schon Bad Oldesloe und Bad Segeberg. Daran sollten
in Zukunft verstärkt Preetz und interessierte Gemeinden mit ihrem ehrenamtlichen
Engagement partizipieren. Das bedeutet nicht, dass alle Angebote überall gleich sein
müssen. Hier gilt es nach den jeweiligen Bedarfen und ehrenamtlichen Möglichkeiten
zu fragen und nach einem Gesamtkonzept die Weiterentwicklung für Ehrenamtliche
und Hauptamtliche koordiniert umzusetzen. An der Konzeptentwicklung will ich gerne
mitwirken.
12
Dank
Ich danke an dieser Stelle allen KooperationspartnerInnen, den Kolleginnen des
Teams, den Ehrenamtlichen für ihr Engagement, Migrantinnen und Migranten in ihrer
Eigeninitiative fachlich und menschlich zu unterstützen und sich beidseitig auf
Integrationsprozesse einzulassen. Auch unserem Geschäftsführer Herrn Michael
Steenbuck danke ich für das Vertrauen und kritische Impulse. Die Spender und eine
Stiftung haben die Vielfalt der Angebote 2008, z.B. das Veranstaltungsangebot der
Interkulturellen Woche oder die Koordinierung der Sprachpartnerschaft erst möglich
gemacht. Auch ihnen sei herzlich Dank gesagt! Dankbarkeit erfüllt mich auch, wenn
ich an die vielen Begegnungen mit MigrantInnen denke und die Bereicherung durch
Auseinandersetzung mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Fragen.
Dadurch schärft sich das Trennende wie auch das Verbindende und ermöglicht mir
meinen eigenen Standort immer wieder neu zu bestimmen.
Motivation
Da neue Jahr hat längst begonnen. Die Motivation meiner Arbeit wird gestärkt durch
den Zuspruch Gottes, dass die Menschenwürde unteilbar ist und dass alle Menschen
seine geliebten Geschöpfe sind, unabhängig von ihrem aufenthaltsrechtlichen Status
oder der Religionszugehörigkeit. Durch den Glauben an diese Zusage kann ich mich
immer wieder neu den Menschen, ob KollegInnen, MigrantInnen oder
KooperationspartnerInnen, respektvoll, kompetent und mit Empathie zuzuwenden.
13
5.
Anhang
14
(B) Integrationsbezogene
Einrichtungen
Migrationssozialarbeit
Bad Oldesloe
Kreisjugendring
(A) Jugendhilfe
FIT e.V.
Bad
Oldesloe
Freundeskreis
Asylbewerber
Schulsozial
arbeit
Stadtjugend
-pflege
JGH
Jugendgerichtshilfe
Efa e.V.
Frühstück f.
Migrantinnen
ASD
Stormarn
MSB KK
Stormarn
MBE
Ökumeneausschuss
Monat
JMD
Woche
Ev. Familienbildungsstätte
Netzwerk
Frauen
Soroka
Frauengruppe
Türk. –
Islamischer
Kulturverein
MSA
Frauen
helfen
Frauen
Frauenhaus
Stormarn
ARGE
Stormarn
Frau und
Beruf
Integrationskurse
VHS
Fachdienst
Sonstige Soziale
Leistungen
Kirchengemeinde
Bad Oldesloe
Agentur für
Arbeit
1
B.O..
Fachbereich
Soziales Stadt
B.O.
Ausbildungsverbund
Stormarn
Bundesamt f.
Migration u.
Flüchtlinge
Klaus-GrothSchule
Ev. Kiga
Masurenweg
Kita Stoppelhopser e.V.
Ausländerbehörde
Ev. Kiga
Ehmkenberg
DAZ
Zentrum
Stadtschule
MSB
Kirchenkreis
Stormarn
(E) andere
Organisationen
2
Mona
IGS Bad
Oldesloe
(C) Schulen
Schule am
Masurenweg
DAZZentrum
TSS
Berufliche
Schulen
Stormarn
TheodorStormSchule
BQS
Stormarn
(D) weitere öffentliche
Einrichtungen
1
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Bildung
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