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Er sprang wie befreit - Archiv - Hamburger Abendblatt

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SPORT
Mittwoch, 7. Juli 1999
KURZ NOTIERT
Fußball: Die Bundesligaklubs haben schon über
200 000 Dauerkarten verkauft, 43 000 allein Borussia Dortmund.
Tennis: Steffi Graf hat für
das Filderstadt-Turnier (4.
bis 10. Oktober) gemeldet.
Fußball: Die Rekonvaleszenten Oliver Kahn, Jens
Jeremies und Thomas
Strunz (alle Bayern) fehlen
der deutschen Nationalmannschaft beim Konföderationen-Cup in Mexiko.
Fußball: Lothar Matthäus
attackiert Oliver Kahn wegen dessen Kritik an den
Wechselabsichten des Liberos: „Wenn sich einer zu
weit aus dem Fenster
lehnt, wird er starken Gegenwind bekommen“, sagte Matthäus.
Fußball: Jens Dowe wechselt von Hansa Rostock zu
Rapid Wien.
Fußball: Das Hermannsdenkmal bei Detmold wird
ab dem 16. Juli mit einem
riesigen Trikot von Arminia Bielefeld verhüllt.
Fußball: Der Schalker Youri Mulder muß zum fünftenmal am Meniskus operiert werden.
Fußball: Dietmar Beiersdorfer (35; Ex-Profi des
HSV und bei Werder) ist
als Sportdirektor bei Werder Bremen im Gespräch.
Boxen:
SchwergewichtsWeltmeister Evander Holyfield (36) will nur noch
fünfmal kämpfen: gegen
Lennox Lewis, Henry
Akinwande, David Tua, eine Nummer zwei der Weltrangliste und Mike Tyson.
Segeln: Nach schwachem
Auftakt kamen die Tornado-Europameister Roland
Gäbler (NRV) und René
Schwall WM in Kopenhagen besser in Fahrt und liegen nach vier Rennen einen Punkt vor Helge und
Christian Sach (Zarnekau)
auf Rang acht. Johannes
Polgar und Carsten Happel (NRV) kenterten in einer Bö und sind nur 36.
Formel 1: Der Prozeß um
den Unfalltod von Ayrton
Senna 1994 in Imola wird
neu aufgerollt.
Formel 1: „BMW Williams
F 1“ soll das neue BMWTeam im Jahr 2000 heißen.
Motorsport: Der ADAC
macht im Jahr 2000 doch
weiter bei der Supertourenwagen-Meisterschaft.
Start ist am 14. Mai auf
dem Sachsenring.
Olympia: Bundesinnenminister Otto Schily fordert,
daß mehr Sportler ins IOC
einbezogen werden.
Olympia: Nach internen
Querelen ist der Organisationschef der Olympischen Spiele 2004 in
Athen, Stratis Stratigis, zurückgetreten.
Fußball: Drei Jahre vor der
WM in Japan und Südkorea gibt es noch keinen
Termin. Die FIFA erwägt
den 23. Mai als Eröffnung.
Fußball: Real Madrid hat
für 28,5 Millionen Mark
den Bosnier Elvir Balic
von Fenerbahce Istanbul
verpflichtet. Der FC Valencia zahlte 11,4 Millionen
Mark für Oscar Garcia vom
FC Barcelona.
Gewichtheben: Der Weltverband will jeden Athleten, der zur WM im November nach Athen fährt, zweimal vorher auf Doping testen lassen.
ERGEBNISSE
Tennis: WTA-Turnier in Pörtschach/
Österreich (112 500 Dollar): Huber
(Karlsdorf) − Weingärtner (Heidelberg) 6:3, 6:3. ATP-Turnier in Newport/USA (325 000 Dollar): Sargsian
(Armenien) − Pretzsch (Hamburg) 7:6
(7:5), 2:6, 6:4. Bastad/Schweden
(325 000 Dollar): Kulti (Schweden) −
Kohlmann (Hagen) 1:6, 6:4, 6:3.
Fußball: Copa America, Gruppe A:
Paraguay − Peru 1:0, Bolivien − Japan 1:1. Österreich, 2. Spieltag: Austria Wien − Austria Salzburg 2:0.
Testspiel: 1. SC Norderstedt − SC
Victoria 1:0 (Tor: Reincke, 75.);
Leichtathletik: Meeting in Zagreb,
Männer: 100 m: 1. Bruny Surin (Kanada) 10,08 Sekunden; 2. Jason Gardener (Großbritannien) 10,10; 3. Dennis Mitchell (USA) 10,14; 200 m: 1.
Bruny Surin (Kanada) 20,29 Sekunden; 2. Tony McCall (USA) 20,37; 400
m: 1. Ibrahim Wade (Senegal) 45,22
Sekunden; 110 m Hürden: 1. Mark
Crear (USA) 12,98 Sekunden (Jahresweltbestzeit); 2. Colin Jackson
(Großbritannien) 13,24; Weitsprung:
1. James Beckford (Jamaika) 8,34 m.
Frauen: 100 m: 1. Sevatheda Fynes
(Bahamas) 11,08 Sekunden; 100 m
Hürden: 1. Olga Schischigina (Kasachstan) 12,60 Sekunden (Jahresweltbestzeit eingestellt); 2. Gail Devers (USA) 12,69. Luzern: Männer:
100 m: 1. Tim Harden (USA) 9,92 Sekunden; 2. Eric Nkansah (Ghana)
10,00; 3. Brian Lewis (USA) 10,06;
400 m: 1. Kennedy Ochieng (Kenia)
45,07 Sekunden; 800 m: 1. Mark Everett (USA) 1:46,49 Minuten; Kugelstoßen: 1. C.J. Hunter (USA) 21,36 m; 2.
John Godina (USA) 21,16; 3. Michael
Mertens (Göttingen) 19,71; Frauen:
100 m: 1. Merlene Ottey (Jamaika)
10,97 Sekunden; 100 m Hürden: 1.
Delloreen Ennis (Jamaika) 12,80 Sekunden.
Segeln: Starboot-EM vor Helsinki,
Stand nach 3 Wettfahrten: 1. Butzmann/Peters (Berlin/Steinebach) 10
Punkte; 2. Hoesch/Fendt (Rimsting/
Marktoberdorf) 15; 3. Hudson/Gowers (Großbritannien) 22; 4. Schmid/
Wolfram (Recklinghausen/Damme)
26; . . . 11. Hagen/Witt (Hamburg/
Berlin) 45.
LL
Hamburger Abendblatt
86. Tour de France
Folge drei der Abendblatt-Serie: Lesen Sie heute
die Geschichte von Jesse Owens und seiner Freundschaft
über alle Grenzen hinweg mit dem Deutschen Luz Long,
die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin begann.
Zabel und die
neue Lockerheit
Er sprang wie befreit
Von OSKAR BECK
Der Brief, den Jesse Owens zu
Beginn der 40er Jahre in Cleveland/ Ohio eines Morgens in seiner Post findet, hat einen langen
Weg hinter sich. Er kommt von
der nordafrikanischen Kriegsfront, ist in etwas ungelenkem
Englisch geschrieben, und das
Datum im Poststempel verrät,
daß der Brief aus der Wüste bis
Amerika fast ein Jahr gebraucht
hat. „Mein lieber Freund Jesse,
wo ich jetzt bin, scheint es nichts
mehr zu geben außer Sand und
Blut. Ich habe keine Angst um
mich, ich habe nur Angst um meine Frau und meinen Sohn Karl,
der seinen Vater nie richtig kennengelernt hat. Mein Herz sagt
mir, daß dies vielleicht der letzte
Brief ist, den ich je schreiben werde. Wenn es so ist, bitte ich dich
um eines: Gehe nach Deutschland, wenn der Krieg vorbei ist,
suche meinen Sohn, und erzähle
ihm von seinem Vater. Erzähle
ihm aus den Zeiten, als uns der
Krieg nicht getrennt hat − und sage ihm, daß die Dinge auch anders sein können zwischen den
Menschen auf dieser Erde . . .
Dein Bruder, Luz.“
Jesse Owens hat später in seinen Memoiren geschildert, wie
er nach diesem Brief zum Herrgott gebetet hat, er möge diesen Krieg beenden und diesen Mann retten, der sein
größter Gegner war und
sein bester Freund wurde. „Ich habe ihn geliebt“, so Owens.
Berlin, August
1936. Olympische
Spiele, Qualifikation im Weitsprung.
Als
Owens die
Auch der Rassenwahn konnte die Freundschaft zwischen dem Deutschen
Luz Long und dem Amerikaner Jesse Owens (kl. Foto) nicht verhindern. Sie
lieferten sich bei Olympia 1936 in Berlin ein dramatisches Weitsprungduell.
Owens siegte mit 8,09 m − und gewann noch dreimal Gold. Fotos: AKG/SCHIRNER
Konkurrenz mustert, weiß er sofort: Der da drüben ist es. Groß.
Blond. Blaue Augen. Das ist Hitlers Mann. Luz Long. Der soll ihn
besiegen und ihm die Überlegenheit der arischen Rasse beibringen. Ihm, dem Schwarzen. „Mein
Erzfeind“, schießt es Owens
durch den Kopf.
James Cleveland Owens, kurz:
J.C., sprich: Jesse, ist 22 und muß
keinen auf der Welt fürchten. Am
25. Mai 1935 ist ihm in Ann Arbor
das sagenhafte Kunststück gelungen, binnen 45 Minuten fünf
Weltrekorde zu brechen, wobei er
die 200 Meter in 20,3 Sekunden
lief − die 8,13 Meter im Weitsprung sind so unwiderstehlich,
daß sie bis 1960 halten.
Warum ist Owens an diesem
Tag so nervös? Erster Sprung:
ungültig. Zweiter Sprung: zu
kurz. Er hat nur noch einen Versuch, er sieht sich schon als Lachnummer − da spürt er diese Hand
auf den Schultern. „Jazzy
Owenz“, sagt Luz Long mit seinem deutschen Englisch, „ich
weiß, was jetzt in Ihnen vorgeht.“
Und er redet dem Amerikaner
gut zu, gibt ihm Tips für den Anlauf, und damit er den Balken
beim Absprung trifft, legt er ihm
zur Orientierung noch ein Handtuch daneben. Owens läuft an. Er
springt wie befreit. Olympischer
Rekord. Finale geschafft. „Alles,
was ich Luz Long anbieten konnte“, sagt er später, „war meine
Freundschaft.“
Am Abend treffen sie sich auf
einen Kaffee. Sie treffen sich fortan jeden Abend, der Weiße aus
Nazideutschland
und
der
Schwarze aus Alabama, die beide
vom Jahrgang 1913, aber aus zwei
unvereinbaren Welten sind, und
Owens erzählt Long, wie er als eines von acht Kindern eines
Baumwollpflückers im Süden
aufwuchs, wie sie vor der Armut
nach Cleveland flüchteten, wie er
sich dort als Hotelpage durchschlug, er erzählt von seiner Frau
Ruth und Töchterchen Gloria.
Und Luz Long erzählt von seiner
Familie und Söhnchen Karl.
Dann kommt der Tag des Weitsprung-Finales, ihr Duell am 4.
August 1936. Luz Long legt vor.
7,87 Meter − neuer Olympischer
Rekord. Owens eilt zu ihm, umarmt ihn. Dann ist er dran. 35
Schritte zum Balken − 8,06 Meter.
„You did it!“, ruft Long, „du
hast es geschafft!“ Und der Deutsche hebt den Arm des Siegers,
führt ihn zu den Zuschauern, ruft
in die Menge: „Jazzy Owenz!“
Und plötzlich skandiert das ganze Stadion diesen Namen, Jesse
Owens wird zum Liebling der
Berliner. Tags zuvor hat er die 100
Meter gewonnen, tags darauf
siegt er über 200 Meter und am
Ende auch noch mit der 4 x 100Meter-Staffel. „Das Berliner Publikum hat mir die schönsten Tage meines Lebens bereitet“, sagt
er, „während Hitler eine Wut auf
mich hatte.“ Oh ja, er wußte, wer
dieser Mensch da oben in der Loge war. Und er wußte, was er diesem Diktator antat: viermal
schwarzes Gold unterm Hakenkreuz − vier Siege gegen den Rassenwahn.
Dann ist Krieg. Im Juli 1943
stirbt Luz Long in Sizilien. Doch
für Owens lebt er noch einmal
auf, Jahre danach in Berlin. „Ich
habe ihn wiedergesehen, im Gesicht seines Sohnes Karl.“ Sie
machen einen langen Spaziergang, und der Amerikaner erzählt dem jungen Deutschen von
seinem Vater. Und von einer Augustwoche in Berlin.
Jesse Owens ist 1980 gestorben. Seine Lebenserinnerungen
beginnen mit der Widmung: „Für
zwei unvergleichliche Mannschaftskameraden: Meine Frau
Ruth − und den Nazi, der Hitler
mit mir bekämpft hat, Luz Long.“
Nächsten Mittwoch:
Als Max Schmeling die rechte
Gerade seines Lebens schlug
Rekordflüge über den Wolken
Sportsoldat Sebastian Huhmann aus Hamburg startet bei der Weltmeisterschaft in Polen
jae Leszno − Das Ziel hat er fest
vor Augen: Unter die ersten zehn
will er bei seiner WM-Premiere
kommen. „Das wäre gegen die alten Hasen ein gelungener Einstand“, sagte Sebastian Huhmann zu seinem Vater Norbert
(49), als er sich vergangene Woche von Hamburg aus nach Leszno aufmachte.
In Polen nimmt der 21 Jahre alte Sportsoldat aus Lohbrügge,
der in Bückeburg stationiert ist,
den Kampf in der „Weltklasse“
gegen 32 Piloten aus 16 Ländern
auf. Der Auftakt war verheißungsvoll. Sebastian Huhmann
wurde Fünfter.
Was er sich vornimmt, das realisiert er gewöhnlich auf. „Mein
Sohn ist von Säuglingsbeinen
mit diesem Sport aufgewachsen“, sagt der Vater. Norbert
Huhmann, selber ein leidenschaftlicher Segelflieger, hat seinen Sohn, als der gerade ein Jahr
alt war, fast jeden Tag die paar
Schritte von Lohbrügge zum Boberger Segelflugplatz mitgenommen.
Sebastian Huhmann in seiner
„PW 5“. Dieses
Segelflugzeug
wurde in Polen
konstruiert
und
von einer internationalen Jury aus
sechs Herstellerfirmen als technisch einwandfrei
und akzeptabel
für die neue Einheitsklasse angesehen.
Foto: AUFWIND
„Da hat der Bub mit großen
Duplo-Steinen
gespielt
und
sehnsüchtig zu den Fliegern
hoch oben am Himmel geschaut“, erinnert sich Huhmann.
Er ist Lehrer an der Polizeischule
in Alsterdorf und widmet sich jede freie Minute seinem Hobby.
Dann kam die Modellbau-Phase, später die ersten Versuche im
Cockpit eines Seglers, und mit 14
wagte Sebastian seinen ersten
Alleinflug. Zuvor hatte er schon
35 Starts und Landungen mit einem Fluglehrer hinter sich. Der
Vater hatte mitgestoppt: „Sieben
Minuten dauerte der Alleinflug.“
Irgendwie hat die Familie (die
Mutter ist ebenfalls eine begeisterte Segelfliegerin) es an den
29
Regeln vorbei hinbekommen,
daß ihr Sohn bis zur Luftfahrschein-Prüfung schon 300 Flugstunden hatte − normal sind 30.
Der Prüfbeamte flachste: „So
lange geübt, das wird wohl ein
schwieriger Fall.“ Bald wunderte
er sich, wie perfekt Sebastian
schon am Steuer war.
Vier Jahre später hat der Junior mit 1550 Flugstunden seinen
Vater (in 30 Jahren 1650 Flugstunden) fast schon eingeholt.
Dazwischen lagen unendlich viel
Trainingsfleiß auf dem Gelände
des Hamburger Aero Club Boberg e.V. (ein Sponsor hat ihm eine schnittige Maschine zur Verfügung gestellt), etliche Trophäen bei regionalen Meisterschaften und die Auszeichnung
„Junior-Segelflieger des Jahres“.
Sein größtes Ziel aber ist ihm
zunächst verwehrt worden. Flugkapitän will er werden, aber er
bestand einen Test bei der Lufthansa nicht. Kein Beinbruch:
Nun beginnt er am 1. September
eine Ausbildung an der Hamburger Verkehrsfliegerschule.
sid/wag Laval − Wieder ist Erik
Zabel denkbar knapp am Etappensieg vorbeigerauscht. Nach
den Rängen drei und vier ließ
der Telekom-Topsprinter am
Ziel des dritten Tagesabschnitts nur noch einem Rivalen den Vortritt. Wie am Tag zuvor triumphierte der Belgier
Muskulatur locker, ja geradezu
schwabbelig gewesen. Jetzt
wäre sie viel härter geworden,
habe mehr Spannung.
Bereits im Vorjahr gewann
Zabel das Grüne Trikot des
Punktbesten, ohne einen Etappensieg errungen zu haben. „Er
hat Körperfett abgebaut und ist
Neuer Schauplatz, altes Bild: Tom Steels jubelt, Erik Zabel (re.) läßt geschlagen den Kopf hängen. Foto: REUTERS
Tom Steels. Das Gelbe Trikot
behauptete der Este Jan Kirsipuu, der zeitgleich mit Steels
im Hauptfeld das Ziel in Laval
erreichte.
Die Enttäuschung bei Erik
Zabel, der heute 29 Jahre alt
wird, hielt sich erneut in Grenzen. „Ich habe heute eigentlich
alles richtig gemacht, aber
Steels war eben stärker, da
kann man nichts machen“, sagte der jetzt in Unna bei Dortmund lebende gebürtige Berliner. Früher habe er seine Siege
oft von der Spitze errungen.
Das gelinge ihm nun nicht
mehr, weshalb er sich auf den
Antritt aus dem Windschatten
umgestellt habe. „Aber das versuchen halt alle“, so Zabel.
Sein langjähriger Masseur
Dieter Ruthenberg hat die Veränderung vorausgesagt. „Bald
wird er ganz locker die härtesten Berge hochschnurren“,
prophezeite der erfahrene Kneter. Denn früher sei Zabels
schlanker geworden“, erläutert
Teamarzt Dr. Lothar Heinrich.
Das bedeute aber auch, daß
ihm Körpermasse fehlt, wenn
Maximalkraft gefragt ist. „Er
hat einfach nicht mehr soviel
Schnellkraft wie vorher“, so
Heinrich.
Zabel wollte „als Rennfahrer
kompletter werden“, dabei
aber seine Spritzigkeit behalten. Dieser Plan ist offenkundig nicht aufgegangen. Deshalb sei er inzwischen „über jeden Sieg sehr froh“, egal, ob bei
einer Tour-Etappe oder bei einem schweren Eintagesrennen.
Unabhängig vom Ausgang
der vierten Etappe heute nach
Blois wird Erik Zabel seinen
Geburtstag mit Ehefrau Cordula und Sohn Rick feiern. „Ich
bin längst nicht mehr so verbissen, wie in meinen ersten TourJahren. Ich gehe die Sache jetzt
lockerer an und das tut mir sehr
gut.“ Ob es so noch zu einem
Tour-Etappensieg reicht?
Doping-Rendezvous
im Campingbus
dpa/ra Nantes − Das Parfum der
charmanten Siegerpodest-Hostessen hängt dem Etappensieger noch in der Nase, da wird er
auch schon in einen unscheinbaren Wagen geschoben. Hier
erwarten den Triumphator keine weiteren Küsse, sondern eine gänzlich ernüchternde Prozedur − die Dopingprobe.
Für die drei Erstplazierten
und zwei ausgeloste Fahrer endet die Tour-Etappe nicht am
Zielstrich, sondern im schneeweißen Campingbus mit der
Nummer 155. „Nach jeder
Etappe hat der Sieger genau 30
Minuten Zeit, um bei uns vorbeizuschauen“, sagt der französische Sportmediziner Michel
Grosset-Jahn aus Annecy. Wer
nicht kommt, riskiert die Disqualifikation. Und wer kommt,
sollte „clean“ sein.
Silberne Sonnenschutz-Folien versperren den Blick ins
Innere des geheimnisvollen
Fahrzeugs. Die Rennfahrer
müssen sich nackt ausziehen
und unter Aufsicht in einer gerade mal einen Quadratmeter
großen Toilette Urin abgeben.
„Dort jemandem etwas vorzuspielen ist absolut unmöglich“,
meint Patrick Lefevre, sportlicher Leiter des Mapei-Teams.
Wer nicht sofort zur Sache
kommen kann, dem wird Mine-
TOUR IN ZAHLEN
3. Etappe von Nantes nach Laval (194,5
km): 1. Steels (Belgien) 4:29:27 Std., 2.
Zabel (Unna), 3. O’Grady (Australien), 4.
Minali (Italien), 5. Hincapie (USA), 6. Casper (Frankreich), . . .48. Wesemann
(Lenzburg), 50. Bölts (Heltersberg), 93.
Schaffrath (Berlin), 157. Jaksche (Ansbach) alle gl. Zeit, 165. Hundertmarck
(Kelsterbach) 1:02 zurück.
Gesamt: 1. Kirsipuu 13:18:59 Std., 2.
Steels 0:17 Min. zur., 3. O’Grady 0:20, 4.
Armstrong (USA) gl. Zeit, 5. Olano (Spanien) 0:31, 6. Hincapie 0:34, 7. Moreau
(Frankreich) 0:35, 8. Zabel 0:40, . . . 31.
Bölts 0:58, 71. Hundertmarck 2:26, 157.
Jaksche 20:31, 165. Schaffrath 20:50.
Punktwertung: 1. Kirsipuu 105 P., 2.
Steels 100, 3. O’Grady 85, 4. Zabel 84.
Bergwertung: 1. Piccoli (Italien) 9 P., 2.
Giunti (Italien) 5, 3. Cerezo (Spanien) 5, 4.
Brochard (Frankreich) 5.
ralwasser gereicht. Der einzige
Service an der ungastlichen
Stätte. Ein paar Tröpfchen
kommen wenig später unter
Aufsicht des Pedaleurs ins anschließend versiegelte Proberöhrchen − der Rest endet in der
Toilettenspülung.
Die kritisch beäugte PinkelZeremonie findet unter Zeugen
statt, weil sich in der Vergangenheit überaus unappetitliche
Szenen zutrugen. Dabei gelangte auch im After oder unter
der Achselhöhle verstecktes
Fremd-Urin ins Probeglas. Ein
aufgespanntes Vorzelt am Wagen verhindert, daß die zahlreichen Kamera-Teams oder andere neugierige Zaungäste Zeuge
des protokollierten Wasserlassens werden.
Kurz darauf heben die Proben per Helikopter ab ins Labor von Chatenay-Malabry bei
Paris. Zwei Tage später gibt es
dann die Ergebnisse. Bedeutet
im Klartext: Auch der Gesamtsieger der Tour de France steht
definitiv erst zwei Tage nach
der Siegerehrung auf den Pariser Champs-Élysées fest.
Das Team Telekom erwägt
rechtliche Schritte gegen Professor Werner Franke. Franke
hatte behauptet, die Staatsanwaltschaft ermittele gegen einen Telekom-Mitarbeiter.
Pantani zweifelt
am Dopingtest
dpa Trient − Einen Monat nach
seinem Ausschluß vom Giro
d’Italia hat der Tour-Sieger des
Vorjahres, Marco Pantani (Italien), die Richtigkeit der DopingKontrollen des Internationalen
Radsportverbandes (UCI) angezweifelt. Laut einer neunseitigen Analyse der Professoren
Rino Froldi und Sante Tora sei
sein mit 52 Prozent zu hoher
Hämatokritwert vor der vorletzten Etappe des Giro die Folge von Meßfehlern gewesen,
außerdem habe es zwei Verfahrensfehler gegeben. Das Gutachten übergab Pantani dem
ermittelnden
Staatsanwalt
Bruno Giardina in Trient.
Leichtathletik im Hammer Park: Großer Sport für kleines Geld
leo Hamburg − Die Vorbereitungen für das 18. Internationale
Abendmeeting der LG Hammer
Park sind auf die Zielgerade eingebogen. Drei Wochen vor der
bedeutendsten LeichtathletikVeranstaltung in Hamburg ist
das Starterfeld so gut wie komplett.
130 Teilnehmer aus 25 Nationen, darunter sieben Deutsche
Meister und etwa 40 WM-Teilnehmer, werden am 28. Juli in insgesamt 17 Disziplinen ihre Kräfte
messen. Wieder einmal kann Or-
ganisator Rainer Blankenfeld
darauf verweisen, trotz spärlicher Mittel viele klangvolle Namen in die Hansestadt gelockt zu
haben − allen voran die Kugelstoßer Oliver-Sven Buder (Wattenscheid) und Astrid Kumbernuss
(Neubrandenburg) sowie Stabhochspringer Michael Stolle, von
dem Blankenfeld Großes erwartet: „Er ist für mich der nächste
Sechsmeterspringer.“
Dazu gesellen sich Dreisprung-Weltcupsieger
Charles
Friedek (Leverkusen), der den
<>
Nr. 155
deutschen Rekord (17,66 Meter)
ins Visier nehmen will, Mittelstreckler Rüdiger Stenzel (Wattenscheid), der über 1000 Meter
startet, Hindernisläufer Andre
Green (Wedel/Pinneberg, 3000
Meter) und die komplette SprintNationalmannschaft der Herren.
Große internationale Zugnummern kann sich Blankenfeld
zwar nicht leisten − der Etat von
110 000 Mark würde kaum ausreichen, um allein US-Sprintstar
Marion Jones die Antrittsprämie
zu zahlen. Doch noch laufen Ver-
Seite 29
2
handlungen mit den Weitspringerinnen Susen Tiedtke (Chemnitz) und Heike Drechsler (Ludwigshafen), Hochspringer Martin Buß (Berlin), Stabhochsprung-Rekordler Tim Lobinger
(Köln) und den 800-Meter-Assen
Linda Kisabaka (Leipzig) und
Heike Meissner (Magdeburg).
Bei maximal 1800 Mark Siegprämie ein schwieriges Unterfangen. Aber Blankenfeld weiß:
„Die Athleten akzeptieren unsere finanzielle Situation − und
kommen dennoch.“
Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
Im letzten Jahr
schrammte Dreispringer Charles
Friedek im Hammer Park mit
17,59 Metern nur
um sieben Zentimeter am deutschen
Rekord
vorbei. Jetzt will
der Leverkusener
die acht Jahre alte
Bestleistung von
Ralf Jaros angreiFoto: AP
fen.
L
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