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Leben lernen, aber wie? - Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen

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aej-Jahresbericht 2012
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.
Die aej-ESG-Geschäftsstelle
In der aej-Geschäftsstelle laufen die Fäden der
Arbeit zusammen, die in diesem aej-Jahres­
bericht 2012 beschrieben werden. Unter ihrem
Dach befinden sich auch die Geschäftsstellen der Evangelischen StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland (ESG) und der Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES).
Insgesamt sind hier zurzeit 41 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter hauptberuflich tätig. Unter folgender Adresse sind sie für Sie erreichbar:
aej im Internet:
www.evangelische-jugend.de
www.evangelisches-infoportal.de
www.jupp-der-preis.de
edition aej
Leben lernen, aber wie?
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
Telefon:0511.1215-0
Telefax:0511.1215-299
E-Mail: info@evangelische-jugend.de
2012
Leben lernen,
aej-Jahresbericht
aber wie?
Themen • Ergebnisse • Informationen
Das Kugelkreuz –
Zeichen der Evangelischen Jugend
Vielfalt unter einem Dach
Die aej ist als Arbeitsgemeinschaft organisiert. 33 rechtlich eigenständige Mit­gliedsorganisationen sind in ihr zusammengeschlossen. Dazu gehören die
evangelischen Jugendverbände und Jugendwerke, die Jugendorga­ni­sationen der evangelischen Landeskirchen und die Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Frei­kirchen. Sie bringen sich seit der Gründung der aej im Jahr 1949
mit der Vielfalt ihrer theologischen, historischen und politischen Ansätze ein,
um gemeinsame Aussagen, Konzepte und Aktivitäten zu entwickeln.
Zurzeit zählen acht evangelische oder ökumenische Verbände, Einrichtungen
und Fachorganisationen als außerordentliche Mitglieder zum Netzwerk der
aej. Außerdem ist die aej mit vielen anderen Organisationen und Bewegungen
vernetzt, denen Kinder- und Jugendarbeit ein Anliegen ist.
1946 gab sich die „Evangelische Jugend
Deutschlands“ eine Ordnung und ein Zeichen,
das vom Rat der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) beschlossen wurde: das
Kreuz auf der Weltkugel. Es weist darauf
hin, dass Evangelische Jugend in all ihrer
Vielfalt sich auf den Herrn gründet, der von
sich sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber
seid getrost, ich habe die Welt überwunden“
(Johannes 16, 33). Bei allen Unterschieden
zwischen den Verbänden, Gruppen und Ver­
einen gilt das Kugelkreuz als das verbindende
Symbol für die Einheit in Christus.
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in Deutschland e.V.
2012
Leben lernen,
aej-Jahresbericht
aber wie?
Themen • Ergebnisse • Informationen
IMPRESSUM
aej-Jahresbericht 2012
Leben lernen, aber wie?
Herausgegeben
von der Arbeitsgemeinschaft
der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V.
Redaktion:
Mike Corsa
Dr. Veit Laser
Manuela Ertel
unter Mitarbeit von
Mike Corsa
Michael Freitag
Michael Glatz
Stephan K. Groschwitz
Dagmar Hisleiter
Gabriele Jahn
Doris Klingenhagen
Katharina Kühnle
Dr. Veit Laser
Simone Pleyer
Dr. Thomas Schalla
Dr. Karsten Schulz
Ottokar Schulz
Dirk Thesenvitz
Martin Weber
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V. (aej)
Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-0
Telefax: 0511 1215-299
www.evangelische-jugend.de
www.evangelisches-infoportal.de
www.jupp-der-preis.de
Oktober 2012
© edition aej, Hannover
Druck:
MHD Druck und Service GmbH
29320 Hermannsburg
Diese Publikation wird aus Mitteln des
Bundesministeriums für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend gefördert.
Titelbildcollage (von links nach rechts):
JUPP-Gewinner • Transformationskongress •
aej-Vorstand • Jung, evangelisch, sucht: Zukunft! •
JUPP-Verleihung • Marmelade für Alle!
Inhalt
Leitmotiv und Leitziele für die Arbeit der aej . .......................................... 9
Vorwort ................................................................................................. 11
Dr. Thomas Schalla
Einführung ............................................................................................ 17
Mike Corsa
Themen und Aktivitäten
Glauben leben
Ökumenischer Kreuzweg der Jugend 2012 ............................................... 25
„BasisBibel“ ......................................................................................... 27
Gottesdienste für junge Menschen . ........................................................ 29
Bible Challenge ..................................................................................... 30
Jugendkirchen ....................................................................................... 31
Reformation 2017 . ................................................................................. 34
Evangelischer Kirchentag in Hamburg .................................................... 36
Wirklichkeit gestalten
Nachhaltige Entwicklung ....................................................................... 37
Green Hand Day ................................................................................ 37
Die Ökumenischen Riotagungen 1 und 2 .............................................. 39
Transformationskongress .. ................................................................. 40
Fairer Handel . ....................................................................................... 42
Aktuelle Entwicklung . ........................................................................ 42
GEPA ................................................................................................ 43
GEPA Fair Trade Beteiligungsgesellschaft ............................................ 44
Fair Trade e. V. .. ................................................................................. 45
Gender Mainstreaming .......................................................................... 45
3
Aufarbeitung der Partnerschaftsarbeit Ost-West
im Lichte der DDR-Staatsorgane ............................................................. 47
Die Peace-Academy EVA 2012 .. ............................................................... 48
Migration .............................................................................................. 49
Coaching-Projekt mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen
in Deutschland .................................................................................. 51
TANDEM – Vielfalt gestalten! .............................................................. 54
Dialog und Kooperation ..................................................................... 57
Engagiert statt abgehängt .................................................................. 61
Extremismus ......................................................................................... 64
Jung, evangelisch, sucht: Zukunft! ....................................................... 65
Das Projekt DEMO ............................................................................. 67
Horizonte erweitern
JUgendProjektPreis – JUPP! 2011 ........................................................... 71
Bilaterale Beziehungen der aej .. ............................................................ Frankreich .. ...................................................................................... Polen .. ............................................................................................. Heiliges Land ................................................................................... Vereinigtes Königreich ...................................................................... Russland . ........................................................................................ China und Taiwan ............................................................................. 74
74
76
77
79
80
81
Kinder in der Evangelischen Jugend ....................................................... 82
Globales Lernen ................................................................................... „Ich bin hin und weg“, das öko-faire Küchenbuch ................................ Regionale Workshops ....................................................................... Marmelade für Alle! . ......................................................................... 84
84
85
86
Europäische Jugendpolitik . ................................................................... Die aej in Brüssel .............................................................................. EU-Förderprogramme . ...................................................................... „youngstars“ . .................................................................................. 88
88
91
93
Inklusion .. ............................................................................................ 94
4
Räume schaffen
Kinderschutz ........................................................................................ 95
Evangelische Jugend und Schule ........................................................... 100
Fördermittel – Entwicklungen und Herausforderungen .. .......................... 102
Fördermittel 2012 im Überblick . ............................................................ 106
aej-ESG-Forum Wissenschaft und Praxis ................................................ 109
Zweite Konfirmand(inn)enstudie ........................................................... 109
Beteiligung fördern
Engagementpolitik ............................................................................... 111
Ökumenischer Arbeitskreis Ehrenamt ................................................ 111
Strategiepapier der EKD . .................................................................. 111
Ehrenamtssurvey ............................................................................. 112
DJI-Studie „Keine Zeit für Jugendarbeit?“ ........................................... 112
Ehrenamtskongress . ........................................................................ 113
Jugendpolitische Aspekte der Freiwilligendienste ............................... 113
Kompaktseminar „Jugend Macht Politik“ .. ............................................. 117
Kinder- und Jugendpolitik ..................................................................... 119
EKD-Synode ......................................................................................... 121
Qualität entwickeln
Hauptberuflichkeit .. .............................................................................. 125
EKD-Ad-hoc-Kommission Berufsprofile ............................................... 125
Fort- und Weiterbildung .................................................................... 126
Handbuch Jugend in evangelischer Perspektive . .................................... 128
Realität evangelischer Kinder- und Jugendarbeit .................................... 130
Bundesweite Statistik ....................................................................... 130
Expert(inn)engruppe ......................................................................... 131
5
Evangelische Kinder- und Jugendfreizeiten ............................................ 131
Evangelische Tagungshäuser und Jugendunterkünfte ............................. 135
Qualitätsentwicklung und Auswertung KJP-Gespräche . .......................... 138
Vernetzt handeln
Die Evangelische Jugend als „Learning Community“ .. ............................. 145
Strukturelle Veränderungen in der Evangelischen Jugend ....................... 154
Die aej-ESG-Geschäftsstelle – eine evangelische Kompetenzstelle
für Fragen zu den Lebenslagen junger Menschen ................................... 155
Evangelische StudentInnengemeinde
in der Bundesrepublik Deutschland (ESG) .. ......................................... 156
Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schülerinnen- und
Schülerarbeit (aes) ........................................................................... 157
Studium in Israel e. V. ....................................................................... 159
Kooperationen .. .................................................................................... 161
Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung ... 161
Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit............... 162
Evangelische Freiwilligendienste gGmbH ............................................ 163
Bund der Deutschen Katholischen Jugend .. ......................................... 165
Evangelisches Infoportal | Kindheit • Jugend • Bildung .. ......................... 166
Politische Netzwerke ............................................................................ 169
Ökumenische Vernetzung in Europa .. ..................................................... 172
Anschriften
Mitglieder und außerordentliche Mitglieder der aej ............................... 175
aej-Vorstand ........................................................................................ 180
aej-Geschäftsstelle .. ............................................................................. 181
Förder- und Finanzpolitischer Beirat der aej (FFPB) ................................ 184
Kinder- und Jugendpolitischer Beirat der aej (KJPB) . .............................. 185
6
Wichtige Anschriften im Inland . ............................................................ 186
Wichtige Anschriften im Ausland ........................................................... 191
Neuerscheinungen 2011/2012 ............................................................... 192
Die aej im Rückblick . ............................................................................ 194
Register ............................................................................................... 196
7
8
Leitmotiv und Leitziele für die Arbeit der aej
Orientierung an Christus –
Vielfalt als Chance –
Selbstbestimmung von Kindern
und Jugendlichen
Glauben leben
Wirklichkeit gestalten
Horizonte erweitern
Räume schaffen
Beteiligung fördern
Qualität entwickeln
Vernetzt handeln
Evangelische Jugend prägt den persönlichen
Glauben an Gott.
Evangelische Jugend verwirklicht Gerechtigkeit zwischen Menschen, zwischen den
Geschlechtern und den Generationen in der
Einen Welt.
Evangelische Jugend zeigt Wege in die Welt
auf.
Evangelische Jugend erkämpft Räume
in Kirche, Politik und Gesellschaft.
Evangelische Jugend beteiligt sich an
allen Entscheidungen, die junge Menschen
betreffen.
Evangelische Jugend bestimmt und sichert
Qualität in der Kinder- und Jugendarbeit.
Evangelische Jugend erzielt mit Partnerinnen
und Partnern nachhaltig Wirkung in Kirche,
Ökumene, Politik und Gesellschaft.
9
10
Vorwort zum Jahresbericht der aej 2012
Leben lernen, aber wie?
Die Reformation kennzeichnet den Beginn der Moderne.
Die theologischen Vorstellungen der Reformatoren
vom Menschen: seine Individualität, seine unvertretbare Würde und seine Gleichheit vor Gott haben in
Kirche und Gesellschaft das Ende des Mittelalters beDr. Thomas Schalla, Vor­sitzender der aej.
siegelt. Die Folgen der kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen sind noch heute virulent. Die
Reformation war aber auch eine Bildungsreform. Für die protestantische
Theologie gehörten Glaube (und damit das Leben) und Wissen von Anfang an
zusammen. Das Recht und die Möglichkeit, die Bibel in der eigenen Sprache
zu hören, zu lesen und zu verstehen hat neben der Reform der Kirche auch
die Bedeutung der Bildung insgesamt für den Men­schen in den Fokus gerückt. Die Expansion des Bildungswesens, die Gründung von Schulen und
Universitäten – die Aufklärung des Menschen insgesamt hat ihren Ursprung
in theologischen Einsichten und Glaubenserfahrungen. Wenn wir heute vom
Lernen des Lebens sprechen, dann können wir das im Bewusstsein tun, uns
zugleich im Kernbereich des Protestantismus zu bewegen.
Leben lernen, aber wie? Der Jahresbericht der aej steht in der Tradition
evangelischer Beschäftigung mit der Bildung des Menschen. Er formuliert
aus der Sicht Evangelischer Kinder- und Jugendarbeit Zugänge zur Bildung
von Persönlichkeit in Kirche und Gesellschaft, die sich einfügen in die theologischen Grunderfahrungen der Reformation. Der aej-Jahresbericht kann deshalb mindestens auf zwei Weisen gelesen werden: Er gibt zum einen Rechen­
schaft über die Aktivitäten, Akteure, Zahlen, Daten und Fakten in der Breite
der Arbeitsfelder der Arbeitsgemeinschaft. Es gibt eine Fülle von Details
zu entdecken und in den einzelnen Projekten und Arbeitsfeldern manchen
Schatz heben.
Zum anderen ist er ein Bildungsbericht, der erneut den Anspruch dokumentiert, im Raum evangelischer Kirchen und Gemeinschaften evangelisches
11
Bildungshandeln konzeptionell mit dem Leben von Kindern und Jugendlichen
zu verbinden. Die Überschrift gibt dafür Hinweise.
Leben lernen, aber wie? Wer die Überschrift mit einem Fragezeichen versieht, kann dahinter die Fragen junger Menschen selbst hören. Aus aktuellen
Jugendstudien wissen wir, wie wichtig Bildung für die Lebenskonzepte junger
Menschen ist. Es ist allen klar, dass Bildung immer mehr zur gesellschaft­
lichen Schlüsselqualifikation geworden ist. Sie ist die Bedingung für schu­
lischen und beruflichen Erfolg. Sie entscheidet maßgeblich mit darüber, ob
das je eigene Leben gelingen wird. In Deutschland erscheint das Bildungs­
system aber noch immer nicht als Bedin­gung gleicher Teilhabechancen für
alle, sondern als das weiterhin wirksamste gesellschaftliche Selektions­instrument. Junge Menschen erleben das auch so. Zugleich gibt es Anzeichen
dafür, dass die Heterogenität des Lebens und individuelles Lernen in den
Schulalltag Einzug hält.
Wie lernen junge Menschen unter diesen
Bedingungen das Leben?
Evangelische Kinder- und Jugendarbeit war schon immer auch Bildungsarbeit, die ohne Bildungspläne ausgekommen ist. Es gibt keine Lernziele
und -kon­trollen für das Leben junger Menschen in unseren Arbeitsfeldern.
Aber es gibt Grundhaltungen und Prinzipien, mit denen non-formales Lernen
ermöglicht wird. Wie das Leben lernen? Ohne Räume für Beteiligung und
Selbstbe­stim­mung junger Menschen wird es nicht gelingen. Der Jahres­
bericht dokumentiert in vielen Bereichen, wie dieses zentrale Anliegen an
evangelisches Bil­dungshandeln umgesetzt wird. Vielfach geht es dabei um
strukturelle Unter­stützung für den Auf- und den Ausbau partizipativer For­
men von Kinder- und Jugendarbeit. Finanzielle Hilfen, Kooperationsprojekte,
Coachingprojekte und die Begleitung von Initiativen vor Ort – das Leben
lernen können wir jungen Menschen nicht abnehmen und die Inhalte der
Lern­prozesse entwickeln sich im Miteinander. Aber Evangelische Jugend
begleitet sie in diesem Prozess in Freiräumen, die ihrer Selbstentfaltung und
dem Wachstum ihres Lebens dienen.
12
Kinder und Jugendliche lernen das Leben in der Evangelischen Kinderund Jugendarbeit in der Verbindung von Glauben und Leben. Sie begegnen
in unseren Arbeitsfeldern der frohen Botschaft Jesu Christi. In Worten und
Taten, in der Begegnung mit der Bibel und in der Begegnung mit Menschen
können junge Menschen immer wieder das „Ja“ Gottes erleben. Die Mit­arbei­
tenden in Gemeinden, Verbänden und Arbeitsformen können ihnen etwas
zutrauen und zumuten, weil Gott ihnen etwas zutraut und sie in Anspruch
nimmt für seine Welt. Aus dem JA Gottes entsteht konkret der Mut, sich für
das eigene Leben und das der anderen einzusetzen.
Leben lernen, aber wie! Wer die Überschrift mit einem Ausrufezeichen
versieht, kann im Jahresbericht deshalb auch das Vertrauen auf Kinder und
Jugendliche und das Selbstver­trauen von Kindern und Jugendlichen ent­
decken. Evangelisch ist unsere Kin­der- und Jugendarbeit auch darin, weil sie
jungen Menschen etwas zutraut und ihnen vertraut. Kinder und Jugendliche
wollen das Leben lernen und sie können es, wenn andere es ihnen zutrauen
und sie darin begleiten. Das gehört zum Basiswissen evangelischer Kinderund Jugend­arbeit in der aej und ist auf allen Seiten des Jahresberichts als
Grundhaltung zu entdecken. Zugleich ist es eine theologische Einsicht und
eine Erfahrung des Glaubens. Denn die Freiräume, die Kinder und Jugendliche
in Gemeinde, Kirche oder Jugendverband finden, leben von der Freiheit der
Kinder Gottes. Hier ist keiner ist des anderen Herrn und zugleich ein jeder
des anderen Diener.
Martin Luther hat diesen Grundzug evangelischer Freiheit für den Lebens­
raum der Kirche reklamiert und damit zugleich Leben und Lernen von Men­
schen in den Dienst am anderen gestellt. Lernen, Beruf und eigene Entwick­
lung ist in dieser Tradition wichtig, aber kein Selbstzweck. Das alles dient
zugleich der Verantwortung für das Wohl des Nächsten.
Wenn Kinder und Jugendliche das Leben lernen, dann lernen sie bei uns
diese beiden Seiten evangelischen Glaubens kennen: die Liebe zur Freiheit
und die Liebe zu den anderen Menschen – und damit zugleich Themen der
Reformation.
2012 haben wir die Halbzeit der Reformationsdekade erreicht. 10 Jahre
insgesamt hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland Zeit genommen,
13
den Weg der Reformation zurück zum Thesenanschlag Martin Luthers zu verfolgen. In Themenjahren werden entscheidende Impulse der Reformation
entfaltet und in den einzelnen Landeskirchen und ihren Gliederungen in unterschiedlicher Intensität aufgegriffen.
Die 122. Mitgliederversammlung hat eine Projektgruppe eingesetzt, die für
die aej Beteiligungsformen und Möglichkeiten der jugendspezifischen Auf­arbeitung der Reformation prüfen, erarbeiten und zum Beschluss vorlegen soll.
In den Beratungen der Projektgruppe wurde bekräftigt, dass die Beteili­gung
der Evangelischen Jugend in Deutschland am zentralen Abschluss unerlässlich
ist. Mit ihr nimmt die aej ihre Verantwortung für Fragen von Kindheit, Jugend
und Bildung in Deutschland öffentlich wahr. Ebenso unerlässlich ist aber,
dass die Beteiligung nicht auf ein zentrales Ereignis im Jahr 2017 beschränkt
wird sowie Form und Inhalt beteiligungsorientiert in der aej und unter ihren
Mitgliedern entwickelt werden müssen. Reformation wird dabei als ein Pro­
zess verstanden, in dem sich die Relevanz des Glaubens im Gespräch mit jungen Menschen entfaltet und bewährt. Das setzt voraus, dass die Bot­schaft
des Evangeliums gehört, verstanden und so unter die Menschen gebracht
wird, dass ihr Trost und ihre Verheißung für das Leben junger Men­schen
wichtig werden können. Die Projektgruppe hat dafür Vorschläge erarbeitet.
Leben lernen, aber wie? Das heißt im Rahmen der reformatorischen Ver­
gewisserung schließlich auch danach zu fragen, was Gesellschaft und Kirche
von jungen Menschen heute unbedingt hören müssen. Vieles gibt es da
gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Es wird in diesem
Zusammenhang aber wichtig sein, auch an die Grenzen des Lernens zu erinnern. Junge Menschen können und wollen nicht alles lernen, und lebenslanges Lernen ist längst nicht allen Menschen eine erstrebenswerte Vision. Das
wichtigste im Leben kann nicht gelernt und handhabbar gemacht werden, es
wird uns geschenkt von Gott und von Menschen: Vertrauen, Respekt und
Liebe. Deshalb wird sich evangelische Kinder- und Jugendarbeit dagegen
wehren, dass Bildung und Lernen instrumentalisiert und fremden Zwecken
unterworfen werden.
Seit der Reformation ist nicht nur das Bildungssystem gewachsen und
gelernt hat in diesen Jahrhunderten nicht nur der Einzelne, sondern ebenso
14
die Kirche insgesamt. Zunehmend wächst die Einsicht, dass die innerkirch­
lichen Spaltungen kein angemessenes Zeugnis für die Einheit der Vielen im
einen Leib Gottes sein können. Die aej hat hier mehr und schneller gelernt
als andere. Es ist im Leben der Evangelischen Jugend spürbar, dass Unter­
schiede nicht so wichtig sind wie das gemeinsame Bemühen um die Zukunft
von Kindern und Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft. In ihrer Breite ist
die Vielfalt von Erfahrungen und Zugängen zu Glaube, Kirche und Gesell­schaft
in der aej selbst ein Lernfeld und ein Vorbild für die Kirchen der Reformation
insgesamt.
Leben lernen, aber wie? Für die aej ist dieses Motto auch eine Erinnerung
an die die Lebendigkeit der eigenen Bildungserfahrungen im Jugendverband.
Die Kinder und Jugendlichen, die ihr Leben lernen, sind der eigentliche
Gradmesser für die Reichweite und Wirksamkeit unserer Arbeit. Ihre Fragen
und ihre Antworten standen und stehen im Mittelpunkt evangelischer Kinderund Jugendarbeit. Dafür tun wir viel in vielen Arbeitsfeldern. Aber auch der
Glaube an Gottes Verheißung und die tägliche Vergewisserung, dass viele
unterwegs sind, steckt in allen Seiten dieses Jahresberichts und steht hinter
Projekten, Maßnahmen und Strukturen. Es sei deshalb allen gedankt, deren
Arbeit und Engagement in den folgenden Abschnitten implizit oder explizit
erwähnt wird. Die Fülle und der Reichtum der Arbeit vor Ort wird damit gefördert und gestärkt. So lernen wir miteinander zu leben.
Dr. Thomas Schalla
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der
Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej)
15
16
Einführung zum Jahresbericht der aej 2012
Der aej-Jahresbericht gibt Auskunft über die Schwer­
punkte der aej im Jahr 2012. Dabei wird nicht nur
Erreichtes aufzeigt, sondern der Blick auch in die
Zukunft gerichtet und wie im Vorwort und dieser
Einleitung grundlegenden Spuren der Arbeit nach­
gegangen. Als Gesamtbericht fasst er die unterschied­
Mike Corsa,
lichen Formen von Aktivitäten – die Arbeit des Vor­
Generalsekretär der aej.
stands, der Arbeitsgremien und der Geschäftsstelle,
die Ergebnisse von Projekten, Entwicklungen in Außenvertretungen u. v. m. –
thematisch zusammen. Es handelt sich dabei um die großen Linien, die zum
Teil konkret ausgeführt wer­den, zum Teil aber nur einen Überblick geben.
Auf Detailfragen geben die engagierten Mit­wirkenden in den Gremien und
die fachkundigen Mitarbeiter(innen) der aej-ESG-Geschäftsstelle gerne eine
Antwort.
Leben lernen, …
Die „Zeitansagen zur evangelischen Kinder- und Jugendarbeit – Ein starkes
Stück Protestantismus“ geben den Impuls für den Leitgedanken dieses
Jahresberichts: „Leben lernen, aber wie?“ – das Grundmotiv von Kinder- und
Jugendarbeit. Beschäftigt man sich intensiver mit der Funktion und Wirkung
von Kinder- und Jugendarbeit, dann fasst diese Aussage als Extrakt in erstaunlicher Weise zusammen, was Kinder- und Jugendarbeit ausmacht. Viele Be­
schreibungen über Kinder- und Jugendarbeit kreisen um diesen Kern. Umso
bemerkenswerter ist, dass diese Erkenntnis außerhalb so wenig aufgenommen wird. Kinder- und Jugendarbeit als eigenständiges und organisiertes
Angebot der Gesellschaft an junge Menschen haftet auch heute an, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu sein, die keine professionellen Kompetenzen
voraussetzt, weil sie überwiegend durch das selbstbestimmte Engagement
junger Menschen zustande kommt. Das macht ihr das Leben in den heutigen
(fach-)politischen Debatten schwer. In der Frage, was junge Menschen auf
ihrem Weg ins Erwachsenenleben an Förderung und Begleitung brauchen,
17
verliert die Kinder- und Jugendarbeit an Boden – zwischen einer aufgewer­
teten bildungsorientierten Ganztagesbetreuung in Kindertagesstätten und
einer – demnächst – inklusiven Ganztagesschule mit im besten Fall rythmisiertem Ablauf, der unterschiedliche Lern- und Arbeitsformen bis in den Nach­mittag vorsieht. Die wachsende und notwendige gesamtgesellschaftliche
Verant­wortung für das Aufwachsen (der kommende 14. Kinder- und Jugend­
bericht wird dazu wieder einen bemerkenswerten Beitrag leisten) führt zur
Über­prüfung und Neujustierung der Funktionsbestimmungen unterschied­
licher Angebote von Bildung, Betreuung und Erziehung. Dabei stellt sich die
Frage, welchen Beitrag die Kinder- und Jugendarbeit für das Aufwachsen leisten will und kann. Von einer überzeugenden Beantwortung dieser Frage wird
die Akzeptanz und Zukunft der Kinder- und Jugendarbeit abhängen. Darüber
sollten wir uns bewusst sein.
... aber wie?
Diese besondere Form des „Leben lernen“ und des Experimentierens mit unterschiedlichen Bausteinen für eine Lebens- und Glaubensführung nach dem
Motto „aber wie?“ hat einen festen Ort in unserer Gesellschaft – zwischen
der Schule mit klarer Auftragslage und der peer-group, die sich bewusst von
strukturierter gesellschaftlicher Organisation und vorgegebenen Zielbe­stim­
mungen absetzt. Junge Menschen nehmen aufmerksam die Bedingungen der
unterschiedlichen Settings wahr und weisen ihnen unterschiedliche Funk­tio­
nen zu. So muss beispielsweise davon ausgegangen werden, dass Kinderund Jugendarbeit von jungen Menschen im Rahmen von Schule anders betrachtet und genutzt wird wie in den unterschiedlichen eigenständigen Loca­
tions der Kinder- und Jugendarbeit. Dieses Zusammenspiel aus Freiwilligkeit,
Gemeinschaft, Engagement, Bildungsanlässen und inhaltlicher Anregung, für
das Kinder- und Jugendarbeit in ihren unterschiedlichen Ausformungen steht,
entfaltet Wirkungen, die bislang nicht ausreichend belegt werden. Das kann
exemplarisch und gut in der kirchlichen und politischen Debatte über das
freiwillige, ehrenamtliche Engagement gezeigt werden: Obwohl Kinder- und
Jugendarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Entfaltung des Engagements
leistet kommt sie bei den derzeitigen politischen Debatten ins Hintertreffen.
18
Der Fokus der Betrachtung verschiebt sich auf Erwachsene und Ältere,
obwohl nachgewiesen ist, dass eine tragfähige Bereitschaft für ein gesellschaftliches Engagement insbesondere durch Erfahrungen in der Jugend­
phase geweckt werden – und gerade die vielfältigen Settings in der Kinderund Jugendarbeit das Engagement junger Menschen ermöglichen und fördern. Dass der Bundesfreiwilligendienst auch Erwachsene ansprechen soll
und in manchen Regionen als Arbeitsmarktinstrument für Ältere „missbraucht“
wird, ist nur ein Beleg dafür. Ein weiterer Anhaltspunkt für die schwache
Position der Kinder- und Jugendarbeit bieten die innerkirchlichen Darstel­
lungen – im Rahmen der Studie „Konfirmandenarbeit in Deutschland“ 2009
wurde herausgearbeitet, dass in der Konfirmandenarbeit rund 60 000
Ehrenamtliche, überwiegend Jugendliche, engagiert sind. Die Protagonisten
sehen in der Konfirmandenarbeit einen zentralen Bereich protestantischer
Ehrenamtskultur im Jugendalter. Die evangelische Kinder- und Jugendarbeit
kann bisher ihr sicherlich weit darüber hinausreichendes Potential an jugendlichem Engagement nicht ausreichend belegen. Auch wenn es bei Fachkräf­
ten der Kinder- und Jugendarbeit nicht beliebt ist, an einer indikatorenorientierter, datenbasierter Beschreibung der Arbeit kommen wir nicht mehr vorbei, wenn die Kinder- und Jugendarbeit in der ersten Liga für das Aufwachsen
weiter mitspielen will. Der 12. Kinder- und Jugendbericht 2005 versucht zwar,
die besondere Bildungsleistung der Kinder- und Jugendarbeit herauszustellen – kommt aber zum Ergebnis, dass der Erkenntnisstand über das Wirken
der Kinder- und Jugendarbeit ebenso unbefriedigend ist wie die Forschung
dazu.
Die aej stellt sich dieser Situation der Kinder- und Jugendarbeit, arbeitet
trotz einiger Widrigkeiten an einer dauerhaft verbesserten Datenlage und
gibt Impulse für die konzeptionelle Weiterentwicklung. Dabei steht derzeit im
Vordergrund, …
… die Bedeutung (evangelischer) Kinder- und Jugendarbeit für das
Aufwachsen herauszuarbeiten.
Die Zeichen der Zeit müssen offensiv angegangen werden, solange wir der
Überzeugung sind, dass Kinder- und Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag für
junge Menschen leisten kann. Und dieser Beitrag sollte nicht nur konzeptio-
19
nell normativ beschrieben werden, sondern die Realität abbilden. Mit wissenschaftlichen Studien wie „Jugend im Verband“ hat sich die aej zwar immer
wieder der wissenschaftlichen Beobachtung zu zentralen Fragen evangelischer Kinder- und Jugendarbeit geöffnet – doch das reicht heute nicht mehr
aus. Für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit werden Formen für die
kontinuierliche Beobachtung von Entwicklungen zu zentralen Fragen der
Arbeit benötigt. Im Kontext der aej haben wir dabei wichtige Schritte unternehmen und stärken können:
➜ In gemeinsamer Verantwortung werden aej und die Landesjugend­pfarr­
ämter regelmäßig Daten zur evangelischen Kinder- und Jugendarbeit
erheben. Erster bundesweiter Durchlauf ist das Schuljahr 2012/2013. Teil­ nehmende, Ehrenamtliche und Hauptberufliche, Gruppen, Projekte, offene
Einrichtungen und Freizeiten – all das soll online in eine Fragebogenmaske
eingetragen werden – vom Kirchenkreis bis zur Bundesebene. Es kann
nicht häufig genug appelliert werden, sich an den Erhebungen zu beteiligen. Zum einen liefern sie Daten, die im eigenen Aufgabenbereich durch
die Möglichkeiten der Auswertung zur Darstellung der Arbeit genutzt werden können. Zum andern werden erstmalig haltbare Daten über die Reali­
tät der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit im gesamten Bundes­ gebiet zur Verfügung stehen. Die Evangelische Jugend wird damit auf ihren
unterschiedlichen Organisationsebenen aussagefähig.
➜ Eine aej-Expert(inn)engruppe mit sieben Vertreter(inne)n von aej-Mitgliedern widmet sich der systematischen Beobachtung der Praxis evangelischer Kinder- und Jugendarbeit. Nach festgelegten Kriterien beobachten
sie einzelne Handlungsfelder und schaffen damit die Grundlage zu Be­
schreibungen der Realität. Nicht nur der Blick über die eigenen fachlichen,
regionalen und Verbandsgrenzen hinaus ist dabei gefordert sondern auch
eine hohe Verbindlichkeit bei der Mitarbeit, die notwendig ist, um die
Entwicklungen bewerten und die Arbeit der evangelischen Kinder- und
Jugendarbeit realitätsorientiert beschreiben zu können. Erste Ergebnisse
der im Jahr 2010 begonnenen Arbeit werden im nächsten Jahr vorliegen.
➜ Ein wichtiges Instrument der Kommunikation und Darstellung ist in diesem Fall auch das „Evangelische Infoportal Kindheit – Jugend – Bildung“.
Hier werden aktuelle Erkenntnisse aufgearbeitet präsentiert zur Nutzung
20
an allen Orten und in allen Lagen, wo evangelische Kinder- und Jugend­
arbeit gut begründet und dargestellt werden muss. Es wird weiter daran
gearbeitet, dass das Infoportal eine umfassende Wissensbasis über die
evangelische Kinder- und Jugendarbeit bieten kann.
Das sind wichtige Instrumente zur Beschreibung der Realität der evange­lischen Kinder- und Jugendarbeit – herauszuarbeiten ist auf dieser Grundlage,
welchen unerlässlichen Beitrag die Kinder- und Jugendarbeit für ein gelingendes Aufwachsen leistet. Das ist auch deshalb so wichtig, weil der in Deutsch­
land eingeschlagene Weg einer ganztägigen institutionellen Begleitung von
Kindern und Jugendlichen unumkehrbar ist. Damit verändern sich die Rah­men­bedingungen für außerschulische Gestaltungs- und Bildungsorte grund­
legend. Bisher gibt es noch keine tragfähigen Antworten. Kinder- und Jugend­
arbeit in und an der Schule verändert die Parameter – sie wird mehr zum
pädagogischen Angebot in reglementierter Umgebung als in außerschulischen Settings. Dort ist sie ein fragiler Prozess der Aushandlung über die
jeweiligen Formen und Inhalte, die junge Menschen gestalten wollen. Im
schulischen Setting verliert sie aus heutiger Sicht zentrale Elemente, die
jedoch bedeutungsvoll für das Aufwachsen sind: selbstbestimmte Gemein­
schaftsbildung, Aushandlungsprozesse in der Gleichaltrigengruppe, Freiheit
jederzeit zu gehen, Übernahme von weitreichender Verantwortung, beglei­
teter Raum für Fragen des Lebens unter Gleichaltrigen. Dies gilt es besser
aufzuzeigen und dabei Kinder-und Jugendarbeit in den entscheidenden De­
batten als Leistung aufzuwerten, die die Gesellschaft jedem jungen Men­
schen neben Kindertagesbetreuung und Schule zur Verfügung stellt. Die aej
prüft, ob ein auf den jungen Menschen bezogener Rechtsanspruch auf Kin­
der- und Jugendarbeit möglich und hilfreich ist, diese Argumentationsfigur zu
stärken.
… Evangelische Kinder- und Jugendarbeit als Ort für Glaubensbildung zu behaupten.
In den Debatten über die zukünftige Gestalt der evangelischen Kirchen und
über ihre Kernaufgaben muss es gelingen, Kinder- und Jugendarbeit als einen
besonderen Ort für Glaubensfragen und Glaubensbildung darzustellen. Oft
wird verkürzt auf Konfirmandenarbeit und Religionsunterricht geschaut, ohne
21
wahrzunehmen, welche Möglichkeiten Kinder- und Jugendarbeit beinhaltet
und welche Leistung sie in der Vermittlung von Grundlagen des christlichen
Glaubens erbringen kann. Wieder verweisend auf das besondere Setting der
Kinder- und Jugendarbeit entfalten sich dort die Fragen des Lebens auf ganz
eigene Weise. Die den Vorstellungen junger Menschen nachgehenden Ange­
bote der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit können eine Verbindung
zwischen den biblischen Erzählungen, christlichen Traditionen und den drängenden Fragen von Jugendlichen schaffen, die die Entwicklung einer tragfähigen Glaubenspraxis unterstützt. Für die aej ist deshalb wichtig,
➜ mit Gottesdienstmaterialen das nach wie vor große Interesse junger Men­
schen an Jugendgottesdiensten aufzugreifen und ehren- wie hauptamt­
lichen Mitarbeiter(inne)n praxiserprobte, qualifizierte, themenorientierte
Hilfen an die Hand geben zu können. Geplant sind regelmäßige Veröffent­ lichungen beginnend zu den kirchlichen Festen, die anschließend den Pool
an Praxismaterialien auf dem Evangelischen Infoportal erweitern sollen;
➜ die Konzepte, strukturelle Festigung und die Perspektiventwicklungen von
Jugendkirchen zu begleiten. Sowohl die ökumenischen Jugend­kir­chen­
sym­posien als auch die evangelischen Netzwerktreffen bzw. Konsulta­tio­
nen sind wichtige Anlässe für den Austausch, die gegenseitige Anregung
und die Auseinandersetzung über notwendige neue Impulse. Zwischen­
zeitlich sind Jugendkirchen der beäugten Modellphase entwachsen und
etablieren sich als eine besondere Form jugendlichen Lebens in den evangelischen Kirchen.
… Evangelische Jugend als Rahmen für die Artikulation jugendlicher
Interessen zu stärken.
Die erwähnte kalte Brise, die der Kinder- und Jugendarbeit ins Gesicht weht,
erfordert zwangsläufig, die Interessen von Kinder- und Jugendlichen und
damit der Kinder- und Jugendarbeit in den gesellschaftlichen Debatten zur
Geltung zu bringen. Sicherlich ist die suboptimale Performance der Kinderund Jugendarbeit auch ein Ausdruck des gewandelten Verständ-nisses von
Einmischung in politische Prozesse. Es ist deshalb von hoher Priorität in dieser Situation die Auseinandersetzung mit Kirchenleitung, Politik und Wissen­
schaft über die Leistungen der Kinder- und Jugend­arbeit für ein gelingendes
22
Aufwachsen offensiv zu suchen. Das gilt übrigens in besonderer Weise für
die Europäische Union, weil viele Mit­gliedsstaaten diese Vielfalt von Formen
und Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit nicht kennen – und so auch
nicht ihre Bedeutung für junge Menschen sehen. Die Erfahrungen der aej in
Brüssel sind ein eindrückliches Zeichen dafür.
… aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen.
Die gesellschaftspolitischen Entwicklungen geben sicherlich eine Vielzahl
von Impulsen, die die Evangelische Jugend aufgreifen könnte. Eines ist aber
gewiss – am Thema Inklusion wird sie nicht vorbeikommen. Durch die Rati­f i­
zierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist das gesellschaftspolitische
Konzept Inklusion ganz oben auf der Tagesordnung. Es geht nicht mehr um
eine Integration von Menschen mit Behinderungen in die Mehrheits­gesell­
schaft, sondern um den inklusiven Umbau der Gesellschaft, der jedem Men­
schen jenseits seiner Stärken und Einschränkungen einen gleichberechtigten
Platz ermöglicht. Dieses gleichberechtigte Miteinander mitten im Leben stellt
jede Form separierender Angebote in Frage und zwingt zur Auseinander­
setzung, wie alle (jungen) Menschen an den vielfältigen Möglichkeiten teil­
haben können, die unsere Gesellschaft bietet. Werden junge Menschen mit
Behinderungen nicht mehr täglich in sonderpädago­gische Einrichtungen
verbracht sondern bleiben im Sozialraum, gehen mit allen anderen Kindern
in die Kindertagesstätte, in die Schule, so wird sich binnen kürzester Zeit
auch die Frage nach der Partizipation in der Kinder- und Jugendarbeit stellen
– und zwar nicht als spezifisches Angebot für Be­hinderte und Nichtbehin­derte, sondern in allen alltäglichen Formen. Hierauf wird sich die Evange­lische
Jugend vorbereiten müssen. Für den strukturierten Dialog kooperiert die aej
mit dem Bundesverband Diakonie und der Aktion Mensch, um herauszuarbeiten, wie viel Inklusion eine selbstbestimmte verbandliche Kinder- und
Jugendarbeit zulässt – und natürlich wie der Weg dahin aussehen kann. Die
Erfahrungen mit bisherigen Angeboten der „integrativen Kinder- und Jugend­
arbeit“ sind eine qualifizierte Basis für diese Debatte.
Liebe Leserinnen und Leser, eine Einführung hat die Aufgabe, Grundlinien
aufzuzeigen, die in den folgenden Kapiteln mit viel Sachverstand entfaltet,
23
differenziert und ergänzt werden. Der aej-Jahresbericht gibt einen Einblick in
die Fülle der selbstgestellten und übertragenen Aufgaben, in die Arbeits­
gebiete der aej, ihrer Themen und ihrer Netzwerke. Dies alles gelingt, weil
sich eine große Zahl von sachkundigen kompetenten Menschen engagiert in
die aej einbringt und für die aej wirkt – in Gremien und Außenvertretungen –
und durch ein sehr motiviertes und qualifiziertes Team der aej-ESG-Geschäftsstelle. Allen Mitwirken­den danke ich herzlich für ihr großes Engagement.
Und nun ist der Blick auf die einzelnen Teile des Berichts von jeder und
jedem Lesenden selbst zu richten. Viel Erkenntnis und Spaß!
Mike Corsa
Generalsekretär
der Arbeitsgemeinschaft
der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V. (aej)
24
Glauben leben
Evangelische Jugend prägt den persönlichen
Glauben an Gott.
Ökumenischer Kreuzweg der Jugend 2012
Im Jahr 2012 ist der Kreuzweg der Jugend als ökume­
nisches Projekt 40 Jahre jung: 1972 wurde der in der
katholischen Kirche bereits 1958 als Gebetsbrücke
zwischen Ost und West entstandene Jugendkreuzweg
durch engagierte evangelische und katholische
Christ(inn)en aus dem Bereich der Jugendarbeit auf
eine ökumenische Basis gestellt.
Seitdem gestaltet die aej in Zusammenarbeit mit dem Bund der Deutschen
Katholischen Jugend (BDKJ) und der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der
Deutschen Bischofskonferenz (afj) in jährlichem Rhythmus den „Ökumeni­
schen Kreuzweg der Jugend“. Geschätzt 50.000 junge und bisweilen auch
ältere Menschen beten jährlich an vielen hundert Orten in ganz Deutschland
den Kreuzweg.
Der traditionelle Termin liegt in der Passionszeit am Freitag vor Palm­­sonn­tag. Die Materialien werden durch eine ökumenisch zusammengesetzte
Redaktionsgruppe entworfen und verfasst. Neben dem angebotenen litur­
gischen Text gibt es Anregungen für die Weiterentwicklung der Texte und
eigenständige Inszenierungen durch die beteiligten Jugendlichen. Längst
nutzen Grup­pen, Gemeinden oder
Schulklassen die Materialien auch
bei anderen Gelegenheiten im
Jahresver­lauf z. B. auf Freizeiten.
Oft wird das Material auch im
schulischen Reli­gionsunter­richt,
im Rahmen der Kon­f ir­mand(inn)en­­arbeit und gelegentlich auch bei
gottesdienstlichen Veranstal­-
25
tungen der „Erwachse­nenge­meinde“
genutzt.
Die Formen sind bunt und viel­
fältig: Gruppen beten den Jugend­
kreuzweg in einfacher Form im Rah­
men einer Passionsandacht, Jugend­
kirchen gestalten ihn als außer­gewöhnlichen Gottesdienst im
Rahmen ihres Angebotes, Kirchen­
gemeinden bieten ihn am Karfreitag
als Gottesdienst für jugendliche
Zielgruppen an. In manchen Orten
wird er als Event gestaltet: Gruppen
in Sachsen gehen ihn als „Weg“ von
Dorf zu Dorf in der Nacht von Kar­
samstag auf Ostersonntag und
schließen ihn mit einem Oster­mor­
gengottesdienst als Auferstehungs­
fest ab. In Wuppertal gibt es den „Schwebebahnkreuzweg, bei dem jeweils
eine Schwebebahnstation eine Kreuzwegstation ist, und bei der diesjährigen
Auftaktveranstaltung in Trier führt der Kreuzweg durch die ganze Innenstadt.
Ziel des Jugendkreuzweges: Junge Menschen lernen in Zeiten zunehmender religiöser Sprachunfähigkeit und Unkenntnis die Passion Jesu Christi als
zentrales Ereignis des Glaubens kennen und gewinnen einen inhaltlichen
Zugang. Sie setzen das Leiden Jesu Christi in Beziehung zu ihrer Lebenswirk­
lichkeiten und zu Leid und Ungerechtigkeit im gesellschaftlichen und globalen Kontext. Deshalb ist der Jugendkreuzweg ein Ort für eine lebensweltlich
orientierte Form von christlicher Spiritualität.
„ER-LÖSE UNS“ ist der Titel des Kreuzweges der Jugend 2012. Die Texte
und Gebete versuchen, die Erlösung von Schuld, Tod, Leid durch Jesus Christus
zu erfassen und auf jugendliche Lebenswelten und Lebenserfahrungen herunter zu brechen. Szenenfotografien der Oberammergauer Passionsspiele
liefern das Bildmaterial.
26
Die Reaktionen auf die Bildauswahl kennzeichnen ein Spannungsfeld
des Jugendkreuzweges: Auf der einen Seite legt die Redaktion bei der
Bildaus­wahl und den Texten großen Wert auf ein auch künstlerisch hohes
Niveau; auf der anderen Seite sollen Texte und Bildmaterial so einfach
sprechen, dass Jugendliche unterschiedlicher Bildungsschichten und auch
jüngeren Alters einen unverstellten Zugang zum Passionsgeschehen gewinnen. Die natura­listisch anmutenden Fotografien von Szenen der Passions­
geschichte stoßen auf Kritik, insbesondere aus der „Erwachsenen­perspek­
tive“ und von künst­lerisch gebildeten Menschen. Andererseits zeigen die
hohen Verkaufszahlen und Reak­tionen von Jugendlichen, dass gerade die
Zielgruppe durch die realistischen Darstellungen einen Zugang gewinnt und
berührt wird.
Im Rahmen dieser Auftaktveranstaltung am Freitag vor Palmsonntag ziehen viele hunderte junger Menschen am Abend durch die Innenstadt von Trier.
Auf verschiedenen Plätzen sind die Bilder auf große Leinwände projiziert, die
Stationen werden von unterschiedlichen Jugendgruppen gestaltet. Neben
dem Redaktionsteam sind an der Veranstaltung der katholische Bischof
Dr. Stephan Ackermann und der EKD-Ratsvorsitzende Präses Dr. Nikolaus
Schneider beteiligt, der mit seiner beeindruckenden Predigt die jungen
Menschen offensichtlich erreicht.
Im Jahr 2013 greifen Redaktion und Herausgeber der ursprünglichen Idee
einer Gebetsbrücke zwischen Ost und West Rechnung und wählen als Bild­
material den Kreuzweg von Ulrich Barnickel am ehemaligen Todesstreifen der
Grenze zwischen der DDR und BRD am „Point Alpha“. Am Freitag vor Palm­
sonntag 2013 findet dort auch die Auftaktveranstaltung statt.
„BasisBibel“
Die aej hat als Kooperationspartner des Herausgebers (Deutsche Bibel­gesell­schaft) das Projekt „BasisBibel“ von Anbeginn inhaltlich begleitet, mitgestaltet und gefördert.
Nachdem im Herbst 2010 das Neue Testament (NT) als Gesamtausgabe in
Buchform erschienen ist, erscheint im Oktober 2012 zur Frankfurter Buch­
messe eine Aus­g abe des NT mit den alttes­tamentlichen Psalmen. Die Psal­
27
men gibt es auch einzeln in der Form eines
Son­der­druckes, so dass Besit­zer(innen) des
NT nicht gezwungen sind, das Gesamtpaket zu
erwerben.
Im Jahr 2012 beschließt der Verwaltungsrat
der Deutschen Bibel­gesell­schaft, dass die
BasisBibel komplett als Übersetzung des Alten
und des Neuen Tes­tamentes erscheinen wird.
Geplantes Erscheinungs­jahr der vollständigen
Übersetzung ist das Jahr 2019. Die aej ist am
Diskus­sions­prozess darüber beteiligt und betont aufgrund vorliegender Rückmeldungen,
dass junge Menschen eine Übersetzung des AT brauchen, die für sie verständlich ist und ihrem Mediennutzungsverhalten entspricht. Gleichzeitig
betont die aej, dass eine Übersetzung nötig ist, die bibelwissenschaftlich
auf der Höhe der Zeit und seriös ist und die nicht dem Irr­weg einer pseudo­
jugendsprach­lichen Anbiederung und verfälschender jugendkultureller
Übertragungen verfällt wie manche zeitgenössische Bibelübertragungen.
Das Leseverhalten junger Menschen ist – auch was die Bibel angeht –
crossmedial: Als Basis ist zunächst das Printmedium unverzichtbar („eine
Bibel muss man in die Hand nehmen können“). Seit 2011 liegt die DVD „bibelmultimedial“ als begleitendes Arbeitsmittel für die Arbeit mit der Bibel in
Jugend­gruppen, für den schulischen Religionsunterricht und für die Kon­f ir­
mandenarbeit vor. Sie bietet neben ausführlichen Wort- und Texterklärungen
zahlreiche Mate­rialien wie Bilder, Videoclips und Landkarten sowie eine
Reihe von Unterrichtsentwürfen. Das Internet ist als weiteres Medium für das
„Arbeiten mit der Bibel“ unersetzlich. Deshalb sind der Text der BasisBibel,
ausführliche Sach- und Worterklä­run­gen, Fotos und Abbildungen sowie weitere didaktische Begleitmaterialien über die Website www.basisbibel.de zugänglich. Neuerdings ist der Text der BasisBibel mit Wort- und Sach­erklä­run­
gen auch als App für iPhones und iPods erhältlich.
Der Verkaufserfolg übertrifft die Prognosen in hohem Maße. Die Rezep­
tion ist nahezu durchweg positiv. Die primäre Zielgruppe – Jugendliche und
junge Erwachsene, Mitarbeitende und Multiplikator(inn)en – wird erreicht.
28
Gottesdienste für junge Menschen
Ein weiteres Projekt ist die Erstellung von Gottesdienstmaterial für junge
Menschen. Eine Expert(inn)engruppe, bestehend aus Verantwortlichen der
aej-Mitglieder und der aej-ESG-Geschäftsstelle, erarbeitet ein Konzept.
Geplant wird zunächst die jährliche Herausgabe eines Werkbuch-Bandes mit
ca. 10 bis 15 Gottesdienstentwürfen für junge Menschen sowie theoretischen
und praktischen Überlegungen zur Gestaltung von zielgruppenspezifischen
Gottesdiensten. Diese Texte sollen jeweils ein Jahr später ins Evangelische
Informationsportal eingestellt werden. Auf die Dauer soll eine über das
Internet zugängliche Sammlung von Jugendgottesdienstmaterialien entstehen, die jährlich erweitert wird.
Viele aej-Mitglieder bringen keine eigenen Jugendgottesdienstmaterialien
heraus, signalisieren aber einen entsprechenden Bedarf. Andere edieren
jähr­lich oder punktuell Materialien oder ausgeführte Entwürfe für Jugend­
gottesdienste. Das neu geplante Werkbuch versteht sich als ergänzende ge-
29
meinsame Edition, die auch die Studierendenarbeit in den Blick nimmt. Die
Mate­rialien sollen sich vorzugsweise an Perikopentexten orientieren. Der
erste Band (geplanter Editionszeitpunkt: Ende 2013) soll Materialien zu den
Hauptfesten des Kirchenjahres enthalten.
Vorrangig sollen Entwürfe und Materialien von tatsächlich gefeierten
Gottesdiensten in die Bände aufgenommen werden, die möglichst auch mit
Bildmaterial dokumentiert und mit hilfreichen Praxisanalysen der Stärken
und Schwächen aus der Praxiserfahrung heraus versehen werden. Denkbar
ist mittelfristig aber auch ein Pool von Autor(inn)en, die zusätzlich Gottes­
dienstentwürfe zu bestimmten Texten und Anlässen entwickeln und in geeigneten Zusammenhängen vor der Edition erproben.
Bible Challenge
Das Thema „Jugend und Bibel“ ist Kernaufgabe der aej-ESG-Geschäftsstelle:
Das Interesse an der Bibel wird gefördert, Zugänge zur Bibel werden entdeckt, Wissen über die Bibel angeeignet und kritisch reflektiert. Dazu werden methodisch attraktive und milieuspezifisch niederschwellige Angebote
zum Umgang mit der Bibel entwickelt.
Die aej ist in diesem Kontext Kooperationspartner des Projektes „Bible
Challenge“, das derzeit unter Beratung der aej vom CVJM-Gesamtverband,
dem Deutschen Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) und dem
Bibellesebund entwickelt wird.
Ziel des Projektes ist es, Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren mit unterschiedlichen biblischen Vorkenntnissen zu einer Begegnung und zum
Umgang mit der Bibel herauszufordern, ihnen Zugänge und persönliche
Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft zu ermöglichen und Räume
für nachhaltige und eigenständige Zugangswege zur Bibel zu geben. Bible
Challenge richtet sich vor allem an Jugendliche, die mit der Bibel wenig oder
gar nicht in Berührung kommen und die wenig Kenntnisse und Zugänge zur
Bibel haben.
Nach den bisherigen Planungen soll im Herbst 2014 eine Werbekampagne
stattfinden. In der lokalen Phase registrieren sich deutschlandweit Dreieroder Viererteams, die sich über einen Zeitraum von sechs Monaten (Januar
30
bis Juni 2015) verschiedene Aufgaben stellen. Hierbei können die Gruppen je
ein Modul aus drei Kompetenzfeldern auswählen.
Angedachte Kompetenzfelder:
➜ Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang mit der Bibel
➜ Mündigkeit und Sprachfähigkeit sowie Reflexion biblischer Inhalte
➜ Medienkompetenz hinsichtlich unterschiedlicher Bibelmedien.
In einer weiteren Phase (2015/2016) soll der Wettbewerb optional auf
regionaler Ebene fortgeführt werden.
Um das Projekt innerhalb des Spektrums der aej auf breite Basis zu stellen, sollen möglichst viele der Mitglieder der aej als Projektpartner gewonnen werden, die das Projekt aktiv unterstützen und in ihrem Bereich fördern
und multiplizieren.
Jugendkirchen
Die Realität jugendkirchlicher Praxis und die
konzeptionelle Debatte darüber zeigen: Was
vor Jahren an einigen Orten als vereinzeltes
Experiment begann, hat im Lauf der Zeit in vielen Kontexten eine innovative Dynamik ent­
wickelt und sich in unterschiedliche Praxis­
formen und Konzeptionen ausdifferenziert.
Inzwischen sind Jugend­kir­chen eine etablierte
und anerkannte Form evangelischer Jugend­
arbeit. Jugendkirchen sind zu einer Institution
geworden.
Die Institutionalisierung hat durchaus etwas Schillerndes:
Einerseits bedeutet Institutionalisierung ein hohes Maß an Anerkennung
durch die verfasste Kirche, aber auch durch die Organi­sationsformen der
Jugendarbeit. Institutionen stehen mit einem als zuverlässig geltenden Orga­
nisationsgrad für Dauer und Stabilität. Entsprechend hoch sind auch die
Erwartungen an Institutionen, in diesem Fall an Jugendkirchen.
Institutionalisierung bedeutet andererseits Domestizierung. Jugend­kir­
chen werden in das Gesamtkonzept der Institution Kirche eingepasst und
31
sind gefährdet, ihre Eigensinnigkeit und damit auch ihr Veränderungs­poten­
tial für die Kirche zu verlieren. Die Bereitstellung von finanziellen und personellen Ressourcen spielt dabei eine erhebliche Rolle.
Im Januar 2012 widmet eine Konsultation der aej in Kooperation mit dem
Landesjugendpfarramt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hanno­vers
diesem Thema ihre Aufmerksamkeit und fragt nach den Erwartungen der
Kirche bzw. der Kirchenleitung an Jugendkirchen und umgekehrt. Gesprächs­
partner ist der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braun­schweig, Prof. Dr. Friedrich Weber. Anhand des Modells einer „Kirche auf
Zeit“, wie es z. B. die ESG praktiziert, erörtern die Teilnehmer(innen) im Ge­
spräch mit ESG-Pastorin Christiane Galle die Frage: Sind Jugendkirchen vollgültige Kirche?
Zurzeit ist mit ca. 230 Jugendkirchen im deutschsprachigen Raum zu rechnen mit steigender Tendenz; davon sind grob geschätzt ein Drittel katholische
Jugendkirchen, ein weiteres Drittel landeskirchlicher Provenienz und ein
Drittel den klassischen Freikirchen bzw. den sogenannten frei flottierenden
Gemeinden bzw. Bewegungen unter evangelischem Label zuzuordnen.
Nach wie vor öffnen neue Jugendkirchen ihre Türen, andere Jugendkirchen
müssen nach Ablauf ihres Projektzeitraumes bzw. auf Grund mangelnder
Res­sourcen oder auch wegen fehlender oder überholter konzeptioneller
Passung ihre Pforten schließen. Insgesamt nimmt die Zahl der Jugendkirchen
aber noch zu.
Die Mehrzahl dieser Jugendkirchen ist bisher in größeren Städten bzw.
Ballungsräumen zu Hause; zunehmend werden Jugendkirchenmodelle auch
in kleineren Ortschaften bzw. in (kirchlich) strukturschwachen Regionen
aufgebaut. Gerade in regionalen oder auch mobilen Modellen scheint eine
Herausforderung für die Zukunft zu liegen.
Bisherige Jugendkirchenmodelle sind vielfach in Großstädten bzw. Bal­
lungs­räumen angesiedelt und genießen oft, zumindest für einen mehrjäh­
rigen Projektzeitraum, eine verhältnismäßig gute Finanz- und Personal­aus­stattung. In strukturschwachen Gebieten, in denen allein aus demografischen
Gründen Kinder- und Jugendarbeit kaum noch sinnvoll angeboten werden
kann, können Jugendkirchen als Zentrum von Jugendarbeit in der Region eine
zukunftsweisende und relevante Arbeitsform sein.
32
Deshalb sind Formen von Jugendkirchenmodellen zu entwickeln bzw. zu
qualifizieren, die mit sehr geringer Ressourcenausstattung und unter regional angepassten Bedingungen erfolgreich agieren können.
Diese Thematik ist ein Schwerpunkt des 5. Ökumenischen Jugend­kirchen­
symposions im Herbst 2011, das in Mühlhausen (Thüringen) stattfindet und
mit 120 Teilnehmer(innen)n von evangelischen und katholischen Jugend­
kirchen sehr gut besucht ist. Unter dem Titel „Standort Jugendkirche – Evan­
gelium in Lebensräumen“ setzen sich die Referate und Workshops mit
„Jugendkirchen und Lebenswelten“, der „Verkündigung des Evangeliums in
jugendlichen Lebenswelten“ und „Jugendkirche in ländlichen bzw. strukturschwachen Lebensräumen“ auseinander. Zahlreiche Workshops befassen
sich neben den notwendigen Standards vor allem mit der Entwicklung niederschwelliger und milieuspezifischer Jugendkirchenkonzepte und mit Formen
33
der Kommunikation des Evangeliums unter anderem durch Spiritualität,
Diakonie und zeitgemäßen Formen evangelistischer Arbeit.
Das Symposion ist inzwischen eine breit angelegte Austauschbörse für
Modelle, Konzeptionen und Praxisideen von Jugendkirchen.
Im Sommer 2012 erscheint ein neues Buch zu Konzeptions- und Praxis­
fragen „Lebensraum Jugendkirche – Institution und Praxis“, herausgegeben
von Michael Freitag, Hans Hobelsberger und Ursula Hamachers-Zuba im
Auftrag der aej und der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen
Bischofskonferenz (afj). Dieser Band thematisiert insbesondere die Religio­
sität junger Menschen, Fragen der Kirchlichkeit von Jugendkirchen und ihrer
Institutionalität und gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Praxishilfen zum
Aufbau und zur Durchführung von Jugendkirchenprojekten.
Die aej-ESG-Geschäftsstelle begleitet, fördert und kommuniziert weiterhin Prozesse der Konzeptionsbildung, der Praxisqualifikation und der orga­
nisatorischen Vernetzung von Jugendkirchen im deutschsprachigen Raum –
zum Teil in enger ökumenischer Zusammenarbeit mit dem katholischen
Partner, der afj.
Die derzeitige Vernetzungsstruktur ist den Gegebenheiten und Erforder­
nissen angepasst: Im Bereich der Evangelischen Jugend haben sich auf
regionaler Ebene mehrfach Zusammenschlüsse von Jugendkirchen konsti­
tuiert. Sie vernetzen Jugendkirchenprojekte auf regionaler Ebene, erarbeiten Kon­zepte von Jugendkirchen und leisten vor allem einen auf regionale
Gege­ben­heiten abgestimmten Austausch von Praxiserfahrungen und Praxis­
impul­sen. Gelegentlich existieren regional auch ökumenische Zusam­men­
schlüsse.
Reformation 2017
2017 jährt sich die Reformation zum 500. Mal. Dieses Jubiläum ist für die
reformatorischen Kir­chen insbesondere in Deutschland eine Heraus­forde­
rung und große Chance – nach innen und in der Gesellschaft. Zur Vorberei­
tung und Einstim­mung wurde 2008 eine Luther­dekade initiiert, die mit
Themenjahren den Kerngehalt protestantischen Lebens betonen und die
Ideen der Refor­mation neu vermitteln sollen.
34
Das Themenjahr 2009 „Reformation und
Be­kenntnis“ ehrte Johannes Calvin anlässlich
seines 500. Geburtstages; Philipp Melanch­
thons 450. Todestag bestimmte die Über­
schrift für 2010: „Reformation und Bildung“.
Im thematischen Focus von 2011 steht „Refor­
mation und Freiheit“. Viele Kirchen verbinden
dies mit einem Jahr der Taufe, da in der Taufe
für die Reformatoren der Grund aller Freiheit
gelegt ist. Die weiteren Themenjahre sind:
2012 Reformation und Musik, 2013 Reforma­
tion und Toleranz, 2014 Reformation und
Poli­tik, 2015 Reformation – Bild und Bibel,
2016 Reformation und die Eine Welt. Außer­
dem wird im Jahr 2013 des 450. Jubiläums des
Heidelberger Katechismus gedacht.
Für die Evangelische Jugend bieten die Themenjahre eine Vielzahl an
thematischen Anknüpfungspunkten, die Dekade und das Reformations­
jubiläum haben bisher in der Praxis der evangelischen Kinder- und Jugend­
arbeit aber kaum eine Bedeutung. Ein erster Versuch, jungen Menschen das
Gesche­hen näherzubringen, bleibt im Dickicht von Zuständigkeiten stecken
– das für das Themenjahr 2011 geplante „Kalendarium der Freiheit“ hat bis
heute nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt, eine kühne Ideenskizze für
ein „Social Game“, das über das Online-Netzwerk Facebook kommuniziert
und gespielt werden kann, lässt sich bisher nicht umsetzen, da trotz vielfäl­
tiger Kontakte noch nicht die erforderlichen Drittmittel eingeworben werden
konnten.
Dennoch bleiben das Reformationsjubiläum 2017 und die unterschied­
lichen Vorbereitungsaktivitäten für die Evangelische Jugend eine Heraus­for­
derung. Die Darstellung, welche Bedeutung reformatorisches Glaubens-,
Kirchen- und Weltverständnis im 21. Jahrhundert hat und die Auseinander­
setzung darüber, braucht die Sichtweise von jungen Menschen. Sie sind
gleichzeitig Gegenwart und Zukunft von Kirche und Gesellschaft. Die 122.
aej-Mitgliederversammlung 2011 positioniert sich dazu und setzt eine aej-
35
Projektgruppe, der ein breites Spektrum von aej-Mitgliedern angehört. Sie
hat die Aufgabe, „nach der heutigen Bedeutung der Reformation – insbesondere für Jugendliche – und der Zukunftsfähigkeit von Kirche zu fragen. Daraus
entwickelt sie beteiligungsorientierte Konzepte mit geeigneten Formaten und
Veranstaltungsformen. Dabei sind internationale und ökumenische Kontexte
einzubeziehen“. Die Projektgruppe setzt sich intensiv mit den Grundlagen
reformatorischen Denkens auseinander und arbeitet die Schnittstellen zu
heutigen Lebenslagen junger Menschen heraus. Der 123. aej-Mitgliederversammlung 2012 berichtet sie über die Ergebnisse ihrer Beratungen und legt
ein Konzept für eine angemessene Bearbeitung reformatorischer Themen
und für eine mögliche Beteiligung der Evangelischen Jugend zur Beratung
vor.
Evangelischer Kirchentag in Hamburg
Bereits in diesem Jahr läuft die Vorbereitung vielfältiger Aktivitäten auf dem 34. Deutschen Evan­
gelischen Kirchentag, der vom 1. bis 5. Mai 2013 in
Hamburg stattfindet. Die aej-ESG-Geschäftsstelle
ist in der Projektleitung für das Zentrum Jugend vertreten und arbeitet mit an
der Entwicklung des Gesamtkonzepts.
Wie auf jedem Kirchentag ist auch der Internationale und ökumenische
Treffpunkt der aej im Zentrum Jugend geplant. Neben der Austausch- und
Informationsbörse wird dort ein geeignetes bundesweites Projekt präsentiert.
36
Wirklichkeit gestalten.
Evangelische Jugend verwirklicht Gerechtigkeit
zwischen Menschen, zwischen den Geschlechtern
und den Generationen in der Einen Welt.
Nachhaltige Entwicklung
Green Hand Day
Die UN-Konferenz über Umwelt
und Entwicklung Rio+20 steht im
Mittelpunkt der umwelt- und entwicklungspolitischen Aktivitäten
der Evangelischen Jugend. Mit der Konferenz, die zwanzig Jahre nach dem
ersten Erdgipfel vom 20. bis 22. Juni 2012 erneut in Rio de Janeiro tagt, verbinden sich Hoffnung und Sorge: Hoffnung, dass die Staats- und Regierungs­chefs endlich konkrete Schritte für eine nachhaltige Entwicklung beschließen;
Sorge, dass Rio+20 scheitern könnte und von den Medien nur als Randnotiz
zur Kenntnis genommen wird.
Mit der bundesweiten Aktion Green Hand Day setzt die Evangelische
Jugend bereits im Vorfeld von Rio+20 ein deutliches Signal. Vom Fachkreis
Nachhaltige Entwicklung initiiert und konzipiert, will die Aktion über die UNKonferenz informieren, die Öffentlichkeit aufmerksam machen und zur Aus­
einandersetzung und zum Engagement anregen. Das Konzept wird in engem
Austausch mit „Brot für die Welt“, dem Evangelischen Entwicklungsdienst
(EED) und dem Ökumenischen Jugendrat in Europa (EYCE) entwickelt, die
Kooperationspartner der Aktion sind.
Mit der interaktiven Website www.green-hand-day.de und der entsprechenden Fan-Page im Onlinenetzwerk Facebook wird die Aktion kommuniziert. Neben den notwendigen Hintergrundinformationen sind Website und
Fan-Page der Ort für Austausch und Vernetzung. Hier stellen Gruppen ihre
Ideen für einen lokalen Green Hand Day vor. Die Beteiligung an der Aktion
wie bei den vorangegangenen Aktionen für das Menschenrecht auf Wasser
37
(2005) und „Blog mal offline!“ (2009) bleibt enttäuschend. Trotz der überzeu­genden wie einfachen Aktionsidee und der niedrigschwelligen Beteili­gungs­
möglichkeit liegt die Rückmeldung im einstelligen Bereich.
Umso erfreulicher ist es, dass die Videoblogs, das zweite Herzstück der
Aktion, qualitativ überzeugen und auf ein breites Echo stoßen. Auf Anregung
des EED reisen Caroline Richter und Jakob Lehman von der Evangelischen
Jugend Sachsen mit der Kirchendelegation des EED nach Rio und berichten
per Videoblog von der UN-Konferenz und vom People’s Summit. Die Be­f ürch­
tungen im Vorfeld von Rio+20 werden bestätigt. Es gibt keine verbindlichen
Beschlüsse, sondern lediglich ein „weichgespültes“ Abschlussdokument.
Die Bundeskanzlerin reist nicht nach Rio und die Medien berichten lapidar,
denn Fußball-EM und Eurokrise stehen im Mittelpunkt öffentlichen Inter­
esses. Deshalb liegt die Evangelische Jugend mit der Aktion richtig. In ihren
brillanten Videoblogs berichten Caroline Richter und Jakob Lehmann nahezu
in Realtime vom Konferenzgeschehen. Bestens informiert und mit viel Humor
zeigen sie zehn Tage lang Hintergründe, sprechen mit Menschen vor Ort,
tauschen sich mit Nichtregierungsorganisationen aus und können auch Bun­
desumweltminister Peter Altmaier und den Exekutivdirektor des UN-Umwelt­
38
programms (UNEP) Achim Steiner für ein Interview gewinnen. Fachlich beraten werden sie dabei von den Fachleuten des EED und von Felix Beck, der
als Jugenddelegierter der deutschen Regierungsdelegation an der Konferenz
teilnimmt und sich für die Belange junger Menschen engagiert. Die Qualität
der Videoblogs ist aber nicht zuletzt dem Kameramann und Produzenten
Stefan Czimmek zu verdanken.
Angesichts der mangelhaften Beteiligung wird zu beraten sein, welche
Konzepte es künftig braucht, um die Resonanz für bundesweite Aktions­­
angebote zu verbessern. Die Kommunikation über Online-Netzwerke ist ein
erster und wichtiger Schritt, aber sie bringt nicht den vielfach beschworenen
Schneeballeffekt.
Dennoch ist die Aktion ein Erfolg: Die Videoblogs erfüllen das Ziel der
Aktion, durch eigenständige Berichterstattung auf Rio aufmerksam zu machen. Sie werden begeistert wahrgenommen und zeigen, wie neue Medien
in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden können.
Im Februar und Oktober laden die aej und
der Bund der Deutschen Katho­lischen
Jugend (BDKJ) zu den Ökume­nischen Rio­tagungen 1 bzw. 2. ein. Die Konferenzen
sind neben dem Green Hand Day der
zweite wichtige Baustein für die inten­sive
Auseinan­der­setzung der beiden konfessionellen Jugendver­bände mit Rio+20
und der Frage nachhaltiger Ent­wicklung
im Sinne sozialer, ökologischer und ökonomischer Gerech­tigkeit. Auf der ersten
Tagung nehmen die 25 Teil­neh­mer(innen) die UN-Konfe­renz auf Grund­lage
des umfassenden und fachlich versierten Überblicks von Felix Beck kritisch
in den Blick. Die Tagung im Oktober bewertet die Ergeb­nisse von Rio+20 und
benennt Herausforderungen für die Kinder- und Jugendarbeit und fragt nach
den Anknüpfungs­punkten und Bezügen der Lebens­welt junger Menschen zu
den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDG), die seit Rio diskutiert werden.
39
© Caroline Richter
Die Ökumenischen Riotagungen 1 und 2
Die Ergebnisse der zweiten Rio­tagung sind Grundlage für die weitere umwelt- und entwicklungspolitische Zusammenarbeit von aej und BDKJ. Beide
Tagungen sind inhaltlich und von den Teilnehmer­zah­len her ein Erfolg und ein
sichtbares Ergebnis der Kooperation zwischen aej und BDKJ, die in neuer
Form von der Ökumenischen Vernetzungsrunde Entwicklungspolitik (ÖVRE)
koordiniert wird.
Transformationskongress
Vom 8. bis 9. Juni veranstalten Einrichtungen der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Deutsche
Naturschutzring (DNR) in Berlin einen Transformationskongress. Vor dem
Hintergrund von Rio+20 und angesichts der globalen Krisen erörtert der Kon­
gress in Fachbeiträgen, Workshops und Podien die Zukunft von Arbeit und
Demokratie, die Neuordnung der Wirtschaft und die Transformation der
Gesellschaft mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung.
Die Beteiligung Jugendlicher wird von allen drei gesellschaftlichen Orga­
nisationen ausdrücklich begrüßt, kann aber nicht im wünschenswerten Maß
umgesetzt werden. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, u. a. das Veranstal­tungsformat (Fachkongress mit persönlichem Einladungsverfahren). In erstmaliger und guter Zusammenarbeit auf diesem Gebiet gelingt der aej, der
DGB-Jugend und den Jugendvertreter(inne)n des DNR ein Mindestmaß an
Beteiligung. Vier Kurzfilme bringen am Beginn jedes Kongresspodiums jugendliche Fragen, Sorgen und Wünsche im Blick auf die Zukunft und notwendige Transformationsprozesse auf lebendige und authentische Weise zu
Gehör. Jugendliche Co-Moderator(inn)en sorgen dafür, dass es nicht beim
oberflächlichen Applaus der Kongressteilnehmer(innen) bleibt, sondern die
Fragen Jugendlicher in die Diskussion einbezogen werden.
Im Foyer präsentieren vier engagierte Jugendliche die Arbeit der aej am
konkreten Beispiel des Green Hand Day und machen wenige Tage vor Beginn
der UN-Konferenz noch einmal pointiert darauf aufmerksam, dass nachhal­
tige Entwicklung konkrete Entscheidungen und Schritte braucht, statt sich in
Sonntagsreden zu verflüchtigen.
Der Transformationskongress ist ein wichtiges Signal an die Öffentlichkeit
und wird als solches auch wahrgenommen: Drei große gesellschaftliche
40
Kräfte arbeiten angesichts der drängenden Zukunftsfragen zusammen und
überwinden die Grenzen ihrer Binnenkulturen und Partikularinteressen. Die
Frage nach der gesellschaftlichen Transformation soll weiterverfolgt werden.
Künftig kommt es darauf an, die Partizipation Jugendlicher tatsächlich zu verwirklichen. Das bedarf intensiven Austauschs, gegenseitigen Zuhörens. Die
Türen dafür stehen offen.
Neben diesen drei zentralen Aktivitäten wird die Arbeit an der Implemen­
tierung nachhaltiger Entwicklung als konstitutivem Element evangelischer
Kinder und Jugendarbeit fortgesetzt. Die gestiegene Frage nach den von
der aej-ESG-Geschäftsstelle angebotenen regionalen Workshops und wachsender Beratungsbedarf zeigt, dass sich an vielen Stellen etwas bewegt
(s. S. 85). Auch im Bereich internationaler Arbeit ist nachhaltige Entwicklung als inhaltliches Kriterium für die Planung von Begegnungsprogrammen
integriert. Es ist Bestandteil der Beratung im Rahmen der Zielvereinbarungs­
gespräche mit den Verantwortlichen internationaler Begeg­nungen, die
durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) gefördert werden. Die
internationale Arbeit ist ein Beispiel dafür, wie es gelingt, Bil­dung für nachhaltige Entwicklung aus der Nische zu holen und in die bestehende Arbeit zu
integrieren. Allerdings wird hier wie in anderen Arbeitsfel­dern auch deutlich,
41
dass nachhaltige Entwicklung immer wieder bewusst oder unbewusst missverstanden, inhaltlich aufgeweicht und inflationär gebraucht wird. Hier gilt
es festzuhalten und immer wieder klar zu stellen: Nachhaltige Entwicklung
meint soziale, ökologische und ökonomische Gerechtig­keit weltweit, nicht
mehr und vor allem nicht weniger!
Fairer Handel
Aktuelle Entwicklung
Das Wachstum im Fairen Handel ist in Deutschland nach wie vor ungebrochen – wenn auch im Vergleich zu anderen Ländern Europas wie Großbritan­
nien oder den Niederlanden noch auf niedrigem Niveau. Die durch das internationale Produktsiegel des Fairen Handels zertifizierten Produkte erbringen
allein aus Deutschland jährlich den zertifizierten Produzent(inn)enorganisa­
tionen – vor allem benachteiligten Kleinbauern und Kleinbetrieben – direkte
Mehreinnahmen von weit über 20 Millionen Euro, international insgesamt ist
es ein Vielfaches. Schätzungsweise 5 Millionen Familien profitieren weltweit
vom Fairen Handel.
Der Faire Handel hat insgesamt seine szeneorientierte Nische verlassen
und breitere Käufer(innen)segmente erreicht, die bewusst auf den ethischen
Mehrwert fair gehandelter Produkte achten und oft (bis zu 60%) – so zeigen
Untersuchungen – auch aus einer christlichen Motivation heraus handeln.
Die Marktausweitung des Fairen Handels ist zunächst für die Produzenten
in den Ländern des Südens positiv. Sie ist aber auch kritisch zu bewerten, da
sie vielfach durch Kooperationen mit Handelsunternehmen und Herstellern
erkauft ist, die nicht originär mit dem Fairen Handel in Verbindung gebracht
werden, deren „fairer Anteil“ nur einen verschwindend kleinen Teil des
Sortiments ausmacht und die insgesamt nicht im Ruf stehen, ethische
Kriterien und Sozialstandards einzuhalten.
Berichte von Kleinbauern zeigen, dass diese selbst die zunehmenden
Kooperationen mit multinationalen Unternehmen und die Politik der Vergabe
von „Fair-Handel-Siegel“ durch die deutsche Siegelorganisation TransFair
bzw. durch die internationale Organisation Fair Trade Labelling Organisation
(FLO) kritisch beurteilen.
42
Die aej beteiligt sich insbesondere als Mitglied von TransFair an den
Debatten. Die Siegelpolitik von TransFair wird durch die Jugendverbände insgesamt sehr kritisch bewertet.
Kritische Anfragen gibt es seitens der Jugendverbände insbesondere, weil
weltweit agierende Unternehmen gerade als Teil des Gerechtigkeitsproblems
der Weltwirtschaft gewertet werden, die sich aber durch die Siegelung eines
ihrer Produkte ein ethisches „Feigenblatt“ erkaufen. Akteure des Fairen Han­
dels wie die Jugendverbände befürchten eine Verwässerung, die – besonders
angesichts einiger Skandale der betreffenden Unternehmen – den Fairen
Han­del unglaubwürdig machen, die Trennschärfe aufheben und die Stan­dards
aufweichen.
Mittelfristig müssen die Jugendverbände überlegen, ob ihre Mitglied­schaft
bei TransFair sinnvoll bleibt. Zwar ist die aej wie der BDKJ Gründungsmitglied von TransFair, es zeigt sich aber zunehmend, dass die Stimmen der
Jugend­verbände auch gemeinsam mit einzelnen Hilfswerken der Kirchen in
deutlicher Minderheit sind – begründet unter anderem durch eine Euphorie
der bloßen Verkaufszahlen gegenüber qualitativ hochwertigen Fair-HandelsStandards.
GEPA
Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der
Dritten Welt (GEPA), das größte Fair Handelshaus in Europa,
an der die aej als Mitbegründerin und gegenwärtig als Ge­
sell­schafterin beteiligt ist, hat inzwischen einige Produkt­
linien entsiegeln lassen und plant weitere Entsiegelungen.
Als hundertprozentiger Fair Trader im Vergleich zu multinationalen
Konzernen, die das Siegel nur für einen Bruchteil ihrer Produkte bekommen,
aber damit indirekt werben („greenwashing“), möchte die GEPA nicht in den
Sog der Verwässerung des Fair Trade Siegels mit dem damit langfristig verbundenen Glaubwürdigkeits- und Imageschaden geraten. Mittelfristig soll
das Logo der GEPA für sich selbst stehen und signalisieren, dass es sich hier
um Fair-Handels-Produkte auf höchstem Standard handelt in Verbindung mit
ökologischen und sozialfreundlichen Kriterien – auch im Handel innerhalb
Deutschlands.
43
Diese Entsiegelungspolitik stößt derzeit auch in der Fair-Handels-Szene
vereinzelt auf Kritik.
Am Boom des Fairen Handels partizipiert auch die GEPA. Allerdings machen
die letztjährigen extrem gestiegenen Preise für den Einkauf von Roh­kaffee
insbesondere in den High-Quality-Segmenten der GEPA schwer zu schaffen.
Die Einkaufspreise haben bis zu 120% angezogen; weitere Preissteigerungen
sind nicht auszuschließen.
Die GEPA ist auf Grund ihrer hohen Qualitätsstandards auf den Einkauf
entsprechend hochpreisiger Rohkaffeesorten angewiesen; auf Grund von –
zum Teil durch klimatische Veränderungen bedingter – Verknappung des
Angebotes steht die GEPA allerdings unter erheblichem Konkurrenzdruck mit
herkömmlichen multinationalen Kaffeekonzernen.
Darüber hinaus hat die GEPA als 100%-Fair-Trader zunehmend auch mit
der Konkurrenz von fair gesiegelten Produkten von ansonsten „normalen“,
oft multinationalen Unternehmen zu kämpfen (siehe oben) und sich hier am
Markt zu behaupten.
Die GEPA hat mit verschiedenen Maßnahmen auf die Probleme reagiert –
unter anderem durch die Schließung einiger unrentabler regionaler
Fairhandels-Zentren, deren Abwicklung im Jahr 2012 vollzogen wird.
GEPA Fair Trade Beteiligungsgesellschaft
Ein noch weithin unbekanntes Instrument zur Förderung der GEPA ist die
GEPA Fair Trade Beteiligungsgesellschaft, bei der Privatpersonen und Insti­
tutionen Einlagen „für einen guten Zweck“ zu einem zudem noch recht günstigen Zinssatz (aktuell 3,5%) tätigen können. Sie dient der Liquidität der
GEPA, um die für GEPA derzeit höchst notwendigen flüssigen Mittel zum Ein­
kauf von Rohware bereitzustellen. Die Gewinne der Beteiligungs­gesell­schaft
fließen ebenfalls der GEPA zu.
Unter anderem auf mehrfache Anregung der Jugendverbände bewirbt die
GEPA ihre Beteiligungsgesellschaft (GEPA Fair Trade-Beteiligungs­gesell­schaft)
wieder offensiv.
In einem Gespräch mit der GEPA-Geschäftsführung entwickeln Dennis
Fröhlen und Michael Freitag ein Konzept, um auch Jugendliche mit geringem
Einlagevolumen für Einlagen in die Beteiligungsgesellschaft gewinnen zu
44
können (ab 100 Euro). Neben dem finanziellen Effekt für die GEPA hat dies
zum Ziel, dass Jugendliche sich durch diese Einlage mit der GEPA als „ihrem
Fair Trader“ identifizieren – analog zu Aktien von Fußballclubs für ihre Fans –
und in anderer Form mit den Themen Nachhaltigkeit und Fairer Handel bekannt gemacht werden.
Dazu können Kampagnen gehören wie z. B. das Verschenken eines Gut­
scheines der Beteiligungsgesellschaft zur Konfirmation und Ähnliches.
Fair Trade e. V.
Ein Schwerpunkt der Arbeit des Fair Trade e. V.
liegt derzeit auf der Gestaltung der Internetseiten
fairtrade.de und fair4you-online.de (Jugendseite).
Beide Websites erfreuen sich zunehmender Besucherzahlen.
Gender Mainstreaming
Gender Mainstreaming ist Teil des subjektorientierten Ansatzes in der Arbeit
der Evangelischen Jugend. Die Praxis der Evangelischen Jugend setzt sich in
vielfältiger Weise mit den unterschiedlichen Sichtweisen und Lebensent­
würfen von Mädchen und Jungen auseinander. Dazu gehört auch die Entwick­
lung geschlechtsspezifischer Angebote.
In den Beratungsgesprächen mit Antragsteller(inne)n nimmt die aej diese
Frage auf und berät mit den Praktiker(inne)n Umsetzungsmöglichkeiten und
zeitgemäße Konzepte – insbesondere im Bereich der internationalen Kinderund Jugendarbeit.
Unter den Antragsteller(inne)n der durch den Kinder- und Jugendplan des
Bundes (KJP) geförderten Maßnahmen im internationalen Bereich befinden
sich nach wie vor mehr Männer als Frauen.
Insgesamt hat sich das Verhältnis verändert. Im Vergleich zum Vorjahr ist
der Anteil der männlichen Antragssteller um knapp 9% gesunken und der
Anteil der weiblichen Antragsstellerinnen um etwas mehr als 6% gestiegen.
Inwieweit diese Veränderung mit dem deutlichen Hinweis auf die Gender­f rage
in Bezug auf die geförderten Maßnahmen zu tun hat oder ob die Antrag­-
45
männlich: 94
weiblich: 65
keine Angabe: 1
steller(innen) im Rahmen eigener Überlegungen die Genderfrage in den Blick
nehmen, bleibt offen.
Die Gruppen der deutschen Teilnehmer(innen) bei internationalen KJPgeförderten Maßnahmen setzen sich im Durchschnitt wie folgt zusammen:
60% weibliche zu 40% männliche Teilnehmer(innen). Im Altersspektrum der
21- bis 26-Jährigen ist der Unterschied nicht ganz so hoch, aber mit knapp
13% dennoch vorhanden.
46
In der Arbeit der aej-Gremien ergibt sich folgendes Bild:
Gremium
Finanz- und Förder­
politischer Beirat
Kinder- und Jugend­
politischer Beirat
Fachkreis für Ökumene und
Internationale Jugendarbeit
Fachkreis für Kinder- und
Jugendpolitik
Fachkreis für die Arbeit
mit Kindern
Fachkreis für Konzepte
und Grundsatzfragen
evangelischer Kinder- und
Jugendarbeit
Fachkreis für Nachhaltige
Entwicklung
Fachkreis für Kinder- und
Jugendfreizeiten
Fachkreis für
Evangelische Jugend in
ländlichen Räumen
Projektgruppe „Refor­ma­
tionsdekade und Reforma­
tionsjubiläum 2017“
männlich weiblich
11
9
2
plus zwei sachkundige
4 Personen, 1x männlich,
1x weiblich
11
11
19
6
12
11
7
9
10
5
9
4
11
7
13
7
plus zwei männliche
Gäste
Aufarbeitung der Partnerschaftsarbeit Ost-West
im Lichte der DDR-Staatsorgane
Das von der Evangelischen Jugend in Sachsen angestoßene Projekt „Auf­
arbeitung Partnerschaftsarbeit Ost-West im Lichte der DDR-Staatsorgane“
nimmt zunehmend als wissenschaftlich interessantes Projekt Gestalt an.
Nach mehreren Beratungsgesprächen mit ausgewiesenen Experten (OKR i. R.
47
Prof. Dr. Harald Schultze, vormals Evangelische Kirche der Kirchenprovinz
Sachsen; Dr. Christian Halbrock, Stasi-Unterlagen-Behörde) entstehen Bau­
steine für ein Forschungsdesign, die von Matthias Kluge, Historiker an der
TU Chemnitz, zu einem antragsfähigen Konzept erweitert werden. Matthias
Kluge hat mit einer Arbeit über das Christliche Friedensseminar Königswalde
bei Werdau promoviert und ist ein kenntnisreicher Experte über die Ge­
schichte der evangelischen Kirchen in der DDR. Er konnte für dieses Projekt
gewonnen werden. Das Projekt soll 2013 bei der „Bundesstiftung zur Auf­
arbeitung der SED-Diktatur“ beantragt werden. Mit der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD) und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sach­
sens wird über eine anteilige Finanzierung verhandelt, die zum Redak­tions­
schluss des Jahresberichts aussichtsreich erscheint. Neben der wissenschaft­
lichen Aufarbeitung ist eine Übersetzung für die praktische Jugendbil­dungs­
arbeit geplant. Die vormalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen,
Marianne Birthler, unterstützt das Projekt nachdrücklich.
Die Peace-Academy EVA 2012
© EVA Peace-Academy
Pfingsten 2012 findet in Dresden an der Frauenkirche die EVA Peace-Academy
unter der Überschrift „Friedenstreiber – zwischen Küchentisch & Krisenherd“
48
statt. Ungefähr 500 Teilneh­mer(innen) aus 19 Ländern nehmen an Work­
shops, Podiumsdiskussionen, Got­tes­diensten, Konzerten und vielen Ge­sprä­
chen rund um das Thema „Krieg und Frieden“ teil. Die einzelnen Ver­an­stal­
tungen berücksichtigen unter den Aspekten: mir selbst begegnen, anderen
begegnen, der Welt begegnen und Gott begegnen, einen je eigenen Gesichts­
punkt auf das Thema Krieg und Frieden. Workshops, die von internationalen
Gästen selber vor­bereitet und durchgeführt werden, haben die meisten Be­
sucher(innen). Die Peace-Academy ist eine insgesamt gelungene Veran­stal­
tung in und an der Dresdner Frauenkirche, die von einem jungen Team organisiert und verantwortet wird. Das Format der Peace-Academy ermöglicht viele
Begegnungen der Teilnehmer(innen) und macht die Veranstaltung zu einem
lebendigen Austauschforum. Die Idee, ein Signal für Frieden und Versöhnung
zu setzen, lässt sich in vielen Teilen spüren. Eine Gesamtauswertung und
damit verbunden die Frage nach der Zukunft von EVA, wird unter Beteiligung
aller Kooperationspartner(innen) bis zum Ende des Jahres stattfinden.
Migration
Der 2012 vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) veröffentlichte Jugend-Migra­
tionsreport bringt die Herausforderungen für gleiche Zukunftschancen, Teil­
habemöglichkeiten und Perspektiven für Kinder und Jugendliche mit Migra­
tionshintergrund im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit auf den
Punkt. Obwohl es für dieses Feld nur wenige aussagekräftige Daten gibt,
wird festgestellt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Jugend­
verbandsarbeit, der Jugenderholung, der internationalen Jugendarbeit und
der außerschulischen Bildungsarbeit unterrepräsentiert sind. In der offenen
und mobilen Jugendarbeit dagegen sind sie überproportional vertreten.
Jugendliche mit Migrationshintergrund sind seltener aktiv oder ehrenamtlich
engagiert als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Sie sind auch nicht so
häufig Mitglied in einem Jugendverband.
Die Bedeutung der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit
ist in der jugendpolitischen Fachdiskussion unbestritten. Dafür engagiert
sich die aej intensiv mit bundesweit modellhaften Projekten und zeigt sich
als kooperationsfähiger Verband, um Kindern und Jugendlichen mit Migra­
49
© Dieter Schütz, pixelio.de
tionshintergrund die in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit liegenden Bildungspotentiale zugänglich zu machen und die darin liegenden
Möglichkeiten der sozialen Integration zu nutzen.
Auf der Grundlage ihrer Beschlüsse stehen dabei zwei Wege im Mittel­punkt
der Aktivitäten der aej:
➜ die Öffnung bestehender Formen und Angebote der Kinder- und Jugend­
arbeit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und
➜ die strukturelle Öffnung der aej für Organisationen und Vereine junger
Migrant(inn)en.
Die bundesweiten Projekte der aej greifen die Herausforderungen auf, die
der Jugend-Migrationsreport des DJI formuliert und tragen so zur Teilhabe
von jungen Migrant(inn)en bei.
50
Coaching-Projekt mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e. V.
Das innovative dreijährige CoachingProjekt „Integration durch Qualifikation und Selbstorganisation“
mit dem Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e. V. (BDAJ) –
gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – endet im
August 2012. Wichtigstes Ziel neben der wechselseitigen interreligiösen
Öff­nung ist, den BDAJ bei der Entwicklung hin zu einem etablierten, anerkannten und in jugendpolitischen und organisatorischen Fragen selbstständig agierenden Jugendverband zu unterstützen. Die Verbandsarbeit wird bis
zum Projektbeginn ausschließlich ehrenamtlich gestaltet. Mit dem Projekt
werden durch eine Anstellung bei der aej erstmalig hauptberuflich unter­
stützende Strukturen eingeführt. Diese Personalstelle unterstützt wesentlich
den Aufbau einer eigenen Geschäftsstelle in Dortmund. Durch die Anerken­
nung als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe (§ 75 SGB VIII) und die
Aufnahme in den Landesjugendring Nordrhein-Westfalen kann in kurzer Zeit
eine wei­tere unbefristete Stelle für Aufgaben in Nordrhein-Westfalen ein­
gerichtet werden. Weitere erfolgreiche Projektanträge unterstützen aktuell
diverse Themen und Handlungsfelder im BDAJ. Zurzeit sind bundesweit neun
Mit­arbeiter(innen) für den BDAJ hauptberuflich tätig: fünf Mitarbeiter(innen)
in der Dortmunder Geschäftsstelle, zu denen der Geschäftsführer des
Regio­nal­verbandes NRW, die Projektkoordinatorin des Coachingprojektes,
zwei Projektmitarbeiterinnen und eine Finanzkraft für das Projekt „Perspek­
tiv­wechsel“ gehören. Zwei studentische Hilfskräfte sind für den Regional­
verband Baden-Württemberg und das Projekt „Hallo! Schalom! Selam!
Privjet! Gemeinsam gegen Vorurteile“, jeweils eine Projektmitarbeiterin in
Hessen für das Projekt „Juwel“ und in Bayern für das Projekt „Go Together“
tätig.
Im Rahmen des Projektes wird mit dem Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erfolgreich die Aufnahme in eine
strukturelle Verbandsförderung des Kinder- und Jugendplans erreicht. Damit
ist die Förderung hauptberuflicher Strukturen nach Ablauf des CoachingProjektes weitgehend gesichert.
51
Die Entwicklung und Durchführung eines Schulungskonzepts für Jugend­
leiter(innen) (Juleica) leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung von
Ehrenamtlichen im Verband. Das Schulungskonzept Juleica ist damit fester
Bestandteil der bundesweiten Jahresveranstaltungen des BDAJ. Parallel werden ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) des BDAJ zu Juleica-Teamer(inne)n ausgebildet, um die Seminare zukünftig auf Bundesebene selbstständig durchführen und diese Seminarform bei Bedarf auch auf örtlicher Ebene umsetzten zu können.
Auch die Multiplikator(inn)enschulungen für ehrenamtlich Tätige im Ver­
band mit besonderen Funktionen werden durch das Projekt zu einem regelmäßigen Angebot. Bundesweit finden im 3. Projektjahr mehrere Seminare
zum Thema Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe, zu Finanz­manage­
ment und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit statt.
52
Aufgrund der intensiven Arbeit im Projektzeitraum ist der BDAJ Vollmit­
glied im Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und in sieben Landesjugend­
ringen Mitglied (Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-West­
falen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen). In Berlin und Hessen
laufen die Verhandlungen.
Im August 2012 beenden aej und BDAJ in einer Abschlussveranstaltung in
der BDAJ-Geschäftsstelle in Dortmund das Projekt und würdigen seine Ergeb­
nisse. Die Coaching-Struktur mit festen Ansprechpartner(inne)n in der aejESG-Geschäftsstelle, regelmäßige Hospitationen dort sowie die kontinuier­
liche Beratung zu inhaltlich-konzeptionellen oder administrativ-rechtlichen
Aspekten, Strukturfragen und Planungs- und Verwaltungsabläufen führen
das Projekt zum Erfolg. Dabei war das Erfahrungswissen der aej sehr hilfreich. Aus der Projektzusammenarbeit ist über die fachlichen Zusammen­
hänge hinaus eine Verbandsfreundschaft entstanden, die über die Bundes­
ebene zu Kooperationen zwischen aej und BDAJ auf Landesebene wie auf
regionaler und lokaler Ebene hinausgeht und über das Projektende andauern
wird. Die im Projekt entstandenen Verbandsgespräche sowie gegenseitige
Besuche der Mitgliederversammlungen auf Bundesebene werden fortgeführt.
Das von aej und BDAJ modellhaft entwickelte Coaching-Projekt erregt
bundesweit große Aufmerksamkeit. Mittlerweile findet nach Vorlage dieses
Konzeptes ein ähnliches Coaching zwischen der DIDF-Jugend (Föderation demokratischer Arbeitervereine/Demokratik Is¸çi Dernekleri Federasyonu) und
der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken statt. Auf der Tagung
des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Mai 2012 „Potentiale nutzen – Teilhabe stärken“ nutzt das Ministerium Erfahrungen und Ergebnisse
des Projektes für die Weiterentwicklung der Förderung von Vereinen junger
Migrant(inn)en.
Fachkräfteaustausch „Jugendverbände bauen Brücken“: Aus dem Projekt
heraus entwickelt sich ein gemeinsamer Fachkräfteaustausch von aej und
BDAJ in der Türkei. Unter dem Motto „Jugendverbände bauen Brücken“ reisen sechs evangelische und acht alevitische Fachkräfte Ende März/Anfang
April 2012 nach Antakya-Hatay, Mersin und Istanbul. Sie machen sich dort
auf die Spuren der alevitischen und der christlichen Religion, tauschen mit
53
alevitischen Organisationen und Gemeinden Erfahrungen in der Jugendarbeit
aus, lernen Lebenswelten von alevitischen Jugendlichen kennen und knüpfen
neue Kontakte für Partnerschaften zwischen evangelischer Jugendarbeit und
türkisch-alevitischen Gemeinden.
TANDEM – Vielfalt gestalten! – Evangelische Jugend in Kooperation mit Migrantenorganisationen
Als demokratisch strukturierte
Interessenvertretung von Kindern und
Jugendlichen bieten Jugendverbände die
Möglichkeit der Mitsprache und Teilhabe an der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse. Im Verhältnis zu ihrem Anteil ihrer Altersgruppe von ca. 28%
sind junge Menschen mit Migrationshintergrund in der Jugendverbandsarbeit
jedoch immer noch unterrepräsentiert.
Aus diesem Grund setzt sich die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen
Jugend in Deutschland e. V. (aej) für gleichberechtigte Teilhabechancen jun-
54
ger Menschen an der Kinder- und Jugendarbeit wie an der Jugendverbands­
arbeit unabhängig von ihrem nationalen, kulturellen oder sozialen Hinter­
grund ein.
Den Grundstein zur Interkulturellen Öffnung hat die aej in den Jahren 2008
bis 2011 mit dem Projekt „TANDEM-Bildungsförderung für Kinder und Jugend­
liche mit Migrationshintergrund“ gelegt. Um die Ansätze dieses erfolgreich
abgeschlossenen Projekts auszubauen und die interkulturellen Öffnungs­pro­
zesse der Evangelischen Jugend fortzuführen, hat die aej das Nachfolge­pro­
jekt „TANDEM – Vielfalt gestalten! Evangelische Jugend in Kooperation mit
Migrantenorganisationen“ entwickelt. Das läuft seit November 2011 und wird
durch den Europäischen Integrationsfonds (EIF) und durch das Bundesminis­
terium des Inneren bis Oktober 2014 gefördert.
Im Projekt „TANDEM – Vielfalt gestalten! – Evangelische Jugend in Koope­ra­tion mit Migrantenorganisationen“ arbeiten bundesweit zehn Standorte der
Evangelischen Jugend mit Migrantenorganisationen zusammen. Die durchführenden Einrichtungen verfügen über Erfahrungen in der Kinder-und Jugend­
arbeit mit jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sechs Projektstand­
orte waren bereits am Vorgängerprojekt beteiligt.
Zu den Projektstandorten zählen:
➜ EJOTT Evangelische Jugend Coburg
➜ Evangelische Kirchengemeinde
Essen-Borbeck-Vogelheim
➜ VCP Bezirk Hannover e. V.
➜ CVJM Herford Stadt e. V.
➜ Protestantische Jugendzentrale Homburg
➜ CVJM Leipzig e. V.
➜ CVJM Nürnberg e. V.
➜ Evangelische Jugend Stuttgart
➜ VCP Land Westfalen e. V.
➜ CVJM Wuppertal-Oberbarmen
Alle evangelischen Standorte stehen mit ihrem Kooperationspartner auf
Seiten der Migrantenorganisation im Austausch und organisieren gemein­
same Angebote. So bietet beispielsweise der CVJM Wuppertal-Oberbarmen
55
mit dem Türkischen Kultur- und Bildungszentrum Wuppertal e. V. eine Haus­
aufgabenhilfe für Kinder- und Jugendliche an oder der VCP Land Westfalen
organisiert gemeinsam mit dem Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfad­f in­
derinnen Deutschlands ein gemeinsames Sommerzeltlager.
Durch gemeinsam geplante und durchgeführte Angebote der Evange­lischen
Jugend und der Migrantenorganisationen erfahren Kinder und Jugendliche
unterschiedlicher Herkunft den wertschätzenden Umgang mit gesellschaft­
licher Mitbestimmung und Mitgestaltung. Dabei werden sie kompetent in
ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrem gesellschaftlichen Integra­tions­
prozess unterstützt. Angebote des interkulturellen und interreligiösen Dia­
logs stärken das gegenseitige Verständnis der Kinder und Jugendlichen,
aber auch zwischen den Mitarbeitenden der Evangelischen Jugend und der
Migran­ten­organisation.
Projektbegleitend werden dafür Fachkräfte aus der Kinder- und Jugend­
arbeit (weiter-)qualifiziert, damit vielfaltsbewusste und partizipatorische An­
gebote für die Kinder- und Jugendarbeit entstehen und verwirklicht werden
können. In der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft geht es vor allem darum, Sensibilität und Bewusstsein
für soziale, kulturelle und religiöse Prägungen zu entwickeln. Zwei jährliche
Vernetzungstreffen aller Standorte dienen dem Erfahrungsaustausch und
der Vernetzung. Im dritten Projektjahr ist eine gemeinsame öffentliche Fach­
tagung zum Ergebnistransfer geplant.
Für die wissenschaftliche Begleitung des TANDEM-Projekts konnte PD
Dr. Uwe Hunger vom Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wil­
helms-Universität Münster und vom Institut für Migrationsforschung und
Interkulturelle Studien (IMIS) gewonnen werden. Die Betrachtung des Pro­
jekts aus einer übergeordneten Perspektive sichert die Wirkungskontrolle
56
und unterstützt die Optimierung der
Projektvorhaben. Erfahrungen und
Ergebnisse des Projekts können begleitend und nach Abschluss des
Pro­jekts in relevante Fachgremien
sowie kirchliche und politische Zu­
sammenhänge auf Bundesebene eingespielt werden. Der Modellcharak­
ter soll dazu beitragen, eine Strate­
gie über die Projektlaufzeit hinaus
zu entwickeln, damit die Ergebnisse auch in Zukunft genutzt werden und der
interkulturelle Öffnungsprozess weitergeht.
Dialog und Kooperation
Das im September 2010 gestartete Modellprojekt „Dialog und Kooperation –
mit Kindern und Jugendlichen aus islamischen Glaubensgemeinschaften“ hat
in seinem zweiten Projektjahr bisher fünf neue örtliche Projekte angestoßen.
Darüber hinaus werden drei Kooperationen aus dem ersten Projektjahr weitergeführt. Als neue lokale Partner im Projekt „Dialog und Kooperation“ beteiligen sich die Jugendarbeit der Kirchengemeinde Nienstedten (Hamburg),
die Evangelische Jugend München, das Evangelische Jugendwerk Freiburg,
das Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie die
Evangelische Jugend in Sachsen. Darüber hinaus sind noch weitere
Kooperationen möglich.
Ausgehend von der Idee, gelingender Dialog könne zu wachsender gegenseitiger Akzeptanz führen, stärkt die Evangelische Jugend mit diesem Projekt
das Verständnis unterschiedlicher Lebensweisen, religiöser und kultureller
Vielfalt in der multireligiösen deutschen Gesellschaft. So fördert das Projekt
an mittlerweile 13 Standorten den interreligiösen Dialog in Form von Koope­
rationsprojekten von evangelischer und muslimischer Kinder- und Jugend­
arbeit (www.evangelisches-infoportal.de). Gezielte Kontaktaufnahmen zu
islamischen Gruppen oder Vereinen auf lokaler Ebene werden unterstützt
oder initiiert. Kinder und Jugendliche werden gesellschaftlich eingebunden
und bei der Ausbildung ihrer Identität und eines demokratischen Werte­
57
bewusstseins unterstützt. Isolationstendenzen und extremen Tendenzen
wird vorgebeugt. Somit ist das Modellprojekt sinnvoll zur Extremismus­prä­
vention. Es wird innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit durch das Bundes­
ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen
des Bundesprogramms „Initiative Demokratie Stärken“ gefördert.
Die Fachkräfte und Multiplikator(inn)en der lokalen Kooperationspartner
werden zur Umsetzung der Projektidee neben finanzieller Förderung auch in
ihrer interreligiösen Arbeit beraten. Grundlage sind die „Eckpunkte der aej
für den Dialog zwischen evangelischer und islamischer Jugendarbeit“, die der
aej-Vorstand in diesem Jahr verabschiedet und veröffentlicht. Es werden gemeinsame Fachveranstaltungen entwickelt und durchgeführt. Beispiele dafür
sind die Fachtagungen „Und was glaubst du? – Religiöse Vielfalt in der Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen“ sowie „Gegeneinander? Nebeneinander?!
Miteinander! Interreligiöse Bildung“, die in Hannover stattfinden kann.
Die lokalen Kooperationspartner sind über die Projektleitung miteinander
vernetzt. Der damit ermöglichte Erfahrungsaustausch hilft den Standorten
dabei, bereits erprobte Arbeitsansätze weiterzuverfolgen. Von den gemachten Erfahrungen und der großen Methodenvielfalt in den lokal-regionalen
58
Projekten kann auch über das Mo­dell­
projekt hinaus profitiert werden. Im Juli
2012 veröffentlicht die aej aus dem
Projekt „Dialog und Koopera­tion“ heraus entstanden eine Arbeits­
hilfe „Auf dem Weg zum Dialog“.
Bereits zum zweiten Mal bietet die
aej in ihrer Geschäftsstelle im Jahrgang
2012/2013 einen Platz im Freiwilligen
Sozialen Jahr (FSJ) Politik an. Damit wird
es jungen Menschen ermöglicht, vielfältige Erfahrungen im Projekt „Dia­log und
Kooperation“ sowie in den Themen­
feldern Migra­tion und Integration sowie
Kinder- und Jugendpolitik zu sammeln.
Gleichzei­tig eröffnet der Einsatz der Freiwilligen neue Möglichkeiten im Pro­
jekt. So kann als eigenständiges Bildungsangebot aus dem FSJ Politik heraus
das Projekt „Denkst du noch einfarbig oder ist dein Leben schon bunt? –
Rassis­mus unter Jugendlichen“ organisiert werden.
Zur Halbzeit kann das Projekt auf eine Vielzahl Erfolge verweisen. Die
unterschiedlichen Standorte tragen die Projektziele erfolgreich in die Praxis.
Besonders hervorzuheben ist dabei das innovative Projekt in Kooperation
mit dem Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder e. V. Bezirk
Hannover, der gemeinsam mit der Islamischen Gemeinschaft Jama’at-un Nur
(Gemeinschaft des Lichts) einen interreligiösen Kurs zum Erwerb der Jugend­
leiter(innen)-Card (Juleica) entwickelt und durchführt. Dafür wird ihnen der
3. Preis des Heinz|Westphal|Preises 2011 verliehen.
In der zweiten Projekthälfte ist es neben der Begleitung weiterer lokaler
Projektstandorte von besonderer Bedeutung, gewonnene Erfahrungen auszuwerten und in Form von Beratungen, Fachtagungen und Veröffentlichungen
nutzbar zu machen. Mit der Evangelischen Jugend in Sachsen als Koopera­
tionspartner wird eine Aktion geplant, die das Projekt „Dialog und Koopera­
tion“ gut wahrnehmbar auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in
Hamburg 2013 präsentiert.
59
Eckpunkte der aej für den Dialog zwischen evangelischer
und islamischer Jugendarbeit
Das Grundgesetz und die Menschenrechte sind in Deutschland Grundlage
des Rechts. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstam­
mung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines
Glaubens, seiner religiösen und politischen Anschauung benachteiligt oder
bevorzugt werden.“ (GG, Art. 3)
Das Kinder- und Jugendhilferecht bildet die rechtliche Grundlage der
Arbeit der Evangelischen Jugend. Daher orientieren wir uns am Bedürfnis
junger Menschen und an ihren unterschiedlichen Lebenslagen einschließlich ihrer sozialen, kulturellen und religiösen Prägungen und setzen uns für
die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen ein (vgl. § 9 SGB VIII).
1. Wir leben in einer interkulturellen und multireligiösen Gesellschaft mit
etwa vier Millionen Muslimen/Musliminnen in Deutschland zusammen.
Damit bildet der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Religion
und ist ein Teil Deutschlands.
2. Der gemeinsame Stammvater Abraham in Bibel und Koran und der
Glaube an einen Gott verbinden Menschen christlichen und muslimischen Glaubens. Wir sehen hier eine wichtige Basis für gelingende
Dialogpraxis.
3. Als Grundlage für ein friedliches Leben miteinander führen wir den Dia­
log mit islamischen Gemeinschaften und treten für die Zusammenarbeit
mit Muslimen/Musliminnen ein.
4. Wir ermutigen, den Dialog vom eigenen Standpunkt aus zu führen. Es
fördert den Dialog, wenn Christen/Christinnen und Muslime/Muslimin­
nen jeweils vom eigenen Glauben erzählen und sich von Vorurteilen
lösen. Wir akzeptieren die Unterschiede zwischen Christentum und
Islam und setzen uns dafür ein, dass sich diese nicht negativ auf das
friedliche Zusam­men­leben in der Gesellschaft auswirken.
5. Wir sehen keinen Widerspruch zwischen Wahrheitsgewissheit und Dia­
log. Im Gegenteil, der Dialog kann dazu dienen, die eigene religiöse
Identität durch die Beschäftigung mit einer anderen Religion zu stärken.
60
6. Wir fordern gegenseitigen Respekt und berücksichtigen im Dialog die
Glaubenspraxis der Muslime/Musliminnen. Dazu gehören unter anderen Gebetspraktiken, Speisegebote, Kleidungsbestimmungen.
7. Wir lehnen rassistische und islamfeindliche Haltungen ab und sehen
uns verpflichtet, Menschen vor Diskriminierungen zu schützen.
8. Wir akzeptieren, wenn islamische Gemeinschaften geschlechtsspezifisch arbeiten und gehen im Dialog auf die geschlechtsspezifischen
Bedürfnisse ein. Voraussetzung ist die Gleichberechtigung von Jungen
und Mädchen, die sowohl bei koedukativen als auch bei geschlechtsspezifischen Angeboten gesichert sein muss.
9. Wir beachten im Dialog mit islamischen Gemeinschaften die strukturellen Unterschiede, insbesondere zwischen Ehrenamt und Hauptberuf­
lich­keit, und gehen sensibel mit diesen um.
10.Wir sehen uns in der Verantwortung als etablierter Jugendverband, die
islamischen Gemeinschaften im Auf- und Ausbau ihrer Jugendarbeit
zu unterstützen.
„Engagiert statt abgehängt“ – Einführung von Freiwilligendiensten in Vereinen junger Migrant(inn)en
„Ein Jahr für mich – ein Jahr für andere“
– der Slogan für das Freiwillige Soziale Jahr bringt auf den Punkt, was ein
Lang­zeitfreiwilligendienst ist: Nicht nur praktisches soziales Engagement,
sondern auch ein Bildungs- und Orientierungs­jahr für junge Menschen.
Neben den formalen Bildungswegen Schule, Aus­bildung und Studium sind
die Freiwilligendienste ein etabliertes Instrument der non-formalen Bildung.
Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind nicht nur innerhalb des
formalen Bildungssystems benachteiligt, sondern auch im non-formalen.
Auch im Bereich der Freiwilligendienste ist noch viel zu tun. Trotz verstärkter
Bemühungen ist der Anteil von Freiwilligen mit Migrationshintergrund immer
noch verhältnismäßig gering, Freiwilligendienste sind unter Jugendlichen mit
Migrationshintergrund so gut wie unbekannt.
61
Da die aej seit geraumer
Zeit mit Vereinen junger
Mi­grant(inn)en (VJM) erfolgreich kooperiert, entstand in
Zusam­menarbeit mit den
Evange­lischen Freiwilligen­
diensten die Idee, die aus
den aej-Migrationsprojekten
gewonnenen Kontakte und
Erfahrungen zu nutzen, um
Einsatzstellen in VJM zu
schaffen, die Jugendlichen
aus deren Umfeld einen
Freiwilligendienst ermöglichen. Im März 2012 beginnt
das Modellprojekt „Engagiert
statt abgehängt – Ein­f ührung
von Freiwilligendiensten in
Vereinen junger Migrant(inn)
en“. Es wird von der aej in
Kooperation mit den Evange­
lischen Freiwilligendiensten
durchgeführt.
Das von der Stiftung Ju­
gend­marke und der Evange­
lischen Kirche in Deutschland
(EKD) finanzierte Modell­pro­
jekt ermöglicht die Schaffung
von 8–10 Freiwilligenplätzen
bundesweit. Sie werden getragen von etablierten evangelischen Freiwilligen­dienst­
trägern: Dem Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher
Gemeinden, der Evangelischen Jugend München, der Evangelischen Jugend
62
Westfalen und dem Diakonischen Werk Hannover. Das Projekt umfasst die
Freiwilligenjahrgänge 2012/2013 und 2013/2014, danach sollen die entstandenen Kooperationen zwischen evan­gelischen Trägern und den neuen Ein­
satzstellen ins Regelprogramm aufgenommen und eigenständig weiter­
geführt werden.
Damit gehen die Evangelischen Freiwilligendienste gemeinsam mit der
Evangelischen Jugend eine ganz praktische Ursache für die geringe Beteili­
gung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an: Es gibt nur sehr wenige
Einsatzstellen im direkten Lebensumfeld von Jugendlichen mit Migrations­
hintergrund. Mehr solche Einsatzstellen können Freiwilligendienste bekannter und akzeptierter machen.
Von Berlin bis Augsburg entstehen zurzeit die unterschiedlichsten Ein­
satz­stellen. Das Feld ist vielfältig: christlich und nicht-christlich, entlang ethnischer bzw. religiöser Linien organisiert oder interreligiös und interkulturell,
angesiedelt in Jugend- oder Erwachsenenorganisationen.
Mit diesen Plätzen kann einerseits die interkulturelle Zusammenarbeit
zwischen etablierten evangelischen Trägern und VJM-Einsatzstellen erprobt
werden. Andererseits wird mithilfe regionaler Praxistagungen, Publikationen
und gezielter Öffentlichkeitsarbeit eine breite (Fach)öffentlichkeit für den
Themenzusammenhang Freiwilligendienste und Integration sensibilisiert.
Denn alle Seiten profitieren von solchen Einsatz­stel­len: Jugendliche mit
Migra­tions­hintergrund, die dort ein Bildungs- und Orientie­rungs­jahr machen
können; die Freiwilligendienstträger, die sich durch diese Einsatz­stellen neue
Wege zur An­sprache von Jugendlichen mit Migrationshintergrund erschließen
können; die VJM, deren Arbeit von und für unsere Gesellschaft durch den
Einsatz eines/r Freiwilligen langfristig unterstützt wird; unsere Gesellschaft,
die von lebendigem Engagement lebt.
Das Projektvorhaben stößt auf Aufmerksamkeit. Viele sind gespannt, ob
sich das erwartete Ergebnis einstellt: Freiwilligendienste mit Migrations­hin­
tergrund bergen noch eine Menge Potenzial.
Über diese Projekte hinaus ist festzuhalten: Für die kontinuierliche Arbeit
in diesem Feld ist die Unterstützung von und die Kooperation mit Vereinen
junger Migrant(inn)en (VJM) von Bedeutung. Verstetigt werden Maßnahmen
63
mit folgenden Partner-VJM: die Koptische Jugend in Deutschland, der Ortho­
doxe Jugendbund Deutschland (OJB), die Gemeinschaft finnisch-deutscher
Jugend­licher und der Jugendverband der Vietnamesischen Tin-Lhan-Gemeinde
in Deutschland. Regelmäßige Treffen, feste Ansprechpartner(inn)en in der
aej-ESG-Geschäftsstelle, die Einwerbung von Geldern für Juleica- und Multi­plika­tor(inn)enschulungen und die Einbeziehung in die Qualifizierung für internationale Jugendbegegnungen halten die Entwicklung in Projekten aufrecht.
Festzustellen ist, dass zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen
fehlen, um insbesondere bei kleinen VJM langfristige Wirkungen zu erzielen.
Aus den KJP-Mitteln, die der aej jährlich zur Verfügung stehen, können die
Partner-VJM zusammen bis zu 25 000 Euro erhalten. Trotz der vergleichsweise geringen Summe sind diese Mittel für die Migrant(inn)enorganisationen
von großer Bedeutung.
Migrationspolitische Fragestellungen und Erkenntnisse aus den Migra­
tionsprojekten bringt die aej mit Projektvorstellungen und Vorträgen bei den
Mitgliedern ein. Sie unterstützt sie bei ihren Aktivitäten und gibt ihr Wissen
insbesondere zu Projektanträgen beim Bundesamt für Migration und Flücht­
linge weiter. In diesem Jahr profitiert die Evangelische Jugendbildungsstätte
Hackhauser Hof e. V. in Solingen davon mit einem interreligiösen Projekt mit
Jugendlichen: „Nicht gegeneinander die Klingen wetzen, sondern miteinander
einschneidend gute Erfahrungen machen“.
Darüber hinaus engagiert sich die aej in unterschiedlichen Netzwerken für
die Belange von jungen Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere
in den EKD-Konferenzen und bei der Kampagne „Jetzt erst Recht(e) für Flücht­
lingskinder“.
Extremismus
Mit dem Bekanntwerden der Morde der rechtsextremen Terrorgruppe NSU
im November 2011 rückt die alltägliche Gefahr des braunen Sumpfes wieder
in die Wahrnehmung der Breite der Gesellschaft. Der Schock sitzt tief – vor
allem bei jenen, die die Gefahr von Rechts schon als gebannt gesehen hatten.
Für die Evangelische Jugend ist aber auch gerade die nun ans Licht gebrachte
Naivität gegenüber der ständigen braunen Bedrohung schockierend. Es wird
64
heiß über das Versagen der Sicherheitsdienste und das wirkliche Ausmaß
der Verbreitung rechtsextremen Gedankengutes in Deutschland diskutiert.
Derweil intensiviert die Evangelische Jugend mit verschiedenen Projekten
und ihrer ganz alltäglichen Arbeit ihr Engagement für Demokratie und Tole­
ranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.
Jung, evangelisch, sucht: Zukunft!
Anfang Februar 2012 laden die aej, die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (ET) und die ESG zur Konferenz „Jung, evangelisch, sucht: Zukunft!“ nach Berlin ein. 130 Teilnehmer(innen) folgen der
Einladung und setzen sich aus wissenschaftlicher und kirchlicher Perspektive
damit auseinander, wo Demokratie passiert, wer sie mitgestalten und was
jede(r) Einzelne gegen Extremismus in unserer Gesellschaft beitragen kann.
Prof. Dr. Roland Roth von der Hochschule Magdeburg-Stendal und Prof Dr.
Johanna Haberer von der Universität Erlangen stimmen die Teilnehmer(innen)
mit Impulsreferaten ein. Die Aufforderung Prof. Haberers, Demokratie noch
stärker mitzugestalten, stößt auf offene Ohren. Besonders sei kritisches
Denken gefragt: „Die Verantwortung eines jeden ist es, die Macht in der
Gegenwart nicht als gegeben hinzunehmen, sondern immer wieder zu hinterfragen“, fordert sie. Dazu haben die Teilnehmer(innen) in einer Vielzahl von
Workshops mit praktischer und experimenteller Ausrichtung ausreichend
Gelegenheit. Die Escola Popular zeigt, wie man sich mit Spaß und Samba
für Gerechtigkeit einsetzen kann. Storch Heinar – die satirische Antwort auf
das in rechtsextremen Kreisen beliebte Modelabel Thor Steinar – hilft bei der
Beantwortung der Frage, ob man über Nazis lachen darf. In anderen Work­
shops werden Strategien gegen Rassismus im Alltag diskutiert, neue Projekt­
ideen gegen Rechts vorgestellt und Teilnehmer(innen) Tipps für Projektför­
derung und Rechtsfragen bei Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus gegeben.
Am zweiten Tag weitet sich der Horizont: Wie engagieren sich Menschen
in anderen Ländern? Was steckt hinter den Massendemonstrationen in Spa­
nien, Polen und Israel, die die Medien im letzten Jahr dominierten? Ein internationaler Round-Table mit jungen politischen Aktivisten aus diesen Ländern
und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Jungen Piraten Paul Meyer-Dun­
65
ker bietet einen Blick über den Tellerrand und sorgt für anschließende Dis­
kus­sion. Es wird deutlich, dass junge Menschen mit ihren Interessen und
Bedürfnissen überall auf der Welt gehört werden wollen, mehr Möglichkeiten
zum Erlernen von Demokratiefähigkeit erwarten und nach Wegen suchen,
sich ihre Vision einer demokratischen und toleranten Gesellschaft zu erkämp­fen. Dass die Evangelische Jugend in Deutschland dafür eine Struktur bietet,
wird wahrgenommen. Christian Bangel, Journalist für die Wochenzeitung DIE
ZEIT, unterstreicht den zunehmenden Bedarf an Beteiligung: Unsere Gesell­
schaft braucht das Engagement und die Mitbestimmung Jugendlicher, auch
und gerade, wenn es um Wirken für Demokratie und gegen Diskriminierung
und Ausgrenzung geht. Die Konferenz ist dazu ein praktischer Beitrag und
motiviert die Teilnehmer(innen), sich noch stärker zu engagieren und einzubringen.
Evangelische Kinder- und Jugendarbeit wirkt gegen Rechtsextremismus
und für Demokratie in vielen Formen und an vielen Stellen. Viele ihrer Mit­
glie­der – nicht nur im Osten Deutschlands – setzen sich aktiv gegen Rechts­
66
extremismus ein. Die aej unterstützt diese Arbeit durch Vernetzung und
Infor­mation. Sie ist Partner der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und
Rechtsextremismus (BAGKR) und unterstützt das Informations- und Doku­
men­tationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA), bei dem sie Mitglied
ist. Als Reaktion auf das Öffentlichwerden der Zwickauer Terrorzelle legt die
aej in Kooperation mit der Gewalt Akademie Villigst den Band „101 Projekt­
ideen gegen Rechtsextremismus“ neu auf.
Immer wieder wird jedoch deutlich, was die 122. aej-Mitgliederversammlung (MV)in ihrem Beschluss 2011 beobachtet, nämlich „dass rechtsradikales
Gedankengut aus der Mitte unserer Gesellschaft wächst. Gewalt und neo­
nazistischer Terror entstehen nicht zufällig.“ Die Forderung der MV an die
„Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen, dass das ehrenamtliche
und hauptberufliche zivilgesellschaftliche Engagement für Demokratie und
Toleranz, gegen Rechtsextremismus nachhaltig und dauerhaft finanziell
gefördert wird“ und dass „zeitlich befristete Projekte in diesem Bereich […]
unzureichend“ sind, verhallt leider in der Breite.
Das Projekt DEMO
Bereits seit 2011 erprobt das Projekt „DEMO
– Demokratische Jugendhilfe im demogra­
fischen Wandel“, das von der Bundes­
arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend­sozialarbeit (BAG EJSA) getragen
und gemeinsam mit der aej verantwortet und gesteuert wird, Möglichkeiten
der Stärkung von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit im ländlichen Raum
durch die Kooperation von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in strukturschwachen Regionen. Die Erfahrungen an den drei Projektstandorten zur
Halbzeit des Projektes bestätigen, dass die Bekämpfung von Extremismus –
und vor allem seine Prävention – auf solide zivilgesellschaftliche Strukturen
angewiesen ist. Auf dem ersten Vernetzungstreffen tauschen sich die Stand­
orte Anfang 2012 über ihre Erfahrungen aus und kommen zu folgenden gemeinsamen Schlussfolgerungen:
Obwohl es deutliche regionale Unterschiede bezüglich demografischer
Entwicklungen und sozialer Infrastruktur auch in den ländlichen Regionen in
Ostdeutschland gibt, kristallisieren sich doch einige grundlegende Tenden­
67
zen heraus. So leiden alle drei Standorte unter dem Wegzug gut qualifizierter Jugendlicher, der eine Bevölkerung mit besonders hohem „Jugendhilfe­
bedarf“ zurücklässt. Leider steht dem ein finanziell wie auch personell sehr
instabiles Jugendhilfesystem gegenüber. In diesem Kontext bringt der demografische Wandel prinzipielle Fragen und Forderungen der Sozialen Arbeit
wieder mit neuer Eindringlichkeit auf die Agenda. Die Befriedigung von Grund­bedürfnissen, Rechte besonders von verletzlichen Gruppen, die Ökonomi­sie­
rung der Sozialen Arbeit in Zeiten strikter Sparpolitik, angemessene Bezah­
lung und vertretbare Arbeitsbedingungen von Fachkräften erweisen sich
unter diesen Voraussetzungen als praktische Herausforderungen mit entscheidender Bedeutung für die Gestaltung des demografischen Wandels.
Leider bestätigt sich auch die Erfahrung, dass in Gegenden, in denen soziale
Angebote für Jugendliche abgebaut werden, die entstandenen Lücken immer
wieder von rechten Organisationen gefüllt werden. Prävention rechtsextremer Gesinnung und Strukturen beginnt mit belastbaren Strukturen der demo­
kratischen Zivilgesellschaft – auch und gerade in der Kinder- und Jugendhilfe.
Deshalb hat es Priorität, für die Jugendlichen eine Perspektive vor Ort zu
schaffen. Es bedarf einer intensiven Beziehungsarbeit durch aufrichtige Auf­
merksamkeit. Dabei muss erkannt werden, was die lokalen Bedürfnisse sind
und wie mehr Teilhabe erreicht werden kann. Pauschale Lösungen funktionie­ren nicht. Ziel ist nicht das Festhalten der Jugendlichen, sondern das Vermit­
teln einer Wahlfreiheit.
Mobilität spielt im ländlichen Raum eine besondere Rolle. Einerseits muss
die Kinder- und Jugendhilfe selbst mobiler und flexibler werden, um Jugend­
lichen dort ihre Angebote anbieten zu können, wo diese sich tatsächlich aufhalten. Andererseits müssen aber auch geeignete, das heißt finanzierbare,
Mobilitätsmöglichkeiten für Jugendliche entwickelt werden. Hier ist ebenso
die Jugendhilfe gefordert! Abhol- und Bringdienste führen im ländlichen
Raum zu einer stärkeren Erreichbarkeit von Jugendlichen.
Beim Thema Finanzen wird leider noch zu oft die Rechnung aufgemacht:
„Weniger Jugendliche ist gleich weniger Förderbedarf“. Dabei ist die Konzen­
tration von benachteiligten Jugendlichen in diesen Regionen häufig besonders hoch. Die jungen qualifizierten Jugendlichen zieht es oft fort. Es bedarf
eines langfristig planbaren und somit stabilen Jugendhilfeangebotes, um
68
Perspektiven für Jugendliche, aber auch für die Fachkräfte zu schaffen. Das
würde Angebote verfestigen, statt Träger zu zwingen, alle zwei bis drei Jahre
Projektanträge mit neuen Konzepten zu entwerfen.
Demografische Veränderungen bieten Chance und Risiken. Zum jetzigen
Zeitpunkt können die Weichen noch gestellt werden und Veränderungen angestoßen werden. Es wird viele junge Menschen in Deutschland geben, die
von den Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte profitieren werden und
schneller in eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle vermittelt werden können. Aber gleichzeitig laufen zu viele Jugendliche im ländlichen Raum Gefahr,
in Zukunft in ihren Entwicklungsmöglichkeiten und in ihrer Lebensperspektive
benachteiligt zu werden. Es braucht eine Mischung aus neuen Konzepten
und Strategien mit einer jeweils lokal angepassten Note.
69
70
Horizonte erweitern
Evangelische Jugend zeigt Wege in die Welt auf.
JUgendProjektPreis – JUPP! 2011
Im November 2011 verleiht die Arbeit­sgemein­
schaft der Evangelischen Jugend in Deutsch­
land e. V. zum zweiten Mal den Evangelischen
JUgendProjektPreis JUPP!.
„erleuchtet • der schein zum sein!“ – unter diesem Motto richtet JUPP!
in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf alle Projekte, die – erhellend, mitreißend, aufwändig, simpel, einmalig oder zukunftsweisend – evangelischen
Glauben in der Kinder- und Jugendarbeit lebendig werden lassen. Ziel des
Preises ist es, Projekte aus der gesamten evangelischen Kinder- und Jugend­
arbeit zu würdigen, die aus heutiger Sicht
➜ neue Zielgruppen ansprechen und neue Räume öffnen
➜ gelungene Formen der Kontaktaufnahme mit Menschen außerhalb der
Gemeinde entwerfen
➜ jugendliche Ausdrucksformen ins Gemeindeleben einbinden
➜ als zukunftsweisend und modellhaft für weitere Projekte und für das
kirchliche Leben gelten.
Prämiert werden das Projekt und die Gruppe von Menschen, die dieses
Projekt initiiert hat und/oder trägt. Es geht nicht um die namentliche Ehrung
einzelner Personen; indirekt wird die ehrenamtliche oder hervorzuhebende
hauptberufliche Arbeit Einzelner aber gewürdigt – bestenfalls wird so zu weiterem Engagement motiviert.
50 Projekte bewerben sich um den JUPP! 2011 und stellen sich dem Aus­
wahlverfahren. Nach einer Vorauswahl von 10 Projekten, der Jurysitzung und
einer öffentlichen Abstimmung bei Facebook steht das ausgezeichnete Pro­
jekt fest.
Der JUPP! 2011 geht an: „Dorf-Leben – Jugend vor Ort“ und wird bei einem
Empfang während der 122. aej-Mitgliederversammlung in Berlin verliehen.
71
„Dorf-Leben – Jugend vor Ort“ ist ein Projekt der Evangelischen Jugend
Rockenhausen, Otterbach und Lauterecken (Nordpfalz), getragen von der
Evangelischen Jugend der Pfalz. Dabei arbeiten alle Generationen im direkten Kontakt miteinander, um das Dorf als attraktiven Lebensraum für Jugend­liche erfahrbar zu machen. Im Rahmen des Projekts besuchen junge Menschen
aus der Evangelischen Jugend ein Dorf in der Nordpfalz, erkunden dieses
Dorf zusammen mit den Bewohner(inne)n und erstellen eine Sozialraum­
analyse. Auf dieser Grundlage wird ein Aktionsprogramm erstellt, das dann
gemeinsam an einem Wochenende in die Tat umgesetzt wird. Alle Alters­
gruppen im Dorf werden einbezogen. Während des Wochenendes sind die
Jugendlichen aus Rockenhausen, Otterbach und Lauterecken Gäste in verschiedenen Familien des Ortes und verbringen den Freitagabend und den
Samstagmorgen mit der Gastfamilie. Dort helfen Sie bei allen anfallenden
Arbeiten. Am Samstag­nach­mittag arbeiten Gäste und Gastgeber gemeinsam
an einem Projekt für das Dorf. Abends werden die Ergebnisse der Aktion
bei einem großen Fest gefeiert. Die Aktion endet am Sonntag nach einem
72
Gottesdienst, der mit dem/der Ortspfarrer(in), Jugendlichen aus der Evan­ge­
lischen Jugend und Vertreter(inne)n der Ortsgemeinde gemeinsam gestaltet
wird.
Die Jury lobt den konzeptionellen Aufbau des Projekts, mit genauer Ana­
lyse, Umsetzung und anschließender Evaluation: „Angesichts der Landflucht
und der Probleme von Jugendlichen auf dem Land wird hier ein innovatives
Thema der Jugendarbeit in die Tat umgesetzt. Das Projekt spricht neue Ziel­
gruppen an und stellt neue Kontakte zu Menschen außerhalb der Evange­
lischen Jugend und der Kirche her. Gleichzeitig regt die Jury an, die Ziele
des Projekts noch etwas genauer zu definieren. Evangelischer Glaube wird
im Projekt durch Handeln direkt erlebbar, könnte aber in den Projektzielen
noch stärker verankert werden und damit eine noch deutlichere Ausprägung
erhalten. Insgesamt wertet die Jury das Projekt insbesondere für den länd­
lichen Raum als modellhaft und vergibt somit den JUPP! 2011 an das Projekt
,Dorf-Leben‘ der Evangelischen Jugend Rockenhausen, Otterbach und Lauter­
ecken.“
Nicht nur ein Preis: JUPP! ist allerdings nicht nur ein Preis. JUPP! will mehr.
Die JUPP!-Projektdatenbank stellt das umfangreiche und gute Projektwissen
in der Evangelischen Jugend allen Aktiven in der evangelischen Kinder- und
Jugendarbeit bereit. Sie soll Erfahrene und Projektstarter(innen) verbinden,
Erfahrungen weitergeben und den direkten Kontakt von hier nach da ermög­
lichen.
Kern der Aktivitäten rund um JUPP! ist die Website www.jupp-der-preis.de,
deren Grundlage eine Projektdatenbank bildet, in der die Projekte gesammelt und aufbereitet und präsentiert werden. Sie stellt Aktiven in der Evan­
gelischen Kinder- und Jugendarbeit alltagstaugliches Projektwissen zur
Ver­f ügung. Es gibt unzählige hervorragende Projekte von und für Evange­
lische Jugend, von denen Projektstarter(innen) lernen können, wenn Projekt­
erfah­rene bereit sind, ihr Wissen zu teilen. JUPP! bietet dafür die Plattform
an.
Im November 2013 vergibt die aej zum dritten Mal den Evangelischen
JUgendProjektPreis JUPP!. Alle Projekte, die bis dahin in die JUPP!-Projekt­
daten­bank eingetragen werden, nehmen am Entscheid teil.
73
Bilaterale Beziehungen der aej
Bilaterale Beziehungen der aej: FRANKREICH
Die deutsch-französische Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Jugend in Deutschland
und ihren Partnerorganisationen in Frankreich
entwickelt sich qualitativ positiv, wird aber durch
die nochmals drastisch verschärfte Haushalts­
situation durch die ungenügenden Mittelzuweisungen des Deutsch-Franzö­
sischen Jugendwerks (DFJW) quantitativ in die Knie gezwungen. Sowohl bei
den evangelischen Trägern aus Deutschland als auch bei den französischen
Verbänden sowie beim von der aej als Zentralstelle mitvertretenen Volks­
bund Deutsche Kriegsgräberfürsorge führt das erst im Frühjahr 2012 bekannt
gewordene Ausmaß der Kürzungen für das laufende Haushalts- und Pro­
grammjahr zu gravierenden Belastungen und Ausfällen ganzer Austausch­
programme, die angesichts der vorlaufenden Kosten und Stornogebühren
die Träger ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten bringen. Erstmals
ist von der strukturellen Unterfinanzierung auch das bisher privilegiert geförderte Programm der Sprachkurse betroffen. Die Kürzung um mehr als 30%
bei einem von der aej und dem französischen CVJM-Gesamtverband Union
Chrétienne des Jeunes Gens (UCJG) entwickelten Kindertandemsprachkurs
kann zwar ausnahmsweise durch die vom DFJW gewährte Umbuchung innerhalb der aej-Zuweisung zulasten des Budgets für pädagogische Aus- und
Fortbildung ausgeglichen werden. Der Motivationsschaden bei den von Totalausfällen betroffenen Einrichtungen ist jedoch in Zahlen nicht zu bemessen.
Die Stimmung ist kurz vor dem fünfzigsten Jubiläum des Deutsch-Franzö­
sischen Jugendwerks an der Basis deshalb eher verhalten. Zur Pflege des
kollegialen Kontakts unter den Veranstalter(inne)n und der Vertiefung spezifischer Kenntnisse über pädagogische und politische Entwicklungen in den
beiden Partnerländern veranstalten aej und UCJG im Herbst in der Bundes­
hauptstadt eine Studientagung für hauptberuflich und ehrenamtlich tätige
Maßnahmeleiter(innen) im deutsch-französischen Jugendaustausch. Auf­
grund der positiven Aufnahme der Thematik im Vorjahr wird erneut das The­
menfeld des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen und seine Bedeutung
74
für gelingende Integration zum Schwerpunkt gewählt. Die theoretische Be­
fassung wird in Begegnungen mit bekannten Erfolgsmodellen wie dem
Campus Rütli in Berlin-Neukölln oder der Vorstellung von Programmen des
Jüdischen Museums Berlin zum Problem des islamisch motivierten Anti­semi­
tismus bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund untermauert.
Im starken Kontrast zu den belastenden finanziellen Entwicklungen im
Förderbereich steht der personelle Wandel auf der Leitungsebene des
Deutsch-Französischen Jugendwerks. Der neue deutsche DFJW-General­
sekretär Dr. Markus Ingenlath wird von den Jugendverbänden in Deutschland
und Frankreich als ein zugewandter, am Dialog mit den Vertreter(inne)n der
Zivilgesellschaft ernsthaft interessierter Partner wahrgenommen und begrüßt. Die Entspannung wirkt sich auch spürbar auf den Umgang innerhalb
der Leitung und auf die Kooperation zwischen den Referaten des DFJW und
den Zentralstellen aus.
Weiterhin erfreulich entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen dem
Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und dem französischen Pendant Comité
National des Associations de Jeunesse et d’Éducation Populaire (cnajep).
Neben den wieder regelmäßig stattfindenden Arbeitstreffen beteiligen sich
Jugendvertreter(innen) aus Deutschland an der jugendpolitischen Fachver­
anstaltung AGORAJEP in Lothringen und machen die erstarkte Kooperation
auch in der Fachöffentlichkeit sichtbar. Die gute Qualität der jugendpolitischen Vertretung aus beiden Jugendringen in den für eine neue Amtszeit berufenen Gremien des Deutsch-Französischen Jugendwerks wirkt sich auch
dort zugunsten einer ernsthafteren Bearbeitung der ihnen aufgetragenen
Aufgaben aus. Bedauerlicherweise orientiert sich das Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in seiner Vorlage zur Besetzung
des DFJW-Verwaltungsrats nicht an den Absprachen unter den Jugendver­
bänden, so dass statt der turnusgemäß anstehenden Berufung eines DBJRVertreters erneut eine Vertreterin der Deutschen Sportjugend für drei Jahre
den einzigen Platz für deutsche Jugendliche besetzt. Felix Beck aus der Evan­
gelischen Jugend in Baden wird deshalb erneut Stellvertreter im Verwaltungs­
rat. Auf ein eigenes Mandat nach dreijähriger Mitarbeit als Stellvertreterin
im Beirat des DFJW wird Viktoria Zettel aus der Evangelischen Jugend in
Baden berufen. Die Zusammenarbeit mit beiden stärkt die Außenwirkung der
75
Evangelischen Jugend in Deutschland im Bereich der internationalen Jugend­
politik.
Während die Situation in der nationalen Geschäftsstelle unseres französischen Partnerverbandes UCJG stabil ist und sogar wieder Personalzuwachs
erwarten lässt, verschlanken die evangelischen Kirchen in Frankreich ihre
Strukturen durch Fusionsprozesse. Am 18. Mai 2012 schließen sich die Evan­
gelisch-Lutherische Kirche Frankreichs und die Reformierte Kirche Frank­
reichs zur Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs zusammen. Die
erste Synode findet im Mai 2013 in Lyon statt.
Bilaterale Beziehungen der aej: Polen
Gewohnt verlässlich zeigt sich die Koope­ra­
tion zwischen der Evangelischen Jugend in
Deutschland als Zentralstelle der evange­
lischen Träger im deutsch-polnischen Jugend­
austausch und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW). Einzig die auch
im 21. Jahr seines Bestehens bei einem Bruchteil der für den deutsch-französischen Jugendaustausch aufgewandten Beiträge aus Regierungsmitteln
erfolgte Haushaltszuweisung setzt der Realisierung neuer Projektideen spürbare materielle Grenzen. Vorsichtige Hoffnungen richten sich daher auch
auf die beabsichtigte Erhöhung des Budgets für das Deutsch-Französische
Jugendwerk im kommenden Jahr seines fünfzigjährigen Jubiläums, von der
man mit einer eigenen Mittelaufstockung indirekt profitieren könnte.
Die Träger aus dem von der aej bedienten Spektrum organisieren erneut
in erfreulicher Vielfalt Maßnahmen für unterschiedlichste Zielgruppen, wobei
der Schwerpunkt weiterhin auf der Gemeinde- und Kreisebene liegt. Anders
als bei vergleichbaren Austauschländern sind die deutschen Veranstalter in
der Zusammenarbeit mit Polen allerdings weniger leicht für den kollegialen
Austausch auf Bundesebene zu gewinnen. Die Bemühungen der aej, gemeinsam mit anderen Jugendverbänden im Deutschen Bundesjugendring zu einer
attraktiveren Form der Koordinierung zu kommen, müssen deshalb mit dem
neuen polnischen Jugendring fortgesetzt werden. Ein wesentlicher Schritt
für die Festigung der Beziehungen auf nationaler Ebene ist der gemeinsame
Besuch des Vertreters der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im
76
Deutsch-Polnischen Jugendrat, Jörg Walther, und des Referenten für internationale ökumenische Jugendarbeit der aej im Februar beim Generalsekretär
des Polnischen Ökumenischen Rats (PÖR) in Warschau und bei der Vertre­te­
rin der Jugend- und Bildungsarbeit der Evangelischen Kirche Augsburgischen
Bekenntnisses in Polen. Vereinbart wird eine intensive Beteiligung an kirch­lichen Jugendveranstaltungen in Deutschland und ein gemeinsames Pro­gramm
anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hamburg 2013. Auf
Anregung des PÖR-Generalsekretärs soll sich die Koordinierungsgruppe
zwischen PÖR und EKD zukünftig in bestimmten Abständen auch mit den
Fragen der Zusammenarbeit im Jugendbereich befassen. Eine Einladung seitens der EKD steht dazu noch aus.
Bilaterale Beziehungen der aej: Heiliges Land
Unbeeinflusst von den politischen Veränderungen im Heiligen Land und in
der Region des Nahen Ostens entwickeln sich die Austauschprojekte zwischen Trägern aus dem Spektrum der Evangelischen Jugend in Deutschland
und Partnern in Israel und Palästina stetig fort. Eine bleibende Belastung
stellt jedoch für die Partner im Gebiet der Palästinensischen Autonomie­
behörde die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und ihrer ökonomischen
Entwicklung durch die sicherheitspolitischen Maßnahmen der israelischen
Regierungsbehörden einschließlich der Streitkräfte dar. Unvorhersehbare
Blockaden von Zugängen und die Abhängigkeit von Verwaltungsent­schei­dun­gen israelischer Behörden erschweren die Planung bilateraler Maßnahmen
des Jugend- und Fachkräfteaustauschs mit Partnern in Deutschland.
Bei den Projekten des deutsch-israelischen Jugendaustauschs übersteigt
der Bedarf an Förderung weiterhin leicht den zur Verfügung stehenden
Betrag, den die aej-ESG-Geschäftsstelle den Antragsteller(inne)n aus Mitteln
des Bundes zuweisen kann. Anders als im unbeeindruckt von der Sachlage
formulierten Beschluss des Deutschen Bundestags zum „Kinder- und Jugend­
tourismus“ vermutet ist auch weiterhin das Koordinierungsbüro ConAct in
Wittenberg und nicht etwa das Deutsche Jugendherbergswerk die maßgeb­
liche Einrichtung zur Förderung des Jugendaustauschs mit Israel. Wie in
den Vorjahren arbeitet die aej vertrauensvoll und kollegial mit den Mitarbei­
ter(inne)n von ConAct zusammen und beteiligt sich aktiv an der fachlichen
77
Diskussion über die pädagogische und politische Entwicklung auf diesem
traditionellen Feld der Außenbeziehungen der Evangelischen Jugend in
Deutschland.
Der Freiwilligendienst „Komm-Mit-Nadev“ für junge Israelis in Deutsch­
land, den die aej gemeinsam mit einer Reihe anderer Organisationen mitentwickelt hat, absolviert in verbesserter Form seinen zweiten Durchgang in der
praktischen Erprobung. Aus dem Bereich der Evangelischen Jugend in
Deutsch­land ist in diesem zweiten Jahr nur der Internationale Christliche
Jugendaustausch (ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e. V.) als Aufnahme­
organisation beteiligt, da andere evangelische Träger sich teils aufgrund der
prekären Finanzierung noch nicht zur aktiven Mitwirkung entschließen konnten. Bei einem Empfang im Schloss Bellevue würdigt der Bundespräsident
zum zehnjährigen Jubiläum des Koordinierungszentrums ConAct den neuen
Freiwilligendienst als ein besonderes Zeichen der freundschaftlichen Bezie­
hungen zwischen Israel und Deutschland. Im Gegensatz zur verlässlichen
politischen Unterstützung ist die Finanzierung des aufwändigen Projekts im
bisherigen Maße für die Zeit nach dem Auslaufen der Pilotphase noch nicht
gesichert.
Bereits beschlossen und rechtlich verankert, aber noch immer nicht vollends finanziell abgesichert ist die auf israelischer Seite errichtete Koordinie­
rungsinstitution für den internationalen Jugendaustausch. Mit der Berufung
Naftali Derers zu deren erstem Leiter steht ein der Evangelischen Jugend in
Deutschland und dem Deutschen Bundesjugendring aus den Zeiten seines
Wirkens für den israelischen nationalen Jugendring Council of Youth Move­ments in Israel (CYMI) langjährig vertrauter Fachmann an der Spitze des neuen
Dienstes. Ebenfalls langjährig engagiert und unermüdlich im Einsatz für den
deutsch-israelischen Jugendaustausch ist Mike Cares von der Evangelischen
Jugend in Baden, den die Bundesregierung erneut in den bilateralen Fach­
ausschuss beruft, wo er als Vertreter des Deutschen Bundesjugendrings
dankenswerterweise für die Belange der deutschen Jugendverbände eintritt
und die fachliche Qualität bei der weiteren Entwicklung der bilateralen
Beziehungen voranbringt.
78
Bilaterale Beziehungen der aej: Vereinigtes Königreich
Nur zu wenigen Ländern bestehen gleichermaßen seitens der Landeskirchen
wie der Freikirchen so gut fundierte Beziehungen wie zu den Kirchen in
Großbritannien. Während die Unterschiede in der Praxis bei konfessionsgleichen Kirchen etwa der methodistischen oder der baptistischen Tradition in
beiden Ländern vorwiegend die kulturellen Ausprägungen widerspiegeln,
steht die Zusammenarbeit der Kirche von England mit den deutschen Lan­des­
kirchen als klassisch territorialen Jurisdiktionen auf der Basis einer sorgfältig
erarbeiteten historischen Annäherung und bedarf eigener Anstrengungen,
um die auf dem Papier vereinbarte Nähe in der Realität erkennbar werden zu
lassen. Im deutsch-britischen Jugendaustausch bemühen sich Träger aus
dem Spektrum der Evangelischen Jugend in Deutschland mit wachsendem
Erfolg, aus ihren Maßnahmen mit verschiedensten Partnern der Kinder- und
Jugendhilfe im Vereinigten Königreich stabile und dauerhafte Projektpart­ner­
schaften zu schmieden. Während Reisen nach Großbritannien sich unter
Jugendlichen in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen, gilt Deutschland
als Reiseland noch nicht überall als genügend attraktiv. Immer öfter gelingt
es allerdings, das häufig anzutreffende Motivationsgefälle zugunsten einer
(Rück-)Begegnung in Deutschland auszugleichen und die Partnerschaft über
mehrere Jahre fortzusetzen. Längst nicht allen Trägern von Jugendaus­tausch­
begegnungen scheinen die Möglichkeiten der Förderung auf Bundesebene
bewusst zu sein. Noch weniger unter ihnen empfinden eine natürliche Präfe­
renz zur Bevorzugung kirchlicher Strukturen bei der Auswahl ihrer britischen
Kooperationspartner. Ein beachtlicher Vorteil der verstärkten fachlichen Zu­
sammenarbeit mit britischen Partnern innerhalb und außerhalb der Kirchen
könnte sich auch auf dem Themenfeld der Inklusion ergeben, das zwar unter
dem Begriff der Integration und umfassenden Teilhabe auch in Deutschland
seit Jahrzehnten angelegt ist, jedoch im Vereinigten Königreich schon länger
als hierzulande im Fokus der politischen und institutionellen Aufmerksamkeit
liegt.
Auf dem Feld der zwischenkirchlichen Kontakte gestaltet sich die Zusa­m­
menarbeit trotz der Personalknappheit und des Stellenwechsels einzelner
Ansprechpartner(innen) in London verhalten positiv. Einen Fortschritt in dieser Hinsicht markiert die Einladung an den Referenten für internationale öku-
79
menische Jugendarbeit zur Teilnahme als Beobachter an der europäischen
anglikanischen Synode der Diözese von Gibraltar in Köln, bei der angesichts
der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa Informationen aus der Sicht der
deutschen Kirchen sehr gefragt sind. Ein weiteres Thema der Beratungen am
Rande der Synode ist die Teilhabe der Kinder- und Jugendarbeit der anglika­
nischen Gemeinden in Deutschland und auf dem europäischen Kontinent an
der Zusammenarbeit mit Strukturen der Evangelischen Jugend und innerhalb
des Ökumenischen Jugendrates in Europa.
Bilaterale Beziehungen der aej: Russland
Die Kontakte zwischen Deutschland und der Russischen Föderation auf der
Ebene der demokratischen Zivilgesellschaft zu stärken ist eine Aufgabe,
deren steigende Bedeutung mit jeder Nachricht über die Entwicklung von
Demokratie und Menschenrechten in Russland klarer vor Augen tritt. Die im
Bereich des Kinder- und Jugendaustauschs mit der Russischen Föderation
aktiven Träger aus dem Spektrum der von der Evangelischen Jugend in
Deutschland als Zentralstelle gegenüber der Stiftung Deutsch-Russischer
Jugendaustausch gGmbH vertretenen Einrichtungen und ihren russischen
Partnerorganisationen tragen seit Jahrzehnten und teils ungeachtet der sich
wandelnden politischen Großwetterlage zur Erfüllung dieses wichtigen Auf­
trags bei. Ein grundlegendes Kriterium ist dabei der gleichberechtigte und
partnerschaftliche Umgang, der auch dort vorherrscht, wo etwa der Hilfs­
einsatz in einer Einrichtung für junge Menschen mit Behinderungen oder
andere sozialdiakonische Aktivitäten Ziel des Austauschprojekts sind. Ent­
sprechend der Vielfalt der Trägerstrukturen und pädagogischen Traditionen
innerhalb der Evangelischen Jugend gibt es unterschiedliche professionelle
Austauschprojekte – von regelmäßig im Arbeitsauftrag hauptberuflicher
Mitarbeiter(innen) verankerten institutionellen Partnerschaften bis hin zu
durchweg von Ehrenamtlichen konzipierten und geleiteten Maßnahmen.
Sie tragen zum besonderen Profil der Evangelischen Jugend in Deutschland
im Feld der internationalen Jugendarbeit bei. Für alle genannten Gruppen
einsetzbar ist das deutsch-russische Liederbuch, das nach mehrjähriger
und von der „Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch“ gGmbH aus
Bundes­mitteln besonders geförderter Kooperation entsteht. Hervor­gegan­
80
gen aus dem Austausch der Evangelischen Jugend in Berlin-Frohnau mit
deren russischen Partnern ist es durch den weitgehenden Verzicht auf christliches Lied­gut auch umstandslos für die Verwendung bei anderen Trägern
geeignet.
Die regelmäßige Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Jugend in
Deutschland und Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch gGmbH hat
sich hinsichtlich der Kommunikation und der Transparenz im Vergleich zu früheren Jahren verbessert. Die Siftung wurde im Rahmen einer Public Private
Partnership mit zwei interessierten Industriestrukturen von der Bundes­
regierung und der Freien und Hansestadt Hamburg errichtet. Ein bleibendes
Ärgernis bleibt allerdings die Verwendung des Titels „Jugend­parla­ment“ für
politische Schaufensterveranstaltungen. Die Teilnahme junger Menschen
an diesen Treffen im Umfeld der deutsch-russischen Regierungs­konsultatio­
nen erfolgt nach persönlicher Bewerbung bei der ausrichtenden Stiftung und
erinnert im Blick auf die Kriterien der Repräsentativität und lupenrein demokratischen Legitimation der Mitwirkenden eher an den Begriff von Parlament,
wie er aus den Volksdemokratien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
bekannt ist.
Die zwischenkirchliche Zusammenarbeit mit der Russisch-Orthodoxen
Kirche ist geprägt von der verfestigten antiökumenischen Haltung entscheidender Kräfte im Moskauer Patriarchat. Im Blick auf die Unterstützung der
evangelischen Diasporakirchen in Russland bilden sich hingegen durch die
neuen gemeinsamen Bestrebungen mit dem Gustav-Adolf-Werk Ansatz­punkte
für neue Akzentuierungen innerhalb der ökumenischen Jugendarbeit mit
Russland.
Bilaterale Beziehungen der aej: China und Taiwan
Nach mehreren Jahren intensiver Entwicklungen und angestrengter Aufbau­
arbeiten treten die Beziehungen der Evangelischen Jugend in Deutschland
zur Jugendarbeit des All-Chinesischen Jugendverbandes in der Volksrepublik
China in eine ruhigere Phase mit vermindertem Austausch auf nationaler
Ebene ein. Ursächlich dafür sind neben dem bedeutenden Aufwand und dem
verhältnismäßig geringen fachlichen Ertrag der bisherigen Pilotprogramme
mit den offiziellen Verbandsspitzen unter anderem die erheblichen Kürzun­gen
81
der Fördermittelzuwendungen seitens des Deutsch-Französischen Jugend­
werks (DFJW), das die trinationalen Veranstaltungen der letzten Jahre deutlich über die regulär verfügbaren Fördersätze hinaus finanziert hat. Zusätz­
lich bestehen angesichts der Nähe des chinesischen Verbandes zur Parteiund Staatsführung ernste Zweifel, ob die aej als Träger der geförderten
Maß­nahme auf eigene Verantwortung überhaupt Sorge dafür tragen kann,
dass die als Partner ausgewählte Organisation All China Youth Federation
nicht den Zielen des Grundgesetzes widerspricht, wie es die deutsche Vor­
sitzende des DFJW-Verwaltungsrates von geförderten deutschen Trägern seit
2010 in nationalen Förderprogrammen schriftlich einfordert. Nach Rück­
sprache mit dem französischen CVJM-Gesamtverband (UCJG) entschließt sich
die aej, dieses Projekt absehbar nicht weiterzuverfolgen. Für die Förderung
der Austauschmaßnahmen einzelner Träger aus dem Spektrum der Evange­
lischen Jugend in Deutschland steht dessen ungeachtet das neue Sonder­
programm China im Kinder- und Jugendplan des Bundes zur Verfügung, dessen Antragsteller in der bewährten Qualität von der aej-ESG-Geschäftsstelle
beraten und unterstützt werden.
Erstmals seit Beginn des bilateralen Austauschs mit der Evangelischen
Jugend der Republik China (Taiwan) melden die Mitglieder der aej keine interessierten Jugendlichen für die Teilnahme am multilateralen Programm „I love
Taiwan Mission“, das deshalb erstmals seit 2006 ohne deutsche Beteiligung
abläuft. Dieses auf Bitten des EKD-Kirchenamtes unterstützte Programm
sollte jedoch zukünftig bei intensiverer Bewerbung wieder größeren Anklang
finden, da es erstaunliche Einsichten zu den Bedingungen christlicher Exis­tenz in saturierten und säkularisierten Industrieländern bietet und steile Lern­
kurven im Bereich der interkulturellen Kompetenz bereithält.
Kinder in der Evangelischen Jugend
Nach der Verabschiedung von Leitaspekten zur Beteiligung von Kindern durch
den aej-Vorstand im Jahr 2010 erarbeitet der Fachkreis Arbeit mit Kindern sieben Leitsätze in kindgerechter Sprache. Unter dem Titel „Du gehörst dazu“
werden sie 2012 mit einem Plakat und einer Vielzahl von praktischen Hin­wei­
sen veröffentlicht. Mit dieser Arbeitshilfe macht die aej auf die Notwendigkeit
82
echter Beteiligung von Kindern aufmerksam. Gesellschaft und Kirche können
nur davon profitieren, wenn sie in ihren
Entscheidungen und Lebensprozessen
die Perspektiven von Kindern wahrnehmen und mitberücksichtigen. Möglicher­
weise werden Kirche und Welt damit
nicht nur kindgerechter, sondern ins­
gesamt lebensgerechter und menschenfreundlicher. Die Materialsammlung
beteiligt Kinder durch Praxisideen, die
lebendig sind und Spaß machen.
Ein weiterer Fokus ist die Bevölke­
rungsentwicklung, die sich in der evangelischen Arbeit mit Kindern widerspiegelt. Aus der Praxis wird berichtet, dass
an vielen Gruppen und Ferienmaßnahmen Kinder mit Migrationshintergrund
beteiligt sind. Die aej-Fachtagung „Gegeneinander, Miteinander, Nebenein­
ander? – Interreligiöse Bildung mit Kindern“ wendet sich im Dezember 2011
den damit verbunden Fragen zu. Prof. Dr. Friedrich Schweitzer führt die
Bedeu­tung interreligiöser Bildung im evangelischen Kontext aus. Neben der
Erkenntnis, dass die Elementarisierung religiöser Vielfalt in der pädagogischen Methodik noch in den Kinderschuhen steckt und viel zu selten mit
Kindern in ihrer Sprach- und Denkwelt „theologisiert“ wird, zeigt sich, dass
Mitarbeitende an ihrer Sprachfähigkeit im Glauben arbeiten müssen. Kinder
wachsen in und mit religiöser Vielfalt im Kindergarten und der Schule auf,
die evangelische Arbeit mit Kindern tut sich aber schwer, Gemeinsamkeiten
und Unterschiede in religiöser Praxis und Tradition kindgemäß zu formulieren. Interreligiöse Bildung ist mehr als hier und da ein Symbol zu erklären
und unterschiedliche Fest- und Feiertage zu kennen. Interreligiös mit Kinder­
gruppen „unterwegs“ zu sein, heißt, die eigenen Traditionen und Glaubens­
grundlagen kindgemäß erläutern zu können. Das gemeinsame Gespräch über
religiöse Traditionen und das Lernen aus der jeweiligen religiösen Praxis
braucht eigene Methoden. Es bleibt eine Herausforderung, Kinder im Um­
83
gang mit religiöser Vielfalt zu unterstützen und gleichzeitig evangelische
Tradition und Theologie zu vermitteln.
Die Frage „Wie weiter mit dem Ehrenamt?“ ist ebenfalls drängend für die
Arbeit mit Kindern geworden. Eine aej-Fachtagung im Mai 2012 mit Fachkräf­
ten der Arbeit mit Kindern nimmt die aktuellen Entwicklungen auf: Jugend­stu­
dien und punktuelle Befragungen bei aej-Mitgliedern belegen, dass ehrenamtlich engagierte Jugendliche weniger werden und weniger Zeit für ein kontinuierliches Engagement haben. Zugleich sind sie heute jünger (13 bis 14
Jahre, je nach Konfirmationsdatum). Es wird aber auch belegt, dass es sie
gibt, dass sie motiviert und gut ausgebildet sind. Kinder- und jugendpolitisch
ist zu fordern: Mehr Zeit für das Ehrenamt und mehr Anerkennung, die sich in
Schulzeugnissen und Referenzen für Bewerbungen auswirkt!
Globales Lernen
Globales Lernen als pädagogische Antwort auf Globalisierungsprozesse hat
die Nische von Spezialangeboten verlassen und gewinnt auch in der evan­
gelischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zunehmend an Bedeutung.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, globales Lernen gegen die
Instrumentalisierung durch wirtschaftliche Interessen und die zunehmende
Verflachung zu profilieren als subjektorientierte Lernhaltung und reform­
pädagogisches Lernprinzip, dass sich am Leitbild einer nachhaltigen Ent­
wicklung und damit unmissverständlich an der Vision von Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung orientiert.
Für die Evangelische Jugend ist es deshalb wichtig, globales Lernen fortgesetzt in der eigenen Praxis zu verankern und sich gleichzeitig in der
Debatte über eine zeitgemäße entwicklungspolitische Bildung zu engagieren. Drei herausragende Aktivitäten stehen im Mittelpunkt der Arbeit im vergangenen Jahr.
„Ich bin hin und weg“, das öko-faire Küchenbuch
Nachhaltige Entwicklung ist ein komplexes Thema, wird oft sehr abstrakt
vermittelt und bietet dennoch an vielen Stellen konkrete Aufgaben für die
evangelische Kinder- und Jugendarbeit. Lebendig, streitbar und konkret wird
84
es am Kochtopf. Ob bei Begegnungsreisen,
Freizeiten oder Jugendsonntagen – das
unwiderstehliche Küchenbuch „Ich bin hin
und weg“ zeigt, dass mit regionalen, saisonalen, fairen und ökologischen Produkten
einfach und hervorragend gekocht werden
kann und dass das auch machbar, finanzierbar und essbar, also wirklich lecker ist.
Das Küchenbuch ist eine inhaltlich und gestalterisch völlig neu konzipierte Version
des in die Jahre gekommenen und immer
wieder nachgefragten alten Küchenbuchs.
Hier geben sowohl Küchenprofis als auch
erfahrene Freizeitleiter(innen) Tipps und
Tricks, wie Begeisterung für klimafreundliches und sozial gerechtes Kochen
geweckt werden kann und wie man es schafft, Jugendliche nicht nur gut zu
versorgen, sondern auch aktiv in die Küchenarbeit einzubinden, obwohl sie
zu Hause oft noch keine Erfahrungen mit dem Kochlöffel sammeln konnten.
Und plötzlich lassen die Rezepte von Sarah Wiener, Ralph Zacherl und Gerald
Brunnert die Geschmacksnerven tanzen.
Nicht nur wegen seiner praktikablen Tipps zur öko-fairen Beschaffung
und jugendlichem Geschmack entsprechenden Rezepte, auch wegen seiner
ansprechenden Gestaltung ist das Küchenbuch dabei, sich zu einem echten
Renner zu entwickeln.
Regionale Workshops
Die Nachfrage nach den von der aej-ESG-Geschäftsstelle angebotenen regionalen Workshops ist im Vergleich zum Vorjahr erfreulich angestiegen. Sie
erweisen sich fortgesetzt als wichtiges Element entwicklungspolitischer Bil­
dungsarbeit der aej. Ziel ist die Qualifizierung und die Beratung entwicklungspolitischer Bildungsangebote im direkten Austausch mit den Multiplika­
tor(inn)en.
Beispielhaft für die insgesamt neun Workshops unterschiedlichen Formats
und unterschiedlicher Dauer sind die ökumenische Hauptamtlichentagung
85
der Jugendmitarbeiter(innen) der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und die
Mitarbeit beim Bildungsangebot „Jugend Macht Politik“ zu nennen.
Im Rahmen von „Jugend Macht Politik“ wird ein anderthalbstündiger
Workshop zu den Grundfragen nachhaltiger Entwicklung angeboten und von
den Teilnehmer(inne)n mit großem Interesse aufgenommen.
Im Mittelpunkt der viertägigen ökumenischen Hauptamtlichentagung
steht die Fortbildung zu einem bestimmten Thema; in diesem Jahr nachhal­
tige Ent­wicklung unter dem Motto: „Darf’s ein bisschen mehr sein? Nach­
haltig leben zwischen Quantität und Qualität“. Das Tagungskonzept und die
tagungs­didak­tische und inhaltliche Umsetzung des Schwerpunktthemas
werden im engen Austausch mit dem Referenten entwickelt, der auch das
zweistündige Hauptreferat übernimmt.
Die beiden Beispiele zeigen, dass die Verankerung globalen Lernens
im Alltag evangelischer Kinder- und Jugendarbeit dort die größten Chancen
hat, wo es direkt an die konkrete Arbeit anknüpft, statt als isoliertes Fort­
bildungs­angebot daherzukommen.
Die Aktivitäten zum Globalen Lernen werden regelmäßig mit den Part­ner­
organisationen „Brot für die Welt“ und Evangelischer Entwicklungsdienst
(EED) inhaltlich und fachlich erörtert. Die begonnene Diskussion über die
Frage der Subjektorientierung in den entwicklungspolitischen Bildungs­ange­
boten wird fortgesetzt. Vor dem Hintergrund der Fusionierung des EED mit
dem Diakonischen Werk der EKD ist das ausführliche Gespräch zwischen
Barbara Riek und dem Fachkreis Nachhaltige Entwicklung über die Struktur,
künftige Arbeitsweise und Zusammenarbeit mit „Brot für die Welt – Evange­
lischer Entwicklungsdienst“ sehr hilfreich. Für die finanzielle und inhaltliche
Unterstützung der Arbeit ist beiden Partnern sehr zu danken.
Marmelade für Alle!
Am 9. Juli 2012 startet Marmelade für
Alle! – die bundesweite Kampagne der
Evangelischen Jugend in Kooperation
mit Brot für die Welt, der Evangelischen
Jugend in ländlichen Räumen (ejl) und dem Verband Christlicher Pfadfinde­
rinnen und Pfadfinder (VCP). Mit gleichzeitig stattfindenden Aktionen im
86
Rahmen des heaven-Festivals der Evangelischen Jugend der Nordkirche in
Rendsburg und von „good day & night“, dem 7. Jugendkirchentag der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau wird die Kampagne bekannt gemacht. An beiden Orten wird aus Früchten, die sonst weggeworfen werden,
Marmelade gekocht.
In einer Zeit, in der ca. 50% unserer Lebensmittel auf dem Müll landen,
will die Kampagne auf folgende Fragen aufmerksam machen: Wie gehen wir
mit unseren Lebensmitteln um? Welchen Wert haben Früchte für uns? Wie
ernähren wir uns nachhaltig?
Das gemeinsame Kochen von Marmelade ist das „Medium“, um diese
Fragen praktisch und theoretisch zu erörtern. Das Interesse an der Kampagne
ist steigend und spricht Jugendliche an. Verschiedene Gruppen von Jugend­
lichen und Multiplikator(inn)en beteiligen sich an der Kampagne. Unter www.
marmelade-fuer-alle.de werden die Aktivitäten für alle sichtbar gesammelt.
Im November 2012 findet eine Tagung bei Hamburg statt, wo Fragen der Er­
nährungssicherheit erörtert werden. Ergebnisse werden dann in die Marme­
lade für Alle!-Aktivitäten bei der Internationalen Grünen Woche 2013 und
87
dem Deut­schen Evangelischen Kirchentag in Hamburg 2013 einbezogen. Mit
dem Stän­digen Ausschuss Umwelt des DEKT ist ein verstärktes Einbeziehen
der Kam­pagne geplant.
Europäische Jugendpolitik
Der Vorschlag der Europäischen Kom­mission im November 2011 für ein
neues integriertes Bildungs­pro­
gramm mit dem Namen „Erasmus für
alle“ manifestiert Entwicklungen, die
sich bereits in 2011 abzeichneten:
Die EU-Kommission macht die An­kündigung wahr, die neue Pro­gramm­generation (2014–2020) eng an den
Zielen der EU-Wachstumsstrategie
„Europa 2020“ auszurichten und
eine neue Programmsystematik einzuführen. Trotz der in großer Einmütigkeit
formulierten Forderung der deutschen Jugendverbände und weiterer Akteure
der Kinder- und Jugendhilfe nach einem eigenständigen Jugendprogramm mit
spezifischen jugendpolitischen Anforderungen, legt die EU-Kommission einen Entwurf vor, der sieben Programme aus dem Bildungsbereich in einem
gemeinsamen Programm zusammenführt. Ein eigenständiges Jugendpro­
gramm – bisher JUGEND IN AKTION – ist nicht mehr vorgesehen. Zukünftig
sollen drei große Leitaktionen das Gesamtprogramm bestimmen:
➜ Lernmobilität von Einzelpersonen
➜ Zusammenarbeit zur Förderung von Innovation und bewährtem Verfahren
➜ Unterstützung politischer Reformen.
Darin verschwinden die besonderen arbeitsfeld- und zielgruppenspezi­
fischen Ansätze für junge Menschen. Ebenso wichtige jugendpolitische Ele­
mente wie Partizipation und aktive europäische Bürger(innen)schaft sowie
Jugenddemokratieprojekte und Jugendinitiativen mit europäischer Dimen­
88
© Stephanie Hofschläger, pixelio.de
Die aej in Brüssel
sion. Gruppenaktionen und Angebote für Fachkräfte sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen.
Die aej, andere Jugendverbände und die Bundesregierung kritisieren diesen Vorschlag vehement und setzen alles daran, in die Verhandlungen der
Mitgliedstaaten zum Beschluss des EU-Bildungsrates ein eigenes Jugend­
kapitel aufzunehmen. Dieses gelingt trotz sehr schwieriger Verhand­lungs­
bedingungen und wird am 10./11. Mai 2012 durch den Beschluss der EUBildungsminister(innen) bestätigt. Mit dem eigenen Jugendkapitel gelingt es
weiter, ein separates Budget für Jugend einzurichten, in einem Land mehrere
gleichberechtigte Agenturen nebeneinander zu halten und die institutionelle
Förderung europäischer Zusammenschlüsse im Jugendbereich zu sichern.
Es gelingt nicht, einen eigenen Programmausschuss für die Jugendfragen zu
installieren. In Kooperation mit dem DBJR, dem EYCE, dem Europäischen
Jugendforum, dem katholischen Jugendbüro, der Ständigen Vertretung und
anderen Akteur(inn)en wird eine breitflächige Lobbyarbeit im Europäischen
Parlament organisiert, um die Position des eigenen Jugendkapitels mit jugendpolitischen Kernforderungen und Verbesserungen zum Ratsbeschluss
dort ebenfalls abzusichern und zu ergänzen.
Im Mai 2012 organisiert die aej in Kooperation mit der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD) und dem Diakonischen Werk der EKD ein Fachgespräch
in Brüssel zum Europäischen Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität der
Generationen unter dem Titel „jung und (un)beschwert – alt und (in)aktiv?
Die Solidarität der Generationen im Fokus der EU“. Mit Vertreter(inne)n des
Europäischen Parlaments und der EU-Kommission wird den Fragen nach­
gegangen, was für ein zukünftiges Zusammenleben der Generationen notwendig ist, wo mögliche Interessenkonflikte liegen und wie diesen im EU-Kon­text begegnet werden kann. Die Sichtweise der jüngeren Generation bringt
Manuela Wörle aus der Evangelischen Jugend in Baden in das Gespräch ein.
Die Kooperation in Brüssel mit der Dienststelle des Bevollmächtigten des
Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen
Union erweist sich in diesen Prozessen als deutlich strategischer Vorteil mit
neuen Handlungsoptionen und direkten Kontakten. Im Brüsseler Netzwerk
erhält die aej frühzeitig Informationen über den aktuellen Stand der poli­
tischen Entwicklungen und kann wirkungsvoll agieren. Die Verbindung zwi-
89
schen dem Wirken in Brüssel und der Einbindung in die jugendpolitischen
Strukturen in Deutschland (DBJR-Arbeitsgruppe, Fachausschuss Europa der
Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe und Nationaler Beirat zum
Programm JUGEND IN AKTION) zeigt sich als gutes Konzept für beide Koope­
rationspartner (aej/Bevollmächtigter). Die Bedeutung und Wahrnehmung
der EKD-Dienststelle in Brüssel nimmt durch das gemeinsame Projekt bei den
aej-Mitgliedern deutlich zu. Gremien und Gruppen nutzen zunehmend den
Kontakt zur EKD-Dienststelle, um sich über aktuelle europäische Entwick­lun­gen zu informieren und entdecken Brüssel als jugendpolitischen Gestaltungs­
­ort.
Als weitere bedeutsame Themen im Jugendbereich entwickeln sich aktuell
auf der europäischen Ebene die Themen Jugendarbeitslosigkeit sowie An­erkennung und Validierung von non-formalem Lernen, in die sich die aej inten­
siver einbringt.
Neben den politischen Verhandlungen zur neuen Programmgeneration
nimmt die aej weiter durch die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Europa des
DBJR Einfluss auf die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
und deren Verknüpfung mit der Entwicklung einer eigenständigen Jugend­
politik in Deutschland (s. S. 119). Bund und Länder haben sich für die Um­
setzung der europäischen Jugendstrategie folgende drei Themenschwer­
punkte gesetzt:
➜ Übergänge – von der Schule und Ausbildung in den Beruf
➜ Partizipation
➜ Anerkennung non-formalen Lernens
Zusammen mit anderen Akteuren bringt die aej Themenvorschläge für den
neuen Zyklus der Jugendstrategie (2013 – 2015) ein, nimmt den 2. EU-Jugend­
bericht kritisch zur Kenntnis, beteiligt sich an den Konsultationen im Rahmen
des Strukturierten Dialogs zum Themenschwerpunkt „Partizipation junger
Menschen am demokratischen Leben in Europa“. Die aej wirbt aktiv unter
ihren Mitgliedern für eine Beteiligung an der Umsetzung der EU-Jugend­stra­
tegie sowie an der Beteiligung am Strukturierten Dialog auf nationaler Ebene.
Die aej-ESG-Geschäftsstelle entwickelt dazu modellhaft einen Projektantrag
für die Region Hannover, um den Strukturierten Dialog auf der kommunalen
90
Ebene zu verankern und in den Transfer zur Landes-, Bundes-, und Europa­
ebene einzubinden.
Über das Deutsche Nationalkomitee für internationale Jugendarbeit (DNK)
gelingt es, Florian Nowack aus der Evangelischen Jugend Oldenburg als Ver­
treter der aej in die Mitgliederversammlung des Europäischen Jugendforums
zu entsenden. Er nimmt ebenfalls an den Jugendkonferenzen der Ratspräsi­
dentschaften teil.
Die aej tritt der European Sunday Alliance als Unterstützerin bei. Diese
Allianz setzt sich für eine Wiederaufnahme des gesellschaftlichen und politischen Diskurses über den Sonntagsschutz ein und tritt für eine entsprechende Formulierung im europäischen Recht ein, mit der die soziale und kulturelle
Bedeutung des Sonntags und seine positiven Auswirkungen angemessen
gewürdigt werden können.
Der aej-Vorstand tagt im Juli in der EKD-Dienststelle in Brüssel, um mit der
Leiterin der EKD-Dienststelle Katrin Hatzinger Perspektiven für eine weitere
Zusammenarbeit nach dem vertraglich verabredeten Projektende im Oktober
2012 zu beraten. Trotz der Grenzen, die ein halbe Stelle für EU-Lobby- und
Netzwerkarbeit mit sich bringt, nimmt die EKD die positive Wirkung der Ko­
operation im Feld europäischer Jugendpolitik aufmerksam wahr und bekundet ihren Wunsch nach Verlängerung und Verstetigung der Kooperation. Um
Möglichkeiten der Weiterentwicklung der EKD-Dienststelle und der gemeinsamen Kooperation zu berücksichtigen wird eine Ergänzungsvereinbarung
zum Kooperationsvertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr zwischen der aej
und dem Bevollmächtigten des Rates der EKD geschlossen.
Durch die Präsenz der aej in Brüssel kann auch die Zusammenarbeit zwischen der aej und dem Ökumenischen Jugendrat in Europa (Ecumenical Youth
Council in Europe – EYCE) weiter intensiviert werden. Der auf der EYCE-Mit­
gliederversammlung im Oktober 2011 initiierte Prozess zum Aufbau einer jugendpolitischen Arbeitsgruppe wird gemeinsam beraten und vorangetrieben.
EU-Förderprogramme
Die Weiterentwicklung der europäischen Integration wird durch eine Vielzahl
europäischer Programme unterstützt. Die bestehende Programmgeneration,
zu der auch das Programm JUGEND IN AKTION gehört, endet 2013. Deshalb
91
© Gerd Altmann, pixelio.de
bestimmen viele Diskussionen die
Verhandlungen zwischen EU-Kom­
mission, dem Europäischen Rat und
dem Europäischen Parlament über
die neue Programmgeneration
(2014–2020). Allen gemeinsam sein
soll die klare Ausrichtung an den
Zielen der Strategie „Europa 2020“,
eine vereinfachte „Architektur“, die
die Zusammenlegung von Pro­gram­men beinhaltet und eine zumindest angekündigte Verwaltungsvereinfachung (u. a. durch Pauschalen). Um diese
Programme für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit besser nutzbar zu
machen, setzt sich die aej zusammen mit anderen Akteuren neben ihrem besonderen Engagement für einen eigenständigen Jugendbereich im Bildungs­programm (s. o.) insbesondere für die bessere Nutzung des zukünftigen Euro­päischen Sozialfonds (ESF) ein. Auch hier ergeben sich durch das Koopera­
tionsprojekt in Brüssel nützliche Kontakte zu der neu eingerichteten Service­
stelle Förderpolitik und Förderprojekte in der EKD-Dienststelle in Brüssel.
Darüber hinaus berät die aej interessierte Antragsteller(innen) in inhaltlich-konzeptionellen Fragestellungen zu EU-Förderanträgen – insbesondere
im Programm JUGEND IN AKTION. Zu diesem Programm organisiert sie einen
jährlichen Förderinfotag, der die wesentlichen Inhalte und Möglichkeiten
des Programms vermittelt und mit dem Antragsverfahren bekannt macht. Die
aej Referentin ist berufenes Mitglied des Nationalen Beirates zum Förder­
programm JUGEND IN AKTION. Hier engagiert sich die aej ebenfalls für den
Erhalt eines eigenständigen Jugendprogramms und für die Ausgestaltung des
laufenden Programms, Rahmenbedingungen und ein Antragswesen des laufenden Programms, das den Bedürfnissen der Jugendverbände gerecht wird.
Die Nationalagentur, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das wichtigste Förderprogramm
JUGEND IN AKTION für Maßnahmen und Aktivitäten europäischer Jugend­
arbeit und Jugendpolitik verantwortet, bekommt durch zusätzliche Aufgaben
und Projekte im Rahmen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutsch­
92
land und deren Verknüpfung zur Entwicklung einer eigenständigen Jugend­
politik mehr Kompetenzen und wird zu einer maßgeblichen Akteurin im Feld
europäischer Jugendpolitik. Die aej pflegt den Kontakt zur Nationalagentur,
sieht die wachsenden Aufgaben und die eigenständigen Aktivitäten der Nationalagentur jedoch kritisch.
Eigene Erfahrungen mit der Antragstellung und Projektentwicklung im europäischen Förderprogramm Europäischer Integrationsfonds (EIF) sammelt die
aej mit den Projekten „TANDEM – Bildungsförderung von Kindern und Jugend­
lichen mit Migrationshintergrund“ und „TANDEM – Vielfalt gestalten! – Evan­
gelische Jugend in Kooperation mit Migrantenorganisationen“ (s. S. 54 und
106). Die Erfahrungen daraus gibt die aej an interessierte Mitglieder weiter.
„youngstars“ – Europainformationen von Jugendlichen für Jugendliche
Um die aktive Partizipation Jugendlicher an
den aktuellen jugendpolitischen Prozessen,
insbesondere der EU-Jugendstrategie zu ermöglichen, organisiert die aej in Zusammenarbeit mit der Evangelischen
Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof in Solingen ein Redaktionsseminar für
Jugendliche aus europäischen Ländern und die Herausgabe der Verteil­zei­tung
„youngstars – Europainformationen von Jugendlichen für Jugendliche“. In den
Artikeln geht es um die Inhalte der EU-Jugendstrategie, den Studentenalltag
in der EU, die Pluralität der kulturellen und religiösen Hintergründe in der EU,
Aspekte zur Aufnahme der Türkei in die EU, Auswirkungen des Bologna-Pro­
zesses und um Gesundheitsthemen (Organspende, Drogenkonsum, die
Europäische Krankenver­siche­rungs­
karte) sowie um die Slutwalk-Bewe­
gung (Protestaktionen für die Un­an­
tastbarkeit der sexuellen Integrität
des Menschen).
Die kostenlose Zeitung erscheint
im Frühjahr und wird großflächig an
Jugendverbände, Jugendorgani­satio­
nen und Schulen versendet. Das Pro­
jekt wird vom BMFSFJ gefördert.
93
Inklusion
Durch die unmittelbare Rechtsgültigkeit der UN-Behindertenrechts­konven­
tion in Deutschland ist das Thema Inklusion besonders im Bildungssektor
von hoher Bedeutung. Das System der allgemeinbildenden Schulen (Regel­
schulen) steht massiv unter Druck, sich für Menschen mit Behinderungen zu
öffnen. Modellprojekte werden dabei nicht ausreichen. Das gesamte System
steht vor der Herausforderung, Strukturen und Konzepte für den Umbau hin
zu einer inklusiven Schule zu entwickeln. Ziel dabei ist, allen jungen Menschen
die für sie notwendige Förderung und Unterstützung zu geben, die sie für ihre
Entwicklung brauchen. Kinder und Jugendliche sollen nicht mehr an die
Systeme und Strukturen angepasst werden – die Konzepte und Strukturen
sollen sich vielmehr für die Einzigartigkeit aller Kinder und Jugendlichen öffnen und den jeweiligen individuellen Bedarf an Unterstützung und Förde­run­
gen ermöglichen. Der inklusionsorientierte Umbau von Schule wird Folgen
für die Kinder- und Jugendhilfe haben. Dienste, Einrichtungen und Leistungen werden vermehrt durch die Veränderungen der Schule betroffen sein:
Junge Menschen mit Behinderungen werden durch das Inklusionskonzept
„reintegriert“ in das familiäre Wohnumfeld und den Sozialraum. Sie werden
also perspektivisch die Angebote im Sozialraum nutzen (wollen). Diese Ent­
wicklung betrifft dann auch die Kinder- und Jugendarbeit.
Bisher sind das Thema Inklusion und die Folgen für die Kinder- und Jugendarbeit noch wenig bearbeitet worden. In der Evangelischen Jugend (z. B.
Rheinland, Mitteldeutschland) haben einige Mitglieder das Thema aufgegriffen – eine breite Auseinandersetzung dazu fehlt bisher. Deshalb plant die aej
in Kooperation mit „Aktion Mensch“ das Thema übergreifend für die Kinderund Jugendarbeit mit einem Fachkongress aufzugreifen und Impulse für eine
Auseinandersetzung in der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit zu geben.
Dabei sollen Jugendverbände, die erste Vorarbeiten geleistet haben, ebenso
einbezogen werden wie das evangelische Arbeitsfeld der integrativen
Jugendarbeit. „Aktion Mensch“ zeigt daran großes Interesse.
94
Räume schaffen
Evangelische Jugend erkämpft Räume in Kirche,
Politik und Gesellschaft.
Kinderschutz
Mit dem Beginn des neuen Jahres tritt das
Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) in
Kraft, das auch für die evangelische Kinderund Jugendarbeit handfeste Konsequenzen
hat. Nach einem langen Diskussions­pro­zess,
getrieben vom Bekanntwerden schreck­
licher Missbrauchsfälle in den Jahren zuvor
und den Ergebnissen des Runden Tisches
„Sexueller Kindesmiss­brauch“, nimmt das
BKiSchG umfangreiche Änderungen zu den
rechtlichen Grundlagen unter anderem auch
der Kinder- und Ju­gendarbeit vor. Beson­ders
relevant für die Kinder- und Jugendarbeit ist
die Neuregelung des §72a SGB VIII (Kinderund Jugendhilfegesetz, KJHG), das nunmehr erweiterte polizeiliche Führungs­
zeugnisse für hautberuflich und – unter bestimmten Voraussetzungen –
neben- und ehrenamtlich Tätige in der Kinder- und Jugendhilfe vorsieht. Die
Unsicherheit bezüglich der Anwendung dieser Neuregelungen ist groß, gleichzeitig nimmt sich die Evangelische Jugend der Aufgabe an, durch umfassende
Präventionskonzepte Missbrauch auch in den eigenen Reihen vorzubeugen.
Bereits kurz nach Inkrafttreten des BKiSchG veranstaltet die aej einen
von der Jugendverbandslandschaft deutlich wahrgenommenen Fachtag zum
Thema. Im Zentrum stehen die Vorbeugung von Kindesmissbrauch durch
praxisorientierte Präventionskonzepte und die Neuregelung des § 72 a SGB
VIII, der die Eignung von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen in der Kinderund Jugendarbeit durch die Vorlage von erweiterten polizeilichen Führungs­
zeug­nissen regelt. In Praxisimpulsen führen Referenten die unterschiedlichen
95
Themenbereiche aus. Als Hauptreferent wird Prof. Dr. Dr. hc. Reinhard Wies­ner gewonnen, einer der bedeutenden Kommentatoren des achten Sozial­
gesetz­buches. Er referiert zu den Grundlagen des BKiSchG. Marcus Blanck
beschreibt die strukturelle Dimension von Präventionskonzepten am Beispiel
der Jo­han­niter-Jugend und Dr. Tim Gelhaar (Verband Christlicher Pfadfinde­
rinnen und Pfadfinder, VCP) stellt pädagogische Bausteine für Präventions­
konzepte vor. Eine (selbst)kritische Perspektive auf Kinderschutz auf Freizei­
ten bringt der Referent für Jugendreisen und internationale Jugendarbeit der
Sportjugend Hessen, Peter Brinks, ein. Christian Weiss vom Deutschen Bun­
desjugendring (DBJR) und Gabriele Weitzmann, Justiziarin beim Bayerischen
Jugendring, befassen sich mit der Frage von Führungszeugnissen für Ehrenund Haupt­amtliche aus jugendpolitischer und juristischer Sicht.
Der Fachtag markiert den Beginn einer intensiven Auseinandersetzung
mit dem Thema und setzt Akzente in der Jugendverbandslandschaft. Viele
Fragen bleiben jedoch offen und werden auch nur zum Teil in den folgenden
Monaten beantwortet.
96
Nicht wenige der Neuregelungen im BKiSchG berühren die evangelische
Kinder- und Jugendarbeit. Sie zusammenzufassen und erste Hilfestellung
bei der Umsetzung zu geben ist das Ziel der im Januar veröffentlichten Bro­
schüre „Kinder schützen“. Sie wird in der Fachöffentlichkeit mit großem Inte­
resse wahrgenommen und ist die erste Publikation, die sich der Herausfor­
derung umfassend stellt. Die PDF-Version steht als Download zur Verfügung
(www.evangelisches-infoportal.de).
Besonders die Erläuterungen zum „Führungszeugnisparagraphen“ § 72 a
sind gefragt, obwohl sie nur vorläufig den Stand der Interpretation des Ge­set­zes darstellen können. Die Broschüre macht deutlich, dass in jedem Fall der
öffentliche Träger vom Gesetz verpflichtet ist, über Vereinbarungen mit dem
freien Träger die Maßgaben des Gesetzes umzusetzen. Freie Träger müssen
also nicht sofort Führungszeugnisse von Ehrenamtlichen verlangen. Zu­dem sind
viele Fragen noch unklar, insbesondere zur Interpretation der Kriterien „Art,
Intensität und Dauer“, nach denen die Tätigkeiten Ehrenamtlicher zu beurteilen
sind, die eine Einsicht ins erweiterte Führungszeugnis verlangen – oder nicht.
97
Die Unsicherheit plagt öffentliche wie auch freie Träger. Auf Bundesebene
bilden sich jedoch mehrere Arbeitsgruppen, um Handlungsempfehlungen
für Vereinbarungen zu formulieren, die für beide Seiten praktikabel und vertretbar sind und den Kindesschutz voranbringen sollen. Besonders von
Bedeu­tung sind die gemeinsame Arbeitsgruppe der Arbeitsgemeinschaft für
Kin­der- und Jugendhilfe (AGJ) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Landes­jugendämter (BAG Landesjugendämter) sowie die Arbeitsgruppe des Deut­schen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e. V. (dv), in der das Bun­
desministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die kommunalen Spitzenverbände, die Jugendverbände in Form des DBJR, Wohl­f ahrtsverbände, Kirchen und Jugendämter vertreten sind. Die aej arbeitet durch
ihren kinder- und jugendpolitischen Referenten von Anfang an intensiv mit.
Im Laufe des Jahres stellt sich heraus, dass die Befürchtungen auf Seiten
vieler Jugendverbände begründet waren. Mancherorts werden auf Druck der
Jugendämter Vereinbarungen geschlossen, die de facto eine generelle Pflicht
zur Vorlage von erweiterten Führungszeugnissen bedeuten. In anderen Ein­
zelfällen beginnen freie Träger in vorauseilendem Gehorsam Führungs­zeug­
nisse zu verlangen. Auch in der Evangelischen Jugend gehen einzelne Träger
weit über das Notwendige und Sinnvolle hinaus. Der Wunsch „sicher zu gehen“ und die Illusion, dies über erweiterte Führungszeugnisse zu erreichen,
scheint zu häufig auf Kosten einer ernsthaften Auseinandersetzung mit
Gefahrenpotentialen und Präventionskonzepten zu gehen.
Bereits Ende Juni gibt die AGJ zusammen mit der Bundesarbeitsgemein­
schaft der Landesjugendämter Handlungsempfehlungen zum Bundeskinder­
schutzgesetz als Orientierungsrahmen und erste Hinweise zur Umsetzung
heraus. Zur Auseinandersetzung führt die Frage, unter welchen Bedingungen
ehrenamtlich und nebenamtlich Tätige von der Vorgabe, erweiterte Führungs­zeugnisse vorlegen zu müssen, betroffen sind. Die Jugendverbände sind mit
den Formulierungen der AGJ nicht zufrieden. Die im September erwarteten
Handlungsempfehlungen des dv, an denen die aej mitarbeitet, haben das Ziel,
den Umgang mit diesem Vorgang differenzierter darzustellen. Danach sind
Führungszeugnisse für ehrenamtlich und nebenamtlich Tätige nur dann
erforderlich, wenn sie nach Art, Intensität und Dauer ein besonderes, dem
hauptberuflicher Tätigkeit vergleichbares Potential zum Missbrauch haben.
98
Während die Konsensfindung zwischen freien und öffentlichen Trägern
auf Bundesebene so ins Stocken gerät, erhöht sich der Handlungsdruck in
der Praxis. Die aej-ESG-Geschäftsstelle bereitet deshalb eigene, auf die
Praxis gemünzte Empfehlungen vor. In kurzen und prägnanten Handrei­chun­
gen werden die praktischen Fragen der Umsetzung von § 72 a erläutert und
nach Dringlichkeit geordnet veröffentlicht. Der erste Teil beschreibt die
Grundstruktur der Regelung, Anwendungsbereich und Voraussetzung der
Schließung von Vereinbarungen mit dem öffentlichen Träger. Der zweite Teil
beschreibt den Inhalt einer solchen Vereinbarung, insbesondere wie die
Abwägung nach Art, Intensität und Dauer praktisch gehandhabt werden kann
und die absolute Notwendigkeit, dies auch zu tun. Eine pauschale Regelung
zur Einsicht von Führungszeugnissen wäre weder gesetzeskonform noch dem
Kindesschutz dienlich, da eine wichtige Gelegenheit zur Auseinandersetzung
mit der Struktur der eigenen Kinder- und Jugendarbeit vergeben würde. Dabei
werden Fragen der Einsichtnahme selbst und der sich daraus ergebenden
Datenschutzproblematik wie auch des Umgangs mit Mitarbeiter(inne)n ohne
deutschen Wohnsitz behandelt. Erfreulich ist, dass die Kostenübernahme für
Ehrenamtliche und Freiwilligendienstleistende seitens des Staates gewährleistet ist.
Anfang des Jahres geht der Unabhängige Beauftragte für Fragen des
sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, auf Akteure und gesellschaftliche Verantwortungsträger zu mit der Absicht, Vereinbarungen zur
Umsetzung der Ergebnisse des „Runden Tisches“ zu treffen. Darunter sind
sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das Diakonische
Werk der EKD (DW EKD) als auch der Deutsche Bundesjugendring (DBJR).
Kern der angestrebten Vereinbarungen ist die Durchführung einer Umfrage
als Monitoring-Instrument.
Für die aej besteht zuerst die Hoffnung, dass durch eine gemeinsame
Vereinbarung der evangelischen Organisationen Synergieeffekte erzielt werden könnten. In den Gesprächen zwischen EKD, DW EKD und aej stellt sich
heraus, dass die unterschiedlichen strukturellen Bedingungen keine gemeinsame Vereinbarung möglich machen. Gleichzeitig sind die Verhandlungen des
DBJR mit dem Unabhängigen Beauftragten Johannes-Wilhelm Rörig erfolgreich. Sie reflektieren sowohl die Besonderheiten der Jugendverbandsarbeit
99
als auch den offensiven Ansatz der aej in Bezug auf Kinderschutz. Die aej beteiligt sich deshalb im DBJR am Monitoring.
Evangelische Jugend und Schule
© DKJS/Piero Chiussi
Die Kooperation zwischen außerschulischer Jugendarbeit und Schule hat sich
etabliert. Kaum ein Mitglied in der Evangelischen Jugend, welches nicht in
seinen Reihen verschiedene oder mindestens ein Kooperationsmodell aufweisen kann. Der Ausbau der Ganztagsschule wird dieses Thema in Zukunft
auch weiter auf der Agenda halten. Deshalb werden Fortbildungs- und Quali­
fizie­rungsmaßnahmen für Hauptberufliche entwickelt und angeboten, die
sich auf eine Kooperation mit Schule einlassen wollen. Unter anderem finden
Kurse für die Qualifizierung von Schulseelsorger(inne)n statt, die in Koope­
ration von evangelischer Kinder- und Jugendarbeit und religionspädagogischen Zentren geplant und durchgeführt werden. Damit wird einmal mehr
deutlich, dass Kirche die Schule als einen Lebensort von Kindern und Jugend­
lichen wahrnimmt und dort mit qualifizierten Angeboten präsent sein will.
Nach wie vor ist es schwer, Ehrenamtliche mit in die Kooperationen einzubinden. Da die Angebote vieler Kooperationen innerhalb der Schulzeiten liegen,
100
gibt es kaum eine Möglichkeit für jugendliche Ehrenamtliche, die in der Regel
Schüler(innen) sind, sich zu engagieren, es ei denn, sie erhalten in der Schul­zeit einen (Frei)Raum für ihr Engagement. Auch interessierte Student(inn)en
haben oft Schwierigkeiten, eine Freistellung für ehrenamtliches Engagement
während der Studienzeiten zu bekommen. Erstmals gibt es eine Kooperation
zur schulbezogenen Jugendarbeit zwischen der Universität Koblenz-Landau
und der Evangelischen Jugend der Pfalz. Die Student(inn)en qualifizieren
sich in einem Seminar zur Durchführung von Klassentagungen und werden
anschließend als Teamer(innen) auf Klassentagungen eingesetzt. Dieses
Theorie-Praxis-Paket berechtigt nach einer erfolgreichen Teilnahme zum
Erhalt von Credit-Points. Damit entsteht sicherlich ein Diskussionsbedarf über
die Frage unterschiedlicher und neuer Formen des ehrenamtlichen Engage­
ments. Die Kooperation mit Schule lässt aktuell aber nur wenig Spielraum in
Hinsicht auf ehrenamtliches Engagement, und um eine Präsenz evangelischer
Kinder- und Jugendarbeit am Lebensort Schule zu gewährleisten, sollten
neue Wege ausprobiert werden.
Um die Kooperationen zwischen außerschulischen Bildungspartner(inne)n
und Schule besser zu gestalten und abzustimmen, entwickeln sich in verschiedenen Regionen so genannte lokale Bildungslandschaften (auch kommunale oder regionale Bildungslandschaften genannt). Um dieser Entwick­
lung Rechnung zu tragen, bieten die Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit (aes) und die aej einen Fachtag an. Unter der
Überschrift „Bildung kann keiner allein“ sind ein Fachvortrag und verschiedene Arbeitsgruppen mit Projekten, die Erfahrung mit lokalen Bildungs­land­
schaften machen, geplant. Leider findet der Fachtag aufgrund von zu wenigen Anmeldungen nicht statt. Da aber von einer weiteren Entwicklung lokaler
Bildungslandschaften auszugehen ist, werden die aes und die aej weiterhin
das Thema beobachten und diskutieren.
Das im letzten Jahr vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) angekündigte Förderprogramm „Bündnisse für Bildung“ (www.
buendnisse-fuer-bildung.de) hat eine Konkretisierung erfahren. Unter dem
Titel „Kultur macht STARK“ werden die Förderrichtlinien am 10. Mai 2012 in
Berlin auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Ab diesem Zeitpunkt läuft das
Verfahren einer Interessensbekundung zur Beteiligung als Zentralstelle für
101
die Fördermittelweitergabe und der Initiierung von Projekten. Unter anderem
beteiligen sich der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) und ein evangelisches
Konsortium, bestehend aus dem Diakonischen Werk der EKD (DW EKD), der
Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (ET),
der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA)
und die aej. Im September entscheidet das BMBF über die eingereichten
Interessensbekundungen. Das Konzept des DBJR wird berücksichtigt, das
evangelische Konsortium erhält keinen Zuschlag. Die Evangelische Jugend
kann sich nun über das DBJR-Konzept beteiligen.
Unter dem Motto „Bildung für mehr! Ganztagsschule der Vielfalt“ erörtert
der Ganztagsschulkongress am 21. und 22. September 2012 in Berlin Themen
wie individualisiertes Lernen, Vielfalt der Lebenswelten und Lebenslagen
(Diversity), gemeinsames Lernen mit unterschiedlichem Förderbedarf und
unterschiedlichen Voraussetzungen sowie Inklusion. In einer „BAR der Viel­
falt“ steht eine Referentin der Evangelischen Jugend für Fragen rund um das
Thema „Zusammenarbeit von Jugendverbänden mit Schulen“ als Exper­tin zur
Verfügung. Organisiert wird der Ganztagsschulkongress von der Deutschen
Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und findet zum neunten Mal statt. Hier
treffen sich Akteure und Akteurinnen aus dem Umfeld Schule und informieren
sich über den Entwicklungsstand der einzelnen Bundesländer und der verschiedenen Konzepte zur Umsetzung und der Gestaltung von Ganz­tagsschule.
Die Kooperation mit außerschulischen Partner(inne)n ist in der Regel durch
einen der Programmpunkte vertreten. Mit ca. 1 000 Besucher(inne)n ist der
zweitägige Kongress eine sehr gut besuchte Veranstaltung, auf der viele Informationen ausgetauscht werden und das Netzwerk für die Ganztags­schul­ent­
wicklung gepflegt wird.
Fördermittel – Entwicklungen und Herausforderungen
Neue Mittel einwerben: Neue zusätzliche Fördermittel für die Evangelische
Jugend insgesamt einzuwerben – das dürfte der Traum aller Aktiven sein, die
für Finanzen auf den unterschiedlichen Ebenen zuständig sind. Auch die
Geschäftsführung der aej ist darum bemüht, aber die Erfolge stellen sich nur
sehr selten ein.
102
Abgesehen von direkten Projekten der aej-ESG-Geschäftsstelle, für die es
ab und zu neue Projektmittel auf dem „Förderungsmarkt“ gibt, sind neue
Mittel zur Weiterleitung über die Zentralstelle der aej eher rar. In Zusam­men­
arbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit
(BAG EJSA) ist es allerdings gelungen, örtliche Träger der Evangelischen
Jugend als Empfänger an die Förderung von Migrant(inn)enprojekten heranzuführen (so die Evangelische Landjugendarbeit in Bayern und die Evange­
lische Jugendbildungsstätte des Rheinlands, Hackhauser Hof). Die Verant­
wortlichen dort schätzen die neu gewonnenen Räume. Diese Mittel des Bun­
desministeriums des Innern (BMI) werden mit Unterstützung des Bun­des­ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) administriert;
Aspekte der Jugend(verbands)arbeit sollten damit in guten Händen sein.
Dieser jetzt direkten Förderung ist die Beteiligung der beiden Träger am
Projekt „TANDEM – Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund“ vorausgegangen. Zum ersten Mal hatte die aej ein
Projekt designt, das die Beteiligung von örtlichen Partnern vorsieht. Weit­
gehend eigenständig konnten die Projektpartner ihre eigenen Ansätze realisieren. Diese positive Erfahrung hat dann die beiden bewogen, über die
„Unter-Zentralstelle aej“ eigenständige Anschlussprojekte zu entwickeln,
Diese Form, aej-Mitglieder und ihre Untergliederungen mit ihren Ideen zu
bündeln und daraus ein bundeszentrales Projekt zu entwickeln, ist erstrebenswert, aber in seiner Komplexität kaum realisierbar. Vielmehr ist es so,
dass Förderlinien bzw. Förderinstrumente und grobe Projektideen nach dem
Motto: „Man könnte doch …“ zusammenfließen und aus dem Netzwerk der
Evangelischen Jugend in Deutschland interessierte und geeignete Partner
gewonnen werden. Es ist der große Vorteil innerhalb der Evangelischen
Jugend, dass es einerseits einen breiten Wissenstransfer über die Interessen,
Ansätze, Methoden und Akzente der Arbeit auf den unterschiedlichen Ebe­
nen gibt und andererseits neue Förderansätze und Projektideen innerhalb
des Netzwerkes kommuniziert werden können, um Kooperationspartner­
schaften anzuregen. Zugespitzt formuliert: Damit ist die Evangelische Jugend
dem Ziel ein Stück näher gekommen, projektfähig zu werden.
Hier sind die förderrelevanten Aspekte zu betrachten: Von außen wird der
aej nicht nur die fachliche Kompetenz in der partnerschaftlichen Begleitung
103
von VJM zugeschrieben, sondern auch die Fähigkeit, kompetent, fair und interessensbezogen Fördermittel für diesen Bereich zu administrieren. Damit
erreichen Partner aus der finnischsprachigen Evangelischen Jugend oder der
Jugendarbeit der Vietnamesischen Tin-Lhan-Gemeinde in Deutschland über
die aej Bundesförderung. Dies gilt auch für unsere ökumenischen Partner,
den Orthodoxen Jugendbund Deutschland (OJB) und die Koptische Jugend in
Deutschland.
Vorhandene Mittel sichern: Laut Evaluation ist der Kinder- und Jugendplan
des Bundes (KJP) das „Rückgrat der Arbeit der Jugendverbände“ auf Bundes­
ebene. Ihn in seiner Bedeutung zu stärken und ihn nachhaltig weiterzuent­
wickeln geschieht in enger Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden im
Deutschen Bundesjugendring. Sehr erfolgreich ist die Kommunikations­
kampagne des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) zusammen mit seinen
Mitgliedern, die Notwendigkeit der materiellen Anpassung mit den Politikern
und Abgeordneten zu diskutieren.
Im Sommer 2011 wird diese Strategie innerhalb des DBJR mit Unterstüt­
zung der Verbände erstmals erfolgreich eingesetzt. Die angedrohte Kürzung
kann auf eine marginale Einsparung reduziert werden. Über den Winter
2011/12 werden die Kontakte konstant aufrechterhalten, um, nach Erarbeitung
einer zweiten Stufe im Frühjahr, die Finanzdiskussion mit den Parla­men­­ta­riern
im Sommer 2012 fortzusetzen.
Hilfreich für alle Beteiligten sind verbandliche und persönliche Kontakte
zu Personen in Parlament und Parteien; die Evangelische Jugend kann hier
mit einem großen Kreis von Vertreter(inne)n fast das gesamte parlamenta­
rische Spektrum abbilden.
Die endgültige Entscheidung über den Bundeshaushalt 2013 und damit
die zentrale Förderung für die Jugendverbandsarbeit auf Bundesebene wird
kurz vor der aej-Mitgliederversammlung fallen – bis dahin wird weiterhin
Überzeugungsarbeit bei den Haushältern geleistet werden.
Neue Herausforderungen annehmen: Die Einführung des Bundesfreiwil­
ligen­dienstes (BFD) im Herbst 2011 stellt die aej vor die Frage, ob sie auch für
dieses neue Programm Zentralstellenfunktion übernehmen soll. Sehr schnell
104
wird in der Diskussion deutlich, dass der traditionelle Jugendfreiwilligen­
dienst als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und der BFD eng miteinander verknüpft sind. Die aej übernimmt deshalb die Zentralstellenfunktion für die
Evangelische Trägergruppe in diesem Format.
Mit dem eilig eingeführten BFD sind enorme juristische, verwaltungs- und
datentechnische sowie zentralstellenübliche Umsetzungsfragen verbunden.
„Learning in process“ ist der einzige Weg, die Anforderungen einigermaßen
zu bewältigen. Obwohl umgehend unterstützendes Personal befristet ein­
gestellt, Stellenanteile angehoben und Aufgaben per Dienstleistungsvertrag
ausgegliedert werden, stellt dieses eine enorme Belastung für die Mitarbei­
tenden in der Geschäftsstelle dar.
Risiken eingehen: Die Akquise und Umsetzung von Projekten im Bereich
Migration und Demokratieentwicklung aus Förderinstrumenten außerhalb
des KJP stellt neue Herausforderungen an die Geschäftsstelle und ihre Mit­
arbeitenden. Die neuen Instrumente zeigen eine bislang unbekannte Förderund Abrechnungslogik, für die die Administration, z. B. die Buch­haltung,
nicht eingestellt ist. Ausgabepositionen müssen manuell nach neuen Zu­
ordnungssystemen in Beleglisten geführt, Sammelpositionen aufgelöst und
differenziert dokumentiert werden. Da das bei der Antragstellung nicht absehbar war, wurden Personalressourcen für diese Arbeit nicht eingeplant.
105
Auch hier wird mit einer befristeten Aushilfe versucht, die Mehrbelastung
aufzufangen und die ordnungsgemäße Finanzdokumentation entsprechend
den Vorgaben der Zuwendungsgeber sicherzustellen.
Wie wichtig diese Entscheidung ist, zeigt sich bei der Prüfung der
(Zwischen)verwendungsnachweise im Projekt „TANDEM – Bildungsförderung
von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ durch die zuständige Stelle der EU. Das bereits abgeschlossene Projekt wird nach Weggang
der Projektmitarbeiterin nochmals komplett aufgerollt und infrage gestellt.
Absprachen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), der
zuständigen deutschen Bewilligungsstelle, werden als nichtig betrachtet,
etc. In der Konsequenz werden die Bewilligungsbescheide geändert mit der
Folge, dass rund ein Drittel der Förderung zurückgefordert wird. Der umgehend eingelegte Rechtsbehelf läuft. Nach bisheriger Einschätzung dürfte
eine Rückforderung von unter 5.000 Euro gerechtfertigt sein, die aber nur im
geringen Teil auf die aej-ESG-Geschäftsstelle zurückschlägt, sondern lokale
Partner betrifft.
Im Sommer ergeht die weitere Prüfungsankündigung durch die Regiestelle
für das Projekt „Dialog und Kooperation“. Hier ist die Herausforderung, dass
die bisherige Projektmitarbeiterin ihr Arbeitsverhältnis mit uns beendet hat
und Aufbereitungen der Finanzdokumentation zu erstellen sind von Personen,
die damals nicht involviert waren. Über die Ergebnisse dieser Prüfungen wird
bei der Mitgliederversammlung berichtet.
Fördermittel 2012 im Überblick
Die Fördermittel im Jahr 2012 bleiben gegenüber dem Jahr 2011 im nationalen
und internationalen Förderprogramm weitgehend stabil. Die befürchtete
Kürzung von über 10% kann durch eine konzertierte Aktion des Deutschen
Bundesjugendrings (DBKR) und seiner Mitgliedsverbände verhindert werden.
Insgesamt wird fast überall leicht gekürzt. Trägerbereiche wie z. B. politische
Bildung (–6,5%) und Jugend­sozial­arbeit (–9%) kommen deutlich schlechter
weg. Die Steigerung auf der Einnahmenseite im Bereich der nationalen För­
derung ist das Ergebnis einer Umstrukturierung des Förderverfahrens im
Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Durch veränderte Richtlinien und damit ver-
106
bunden Änderungen in den Zuwendungen für die pädagogische Begleitung
der einzelnen Freiwilligen kommt es in diesem Jahr und auch zukünftig zu
deutlichen höheren Ein­nahmen.
Festzuhalten bleibt, dass die Förderhöhen für Maßnahmen (z. B. Tages­
sätze, Fahrtkostenzuschüsse) seit dem Jahr 2000 unverändert geblieben
sind. Ersetzt wird in der Internationalen Jugendarbeit die Förderung der
Fahrtkosten nach Realkosten durch eine Pauschalierung entsprechend der
Entfernung. Dieses System produziert Gewinner und Verlierer – höhere För­
derung wird für die „Rennstrecken“ erzielt; Verluste erzielen Begeg­nungs­
programme, die abseits der Hauptflugrouten liegen. Der DBJR und die aej
sind mit dem BMFSFJ im Gespräch, hier Nachbesserungen zu erzielen.
Übersicht der Fördermittel im Bereich des Kinder- und Jugendplans des Bundes 2011
Nationale Förderung
Titel
Zentrale Jugendverbände
Zentrale Fortbildungsstätten
Politische Bildung
Behinderten-Programm
Sonstige Zentrale Jugendverbände
Nationale KJP-Mittel
Gesamt
eingeworbene
Fördermittel
1 759 302,00 d
384 326,00 d
415 800,00 d
32 200,00 d
181 500,00 d
2 773 128,00 d
aejGeschäftsstelle
543 050,00 d
64 101,00 d
0,00 d
0,00 d
100 000,00 d
707 151,00 d
eingeworbene
Fördermittel
598 400,00 d
aejGeschäftsstelle
35 889,00 d
218 500,00 d
12 982,00 d
205 518,00 d
40 200,00 d
40 200,00 d
0,00 d
2 516,00 d
137 484,00 d
0,00 d
0,00 d
0,00 d
0,00 d
9 890,00 d
0,00 d
149 889,00 d
4 212,00 d
0,00 d
44 753,00 d
91.587,00 d
1.114.257,00 d
weitergeleitet
1 216 252,00 d
320 225,00 d
415 800,00 d
32 200,00 d
81 500,00 d
2 065 977,00 d
Internationale Förderung
Titel
Internationale Globalmittel
Internat. Jugendgemeinschaftdienste
(IJGSD)
Internationale Jugendferiendienste (BEJ)
Bilaterale Maßnahmen
Jugendpolitische Maßnahmen mit
140 000,00 d
Entwicklungsländern (JPE)
Sonderprogramm China (CHN)
9 890,00 d
Sonderprogramm Tschechien (CZE)
0,00 d
Sonderprogramm Israel (ISR)
149 889,00 d
Sonderprogramm Japan (JPN)
4 212,00 d
Sonderprogramm
44 753,00 d
Russische Föderation (RUS)
Internationale KJP-Mittel Gesamt 1.205.844,00 d
weitergeleitet
562 511,00 d
107
Übersicht der Fördermittel im Bereich der sonstigen Bundesmittel 2011
Nationale Förderung
Titel
eingeworbene
aej/ESGFördermittel Geschäftsstelle
weitergeleitet
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Inland
4 002 400,00 d
0,00 d
4 002 400,00 d
(bis 31. August 2011)
Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Ausland
53 600,00 d
0,00 d
53 600,00 d
(bis 31. August 2011)
FSJ plus
44 100,00 d
0,00 d
44 100,00 d
FSJ Regelförderung
4 477 600,00 d
0,00 d
4 477 600,00 d
(neu ab 1. September 2011) *)
FSJ Besonderer Förderbedarf
27 200,00 d
0,00 d
27 200,00 d
(neu ab 1. September 2011)
Förderung durch BMELV (Grüne Mittel)
68 000,00 d
68 000,00 d
0,00 d
Förderung der Studentischen Verbände
(ESG) aus dem Ministerium für Bildung
9 600,00 d
9 600,00 d
0,00 d
und Forschung (BMBF)
Stiftung Deutsche Jugendmarke
46 624,69 d
46 624,69 d
0,00 d
Dialog und Kooperation
99 682,00 d
99 682,00 d
0,00 d
BAMF (Chabba Village)
12 108,84 d
0,00 d
12 108,84 d
BAMF (Hackhauser Hof)
3 421,49 d
0,00 d
3 421,49 d
Summe nationale Förderung
8 844 337,02 d
223 906,69 d
8 620 430,33 d
(sonstige Bundesmittel)
*) Seit dem 1. September 2011 ist eine neue Richtlinie in Kraft getreten. Die richtliniengemäße
Verteilung für die Monate September bis Dezember 2011 kann sich noch ändern.
Internationale Förderung
Titel
Deutsch-Französisches Jugendwerk (DFJW)
Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW)
Summe internationale Förderung
(Jugendwerke)
Summe alle nationale Fördermittel
Summe alle internationale Fördermittel
Öffentliche Förderung insgesamt
eingeworbene
aej/ESGFördermittel Geschäftsstelle
132 839,00 d
35 499,00 d
168 561,80 d
15 323,80 d
weitergeleitet
97 340,00 d
153 238,00 d
301 400,80 d
50 822,80 d
250 578,00 d
11 617 465,02 d
1 507 244,80 d
13 124 709,82 d
931 057,69 d
142 409,80 d
1 073 467,49 d
10 686 407,33 d
1 364 835,00 d
12 051 242,33 d
Durch die Förderung der internationalen Maßnahmen wurden 9 488 junge Menschen (davon 2 857
allein durch Taize 2011) sowie 1 304 Fachkräfte erreicht. (Fachkräfte sind Teilnehmer, die an Fach­
kräftemaßnahmen teilgenommen haben).
Bei den breiten nationalen Programmen (Politische Bildung, Grüne Mittel, Behinderten-Programme)
wurden 5 919 junge Menschen erreicht.
Bis August 2011 haben an den FSJ-Programmen im Inland und im Ausland 6 495 und ab September
2011 weitere 7 972 junge Menschen teilgenommen, davon 5 597 wurden gefördert.
108
aej-ESG-Forum Wissenschaft und Praxis
Für die Zukunft planen aej und ESG, in regelmäßigen Abständen ein gemeinsames Forum Wissenschaft und Praxis zu veranstalten. Es richtet sich an
Fach­leute und Multiplikator(inn)en der Mitglieder von aej und ESG und soll
das Wissen zur aktuellen Forschung zu Lebenslagen von Kindern, Jugend­
lichen und jungen Erwachsenen erweitern und den Dialog zwischen Wissen­
schaft und Praxis fördern. Neue Forschungsergebnisse werden in diesem
Kontext vorgestellt, reflektiert und zu den jeweiligen Praxisfeldern in Bezie­
hung gesetzt.
Das erste Forschungsforum findet in Kooperation mit dem Deutschen
Jugendinstitut im Dezember 2012 in München statt. Auf der Agenda stehen
Forschungsthemen zu Lebenslagen von Jugendlichen und jungen Erwach­se­nen, zu Übergängen im Lebenslauf von Jugendlichen und jungen Erwachse­nen,
zu gesellschaftlicher Teilhabe und freiwilligem Engagement, zur Entwick­lung
der Ganztagsschule, zur Gewaltdelinquenz Jugendlicher und zu kulturellen
und sportlichen Aktivitäten Jugendlicher.
Zweite Konfirmand(inn)enstudie
Im Jahr 2009 hat Prof. Dr. Friedrich Schweitzer (Universität Tübingen, theologische Fakultät) mit den evangelischen Landeskirchen, der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD) und dem Comenius-Institut die Ergebnisse einer
empirischen (internationalen) Studie zum Stand und den Herausforderungen
der Konfirmand(inn)enarbeit vorgelegt.
Jetzt ist eine zweite Studie geplant (2012–2016), die Entwicklungen zur
ersten Studie aufzeigen soll und um weitere Themen ergänzt wird. Im Fokus
steht dabei der Übergang in ehrenamtliches (kirchliches) Engagement. Ein
Feld für die Beobachtung wird evangelische Kinder- und Jugendarbeit sein.
Zu drei Zeitpunkten wird erhoben: zu Beginn der Konfirmandenzeit, am Ende
und zwei Jahre nach der Konfirmation. Herausgearbeitet werden soll:
➜ Konfirmand(inn)enarbeit als Ermöglichungssetting für und Übergang in
ehrenamtliches (kirchliches) Engagement.
➜ Bedeutung der Konfirmand(inn)enarbeit für die Zivilgesellschaft
➜ Kirchenbindung durch Konfirmand(inn)enarbeit
109
Die aej arbeitet im Beirat der Studie mit. Mit Prof. Dr. Friedrich Schweitzer wird derzeit eruiert, wie die Studie die Schnittstelle zwischen Konfir­
mand(inn)en- und Jugendarbeit angemessen in den Blick nehmen kann. Die
aej erhofft sich dabei empirische Kenntnisse zur Lage und den Möglichkeiten
von passenden Angeboten für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Be­
richte aus der Praxis lassen vermuten, dass die Angebots- und Nutzungs­
bedingungen in diesem Alterssegment größeren Veränderungen unterliegen.
110
Beteiligung fördern
Evangelische Jugend beteiligt sich an allen
Entscheidungen, die junge Menschen betreffen.
Engagementpolitik
Ehrenamt und Engagement haben im politischen Bereich leider keine Kon­junktur. Engagement wird auf den Bundesfreiwilligendienst fokussiert, andere
Bereiche des Engagements finden keine nennenswerte politische Auf­merk­
samkeit. Selbst bei Themen, die direkte Wirkung auf ehrenamtliches Engage­
ment haben (wie zum Beispiel erweiterte Führungszeugnisse für Ehrenamt­
liche, s. S. 95), spielt die Perspektive der Ehrenamtsförderung kaum eine
Rolle. Zivilgesellschaftliche Akteure vernetzen sich jedoch weiter und fordern
mehr Aufmerksamkeit für die Chance und Barrieren ehrenamtlichen Engage­
ments ein.
Ökumenischer Arbeitskreis Ehrenamt
Das wird von dem Ökumenischen Arbeitskreis Ehrenamt (bestehend aus Ver­
treter(inne)n der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Deut­schen
Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken) als
Ansporn gesehen, das Thema über die gegenwärtige Flaute zu retten. Dieser
Arbeitskreis bereitet die dritte ökumenische Tagung zum ehrenamtlichen
Engagement in Kirche und Gesellschaft vor, die für die zweite Jahreshälfte
2013 geplant ist. Die aej beteiligt sich wieder an den Planungen.
Strategiepapier der EKD
Im evangelischen Bereich wird deutlich, dass eine Initiative zur Neuaus­rich­
tung der Ehrenamtspolitik der Kirche notwendig wird, infolge entsprechender
Beschlüsse der EKD-Synode. Die evangelische Seite des Ökumenischen
Arbeitskreises beginnt einen Diskussionsprozess, an dessen Ende ein Stra­
tegiepapier stehen soll, das die Herausforderungen für eine „Ehrenamts­
kirche“ beschreibt. Die verfasste Kirche mit ihrer im Kernbereich auf Haupt­
111
beruf­lich­keit basierenden Struktur steht an verschiedenen Punkten unter
gesellschaftlichem Druck: Zu nennen sind der demografische Wandel, immer
brüchigere Biografien, das Bedürfnis nach flexiblen Formen des Engage­
ments einerseits und stärkerer Mitbestimmung andererseits wie auch
die zunehmend begrenz­ten kirchlichen Finanzmittel. In diesem Umfeld muss
sich Kirche eine Strate­gie erarbeiten, wie der Wandel zu einer Ehrenamts­
kirche gelingen kann. Die aej arbeitet aktiv an diesem Prozess mit. Gerade
weil Ehrenamt­lichenbio­gra­f ien im Kindes- und Jugendalter anfangen, muss
eine gelingende Ehrenamts­strategie ihre Belange besonders in den Blick
nehmen.
Ehrenamtssurvey
Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI) legt 2012 eine Sonderaus­
wertung des Freiwilligensurveys für den evangelischen Bereich vor (www.
evangelisches-infoportal.de). Insgesamt nimmt sowohl die Kirchenbindung
als auch die Gemeinwohlorientierung Ehrenamtlicher in der evangelischen
Kirche zu. Die Zahl derer, für die kirchliches Engagement die wichtigste Form
des Engagements ausmacht, wuchs von anderthalb Millionen auf zwei Mil­
lionen, getragen von einem großen Zuwachs älterer Engagierter. Obwohl das
Engagement Jugendlicher in der Kirche stabil bleibt, ist bemerkenswert, dass
ihr Anteil im Vergleich zu erwachsenen Ehrenamtlichen zurückgeht. Das ist
eine Folge des demografischen Wandels und erinnert an die Notwendigkeit,
Ehrenamt unter jungen Menschen gerade im Kontext ständig wachsender
Anforderungen an Jugendliche als Beginn und damit als Grundlage von Ehren­
amtsbiografien zu verstehen und zu stärken.
DJI-Studie „Keine Zeit für Jugendarbeit?“
Nachdem Jugendverbände seit geraumer Zeit davor warnen, dass verschiedene soziale Anforderungen junge Menschen zunehmend belasten, rückt
diese Feststellung nach und nach ins Zentrum der gesellschaftlichen De­
batte. Im Zuge des Jubiläums der Einführung von Bachelor und Master stellt
so zum Beispiel der Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz Horst
Hippler den Reformen ein vernichtendes Zeugnis aus und konstatiert, dass
Unternehmen „Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen“ brauchen. Dafür
112
ließen die neuen, überstrukturierten Ausbildungsformen keine Zeit. In der
Analyse des relativ schlechten Abschneidens der deutschen Athleten bei
den olympischen Spie­len in London beschweren sich Nachwuchsförderer im
Sport über die zunehmenden Schwierigkeiten, Schüler(innen) für Leistungs­
sport zu gewinnen.
Aus der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit ist das Phänomen bekannt. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) führt in Zusammenarbeit mit den
Landesjugendringen deshalb eine Studie unter dem Titel „Keine Zeit für
Jugendarbeit!?“ durch, die auch von der aej beworben wird. Die Ergebnisse
sollen 2013 vorliegen.
Ehrenamtskongress
Um die veränderten Bedingungen von Ehrenamt zu beleuchten und wieder
in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu bringen, beginnt die aej gemeinsam
mit der Evangelischen Jugend im Rheinland und in Westfalen mit der Planung
eines Ehrenamtskongresses. Für 2015 terminiert, soll dieser Kongress sowohl
inhaltliche und politische Schwerpunkte nach innen und außen setzen als
auch eine Anerkennung der Leistungen Ehrenamtlicher in der Evangelischen
Jugend darstellen.
Jugendpolitische Aspekte der Freiwilligendienste – Bundesfreiwilligendienst (BFD) und Jugendfreiwilligendienst/FSJ
Die jugendpolitische Bewertung der Freiwilligendienste ist unter zwei
Aspekten vorzunehmen:
Erstens ist die Aussetzung der Wehrpflicht und damit verbunden die
Aussetzung des Zivildienstes Anlass für die Einführung des neuen „Bundes­
freiwilligendienstes“. Jugendpolitische Aspekte wie vor fast fünfzig Jahren
bei der gesetzlichen Normierung des Freiwilligen Sozialen Jahres sind dabei
nicht ausschlaggebend, sondern gesellschaftspolitische Aspekte, so zum
Beispiel die Herausforderung, die Lücke, die die fehlenden Zivildienstleis­ten­
den im Sozialbereich verursachen, schließen zu können.
Dem Angebot der Träger bzw. ihrer Zusammenschlüsse (Trägerverbünde/
Zentralstellen), diese Aufgabe des „Lückenfüllers“ vollständig zu übernehmen, wurde aus wesentlichen Gründen nicht gefolgt:
113
a) traute man den traditionellen Trägern des Jugendfreiwilligendienstes (JFD)
in den Formaten FSJ, FÖJ und in geringem Umfang dem Internationalen
Freiwilligendienst nicht zu, diese Aufgabe zu stemmen;
b) hatte durch die Herauslösung des JFD aus dem Kinder- und Jugendplan
des Bundes (KJP) und die Entwicklung eines eigenständigen Jugendfrei­
willigendienstegesetzes (JFDG) die Länder auf den Plan gerufen, die eine
stärkere Beteiligung wünschten. Diesen Ländereinfluss wollte der Bund
ausschließen und entwickelte ein Modell, nachdem der Bundesfreiwillige
„Bediensteter des Bundes“ ist – in diesem Fall haben die Länder kein
Mitspracherecht;
c) konnte auf diesem Wege die Verwaltungsstruktur des Bundesamtes für
Zivildienst eine neue Aufgabe bekommen;
d) hat der Bund durch das Konstrukt eine viel stärkere Kontrolle über
Einsatzstellen, Träger und Zentralstellen.
Zweitens hat der Bericht des Bundesrechnungshofes (BRH) über die Prü­
fung der Jugendfreiwilligendienste im Jahr 2010 die Situation sehr zugespitzt:
Die Prüfung fiel ganz im Sinne des BRH-Präsidenten aus, der schon in seinem Gutachten zur Föderalismusreform im Jahr 2007 dem Bund nur sehr eingeschränkte Kompetenzen zuweist. So wurde von ihm auch der KJP in seiner
Gänze als Förderprogramm des Bundes in Frage gestellt.
Als Ergebnis der Prüfung stellte der BRH fest, dass der Bund keine Kom­pe­
tenz habe, den JFD zu fördern. Darüber hinaus wurde das Zentral­stellen­prin­
zip als „closed shop“ bezeichnet, das neue Träger von der Förderung fern
halte. Außerdem wurde den Trägern und ihren Zentralstellen eine „Selbst­
bedienungsmentalität“ unterstellt, die sich dadurch abbilde, dass nicht nur
die pädagogische Begleitung (wie im Gesetz vorgeschrieben) gefördert werde, sondern auch die politische Lobbyarbeit oder wissenschaftliche Arbeit
im Bereich Freiwilligendienste/bürgerschaftliches Engagement. Weiterhin
kon­trolliere der Bund die Arbeit der Zentralstellen nicht ausreichend; diese
würden die Mittel nach ihren Entscheidungen verteilen. Dieses führe dazu,
dass im System zumindest eine „rechnerische Überfinanzierung“ stattfinden
würde – was ja daran zu sehen sei, dass es eine hohe Zahl von Freiwilligen
auch ohne Förderung gebe.
114
Insgesamt war dieser Bericht ein „Paukenschlag“ für alle Beteiligten –
insbesondere für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ), dem unterstellt wird, es würde öffentliche Mittel verun­
treuen. Dieses geht bis dahin, dass den Mitarbeiter(inne)n im Ministerium
rechtliche Schritte angedroht werden.
Diese Position des BRH wirkt sich auf alle Verhandlungen aus. Die Mit­
arbeitenden im Bundesministerium sind sehr zurückhaltend, wenn es um
Vereinfachungen in Verwaltungsabläufen geht. Sie befürchten, dass ihnen
der BRH einen „laxen Umgang mit Steuergeldern“ vorwerfen wird – was sie
durch restriktive Interpretationen der Bundeshaushaltsordnung und ihren
Nebenbestimmungen umzusetzen versuchen.
Bildungsaspekt bei den Freiwilligendiensten: Evangelische Jugend hat
seit dem Entstehen vor fast 60 Jahren immer den Bildungsaspekt dieses Pro­
gramms (im Gegensatz zu arbeitsmarktpolitischen Aspekten u. a.) in den
Vordergrund gestellt. Das ursprünglich Freiwillige Diakonische Jahr wurde im
Jahr 1964 als FSJ gesetzlich normiert; mit der ausdrücklichen Betonung der
pädagogischen Begleitung, was jetzt vom BRH restriktiv ausgelegt wird.
Der neu geschaffene Bundesfreiwilligendienst (BFD) normiert den Bil­
dungsaspekt ausschließlich auf die 25 Seminartage, die Freiwillige unter 27
Jahre bei einer Dienstdauer von 12 Monaten besuchen müssen. Pädagogische
Begleitung durch Fachkräfte in den Einsatzstellen sowie eine Begleitung
außerhalb der Seminare – wie in den Jugendfreiwilligendiensten vorgesehen
– sind nicht geregelt. Die obligatorische Teilnahme an einem einwöchigen
Seminar zur politischen Bildung in den Bildungszentren des Bundes (ehemals
Zivildienstschulen) wird von den Pädagog(inn)en aus der zivilgesellschaft­
lichen Trägerlandschaft sehr kritisch gesehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die gemeinsame Arbeitsgruppe von Trägern, BMFSFJ und BAFzA
zum Thema „Bildung/pädagogische Begleitung“ mit ihrer Arbeit am weitesten hinterherhinkt.
Subsidiarität und partnerschaftliche Zusammenarbeit: Beide Begriffe sind
elementare Bestandteile in der Kinder- und Jugendhilfe – die (neuen) Rechts­
115
grundlagen für den Jugendfreiwilligendienst bzw. den Bundesfreiwilligen­
dienst kennen diese Rechtsfiguren kaum. So hat der Bundesrechnungshof
die Tätigkeit der FSJ-Bundestutoriate im Feld der Lobbyarbeit und Politik(mit)gestaltung als nicht förderfähig bezeichnet. Freie Träger werden als (Dienst)­
leistungserbringer gesehen, die für bestimmte Aspekte gefördert werden
bzw. Kostenerstattung im BFD erhalten. Partner in der gemeinsamen Aus­
gestaltung der Dienste sind sie dann, wenn es dem Auftraggeber nützlich
erscheint – nicht aber, wenn die zivilgesellschaftlichen Akteure abweichende
Vorstellungen implementieren wollen.
Verstaatlichung der Freiwilligendienste: Obwohl bei der Einführung des
BFD rechtlich festgehalten wurde, dass beide Freiwilligenformate gleich­
berechtigt nebeneinanderstehen und sich gleich entwickeln sollen, scheinen
die Jugendfreiwilligendienste mit einem Fördervolumen von rund 90 Mio. Euro
eher in der Regionalliga zu spielen, während der BFD mit rund 330 Mio. Euro
Finanzausstattung sich in der Champions League bewegt – obwohl die Zahl
der Jugendfreiwilligen die Zahl der Bundesfreiwilligen bei weitem übersteigt.
Auch die Bezeichnungen lassen einen Unterschied aufscheinen: Im Gegen­satz zu Jugendfreiwilligendienst legt der Name Bundesfreiwilligendienst die
Zuständigkeit des Bundes nahe. In den wenigen Broschüren des BMFSFJ zu
den Jugendfreiwilligendiensten wird auf die Länderbeteiligung hingewiesen
(als wäre es ein Länderprogramm), während die ganzseitigen Zeitungs­anzei­
gen zum einjährigen Bestehen des BFD die Rolle des Bundes eindeutig in den
Vordergrund stellen.
Die lange Tradition des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche
Aufgaben (BAFzA) als ehemaliges Bundesamt für den Zivildienst lässt auch
nach einem Jahr zu oft ein „Pflichtdienst-Denken“ durchscheinen als die auf
Freiwilligkeit und Selbstbestimmung ausgerichteten Teilnehmer(innen) es
sich gerne wünschen. Diese Stellung des BAFzA, neben seiner Rolle als nachgeordnete Bundesbehörde gleichzeitig größte Zentralstelle im BFD zu sein,
wird nicht nur von den freien Trägern als schwerwiegendes Problem betrachtet: Abläufe und Verfahrensweisen in der Umsetzung des BFD-Programms
sind stark von der Tradition des Zivildienstes geprägt; langjährige Erfahrun­
gen aus den Jugendfreiwilligendiensten sind schwer vermittelbar.
116
Alles nur Startprobleme? Obwohl eine Vielzahl der evangelischen Träger
die Einführung des BFD sehr skeptisch sieht, muss festgehalten werden,
dass aus Sicht der Politik mit 35 000 BFD-ler(inne)n im ersten Jahr ein Erfolg
erzielt wird, den niemand für möglich gehalten hat. Viele der schwierigen
Situatio­nen und Probleme des letzten Jahres beruhen sicherlich auf der
extrem kurzen Zeit, in der dieser neue Freiwilligendienst eingeführt wird.
Ob es gelingen wird, den BFD in „ruhiges Fahrwasser“ zu bringen und ihn
gleichberechtigt neben den zivilgesellschaftlich getragenen Jugendfrei­willi­gendiensten zu etablieren, ist nicht nur eine Frage, wie Politik darauf reagiert,
sondern auch, wie evangelische Träger und die Träger der anderen Zentral­
stellen mit den neuen Herausforderungen (z. B. ältere Freiwillige und unregelmäßige Dienst­dauer von 6 bis 18 Monaten bei flexiblen Ein- und Austritts­
terminen) umgehen. Veränderungen im Denken und Handeln sind von allen
Seiten gefordert.
Schwerwiegender ist der Eingriff des Bundesrechnungshofs in die Politik­
gestaltung des Ministeriums und des Parlaments zu sehen: Die Intervention
des BRH im Haushaltsausschuss des Bundestags im Herbst letzten Jahres
hat dazu geführt, dass alle Träger des Jugendfreiwilligendienstes zu Beginn
des Freiwilligenjahres 2011/2012 nur eine Bewilligung von rund 96% der
Förderung für die vier Monate im Kalenderjahr 2011 erhalten. Mittel für das
gesamte Freiwilligenjahr werden aufgrund dieser Intervention gesperrt mit
der Auflage, das Bundesministerium solle bis zum 1. April 2012 die monierten
Punkte beheben und die Richtlinien für die Förderung modifizieren. Hier wird
auf dem Rücken der Mittelempfänger ein Streit ausgetragen, der die gewachsenen Fördergrundsätze unseres Sozialstaats in Frage stellt.
Kompaktseminar „Jugend Macht Politik“
Das Kooperationsprojekt „Jugend Macht Politik“,
das mit der Arbeitsgemeinschaft der Landesjugend­
ver­tretungen im Bereich der EKD (AGLJV) entwickelt
und seit 2004 durchgeführt wird, findet im Berichts­
zeit­raum nun schon zum siebenten Mal erfolgreich
statt (www.jugend-macht-politik.de).
117
18 Teilnehmer(innen) aus acht unterschiedlichen Landeskirchen sowie
eine Teilnehmerin der Vietnamesischen Tin-Lhan-Gemeinde in Deutschland
kommen zum Kompaktseminar zusammen und setzen sich intensiv mit unterschiedlichen Themen auseinander. Sie sind zwischen 17 und 27 Jahren alt
und in Gremien der Evangelischen Jugend auf Kreis-, Regional- oder Landes­
ebene aktiv, wo sie die Evangelische Jugend verantwortlich mitgestalten. In
enger Zusammenarbeit mit der AGLJV begleitet die aej diese Jugendlichen
ein dreiviertel Jahr lang in ihrem Engagement und unterstützt, motiviert und
qualifiziert sie.
Dabei ist es das klar formulierte Ziel, grundlegendes Wissen über Funk­tio­
nen und Arbeitsweisen der Verbands- und Gremienarbeit zu vermitteln und
so den Teilnehmer(inne)n zu ermöglichen, die vorhandenen Strukturen für
ihre Anliegen zu nutzen. Darüber hinaus eröffnet es das Verständnis für politische Verfahren und stärkt die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit.
„Jugend Macht Politik“ unterstützt die Selbstorganisation junger Men­
schen, denn Gremienarbeit, in der nicht selten um grundsätzliche Ausrich­tun­
gen, Positionen, Strukturen und Finanzen gerungen und auch manchmal ge-
118
stritten wird, macht nicht immer nur
Spaß. Die Arbeit hat mitunter nur
mit­telbare Folgen und kann so auch
Frust erzeugen. Doch auch für das
ehrenamtliche Engagement in Lei­
tungsgremien gibt es Handwerks­
zeug, durch das erfolgreiches Arbei­
ten, eine positive Motivation und das
selbstorganisierte Mitgestalten in
nahezu allen Lebenssituationen unterstützt wird.
Das Leitungsteam ist vom Konzept des Kompaktseminars überzeugt und
arbeitet stetig an der Weiterentwicklung. Die Evaluationen der letzten Semi­
nare belegen deutlich die große Zufriedenheit der Teilnehmer(innen). Die
Reihe der Kompaktseminare wird in den nächsten Jahren fortgesetzt. Der
Kreis der Teilnehmer(innen) ist darüber hinaus eine wichtige Ressource für
die aej bei der Besetzung von nationalen und internationalen Außenver­tre­
tungen.
Kinder- und Jugendpolitik
Das jugendpolitische Schlagwort 2012 lautet: „Eigenständige Jugendpolitik“.
Im Koalitionsvertrag verankert, birgt dieser Begriff große Hoffnungen auf
eine Renaissance gestaltungswilliger Jugendpolitik nicht nur auf Bundes­
ebene. Gleichzeitig ist er aber auch noch unausgefüllt und bedarf der Inter­
pretation und Ausgestaltung. Was genau gemeint ist und welche Konsequen­
zen „Eigenständige Jugendpolitik“ haben soll ist unklar. Im Sprachgebrauch
wird schnell deutlich, dass sich hinter dem Begriff ein breites Spektrum von
Ansätzen versteckt, die in offiziellen Prozessen nur schwer zu vereinbaren
scheinen.
Im Herbst 2011 beginnt das Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit einem Prozess zur „Schaffung einer Eigen­
ständigen Jugendpolitik“. Am Ende soll eine Allianz für die Jugend stehen, ein
breites gesellschaftliches Bündnis aus Jugendlichen selbst, Jugendver­bän­
den, Jugendhilfe, aber auch Wirtschaft, Medien, Kirchen und anderen gesell-
119
schaftlichen Gruppen, die eine umfassende eigenständige Jugendpolitik
tragen sollen. Angelehnt an die Struktur der EU-Jugendstrategie plant das
Ministerium anhand der Themenkomplexe „Schulische und außerschulische
Bildung“, „Beteiligung“ und „Übergänge“ Fachforen. Zu jedem Thema sollen
bis 2014 drei dieser Fachforen stattfinden. Ziel ist es unter anderem, jugendpolitische Positionen zu erarbeiten.
Getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ liegt dem Prozess aber der An­
spruch zugrunde, durch den Austausch eines möglichst großen gesellschaftlichen Spektrums zu Fragen der Jugendpolitik auch eine neue Koordinationsund Kommunikationsstruktur für Fragen der Jugend zu schaffen. Zwischen
den thematischen Fachforen wird ein Partizipationsinstrument geschaltet,
das den Fachdiskurs um die Perspektive Jugendlicher ergänzen soll. Der
Deut­sche Bundesjugendring (DBJR) übernimmt die Durchführung unter dem
Titel „Ichmache➜Politik“ (www.ichmache-politik.de) und etabliert den Hash­
tag EiJP in sozialen Medien und darüber hinaus.
An den Foren nehmen Fachleute und Jugendpolitiker aus den Reihen der
aej teil. Die Resonanz ist durchwachsen, zum Teil wird die Organisation der
Fachforen kritisiert. Referatsleiter Ralf Harnisch zeigt im Fachkreis Kinder- und
Jugendpolitik Verständnis für die geäußerte Kritik. Ziel des Prozesses sei aus
Sicht des Minis­teriums nicht, schnell zu Ergebnissen zu kommen, sondern
Möglich­keiten der Kooperation zwischen allen betroffenen Gruppen und Orga-­
ni­sa­tionen aus­zuprobieren und zu verbessern. Eine eigenständige Jugend­
poli­tik brauche strukturelle Veränderungen und einen Wandel im Denken.
Mitte des Jahres übernimmt das „Zentrum Eigenständige Jugendpolitik“
unter der Leitung von Jana Schröder die Durchführung der Fachforen.
Der Kinder- und Jugendpolitische Beirat (KJPB) befasst sich Anfang des
Jahres mit dem Thema und beschliesst, den Prozess aktiv zu begleiten. Er
setzt eine Arbeitsgruppe ein, die Vorschläge für die Begleitung der EiJP durch
die aej-Mitglieder erarbeitet. Ein Schritt dazu ist ein Positionspapier, das die
Erwartungen der Evangelischen Jugend von EiJP beschreibt. Dies ist auch als
Beginn einer intensiven Diskussion innerhalb der aej gedacht. Denn eigen­
ständige Jugendpolitik kann nicht nur einfach von der Bundesregierung eingefordert werden – den Perspektivwechsel, von nun an Politik aus der Sicht
der Jugend in allen sie betreffenden Belangen zu machen, müssen auch alle
120
anderen beteiligten Gruppen vollziehen: Parteien, Kirchen und auch Jugend­
verbände auf allen Ebenen.
Das ist eine Herausforderung. Obwohl die im Bundestag vertretenen Par­
teien sich mit dem Thema und dem Begriff argumentativ auseinandersetzen,
wird der Bewusstseinswandel noch schmerzlich vermisst. Immer wieder zeigt
sich, dass für die Jugend relevante Themen diskutiert und entschieden werden ohne die Perspektive der Jugend selbst in den Blick zu nehmen oder
wenigstens Jugendpolitiker(inne)n eine steuernde Funktion zuzuschreiben.
Ob im Falle der „Bündnisse für Bildung“ (s. S. 101) oder im Bereich Kinderund Jugendreisen – Themen mit jugendpolitischer Relevanz werden weiterhin
von Fachpolitiker(inne)n aus Sicht ihres Ressorts bearbeitet, ohne die Per­
spektive der Jugend ernst (genug) zu nehmen. Auch Jugendpolitiker(innen)
bestehen (noch) nicht auf eine koordinierende Funktion. Gleichzeitig wird
deutlich, dass auch die Jugendpolitik der Jugendverbände eigenständiger
werden muss, also die Interessen und Belange Jugendlicher auch in ihr traditionell eher fremden Politikbereichen vertreten muss.
Innerhalb der aej Geschäftsstelle bewährt sich in diesem Zusammenhang
das Team-Modell. Durch regelmässigen und strukturierten Austausch zu
relevanten Themen über den eigenen Aufgabenbereich hinaus kann die aej
schnell und effektiv auf Entwicklungen reagieren, die sonst vielleicht vernachlässigt würden.
EKD-Synode
Drei Jahre nach der Neubildung der 11. Synode der Evan­ge­lischen Kirche in Deutschland (EKD) steht die Berufung
einer neuen Generation Jugend­dele­gierter an, die die Belange der evange­
lischen Kinder- und Jugendarbeit als mitarbeitende Gäste auf den Tagungen
der Synode vertreten. Aus einer erfreulich hohen Zahl eingegangener Vor­
schläge aus den Reihen der Jugend­arbeit der Landeskirchen und des CVJM
kann der Vorstand der aej eine Nomi­nierung an das Präsidium der Synode
zusammenstellen, die so ausgewogen ist, wie es bei der auf vier reduzierten
Zahl der Plätze überhaupt nur möglich ist. Gemeinsam mit den vier Vertre­
ter(inne)n der Studierendenarbeit aus der ESG und der Studentenmission
121
Deutschland (smd) tritt damit eine Gruppe junger Menschen an, die mit ihren
unterschiedlichen Erfahrungen aus sehr verschiedenen Ausbildungsgängen,
konfessionellen Prägungen und landsmannschaftlicher Beheimatung einen
repräsentativen Ausschnitt der in der Evangelischen Jugend in Deutschland
Engagierten abbilden. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die die gestiegene
Aufmerksamkeit der EKD für die aej in ihren Projekten widerspiegelt, ist das
Engagement gleich zweier ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder in der neuen
Jugenddelegation. Die enger werdende Verknüpfung der thematischen Arbeit
in Kirche und Jugendverband erreicht damit auf Bundesebene eine weitere institutionelle Ausdrucksform.
Mit der Neuberufung verbunden ist zugleich eine neue Herausforderung
für die Koordination des Engagements der jungen Generation in den Leitungs­gremien der EKD. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Jugenddelegierten,
die in der Synode ohne Stimmrecht und ohne Antragsrecht allein als Inter­
essenvertreter(innen) ihrer entsendenden Verbände auftreten, und den jungen Synodalen, die seit ihrem erstmaligen Einzug in die Synode 2009 mit vol-
122
len Rechten, aber auch mit allen Bindungen an ihre jeweilige landeskirchliche Delegation mitwirken, muss nun ihren ersten personellen Wechsel
über­stehen. Neben der Begleitung beider Gruppen durch die Präsenz der
Mitarbeitenden aus aej und ESG auf den Tagungen der Synode stehen mit
Ingo Dachwitz aus der Evangelischen Jugend in Oldenburg und Steve Ken­
nedy Henkel aus der Evangelischen Jugend im Rheinland zwei bereits in den
vergangenen drei Jahren engagierte Vertreter nun offiziell in der ersten Reihe
und können die Kontinuität zwischen den beiden Amtszeiten und das Zusam­
menwirken mit den in der Mitte ihrer Legislatur stehenden jungen Synodalen
von 2009 stärken. Eine wesentliche Aufgabe der kommenden drei Jahre ist
die Verbesserung der Vernetzung zwischen den engagierten jungen Vertre­
ter(inne)n in den Leitungsgremien der EKD und ihren Peers in anderen, vergleichbaren Strukturen anderer Kirchen auf Landes- oder Bundesebene und
im Ausland. Dabei kann die aej an Vorerfahrungen ihrer finnischen Partner
aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands und an ein früheres Aus­
tauschprogramm mit der Kirche von England anknüpfen.
123
124
Qualität entwickeln.
Evangelische Jugend bestimmt und sichert Qualität
in der Kinder- und Jugendarbeit.
Hauptberuflichkeit
Als Grundlage der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Fachkräfte in
der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit dient das vom aej-Vorstand verabschiedete „Kompetenzprofil für zukünftiges professionelles Handeln von
Fachkräften in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit und zukünftige
Anforderungen an die Aus- und Fortbildung“. In der evangelischen Kinderund Jugendarbeit gibt es aktuell eine Vielfalt in den Ausbildungsformaten und
Zugängen zum beruflichen Handlungsfeld. Diese Vielfalt hat ihre Wur­zeln in
historischen Entwicklungen und unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen
von Landeskirchen, Verbänden, freien Werken und Freikirchen. Die heutigen
Anforderungen an professionelles Handeln in der evangelischen Kinder- und
Jugendarbeit machen eine Verständigung auf ein Kompetenzprofil von pädagogischen Fachkräften notwendig. Die aej plant zusammen mit der PhilippsUniversität Marburg, vertreten durch Prof. Dr. Benno Hafeneger, für das
Frühjahr 2013 ein Fachgespräch zwischen Ausbildungsstätten, Anstellungs­
trägern und der Praxis. Ziel ist es, die zukünftigen Anforderungen an die
Hauptberuflichen in der Kinder- und Jugendarbeit und den daraus resultierenden Ausbildungsinhalten zu diskutieren. Welche Inhalte gehören in jedem
Fall in ein Studium oder eine Ausbildung und ist es sinnvoll, eine Trainee­
phase für den Praxiseinstieg zu entwickeln, damit das Fachwissen auch
gleichzeitig zum „Praxis-Können“ wird?
EKD-Ad-hoc-Kommission für diakonische und gemeindepädagogische
Berufsprofile
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) konstituiert im
Jahr 2011 für den Zeitraum von drei Jahren eine Ad-hoc-Kommission für
dia­konische und gemeindepädagogische Berufsprofile, in der die aej mit­
arbeitet.
125
Ziel der Ad-hoc-Kommission ist es, Module und Zertifikate kirchlicher und
diakonischer Ausbildungsstätten und Ausbildungsgänge sowie deren An­
erkennung durch die Gliedkirchen transparenter aufeinander abzustimmen
und auf diese Weise die Durchlässigkeit zu verbessern.
Die Kommission arbeitet im Jahr 2012 zunächst intensiv in den zwei Unter­
arbeitsgruppen „Berufliche Tätigkeitsfelder“ und „Ausbildung“.
Die Unterarbeitsgruppe „Berufliche Tätigkeitsfelder“, an der die aej beteiligt ist, erarbeitet unter anderem auf der Basis von Dienstanweisungen und
von Telefoninterviews für das je nach Landeskirche unterschiedliche benannte Berufsfeld (Diakon/in, Gemeindereferent/in, Gemeindepädagoge/in) differenzierte Anforderungsprofile und die damit verbundenen Tätigkeitsfelder
und Kompetenzerfordernisse.
Die durch einen Fragebogen erhobenen Ergebnisse der Unterarbeits­gruppe
„Ausbildung“ werden darauf bezogen.
Im Rahmen einer Fachtagung mit Expert(inn)en sollen die Ergebnisse diskutiert und aktuelle gesellschaftliche, professionstheoretische und fachwissenschaftliche Entwicklungen sozialer und pädagogischer Berufe in Deutsch­
land und deren Relevanz für Ausbildung bzw. Studium und Professions­ent­
wicklung thematisiert werden.
Die Ergebnisse des Arbeitsprozesses werden dem Rat der EKD im Jahr 2013
vorgelegt.
Fort- und Weiterbildung in der Evangelischen Jugend
Neuordnung der Förderung nach dem Kinder- und Jugendplan des Bundes
(KJP): Im Sommer 2011 wird der Evaluationsbericht zum KJP-Programm „Zen­
trale Fortbildung“ fertig gestellt. Der Bericht fordert, die eingesetzten Mittel
für die Stärkung der bundeszentralen Infrastruktur der Kinder- und Jugend­
hilfe einzusetzen. Eine Fachdebatte, auf die trägerübergreifend die Akteure
der geförderten Einrichtungen gedrängt haben, ist bislang noch nicht realisiert worden.
Bereits im Verfahren der Evaluation drängt das Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die bislang eigenständige
Förderlinie an größere – wenn möglich infrastrukturelle – Förderprogramme
anzudocken. Die Zentralstellen befürchten, dass es mit dieser Neuordnung
126
zu versteckten Kürzungen kommen wird und fordern Bestandsgarantien vom
Bund. Außerdem wird gefordert, dass die Zuordnung zu neuen Zentralstellen
freiwillige Entscheidung der Zuwendungsempfänger bleiben muss.
Der bislang selbstständige Zuwendungsempfänger Evangelische Land­
jugendakademie in Altenkirchen (LJA) schließt sich zum 1. Januar 2012 der
Zentralstelle aej an. Vorausgegangen sind Verhandlungen über den Bestands­schutz der Förderhöhe und der Förderrahmenbedingungen. Dieses wird der
LJA zugesagt.
Tatsächlich wird die Förderung für die Fortbildungseinrichtungen mehr
oder weniger konstant aus dem Jahr 2011 fortgeschrieben; Einzelbeträge sind
in diesem Zusammenhang „geglättet“ worden. Die Förderung ist nun Be­
standteil des KJP-Programms 10 „Zentrale Jugendverbände“ und wird als
„sonderbewirtschaftetes Unterprogramm“ in der Verteilung des Deutschen
Bundesjugendrings (DBJR) geführt. Mit dieser Neuordnung ist es nicht nur
gelungen, jetzt alle Zuwendungsempfänger aus dem Bereich der evange­
lischen Kinder- und Jugendarbeit in der Zentralstelle aej zu vereinen, sondern
auch die stark projektorientierte Förderung im Blick auf die infrastrukturelle
Förderung anzupassen.
Rezeption der KJP-Evaluation und Konsequenzen für die Arbeit: Die Kon­­
ferenz der evangelischen Fort- und Weiterbildungsstätten im Bereich der Kin­
der- und Jugendarbeit diskutiert Anfang Mai 2012 in Stapellage den Evalua­
tions­bericht. Überschattet ist das Treffen durch die dort erfolgte Mitteilung,
dass der Gastgeber und Mitglied in der Konferenz, das Evangelische Jugendund Missionswerk e. V. (MBK), seine Arbeit Ende des Jahres auf Bundesebene
einstellen werde.
In der Diskussion wird herausgearbeitet, dass die Kernaussage der Eva­
luation die Einrichtungen zu einer deutlicheren Profilierung hinsichtlich des
„Nutzens für die Evangelische Jugend“ zwingt. „Nur-so-Veranstaltungen“ gehören sicherlich weiterhin zum Aufgabenfeld der Einrichtungen, begründen
aber keine Förderung aus KJP-Mitteln. Diese Linie wird zum Rahmen für die
anschließend geführten Zielgespräche mit den Zuwendungsempfängern.
Alle Einrichtungsvertreter(innen) und die aej sind sich einig, dass die De­
batte vertieft weitergeführt werden muss. Bedauerlich ist, dass das Arbeits­
feld „Burckhardthaus“, das seit einigen Jahren Teil der Bundesakademie für
127
Kirche und Diakonie (BAKD) ist, nicht „sprachfähig“ an dieser Diskussion
teilnehmen kann. Damit ist auch die geplante inhaltliche Zieldebatte über
Profil und Arbeitsschwerpunkte sowie die konkrete Maßnahmenumsetzung –
zu diesem Zeitpunkt – nicht möglich.
BAKD: Auch dies ist ein Beleg, dass die Bundesakademie für Kirche und
Diakonie (BAKD) ihrem Anspruch noch nicht gerecht wird, die wesentliche
evangelische Plattform für Fort- und Weiterbildung zu sein. Strukturelle Pro­
bleme zwischen der BAKD und ihrer eigenständigen Tochter Führungs­akade­
mie für Kirche und Diakonie (FAKD), aber auch massive Leitungsschwächen
und fachliche Mängel kennzeichnen die Situation. Die aej (sie ist Gesell­schaf­
terin der BAKD) und das DW der EKD arbeiten zusammen mit der EKD intensiv
an einer Reorganisation der BAKD und FAKD. Mit neuer Leitung und schlanken, transparenten Strukturen soll im nächsten Jahr die Basis für eine wirkungsvolle Arbeit in Kooperation mit vielen einzelnen evangelischen Fortund Weiterbildungseinrichtungen und Arbeitsbereichen geschaffen werden.
Auch für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit zeichnet sich nach jahrelangen Hängepartien mit dem Burckhardthaus und dessen Übergang in die
BAKD Licht ab: eine Bereichsleitungsstelle für den Arbeitsbereich Kinder- und
Jugendarbeit/gemeindepädagogische Handlungsfelder soll bis Ende 2012
besetzt werden mit dem Ziel, die Fortbildungsangebote insbesondere für
berufliche Fachkräfte in der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit stärker
aufeinander zu beziehen und in Kooperation mit den Bildungseinrichtungen
bedarfsorientiert weiterzuentwickeln.
Handbuch Jugend in evangelischer Perspektive
Die aej hat 2010 in Kooperation mit dem Comenius-Institut das Konzept und
den Redaktionsplan für ein „Handbuch Jugend in evangelischer Perspektive“
erarbeitet. Dieses Handbuch soll wissenschaftlich reflektiert und praxisorientiert über die Arbeit mit Jugendlichen in den evangelischen Jugendver­bän­
den und den evangelischen Kirchen informieren, die Bandbreite und Vielfalt
der Handlungsfelder und Arbeitsformen umfassend darstellen und die gesellschaftlichen, (jugend)kulturellen und kirchlichen Bedingungen dieses Hand­lungsfeldes beschreiben. Die aej versteht sich dabei als der Kooperations­-
128
part­ner mit der entscheidenden Kompetenz für das thematische Feld „Jugend,
ihre Lebenslagen und Evangelische Jugendarbeit“.
Die ca. 130 Beiträge verschiedener Autor(inn)en beschreiben schwerpunktmäßig das Jugendalter von ca. 12 bis 20 Jahren. Stichworte informieren
über gegenwärtige Jugend und ihre Lebenslagen sowie über die Arbeit mit
Jugendlichen im Rahmen der evangelischen Kirchen und der evangelischen
Jugendverbandsarbeit.
Im grundlegenden ersten Kapitel werden wissenschaftliche Grundlagen
der Jugendforschung vorgestellt und einzelne gesellschaftliche Perspektiven
der Jugend als Lebensphase und der gegenwärtigen Lebenslagen Jugend­licher
beschrieben. Dabei werden Themen aufgegriffen wie: „(Jugend und) Kultur“,
„(Jugend und) Religion“, „(Jugend und) Migration“, „(Jugend und) Schule“,
„(Jugend und) Armut“ und vieles mehr. Gesellschaftliche und kirchliche
Realität und auch Problemkonstellationen sollen aus der Perspek­tive von
Jugendlichen und von Jugendarbeit gesehen werden.
Das zweite Kapitel thematisiert die Arbeit mit Jugendlichen als gesellschaftliche Aufgabe unter verschiedenen Aspekten.
Im dritten Kapitel werden die konzeptionellen Grundlegungen, die handlungsleitenden Prinzipien und die Strukturen evangelischer Arbeit mit Jugend­lichen dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt in diesem dritten Teil auf einer ausführlichen Darstellung der Handlungsfelder, der Arbeits- und Praxisformen
evangelischer Arbeit mit Jugendlichen und ihren (religions-)pädagogischen
Ansätzen. Bandbreite und Vielfalt evangelischer Arbeit mit Jugendlichen werden umfassend dargestellt und die gesellschaftlichen und kirchlichen Zu­
sammenhänge herausgearbeitet.
Weitere Schwerpunkte bilden die Fragen nach Kompetenzen, Profil und
Qualifizierung der hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden sowie
das institutionelle, gesellschaftliche und kirchliche, Bedingungsgefüge bzw.
die Strukturen, in denen evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
sich bewegt.
Der Redaktionsprozess gestaltet sich schwieriger als erhofft: Für eine
Reihe von Artikeln müssen neue Autor(inn)en gesucht und gewonnen werden. Ende 2012 ist die Redaktionsarbeit abgeschlossen. Das Handbuch wird
aller Voraussicht nach im Sommer 2013 erscheinen.
129
Realität evangelischer Kinder- und Jugendarbeit
Bundesweite Statistik
Ein datengestütztes fundiertes und differenziertes Wissen über die Realität
Evangelischer Kinder- und Jugendarbeit ist notwendig. Nur auf der Basis aussagekräftiger Daten sind die aej-Mitglieder und die aej-ESG-Geschäftsstelle
nach außen und innen auskunftsfähig. Nur so gewinnen die unterschied­
lichen Akteure der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit eine realistische
Selbsteinschätzung ihres Handelns und dessen Wirkungen. Konzep­tions- und
Steuerungsprozesse werden durch eine solide Datenlage quali­f iziert. Erst ein
solches Wissen ermöglicht z. B. Aussagen über die qualitative Entwicklung
von Angeboten oder über die tatsächlichen Zahlen der in den verschiedenen
Bezügen Engagierten. Viele aej-Mitglieder haben ihren Bedarf an solchen
Daten signalisiert.
Nach jahrelanger Vorarbeit gelingt es, eine breite Basis für das Unterneh­
men zu finden, das durch den Beschluss der Konferenz der Landesjugend­pfarrerinnen und Landesjugendpfarrer, eine solche Erhebung flächendeckend
und regelmäßig durchzuführen, untermauert wird
Eine Expert(inn)engruppe der aej erarbeitet unter sozialwissenschaftlicher
Begleitung einen Fragebogen zur Vollerfassung der Angebote der evange­
lischen Kinder- und Jugendarbeit und Daten zu hauptberuflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden, der ein Gesamtbild der Realität Evangelischer Kinderund Jugendarbeit zeichnen soll.
In einem Pretest (21. Mai 2012) wird die bisherige Fassung des Befragungs­instrumentes durch Vertreter(innen) der Orts- und Kreis-/Dekanatsebene verschiedener Landeskirchen getestet.
Der Fragebogen stößt prinzipiell auf große Zustimmung hinsichtlich der
Zielsetzung, der Handhabung und der einzelnen Fragen. Die Expert(inn)engruppe überprüft eine Vielzahl von Anregungen und arbeitet sie ein.
Insbesondere wird ein eigenes Kapitel „Ehrenamtlichkeit“ in das Frage­
raster aufgenommen. Bis Mitte August werden die erläuternden Textmodule
erstellt, die sich auf Grund des Pretests als hilfreich erwiesen haben. Als
Zeitraum der ersten Erhebung wird das Schuljahr 2012/2013 inklusive der
Sommerferien 2013 festgelegt.
130
Anfang September erfolgt eine Information an alle landeskirchlichen aejMitglieder darüber, welche Fragenkomplexe der Fragebogen beinhaltet.
Von Herbst 2012 bis Frühjahr 2013 sollen alle landeskirchlichen Mitglieder
der aej auf relevanten Veranstaltungen (Hauptberuflichenkonferenzen etc.)
informiert und motiviert werden.
Eine Expert(inn)engruppe begleitet die Erhebung und ihre Auswertung. In
ihr arbeiten Personen, die in den einzelnen Landesjugendpfarrämtern/Ämtern
für Jugendarbeit die Erhebungen begleiten bzw. dafür verantwortlich sind.
Expert(inn)engruppe „Realität evangelischer Kinder- und Jugendarbeit“
Um das Wissen über die Realität evangelischer Kinder- und Jugendarbeit zu
verbessern, wird eine Expert(inn)engruppe „Realität evangelischer Kinderund Jugendarbeit“ eingerichtet. Ziel: Kompetente Fachleute aus aej-ESG-Geschäftsstelle, verschiedenen Regionen und aej-Bezügen erstellen einen umfassenden Überblick über den aktuellen Wissensstand zu Herausforderungen
und Realitäten, analysieren diesen und formulieren Handlungsperspektiven
Im Detail heißt das:
1. Beschreibung der Realität evangelischer Kinder- und Jugendarbeit
2. Analyse der Bedingungsfaktoren dieser Realität
3. Überprüfung des Realitätsbezuges vorhandener Deutungen und daraus
resultierender Konzeptionsbildungen
In den Jahren 2011/2012 analysiert sie die Realität von Ferienfreizeiten in
der Evangelischen Jugend. Aktuell steht auf der Agenda die Analyse der
Realität der „Gruppe“ bzw. der Gruppenarbeit bei den aej-Mitgliedern. Rele­
vante Ergebnisse werden im Info-Portal der aej/ESG veröffentlicht.
Evangelische Kinder- und Jugendfreizeiten
Im Dezember 2011 erscheint die Publikation
„Evaluation von Kinderfreizeiten – Wissen­
schaftliche Grundlagen, Ergebnisse und An­
leitung zur eigenen Durchführung“ in der
edi­tion aej. Sie ist die Weiterentwicklung
des seit 2007 vorhandenen bundesweiten
131
Evaluationsverfahrens für Jugendfreizeiten, das in der evangelischen Frei­
zeitenarbeit viel genutzt wird. Seit dem wünschen sich Praktiker(innen) eine
Anpassung dieses Verfahrens auch für Kinderfreizeiten. Dem kommt die aej
mit dieser Neuerscheinung nach und legt das Pendant für die Evaluation von
Kinderfreizeiten vor.
Im ersten Teil des Buchs werden die Evaluationsmethodik und die Ergeb­
nisse einer Grundlagenstudie zu Kinderfreizeiten und Stadtranderholungen
vorgestellt und interpretiert. Der Stellenwert von Freizeiten und deren Bedeu­
tung für non-formales Lernen wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Im Praxisteil erhalten Freizeitleiter(innen), Veranstalter(innen) und Teams
schließlich Anleitungen zur eigenständigen, professionellen Evaluation von
Kinderfreizeiten. Ein praktischerErfahrungsbericht veranschaulicht das Ver­
fahren zusätzlich und macht noch einmal deutlich, worauf es bei der Evalua­
tion von Kinderfreizeiten ankommt.
Die Impulse zur Weiterentwicklung der bundesweiten Freizeitenevaluation kommen aus der Praxis. Sie werden im Zusammenwirken verschie­
denster Akteure aus dem Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendfreizeiten
erarbeitet. Besonders zu nennen ist das große Engagement der Evange­
lischen Jugend im Kirchenkreis An Nahe und Glan, die hier als Kooperations­
partner mitwirkt.
Als Auftakt zum Erscheinen dieses neuen Materials findet am 14. Dezem­
ber 2011 die Fachtagung „Evaluation von Kinder- und Jugendfreizeiten“ in
Bad Kreuznach statt. Neben einem Überblick über die Studien Jugend- und
Kinder­f reizeitenevaluation gibt es die Möglichkeit zur Diskussion über ausgewählte Ergebnisse und Hypothesen der Kinderfreizeitenevaluation, mit­
gebrachtes Datenmaterial technisch und inhaltlich auszuwerten und eine
Einführung und Antworten zu Fragen bei der Anwendung des Auswer­tungs­
programms GrafStat zu erhalten. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Vor­
stellung des neu erschienenen Buches zur Evaluation von Kinderfreizeiten in
der Öffentlichkeit durch die Hauptautor(inn)en Heike Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Stephanie Otto, Jürgen Kistner, beide Sozialpädagog(inn)en
des Jugendreferates des Kirchenkreises An Nahe und Glan und Projektleiter
Dr. Wolfgang Ilg. Zur Präsentation begrüßt werden der Landrat Franz-Josef
Diel, Kreis Bad Kreuznach, Lucia Stanko, Referatsleiterin Jugendpolitik im
132
Mainzer Familienministerium und die Geschäftsführerin des Landes­jugend­
ringes Rheinland-Pfalz, Delia Helmerking. Letztere sprechen ihren Dank für
Buch und Anleitung aus.
Prof. Dr. Andreas Thimmel von der FH Köln würdigt in seinem Beitrag den
hohen Stellenwert von Freizeiten als wichtige Bildungsgelegenheit für Kinder
und fordert, die Strukturen von Kinder- und Jugendarbeit auch in Zukunft
abzusichern.
Im Herbst 2011 zeichnet sich ab, dass die im Februar erschienene Schu­
lungsmappe „Sex. Sex! Sex?“ bald vergriffen sein wird. Über eine zweite,
überarbeitete und erweiterte Auflage wird nachgedacht. Darin soll weiteres
Material aufgenommen werden, u. a. ein neues Kapitel über Täterstrategien,
aber auch zum neuen Bundeskinderschutzgesetz. Neben der inhaltlichen
Erweiterung wird auch über einen äußeren Neuauftritt nachgedacht. Neben
der Printform soll das Arbeitsmaterial diesmal auch digital zur Verfügung
gestellt werden. Die Neuauflage wird in der bewährten Kooperation von aej,
BundesForum Kinder- und Jugendreisen e. V., transfer e. V. und weiteren
erfahrenen Akteuren vorangetrieben, braucht aber mehr Zeit als gedacht,
so dass vor Anfang 2013 nicht mit dem Erscheinen zu rechnen ist.
Der für das Handlungsfeld zuständige Fachkreis nimmt die Frage nach Qualitätskriterien evangelischer Kinder- und Jugendfreizeiten intensiver in den
Blick. Mit der vorliegenden Publikation „Qualität bei Kinder- und Jugend­f rei­
zeiten“, die noch von der Bundesarbeitsgemeinschaft evangelischer Jugend­
feriendienste e. V. herausgegeben wurde, wird die Debatte um Qualität bei
Freizeiten in neun Aufsätzen zu verschiedenen Themenfeldern angeregt.
Allerdings kommt der Fachkreis zu dem Ergebnis, dass diese gelungene
und immer noch aktuelle Aufsatzsammlung eine Ergänzung bzw. Erweiterung
benötigt. Es entsteht die Idee eines „Qualitätschecks für Freizeiten“.
Zur Stärkung und Identifizierung der gemeinsamen Qualitätsstandards
soll Material in Form eines Spiels entwickelt werden, welches freiwillig Enga­
gierten und beruflich Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, sich inhaltlich auf
ihre jeweilige Freizeiten-Arbeit vorzubereiten. Es soll helfen, sich in Jugend­
ausschüssen, Hauptberuflichen-Konventen und anderen Gremien und Grup­
pen, die für die Freizeitenarbeit Verantwortung tragen, auf klare Qualitäts­
standards zu verständigen und diese deutlich zu kommunizieren.
133
Außerdem soll neben den evangelischen Akteuren mit diesem Material
insgesamt der Jugendreiseszene Arbeitsmaterial zur anhaltenden Quali­täts­
debatte zur Verfügung gestellt werden. Das Material soll im Frühjahr 2013
erscheinen.
Die jugendpolitische Stellungnahme der aej zu Anträgen der Regierungs­
koalition und der SPD-Fraktion zu Jugendreisen, Bundestagsdrucksache
17/8451 und 17/8924 für einen weiterreichenden interfraktionellen Antrag
wird vom Fachkreis Kinder- und Jugendfreizeiten begrüßt. Durch die Mitarbeit
der für das Handlungsfeld zuständigen Referentin in Vorstand Kinder- und
Jugendreisen e. V. kann in Zusammenarbeit mit dem jugendpolitischen Refe­
renten der aej rechtzeitig politisch Position bezogen, die besondere Aufgabe
von Freizeiten im Jugendverband dargestellt und das Feld zum Jugendtou­ris­
mus hin abgegrenzt werden. Der Fachkreis schlägt vor, zukünftig verstärkt
die jugendpolitische Zusammenarbeit über das BundesForum Kinder- und
Jugendreisen e. V. hinaus zur Erreichung jugendverbandlicher Zielsetzungen
mit dem Deutschen Bundesjugendring und der Arbeitsgemeinschaft für
Kinder- und Jugendhilfe zu suchen. Darüber hinaus sollen Bündnisse mit anderen Jugendverbänden angestrebt werden. Die zukünftige verbandliche
Beteiligung beim BundesForum Kinder- und Jugendreisen e. V. soll weiterhin
aufrechterhalten werden.
Ebenso setzt sich der Fachkreis Kinder- und Jugendfreizeiten mit dem
Thema Inklusion auseinander. Dazu hält Martina Drabner, geschäftsführende
Referentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendreisen (BAG),
im Fachkreis Kinder- und Jugendfreizeiten ein Impulsreferat zum Thema
„Inklusion bei Kinder- und Jugendreisen – wie kann das funktionieren?“. Der
Schwerpunkt liegt auf Überlegungen zur Inklusion von Kindern und Jugend­
lichen mit Behinderungen. In der Folge unterstützt das Gremium die Idee,
mit dem Handlungsfeld auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in
Ham­burg im Jahr 2013 präsent zu sein und besonders mit diesem The­men­
schwerpunkt aufzutreten. Dies ist in einer Kooperation mit der Evangelischen
Jugend Dortmund und dem Verein „Sail-Together e. V.“ mit seinem barrierefreien Segelschiff geplant.
134
Als weiteres Ergebnis ist eine Fachtagung mit dem Thema „Mittendrin oder
außen vor? Inklusive Reiseangebote für Kinder und Jugendliche mit Behin­de­
rungen“ für den November 2012 geplant. Die Fortbildung soll neue Impulse
geben und Grundlagen schaffen, eigene Konzepte zu entwickeln. Eingeladen
sind haupt- und ehrenamtliche Leitungspersonen von Jugendfreizeiten und
Jugendunterkünften. Ganz bewusst sind auch Organisationen aus dem Bereich
Behindertenhilfe sowie Betroffene selber angesprochen, um in einen bedarfsorientierten Austausch zu kommen. Bewusst wurde ein Veranstal­tungsort
gewählt, an dem das Team des Tagungshauses aus Mitarbei­ter(inne)n mit
und ohne Behinderungen besteht.
Die Neuauflage und Weiterentwicklung des Küchenbuches aus dem Jahr
1997 unter dem Titel „Ich bin hin und weg! Unwiderstehliches Küchenbuch für
Freizeiten und große und kleine Gruppen“ zieht Kreise. Es erfreut sich einer
großen Nachfrage und wird zur Grundlage bei Veranstaltungen etlicher aejMitglieder, die dadurch das Thema Nachhaltigkeit und Ernährung in den eigenen Reihen auf die Agenda setzen (s. S. 37).
Um dem Informationsbedarf der Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen im
Bereich Reiserecht und Versicherungsfragen gerecht zu werden, findet Ende
Juni 2012 eine Fachtagung zum Thema in Kooperation mit der Evangelischen
Jugend Bremen statt. Durch die starke Beteiligung von Teilnehmenden aus
dem Bremer Raum ist eine besondere Fokussierung auf die Bremer Bedin­
gun­gen erforderlich, besonders was den Versicherungsschutz angeht. Wie im
Vorjahr erfreut sich diese Fachtagung einer großen Nachfrage und bestätigt
den Eindruck, dass die Akteure des Feldes Kinder- und Jugendfreizeiten immer wieder neu einen großen Bedarf nach Rechtssicherheit für das eigene
Handeln bei ihren Maßnahmen haben. Auch für 2013 gibt es bereits Koope­
rationsanfragen für Fachtagungen mit rechtlichen Themen an die aej-ESGGeschäftsstelle.
Evangelische Tagungshäuser und Jugendunterkünfte
Das Engagement für Freizeit- und Rüstzeithäuser sowie Jugendakademien
und Jugendbildungsstätten ist ein Handlungsschwerpunkt im Arbeitsfeld
evangelische Kinder- und Jugendfreizeiten.
135
Im Rahmen der Initiative des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) zum Aufbau einer selbsttragenden Serviceorganisation
für evangelische Tagungshäuser lädt die aej zu einem Treffen am 30. Mai
2012 nach Hannover ein, um miteinander die Bildung eines bundesweiten
Netzwerkes evangelischer Tagungshäuser zu beraten. Eingeladen sind Ver­
antwortliche aus den verbandlichen und regionalen Häusernetzwerken sowie
Vertreter(innen) der EKD-Gliedkirchen. Rund 30 Teilnehmer(innen) folgen der
Einladung. Ziel ist es, die Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit
und Bedarfe zu klären.
Die Anwesenden begrüßen die Bildung eines evangelischen Häusernetz­
werkes und die Bereitschaft der aej, dieses zu organisieren. Oberkirchenrat
Thomas Begrich, Leiter der Finanzabteilung im EKD-Kirchenamt, betont den
Vorteil, den die aej mit ihren Kontakten zu Staat und Kirche bietet. Dadurch
können die bundesweite Lobbyarbeit, die Vernetzung der Häuser, die gezielte
Kommunikation relevanter Informationen, das Marketing, bedarfsgerechte
Fortbildungen und die Präsenz evangelischer Tagungshäuser und Jugend­
unterkünfte bundesweit gestärkt werden.
Im Rahmen dieses Treffens stellt Dr. Jürgen Frank, Vorsitzender des Auf­
sichtsrats der Bundesakademie für Kirche und Diakonie (BAKD), einen Wei­
terbildungskurs für Führungskräfte in evangelischen Tagungsstätten und
Freizeitenheimen vor. Mit diesem Angebot zur Weiterqualifizierung unterstützt die EKD in Kooperation mit der BAKD, an der die aej als Gesellschafter
beteiligt ist, den im Jahr 2010 mit der Schaffung der Internetplattform begonnenen Restrukturierungs- und Qualitätssicherungsprozess.
Eine kleine Arbeitsgruppe erhält den Auftrag, eine Vorlage für die Grün­
dung eines bundesweiten Häusernetzwerkes zu erarbeiten. Bei den Treffen dieser Gruppe stehen die Ziele und Wirkung, Organisationsform, das
Auf­g abenprofil und die Finanzierung eines solchen Netzwerkes im Vorder­
grund.
Zu den Teilprojekten der EKD-Initiative gehört auch die Website www.
evangelische-haeuser.de, die sich in den letzten zwei Jahren zu einer relevanten Größe unter den Häuser-Suchportalen entwickelt hat. Zurzeit präsentieren sich dort fast 450 Häuser. Die aej unterstützt und begleitet die Projekt­
leitung, die beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP)
136
liegt, bei der Weiterentwicklung des Internetauftritts. Eine Zusammenarbeit
der Website mit dem zu gründenden Häusernetzwerk wird angestrebt.
Die EKD unterstreicht ihr Interesse an der Profilierung evangelischer Häu­
ser mit der Zusage einer Anschubfinanzierung für das Projekt „Service­qua­li­
tät Deutschland mit evangelischem Profil“. Ziel ist die Einführung und dauerhafte Implementierung eines speziell auf evangelische Häuser zugeschnittenen Qualitätsmanagements. Dank der EKD-Förderung kann den Lei­ter(inne)n
und Mitarbeiter(inne)n evangelischer Freizeit- und Tagungs­häuser nicht
nur ein besonders kompaktes, sondern auch kostengünstiges Seminar
angeboten werden, welches ihnen bei der Profilierung und Zerti­f izie­rung
ihres Hauses hilft.
Seit Sommer 2011 haben insgesamt rund 100 Personen an einem Qualitäts­seminar des Projektes teilgenommen. Von den sieben durchgeführten Semi­naren bieten vier Veranstaltungen die Möglichkeit, sich in einem Zeitraum von
zweieinhalb Tagen zum Qualitätscoach der Stufe I im Rahmen von Service­
qualität Deutschland (SQD) ausbilden zu lassen und sich dabei auf die je
eigenen Ziel- und Wertvorstellungen hin zu orientieren und daraus ein eigenes
Profil als evangelisches Tagungshaus zu entwickeln und zu stärken.
Da einige Häuser schon die Zertifizierung in SQD Stufe I erlangt haben,
werden drei Tagesveranstaltungen mit der Fokussierung auf das „evange­
lische Profil“ durchgeführt.
Die Seminare werden von der aej in Kooperation mit entsprechenden
Trä­gerverbünden organisiert und haben oft eine spezielle regionale Aus­
richtung. Kooperationspartner sind u. a. der Förderverein Evangelischer
Tagungs- und Freizeithäuser e. V., die Evangelische Familienerholung im
Diakonischen Werk der EKD e. V., die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Frei­
zeitheime in Sachsen und der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband e. V.
Weitere Seminare sind in Kooperation mit der Evangelisch-lutherischen Lan­
deskirche Hannovers, dem Amt für Jugendarbeit der Evangelisch-lutherischen
Kirche in Bayern und der Bundesakademie für Kirche und Diakonie in Berlin
geplant.
Die Zwischenauswertung des Projektes im Sommer 2012 zeigt, dass die
Seminarteilnehmenden das Fortbildungsangebot außerordentliche positiv
bewerten.
137
Mittlerweile haben sich die ersten Häuser auf den Weg der Zertifizierung
gemacht und ihre Unterlagen eingereicht. Am 26. November 2012 werden die
ersten Zertifizierungsurkunden feierlich unter Anwesenheit der Öffentlichkeit
in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Dresden verliehen.
Qualitätsentwicklung und Auswertung KJP-Gespräche
Sowohl für das Programm „Internationale Jugendarbeit“ des Kinder- und
Jugendplans des Bundes (KJP) als auch in den nationalen Förderlinien sind
die Zielvereinbarungs- und Zielauswertungsgespräche ein etabliertes Ver­
fahren. Mit diesem Vorgehen ist die aej als Mittelempfänger des Bundes einmalig in ihrer Qualitätssicherung.
Mit allen Projektverantwortlichen für Maßnahmen dieser Förderlinien wer­den Gespräche geführt. Dabei stehen als vorrangiges Ziel des Verfahrens die
fortwährende Qualifizierung der Projekte in der internationalen Jugendarbeit
und die gezielte Maßnahmenbezuschussung im Mittelpunkt. Nebeneffekte
sind vereinfachte Beantragung und Verwendungsnachweisführung sowie eine
Kompetenzerweiterung der Leitungspersonen durch die kollegiale Beratung.
Das standardisierte Frageleitraster für die Gesprächsführung stellt die
Ver­gleichbarkeit und einheitliche Dokumentation sicher. Dies wiederum
ermöglicht das Identifizieren von Entwicklungen und Tendenzen in der internationalen Jugendarbeit und erlaubt es, Chancen zu erkennen und Umsteue­
rungen vorzunehmen.
Bei den KJP-Gesprächen der Saison 2011/12 ist der Beschluss der 120. aejMitgliederversammlung „Selbstverständlich nachhaltig – Schritte der Evan­
gelischen Jugend in eine zukunftsfähige Welt“ konsequent zu erfragendes
Förderkriterium. Dies stellt nach wie vor für alle Beteiligten eine Herausfor­de­
rung dar. Erst die Erfahrungen aus mehreren Jahren werden zeigen, ob sich
das Thema bei den Projektverantwortlichen als Querschnittsthema etabliert.
Nach erfolgreichem Abschluss der Integrationsbemühungen um die internationalen Maßnahmen der ESG stellt das KJP-Gesprächsverfahren eine gute
Möglichkeit kollegialer Vernetzung über die ESG hinaus für die Projektver­
antwortlichen der internationalen Maßnahmen dar und ist damit zu einem
attraktiven Angebot während der Gespräche geworden.
138
Das Antragsjahr 2012 bringt weitere Veränderungen in der Förderung
internationaler Maßnahmen mit sich. Der Zeitpunkt dieser Veränderungen
stellt allerdings die Mitarbeitenden der öffentlichen Förderung und die Be­
rater(innen) in den KJP-Gesprächen vor eine Herausforderung. Mitten während des Gesprächszyklusses erreicht die Gesprächsteams das Rund­schrei­
ben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) mit der Ankündigung geänderter KJP-Richtlinien. Vor allem die
Berechnung der Fahrtkosten erfolgt nach einem völlig neuen Schema und
zwingt die aej-Mitarbeiter(innen) der Mittelverwaltung zur Überarbeitung
aller eingereichten Anträge, was mit erheblichem zusätzlichen Zeitaufwand
erfolgreich bewältig werden kann. Ergänzend dazu muss der Kreis der Ge­
sprächsführenden während der Gespräche mit aktuellem Wissen zur Bera­
tung versorgt werden. Manche Änderungen werfen Fragen in der Anwendung
auf und machen die Kommunikation mit dem BMFSFJ notwendig. Insgesamt
werden diese Änderungen erfolgreich im Förderjahr 2012 umgesetzt. Die
Auswirkungen dieser Änderungen auf die finanzielle Förderung von interna­
139
tionalen Jugendbegegnungsmaßnahmen sind allerdings noch nicht endgültig
absehbar. Erste Schlüsse können erst mit der Abrechnung des Förderjahres
2012 gezogen werden.
Weitere Personen aus der landeskirchlichen und Kirchenkreisebene können als Coaches für die KJP-Gespräche gewonnen werden. Damit vergrößern
sich die Personalressourcen, die für die Zielvereinbarungs- und Auswer­tungsgespräche zur Verfügung stehen. Aufgrund der Fluktuation infolge von
Arbeitsplatzwechsel bleibt es fortlaufend Aufgabe, den Pool kompetenter
Gesprächspartner(innen) zu erweitern, um zur Stabilisierung des etablierten
Gesprächssystems beizutragen und die Zukunft des Verfahrens abzusichern.
Gerade in Zeiten sinkender Finanz- und Personalressourcen zählt das zu den
entscheidenden Herausforderungen.
Die für das Förderjahr 2012 erwartete Veränderung der KJP-Richtlinien in
Bezug auf die Absenkung des förderfähigen Alters auf acht Jahre wird vom
BMFSFJ nicht umgesetzt.
Trotzdem werden bei der aej zwei Anträge für internationale Begegnungen
mit Kindern ab acht Jahren eingereicht. Dies stellt eine neue Herausforderung
an die Gesprächsführenden im Blick auf die Zielgruppe und konzeptionelle
Beratung solcher Projekte dar.
Nach intensiver Beratung und Qualifizierung der Projektverantwortlichen
nimmt die aej direkten Kontakt mit dem Ministerium auf und erwirkt eine
Förderzusage für diese exemplarischen Projekte.
Zum bewährten Standard der aej-ESG-Geschäftsstelle gehört die konti­
nuierliche Auswertung der Erfahrungen mit den internationalen KJP-Gesprä­
chen zur Fortschreibung und Weiterentwicklung des Verfahrens. Jährlich sind
alle am Verfahren beteiligten Personen im Anschluss an die Gesprächssaison
zu einer Auswertungstagung geladen. Dort werden Frageleitraster, Organisa­
tionsrahmen, Präsentation von Projekten und Rückmeldungen der beteiligten
Projektträger kritisch diskutiert. Immer stehen die Erweiterung des Fach­
wissens und die Information über Veränderungen und Aktualisierungen im
Bereich der Förderung auf der Agenda. Ziel ist es, alle Gesprächsführenden
mit einheitlichem Wissen zu versorgen und ein synchrones Vorgehen im Ge­
sprächsprozess sicherzustellen. Im Mittelpunkt steht 2012 das Verfahren zur
Evaluation internationaler Jugendbegegnungen. Judith Dubiski, Soziologin,
140
M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Köln mit dem Forschungs­
schwerpunkt „Nonformale Bildung“ und Geschäftsführung im deutschfranzösisch-polnischen Evaluationsprojekt, gibt den Teilnehmer(inne)n der
diesjährigen Auswertungstagung eine fachlich fundierte Einführung in die
Ergeb­nisse und die Anwendung der Evaluation internationaler Jugendbegeg­
nungen. Die Anwesenden beschließen, in der nächsten KJP-Saison alle Pro­
jektverantwortlichen auf dieses Instrument aufmerksam zu machen und zur
Anwendung zu ermutigen.
Auch in den nationalen Programmen des KJP gehört das Gesprächsver­
fahren zum etablierten Standard. Obwohl die Programmlinien „Jugendarbeit
mit behinderten jungen Menschen“ und „Zentrale Fortbildungsstätten“ vom
Fördergeber in das Programm „zentrale Jugendverbände“ verschoben wurde,
werden mit allen Projektverantwortlichen, die Fördermittel zu diesen Themen­schwerpunkten erhalten, Zielvereinbarungs- und Auswertungsgespräche
geführt. Dies geschieht mit einem vorab versandten Frageleitraster. Im Jahr
2012 werden erstmalig die Projektverantwortlichen der Vereine junger
Migrantinnen und Migranten, mit denen die aej kooperiert und die über die
aej Zugang zu Fördermitteln aus dem KJP erhalten, zu einem Zielverein­
barungs-und Auswertungsgespräch eingeladen. Hier geht es vorrangig darum, auch diese Gruppe in das etablierte Gesprächsverfahren einzubeziehen
und durch den gegenseitigen Austausch das Wissen über einander und über
die Arbeit zu verbessern. Insgesamt bewerten die verantwortlichen Zuwen­
dungsempfänger(innen) die Gespräche überwiegend als positiv, kritisch-konstruktiv, impulsgebend und motivierend. Da alle KJP-Zuwendungen in diesen
Programmen in der Regel ein Bündel an Maßnahmen umfassen, wird hier in
größeren Linien ausgewertet und geplant. Es geht darum, die Schwerpunkte
und Ziele zu identifizieren und Entwicklungen aufzuzeigen. Als vorbereitendes und begleitendes Material für die Gespräche dienen der aej-ESG-Geschäftsstelle in der Regel die schriftlichen Zielvereinbarungen des Vorjahres,
die Themen der abgerechneten Kurse und Arbeitstagungen, sonstige Maß­
nahmen und Personalkosten sowie die Aufteilung von Fördersummen. Hilf­
reich für das Gespräch sind die regelmäßig zugesandten Publikationen über
die Aktivitäten der Zuwendungsempfänger(innen) in den einzelnen Förder­
linien sowie deren Newsletter, um zwischen den Gesprächen einen Überblick
141
über ihre Schwerpunkte, Aktivitäten und Entwicklungen zu erhalten. Gerade
bei der großen Programmlinie „zentrale Jugendverbände“ interessiert das
wechselseitige Impulsgeben zwischen Zuwendungsempfänger(in) und aejBeschlüssen bzw. der aej-ESG-Geschäftsstelle sowie die mit dem BMFSFJ
vereinbarten Ziele der aej. Auch die kinder- und jugendpolitischen Aktivitäten
innerhalb und außerhalb des eigenen Verbandes sowie die Ein­schätzung
der Wirkung auf die Gesellschaft durch die Arbeit stehen im Fokus. Wie
bei den internationalen Projekten wird in dieser Gesprächssaison auch
weiterhin in den nationalen KJP-Gesprächen nach dem Thema Nachhaltigkeit gefragt.
Vielfach setzen sich Themen über mehrere Jahre fort und entwickeln sich
weiter, so dass Gespräche an das Vorjahr anknüpfen und dadurch ein Bild
großer Kontinuität entsteht. Je größer die Organisation ist, umso komplexer
gestaltet sich in den nationalen Programmen das Gesprächsverfahren. Vor­
rangiges Ziel bleibt es, die Auskunftsfähigkeit über die Aktivitäten evange­
lischer Kinder- und Jugendarbeit zu erhöhen, die Qualität der Arbeit zu steigern und zu einer Sensibilisierung für kinder- und jugendpolitische Kontexte
beizutragen.
Die KJP-Gespräche finden große Zustimmung in der Evangelischen
Jugend. Die Auswertung der Feedbackbögen belegt Folgendes:
Bewertung der KJP-Gespräche insgesamt:
sehr gut
gut
zufriedenstellend
ausreichend
unzulänglich
142
Weiter geht aus den Befragungen hervor:
Ich arbeite in dieser internationalen Maßnahme als:
158 Antworten, 2 keine Angabe
Ehrenamtliche(r): 55
Hauptberufliche(r): 103
keine Aufgabe:
2
Kirchenkreis/Dekanat: 44
Kirchengemeinde: 47
Jugendverband:
44
Landeskirche:
17
ESG:
7
Freikirche:
7
keine Angabe:
3
Sonstige*:
7
*Unter Sonstige wurde
angegeben:
➜ Sozialer Arbeitskreis
➜ Partnerschaftsarbeit
➜ BTG 2x
➜ Städtische Einrichtung
143
144
In welchem Bundesland ist der Träger des Projektes angesiedelt:
165 Antworten
Vernetzt handeln.
Evangelische Jugend erzielt mit Partnerinnen
und Partnern nachhaltig Wirkung in Kirche, Ökumene,
Politik und Gesellschaft.
Die Evangelische Jugend als „Learning Community“
Netzwerke erzeugen thematische und ressourcenbezogene Synergien,
erzielen angesichts stagnierender Ressourcen mehr Wirkung und tragen
wesentlich zur Bewältigung von komplexen Anforderungen bei. Beispiele
sind die Entwicklung von jugendadäquaten Zugängen zur Spiritualität,
Bewusst­seins­bildung über eine gewachsene öffentliche Verantwortung für
das Aufwach­sen und die ausreichende Förderung unterschiedlicher Unter­
stützungs­kom­ponenten wie Kinder- und Jugendarbeit, Erweiterung der
kirchlichen und gesellschaftlichen Beteiligung junger Menschen und vieles
andere mehr.
Als eigenständiges protestantisches und jugendbezogenes Netzwerk bewegt sich die aej in Netzwerkstrukturen verschiedener Bereiche. Den derzeitigen Stand der Mitwirkung in Organisationen, die unterschiedlichen Netz­
werken zugeordnet sind, stellen die Strukturbilder auf den Seiten 146 bis 149
dar.
Auf den Seiten 152 und 153 wird die Struktur der Arbeitsgremien der aej
skizziert. Darüber hinaus arbeiten Expert(inn)engruppen zielorientiert und
zeitlich begrenzt an Themen, und die aej-Mitgliederversammlung hat die
Möglichkeit, Projektgruppen zur Bearbeitung grundsätzlicher Fragestellun­
gen der Evangelischen Jugend einzusetzen.
Die Seiten 150 und 151 zeigen die Strukturen der Geschäftsstelle von aej
und ESG.
Fortsetzung auf Seite 154 ➜
145
CVJM-Kolleg
Evangelische Landjugendakademie Altenkirchen
Jugendseminar, Fort- und Weiterbildungsstätte
des Gemeindejugendwerkes
Studienzentrum für evangelische
Jugendarbeit in Josefstal e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelischer
Stadtjugendarbeit e.V.
Internationaler Christlicher Jugendaustausch (ICJA)
Bundesverband Kulturarbeit in der evangelischen
Jugend (bka)
Evangelische Arbeitsgemeinschaft
für Klubarbeit e.V. (AG KLUB)
Außerordentliche Mitglieder
die aej:
Netzwerk Evangelischer Jugend
Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische
Jugendsozialarbeit (BAG EJSA)
Evangelische Freiwilligendienste gGmbH
Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische
Jugendbildung (ET)
„das baugerüst“, Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
in der evangelischen Jugendarbeit und außerschulischen Bildung
„evangelisch.de“
Gemeinschaftswerk der Evangelischen
Publizistik gGmbH (GEP)
Evangelische StudentInnengemeinde in
der Bundesrepublik Deutschland (ESG)
146
Kooperationen
Jugendverbände
und Jugendwerke
Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES)
Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands e.V. (CPD)
CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V.
Deutscher Jugendverband „Entschieden
für Christus“ e.V. (EC)
MBK – Evangelisches Jugend- und
Missionswerk e.V.
Ring Missionarischer Jugendbewegungen e.V. (RMJ)
Verband Christlicher Pfadfinderinnen
und Pfadfinder (VCP)
Johanniter-Jugend in der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JJ)
Freikirchliche Jugendwerke
Mitglieder
d
Evangelische Jugend
in den Landeskirchen
Jugendwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK)
Bund Freier Evangelischer Gemeinden KdöR
Gemeindejugendwerk des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher
Gemeinden in Deutschland KdöR (GJW)
Jugendarbeit der Evangelischen Brüder-Unität
Jugendwerk der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen
Kirche (SELK)
Evangelische Landeskirche Anhalts
Evangelische Landeskirche in Baden
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
Bremische Evangelische Kirche
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers
Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Lippische Landeskirche
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland
Evangelisch-Lutherische
Kirche in Norddeutschland
Evangelisch-Lutherische Kirche
in Oldenburg
Evangelische Kirche der Pfalz
Evangelisch-reformierte Kirche
Evangelische Kirche im Rheinland
Evangelisch-Lutherische Landeskirche
Sachsens
Evangelisch-Lutherische Landeskirche
Schaumburg-Lippe
Evangelische Kirche von Westfelen
Evangelische Landeskirche
in Württemberg
147
Jugenddelegierte
EKD-Synode
Arbeitsausschuss für den Dienst auf dem Lande
Konferenz für Ökumene, Mission und
Entwicklung
Konferenz für Islamfragen
Konferenz der Ausländerpfarrer(innen) (KAP)
Kommission für Migration und Integration (KMI)
Evangelische Konferenz für Mittel- und Osteuropa
Gesamttreffen Pressesprecher(innen) und
Öffentlichkeitsarbeiter(innen)
Konferenz der Referent(inn)en für Migration und
Integration, Flucht und Asyl (KMIFA)
Studium in Israel
Evangelische Kirche
in Deutschland (EKD)
Kirchen
Konferenz der Kirchlichen Werke und Verbände (KKWV)
Kirchliche Publizistik/Jury der Evangelischen Filmarbeit
Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK)
Ökumenischer Arbeitskreis für Bibellesen (ÖAB)
Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT)
Deutsche Bibelgesellschaft (DBG)
Bundesakademie für Kirche und Diakonie
(BAKD)
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in
der Bundesrepublik Deutschland (ACK)
Ökumenisches Netzwerk der
Jugendkirchen
nationale/multilaterale
Bund der alt-katholischen Jugend (baj)
Orthodoxer Jugendbund Deutschland e. V. (OJB)
Koptische Jugend in Deutschland
Bund Taufgesinnte Gemeinden (BTG)
Deutsch-Koreanischer Jugendverband
(GiL)
Jugendarbeit der Vietnamesischen
Tin-Lanh Gemeinde
Bund der Alevitischen Jugendlichen in
Deutschland e. V. (BDAJ)
Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
Jugendarbeit des Zentrums der finnischen
kirchlichen Arbeit e. V.
Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der
deutschen Bischofskonferenz (afj)
Vorstand
nationale/bilaterale
Internationale und ökumenische
Beziehungen
Ökumenischer Jugendrat in Europa (EYCE )
Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK)
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)
Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)
Church of England
Presbyterian Church in Taiwan (PCT)
Union Chrétienne de Jeunes Gens (UCJG)
United Church of Christ (UCC)
Deutsche Jugend Russlands e.V
internationale/multilaterale
internationale/bilaterale
Brot für die Welt - Evangelischer
Entwicklungsdienst
GEPA The Fair Trade Company
Forum Fairer Handel
Fair Trade e. V.
Clean Clothes Campaign
TransFair Verein zur Förderung des Fairen
Handels mit der „Dritten Welt“ e. V.
Zeitschrift „Welt & Handel“
Verband Entwicklungspolitik deutscher Nicht-Regierungsorganisationen e. V. (VENRO)
Nordelbisches Zentrum für Weltmission
und Kirchlichen Weltdienst (NMZ)
Klima-Allianz
Bundesamt für Freiwilligendienste und
zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA)
Bundesamt für Landwirtschaft und
Ernährung (BLE)
Entwicklungspolitik und
entwicklungsbezogene
Bildung
Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Bundesverwaltungsamt (BVA)
Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)
Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF)
Bundesamt für Migration und Flüchtling
(BAMF)
148
die a
Netzwerk i
Ökumen
Gesell
Bundesministerium des Innern
Regierung/
Regierungsverwaltung
Deutscher Bundesjugendring
(DBJR)
Vollversammlung
Hauptausschuss
Vorstand
KJP-Kommission
NiJaf Netzwerk interkultureller
Jugendverbandsarbeit und -forschung
Beirat Forschungsprojekt interkulturelle
Öffnung verbandlicher Jugendarbeit
Koordinierungsausschuss BBE
Comission on sustainable Developement
(CSD)
Kinder- , Jugend- und
Gesellschaftspolitik
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und
Jugendhilfe (AGJ)
Mitgliederversammlung
Säule Jugendverbände
Geschäftsführender Vorstand
National Coalition für die Umsetzung der
Kinderrechte (NC)
Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
(USK)
Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit
(IDA)
Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)
Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
Haus der Geschichte, Bonn
Bundesjugendkuratorium
Vorsitz
Deutscher Bundesjugendring (DBJR)
aej:
in Kirche,
ne und
lschaft
Fachkonferenz Internationale Jugendpolitik
Arbeitsgruppe Europäische Jugendpolitik
Deutsches Nationalkomitee für
Internationale Jugendarbeit (DNK)
Deutsch-Israelischer Fachausschuss
Bundesregierung
Deutsch-Französisches Jugendwerk (DFJW)
Verwaltungsrat des DFJW
Beirat des DFJW
Deutsch-Britischer Fachausschuss
Europa und
internationale Bezüge
Trägerkonferenz Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD)
Arbeitsgemeinschaft
für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)
Fachausschuss Europäische Jugend(hilfe)politik
Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW)
Deutsch-Polnischer Jugendrat
Nationaler Beirat Aktionsprogramm
"Jugend in Aktion"
Europäisches Jugendforum
Rat der Mitglieder
Evangelisch - lutherisches Missionswerk in
Niedersachsen (ELM)
World Student Christian Federation
(WSCF)
European Sunday Alliance
Theorie der Kinder- und
Jugendarbeit, Wissenschaft
und Forschung
Stiftungen etc.
Deutsches Jugendinstitut (DJI)
Comenius Institut
Universität Kassel
Ludwig-Maximilians-Universität München
Universität Dortmund
Eberhard Karls Universität Tübingen
Philipps-Universität Marburg
Aktion Mensch
Stiftung Deutsche Jugendmarke
149
Geschäftsst
Stand 2012
Geschäftsstelle
Geschäftsstelle (Stand 2012)
Stand 2011
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Martin Weber
Assistenz: Manuela Ertel
Presse und Öffentlichkeit/Medien
Kinder- und Jugendpolitik
Stephan Groschwitz
Assistenz: Wiebke Albes
Europäische Jugendpolitik
Migration/Integration
Doris Klingenhagen
Assistenz: Martina Seehaus
Deutsch-französische, internationale
und ökumenische Jugendarbeit
Dirk Thesenvitz
Assistenz: Marianne Malten
Kinder- und Jugendfreizeiten
Gabriele Jahn
Assistenz: Laya Husmann
Migrationsprojekt
TANDEM
Simone Pleyer
Förderung der
Selbstorganisation junger Migrant(inn)en
Janina Fiehn
Assistenz: Martina Seehaus
Dialog und Kooperation
FSJ Politik
Michael Glatz
Bjön Christanseen
Engagiert statt abgehängt
Katharina Kühnle
150
Migrationsprojekte
Kinder- und
Jugendpolitik/
Ökumene
Generals
Mike C
Bürolei
Ulrike
telle
2
sekretär
Corsa
itung
Abel
Geschäftsführung
Ottokar Schulz
Assistenz: Bettina Stoll
Hochschul- und
Studierendenarbeit
Förderung/Finanzen/Verwaltung
Controlling öffentliche
Förderung/Berichtswesen
Gabriele Jahn
Förderung
Barbara Bangemann
Hartwig Inatowitz
Katrin Rönnfeldt
Alexandra Warschawski
Peter Wünsch
Li Kowalewski
Lilli Michno
Assistenz: Laya Husmann
Personal- und Vertragswesen
Britta Greenwood
Buchhaltung
Silke Meyer
Timo Puckhaber
Projektsachbearbeitung
Anna Gorbunova
Auszubildende
Laura Dewes
Generalsekretär
Jörn Möller
Internationale Beziehungen und
Ökumene
Annette Klinke
Theologie, Hochschul- und
Genderpolitik
Uwe-Karsten Plisch
Assistenz: Vassiliki Chryssikopoulou
Wissenschaft/Bildung/Religion
und Konzepte
Theologie, Bildung und
Jugendsoziologie
Michael Freitag
Assistenz: Ulrike Abel
Entwicklungsbezogene Bildung
Dr. Veit Laser
Assistenz: Cornelia Günther
Schüler(innen)arbeit und Bildung
Dagmar Hisleiter
Assistenz: Heike Bartsch
Evangelische Jugend in ländlichen
Räumen (ejl)
Claudia Leibrock
Dr. Karsten Schulz
Assistenz: Daniela Bredenbeck
151
die aej:
Netzwerk für Beratungen,
Qualifizierungen
und Entscheidungen
aejMitgliederversammlung
152
Beiräte
aej-Vorstand
Fachkreise
Kinder- und Jugendpolitischer Beirat der aej (KJPB)
Finanz- und Förderpolitischer Beirat der aej (FFPB)
Fachkreis für Kinder- und Jugendpolitik
Fachkreis für die Arbeit mit Kindern
Fachkreis für Ökumene und internationale Jugendarbeit
Fachkreis für Konzepte und Grundsatzfragen
der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit
Fachkreis für Kinder- und Jugendfreizeiten
Fachkreis für nachhaltige Entwicklung
Fachkreis für Evangelische Jugend in
ländlichen Räumen
153
➜ Fortsetzung von Seite 145
Strukturelle Veränderungen in der Evangelischen Jugend
Die kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zeigen ihre Spuren
auch in den Strukturen der Evangelischen Jugend. Die Fusion von evange­
lischen Landeskirchen und Bewegungen innerhalb der eigenständigen Werke
und Verbände wirken sich auf die Zusammensetzung der aej-Mitgliederversammlung aus. In den letzten Jahren wurden verschiedene Strukturver­ände­
rungen nachvollzogen, letztmalig im Jahr 2011 als die Übergangs­regelung für
die Evangelische Jugend in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
(EKM) ausläuft.
Nun haben sich wieder Veränderungen ergeben:
➜ Pfingsten 2012 fusionieren die bis dahin eigenständigen evangelischen
Landeskirchen Mecklenburg, Pommern und Nordelbien zur EvangelischLutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).
➜ Die aej erhält im Frühjahr 2012 Kenntnis, dass der MBK seine Arbeit als
Bundesverband zum 31. Dezember 2012 aufgibt.
Der aej-Vorstand setzt sich mit den Veränderungen ausführlich auseinander. Er bestätigt die bisher geltende Orientierung bei derartigen Verände­run­
gen und schlägt den aej-Mitgliedern erneut vor,
➜ von einem Eingriff in die Grundlinien der aej-Mitgliederversammlung
abzusehen. Das heißt: Zukünftig soll auch weiter – von einzelnen be­
gründeten Ausnahmen abgesehen – jedes Mitglied über zwei stimm­
berech­tigte Delegiertenplätze in der aej-Mitgliederversammlung ver­
fügen, bei einer geringen Stimmenmehrheit der landeskirchlichen
Säule.
➜ Dies wiederum bedeutet bei Strukturveränderungen im Bereich der aejMitglieder, dass sich diese auf die Delegiertenplätze aller Mitglieder­säu­
len auswirken, damit das Verhältnis der Stimmen dem Grunde nach erhalten bleibt.
Mit der Evangelischen Jugend in der Nordkirche wird über eine Übergangs­
lösung für die Vertretung in der aej-Mitgliederversammlung beraten, um den
154
aej-Mitgliedern zur 123. aej-Mitgliederversammlung 2012 einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen zu können, der die Veränderungen in den
einzelnen Säulen berücksichtigt.
Die aej-ESG-Geschäftsstelle –
eine evangelische Kompetenzstelle für Fragen
zu den Lebenslagen junger Menschen
Die aej-ESG-Geschäftsstelle ist eine multifunktionale Organisationseinheit.
Seit Bestehen nimmt sie vielfältige Aufgaben wahr. Die Komplexität ihrer
Aufgaben und Funktionen ist über Jahre angewachsen. Folgende Funktionen
sind wesentlich:
➜ Sie ist eine bundeszentrale Verbandsgeschäfts- und Fachstelle für die
evangelische Kinder-, Jugend- und Studierendenarbeit. Sie organisiert die
Meinungsbildung, den fachlichen Austausch und die Interessenvertretung
in den unterschiedlichen Verbänden und arbeitet den jeweiligen Gliede­
rungen insbesondere der aej, der ESG und der AES zu. Dabei gibt sie fachliche Impulse für die unterschiedlichen Handlungsfelder.
➜ Sie ist evangelische Fachstelle für Kindheits-, Jugend- und Studierenden­ fragen, insbesondere für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die
Freikirchen, das Diakonische Werk der EKD, „Brot für die Welt – Evan­ge­ lischer Entwicklungsdienst“ und andere evangelische Fachorganisationen.
➜ Sie wird von der Bundesregierung als Fachberaterin für Lebenslagen junger Menschen und die konfessionelle Kinder- und Jugend- und Studieren­
denarbeit herangezogen.
➜ Sie ist Partnerin von theologischen und sozialwissenschaftlichen Fakul­
täten an Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten. Damit trägt sie
zum Dialog zwischen Wissenschaft und evangelischer Verbändepraxis bei.
➜ Sie ist sowohl Zentralstelle für die Bewirtschaftung von Fördermitteln des
Bundes nach Richtlinien des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP)
als auch Drehscheibe für die Einwerbung von Fördermitteln im Bundes­
kontext und europäischen Kontext. Sie nimmt auch die Geschäftsführung
von anderen Organisationen wahr, beispielsweise für den Arbeitskreis
„Studium in Israel“.
155
Die Verbände und Organisationen, für die die Geschäftsstelle neben der
aej inhaltlich und geschäftsführend verantwortlich ist, bestimmen ihr Profil
wie folgt:
Evangelische StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland (ESG)
Das fünfte Jahr der Kooperation mit der aej bringt
für die ESG auf Bundesebene eine wichtige Konsolidierung.
Wie in der Kooperationsvereinbarung festgelegt, wird die Kooperation
von aej und ESG nach vier Jahren von einem externen Team evaluiert.
Kriterien für die Befragung sind in erster Linie:
➜ Erhalt der Eigenständigkeit der jeweiligen Verbände nach innen und
die Erkennbarkeit nach außen
➜ Quantität und Qualität der geförderten Maßnahmen
➜ Qualität der Zusammenarbeit innerhalb der aej-ESG-Geschäftsstelle
und der Verbände
Das Evaluationsteam kommt zu einem sehr guten Ergebnis, das der
ESG-Bundesversammlung 2012 vorgelegt wird:
„Die Beantwortung der drei Kriterien zur Beurteilung der Kooperation
von ESG und aej hat gezeigt, dass die Kooperation, entgegen vieler früherer Befürchtungen, erfolgreich ist. Sie hat weder die Eigenständigkeit der
ESG in ihren Gremien und in ihrer Erkennbarkeit noch die Möglichkeit,
geförderte Maßnahmen durchzuführen, beeinträchtigt. Ja im Gegenteil,
sie hat sich sogar als Segen erwiesen. Die Zusammenarbeit innerhalb
der Geschäftsstelle ist gut, was nicht zuletzt den Mitarbeitenden beider
Verbände zu danken ist, die die schwierige Phase des Aufbaus einer gemeinsamen Geschäftsstelle sehr gut gemeistert haben.“
In Reaktion darauf nimmt die ESG-Bundesversammlung (19. bis 23.
September in Trier) eine grundlegende Überarbeitung der ESG-Grundord­
nung vor, die nun einen „Lenkungsrat“ enthält, der die inhaltliche Ausrich­
tung der ESG im Bundeskontext abstimmt. Durch die Zusammensetzung
aus dem ESG-Bundesrat, dem Präsidium der Bundesstudierenden­pfarr­
konferenz, einem Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
156
und dem aej-Generalsekretär ist hier die Schnittstelle für die Kooperation
fest installiert.
Stärker noch als im Vorjahr zeigt sich, dass die Studienreform zu Bache­lor und Master eine große Herausforderung für alle Studierendengemein­
den darstellt, da viele Formate für Bildungsveranstaltungen nicht mehr
gut angenommen werden. Hier ist weitere Beobachtung, Reflexion und die
Entwicklung innovativer Veranstaltungsformen dringend erforderlich.
Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit (aes)
Immer mehr Menschen nutzten die Kommu­
nikationsnetzwerke im Internet. Genannt
werden sie „social communities“, genutzt
werden sie vorwiegend von jungen Menschen und das in großem Maß.
Welche Möglichkeiten hat eine Jugendverbandsarbeit, wie zum Beispiel
die Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schüler(innen)arbeit (aes), diese
Netzwerke zu nutzen und was können die Mitarbeitenden den jungen
Menschen im Umgang mit dieser „öffentlichen“ Kommunikation mit auf
den Weg geben?
Im Rahmen des Fachforums der aes in Zusammenarbeit mit der aej
bringt Moritz Becker von smiley e. V. den Teilnehmer(inne)n die Welt und
die Funktion von „social communities“ näher. Ebenso spannend ist der
reale Besuch bei SchülerVZ, einem der Netzwerke, die sich um die Gruppe
der Schüler(innen) bemühen. Auch wenn SchülerVZ zu einer kommerziellen Verlagsgruppe gehört, so vermittelt das Gespräch den Eindruck, dass
hier die Interessen der Nutzer(innen) im Vordergrund stehen. „Social communities“ sind sicherlich nicht die einzige und alleinige Kommunikations­
form für junge Menschen, aber durchaus eine Möglichkeit, mit ihnen in
Kontakt zu kommen und zu bleiben. Wo hier die Chancen und Grenzen für
einen Jugendverband liegen, bleibt noch auszuloten.
Einige glückliche Momente gibt es auf der Ehrenamtlichenkonferenz
der aes in Berlin. Das Treffen ist mittlerweile durch einen festen Kern be-
157
stimmt, der sich über ein Wiedersehen freut. Dazu kommen auch immer
wieder neue Menschen, die diesen Kreis bereichern und sich konstruktiv
in die Gestaltung der Konferenz mit einbringen. Als Ehrenamtliche/r in der
evangelischen Schüler(innen)arbeit zu sein, ist heute nicht mehr ganz
selbstverständlich. Die unterschiedlichen Ausprägungen der evange­lischen
Schüler(innen)arbeit lassen verschiedene Formen des Engage­ments zu.
Jede/r ist zu der Konferenz willkommen und das macht eine lebendige
und interessante Arbeit möglich. In diesem Jahr steht das Thema „Glück“
im Mittelpunkt. Wie können wir glücklich sein und was ist Glück? Zwei
junge Referentinnen berichten aus der Perspektive der Psychologie und
der Theologie zu diesem Thema. In den Gesprächen zeigt sich, dass
die gemeinsamen Erlebnisse in der Jugendgruppe einen großen Teil des
Glücks­empfindens bedeuten. Aus gemeinsam geplanten und durch­
geführten Projekten werden glückliche Momente, die Kraft und Stärke
für das Leben geben. Auch dass Glück immer eine ganz persönliche
Erfahrung ist, die jede/r anders erlebt und für sich verarbeitet, wird
in den Diskussionen deutlich. Alle Anwesenden sind sich aber einig, dass
ein Teil ihres Glücks für sie im Engagement in einem Jugendverband
zu finden ist.
Mit der Frage „Wann knallt’s bei uns“ schließt sich ein weiteres Lebens­weltthema von jungen Menschen an. In einer Welt wie heute, in der nicht
mehr vieles sicher ist und jede/r für sich selber sorgen muss, bleibt die
Frage, wann junge Menschen sich über die zunehmende soziale Ungerech­
tigkeit empören. In weiten Teilen Europas gehen junge Menschen auf die
Straße und verleihen damit ihrer Unzufriedenheit gegenüber dem System
Ausdruck. Gemeinsam mit Prof. Dr. Benno Hafeneger von der Phillips
Universität Marburg macht sich die Delegiertenkonferenz der aes auf die
Suche nach Antworten. Was bewegt die jungen Europäer zu ihren Protes­
ten? Wie viel Frustration liegt vor, wenn Menschen aufstehen und für eine
bessere Zukunft streiten? Kann so was auch bei uns in Deutschland geschehen oder geht es uns noch „zu gut“? Junge Menschen zu eigenständigen Persönlichkeiten werden zu lassen und ihnen die Instrumente für die
politische Gestaltung ihres Lebens an die Hand zu geben, ist ein wichtiger
158
Auftrag von Jugendverbandsarbeit. Ob sie dann auf die Straße gehen und
demonstrieren oder ob sie auf anderen Wegen ihre Interessen einbringen,
entscheiden sie.
Studium in Israel e. V.
Seit fast sieben Jahren führt die aej die Geschäfte von „Studium in Israel e. V.“
im Auftrag seines Vorstands. Der Verein verantwortet ein Studienauf­ent­haltsprogramm an der Hebräischen Universität in Jerusalem für Theolo­gie­studierende sowie ein Fortbildungsangebot für Theolog(inn)en, das mit
einem Aufenthalt im Heiligen Land verbunden ist.
Gefördert wird das Programm durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die auch die Infrastruktur für die Studienleitung vor Ort in
Jerusalem stellt. Hauptbestandteil der Arbeit sind die Auswahl, Entsen­
dung und Begleitung von interessierten Studierenden, die ein universitäres Jahr (von September bis August des Folgejahres) ihre Studien an der
Hebräischen Universität vertiefen.
Wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Pro­
gramm sind ausreichende Sprachkenntnisse in Ivrit. Dieses unterscheidet
das Programm von anderen, die in der Regel englischsprachige
Studiengänge anbieten. Diese Voraussetzung ist gleichzeitig eine hohe
Hürde. Eine Reihe von Interessierten scheitert an den Sprachtests.
Die Teilnahme an dem Programm soll für die Interessierten nicht
an deren Finanzen scheitern. So besteht eine Hauptaufgabe darin, die
rund 7 500 Euro pro Teilnehmenden für Studiengebühren und Begleit­
programm durch Spenden, Kollekten und Zuwendungen der Kirchen einzuwerben. Selbst in den Fällen, in denen die Interessierten Stipendien
erhalten, klafft in vielen Fällen eine Finanzierungslücke. So ist bei BAföG-
159
Empfänger(inne)n der Höchstsatz für Studienaufwendungen im Ausland
mit 4 600 Euro im Jahr gedeckelt.
In ökumenischer Breite ist das Studienprogramm nicht nur für evan­
gelische Studierende aus Deutschland konzipiert, sondern auch für Stu­
dent(inn)en anderer Konfessionen und Nationalitäten geöffnet. Einerseits
bietet diese ökumenische Breite neue Lernimpulse, andererseits ist es für
die Geschäftsführung des Programms schwieriger, bei diesen Kirchen
eine Beteiligung an den Kosten einzuwerben.
Seit vielen Jahren gibt es eine starke Teilnahme von Studierenden aus
der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. Gespräche mit dem
Ökumene-Referenten der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in
Prag zeigen, dass diese Beteiligung durch eine Kooperationsvereinbarung
zwischen der tschechischen Kirche und dem Verein „Studium in Israel“
auf eine vertiefte Grundlage gestellt werden muss. Am 1. Juli 2012 wird in
Prag in einem Festakt der gemeinsame Kooperationsvertrag zwischen
den beiden Partnern feierlich unterzeichnet. Damit dokumentiert das
Programm nicht nur seine ökumenische Breite, sondern auch die schon
stattgefundene Internationalisierung.
Schwieriger als noch vor einigen Jahren erweist sich die Begleitung
der Studierenden in Fragen des BAföG. Bis 2010 war die Region Hannover
zuständig für Auslandsstudierende in Israel. Während dieser Zeit konnten gute Kontakte zu der Behörde aufgebaut werden; Problemfragen der
Studierenden – die sich ja in Israel befanden – konnten stellvertretend
für sie mit dem BAföG-Amt geklärt werden. Seit 2011 befindet sich die
Zuständigkeit beim Studentenwerk der Universität Oldenburg; an die
gute Zusammenarbeit wie in Hannover konnte leider bislang nicht angeknüpft werden.
Äußerst erfreulich bewegt sich die Zahl der Teilnehmer(innen) weiterhin auf hohem Niveau; 14 Student(inn)en wurden für den Jahrgang 2012/13
ausgewählt und reisen in diesen Tagen nach Jerusalem aus. Wie bereits
im letzten Jahr berichtet, ist dieser Erfolg mit erheblichen vorzufinanzierenden Kosten verbunden. Knapp 90 000 Euro allein an Studiengebühren
sind in diesem Sommer fällig. Die Liquidität des Vereins lässt aber diese
160
Größenordnung kaum zu. In Gesprächen mit der EKD wird deshalb die
Liquidität sichergestellt, um die Student(innen) zu einem Vorteilspreis
einschreiben zu können.
Kooperationen
Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
Die Evangelische Trägergruppe für gesellschafts­
politische Jugendbildung (ET) ist die rechtlich nicht-selbständige Organi­sa­
tionsform für die Durchführung des KJP-Programms (Kinder- und Jugendplan
des Bundes) „Politische Bildung“. Partner in dieser Kooperation sind die
Evangelischen Akademien in Deutschland (EAD) und die aej. Büro und
Personal sind bei der Geschäftsstelle der EAD angedockt, die EAD sind der
Rechtsträger. Die aej hat in der Person ihres Generalsekretärs den Vorsitz in
der Steuerungsgruppe, die die gemeinsame Arbeit von Evangelischer Jugend
und Akademien verantwortet.
In dieser Kooperation bilden die aej und die EAD jeweils eigene Zentral­
stellen; die EAD erhält zusätzlich die KJP-Mittel für das Bundestutorat. Im
Bereich der aej werden rund ein Dutzend Stellen von Jugendbildungs­refe­
rent(inn)en mit jeweils 12 000 Euro Personal- und Sachkostenzuschuss und
12 000 Euro Aktivitätenmittel gefördert. Hinzu kommt das mehrjährige Pilot­
projekt in Sachsen-Anhalt und Thüringen in Kooperation des Kinder- und
Jugendpfarramtes der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit den
Akademien in Wittenberg und Neudietendorf, über das schon in den letzten
Jahren berichtet wurde und das zum Jahresschluss 2013 endet.
Im Berichtszeitraum beginnt die dritte Phase des KJP-Evaluationspro­zes­
ses. Jetzt steht das Programm „Politische Bildung“ auf dem Prüfstand. Den
großen Akteuren in diesem Feld, wie der Arbeitskreis Katholisch-Sozialer
Bildungswerke (AKSB) oder Arbeit und Leben, stehen eine Vielzahl einzelner
Bildungseinrichtungen gegenüber, die sich im Arbeitskreis deutscher Bil­
dungsstätten (AdB) zusammengeschlossen haben. Ohne der Evaluation vorzugreifen, wird eine der Herausforderungen sein, neben den bundesweit
161
operierenden Trägergruppen mit fester Einbindung der einzelnen Einrich­tun­
gen und bundesweiter Qualitäts- und Zieldebatte den bundeszentralen
Wirkungszusammenhang für die Vielzahl der einzelnen Einrichtungen dar­
zustellen.
Aber auch innerhalb der Evangelischen Trägergruppe (ET) kommt es darauf an, die Rolle eines Bundesförderungsprogramms in der Arbeit zu verdeutlichen. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in Mitteldeutschland zeigen,
dass trägerübergreifende regionale Kooperationen ein möglicher Ansatz sein
können. Damit ist nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Evangelischer
Jugend und Evangelischen Akademien auf Bundesebene, sondern auch
dezentral zwischen den regionalen Akademien und den regionalen Struktu­
ren der Evangelischen Jugend gefragt.
Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische
Jugendsozialarbeit e. V. (BAG EJSA) ist ein
bundesweiter Fachverband, der sich auf der
gesetzlichen Grundlage für die Jugendsozialarbeit nach §13 SGB VIII im gesellschaftlichen und politischen Kontext für die spezifischen Belange von
Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf einsetzt. Die Trägerschaft der
BAG EJSA liegt bei der aej und dem Diakonischen Werk der Evangelischen
Kirche in Deutschland (DW EKD). Die aej nimmt ein Vorstandsmandat und
einen Sitz im Hauptausschuss wahr und beteiligt sich an den Fachbeiräten
Europa und Bildung sowie an Grundsatzgesprächen. Die Kooperation mit der
BAG EJSA wird stetig vertieft, um die Handlungsfelder Jugendarbeit und
Jugendsozialarbeit in der Praxis zu stärken, aufeinander zu beziehen und
neue Handlungsoptionen im Sinne der jungen Menschen aufzuzeigen. In
gemeinsamen Projekten wie z. B. „DEMO – Demokratische Jugendhilfe im
Demografischen Wandel“ (s. S. 67) werden Modell der Schnittstellen­arbeit
und Kooperation praktisch. Die Zusammenarbeit erstreckt sich weiter auf ein
Jugendhearing, in das junge Menschen – mit und ohne Förderbedarf – Ent­
scheidungsträgern der Bundesebene ihre Anliegen und Bedürfnisse im Blick
auf eine zukunftsfähige und kohärente Kinder- und Jugendpolitik vortragen
162
und in die Diskussion mit ihnen treten. Darüber hinaus entwickelt die aej
gemeinsam mit der BAG EJSA, dem DW EKD und der Evangelischen Träger­
gruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung einen Konzeptantrag für
das Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) „Kultur macht STARK – Bündnisse für Bildung.
Evangelische Freiwilligendienste gGmbH
Zusammen mit dem Diakonischen Werk der Evan­
gelischen Kirche in Deutschland (DW EKD) hat die
aej vor zehn Jahren die Evange­lischen Freiwilli­
gen­dienste gGmbH gegründet. Die Gesellschaft
organisiert die Freiwilligendienste vor allem in
Diakonie und Jugendarbeit, insbesondere die
Formate Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst (BFD)
als Inlandsprogramme sowie eine Reihe von Auslandsformaten wie den Euro­
päischen Freiwilligendienst oder das „welt­wärts-Programm“ des Bundes­
minis­teriums für wirtschaftliche Zusam­menarbeit und Entwicklung (BMZ).
Spätestens die Beteiligung am BFD mit seiner Angebotsform für Freiwillige
über 27 Jahre machen den alten Namenszusatz „für junge Menschen – FSJ
und DJiA“ obsolet. Ein in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten warnt davor,
ausschließlich den Jugendbezug im Namen zu führen, da damit möglicherweise negative Konsequenzen in den Fragen von Gemeinnützigkeit und
Steuerrecht zu erwarten wären. Mit der evangelischen Dachorganisation für
die Friedensdienste, der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
wird diese Notwendigkeit der Namensänderung diskutiert; allerdings werden
damit die Vorbehalte aus der Gründungszeit der Gesellschaft wieder akut:
AGDF und ihre Mitglieder befürchten einen Alleinvertretungsanspruch der
Gesellschaft für alle Dienstformate, insbesondere auch für die freiwilligen
Friedensdienste. In vielen Gesprächen, auch in der Konferenz evangelischer
Freiwilligendienste (KeF) und dem EKD-Beirat für Freiwilligendienste, wird
versucht, diese Befürchtungen auszuräumen und auf die Notwendigkeit der
Namensanpassung hinzuweisen. Es wird jetzt darauf ankommen, die Evan­
gelischen Freiwilligendienste auf ihre Kernkompetenz hin zu profilieren und
„Vereinnahmungsgelüste“ nicht entstehen zu lassen.
163
Die bereits an anderer Stelle berichteten Entwicklungen in den Freiwilli­
gen­formaten FSJ und BFD fordern auch die Gesellschaft verstärkt heraus: Die
Personaldecke ist zu dünn, um die vielfältigen Aufgaben, insbesondere mit
den Fragen des Bundesfreiwilligendienste zu bewältigen. Deshalb muss das
Personal aufgestockt werden, eine eigene kleine Arbeitseinheit BFD entsteht.
Die EKD unterstützt diesen Weg der Ausweitung hin auf den BFD und genehmigt den Personalzuwachs.
Neu justiert werden muss das Zusammenspiel zwischen dem Zuwen­dungs­empfänger/Vertragspartner gegenüber dem Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der aej und der Gesellschaft, die die
Evangelische Trägergruppe repräsentiert. Empfänger der staatlichen Mittel
des BMFSFJ ist die aej, die dafür auch die Verantwortung trägt. In den zahl­
reichen Gesprächen mit den Trägern des Programms wird deutlich, dass insbesondere aus dem diakonischen Bereich die Vorstellung bestand (und wohl
auch noch besteht), die Gesellschaft habe die Zentralstellenfunktion für die
Mittelweitergabe im FSJ und BFD.
Bei dieser Justierung wird es darauf ankommen, dass die Zentralstelle
aej administrative Kommunikationsstrukturen entwickelt, ohne dabei die
164
bewährten Strukturen der Evangelischen Trägergruppe zu doppeln oder
infrage zu stellen. So ist geplant, jährlich mindestens einmal eine Träger­
konferenz zu administrativen Fragen einzuberufen, um Verwaltungsabläufe
und Richt­linien- bzw. Umsetzungsfragen gemeinsam zu diskutieren.
Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
In besonderer Weise kooperiert die aej mit den
christ­lichen Geschwistern des BDKJ. In der öffent­
lichen Be­trachtung wird häufig von den konfessionellen Jugend­verbänden als „Bank“ der Jugend­
verbandsarbeit gesprochen. Beide Jugend­verbände verbindet die Orientie­
rung am Evangelium und ihre kirchliche Ein­bindung. Ebenfalls sehr nahe sind
sich die Konzepte der praktischen Kinder- und Jugendarbeit. Diese große
gemeinsame Basis ist grundlegend für partnerschaftliche Zusammenarbeit
in fachlichen Fragen wie auch im Auftreten in Politik und Gesellschaft. In den
letzten 60 Jahren hat diese besondere Kooperation unterschiedliche Formen
erlebt und viele Themen umfasst. Sie wird auch durch eine gegenseitige
Einladung zur Mitarbeit in den Haupt- bzw. Mitgliederversammlungen der
beiden Bundesverbände gefestigt. Anderer­seits besteht in jugend- und förderpolitischen Fragen auch eine Konkurrenz und Differenz – dies kann auch
kirchenpolitische Themen betreffen. Dennoch ist die Zusammenarbeit ins­
gesamt konstruktiv.
Jährlich treffen sich Spitzenvertreter(innen) der aej und des BDKJ zu einem
Verbandsgespräch, um über aktuelle innerverbandliche Entwicklungen zu
informieren jenseits der laufenden Kooperation in einzelnen Handlungsfel­
dern und um kirchenpolitische Fragestellungen zu erörtern.
Ein besonderes Feld der Zusammenarbeit pflegen aej und BDKJ in der Ent­
wicklungspolitik. Nach den Veränderungen in Konzept und Arbeitsstruktur
setzen aej und BDKJ die Kooperation in der Ökumenischen Vernetzungsrunde
Entwicklungspolitik (ÖVRE) fort. Konstruktiv und an den jeweiligen Schwer­
punktsetzungen orientiert beraten die Vertreter(innen) beider Seiten in zwei
turnusmäßig stattfindenden Sitzungen aktuelle Fragestellungen im Hand­
lungsfeld nachhaltige Entwicklung und bestimmen die Herausforderungen
für die Kinder- und Jugendarbeit. Konkret wird die Zusammenarbeit in diesem
165
Jahr in den Ökumenischen Riotagungen 1 und 2, mit denen die beiden Ver­
bände die UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung Rio+20 kritisch in den
Blick nehmen (s. S. 37).
Evangelisches Infoportal | Kindheit • Jugend • Bildung
Das Online-Angebot der aej wächst und gewinnt an Bedeutung: Die
Anforderungen an eine verbandliche Öffentlichkeitsarbeit haben sich in den
letzten Jahren durch technische Entwicklungen und die damit einhergehenden Änderungen im Informations- und Kommunikationsverhalten in besonderer Weise verändert und befinden sich in stetigem Wandel. Das Internet und
damit die Möglichkeiten jederzeit und fast an jedem Ort Informationen abrufen und kommunizieren zu können, haben zu einer enormen Beschleunigung
und zur Vervielfachung von Information und Kommunikation geführt.
Dieser Entwicklung trägt die aej unter anderem mit dem „Evangelischen
Infoportal | Kindheit • Jugend • Bildung“ Rechnung. Als Hauptvertriebskanal
für Nachrichten, Themen und Inhalte kommt dem Infoportal eine stetig wachsende Bedeutung zu. Das spiegelt sich nicht nur in einem wachsenden
Inhalts- und Funktionsumfang wider, sondern lässt sich auch an den aktuellen statistischen Zahlen ablesen. Mehr als 15.000 Besuche und konstant über
200 000 Seitenaufrufe pro Monat sind zu verzeichnen.
Kleine Infoportal-Statistik:
Monat
Besuche
Seitenaufrufe (PI)
Mai 2011
4 770
70 264
Mai 2012
15 883
233 104
Juli 2012
20 656
201 731
Damit sich die Nutzer(innen) im wachsenden Angebot besser orientieren
und schneller die gesuchten Informationen und Dokumente finden können,
wird kontinuierlich an der Struktur und der Technik des Infoportals gearbeitet. Am deutlichsten ist das an der neuen Startseite zu sehen, die nach dem
Sommer einen besseren Einstieg in die Inhalte und Themenbereiche des
Infoportals bietet. Mehr Inhalte auf der Startseite und eine verbesserte und
166
schnellere Suche kommen hier den steigenden Anforderungen der Nut­
zer(innen) entgegen. Neue Themen und die Neuordnung einzelner Themen­
bereiche bündeln Inhalte und Dokumente noch praxisgerechter. Die Themen
„Inklusion“, „Evangelische Landjugend“ sowie „Kulturarbeit“ erweitern die
Angebotspalette. Der Themenbereich „Kinder- und Jugendarbeit“ entsteht
als Querschnittsbereich aus schon vorhandenen Themengebieten.
Erstmals wird die Anmeldung zur aej-MV 2011 ausschließlich über ein
Onlineverfahren im Infoportal abgewickelt. Die anschließende Auswertung
der Anmeldungen erfolgt ebenfalls online und erleichtert der Verwaltung
damit die Arbeit, denn viele Listen und Arbeitsunterlagen können nun per
Knopfdruck erstellt werden. Das Verfahren wird jetzt auf weitere Einsatz­mög­
lichkeiten ausgebaut.
In Kooperation mit der EKD sind zwei Projekte in Arbeit. Zum einen wird
das Infoportal der aej durch eine neue Stellenbörse der EKD erweitert, die im
Herbst 2012 fertiggestellt sein soll. Im Infoportal werden dabei nur die Stellen
abgebildet, die dem Bereich Kinder- und Jugendarbeit zuzuordnen sind. Neue
167
Stellen aus dem Netzwerk der aej können über das Infoportal dort einge­
tragen werden und erscheinen dann im Infoportal und auf Websites der EKD.
Als zweites Projekt ist eine Verknüpfung der Website des Evangelischen
JUgend­ProjektPreises JUPP! mit der EKD-Projekt-Plattform „geistreich“
geplant. Auch hier sollen Projekte der beiden Plattformen aus der Kinderund Jugendarbeit immer wechselseitig auf der jeweils anderen abgebildet
werden, um so eine größere Reichweite der Good-Practice-Beispiele zu er­
reichen.
Die aej unterstützt die „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“ und darf
seit Januar 2012 das Logo der Initiative auf der Website tragen. Alle relevanten Informationen zum Verband und seiner Organisation sind mit einem Klick
auf dieses Logo schnell und übersichtlich auf einer Seite erhältlich.
Zusätzlich ergänzen seit 2012 drei neue Microsites zu aej-Projekten und
-Arbeitsbereichen das Online-Angebot der aej:
➜ www.evangelische-jugendfreizeiten.de: Hier dreht sich alles um Freizei­
ten und ums Reisen: Von der nachhaltigen Freizeitküche über richtiges
Krisenmanagement bis hin zu wichtigen rechtlichen Regelungen finden
Sie hier Materialien und Tipps.
➜ www.marmelade-fuer-alle.de: Das Projekt der Evangelischen Jugend in
ländlichen Räumen lädt mit einer Projektdatenbank zum Mitmachen ein
und regt zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln an (s. S. 86).
➜ www.tandem-vielfalt-gestalten.de: Das Projekt „TANDEM – Vielfalt gestalten“ bietet hier in Nachfolge von „TANDEM integriert“ aktuelle Infor­
mationen zum Projekt, den Projekt-Standorten, Hintergründe und Mate­
rialien (s. S. 54).
➜ www.green-hand-day.de: Die Aktion der Evangelischen Jugend zur
UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung Rio+20 wird über diese Seite
kommuniziert, lebt von der Kommunikation auf dieser Seite (s. S. 37).
Hier stehen aktuelle Informationen und Materialien zur Verfügung. Nach
dem Ende der Aktion im Juni wird die Seite für die Weiterverwendung im
Bereich entwicklungspolitischer Bildung konzeptionell überarbeitet.
168
Das aej-Intranet: Das aej-Intranet befindet sich zurzeit in der ersten Be­
triebsphase. Neben seiner Hauptfunktion als tägliches Werkzeug für die
Arbeit in der aej-ESG-Geschäftsstelle dient das Intranet auch als Instrument
für die Öffentlichkeitsarbeit. Schnittstellen zum Infoportal gewährleisten
neue Möglichkeiten, Inhalte und Wissen schnell zu veröffentlichen. In der internen Kommunikation soll das Intranet in Zukunft allgemeine Informationen
zu Arbeitsabläufen und Geschäftsprozessen bereitstellen, Nachrichten verteilen und Support- und Diskussionsforen anbieten.
Dieses neue Werkzeug erfordert in vielen Bereichen der aej-ESG-Geschäftsstelle neue Arbeitsabläufe. Dazu werden die Mitarbeiter(innen) der aejESG-Geschäftsstelle auch in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit
geschult, qualifiziert und unterstützt.
Die aej bei Facebook: Seit Anfang 2012 ist die aej mit einem eigenen Profil
und verschiedenen Fan-Seiten bei Facebook aktiv. Eine der Seiten verbreitet
die Nachrichten und Inhalte aus dem Infoportal, und die Fan-Seite des Pro­
jekts „Marmelade für Alle“ berichtet über aktuelle Aktionen und dient zum
Austausch über das Projekt, ebenso die Aktion Green Hand Day. Die JUPP!Seite stellt aktuelle Projekte vor und wird hauptsächlich zu den Preis-Aus­
schreibungen und für die Online-Abstimmung genutzt. Ein Social-Media-Kon­
zept und ein Redaktionsplan sind noch in in der Entwicklung, damit dieses
Medium in Zukunft adäquat genutzt werden kann. Parallel zu den Aktivi­täten
in Facebook entwickelt die aej-ESG-Geschäftsstelle Richtlinien für ihre Mit­
arbeiterinnen und Mitarbeiter zum Umgang mit Social-Media-Angeboten.
Politische Netzwerke
Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche – besonders im Sinne
einer eigenständigen Jugendpolitik (s. S. 119) – ist auf breite und belastbare
Netz­werke mit anderen Jugendverbänden, der Kirche und konfessionellen
Part­nern, staatlichen Institutionen, der Politik und anderen gesellschaft­
lichen Partnern angewiesen. Als einer der größten Jugendverbände Deutsch­
lands übernimmt die aej auch 2012 Verantwortung im Deutschen Bundes­
jugend­ring (DBJR). Sie unterstützt die inhaltliche Arbeit des DBJR, kooperiert
169
in jugendpolitischen Fragen, übernimmt Außenvertretungen und sorgt für
eine starke und solidarische Stimme der Jugendverbände in Deutschland.
Auch in der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) und dem
Bundesjugendkuratorium (BJK) ist die aej durch ihren Generalsekretär in den
Leitungsgremien vertreten. Darüber hinaus arbeitet sie mit Partnern aus
Kirche und Diakonie in jugendpolitischen Fragen zusammen und pflegt regelmäßige Kontakte zu Parlamentarier(inne)n aller Parteien.
Der DBJR ist 2012 durch mehrere Vakanzen im Vorstand in der schwierigen
Situation, die steigenden Anforderungen mit einer eigentlich zu dünnen
Personaldecke abdecken zu müssen. Zwei der Positionen als stellvertretende
Vorsitzende sind unbesetzt, auch weil der jugendpolitische Referent der aej
im Herbst 2011 seine Stelle wechselt und somit aus dem Vorstand ausscheidet. Sein Nachfolger kandidiert für den Vorstand auf der Vollversammlung
im Herbst 2012.
Inhaltlich setzt sich der DBJR vor allem mit der Eigenständigen Jugendpolit­ik (EiJP) auseinander. Aber auch Dauerbrenner wie die politische Lobby­
arbeit zur Erhöhung des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP), die kommende U-18 Wahl, Initiativen gegen Rechtsextremismus (s. S. 64) und die
Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG, s. S. 95) beschäf­
tigen den DBJR, werden von der aej aktiv mitbearbeitet und bilden wichtige
Knotenpunkte für das (jugend)politische Netzwerk der aej.
Natürlich pflegt die aej auch direkt Kontakt zu politischen Entscheidungs­
trägern. In vielen thematischen Einzelgesprächen macht die aej Lobbyarbeit
für die Interessen von Kindern und Jugendlichen und der Jugendverbands­
arbeit. Es zeigt sich, dass kontinuierlicher Austausch mit Bundestags­abge­
ordneten und Ministerien auch außerhalb der klassischen jugendpolitischen
Strukturen nützlich und wichtig ist. Themen mit jugendpolitischer Relevanz
werden weiterhin von anderen Ressorts ohne den Versuch der Koordinierung mit Jugendpolitiker(inne)n bearbeitet. Das oft fehlende Verständnis von
den Existenzbedingungen der Jugendverbandsarbeit erschwert die Lobby,
macht sie aber auch umso wichtiger. Auch deshalb lädt die aej zu ihrem
„Parlamen­tarischen Abendessen“ mit Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion
sowie Mit­gliedern des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
und Parlamentarier(inne)n aus den Ausschüssen für Haushalt, Wirtschaft,
170
Arbeit und Soziales, Tourismus, Bildung und Medien ein. In informellerem
Rahmen als bei „klassischen“ parlamentarischen Abenden bietet die aej
hier die Mög­lichkeit zum vertrauensvollen und intensiven Austausch mit
Abgeord­neten.
Auch mit ihren Partnern in Kirche und Diakonie arbeitet die aej eng in
jugendpolitischen Fragen zusammen. Ob in der Begleitung eines Bundes­tags­antrages zu Kinder- und Jugendreisen oder bei der Umsetzung des BKiSchG
– das Büro des Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) in Berlin ist ein verlässlicher Partner. Mit dem Diakoni­
schen Werk der EKD (DW EKD) kooperiert die aej bei der Erstellung eines gemeinsamen Antrages evangelischer Träger für die „Bündnisse für Bildung“
(s. S. 101).
Ein jugendpolitischer Höhepunkt des Jahres für die aej ist das zweite
„Jugendpolitische Hearing“. In Zusammenarbeit mit dem Bevollmächtigten
des Rates der EKD, dem DW EKD, der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (ET) sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft
Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) entwickelt die aej dieses auf
Beteiligung Jugendlicher fokussierte Format weiter. Unter der Überschrift
„Dialog zwischen jungen Menschen und Politik“ wird auch hier die „Eigen­
ständige Jugendpolitik“ (s. S. 119) zum Querschnittsthema. Die Veranstal-­
tung soll jungen Menschen die Möglichkeit eröffnen, in einen direkten und
intensiven Austausch mit politischen Akteuren zu treten. Gleichzeitig soll sie
aber auch politischen Akteuren die Vielfalt Evangelischer Jugend und die
Lebenswirklichkeiten, in denen sich ihr politisches Handeln auswirkt, aufzeigen. Eigenständige Jugendpolitik bleibt so nicht ein Modewort einer Spezial­
debatte sondern wird als praktische Notwendigkeit anschaulich. In fünf
Arbeitsgruppen beraten die Jugendlichen mit jeweils einem/r Abgeordneten
zu Themen wie „Vernetzte Zukunft – digitale Demokratie, Social Communities
und Datenschutz“ oder „In Zukunft alle immer unterwegs? Mobilität, Migra­
tion und Teilhabe“. Am Abend diskutieren die Workshop-Teilnehmer(innen)
ihre Vorstellungen, Wünsche und Forderungen in einem Plenum nach der
Fish­bowl-Methode mit den eingeladenen Generalsekretär(inn)en der im Bun­
destag vertretenen Parteien.
171
Ökumenische Vernetzung in Europa
Ein Jahr nach der arbeitsintensiven Vollversammlung des Ökumenischen
Jugendrates in Europa (EYCE) in Höchst im Odenwald zeigen sich die Erträge
des großen Engagements seiner Mitglieder in den Zeiten der Krise. Insbe­son­
dere die Komplettierung des europäischen Vorstandes mit neuen Mitgliedern
aus Italien, Tschechien, Finnland und Polen kann als äußeres Zeichen der
Stabilisierung des in Unabhängigkeit und Organisationsbreite einzigartigen
Netzwerks gelten. Unter dem Vorsitz Catharina Covolos aus der aej zeigt sich,
zu welchen Leistungen ein rein ehrenamtlich zusammengesetztes kollektives
Leitungsgremium über alle nationalen, sprachlichen und konfessionellen
Grenzen hinweg in der Lage ist. Entsprechend der im Spitzengespräch mit
dem Vorstand der aej im Vorjahr getroffenen Vereinbarungen intensiviert und
verbreitert die aej-ESG-Geschäftsstelle ihre Zusammenarbeit mit dem EYCE.
Davon profitiert beispielsweise das Engagement der aej auf dem Handlungs­
feld Globales Lernen mit abgestimmten Aktivitäten zum Umweltgipfel Rio+20
im Rahmen der dreijährigen EYCE-Kampagne für Ökologische Gerechtigkeit.
Diese Kampagne bietet gleichfalls einen Anknüpfungspunkt zu den Prioritä­
ten des Auslandsbischofs der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für
die kommende Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in
Busan 2013, der von der EKD erfreut aufgenommen wird. Gemeinsam mit
dem Evangelischen Entwicklungsdienst und der EKD steigen aej und EYCE in
die Vorbereitung der Interreligiösen Jugendkonferenz 2015 anlässlich des
G20-Gipfels in Deutschland ein. Junge Menschen verschiedener religiöser
Zugehörigkeit aus allen Kontinenten treffen sich im Vorfeld des Deutschen
Evangelischen Kirchentags in Stuttgart und bilden damit ein Pendant zum
Welttreffen der Religionsführer, das inzwischen eine regelmäßige Begleitver­
anstaltung zu den G8- bzw. G20-Treffen darstellt.
Auf der Ebene der Europäischen Union (EU) zeigt sich in der Einladung an
die Generalsekretärin des EYCE zum Treffen der europäischen Religionsfüh­
rer(innen) mit den Präsidenten der Europäischen Kommission, des Euro­päi­
schen Rates und des Europäischen Parlamentes die gestiegene Akzeptanz
des Ökumenischen Jugendrates in Europa als Lobbyorganisation auf dem
Feld der europäischen Jugendpolitik. Der Erfolg auf dem europäischen Par­-
172
kett steht allerdings nach wie vor im starken Kontrast zur prekären Finanzie­rung des EYCE durch seine Mitglieder und die hinter ihnen stehenden Kirchen.
Eine zur politischen Wertschätzung der ökumenischen Fachorganisa­tio­
nen gegenläufige sehr bedauerliche Tendenz ist in der geplanten Abschaf­
fung der Mitgliedschaft der assoziierten Organisationen durch die angestrebte Reform der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zu erkennen. Während
die politischen Ansprechpartner in den europäischen Institutionen die Be­
gleitung durch die Kommissionen der KEK und der in ihnen tätigen Fach­orga­
nisationen in Brüssel und Straßburg inzwischen sehr schätzen, wollen einige
an der Finanzierung der KEK maßgeblich beteiligte Kirchen deren Netzwerk
auf den engeren Kreis derjenigen Mitglieder beschränken, die selbst Kirchen
sind. Gleichzeitig sollen die Zahl der Delegiertenplätze drastisch gekürzt werden und weit weniger Kirchen als bisher in den Leitungsgremien vertreten
sein. In der Praxis droht diese die Entstehungsgeschichte der Ökumenischen
Bewegung gering achtende Reform auf eine wenig innovative Vernetzung von
Kirchenleitungen und vor allem Kirchenverwaltungen hinauszulaufen.
Gemeinsam mit anderen christlichen Jugend- und Studierenden­bewegun­
gen, die als assoziierte Mitgliedsorganisationen ebenfalls von dem geplanten Ausschluss betroffen sind, organisieren der EYCE und die Europaregion
des Christlichen Weltstudierendenbunds (WSCF-ER) eine Konsultation, um
ein abgestimmtes Vorgehen gegen diese Entwicklung zu erreichen und mögliche Alternativen zur Kooperation mit den Kirchenstrukturen zu sondieren.
Finanzielle Einbrüche sind von einem Ausschluss aus der KEK nicht zu befürchten, da in einer weltweit einzigartigen Umkehrung der Verantwortlich­
keiten auch bisher schon die Jugendorganisationen finanzielle Beiträge an
die KEK leisten statt umgekehrt von dieser Mittel für die Nachwuchsarbeit zu
erhalten.
Ein kleiner Lichtblick ergibt sich in finanzieller, aber auch in kirchenpoli­
tischer Hinsicht aus den im Frühjahr begonnenen Kooperationsgesprächen
mit dem Gustav-Adolf-Werk (GAW). Das GAW, dessen Präsident bereits aus
seiner Amtszeit als Generalsekretär der Leuenberger Kirchengemeinschaft
der Vernetzung der Evangelischen Jugend in Europa sehr gewogen ist, befasst sich im Juni mit dem Anliegen der Reisekostenförderung für die Teil­
nahme junger Menschen aus mittel- und osteuropäischen Partnerkirchen an
173
Ver­anstaltungen des EYCE. Erfreulicherweise resultiert daraus eine finan­
zielle Zuwendung für Einzelfälle, die den klassischen Ansatz des GAW der
Unterstützung von Aufbauprojekten der Diasporagemeinden um die immaterielle Dimension erweitert. Die neu geknüpften Kontakte zwischen GAW,
EYCE und aej werden ebenfalls genutzt, um sich über die oft unübersichtliche
Lage der zwischenkirchlichen Arbeit in Osteuropa auszutauschen und auf
dem Laufenden zu halten.
174
Anschriften
Mitglieder und außerordentliche Mitglieder der aej
Jugendverbände und Jugendwerke
Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES)
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-140
Telefax: 0511 1215-240
E-Mail: aes@aej-online.de
Internet:www.aes-bund.de
Christliche Pfadfinderschaft
Deutschlands e. V. (CPD)
Bundesgeschäftsstelle
c/o Ulrich Rentschler
In der Burg 33, 61169 Friedberg
Telefon: 06031 6709277
E-Mail: aej@c-p-d.info
Internet:www.c-p-d.info
CVJM-Gesamtverband
in Deutschland e. V.
Im Druseltal 8, 34131 Kassel
Telefon: 0561 3087-0
Telefax: 0561 3087-270
E-Mail: info@cvjm.de
Internet:www.cvjm.de
MBK - Evangelisches Jugend- und
Missionswerk e. V.
Billinghauser Straße 3-9,
32791 Lage-Hörste
Telefon: 05232 99808-0
Telefax: 05232 99808-27
E-Mail: info@mbk-web.de
Internet:www.mbk-web.de
netzwerk-m e. V.
Im Druseltal 125, 34131 Kassel
Telefon: 0561 93875-0
Telefax: 0561 93875-20
E-Mail: info@netzwerk-m.de
Internet:www.netzwerk-m.de
Verband Christlicher Pfadfinderinnen
und Pfadfinder (VCP) - Bundeszentrale Wichernweg 3, 34121 Kassel
Telefon: 0561 78437-0
Telefax: 0561 78437-40
E-Mail: info@vcp.de
Internet:www.vcp.de
Freikirchliche Jugendwerke
Deutscher Jugendverband
„Entschieden für Christus“ (EC) e. V.
Leuschnerstraße 74, 34134 Kassel
Telefon: 0561 4095-0
Telefax: 0561 4095-112
E-Mail: geschaeftsfuehrung
@ec-jugend.de
Internet:www.ec-jugend.de
Bund Freier evangelischer Gemeinden
in Deutschland KdöR
- Jugendgeschäftsstelle Goltenkamp 4, 58452 Witten
Telefon: 02302 937-12
Telefax: 02302 937-99
E-Mail: jugend@bund.feg.de
Internet:www.feg.de
Johanniter Jugend in der
Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Lützowstraße 94, 10785 Berlin
Telefon: 030 26997-0
Telefax: 030 26997-169
E-Mail: info@johanniter-jugend.de
Internet:www.johanniter-jugend.de
Gemeindejugendwerk des Bundes
Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
in Deutschland KdöR (GJW)
Julius-Köbner-Straße 4, 14641 Wustermark
Telefon: 033234 741-18
Telefax: 033234 741-21
E-Mail: gjw@baptisten.org
Internet:www.gjw.de
175
Jugendarbeit der Evangelischen
Brüder-Unität
Zittauer Straße 20, 02747 Herrnhut
Telefon: 035873 487-0
Telefax: 035873 487-99
E-Mail: info@ebu.de
Internet:www.ebu.de
Jugendwerk der Selbständigen
Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK)
- Hauptjugendpfarramt Bergstraße 17, 34576 Homberg/Efze
Telefon: 05681 1479
Telefax: 05681 60506
E-Mail: jugendwerk@selk.de
Internet:www.selk-jugend.de
Kinder- und Jugendwerk der
Evangelisch-methodistischen
Kirche (EmK)
Giebelstraße 16, 70499 Stuttgart
Telefon: 0711 860068-0
Telefax: 0711 860068-8
E-Mail: williwill@emk-jugend.de
Internet:www.emk-jugend.de
Evangelische Jugend in den
Landeskirchen
Evangelische Jugend in der
Evangelischen Landeskirche Anhalts
Kinder- und Jugendpfarramt der
Evangelischen Landeskirche Anhalts
Friedrichstraße 22-24,
06844 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340 2526-0
Telefax: 0340 2526-119
E-Mail: martinbahlmann@evlkanh.de
Internet:www.evangelische-jugend
anhalts.de
176
Evangelische Jugend in der
Evangelischen Landeskirche in Baden
Evangelisches Kinder- und Jugendwerk
Baden
Blumenstraße 1-7, 76133 Karlsruhe
Telefon: 0721 9175-458
Telefax: 0721 9175-479
E-Mail: zentrale.ekjb@ekiba.de
Internet:www.ejuba.de
Evangelische Jugend in Bayern
Amt für Jugendarbeit der EvangelischLutherischen Kirche in Bayern
Hummelsteiner Weg 100,
90459 Nürnberg
Telefon: 0911 4304-0
Telefax: 0911 4304-201
E-Mail: afj@ejb.de
Internet:www.ejb.de
Evangelische Jugend in der
Evangelisch-reformierten Kirche
Landesjugendpfarramt
Saarstraße 6, 26789 Leer
Telefon: 0491 9198-0
Telefax: 0491 9198-840
E-Mail: jugend@reformiert.de
Internet:www.jugendarbeit.de
Evangelische Jugend BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz
Amt für kirchliche Dienste in der EKBO
Fachgebiet Jugendarbeit und Arbeit
mit Kindern
Goethestraße 26-30, 10625 Berlin
Telefon: 030 3191-4
Telefax: 030 3191-100
E-Mail: amt@ejbo.de
Internet:www.ejbo.de
Evangelische Jugend in der
Evangelisch-lutherischen Landeskirche
in Braunschweig
Arbeitsbereich Kinder- und Jugendarbeit
der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche in Braunschweig
Dietrich-Bonhoeffer-Straße 1,
38300 Wolfenbüttel
Telefon: 05331 802-565
Telefax: 05331 802-715
E-Mail: ajab@lk-bs.de
Internet:www.ajab.de
Evangelische Jugend Bremen
Landesjugendpfarramt der Bremischen
Evangelischen Kirche
Hollerallee 75, 28209 Bremen
Telefon: 0421 34615-50
Telefax: 0421 34615-52
E-Mail: jugendpfarramt.forum
@kirche-bremen.de
Internet:www.ejhb.de
Evangelische Jugend in der
Evangelisch-lutherischen Landeskirche
Hannovers
Landesjugendpfarramt - Fachbereich 4
im Haus kirchlicher Dienste
Archivstraße 3, 30169 Hannover
Telefon: 0511 1241-428
Telefax: 0511 1241-978
E-Mail: landesjugendpfarramt
@kirchliche-dienste.de
Internet:www.ejh.de
Zentrum Bildung der Evangelischen
Kirche in Hessen und Nassau
Fachbereich Kinder- und Jugendarbeit
Erbacher Straße 17, 64287 Darmstadt
Telefon: 06151 6690-110
Telefax: 06151 6690-115
E-Mail: ev-kinderundjugendarbeit.zb
@ekhn-net.de
Internet:www.ev-jugendarbeit-ekhn.de
Jugendkammer in der Evangelischen
Kirche von Kurhessen-Waldeck
Landeskirchenamt Referat Kinder- und
Jugendarbeit
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel
Telefon: 0561 9378-341
Telefax: 0561 9378-409
E-Mail: jugend.lka@ekkw.de
Internet:www.ekkw.de/service/
kinder_jugend/
Jugendkammer der Lippischen Landes­
kirche - Referat Jugend-, Frauen- und
Bildungs­arbeit der Lippischen Landes­
kirche
Leopoldstraße 27, 32756 Detmold
Telefon: 05231 976-742
Telefax: 05231 976-8221
E-Mail: jfb@lippische-landeskirche.de
Internet:www.lippische-landeskirche.de
Bund Evangelischer Jugend in Mittel­
deutschland - bejm - Geschäftsstelle
Drei-Gleichen-Straße 35 a,
99192 Neudietendorf
Telefon: 036202 7713-522
Telefax: 036202 7713-509
E-Mail: post@bejm-online.de
Internet:www.bejm-online.de
Kinder- und Jugendpfarramt
der Evangelischen Kirche
in Mitteldeutschland
Am Dom 2, 39104 Magdeburg
Telefon: 0391 5346-450
Telefax: 0391 5346-459
E-Mail: kijupf@ekmd.de
Internet:www.evangelischejugend.de
Evangelische Jugend in der EvangelischLutherischen Kirche in Oldenburg Landesjugendpfarramt der EvangelischLutherischen Kirche in Oldenburg
Haareneschstraße 58, 26121 Oldenburg
Telefon: 0441 7701-406
Telefax: 0441 7701-499
E-Mail: landesjugendpfarramt
@ejomail.de
Internet:www.ejo.de
177
Evangelische Jugend der Pfalz
Landesjugendpfarramt der
Evangelischen Kirche der Pfalz
Unionstraße 1, 67657 Kaiserslautern
Telefon: 0631 3642-000
Telefax: 0631 3642-099
E-Mail: info@evangelische-jugend
pfalz.de
Internet:www.evangelische-jugend
pfalz.de
Evangelische Jugend im Rheinland
Amt für Jugendarbeit der Evangelischen
Kirche im Rheinland
Graf-Recke-Straße 209,
40237 Düsseldorf
Telefon: 0211 3610-296
Telefax: 0211 3610-280
E-Mail: info@afj-ekir.de
Internet:www.jugend.ekir.de
Evangelische Jugend in der EvangelischLutherischen Landeskirche Sachsens Landesjugendpfarramt der EvangelischLutherischen Landeskirche Sachsens
Caspar-David-Friedrich-Straße 5,
01219 Dresden
Telefon: 0351 4692-410
Telefax: 0351 4692-430
E-Mail: annett.lindner@evlks.de
Internet:www.evjusa.de
Evangelische Jugend Schaumburg-Lippe
- Landesjugendpfarramt der
Evangelisch-Lutherischen Landeskirche
Schaumburg-Lippe
Kirchweg 4 a, 31700 Heuerßen
Telefon: 05725 913-553
Telefax: 05725 913-558
E-Mail: info@laju-sl.de
Internet:www.laju-sl.de
Evangelische Jugend von Westfalen
Amt für Jugendarbeit der Evangelischen
Kirche von Westfalen
Iserlohner Straße 25, 58239 Schwerte
Telefon: 02304 755-180
Telefax: 02304 755-248
E-Mail: waltraud.lipps@afj-ekvw.de
Internet:www.aej-haus-villigst.de
178
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen
Jugend in Württemberg
Landesjugendpfarramt der Evange­
lischen Landeskirche in Württemberg
Gerokstraße 19, 70184 Stuttgart
Telefon: 0711 2149-614
Telefax: 0711 2149-9614
E-Mail: landesjugendpfarramt
@elk-wue.de
Internet:www.lajupf.de
Evangelische Jugend in der EvangelischLutherischen Kirche in Norddeutschland
Landesjugendpfarramt der EvangelischLutherischen Kirche in Norddeutschland
Koppelsberg 5, 24306 Plön
Telefon: 04522 507-120
Telefax: 04522 507-100
E-Mail: mteichmann@koppelsberg.de
Internet: www.koppelsberg.de
Außerordentliche Mitglieder
Bundesarbeitsgemeinschaft
Evangelischer Stadtjugendarbeit e. V.
c/o Evangelisches Stadtjugendpfarramt
Gießen - Herrn Martin Schindel
Südanlage 13, 35390 Gießen
Telefon: 0641 5591303
E-Mail: ev.stadtjugendpfarramt.
giessen@ekhn-net.de
Bundesverband Kulturarbeit in der
evangelischen Jugend e. V. (bka)
Georgenkirchstraße 70, 10249 Berlin
Telefon: 030 243441851
Telefax: 030 243441850
E-Mail: info@bka-online.org
Internet:www.bka-online.org
CVJM-Kolleg
Fachschule für Theologie und
Sozialpädagogik
Hugo-Preuß-Straße 40, 34131 Kassel
Telefon: 0561 3087-500
Telefax: 0561 3087-501
E-Mail: info@cvjm-kolleg.de
Internet:www.cvjm-kolleg.de
Evangelische Arbeitsgemeinschaft
für Klubarbeit e. V. (AG KLUB)
Dorfstraße 52, 19243 Dodow
Telefon: 038852 51918
E-Mail: agklub@offene-jugendarbeit.de
Internet:www.ag-klub.de
Evangelische Landjugendakademie
Altenkirchen
Dieperzbergweg 13-17,
57610 Altenkirchen/Westerwald
Telefon: 02681 9516-0
Telefax: 02681 70206
E-Mail: info@lja.de
Internet:www.lja.de
ICJA Freiwilligen Austausch weltweit e. V.
Stralauer Allee 20E, 10245 Berlin
Telefon: 030 212382-52
Telefax: 030 212382-53
E-Mail: icja@icja.de
Internet:www.icja.de
Jugendseminar,
Fort- und Weiter­bildungsstätte des
Gemeindejugendwerkes (GJW)
Julius-Köbner-Straße 4,
14641 Wustermark
Telefon: 033234 74-120
Telefax: 033234 74-199
E-Mail: jugendseminar@baptisten.org
Studienzentrum für evangelische
Jugendarbeit in Josefstal e. V.
Aurachstraße 5,
83727 Schliersee/Josefstal
Telefon: 08026 9756-0
Telefax: 08026 9756-50
E-Mail: studienzentrum@josefstal.de
Internet:www.josefstal.de
179
aej-Vorstand
Vorsitzender:
Dr. Thomas Schalla
Evangelisches Kinder- und
Jugendwerk Baden
E-Mail: thomas.schalla
@ekiba.de
Beisitzerinnen/Beisitzer:
Felix Beck
Evangelisches Kinder- und
Jugendwerk Baden
E-Mail: felix.beck
@agljv.de
1. Stellvertretende
Vorsitzende:
Sigrid Müller
CVJM-Gesamtverband
in Deutschland e. V.
E-Mail: jugendpolitik
@cvjm.de
Ingo Dachwitz
Evangelische Jugend in der
Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Oldenburg
E-Mail: ingo.dachwitz
@ejo.de
2. Stellvertretende
Vorsitzende:
Mieke Bethke
Gemeindejugendwerk
des Bundes Evangelischfreikirchlicher Gemeinden
in Deutschland KdöR (GJW)
E-Mail: mbethke
@baptisten.de
3. Stellvertretende
Vorsitzende:
Ann-Kathrin Sommerfeld
Evangelische Jugend
in der Evangelischreformierten Kirche
E-Mail: a.sommerfeld
@agljv.de
Schatzmeister:
Udo Bußmann
Amt für Jugendarbeit
der Evangelischen Kirche
von Westfalen
E-Mail: udo.bussmann
@afj-ekvw.de
Cornelia Dassler
Landesjugendpfarramt der
Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers
E-Mail: dassler@kirchliche
dienste.de
Dr. Tim Gelhaar
Verband Christlicher
Pfadfinderinnen und
Pfadfinder (VCP)
E-Mail: tim.gelhaar
@vcp.de
Henriette Labsch
Evangelische Jugend
Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz
E-Mail: henriette.labsch
@ejbo.de
Michael von Winning
Kinder- und Jugendwerk
der Evangelisch-metho­
dist­ischen Kirche (EmK)
E-Mail: mvwinning
@googlemail.com
aej-Geschäftsstelle:
Mike Corsa
Ottokar Schulz
180
aej-Geschäftsstelle
aej-Geschäftsstelle Hannover
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-0
Telefax: 0511 1215-299
E-Mail: info@evangelische-jugend.de
Internet:www.evangelische-jugend.de
Generalsekretär
Mike Corsa -162
E-Mail: co@aej-online.de
Büroleitung
Ulrike Abel -163
E-Mail: al@aej-online.de
Geschäftsführer
Leitung Innere Verwaltung,
Förderung, Finanzen
Ottokar Schulz -157
E-Mail: os@aej-online.de
Assistentin
Bettina Stoll -156
E-Mail: sto@aej-online.de
Referent für Theologie,
Bildung und
Jugendsoziologie
Michael Freitag -145
E-Mail: mf@aej-online.de
Assistentin
Ulrike Abel -163
E-Mail: al@aej-online.de
Referent für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Martin Weber -132
E-Mail: mw@aej-online.de
Assistentin
Manuela Ertel -154
E-Mail: er@aej-online.de
Referent für Kinder- und
Jugendpolitik
Stephan Groschwitz -147
E-Mail: sfg@aej-online.de
Assistentin
Wiebke Albes
-138
E-Mail: wa@aej-online.de
Referentin für europäische
Jugendpolitik
Doris Klingenhagen -137
E-Mail: dk@aej-online.de
Assistentin
Martina Seehaus -141
E-Mail: se@aej-online.de
Projektleitung Migrations­
projekt Tandem
Simone Pleyer -121
E-Mail: sp@aej-online.de
181
Projektleitung Engagiert
statt abgehängt
Katharina Kühnle -142
E-Mail: kk@aej-online.de
Projektleitung Dialog
und Kooperation
Michael Glatz -134
E-Mail: mg@aej-online.de
Referentin für
Schüler(innen)arbeit
und Bildung
Dagmar Hisleiter -140
E-Mail: dh@aej-online.de
Assistentin
Heike Bartsch -125
E-Mail: hb@aej-online.de
Referent für deutsch-fran­zösische, internationale und
ökumenische Jugendarbeit
Dirk Thesenvitz -169
E-Mail: dt@aej-online.de
Öffentliche Förderung
der Jugendarbeit
Inhaltliches Controlling
Referentin für Kinderund Jugendfreizeiten
Gabriele Jahn -161
E-Mail: gj@aej-online.de
Assistentin
Marianne Malten -146
E-Mail: mm@aej-online.de
Assistentin
Laya Husmann -136
E-Mail: lh@aej-online.de
Referent für entwicklungs­
bezogene Bildung
Dr. Veit Laser -165
E-Mail: vl@aej-online.de
Sachbearbeitung der
Öffentlichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Barbara Bangemann -129
E-Mail: ba@aej-online.de
Assistentin
Cornelia Günther -167
E-Mail: cg@aej-online.de
Sachbearbeiter der
Öffentlichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Hartwig Inatowitz -159
E-Mail: in@aej-online.de
Sachbearbeiterin der
Öffentlichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Katrin Rönnfeldt -166
E-Mail: roe@aej-online.de
182
Sachbearbeiterin der
Öffentlichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Alexandra Warschawski -151
E-Mail: aw@aej-online.de
Buchhaltung
Timo Puckhaber -126
E-Mail: pu@aej-online.de
Sachbearbeiter der
Öffentlichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Peter Wünsch -160
E-Mail: pw@aej-online.de
Projektsachbearbeitung
Anna Gorbunova -144
E-Mail: @aej-online.de
Mitarbeiterin der
Öffent­lichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Li Kowalewski -158
E-Mail: lk@aej-online.de
Auszubildende
Laura Dewes -164
E-Mail. ld@aej-online.de
Mitarbeiterin der Öffent­
lichen Förderung der
Kinder- und Jugendarbeit
Lilli Michno -129
E-Mail: mi@aej-online.de
FSJ Politik
Björn Christanseen -170
E-Mail: bc@aej-online.de
Sachbearbeitung Personalund Vertragswesen
Britta Greenwood -127
E-Mail: gr@aej-online.de
Agrarreferentin
Claudia Leibrock
Telefon: 02681 951617
E-Mail: leibrock@lja.de
Buchhaltung
Silke Meyer -128
E-Mail: me@aej-online.de
Referent für Evangelische
Jugend in ländlichen
Räumen
Dr. Karsten Schulz
Telefon: 02681 951622
E-Mail: karsten.schulz
@evangelische-jugend.de
183
Förder- und Finanzpolitischer Beirat der aej (FFPB)
Gerrit Brehm
Zimmermannstraße 14d unten,
37075 Göttingen
Telefon: 0177 4776943
E-Mail: gerrit.brehm@agljv.de
Udo Bußmann (Schatzmeister)
Amt für Jugendarbeit der Evangelischen
Kirche von Westfalen
Iserlohner Straße 25, 58239 Schwerte
Telefon: 02304 755-178
Telefax: 02304 755-248
E-Mail: u-bussmann@afj-ekvw.de
Alfred Debus
Landesjugendpfarramt der EvangelischLutherischen Landeskirche Sachsens
Casper-David-Straße 5, 01219 Dresden
Telefon: 0351 4692-413
E-Mail: alfred.debus@evlks.de
Simone Enthöfer
Amt für Jugendarbeit der Evangelischen
Kirche im Rheinland
Graf-Recke-Straße 209,
40237 Düsseldorf
Telefon: 0211 3610-295
Telefax: 0211 3610-280
E-Mail: enthoefer@afj-ekir.de
Michael Peters
Landesjugendpfarramt - Fachbereich 4
im Haus kirchlicher Dienste
Archivstraße 3, 30169 Hannover
Telefon: 0511 1241-567
Telefax: 0511 1241-145
E-Mail: m.peters@kirchliche-dienste.de
Gernod Quasebarth
Kinder- und Jugendpfarramt der Evan­ge­
lischen Kirche in Mitteldeutschland
Am Dom 2, 39104 Magdeburg
Telefon: 0391 5346-456
Telefax: 0391 5346-459
E-Mail. Gernod.quasebarth@ekmd.de
184
Matthias Ruf
CVJM-Gesamtverband
Im Druseltal 8, 34131 Kassel
Telefon: 0561 3087-210
Telefax: 0561 3087-270
E-Mail: ruf@cvjm.de
Dirk Rumpff
Verband Christlicher Pfadfinderinnen
und Pfadfinder
Wichernweg 3, 34121 Kassel
Telefon: 0561 7843-712
Telefax: 0561 7843-740
E-Mail: dirk.rumpff@vcp.de
Silvia Schmidt
Kinder- und Jugendpfarramt der Evange­
lischen Landeskirche Anhalts
Friedrichstraße 22/24,
06844 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340 2526-110
Telefax: 0340 2526-250
E-Mail: silviaschmidt@evlkanh.de
Simon Schuh
Deutscher Jugendverband Entschieden
für Christus e. V.
Leuschnerstraße 74, 43134 Kassel
Telefon: 0561 4095-101
Telefax: 0561 4095-147
E-Mail: simon.schuh@ec-jugend.de
Ottokar Schulz
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-157
Telefax: 0511 1215-257
E-Mail: os@aej-online.de
Michael von Winning
Kinder- und Jugendwerk der Evange­lischmethodistischen Kirche (EmK)
E-Mail: mvwinning@googlemail.com
Jürgen Will
Kinder- und Jugendwerk der Evangelischmethodistischen Kirche (EmK)
Giebelstraße 16, 70499 Stuttgart
Telefon: 0711 860068-2
Telefax: 0711 860068-8
E-Mail: williwill@emk-jugend.de
Kinder- und Jugendpolitischer Beirat der aej (KJPB)
Sören Bär
Wiener Straße 56, 01219 Dresden
Telefon: 0351 4702748
E-Mail: kriusbaer@web.de
Tobias Bilz
Landesjugendpfarramt der Evangelischlutherischen Landeskirche in Sachsen
Caspar-David-Friedrich-Straße 5,
01219 Dresden
Telefon: 0351 4692412
E-Mail: tobias.bilz@evlks.de
Stephan Groschwitz
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-147
E-Mail: stephan.groschwitz
@evangelische-jugend.de
Micha Hofmann
Kirchenkreis Mühlhausen
Petriteich 20 a, 99974 Mühlhausen
Telefon: 03601 853075
E-Mail: Micha.Hofmann@ekuja.de
Martin Burger
Evangelisches Jugendwerk in
Württemberg
Haeberlinstraße 1-3, 70563 Stuttgart
Telefon: 0711 9781253
E-Mail: martin.burger@ejwue.de
Doris Klingenhagen
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-137
E-Mail: doris.klingenhagen
@evangelische-jugend.de
Michael Cares
Evangelisches Kinder- und Jugendwerk
Baden
Blumenstraße 1-7, 76133 Karlsruhe
Telefon: 0721 9175-451
E-Mail: michael.cares@ekiba.de
Elisabeth Koch
E-Mail: d.eli.koch@web.de
Gunnar Czimczik
Verband Christlicher Pfadfinderinnen
und Pfadfinder (VCP)
Wichernweg 3, 34121 Kassel
Telefon: 0561 78437-11
E-Mail: gunnar.czimczik@vcp.de
Henriette Labsch
E-Mail: henriette.labsch@ejbo.de
Roland Mecklenburg
Amt für Jugendarbeit der Evangelischen
Kirche im Rheinland
Graf-Recke-Straße 209,
40237 Düsseldorf
Telefon: 0211 3610-298
E-Mail: mecklenburg@afj-ekir.de
185
Sigrid Müller
CVJM-Gesamtverband
in Deutschland e. V.
Auguststraße 80, 10117 Berlin
Telefon: 030 28395157
E-Mail: jugendpolitik@cvjm.de
Klaus Spengler
Landeskirchenamt der Evangelischen
Kirche von Kurhessen-Waldeck
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel
Telefon: 06621 78195
E-Mail: klaus_spengler@t-online.de
Dirk Thesenvitz
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-169
E-Mail: dirk.thesenvitz
@evangelische-jugend.de
Viktoria Zettel
E-Mail: Viktoria.Zettel@agljv.de
kooptiert:
Catharina Covolo
E-Mail: Jammie2004@gmx.de
Jörg Walther
Zentrum Bildung der Evangelischen
Kirche in Hessen und Nassau
Fachbereich Kinder- und Jugendarbeit
Erbacher Straße 17, 64287 Darmstadt
Telefon: 06151 6690-134
E-Mail: joerg.walther.zb@ekhn-net.de
Jugendkirchen
Die Anschriften der Jugendkirchen sind
auf der Homepage www.evangelischejugend.de unter dem Punkt „Kontakt“
zu finden.
Wichtige Anschriften im Inland
Aktionsgemeinschaft Dienst
für den Frieden e. V. (AGDF)
Endenicher Straße 41, 53115 Bonn
Telefon: 0228 24999-0
Telefax: 0228 24999-20
E-Mail: agdf@friedensdienst.de
Internet:www.friedensdienst.de
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und
Jugendhilfe (AGJ)
Mühlendamm 3, 10178 Berlin
Telefon: 030 40040-200
Telefax: 030 40040-232
E-Mail: agj@agj.de
Internet:www.agj.de
Amnesty International Sektion der
Bundesrepublik Deutschland e. V.
Zinnowitzer Straße 8, 10115 Berlin
Telefon: 030 420248-0
Telefax: 030 420248-488
E-Mail: info@amnesty.de
Internet:www.amnesty.de
Arbeitskreis „Lernen und Helfen
in Übersee“ e. V.
Thomas-Mann-Straße 52, 53111 Bonn
Telefon: 0228 9089910
Telefax: 0228 9089911
E-Mail: aklhue@entwicklungsdienst.de
Internet:www.entwicklungsdienst.de
Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Kirchen in Deutschland e. V. (ACK)
Ökumenische Centrale
Ludolfusstraße 2-4,
60487 Frankfurt am Main
Telefon: 069 247027-0
Telefax: 069 247027-30
E-Mail: info@ack-oec.de
Internet:www.oekumene-ack.de
Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der
Deutschen Bischofskonferenz (afj)
Carl-Mosterts-Platz 1, 40477 Düsseldorf
Telefon: 0211 484766-11/-12
Telefax: 0211 484766-22
E-Mail: leitung@afj.de
Internet:www.afj.de
186
Bund der Alevitischen Jugendlichen
in Deutschland e. V. (BDAJ)
Geschwister-Scholl-Straße 33-37,
44135 Dortmund
Telefon: 0231 776608-04
Telefax: 0231 776608-03
E-Mail: info@BDAJ.de
Internet:www.aagb.net
Bund der Deutschen Katholischen
Jugend (BDKJ) - BDKJ-Bundesstelle e. V.
Carl-Mosterts-Platz 1, 40477 Düsseldorf
Telefon: 0211 4693-0
Telefax: 0211 4693-120
E-Mail: info@bdkj.de
Internet:www.bdkj.de
Bundesakademie für Kirche und
Diakonie gGmbH (BAKD)
Heinrich-Mann-Straße 29, 13156 Berlin
Telefon: 030 48837-491
Telefax: 030 48837-444
E-Mail: gf@bundesakademie-kd.de
Internet:www.bundesakademie-kd.de
Bundesjugendkuratorium (BJK)
c/o Deutsches Jugendinstitut e. V.
Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik
Nockherstraße 2, 81541 München
Telefon: 089 62306-332
Telefax: 089 62306-269
E-Mail: bundesjugendkuratorium@dji.de
Internet:www.bundesjugend
kuratorium.de
Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Dienstsitz Berlin:
Glinkastraße 24, 10117 Berlin
Telefon: 030 18555-0
Telefax: 030 18555-4400
E-Mail: info@bmfsfjservice.bund.de
Internet:www.bmfsfj.de
Dienstbereich Bonn:
Rochusstraße 8-10, 53123 Bonn
Telefon: 0228 9300
Telefax: 030 18 555-4400
Internet:www.bmfsfj.de
Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (BAMF)
Frankenstraße 210, 90461 Nürnberg
Telefon: 0911 943-0
Telefax: 0911 943-1000
E-Mail: info@bamf.de
Internet:www.bamf.de
Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA)
Ostmerheimer Straße 220, 51109 Köln
Telefon: 0221 8992-0
Telefax: 0221 8992-300
E-Mail: poststelle@bzga.de
Internet:www.bzga.de
Bundesarbeitsgemeinschaft Evange­
lische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA)
Wagenburgstraße 26-28,
70184 Stuttgart
Telefon: 0711 16489-0
Telefax: 0711 16489-21
E-Mail: mail@bagejsa.de
Internet:www.bagejsa.de
Bundeszentrale für politische Bildung
Adenauerallee 86, 53113 Bonn
Telefon: 0228 99515-0
Telefax: 0228 99515-113
E-Mail: info@bpb.de
Internet:www.bpb.de
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinderund Jugendschutz e. V. (BAJ)
Mühlendamm 3, 10178 Berlin
Telefon: 030 40040-300
Telefax: 030 40040-333
E-Mail: info@bag-jugendschutz.de
Internet:www.bag-jugendschutz.de
Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn
Telefon: 0228 4460-0
Telefax: 0228 4460-1766
E-Mail: info@giz.de
Internet:www.giz.de
187
Deutsch-Französisches Jugendwerk
(DFJW)
Molkenmarkt 1, 10179 Berlin
Telefon: 030 288757-0
Telefax: 030 288757-88
E-Mail: info@dfjw.org
Internet:www.dfjw.org
Geschäftsstelle Paris:
OFAJ Office de la jeunesse
51, Rue de l’Amiral - Moushez
F 75013 Paris
Telefon: 0033 140 781818
Telefax: 0033 140 781888
E-Mail: info@ofaj.org
Internet:www.ofaj.org
Deutscher Bundesjugendring (DBJR)
Mühlendamm 3, 10178 Berlin
Telefon: 030 40040-400
Telefax: 030 40040-422
E-Mail: info@dbjr.de
Internet:www.dbjr.de
Deutscher Caritasverband e. V.
Hauptvertretung Berlin
Reinhardtstraße 13, 10117 Berlin-Mitte
Telefon: 030 284447-6
Telefax: 030 284447-88
E-Mail: info@caritas.de
Internet:www.caritas.de
Deutsches Jugendherbergswerk
Hauptverband für Jugendwandern und
Jugendherbergen e. V. (DJH)
Im Gilde-Park, Leonardo-da-Vinci-Weg 1,
32760 Detmold
Telefon: 05231 9936-0
Telefax: 05231 9936-66
E-Mail: hauptverband
@jugendherberge.de
Internet:www.djh.de
Deutsches Jugendinstitut e. V. (DJI)
Nockherstraße 2, 81541 München
Telefon: 089 62306-0
Telefax: 089 62306-162
E-Mail: info@dji.de
Internet:www.dji.de
188
Deutsches Nationalkomitee für
internationale Jugendarbeit (DNK)
c/o Deutscher Bundesjugendring
Mühlendamm 3, 10178 Berlin
Telefon: 030 40040-400
Telefax: 030 40040-422
E-Mail: info@d-n-k.org
Internet:www.d-n-k.org
Deutsch-Polnisches Jugendwerk (DPJW)
Friedhofsgasse 2, 14473 Potsdam
Telefon: 0331 284790
Telefax: 0331 297527
E-Mail: buero@dpjw.org
Internet:www.dpjw.org
Deutsche Sportjugend im Deutschen
Olympischen Sportbund e. V. (DOSB)
Otto-Fleck-Schneise 12,
60528 Frankfurt am Main
Telefon: 069 6700-0
Telefax: 069 6702-691
E-Mail: weiss@dsj.de
Internet:www.dsj.de
Diakonisches Werk der EKD e. V.
Dienststelle Brüssel
Rue Joseph II 166,
B-1000 Brüssel, Belgien
Telefon: 0032 2 2821040
Telefax: 0032 2 2821049
E-Mail: eu-vertretung@diakonie.de
Internet:www.diakonie.de/
eu-vertretung-des-dw-ekd-in
bruessel-4631.htm
Vertretung der Europäischen
Kommission in Deutschland
Unter den Linden 78, 10117 Berlin
Telefon: 030 2280-2000
Telefax: 030 2280-2222
E-Mail: eu-de-kommission
@ec.europa.eu
Internet:http://ec.europa.eu/
deutschland/index_de.htm
Europäisches Parlament
Informationsbüro in Deutschland
Unter den Linden 78, 10117 Berlin
Telefon: 030 2280-1000
Telefax: 030 2280-1111
E-Mail: epberlin@europarl.europa.eu
Internet:www.europarl.de/view/de/
index.html
Evangelische StudentInnengemeinde
in der Bundesrepublik Deutschland
ESG-Geschäftsstelle
Otto-Brenner Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 1215-0
Telefax: 0511 1215-299
E-Mail: esg@bundes-esg.de
Internet:www.bundes-esg.de
Evangelische Arbeitsgemeinschaft für
Kriegsdienstverweigerung und Frieden
(EAK) - Bundesgeschäftsstelle
Emdenicher Straße 41, 53115 Bonn
Telefon: 0228 24999-0
Telefax: 0228 24999-20
E-Mail: office@eak.de
Internet:www.eak-online.de
Evangelische Trägergruppe für
gesellschaftspolitische Jugendbildung
Auguststraße 80, 10117 Berlin
Telefon: 030 28395-443
Telefax: 030 28395-470
E-Mail: office@politische
jugendbildung-et.de
Internet:www.politische
jugendbildung-et.de
Brot für die Welt - Evangelischer
Entwicklungsdienst - Evangelisches
Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.
Caroline-Michaelis-Straße 1,
10115 Berlin
Telefon: 030 65211-0
Telefax: 030 65211-333
E-Mail: diakonie@diakonie.de oder
kontakt@brot-fuer-die-welt.de
Internet:www.diakonie.de/
brot-fuer-die-welt.de
Gemeinschaftswerk der Evangelischen
Publizistik gGmbH
Emil-von-Behring-Straße 3,
60439 Frankfurt am Main
Telefon: 069 58098-0
Telefax: 069 58098-100
Internet:www.gep.de
Evangelische Freiwilligendienste gGmbH
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Telefon: 0511 4500083-30
Telefax: 0511 4500083-31
E-Mail: info@ev-freiwilligendienste.de
Internet:www.ev-freiwilligendienste.de
Informations- und Dokumentations­zen­trum für Antirassismusarbeit e. V.
(IDA)
Volmerswerther Straße 20,
40221 Düsseldorf
Telefon: 0211 159255-5
Telefax: 0211 159255-69
E-Mail: info@IDAeV.de
Internet:www.idaev.de
Evangelische Kirche in Deutschland
(EKD) - Kirchenamt der EKD
Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover
Telefon: 0511 2796-0
Telefax: 0511 2796-707
E-Mail: info@ekd.de
Internet:www.ekd.de
Institut für Sozialarbeit und
Sozialpädagogik e. V. (ISS)
Zeilweg 42, 60439 Frankfurt am Main
Telefon: 069 95789-0
Telefax: 069 95789-190
E-Mail: info@iss-ffm.de
Internet:www.iss-ffm.de
189
Internationale Jugendgemeinschafts­
dienste Bundesverein e. V. (ijgd)
Glogauer Straße 21, 10999 Berlin
Telefon: 030 6120313-31
Telefax: 030 6120313-38
E-Mail: ijgd.berlin@ijgd.de
Internet:www.ijgd.de
Pressenetzwerk für
Jugendthemen e. V. (PNJ)
Beethovenstraße 38 a, 53115 Bonn
Telefon: 0228 217786
Telefax: 0228 213984
E-Mail: buero@pressenetzwerk.de
Internet:www.pressenetzwerk.de
JUGEND für Europa
Deutsche Agentur JUGEND IN AKTION
Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn
Telefon: 0228 9506-220
Telefax: 0228 9506-222
E-Mail: jfe@jfemail.de
Internet:www.jugendfuereuropa.de
Stiftung Deutsche Jugendmarke e. V.
Rochusstraße 8-10, 53123 Bonn
Telefon: 0228 95958-0
Telefax: 0228 95958-20
E-Mail: info@jugendmarke.de
Internet:www.jugendmarke.de
jugendhaus düsseldorf e. V. - Bundes­
zentrale für katholische Jugendarbeit
Carl-Mosterts-Platz 1, 40477 Düsseldorf
Telefon: 0211 4693-0
Telefax: 0211 4693-120
E-Mail: jhd@jugendhaus-duesseldorf.de
Internet:www.jugendhaus-duesseldorf.de
klima-allianz deutschland
Marienstraße 19-20, 10117 Berlin
Telefon: 030 6781775-72
E-Mail: junge@klima-allianz.de
Internet:www.klima-allianz.de
National Coalition für die Umsetzung
der UN-Kinderrechtskonvention
in Deutschland (NC) - c/o Arbeits­
gemeinschaft für Jugendhilfe (AGJ)
Mühlendamm 3, 10178 Berlin, Germany
Telefon: 030 40040-200
Telefax: 030 40040-232
E-Mail: info@national-coalition.de
Internet:www.national-coalition.de
Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für
Bibellesen (ÖAB)
Reichensteiner Weg 24, 14195 Berlin
Telefon: 030 83001-313
Telefax: 030 83001-333
E-Mail: info@oeab.de
Internet:www.oeab.de
190
Koordinierungszentrum DeutschTschechischer Jugendaustausch Tandem
Maximilian Straße 7, 93047 Regensburg
Telefon: 0941 5855-70
Telefax: 0941 5855-722
E-Mail: tandem@tandem-org.de
Internet:www.tandem-org.de
TransFair - Verein zur Förderung
des Fairen Handels mit der „Dritten
Welt“ e. V.
Remigiusstraße 21, 50937 Köln-Sülz
Telefon: 0221 942040-0
Telefax: 0221 942040-40
E-Mail: info@fairtrade-deutschland.de
Internet:www.transfair.org
Deutsches Komitee für UNICEF e. V.
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221 93650-0
Telefax: 0221 93650-279
E-Mail: mail@unicef.de
Internet:www.unicef.de
VENRO - Verband Entwicklungspolitik
deutscher Nichtregierungs­
organisationen e. V.
Dr.-Werner-Schuster-Haus
Kaiserstraße 201, 53113 Bonn
Telefon: 0228 94677-0
Telefax: 0228 94677-99
E-Mail: sekretariat@venro.org
Internet:www.venro.org
Wichtige Anschriften im Ausland
Ecumenical Youth Council in Europe
(EYCE)
Rue Brogniez 44,
B-1070 Brüssel, Belgien
Telefon: +32 2 5106171
Telefax: +32 2 5106172
E-Mail: general.secretary@eyce.org
Internet:www.eyce.org
European Youth Centre Budapest (EYCB)
Council of Europe
Zivatar utca 1-3,
H-1024 Budapest, Ungarn
Telefon: +36 1 438-1030
Telefax: +36 1 212-4076
E-Mail: eycb.secretariat@coe.int
Internet:www.eycb.coe.int
European Youth Centre Strasbourg
(EYCS)
30, rue Pierre de Coubertin,
F-67000 Straßburg, Frankreich
Telefon: +33 3 8841-2300
Telefax: +33 3 8841-2777
E-Mail: reception.eycs@coe.int
Internet:www.coe.int/youth
European Youth Foundation (EYF)
Fonds Européen pour la Jeunesse (FEJ)
30, rue Pierre de Coubertin,
F-67000 Straßburg, Frankreich
Telefon: +33 3 8841-2019
Telefax: +33 3 9021-4964
E-Mail: eyf@coe.int
Internet:www.eyf.coe.int/fej
Europäische Kommission
Generaldirektion EAC Bildung und Kultur
B-1049 Brüssel, Belgien
E-Mail: eac-info@ec.europa.eu
Internet:http://ec.europa.eu/dgs/
education_culture/index_
en.htm
Europäisches Jugendforum (YFJ)
(European Youth Forum)
(Youth Forum Jeunesse)
Rue Joseph II straat 120,
B-1000 Brüssel, Belgien
Telefon: +32 2 2306490
Telefax: +32 2 2302123
E-Mail: youthforum@youthforum.org
Internet:www.youthforum.org
European Sunday Alliance
Secretariat
Anna Echterhoff
19, Square de Meeûs,
B-1050 Brüssel, Belgien
Telefon: +32 2 22741421
E-Mail: contact@europeans
undayalliance.eu
Internet:www.europeans
undayalliance.eu
United Nations
UNDESA-DSPD Focal Point on Youth
Social Integration Branch
Division for Social Policy and
Development
Department of Economic and Social
Affairs
Room DC2-1318,
New York, NY 10017, USA
E-Mail: inquiries@un.org
Internet:http://social.un.org/index/
Youth.aspx
Anmerkungen, Aktualisierungen und
Ergänzungen sind uns willkommen.
Wir freuen uns über eine kurze
Rückmeldung an:
manuela.ertel@evangelische-jugend.de
191
Zu verschiedenen Themen und Arbeitsbereichen gibt die aej gesondert Publ­i­
kationen heraus. Zum Beispiel den bewährten Band „Bibel AnDenken“ mit
Andachtsentwürfen, Materialien für Gruppenstunden und Freizeiten, Liedern
und Gedichten, Informationen zu Jahreslosung und Monatssprüchen.
© aej (Stand 2012)
Neuerscheinungen 2011/2012
aej
aej information
Zeitschrift für die Evangelische Jugend
in Deutschland
information
Zeitschrift für die
Evangelische Jugend
in Deutschland
3/2012
Manchmal muss man
Soldaten schicken
www.evangelische-jugend.de
Dürfen Christen für Frieden und Gerechtigkeit töten?
von Dr. Michael Haspel
Vor dem Hintergrund des Afghanistankonfliktes stellt Dr. Michael Haspel die Frage nach einer
nachgedacht
friedensethischen Rechtfertigung von bewaffneter Gewalt.
Frieden und
Menschenrechte
Jedes Mal, wenn die Kanzlerin (oder der Kanzler) nach
China fährt, um lukrative Verträge für die Industrie
einzufädeln, wiederholt sich dasselbe verlogene Medienritual: Ob und wie sie wohl (oder er) „die Menschenrechte“ ansprechen werde. Im Falle Chinas ist das natürlich auch eine Stilfrage. In China wohnen dreizehn
Mal mehr Menschen als in Deutschland, das entspricht
z. B. dem Verhältnis von Deutschland zu Eritrea. Die
öffentliche Reaktion hierzulande wäre sicher interessant, wenn beim Gegenbesuch der Ministerpräsident
des großen China sich angesichts der NSU-Mordserie
besorgt nach der Menschrechtssituation ausländischer
Mitbürger im kleinen Deutschland erkundigte.
Glaubwürdige Menschenrechtspolitik kann nur sein,
sich vorbildlich um die Menschenrechte vor der Haustür
zu kümmern. Also: Menschen, die vor Hungersnöten
fliehen, nicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ abzuschieben,
zu verhindern, dass afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken (oder ertränkt werden), Sturmgewehre
nicht in Lizenz in Diktaturen produzieren zu lassen,
atomwaffenfähige U-Boote nicht in Krisengebiete zu
liefern, auch nicht an befreundete (unerklärte) Atommächte, die sich jeder internationalen Kontrolle verweigern, Kindern aus allen sozialen Schichten dieselben
Bildungschancen zu ermöglichen, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen usw. Und ganz konkret: Bei
Jugendbildungsveranstaltungen über Armutsbekämpfung keine Tagungshäuser zu buchen, in denen das
Personal unter Tarif bezahlt oder in 400-Euro-Jobs
ausgebeutet wird.
Dr. Uwe-Karsten Plisch,
ESG-Referent für Theologie,
Hochschul- und Genderpolitik
in der aej/ ESG-Geschäftsstelle
aej-Jahresbericht 2011
schaftderEvangelischenJugend
e.V.
Sonstige Publikationen
Frieden und Gerechtigkeit
Aus nachvollziehbaren biblischen Gründen hat die frühe Christenheit eine prinzipielle pazifistische Position vertreten. Viele
Christen und die historischen Friedenskirchen tun dies mit
ebenso guten Gründen heute noch. Darin gewinnt eine konsequente und – wie ich finde – beeindruckende Form christlicher
Nachfolge- bzw. Liebesethik Gestalt, auch wenn ich diese Position selbst nicht (mehr) teile.
Nach der Anerkennung des Christentums, mithin resultierend aus seiner Protektion als Staatsreligion, haben auch
Christen politische Ämter übernommen und mussten ihre Position zu staatlicher Gewaltanwendung überdenken. Hier hat
sich eine Tradition entwickelt, die zur Abwehr von Unrecht
Gewalt als äußerstes Mittel zu akzeptieren bereit ist. Auch für
diese Überlegungen gibt es biblische Traditionslinien, wenn
man etwa an Jesaja 32, 17 denkt: Und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein. Hier kommt die biblische Dialektik von
Gerechtigkeit und Frieden zum Ausdruck.
Zur Wahrung der Gerechtigkeit, zur Abwehr von Unrecht
und Gewalt kann in dieser Perspektive als äußerstes Mittel
sowohl die Anwendung von polizeilicher als auch militärischer
Gewalt – gebunden an strenge ethische bzw. rechtliche Kriterien – als gerechtfertigt angesehen werden. Diese Position hat
in die Tradition unter der Bezeichnung Lehre vom gerechten
Krieg Eingang gefunden. Zu betonen ist, dass dieses ethische
Konzept des Gerechten Krieges nie darauf zielte, Gewalt zu
rechtfertigen, sondern Gewalt zu begrenzen. Insofern ist das
Attribut „gerecht” hier im Sinne von gerechtfertigt zu verstehen.
Aus verschiedenen Gründen ist die Lehre vom gerechten
Krieg im deutschen Protestantismus zugleich in Vergessenheit
und Misskredit geraten, nicht zuletzt weil sie vielfach mit dem
„liberum ius ad bellum“, dem freien Kriegführungsrecht der
Staaten im neuzeitlichen Völkerrecht verwechselt wird. Diese
bellizistische Position, die den Krieg als Mittel der Politik ansieht, das nicht ethischen Restriktionen unterliegt und nur an
die Regeln der Kriegsführung gebunden ist, ist in der Tat eine
ethische Position, die meines Erachtens nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.
Der Mainstream der evangelischen Friedensethik, wie er
sich auch in den Denkschriften der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) manifestiert, betont den Vorrang ziviler
Mittel, lehnt aber gleichwohl die Anwendung militärischer
Kriegsgewalt nicht prinzipiell ab, sondern bindet die Anwen-
dung von Gewalt als äußerstem Mittel an strenge ethische und
politisch-praktische Kriterien. Um die Semantik des Gerechten
Krieges zu vermeiden und vielmehr die Zielrichtung auf den
Frieden sowie den Vorrang der gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu betonen, wurde das Leitbild des Gerechten Friedens
als Bezeichnung gewählt.
Gerechter Krieg?
Welches sind die Kriterien in den Konzepten Gerechter Krieg/
Gerechter Frieden, die erfüllt sein müssen, damit die Anwendung militärischer Kriegsgewalt friedensethisch als gerechtfertigt angesehen werden könnte? Ich möchte dies am Beispiel
des Afghanistan-Konfliktes demonstrieren:
Erstens ist zu fragen, ob es einen gerechten Grund (causa
iusta) gibt. In der gegenwärtigen Debatte wird vielfach vertreten, der Einsatz deutschen Militärs sei lediglich als Stabilisierung des zivilen Aufbaus, der Schaffung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie legitimiert. Da dies nun offensichtlich
nicht mehr hinreichend funktioniere, hätte auch der Militäreinsatz seine Legitimität verloren.
Das ist in sich schlüssig und insofern naheliegend, da alle
beteiligten Bundesregierungen und die Parteien, solange sie
in Regierungsverantwortung waren, genau dies der deutschen
Öffentlichkeit suggerieren wollten und auch die Begründungen
für die Mandatierungen durch den Bundestag entsprechend
angelegt waren. Dies hat aber in der Realität immer der Grundlage entbehrt. Vielmehr wird man den Afghanistankrieg von
Anfang an besser als einen internen bewaffneten Konflikt, also
einen Bürgerkrieg beschreiben können, in den die westlichen
Alliierten an der Seite der Vereinigten Staaten zugunsten einer
Bürgerkriegspartei gegen die Taliban eingegriffen haben.
Bibel AnDenken 2013
Betrachtungen zu Jahreslosung und
Monatssprüchen
DPAG Postvertriebsstück ISSN 0947-8329
Entgelt bezahlt
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V. (aej)
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
ArbeitsgemeinschaftderEvangelischenJugend
inDeutschlande.V.
ftsstelle
elle
raße9
r
2 15-0
2 15-299
vangelische-jugend.de
che-jugend.de
ches-infoportal.de
preis.de
PassgenauundEigensinnig
häftsstellelaufendieFädender
en,dieindiesemaej-Jahresschriebenwerden.Unterihrem
sichauchdieGeschäftsstellen
enStudentInnengemeinde
publikDeutschland(ESG)
gemeinschaftEvangelische
ndSchülerarbeit(AES).
hierzurzeit33Mitarbeiterinnen
hauptberuflichtätig.Unter
sesindsiefürSieerreichbar:
2011
aej-Jahresbericht
Passgenau
undEigensinnig
Themen•Ergebnisse•Informationen
192
aej-Jahresbericht 2011 - Passgenau und Eigensinnig
Themen - Ergebnisse - Informationen
Du gehörst dazu
Sieben Leitsätze zur Beteiligung
von Kindern - Praxismaterialien
Kinder schützen
Hinweise und Umsetzungsempfehlungen
zum Bundeskinderschutzgesetz (BKiSCHG) für
die evangelische Kinder- und Jugendarbeit
Ich bin hin und weg!
Unwiderstehliches Küchenbuch für Freizeiten
und andere große und kleine Gruppen
193
Die aej im Rückblick
19. Jahrhundert bis Anfang 20. Jahrhundert
Umgetrieben von der Notsituation der vereinsamten Jugendlichen in den
Städten werden christliche Jugendvereine gegründet, die in unterschiedlicher
Ausprägung Träger der evangelischen Jugendarbeit sind.
Ab 1919
Unter dem Einfluss der Jugendbewegung entsteht der „bündische“ Typ
evangelischer Jugendarbeit. Die ersten Vereine werden gegründet, in denen
vor allem Laien und Ehrenamtliche tätig sind.
Ab 1920
Bald danach richten die meisten Landeskirchen Jugendpfarrämter ein, die
die Verbindung zu den freien Werken der evangelischen Jugendarbeit halten
sollen.
Juli 1933
Unter dem Einfluss des Nationalsozialismus schließt sich die evangelische
Jugendarbeit zum Evangelischen Jugendwerk Deutschland (EJD) zusammen.
Dezember 1933
Zwischen dem Reichsbischof und dem Reichsjugendführer der Hitlerjugend
wird ein Abkommen über die Zwangseingliederung der Evangelischen Jugend
in die Hitlerjugend geschlossen. Ein Teil der Vereinsjugendarbeit wird als
Gemeindejugendarbeit weitergeführt.
Ab 1945 Neben der Gemeindejugendarbeit, die beibehalten wird, werden viele Vereine
wieder neu gegründet. Das Verhältnis beider zueinander entwickelt sich in den einzelnen Landeskirchen unterschiedlich.
1946
Die Landesjugendpfarrer und die Leiter der Jugendwerke bilden die Jugend­
kammer der EKD. Sie hat in der Jugendkammer der Bekennenden Kirche einen
Vorläufer.
194
2. Dezember 1949
Gründung der aej: Die Jugendkammer der EKD erweitert sich um die „Jugend­arbeit der Freikirchen“ und bildet damit die „Arbeitsgemeinschaft der Evange­lischen Jugend Deutschlands (AGEJD)“. Im Osten wird die Jugendkammer Ost
weitergeführt.
1971
„Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Deutschlands“ wird
umbenannt in die „Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der
Bundesrepublik Deutschland und Berlin/West e. V. (aej)“.
1972
In der DDR arbeitet die Evangelische Jugend innerhalb der Strukturen der
Kommission für Kirchliche Jugendarbeit (KKJ) des Bundes der Evangelischen
Kirchen der DDR. Daneben existiert die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher
Jugend (AGCJ)“, in der die Freikirchen vertreten sind und die katholische
Kirche zur Mitarbeit eingeladen ist.
1991
Die deutsche Vereinigung ermöglicht die Zusammenführung der evange­
lischen Jugendarbeit in Ost und West zur neuen aej: „Arbeitsgemeinschaft
der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (aej)“.
1994
Die aej-Geschäftsstellen in Stuttgart und Berlin werden in einer neuen
Geschäftsstelle in Hannover zusammengeführt.
1999
Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik
Deutschland e. V. (aej) feiert ihr 50-jähriges Jubiläum.
2008
Namensänderung auf Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V. (aej)
195
Register
A
aej in Brüssel 88
aej-ESG-Forum Wissenschaft
und Praxis 109
aej-ESG-Geschäfsstelle 150, 155
aej-Konsultation Jugendkirche 32
aej-Netzwerke 145 ff.
AES – Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit 157
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und
Jugendhilfe 98, 134
Arbeitshilfe „Du gehörst dazu“ 82
Aufarbeitung der Partnerschaftsarbeit
Ost-West im Lichte der DDR-Staats­
organe 47
B
BasisBibel 27
Bibel Challenge 30
Bilaterale Beziehungen China und
Taiwan 81
Bilaterale Beziehungen Frankreich 74
Bilaterale Beziehungen Heiliges Land 77
Bilaterale Beziehungen Polen 76
Bilaterale Beziehungen Russland 80
Bilaterale Beziehungen Vereinigtes
Königreich 79
Bund der Deutschen Katholischen
Jugend 39, 165
Bundesakademie für Kirche und
Diakonie 128
Bundesarbeitsgemeinschaft Evange­
lische Jugendsozialarbeit 162
Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und
Rechtsextremismus 67
Bundesjugendkuratorium 170
Bundeskinderschutzgesetz 95
Bundestagsbeschluss Kinder- und
Jugendtourismus 77, 134
196
Bundesweite Statistik 130
Bündnisse für Bildung (Förder­pro­
gramm) 101
C
Coaching-Projekt mit dem Bund der
Alevitischen Jugendlichen 51
D
Deutscher Bundesjugendring 99, 102,
118
Dialog und Kooperation 57
E
Ehrenamtssurvey 112
Ehrenamt in der Arbeit mit Kindern 84
Eigenständige Jugendpolitik 119
EKD-Ad-hoc-Kommission für diakonische
und gemeindepädagogische Berufs­
profile 125
Engagement 111 ff.
Engagementstrategiepapier der
EKD 111
Engagiert statt abgehängt 61
ESG – Evangelische StudentInnen­
gemeinde in der Bundesrepublik
Deutschland 156
EU-Förderprogramme 91
Europäische Jugendpolitik 88 ff.
EVA Peace-Academy 48
Evaluation von Kinderfreizeiten (Publika­
tion) 131
Evangelische Freiwilligendienste
gGmbH 163
Evangelische Jugend und Schule 100
Evangelische Tagungshäuser und
Jugendunterkünfte 135
Evangelische Trägergruppe für
gesellschaftspolitische Jugend­
bildung 161
Evangelisches Infoportal 166
Expert(inn)engruppe
„Realität evangelischer Kinderund Jugendarbeit“ 131
Extremismus 64 ff.
F
Fair Trade e. V. 45
Fairer Handel 42 ff.
Faires Küchenbuch 84
Fördermittel 102, 106
Fort- und Weiterbildungsstätten 127
Freiwilligendienste für junge Menschen
und Bundesfreiwilligendienst 113
G
Ganztagsschule 102
Gender Mainstreaming 45
GEPA 43
Globales Lernen 84 ff.
Green Hand Day 37
H
Handbuch Jugend 128
Hauptberuflichkeit 125 ff.
I
Inklusion 94
Interreligiöse Bildung mit Kindern 83
J
Kinder- und Jugendfreizeiten 131
Kinder- und Jugendplan des Bundes
(KJP) 104, 138
Kinderschutz 95
Kirchentag 36
KJP-Gespräche 138
M
Marmelade für Alle 86
Migration 49 ff.
O
Ökumenischer Arbeitskreis
Ehrenamt 111
Ökumenischer Jugendrat in Europa 172
Ökumenischer Kreuzweg 25
Ökumenisches Jugendkirchen­sympo­
sium 33
P
Projekt DEMO 67
R
Rio+20 37, 39
S
Sex. Sex! Sex? (Schulungsmappe) 133
Strukturelle Veränderungen in der
Evangelischen Jugend 154
Studie „Keine Zeit für Jugendarbeit“ 112
Studium in Israel 159
Jugend in Aktion
(EU-Förderprogramm) 91
Jugend Macht Politik 117
Jugenddelegierte der EKD-Synode 121
Jugendgottesdienste 29
Jugendkirchen 31
Jugendmigrationsreport 49
Jugendpolitisches Hearing 171
Jung, evangelisch, sucht: Zukunft 65
JUPP 71
T
K
Zweite bundesweite Konfirmand(inn)enstudie 109
Kinder in der evangelischen Jugend 82
TANDEM 54
Transformationskongress 40
U
Unabhängiger Beauftragter für Fragen
des sexuellen Kindesmissbrauchs 99
Y
youngstars 93
Z
197
Zeitschrift – zum Durch­­blicken
aej
information
Zeitschrift für die
Evangelische Jugend
in Deutschland
3/2012
www.evangelische-jugend.de
Manchmal muss man
Soldaten schicken
Dürfen Christen für Frieden und Gerechtigkeit töten?
Infor­­ma­­tio­­nen
Berichte
Materialien
von Dr. Michael Haspel
Vor dem Hintergrund des Afghanistankonfliktes stellt Dr. Michael Haspel die Frage nach einer
nachgedacht
friedensethischen Rechtfertigung von bewaffneter Gewalt.
Frieden und
Menschenrechte
Frieden und Gerechtigkeit
Aus nachvollziehbaren biblischen Gründen hat die frühe Christenheit eine prinzipielle pazifistische Position vertreten. Viele
Christen und die historischen Friedenskirchen tun dies mit
ebenso guten Gründen heute noch. Darin gewinnt eine konsequente und – wie ich finde – beeindruckende Form christlicher
Nachfolge- bzw. Liebesethik Gestalt, auch wenn ich diese Position selbst nicht (mehr) teile.
Nach der Anerkennung des Christentums, mithin resultierend aus seiner Protektion als Staatsreligion, haben auch
Christen politische Ämter übernommen und mussten ihre Position zu staatlicher Gewaltanwendung überdenken. Hier hat
sich eine Tradition entwickelt, die zur Abwehr von Unrecht
Gewalt als äußerstes Mittel zu akzeptieren bereit ist. Auch für
diese Überlegungen gibt es biblische Traditionslinien, wenn
man etwa an Jesaja 32, 17 denkt: Und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein. Hier kommt die biblische Dialektik von
Gerechtigkeit und Frieden zum Ausdruck.
Zur Wahrung der Gerechtigkeit, zur Abwehr von Unrecht
und Gewalt kann in dieser Perspektive als äußerstes Mittel
sowohl die Anwendung von polizeilicher als auch militärischer
Gewalt – gebunden an strenge ethische bzw. rechtliche Kriterien – als gerechtfertigt angesehen werden. Diese Position hat
in die Tradition unter der Bezeichnung Lehre vom gerechten
Krieg Eingang gefunden. Zu betonen ist, dass dieses ethische
Konzept des Gerechten Krieges nie darauf zielte, Gewalt zu
rechtfertigen, sondern Gewalt zu begrenzen. Insofern ist das
Attribut „gerecht” hier im Sinne von gerechtfertigt zu verstehen.
Aus verschiedenen Gründen ist die Lehre vom gerechten
Krieg im deutschen Protestantismus zugleich in Vergessenheit
und Misskredit geraten, nicht zuletzt weil sie vielfach mit dem
„liberum ius ad bellum“, dem freien Kriegführungsrecht der
Staaten im neuzeitlichen Völkerrecht verwechselt wird. Diese
bellizistische Position, die den Krieg als Mittel der Politik ansieht, das nicht ethischen Restriktionen unterliegt und nur an
die Regeln der Kriegsführung gebunden ist, ist in der Tat eine
ethische Position, die meines Erachtens nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.
Der Mainstream der evangelischen Friedensethik, wie er
sich auch in den Denkschriften der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) manifestiert, betont den Vorrang ziviler
Mittel, lehnt aber gleichwohl die Anwendung militärischer
Kriegsgewalt nicht prinzipiell ab, sondern bindet die Anwen-
Informieren und mitreden
Jedes Mal, wenn die Kanzlerin (oder der Kanzler) nach
China fährt, um lukrative Verträge für die Industrie
einzufädeln, wiederholt sich dasselbe verlogene Medienritual: Ob und wie sie wohl (oder er) „die Menschenrechte“ ansprechen werde. Im Falle Chinas ist das natürlich auch eine Stilfrage. In China wohnen dreizehn
Mal mehr Menschen als in Deutschland, das entspricht
z. B. dem Verhältnis von Deutschland zu Eritrea. Die
öffentliche Reaktion hierzulande wäre sicher interessant, wenn beim Gegenbesuch der Ministerpräsident
des großen China sich angesichts der NSU-Mordserie
besorgt nach der Menschrechtssituation ausländischer
Mitbürger im kleinen Deutschland erkundigte.
Glaubwürdige Menschenrechtspolitik kann nur sein,
sich vorbildlich um die Menschenrechte vor der Haustür
zu kümmern. Also: Menschen, die vor Hungersnöten
fliehen, nicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ abzuschieben,
zu verhindern, dass afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken (oder ertränkt werden), Sturmgewehre
nicht in Lizenz in Diktaturen produzieren zu lassen,
atomwaffenfähige U-Boote nicht in Krisengebiete zu
liefern, auch nicht an befreundete (unerklärte) Atommächte, die sich jeder internationalen Kontrolle verweigern, Kindern aus allen sozialen Schichten dieselben
Bildungschancen zu ermöglichen, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen usw. Und ganz konkret: Bei
Jugendbildungsveranstaltungen über Armutsbekämpfung keine Tagungshäuser zu buchen, in denen das
Personal unter Tarif bezahlt oder in 400-Euro-Jobs
ausgebeutet wird.
Termine
dung von Gewalt als äußerstem Mittel an strenge ethische und
politisch-praktische Kriterien. Um die Semantik des Gerechten
Krieges zu vermeiden und vielmehr die Zielrichtung auf den
Frieden sowie den Vorrang der gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu betonen, wurde das Leitbild des Gerechten Friedens
als Bezeichnung gewählt.
Gerechter Krieg?
Welches sind die Kriterien in den Konzepten Gerechter Krieg/
Gerechter Frieden, die erfüllt sein müssen, damit die Anwendung militärischer Kriegsgewalt friedensethisch als gerechtfertigt angesehen werden könnte? Ich möchte dies am Beispiel
des Afghanistan-Konfliktes demonstrieren:
Erstens ist zu fragen, ob es einen gerechten Grund (causa
iusta) gibt. In der gegenwärtigen Debatte wird vielfach vertreten, der Einsatz deutschen Militärs sei lediglich als Stabilisierung des zivilen Aufbaus, der Schaffung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie legitimiert. Da dies nun offensichtlich
nicht mehr hinreichend funktioniere, hätte auch der Militäreinsatz seine Legitimität verloren.
Das ist in sich schlüssig und insofern naheliegend, da alle
beteiligten Bundesregierungen und die Parteien, solange sie
in Regierungsverantwortung waren, genau dies der deutschen
Öffentlichkeit suggerieren wollten und auch die Begründungen
für die Mandatierungen durch den Bundestag entsprechend
angelegt waren. Dies hat aber in der Realität immer der Grundlage entbehrt. Vielmehr wird man den Afghanistankrieg von
Anfang an besser als einen internen bewaffneten Konflikt, also
einen Bürgerkrieg beschreiben können, in den die westlichen
Alliierten an der Seite der Vereinigten Staaten zugunsten einer
Bürgerkriegspartei gegen die Taliban eingegriffen haben.
aej information – die wichtigsten Informationen für die evangelische Kinderund Jugendarbeit in Deutschland – Wissen, was in der evangelischen Jugend­
arbeit läuft.
Aktuelle Berichte und Kommentare
aej information – die Zeitschrift als Informationsdrehscheibe der Evangelischen
Jugend. Eine Plattform für die Vielfalt.
Dr. Uwe-Karsten Plisch,
ESG-Referent für Theologie,
Hochschul- und Genderpolitik
in der aej/ ESG-Geschäftsstelle
DPAG Postvertriebsstück ISSN 0947-8329
Entgelt bezahlt
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
in Deutschland e. V. (aej)
Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover
Termine, Personalien und Materialien
aej information gibt einen Überblick über interessante und aktuelle
Veranstaltungen. Meldungen von Personen, Stellenanzeigen und ein großer
Materialteil sind Service für die Leserinnen und Leser.
Viermal im Jahr eine Zeitung mit wichtigen Informationen
aus der evangelischen Kinder- und Jugend­­arbeit –
kostenlos für die interessierten Leserinnen und Leser!
Bestell­­adresse: aej, Otto-Bren­­ner-Stra­­ße 9, 30159 Han­­no­­ver
Tele­­fon: 0511 1215-154, Tele­­fax: 0511 1215-299
E-Mail: info@aej-online.de
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Zeitschrift – zum Weiterdenken
Themen
Diskussionen
Materialien
Heute die Themen von morgen
das baugerüst bringt heute die Themen, mit denen sich Kinder- und Jugendarbeit, kirchliche Bildungsarbeit und Schule auseinandersetzen müssen.
Sachlich fundiert
das baugerüst liefert Informationen und kontroverse Diskussionen,
methodische Vorschläge und Materialien zu aktuellen Themen.
Knapp und präzise
das baugerüst unterstützt die Kinder- und Jugendarbeit mit Artikel- und
Diskussionsbeiträgen von engagierten Autorinnen und Autoren aus der
kirchlichen und politischen Öffentlichkeit.
Viermal im Jahr eine 90-seitige Zeitung
mit Themen aus Theologie, Ökumene, Politik
und Jugendbildungsarbeit
Bestell­­adresse: Redaktion „das baugerüst“
Postfach 450131, 90212 Nürnberg
Telefon: 0911 4304-278/-279, Telefax: 0911 4304-205,
E-Mail: baugeruest@ejb.de,
Internet: www.baugeruest.ejb.de
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200
Das Kugelkreuz –
Zeichen der Evangelischen Jugend
Vielfalt unter einem Dach
Die aej ist als Arbeitsgemeinschaft organisiert. 33 rechtlich eigenständige Mit­gliedsorganisationen sind in ihr zusammengeschlossen. Dazu gehören die
evangelischen Jugendverbände und Jugendwerke, die Jugendorga­ni­sationen der evangelischen Landeskirchen und die Kinder- und Jugendarbeit der evangelischen Frei­kirchen. Sie bringen sich seit der Gründung der aej im Jahr 1949
mit der Vielfalt ihrer theologischen, historischen und politischen Ansätze ein,
um gemeinsame Aussagen, Konzepte und Aktivitäten zu entwickeln.
Zurzeit zählen acht evangelische oder ökumenische Verbände, Einrichtungen
und Fachorganisationen als außerordentliche Mitglieder zum Netzwerk der
aej. Außerdem ist die aej mit vielen anderen Organisationen und Bewegungen
vernetzt, denen Kinder- und Jugendarbeit ein Anliegen ist.
1946 gab sich die „Evangelische Jugend
Deutschlands“ eine Ordnung und ein Zeichen,
das vom Rat der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD) beschlossen wurde: das
Kreuz auf der Weltkugel. Es weist darauf
hin, dass Evangelische Jugend in all ihrer
Vielfalt sich auf den Herrn gründet, der von
sich sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber
seid getrost, ich habe die Welt überwunden“
(Johannes 16, 33). Bei allen Unterschieden
zwischen den Verbänden, Gruppen und Ver­
einen gilt das Kugelkreuz als das verbindende
Symbol für die Einheit in Christus.
aej-Jahresbericht 2012
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.
Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V.
Die aej-ESG-Geschäftsstelle
In der aej-Geschäftsstelle laufen die Fäden der
Arbeit zusammen, die in diesem aej-Jahres­
bericht 2012 beschrieben werden. Unter ihrem
Dach befinden sich auch die Geschäftsstellen der Evangelischen StudentInnengemeinde in der Bundesrepublik Deutschland (ESG) und der Arbeitsgemeinschaft Evangelische
Schülerinnen- und Schülerarbeit (AES).
Insgesamt sind hier zurzeit 41 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter hauptberuflich tätig. Unter folgender Adresse sind sie für Sie erreichbar:
aej im Internet:
www.evangelische-jugend.de
www.evangelisches-infoportal.de
www.jupp-der-preis.de
edition aej
Leben lernen, aber wie?
aej-Geschäftsstelle
Otto-Brenner-Straße 9
30159 Hannover
Telefon:0511.1215-0
Telefax:0511.1215-299
E-Mail: info@evangelische-jugend.de
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